[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Ermitteln einer Heizungskennlinie mindestens
eines Heizkreises einer Heizungsanlage in einer Liegenschaft nach dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 und eine zur Durchführung des Verfahrens vorgesehene Vorrichtung nach
dem Oberbegriff des Anspruchs 11. Ferner wird eine Heizungsanlage mit einer solchen
Vorrichtung nach dem Oberbegriff des Anspruchs 12 beschrieben.
[0002] Bei dem vorgeschlagenen Verfahren werden zeitabhängig ein erster Betriebswert der
Heizungsanlage und ein zweiter Betriebswert der Heizungsanlage erfasst. Durch eine
Anpassung von Parametern eines mathematischen Modells wird die Abhängigkeit eines
der Betriebswerte von dem mindestens einen anderen Betriebswert beschrieben. Damit
wird die Heizungskennlinie ermittelt.
[0003] In einem typischen Anwendungsbeispiel ist der erste Betriebswert der Heizungsanlage
die Vorlauftemperatur im Heizkreis, deren Abhängigkeit zumindest von dem zweiten Betriebswert,
insbesondere der Außentemperatur, beschrieben wird. Ggf. kann die Beschreibung auch
zeitabhängig, bspw. für bestimmte Zeiträume, und/oder weitere Betriebswerte erfolgen.
Entsprechend beschreibt die Heizungskennlinie die Abhängigkeit eines der Betriebswerte,
insbesondere der Vorlauftemperatur, von mindestens einem weiteren Betriebswert, insbesondere
der Außentemperatur, und ggf. der Zeit.
[0004] Eine Heizungsanlage kann über eine hierfür eingerichtete Vorrichtung, insbesondere
umfassend Sensoreinrichtungen, zur Erfassung eines ersten Betriebswertes der Heizungsanlage
und eines zweiten Betriebswertes der Heizungsanlage, eine Zeitmesseinrichtung zum
Messen einer Erfassungszeit der Betriebswerte, eine Speichereinheit zum Speichern
der Betriebswerte, bspw. in Form von Messtupeln aus Erfassungszeit, erstem und zweitem
Betriebswert, sowie eine Recheneinrichtung zur erfindungsgemäßen Verarbeitung der
gemessenen Daten verfügen.
[0005] Eine solche Heizungsanlage kann sich in einem Wohn- oder Geschäftsgebäude befinden
und dem Beheizen des Gebäudes dienen. Sie kann über einen oder mehrere Heizkreise
verfügen, die über einen durch eine Wärmequelle erwärmten Wärmeträger mit thermischer
Energie gespeist werden. Bei dieser Wärmequelle kann es sich beispielsweise um einen
Heizkessel, dessen Brenner Wärmeenergie erzeugt, einen Fernwärmeanschluss an das Gebäude
und/oder jede andere geeignete Einrichtung zur Erwärmung des Wärmeträgers handeln.
Eine angestrebte Raumtemperatur des Gebäudes wird durch Steuerung und/oder Regelung
der Heizungsanlage erreicht, insbesondere indem zumindest eine Vorlauftemperatur des
Wärmeträger eingestellt wird. Die meisten Heizungsanlagen weisen eine außentemperaturgeführte
Heizungsregelung bzw. -steuerung auf, wobei abhängig von einer gemessenen Außentemperatur
der Wärmeträger auf eine gewisse Vorlauftemperatur im Heizkreis eingestellt wird,
welche in die Anlage eingespeist wird. Die Vorlauftemperatur ergibt sich meist aus
einer Heizungskennlinie, die die einzustellende Vorlauftemperatur für eine gegebene
Außentemperatur definiert, wobei die Heizungskennlinie durch geeignete Parameter in
dem Fachmann bekannter Weise an die spezielle Heizungsanlage angepasst wird. Dies
erfolgt üblicherweise nach der Installation der Heizungsanlage im Rahmen der Inbetriebnahme.
Grundsätzlich wird durch die Heizungskennlinie eine höhere Vorlauftemperatur vorgegeben,
je niedriger die Außentemperatur ist. So wird erreicht, dass in Abhängigkeit der üblichen
Außentemperaturschwankungen im Tages- bzw. Jahresverlauf diejenige Wärmemenge durch
die Heizungsanlage bereitgestellt wird, die erforderlich ist, um die Raumtemperatur
auf einem gewünschten Niveau zu halten.
[0006] Üblicherweise verfügt jeder Heizkreis einer Heizungsanlage über verschiedene Betriebsmodi,
unter anderem Heizbetrieb, Absenkbetrieb, Nachtabschaltung und ggf. Brauchwassererwärmungsbetrieb,
wenn die Heizungsanlage wie oft üblich auch zur Warmwassererzeugung genutzt wird.
Im einem Absenkbetrieb, welcher beispielsweise bei Nachtabsenkung (Reduzierung der
Wärmeabnahme im Heizkreis bei niedrigerem Temperaturniveau in den Räumen) und/oder
Brauchwassererwärmung (Reduzierung oder Abschaltung der Wärmeabnahme im Heizkreis,
um die Wärmeenergie konzentriert der Brauchwassererwärmung zuzuführen) aktiviert wird,
wird die Vorlauftemperatur gegenüber dem Heizbetrieb reduziert, wobei die grundsätzliche
oben beschriebene Abhängigkeit der Heizungskennlinie erhalten bleibt. Mit anderen
Worten wird also bspw. von der Temperaturvorgabe für die Vorlauftemperatur im Heizkreis
gezielt abgewichen.
[0007] Üblicherweise ist im Absenkbetrieb lediglich das Temperaturniveau verringert, was
sich durch eine Parallelverschiebung der Heizungskennlinie erreichen lässt. Auch kann
die Steigung der Heizungskennlinie im Absenkbetrieb verringert werden, was insbesondere
bei niedrigen Außentemperaturen zu einer signifikanten Reduzierung der Wärmeabgabe
in den Heizkreis führt.
[0008] Im Falle der Nachtabschaltung wird der Heizkreis abgeschaltet, indem der Wärmeträger
aus der Heizungsanlage dem Heizkreis nicht mehr zugeführt wird oder die Wärmequelle
der Heizungsanlage vollständig abgeschaltet wird. Der Wärmeträger in dem Heizkries
kühlt sich auf eine Minimaltemperatur ab. Diese Minimaltemperatur entspricht der Umgebungstemperatur,
bspw. der Innentemperatur der Räume, in denen sich die Heizkörper oder ein Kessel
der Heizungsanlage, respektive die Wärmequelle der Heizungsanlage, befinden. Die Heizungskennlinie
kann näherungsweise eine Steigung von null haben.
[0009] Zu bestimmten Zeiten, die in diesem Text als Schaltzeiten bezeichnet werden, wird
zwischen den Betriebsmodi umgeschaltet. Die Schaltzeiten können über eine Heizungsregelung
bzw. -steuerung voreingestellt sein oder werden. Die Zeitperioden zwischen zwei Schaltzeiten,
in denen ein bestimmter Betriebsmodus vorliegt, werden folgend auch als Betriebszeiten
bezeichnet.
[0010] Um die Heizungsanlage bezüglich ihrer Energieeffizienz zu optimieren, sollte üblicherweise
eine regelmäßige Überprüfung der Betriebsführung auf Basis der Heizungskennlinien
erfolgen. So kann vermieden werden, dass der Heizungsanlage eine - bezogen auf die
herrschende Außentemperatur - zu hohe Vorlauftemperatur vorgegeben wird, was zu einem
unnötig hohen Energieverbrauch führen würde.
[0011] Die
EP 2 945 032 B1 offenbart ein Verfahren zur Ermittlung der Schaltzeiten und Heizungskennlinien einer
Heizungsanlage, wobei eine Hardware bereitgestellt wird, die in der Heizungsanlage
verbaut die Möglichkeit bietet, Betriebswerte zu messen und diese hinsichtlich der
vorliegenden Betriebsmodi zu analysieren und insbesondere deren Kennlinien zu ermitteln.
