[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erkennen von Hindernissen auf einer Strecke,
die von einem Fahrzeug befahren wird, bei dem das Fahrzeug mit einer Sensoreinrichtung
in Fahrtrichtung vor dem Fahrzeug liegende Objekte erfasst, die erfassten Objekte
rechnergestützt erkannt werden und zur Erkennung von Hindernissen rechnergestützt
bewertet werden. Außerdem betrifft die Erfindung eine Anordnung zur Erkennung von
Hindernissen mit einer Sensoreinrichtung zum Erfassen von Objekten und einem Computer
zum Erkennen der erfassten Objekte. Weiterhin betrifft die Erfindung ein Fahrzeug,
welches eine Anordnung zur Erkennung von Hindernissen mit einer Sensoreinrichtung
zum Erfassen von in Fahrtrichtung vor dem Fahrzeug liegenden Objekten und einem Computer
zum Erkennen der erfassten Objekte aufweist. Zuletzt betrifft die Erfindung ein Computerprogrammprodukt
sowie eine Bereitstellungsvorrichtung für dieses Computerprogrammprodukt, wobei das
Computerprogrammprodukt mit Programmbefehlen zur Durchführung dieses Verfahrens ausgestattet
ist.
[0002] In der Automobilindustrie gibt es weit verbreitete Algorithmen zur Hinderniserkennung,
die aber in der offenen Straßenumgebung noch nicht zum Einsatz kommen, da in der Vergangenheit
bereits Fälle von Versagen mit Unfallfolge bekannt geworden sind. Grundsätzlich erfolgt
die Erkennung von Hindernissen dadurch, dass mittels einer geeigneten Sensorik (optische
Sensoren, Radar, Ultraschall) Objekte im vor dem Fahrzeug liegenden Bereich als solche
erkannt werden und rechnergestützt vorzugsweise durch Nutzung von künstlicher Intelligenz
klassifiziert werden. Das Ergebnis der Klassifikation ist die Erkennung derjenigen
Objekte, die als Hindernis zu werten sind. Ein Hindernis ist in diesem Zusammenhang
ein Objekt, mit dem eine Kollision mit dem betreffenden Fahrzeug droht.
[0003] Andererseits können auch Objekte erkannt werden, die beispielsweise außerhalb des
Fahrweges des Fahrzeuges stehen, weswegen keine Kollision droht. Diese werden auch
nicht als Hindernis klassifiziert. Insbesondere bei Bahnstrecken gibt es eine Vielzahl
von Objekten, die die Strecke säumen. Als Beispiele sind Signale, Weichen, Gleiselemente
wie Balisen, Oberleitungen, Tunnel, Bahnhöfe und dergleichen zu nennen. Diese dürfen
nicht als Hindernis klassifiziert werden, da das Fahrzeug ungehindert daran vorbeifahren
kann.
[0004] AI Anwendungen werden derzeit nicht für Safety-Anwendungen (also Anwendungen auf
einem hohen Sicherheitslevel) im Bahnbereich zugelassen, insbesondere, da ihre genaue
Funktion nur schwer nachvollzogen werden kann und auch nicht die geforderten Entfernungen,
die im Bahnbereich für eine Sensorik notwendig sind, abdeckt werden können. Sie können
nur wie eine Black Box behandelt werden, die mit spezifischen Methoden überwacht werden
muss. Dies ist ein besonderes Problem bei der Hinderniserkennung für das automatische
Fahren auf der Schiene, die mit einer hohen Sicherheit erfolgen muss. Bei der Verwendung
von AI kann nicht vorhergesehen werden, wie weit die Sensorik in der konkreten Situation
Hindernisse erkennen kann und ob sie überhaupt ausreichend erkennungsfähig ist, und
es ist nicht klar festzustellen, ob das Lichtraumprofil einer Strecke frei von Hindernissen
ist.
[0005] Lichtraumprofile sind standardisierte Querschnitte der Infrastruktur. Sie gewährleisten
den Raum, welcher für die uneingeschränkte Durchfahrt von Fahrzeugen und Ladungen
mit bestimmten Eigenschaften und Abmessungen freizuhalten ist.
[0006] Unter künstlicher Intelligenz (im Folgenden auch mit KI abgekürzt) ist im Rahmen
dieser Erfindung im engeren Sinne das rechnergestützte Machine Learning (im Folgenden
auch mit ML abgekürzt) zu verstehen. Es geht dabei um das statistische Lernen der
Parametrisierung von Algorithmen, vorzugsweise für sehr komplexe Anwendungsfälle.
Mittels ML erkennt und erlernt das System anhand von zuvor eingegebenen Lerndaten
Muster und Gesetzmäßigkeiten bei den erfassten Prozessdaten. Mithilfe geeigneter Algorithmen
können durch ML eigenständig Lösungen zu aufkommenden Problemstellungen gefunden werden.
ML gliedert sich in drei Felder - überwachtes Lernen, unüberwachtes Lernen und bestärkendes
Lernen (Reinforcement Learning), mit spezifischeren Anwendungen, zum Beispiel Regression
und Klassifikation, Strukturerkennung und -vorhersage, Datengenerierung (Sampling)
oder autonomes Handeln.
[0007] Beim überwachten Lernen wird das System durch den Zusammenhang von Eingabe und zugehöriger
Ausgabe bekannter Daten trainiert und erlernt auf diese Weise approximativ funktionale
Zusammenhänge. Dabei kommt es auf die Verfügbarkeit geeigneter und ausreichender Daten
an, denn wenn das System mit ungeeigneten (z.B. nicht-repräsentativen) Daten trainiert
wird, so lernt es fehlerhafte funktionale Zusammenhänge. Beim unüberwachten Lernen
wird das System ebenfalls mit Beispieldaten trainiert, jedoch nur mit Eingabedaten
und ohne Zusammenhang zu einer bekannten Ausgabe. Es lernt, wie Datengruppen zu bilden
und zu erweitern sind, was typisch für den betreffenden Anwendungsfall ist und wo
Abweichungen bzw. Anomalien auftreten. Dadurch lassen sich Anwendungsfälle beschreiben
und Fehlerzustände entdecken. Beim bestärkenden Lernen lernt das System durch Versuch
und Irrtum, indem es zu gegebenen Problemstellungen Lösungen vorschlägt und über eine
Feedbackfunktion eine positive oder negative Bewertung zu diesem Vorschlag erhält.
Je nach Belohnungsmechanismus erlernt das KI-System, entsprechende Funktionen auszuführen.
[0008] Das maschinelle Lernen kann beispielsweise durch künstliche neuronale Netze (im Folgenden
für artificial neural network, kurz ANN genannt) durchgeführt werden. Künstliche neuronale
Netze basieren meist auf der Vernetzung vieler Neuronen, beispielsweise McCulloch-Pitts-Neuronen
oder leichter Abwandlungen davon. Grundsätzlich können auch andere künstliche Neuronen
Anwendung in ANN finden, z. B. das High-Order-Neuron. Die Topologie eines Netzes (die
Zuordnung von Verbindungen zu Knoten) muss abhängig von seiner Aufgabe bestimmt werden.
