[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung für eine Kälteanlage mit mehreren,
je wenigstens ein Sicherheitsventil umfassenden Abblaseleitungen.
[0002] Aus dem Stand der Technik sind Kälteanlagen bekannt, die einen Kühlkreislauf mit
wenigstens zwei Drucksektionen umfassen, in der der Druck eines strömenden Kühlfluids
manipuliert werden kann. Erhöht sich aufgrund einer Fehlfunktion oder äußerer Umstände
der Druck in der Drucksektion, ist es weiters bekannt, über Abblaseleitungen Kühlfluid
kontrolliert aus der Drucksektion entweichen zu lassen, um Beschädigungen an der Kälteanlage
und der Umgebung zu vermeiden. Diese Abblaseleitungen sind im einfachsten Fall über
ein Sicherheitsventil mit der Drucksektion verbunden, dass beispielsweise bei Überschreiten
eines Druckschwellenwertes öffnet, woraufhin das Kühlfluid bis zum Schließen des Ventils
über die Abblaseleitung aus der Kälteanlage abgeführt wird.
[0003] Nachteilig am Stand der Technik ist allerdings, dass große bzw. komplexer aufgebaute
Kälteanlagen über mehrere verschiedene Drucksektionen verfügen, sodass für jeden dieser
Drucksektionen eine eigene Abblaseleitung vorgesehen werden muss. Inbesondere bei
langen Abblaseleitungen, wie sie häufig bei Kälteanlagen mit weit verzweigten Leitungssystemen
zu finden sind, führt dies zu hohem Material- und Platzbedarf. Zwar würde es naheliegen,
mehrere Abblaseleitungen zu einer gemeinsamen Abführleitung zusammenzufassen, beispielsweise
über T-Stücke, allerdings würde rasch austretendes Kühlfluid aus einer Abblaseleitung
zu einer raschen Druckerhöhung in der Abführleitung führen, deren Druckschlag die
geschlossenen Sicherheitsventile der anderen Abblaseleitungen beschädigen könnteDer
Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, mit reduziertem Material- und Platzaufwand
Kühlfluid aus mehreren Abblaseleitungen abzuführen ohne die Betriebssicherheit zu
gefährden.
[0004] Die Erfindung löst die gestellte Aufgabe dadurch, dass die von den Sicherheitsventilen
beabstandeten Endabschnitte der Abblaseleitungen in ein quer zu den Endabschnitten
verlaufendes Kollektorrohr einmünden, dessen Strömungsquerschnitt den Strömungsquerschnitt
jedes Endabschnitts übersteigt. Öffnet ein Sicherheitsventil, strömt Kühlfluid mit
hohem Druck durch die zugeordnete Abblaseleitung in das Kollektorrohr. Durch den verglichen
mit den Abblaseleitungen höheren Strömungsquerschnitt des Kollektorrohrs wird das
Kühlfluid beim Eintritt in das Kollektorrohr entspannt. Die Endabschnitte wirken in
Verbindung mit dem Kollektorrohr also als Diffusor für das Kühlfluid. Da das Kollektorrohr
bezüglich seiner Längsrichtung quer zu den Endabschnitten verläuft, prallt das Kühlfluid
nach dem Eintritt in das Kollektorrohr auf den den Endabschnitten gegenüberliegenden
Wandabschnitten des Kollektorrohrs ab, verliert weiter kinetische Energie und verteilt
sich im Kollektorrohr. Zusammen mit dem Druckverlust bei Eintritt in das Kollektorrohr
führt dies zu einer Dissipation der kinetischen Energie des Fluids, die eine Beschädigung
der geschlossenen Sicherheitsventile der anderen Abblaseleitungen durch Druckstöße
verhindert. Wird das Sicherheitsventil an der Abblaseleitung möglichst weit vom Kollektorrohr
entfernt angeordnet, kann die Kraft des Druckstoßes zusätzlich verringert werden.
