[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines formstabilen Gegenstandes,
vorzugsweise eines Behälters, aus nachwachsender Biomasse.
[0002] Verfahren zur Herstellung formstabiler Gegenstände, insbesondere Behälter, sowie
formstabile Gegenstände aus nachwachsenden Rohstoffen sind seit vielen Jahren aus
dem Stand der Technik bekannt und werden vor allem im Bereich der Einwegverpackungen
oder Einweggenstände eingesetzt. Derartige Einwegverpackungen oder Einweggenstände
werden in der Regel zum Aufbewahren, Transportieren oder Verpacken von Lebensmitteln
und sonstigen Konsumgütern eingesetzt. Weiter finden sich Verfahren zur Herstellung
formstabiler Gegenstände oder formstabile Gegenstände aus nachwachsenden Rohstoffen
mit einem Verwendungszweck außerhalb des Verpackungsbereichs, insbesondere in der
Lebens- oder Konsumgüterindustrie. Die formstabilen Gegenstände können dabei grundsätzlich
eine Vielzahl an Gegenständen ersetzen, die derzeit aus Kunststoffen oder anderen
dauerhaften Materialien hergestellt werden. Derartige formstabile Gegenstände werden
sowohl vom Endkunden als auch von den herstellenden Unternehmen nachgefragt, um einerseits
Gegenstände auf nachhaltiger Basis zu verwenden oder um Produkte in Gegenständen auf
nachhaltiger Basis bereitzustellen.
[0003] Bei den Verpackungsmaterialien im Bereich der Lebensmittelindustrie besteht der überwiegende
Anteil der eingesetzten Verpackungs- und Transportmaterialien auf Basis von Kunststoffen,
wobei davon der größte Anteil auf Einwegverpackungen entfällt. In den vergangenen
Jahren sind vermehrt Bestrebungen aufgekommen, den Anteil an recycelten oder biologisch
abbaubaren Kunststoffen sukzessive zu erhöhen, obwohl weiterhin der Anteil an Kunstoffen
aus fossilen Rohstoffen deutlich dominiert. Um den Anteil an fossilen Rohstoffen zu
reduzieren, wird branchenübergreifend versucht, einen höheren Anteil an holz- bzw.
papierbasierten Rohstoffen als Ausgangsprodukte für die herzustellenden Produkte sowie
für die Verpackungs- oder Transportgegenstände einzusetzen. Neben den überwiegend
positiven Umweltfaktoren der auf Basis nachwachsender Biomasse hergestellten Gegenstände,
was beispielsweise auf eine Reduzierung der entstehenden Treibhausgase und der Restmüllvermeidung
zurückzuführen ist, weisen die bekannten formstabilen Gegenstände auf Basis nachwachsender
Biomasse (respektive holz- oder papierbasierte Verpackungs- oder Transportgegenstände)
auch einige fundamentale Nachteile gegenüber den bekannten Produkten aus Kunststoff,
Metallen, Glas etc. auf.
[0004] Die bekannten formstabilen Gegenstände auf Basis nachwachsender Biomasse (respektive
holz- oder papierbasierte Verpackungs- oder Transportgegenstände) sind regelmäßig
deutlich in der Dauerhaftigkeit gegenüber den "herkömmlichen" Produkten unterlegen;
insbesondere weisen die bekannten formstabilen Gegenstände auf Basis nachwachsender
Biomasse (respektive holz- oder papierbasierte Verpackungs- oder Transportgegenstände)
unter anderem aufgrund hygroskopischer Materialeigenschaften der eingesetzten Rohstoffe
ein nachteiliges Verhalten im Zusammenhang mit Feuchtigkeit auf.
[0005] Als Ausgangsstoffe dienen für die bekannten Produkte auf Basis der nachwachsenden
Rohstoffe in der Regel Faserstoffe, die aus Holz gewonnen werden. Derartige Faserzellen
weisen unterschiedliche Schichten auf und bestehen hauptsächlich aus Cellulose, Hemicellulosen
und Lignin. In den jeweiligen Schichten liegen unterschiedliche Mengenanteile der
bekannten chemischen Bestandteile Cellulose, Hemicellulosen und Lignin vor. Die größten
Anteile weisen Cellulose (ca. 50 Prozent) und die Hemicellulosen (ca. 30 Prozent)
auf. Das Lignin durchzieht alle Schichten und weist in der Nähe des Lumens eine sehr
geringe Konzentration auf, während der Großteil des Lignins in der Mittellamelle angesiedelt
ist und schwer zugänglich ist. Allgemein stellt die Holzfaser eine pflanzliche Zelle
dar, die vergleichbar auch bei den lignocellulosehaltigen Einjahrespflanzen analog
aufgebaut ist. Sie besteht aus mehreren Primär- und Sekundärwänden, welche den inneren
Hohlraum, das Lumen, umschließen. Den äußeren Ring nennt man Mittellamelle und dieser
dient in erster Linie zur Anbindung an die angrenzenden weiteren Zellen und besteht
überwiegend aus dem wasserunlöslichen Lignin. Eine Trennung der einzelnen Faserbestandteile
ist naturgemäß mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Bei den bekannten bestehenden
Verfahren aus der Papierindustrie lag der Fokus in der Regel auf dem Herauslösen der
Ligninbestandteile. Dadurch sollte eine Faser-Faser-Bindung auf Basis sogenannter
Wasserstoffbrückenbindungen erreicht werden. Diese Bindungsart ist jedoch sehr stark
wasserempfindlich, zudem werden bestimmte Festigkeitseigenschaften, wie die Biege-
und Druckfestigkeit, stark negativ beeinflusst.