Nach der Konstruktion eines Netzes folgt die Trainingsphase, in der das Netz "lernt".
Dabei kann ein Netz beispielsweise durch folgende Methoden lernen:
- Entwicklung neuer Verbindungen
- Löschen existierender Verbindungen
- Ändern der Gewichtung (der Gewichte von Neuron j zu Neuron i)
- Anpassen der Schwellenwerte der Neuronen, sofern diese Schwellwerte besitzen
- Hinzufügen oder Löschen von Neuronen
- Modifikation von Aktivierungs-, Propagierungs- oder Ausgabefunktion
[0009] Außerdem verändert sich das Lernverhalten bei Veränderung der Aktivierungsfunktion
der Neuronen oder der Lernrate des Netzes. Praktisch gesehen lernt ein ANN hauptsächlich
durch Modifikation der Gewichte der Neuronen. Eine Anpassung des Schwellwertes kann
hierbei durch ein on-Neuron miterledigt werden. Dadurch sind ANN in der Lage, komplizierte
nichtlineare Funktionen über einen Lernalgorithmus, der durch iterative oder rekursive
Vorgehensweise aus vorhandenen Ein- und gewünschten Ausgangswerten alle Parameter
der Funktion zu bestimmen versucht, zu erlernen. ANN sind dabei eine Realisierung
des konnektionistischen Paradigmas, da die Funktion aus vielen einfachen gleichartigen
Teilen besteht. Erst in ihrer Summe wird das Verhalten komplex.
[0010] Die Aufgabe der Erfindung , ein Verfahren zum Erkennen von Hindernissen auf einer
Strecke, die von einem Fahrzeug befahren wird, anzugeben, welche automatisch abläuft
und dabei hohe Anforderungen an die Sicherheit (Safety) erfüllt. Außerdem ist es Aufgabe
der Erfindung ein Fahrzeug anzugeben, welches ein solches Verfahren ausführen kann.
Zuletzt besteht die Aufgabe der Erfindung darin, ein Computerprogrammprodukt sowie
eine Bereitstellungsvorrichtung für dieses Computerprogrammprodukt anzugeben, mit
dem das vorgenannte Verfahren durchgeführt werden kann.
[0011] Diese Aufgabe wird mit dem eingangs angegebenen Anspruchsgegenstand (Verfahren) erfindungsgemäß
dadurch gelöst, dass für das Bewerten der Objekte ein Streckenatlas verwendet wird,
der eine Vielzahl von zu erkennenden Objekten und deren Position an oder auf der Strecke
enthält, wobei für die erkannten Objekte Ortsangaben ermittelt werden, die Ortsangaben
mit dem Streckenatlas abgeglichen werden, jedes erkannte Objekt, dessen Ortsangabe
mit der Position eines entsprechenden zu erkennenden Objektes übereinstimmt, eine
Bewertung auslöst, dass die Strecke frei ist, solange, bis innerhalb eines vorgegebenen
Sicherheitsabstandes vor dem Fahrzeug ein zu erkennendes Objekt in dem Streckenatlas
enthalten ist, dem kein erkanntes Objekt zugeordnet wurde, und unabhängig von vorher
ausgelösten Bewertungen die Bewertung auslöst wird, dass sich ein Hindernis auf der
Strecke befindet.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Hinderniserkennung kehrt damit das bekannte Vorgehen
bei der Hinderniserkennung um. Normalerweise werden die Objekte erkannt, die potenziell
ein Hindernis darstellen können, wobei Gegenstand der Bewertung ist, ob diese Objekte
tatsächlich ein Hindernis darstellen. Hierbei entsteht eine Unsicherheit für den Fall,
dass ein Objekt nicht erkannt wird und somit auch, wenn es ein Hindernis darstellt,
nicht beachtet wird. Hierin liegt ein Gefahrenpotenzial bei der Hinderniserkennung
gemäß dem Stand der Technik.
[0013] Die Objekte, die gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren erkannt werden sollen, sind
diejenigen, deren Position aufgrund des Streckenatlasses bekannt sind. Deswegen kann
für den Fall, dass diese Objekte nicht an der zu erwartenden Position erkannt werden,
darauf geschlossen werden, dass sie durch einen anderen unbekannten Gegenstand verdeckt
sind. Hierbei handelt es sich voraussichtlich um ein Hindernis, weswegen die Tatsache,
dass ein Objekt nicht erkannt werden kann, zur Einleitung einer Sicherheitsmaßnahme,
zum Beispiel einer Notbremsung, genutzt werden kann.
[0014] Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass ausschließlich vorher bekannte Objekte erkannt
werden müssen. Dies lässt sich mit einer größeren Verfahrenssicherheit bewerkstelligen,
als die Hindernisse selbst zu erkennen, deren Form und Positionierung auf oder an
der Strecke erst bekannt sind, wenn diese als solche erkannt wurden. Ein weiterer
Vorteil besteht darin, dass für den Fall, dass ein Objekt gemäß dem erfindungsgemäßen
Verfahren zu erkennen gewesen wäre, aber nicht erkannt wurde, eine Sicherheitsmaßnahme
eingeleitet wird, welche nicht erforderlich gewesen wäre. Ein Fehler bei der Erkennung
der Objekte führt somit nicht zu einem Unfall, sondern zu einer grundlosen Sicherheitsmaßnahme.
Die Folgen einer solchen Fehleinschätzung sind daher vorteilhaft bedeutend geringer,
als wenn es zu einem Unfall kommen würde. Dies zeigt, dass das erfindungsgemäße Verfahren
selbst im Fehlerfall mit einer höheren Sicherheit betrieben werden kann.
[0015] Der Sicherheitsabstand muss so bemessen sein, dass die Sicherheitsmaßnahme, bei der
es sich bevorzugt um eine Notbremsung handeln kann, wirksam eingeleitet werden kann,
um einen Unfall zu verhüten. So lässt sich beispielsweise der geschwindigkeitsabhängige
Bremsweg bei einer Notbremsung des Fahrzeuges zuzüglich der Wegstrecke, die das Fahrzeug
während der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Erkennung des Hindernisses
und bis zum Einsetzen der Sicherheitsmaßnahme zurücklegt, als Sicherheitsabstand definieren.
