[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Hydrauliksystem für eine fahrbare Rettungsliege
mit einem Hydraulikzylinder, einem Tank und einer Pumpe. Ferner betrifft die Erfindung
eine fahrbare Rettungsliege mit einem solchen Hydrauliksystem.
[0002] Der Hydraulikzylinder weist regelmäßig einen Kolben mit wenigstens einer Kolbenstange,
einen ersten Arbeitsraum und einen vom ersten Arbeitsraum durch den Kolben getrennten
zweiten Arbeitsraum auf. Der erste Arbeitsraum ist regelmäßig der Kolbenarbeitsraum
und der zweite Arbeitsraum ist regelmäßig der Stangenarbeitsraum.
[0003] Der erste Arbeitsraum ist über eine erste Leitungsanordnung mit der Pumpe verbunden
und der zweite Arbeitsraum ist über eine zweite Leitungsanordnung mit der Pumpe verbunden.
Ja nachdem ob der Hydraulikzylinder eingefahren oder ausgefahren werden soll, kann
der erste Arbeitsraum über die erste Leitungsanordnung oder der zweite Arbeitsraum
über die zweiten Leitungsanordnung wahlweise durch die Pumpe mit Druck beaufschlagt
werden. Bei Druckbeaufschlagung des zweiten Arbeitsraums kann Hydraulikfluid aus dem
ersten Arbeitsraum über die erste Leitungsanordnung abfließen, indem die erste Leitungsanordnung
ein bei Druckbeaufschlagung der zweiten Leitungsanordnung aufsteuerbares erstes Rückschlagventil
aufweist. Bei Druckbeaufschlagung des ersten Arbeitsraums fließt Hydraulikfluid aus
dem zweiten Arbeitsraum über die zweite Leitungsanordnung ab. Das aus den Arbeitsräumen
abfließende Hydraulikfluid fließt zum Tank oder wird direkt wieder durch die Pumpe
angesaugt.
[0004] Bei fahrbaren Rettungsliegen werden diese Hydrauliksysteme eingesetzt, um eine Patientenliege
der Rettungsliege gegenüber einem Fahrgestell der Rettungsliege in der Höhe zu verändern.
Regelmäßig weisen derartige Rettungsliegen eine Scherenheberkonstruktion auf, die
einerseits mit der Patientenliege und andererseits mit dem Fahrwerk verbunden sind.
Um das Höhenniveau der Patientenliege zu verändern wird der Hydraulikzylinder entsprechend
ein- oder ausgefahren. Eine solche Rettungsliege ist beispielsweise aus der
WO 2019/ 201579 A1 bekannt.
[0005] Ein Nachteil bei den bekannten Lösungen ist es aber, dass es beim Einfahren des Hydraulikzylinders
zu einem "Stottern" des ersten Rückschlagventils kommen kann, wenn eine zusätzliche
Kraft in Einfahrrichtung des Hydraulikzylinders wirkt. Dieser Zustand wird im Folgenden
als ziehende Last bezeichnet und kann beispielsweise durch einen auf der Patientenliege
liegenden Patienten bedingt sein.
[0006] Beim Einfahren des Hydraulikzylinders wird der Steuerdruck zum Aufsteuern des ersten
Rückschlagventils durch Druckbeaufschlagung der zweiten Leitungsanordnung und mithin
des zweiten Arbeitsraums (d.h. des Stangenarbeitsraums) erzeugt. Das aus dem ersten
Arbeitsraum (d.h. aus dem Kolbenarbeitsraum) verdrängte Hydraulikfluidvolumen ist
größer als das in den zweiten Arbeitsraum zu fördernde Hydraulikfluidvolumen, sodass
nur ein Teil des verdrängten Hydraulikfluids direkt wieder in den zweiten Arbeitsraum
gefördert wird. Der überschüssige Volumenanteil muss dem Kreislauf entnommen werden
und in den Tank geleitet werden. Aufgrund einer ziehenden Last kann es aber dazu kommen,
dass der dann von der Pumpe erzeugte Pumpenvolumenstrom nicht mehr ausreicht, um das
benötigte Hydraulikfluidvolumen für den zweiten Arbeitsraum nachzufördern. Dies führt
dazu, dass der am ersten Rückschlagventil anliegende Steuerdruck zusammenbricht und
das erste Rückschlagventil schließt. Die Einfahrbewegung des Hydraulikzylinders stoppt
sodann. Sobald sich ein ausreichender Staudruck aufgebaut hat reicht das Fördervolumen
der Pumpe wieder aus und der Steuerdruck baut sich erneut auf. Das erste Rückschlagventil
öffnet wieder und der Hydraulikzylinder fährt wieder weiter ein. Da aber nach wie
vor eine ziehende Last wirkt, bricht der Steuerdruck zeitnah wieder ein und das erste
Rückschlagventil schließt erneut.