Hierfür werden für mehrere Zeitpunkte eines jeden von mehreren Messtagen Wertepaare
aus Vorlauftemperatur und Außentemperatur gebildet, wobei das zeitliche Intervall
eines Tages in mehrere gleichlange, aufeinanderfolgende und durchnummerierte Zeitboxen
unterteilt wird. Für jede der diskreten Zeitboxen wird ein mathematisches Modell gebildet,
welches die Abhängigkeit der Vorlauftemperatur von der Außentemperatur in dieser Zeitbox
beschreibt. Vorlauf- und Außentemperatur müssen hier nicht gleichzeitig, sondern nur
innerhalb derselben Zeitbox aufgenommen werden. Das mathematische Modell kann somit
mit einer zeitlichen Auflösung der Zeitbox-Intervallbreite Schaltzeiten zwischen verschiedenen
Betriebsmodi feststellen, indem überprüft wird, ob sich die in zwei aufeinanderfolgenden
Zeitboxen ermittelten Modelle unterscheiden. Hier besteht der Nachteil, dass Auflösung,
Geschwindigkeit der Erkennung und Genauigkeit der Analyse durch die Größe der Zeitboxen
und damit durch die Anzahl an Datenpunkten pro Box stark beschränkt ist. Dies trifft
insbesondere auf Zeitboxen an den Rändern der Nachtabsenkung zu. Ohne Kenntnis der
genauen Schaltzeiten ist auch eine Analyse der Heizungskennlinie ungenau und schwer
optimierbar.
[0012] Die
EP 2 214 071 offenbart ein ähnliches Verfahren, wobei fortlaufend Wertepaare aus gemessener Vorlauftemperatur
und gemessener Außentemperatur gebildet werden. Eine Schätzfunktion wird an eine ausgewählte
Anzahl von Wertepaaren mittels einer Parameterermittlung bzw. -schätzung (Fit) angepasst.
Jedes neu, also nach der Anpassung der Schätzfunktion gebildete Wertepaar wird auf
Kompatibilität mit der Schätzfunktion überprüft. Es wird ein Toleranzbereich für Abweichungen
von der Schätzfunktion festgelegt. Liegt ein Messwertpaar außerhalb dieses Toleranzbereichs,
liegt wahrscheinlich ein manueller Eingriff in die Heizungsregelung oder eine Anlagenstörung
vor. Auch hier wird eine optimierte Betriebsführung der Heizungsanlage noch nicht
ermöglicht.
[0013] In der Praxis werden die bei der Installation und Inbetriebnahme der Heizungsanlage
durch den Betreiber eingestellten Parameter der Heizungskennlinie beispielsweise bei
Wartungen der Heizungsanlage oder durch die Nutzer selbst oft manuell verstellt, meist
hin zu höheren Vorlauftemperaturen, um ein ausreichendes Wärmeangebot der Heizköper
sicher zu stellen. Dies erhöht zwar das Komfortpotential für den Nutzer, vermindert
aber erheblich die Effizienz der Heizungsanlage der sonst außentemperaturgesteuerten
Vorlauftemperaturregelung. Eine unkontrollierte Veränderung der Heizungskennlinie
hin zu einer niedrigeren Vorlauftemperatur kann auf der anderen Seite zu Komforteinbußen
führen. Abgesehen davon, bestehen in Bestandsanlagen häufig Optimierungs- und Energieeffizienzpotentiale,
die mangels Kenntnis der Betriebsumstände und Parameter der Heizungsanlage ungenutzt
bleiben.
[0014] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Möglichkeit bereitzustellen, mit
der die Heizungskennlinie (Heizungskennlinienveränderungen) einer Heizungsanlage auf
einfache und kostengünstige Weise im laufenden Betrieb zuverlässig ermittelt werden
kann, unabhängig von einer Kenntnis unterschiedlicher Betriebszustände.
[0015] Mit einer solchen Möglichkeit lassen sich Änderungen der Heizungskennlinie erkennen
und die Energieeffizienz der Heizungsanlage durch optimierte Betriebsführung verbessern.
[0016] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit den Merkmalen der Ansprüche 1, 11 und 12 gelöst.
[0017] Bei dem dazu vorgeschlagenen Verfahren der eingangs genannten Art werden vorzugsweise
zeitlich quasi kontinuierlich (d.h. in kurzen zeitlichen Abständen bezogen auf einen
Tag, insbesondere mehrmals pro Stunde) Daten aufgenommen, indem zeitabhängig mindestens
ein erster Betriebswert und ein zweiter Betriebswert der Heizungsanlage erfasst und
durch eine Anpassung von Parametern eines mathematischen Modells die Abhängigkeit
der Betriebswerte voneinander beschrieben und damit die Heizungskennlinie ermittelt
wird. Zusätzlich zu den Betriebswerten wird auch eine Erfassungszeit, also der Zeitpunkt
der Messung oder Ermittlung der Betriebswerte, erfasst. Das mathematische Modell umfasst
dann mindestens zwei Teilmodelle, von denen ein erstes Teilmodell eine Abhängigkeit
des ersten Betriebswerts ausschließlich von dem zweiten Betriebswert als Variable
beschreibt und ein zweites Teilmodell eine Abhängigkeit des ersten Betriebswerts ausschließlich
von der Erfassungszeit als Variable beschreibt.
[0018] Durch die Unabhängigkeit der beiden Teilmodelle voneinander (bezogen auf die Abhängigkeit
von den Variablen) ist es erfindungsgemäß möglich, unter Aufwendung einer angemessenen
Rechenleistung zeitlich kontinuierlich (in dem oben beschrieben Sinne, insbesondere
unabhängig vom jeweils aktuellen Betriebszustand) Betriebsdaten zu erfassen, die Schaltzeiten
zwischen den Betriebsmodi zu identifizieren und innerhalb der Betriebszeit eines Betriebsmodus
eine Heizungskennlinie zu modellieren. Bei der modellierten Heizungskennlinie kann
es sich einfacher Weise um eine Regressionsgerade handeln.
[0019] Änderungen an der Einstellung der Heizungskennlinie gegenüber der modellierten Funktion
können erfindungsgemäß festgestellt werden, indem Abweichungen bzw. Änderungen der
die Geraden definierenden Parameter (im Falle einer Regressionsgeraden) oder allgemeiner
Änderungen der Parameter des mathematischen Modells erkannt werden. Liegen diese bspw.
außerhalb eines definierten oder vorgebbaren Toleranzbereichs um die ursprünglich
eingestellten und/oder zeitlich vorhergehend ermittelten Parameter, liegt eine Veränderung
vor. So können Veränderungen an der Heizungskennlinie oder bspw. auch Anlagenstörungen
erkannt werden, die zu einer plötzlich abweichenden Vorlauftemperatur führen. Diese
können erfindungsgemäß angezeigt werden. Auf Basis dessen können dann manuelle Eingriffe
in die Heizungsregelung erfolgen und/oder auch mögliche Anlagenstörungen identifiziert
und auf diese reagiert werden.
[0020] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird als erster Betriebswert eine Vorlauftemperatur
mindestens eines Heizkreises der Heizungsanlage und als zweiter Betriebswert eine
Außentemperatur im Außenbereich der Liegenschaft der Heizungsanlage verwendet. Es
kann für jeden Heizkreis eine eigene Vorlauftemperatur erfasst werden, insbesondere
wenn die Vorlauftemperatur jedes Heizkreises der Heizungsanlage separat einstellbar
ist. Erfindungsgemäß kann aber auch eine gemeinsame Vorlauftemperatur der Heizkreise
als erster Betriebswert erfasst werden, die dann so durch die Heizungskennlinie vorgegeben
werden sollte, dass der Heizkreis mit dem größten Wärmebedarf den Wärmeträger mit
einer entsprechenden Vorlauftemperatur zur Verfügung gestellt bekommt. Bei Heizkreisen
der Heizungsanlage mit einem niedrigeren Wärmebedarf kann die Vorlauftemperatur durch
geeignete Mischer im Heizkreis eingestellt werden, die Vor- und Rücklauf des Heizkreises
mischen, um die von der Heizungsanlage zur Verfügung gestellte zu hohe Vorlauftemperatur
durch Beimischung des Wärmeträgers aus dem Rücklauf zu reduzieren.