[0016] Die erfindungsgemäße Idee, die AI durch ein Modell, das mit a-priori-Information
eines Streckenatlasses angereichert wird, zu stützen, wird erfindungsgemäß für eine
Streckenfreimeldung, insbesondere Lichtraumprofilfreimeldung genutzt, d. h. es sollen
explizit Räume innerhalb des Sicherheitsabstandes vor dem Fahrzeug identifiziert werden,
in denen sich kein Hindernis befinden kann, weil alle erwartungsgemäß vorhandenen
Objekte (definiert durch den Streckenatlas) erkannt wurden. Über Plausibilitätsprüfungen
kann darauf geschlossen werden, welche Arten von Hindernissen sich nicht im Lichtraumprofil
befinden können.
[0017] Bei der Modellbildung für die Hinderniserkennung wird zumindest ein Teil der folgenden
Annahmen berücksichtigt (hierzu im Folgenden noch mehr):
- Es gibt bekannte Objekte in der Umgebung des Gleises, deren Form bekannt ist. Das
könnte z. B. ein Signal sein, oder Tafeln oder Landmarken. Diese können weitere Eigenschaften
besitzen wie z. B. Farbe der Tafel, Symbole auf der Tafel, Reflexionsvermögen (für
Licht oder Radarstrahlung).
- Es gibt Anforderungen an das Sichtfeld, z. B. welche Entfernung abgedeckt werden soll
(Sicherheitsabstand) und welche Art von Objekten erkannt werden soll. Diese können
dynamisch von der Position des Fahrzeugs abhängen (es kann z. B. nicht um die Kurve
blicken). Für die zu erkennenden Objekte sind charakteristische Muster bekannt, vorzugsweise
auch für Hindernisse, z. B. auf der Strecke liegende Bäume.
- Die Objekte sind in einem Streckenatlas enthalten (z. B. über einen Vektor am Fußpunkt
des Gleises), vorzugsweise eindeutig relativ zum die Strecke bildenden Gleis, auf
dem das Fahrzeug fährt.
- Ein oder mehrere Sensoren auf dem Zug erfassen die Umgebung.
- Es gibt für den Zug eine Ortung mit einer bekannten Genauigkeit.
- Ein AI-Algorithmus erkennt die Objekte und extrahiert die gewünschten Eigenschaften
der Objekte, insb. deren Umrisse, ggf. bereinigt von Überschneidungen oder Störungen
- Ein sicherer Rechner trifft daraufhin Entscheidungen, z. B. die Ansteuerung der Bremse
zur Notbremsung.
[0018] Der Zug ortet sich auf dem Gleis oder wird auf dem Gleis geortet. Daher ist auch
die Gleislage bezüglich des Streckenatlasses bekannt. Anhand des Streckenatlasses
und der Ungenauigkeit kann man dann die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Position
der Objekte ermitteln. Insbesondere kann auch die Entfernung zum Objekt geschätzt
werden. Der AI-Algorithmus liefert vorzugsweise alle erkannten Objekte sowie deren
Umrisse.
[0019] Der Streckenatlas ist dadurch gekennzeichnet, dass er zu erkennenden Objekte in Relation
zu ihrer Position an der Strecke abbildet bzw. beschreibt. Hierbei können unterschiedliche
Formate gewählt werden. Im einfachsten Fall ist der Streckenatlas eindimensional ausgebildet,
beispielsweise als Tabelle, enthaltend die Objekte und deren Position an der Strecke
ohne Berücksichtigung des Streckenverlaufes (ausgedrückt als Streckenangabe beispielsweise
in Metern). Eine solche Darstellung ist eindimensional.
[0020] Der Streckenatlas kann auch zweidimensional ausgebildet sein. Dabei kann der Streckenverlauf
an der Erdoberfläche berücksichtigt werden. Hierbei handelt es sich um eine zweidimensionale
Projektion. Zuletzt kann der Streckenverlauf auch dreidimensional im Streckenablass
abgebildet sein. Hierbei lassen sich auch die Höhenunterschiede der Strecke erfassen.
Außerdem kann die Position der zu erkennenden Objekte auch hinsichtlich ihrer Höhe
über dem Gleis definiert werden. Der dreidimensionale Streckenatlas kann insbesondere
als virtuelle Realität abgebildet werden.
[0021] Als virtuelle Realität, (im Folgenden kurz VR), wird die Darstellung der Wirklichkeit
(auch als physische Realität bezeichnet) in einer in Echtzeit computergenerierten,
interaktiven virtuellen Umgebung bezeichnet. Wie detailliert die VR erzeugt werden
muss, hängt vom individuellen Anwendungsfall ab. Im Allgemeinen wird die VR einem
dreidimensionalen Raum erzeugt und bildet dessen physikalischen Eigenschaften, insbesondere
Topographie, vereinfacht ab.
[0022] Voraussetzung für die Anwendung einer VR ist die Kenntnis des Ortes und der Blickrichtung
des Betrachters. Dieser muss infolgedessen geortet werden. Wird eine VR für den Schienenverkehr
verwendet ergeben sich hierbei gewisse Vereinfachungen. Beispielsweise ist das Sichtfeld
eines Zugführers durch die Frontscheibe klar definiert, sodass durch eine Ortung des
Zuges bereits der darzustellende Bildausschnitt der VR festgestellt werden kann.
[0023] Der Sicherheitsabstand wird vorgegeben. Bei dieser Vorgabe ist ein sicherer Betrieb
des Fahrzeugs zu berücksichtigen. Deswegen kann der Sicherheitsabstand variabel bestimmt
werden, abhängig von der Streckensituation und Betriebssituationen. Beispielsweise
kann der Sicherheitsabstand mit steigender Geschwindigkeit des Fahrzeugs vergrößert
werden, da mit der Geschwindigkeit auch der Bremsweg größer wird. Der Sicherheitsabstand
kann beispielsweise in Kurven bedingt durch die Krümmung der Strecke aufgrund der
geographischen Gegebenheiten verringert sein. Gleichzeitig wird in Kurven allerdings
auch langsamer gefahren.
[0024] Unter "rechnergestützt" oder "computerimplementiert" kann im Zusammenhang mit der
Erfindung eine Implementierung des Verfahrens verstanden werden, bei dem mindestens
ein Computer oder Prozessor mindestens einen Verfahrensschritt des Verfahrens ausführt.
[0025] Der Ausdruck "Rechner" oder "Computer" deckt alle elektronischen Geräte mit Datenverarbeitungseigenschaften
ab. Computer können beispielsweise Personal Computer, Server, Handheld-Computer, Mobilfunkgeräte
und andere Kommunikationsgeräte, die rechnergestützt Daten verarbeiten, Prozessoren
und andere elektronische Geräte zur Datenverarbeitung sein, die vorzugsweise auch
zu einem Netzwerk zusammengeschlossen sein können.
[0026] Unter einem "Prozessor" kann im Zusammenhang mit der Erfindung beispielsweise einen
Wandler einen Sensor zur Erzeugung von Messsignalen oder eine elektronische Schaltung,
verstanden werden. Bei einem Prozessor kann es sich insbesondere um einen Hauptprozessor
(engl. Central Processing Unit, CPU), einen Mikroprozessor, einen Mikrocontroller,
oder einen digitalen Signalprozessor, möglicherweise in Kombination mit einer Speichereinheit
zum Speichern von Programmbefehlen, etc. handeln. Auch kann unter einem Prozessor
ein virtualisierter Prozessor oder eine Soft-CPU verstanden werden.
