[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Überwachung und/oder Durchführung
einer Bewegung eines Arbeitsgeräts nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1, ein Arbeitsgerät,
welches zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ausgelegt ist, sowie ein
Computerprogrammprodukt
[0002] Bei der Durchführung von Erdaushubarbeiten bzw. Grabprozessen mithilfe von Baggern
entstehen Kräfte, die am Werkzeug (z.B. Baggerlöffel) angreifen. Diese Kräfte muss
der Bagger überwinden, um den Grabprozess fortführen zu können. Wird zu tief gegraben
oder befindet sich ein Hindernis auf der Grabtrajektorie, können ggf. die auftretenden
Kräfte nicht mehr überwunden werden. Das Gleiche gilt bei anderen Erdaushubgeräten
oder bei Materialumschlaggeräten, welche ein Werkzeug zum Aufnehmen bzw. Greifen von
Material aufweisen und ebenfalls auf Hindernisse stoßen können. Die zugrundeliegende
Problematik wird im Folgenden anhand von Grabarbeiten durchführenden Baggern beschrieben,
wobei die folgenden Ausführungen analog für andere Erdaushub- oder Materialumschlaggeräte
gelten.
[0003] Traditionell erfolgt die Steuerung eines Baggers manuell und der Bediener muss selbstständig
den Zustand der Maschine und des Grabprozesses beurteilen. Im manuellen Betrieb des
Baggers kann dem Bediener ein Feedback bezüglich der während des Grabprozesses wirkenden
Kräfte gegeben werden.
[0004] Seit einigen Jahren erfolgt zunehmend eine Automatisierung des Baggerbetriebs, beispielsweise
über Assistenzfunktionen wie die Tool-Center-Point-Steuerung, die dem Fahrer assistieren,
jedoch nicht den Prozess vollständig automatisieren. Für einen autonomen oder teilautonomen
Betrieb des Baggers ist es notwendig, die geplante Grabtrajektorie adaptiv anhand
der wirkenden Kräfte und der vom Bagger aufbringbaren Kräfte anzupassen, um so einen
reibungslosen Betrieb zu garantieren. Für einen automatisieren Betrieb ist daher der
Einbezug der beim Grabprozess auftretenden (Grab-)Kräfte nötig, um auf die jeweiligen
Umwelteinflüsse reagieren und Abweichungen des Bewegungsablaufs oder gar Schäden vermeiden
zu können.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Automatisierung
derartiger Arbeitsvorgänge von Erdaushub- oder Materialumschlaggeräten zu ermöglichen
bzw. zu verbessern.
[0006] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1, ein Arbeitsgerät mit den Merkmalen des Anspruchs 17 sowie ein Computerprogrammprodukt
mit den Merkmalen des Anspruchs 19 gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung
ergeben sich aus den Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung.
[0007] Demnach ist gemäß einem Aspekt der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zur Überwachung
und/oder Durchführung einer Bewegung eines Arbeitsgeräts, vorzugsweise eines Materialumschlag-
oder Erdbewegungsgeräts und insbesondere eines Baggers, vorgesehen, wobei das Arbeitsgerät
eine Bewegungseinrichtung mit einem Werkzeug zum Aufnehmen von Material besitzt, welche
mindestens zwei Komponenten umfasst, die jeweils über mindestens einen Aktuator bewegbar
sind. Ferner umfasst das Arbeitsgerät eine Steuerung, mittels welcher die Aktuatoren
der Bewegungseinrichtung steuerbar und/oder regelbar sind.
[0008] Bei der Bewegungseinrichtung kann es sich um einen Ausleger, insbesondere einen Baggerausleger
handeln. Bei dem Werkzeug kann es sich beispielsweise um einen Baggerlöffel oder Schalengreifer
handeln. Das Werkzeug kann dabei als eine der genannten mindestens zwei Komponenten
der Bewegungseinrichtung angesehen werden, was allerdings nicht zwingend der Fall
sein muss. Selbstverständlich können mehr als zwei Komponenten mit jeweils zugeordneten
Aktuatoren vorgesehen sein, von denen eine der Komponenten das Werkzeug darstellen
kann. Die anderen Komponenten können beispielsweise ein Ausleger und ein Stiel sein.
Bei den Aktuatoren kann es sich um Hydraulikzylinder und/oder Motoren (beispielsweise
ein Drehwerksmotor) handeln. Ein Oberwagen bzw. ein Drehwerk des Arbeitsgeräts kann
ebenfalls zu den Komponenten der Bewegungseinrichtung zählen.
[0009] Das erfindungsgemäße Verfahren umfasst folgende Schritte:
- 1) Erfassen von Zustandsinformationen betreffend wenigstens eine aktuelle Position
und/oder eine aktuelle Geschwindigkeit und/oder eine aktuelle Beschleunigung von mindestens
zwei Komponenten der Bewegungseinrichtung,
- 2) Berechnen von Drehmomenten, welche aufgrund einer aktuellen Konfiguration des Arbeitsgeräts
an Komponenten angreifen (d.h. von modellbasierten bzw. theoretischen Drehmomenten),
wobei hierfür die genannten Zustandsinformationen sowie Bauteilinformationen der Komponenten
berücksichtigt werden,
- 3) Erfassen von an Komponenten tatsächlich angreifenden Drehmomenten,
- 4) Vergleichen der in Schritt 2) berechneten Drehmomente und der in Schritt 3) erfassten
Drehmomente sowie Ermitteln eines an einem definierten Angriffspunkt des Arbeitsgeräts
tatsächlich angreifenden Kraftvektors anhand des genannten Vergleichs, und
- 5) Ausführen einer Aktion in Abhängigkeit des in Schritt 4) berechneten Kraftvektors.
[0010] Diese Schritte müssen nicht zwangsläufig alle hintereinander oder in der angegebenen
Reihenfolge durchgeführt werden.
[0011] Wenn vorliegend von einer Erfassung eines Drehmoments die Rede ist, wird davon auch
der Fall umfasst, dass die eigentliche Messung eine andere Größe (z.B. einen Druck
oder eine Kraft) betrifft und eine geeignete Umrechnung in ein Drehmoment erfolgt
(z.B. kann eine gemessene Kraft über das Kreuzprodukt mit einem Positionsvektor in
ein Drehmoment umgerechnet werden, wobei der Positionsvektor als Bauteilinformation
oder als eine daraus abgeleitete Information bekannt sein kann).
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren berücksichtigt die tatsächlich während der Durchführung
eines Arbeitsvorgangs auf die Bewegungseinrichtung wirkenden Kräfte in Form eines
Kraftvektors, welcher auf einen definierten Angriffspunkt bezogen ist. Letzterer kann
idealerweise festlegbar sein und befindet sich vorzugsweise am Werkzeug oder einem
Endeffektor. Im Falle eines Baggers, welcher einen Grabvorgang durchführt, handelt
es sich bei besagtem berechnetem Kraftvektor insbesondere um eine momentan tatsächlich
angreifende Grabkraft.
[0013] Die Berechnung der theoretischen Drehmomente in Schritt 2) und die Erfassung der
tatsächlich wirkenden Drehmomente in Schritt 3) beziehen sich insbesondere auf dieselben
Komponenten, sodass ein direkter Vergleich stattfinden und daraus auf einen tatsächlich
angreifenden Kraftvektor geschlossen werden kann. Um letzteren möglichst genau zu
charakterisieren, müssen die Drehmomente von mindestens zwei unterschiedlichen Komponenten
miteinander verglichen werden, sodass wenigstens zwei nicht parallel zueinander stehende
Komponenten des Kraftvektors ermittelt werden können. Je mehr Komponenten der Bewegungseinrichtung
in den Vergleich einbezogen werden, desto genauer kann der Kraftvektor ermittelt werden.
[0014] Allerdings könnte m Prinzip selbst bei parallel zueinander ausgerichteten Komponenten
(bzw. den zugehörigen Positionsvektoren) eine ausreichende Abschätzung der tatsächlich
angreifenden Kraft funktionieren, da die nicht beobachtete Kraftkomponente durch die
Struktur des Arbeitsgeräts aufgenommen würde und die Aktuatoren daher nur den beobachtbaren
(bzw. durch den genannten Vergleich ermittelbaren) Anteil des Kraftvektors überwinden
müssten.