[0021] Im Sinne der Überwachung der Heizungsanlage, bspw. zum Energiemonitoring, kann es
sinnvoll sein, die Schaltzeiten zu erkennen, bei denen zwischen verschiedenen Betriebsmodi
umgeschaltet wird. Solche Betriebsmodi stellen eine einfache Anpassung an einen von
außen vorgegebenen typischen Wärmebedarf dar, und treten häufig periodisch auf, wie
bspw. im Wechsel eines Heizbetriebs (Tagbetrieb) und einer Nachtabsenkung. Das Erkennen
der Schaltzeiten zwischen verschiedenen Betriebsmodi kann erfindungsgemäß erreicht
werden, indem eine Periodizität des zeitabhängigen ersten Betriebswertes, typischerweise
der Vorlauftemperatur, aus dem zweiten (zeitabhängigen) Teilmodell erkannt wird. Optional
kann basierend darauf (d.h. dem Erkennen der Schaltzeiten) eine Separation einzelner
Betriebsmodi des Heizkreises vorgenommen werden. Die zeitabhängigen Messwerte der
Vorlauftemperatur geben also Aufschluss darüber, ob sich die Heizungsanlage bspw.
gerade im Heiz-, Absenk- oder Abschaltmodus befindet, gerade im zeitlichen Vergleich
relativ zueinander. Um eine zuverlässige Separierung der verschiedenen Betriebsmodi
zu erreichen, kann erfindungsgemäß vorgeschlagen werden, die Betriebsdaten über einen
längeren Zeitraum zeitabhängig zu erfassen, in dem mehrere Wechsel zwischen verschiedenen
Betriebsmodi stattgefunden haben. Dies erlaubt eine statistisch signifikante Bestimmung
der Schaltzeiten, insbesondere auf der Grundlage einer ausreichenden (ausgewählten)
Anzahl von Messtupeln. Dies ist insbesondere durch eine zeitlich kontinuierliche (im
Sinne des bereits beschriebenen quasi kontinuierlichen Erfassens) Erfassung von Betriebswerten
über eine längere Erfassungsperiode, wie mehrere Tage (mindestens zwei oder drei Tage),
insbesondere mindestens eine Woche, möglich, weil die Schaltzeiten im Tages- oder
Wochenwechsel häufig periodisch auftreten. Auf einer solchen Datenbasis sind die Schaltzeiten
dann in guter Näherung bestimmbar. Erfindungsgemäß entscheidend ist, dass diese Schaltzeiten
aus der Gesamtheit aller erfassten Daten (während des quasi kontinuierlichen Erfassens
über eine längere Erfassungsperiode hinweg) ausgewertet werden, ohne dass eine zufällige
Vorauswahl von mehreren Zeitabschnitten pro Tag getroffen und ausgewertet wird.
[0022] In diesem Zusammenhang können erfindungsgemäß die Schaltzeiten eines oder mehrerer
Betriebsmodi, umfassend bspw. Heizbetrieb, Absenkbetrieb, Nachtabschaltung und Brauchwassererwärmungsbetrieb
separiert werden. Die Liste der aufgezählten Betriebsmodi ist nicht abschließend.
Beispielsweise können sich bei einer zeitlich längeren Erfassung auch verschiedene
jahreszeitliche bzw. saisonale Betriebsmodi erkennen lassen. Für einen der erkannten
Betriebsmodi kann dann eine Heizungskennlinie ermittelt werden. Dies gilt natürlich
auch für verschiedene Betriebsmodi, für die jeweils eine eigene oder eine gemeinsame
Heizungskennlinie ermittelt werden kann.
[0023] Erfindungsgemäß ist es sinnvoll, die Erfassungszeit der Betriebswerte systematisch
gegliedert anzugeben, um das Auftreten einer Periodizität leichter erkennen zu können.
Vorzugsweise kann die Erfassungszeit als relativ zu einer periodisch wiederkehrenden
Startzeit verstrichene Zeit erfasst werden. Diese periodisch wiederkehrende Startzeit
kann insbesondere der Beginn eines Erfassungstages oder einer sonstigen periodischen
Erfassungsdauer sein, auch als Erfassungsperiode bezeichnet, die vorzugsweise einen
Zeittag (24 Stunden) umfasst. Die Erfassungsperiode kann gemäß einer weiteren Ausführungsform
auch das Vielfache eines Zeittages umfassen, also regelmäßig abhängig von der Tageszeit
wiederkehrende Einstellungen, beispielsweise Werktage und Wochenendtage. Die Erfassungszeit
kann mittels einer am Ort der Liegenschaft installierten, wie einer von einer entsprechenden
Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens umfassten Zeitmesseinrichtung,
bspw. einer Uhr, möglicherweise aber auch durch entsprechende Abfrage an ein Telekommunikationsnetzwerk
aufgenommen werden. Entsprechende Zeitgeber finden sich üblicherweise in Prozessoren
der verwendeten Recheneinrichtungen.
[0024] Zur Modellierung der Heizungskennlinie kann erfindungsgemäß vorgesehen werden, dass
für innerhalb eines (insbesondere periodisch wiederkehrenden) Heizbetriebsmodus erfasste
erste und zweite Betriebswerte das erste Teilmodell für den ersten Betriebswert in
Abhängigkeit des zweiten Betriebswertes parametriert wird. Hierfür werden Messwertpaare
aus erstem (BW1) und zweitem Betriebswert (BW2) für je eine Erfassungsperiode (also
während insbesondere eines Betriebsmodus oder ausdrücklich zusammengefasster mehrerer
Betriebsmodi, die im Sinne dieses Textes dann auch als ein Betriebsmodus bezeichnet
werden) unter Verwendung allgemein bekannter Algorithmen gefittet bzw. angepasst.
Dazu kann beispielsweise ein Least Square Algorithmus verwendet werden. Hierfür wird
die zusätzlich in den Messtupeln enthaltene Erfassungszeit (oder weitere Variablen)
nicht berücksichtigt. In diesem Sinne wird nachfolgend auch von Messwertpaaren gesprochen.
[0025] Im Sinne einer einfachen Verarbeitung besonders bevorzugt ist das erste Teilmodell
ein lineares Modell, das den Zusammenhang für eine Heizungskennlinie erfahrungsgemäß
ausreichend gut beschreibt. Für diesen Fall werden also basierend auf einer linearen
Funktion die Regressionsparameter, insbesondere Steigung und Ordinatenabschnitt, derart
angepasst, dass das durchschnittliche Verhalten der innerhalb einer Erfassungsperiode
aufgenommenen abhängigen Messwertpaare aus erstem (BW1) und zweitem Betriebswert (BW2),
also typischerweise der Vorlauftemperatur in Abhängigkeit der Außentemperatur, bestmöglich
abgebildet wird. Dieselbe Vorgehensweise kann alternativ oder zusätzlich auch für
andere Betriebsmodi als den Heizbetriebsmodus durchgeführt werden.
[0026] Im Rahmen der Überwachung der Heizungsanlage (Energiemonitoring) ist gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens vorgesehen, dass die sich aus dem ersten
Teilmodell ergebenden Parameter (Anpassungs- oder Fitparameter) verschiedener und/oder
aufeinanderfolgender Erfassungsperioden (desselben Betriebsmodus) verglichen und so
Änderungen an der Heizungskennline erkannt werden. Dies kann durch einen relativen
Vergleich der Parameter untereinander (in verschiedenen Erfassungsperioden desselben
Betriebsmodus) und/oder durch Vergleich mit vordefinierten zu erwartenden Basiswerten
(Wertebereichen) erfolgen, d.h. bspw. durch Änderungen der Fit-Parameter gegenüber
den Basiswerten und/oder gegenüber den zeitlich zuletzt ermittelten Werten. Eine solche
Änderung bedeutet, dass eine Änderung an der Heizungskennlinie vorliegt. Ob die Änderung
die Energieeffizienz beeinträchtigt, kann optional über die Definition eines Toleranzbereichs
festgelegt werden. Dieser Toleranzbereich kann entweder ein Intervall um einen Basiswert
oder eine maximale Differenz zu einem zeitlich vorhergehend ermittelten Wert sein.
Liegt die Abweichung außerhalb des Toleranzbereichs, so sollte hinsichtlich einer
optimierten Betriebsführung eine Anpassung der Heizungskennlinie vorgenommen werden.
[0027] Bei einer Änderung der Heizungskennlinie kann erfindungsgemäß optional (abhängig
oder unabhängig von einer Bewertung der Änderung und/oder erreichten Energieeffizienz)
an einen Betreiber der Heizungsanlage gemeldet werden. Bei der gemäß einer Ausführungsform
beispielhaft vorgeschlagenen Verwendung einer linearen Regression als Fit werden also
die ermittelten Fit-Parameter für Steigung und Ordinatenabschnitt der Regressionsgeraden
verglichen.