[0027] Unter einer "Speichereinheit" kann im Zusammenhang mit der Erfindung beispielsweise
ein computerlesbarer Speicher in Form eines Arbeitsspeichers (engl. Random-Access
Memory, RAM) oder Datenspeichers (Festplatte oder Datenträger) verstanden werden.
[0028] Als "Schnittstellen" können hardwaretechnisch, beispielsweise kabelgebunden oder
als Funkverbindung, und/oder softwaretechnisch, beispielweise als Interaktion zwischen
einzelnen Programmmodulen oder Programmteilen eines oder mehrerer Computerprogramme,
realisiert sein.
[0029] Als "Cloud" soll eine Umgebung für ein "Cloud-Computing" (deutsch Rechnerwolke oder
Datenwolke) verstanden werden. Gemeint ist eine IT-Infrastruktur, welche über Schnittstellen
eines Netzwerks wie das Internet verfügbar gemacht wird. Sie beinhaltet in der Regel
Speicherplatz, Rechenleistung oder Software als Dienstleistung, ohne dass diese auf
dem die Cloud nutzenden lokalen Computer installiert sein müssen. Die im Rahmen des
Cloud-Computings angebotenen Dienstleistungen umfassen das gesamte Spektrum der Informationstechnik
und beinhaltet unter anderem Infrastruktur, Plattformen und Software.
[0030] Als "Programmmodule" sollen einzelne Funktionseinheiten verstanden werden, die einen
erfindungsgemäßen Programmablauf von Verfahrensschritten ermöglichen. Diese Funktionseinheiten
können in einem einzigen Computerprogramm oder in mehreren miteinander kommunizierenden
Computerprogrammen verwirklicht sein. Die hierbei realisierten Schnittstellen können
softwaretechnisch innerhalb eines einzigen Prozessors umgesetzt sein oder hardwaretechnisch,
wenn mehrere Prozessoren zum Einsatz kommen.
[0031] Gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Bewertung, dass
sich ein Hindernis auf der Strecke befindet, nur ausgelöst wird, wenn sich das Hindernis
zumindest teilweise im Lichtraumprofil befindet.
[0032] Bei dieser Ausgestaltung der Erfindung wird berücksichtigt, dass vorrangig Hindernisse,
die in das Lichtraumprofil hineinragen, eine Bedrohung für das auf der Strecke sich
bewegende Fahrzeug darstellen können. Trotzdem können auch Hindernisse am Rande der
Strecke, also außerhalb des Lichtraumprofils, bestimmte Objekte verdecken. Aufgrund
der Kenntnisse des Streckenverlaufs unter Verwendung des Streckenanlasses kann aber
ermittelt werden, ob die Objekte, die durch das Hindernis verdeckt werden, überhaupt
im Lichtraumprofil liegen. Insbesondere, wenn die Hindernisse bereits früh, also in
größerer Entfernung als durch den Sicherheitsabstand vorgegeben, erfasst werden, kann
durch die daraus resultierenden Freimeldungen der betreffenden vor dem Sicherheitsabstand
liegenden Streckenabschnitte später darauf geschlossen werden, dass andere verdeckte
Gegenstände durch Hindernisse verdeckt werden, die nicht im Lichtraumprofil liegen.
[0033] Von Interesse ist nach dieser Ausgestaltung der Erfindung nur das Lichtraumprofil,
das man sich als virtuellen Tunnel um die Strecke vorstellen kann. Jeden Sensor kann
man in Gedanken nun mit den Umrissen jedes Objekts durch logische Strahlen verbinden,
so wie beim Ray Tracing in der Computergrafik. Wenn man ein Objekt ohne Behinderung
oder Überschneidungen erkennt, weiß man, dass sich auf den dazugehörigen Strahlen
keine Hindernisse befinden können. Auf jeder Entfernung kann man sich nun eine geometrischen
2D-Schnitt durch das Lichtraumprofil des Strahlengangs mit der Querschnittsfläche
des Tunnels denken, mit anderen Worten eine Scheibe des Tunnels in einer gewissen
Entfernung. Bei Kurven muss zusätzlich noch betrachtet werden, welche Scheiben überhaupt
im Sichtfeld liegen.
[0034] Gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass im Falle der Anwesenheit
eines Hindernisses ermittelt wird, welche Teile des Lichtraumprofils von dem Hindernis
verdeckt sind, die verdeckten Teile des Lichtraumprofils mit Mustern für bestimmte
Arten von Hindernissen verglichen werden und, wenn eine Übereinstimmung mit einem
Muster festgestellt wird, die verdeckten Teile des Lichtraumprofils der durch das
Muster repräsentierten Art von Hindernissen zugeordnet wird.
[0035] Durch einen Vergleich mit Mustern ist es somit möglich, trotz des indirekten Nachweises
von Hindernissen einen Rückschluss auf die Art des Hindernisses zu ziehen. Die Kenntnis
der Art des Hindernisses kann beispielsweise genutzt werden, um die eingeleitete Sicherheitsmaßnahme
zu beeinflussen. Während beispielsweise der Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug
mit allen Mitteln verhindert werden muss, könnte das Vorhandensein eines kleineren
Gegenstandes auf der Strecke mit einer weniger drastischen Sicherheitsmaßnahme verknüpft
werden.
[0036] Nun kann man beispielsweise die oben genannten Scheiben des Lichtraumprofils gegen
typische Muster von Hindernissen prüfen. Z.B. würde ein auf der Strecke stehender
Waggon fast die komplette Fläche der Scheibe ausmachen, d. h. schon bei geringen erkannten
Hindernis-Schnitten kann man ausschließen, dass ein Waggon als Hindernis vorliegt.
Bei Bäumen mit herabhängenden Ästen und vielen anderen relevanten Hindernissen muss
z. B. ein Großteil im Fuß-Bereich der Scheibe frei sein, damit diese überhaupt vorliegen
können. Ein umgestürzter Baumstamm verdeckt dagegen nur den unteren Teil der Scheibe.
[0037] Gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass als Objekte Verkehrszeichen
erfasst werden, die eine Information für die Erfassung des Objektes tragen.
[0038] Diese Maßnahme ist insbesondere dann vorteilhaft, wenn an der Strecke nicht genügend
Objekte vorhanden sind, die zu einer lückenlosen Hinderniserkennung beitragen können.