[0015] Der Begriff "Vergleich" ist breit auszulegen. Der genannte Vergleich kann daher jegliche
Methode umfassen, die es ermöglicht, aus den berechneten Drehmomenten und den ermittelten
Drehmomenten die tatsächliche angreifende Kraft zu ermitteln bzw. abzuschätzen. So
kann der Vergleich eine Bestimmung der tatsächlich angreifenden Kraft über die Methode
der kleinsten Fehlerquadrate umfassen oder ein anderes Schätzverfahren, insbesondere
rekursives Schätzverfahren, zum Einsatz kommen.
[0016] Die Berücksichtigung der Grabkraft ermöglicht eine Automatisierung des Grabvorgangs,
beispielsweise indem eine geplante Trajektorie für eine Bewegung im Rahmen des Grabvorgangs
(d.h. eine Grabtrajektorie) entsprechend an die Grabkraft angepasst wird und/oder
bei Überschreitung eines Grenzwerts ein Hinweis an den Bediener des Arbeitsgeräts
ausgegeben wird. Eine Anpassung kann beispielsweise in Form einer Neuplanung der Grabtrajektorie
oder einer Beendigung des Grabvorgangs erfolgen.
[0017] Die Anpassung der Grabtrajektorie und die Ausgabe eines Hinweises sind lediglich
Beispiele für die genannte Aktion, welche in Abhängigkeit des berechneten Kraftvektors
ausgeführt wird. Hier sind selbstverständlich andere Aktionen denkbar wie z.B. eine
Anpassung von Maschinenparametern. Darüber hinaus kann beispielsweise eine Anpassung
der Grabtrajektorie von weiteren Bedingungen abhängen wie z.B. der Überschreitung
eines zeitlichen Schwellenwerts und/oder dem Vorliegen eines minimalen Trajektorienfolgefehlers.
[0018] Das erfindungsgemäße Verfahren kann aber nicht nur bei Grabprozessen, sondern generell
bei allen Arbeitsabläufen zum Einsatz kommen, bei denen externe Kräfte auf das Werkzeug
(bzw. die Bewegungseinrichtung) des Arbeitsgeräts wirken, welche eine Berücksichtigung
wie beispielsweise eine Anpassung einer vorgegebenen Trajektorie im Rahmen automatischer
Bewegungsabläufe erfordern können. Ein solcher Arbeitsablauf kann z.B. das Aufnehmen
von Material mit dem Greifwerkzeug eines Matrialumschlaggeräts sein. Hier könnte beispielsweise
das Verklemmen von zu bewegendem Material zum Auftreten erhöhter Kräfte führen, welche
für einen automatischen Umschlagprozess berücksichtigt werden müssen. Als externe
Kräfte werden vorliegend insbesondere auch sämtliche Kräfte verstanden, welche aufgrund
des Arbeitsablaufs des Arbeitsgeräts, beispielsweise beim Graben, beim Heben bzw.
Bewegen von Material, beim Aufnehmen von Material etc. auftreten können.
[0019] In einer möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Bauteilinformationen
eine Masse, ein Trägheitsmoment und/oder einen Schwerpunkt der jeweiligen Komponenten
betreffen. Idealerweise werden geometrische Informationen bzw. Abmessungen der Komponenten
als Bauteilinformationen zur Verfügung gestellt. Hier wären auch datengetriebene Modelle
denkbar, die nur die Zustandsinformationen und Drehmomentmessungen benötigen. Die
Bauteilinformationen werden benötigt, um modellbasierte Drehmomente zu ermitteln,
welche - ohne Berücksichtigung externer bzw. durch den Arbeitsprozess auftretender
Kräfte - allein aufgrund der Konfiguration (bzw. des Rüstzustands) und der aktuellen
Stellung des Arbeitsgeräts bzw. der Bewegungseinrichtung auf die einzelnen Komponenten
wirken.
[0020] Die Bauteilinformationen können auf einem Speicher des Arbeitsgeräts abgelegt sein,
welcher beispielsweise Teil der Steuerung oder ein externer, mit der Steuerung verbundener
Baustein sein kann. Die Bauteilinformationen können ebenfalls in einer mit der Steuerung
insbesondere drahtlos in kommunikativer Verbindung stehenden externen Rechnereinheit
wie z.B. einer Cloud gespeichert und durch die Steuerung abrufbar sein. Alternativ
oder zusätzlich können die Bauteilinformationen durch ein Modellierungsmittel der
Steuerung anhand eines statischen oder dynamischen Modells des Arbeitsgeräts bzw.
der Bewegungseinrichtung generiert werden.
[0021] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass der definierte Angriffspunkt
am Werkzeug, insbesondere an einem Endeffektor (d.h. am Tool Center Point bzw. TCP)
der Bewegungseinrichtung, liegt. Der Angriffspunkt kann festlegbar bzw. variierbar
sein, z.B. durch den Bediener des Arbeitsgeräts.
[0022] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass die berechneten
(modellbasierten bzw. theoretischen) und die erfassten (tatsächlichen) Drehmomente
jeweils auf dieselben Referenzpunkte der Bewegungseinrichtung bezogen sind. Dadurch
ist es möglich, durch einen Vergleich der lediglich aufgrund der Konfiguration und
Stellung der Bewegungseinrichtung vorhergesagten Drehmomente und der tatsächlich gemessenen
Drehmomente auf eine zusätzlich wirkende, äußere Kraft wie z.B. eine Grabkraft zu
schließen. Bei den Referenzpunkten handelt es sich vorzugsweise um Gelenke bzw. Drehgelenke
der Bewegungseinrichtung, über die die Komponenten miteinander (bzw. mit dem Werkzeug,
wobei letzteres ebenfalls als Komponente der Bewegungseinrichtung angesehen werden
kann) drehbar verbunden sind.
[0023] Die Gelenke der eine kinematische Kette bildenden Komponenten der Bewegungseinrichtung
definieren insbesondere Positionsvektoren, welche zur Charakterisierung der aktuellen
Stellungen bzw. Bewegungen der Komponenten und zur Berechnung der Drehmomente herangezogen
werden. So kann beispielsweise ein an einen Oberwagen des Arbeitsgeräts über ein erstes
Gelenk angelenkter Ausleger, welcher über ein zweites Gelenk schwenkbar mit einem
Stiel verbunden ist, durch einen vom ersten zum zweiten Gelenk verlaufenden Positionsvektor
repräsentiert sein. Ein auf den Ausleger am Ort des ersten Gelenks wirkendes Drehmoment
ist dann das Kreuzprodukt von besagtem Positionsvektor und einer auf den Ausleger
am Ort des zweiten Gelenks wirkenden Kraft. Dasselbe gilt für die übrigen gelenkig
miteinander verbundenen Komponenten wie Stiel, Werkzeug etc.
[0024] Entsprechend dem vorstehend beschriebenen Beispiel ist einer weiteren möglichen Ausführungsform
vorgesehen, dass die Referenzpunkte für die berechneten Drehmomente ausgehend von
einem Gelenk einer Komponente an einem Oberwagen des Arbeitsgeräts Positionsvektoren
definieren, welche bei der Erfassung der Drehmomente nicht parallel zueinander stehen.
Das Drehmoment an einem Drehgelenk aufgrund der äußeren Kraft (z.B. Grabkraft) ist
das Kreuzprodukt aus Positionsvektor und besagter Kraft. Somit hat nur der zum Positionsvektor
orthogonale Anteil des Kraftvektors einen Einfluss auf das Drehmoment. Es werden daher
mindesten zwei Drehmomentmessungen zur Schätzung des Kraftvektors in der Ebene benötigt,
deren Positionsvektoren nicht parallel zueinander verlaufen.
[0025] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Zustandsinformationen
mittels an der Bewegungseinrichtung angeordneter Sensoren erfasst werden. Hier kann
beispielsweise eine Kombination aus Positions- und/oder Geschwindigkeits- und/oder
Beschleunigungssensoren vorgesehen sein.
[0026] Das Arbeitsgerät kann generell eine Reihe von Sensoren zur Erfassung unterschiedlicher
Größen umfassen.