[0028] Durch eine zeitlich wiederholte Ermittlung der Heizungskennlinie einer Heizungsanlage
(insbesondere in den wiederkehrend gleichen Betriebsmodi) können erfindungsgemäß also
Änderungen an der Heizungsanlage, insbesondere sowohl schleichende als auch dynamische
Änderungen an der Heizungsanlage, festgestellt werden. Erfindungsgemäß können die
in der aktuellen, sowie in vergangenen Erfassungsperioden ermittelten Parameter jederzeit
einsehbar sein, entweder über einen digitalen Monitor in der Liegenschaft oder über
eine Anzeigeeinrichtung der an der Heizungsanlage installierten Vorrichtung zur Durchführung
des beanspruchten Verfahrens. Es ist weiterhin denkbar, dass die Parameter digital
an eine zentrale Stelle übertragen werden, indem sie z.B. dem Betreiber oder einem
bspw. von dem Betreiber beauftragten Dienstleister für ein Energiemonitoring übermittelt,
oder in eine Datencloud geladen werden. Alternativ oder zusätzlich können auch Änderungsmitteilungen
erzeugt werden, bspw. sobald die ermittelten Parameter außerhalb des Toleranzbereichs
liegen. Diese Änderungen in Form von Abweichungen der Parameter können gegebenenfalls
dem Nutzer und/oder dem Betreiber der Heizungsanlage gemeldet werden. So kann schnell
auf die Änderungen reagiert und die Betriebsführung der Heizungsanlage angepasst werden.
[0029] Alternativ oder zusätzlich zur Meldung von Änderungen an der Heizungskennlinie kann
gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform auch vorgesehen sein, dass dem Nutzer
oder Betreiber der Heizungsanlage eine Anpassung der Heizungskennlinie zur Wiederherstellung
der ursprünglichen Einstellung der Heizungskennlinie vorgeschlagen wird. Die ursprünglichen
Einstellungen können wiederhergestellt werden, indem die in die Heizungsregelung integrierte
Recheneinrichtung so ausgebildet ist, dass sie die ursprünglichen und/oder vorhergehenden
Einstellungen der Heizungskennlinie gespeichert hat und bei entsprechender Ansteuerung
bzw. Anfrage wiederherstellt und, dass sie mit einer entsprechenden Kommunikationsschnittstelle
versehen ist. Alternativ oder zusätzlich ist es denkbar, dass der Betreiber die Vorlauftemperatur
manuell einstellen kann. Unterstützend könnten ihm durch die Recheneinrichtung die
sich auf Basis der manuellen Eingabe ergebende Heizungskennlinie, und/oder die sich
hieraus ergebenden entsprechenden Parameter für Steigung und Ordinatenabschnitt zum
Vergleich angezeigt werden. Eine solche manuelle Einstellung kann erfindungsgemäß
vor Ort, bspw. durch einen Installateur, oder aktiv über Fern-Steuerung der Heizungsregelung
der Heizungsanlage vorgenommen werden. Erfindungsgemäß kann die Heizungsregelung dabei
so eingerichtet sein, dass eine bedienbare Anzeige, also bspw. ein digitaler Monitor
in der Liegenschaft der Heizungsanlage oder an der Heizungsanlage selbst, vorgesehen
ist. Auch kann über eine Kommunikationseinheit per Fern-Steuerung die Heizungsregelung
bedient, also insbesondere die Recheneinrichtung gesteuert und/oder beeinflusst werden.
[0030] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform erfolgt die Erfassung der Vorlauftemperatur
mittels eines Temperatursensors an einem Vorlauf in der Heizungsanlage. Ggf. kann
die eingestellte Vorlauftemperatur aber auch durch die Heizungsregelung digital ausgegeben
und im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens auf diese Weise erfasst werden.
[0031] Bezüglich der Erfassung der Außentemperatur sieht eine erfindungsgemäße Ausführungsform
vor, dass ein Temperatursensor im Außenbereich der Liegenschaft die vorherrschende
Außentemperatur erfasst. Ferner kann erfindungsgemäß ein Temperatursensor einer Wetterstation,
insbesondere einer über ein Telekommunikationsnetzwerk öffentlich zugänglichen Wetterstation
am Ort oder in der Nähe des Ortes der Liegenschaft zur Erfassung der Außentemperatur
vorgesehen sein. Gemäß einer weiteren Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens kann
die lokale Außentemperatur mittels eines mathematischen Wettermodells in Abhängigkeit
des Ortes der Liegenschaft berechnet werden. Weiterhin kann erfindungsgemäß ein zum
Ort der Liegenschaft der Heizungsanlage gehörender Außentemperaturwert aus einer Datenbank,
bspw. über das Internet, ausgelesen werden.
[0032] Die Erfindung betrifft ferner eine Vorrichtung zum Ermitteln einer Heizungskennlinie
mindestens eines Heizkreises einer Heizungsanlage in einer Liegenschaft mit den Merkmalen
des Anspruchs 11 umfassend Sensoren, die dazu eingerichtet sind, einen ersten und
zweiten Betriebswert des Heizkreises zu erfassen, eine Zeitmesseinrichtung zum Messen
einer Erfassungszeit der Betriebswerte, eine Speichereinheit zum Speichern von Messtupeln,
mindestens bestehend aus Erfassungszeit und erstem Betriebswert und zweitem Betriebswert,
sowie einer Recheneinrichtung. Die Recheneinrichtung kann als Mikroprozessor ausgebildet
sein. Die Recheneinrichtung ist zur Durchführung des vorbeschriebenen Verfahrens oder
von Teilen hiervon eingerichtet. Sensoren im Sinne der hier beschriebenen Erfindung
sind Erfassungseinrichtungen, die entsprechende Werte der Betriebswerte erfassen.
Dies kann durch direkte Messung physikalischer Messgrößen, aber auch durch Abfrage
von Größen aus Datenspeichern, wie bspw. Datenbanken, erfolgen, ohne dass durch die
Sensoren der Vorrichtung eine Messung im physikalischen Sinne durchgeführt wird. Entsprechend
können die Sensoren synonym auch als Erfassungseinrichtungen bezeichnet werden.
[0033] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung kann durch die Recheneinrichtung der vorgeschlagenen
Vorrichtung (bspw. fortlaufend über die Zeit) auf Messtupel in der Speichereinheit
zugriffen werden. In einem folgenden Schritt bestimmt die Recheneinrichtung bei der
Ausführung eines in der Recheneinrichtung gemäß der bevorzugten Ausführungsform implementierten
Verfahrens die bspw. in der Heizungsregelung eingestellten Schaltzeitpunkte zwischen
verschiedenen Betriebsmodi auf Basis von erstem Betriebswert (insbesondere der erfassten
Vorlauftemperatur) und Erfassungszeit der Messtupel. Die Schaltzeitpunkte repräsentieren
insbesondere ein Umschalten zwischen unterschiedlichen Betriebsmodi. Damit ist es
möglich, die einzelnen Messtupel einem Betriebsmodus zuzuordnen.
[0034] Für einen Betriebsmodus oder mehrere, ggf. alle, Betriebsmodi ermittelt die Recheneinrichtung
dann näherungsweise die in der Heizungsregelung eingestellte Heizungskennlinie, indem
für den jeweils betrachteten Betriebsmodus erste und zweite Betriebswerte (BW2) aus
der Speichereinheit ausgelesen und die ersten und zweiten Betriebswerte an das mathematische
Model angepasst werden, insbesondere an das erste Teilmodell. Dies kann mittels üblicher
Fit-Algorithmen erfolgen, bei dem die ersten und zweiten Betriebswerte in dem mathematischen
Modell "gefittet" werden. Dabei werden die Parameter des mathematischen Modells gefunden,
die die gegebenen Messtupel aus erstem und zweitem Betriebswert am besten beschreiben.
[0035] Diese Fit-Parameter der Heizungskennlinie, also die Parameter der vorzugsweise als
Gerade approximierten Heizungskennlinie, werden dann bezüglich zeitlicher Änderungen
überwacht, um Änderungen in der Heizungskennline und/oder Störungen bzw. Änderungen
an der Heizungsanlage festzustellen.