In diesem Fall können zusätzliche Verkehrszeichen aufgestellt werden, die als Hauptfunktion
die Erfassung als Objekt haben. Dabei wird zumindest die Funktion, ein zu erfassendes
Objekt zu sein, als Information in das Verfahren eingespeist. Gleichzeitig können
die Verkehrszeichen auch eine Kodierung enthalten, mit der eine zusätzliche Informationen
erfasst werden kann. Hierbei kann es sich beispielsweise um Ortskoordinaten handeln.
[0039] Als vorteilhaft kann sich insbesondere erweisen, spezielle Tafeln zu platzieren,
zum Beispiel tief stehende Tafeln, um den Fußbereich des Lichtraumprofils abzudecken.
Schon bei der Projektierung kann man dies berücksichtigen, um z. B. bestimmte Hindernisse
auf der gesamten Strecke auszuschließen.
[0040] Gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass nach dem Auslösen der
Bewertung, dass sich ein Hindernis auf der Strecke befindet, der zeitliche Verlauf
bei der Erfassung der Objekte verfolgt wird, und Zeitintervalle, in denen die Objekte
nicht erfasst werden können, unter Berücksichtigung des Streckenanlasses zur Bestimmung
der Geometrie des Hindernisses genutzt werden.
[0041] Immer, wenn ein Objekt temporär nicht zu erkennen ist, kann davon ausgegangen werden,
dass das bereits erkannte Hindernis eine Sicht auf dieses Objekt verhindert. Da der
Ort des Fahrzeugs sowie der Ort des zu erfassenden Objektes bekannt sind, lässt sich
aus der daraus resultierenden Blickachse schließen, in welchen Teilen des Lichtraumprofils
das Hindernis das Objekt verdeckt. Auf diese Weise ist es möglich, unter Berücksichtigung
des zeitlichen Verlaufes ein präziseres Bild des Hindernisses zu erstellen.
[0042] So könnte man den zeitlichen Verlauf der erkannten Hindernisse verfolgen, wenn es
zu temporären Störungen bei der Sensorik kommt. Denn ist es unwahrscheinlich, dass,
wenn bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein bestimmtes Hindernis ausgeschlossen werden
konnte, dieses innerhalb einer kurzen Zeitspanne auftritt. Bei bestimmten Hindernissen,
die eine große Tiefe haben, könnte man statt einer Scheibe des Lichtraumprofils auch
einen Volumenschnitt vergleichen, d. h. Scheiben über einen bestimmten Bereich.
[0043] Gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass nach dem Auslösen der
Bewertung, dass sich ein Hindernis auf der Strecke befindet, das Fahrzeug mit der
Sensoreinrichtung das in Fahrtrichtung vor dem Fahrzeug liegende Hindernis erfasst
und das erfasste Hindernis rechnergestützt erkannt wird.
[0044] Mit anderen Worten wird für den Fall, dass das Vorhandensein eines Hindernisses erkannt
wurde, eine Hinderniserkennung in dem Sinne durchgeführt, wie dies gemäß dem Stand
der Technik an sich bekannt ist. Im Vergleich zu dem Verfahren gemäß dem Stand der
Technik ist allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, dass sich ein Hindernis
auf der Strecke befindet. Sicherheitsmaßnahmen können daher bereits eingeleitet werden.
Die Erkennung des Hindernisses als solchem, insbesondere die Erkennung der Art des
Hindernisses kann allerdings zusätzliche Informationen hervorbringen, die die Entscheidung
beeinflussen können, wie die Sicherheitsmaßnahme durchzuführen ist (hierauf wurde
bereits eingegangen).
[0045] Die genannte Aufgabe wird alternativ mit dem eingangs angegebenen Anspruchsgegenstand
(Anordnung) erfindungsgemäß auch dadurch gelöst, dass die Anordnung eingerichtet ist,
ein Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche auszuführen.
[0046] Die genannte Aufgabe wird alternativ mit dem eingangs angegebenen Anspruchsgegenstand
(Fahrzeug) erfindungsgemäß auch dadurch gelöst, dass die Anordnung eingerichtet ist,
ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6 auszuführen.
[0047] Mit der Anordnung und dem Fahrzeug lassen sich die Vorteile erreichen, die im Zusammenhang
mit dem obenstehend näher beschriebenen Verfahren bereits erläutert wurden. Das zum
erfindungsgemäßen Verfahren Aufgeführte gilt entsprechend auch für diese erfindungsgemäßen
Vorrichtungen.
Des Weiteren wird ein Computerprogrammprodukt mit Programmbefehlen zur Durchführung
des genannten erfindungsgemäßen Verfahrens und/oder dessen Ausführungsbeispielen beansprucht,
wobei mittels des Computerprogrammprodukts jeweils das erfindungsgemäße Verfahren
und/oder dessen Ausführungsbeispiele durchführbar sind.
[0048] Darüber hinaus wird eine Bereitstellungsvorrichtung zum Speichern und/oder Bereitstellen
des Computerprogrammprodukts beansprucht. Die Bereitstellungsvorrichtung ist beispielsweise
ein Speichereinheit, die das Computerprogrammprodukt speichert und/oder bereitstellt.
Alternativ und/oder zusätzlich ist die Bereitstellungsvorrichtung beispielsweise ein
Netzwerkdienst, ein Computersystem, ein Serversystem, insbesondere ein verteiltes,
beispielsweise cloudbasiertes Computersystem und/oder virtuelles Rechnersystem, welches
das Computerprogrammprodukt vorzugsweise in Form eines Datenstroms speichert und/oder
bereitstellt.
[0049] Die Bereitstellung erfolgt in Form eines Programmdatenblocks als Datei, insbesondere
als Downloaddatei, oder als Datenstrom, insbesondere als Downloaddatenstrom, des Computerprogrammprodukts.
Diese Bereitstellung kann beispielsweise aber auch als partieller Download erfolgen,
der aus mehreren Teilen besteht. Ein solches Computerprogrammprodukt wird beispielsweise
unter Verwendung der Bereitstellungsvorrichtung in ein System eingelesen, sodass das
erfindungsgemäße Verfahren auf einem Computer zur Ausführung gebracht wird.
[0050] Weitere Einzelheiten der Erfindung werden nachfolgend anhand der Zeichnung beschrieben.
Gleiche oder sich entsprechende Zeichnungselemente sind jeweils mit den gleichen Bezugszeichen
versehen und werden nur insoweit mehrfach erläutert, wie sich Unterschiede zwischen
den einzelnen Figuren ergeben.
[0051] Bei den im Folgenden erläuterten Ausführungsbeispielen handelt es sich um bevorzugte
Ausführungsformen der Erfindung. Bei den Ausführungsbeispielen stellen die beschriebenen
Komponenten der Ausführungsformen jeweils einzelne, unabhängig voneinander zu betrachtende
Merkmale der Erfindung dar, welche die Erfindung jeweils auch unabhängig voneinander
weiterbilden und damit auch einzeln oder in einer anderen als der gezeigten Kombination
als Bestandteil der Erfindung anzusehen sind. Des Weiteren sind die beschriebenen
Komponenten auch durch mit den vorstehend beschriebenen Merkmalen der Erfindung kombinierbar.
