[0001] Die Erfindung betriff ein Verfahren zum Betrieb eines Hörgeräts sowie ein Hörgerät.
[0002] Ein Hörgerät weist allgemein einen Eingangswandler, eine Signalverarbeitung und einen
Ausgangswandler auf. Ein Hörgerät dient beispielsweise zur Versorgung eines hörgeschädigten
Nutzers und zum Ausgleich eines Hörverlusts. Der Eingangswandler erzeugt ein Eingangssignal,
z.B. aus Schallsignalen aus der Umgebung. Das Eingangssignal wird der Signalverarbeitung
zugeführt, welche das Eingangssignal modifiziert und dadurch ein Ausgangssignal erzeugt.
Zum Ausgleich eines Hörverlusts wird das Eingangssignal beispielsweise gemäß einem
Audiogramm des Nutzers mit einem frequenzabhängigen Verstärkungsfaktor verstärkt.
Das Ausgangssignal wird schließlich mittels des Ausgangswandlers an den Nutzer ausgegeben,
typsicherweise als Schallsignal.
[0003] Ein Hörgerät profitiert in verschiedenster Weise von der Möglichkeit einer Zeitmessung.
Beispielsweise könnte mit einer Zeitmessung eine Nutzungszeit des Hörgeräts bestimmt
werden, beispielsweise zur Überwachung der regelmäßigen Anwendung des Hörgeräts durch
den Nutzer. Auch könnte die Nutzungsdauer einzelner Einstellungen bestimmt werden,
beispielsweise um bevorzugte Einstellungen des Nutzers zu erkennen und gezielt zu
verbessern. Denkbar ist auch, anhand einer Zeitmessung den Zeitpunkt und die Dauer
verschiedener Umgebungssituationen zu erkennen, um damit beispielsweise wiederkehrende
Nutzungssituationen zu identifizieren und dem Nutzer zu einem gegebenen Zeitpunkt
dann gezielt eine geeignete Einstellungen für das Hörgerät anzubieten.
[0004] Abseits davon sind noch viele weitere Anwendungsmöglichkeiten für eine Zeitmessung
im Hörgerät denkbar.
[0005] In der
EP 1 746 861 A1 ist beschrieben, dass in Hörgeräten frequenzstabile Bauteile wie Quarze verwendet
werden können, welche jedoch nachteilig einen hohen Stromverbrauch und einen großen
Platzbedarf aufweisen. Weiter ist ein Hörgerät beschrieben, welches einen freilaufenden
Oszillator aufweist, welcher über den Versorgungsstrom oder schaltbare Kapazitäten
nachstimmbar ist und welcher einen Grundtakt für eine Signalverarbeitung liefert.
Zum Nachstimmen des Oszillators schickt ein externen Sender spezielle Signale an das
Hörgerät. Im Hörgerät wird dies dazu genutzt, um auf ein frequenzstabiles Bauteil,
z.B. einen Quarz zu verzichten.
[0006] Vor diesem Hintergrund ist es eine Aufgabe der Erfindung, die Zeitmessung in einem
Hörgerät zu verbessern. Hierzu sollen ein entsprechendes Verfahren zum Betrieb eines
Hörgeräts sowie ein solches Hörgerät angegeben werden.
[0007] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen gemäß
Anspruch 1 sowie durch ein Hörgerät mit den Merkmalen gemäß Anspruch 14. Vorteilhafte
Ausgestaltungen, Weiterbildungen und Varianten sind Gegenstand der Unteransprüche.
Die Ausführungen zum Verfahren gelten sinngemäß auch für das Hörgerät und umgekehrt.
Sofern nachfolgend explizit oder implizit Verfahrensschritte beschrieben, ergeben
sich vorteilhafte Ausgestaltungen für das Hörgerät dadurch, dass dieses eine Steuereinheit
aufweist, welche ausgebildet ist, einen oder mehrere dieser Verfahrensschritte durchzuführen.
[0008] Ein Kerngedanke der Erfindung ist insbesondere die Verwendung von zwei unterschiedlichen
Zeitgebern in einem Hörgerät, um unabhängig von einem externen Zeitgeber eine durchgängige
Zeitmessung besonders auch dann zu ermöglichen, wenn das Hörgerät ausgeschaltet ist.
[0009] Das Verfahren dient zum Betrieb eines Hörgeräts. Das Hörgerät ist umschaltbar zwischen
einem Nutzungszustand, in welchem eine Signalverarbeitung des Hörgeräts insbesondere
zur bestimmungsgemäßen Verwendung aktiviert ist, d.h. das Hörgerät ist eingeschaltet,
und einem Ruhezustand, in welchem die Signalverarbeitung deaktiviert ist, d.h. das
Hörgerät ist ausgeschaltet. Der Nutzungszustand dient insbesondere zum Betrieb des
Hörgeräts, wenn dieses von einem Nutzer verwendet wird. Der Ruhezustand dient dagegen
insbesondere zum Betrieb des Hörgeräts, wenn dieses gerade nicht vom Nutzer verwendet
wird.
[0010] Das Hörgerät weist eine Zeitmesseinheit auf, welche einen ersten Zeitgeber und einen
zweiten Zeitgeber aufweist. Die beiden Zeitgeber sind jeweils insbesondere als ein
Oszillator ausgebildet und erzeugen demnach jeweils ein zyklisches oder periodisches
Signal und somit Schwingungen, durch deren Zählung eine Zeitmessung erfolgt. Der erste
Zeitgeber wird im Nutzungszustand aktiviert und im Ruhezustand deaktiviert, zur Zeitmessung
während des Nutzungszustands. Mit dem ersten Zeitgeber wird vorzugsweise eine Nutzungszeit
gemessen, z.B. eine Dauer des Nutzungszustands oder eine Dauer eines Nutzungsereignisses
oder einer Nutzungssituation. Mit dem ersten Zeitgeber erfolgt demnach eine Zeitmessung
im Nutzungszustand, jedoch nicht im Ruhezustand. In einer geeigneten Ausgestaltung
wird der erste Zeitgeber bei Beginn des Nutzungszustands aktiviert und an dessen Ende
wieder deaktiviert. Dagegen wird der zweite Zeitgeber im Ruhezustand aktiviert, zur
Zeitmessung während des Ruhezustands. Der zweite Zeitgeber ist im Nutzungszustand
geeigneterweise deaktiviert. Mit dem zweiten Zeitgeber wird vorzugsweise eine Dauer
des Ruhezustands gemessen. In einer geeigneten Ausgestaltung wird der zweite Zeitgeber
bei Beginn des Ruhezustands aktiviert und an dessen Ende wieder deaktiviert. Mit den
beiden Zeitgebern ist somit insgesamt eine Zeitmessung sowohl im Nutzungszustand als
auch im Ruhezustand möglich, nämlich mittels je eines entsprechenden Zeitgebers. Vorteilhafterweise
werden die beiden Zeitmessungen zu einer durchgängigen Zeitmessung kombiniert.
[0011] Das Hörgerät weist allgemein einen Eingangswandler, eine Signalverarbeitung und einen
Ausgangswandler auf. Der Eingangswandler ist üblicherweise ein Mikrofon. Der Ausgangswandler
ist üblicherweise ein Hörer, welcher auch als Lautsprecher oder Receiver bezeichnet
wird. Ein Hörgerät ist regelmäßig einem einzelnen Nutzer zugeordnet und wird lediglich
von diesem verwendet. Ein Hörgerät dient vorzugsweise zur Versorgung eines hörgeschädigten
Nutzers und zum Ausgleich eines Hörverlusts. Der Eingangswandler erzeugt ein Eingangssignal,
welches der Signalverarbeitung zugeführt wird. Die Signalverarbeitung modifiziert
das Eingangssignal und erzeugt dadurch ein Ausgangssignal, welches somit ein modifiziertes
Eingangssignal ist. Zum Ausgleich eines Hörverlusts wird das Eingangssignal beispielsweise
gemäß einem Audiogramm des Nutzers mit einem frequenzabhängigen Verstärkungsfaktor
verstärkt. Das Ausgangssignal wird schließlich mittels des Ausgangswandlers an den
Nutzer ausgegeben. Bei einem Hörgerät mit Mikrofon und Hörer erzeugt das Mikrofon
entsprechend aus Schallsignalen in der Umgebung das Eingangssignal und der Hörer aus
dem Ausgangssignal wieder ein Schallsignal. Bei dem Eingangssignal und dem Ausgangssignal
handelt es sich um elektrische Signale, welche daher auch kurz jeweils als Signal
bezeichnet werden. Die Schallsignale der Umgebung und das gegebenenfalls vom Hörer
ausgegebene Schallsignal sind demgegenüber akustische Signale.
[0012] Im Nutzungszustand ist das Hörgerät aktiviert und führt dann wie oben beschrieben
eine Verarbeitung und Ausgabe von Signalen durch. Mit anderen Worten: beim Einschalten
des Hörgeräts wird der Nutzungszustand aktiviert, beim Ausschalten des Hörgeräts wird
der Nutzungszustand deaktiviert. Bei aktiviertem Nutzungszustand, d.h. bei eingeschaltetem
Hörgerät, werden Schallsignale aus der Umgebung mit dem Eingangswandler in ein Eingangssignal
umgewandelt. Alternativ oder zusätzlich wird mittels eines geeigneten Eingangswandlers
direkt ein elektrisches Eingangssignal vom Hörgerät empfangen, z.B. von einem anderen
Gerät, welches das elektrische Eingangssignal über eine Datenverbindung an das Hörgerät
sendet, und als Eingangssignal verwendet. In der Signalverarbeitung wird das Eingangssignal
dann verarbeitet und aus diesem ein Ausgangssignal erzeugt. Dieses wird dann über
den Ausgangswandler an den Nutzer ausgegeben. Der Nutzungszustand ist somit ein Betriebszustand
des Hörgeräts zu dessen bestimmungsgemäßem Gebrauch durch den Nutzer, von welchem
das Hörgerät dann während des Nutzungszustands insbesondere auch getragen wird. Der
Zeitraum zwischen einem Beginn und einem darauffolgenden Ende des Nutzungszustands
wird auch als Nutzungsphase bezeichnet.
