[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Nachbehandlung von tierischen Produkten
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Häuten, Fellen, Ledern und Pelzen, wobei als
Nachgerbstoff ein Polyester eingesetzt wird, und die Verwendung eines Polyesters als
Nachgerbstoff bzw. bei der Nachbehandlung bzw. Nachgerbung von Häuten, Fellen, Ledern
und Pelzen.
Stand der Technik:
[0002] Bei der Haltbarmachung von Häuten, Fellen, Ledern und Pelzen wird zwischen Gerbung
und Nachgerbung unterschieden. Jeder Gerbung liegt eine dauerhafte Konservierung der
instabilen, leicht verderblichen, der Fäulnis und Zersetzung unterworfenen Kollagens
der von Haaren und Unterhautbindegewebe befreiten tierischen Haut zugrunde. Die zur
Gerbung verwendeten Gerbstoffe bewirken eine Vernetzung der Kollagenmoleküle der Haut
und damit der Stabilisierung der einzigartigen kettenförmigen Strukturen des Hauteiweißes.
Der Grad der bei der Gerbung erreichten Vernetzung und die unterschiedliche Stabilität
der unterschiedlichen Bindungsarten drückt sich in der Erhöhung der Schrumpfungstemperatur
der gegerbten gegenüber der ungegerbten Haut aus (
Kurt Faber, Bibliothek des Leders, Bd.3, Gerbmittel, Gerbung und Nachgerbung, Umschau
Verlag Frankfurt/M. 1984, S. 21). So findet bei der Gerbung eine Vernetzung der Kollagenmoleküle statt. Dabei müssen
die Gerbstoffe folgende Voraussetzungen erfüllen: sie müssen mindesten bifunktionell
sein und sterisch so beschaffen sein, dass sie einerseits klein genug sind, in die
Feinstruktur des Kollagens einzudringen, andererseits aber groß genug sind, den Abstand
zwischen zwei Kollagenmolekülen überbrücken zu können.
[0003] Beispiele für Gerbstoffe sind Glutaraldehyd, das mit freien Aminogruppen des Kollagens
im Sinne eine Mannichreaktion reagiert, und Chrom(III)-Salze, die über Mehrkernkomplexe
sehr stabile Komplexbindungen zu freien Carboxylgruppen des Kollagens eingehen.
[0004] Durch die Gerbung wird eine deutliche Änderung sowohl der chemischen als auch physikalischen
Eigenschaften der Haut bewirkt. Dies kann durch Messen z.B. der Schrumpfungstemperatur
bestimmt werden. So liegt die Schrumpfungstemperatur bei ungegerbten Häuten bei ca.
40°C und bei gegerbten Häuten je nach Art der Gerbung von 65°C bis >100°C.
[0005] Der Gerbung steht die Nachgerbung gegenüber, die nicht zwangsweise zu einer Vernetzung
und damit zu einer wesentlichen Erhöhung der Schrumpfungstemperatur führen muss. Bei
der Lederherstellung erfolgt im Rahmen der so genannten Nasszurichtung der Prozess
der Nachgerbung. Dieser Arbeitsgang hat das Ziel, die gewünschten Eigenschaften des
Fertigleders je nach Verwendungszweck einzustellen. Dazu gehören unter anderem die
Fülle, Weichheit oder Standigkeit des Leders aber auch die Oberflächenbeschaffenheit
des Leders, wie z.B. Griff oder Narbenfestigkeit. Weitere wichtige Eigenschaften,
die durch die Nachgerbung beeinflusst werden können sind z.B. Wärme- und Lichtechtheit,
das färberische Verhalten, Festigkeitseigenschaften, Schrumpfungsverhalten bei Wärme-
und Kälteeinwirkung, Wasseraufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit und vieles andere
mehr. Erreicht wird dies, durch die Einlagerung der Nachgerbstoffe in die Zwischenräume
des dreidimensionalen Geflechtes der Fibrillen und Fasern des Leders. Dabei kann es
je nach Art des Nachgerbstoffes zu chemischen Wechselwirkungen mit dem Leder im Sinne
kovalenter- oder Koordinationsbindungen bzw. Ionen- oder Wasserstoffbrückenbindung
oder zu rein physikalischen Wechselwirkungen über Kohäsion oder Adhäsion kommen. So
vielfältig, wie die Wechselwirkungsmöglichkeiten mit dem Leder sind auch die für die
Nachgerbung in Frage kommenden Substanzen. Neben gerbend wirkenden mehrwertigen Metallsalzen,
wie z.B. Chrom (III)- oder Aluminium (III)-Verbindungen, kommen Kaolin, Stärke aber
vor allem tanninhaltige Pflanzenextrakte, wie z.B. Mimosa-, Tara-, Kastanienextrakt
zur Anwendung. Unter der Gruppe der synthetisch organischen Nachgerbstoffe kommen
vor allem Polykondensate wie Formaldehydkondensationsprodukte mit z.B. Phenol, Naphtalin,
deren Sulfonate, Dihydroxydiphenylsulfon oder stickstoffhaltige Verbindungen, wie
Harnstoff, Melamin oder Dicyandiamid zur Anwendung.