[0052] Es zeigen:
Figur 1 ein Ausführungsbeispiel der erfindungsbemäßen Vorrichtungen mit ihren Wirkzusammenhängen
schematisch,
Figur 2 ein schematisches Beispiel für ein Lichtraumprofil, welches das Hindernis
gemäß Figur 1 darstellt.
Figur 3 ein Lichtraumprofil, welches als Hindernis ein auf dem Gleis befindliches
Fahrzeug darstellt.
Figur 4 ein Ausführungsbeispiel einer Computer-Infrastruktur der Vorrichtung gemäß
Figur 1 als Blockschaltbild, wobei die einzelnen Funktionseinheiten Programmmodule
enthalten, die jeweils in einem oder mehreren Prozessoren ablaufen können und die
Schnittstellen demgemäß softwaretechnisch oder hardwaretechnisch ausgeführt sein können,
Figur 5 ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens als Flussdiagramm,
wobei die einzelnen Verfahrensschritte einzeln oder in Gruppen durch Programmmodule
verwirklicht sein können und wobei die Funktionseinheiten und Schnittstellen gemäß
Figur 4 beispielhaft angedeutet sind.
[0053] In Figur 1 ist ein Fahrzeug FZ dargestellt, welches in einer Fahrtrichtung FR auf
einem Gleis GL unterwegs ist. Dieses Fahrzeug FZ weist einen ersten Sensor SN1 an
der Vorderseite auf, welcher in einer Blickrichtung BR, angedeutet als optischer Aperturwinkel
mit Strichpunktlinien als Winkelschenkel, Objekte OB1 ... OB8 auf und an dem Gleis
GL erfassen kann.
[0054] In Figur 1 sind viele verschiedene mögliche Objekte, die zur Erfassung vorgesehen
sind, dargestellt. Bei dem ersten Objekt OB1 handelt es sich um eine im Gleis GL verbaute
Balise. Bei dem zweiten Objekt OB2 handelt es sich um eine Mast für eine Oberleitung.
Dieser ist exemplarisch dargestellt, wobei die durch das Gleis GL gebildete Strecke
selbstverständlich eine Vielzahl solcher Masten begleitet, welche durch den ersten
Sensor SN1 erfasst werden können. Bei dem dritten Objekt OB3 handelt es sich um ein
Signal. Bei dem vierten bis siebten Objekt OB4, OB5, OB6, OB7 handelt es sich um spezielle
Verkehrszeichen, die angedeutet durch ein X, eine Kennung tragen, die optisch erfasst
werden kann. Bei dem achten Objekt OB8 handelt es sich um den Eingang eines Tunnels.
Die Objekte OB1 ... OB6 befinden sich in einem Sicherheitsabstand SCA, innerhalb dessen
dies zuverlässig erkannt sein müssen.
[0055] Das Fahrzeug FZ weist eine Antenne AT auf, und ist über Funk über eine erste Schnittstelle
S1 mit einer Antenne AT einer Leitzentrale LZ sowie über eine zweite Schnittstelle
S2 mit einem Satelliten STL verbunden. Der Satellit gehört vorzugsweise zu einem Navigationssystem
(beispielsweise GPS), sodass das Fahrzeug FZ selbstständig seine Position ermitteln
kann. Über die Leitzentrale LZ können beispielsweise Fahrplandaten sowie ein Streckenatlas
an das Fahrzeug FZ übertragen werden (hierzu im Folgenden mehr).
[0056] Auf dem Gleis GL liegt weiterhin ein erstes Hindernis HD1 in Form eines umgestürzten
Baumes. Dieses ist nicht als Objekt bekannt. Allerdings verdeckt dieses in Blickrichtung
BR des Fahrzeugs FZ gesehen, einige Objekte OB4 ... OB7, die deswegen durch den ersten
Sensor SN1 nicht an der erwarteten Stelle detektiert werden können (obwohl sie im
Sicherheitsabstand SCA liegen).
[0057] Betrachtet man ein erstes Lichtraumprofil LPR1, welches in Figur 1 dargestellt ist,
so wird innerhalb dieses Lichtraumprofils ein Bild der Objekte OB4, OB5, OB6, OB7
nicht ermittelt werden können. Die Verkehrszeichen, die diese Objekte darstellen,
sind in ihrer Höhe so gewählt, dass sie vorzugsweise durch Hindernisse nah am Boden,
wie das erste Hindernis HD1 in Form eines Baumstamms, verdeckt werden.
[0058] In Figur 2 ist das erste Lichtraumprofil LPR1 dargestellt. Das erste Hindernis HD1
erscheint als schraffierte Fläche, wobei deren genaue Gestalt bei dem erfindungsgemäßen
Verfahren nicht erkannt wird. Allerdings kann auf die Form des ersten Hindernisses
HD1 geschlossen werden, da dieses das vierte Objekt OB4, das fünfte Objekt OB5, das
sechste Objekt OB6 und das siebte Objekt OB7 verdeckt. Demgegenüber ist das dritte
Objekt in Form eines Signals noch zu erkennen, wodurch bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
auf die Höhe des ersten Hindernisses HD1 geschlossen werden kann.
[0059] Außerdem ist in Figur 2 zu erkennen, dass die Ausdehnung des ersten Hindernisses
HD1 nur innerhalb des ersten Lichtraumprofils LRP1 bestimmt wird. Auch, wenn beispielsweise
das vierte Objekt OB4 auch durch das erste Hindernis HD1 (vgl. Figur 1) verdeckt wird,
so ist das nicht relevant für das erste Lichtraumprofil LPR1. Anders gesagt, würde
ein Hindernis, welches in der augenblicklichen Blickrichtung BR, wie diese in Figur
1 dargestellt ist, nur das vierte Objekt OB4 verdeckt, kein Hindernis darstellen,
weil dieses außerhalb des Lichtraumprofils liegen würde.
[0060] Figur 3 stellt ein zweites Lichtraumprofil LRP2 dar, welches nicht in Figur 1 gekennzeichnet
ist. In diesem befindet sich beispielhaft ein zweites Hindernis HD2, welches das Lichtraumprofil
LRP2 fast vollständig ausfüllt. Hier kann auf ein weiteres Fahrzeug auf dem Gleis
GL geschlossen werden, weswegen zur Vermeidung von Kollisionen ein sofortiges Handeln,
vorzugsweise in Form einer Notbremsung, erforderlich ist.
[0061] In Figur 4 ist eine Computerinfrastruktur dargestellt, die zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens geeignet ist. Programmmodule können hierbei durch einen ersten Computer
CP1 in der Leitzentrale LZ, durch einen zweiten Computer CP2 im Fahrzeug FZ und innerhalb
einer Cloud CLD abgearbeitet werden.