[0007] Dieses Stottern des ersten Rückschlagventils kann zu Beschädigungen am Sitz des Ventils
führen und zu einem Aufschwingen des gesamten Hydrauliksystems führen. Ferner ergibt
sich so auch eine unangenehme Situation für den Bediener sowie den Patienten.
[0008] Um dies zu verhindern kann in der ersten Leitungsanordnung eine Düse integriert sein,
um die Einfahrgeschwindigkeit des Hydraulikzylinders zu reduzieren. Ein beispielhafter
Hydraulikschaltplan ist hier in Fig. 1 gezeigt.
[0009] Das Hydrauliksystem 101 weist einen Hydraulikzylinder 102, einen Tank 103 und eine
Pumpe 104 auf Der Hydraulikzylinder 102 weist einen Kolben 105 mit einer Kolbenstange
106 auf, der einen ersten Arbeitsraum 107 von einem zweiten Arbeitsraum 108 trennt.
Der erste Arbeitsraum 107 ist hier der Kolbenarbeitsraum und der zweite Arbeitsraum
108 ist der Stangenarbeitsraum. Die Kolbenstange 106 ist mit der (nicht dargestellten)
Patientenliege verbunden, um diese gegenüber dem (nicht dargestellten) Fahrgestell
in der Höhe zu verändern. Der Kolbenarbeitsraum 107 ist über eine erste Leitungsanordnung
109 wahlweise mit der Pumpe 104 oder dem Tank 103 verbindbar. Entsprechend ist der
Stangenarbeitsraum 108 über eine zweite Leitungsanordnung 110 ebenfalls mit der Pumpe
104 oder dem Tank 103 verbindbar. Wie dargestellt erfolgt die Verbindung zwischen
den Leitungsanordnungen 109, 110 und dem Tank 103 bzw. der Pumpe 104 über entsprechende
Ventile, wobei auch andere Lösungen denkbar sind, wie beispielsweise auch aus der
WO 2019/ 201579 A1 bekannt.
[0010] Ferner ist in der ersten Leitungsanordnung 109 ein erstes Rückschlagventil 111 angeordnet
und in der zweiten Leitungsanordnung 110 ist ein zweites Rückschlagventil 112 angeordnet.
Das erste Rückschlagventil 111 ist über eine erste Steuerleitung 113 mit der zweiten
Leitungsanordnung 110 verbunden und das zweite Rückschlagventil 112 ist über eine
zweite Steuerleitung 114 mit der ersten Leitungsanordnung 109 verbunden, sodass das
jeweilige Rückschlagventil 111, 112 bei Druckbeaufschlagung der jeweiligen Leitungsanordnung
109, 110 aufgesteuert wird. Wird so beispielsweise die zweite Leitungsanordnung 110
mit Druck beaufschlagt, um den Hydraulikzylinder 102 einzufahren, wird der Druck in
der zweiten Leitungsanordnung 110 über die erste Steuerleitung 113 an das erste Rückschlagventil
111 gemeldet und dieses wird mithin aufgesteuert. Das Hydraulikfluidvolumen aus dem
Kolbenarbeitsraum 107 kann somit über die erste Leitungsanordnung 109 zum Tank 103
abfließen. Ferner ist in der ersten Leitungsanordnung 109 zwischen dem ersten Rückschlagventil
111 und dem Kolbenarbeitsraum 107 eine Düse 115 angeordnet. Über diese Düse 115 wird
der Volumenstrom begrenzt, sodass die Einfahrgeschwindigkeit des Hydraulikzylinders
102 begrenzt ist.
[0011] Die in Bezug auf Fig. 1 beschriebene Lösung verhindert wirksam das Stottern des ersten
Rückschlagventils. Jedoch ist die Düse 115 sowohl beim Einfahren als auch beim Ausfahren
des Hydraulikzylinders 102 aktiv. Mit anderen Worten, nicht nur beim Ablassen der
Patientenliege mit darauf liegendem Patienten (dem sogenannten "Lower Load") sondern
auch beim schnellen Einfahren des Fahrwerks, wenn die Patientenliege beispielsweise
in einem Krankenwagen eingehängt werden soll (dem sogenannten "Retract") ist die Düse
aktiv. Dies verbraucht unnötig Energie, erzeugt Hitze und verringert die Geschwindigkeit
beim Retract.