Die Anordnung des Kollektorrohres quer zu den Endabschnitten hat darüber hinaus den
Vorteil, dass die Vorrichtung kompakter ausgestaltet und die einzelnen Abblaseleitungen
einfacher angeschlossen werden können. Das jeweilige Sicherheitsventil öffnet, sobald
es einen Störfall, bzw. unzulässige Drücke in der Drucksektion registriert und ist
im einfachsten Fall ein Überdruckventil. Es hat sich herausgestellt, dass sich bei
einem Störfall üblicherweise nur in jeweils einer einer Abblaseleitung zugeordneten
Drucksektion ein Überdruck aufbaut, der über die Vorrichtung abgebaut werden muss,
weswegen der Strömungsquerschnitt des Kollektorrohres den Strömungsquerschnitt jedes
Endabschnitts übersteigen muss, aber nicht größer sein muss als die Summe aller Strömungsquerschnitte
der Abblaseleitungen. Die Vorrichtung muss demzufolge nur für den größten zu erwartenden
Druck bzw. Kühlfluidstrom im Kollektorrohr ausgelegt werden. Die Größenverhältnisse
zwischen den Abblaseleitungen und dem Kollektorrohr sowie deren Dimensionierung, um
die auftretenden Überdrücke unter Einhaltung gängiger Sicherheitsnormen abzubauen,
ergeben sich beispielsweise aus der Norm EN13136-6.2.1-2013.
[0005] Um eine einfacheres Verbinden verschiedener Abblaseleitungen mit dem Kollektorrohr
und einen gleichmäßigen Druckabfall zu ermöglichen, wird vorgeschlagen, dass der Abstand
zwischen den Endabschnitten und den den Endabschnitten gegenüberliegenden Wandabschnitten
des Kollektorrohrs für alle Endabschnitte gleich ist. Somit ist der Druckabfall und
die Dissipation der kinetischen Energie für das Kühlfluid an jeder Abblaseleitung
gleich, da nicht nur die Distanz zwischen Endabschnitt und gegenüberliegendem Kollektorrohrwandabschnitt
gleich ist, sondern auch das zur Expansion zur Verfügung stehende Volumen in unmittelbarer
Nähe des Endabschnittes. Da die Vorrichtung nur für den größten zu erwartenden Druck
bzw. Kühlfluidstrom ausgelegt werden muss, können somit zwei Abblaseleitungen einfach
miteinander vertauscht werden, ohne die Funktionsweise der Vorrichtung zu beeinträchtigen.
[0006] Um die Ausflusszahl der Abblaseleitungen ohne hohen fertigungstechnischen Aufwand
zu verbessern, können die Endabschnitte in das Kollektorrohr ragen und die Auslässe
der Endabschnitte schräg zu deren Längsrichtung geschnitten sein. Um in diesem Zusammenhang
die Ableitung des Kühlfluids durch das Kollektorrohr zu begünstigen, können die Auslässe
der Endabschnitte so ausgerichtet werden, dass das Kühlfluid durch den schrägen Schnitt
zuerst in Strömungsrichtung des Kollektorrohrs expandiert, sodass sich bereits beim
Einströmen des Kühlfluids in das Kollektorrohr eine entsprechende Strömungsrichtung
einstellt. In einer bevorzugten Ausführungsform beträgt der Schnittwinkel ausgehend
von der Längsrichtung des Endabschnitts zwischen 20° und 40°, noch bevorzugter 30°.