[0027] So kann das Arbeitsgerät mindestens einen Drucksensor zur Messung eines an einem
Aktuator anliegenden Hydraulikdrucks aufweisen. Die Bewegungseinrichtung kann einen
oder mehrere Hydraulikzylinder als Aktuatoren aufweisen, um die einzelnen Komponenten
zu bewegen. Vorzugsweise ist pro Hydraulikzylinder mindestens ein Drucksensor vorgesehen,
welcher den jeweils vorherrschenden bzw. anliegenden Hydraulikdruck misst. Idealerweise
werden pro Hydraulikzylinder zwei Drucksensoren verwendet, wobei sowohl die Stangen-
als auch die Bodenseite jedes Hydraulikzylinders mit je einem Drucksensor ausgestattet
sind. Über den so ermittelten Druck kann die auf den Aktuator wirkende Kraft berechnet
werden, welche schließlich über die bekannte räumliche Position des Aktuators bzw.
Hydraulikzylinders als Vektor definiert werden kann. Die aus den geometrischen Aktuatorparametern
und den erfassten Drücken berechneten Kraftvektoren der Aktuatoren werden vorliegend
vereinfachend auch als Druckvektoren bezeichnet.
[0028] Aus dem Druckvektor eines Aktuators lässt sich unter Berücksichtigung der entsprechenden
Bauteilinformationen der durch den Aktuator bewegbaren Komponente und deren aktueller
Position bzw. Stellung eine auf eines der Gelenke der Komponente wirkende Kraft und
somit das entsprechende Drehmoment berechnen. Die Bauteilinformationen der Bewegungseinrichtung
umfassen vorzugsweise auch Informationen zu den jeweiligen Aktuatoren wie z.B. die
Anlenkpunkte von Zylinder und Stange an den jeweiligen Komponenten, die Kolbenflächen,
Reibungswerte, die Massen der Aktuatoren etc., um aus den Druckmessungen die entsprechenden
Kräfte ermitteln zu können.
[0029] Alternativ oder zusätzlich kann das Arbeitsgerät mindestens einen Drehmomentgeber
zur Messung eines angreifenden Drehmoments umfassen. Es ist denkbar, dass pro Aktuator
mindestens ein Drehmomentgeber vorgesehen ist, um die auf die jeweiligen Komponenten
wirkenden Drehmomente zu erfassen.
[0030] Alternativ oder zusätzlich kann das Arbeitsgerät mindestens einen Winkelsensor zur
Messung eines aktuellen Winkels einer Komponente umfassen. Bei dem gemessenen Winkel
kann es sich um den Winkel einer Komponente relativ zu einer anderen Komponente, zu
einem Oberwagen des Arbeitsgeräts oder zum Werkzeug handeln. Der Winkelsensor ist
idealerweise im Bereich eines Drehgelenks einer Komponente angeordnet. Vorzugsweise
ist pro Drehgelenk ein Winkelsensor vorgesehen, um die Stellungen der einzelnen Komponenten
der kinematischen Kette vollständig zu erfassen. Alternativ oder zusätzlich kann mindestens
ein Sensor vorgesehen sein, welcher die Ausschublänge mindestens eines Hydraulikzylinders
misst. Durch die festgelegte Geometrie der bewegbaren Komponente ergibt sich daraus
eine entsprechende Winkelstellung.
[0031] Alternativ oder zusätzlich kann das Arbeitsgerät mindestens einen Positionssensor
zur Messung einer aktuellen Position einer Komponente aufweisen. Bei der erfassten
Position kann es sich um eine absolute Position handeln, welche beispielsweise mittels
eines an der entsprechenden Komponente angebrachten GPS-Moduls oder einer GNSS-Antenne
(samt Receiver) gemessen wird. Ebenfalls kann ein GPS-Modul / eine GNSS-Antenne an
einer anderen Stelle des Arbeitsgeräts wie z.B. an einem Oberwagen vorgesehen sein,
beispielsweise um eine Position des Arbeitsgeräts zu erfassen. Eine Schätzung der
Lage und Position des Arbeitsgeräts kann auch durch eine Kombination aus GNSS-Antennen
und IMUs erfolgen (z.B. kann hierfür eine IMU an einem Oberwagen des Arbeitsgeräts
verbaut sein). Dadurch kann es möglich sein, Geländeinformationen einfließen zu lassen,
was z.B. für einen autonomen Betrieb des Arbeitsgeräts und/oder für einen Kippschutz
sinnvoll sein kann. Beispielsweise könnten bei zu hohen auftretenden Grabkräften dadurch
intelligente Trajektorien zur Fortführung eines autonomen Grabvorgangs generiert werden.
[0032] Alternativ oder zusätzlich kann das Arbeitsgerät mindestens einen Inertialsensor
zur Messung einer aktuellen Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung einer Komponente
aufweisen, beispielsweise einen Beschleunigungssensor und/oder einen Drehratensensor.
Bei dem Inertialsensor kann es sich um eine inertiale Messeinheit ("inertial measurement
unit" bzw. IMU) handeln. Vorzugsweise ist an mehreren Komponenten, insbesondere an
jeder für die Erfassung der tatsächlich wirkenden Kraft herangezogenen Komponente
der Bewegungseinrichtung, ein Inertialsensor bzw. eine IMU vorgesehen, bei einem Baggerausleger
also insbesondere am Ausleger und am Stiel sowie ggf. am Werkzeug. Um die Lage des
Arbeitsgeräts zu ermitteln, kann ebenfalls eine IMU auf einem drehbaren Oberwagen
des Arbeitsgeräts verbaut sein.
[0033] Alternativ oder zusätzlich kann das Arbeitsgerät mindestens einen Sensor zur Erfassung
eines aktuellen Füllstands und/oder Füllgewichts des Werkzeugs aufweisen. Damit ist
es beispielsweise möglich, eine aktuelle Füllung eines Baggerlöffels zu detektieren.
Es kann vorgesehen sein, dass bei Erreichen einer maximalen Füllmenge ein aktueller,
automatischer Grabvorgang beendet wird, beispielsweise um den Löffel an einer bestimmten
Abladeposition zu leeren. Alternativ könnte das Füllgewicht durch einen geeigneten
Algorithmus bestimmt werden, welcher Informationen aus verschiedenen Quellen wie Positions-
und Lageschätzung, Geländeinformationen, verfahrene Trajektorie etc. verwendet.
[0034] Alternativ oder zusätzlich kann das Arbeitsgerät mindestens einen akustischen Sensor
zur Erfassung eines Geräuschs des Arbeitsgeräts während des Betriebs aufweisen, dessen
Signale vorzugsweise mittels eines Analysemittels ausgewertet werden, um auf einen
aktuellen Betriebszustand des Arbeitsgeräts wie z.B. das Erreichen einer Leistungsgrenze
zu schließen. Zur Analyse der Sensorsignale kann ein maschinelles Lernverfahren bzw.
künstliches neuronales Netz zum Einsatz kommen, um unterschiedliche Maschinenzustände
zuverlässig anhand der aufgenommenen Geräusche zu identifizieren und ggf. entsprechende
Aktionen auszuführen.
[0035] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass der tatsächlich
angreifende Kraftvektor mittels eines rekursiven Verfahrens ermittelt wird, beispielsweise
einem "Recursive Least Squares"-Algorithmus oder mittels eines Beobachters wie einem
Kalman Filter.
[0036] Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass der tatsächlich angreifende
Kraftvektor mit einem Gewichtungsfaktor multipliziert wird. Dadurch können Unsicherheiten
in dem der Ermittlung der theoretischen Drehmomente zugrundeliegenden Modell berücksichtigt
und somit eine maximale Belastungsgrenze der Bewegungseinrichtung sicher eingehalten
werden. Der Gewichtungsfaktor kann von einem aktuellen Zustand der Bewegungseinrichtung
oder des Arbeitsgeräts oder von dem ermittelten tatsächlich angreifenden Kraftvektor
abhängen.
[0037] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass die ausgeführte
Aktion das Ausgeben einer Warnung oder eines Hinweises umfasst, insbesondere optisch
und/oder akustisch. Dadurch kann beispielsweise der Bediener des Arbeitsgeräts darauf
hingewiesen werden, dass eine maximale Kraft (z.B. Grabkraft) überschritten, eine
maximale Füllung des Werkzeugs erreicht, ein Sicherheitsbereich bezüglich der Kippsicherheit
des Arbeitsgeräts überschritten oder eine Trajektorie angepasst wurde. Ferner kann
vorgesehen sein, dass eine Nachricht bzw. ein Signal an ein externes Gerät oder eine
Cloud gesendet wird.