[0012] Ausgehend hiervon ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Hydrauliksystem für
eine fahrbare Rettungsliege aufzuzeigen, bei welchem ein Stottern des Rückschlagventils
bei ziehender Last wirksam verhindert werden kann, ohne dass es zu Einschränkungen
der Funktionalität der Rettungsliege kommt.
[0013] Die Lösung der Aufgabe gelingt mit einem Hydrauliksystem gemäß Anspruch 1. Vorteilhafte
Weiterbildungen sind in den abhängigen Ansprüchen beschrieben.
[0014] Das erfindungsgemäße Hydrauliksystem zeichnet sich gegenüber den aus dem Stand der
Technik bekannten Lösungen insbesondere dadurch aus, dass die zweite Leitungsanordnung
eine erste Abzweigleitung und eine zweite Abzweigleitung aufweist. Die erste Abzweigleitung
ist mit der Pumpe verbunden und die zweite Abzweigleitung ist mit dem Tank verbunden.
In der zweiten Abzweigleitung ist erfindungsgemäß ein Druckventil angeordnet, welches
bei Druckbeaufschlagung der zweiten Leitungsanordnung über die Pumpe öffnet, sodass
der Druck in der zweiten Leitungsanordnung auf einen zum Aufsteuern des ersten Rückschlagventils
ausreichenden Druck begrenzt wird. Das Druckventil ist vorzugsweise ein Druckbegrenzungsventil
und öffnet vorzugsweise bei einem Druck von höchstens 100 bar, insbesondere von höchstens
75 bar.
[0015] Somit wird der Druck in der zweiten Leitungsanordnung auf den am Druckventil eingestellten
Druck begrenzt, welcher unterhalb des Pumpendrucks liegt. Dieser begrenzte Druck ist
ausreichend, um das erste Rückschlagventil aufzusteuern. Gleichzeitig kann der überschüssige
Volumenstrom über das Druckventil zum Tank geleitet werden und so dem Kreislauf entnommen
werden. Somit kommt es selbst bei einer ziehenden Last nicht zu einem Zusammenbruch
des am ersten Rückschlagventil anliegenden Steuerdrucks und mithin auch nicht zum
Stottern des ersten Rückschlagventils. Auch kann so eine ausreichende Geschwindigkeit
sowohl beim Retract als auch beim Lower Load erreicht werden.
[0016] Vorzugsweise ist ein zweites Rückschlagventil in der ersten Abzweigleitung angeordnet,
wobei die zweite Abzweigleitung in Strömungsrichtung von der Pumpe zum Hydraulikzylinder
gesehen stromabwärts des zweiten Rückschlagventils aus der zweiten Leitungsanordnung
abzweigt. Das zweite Rückschlagventil bewirkt, dass bei einem Ausfahren des Hydraulikzylinders
der Kolbenstangenarbeitsraum über das Druckventil zum Tank entlastet ist.
[0017] Vorzugsweise weist die zweite Leitungsanordnung eine dritte Abzweigleitung auf, wobei
die dritte Abzweigleitung mit dem Tank verbunden ist und aus der ersten Abzweigleitung
abzweigt. Erfindungsgemäß ist eine Düse in der dritten Abzweigleitung angeordnet.
Über diese Düse kann gewährleistet werden, dass sich der Steuerdruck zum Aufsteuern
des ersten Rückschlagventils bei einem Stoppen des Einfahrens des Zylinders sicher
abbaut und das erste Rückschlagventil sicher schließt. So kann ein Absacken der Patientenliege
wirksam verhindert werden.
[0018] Zweckmäßigerweise weist die dritte Abzweigleitung eine die Düse umgehende Bypassleitung
mit einem vierten Rückschlagventil auf. So kann bei einer Druckbeaufschlagung des
ersten Arbeitsraums ein größeres Hydraulikfluidvolumen vom Tank über die Pumpe nachgesaugt
werden.