[0006] Seit Beginn der 80er Jahre haben immer mehr Polymere den Einzug als Nachgerbstoff
in den Lederherstellungsprozess erfahren. Dabei handelt es sich um in Wasser gelöste
oder dispergierte Polymerisate oder Mischpolymerisate aus Acrylsäure, Methacrylsäure,
Styrol, Maleinsäure etc. Eine Übersicht ist be
i Kurt Faber, Bibliothek des Leders, Band 3, Gerbmittel, Gerbung und Nachgerbung,Umschau
Verlag Frankfurt/M. 1985, S. 234-235 oder bei
Eckhart Heidemann in Fundamentals of Leather Manufacturing, Eduard Roether Verlag
Darmstadt 1993, S. 421-423 gegeben. Einen weiteren guten Überblick über Polymarisatgerbstoffe gibt
E. Pfleiderer, Das Leder 32 (1981), S. 173-177. Diese Polymerisatgerbstoffe zeichnen sich durch eine deutlich höhere Füllwirkung
im Vergleich zu den anderen genannten Nachgerbstoffen aus. Insbesondere durch die
Ausbildung von stabilen Koordinationsbindungen bei Chromleder wird eine Verankerung
der Papillarschicht mit der Retikularschicht der Haut erreicht, die zu einer sehr
guten Festnarbigkeit und glattem Narben führt. Der größte Vorteil ist jedoch die ausgezeichnete
Wärme- und Lichtstabilität der Polymergerbstoffe, was bei Lederarten, die starker
Wärme- und Lichteinwirkung ausgesetzt sind, wie z.B. bei Leder für Automobilinnenausstattung,
aber auch bei weißen und hellfarbigen Ledern essentiell ist.
[0007] Die herkömmlichen Polymergerbstoffe weisen jedoch auch gravierende Nachteile auf.
Die Monomere sind ausschließlich petrolchemischen Ursprungs und stammen daher aus
nichterneuerbaren Quellen. Im Zuge der Bemühungen um eine nachhaltigere Lederherstellung,
sind jedoch immer mehr Produkte aus nachhaltigen Rohstoffen gefragt.
[0008] Weiterhin sind die beschriebenen Polymergerbstoffe nicht biologisch abbaubar, d.h.
es besteht die Gefahr, dass die Polymere partiell über das Abwasser in die Weltmeere
gelangen und auf lange Zeit verbleiben.
[0009] Die eingesetzten Monomere sind oft toxisch. Trotz der Bemühung den Monomeranteil
in den Polymeren so gering wie möglich zu halten, kann ein Restmonomergehalt nicht
gänzlich ausgeschlossen werden.
Beschreibung der Erfindung
[0010] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es daher, ein Verfahren zur Nachbehandlung
bzw. zur Nachgerbung, sowie alternative Nachgerbstoffe zu finden, die vergleichbare
anwendungstechnische Eigenschaften, wie Füllwirkung, Narbenfestigkeit aber insbesondere
Wärme- und Lichtechtheit wie die Polymerisatgerbstoffe aufweisen, und insbesondere
nicht petrolchemischen Ursprungs sind, weniger oder nicht toxisch sind, besser biologisch
abbaubar sind und damit den Kriterien der Nachhaltigkeit, biologischen Abbaubarkeit
und Toxizität der Monomere eher genügen.
[0011] Die technische Aufgabe wurde gelöst durch ein Verfahren zur Nachbehandlung von tierischen
Produkten ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Häuten, Fellen, Ledern und Pelzen,
wobei gegerbte tierische Produkte einer Nachgerbung unterzogen werden, wobei erfindungsgemäß
bei der Nachgerbung eine wässrige Lösung eines Polyesters eingesetzt wird, der durch
Polykondensation von Monomer A und Monomer B gebildet wird,
- wobei Monomer A ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus geradkettigen oder verzweigten,
gesättigten oder ungesättigten Carbonsäuren mit 2 bis 10 Kohlenstoffatomen, cyclischen
Carbonsäuren mit 5 bis 10 Kohlenstoffatomen und aromatischen Carbonsäuren mit 8 bis
10 Kohlenstoffatomen, oder deren Anhydriden,
wobei die Carbonsäure mindestens zwei Carboxylgruppen aufweist, und optional ein oder
mehrere Hydroxylgruppen, und
- wobei Monomer B ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus mehrwertigen Alkoholen
mit 2 bis 18 Kohlenstoffatomen und mindestens 2 Hydroxylgruppen.
[0012] Überraschenderweise wurde gefunden, dass Polykondensate aus den oben genannten Carbonsäuren
und mehrwertigen Alkoholen bei der Nachgerbung von Häuten, Fellen, Ledern und Pelzen
geeignet sind, hinsichtlich toxischer- und ökotoxischer Eigenschaften, weniger bedenklich
oder völlig unbedenklich bzw. gar nicht toxisch sind, aus nachwachsenden Rohstoffen
produziert werden oder produziert werden können und in der hier beschriebenen Form
biologisch abbaubar sind.
[0013] Die Polykondensate aus den genannten Carbonsäuren und den genannten mehrwertigen
Alkoholen bzw. mehrwertigen Alkanolen sind hinsichtlich der Gewinnung bzw. Synthese
leicht zugänglich. Über die Reaktionstemperatur und -zeit, sowie das Molverhältnis
zwischen Monomer A und Monomer B oder die Mitverwendung von Veresterungskatalysatoren
kann die mittlere Molmasse eingestellt und damit verschiedene Anwendungseigenschaften
ermöglicht werden. In der Nachgerbung führen sie zu vergleichbaren oder besseren Ergebnissen,
als die bisherigen Polymernachgerbstoffe.
[0014] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren handelt es sich um eine Behandlung der Nachgerbung.
Dies bedeutet, dass bereits gegerbte tierische Produkte einer Nachbehandlung unterzogen
werden.
[0015] Ein bevorzugtes Verfahren beinhaltet vor der Nachbehandlung bzw. Nachgerbung den
Schritt der Gerbung der tierischen Produkte. Die im Gerbungsschritt verwendeten Gerbstoffe
bewirken eine Vernetzung der Kollagenmoleküle des tierischen Produktes (z.B. der rohen
Haut) und damit der Stabilisierung der kettenförmigen Strukturen des Hauteiweißes.
[0016] In dem Schritt der Gerbung werden Gerbstoffe eingesetzt, die vorzugsweise ausgewählt
sind aus Chrom(III)-Salzen und Glutaraldehyd.
