[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer wärmetechnischen Anlage gemäß
dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Ein Verfahren zum Betrieb einer wärmetechnischen Anlage der eingangs genannten Art
ist aus der Offenlegungsschrift
DE 10 2005 042 495 A1 bekannt. Bei diesem Verfahren wird Wasser wahlweise mit einem Primärwärmeerzeuger
und/oder mit einem im Vergleich zum Primärwärmeerzeuger weniger energieeffizienten
Sekundärwärmeerzeuger erwärmt, in einem Warmwasserspeicher gespeichert und zur Warmwasserbereitstellung
aus dem Warmwasserspeicher entnommen. Ferner wird das Wasser bis zu einem Entnahmegrenzwert
ausschließlich mit dem energieeffizienteren Primärwärmeerzeuger und ab dem Entnahmegrenzwert
mindestens mit dem Sekundärwärmeerzeuger erwärmt. Bei dieser Lösung wird die Warmwasserentnahme
mit Hilfe eines Temperatursensors detektiert.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art
zu verbessern. Insbesondere soll ein einerseits möglichst energieeffizientes andererseits
aber auch Komfort bietendes Verfahren geschaffen werden.
[0004] Diese Aufgabe ist mit einem Verfahren der eingangs genannten Art durch die im Kennzeichen
des Patentanspruchs 1 aufgeführten Merkmale gelöst.
[0005] Nach der Erfindung ist also vorgesehen, dass bei einer Warmwasserentnahme aus dem
Warmwasserspeicher mit einem Durchflussmesser der an einer Warmwasserentnahmestelle
auftretende Warmwasserdurchfluss ermittelt und der Sekundärwärmeerzeuger eingeschaltet
wird, wenn der ermittelte Warmwasserdurchfluss den Entnahmegrenzwert erreicht.
[0006] Unter Durchflussmesser ist dabei jede Einrichtung zu verstehen, mit der es möglich
ist, einen Durchfluss festzustellen, wobei es letztlich nicht darauf ankommt, den
Durchfluss quantitativ ermitteln zu können. Besonders bevorzugt, weil kostengünstig,
ist dabei ganz konkret vorgesehen, als Durchflussmesser einen sogenannten Strömungsschalter
zu verwenden, der ab einem vorbestimmten Durchflusswert (= Entnahmegrenzwert) einen
Durchfluss an eine Regelung der wärmetechnischen Anlage signalisiert.
[0007] Unter Warmwasserentnahmestelle ist dabei derjenige Wasseranschluss an der wärmetechnischen
Anlage zu verstehen, an dem das Warmwasser dem Nutzer tatsächlich zur Verfügung steht,
also zum Beispiel der Duschkopf, wobei, worauf weiter unten noch genauer eingegangen
wird und wie es sich auch aus dem Patentanspruch 1 ergibt, der Durchflussmesser nicht
an der Warmwasserentnahmestelle angeordnet sein muss.
[0008] Das insgesamt an der Warmwasserentnahmestelle gezapfte Wasser (Mischwasser) besteht
dabei regelmäßig aus einem Warm- und einem Kaltwasseranteil. Der Warmwasseranteil
entspricht dabei dem oben genannten Warmwasserdurchfluss. Der Kaltwasseranteil wird
aus einer unbeheizten (Kalt-) Wasserleitung beigemischt.
[0009] Weiterhin wird noch darauf hingewiesen, dass der vorgenannte "Entnahmegrenzwert"
(wie oben ausgeführt) zwar ein feststehender Wert sein kann. Besonders bevorzugt ist
aber, worauf weiter unten auch noch genauer eingegangen wird, vorgesehen, dass er
während des Betriebs der wärmetechnische Anlage orientiert an anderen Betriebsparametern
festgelegt wird. Der verwendete Begriff "Warmwasserdurchfluss" entspricht dabei wahlweise
einem Instantan- oder einem zeitlich gemittelten Wert.