[0007] Um die Stärke eines Druckstoßes auf die geschlossenen Sicherheitsventile weiter zu
verringern, wird vorgeschlagen, dass die Abstände zwischen benachbarten Endabschnitten
in Längsrichtung des Kollektorrohrs gleich sind. Dies vereinfacht das Abschätzen der
Stärke eines möglichen Druckstoßes auf die geschlossenen Sicherheitsventile, da die
zu überbrückende Entfernung des austretenden Kühlfluids zwischen benachbarten Endabschnitten
immer gleich ist. Der Abschnitt des Kollektorrohrs, in dem sich die Endabschnitte
der Abblaseleitungen befinden, wird als Mündungsabschnitt bezeichnet. Werden die Endabschnitte
zusätzlich innerhalb dieses Mündungsabschnittes maximal zueinander beabstandet, wird
die für einen Druckschlag zu überbrückende Entfernung ebenso maximiert und dadurch,
unabhängig von der Relativposition des jeweiligen Endabschnitts zu seinen benachbarten
Endabschnitten, auch die Dissipation maximiert. Der Mündungsabschnitt kann sich über
die gesamte Längsrichtung des Kollektorrohrs erstrecken, oder nur einen Teil von ihm
umfassen.
[0008] Um Kühlfluid vom Kollektorrohr schnell abzuführen, ohne einen Rückstau zu verursachen,
kann eine Abführleitung angeschlossen sein, deren Strömungsquerschnitt dem Strömungsquerschnitt
des Anschlusses des Kollektorrohrs entspricht oder diesen übersteigt. Der Strömungsquerschnitt
des Anschlusses legt also den minimalen Strömungsquerschnitt der Abführleitung fest.
Dadurch wird das Kühlfluid beim Passieren der Abführleitung nicht aufgrund der Abführleitungsgeometrie
komprimiert und ein Rückstau kann vermieden werden. Der Überdruck des Kühlfluids,
der einen Druckschlag an den geschlossenen Sicherheitsventilen auslösen könnte, wird
bereits beim Übergang zwischen Abblaseleitung und Kollektorrohr abgebaut. Der weitere
Druckabbau, der sich durch eine etwaige Erhöhung des Strömungsquerschnitts innerhalb
der Abführleitung einstellt, ist daher in Bezug auf die Anlagensicherheit vernachlässigbar.
Das Strömungsverhalten des Kühlfluids innerhalb der Abführleitung wird daher im Sinne
der Erfindung in Bezug auf ein sicheres Ableiten des Kühlfluids nicht beeinflusst.
[0009] In der Zeichnung ist der Erfindungsgegenstand beispielsweise dargestellt. Sie zeigt
einen schematischen Schnitt durch eine erfindungsgemäße Vorrichtung.
[0010] Eine erfindungsgemäße Vorrichtung für eine Kälteanlage umfasst mehrere Abblaseleitungen
1, die einer Drucksektion der Kälteanlage zugeordnet sind und die je über ein Sicherheitsventil
2 verfügen. Diese Sicherheitsventile 2 können, wie in der Zeichnung dargestellt, beispielsweise
Überdruckventile sein. Die Abblaseleitungen 1 weisen Endabschnitte 3 auf, die in ein
gemeinsames Kollektorrohr 4 münden, dessen Strömungsquerschnitt den Strömungsquerschnitt
jedes Endabschnitts 3 übersteigt. Öffnet das Sicherheitsventil 2 einer Abblaseleitung
1 aufgrund eines Störfalles, entweicht Kühlfluid aus der der Abblaseleitung 1 zugeordneten
Drucksektion und strömt unter hohem Druck aus dem Endabschnitt 3 in das Kollektorrohr
4. Dort wird aufgrund des im Vergleich zu der Abblaseleitung 1 höheren Strömungsquerschnitts
des Kollektorrohres 4 der Druck des Kühlfluids reduziert. In weiterer Folge prallt
das Kühlfluid auf den dem Endabschnitt 3 gegenüberliegenden Wandabschnitt 5 des Kollektorrohres
4, wodurch weitere kinetische Energie des Kühlfluids dissipiert wird. Zufolge dieser
Maßnahmen wird die Druckbelastung auf die geschlossenen Sicherheitsventile 2 der anderen
Abblaseleitung 1 möglichst klein gehalten. Eine einfache Maßnahme, um diese Druckbelastung
weiter zu reduzieren, besteht darin, die Sicherheitsventile 2 der Abblaseleitungen
1 möglichst weit entfernt vom Kollektorrohr 4 anzuordnen, um weitere kinetische Energie
des Kühlfluids durch den verlängerten zu überbrückenden Weg zu dissipieren.