[0036] Die Erfindung betrifft weiterhin eine entsprechende Heizungsanlage mit wenigstens
einem Heizkreis entsprechend den Merkmalen des Anspruchs 12, in dem eine vorbeschriebene
Vorrichtung oder Teile davon installiert sind. Dabei ist die vorbeschriebene Vorrichtung
bevorzugt an eine Heizungsregelung gekoppelt bzw. teilweise in diese integriert, mit
der die Heizungsanlage geregelt oder gesteuert wird. So sind vorzugsweise Speichereinheit
und Recheneinrichtung der erfindungsgemäßen Vorrichtung als Teil der Heizungsregelung
ausgebildet.
[0037] Nach einer weiteren erfindungsgemäßen Ausführungsform verfügt die Heizungsanlage
über eine Heizungsregelung, mittels derer die Heizungskennlinie der Heizungsanlage
einstellbar ist.
[0038] Die Heizungsanlage kann auch eine Kommunikationseinheit umfassen, über welche Informationen
aus der Heizungsanlage aufrufbar und/oder an die Heizungsanlage sendbar sind.
[0039] So kann von einer entfernten Stelle, wie dem Betreiber der Heizungsanlage oder einem
von diesem beauftragten Dienstleister, bspw. auf die vorbeschriebene Vorrichtung zum
Ermitteln einer Heizungskennlinie und/oder die Heizungsregelung zugegriffen werden,
um Informationen über die Heizungsanlage abzurufen und/oder zu senden. Diese Informationen
können bspw. die mittels der Vorrichtung bzw. dem in der Vorrichtung ablaufenden Verfahren
ermittelte Heizungskennline (ggf. in Form des parametrierten mathematischen Modells)
umfassen. Ferner können diese Informationen auch Stellbefehle an die Heizungsregelung
umfassen, um die Heizungskennlinie in der Heizungsregelung einzustellen und neu zu
parametrieren, bzw. eine letzte Einstellung wiederherzustellen. Über die Kommunikationseinheit
können durch die Heizungsregelung und/oder die Vorrichtung bereitgestellte Informationen
von einer zentralen Stelle abgerufen oder an diese gesendet werden. Ferner kann bspw.
die Heizungsregelung Befehle von dieser zentralen Stelle empfangen. Solche Befehle
werden von der Kommunikationseinheit bspw. an eine jeweilige Recheneinrichtung der
Vorrichtung, bzw. der Heizungsregelung weitergeleitet und von dieser umgesetzt, indem
sie die Vorlauftemperatur des Heizkessels einstellt.
[0040] Die Kommunikationseinheit kann sich üblicher Kommunikationswege bedienen (Funk, Mobilfunk,
Fax, E-Mail, Internet-Verbindung etc.), um Daten und Informationen bspw. mit der zentralen
Stelle auszutauschen, welche bspw. die Überwachung der Heizungskennlinie vornimmt.
So kann mit geringem Aufwand eine Überwachung für eine Vielzahl von Heizungsanlagen
gewährleistet werden.
[0041] Die zentrale Stelle, auch "Zentrale" genannt, kann ein Hauseigentümer, Installateur,
ein Dienstleister oder ein anderer Betreiber der Heizungsanlage sein.
[0042] Weitere Merkmale, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der Erfindung ergeben sich
aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels und den Zeichnungen.
Dabei bilden alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale für sich
oder in beliebiger Kombination den Gegenstand der vorliegenden Erfindung, auch unabhängig
von ihrer Zusammenfassung in den Ansprüchen oder ihren Rückbezügen.
[0043] Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch eine Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung, implementiert
in einer Heizungsanlage;
- Fig. 2
- ein Flussdiagramm zum Verfahrensablauf einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens;
- Fig. 3
- einen Graph mit einer Nachtabsenkung der Vorlauftemperatur (erster Betriebswert) einer
Heizungskennlinie einer Heizungsanlage;
- Fig. 4
- einen Graph mit einer typischen Heizungskennlinie einer Heizungsanlage für die Abhängigkeit
der Vorlauftemperatur (erster Betriebswert) von der Außentemperatur (zweiter Betriebswert);
- Fig. 5
- Messwertpaare (ϑA,ϑVL) einer Erfassungsperiode im Heizbetrieb mit dem angepassten mathematischen Modell
(Fit der Regressionsgeraden) während eines Betriebsmodus; und
- Fig. 6
- beispielhaft das zeitliche Verhalten der Parameter des mathematischen Modells aus
der Anpassung (Fit der Regressionsgraden) in zeitlich aufeinander folgenden Erfassungsperioden.
[0044] Fig. 1 zeigt schematisch den Aufbau einer Heizungsanlage 1 mit implementierter Vorrichtung
2 zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens gemäß einem Ausführungsbeispiel.
[0045] Die Heizungsanlage 1 verfügt als Wärmequelle bspw. über einen Kessel 3, in dem ein
Wärmeträger der Heizungsanlage erwärmt wird. Dieser Kessel 3 kann den Wärmeträger
durch eine Verwertung von Primärenergie auf eine gewünschte Vorlauftemperatur
ϑVL im Heizkreis erwärmen, in dem die Wärmeenergie dann über Heizkörper oder andere Wärmetauscher
abgegeben wird. Als Primärenergie kann Gas oder Öl zur Verbrennung oder Strom dienen.
Die Primärenergie kann auch als Fernwärmeanschluss ausgebildet sein. Ferner kommen
als Primärenergie auch Solarkollektoren oder Wärmepumpen in Frage, sowie Kombinationen
unterschiedlicher Primärenergien. Die Erfindung kann unabhängig von der Art der verwendeten
Primärenergie angewendet werden und gilt für alle Typen von Primärenergie.
[0046] Die in der hier betrachteten Ausführungsform beschriebene Heizungsanlage 1 ist mit
einem Vorlauftemperatur-Sensor 6 ausgestattet und misst die Vorlauftemperatur
ϑVL in dem Kessel 3 oder dem an den Kessel 3 angeschlossenen Vorlauf eines Heizkreises
(hier der Übersichtlichkeit halber nicht dargestellt). Im Außenbereich der mit der
Heizungsanlage 1 ausgestatteten Liegenschaft befindet sich ein Außentemperatur-Sensor
5. Dieser kann beispielsweise als Thermometer ausgebildet sein und die Außentemperatur
ϑA am Ort der Liegenschaft messen. Die Vorlauftemperatur
ϑVL in dieser Ausführungsform entspricht dem ersten Betriebswert BW1 gemäß der Erfindung,
und die Außentemperatur
ϑA dem zweiten Betriebswert BW2 der Erfindung.
[0047] Aus diesen ersten und zweiten Betriebswerten BW1, BW2 wird in der Regel eine Heizungskennlinie
ermittelt, die für den zweiten Betriebswert BW2 (Außentemperatur
ϑA) die geeignete Vorlauftemperatur
ϑVL im Kessel 3 bzw. dem Heizkreisvorlauf vorgibt. Diese Vorgabe wird von einer Heizungsregelung
zur Regelung oder Steuerung der Vorlauftemperatur
ϑVL verwendet.
[0048] Die Sensoren 5, 6 sind nicht zwangsläufig Messgeräte, die die Betriebswerte messtechnisch
erfassen. Unter Sensoren 5, 6 werden allgemein Erfassungseinrichtungen verstanden,
die die Betriebswerte BW1, BW2 auf irgendeine Art bestimmen, bspw. durch Abruf aus
Außentemperatur-Datenbanken oder Vorlauftemperatur-Sollwerten der Heizungsanlage,
d.h. als Abruf ohnehin schon digital vorliegender Werte.
[0049] Weiterhin ermittelt eine Zeitmesseinrichtung 7 eine Erfassungszeit t der Betriebswerte
BW1, BW2. Die Zeitmesseinrichtung kann beispielsweise als Uhr am Ort der Liegenschaft
ausgebildet oder eine Recheneinrichtung 9 bspw. einer erfindungsgemäßen Vorrichtung
2 sein, die über einen Zeitgeber verfügt und die Erfassungszeitpunkte der Betriebswerte
BW1, BW2 als Erfassungszeit t mit erfasst.