[0010] Mit anderen Worten zeichnet sich das erfindungsgemäße Verfahren somit dadurch aus,
dass in Phasen mit geringer Warmwassernutzungsmenge innerhalb eines bestimmten Zeitraumes
(sogenannter Effizienzbetrieb) das Wasser möglichst energieeffizient mit dem Primärwärmeerzeuger,
der vorzugsweise als Wärmepumpeneinrichtung ausgebildet ist, erwärmt wird und dass
in (eher seltenen) Phasen mit großer Warmwassernutzungsmenge innerhalb des bestimmten
Zeitraumes (sogenannter Komfortbetrieb) jedenfalls der Sekundärwärmeerzeuger, der
vorzugsweise als Elektroheizeinrichtung ausgebildet ist, zum besonders schnellen Erwärmen
des Wassers eingesetzt wird. Aufgrund der (im Vergleich zur Temperaturmessung) genaueren
Detektion der Entnahme des Warmwassers ist das erfindungsgemäße Verfahren besonders
energieeffizient und komfortabel.
[0011] Insbesondere bei Verwendung einer Wärmepumpen- und Elektroheizeinrichtung kann dabei
in der zuletzt genannten Phase selbstverständlich neben der Elektroheizeinrichtung
auch die Wärmepumpeneinrichtung weiter betrieben werden, wobei zu berücksichtigen
ist, dass die Elektroheizeinrichtung praktisch sofort wirkt bzw. volle Leistung bringt,
während die Wärmepumpeneinrichtung durchaus einige Minuten bis zur Bereitstellung
der vollen Leistung benötigt.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren ist dabei weiterhin, was nachfolgend noch genauer
erläutert wird, insbesondere bei wärmetechnischen Anlagen mit vergleichsweise kleinem
Warmwasserspeicher vorteilhaft, da auf diese Weise trotz der beschränkten Warmwasserkapazität
ein hoher Komfort gewährleistet werden kann, wenn tatsächlich einmal (wie zum Beispiel
beim Einlassen einer heißen Badewanne) große Mengen warmes Wasser benötigt werden.
[0013] Andere vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens ergeben sich
aus den abhängigen Patentansprüchen.
[0014] Zum Stand der Technik wird noch auf folgende Dokumente hingewiesen:
Aus dem Dokument
DE 10 2011 113 615 A1 ist eine Warmwasserbereitung mit einer Fernbedienungseinrichtung bekannt, mit der
manuell eine Zusatz-Warmwasseranforderung eingestellt werden kann. Hier muss also
der Betreiber handeln.
[0015] Aus dem Dokument
EP 3 032 181 B1 ist ebenfalls ein Heizsystem mit einer Warmwasserbereitstellung bekannt, bei dem
der Nutzer einen erhöhten Warmwasserbedarf über ein Steuergerät einstellen kann. Bei
dieser Lösung wird ein Elektrodurchlauferhitzer mit einem Durchflussmesser verwendet,
der allerdings nur den Durchfluss am Elektrodurchlauferhitzer und nicht an einer Warmwasserentnahmestelle
des Gesamtsystems misst.
[0017] Das erfindungsgemäße Verfahren einschließlich seiner vorteilhaften Weiterbildungen
gemäß der abhängigen Patentansprüche wird nachfolgend anhand der zeichnerischen Darstellung
eines bevorzugten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigt
[0018]
- Figur 1
- schematisch eine mögliche Ausführungsform der wärmetechnischen Anlage zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens mit einem im Warmwasserspeicher angeordneten Heizstab.
[0019] Bei der in Figur 1 dargestellten wärmetechnischen Anlage wird in zunächst bekannter
Weise Wasser wahlweise mit einem Primärwärmeerzeuger 1 und/oder mit einem im Vergleich
zum Primärwärmeerzeuger 1 weniger energieeffizienten Sekundärwärmeerzeuger 2 erwärmt.
[0020] Dabei ist, wie aus Figur 1 ersichtlich, besonders bevorzugt vorgesehen, dass als
Primärwärmeerzeuger 1 eine Wärmepumpe, insbesondere eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, verwendet
wird. Ferner ist bevorzugt vorgesehen, dass als Sekundärwärmeerzeuger 2 eine Elektroheizeinrichtung,
insbesondere ein in einem Warmwasserspeicher 3 angeordneter Heizstab, verwendet wird.