[0019] Es ist von Vorteil, wenn die erste Leitungsanordnung eine vierte mit dem Tank verbundene
Abzweigleitung aufweist, wobei ein bei Druckbeaufschlagung der zweiten Leitungsanordnung
aufsteuerbares viertes Rückschlagventil in der vierten Abzweigleitung angeordnet ist.
Hierbei ist es insbesondere vorteilhaft, wenn ein hydraulischer Widerstand in der
vierten Abzweigleitung in Strömungsrichtung vom ersten Arbeitsraum zum Tank stromaufwärts
des vierten Rückschlagventils in der vierten Abzweigleitung angeordnet ist, wobei
der hydraulische Widerstand insbesondere eine Düse ist. So kann sichergestellt werden,
dass ein Teilvolumenstrom des überschüssigen Volumenstroms direkt in den Tank abgeleitet
wird. So kann insgesamt die Verlustleistung reduziert werden, da nicht der gesamte
überschüssige Volumenstrom über das Druckventil zum Tank abfließen muss.
[0020] Des Weiteren gelingt die Lösung der Aufgabe mit einer fahrbaren Rettungsliege gemäß
Anspruch 10. Erfindungsgemäß weist die Rettungsliege ein vorstehend beschriebenes
Hydrauliksystem auf.
[0021] Nachfolgend wird die Erfindung unter Bezug auf die Figuren näher erläutert. Hierbei
zeigt schematisch:
- Fig. 1
- einen Hydraulikschaltplan eines aus dem Stand der Technik bekannten Hydrauliksystems,
wie vorstehend bereits beschrieben;
- Fig. 2
- einen Hydraulikschaltplan eines erfindungsgemäßen Hydrauliksystems; und
- Fig. 3
- eine Seitenansicht einer Rettungsliege mit einem erfindungsgemäßen Hydrauliksystem.
[0022] In Fig. 2 ist ein Hydraulikschaltplan eines erfindungsgemäßen Hydrauliksystems 1
für eine fahrbare Rettungsliege 50 dargestellt. Die Rettungsliege 50 wird nachfolgend
noch unter Bezugnahme auf Fig. 3 genauer beschrieben. Das Hydrauliksystem 1 weist
einen Hydraulikzylinder 2, einen Tank 3 und eine Pumpe 4 auf. In diesem Ausführungsbeispiel
ist der Tank 3 als Hydraulikspeicher ausgeführt, wobei auch andere Ausführungen denkbar
sind, beispielsweise wie in Fig. 1 gezeigt.
[0023] Der Hydraulikzylinder 2 weist einen Kolben 5 mit einer Kolbenstange 6 auf, der einen
ersten Arbeitsraum 7 und einen zweiten Arbeitsraum 8 trennt. In diesem Ausführungsbeispiel
ist der erste Arbeitsraum 7 der Kolbenarbeitsraum und der zweite Arbeitsraum 8 der
Stangenarbeitsraum. Der Kolbenarbeitsraum 7 ist über eine erste Leitungsanordnung
9 mit der Pumpe 4 verbunden und der Stangenarbeitsraum 8 ist über eine zweite Leitungsanordnung
10 mit der Pumpe 4 verbunden. Die Pumpe 4 ist so ausgelegt, dass entweder der Kolbenarbeitsraum
7 über die erste Leitungsanordnung 9 oder der Stangenarbeitsraum 8 über die zweite
Leitungsanordnung 10 mit Druck beaufschlagbar ist. Entsprechend fließt das Hydraulikfluid
des jeweils anderen, nicht mit Druck beaufschlagten Arbeitsraums 7, 8 über die jeweilige
Leitungsanordnung 9, 10 ab.
[0024] Hierfür weist das Hydrauliksystem 1 ein erstes in der ersten Leitungsanordnung angeordnetes
Rückschlagventil 11 auf. Das erste Rückschlagventil 11 ist als federbelastetes Rückschlagventil
ausgeführt und über eine erste Steuerleitung 23 mit der zweiten Leitungsanordnung
10 so verbunden, dass das erste Rückschlagventil 11 bei Druckbeaufschlagung der zweiten
Leitungsanordnung 10 bzw. des Stangenarbeitsraums 8 zum Einfahren des Hydraulikzylinders
2 aufgesteuert wird. Das aus dem Kolbenarbeitsraum 7 verdrängte Hydraulikfluid kann
so direkt zumindest teilweise über die erste Leitungsanordnung 9 und die Pumpe 4 angesaugt
werden.