[0017] Bei der Chromgerbung wird das sachgerecht vorbereitete tierische Produkt zunächst
in einer Kochsalzlösung mit Säuren (z.B. Schwefel- und/oder Ameisensäure) behandelt
(gepickelt) und auf einen pH-Wert von 1,5 bis 4,0 vorzugsweise 2,5 bis 3,5 eingestellt.
Der eigentliche Gerbprozess wird durch die Zugabe von Chrom(III)-Salzen, vorzugsweise
Chrom (III)-sulfat eingeleitet. Dabei kommen Einsatzmengen von 0,2% bis 3%, vorzugsweise
1% bis 2% Cr
2O
3 (berechnet auf die Masse des tierischen Produktes) zum Einsatz. Nach dem Eindringen
des Chrom(III)-Salzes, wird durch Zusatz von Alkalien der pH-Wert auf 3,5 bis 4,5
vorzugsweise 3,8 bis 4,2 angehoben. Durch die Anhebung des pH-Wertes erfolgt die Vernetzung
der Kollagenmoleküle im tierischen Produkt durch Ausbildung von Chrom(III)-Mehrkernkomplexen,
die über sehr stabile Komplexbindungen zu den freien Carboxylgruppen des Kollagens
zur Stabilisierung des tierischen Produktes führt.
[0018] Bei der Gerbung mit Glutaraldehyd erfolgt die Vorbereitung des tierischen Produktes
in vergleichbarer Weise. Bei einem pH-Wert von 1,5 bis 4,0, vorzugsweise 2,5 bis 3,5
wird die Gerbung durch Zugabe von Glutaraldehyd in einer Konzentration von 0,2% bis
3%, vorzugsweise 0,5 bis 2 % (berechnet auf die Masse des tierischen Produktes) gestartet.
Nach dem Eindringen des Glutaraldehyds wird durch Zugabe von Alkalien der pH-Wert
auf 3,0 bis 7,0 vorzugsweise 3,5 bis 4,5 eingestellt, wodurch die Vernetzung der Kollagenmoleküle
über kovalente Bindung mit den Aminogruppen des Kollagens in Sinne einer Mannichreaktion
und damit die Stabilisierung des tierischen Produktes erfolgt.
[0019] Durch die Gerbung wird eine deutliche Änderung sowohl der chemischen als auch physikalischen
Eigenschaften der Haut bewirkt. Der Grad der bei der Gerbung erreichten Vernetzung
und die unterschiedliche Stabilität der unterschiedlichen Bindungsarten lässt sich
mittels der Erhöhung der Schrumpfungstemperatur des gegerbten gegenüber dem ungegerbten
tierischen Produkt ausdrücken. So liegt die Schrumpfungstemperatur bei ungegerbten
Häuten bei ca. 40°C und bei gegerbten Häuten je nach Art der Gerbung von 65°C bis
>100°C.
[0020] Die Nachgerbung führt nicht zwangsweise zu einer Vernetzung und damit zu einer wesentlichen
Erhöhung der Schrumpfungstemperatur schließt sie aber auch nicht völlig aus. Die Nachgerbung
bzw. die Nachbehandlung der gegerbten tierischen Produkte führt in der Praxis vorzugsweise
zu einer Erhöhung der Schrumpfungstemperatur von 20°C oder weniger, besonders bevorzugt
von 10°C oder weniger.
[0021] In einem bevorzugten Verfahren ist das Monomer A eine geradkettige oder verzweigte,
gesättigte oder ungesättigte Carbonsäuren mit 4 bis 10 Kohlenstoffatomen, wobei die
Carbonsäure mindestens zwei Carboxylgruppen aufweist, und optional ein oder mehrere
Hydroxylgruppen, oder ein Anhydrid davon.
[0022] In einem weiteren bevorzugten Verfahren stellt das Monomer A eine geradkettige oder
verzweigte, gesättigte oder ungesättigte Carbonsäure mit 4 bis 8 Kohlenstoffatomen
und mindestens zwei Carboxylgruppen und optional mit mindestens einer Hydroxylgruppe,
besonders bevorzugt eine geradkettige oder verzweigte, gesättigte oder ungesättigte
Carbonsäure mit 4 bis 8 Kohlenstoffatomen und mindestens zwei Carboxylgruppen und
mit mindestens einer Hydroxylgruppe, oder ein Anhydrid davon dar.
[0023] In einem weiteren bevorzugten Verfahren ist das Monomer A eine Carbonsäure ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Oxalsäure, Malonsäure, Bernsteinsäure, Glutarsäure, Adipinsäure,
Pimelinsäure, Suberinsäure, Azelainsäure, Sebacinsäure, Cyclopentan-1,2-dicarbonsäure,
1,2- Cyclohexandicarbonsäure, 1,3-Cyclohexandicarbonsäure, 1,4-Cyclohexandicarbonsäure,
Maleinsäure, Fumarsäure, Phthalsäure, Isophthalsäure, Terephthalsäure, Tatronsäure,
Äpfelsäure (2-Hydroxybernsteinsäure), Weinsäure (2,3-Dihydroxybernsteinsäure), Hydroxyglutarsäure
(2-Hydroxypentandisäure), 3-Hydroxyglutarsäure (3-Hydroxypentandisäure), Zitronensäure
(2-Hydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure), Isozitronensäure (1-Hydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure),
Schleimsäure, vorzugsweise Zitronensäure (2-Hydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure), oder
ein Anhydrid davon.