Alternativ oder sogar auch zusätzlich könnte der Sekundärwärmeerzeuger 2, insbesondere
die besagte Elektroheizeinrichtung, dabei auch an der Warmwasserverteilung, also am
mit einer Warmwasserentnahmestelle 5 versehenen Wasserkreislauf, vorgesehen sein.
[0021] Weiterhin ist bei der wärmetechnischen Anlage, wie aus Figur 1 ersichtlich, vorgesehen,
dass das erwärmte Wasser in einem Warmwasserspeicher 3 gespeichert und zur Warmwasserbereitstellung
aus dem Warmwasserspeicher 3 entnommen wird.
[0022] Ferner ist - in an sich bekannter Weise - vorgesehen, dass das Wasser bis zu einem
Entnahmegrenzwert ausschließlich mit dem energieeffizienteren Primärwärmeerzeuger
1 und ab dem Entnahmegrenzwert mindestens mit dem Sekundärwärmeerzeuger 2 erwärmt
wird.
[0023] Wesentlich für das erfindungsgemäße Verfahren ist nun, dass bei einer Warmwasserentnahme
aus dem Warmwasserspeicher 3 mit einem Durchflussmesser 4 der an einer Warmwasserentnahmestelle
5 auftretende Warmwasserdurchfluss ermittelt und der Sekundärwärmeerzeuger 2 eingeschaltet
wird, wenn der ermittelte Warmwasserdurchfluss den Entnahmegrenzwert erreicht.
[0024] Dabei ist bevorzugt vorgesehen, dass sowohl der Entnahmegrenzwert als auch der Warmwasserdurchfluss
als Volumen pro Zeit, also insbesondere mit den SI-Einheiten [m
3/s] oder entsprechend umgerechneten Einheiten angegeben bzw. bei der weiteren rechnerischen
Verarbeitung zugrunde gelegt wird.
[0025] Bezüglich des vorgenannten Entnahmegrenzwertes ist dabei weiterhin bevorzugt vorgesehen,
dass dieser während des Betriebs der wärmetechnischen Anlage bei einer Warmwasserentnahme
in Abhängigkeit von mindestens einem Betriebsparameter der wärmetechnischen Anlage
festgelegt wird.
[0026] Nach einer ersten Option wird dabei als Betriebsparameter eine verfügbare Heizleistung
des Primärwärmeerzeugers 1 verwendet. Nach einer zweiten Option wird als Betriebsparameter
ein Beladezustand des Warmwasserspeichers 3 verwendet, wobei dieser von einer im Wasser
des Warmwasserspeichers 3 gespeicherten Wärmeenergie und einer Temperaturschichtung
des Wassers im Warmwasserspeicher 3 abhängt.
[0027] Zudem können je nach Art des Primärwärmeerzeugers 1 auch weitere Parameter, wie etwa
Witterungsbedingungen, zu Festlegung des Entnahmegrenzwerts herangezogen werden. Witterungebedingungen
sind beispielsweise von Bedeutung, wenn es sich bei dem Primärwärmeerzeuger 1 um eine
Wärmepumpe handelt.
[0028] Weiterhin ist bevorzugt vorgesehen, dass der Entnahmegrenzwert während des Betriebs
der wärmetechnischen Anlage bei einer Warmwasserentnahme zu einer bestimmten Tageszeit
in Abhängigkeit eines sich aus einer Vielzahl vorausgegangener Warmwasserentnahmen
ergebenden Verbrauchsprofils errechnet und festgelegt wird.
[0029] Außerdem ist besonders bevorzugt vorgesehen, dass ein Warmwasserspeicher 3 mit einem
Wasservolumen von höchstens 200 Litern verwendet wird. Mit anderen Worten: Das erfindungsgemäße
Verfahren führt insbesondere trotz Verwendung eines vergleichsweise kleinen Warmwasserspeichers
3 zu einem hohen Komfort bei der Warmwasserversorgung. Für diesen Anwendungsfall ist
das erfindungsgemäße Verfahren besonders vorteilhaft einsetzbar.