[0013] Im Ruhezustand ist das Hörgerät dagegen ausgeschaltet, die Signalverarbeitung ist
deaktiviert und die beschriebene Verarbeitung und Ausgabe von Signalen wird nicht
durchgeführt. Insbesondere sind hier die Signalverarbeitung sowie der Eingangswandler
und der Ausgangswandler deaktiviert und verbrauchen auf diese Weise keine Energie.
Das Hörgerät ist somit im Wesentlichen deaktiviert, dabei jedoch nicht vollständig
deaktiviert, sondern das Hörgerät weist ein oder mehrere Ruhezustands-Funktionen auf,
welche - sofern benötigt - im Ruhezustand ausgeführt werden und entsprechend Energie
verbrauchen. Die wesentliche Funktionalität für die Verarbeitung und Ausgabe ist aber
deaktiviert. Die Zeitmessung mit dem zweiten Zeitgeber ist solch eine Ruhezustands-Funktion
und der zweite Zeitgeber ist entsprechend im Ruhezustand aktiviert. Gegenüber dem
Nutzungszustand ist der Energieverbrauch im Ruhezustand jedoch drastisch reduziert,
vor allem dadurch, dass keine Verarbeitung und Ausgabe von Signalen erfolgt. Der Ruhezustand
ist somit ein Betriebszustand, in welchem das Hörgerät vom Nutzer insbesondere nicht
gebraucht wird und insbesondere vom Nutzer auch nicht getragen wird. Beispielsweise
ist das Hörgerät im Ruhezustand in einer Aufbewahrungsbox gelagert oder an ein Ladegerät
angeschlossen. Der Zeitraum zwischen einem Beginn und einem darauffolgenden Ende des
Ruhezustands wird auch als Ruhephase bezeichnet.
[0014] Der Nutzungszustand und der Ruhezustand schließen sich gegenseitig aus, zu einem
gegebenen Zeitpunkt kann immer nur einer der beiden Zustände aktiviert sein. Der Nutzungszustand
und der Ruhezustand wechseln sich gegenseitig ab, sodass sich eine zeitliche Abfolge
von Nutzungsphasen, in welchen der Nutzungszustand aktiviert ist, und Ruhephasen,
in welchen der Ruhezustand aktiviert ist, ergibt.
[0015] Die Erfindung basiert zunächst auf der Beobachtung, dass eine Zeitmessung in einem
Hörgerät grundsätzlich relativ zu einem bestimmten Ereignis erfolgen kann, beispielsweise
markiert ein Einschalten des Hörgeräts, d.h. der Beginn des Nutzungszustands, einen
Zeitpunkt t = 0, von welchem aus dann in geeigneten Zeiteinheiten gezählt wird. Bei
jedem neuen Beginn des Nutzungszustands, d.h. in jeder neuen Nutzungsphase, wird wieder
beim Zeitpunkt t = 0 begonnen. Nutzungszeitpunkte, -ereignisse und -situationen sind
dann relativ zum Beginn des Nutzungszustands bestimmbar, jedoch können diese nicht
mit Nutzungszeitpunkten, -ereignissen und -situationen einer anderen Nutzungsphase
in Beziehung gebracht werden, denn eine durchgängige Zeitmessung ist nicht möglich.
[0016] Weitere Vorteile bringt entsprechend eine absolute Zeitmessung, bei welcher mehrere
zeitlich getrennte Nutzungsphasen des Hörgeräts miteinander verknüpfbar sind. Zweckmäßigerweise
sind dem Hörgerät die tatsächliche Tageszeit und gegebenenfalls auch das aktuelle
Datum bekannt, speziell um wiederkehrende Nutzungsmuster im Tagesablauf zu erkennen
und das Hörgerät tageszeitabhängig zu steuern. Während eine relative Zeitmessung lediglich
die Messung einer Dauer (d.h. Zeitdauer) ermöglicht, sind mit einer absoluten Zeitmessung
zusätzliche, spezifische Zeitinformationen verfügbar, z.B. konkrete Zeitpunkte und
auch aus mehreren, verschiedenen Nutzungsphasen.
[0017] Vorliegend wurde beobachtet, dass in Hörgeräten regelmäßig nur eine relative Zeitmessung
erfolgt. Dies ist historisch bedingt, da zur Energieversorgung von Hörgeräten häufig
eine Zink-Luft-Batterie verwendet wurde und teilweise noch wird, welche beim Ausschalten
des Hörgeräts galvanisch von sämtlichen elektronischen Bauteilen des Hörgeräts abgetrennt
wird, sodass auch ein Zeitgeber, welcher ein elektronisches Bauteil ist, nicht mit
Energie versorgt wird. Im Ruhezustand ist somit eine Zeitmessung nicht möglich und
es verbleibt als einzige Option die relative Zeitmessung im Nutzungszustand. In neueren
Hörgeräten, welche eine Lithium-Ionen-Batterie oder Vergleichbares verwenden, gilt
diese Beschränkung jedoch typischerweise nicht und auch im Ruhezustand ist eine Energieversorgung
möglich. Zweckmäßigerweise wird der Energieverbrauch im Ruhezustand jedoch soweit
wie möglich reduziert, um eine möglichst lange Dauer des Nutzungszustands zu ermöglichen.
[0018] Ein wesentlicher Vorteil der Erfindung ergibt sich aus der Verwendung zweier Zeitgeber
und besteht insbesondere darin, dass sowohl im Nutzungszustand als auch im Ruhezustand
eine Zeitmessung möglich ist, also sowohl während Nutzungsphasen als auch während
Ruhephasen. Somit ist auch insgesamt unabhängig vom Betriebszustand des Hörgeräts
eine absolute und durchgängige Zeitmessung möglich, welche nicht durch ein wiederkehrendes
Ein- und Ausschalten des Hörgeräts unterbrochen wird. Eine Echtzeitsynchronisation
ist zunächst nicht erforderlich, jedoch vorteilhaft. Unabhängig davon wird nun mit
der Zeitmesseinheit vorteilhaft eine durchgängige Zeitmessung durchgeführt, mittels
welcher dann auch Nutzungszeitpunkte, -ereignisse und -situationen verschiedener Nutzungsphasen
(und ggf. auch Ruhephasen) miteinander verknüpfbar sind und vorteilhafterweise auch
verknüpft werden. Auf diese Weise wird über mehrere Nutzungs- und Ruhephasen hinweg
ein gemeinsamer, durchgängiger Zeitrahmen geschaffen, welcher auch als Hörgerätezeit
bezeichnet wird. Diese Hörgerätezeit ist sozusagen eine interne Zeit des Hörgeräts.
Diese interne Zeit ist jedoch nicht zu verwechseln mit der weiter oben beschriebenen
relativen Zeitmessung. Vielmehr ist die Hörgerätezeit lediglich insofern relativ,
als dass sie nicht zwingend der Echtzeit, d.h. der tatsächlich aktuell vorliegenden
Zeit, entspricht, sondern relativ zu einem Startpunkt gemessen ist. Im Unterschied
zur relativen Zeitmessung weist die Hörgerätezeit jedoch insbesondere lediglich einen
einzelnen Zeitpunkt t = 0 als Startpunkt auf und wird gerade nicht für jede einzelne
Nutzungsphase neu begonnen oder, falls mehrere Zeitpunkte t = 0 verwendet werden,
ist zumindest deren relative Lage zueinander bekannt. Denn ein Vorteil der beiden
Zeitgeber ist gerade, dass eine Fortschreibung der Hörgerätezeit über eine einzelne
Nutzungsphase hinaus möglich ist und somit auch eine absolute Zeitmessung möglich
ist. Dies ermöglicht dann mit dem Hörgerät eine Datenanalyse, welche gegenüber einer
nur an einer relativen Zeitmessung orientierten Datenanalyse verbessert ist. Die Details
dieser Datenanalyse sind jedoch vorliegend nicht relevant, wichtig ist zunächst lediglich,
dass das Hörgerät über eine absolute Zeitmessung verfügt und hierbei nicht auf ein
zusätzliches, externes Gerät angewiesen ist.
[0019] In einer bevorzugten Ausgestaltung schreibt dann auch zur durchgängigen Zeitmessung
die Zeitmesseinheit die Hörgerätezeit im Nutzungszustand, d.h. während einer Nutzungsphase,
mit dem ersten Zeitgeber fort und im Ruhezustand, d.h. während einer Ruhephase, mit
dem zweiten Zeitgeber. Die beiden Zeitgeber bilden also zusammen eine gemeinsame Hörgeräteuhr,
welche die durchgängig gemessene Hörgerätezeit angibt, z.B. als Kombination von Datum
und Zeit. Beim Ein- und Ausschalten wird demnach der Zeitgeber, welcher zum Fortschreiben
der Hörgerätezeit verwendet wird, gewechselt. Dies hat den Vorteil, dass je nach Betriebszustand
ein jeweils auf diesen Betriebszustand optimal abgestimmter Zeitgeber verwendbar ist.
[0020] Geeigneterweise wird die Zeitmesseinheit mittels einer Echtzeit kalibriert, welche
von einem Zweitgerät bereitgestellt wird, welches mit dem Hörgerät zum Datenaustausch
verbunden ist. Wie bereits beschrieben, ist die Echtzeit insbesondere die tatsächlich
aktuell vorliegende Zeit. Durch die beschriebene Synchronisation des Hörgeräts mit
dem Zweitgerät entspricht dann die Hörgerätezeit der Echtzeit, sodass nicht nur eine
absolute Zeitmessung erfolgt, sondern auch eine Zeitmessung im Zeitrahmen der Echtzeit.
Die Zeitmesseinheit stellt dann insofern eine Echtzeituhr des Hörgeräts dar. Es ist
aber zu betonen, dass eine solche Kalibrierung der Hörgerätezeit mit einer Echtzeit
für eine durchgängige Zeitmessung an sich nicht erforderlich ist, denn eine ausbleibende
Kalibrierung führt letztendlich nur zu einem Offset zwischen Hörgerätezeit und Echtzeit,
was für eine verbesserte Datenanalyse nicht unbedingt relevant ist.