[0062] Die Leitzentrale LZ besitzt einen ersten Computer CP1, der über eine dritte Schnittstelle
S3 mit einer ersten Speichereinrichtung SE1 verbunden ist. Außerdem ist der erste
Computer CP1 über eine achte Schnittstelle S8 mit der Cloud CLD verbunden. Wie bereits
erwähnt, ist der erste Computer CP1 über eine erste Schnittstelle S1 mit einem zweiten
Computer CP2 des Fahrzeugs FZ verbunden.
[0063] Der zweite Computer CP2 weist eine vierte Schnittstelle S4 zu einer zweiten Speichereinrichtung
SE2 auf. Außerdem ist in dem Fahrzeug FZ ein Ortungsmodul GPS vorgesehen, welches
über eine siebte Schnittstelle S7 mit dem zweiten Computer CP2 sowie über die zweite
Schnittstelle S2 mit dem Satelliten SEL verbunden ist. Das Fahrzeug FZ weist außerdem
einen ersten Sensor SN1, beispielsweise eine Kamera, und einen zweiten Sensor SN2,
beispielsweise ein Radar, auf. Die Sensordaten des ersten Sensors SN1 werden über
eine fünfte Schnittstelle S5 und die Sensordaten des zweiten Sensors SN2 über eine
sechste Schnittstelle S6 an den zweiten Computer CP2 übertragen.
[0064] Figur 5 zeigt ein Ausführungsbeispiel für einen Verfahrensablauf des erfindungsgemäßen
Verfahrens, ergänzt um einige vorbereitende Abläufe. Dargestellt ist die Cloud CLD,
die einen Dienst zur Erstellung eines Streckenatlasses STA zur Verfügung stellt. Zu
diesem Zweck wird durch ein Messfahrzeug FZM eine Messfahrt durchgeführt, die nach
einem Start des Verfahrens in einem Erzeugungsschritt für Streckendaten GEN STD Streckendaten
erzeugt, bei denen es sich beispielsweise um die digitalen Bilder von Streckenausschnitten
handelt. Diese können in einem Ausgabeschritt für Streckendaten STD_OT über eine Schnittstelle
S9 an die Cloud CLD übertragen werden und dort gespeichert werden. An die Cloud CLD
ist weiterhin ein nicht näher dargestellter Dienstleister angeschlossen, welcher in
einem Erzeugungsschritt für den Streckenatlas GEN_STA einen Streckenatlas erstellt.
Dieser kann insbesondere aus einer virtuellen Realität VR bestehen, also einer dreidimensionalen
Darstellung des Umfelds der Strecke. Alternativ ist es möglich, eine zweidimensionale
oder sogar eindimensionale Darstellung zu wählen. Der Streckenatlas STA wird in der
Cloud CLD abgespeichert.
[0065] Nachdem in der Leitzentrale LZ das Verfahren gestartet wurde, wird der Streckenatlas
STA über die achte Schnittstelle S8 in einem Eingabeschritt für den Streckenatlas
STA_IN zur Verfügung gestellt. Außerdem wird in einem Eingabeschritt für den Fahrplan
FPL_IN ebenfalls über die achte Schnittstelle S8 aus der Cloud CLD ein Fahrplan FPL
geladen.
[0066] In einem darauffolgenden Abfrageschritt FZ? wird geklärt, ob sich ein Fahrzeug im
Einsatz befindet. Ist dies nicht der Fall, wird in einem Abfrageschritt für das Verfahrensende
FTP? abgefragt, ob das Betriebsverfahren in der Leitzentrale LZ beendet werden soll.
Ist dies der Fall, wird das Verfahren gestoppt. Ist dies nicht der Fall, so wird in
einem weiteren Eingabeschritt FPL_IN eine Erneuerung der Fahrplandaten vorgenommen
und das Verfahren beginnt von Neuem.
[0067] Wenn das Fahrzeug FZ gestartet wurde, führt der Abfrageschritt FZ? dazu, dass der
Leitzentrale LZ bestätigt wird, dass ein Fahrzeug im Einsatz ist, sodass der Streckenatlas
STA über die erste Schnittstelle S1 in einem Eingabeschritt für den Fahrplan STA_IN
eingelesen werden kann. Anschließend erfolgt im Fahrzeug ein Erfassungsschritt für
Objekte SEN_OB, bei dem Sensordaten zur Erkennung von Objekten erzeugt werden. In
einem nachfolgenden Erkennungsschritt für Objekte IDF_OB werden die Sensordaten dahingehend
verarbeitet, dass vor dem Fahrzeug FZ liegende Objekte OB erkannt werden.
[0068] In einem nachfolgenden Erkennungsschritt für Hindernisse IDF_HD wird ein Abgleich
der im vorhergehendem Erkennungsschritt für Objekte IDF_OB gefundenen Objekte mit
den aufgrund einer Auswertung des Streckenatlas STA zu erwartenden Objekten durchgeführt.
Hierbei geht in nicht dargestellter Weise die Kenntnis der Fahrzeugposition ein. Ein
Hindernis wird identifiziert, wenn ein Objekt, dessen Erkennung aufgrund der Kenntnis
des Streckenatlasses zu erwarten wäre, im Blickfeld BF des Fahrzeugs nicht erkannt
werden kann. Hierbei wird der in Figur 1 dargestellte Sicherheitsabstand SCA berücksichtigt,
der ein Maß für den kleinsten Abstand vom Fahrzeug und somit auch den spätesten Zeitpunkt
darstellt, wann ein Objekt erkannt worden sein muss. Also spätestens, wenn dieses
in den Sicherheitsabstand SCA eindringt.
[0069] Wurde ein Hindernis erkannt, wird in einem Abfrageschritt für kritische Hindernisse
CRT? geprüft, ob das Hindernis ein Problem für das herannahende Fahrzeug darstellt.
Dies ist insbesondere der Fall, wenn das Hindernis in das Lichtraumprofil hineinragt
(vgl. das zu Figur 1 und 2 Ausgeführte) . Ist das Hindernis nicht kritisch, wird in
einem Abfrageschritt für das Verfahrensende ermittelt, ob der Betrieb des Fahrzeugs
FZ beendet wurde. Ist dies der Fall, wird das Verfahren gestoppt. Ist dies nicht der
Fall, beginnt der geschilderte Verfahrensablauf mit dem Erfassungsschritt für Objekte
SEN_OB von neuem.
[0070] Handelt es sich um ein kritisches Hindernis, wird in einem nächsten Schritt eine
Notbremsung EBK ausgelöst. Anschließend erfolgt in einem Ausgabeschritt für den Notfall
E OT über die erste Schnittstelle S1 eine Mitteilung an die Leitzentrale LZ, die daraufhin
eine entsprechende Fahrplanänderung vornimmt (in Figur 5 nur angedeutet). In jedem
Falle wird auch nach der Notbremsung EBK das Verfahren in dem Fahrzeug FZ gestoppt.