[0011] Wird der Abstand zwischen den Endabschnitten 3 und der den Endabschnitten 3 gegenüberliegenden
Wandabschnitten 5 für alle Endabschnitte 3 gleichgehalten, ist der Druckabfall und
die Dissipation entlang der Längsachse des Kollektorrohres 4 konstant. Dadurch spielt
es keine Rolle, wo eine Abblaseleitung 1 in das Kollektorrohr 4 mündet, was ein einfaches
Austauschen der Abblaseleitungen 1 ermöglicht. Die Ausflussziffer der Endabschnitte
3 kann verbessert werden, wenn die Endabschnitte 3 Auslässe 6 aufweisen, die schräg
zur Längsachse der Endabschnitte 3 geschnitten sind. Damit in diesem Fall kein Fluid
aus den Abblaseleitungen 1 entweichen kann, bevor es in das Kollektorrohr 4 geleitet
wird, ragen diese Auslässe 6 in das Kollektorrohr 4 hinein.
[0012] Die kinetische Energie kann weiter reduziert werden, wenn der zu überbrückende Weg
zwischen geöffnetem Sicherheitsventil 2 und dem benachbarten geschlossenen Sicherheitsventil
2 maximiert wird. Dazu können die Abstände benachbarter Endabschnitte 3 in Längsrichtung
des Kollektorrohrs 4 gleich sein. So werden, für alle Endabschnitte 3 betrachtet,
die Abstände zwischen benachbarten Endabschnitten 3 und somit der zu überbrückende
Weg für das Kühlfluid, maximiert. Das Kollektorrohr 4 kann einen Mündungsabschnitt
7 aufweisen, in dem die Endabschnitte 3 in das Kollektorrohr 4 münden und in dem die
Abstände zwischen benachbarten Endabschnitten 3 gleich sind. Das Kühlfluid kann mittels
einer Abführleitung 8, die an einen Anschluss 9 des Kollektorrohres 4 angeschlossen
ist, aus dem Kollektorrohr 4 abgeführt werden. Ist der Strömungsquerschnitt dieser
Abführleitung 8 wenigstens so groß wie der Strömungsquerschnitt am Anschluss 9, werden
die strömungsmechanisch relevanten Parameter wie beispielsweise Druck oder Geschwindigkeit
nicht von der der Abführleitung 8 beeinflusst. So kann ein Rückstau des Kühlfluids
in der Abführleitung 8 verhindert werden.
1. Vorrichtung für eine Kälteanlage mit mehreren, je wenigstens ein Sicherheitsventil
(2) umfassenden Abblaseleitungen (1), dadurch gekennzeichnet, dass die von den Sicherheitsventilen (2) beabstandeten Endabschnitte (3) der Abblaseleitungen
(1) in ein quer zu den Endabschnitten (3) verlaufendes Kollektorrohr (4) einmünden,
dessen Strömungsquerschnitt den Strömungsquerschnitt jedes Endabschnitts (3) übersteigt.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstand zwischen den Endabschnitten (3) und den den Endabschnitten (3) gegenüberliegenden
Wandabschnitten (5) des Kollektorrohrs (4) für alle Endabschnitte (3) gleich ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Endabschnitte (3) in das Kollektorrohr (4) ragen und die Auslässe (6) der Endabschnitte
(3) schräg zu deren Längsrichtung geschnitten sind.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Abstände zwischen benachbarten Endabschnitten (3) in Längsrichtung des Kollektorrohrs
(4) gleich sind.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass an das Kollektorrohr (4) eine Abführleitung (8) angeschlossen ist, deren Strömungsquerschnitt
dem Strömungsquerschnitt des Anschlusses (9) des Kollektorrohrs (4) entspricht oder
diesen übersteigt.