[0021] Das Zweitgerät ist beispielsweise ein Computer, z.B. bei einem Audiologen und mit
einer Fitting Software betrieben, ein Smartphone oder Vergleichbares und mit dem Hörgerät
drahtlos oder drahtgebunden zum Datenaustausch verbindbar, z.B. per Bluetooth oder
WLAN. Das Zweitgerät verfügt über eine Echtzeituhr, welche die Echtzeit (auch als
Systemzeit bezeichnet, z.B. UTC, d.h. koordinierte Weltzeit) angibt, welche dann an
das Hörgerät zur Kalibrierung der Hörgerätezeit und somit zur Kalibrierung der Zeitmesseinheit
übermittelt wird. Zweckmäßigerweise wird die Hörgerätezeit jedes Mal kalibriert, wenn
das Hörgerät mit einem geeigneten Zweitgerät verbunden wird.
[0022] Im Auslieferungszustand ist die Hörgerätezeit regelmäßig unkalibriert, sodass bei
der ersten Inbetriebnahme des Hörgeräts, d.h. beim erstmaligen Einschalten und somit
bei Beginn der ersten Nutzungsphase, ein Zeitpunkt als Starpunkt willkürlich vorgegeben
oder geschätzt werden muss. Beispielsweise wird bei der Herstellung des Hörgeräts
als Startpunkt der Tag der Herstellung oder ein mehrere Tage oder Wochen in der Zukunft
liegendes Datum gewählt. Die Uhrzeit am Startpunkt ist beispielsweise 00:00 Uhr. Je
nach tatsächlicher Zeit bei Inbetriebnahme ergibt sich dann ein Offset. Das Hörgerät
ist aufgrund der Zeitmesseinheit vorteilhaft prinzipiell in der Lage, eine Zeitmessung
über einen vollen Tag, d.h. über 24 h durchzuführen, z.B. indem in regelmäßigen Zeitintervallen
einfach ein Zähler hochgesetzt wird, bis 24 h erreicht sind, direkt im Anschluss wird
dann ein neuer Tag gezählt. Ob diese Tage mit tatsächlichen Tagen übereinstimmen ist
zunächst unwichtig, das Hörgerät ist zumindest in der Lage, Nutzungszeitpunkte, -
ereignisse und -situationen, speziell ein Ein- und Ausschalten des Hörgeräts, im Tagesverlauf
zu überwachen und in dieser Hinsicht einen absoluten und durchgängigen Zeitrahmen
für den Nutzungszustand zu bestimmen. Bis zur erstmaligen Kalibrierung mit einem Zweitgerät
erfolgt dann eine absolute Zeitmessung, diese ist jedoch regelmäßig um einen Offset
(also einen festen Wert) bezüglich der Echtzeit verschoben. Dies wird dann bei einer
späteren Kalibrierung entsprechend korrigiert und die bisherige Zeitmessung geeignet
umgerechnet. Der ursprüngliche Startpunkt wird dann entsprechend mit der korrekten
Echtzeit versehen. Falls beispielsweise als Starpunkt 00:00 Uhr verwendet wurde, das
Hörgerät aber tatsächlich erstmalig um 7:15 Uhr eingeschaltet wurde, besteht bis zur
ersten Kalibrierung eine Zeitdifferenz von 7 h 15 min, welche dann korrigiert wird
(analog wird ein Offset im Datum korrigiert, sofern nötig). Die bisherige Datenanalyse
wird dann entsprechend korrigiert.
[0023] Wie bereits angedeutet, ist es nun möglich, die beiden Zeitgeber auf den jeweiligen
Betriebszustand hin zu optimieren. In einer bevorzugten Ausgestaltung weist hierzu
der erste Zeitgeber eine größere Genauigkeit auf als der zweite Zeitgeber und der
zweite Zeitgeber weist - wenn aktiviert - einen geringeren Energieverbrauch auf als
der erste Zeitgeber - wenn aktiviert. Unter "Genauigkeit" wird insbesondere "zeitliche
Genauigkeit" oder "Frequenzstabilität" verstanden, d.h. wie genau der Zeitgeber die
Zeit misst und wie frequenzstabil der Zeitgeber ist. Je höher die Genauigkeit, desto
gleichmäßiger misst der Zeitgeber aufeinanderfolgende Zeiteinheiten und/oder desto
geringer ist die mit der Zeit akkumulierte Abweichung (Englisch "drift") von der Echtzeit.
Der erste Zeitgeber wird daher auch als Präzisionszeitgeber bezeichnet, der zweite
Zeitgeber wird als Niedrigenergiezeitgeber bezeichnet. Dieser Ausgestaltung liegt
die Überlegung zugrunde, dass einerseits eine möglichst genaue Zeitmessung wünschenswert
ist, was nun mit dem ersten Zeitgeber realisiert wird, und andererseits im Ruhezustand
möglichst wenig Energie verbraucht werden soll, was nun mit dem zweiten Zeitgeber
realisiert ist. Die absolute Genauigkeit und der absolute Energieverbrauch der beiden
Zeitgeber sind zunächst nicht von Bedeutung, wichtiger sind Energieverbrauch und Genauigkeit
der beiden Zeitgeber relativ zueinander und, dass damit der Zielkonflikt zwischen
Genauigkeit und Energieverbrauch in den verschiedenen Betriebszuständen unterschiedlich
aufgelöst wird. Der erste Zeitgeber wird hinsichtlich der Genauigkeit ausgewählt und
der zweite Zeitgeber hinsichtlich des Energieverbrauchs. Entsprechend wird das mögliche
Entstehen einer Abweichung der Hörgerätezeit von der Echtzeit im Ruhezustand toleriert
und ist insofern auch unproblematisch, als dass diese bei einer Kalibrierung mit einem
Zweitgerät oder bei einer Kalibrierung des zweiten Zeitgebers mit dem ersten Zeitgeber
entsprechend erkannt und - sofern nötig - wieder korrigiert werden kann.
[0024] In einer geeigneten Ausgestaltung ist der erste Zeitgeber, d.h. der Präzisionszeitgeber,
ein Quarzoszillator. Ein Quarzoszillator nutzt zur Takterzeugung und somit zur Zeitmessung
einen Schwingquarz und weist somit eine hohe Genauigkeit auf. Die Genauigkeit ist
insbesondere definiert durch die Abweichung der tatsächlichen Frequenz eines Oszillators
von einer Nennfrequenz desselben oder äquivalent die Abweichung der tatsächlich vergangenen
Zeit gegenüber der durch den Oszillator gemessenen Zeit, insbesondere deren Quotient.
Die Abweichung wird typischerweise in Millionstel, d.h. ppm, angeben. Bei einem Quarzoszillator
ist die Abweichung typischerweise besser als 100 ppm. Mit anderen Worten: ein Quarzoszillator
ist besonders frequenzstabil, weist also eine besonders konstante Taktfrequenz auf,
und erzeugt somit Schwingungen, welche sich besonders wenig voneinander unterscheiden.
Der Schwingquarz selbst verbraucht an sich keine Energie, zu dessen Ansteuerung weist
der Oszillator jedoch eine Schaltung auf, welche einen Energieverbrauch von typischerweise
10 µW bis 100 µW aufweist, der Energieverbrauch kann jedoch auch von diesen Werten
abweichen. Der Quarzoszillator ist vorzugsweise ein Quarzoszillator, welcher auch
als Taktgeber zum Betrieb der Signalverarbeitung verwendet wird. Da der erste Zeitgeber
lediglich dann genutzt wird, wenn auch die Signalverarbeitung aktiviert ist, ist es
vorteilhaft, als ersten Zeitgeber einen Taktgeber zu verwenden, welcher im Nutzungszustand
auch als Taktgeber für andere Funktionen verwendet wird, z.B. für die Signalverarbeitung.
[0025] In einer geeigneten Ausgestaltung ist der zweite Zeitgeber, d.h. der Niedrigenergiezeitgeber,
ein RC-Oszillator oder LC-Oszillator. Der RC-Oszillator und der LC-Oszillator werden
jeweils auch als Schwingkreis bezeichnet. Ein Beispiel für einen RC-Oszillator ist
ein Phasenschieber-Oszillator. Beispiele für einen LC-Oszillator sind ein LC-Parallelschwingkreis
oder ein LC-Reihenschwingkreis. Vorzugsweise ist der zweite Zeitgeber ein freilaufender
Oszillator, d.h. im Gegensatz zu einem Quarzoszillator gerade nicht besonders frequenzstabil,
sodass der zweite Zeitgeber eine zeitlich möglicherweise variierende Taktfrequenz
aufweist. Entsprechend ergibt sich für die Taktfrequenz eine Abweichung, welche z.B.
durch ein statistisches Maß wie die Varianz oder dergleichen quantifiziert ist.
[0026] Ein RC-Oszillator weist zur Takterzeugung ein oder mehrere Widerstände und Kapazitäten
auf, welche geeignet miteinander verschaltet sind, um eine Schwingung zu erzeugen
und somit eine Zeitmessung zu ermöglichen. Ein LC-Oszillator weist zur Takterzeugung
analog ein/eine oder mehrere Induktivitäten und Kapazitäten auf, um eine Schwingung
zur Zeitmessung zu erzeugen. In jedem Fall weist der zweite Zeitgeber somit zumindest
eine Kapazität auf, welche wiederkehrend geladen und entladen wird, um die Schwingungen
zu erzeugen. Die Kapazität bestimmt dann insbesondere auch, mit welcher Energie der
zweite Zeitgeber zu Beginn des Ruhezustands geladen wird. Die Genauigkeit eines RC-oder
LC-Oszillators ist regelmäßig wenigstens eine Größenordnung schlechter als die Genauigkeit
eines Quarzoszillators. Beispielsweise liegt die Abweichung bei 10000 ppm (d.h. 3
Größenordnungen mehr als oben für den Quarzoszillator angegeben), das entspricht einer
Abweichung von einer Nennfrequenz des RC-Oszillators von 1 %. Der Energieverbrauch
ist dagegen regelmäßig um wenigstens eine Größenordnung geringer als bei einem Quarzoszillator
und hängt regelmäßig von der Nennfrequenz und der nötigen Schaltung ab.