[0025] Aufgrund der Kolbenstange 6 kann beim vorstehend beschriebenen Einfahren des Hydraulikzylinders
2 nicht das gesamte Hydraulikfluidvolumen des Kolbenarbeitsraums 7 direkt über die
Pumpe in den Stangenarbeitsraum 8 gefördert werden. Um dem Kreislauf das überschüssige
Hydraulikfluidvolumen zu entnehmen weist die zweite Leitungsanordnung 10 eine erste
Abzweigleitung 13 und eine zweiten Abzweigleitung 14 auf. Die erste Abzweigleitung
13 ist mit der Pumpe 4 verbunden und ein zweites Rückschlagventil 12 ist in der ersten
Abzweigleitung 13 angeordnet. Das zweite Rückschlagventil 12 ist in diesem Ausführungsbeispiel
ebenfalls als federbelastetes Rückschlagventil ausgeführt. In Strömungsrichtung von
der Pumpe 4 zum Stangenarbeitsraum 8 zweigt die zweite Abzweigleitung 14 stromabwärts
des zweiten Rückschlagventils 12 ab. Die erste Steuerleitung 23 zweigt stromaufwärts
des zweiten Rückschlagventils 12 ab.
[0026] Die zweite Abzweigleitung 14 ist mit dem Tank verbunden und ein als Druckbegrenzungsventil
ausgebildetes Druckventil 15 ist in der zweiten Abzweigleitung 14 angeordnet. Das
Druckbegrenzungsventil 15 begrenzt den Druck in der zweiten Leitungsanordnung 10 auf
höchstens 100 bar, insbesondere auf höchstens 75 bar. Dieser Druck ist ausreichend,
um über die erste Steuerleitung 23 das erste Rückschlagventil 11 aufzusteuern. Gleichzeitig
wird das überschüssige Hydraulikfluidvolumen beim Einfahren des Hydraulikzylinders
2 über das Druckbegrenzungsventil 15 zum Tank abgeleitet. Dies verhindert, dass es
zu einem Stottern des ersten Rückschlagventils 11 aufgrund eines zusammenbrechenden
Steuerdrucks in der ersten Steuerleitung 23 kommt.
[0027] Um bei einem Stoppen des Einfahrens des Hydraulikzylinders 2 ein Absacken zu verhindern
weist die zweite Leitungsanordnung 10 eine dritte Abzweigleitung 16 auf, die aus der
ersten Abzweigleitung 13 zwischen Pumpe 3 und zweitem Rückschlagventil 12 abzweigt
und mit dem Tank 3 verbunden ist. In der dritten Abzweigleitung 16 ist eine Düse 17
angeordnet. Diese Düse 17 wird sehr klein gewählt. Bei einem Stoppen des Einfahrens
des Zylinders schließt das zweite Rückschlagventil 12 und es verbleibt ein Restdruck
zwischen der Pumpe 4 und dem zweiten Rückschlagventil. Der in der zweiten Leitungsanordnung
9 anliegende und über die erste Steuerleitung 23 gemeldete Restdruck kann nun sicher
über die Düse 17 abgebaut werden kann, sodass das erste Rückschlagventil 11 sicher
schließt. Eine weitere Bewegung des Hydraulikzylinders 2 ist somit unterbunden.
[0028] Ferner weist die dritte Abzweigleitung 16 eine die Düse 17 umgehende Bypassleitung
18 mit einem dritten Rückschlagventil 19 auf, welches ebenfalls als federbelastetes
Rückschlagventil ausgeführt ist. Bei einer Druckbeaufschlagung der ersten Leitungsanordnung
9 zum Ausfahren des Hydraulikzylinders 2 kann so über die dritte Abzweigleitung 16
und die Bypassleitung 18 Hydraulikfluid direkt aus dem Tank 3 nachgesaugt werden.
[0029] Die erste Leitungsanordnung 9 weist eine vierte Abzweigleitung 20 auf, die mit dem
Tank 3 verbunden ist. Die vierte Abzweigleitung 18 zweigt in Strömungsrichtung von
der Pumpe 3 zum Kolbenarbeitsraum 7 stromabwärts des ersten Rückschlagventils 11 ab.