Bezugszeichenliste
[0071]
- LZ
- Leitzentrale
- FZ
- Fahrzeug
- FZM
- Messfahrzeug
- FR
- Fahrtrichtung
- BR
- Blickrichtung
- GL
- Gleis
- AT
- Antenne
- STL
- Satellit
- SCA
- Sicherheitsabstand
- LRP1 ... LRP2
- Lichtraumprofil
- HD1 ... HD2
- Hindernis
- OB1 ... OB8
- Objekt
- CP1 ... CP2
- Computer
- SE1 ... SE
- Speichereinrichtung
- SN1 ... SN
- Sensor
- S1 ... S
- Schnittstelle
- CLD
- Cloud
- GPS
- Ortungsmodul
- STA
- Streckenatlas
- STD
- Streckendaten
- GEN_STD
- Erzeugungsschritt für Streckendaten
- STD_OT
- Ausgabeschritt für Streckendaten
- GEN_STA
- Erzeugungsschritt für Streckenatlas
- STA_IN
- Eingabeschritt für Streckenatlas
- FPL_IN
- Eingabeschritt für Fahrplan
- SEN_OB
- Erfassungsschritt für Objekte
- IDF_OB
- Erkennungsschritt für Objekte
- IDF_HD
- Erkennungsschritt für Hindernisse
- CRT?
- Abfrageschritt für kritisches Hindernis
- EBK
- Notbremsung
- STP?
- Abfrageschritt für Verfahrensende
- FZ?
- Abfrageschritt für Fahrzeug im Einsatz
- E_OT
- Ausgabeschritt für Notfall
1. Verfahren zum Erkennen von Hindernissen (HD1 ... HD2) auf einer Strecke, die von einem
Fahrzeug (FZ) befahren wird, bei dem
• das Fahrzeug (FZ) mit einer Sensoreinrichtung in Fahrtrichtung (FR) vor dem Fahrzeug
(FZ) liegende Objekte (OB1 ... OB8) erfasst,
• die erfassten Objekte (OB1 ... OB8) rechnergestützt erkannt werden und
• zur Erkennung von Hindernissen (HD1 ... HD2) rechnergestützt bewertet werden,
dadurch gekennzeichnet,
dass für das Bewerten der Objekte (OB1 ... OB8) ein Streckenatlas (STA) verwendet wird,
der eine Vielzahl von zu erkennenden Objekten (OB1 ... OB8) und deren Position an
oder auf der Strecke enthält, wobei
• für die erkannten Objekte (OB1 ... OB8) Ortsangaben ermittelt werden,
• die Ortsangaben mit dem Streckenatlas (STA) abgeglichen werden,
• jedes erkannte Objekt (OB1 ... OB8), dessen Ortsangabe mit der Position eines entsprechenden
zu erkennenden Objektes (OB1 ... OB8) übereinstimmt, eine Bewertung auslöst, dass
die Strecke frei ist,
solange, bis
• innerhalb eines vorgegebenen Sicherheitsabstandes (SCA) vor dem Fahrzeug (FZ) ein
zu erkennendes Objekt (OB1 ... OB8) in dem Streckenatlas (STA) enthalten ist, dem
kein erkanntes Objekt (OB1 ... OB8) zugeordnet wurde, und
• unabhängig von vorher ausgelösten Bewertungen die Bewertung auslöst wird, dass sich
ein Hindernis (HD1 ... HD2) auf der Strecke befindet.
2. Verfahren nach Anspruch 1
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bewertung, dass sich ein Hindernis (HD1 ... HD2) auf der Strecke befindet, nur
ausgelöst wird, wenn sich das Hindernis (HD1 ... HD2) zumindest teilweise im Lichtraumprofil
(LRP1 ... LRP2) befindet.
3. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass im Falle der Anwesenheit eines Hindernisses (HD1 ... HD2)
• ermittelt wird, welche Teile des Lichtraumprofils (LRP1 ... LRP2) von dem Hindernis
(HD1 ... HD2) verdeckt sind,
• die verdeckten Teile des Lichtraumprofils (LRP1 ... LRP2) mit Mustern für bestimmte
Arten von Hindernissen (HD1 ... HD2) verglichen werden,
• wenn eine Übereinstimmung mit einem Muster festgestellt wird, die verdeckten Teile
des Lichtraumprofils (LRP1 ... LRP2) der durch das Muster repräsentierten Art von
Hindernissen (HD1 ... HD2) zugeordnet wird.
4. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Objekte (OB4 ... OB7) Verkehrszeichen erfasst werden, die eine Information für
die Erfassung der Objekte (OB4 ... OB7) tragen.
5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass nach dem Auslösen der Bewertung, dass sich ein Hindernis (HD1 ... HD2) auf der Strecke
befindet,
• der zeitliche Verlauf bei der Erfassung der Objekte (OB1 ... OB8) verfolgt wird,
• Zeitintervalle, in denen die Objekte (OB1 ... OB8) nicht erfasst werden können,
unter Berücksichtigung des Streckenanlasses zur Bestimmung der Geometrie des Hindernisses
(HD1 ... HD2) genutzt werden.
6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass nach dem Auslösen der Bewertung, dass sich ein Hindernis (HD1 ... HD2) auf der Strecke
befindet,
• das Fahrzeug (FZ) mit der Sensoreinrichtung das in Fahrtrichtung (FR) vor dem Fahrzeug
(FZ) liegende Hindernis (HD1 ... HD2) erfasst,
• Das erfasste Hindernis (HD1 ... HD2) rechnergestützt erkannt wird.
7. Anordnung zur Erkennung von Hindernissen (HD1 ... HD2) mit
• einer Sensoreinrichtung zum Erfassen von Objekten (OB1 ... OB8),
• einem Computer (CP2) zum Erkennen der erfassten Objekte (OB1 ... OB8),
dadurch gekennzeichnet,
dass die Anordnung eingerichtet ist, ein Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche
auszuführen.
8. Fahrzeug (FZ), welches eine Anordnung zur Erkennung von Hindernissen (HD1 ... HD2)
mit
• einer Sensoreinrichtung zum Erfassen von in Fahrtrichtung (FR) vor dem Fahrzeug
(FZ) liegenden Objekten (OB1 ... OB8),
• einem Computer (CP2) zum Erkennen der erfassten Objekte (OB1 ... OB8)
aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Anordnung eingerichtet ist, ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6 auszuführen.
9. Computerprogrammprodukt mit Programmbefehlen zur Durchführung des Verfahrens nach
einem der Ansprüche 1 - 6.
10. Bereitstellungsvorrichtung für das Computerprogrammprodukt nach dem letzten voranstehenden
Anspruch, wobei die Bereitstellungsvorrichtung das Computerprogrammprodukt speichert
und/oder bereitstellt.