[0050] Auch wenn die Sensoren 5, 6 und die Zeitmesseinrichtung 7 zur Erfassung der Betriebswerte
BW1, BW2 in Fig. 1 nicht innerhalb der Vorrichtung 2 dargestellt sind, können diese
Teil der Vorrichtung 2 sein, auch wenn diese nicht ausschließlich für die erfindungsgemäß
vorgesehenen Funktionen genutzt werden. Bspw. kann die Vorrichtung 2 auch Teil einer
Heizungsregelung sein, und die Sensoren 5, 6 und/oder Zeitmesseinrichtung 7 auch für
weitere Funktionen der Heizungsregelung zur Regelung und/oder Steuerung der Heizungsanlage
1 verwendet werden.
[0051] Die (in dem bereits beschriebenen Sinne bspw. quasi kontinuierlich) aufgenommenen
Messtupel (t,
ϑA,
ϑVL) werden in einer in der Vorrichtung 2 implementierten Speichereinheit 8 gespeichert.
Sie können von einer Recheneinrichtung 9 der Vorrichtung 2 jederzeit abgegriffen und
von dieser verarbeitet werden, insbesondere zur Durchführung des beschriebenen Verfahrens
entsprechend der Erfindung.
[0052] Bei dem in Fig. 2 schematisch skizzierten Verfahren zur Ermittlung der Heizungskennlinie
der Heizungsanlage 1 werden die in der Speichereinheit 8 über die Zeit erfassten Messtupel
(t,
ϑA,
ϑVL) mit der Erfassungszeit und den erfassten ersten und zweiten Betriebswerten BW1 (Vorlauftemperatur
ϑVL) und BW2 (Außentemperatur
ϑA) durch die Recheneinrichtung 9 in einem ersten Verfahrensschritt 50 zur weiteren
Verarbeitung abgerufen.
[0053] Im Rahmen der Verarbeitung werden ein erster Betriebswert BW1 (
ϑVL) der Heizungsanlage 1 und ein zweiter Betriebswert BW2 (
ϑA) der Heizungsanlage 1 erfasst und durch eine Anpassung von Parametern eines mathematischen
Modells die Abhängigkeit der Betriebswerte BW1, BW2 voneinander beschrieben.
[0054] Das mathematische Modell bildet die Vorlauftemperatur
ϑVL in dem Kessel 3 oder einem Heizkreis der Heizungsanlage auf bestimmende Variablen
ab. Diese sind insbesondere die Abhängigkeit der Vorlauftemperatur
ϑVL als erster Betriebswert BW1 von der Außentemperatur
ϑA als zweiter Betriebswert BW2 und der Erfassungszeit t. Dabei werden diese Variablen
des mathematischen Modells als vollständig separierte, vorzugsweise kumulative Teilmodelle
A, B beschrieben, die jeweils nur die Abhängigkeit der Vorlauftemperatur
ϑVL (BW1) von der
[0055] Erfassungszeit (t) und der Außentemperatur
ϑA (BW2) beschreiben, mathematisch ausgedrückt also in der Form

bzw. allgemeiner

wobei Teilmodelle A und B selbst als Verknüpfung einzelner Untermodelle ausgebildet
sein können.
[0056] So kann beispielsweise das Teilmodell A die Periodizität der Erfassungszeit t kumulativ
modellieren, d. h. unterschiedliche zeitliche Abhängigkeiten von verschiedenen Betriebsmodi
durch verschiedene Untermodelle beschreiben. So sind in dem Teilmodell A die Schaltzeitpunkte
zwischen verschiedenen Betriebsmodi bspw. leicht ableitbar. Es ist auch denkbar, dass
das Teilmodell A ein Untermodell beinhaltet, mit welchem weitere periodisch wiederkehrende
Änderungen der Anforderungen an die Heizungsanlage, z.B. in Bezug auf saisonale Schwankungen,
modelliert werden. Hier kann der entsprechende periodisch wechselnde Betrieb durch
eine saisonale Zerlegung (auch "Seasonal Decomposition") identifiziert werden. Eine
solche Zerlegung kann anhand eines typischen Trend-Saison-Modells erfolgen, wobei
auf Basis der aufgenommenen Messwertpaare (t,
ϑVL) ein Trend geschätzt und aus den Differenzen zwischen Trend und Messwertpaaren (t,
ϑVL), den Residuen, eine Saisonkomponente abgeschätzt wird, welche die saisonal bedingten
Schwankungen in der Vorlauftemperatur
ϑVL (BW1) hinreichend beschreibt. Dies kann so erfolgen, dass das Residuum minimiert
wird. Bei minimalem Residuum ergibt sich unter Abzug eines identifizierten ein Muster,
das die Saisonalität beschreibt.
[0057] Auch das Teilmodell B kann so gebildet sein, dass dieses bspw. kumulativ aus verschiedenen
von der Außentemperatur
ϑA abhängigen Modellen gebildet wird. In Teilmodell B können insbesondere auch charakteristische
Merkmale einer Heizungskennlinie, wie Knickpunkt, Fußpunkt, Heizgrenztemperatur und/oder
maximale Temperatur, Berücksichtigung finden.
[0058] Die Teilmodelle A, B (sowie ggf. weitere Teilmodelle) können also mathematisch in
der folgenden Form darstellt werden:

wobei
n,m die Anzahl der jeweiligen Untermodelle darstellen.
[0059] Anstelle einer kumulativen Verknüpfung ist auch eine multiplikative Verknüpfung denkbar.
[0060] Für die Modellierung des ersten Betriebswertes BW1 (hier der Vorlauftemperatur
ϑVL), ist ebenfalls eine insbesondere kumulative Verknüpfung von mehr als zwei Teilmodellen
denkbar. Die Einführung mindestens eines weiteren Teilmodells ist möglich, welches
eine Funktion in Abhängigkeit eines beliebigen und frei wählbaren Parameters sein
kann, bspw. eines Messwertes, eines Cloud-Messwertes oder einer Modellgröße bzw. eines
weiteren Betriebswertes BW3.
[0061] So wäre bspw. ein Teilmodell C(x) denkbar, welches eine Kompensation der außentemperaturgeführten
Funktion B(
ϑA) modelliert, indem unter Berücksichtigung von Zeit- und Geo-Informationen Umgebungstemperaturinformationen
x von einem Cloud-Wetterservice bezogen werden. Weiterhin wäre eine Modellierung von
Warmwasserphasen durch ein zusätzliches Teilmodell D(y) denkbar, wobei in Abhängigkeit
einer Pumpendrehzahl oder Pumpenförderhöhe y Zeitperioden, in denen Wärme für die
Erzeugung von warmem Wasser bereitgestellt werden muss, identifiziert werden können.
[0062] Weiterhin kann das mathematische Modell einen zusätzlichen Summanden Z als Zufallskomponente
enthalten, bspw. als ein Rauschanteil, der bei der Anpassung der Messtupel an das
mathematische Modell minimiert werden kann. Ein solcher Summand Z kann also eine Funktion
sein, die auf verschiedene Arten dargestellt werden kann. So könnte sie bspw. Ausreißer,
also stark abweichende Messwerte, abbilden, die durch eine Ausreißererkennung (Outlier
Detection) erkannt und entfernt werden und so bei der Modellierung unberücksichtigt
bleiben können, um das Rauschen zu minimieren. Der Rauschanteil kann auch durch eine
Dämpfungsfunktion dargestellt werden.
[0063] Ein solches Modell würde dann wie folgt aussehen, wobei eine oder mehere der Teilteilmodelle
B, D und/oder Z erfindungsgemäß weggelassen werden können und/oder andere Teilmodelle
hinzugefügt werden können::

[0064] Erfindungsgemäß kann ferner jede der Variablen aus dem Teilmodell, insbesondere die
Außentemperatur
ϑA (zweiter Betriebswert BW2), mittels eines Filters modifiziert werden. Beispielsweise
können kurzfristige Schwankungen in der Messung der Außentemperatur
ϑA durch einen Tiefpassfilter ausgeglichen und ein glatterer Verlauf der erfassten Außentemperatur
ϑA Eingang in das Rechenmodell finden. Dies entspricht einer gleitenden Mittelwertbildung.
Damit wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren bspw. eine geglättete Außentemperatur
ϑA zugrunde gelegt, wie sie auch von Heizungsregelungen verwendet wird.