[0006] Die bekannten formstabilen Gegenstände auf Basis nachwachsender Biomasse (respektive
holz- oder papierbasierte Verpackungs- oder Transportgegenstände) eignen sich in der
Regel nicht für einen dauerhaften Einsatz im feuchten Milieu, wodurch eine Vielzahl
an Verwendungszwecken wegfällt. Um diesen naturgegebenen Nachteil bei der Verwendung
nachwachsender Biomasse auszugleichen, werden regelmäßig in einem oder mehreren der
Verfahrensschritte zur Herstellung derartiger formstabiler Gegenstände Stoffe hinzugefügt,
was eine Optimierung der Oberfläche oder der physikalischen Eigenschaften des formstabilen
Gegenstandes bewirken soll. Der Einsatz von Zusatzstoffen im Verarbeitungsprozess
hat allerdings regelmäßig zur Folge, dass einerseits die Verarbeitbarkeit erschwert
wird, indem beispielsweise weitere Verfahrensschritte vorgenommen werden müssen oder
dass andererseits die anschließende Recycling- oder Kompostierfähigkeit der entsprechend
hergestellten formstabilen Gegenstände nicht mehr gegeben ist. Die Mischung von nachwachsenden
mit nichtnachwachsenden Rohstoffen führt häufig zu dem weiteren Nachteil, dass Mischstoffe
oder Verbundwerkstoffe (Kompositmaterialien, Verbundmaterialien) entstehen, die sich
aus ökonomischen oder verfahrenstechnischen Gesichtspunkten nicht mehr trennen lassen
können und daher im weiteren Verlauf nicht einmal mehr der Kreislaufwirtschaft zur
Verfügung stehen. Derartige Produkte können daher regelmäßig im letzten Schritt nur
noch der thermischen Verwertung zugeführt werden, wodurch wiederum ursprünglich zu
vermeidende Treibhausgase entstehen.
[0007] Weitere Nachteile der formstabilen Gegenstände auf Basis nachwachsender Biomasse
(respektive holz- oder papierbasierte Verpackungs- oder Transportgegenstände) liegen
neben der verschlechterten hygroskopischen Eigenschaft in den schlechteren mechanischen
Materialeigenschaften gegenüber den "herkömmlichen" Produkten für vergleichbare Verwendungszwecke.
Zu den verschlechterten Materialeigenschaften zählen unter anderem die verminderte
Festigkeitseigenschaft, Elastizität, Härte oder Sprödigkeit. Viele der bekannten formstabilen
Gegenstände aus nachwachsender Biomasse werden darüber hinaus mit ungeeigneten oder
abgekürzten Verfahrensschritten erzeugt, z. B. wird zur Erreichung eines "natürlichen"
Produkts auf essentielle Hilfsstoffe oder Additive verzichtet, wodurch einerseits
die obigen verschlechterten Materialeigenschaften entstehen und andererseits Endprodukte
mit minderwertiger Ästhetik (Oberfläche, Sauberkeit, Verfärbungen) erzeugt werden.
Sofern bei den bekannten Verfahren zur Herstellung von formstabilen Gegenständen aus
nachwachsender Biomasse auf zusätzliche Klebstoffe, Bindemittel oder andere Zuschlagstoffe
verzichtet wird, sind die entstehenden Produkte nur für einen sehr begrenzten Verwendungszweck
geeignet und nicht mit den "herkömmlichen" Produkten, z. B. auf Basis von Kunststoffen,
aufgrund der begrenzten Materialeigenschaften konkurrenzfähig.
[0008] Bei den bekannten formstabilen Gegenständen auf Basis nachwachsender Biomasse (respektive
holz- oder papierbasierte Verpackungs- oder Transportgegenstände) gibt es neben den
technischen Eigenschaften der Produkte zudem Interessens- bzw. Real-Konflikte bei
den einzusetzenden Rohstoffen. In der Umweltökonomie spricht man daher auch von Nutzenkonkurrenz.
Ein bekanntes Beispiel ist die Teller-Tank-Diskussion bei der Erzeugung von Biokraftstoffen,
die sich ebenfalls auf die zu verwendenden Rohstoffe für formstabile Gegenstände übertragen
lässt. Das Grundproblem besteht darin, dass häufig Rohstoffe als Ersatzprodukte von
fossilen Produkten verwendet werden, die anderenorts der Lebensmittelindustrie (z.