[0027] Der zweite Zeitgeber ist geeigneterweise in einen Analog-IC (d.h. eine analoge integrierte
Schaltung) des Hörgeräts integriert. Der Analog-IC ist vorzugsweise separat von der
Signalverarbeitung ausgebildet. Die Signalverarbeitung ist geeigneterweise als Teil
eines digitalen Signalprozessors (kurz: DSP, d.h. "digital signal processor") implementiert.
Sowohl der Analog-IC als auch der Signalprozessor und damit auch die Signalverarbeitung
sind Teile einer Steuereinheit des Hörgeräts. Der Analog-IC ist beispielsweise als
Mikrocontroller, ASIC oder dergleichen ausgeführt, geeignet ist auch eine Ausgestaltung,
bei welcher die gesamte Steuereinheit als Mikrocontroller, ASIC oder dergleichen ausgebildet
ist, wobei dann der Analog-IC einen Teilbereich der Steuereinheit bildet. In den Analog-IC
sind zusätzlich zum zweiten Zeitgeber zweckmäßigerweise noch ein oder mehrere andere
elektronische Bauteile mit entsprechenden Funktionen integriert, wie weiter unten
noch erläutert ist. Grundsätzlich sind auch noch Ausgestaltungen möglich, bei welchen
weitere, hier nicht weiter relevante analoge Funktionen in den Analog-IC integriert
sind.
[0028] Bevorzugterweise weist das Hörgerät ein Schieberegister auf, welches derart von dem
zweiten Zeitgeber angesteuert wird, dass in dem Schieberegister (auch als Zeitregister
bezeichnet) die Dauer des Ruhezustands, d.h. insbesondere die Dauer einer einzelnen
Ruhephase, gespeichert wird. In einer geeigneten Ausgestaltung hierzu ist das Schieberegister
in den Analog-IC integriert und mit dem zweiten Zeitgeber verbunden. Im Schieberegister
wird eine Zeitmessung des zweiten Zeitgebers gespeichert, z.B. indem das Schieberegister
einfach als Zähler verwendet wird, welcher vom zweiten Zeitgeber fortlaufend erhöht
wird, sofern der zweite Zeitgeber aktiviert ist.
[0029] Vorzugsweise weist der Analog-IC einen Hauptspeicher auf. Der Hauptspeicher ist zweckmäßigerweise
mit dem bereits genannten Schieberegister verbunden, um eine Zeitmessung des zweiten
Zeitgebers im Hauptspeicher abzuspeichern und mit dem Schieberegister dann eine neue
Zeitmessung durchzuführen, ohne die vorige Zeitmessung zu verwerfen. Auf diese Weise
werden die Dauern verschiedener Ruhephasen gemessen und separat im Hauptspeicher gespeichert,
insbesondere zur durchgängigen Zeitmessung oder z.B. für eine Datenanalyse. In einer
besonders einfachen Ausgestaltung wird, sobald der Ruhezustand deaktiviert wird und
der Nutzungszustand aktiviert wird, das Schieberegister ausgelesen und die darin gespeicherte
Zeitmessung, d.h. die Dauer der gerade beendeten Ruhephase, im Hauptspeicher gespeichert,
um dort mit einer Zeitmessung des ersten Zeitgebers aus der vorangegangenen oder der
nun nachfolgenden Nutzungsphase kombiniert, insbesondere addiert, zu werden und auf
diese Weise die Hörgerätezeit fortzuschreiben. Entsprechend ist auch der erste Zeitgeber
zweckmäßigerweise mit dem Hauptspeicher verbunden, um darin eine Zeitmessung des ersten
Zeitgebers zu speichern, z.B. eine Dauer einer Nutzungsphase.
[0030] In einer geeigneten Ausgestaltung ist auch der erste Zeitgeber zumindest teilweise
in den Analog-IC integriert, insbesondere bei einem Quarzoszillator ist der zugehörige
Schwingquarz prinzipbedingt nicht in den Analog-IC integriert, sondern als separates
Bauteil ausgebildet und mit dem Analog-IC geeignet verbunden.
[0031] In einer besonders einfachen Ausgestaltung ist der zweite Zeitgeber ungetrimmt ausgebildet,
d.h. unkalibriert. Speziell bei einem RC- oder LC-Oszillator ergeben sich herstellungsbedingte
Ungenauigkeiten, welche regelmäßig dadurch behoben werden, dass der RC- oder LC-Oszillator
getrimmt wird. Dabei werden ein oder mehrere zusätzliche Kapazitäten hinzugefügt,
um ein gewünschtes Schwingverhalten zu erzielen, insbesondere eine bestimmte Taktfrequenz.
Auf ein solches Trimmen wird vorliegend zweckmäßigerweise verzichtet, sodass die Herstellung
insgesamt einfacher und kostengünstiger ist. Stattdessen wird vorliegend der zweite
Zeitgeber mit dem ersten Zeitgeber kalibriert, d.h. es wird eine Kalibrierung des
zweiten Zeitgebers mit dem ersten Zeitgeber durchgeführt. Da der erste Zeitgeber insbesondere
genauer ist als der zweite Zeitgeber, lässt sich letzterer mit ersterem entsprechend
kalibrieren, sodass auf eine separate Trimmung bei der Herstellung verzichtet werden
kann. Beispielsweise weist das Hörgerät für die Kalibrierung einen Nulldurchgangs-
oder Flankendetektor und ein Schieberegister als Zähler auf und der zweite Zeitgeber
wird kalibriert, indem dessen Schwingungen (auch als Zyklen bezeichnet) innerhalb
eines festen Zeitraums sowie auch die Schwingungen des ersten Zeitgebers in dem gleichen
Zeitraum mit dem Schieberegister gezählt werden und dann miteinander verglichen werden.
Auf diese Weise wird eine Kennzahl bestimmt, mit welcher eine Zeitmessung des zweiten
Zeitgebers umgerechnet wird. Eine geeignete Kennzahl ist z.B. das Verhältnis von Anzahl
an Zyklen der beiden Zeitgeber pro Zeiteinheit oder die Anzahl an Zyklen des zweiten
Zeitgebers pro einzelnem Zyklus des ersten Zeitgebers oder Vergleichbares. Die Kennzahl
wird zweckmäßigerweise im Hauptspeicher gespeichert. Die Kalibrierung und insbesondere
die Bestimmung der Kennzahl erfolgt beispielsweise lediglich bei einer ersten Inbetriebnahme
des Hörgeräts oder alternativ oder zusätzlich wiederkehrend immer beim Aktivieren
des Nutzungszustands. Insbesondere in letzterem Fall wird mit der Kalibrierung vorzugsweise
auch eine Temperaturinstabilität des zweiten Zeitgebers automatisch berücksichtigt.
[0032] In einer geeigneten Ausgestaltung ist der zweite Zeitgeber nicht temperaturstabilisiert
und somit vorteilhaft besonders kostengünstig. Typischerweise wird versucht, einen
Zeitgeber möglichst temperaturstabil auszugestalten, um temperaturbedingte Abweichungen
bei der Zeitmessung zu vermeiden. Hierauf wird vorliegend jedoch zugunsten einer möglichst
einfachen Ausgestaltung verzichtet. Stattdessen weist das Hörgerät zweckmäßigerweise
einen Temperatursensor auf, welcher beispielsweise ohnehin bereits für eine oder mehrere
andere Funktionen des Hörgeräts vorgesehen ist. Mit dem Temperatursensor wird dann
eine Temperatur gemessen, mit welcher der zweite Zeitgeber kalibriert wird, d.h. es
erfolgt eine Kalibrierung (zusätzlich oder alternativ zur weiter oben bereits beschriebenen
Kalibrierung mit dem ersten Zeitgeber). In einer geeigneten Ausgestaltung wird ein
linearer Zusammenhang zwischen Temperatur und Abweichung bei der Zeitmessung angenommen,
alternativ oder zusätzlich wird eine Kalibrierkurve, -funktion oder -tabelle verwendet,
welche insbesondere im Hauptspeicher hinterlegt ist und z.B. durch Versuche bestimmt
wurde. Die Temperatur wird entweder direkt während des Ruhezustands gemessen oder
zu Beginn und/oder Ende einer Ruhephase, also beim Aktivieren oder Deaktivieren des
Ruhezustands. Letzteres hat den Vorteil, dass im Ruhezustand weniger Energie verbraucht
wird, während ersteres eine höhere Genauigkeit für die Kalibrierung liefert. Die tatsächliche
Kalibrierung erfolgt dann beispielsweise im Nutzungszustand, um nach dem Ende der
Ruhephase die Hörgerätezeit möglichst genau fortzuschreiben.