In der vierten Abzweigleitung 20 ist ein viertes, ebenfalls federbelastetes Rückschlagventil
21 angeordnet, welches über eine zweite Steuerleitung 24 so mit der zweiten Leitungsanordnung
10 verbunden ist, dass es bei einer Druckbeaufschlagung der zweiten Leitungsanordnung
10 aufgesteuert wird. Die zweite Steuerleitung 24 zweigt zwischen Pumpe 3 und zweitem
Rückschlagventil 12 aus der zweiten Leitungsanordnung 10 bzw. der ersten Abzweigleitung
13 ab. Vor dem vierten Rückschlagventil 21 ist ein als Düse ausgebildeter hydraulischer
Widerstand 22 angeordnet. Hierüber kann beim Einfahren des Hydraulikzylinders 2 ein
definiertes Teilvolumen des aus dem Kolbenarbeitsraum 7 verdrängten Hydraulikfluidvolumens
dem Kreislauf entnommen werden. Dies ermöglich insgesamt ein schnelleres Einfahren
des Hydraulikzylinders 2.
[0030] Wie dargestellt weist das Hydrauliksystem 1 ein handbetätigbares Notventil 25 auf,
welches den Kolbenarbeitsraum 7 und den Stangenarbeitsraum 8 direkt mit dem Tank 3
verbindet. Um ein ungehindertes Absacken bei Betätigung des Notventils 25 zu verhindern
ist eine Düse 26 zwischen dem Stangenarbeitsraum 8 und dem Notventil 25 angeordnet.
[0031] Ferner weist das Hydrauliksystem 1 noch ein Notfalldruckbegrenzungsventil 27 auf,
welches die erste Leitungsanordnung 9 mit dem Tank 3 verbindet. Das Notfalldruckbegrenzungsventil
27 ist auf einen Druck von mehr als 200 bar eingestellt und verhindert Schäden am
Hydrauliksystem 1, die ansonsten entstehen könnten, wenn der Hydraulikzylinder 2 von
außen blockiert wird, bzw. wenn der Hydraulikzylinder 2 in Endanschlag fährt. Ferner
auch dadurch, dass beispielsweise temperatur- oder sonneneinstrahlungsbedingt Druckerhöhungen
entstehen könnten. Das Hydrauliksystem 1 weist darüber hinaus noch einen optionalen
externen Anschluss 28 und optional ein Manometer 29 auf.
[0032] Das Hydrauliksystem 1 weist ferner eine Nachsauganordnung 30 auf, über welche die
Pumpe 4 direkt Hydraulikfluid vom Tank 3 ansaugen kann. Dargestellt ist eine Variante
mit zwei federbelasteten Rückschlagventilen, wobei auch andere Varianten denkbar sind,
beispielsweise mit einem Wechselventil.
[0033] In Fig. 3 ist eine Seitenansicht einer fahrbaren Rettungsliege 50 gemäß der Erfindung
dargestellt. Die Rettungsliege 50 weist eine Patientenliege 51, ein Fahrwerk 52, eine
Scherenheberkonstruktion 53 und ein vorstehend beschriebenes Hydrauliksystem 1 auf.
Der Hydraulikzylinder 2 ist so an der Scherenheberkonstruktion 53 und dem Fahrwerk
52 befestigt, dass eine Druckbeaufschlagung der ersten Leitungsanordnung 9 und mithin
des Kolbenarbeitsraums 7 die Patientenliege 51 gegenüber dem Fahrwerk 52 anhebt. Entsprechend
wird die Patientenliege 51 bei einer Druckbeaufschlagung der zweiten Leitungsanordnung
10 und mithin des Stangenarbeitsraums 8 gegenüber dem Fahrwerk 52 abgesenkt.
[0034] Nunmehr wird zunächst ein Anheben der Patientenliege 51 beschrieben. Hierzu wird
die Pumpe 4 so angesteuert, dass die erste Leitungsanordnung 9 mit Druck beaufschlagt
wird. Hierdurch wird das erste Rückschlagventil 11 geöffnet und Hydraulikfluid strömt
in den Kolbenarbeitsraum 7 und der Hydraulikzylinder 2 fährt aus. Das aus dem Stangenarbeitsraum
8 verdrängte Hydraulikfluid kann über die zweite Leitungsanordnung 10 und die zweite
Abzweigleitung 14 zum Tank 3 abfließen, da der Druck den am Druckbegrenzungsventil
15 eingestellten Druck übersteigt und das Druckbegrenzungsventil 15 mithin öffnet.