[0065] Im Folgenden werden sowohl mögliche weitere Teilmodelle C, D, als auch der Rauschanteil
Z der Einfachheit halber weggelassen. Somit bleibt im nachfolgend beschrieben einfachsten
Fall eine Modellierung der Vorlauftemperatur ϑ
VL durch Summation der zwei Teilmodelle
A(
t) und
B(ϑ
A), die jeweils nur von einer Variablen
t bzw.
ϑA abhängig sind.
[0066] Im Anschluss an das Abrufen der erfassten Messtupel durch die Recheneinrichtung 9
aus der Speichereinheit 8 wird das Modell nun mittels grundsätzlich bekannter Anpassungsalgorithmen
(Fit) an die Daten der Heizungsanlage 1 wie folgend beschrieben angepasst, um die
Heizungskennline zu ermitteln.
[0067] In einem weiteren Verfahrensschritt 52 sollen die in der Heizungsanlage 1 angewandten,
bspw. in einer Heizungsregelung eingestellten Schaltzeitpunkte zwischen den verschiedenen
Betriebsmodi ermittelt werden, bspw. der Beginn der Nachtabsenkung/-abschaltung sowie
der darauf folgende Beginn des Heizbetriebs. Hierfür wird erfindungsgemäß das zweite
Teilmodell A(t) herangezogen, das die Vorlauftemperatur
ϑVL ausschließlich in Abhängigkeit der Erfassungszeit t beschreibt.
[0068] Für jeden Betriebsmodus wird ein eigenes Modell A(t) vorgeschlagen. Als einfachstes
Beispiel soll im Folgenden die Nachtabsenkung im Detail anhand von Fig. 3 erläutert
werden. Eine Nachtabsenkung lässt sich beispielsweise über eine periodische Rechteck-Funktion
mit einer 24-Stunden Periodizität modellieren. Fig. 3 zeigt eine solche Rechteck-Funktion
als beispielhafte Ausführungsform des Teilmodells A(t) für die Nachtabsenkung. Auf
der Abszisse ist die Tageszeit in einem 24 Stunden Zyklus in Minuten ab 00:00 Uhr
aufgetragen. Die Absenktemperatur auf der Ordinate bezeichnet die Differenz der Vorlauftemperatur
ϑVL im Tag- und Nachtbetrieb. Die Vorlauftemperatur liegt wie dargestellt im Nachtbetrieb
zwischen 20:00 Uhr und 02:00 Uhr um 8 Kelvin (Grad) unter der Vorlauftemperatur im
Tagbetrieb, also zwischen 02:00 Uhr und 20:00 Uhr.
[0069] Anstelle einer Nachtabsenkung kann auch auf einfache Weise eine Nachtabschaltung
modelliert werden, indem die Amplitude der Rechteckfunktion außentemperaturabhängig
wird und der Vorlauftemperatur abzüglich der Minimaltemperatur (Kellertemperatur)
entspricht.
[0070] Ein solches für einen Betriebsmodus typisches Modell A(t) wird also an die gemessenen
Daten (t,
ϑA) aus dem Messtupel (t,
ϑA,
ϑVL) angepasst, um festzustellen, in welchem Betriebsmodus sich die Heizungsanlage 1
befindet, beziehungsweise wann zwischen verschiedenen Betriebsmodi umgeschaltet wird,
also welche Schaltzeiten in der Heizungsregelung eingestellt sind.
[0071] Durch das zweite Teilmodell B(
ϑA) wird die Abhängigkeit der Vorlauftemperatur
ϑVL von der Außentemperatur
ϑA für den jeweiligen Betriebsmodus modelliert. Diese wird allgemein über eine Heizungskennlinie
dargestellt, wie sie in Fig. 4 gezeigt ist. Die Heizungskennlinie weist in Abhängigkeit
des Betriebsmodus ein unterschiedliches Verhalten auf. Für einen Betriebsmodus, wie
in dem Verfahrensschritt 54 ermittelt, kann die Heizungskennlinie dann durch eine
Anpassung des zweiten Teilmodells B(
ϑA) ermittelt werden.
[0072] Allgemein beschreibt die Heizungskennlinie ein Verhalten, bei dem die Vorlauftemperatur
ϑVL um so größer wird, je kleiner die Außentemperatur
ϑA ist. Dies ist beispielhaft in Fig. 4 dargestellt.
[0073] Im Absenkbetrieb wird die Vorlauftemperatur
ϑVL gegenüber dem Normalbetrieb um die angegebene Gradzahl weiter reduziert; die grundsätzliche
Abhängigkeit zwischen Vorlauftemperatur
ϑVL und Außentemperatur
ϑA bleibt jedoch erhalten. Im Regelfall ist die Heizungskennlinie bei einer Nachabsenkung
also parallel verschoben. Ein Nachabsenkung ließe sich auch durch eine geeignete Steigungsänderung
der Heizungskennlinie realisieren. Auch dies würde bei der erfindungsgemäßen Ermittlung
der Heizungskennlinie ermittelt.
[0074] In dem Verfahrensschritt 54 wird also durch eine Anpassung des Teilmodells B(
ϑA) an die Daten (
ϑA,ϑVL) des Messtupels (t,
ϑA,
ϑVL) die Heizungskennlinie für den jeweils vorliegenden Betriebsmodus bestimmt. Hierfür
werden die Messpunkte (ϑ
A,ϑ
VL) einer Erfassungsperiode, beispielsweise eines Tages oder einer Woche, für den jeweiligen
Betriebsmodus durch das Teilmodell B(ϑ
A) angepasst (gefittet).
[0075] Dieses kann insbesondere als linear angenommen werden. Über einen aus dem Stand der
Technik bekannten Fit-Algorithmus, wie z.B. einen Least Square Algorithmus, werden
die die Gerade beschreibenden Fit-Parameter, im dargestellten Beispiel die Steigung
a und Ordinatenabschnitt b, bestimmt. So ergibt sich eine Fit-Funktion

wobei
B(ϑ
A) die durch das Modell geschätzte Vorlauftemperatur ist.
[0076] Fig. 5 zeigt beispielhaft eine Messpunktewolke für einen Betriebsmodus einer Erfassungsperiode,
hier einen Tag, an die bereits eine Regressionsgerade gefittet wurde. Die Fit-Parameter
a und b definieren damit die erfindungsgemäß ermittelte Heizungskennlinie für den
betrachteten Betriebsmodus. Erfindungsgemäß kann die Heizungskennlinie für einen Betriebsmodus,
für mehrere Betriebsmodi oder für alle Betriebsmodi erfasst werden.
[0077] In einem nächsten Verfahrensschritt 56 kann nun das zeitliche Verhalten der die Heizungskennlinie
für den einen Betriebsmodus definierenden Parameter a und b überprüft werden. Ändern
sich die Werte der Parameter a und b innerhalb aufeinander folgender Erfassungsperioden
und/oder gegenüber vordefinierten Basiswerten, liegt eine Veränderung der Heizungskennlinie
vor. Dies ist beispielhaft in Fig. 6 gezeigt.
[0078] Die senkrechten Linien stellen die Erfassungsperioden, hier einzelne Tage, dar. Die
auf Basis der vorbeschriebenen Methode ermittelten Werte der Fit-Parameter a und b
für jede dieser Erfassungsperioden sind aufgetragen. So lässt sich deren zeitliches
Verhalten ablesen, wobei die aus dem Teilmodell A(t) ermittelten Schaltzeiten respektive
Betriebsmodi insoweit berücksichtigt werden, dass die für einen definierten Betriebsmodus
ermittelten Fit-Parameter verglichen werden können.
[0079] Bleiben die Werte der Fit-Parameter a, b innerhalb der Betriebszeit eines Betriebsmodus
konstant oder innerhalb eines bspw. vordefinierten Toleranzbereichs, so liegt keine
Änderung der Heizungskennlinie vor. Dies ist im linken Teil der oberen Abbildung von
Fig. 6 zu erkennen. Eine Änderung der Heizungskennlinie liegt dann vor, wenn mindestens
einer der Fit-Parameter a, b nicht konstant ist bzw. außerhalb des vordefinierten
Toleranzbereichs liegt.
[0080] In diesem Fall endet das in Fig. 2 dargestellte Verfahren in Verfahrensschritt 58,
bis das Verfahren bspw. nach einer weiteren Erfassungsperiode oder in einem vorgegebenen
Rhythmus (bspw. wöchentlich) erneut durchgeführt wird.