[0033] Das Hörgerät weist geeigneterweise eine Energiemanagementeinheit auf, zum Steuern
der Energieversorgung der diversen Bauteile des Hörgeräts und speziell des Analog-IC
und gegebenenfalls weiterer Teile der Steuereinheit mittels der Batterie. Die Energieversorgung
erfolgt somit aus einer Batterie des Hörgeräts. Die Batterie ist vorzugsweise eine
Lithium-Ionen-Batterie, auch als Lithium-Ionen-Sekundärzelle bezeichnet. Vorzugsweise
ist die Energiemanagementeinheit in den Analog-IC integriert. Die Energiemanagementeinheit
wird auch als PMIC bezeichnet, d.h. "power management integrated circuit". Zweckmäßigerweise
weist das Hörgerät zudem einen Sicherheitsschalter auf, um ein Tiefentladen der Batterie
zu verhindern, indem diese unterhalb eines Mindestladezustands galvanisch vom übrigen
Hörgerät abgetrennt wird. Auch der Sicherheitsschalter ist vorzugsweise in den Analog-IC
integriert. In einer zweckmäßigen Ausgestaltung ist der Sicherheitsschalter ein Einmalschalter,
welcher bei der Herstellung des Hörgeräts offen ausgebildet wird und während der Auslieferung
zum Nutzer geöffnet ist und erst bei der ersten Inbetriebnahme des Hörgeräts einmalig
und permanent geschlossen wird. Auf diese Weise wird eine Tiefentladung der Batterie
vor der Inbetriebnahme vermieden. Besonders vorteilhaft ist aber eine Ausgestaltung,
bei welcher der Sicherheitsschalter ein reversibler Schalter ist, sodass auch nach
der ersten Inbetriebnahme noch ein Tiefentladen der Batterie vermieden wird, z.B.
falls die Dauer einer einzelnen Ruhephase derart lang ist, dass der Ladezustand der
Batterie unter den Mindestladezustand absinkt. Der Sicherheitsschalter wird dann wiederum
bei der Herstellung des Hörgeräts offen ausgebildet und ist während der Auslieferung
zum Nutzer geöffnet und wird erst bei der ersten Inbetriebnahme des Hörgeräts geschlossen,
dann jedoch reversibel, d.h. der Sicherheitsschalter wird wieder geöffnet, insbesondere
von der Energiemanagementeinheit, wenn der Ladezustand der Batterie unter den Mindestladezustand
absinkt. Ansonsten bleibt der Sicherheitsschalter jedoch auch bei aktiviertem Ruhezustand
geschlossen, sodass dann der zweite Zeitgeber mit Energie versorgt wird.
[0034] Die Energiemanagementeinheit steuert vorzugsweise auch eine Versorgung des zweiten
Zeitgebers mit Energie aus der Batterie. In einer geeigneten Ausgestaltung wird der
zweite Zeitgeber beim Aktivieren einmalig mit Energie aus einer Batterie des Hörgeräts
geladen und dann nachfolgend, solange der Ruhezustand aktiviert ist, nicht weiter
mit Energie aus der Batterie versorgt. Alternativ wird der zweite Zeitgeber im Ruhezustand
wiederkehrend aus der Batterie des Hörgeräts geladen. Speziell bei einem RC- oder
LC-Oszillator weist der zweite Zeitgeber prinzipbedingt eine oder mehrere Kapazitäten
auf, welche zur Zeitmessung geladen werden und dann für eine bestimmte Zeit keine
weitere Energie benötigen. Die geladene Energie wird jedoch mit der Zeit verbraucht,
sodass ein erneutes Laden erforderlich sein kann, sofern dies jedoch länger dauert
als der Ruhezustand aktiviert ist, ist ein einmaliges Laden am Beginn einer Ruhephase
vorteilhaft ausreichend. Falls der zweite Zeitgeber während des Ruhezustands wiederkehrend
geladen wird, geschieht dies zweckmäßigerweise immer dann, wenn ein Mindestladezustand
des zweiten Zeitgebers unterschritten wird.
[0035] Geeignet ist auch eine Ausgestaltung, bei welcher die Dauer des Ruhezustands nur
bis zu einer Maximaldauer gemessen wird und der zweite Zeitgeber im Ruhezustand lediglich
dann geladen wird, wenn die Maximaldauer noch nicht erreicht ist. Auf diese Weise
wird ein Tiefentladen der Batterie dadurch verhindert, dass die Zeitmessung mit dem
zweiten Zeitgeber lediglich bis zum Erreichen der Maximaldauer, z.B. 7 Tage, erfolgt
und danach auch der zweite Zeitgeber deaktiviert wird, sodass keine Energie mehr verbraucht
wird. Zweckmäßigerweise wird dann auch der bereits beschriebene Sicherheitsschalter
geöffnet.
[0036] Ein Tiefentladen der Batterie wird alternativ oder zusätzlich dadurch vermieden,
dass in einer vorteilhaften Ausgestaltung der zweite Zeitgeber im Ruhezustand lediglich
dann mit Energie aus der Batterie versorgt wird, wenn ein Ladezustand der Batterie
wenigstens einem Mindestladezustand entspricht. Der Ladezustand wird beispielsweise
anhand der Spannung der Batterie bestimmt oder diese wird direkt als Maß für den Ladezustand
verwendet.
[0037] Ein erfindungsgemäßes Hörgerät weist eine Steuereinheit auf, insbesondere wie bereits
vorstehend beschrieben. Die Steuereinheit ist zudem ausgebildet, ein Verfahren wie
vorstehend beschrieben durchzuführen.
[0038] Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand einer Zeichnung näher
erläutert. Darin zeigen jeweils schematisch:
- Fig. 1
- ein Hörgerät,
- Fig. 2
- einen Teil einer Verschaltung des Hörgeräts aus Fig. 1,
- Fig. 3
- eine Hörgerätezeit und eine Echtzeit.
[0039] Nachfolgend wird anhand der Fig. 1 bis 3 ein Verfahren zum Betrieb eines Hörgeräts
2 beschrieben, welches in Fig. 1 zusammen mit einem Zweitgerät 4 gezeigt ist und in
Fig. 2 ausschnittsweise als Pseudo-Schaltbild. Das hier gezeigte Hörgerät 2 ist lediglich
beispielhaft ein sogenanntes RIC-Gerät, die nachfolgenden Ausführungen gelten jedoch
analog auch für jegliche anderen Hörgerätetypen. Das Hörgerät 2 ist umschaltbar zwischen
einem Nutzungszustand, in welchem eine Signalverarbeitung 6 des Hörgeräts 2 zur bestimmungsgemäßen
Verwendung aktiviert ist, d.h. das Hörgerät 2 ist eingeschaltet, und einem Ruhezustand,
in welchem die Signalverarbeitung 6 deaktiviert ist, d.h. das Hörgerät 2 ist ausgeschaltet.
Der Nutzungszustand dient zum Betrieb des Hörgeräts 2, wenn dieses von einem nicht
explizit gezeigten Nutzer verwendet wird. Der Ruhezustand dient dagegen zum Betrieb
des Hörgeräts 2, wenn dieses gerade nicht vom Nutzer verwendet wird.
[0040] Das Hörgerät 2 weist eine Zeitmesseinheit 8 auf, welche einen ersten Zeitgeber 10
und einen zweiten Zeitgeber 12 aufweist. Die beiden Zeitgeber 10, 12 sind jeweils
als ein Oszillator ausgebildet und erzeugen demnach jeweils ein zyklisches oder periodisches
Signal und somit Schwingungen, durch deren Zählung eine Zeitmessung erfolgt. Der erste
Zeitgeber 10 wird im Nutzungszustand aktiviert und im Ruhezustand deaktiviert, zur
Zeitmessung während des Nutzungszustands, jedoch nicht im Ruhezustand. Beispielsweise
wird der erste Zeitgeber 10 bei Beginn des Nutzungszustands aktiviert und an dessen
Ende wieder deaktiviert. Dagegen wird der zweite Zeitgeber 12 im Ruhezustand aktiviert,
zur Zeitmessung während des Ruhezustands. Der zweite Zeitgeber 12 ist im Nutzungszustand
vorliegend deaktiviert. Beispielsweise wird der zweite Zeitgeber 12 bei Beginn des
Ruhezustands aktiviert und an dessen Ende wieder deaktiviert. Mit den beiden Zeitgebern
10, 12 ist somit insgesamt eine Zeitmessung sowohl im Nutzungszustand als auch im
Ruhezustand möglich, z.B. eine Messung der Dauer des jeweiligen Zustands, nämlich
mittels je eines entsprechenden Zeitgebers 10, 12. Vorliegend werden die beiden Zeitmessungen
zu einer durchgängigen Zeitmessung kombiniert.
[0041] Das Hörgerät 2 weist beispielsweise wie in Fig. 1 erkennbar einen oder mehrere Eingangswandler
14 (hier zwei Mikrofone), eine Signalverarbeitung 6 und einen Ausgangswandler 16 (hier
ein Hörer) auf. Das hier beispielhaft gezeigte Hörgerät 2 dient zur Versorgung eines
hörgeschädigten Nutzers und zum Ausgleich eines Hörverlusts. Der Eingangswandler 14
erzeugt ein Eingangssignal, welches der Signalverarbeitung 6 zugeführt wird. Die Signalverarbeitung
6 modifiziert das Eingangssignal und erzeugt dadurch ein Ausgangssignal, welches somit
ein modifiziertes Eingangssignal ist. Das Ausgangssignal wird schließlich mittels
des Ausgangswandlers 16 an den Nutzer ausgegeben.
[0042] Im Nutzungszustand ist das Hörgerät 2 aktiviert und führt dann wie oben beschrieben
eine Verarbeitung und Ausgabe von Signalen durch. Mit anderen Worten: beim Einschalten
des Hörgeräts 2 wird der Nutzungszustand aktiviert, beim Ausschalten des Hörgeräts
2 wird der Nutzungszustand deaktiviert. Der Zeitraum zwischen einem Beginn und einem
darauffolgenden Ende des Nutzungszustands wird auch als Nutzungsphase pn bezeichnet.
Bei aktiviertem Nutzungszustand, also während einer Nutzungsphase pn, werden Schallsignale
aus der Umgebung mit dem Eingangswandler 14 in ein Eingangssignal umgewandelt. Alternativ
oder zusätzlich wird mittels eines anderen Eingangswandlers direkt ein elektrisches
Eingangssignal vom Hörgerät 2 empfangen, z.B. von einem anderen Gerät, z.B. dem Zweitgerät
4, welches das elektrische Eingangssignal über eine Datenverbindung an das Hörgerät
2 sendet. In der Signalverarbeitung 6 wird das wie auch immer erhaltene Eingangssignal
dann verarbeitet und aus diesem ein Ausgangssignal erzeugt und dieses dann über den
Ausgangswandler 16 an den Nutzer ausgegeben.