[0024] Wie oben bereits erläutert ist gemäß der Erfindung das Monomer B ausgewählt aus der
Gruppe bestehend aus mehrwertigen Alkoholen mit 2 bis 18 Kohlenstoffatomen und mindestens
2 Hydroxylgruppen. Die mehrwertigen Alkohole mit 2 bis 18 Kohlenstoffatomen und mindestens
2 Hydroxylgruppen beinhalten entsprechende Alkanole, Diole, Glycolether, Pentaerythrit
und Alditole (Zuckeralkohole). Somit ist weiterhin bevorzugt, dass das Monomer B ausgewählt
ist aus der Gruppe bestehend aus mehrwertigen Alkanolen mit 2 bis 12 Kohlenstoffatomen
und mindestens 2 Hydroxylgruppen, mehrwertigen Alkanolen mit 2 bis 8 Kohlenstoffatomen
und mindestens 2 Hydroxylgruppen, mehrwertigen Alkanolen mit 2 bis 6 Kohlenstoffatomen
und mindestens 2 Hydroxylgruppen, wie z.B. Ethylenglykol, 1,3-Propandiol, 1,4-Butandiol,
mehrwertigen Alkanolen mit 3 bis 12 Kohlenstoffatomen und mindestens 3 Hydroxylgruppen,
mehrwertigen Alkanolen mit 3 bis 8 Kohlenstoffatomen und mindestens 3 Hydroxylgruppen,
mehrwertigen Alkanolen mit 3 bis 6 Kohlenstoffatomen und mindestens 3 Hydroxylgruppen,
Glycolethern, wie Diethylenglycol, Pentaerythrit und Alditolen (Zuckeralkohole), insbesondere
Glycerin, Butan-1,2,3,4-tetrol, wie z.B. Threit, Erythrit; Pentan-1,2,3,4,5-pentol,
wie z.B. Xylit, Arabit, Ribit; Hexan-1,2,3,4,5,6-hexol, wie z.B. Sorbit, Mannit; und
besonders bevorzugt Glycerin. Unter den Glycolethern ist Diethylenglycol besonders
bevorzugt.
[0025] Der in dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte Polyester ist wasserlöslich. Der
Polyester weist dabei vorzugsweise eine Wasserlöslichkeit von mindestens 50 g/l, weiter
bevorzugt von mindestens 100 g/l auf.
[0026] In einem weiteren bevorzugten Verfahren beträgt das Molverhältnis von Monomer B zu
Monomer A für die Polykondensation 1 zu 0,1 bis 1 zu 10, vorzugsweise 1 zu 0,5 bis
1 zu 5, weiter bevorzugt 1 zu 1 bis 1 zu 3.
[0027] In einem ganz besonders bevorzugten Verfahren ist das Monomer A Zitronensäure und
das Monomer B Glycerin, d.h. der Polyester ist aus Zitronensäure und Glycerin gebildet.
Im Falle des Polyesters aus Zitronensäure und Glycerin beträgt das Molverhältnis von
Glycerin zu Zitronensäure für die Polykondensation 1 zu 0,5 bis 1 zu 5 besonders bevorzugt
1 zu 1 bis 1 zu 3.
[0028] In einem weiteren bevorzugten Verfahren beträgt die gewichtsmittlere Molmasse des
Polyesters 200 bis 2.000 g/mol.
[0029] Weiterhin ist ein Verfahren bevorzugt, wobei eine wässrige Lösung mit einem Gehalt
von 5,0 Gew.-% bis 95,0 Gew.-% besonders bevorzugt 20,0 Gew.-% bis 80 Gew.-% Trockensubstanz
des Polyesters verwendet wird. Diese Lösung weist vorzugsweise eine Viskosität von
1.000 bis 5.000 mPa•s, besonders bevorzugt 2.000 bis 4.000 mPa•s auf, gemessen mit
einem Brookfield-Viskosimeter unter Verwendung der Spindel Nr. 2 und einer Rührgeschwindigkeit
von 12 UpM bei einer Temperatur von 20°C.
[0030] In einem weiteren bevorzugten Verfahren wird der erfindungsgemäße Polyester in einer
Menge von 1,0 Gew.-% bis 20,0 Gew.-%, vorzugsweise 3,0 Gew.-% bis 10,0 Gew.-%, bezogen
auf das Falzgewicht eingesetzt. Das "Falzgewicht" ist definiert als das Gewicht des
gefalzten (dickenregulierten) vorgegerbten tierischen Produktes (Leder, Haut, Fell
oder Pelz).
[0031] In einem weiteren bevorzugten Verfahren weist die eingesetzte wässrige Lösung des
Polyesters einen pH-Wert von 2,0 bis 8,0 auf.
[0032] Die wässrige Lösung des Polyesters kann direkt verwendet werden, liegt aber bevorzugt
partiell oder vollständig als Alkali-, Erdalkali- oder Ammoniumsalz oder als Salz
anderer Basen, bevorzugt organischer Basen vor.
[0033] In einem weiteren bevorzugten Verfahren wird eine Flottenlänge von bis 300 % verwendet.
Dabei wird das Gewicht des tierischen Produktes zugrunde gelegt, welches 100% entspricht.
Eine Flottenlänge von 300% bedeutet beispielsweise, dass bei einem eingesetzten Gewicht
von 100 kg vorgegerbtem Leder 300 kg Behandlungsflüssigkeit verwendet werden.
[0034] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das Verfahren in einem Temperaturbereich
von 20°C bis 70°C durchgeführt.
[0035] In einem weiteren bevorzugten Verfahren werden bei der Nachgerbung zusätzlich zu
dem Polyester synthetische oder pflanzliche Gerbstoffe verwendet.
[0036] Die Erfindung betrifft weiterhin tierische Produkte ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Häuten, Fellen, Ledern und Pelzen erhältlich nach dem erfindungsgemäßen Verfahren.