[0038] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Steuerung eingerichtet
ist, die Aktuatoren derart automatisch anzusteuern, dass sich das Werkzeug entlang
einer Trajektorie bewegt. Die Steuerung ist also für eine autonome oder teilautonome
Steuerung des Arbeitsgeräts ausgelegt und kann Bewegungen entlang vorgegebener Trajektorien
durchführen. Die Aktion in Abhängigkeit des berechneten Kraftvektors kann dabei eine
Änderung der Trajektorie und/oder ein Eingreifen in die automatische Bewegung entlang
der Trajektorie umfassen.
[0039] Bei der Trajektorie kann es sich um eine Grabtrajektorie handeln, d.h. eine vorgegebene
Trajektorie, entlang derer sich das Werkzeug bei einem Grabprozess bewegt. Der Arbeitsvorgang
kann in mehrere Arbeitsschritte bzw. Phasen unterteilt sein, wobei für jede der Phasen
eine oder mehrere Trajektorien vorgegeben sein können.
[0040] Beispielsweise kann ein automatisch durchgeführter Grabprozess in drei Phasen unterteilt
sein, wobei eine erste Phase das eigentliche Graben betrifft, bei welchem Material
mit einem Baggerlöffel aufgenommen wird und die dabei auftretenden Grabkräfte mittels
des erfindungsgemäßen Verfahrens berücksichtigt werden, eine zweite Phase das Abladen
des Materials beispielsweise auf einem LKW betrifft, und in einer dritten Phase die
Bewegung des Baggerlöffels von der Abladestelle zur nächsten Grabposition erfolgt.
Selbstverständlich ist eine Unterteilung in mehr oder weniger Phasen möglich mit einer
oder mehreren Trajektorien pro Phase.
[0041] Das erfindungsgemäße Verfahren kann dabei nicht nur beim Graben selbst zur Anwendung
kommen, sondern auch in den anderen Phasen. So kann beispielsweise beim Abladen ebenfalls
eine Kraft auf das Werkzeug bzw. die Bewegungseinrichtung wirken, welche bei entsprechender
Berücksichtigung zu einer Adaption der Trajektorie führen kann.
[0042] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass der ermittelte Kraftvektor
mit mindestens einem Vergleichskraftvektor verglichen und auf Grundlage des genannten
Vergleichs die Aktion ausgeführt wird, wobei der mindestens eine Vergleichskraftvektor
vorzugsweise einer maximal möglichen Kraft (z.B. einer maximal möglichen Grabkraft)
entspricht. Überschreitet beispielsweise der Betrag des ermittelten Kraftvektors den
Betrag des Vergleichskraftvektors, kann eine Anpassung bzw. Neuberechnung einer Trajektorie
oder gar eine Beendigung des aktuellen Arbeitsprozesses erfolgen. Ebenfalls ist die
Ausgabe eines Hinweises denkbar.
[0043] Der Vergleichskraftvektor kann auf einem Speicher hinterlegt sein oder durch ein
Modellierungsmittel während des Arbeitsprozesses anhand eines statischen oder dynamischen
Modells unter Berücksichtigung einer aktuellen Stellung des Arbeitsgeräts bzw. der
Bewegungseinrichtung berechnet werden.
[0044] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass mindestens ein anhand
eines maximal möglichen Drucks an einem Aktuator berechneter Kraftvektor auf einen
Referenzvektor projiziert wird, um den Vergleichskraftvektor zu erhalten. Für jeden
Aktuator der Bewegungseinrichtung kann ein entsprechender Kraftvektor ermittelt und
auf den Referenzvektor projiziert werden, sodass mehrere Vergleichskraftvektoren berechnet
werden. Für jeden dieser Vergleichskraftvektoren kann ein Vergleich mit der tatsächlich
angreifenden Kraft erfolgen und ggf. eine bestimmte Aktion durchgeführt werden.
[0045] Bei dem Referenzvektor kann es sich um den ermittelten tatsächlich angreifenden Kraftvektor,
einen Geschwindigkeitsvektor, welcher eine von der Bewegungseinrichtung abgefahrene
Trajektorie repräsentiert, oder einen anderweitig definierbaren oder definierten Vektor
handeln. Entspricht der Referenzvektor nicht dem ermittelten tatsächlich angreifenden
Kraftvektor, so wird Letzterer vorzugsweise ebenfalls auf den Referenzvektor projiziert,
sodass die Projektionen der aus den Aktuatordrücken ermittelten Kraftvektoren und
die Projektion des tatsächlich angreifenden Kraftvektors miteinander sinnvoll verglichen
werden können.
[0046] Um die Kraftvektoren für den Vergleich mit der ermittelten tatsächlich angreifenden
Kraft zu erhalten, kann es erforderlich sein, für die einzelnen Aktuatoren geltende
Kraft- oder Druckvektoren in entsprechende Kraftvektoren umzurechnen, die auf bestimmte
Referenzpunkte der durch die Aktuatoren bewegbaren Komponenten bezogen sind, beispielsweise
auf Drehgelenke oder auf einen Referenzpunkt am Werkzeug oder Endeffektor. Da die
Komponenten konstruktiv festgelegt sind, ist eine Umrechnung der Druck- oder Kraftvektoren
in die Kraftvektoren an dem oder den Referenzpunkten mittels der zur Verfügung stehenden
Bauteilinformationen möglich.
[0047] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Aktion ausgeführt
wird, wenn der Betrag des ermittelten Kraftvektors den Betrag des Vergleichskraftvektors
überschreitet und/oder ein Trajektorienfolgefehler einen vorzugsweise festlegbaren
Grenzwert überschreitet. Diese Kriterien können also einzeln oder in Kombination dazu
führen, dass eine Aktion wie beispielsweise eine Anpassung bzw. Neuberechnung der
Trajektorie, die Ausgabe eines Hinweises oder die Beendigung des aktuellen Arbeitsvorgangs
durchgeführt wird. Selbstverständlich können weitere Kriterien herangezogen werden.
Diese können entweder festgelegt oder von einer aktuellen Stellung des Arbeitsgeräts
und/oder Umgebungseinflüssen abhängig sein.
[0048] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Trajektorie
mit einer Referenzgeschwindigkeit abgefahren wird, wobei Aktion eine Reduktion der
Referenzgeschwindigkeit umfasst. Die Reduktion kann entweder auf eine niedrigere Referenzgeschwindigkeit
erfolgen, oder aber auf eine Geschwindigkeit von Null, um den aktuellen Arbeitsvorgang
zu beenden. Die Reduktion kann schrittweise erfolgen, d.h. zunächst wird die Referenzgeschwindigkeit
auf einen niedrigeren Wert verringert und dann die in einem darauffolgenden Schritt
erneut ermittelte tatsächlich angreifende Kraft wieder mit dem Vergleichskraftvektor
verglichen. Bei erneuter Überschreitung kann entweder abermals eine Reduktion der
Referenzgeschwindigkeit auf einen niedrigeren Wert erfolgen oder es kann der aktuelle
Arbeitsvorgang direkt abgebrochen bzw. kontrolliert beendet werden.
[0049] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass die Aktion ein Beendigen
der automatischen Bewegung entlang der Trajektorie umfasst, wobei vorzugsweise eine
bisher erreichte Position des Werkzeugs, insbesondere eine maximale Tiefe und/oder
Abstand des Werkzeugs von einem Oberwagen des Arbeitsgeräts, erfasst und in der Steuerung
(oder einem mit der Steuerung verbundenen Speicher) gespeichert wird. Diese Werte
können bei der Planung des nächsten Arbeitsvorgangs verwendet werden. Mit anderen
Worten wird bei einem Fortsetzen der Trajektorie diese vorzugsweise ausgehend von
der vorgenannten gespeicherten Position geplant und/oder durchgeführt.