Die Pumpe 3 saugt über die vierte Abzweigleitung 16 und die Bypassleitung 18 sowie
über die Nachsauganordnung 30 Hydraulikfluid aus dem Tank 3 an. Sobald die gewünschte
Höhe der Patientenliege 51 erreicht ist, wird die Pumpe 3 abgestellt und die Position
des Hydraulikzylinders 2 wird über das erste Rückschlagventil 11 und das vierte Rückschlagventil
21 gehalten.
[0035] Zum Absenken der Patientenliege 51 wird die Pumpe 4 so angesteuert, dass die zweite
Leitungsanordnung 10 mit Druck beaufschlagt wird. Das erste Rückschlagventil 11 und
das vierte Rückschlagventil 21 werden über den durch die erste und zweite Steuerleitung
23, 24 gemeldeten Steuerdruck aufgesteuert. Das aus dem Kolbenarbeitsraum 7 verdrängte
Hydraulikfluid kann so direkt über die Pumpe 4 wieder angesaugt werden bzw. teilweise
über die vierte Abzweigleitung 20 zum Tank 3 abfließen. Durch den Druck in der zweiten
Leitungsanordnung 10 bzw. in der ersten Abzweigleitung 13 wird das zweite Rückschlagventil
12 geöffnet und Hydraulikfluid kann in den Stangenarbeitsraum 8 fließen. Der überschüssige
Volumenanteil des aus dem Kolbenarbeitsraum 7 abfließenden Hydraulikfluids wird über
das Druckbegrenzungsventil 15 zum Tank 3 abgeleitet und der Druck in der zweiten Leitungsanordnung
9 wird auf den am Druckbegrenzungsventil 15 einstellten Druck begrenzt.
[0036] Sobald die gewünschte Höhe der Patientenliege 51 erreicht ist, wird die Pumpe 4 gestoppt.
Das zweite Rückschlagventil 12 schließt und Steuerdruck in der ersten Steuerleitung
23 und in der zweiten Steuerleitung 24 wird über die dritte Abzweigleitung 16 und
die Düse 17 zum Tank 3 entlastet. Somit schließen das erste Rückschlagventil 11 und
das vierte Rückschlagventil 21 und die Position der Patientenliege 51 wird gehalten.
[0037] Die vorstehenden Funktionsbeschreibungen der fahrbaren Rettungsliege 50 geltend entsprechend
auch für ein schnelles Einfahren ("Retract") bzw. Ausfahren (dem sogenannten "Extend")
des Fahrwerks 51, also für eine Situation bei der kein Patient auf der Patientenliege
51 aufgenommen ist. Dies ist beispielswiese dann notwendig, wenn die Rettungsliege
51 in einen Krankenwagen eingehängt werden soll oder aus dem Krankenwagen entnommen
wird.
Bezugszeichenliste
[0038]
- 1
- Hydrauliksystem
- 2
- Hydraulikzylinder
- 3
- Tank
- 4
- Pumpe
- 5
- Kolben
- 6
- Kolbenstange
- 7
- erster Arbeitsraum/ Kolbenarbeitsraum
- 8
- zweiter Arbeitsraum/ Stangenarbeitsraum
- 9
- erste Leitungsanordnung
- 10
- zweite Leitungsanordnung
- 11
- erstes Rückschlagventil
- 12
- zweites Rückschlagventil
- 13
- erste Abzweigleitung
- 14
- zweite Abzweigleitung
- 15
- Druckventil/ Druckbegrenzungsventil
- 16
- dritte Abzweigleitung
- 17
- Düse
- 18
- Bypassleitung
- 19
- drittes Rückschlagventil
- 20
- vierte Abzweigleitung
- 21
- viertes Rückschlagventil
- 22
- hydraulischer Widerstand/ Düse
- 23
- erste Steuerleitung
- 24
- zweite Steuerleitung
- 25
- Notventil
- 26
- Düse
- 27
- Notfalldruckbegrenzungsventil
- 28
- externer Anschluss
- 29
- Manometer
- 30
- Nachsauganordnung
- 50
- Rettungsliege
- 51
- Patientenliege
- 52
- Fahrgestell
- 53
- Scherenheberkonstruktion
- 101
- Hydrauliksystem
- 102
- Hydraulikzylinder
- 103
- Tank
- 104
- Pumpe
- 105
- Kolben
- 106
- Kolbenstange
- 107
- erster Arbeitsraum/ Kolbenarbeitsraum
- 108
- zweiter Arbeitsraum/ Stangenarbeitsraum
- 109
- erste Leitungsanordnung
- 110
- zweite Leitungsanordnung
- 111
- erstes Rückschlagventil
- 112
- zweites Rückschlagventil
- 113
- erste Steuerleitung
- 114
- zweite Steuerleitung
- 115
- Düse
1. Hydrauliksystem (1) für eine fahrbare Rettungsliege (50) mit einem Hydraulikzylinder