[0037] Die Erfindung stellt weiterhin tierische Produkte bereit ausgewählt aus der Gruppe
bestehend aus Häuten, Fellen, Ledern und Pelzen enthaltend das oben definierte Polyester,
wobei der Polyester in dem Kollagengeflecht des tierischen Produktes eingelagert vorliegt,
wobei weiterhin
- i) mindestens ein Teil der Kollagenmoleküle des tierischen Produktes durch Ausbildung
von kovalenten Bindungen quervernetzt sind, und/oder
- ii) mindestens ein Teil der Carboxylgruppen der Kollagenmoleküle der tierischen Produkte
mit Ionen Komplexe eingegangen sind, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Chrom-,
Aluminium-, Zirkonium- und Eisenionen.
[0038] Die Eigenschaft, wonach der Polyester in dem Kollagengeflecht des tierischen Produktes
eingelagert vorliegt, bedeutet, dass der Polyester innerhalb des tierischen Produktes,
insbesondere im Raum zwischen der Oberseite und der Unterseite des Hautanteils bzw.
des Lederanteils des tierischen Produktes vorliegt.
[0039] Weiterhin betrifft die Erfindung die Verwendung von wässrigen Lösungen enthaltend
Polyester zur Nachbehandlung von gegerbten tierischen Produkten ausgewählt aus der
Gruppe bestehend aus Häuten, Fellen, Ledern und Pelzen, wobei erfindungsgemäß der
Polyester durch Polykondensation von Monomer A und Monomer B gebildet wird,
wobei Monomer A ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus geradkettigen oder verzweigten,
gesättigten oder ungesättigten Carbonsäuren mit 2 bis 10 Kohlenstoffatomen, cyclischen
Carbonsäuren mit 5 bis 10 Kohlenstoffatomen und aromatischen Carbonsäuren mit 8 bis
10 Kohlenstoffatomen, oder deren Anhydriden,
wobei die Carbonsäure mindestens zwei Carboxylgruppen aufweist, und optional ein oder
mehrere Hydroxylgruppen, und
wobei Monomer B ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus mehrwertigen Alkoholen
mit 2 bis 18 Kohlenstoffatomen und mindestens 2 Hydroxylgruppen.
[0040] Die Erfindung wird anhand der folgenden Beispiele näher beschrieben.
Beispiele
Beispiel 1: Synthese von Zitronensäureglycerinester
[0041] In einem 1 l Vierhalskolben mit KPG-Rührer, Thermometer, Gaseinleitungsrohr und Destillationsbrücke
inkl. -vorlage werden 111 g Glycerin eingewogen und auf 90°C erwärmt. 504 g Zitronensäure
Monohydrat werden portionsweise zugesetzt, so dass die Temperatur nicht unter 80°C
absinkt. Das Molverhältnis zwischen Glycerin und Zitronensäure entspricht dabei 1:2.
Nach vollständiger Dosierung der Zitronensäure wird unter Stickstoffeinleitung auf
125°C erwärmt. Die Kondensation setzt unmittelbar ein. Der Verlauf der Reaktion wird
durch die aufgefangene Wassermenge und durch die steigende Viskosität des Reaktionsproduktes
verfolgt. Nach 4 Stunden wurde die Kondensation durch Abkühlen unter 100°C und Zugabe
von 266 g Wasser unterbrochen. Es resultiert eine leicht gelbliche, fast klare, viskose
Flüssigkeit mit folgenden Analysendaten:
Trockensubstanz: 69,7%
Viskosität: 3280 mPa•s (20°C)
pH-Wert: 1,9
Molmasse (Mw): 298 g/mol
Beispiel 2: Synthese von Zitronensäureglycerinester
[0042] Die Synthese erfolgte analog Beispiel 1 jedoch mit einem Molverhältnis Glycerin :
Zitronensäure von 1 : 1,5. Es resultierte ebenfalls eine hellgelbe, fast klare, viskose
Flüssigkeit mit folgenden Analysendaten:
Trockensubstanz: 70,2 %
Viskosität: 2670 mPa•s (20°C) pH-Wert: 2,1
Molmasse (Mw): 463 g/mol
Beispiel 3: Synthese von Zitronensäureglycerinester
[0043] Die Synthese erfolgte analog Beispiel 1 jedoch mit einem Molverhältnis Glycerin :
Zitronensäure von 1 : 1. Es resultierte ebenfalls eine hellgelbe, fast klare, viskose
Flüssigkeit mit folgenden
Analysendaten:
Trockensubstanz: 69,5%
Viskosität: 2500 mPa•s (20°C)
pH-Wert: 2,2
Molmasse (Mw): 470 g/mol
Beispiel 4: Synthese von Zitronensäureglycerinester
[0044] In einem 1 l Vierhalskolben mit KPG-Rührer, Thermometer, Gaseinleitungsrohr und Destillationsbrücke
incl. -vorlage werden 207 g Glycerin eingewogen und auf 90°C erwärmt. 378 g Zitronensäure
Monohydrat werden portionsweise zugesetzt, so dass die Temperatur nicht unter 80°C
absinkt. Das Molverhältnis zwischen Glycerin und Zitronensäure entspricht dabei 1
: 0,8. Nach vollständiger Dosierung der Zitronensäure wird unter Stickstoffeinleitung
auf 120°C erwärmt. Die Kondensation setzt unmittelbar ein. Der Verlauf der Reaktion
wird durch die aufgefangene Wassermenge und durch die steigende Viskosität des Reaktionsproduktes
verfolgt. Nach 4 Stunden wurde die Kondensation durch Abkühlen unter 100°C und Zugabe
von 75 g Wasser unterbrochen. Dem resultierenden Reaktionsprodukt wurde über Tropftrichter
innerhalb von 2 Stunden 183 g einer 50%igen NaOH-Lösung zudosiert. Es wurde eine gelbliche,
klare, viskose Flüssigkeit mit folgenden Analysendaten erhalten:
Trockensubstanz: 70,4%
Viskosität: 2750 mPa•s pH-Wert: 4,5
Molmasse (Mw): 404 g/mol
Beispiel 5: Biologische Abbaubarkeit
[0045] Die biologischen Abbaubarkeit des in den Beispielen 1 bis 4 synthetisierten Zitronensäureglycerinesters
wurde entsprechend EN ISO 9408 : 1999 "Bestimmung der vollständigen aeroben biologischen
Abbaubarkeit organischer Stoffe im wässrigen Medium über die Bestimmung des Sauerstoffbedarfs
in einem geschlossenem Respirometer" ermittelt. Dabei wurden die Testsubstanzen in
einem System aus Wasser und einem Mischinokulum, das aus einer städtischen Kläranlage
entnommen wurde, in einer Konzentration von 100 mg/l in einem geschlossenem Testgefäß
über 28 Tage gerührt. Die biologische Abbaubarkeit ergibt sich aus dem Sauerstoffverbrauch,
der über Druckmessung kontinuierlich ermittelt wurde.