[0050] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass auf Grundlage des
ermittelten tatsächlich angreifenden Kraftvektors und einer aktuellen Stellung des
Arbeitsgeräts bzw. der Bewegungseinrichtung auf einen das Kippverhalten des Arbeitsgeräts
repräsentierenden Parameter geschlossen wird, wobei vorzugsweise die genannte Aktion
durchgeführt wird, wenn der Parameter einen Grenzwert überoder unterschreitet. Beispielsweise
kann eine durch das erfindungsgemäße Verfahren ermittelte Grabkraft zur Überwachung
des Kippverhaltens des Arbeitsgeräts verwendet werden. Beispielsweise kann bei einem
Überschreiten eines Sicherheitsbereiches bezüglich der Kippsicherheit ein automatischer
Arbeitsvorgang abgebrochen und das Arbeitsgerät in einen sicheren Zustand versetzt
werden. Dies kann beispielsweise auch das bloße Bewegen oder Absetzen von einer Last
bzw. Material betreffen. Für die Analyse bzw. Überwachung des Kippverhaltens des Arbeitsgeräts
wird vorteilhafterweise die Lage bzw. Stellung des Arbeitsgeräts bestimmt, beispielsweise
über eine an einem Oberwagen des Arbeitsgeräts verbaute IMU.
[0051] In einer weiteren möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass es sich bei der
Bewegungseinrichtung um einen Baggerausleger handelt, wobei eine erste Komponente
ein mit einem Oberwagen des Arbeitsgeräts gelenkig verbundener Ausleger und eine zweite
Komponente ein gelenkig mit der ersten Komponente verbundener Stiel ist. Vorzugsweise
ist eine dritte Komponente das Werkzeug selbst. Das Werkzeug kann dabei direkt oder
über eine oder mehrere weitere Komponenten mit dem Stiel gelenkig verbunden sein.
Die verschiedenen Komponenten des Baggerauslegers sind vorzugsweise über Hydraulikzylinder
miteinander verbunden und gegeneinander verschwenkbar. Eine der Komponenten der Bewegungseinrichtung
kann das Drehwerk des genannten Oberwagens sein. Dieses kann das erste Glied einer
durch die Bewegungseinrichtung gebildeten kinematischen Kette sein. Alternativ kann
der an den Oberwagen angelenkte Ausleger das erste Glied der kinematischen Kette darstellen.
[0052] Nicht alle beweglichen Komponenten des Baggerauslegers müssen zwangsläufig als Komponente
der Bewegungseinrichtung im Sinne der vorliegenden Erfindung angesehen werden. So
kann der Baggerausleger beispielsweise einen oder mehrere Umlenkhebel zur Bewegung
eines Baggerlöffels aufweisen, an welche(n) ein Löffelzylinder angelenkt ist. Allerdings
müssen für derartige Umlenkhebel nicht extra einzeln modellbasierte Drehmomente berechnet
und tatsächlich angreifende Drehmomente erfasst werden. Die kinematische Kette eines
solchen Baggerarms ist insbesondere über das Drehgelenk zwischen dem Baggerlöffel
und dem Stiel bzw. der mit dem Baggerlöffel verbundenen Auslegerkomponente definiert.
[0053] Die Berechnungen und/oder Steuerbefehle können sich auf Aktuatorkoordinaten oder
kartesische Koordinaten (z.B. TCP-Koordinaten oder Weltkoordinaten) beziehen. Die
Wahl des genauen Koordinatensystems hat jedoch keinen Einfluss auf den erfindungsgemäßen
Gegenstand. Die verschiedenen Koordinatensysteme lassen sich gegebenenfalls durch
entsprechende Transformationen ohne weiteres ineinander umrechnen.
[0054] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin ein Arbeitsgerät, vorzugsweise ein Materialumschlag-
oder Erdbewegungsgerät und insbesondere einen Bagger, umfassend eine Bewegungseinrichtung
mit einem Werkzeug zum Aufnehmen von Material, welche mindestens zwei jeweils über
mindestens einen Aktuator bewegbare Komponenten umfasst, und eine Steuerung, mittels
welcher die Aktuatoren steuerbar und/oder regelbar sind.
[0055] Das Arbeitsgerät ist dazu ausgelegt, das erfindungsgemäße Verfahren auszuführen,
d.h. es weist entsprechende Mittel zur Durchführung der erfindungsgemäßen Verfahrensschritte
auf. Das Arbeitsgerät kann gemäß einer oder mehrerer der oben dargelegten Ausführungsformen,
welche im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens diskutiert wurden, ausgebildet sein.
Dabei ergeben sich offensichtlich dieselben Vorteile und Eigenschaften wie für das
erfindungsgemäße Verfahren, weshalb an dieser Stelle auf eine wiederholende Beschreibung
verzichtet wird.
[0056] Hierbei ist es denkbar, dass die jeweiligen Verfahrensschritte, insbesondere die
oben beschriebenen Schritte 2), 4) und 5), durch die Steuerung oder aber ganz oder
teilweise durch mit der Steuerung in Verbindung stehende Mittel durchführbar sind.
Einige der Verfahrensschritte können außerhalb des Arbeitsgeräts, beispielsweise durch
eine externe Rechnereinheit bzw. Cloud, durchgeführt und die entsprechenden Daten
an das Arbeitsgerät übermittelt werden. Ebenfalls ist es denkbar, dass ein separater
elektronischer Baustein oder eine separate Rechnereinheit am Arbeitsgerät für die
Durchführung gewisser Verfahrensschritte wie z.B. eine Grabkraftschätzung zur Verfügung
stehen.
[0057] In einer möglichen Ausführungsform ist vorgesehen, dass das Arbeitsgerät einen auf
einem fahrbaren Unterwagen drehbar gelagerten Oberwagen umfasst, wobei es sich bei
der Bewegungseinrichtung um einen Baggerausleger handelt, wobei eine erste Komponente
ein mit dem Oberwagen gelenkig verbundener Ausleger und eine zweite Komponente ein
gelenkig mit der ersten Komponente verbundener Stiel ist. Vorzugsweise ist eine dritte
Komponente das Werkzeug selbst. Das Werkzeug kann dabei direkt oder über eine oder
mehrere weitere Komponenten mit dem Stiel gelenkig verbunden sein. Die verschiedenen
Komponenten des Baggerauslegers sind vorzugsweise über Hydraulikzylinder miteinander
verbunden und gegeneinander verschwenkbar.
[0058] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin ein Computerprogrammprodukt, welches
Befehle umfasst, die bei einer Ausführung des Programms bewirken, dass das erfindungsgemäße
Arbeitsgerät die Schritte des erfindungsgemäßen Verfahrens ausführt. Die Verfahrensschritte
können allesamt durch Mittel des Arbeitsgeräts ausgeführt werden. Alternativ ist vorstellbar,
dass ein oder mehrere Schritte ausgelagert sind und durch eine mit dem Arbeitsgerät
in Verbindung stehende (Rechner-)Einheit durchgeführt werden, wobei ein entsprechender
Datenaustausch erfolgt. Letzteres Merkmal wird vorliegend ebenfalls dahingehend verstanden,
dass die jeweiligen Schritte durch das Arbeitsgerät ausgeführt werden, da das Arbeitsgerät
zumindest die zur Ausführung dieser Schritte benötigten Daten zur Verfügung stellt
und/oder die extern generierten Daten empfängt, um ggf. eine entsprechende Aktion
durchzuführen.
[0059] Es kann vorgesehen sein, dass sämtliche Schritte, welche eine Berechnung, Modellierung,
einen Vergleich oder eine sonstige Datenverarbeitung erfordern, durch die Steuerung
des Arbeitsgeräts selbst durchgeführt werden. Einer oder mehrere dieser Schritte können
aber wie gesagt durch mit der Steuerung verbundene externe Bausteine oder Rechner
durchgeführt werden.
[0060] Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den nachfolgend
erläuterten Ausführungsbeispielen.
[0061] Im Folgenden wird zur Veranschaulichung des erfindungsgemäßen Verfahrens von einem
Hydraulikbagger mit einem mittels eines Drehwerks drehbaren Oberwagen und einem daran
angelenkten Baggerausleger als Bewegungseinrichtung ausgegangen. Der Baggerausleger
umfasst einen an den Oberwagen um ein Drehgelenk schwenkbar angelenkten Ausleger,
einen am anderen Ende des Auslegers mit diesem um ein weiteres Drehgelenk schwenkbar
verbundenen Stiel bzw. Löffelstiel sowie einen am anderen Ende des Stiels mit diesem
um ein weiteres Drehgelenk schwenkbar verbundenen Baggerlöffel als Werkzeug.