[0043] Im Ruhezustand ist das Hörgerät 2 dagegen ausgeschaltet, die Signalverarbeitung 6
ist deaktiviert und die beschriebene Verarbeitung und Ausgabe von Signalen wird nicht
durchgeführt. Der Zeitraum zwischen einem Beginn und einem darauffolgenden Ende des
Ruhezustands wird auch als Ruhephase pr bezeichnet. Vorliegend sind die Signalverarbeitung
6 sowie der Eingangswandler 14 und der Ausgangswandler 16 während einer Ruhephase
pr deaktiviert und verbrauchen auf diese Weise keine Energie. Das Hörgerät 2 ist somit
im Wesentlichen deaktiviert, dabei jedoch nicht vollständig deaktiviert, sondern das
Hörgerät 2 weist ein oder mehrere Ruhezustands-Funktionen auf, welche - sofern benötigt
- im Ruhezustand ausgeführt werden und entsprechend Energie verbrauchen. Die wesentliche
Funktionalität für die Verarbeitung und Ausgabe ist aber deaktiviert. Die Zeitmessung
mit dem zweiten Zeitgeber 12 ist solch eine Ruhezustands-Funktion und der zweite Zeitgeber
12 ist entsprechend im Ruhezustand aktiviert. Gegenüber dem Nutzungszustand ist der
Energieverbrauch im Ruhezustand jedoch drastisch reduziert, vor allem dadurch, dass
keine Verarbeitung und Ausgabe von Signalen erfolgt. Der Ruhezustand ist somit ein
Betriebszustand, in welchem das Hörgerät 2 vom Nutzer nicht gebraucht wird und vom
Nutzer auch nicht getragen wird.
[0044] Der Nutzungszustand und der Ruhezustand schließen sich gegenseitig aus, zu einem
gegebenen Zeitpunkt kann immer nur einer der beiden Zustände aktiviert sein. Der Nutzungszustand
und der Ruhezustand wechseln sich gegenseitig ab, sodass sich eine zeitliche Abfolge
von Nutzungsphasen pn, in welchen der Nutzungszustand aktiviert ist, und Ruhephasen
pr, in welchen der Ruhezustand aktiviert ist, ergibt.
[0045] Aufgrund der Verwendung zweier Zeitgeber 10, 12 ist vorliegend sowohl im Nutzungszustand
als auch im Ruhezustand eine Zeitmessung möglich. Somit ist auch insgesamt unabhängig
vom Betriebszustand des Hörgeräts 2 eine absolute und durchgängige Zeitmessung möglich,
welche nicht durch ein wiederkehrendes Ein- und Ausschalten des Hörgeräts 2 unterbrochen
wird. Eine Echtzeitsynchronisation ist zunächst nicht erforderlich, wird jedoch optional
durchgeführt. Unabhängig davon wird nun mit der Zeitmesseinheit 8 eine durchgängige
Zeitmessung durchgeführt, mittels welcher dann auch Nutzungszeitpunkte, -ereignisse
und -situationen verschiedener Nutzungsphasen pn (und ggf. auch Ruhephasen pr) miteinander
verknüpfbar sind und auch verknüpft werden. Auf diese Weise wird über mehrere Nutzungs-
und Ruhephasen pr hinweg ein gemeinsamer, durchgängiger Zeitrahmen geschaffen, welcher
auch als Hörgerätezeit th bezeichnet wird. Diese Hörgerätezeit th ist sozusagen eine
interne Zeit des Hörgeräts 2 und insofern relativ, als dass sie nicht zwingend der
Echtzeit te, d.h. der tatsächlich aktuell vorliegenden Zeit, entspricht, sondern relativ
zu einem Startpunkt gemessen ist. Mit den beiden Zeitgebern 10, 12 ist nun eine Fortschreibung
der Hörgerätezeit th über eine einzelne Nutzungsphase pn hinaus möglich. Dies ermöglicht
dann mit dem Hörgerät 2 eine Datenanalyse, welche gegenüber einer nur an einer relativen
Zeitmessung orientierten Datenanalyse verbessert ist. Die Details dieser Datenanalyse
sind jedoch vorliegend nicht relevant, wichtig ist zunächst lediglich, dass das Hörgerät
2 über eine absolute Zeitmessung verfügt und hierbei nicht auf ein zusätzliches, externes
Gerät angewiesen ist. Zur absoluten Zeitmessung benötigt das Hörgerät 2 demnach das
Zweitgerät 4 nicht.
[0046] Vorliegend schreibt zur durchgängigen Zeitmessung die Zeitmesseinheit 8 die Hörgerätezeit
th im Nutzungszustand mit dem ersten Zeitgeber 10 fort und im Ruhezustand mit dem
zweiten Zeitgeber 12. Dies ist in Fig. 3 illustriert, welche die Hörgerätezeit th
beginnend ab einem Startpunkt S zeigt (der Startpunkt S ist z.B. vorläufig t = 0,
bis eine optionale Kalibrierung mit der Echtzeit te erfolgt ist). Ebenfalls angegeben
sind abwechselnde Nutzungs- und Ruhephasen pn, pr. Während einer Nutzungsphase pn
ist dann der erste Zeitgeber 10 aktiviert und während einer Ruhephase pr dann der
zweite Zeitgeber 12. Die beiden Zeitgeber 10, 12 bilden also zusammen eine gemeinsame
Hörgeräteuhr, welche die durchgängig gemessene Hörgerätezeit th angibt, z.B. als Kombination
von Datum und Zeit. Beim Ein- und Ausschalten wird demnach der Zeitgeber 10, 12, welcher
zum Fortschreiben der Hörgerätezeit th verwendet wird, gewechselt.
[0047] Zusätzlich wird vorliegend die Zeitmesseinheit 8 mittels einer Echtzeit te kalibriert,
welche ebenfalls in Fig. 3 gezeigt ist und welche hier von einem Zweitgerät 4 bereitgestellt
wird. Das Zweitgerät 4 ist hierzu mit dem Hörgerät 2 zum Datenaustausch verbunden.
Durch diese Synchronisation des Hörgeräts 2 mit dem Zweitgerät 4 entspricht dann die
Hörgerätezeit th der Echtzeit te, sodass nicht nur eine absolute Zeitmessung erfolgt,
sondern auch eine Zeitmessung im Zeitrahmen der Echtzeit te. Die Zeitmesseinheit 8
stellt dann insofern eine Echtzeituhr des Hörgeräts 2 dar. Es ist aber zu betonen,
dass eine solche Kalibrierung der Hörgerätezeit th mit einer Echtzeit te für eine
durchgängige Zeitmessung an sich nicht erforderlich ist, denn eine ausbleibende Kalibrierung
führt letztendlich nur zu einem Offset zwischen Hörgerätezeit th und Echtzeit te,
was für die Datenanalyse aber nicht unbedingt relevant ist.
[0048] Das Zweitgerät 4 ist beispielsweise ein Computer, z.B. bei einem Audiologen und mit
einer Fitting Software betrieben, ein Smartphone oder Vergleichbares und mit dem Hörgerät
2 drahtlos oder drahtgebunden zum Datenaustausch verbindbar, z.B. per Bluetooth oder
WLAN. Das Zweitgerät 4 verfügt über eine nicht explizit dargestellt Echtzeituhr, welche
die Echtzeit te (auch als Systemzeit bezeichnet, z.B. UTC, d.h. koordinierte Weltzeit)
angibt, welche dann an das Hörgerät 2 zur Kalibrierung der Hörgerätezeit th und somit
zur Kalibrierung der Zeitmesseinheit 8 übermittelt wird. Beispielsweise wird die Hörgerätezeit
th jedes Mal kalibriert, wenn das Hörgerät 2 mit einem geeigneten Zweitgerät 4 verbunden
wird.
[0049] Im Auslieferungszustand ist die Hörgerätezeit th regelmäßig unkalibriert, sodass
bei der ersten Inbetriebnahme des Hörgeräts 2, d.h. beim erstmaligen Einschalten und
somit bei Beginn der ersten Nutzungsphase pn, ein Zeitpunkt als Starpunkt willkürlich
vorgegeben oder geschätzt werden muss. Beispielsweise wird bei der Herstellung des
Hörgeräts 2 als Startpunkt S der Tag der Herstellung oder ein mehrere Tage oder Wochen
in der Zukunft liegendes Datum gewählt. Die Uhrzeit am Startpunkt S ist beispielsweise
00:00 Uhr. Je nach tatsächlicher Zeit bei Inbetriebnahme ergibt sich dann ein Offset.
Das Hörgerät 2 ist aufgrund der Zeitmesseinheit 8 bereits prinzipiell in der Lage,
eine Zeitmessung über einen vollen Tag, d.h. über 24 h durchzuführen, z.B. indem in
regelmäßigen Zeitintervallen einfach ein Zähler hochgesetzt wird, bis 24 h erreicht
sind, direkt im Anschluss wird dann ein neuer Tag gezählt. Ob diese Tage mit tatsächlichen
Tagen übereinstimmen ist zunächst unwichtig, das Hörgerät 2 ist zumindest in der Lage,
Nutzungszeitpunkte, -ereignisse und -situationen, speziell ein- und Ausschalten des
Hörgeräts 2, im Tagesverlauf zu überwachen und in dieser Hinsicht einen absoluten
und durchgängigen Zeitrahmen für den Nutzungszustand zu bestimmen. Bis zur erstmaligen
Kalibrierung mit einem Zweitgerät 4 erfolgt dann eine absolute Zeitmessung, diese
ist jedoch regelmäßig um einen Offset (also einen festen Wert) bezüglich der Echtzeit
te verschoben. Dies wird dann bei einer späteren Kalibrierung entsprechend korrigiert
und die bisherige Zeitmessung dann umgerechnet. Der ursprüngliche Startpunkt S wird
dann entsprechend mit der korrekten Echtzeit te versehen. Falls beispielsweise als
Starpunkt S 00:00 Uhr verwendet wurde, das Hörgerät 2 aber tatsächlich erstmalig um
7:15 Uhr eingeschaltet wurde, besteht bis zur ersten Kalibrierung eine Zeitdifferenz
von 7 h 15 min, welche dann korrigiert wird (analog wird ein Offset im Datum korrigiert,
sofern nötig). Die bisherige Datenanalyse wird dann entsprechend korrigiert.