[0030] Wie weiterhin aus Figur 1 ersichtlich, ist besonders bevorzugt vorgesehen, dass der
Warmwasserdurchfluss mit dem an einem Kaltwasserzulauf 6 des Warmwasserspeichers 3
angeordneten Durchflussmesser 4 ermittelt wird.
[0031] Schließlich wird darauf hingewiesen, dass zur Umsetzung des erfindungsgemäßen Verfahrens
selbstverständlich nicht nur die dargestellte Ausführungsform mit einer Rohrwendel
im Warmwasserspeicher 3 in Betracht kommt: Genauso gut könnte ein sogenanntes Ladesystem
mit Elektroheizung im Speicher und/oder im Sekundärkreis vorgesehen sein. Außerdem
ist die wärmetechnische Anlage, was - abgesehen vom Durchflussmesser 4 - nicht extra
dargestellt ist, selbstverständlich mit einer entsprechenden Sensorik (zum Beispiel
Temperatursensoren) und dazugehöriger Verkabelung versehen.
Bezugszeichenliste
[0032]
- 1
- Primärwärmeerzeuger
- 2
- Sekundärwärmeerzeuger
- 3
- Warmwasserspeicher
- 4
- Durchflussmesser
- 5
- Warmwasserentnahmestelle
- 6
- Kaltwasserzulauf
1. Verfahren zum Betrieb einer wärmetechnischen Anlage, bei dem Wasser wahlweise mit
einem Primärwärmeerzeuger (1) und/oder mit einem im Vergleich zum Primärwärmeerzeuger
(1) weniger energieeffizienten Sekundärwärmeerzeuger (2) erwärmt, in einem Warmwasserspeicher
(3) gespeichert und zur Warmwasserbereitstellung aus dem Warmwasserspeicher (3) entnommen
wird, wobei das Wasser bis zu einem Entnahmegrenzwert ausschließlich mit dem energieeffizienteren
Primärwärmeerzeuger (1) und ab dem Entnahmegrenzwert mindestens mit dem Sekundärwärmeerzeuger
(2) erwärmt wird, dadurch gekennzeichnet,
dass bei einer Warmwasserentnahme aus dem Warmwasserspeicher (3) mit einem Durchflussmesser
(4) der an einer Warmwasserentnahmestelle (5) auftretende Warmwasserdurchfluss ermittelt
und der Sekundärwärmeerzeuger (2) eingeschaltet wird, wenn der ermittelte Warmwasserdurchfluss
den Entnahmegrenzwert erreicht.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Entnahmegrenzwert während des Betriebs der wärmetechnischen Anlage bei einer
Warmwasserentnahme in Abhängigkeit von mindestens einem Betriebsparameter der wärmetechnischen
Anlage festgelegt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Betriebsparameter eine verfügbare Heizleistung des Primärwärmeerzeugers (1) verwendet
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Betriebsparameter ein Beladezustand des Warmwasserspeichers (3) verwendet wird,
wobei dieser von einer im Wasser des Warmwasserspeicher (3) gespeicherten Wärmeenergie
und einer Temperaturschichtung des Wassers im Warmwasserspeicher (3) abhängt.
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Entnahmegrenzwert während des Betriebs der wärmetechnischen Anlage bei einer
Warmwasserentnahme zu einer bestimmten Tageszeit in Abhängigkeit eines sich aus einer
Vielzahl vorausgegangener Warmwasserentnahmen ergebenden Verbrauchsprofils errechnet
und festgelegt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass sowohl der Entnahmegrenzwert als auch der Warmwasserdurchfluss als Volumen pro Zeit,
also insbesondere mit den SI-Einheiten [m3/s] oder entsprechend umgerechneten Einheiten angegeben wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Warmwasserdurchfluss mit dem an einem Kaltwasserzulauf (6) des Warmwasserspeichers
(3) angeordneten Durchflussmesser (4) ermittelt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Primärwärmeerzeuger (1) eine Wärmepumpe verwendet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Sekundärwärmeerzeuger (2) eine Elektroheizeinrichtung verwendet wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Warmwasserspeicher (3) mit einem Wasservolumen von höchstens 200 Litern verwendet
wird.