[0062] Ausleger, Stiel und Baggerlöffel sind jeweils mittels mindestens eines Hydraulikzylinders
bewegbar bzw. schwenkbar, während mindestens ein Hydraulikmotor das Drehwerk des Oberwagens
antreibt. Jeder der beweglichen Komponenten (Oberwagen, Ausleger, Stiel und Baggerlöffel)
ist somit wenigstens ein Aktuator (Drehwerk, Hydraulikzylinder) zugeordnet. So bewirkt
beispielsweise ein Ausfahren eines oder zweier zwischen Oberwagen und Ausleger angeordneter
Auslegerzylinder ein Verschwenken des Auslegers um das Drehgelenk am Oberwagen, sodass
sich dessen vom Oberwagen beabstandetes Ende nach oben bewegt. Ein gelenkig mit Ausleger
und Stiel verbundener Stielzylinder verschwenkt den Stiel relativ zum Ausleger. Ferner
ist ein Löffelzylinder vorgesehen, welcher den Baggerlöffel, ggf. über einen oder
mehrere Umlenkhebel, relativ zum Stiel verschwenkt. Zwischen Oberwagen und Ausleger
kann ferner ein Energierückgewinnungszylinder vorgesehen sein. In diesem Fall muss
der Einfluss des Energierückgewinnungszylinders (z.B. die durch diesen bei einer Auslegerbewegung
zur Unterstützung ausgeübte Kraft) ebenfalls für das kinematische Modell des Arbeitsgeräts
berücksichtigt werden.
[0063] Die verschiedenen Komponenten lassen sich unabhängig voneinander mittels der unterschiedlichen
Aktuatoren bewegen und bilden eine kinematische Kette. Für die folgende Betrachtung
ist es dabei nicht erheblich, ob der Oberwagen selbst als Komponente der Bewegungseinrichtung
betrachtet wird (der Schwerpunkt und die Masse des Oberwagens sind allerdings für
die Frage der Kippvermeidung von Relevanz).
[0064] Das Arbeitsgerät umfasst eine Steuerung, welche die einzelnen Aktuatoren ansteuert
und somit die Bewegung des Arbeitsgeräts steuert. Die Gesamtbewegung des Arbeitsgeräts
setzt sich dabei zusammen aus den Einzelbewegungen der durch die verschiedenen Aktuatoren
bewegten Komponenten. Die Steuerung ist eingerichtet, das Arbeitsgerät bzw. den Baggerarm
automatisch zu bewegen. Beispielsweise ist die Steuerung in der Lage, einen autonomen
Grabvorgang durchzuführen, bei dem in mehreren aufeinanderfolgenden und aufeinander
abgestimmten Schritten z.B. Erdmaterial ausgegraben und an einer Abladeposition abgelegt
wird.
[0065] Die Anzahl der beweglichen Komponenten, deren exakte Ausgestaltung sowie die Art
und Anzahl der zugeordneten Aktuatoren sind hier lediglich exemplarisch dargestellt.
Das erfindungsgemäße Verfahren funktioniert jedoch unabhängig von der genauen Anzahl
und Ausgestaltung der Komponenten und Aktuatoren, insbesondere auch bei einer größeren
Zahl von Komponenten bzw. Bewegungsfreiheitsgraden. Ebenfalls muss es sich bei dem
Arbeitsprozess nicht um einen Grabvorgang und bei dem Arbeitsgerät nicht um einen
Hydraulikbagger handeln.
[0066] Im folgenden Abschnitt werden nun mögliche Algorithmen zum automatischen Graben unter
Verwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens bei einem Hydraulikbagger beschreiben.
Diese umfassen unter anderem die Bestimmung der aktuellen Grabkraft, statische und
dynamische Modelle des Baggers sowie Trajektoriengenerierungsverfahren zur Zeitindizierung
einer Referenzbahn.
[0067] Ausgehend von einem aktuellen Geländemodell und einem Zielprofil erfolgt die Planung
von notwendigen Arbeitsschritten. Das Ergebnis dieser Arbeitsplanung sind die einzelnen
Arbeitsschritte, welche unter anderem die Position des Baggers, die Ortsbahnen zum
Ausheben von Material und die Ortsbahnen zum Abladen des Materials (beispielsweise
auf einen LKW) beinhalten.
[0068] Für das automatisierte Graben werden diese einzelnen Arbeitsschritte nacheinander
verkettet und mithilfe eines geeigneten Trajektoriengenerierungsverfahren zeitindiziert.
Diese Referenztrajektorien können unter anderem in kartesischen Koordinaten oder in
den Gelenk- bzw. Aktuatorkoordinaten geplant werden. Werden die Trajektorien in kartesischen
Koordinaten geplant, erfolgt mithilfe eines geeigneten Algorithmus die Transformation
in Gelenk bzw. Aktuatorkoordinaten. Die eigentliche Regelung erfolgt üblicherweise
in den Koordinaten der Aktuatoren. Die Aufgabe der Aktuatorregelung ist, dass die
gemessenen Zustände der Aktuatoren den Referenzzuständen mit geringen Fehlern folgen.
Referenzzustände können dabei unter anderem die Position oder die Geschwindigkeit
eines Aktuators sein.
[0069] Ausgehend von der Arbeitsplanung und den damit vorgegebenen Ortsbahnen erfolgt für
das automatisierte Graben eine Zeitindizierung dieser Bahnen. Dabei wird zwischen
drei Phasen unterschieden. Die erste Phase betrifft das eigentliche Graben, bei welchem
Material mit dem Löffel bzw. Baggerlöffel aufgenommen wird (alternativ könnte ein
anderes Werkzeug wie z.B. ein Zwei- oder Mehrschalengreifer zum Einsatz kommen). Die
zweite Phase betrifft das Abladen des Materials, beispielsweise auf einen LKW. In
der dritten Phase erfolgt die Bewegung des Baggers von der Abladestelle zur nächsten
Grabposition.
[0070] Beim Graben im Erdreich ist es möglich, dass die Aktuatoren nicht genügend Kraft
aufbringen können, um die Grabkräfte, welche an dem Werkzeug (bspw. Löffel) wirken,
überwinden zu können. Ist dies der Fall, resultiert ein Stillstand der Bewegung.
[0071] Bei einer manuellen Bewegung detektiert dies der Bediener und leitet neue Schritte
ein. Für einen automatisierten Grabvorgang muss dieser Fall in der Trajektoriengenerierung
mitberücksichtigt werden. Wäre dies nicht der Fall, würden deutliche Trajektorienfehler
resultieren.
[0072] Für die Berücksichtigung der Grabkräfte während des Grabvorgangs sind verschiedene
Ansätze denkbar. Eine Möglichkeit ist die Berücksichtigung von den aktuellen Grabkräften
in Verbindung mit der maximal möglichen Grabkraft und die Einarbeitung in die Trajektoriengenerierung.
Ein konkretes Beispiel für die Bestimmung der aktuellen Grabkraft gemäß der vorliegenden
Erfindung wird weiter unten beschrieben.
[0073] Für die Berechnung der maximal möglichen Grabkraft werden abhängig von der aktuellen
Stellung des Baggers sowie eines statischen oder dynamischen Modells eine Kombination
aus verschiedenen Druckvektoren der einzelnen Aktuatoren verwendet, um eine modellbasierte
Grabkraft zu berechnen.
[0074] Diese Matrix aus verschiedenen Kraftvektoren am Werkzeug wird anschließend projiziert.
Als Projektionsvektor kann unter anderem die aktuelle Grabkraft (ggf. gefiltert),
die aktuelle Geschwindigkeit (ggf. gefiltert), die Referenzrichtung oder verschiedene
heuristische Vektoren verwendet werden. Zudem wird der aktuelle Grabkraftvektor auf
diesen Vektor projiziert. Um Unsicherheiten im Modell mitzuberücksichtigen, wird ein
Faktor eingeführt, welcher mit der projizierten maximal möglichen Grabkraft multipliziert
wird.
[0075] Anhand von verschiedenen Kriterien erfolgt nun eine Neuplanung der Trajektorie. Diese
Kriterien können sein:
- Eine aktuelle projizierte Grabkraft überschreitet maximal mögliche projizierte Grabkraft
und zusätzlich überschreitet der Trajektorienfolgefehler einen weiteren Schwellenwert;
- Der Trajektorienfolgefehler überschreitet einen Schwellenwert.