[0050] Die beiden Zeitgeber 10, 12 sind vorliegend auf den jeweiligen Betriebszustand hin
optimiert. In der gezeigten Ausgestaltung weist hierzu der erste Zeitgeber 10 eine
größere Genauigkeit auf als der zweite Zeitgeber 12 und der zweite Zeitgeber 12 weist
- wenn aktiviert - einen geringeren Energieverbrauch auf als der erste Zeitgeber 10
- wenn aktiviert. Unter "Genauigkeit" wird hier "zeitliche Genauigkeit" oder "Frequenzstabilität"
verstanden, d.h. wie genau der Zeitgeber 10, 12 die Zeit misst und wie frequenzstabil
der Zeitgeber 10, 12 ist. Je höher die Genauigkeit, desto gleichmäßiger misst der
Zeitgeber 10, 12 aufeinanderfolgende Zeiteinheiten und/oder desto geringer ist die
mit der Zeit akkumulierte Abweichung (Englisch "drift") von der Echtzeit te. Der erste
Zeitgeber 10 wird daher auch als Präzisionszeitgeber bezeichnet, der zweite Zeitgeber
12 wird hingegen als Niedrigenergiezeitgeber bezeichnet. Mit dem ersten Zeitgeber
10 ist nun eine möglichst genaue Zeitmessung realisiert, und andererseits ist durch
den zweiten Zeitgeber 12 im Ruhezustand ein möglichst geringer Energieverbrauch realisiert.
Die absolute Genauigkeit und der absolute Energieverbrauch der beiden Zeitgeber 10,
12 sind zunächst nicht von Bedeutung, wichtiger sind Energieverbrauch und Genauigkeit
der beiden Zeitgeber 10, 12 relativ zueinander und, dass damit der Zielkonflikt zwischen
Genauigkeit und Energieverbrauch in den verschiedenen Betriebszuständen unterschiedlich
aufgelöst wird. Der erste Zeitgeber 10 ist vorliegend hinsichtlich der Genauigkeit
ausgewählt und der zweite Zeitgeber 12 hinsichtlich des Energieverbrauchs. Entsprechend
wird das mögliche Entstehen einer Abweichung der Hörgerätezeit th von der Echtzeit
te im Ruhezustand toleriert und ist insofern auch unproblematisch, als dass diese
bei einer Kalibrierung mit einem Zweitgerät 4 oder bei einer Kalibrierung des zweiten
Zeitgebers 12 mit dem ersten Zeitgeber 10 entsprechend erkannt und - sofern nötig
- wieder korrigiert werden kann.
[0051] Im Ausführungsbeispiel der Fig. 2 ist der erste Zeitgeber 10 ein Quarzoszillator,
welcher zur Takterzeugung und somit zur Zeitmessung einen Schwingquarz 18 nutzt und
somit eine hohe Genauigkeit aufweist, d.h. besonders frequenzstabil ist. Der Quarzoszillator
wird in einer möglichen Ausgestaltung auch als Taktgeber zum Betrieb der Signalverarbeitung
6 verwendet und/oder als Taktgeber für andere Funktionen.
[0052] Im Ausführungsbeispiel der Fig. 2 ist der zweite Zeitgeber 12 ein RC-Oszillator,
alternativ ist auch ein LC-Oszillator möglich. Der zweite Zeitgeber 12 ist auch ein
freilaufender Oszillator, d.h. im Gegensatz zu einem Quarzoszillator gerade nicht
besonders frequenzstabil, sodass der zweite Zeitgeber 12 eine zeitlich möglicherweise
variierende Taktfrequenz aufweist. Der RC-Oszillator weist zur Takterzeugung ein oder
mehrere Widerstände 20 und Kapazitäten 22 auf, welche geeignet miteinander verschaltet
sind, um eine Schwingung zu erzeugen und somit eine Zeitmessung zu ermöglichen. In
Fig. 2 sind lediglich exemplarisch nur ein Widerstand 20 und eine Kapazität 22 gezeigt,
andere Ausgestaltungen sind aber ebenso denkbar. Ein LC-Oszillator weist zur Takterzeugung
analog ein/eine oder mehrere Induktivitäten und Kapazitäten auf, um eine Schwingung
zur Zeitmessung zu erzeugen. In jedem Fall weist der zweite Zeitgeber 12 somit zumindest
eine Kapazität 22 auf, welche wiederkehrend geladen und entladen wird, um die Schwingungen
zu erzeugen. Die Kapazität 22 bestimmt hier auch, mit welcher Energie der zweite Zeitgeber
12 zu Beginn des Ruhezustands geladen wird.
[0053] Der zweite Zeitgeber 12 ist vorliegend in einen Analog-IC 24 (d.h. eine analoge integrierte
Schaltung) des Hörgeräts 2 integriert. Der Analog-IC 24 ist im gezeigten Ausführungsbeispiel
separat von der Signalverarbeitung 6 ausgebildet. Die Signalverarbeitung 6 ist hier
als Teil eines digitalen Signalprozessors 26 (kurz: DSP, d.h. "digital signal processor")
implementiert. Sowohl der Analog-IC 24 als auch der Signalprozessor 26 und damit auch
die Signalverarbeitung 6 sind Teile einer Steuereinheit 28 des Hörgeräts 2. Der Analog-IC
24 ist beispielsweise als Mikrocontroller, ASIC oder dergleichen ausgeführt, geeignet
ist auch eine Ausgestaltung, bei welcher die gesamte Steuereinheit 28 als Mikrocontroller,
ASIC oder dergleichen ausgebildet ist, wobei dann der Analog-IC 24 z.B. wie in Fig.
1 gezeigt einen Teilbereich der Steuereinheit 28 bildet. Zusätzlich zum zweiten Zeitgeber
12 sind in Fig. 2 auch noch weitere, hier nicht weiter relevante analoge Funktionen
30 in den Analog-IC 24 integriert.
[0054] Im Ausführungsbeispiel der Fig. 2 weist das Hörgerät 2 ein Schieberegister 32 auf,
welches derart von dem zweiten Zeitgeber 12 angesteuert wird, dass in dem Schieberegister
32 die Dauer des Ruhezustands gespeichert wird. Vorliegend ist hierzu das Schieberegister
32 in den Analog-IC 24 integriert und mit dem zweiten Zeitgeber 12 verbunden. Im Schieberegister
32 wird eine Zeitmessung des zweiten Zeitgebers 12 gespeichert, z.B. indem das Schieberegister
32 einfach als Zähler verwendet wird, welcher vom zweiten Zeitgeber 12 fortlaufend
erhöht wird, sofern der zweite Zeitgeber 12 aktiviert ist.
[0055] Zudem weist der Analog-IC 24 in Fig. 2 einen Hauptspeicher 34 auf, welcher mit dem
bereits genannten Schieberegister 32 verbunden ist, um eine Zeitmessung des zweiten
Zeitgebers 12 abzuspeichern und mit dem Schieberegister 32 dann eine neue Zeitmessung
durchzuführen, ohne die vorige Zeitmessung zu verwerfen. Auf diese Weise werden die
Dauern verschiedener Ruhephasen pr gemessen und separat im Hauptspeicher 34 gespeichert,
vorliegend speziell zur durchgängigen Zeitmessung und für eine Datenanalyse. Sobald
der Ruhezustand deaktiviert wird und der Nutzungszustand aktiviert wird, wird das
Schieberegister 32 ausgelesen und die darin gespeicherte Zeitmessung im Hauptspeicher
34 gespeichert, um dort mit einer Zeitmessung des ersten Zeitgebers 10 aus der vorangegangenen
oder der nun nachfolgenden Nutzungsphase pn kombiniert, z.B. addiert, zu werden und
auf diese Weise die Hörgerätezeit th fortzuschreiben. Entsprechend ist auch der erste
Zeitgeber 10 in Fig. 2 mit dem Hauptspeicher 34 verbunden, um darin eine Zeitmessung
des ersten Zeitgebers 10 zu speichern, z.B. eine Dauer einer Nutzungsphase pn.
[0056] Wie in Fig. 2 erkennbar ist, ist dort der erste Zeitgeber 10 zumindest teilweise
in den Analog-IC 24 integriert, indem der zugehörige Schwingquarz 18 nicht in den
Analog-IC 24 integriert ist, sondern als separates Bauteil ausgebildet und mit dem
Analog-IC 24 dann verbunden ist.
[0057] Vorliegend ist der zweite Zeitgeber 12 ungetrimmt ausgebildet, d.h. unkalibriert.
Der zweite Zeitgeber 12 wird dann mit dem ersten Zeitgeber 10 kalibriert, d.h. es
wird eine Kalibrierung durchgeführt. Da der erste Zeitgeber 10 genauer ist als der
zweite Zeitgeber 12, lässt sich letzterer mit ersterem entsprechend kalibrieren, sodass
auf eine separate Trimmung bei der Herstellung verzichtet wird. Beispielsweise weist
das Hörgerät 2 für die Kalibrierung einen nicht explizit gezeigten Nulldurchgangs-
oder Flankendetektor und ein Schieberegister als
[0058] Zähler auf und der zweite Zeitgeber 12 wird kalibriert, indem dessen Schwingungen
(auch als Zyklen bezeichnet) innerhalb eines festen Zeitraums sowie auch die Schwingungen
des ersten Zeitgebers 10 in dem gleichen Zeitraum mit dem Schieberegister gezählt
werden und dann miteinander verglichen werden. Auf diese Weise wird eine Kennzahl
bestimmt, mit welcher eine Zeitmessung des zweiten Zeitgebers 12 umgerechnet wird.
Die Kennzahl ist z.B. das Verhältnis von Anzahl an Zyklen der beiden Zeitgeber pro
Zeiteinheit oder die Anzahl an Zyklen des zweiten Zeitgebers 12 pro einzelnem Zyklus
des ersten Zeitgebers 10 oder Vergleichbares. Die Kennzahl wird beispielsweise im
Hauptspeicher 34 gespeichert. Die Kalibrierung und/oder die Bestimmung der Kennzahl
erfolgen beispielsweise lediglich bei einer ersten Inbetriebnahme des Hörgeräts 2
oder alternativ oder zusätzlich wiederkehrend immer beim Aktivieren des Nutzungszustands.