(2), einem Tank (3) und einer Pumpe (4),
wobei der Hydraulikzylinder (2) einen Kolben (5) mit wenigstens einer Kolbenstange
(6), einen ersten Arbeitsraum (7) und einen vom ersten Arbeitsraum (7) durch den Kolben
(5) getrennten zweiten Arbeitsraum (8) aufweist,
wobei der erste Arbeitsraum (7) über eine erste Leitungsanordnung (9) mit der Pumpe
(4) verbunden ist und der zweite Arbeitsraum (8) über eine zweite Leitungsanordnung
(10) mit der Pumpe (4) verbunden ist,
wobei der erste Arbeitsraum (7) über die erste Leitungsanordnung (9) oder der zweite
Arbeitsraum (8) über die zweite Leitungsanordnung (10) wahlweise durch die Pumpe (4)
mit Druck beaufschlagbar sind,
wobei Hydraulikfluid bei Druckbeaufschlagung des zweiten Arbeitsraums (8) aus dem
ersten Arbeitsraum (7) über die erste Leitungsanordnung (9) abfließt, indem die erste
Leitungsanordnung (9) ein bei Druckbeaufschlagung der zweiten Leitungsanordnung (10)
aufsteuerbares erstes Rückschlagventil (11) aufweist; und
wobei Hydraulikfluid bei Druckbeaufschlagung des ersten Arbeitsraums (7) aus dem zweiten
Arbeitsraum (8) über die zweite Leitungsanordnung (10) abfließt,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zweite Leitungsanordnung (10) eine erste mit der Pumpe (4) verbundene Abzweigleitung
(13) und eine zweite mit dem Tank (3) verbundene Abzweigleitung (14) aufweist, wobei
ein Druckventil (15) in der zweiten Abzweigleitung (14) angeordnet ist und bei Druckbeaufschlagung
der zweiten Leitungsanordnung (10) öffnet, sodass der Druck in der zweiten Leitungsanordnung
(10) auf einen zum Aufsteuern des ersten Rückschlagventils (11) ausreichenden Druck
begrenzt wird.
2. Hydrauliksystem (1) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Druckventil (15) ein Druckbegrenzungsventil ist.
3. Hydrauliksystem (1) nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Druckventil (15) bei einem Druck von höchstens 100 bar, insbesondere bei einem
Druck von höchstens 75 bar öffnet.
4. Hydrauliksystem (1) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein zweites Rückschlagventil (12) in der ersten Abzweigleitung (13) angeordnet ist.
5. Hydrauliksystem (1) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die zweite Leitungsanordnung (10) eine dritte mit dem Tank (3) verbundene Abzweigleitung
(16) aufweist, wobei die dritte Abzweigleitung (16) aus der ersten Abzweigleitung
(13) abzweigt und eine Düse (17) in der dritten Abzweigleitung (16) angeordnet ist.
6. Hydrauliksystem (1) nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
die dritte Abzweigleitung (16) eine die Düse (17) umgehende Bypassleitung (18) mit
einem dritten Rückschlagventil (19) aufweist.
7. Hydrauliksystem (1) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die erste Leitungsanordnung (9) eine vierte mit dem Tank (3) verbundene Abzweigleitung
(20) aufweist, wobei ein bei Druckbeaufschlagung der zweiten Leitungsanordnung (10)
aufsteuerbares viertes Rückschlagventil (21) in der vierten Abzweigleitung (20) angeordnet
ist.
8. Hydrauliksystem (1) nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
ein hydraulischer Widerstand (22) in der vierten Abzweigleitung (20) angeordnet ist,
wobei der hydraulische Widerstand (22) insbesondere eine Düse ist.
9. Hydrauliksystem (1) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
der hydraulische Widerstand (22) in Strömungsrichtung vom ersten Arbeitsraum (7) zum
Tank (3) stromaufwärts des vierten Rückschlagventils (21) in der vierten Abzweigleitung
(20) angeordnet ist.
10. Fahrbare Rettungsliege (50) mit einem Hydrauliksystem (1) nach einem der vorherigen
Ansprüche.