[0076] Wird nun eines dieser Kriterien erfüllt, dann wird in einem ersten Schritt die Referenzgeschwindigkeit
der Trajektorie verringert. Diese Verringerung erfolgt schrittweise abhängig von weiteren
Kriterien wie beispielsweise die Überschreitung eines zeitlichen Schwellenwerts. Wird
bei dieser Maßnahme eines der oben genannten Kriterien wieder unterschritten, erfolgt
abhängig von Kriterien wie z.B. die Überschreitung eines zeitlichen Schwellenwerts
eine erneute Erhöhung der Referenzgeschwindigkeit. Sind jedoch die oben genannten
Kriterien für einen weiteren zeitlichen Schwellenwert aktiv, ist eine weitere Reduktion
der Referenzgeschwindigkeit auf einen noch geringeren Wert oder auf Null geplant.
Sind ggf. weitere Kriterien erfüllt, wird der Grabvorgang beendet und es erfolgt das
Abladen des Materials. Dabei wird unter anderem die maximal erreichte Tiefe und/oder
die Position des Werkzeugs in der Längsachse gespeichert und bei der Planung des nächsten
Grabvorganges verwendet. Somit erfolgt die weitere Planung der Trajektorie adaptiv
von vorherigen Grabvorgängen und den erreichten Positionen des Werkzeugs.
[0077] Weitere Aspekte zur Neuplanung einer Grabtrajektorie können Umwelteinflüsse sein.
Dabei kann beispielsweise durch Sensorkonfigurationen das Umfeld erkannt werden und
die Planung abhängig vom aktuellen Gelände erfolgen. Dies kann auch nach jedem Grabvorgang
erneut durchgeführt werden. Zusätzlich können diese oder andere Sensoren während des
Grabvorgangs verwendet werden, um beispielsweise die aktuelle Füllung des Löffels
zu detektieren und somit eine Neuplanung der Trajektorie zu realisieren. Durch diese
Neuplanung kann beispielsweise der aktuelle Grabvorgang beendet werden, wenn der Löffel
die maximale Füllmenge erreicht hat.
[0078] Weitere Sensoren zur Bestimmung von Maschinenzuständen können unter anderem z.B.
akustische Sensoren sein. Diese können durch geeignete Auswertungsmechanismen beispielsweise
das Erreichen der Leistungsgrenze und somit der maximal möglichen Grabkraft signalisieren.
Dabei können unter anderem maschinelle Lernverfahren angewandt werden.
[0079] Die geschätzte Grabkraft kann auch für eine Bewertung der Kippsicherheit verwendet
werden. Dies kann zudem in den automatisierten Grabvorgang implementiert werden. Dabei
kann beispielsweise bei Überschreiten eines Sicherheitsbereiches bezüglich der Kippsicherheit
der automatische Grabvorgang abgebrochen und das Arbeitsgerät in einen sicheren Zustand
versetzt werden. Ein sicherer Zustand kann unter anderem abhängig von der aktuellen
Position und dem Grabvorgang sein und beispielsweise in ein Stoppen der kompletten
Bewegung resultieren.
[0080] In der zweiten Phase erfolgt die Planung der Trajektorie von der letzten Position
beim Grabvorgang zur Abladeposition. Diese kann entweder in kartesischen Koordinaten,
in Gelenkkoordinaten oder in den Koordinaten der Aktuatoren erfolgen. Die finale Position
zum Abladen kann dabei abhängig von äußeren Einflüssen variiert werden, wie beispielsweise
die aktuelle Materialverteilung auf einem LKW
[0081] In der dritten Phase wird die Trajektorie von der finalen Abladeposition zur nächsten
Startposition geplant. Dies können beispielsweise nur die Bewegungen einzelner Aktuatoren
sein (bspw. Drehwerk, Ausleger, Stiel und Löffel), eine Kombination derselben oder
eine Kombination aus dem Verfahren des Baggers mit dem Verfahren der anderen Aktuatoren.
[0082] Im Folgenden wird nun ein Verfahren zur Berechnung bzw. Schätzung der aktuellen Grabkraft
beschrieben.
[0083] Zur Schätzung der Grabkraft wird ein modellbasiertes Drehmoment benötigt, um anhand
der Differenz der gemessenen Drehmomente und der modellbasierten Drehmomente die nötigen
Informationen zur Grabkraft zu erhalten. Die Berechnung des unbelasteten Drehmoments
kann dabei in beliebiger Form vorliegen. In diesem Ausführungsbeispiel wird ein Starrkörpersystem
angenommen, wofür die Berechnung der an den Gelenken anliegenden Drehmomente / Kräfte
τm bspw. in Regressor-Form anhand der Relation

durchgeführt werden kann. Der Vektor
β enthält Parameter wie die Masse, den Schwerpunkt und die Trägheitsmomente der Bauteile
(= Bauteilinformationen), wobei diese in Linearkombinationen auftreten können. Die
Matrix H beschreibt den Einfluss des Parametervektors
β auf die Gelenke des Baggers in Abhängigkeit der aktuell vorliegenden Positionen
q, Geschwindigkeiten
q und Beschleunigungen
q̈ der Freiheitsgrade bzw. Komponenten. Diese können beispielsweise mit an den Komponenten
des Baggerauslegers angeordneten Winkelsensoren und IMUs gemessen werden.
[0084] Zur Schätzung der momentanen Grabkraft sollte ein Modell mit hoher Güte vorliegen,
d.h. im unbelasteten Fall sollte näherungsweise

mit dem gemessenen Drehmoment
τm,mess gelten. Die hohe Güte des Modells ist nötig, um die Informationen zu der oder den
von außen einwirkenden Kräften und somit der Grabkraft
Fgrab über

berechnen zu können. Das Differenzmoment
τgrab ermöglicht unter Annahme eines Angriffspunkts die Rekonstruktion des tatsächlich
angreifenden Kraftvektors bzw. des Grabkraftvektors.
[0085] Das Drehmoment an einem Drehgelenk aufgrund der Grabkraft ist das Kreuzprodukt aus
Positionsvektor mit der angreifenden Kraft. Somit hat nur der zum Positionsvektor
orthogonale Anteil des Grabkraftvektors einen Einfluss auf das Drehmoment
τgrab. Es werden daher mindesten zwei Drehmomentmessungen zur Schätzung des Kraftvektors
in der Ebene benötigt, deren Positionsvektoren nicht parallel zueinander verlaufen
(ideal wären orthogonale Positionsvektoren).
[0086] Die Beziehung zwischen der angreifenden Kraft am Endeffektor
Fgrab und den entsprechenden Drehmomenten an den Gelenken
τgrab ist

mit der geometrischen Jacobimatrix
J(
q). Letztere ist die Jacobimatrix der Vorwärtskinematik

d.h. es gilt

[0087] Zusammengefasst folgt mit den Gleichungen (1), (3) und (4) der Zusammenhang

der mit rekursiven Schätzverfahren wie einem "Recursive Least Squares"-Algorithmus
oder mit Beobachtern wie einem Kalman Filter, genutzt werden kann, um die Grabkraft
Fgrab zu berechnen. Es sei explizit darauf hingewiesen, dass der Angriffspunkt vorliegend
durch die Funktion (5) am Endeffektor bzw. TCP vordefiniert ist.
[0088] Die durch das vorstehend beschriebene Verfahren geschätzte Grabkraft kann für mehrere
Zwecke verwendet werden. Zum einen kann geprüft werden, ob die maximale Kraft des
Manipulators bzw. der Bewegungseinrichtung erreicht wird (diese kann durch eine maximal
von einem der Aktuatoren aufnehmbare Kraft bestimmt sein). Ist dies der Fall, kann
entweder dem Bediener ein Hinweis gegeben oder im automatisierten Betrieb eine Anpassung
der geplanten Trajektorie zur weiteren Ausführung des Grabprozesses durchgeführt werden.
Zum anderen kann die geschätzte angreifende Kraft für eine Beurteilung der Kippsicherheit
des Baggers herangezogen werden. Für ein geringes Kipprisiko muss ein ausreichendes
Gegenmoment aufgrund eines Gegengewichts sichergestellt sein. Dieses muss größer sein
als das Drehmoment, welches von der Dynamik der Ausrüstung und den von außen angreifenden
Kräften verursacht wird.