[0059] Im gezeigten Ausführungsbeispiel ist der zweite Zeitgeber 12 zudem auch nicht temperaturstabilisiert.
Das Hörgerät 2 weist dann einen Temperatursensor 36 auf, welcher beispielsweise ohnehin
bereits für eine oder mehrere andere Funktionen des Hörgeräts 2 vorgesehen ist. Mit
dem Temperatursensor 36 wird eine Temperatur gemessen, mit welcher der zweite Zeitgeber
12 kalibriert wird, d.h. es erfolgt eine Kalibrierung (zusätzlich oder alternativ
zur weiter oben bereits beschriebenen Kalibrierung mit dem ersten Zeitgeber 10). Dabei
wird beispielsweise ein linearer Zusammenhang zwischen Temperatur und Abweichung bei
der Zeitmessung angenommen oder eine Kalibrierkurve, -funktion oder -tabelle verwendet,
welche z.B. im Hauptspeicher 34 hinterlegt ist. Die Temperatur wird entweder direkt
während des Ruhezustands gemessen oder zu Beginn und/oder Ende einer Ruhephase pr,
also beim Aktivieren oder Deaktivieren des Ruhezustands.
[0060] Das hier gezeigte Hörgerät 2 weist weiterhin eine Energiemanagementeinheit 38 auf,
zum Steuern der Energieversorgung der diversen Bauteile des Hörgeräts 2 und speziell
des Analog-IC 24 und gegebenenfalls weiterer Teile der Steuereinheit 28. Die Energieversorgung
erfolgt mit einer Batterie 40 des Hörgeräts 2. Vorliegend ist die Energiemanagementeinheit
38 in den Analog-IC 24 integriert.
[0061] Weiter weist das Hörgerät 2 einen Sicherheitsschalter 42 auf, um ein Tiefentladen
der Batterie 40 zu verhindern, indem diese unterhalb eines Mindestladezustands galvanisch
vom übrigen Hörgerät 2 abgetrennt wird. Auch der Sicherheitsschalter 42 ist in Fig.
2 in den Analog-IC 24 integriert. Der Sicherheitsschalter 42 wird bei der Herstellung
des Hörgeräts 2 offen ausgebildet und ist während der Auslieferung zum Nutzer geöffnet
und wird erst bei der ersten Inbetriebnahme des Hörgeräts 2 geschlossen. Auf diese
Weise wird eine Tiefentladung der Batterie 40 vor der Inbetriebnahme vermieden. Vorliegend
ist der Sicherheitsschalter 42 zudem ein reversibler Schalter, sodass auch nach der
ersten Inbetriebnahme noch ein Tiefentladen der Batterie 40 vermieden wird, z.B. falls
die Dauer einer einzelnen Ruhephase pr derart lang ist, dass der Ladezustand der Batterie
40 unter den Mindestladezustand absinkt. Der Sicherheitsschalter 42 wird dann von
der Energiemanagementeinheit 38 wieder geöffnet, wenn der Ladezustand der Batterie
40 unter den Mindestladezustand absinkt. Ansonsten bleibt der Sicherheitsschalter
42 jedoch auch bei aktiviertem Ruhezustand geschlossen, sodass der zweite Zeitgeber
12 mit Energie versorgt wird.
[0062] Die Energiemanagementeinheit 38 steuert auch eine Versorgung des zweiten Zeitgebers
12 mit Energie aus der Batterie 40. Beispielsweise wird der zweite Zeitgeber 12 beim
Aktivieren einmalig mit Energie aus einer Batterie 40 geladen und dann nachfolgend,
solange der Ruhezustand aktiviert ist, nicht weiter mit Energie aus der Batterie 40
versorgt. Alternativ wird der zweite Zeitgeber 12 im Ruhezustand wiederkehrend aus
der Batterie 40 des Hörgeräts 2 geladen. Speziell bei einem RC- oder LC-Oszillator
werden eine oder mehrere Kapazitäten 22 zur Zeitmessung geladen und benötigen dann
für eine bestimmte Zeit keine weitere Energie. Die geladene Energie wird jedoch mit
der Zeit verbraucht, sodass ein erneutes Laden erforderlich sein kann, sofern dies
jedoch länger dauert als der Ruhezustand aktiviert ist, ist ein einmaliges Laden am
Beginn einer Ruhephase pr ausreichend. Falls der zweite Zeitgeber 12 während des Ruhezustands
wiederkehrend geladen wird, geschieht dies beispielsweise immer dann, wenn ein Mindestladezustand
des zweiten Zeitgebers 12 unterschritten wird.
[0063] Möglich ist auch eine Ausgestaltung, bei welcher die Dauer des Ruhezustands nur bis
zu einer Maximaldauer gemessen wird und der zweite Zeitgeber 12 im Ruhezustand lediglich
dann geladen wird, wenn die Maximaldauer noch nicht erreicht ist. Auf diese Weise
wird ein Tiefentladen der Batterie 40 dadurch verhindert, dass die Zeitmessung mit
dem zweiten Zeitgeber 12 lediglich bis zum Erreichen der Maximaldauer, z.B. 7 Tage,
erfolgt und danach auch der zweite Zeitgeber 12 deaktiviert wird, sodass keine Energie
mehr verbraucht wird. Alternativ oder zusätzlich wird ein Tiefentladen der Batterie
40 dadurch vermieden, dass der zweite Zeitgeber 12 im Ruhezustand lediglich dann mit
Energie aus der Batterie 40 versorgt wird, wenn ein Ladezustand der Batterie 40 wenigstens
einem Mindestladezustand entspricht. Der Ladezustand wird beispielsweise anhand der
Spannung der Batterie 40 bestimmt oder diese wird direkt als Maß für den Ladezustand
verwendet.
Bezugszeichenliste
[0064]
- 2
- Hörgerät
- 4
- Zweitgerät
- 6
- Signalverarbeitung
- 8
- Zeitmesseinheit
- 10
- erster Zeitgeber
- 12
- zweiter Zeitgeber
- 14
- Eingangswandler
- 16
- Ausgangswandler
- 18
- Schwingquarz
- 20
- Widerstand
- 22
- Kapazität
- 24
- Analog-IC
- 26
- Signalprozessors
- 28
- Steuereinheit
- 30
- weitere analoge Funktionen
- 32
- Schieberegister
- 34
- Hauptspeicher
- 36
- Temperatursensor
- 38
- Energiemanagementeinheit
- 40
- Batterie
- 42
- Sicherheitsschalter
- S
- Startpunkt
- te
- Echtzeit
- th
- Hörgerätezeit
- pn
- Nutzungsphase
- pr
- Ruhephase
1. Verfahren zum Betrieb eines Hörgeräts (2),
- wobei das Hörgerät (2) umschaltbar ist zwischen einem Nutzungszustand, in welchem
eine Signalverarbeitung (6) des Hörgeräts (2) aktiviert ist, und einem Ruhezustand,
in welchem die Signalverarbeitung (6) deaktiviert ist,
- wobei das Hörgerät (2) eine Zeitmesseinheit (8) aufweist, welche einen ersten Zeitgeber
(10) und einen zweiten Zeitgeber (12) aufweist,
- wobei der erste Zeitgeber (10) im Nutzungszustand aktiviert wird und im Ruhezustand
deaktiviert wird, zur Zeitmessung während des Nutzungszustands,
- wobei der zweite Zeitgeber (12) im Ruhezustand aktiviert wird, zur Zeitmessung während
des Ruhezustands.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
wobei zur durchgängigen Zeitmessung die Zeitmesseinheit (8) eine Hörgerätezeit (th)
im Nutzungszustand mit dem ersten Zeitgeber (10) fortschreibt und im Ruhezustand mit
dem zweiten Zeitgeber (12).
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
wobei die Zeitmesseinheit (8) mittels einer Echtzeit (te) kalibriert wird, welche
von einem Zweitgerät (4) bereitgestellt wird, welches mit dem Hörgerät (2) zum Datenaustausch
verbunden ist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
wobei der erste Zeitgeber (10) eine größere Genauigkeit aufweist als der zweite Zeitgeber
(12),
wobei der zweite Zeitgeber (12) einen geringeren Energieverbrauch aufweist als der
erste Zeitgeber (10).
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
wobei der erste Zeitgeber (10) ein Quarzoszillator ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
wobei der zweite Zeitgeber (12) ein RC-Oszillator oder LC-Oszillator ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
wobei das Hörgerät (2) ein Schieberegister (32) aufweist, welches derart von dem zweiten
Zeitgeber (12) angesteuert wird, dass in dem Schieberegister (32) die Dauer des Ruhezustands
gespeichert wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
wobei der zweite Zeitgeber (12) ungetrimmt ausgebildet ist und mit dem ersten Zeitgeber
(10) kalibriert wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
wobei der zweite Zeitgeber (12) nicht temperaturstabilisiert ist,
wobei das Hörgerät (2) einen Temperatursensor (36) aufweist, mit welchem eine Temperatur
gemessen wird, mit welcher der zweite Zeitgeber (12) kalibriert wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
wobei der zweite Zeitgeber (12) beim Aktivieren einmalig mit Energie aus einer Batterie
(40) des Hörgeräts (2) geladen wird und dann nachfolgend, solange der Ruhezustand
aktiviert ist, nicht weiter mit Energie aus der Batterie (40) versorgt wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
wobei der zweite Zeitgeber (12) im Ruhezustand wiederkehrend aus einer Batterie (40)
des Hörgeräts (2) geladen wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11,
wobei die Dauer des Ruhezustands nur bis zu einer Maximaldauer gemessen wird,
wobei der zweite Zeitgeber (12) im Ruhezustand lediglich dann geladen wird, wenn die
Maximaldauer noch nicht erreicht ist.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12,
wobei der zweite Zeitgeber (12) im Ruhezustand lediglich dann mit Energie aus der
Batterie (40) versorgt wird, wenn ein Ladezustand der Batterie (40) wenigstens einem
Mindestladezustand entspricht.
14. Hörgerät (2), welches eine Steuereinheit (28) aufweist, welche ausgebildet ist, ein
Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 13 durchzuführen.