[0046] Die Ergebnisse werden in der folgenden Tabelle 1 zusammengefasst:
Tabelle 1:
| Produkt |
Biobasierte (nachwachsender) Kohlenstoffanteil nach EN ISO 14021 |
Biologische Abbaubarkeit EN ISO 9408 |
| aus Beispiel 1 |
100% |
92% in 28 Tagen |
| aus Beispiel 2 |
100% |
69% in 28 Tagen |
| aus Beispiel 3 |
100% |
67% in 28 Tagen |
| aus Beispiel 4 |
100% |
64% in 28 Tagen |
| Polyacrylat |
0% |
5% in 28 Tagen |
Beispiel 6: Synthese von Adipinsäureglycerinester
[0047] In einem 1 I Vierhalskolben mit KPG-Rührer, Thermometer, Gaseinleitungsrohr und Destillationsbrücke
incl. -vorlage werden 212 g Glycerin eingewogen und auf 90°C erwärmt. 336 g Adipinsäure
werden portionsweise zugesetzt, so dass die Temperatur nicht unter 80°C absinkt. Das
Molverhältnis zwischen Glycerin und Adipinsäure entspricht dabei 1 : 1. Nach vollständiger
Dosierung der Adipinsäure wird unter Stickstoffeinleitung auf 135°C erwärmt. Die Kondensation
setzt unmittelbar ein. Der Verlauf der Reaktion wird durch die aufgefangene Wassermenge
und durch die steigende Viskosität des Reaktionsproduktes verfolgt. Nach 5 Stunden
wurde die Kondensation durch Abkühlen unter 100°C und Zugabe von 225 g Wasser unterbrochen.
Dem resultierenden Reaktionsprodukt wurde über Tropftrichter innerhalb von 2 Stunden
65 g einer 50%igen NaOH-Lösung zu dosiert. Es wurde eine nahezu farblose, klare, viskose
Flüssigkeit mit folgenden Analysendaten erhalten:
Trockensubstanz: 67,2%
Viskosität: 2450 mPa•s
pH-Wert: 7,0
Molmasse (Mw): 404 g/mol
Beispiel 7: Synthese von Apfelsäurediethylenglykolester
[0048] In einem 1 I Vierhalskolben mit KPG-Rührer, Thermometer, Gaseinleitungsrohr und Destillationsbrücke
incl. -vorläge werden 244 g Diethylenglycol eingewogen und auf 90°C erwärmt. 308 g
DL-Apfelsäure werden portionsweise zugesetzt, so dass die Temperatur nicht unter 80°C
absinkt. Das Molverhältnis zwischen Diethylenglycol und DL-Apfelsäure entspricht dabei
1 : 1. Nach vollständiger Dosierung der DL-Apfelsäure wird unter Stickstoffeinleitung
auf 125°C erwärmt. Die Kondensation setzt unmittelbar ein. Der Verlauf der Reaktion
wird durch die aufgefangene Wassermenge und durch die steigende Viskosität des Reaktionsproduktes
verfolgt. Nach 7 Stunden wurde die Kondensation durch Abkühlen unter 100°C und Zugabe
von 75 g Wasser unterbrochen. Dem resultierenden Reaktionsprodukt wurde über Tropftrichter
innerhalb von 2 Stunden 65 g einer 50%igen NaOH-Lösung dosiert. Es wurde eine gelbliche,
klare, viskose Flüssigkeit mit folgenden Analysendaten erhalten:
Trockensubstanz: 80,4%
Viskosität: 2750 mPa•s
pH-Wert: 4,0
Molmasse (Mw): 513 g/mol
Beispiel 8: Anwendungsversuch - Ledernachbehandlung
[0049] Die Eigenschaften des in den Beispielen 1 bis 6 synthetisierten Esters als Nachgerbstoff
werden anhand von vorgegerbtem Leder (Wet Blue-Leder) überprüft. Wet Blue bezeichnet
ein mit Chrom (III)-Salzen gegerbtes feuchtes Leder. Als Vergleich wurde ein handelsübliches
Polyacrylat (NOVALTAN 2999 der Firma Zschimmer & Schwarz GmbH & Co. KG) mit einer
mittleren Molmasse von 30.000 g/mol herangezogen.