1. Verfahren zur Überwachung und/oder Durchführung einer Bewegung eines Arbeitsgeräts,
insbesondere Baggers, wobei das Arbeitsgerät folgendes umfasst:
- eine Bewegungseinrichtung mit einem Werkzeug zum Aufnehmen von Material, welche
mindestens zwei jeweils über mindestens einen Aktuator bewegbare Komponenten umfasst,
und
- eine Steuerung, mittels welcher die Aktuatoren steuerbar und/oder regelbar sind,
gekennzeichnet durch die Schritte:
1) Erfassen von Zustandsinformationen betreffend wenigstens eine aktuelle Position
und/oder aktuelle Geschwindigkeit und/oder aktuelle Beschleunigung von mindestens
zwei Komponenten,
2) Berechnen von Drehmomenten, welche aufgrund einer aktuellen Arbeitsgerätkonfiguration
an Komponenten angreifen, unter Berücksichtigung der erfassten Zustandsinformationen
und unter Berücksichtigung von Bauteilinformationen der Komponenten,
3) Erfassen von an Komponenten tatsächlich angreifenden Drehmomenten,
4) Vergleichen der berechneten und der erfassten Drehmomente und Ermitteln eines an
einem definierten Angriffspunkt des Arbeitsgeräts tatsächlich angreifenden Kraftvektors
anhand des genannten Vergleichs, und
5) Ausführen einer Aktion in Abhängigkeit des berechneten Kraftvektors.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Bauteilinformationen eine Masse, ein Trägheitsmoment
und/oder einen Schwerpunkt der Komponenten betreffen, wobei die Bauteilinformationen
vorzugsweise auf einem Speicher des Arbeitsgeräts oder einer mit der Steuerung insbesondere
drahtlos in kommunikativer Verbindung stehenden externen Rechnereinheit gespeichert
sind und/oder durch ein Modellierungsmittel der Steuerung anhand eines statischen
oder dynamischen Modells des Arbeitsgeräts generiert werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei der definierte Angriffspunkt am Werkzeug,
insbesondere an einem Endeffektor der Bewegungseinrichtung, liegt und vorzugsweise
festlegbar ist.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die berechneten und die erfassten
Drehmomente jeweils auf dieselben Referenzpunkte der Bewegungseinrichtung bezogen
sind, wobei es sich bei den Referenzpunkten vorzugsweise um Gelenke handelt, über
die die Komponenten miteinander drehbar verbunden sind.
5. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, wobei die Referenzpunkte ausgehend von
einem Gelenk einer Komponente an einem Oberwagen des Arbeitsgeräts Positionsvektoren
definieren, welche bei der Erfassung der Drehmomente nicht parallel zueinander stehen.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Zustandsinformationen
mittels an der Bewegungseinrichtung angeordneter Sensoren erfasst werden, wobei das
Arbeitsgerät vorzugsweise einen oder mehrere der folgenden Sensoren aufweist:
- mindestens einen Drucksensor zur Messung eines an einem Aktuator anliegenden Hydraulikdrucks,
- mindestens einen Drehmomentgeber,
- mindestens einen Winkelsensor zur Messung eines aktuellen Winkels einer Komponente,
- mindestens einen Positionssensor, insbesondere GPS-Modul, zur Messung einer aktuellen
Position einer Komponente,
- mindestens einen Inertialsensor, insbesondere inertiale Messeinheit, zur Messung
einer aktuellen Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung einer Komponente,
- mindestens einen Sensor zur Erfassung eines aktuellen Füllstands und/oder Füllgewichts
des Werkzeugs,
- mindestens einen akustischen Sensor zur Erfassung eines Geräuschs des Arbeitsgeräts
während des Betriebs, dessen Signale vorzugsweise mittels eines Analysemittels ausgewertet
werden, um auf einen aktuellen Betriebszustand des Arbeitsgeräts zu schließen.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Kraftvektor mittels eines
rekursiven Verfahrens ermittelt und/oder mit einem Gewichtungsfaktor multipliziert
wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Aktion das insbesondere
optische und/oder akustische Ausgeben einer Warnung umfasst.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Steuerung eingerichtet
ist, den Aktuator derart automatisch anzusteuern, dass sich das Werkzeug entlang einer
Trajektorie bewegt, wobei die Aktion vorzugsweise eine Änderung der Trajektorie und/oder
ein Eingreifen in die automatische Bewegung entlang der Trajektorie umfasst.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der ermittelte Kraftvektor
mit mindestens einem Vergleichskraftvektor verglichen und auf Grundlage des genannten
Vergleichs die Aktion ausgeführt wird, wobei der mindestens eine Vergleichskraftvektor
vorzugsweise einer maximal möglichen Kraft entspricht.
11. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, wobei mindestens ein anhand eines maximal
möglichen Drucks an einem Aktuator berechneter Kraftvektor auf einen Referenzvektor
projiziert wird, um den Vergleichskraftvektor zu erhalten, wobei es sich bei dem Referenzvektor
vorzugsweise um den ermittelten Kraftvektor, einen eine von der Bewegungseinrichtung
abgefahrene Trajektorie repräsentierenden Geschwindigkeitsvektor oder einen definierbaren
Vektor handelt.
12. Verfahren nach Anspruch 9 und einem der Ansprüche 10 bis 11, wobei die Aktion ausgeführt
wird, wenn der Betrag des ermittelten Kraftvektors den Betrag des Vergleichskraftvektors
überschreitet und/oder ein Trajektorienfolgefehler einen vorzugsweise festlegbaren
Grenzwert überschreitet.
13. Verfahren nach Anspruch 9 und einem der Ansprüche 10 bis 12, wobei die Trajektorie
mit einer Referenzgeschwindigkeit abgefahren wird, wobei Aktion eine Reduktion der
Referenzgeschwindigkeit umfasst.
14. Verfahren nach Anspruch 9 und einem der Ansprüche 10 bis 13, wobei die Aktion ein
Beendigen der automatischen Bewegung entlang der Trajektorie umfasst, wobei vorzugsweise
eine bisher erreichte Position des Werkzeugs, insbesondere eine maximale Tiefe und/oder
Abstand von einem Oberwagen des Arbeitsgeräts, erfasst und in der Steuerung gespeichert
wird, wobei weiter vorzugsweise bei einem Fortsetzen der Trajektorie diese ausgehend
von der gespeicherten Position geplant und/oder durchgeführt wird.
15. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei auf Grundlage des ermittelten
Kraftvektors und einer aktuellen Stellung des Arbeitsgeräts auf einen das Kippverhalten
des Arbeitsgeräts repräsentierenden Parameter geschlossen wird, wobei vorzugsweise
die Aktion durchgeführt wird, wenn der Parameter einen Grenzwert über- oder unterschreitet.
16. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei es sich bei der Bewegungseinrichtung
um einen Baggerausleger handelt, wobei eine erste Komponente ein mit einem Oberwagen
des Arbeitsgeräts gelenkig verbundener Ausleger und eine zweite Komponente ein gelenkig
mit der ersten Komponente verbundener Stiel ist, wobei vorzugsweise eine dritte Komponente
der Bewegungseinrichtung das Werkzeug ist, welches gelenkig mit dem Stil oder mit
einer weiteren Komponente verbunden ist.
17. Arbeitsgerät, insbesondere Bagger, umfassend eine Bewegungseinrichtung mit einem Werkzeug
zum Aufnehmen von Material, welche mindestens zwei jeweils über mindestens einen Aktuator
bewegbare Komponenten umfasst, eine Steuerung, mittels welcher die Aktuatoren steuerbar
und/oder regelbar sind, wobei das Arbeitsgerät ausgelegt ist, das Verfahren nach einem
der vorhergehenden Ansprüche durchzuführen.
18. Arbeitsgerät nach dem vorhergehenden Anspruch, umfassend einen auf einem fahrbaren
Unterwagen drehbar gelagerten Oberwagen, wobei es sich bei der Bewegungseinrichtung
um einen Baggerausleger handelt, wobei eine erste Komponente ein mit dem Oberwagen
gelenkig verbundener Ausleger und eine zweite Komponente ein gelenkig mit der ersten
Komponente verbundener Stiel ist, wobei vorzugsweise eine dritte Komponente der Bewegungseinrichtung
das Werkzeug ist, welches gelenkig mit dem Stil oder mit einer weiteren Komponente
verbunden ist.
19. Computerprogrammprodukt umfassend Befehle, die bei der Ausführung des Programms bewirken,
dass das Arbeitsgerät nach Anspruch 17 oder 18 die Schritte des Verfahrens nach einem
der Ansprüche 1 bis 16 ausführt.