[0081] Werden Abweichungen festgestellt, so kann erfindungsgemäß optional eine entsprechende
Änderungsmitteilung 60 durch eine Kommunikationseinheit 10 der erfindungsgemäßen Vorrichtung
2 generiert werden. Die Kommunikationseinheit 10 leitet dann eine Änderungsmitteilung
10 an eine Zentrale 4 weiter, die bspw. bei dem Betreiber der Heizungsanlage 1 vorgesehen
sein kann. Grundsätzlich kann die Zentrale 4 aber jeder geeignete Empfänger sein,
der über eine entsprechend eingerichtete Kommunikationsverbindung erreichbar ist.
[0082] Von dort aus kann optional über Fern-Steuerung ein Befehl 62 zur Anpassung der Betriebsparameter
zur Wiederherstellung der ursprünglichen Einstellung der Heizungskennlinie an die
Kommunikationseinheit 10 gesandt werden, die den Befehl 62 an die Recheneinrichtung
9 weitergeleitet. Diese kann derart ausgebildet sein, dass sie die Vorlauftemperatur
ϑVL des Kessels beeinflussen bzw. einstellen kann. Dies gilt insbesondere, wenn die Vorrichtung
2 in die Heizungsregelung integriert ist oder auf diese über eine Schnittstelle zugreifen
kann.
[0083] Die Verfahrensschritte 52, 54 der Ermittlung der Schaltzeiten und der Ermittlung
der Heizungskennlinien können in einer ersten Anwendung bevorzugt in dieser Reihenfolge,
bei Wiederholung aber in beliebiger Reihenfolge erneut durchgeführt werden. Bspw.
ist es unter Umständen nicht nötig, in jeder Erfassungsperiode erneut die Schaltzeiten
gemäß Verfahrensschritt 52 neu zu bestimmen. Es kann ausreichend sein, die Schaltzeiten
in Verfahrensschritt 52 in größeren Zeitabständen, bspw. wöchentlich, zu bestimmen,
während die Heizungskennlinien täglich in Verfahrensschritt 56 in kleineren Zeitabständen,
bspw. täglich, ermittelt werden.
Bezugszeichenliste:
[0084]
- 1
- Heizungsanlage
- 2
- Vorrichtung
- 3
- Kessel
- 4
- Zentrale
- 5
- Außentemperatur-Sensor als Sensor des zweiten Betriebswerts BW2
- 6
- Vorlauftemperatur-Sensor als Sensor des ersten Betriebswerts BW1
- 7
- Zeitmesseinrichtung
- 8
- Speichereinheit
- 9
- Recheneinrichtung
- 10
- Kommunikationseinheit
- 50
- Abruf der Messtupel
- 52
- Ermitteln der Schaltzeiten zwischen verschiedenen Betriebsmodi
- 54
- Ermitteln der Heizungskennlinie für einen Betriebsmodus
- 56
- Feststellen zeitlicher Änderungen der Heizungskennlinie während eines Betriebsmodus
- 58
- Ende des Verfahrens
- 60
- Änderungsmitteilung
- 62
- Befehl zur Anpassung der Betriebsparameter
- BW1
- erster Betriebswert (Vorlauftemperatur ϑVL)
- BW2
- zweiter Betriebswert (Außentemperatur ϑA)
- t
- Erfassungszeit
1. Verfahren zum Ermitteln einer Heizungskennlinie mindestens eines Heizkreises einer
Heizungsanlage (1) in einer Liegenschaft, bei dem zeitabhängig ein erster Betriebswert
(BW1) der Heizungsanlage (1) und ein zweiter Betriebswert (BW2) der Heizungsanlage
(1) erfasst und durch eine Anpassung von Parametern eines mathematischen Modells die
Abhängigkeit der Betriebswerte (BW1, BW2) voneinander beschrieben und damit die Heizungskennlinie
ermittelt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
• zusätzlich zu dem ersten Betriebswert (BW1) und zweiten Betriebswert (BW2) auch
eine Erfassungszeit (t) des ersten Betriebswerts (BW1) und zweiten Betriebswertes
(BW2) erfasst wird,
• das mathematische Modell zwei Teilmodelle umfasst, von denen ein erstes Teilmodell
(B) eine Abhängigkeit des ersten Betriebswerts (BW1) ausschließlich von dem zweiten
Betriebswert (BW2) als Variable beschreibt und ein zweites Teilmodell (A) eine Abhängigkeit
des ersten Betriebswerts (BW1) ausschließlich von der Erfassungszeit (t) als Variable
beschreibt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als erster Betriebswert (BW1) eine Vorlauftemperatur (ϑVL) und als zweiter Betriebswert (BW2) eine Außentemperatur (ϑA) im Außenbereich der Liegenschaft verwendet werden.
3. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine Periodizität des ersten Betriebswertes (BW1) aus dem zweiten Teilmodell
(A) erkannt und basierend darauf eine Separation einzelner Betriebsmodi des Heizkreises
vorgenommen wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaltzeiten eines oder mehrerer Betriebsmodi des Heizkreises, insbesondere Heizbetrieb,
Absenkbetrieb, Nachtabschaltung und Brauchwassererwärmungsbetrieb, separiert werden.
5. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungszeit (t) der Betriebswerte (BW1, BW2) als relativ zu einer periodisch
wiederkehrenden Startzeit verstrichene Zeit erfasst wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass für innerhalb eines Betriebsmodus erfasste erste Betriebswerte (BW1) und zweite Betriebswerte
(BW2) das erste Teilmodell (B) parametriert wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Parameter des ersten Teilmodells (B) aus Anpassungen während verschiedener Erfassungsperioden
verglichen und Änderungen an der Heizungskennlinie erkannt werden.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass dem Betreiber (4) der Heizungsanlage (1) eine Anpassung der Heizungskennlinie zur
Wiederherstellung der ursprünglichen Einstellung der Heizungskennlinie vorgeschlagen
und/oder aktiv über Fern-Steuerung einer Heizungsregelung (2) der Heizungsanlage (1)
durchgeführt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassung der Vorlauftemperatur (ϑVL) mittels eines Temperatursensors (6) an einem Vorlauf des Kessels (3) der Heizungsanlage
(1) erfolgt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassung der Außentemperatur (
ϑA) erfolgt mittels
• eines Temperatur-Sensors (5) im Außenbereich der Liegenschaft und/oder
• eines Temperatur-Sensors (5) einer Wetterstation, insbesondere einer über ein Telekommunikationsnetzwerk
öffentlich zugänglichen Wetterstation am Ort oder in der Nähe des Ortes der Liegenschaft,
und/oder
• Berechnung einer lokalen Außentemperatur (ϑA) mittels eines mathematischen Wettermodels in Abhängigkeit des Ortes der Liegenschaft
und/oder
• Auslesen eines zum Ort der Liegenschaft der Heizungsanlage (1) gehörenden Außentemperaturwertes
(ϑA) aus einer Datenbank.
11. Vorrichtung zum Ermitteln einer Heizungskennlinie mindestens eines Heizkreises einer
Heizungsanlage (1) in einer Liegenschaft umfassend Sensoren (5, 6), die dazu eingerichtet
sind, einen ersten (BW1) und zweiten (BW2) Betriebswert des Heizkreises der Heizungsanlage
(1) zu erfassen, eine Zeitmesseinrichtung (7) zum Messen einer Erfassungszeit (t)
der Betriebswerte, eine Speichereinheit (8) zum Speichern von Messtupeln aus Erfassungszeit
(t), erstem Betriebswert (BW1) und zweitem Betriebswert (BW2), sowie einer Recheneinrichtung
(9), dadurch gekennzeichnet, dass die Recheneinrichtung (9) dazu eingerichtet ist, das Verfahren nach einem der Ansprüche
1 bis 10 durchzuführen.
12. Heizungsanlage mit wenigstens einem Heizkreis, dadurch gekennzeichnet, dass eine Vorrichtung nach Anspruch 11 installiert ist.
13. Heizungsanlage nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass sie über eine Heizungsregelung verfügt, mittels derer die Heizungskennlinie der Heizungsanlage
(1) einstellbar ist.
14. Heizungsanlage nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass in der Heizungsanlage (1) eine Kommunikationseinheit (10) vorhanden ist, über welche
Informationen aus der Heizungsanlage (1) aufrufbar und/oder an die Heizungsanlage
(1) sendbar sind.