[0050] Wetblue-Leder mit einer Falzstärke von 1,8 - 2,0 mm wurde wie folgt behandelt:
Tabelle 2:
| Operation |
Menge* |
Produkt |
Temperatur [°C] |
Dauer [min] |
pH-Wert |
| Neutralisation |
150% |
Wasser |
35 |
|
|
| |
1,0% |
Natriumformiat |
20 |
|
| |
0,7% |
Natriumbikarbonat |
40 |
4,8 |
| |
0,5% |
Natriumbikarbonat |
30 |
|
| Flotte ablassen |
|
|
|
|
|
| |
150% |
Wasser |
50 |
|
|
| Nachgerbung |
4% |
Produkt |
40 |
|
| Fettung |
6% |
synthetische Fettungsmittel |
50 |
45 |
|
| |
0,6% |
Ameisensäure (75%) (1:5) |
20 |
3,8 |
| Flotte ablassen |
|
|
|
|
|
| |
200% |
Wasser |
25 |
10 |
|
| Flotte ablassen |
|
|
|
|
|
| * Die Menge bezieht sich auf das Gewicht des eingesetzten tierischen Produktes, welches
100% entspricht. |
[0051] Danach wurde das nachbehandelte Leder ausgereckt, 2 min. vakuum-getrocknet, bei 60°C
abgelüftet, anschließend angefeuchtet und gestollt.
[0052] Anschließend wurde das nachbehandelte Wetblue-Leder zunächst hinsichtlich Wärmevergilbung
und Lichtechtheit untersucht, wobei die Bestimmung der Lichtechtheit durch Bestrahlung
der Lederproben mit einer Xenonlampe, die ein sonnenlichtähnlichem Spektrum aufweist,
über 72 Stunden erfolgt. Als Belichtungsgerät wurde Suntest CPS+ der Fa. Atlas Material
Testing Solutions verwendet. Die Bewertung der Farbänderung sowohl bei der Wärmevergilbung
als auch bei der Lichtechtheit erfolgte gemäß DIN EN ISO 105 A05. Weiterhin wurde
das Leder hinsichtlich Fülle und Narbenfestigkeit untersucht. Bei der Beurteilung
der Fülle und Narbenfestigkeit handelt es sich um eine haptische bzw. visuelle Prüfung,
die von einem Lederfachmann subjektiv nach einem Notenmaßstab durchgeführt wird, wobei
die Note 5 sehr gut und die Note 1 sehr schlecht bedeutet.
[0053] Die Ergebnisse werden in der folgenden Tabelle 3 zusammengefasst:
Tabelle 3:
| Produkt |
Wärmevergilbung 100°C/5d |
Lichtechtheit Suntest 72 h |
Fülle |
Narbenfestigkeit |
| |
Note* |
Note* |
Note* |
Note* |
| Beispiel 1 |
3,9 |
3,6 |
3,5 |
3,5 |
| Beispiel 2 |
3,8 |
3,9 |
4,0 |
3,5 |
| Beispiel 3 |
4,1 |
3,9 |
3,8 |
4,0 |
| Beispiel 4 |
4,0 |
4,0 |
4,2 |
3,5 |
| Beispiel 5 |
3,9 |
3,8 |
4,0 |
3,5 |
| Beispiel 6 |
4,0 |
3,9 |
3,9 |
4,0 |
| Vergleichsbeispiel: Polyacrylat |
3,2 |
3,6 |
3,0 |
3,0 |
| * Die Beurteilung erfolgte subjektiv nach einem Notenmaßstab, in dem die Note 5 sehr
gut und die Note 1 sehr schlecht bedeutet. |
[0054] Nach Auswertung des mit dem gemäß der Erfindung verwendeten Produktes konnte gezeigt
werden, dass die Produkte gemäß den Beispielen 1 bis 6 als Nachgerbstoff für Leder
eine Verbesserung gegenüber den bisher üblichen Nachgerbstoffen aus Polyacrylat sind.
Der Vorteil der beschriebenen Polykondensate besteht darin, dass sie vollständig aus
erneuerbaren biologischen Rohstoffen hergestellt werden können und in ihrer guten
biologischen Abbaubarkeit.
1. Ein Verfahren zur Nachbehandlung von tierischen Produkten ausgewählt aus der Gruppe
bestehend aus Häuten, Fellen, Ledern und Pelzen, wobei gegerbte tierische Produkte
einer Nachgerbung unterzogen werden,
dadurch gekennzeichnet, dass bei der Nachgerbung eine wässrige Lösung eines Polyesters eingesetzt wird, wobei
der Polyester durch Polykondensation von Monomer A und Monomer B gebildet wird,
- wobei Monomer A ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend geradkettigen oder verzweigten,
gesättigten oder ungesättigten Carbonsäuren mit 2 bis 10 Kohlenstoffatomen, cyclischen
Carbonsäuren mit 5 bis 10 Kohlenstoffatomen und aromatischen Carbonsäuren mit 8 bis
10 Kohlenstoffatomen, oder deren Anhydriden,
wobei die Carbonsäure mindestens zwei Carboxylgruppen aufweist, und optional ein oder
mehrere Hydroxylgruppen, und
- wobei Monomer B ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus mehrwertigen Alkoholen
mit 2 bis 18 Kohlenstoffatomen und mindestens 2 Hydroxylgruppen.
2. Das Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei das Monomer A eine geradkettige oder verzweigte,
gesättigte oder ungesättigte Carbonsäure mit 4 bis 8 Kohlenstoffatomen und mindestens
zwei Carboxylgruppen und optional mit mindestens einer Hydroxylgruppe, bevorzugt eine
geradkettige oder verzweigte, gesättigte oder ungesättigte Carbonsäure mit 4 bis 8
Kohlenstoffatomen und mindestens zwei Carboxylgruppen und mit mindestens einer Hydroxylgruppe
darstellt, oder deren Anhydride.
3. Das Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei das Monomer A eine Carbonsäure ist ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Oxalsäure, Malonsäure, Bernsteinsäure, Glutarsäure, Adipinsäure,
Pimelinsäure, Suberinsäure, Azelainsäure, Sebacinsäure, Cyclopentan-1,2-dicarbonsäure,
1,2-Cyclohexandicarbonsäure, 1,3-Cyclohexandicarbonsäure, 1,4-Cyclohexandicarbonsäure,
Maleinsäure, Fumarsäure, Phthalsäure, Isophthalsäure, Terephthalsäure, Tatronsäure,
Äpfelsäure (2-Hydroxybernsteinsäure), Weinsäure (2,3-Dihydroxybernsteinsäure), Hydroxyglutarsäure
(2-Hydroxypentandisäure), 3-Hydroxyglutarsäure (3-Hydroxypentandisäure), Zitronensäure
(2-Hydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure), Isozitronensäure (1-Hydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure),
Schleimsäure, vorzugsweise Zitronensäure (2-Hydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure), und
deren Anhydride.
4. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 3, wobei Monomer B ausgewählt
ist aus der Gruppe bestehend aus mehrwertigen Alkanolen mit 2 bis 12 Kohlenstoffatomen
und mindestens 2 Hydroxylgruppen, mehrwertigen Alkanolen mit 2 bis 8 Kohlenstoffatomen
und mindestens 2 Hydroxylgruppen, mehrwertigen Alkanolen mit 2 bis 6 Kohlenstoffatomen
und mindestens 2 Hydroxylgruppen, mehrwertigen Alkanolen mit 3 bis 12 Kohlenstoffatomen
und mindestens 3 Hydroxylgruppen, mehrwertigen Alkanolen mit 3 bis 8 Kohlenstoffatomen
und mindestens 3 Hydroxylgruppen, mehrwertigen Alkanolen mit 3 bis 6 Kohlenstoffatomen
und mindestens 3 Hydroxylgruppen, Glycolethern, Pentaerythrit und Alditolen, vorzugsweise
Glycerin.
5. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 4, wobei das Molverhältnis von
Monomer B zu Monomer A für die Polykondensation 1 zu 0,1 bis 1 zu 10, vorzugsweise
1 zu 0,5 bis 1 zu 5, weiter bevorzugt 1 zu 1 bis 1 zu 3 beträgt.
6. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 4, wobei der Polyester aus Zitronensäure
und Glycerin gebildet wird.
7. Das Verfahren gemäß Anspruch 6, wobei das Molverhältnis von Glycerin zu Zitronensäure
für die Polykondensation 1 zu 0,5 bis 1 zu 5, vorzugsweise 1 zu 1 bis 1 zu 3 beträgt.
8. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 7, wobei die gewichtsmittlere
Molmasse des Polyesters 200 bis 2.000 g/mol beträgt.
9. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 8, wobei die wässrige Lösung des
Polyesters bei einem Gehalt von 5.0 Gew-% bis 95,0 Gew.-% Trockensubstanz des Polyesters
eine Viskosität von 1.000 bis 5.000 mPa•s, bevorzugt 2.000 bis 4.000 mPa•s aufweist,
gemessen mit einem Brookfield-Viskosimeter unter Verwendung der Spindel Nr. 2 und
einer Rührgeschwindigkeit von 12 UpM bei einer Temperatur von 20°C.
10. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 9, wobei die wässrige Lösung von
1,0 Gew.-% bis 20,0 Gew.-%, vorzugsweise 3,0 Gew.-% bis 10,0 Gew.-% Trockensubstanz
des Polyesters bezogen auf das Falzgewicht aufweist.
11. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 10, wobei die wässrige Lösung
des Polyesters einen pH-Wert von 2,0 bis 8,0 aufweist.
12. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 11, wobei der Polyester partiell
oder vollständig als Alkali-, Erdalkali- oder Ammoniumsalz oder als Salz anderer Basen,
bevorzugt organischer Basen vorliegt.
13. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 12, wobei eine Flottenlänge von
bis 300 % verwendet wird.
14. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 13, wobei das Verfahren in einem
Temperaturbereich von 20°C bis 70°C durchgeführt wird.
15. Das Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 14, wobei bei der Nachgerbung
zusätzlich zu dem Polyester synthetische oder pflanzliche Gerbstoffe verwendet werden.
16. Tierische Produkte ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Häuten, Fellen, Ledern
und Pelzen erhältlich nach einem Verfahren gemäß irgendeinem der Ansprüche 1 bis 15.
17. Tierische Produkte ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Häuten, Fellen, Ledern
und Pelzen enthaltend das in den Ansprüchen 1 bis 8 definierte Polyester, wobei der
Polyester in dem Kollagengeflecht des tierischen Produktes eingelagert vorliegt, wobei
weiterhin
i) mindestens ein Teil der Kollagenmoleküle des tierischen Produktes durch Ausbildung
von kovalenten Bindungen quervernetzt sind, und/oder
ii) mindestens ein Teil der Carboxylgruppen der Kollagenmoleküle der tierischen Produkte
mit Ionen Komplexe eingegangen sind, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Chrom-,
Aluminium-, Zirkonium- und Eisenionen.
18. Verwendung von wässrigen Lösungen enthaltend Polyester zur Nachbehandlung von gegerbten
tierischen Produkten ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Häuten, Fellen, Ledern
und Pelzen, dadurch gekennzeichnet, dass der Polyester durch Polykondensation von Monomer A und Monomer B gebildet wird,
wobei Monomer A ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus geradkettigen oder verzweigten,
gesättigten oder ungesättigten Carbonsäuren mit 2 bis 10 Kohlenstoffatomen, cyclischen
Carbonsäuren mit 5 bis 10 Kohlenstoffatomen und aromatischen Carbonsäuren mit 8 bis
10 Kohlenstoffatomen, oder deren Anhydriden,
wobei die Carbonsäure mindestens zwei Carboxylgruppen aufweist, und optional ein oder
mehrere Hydroxylgruppen, und
wobei Monomer B ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus mehrwertigen Alkoholen
mit 2 bis 18 Kohlenstoffatomen und mindestens 2 Hydroxylgruppen.