B. Weizen-, Mais- oder Kartoffelstärke) entzogen werden, wodurch nicht nur die Preise
steigen und Monokulturen beim Anbau befördert werden, sondern auch die Verfügbarkeit
der entsprechenden Rohstoffe bzw. der Lebensmittel reduziert werden. Um diesem Problem
entgegenzutreten, sind bereits Verpackungen bekannt, die aus Pflanzenabfällen hergestellt
werden, für die keine primäre Nutzung mehr vorgesehen ist.
[0009] Es sind beispielsweise Verpackungen aus Pflanzenabfällen aus der Landwirtschaft bekannt,
die zunächst maschinell zerkleinert werden. Der durch Wasserzusatz entstehende Faserbrei
wird in Formen gebracht und anschließend unter dem Einsatz eines Pressdrucks entwässert.
Dabei entstehen einfache Verpackungen, z. B. Eierpappen, die in der Regel keine guten
Eigenschaften gegenüber externen Einflüssen wie Temperatur, Feuchtigkeit, Druck-,
Biege- oder Zugbelastung, Sonneneinstrahlung etc. aufweisen. Eine erhöhte Dauerhaftigkeit
der durch dieses Verfahren erzeugten Verpackungen kann durch Zugabe von Additiven
wie beispielsweise Harzen, Kleber, Leime etc. erreicht werden, wodurch - wie bereits
oben erwähnt - die Kompostierbarkeit, Recyclingfähigkeit sowie weitere Nutzung der
Rohstoffe ausgeschlossen ist.
[0010] Die aus dem Stand der Technik bekannten formstabilen Gegenstände sind daher entweder
nicht ausreichend haltbar bzw. weisen nur unzureichende physikalische Eigenschaften
auf, wenn die Produkteigenschaften auf die in den natürlichen Ausgangsstoffen enthaltenen
Kohlenhydrate-Bausteine (Cellulose, Stärke etc.) basieren; oder sind nicht mehr als
natürliche / kompostierbare formstabile Gegenstände anzusehen, wenn zusätzliche Bindemittel
und Additive den Herstellungsverfahren hinzugefügt werden.
EP0373726A2 offenbart ein Verfahren zur Herstellung eines Cellulosefaseraggregats mit einem Erweichungsschritt
und einem Härtungsschritt, wobei bei dem Erweichungsschritt ein wässriges Erweichungsmittel
bei einer Temperatur im Bereich von 150ºC bis 220ºC bei einem Druck von mindestens
dem Gleichgewichtsdampfdruck des Erweichungsmittels bei der Arbeitstemperatur auf
einen Abschnitt aus Cellulosefasermaterial einwirken lässt, wodurch die im Cellulosefasermaterial
vorhandene Hemicellulose bzw. das im Cellulosefasermaterial vorhandene Lignin zumindest
teilweise disproportioniert und hydrolysiert werden.
[0011] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zur Herstellung eines
formstabilen Gegenstandes, vorzugsweise eines Behälters, bereitzustellen, bei dem
der formstabile Gegenstand einerseits gute und gewünschte Materialeigenschaften aufweist,
insbesondere verbesserte Festigkeits- und Wasserresistenzeigenschaften gegenüber den
bekannten Produkten aus nachwachsender Biomasse, und das andererseits bedarfsgerecht,
kostengünstig und zuverlässig ausführbar ist.
[0012] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren gemäß Anspruch 1, umfassend die folgenden
Schritte, gelöst: Bereitstellen von nachwachsender Biomasse, wobei die nachwachsende
Biomasse zumindest Fasern mit Lignin, insbesondere Cellulosefasern mit Lignin, Hemicellulosen
und Cellulose enthalten, und wobei die nachwachsende Biomasse aus der Gruppe der lignocellulosehaltigen
Einjahrespflanzen ausgewählt ist, umfassend zumindest ligninhaltige Mittellamellen,
Zellzwickel, Primär- und Sekundärwände, Zerkleinern der nachwachsenden Biomasse, Versetzen
der nachwachsenden Biomasse mit Wasser, Vorbehandlung der nachwachsenden Biomasse
durch im Wesentlichen Überführung der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe
mittels eines einen Dampf bereitstellenden Hochtemperaturdampfaufschlussprozesses,
wobei die Temperatur des eingesetzten Dampfes im Bereich von 150 °C bis 280 °C liegt,
vorzugsweise im Bereich von 175 °C bis 250 °C, und wobei die Aufschlussdauer mittels
des Dampfes im Bereich von 10 s bis 900 s liegt, vorzugsweise im Bereich von 20 s
bis 300 s, unter Beibehaltung eines Großteils des Lignins in den Fasern, und unter
Herauslösen und Austragen eines Teils der Cellulose sowie der Hemicellulosen, wobei
der relative Anteil des Lignins erhöht wird, Bereitstellen der Biomassefaserstoffe
in einem Formgebungsprozess mit einem Gegenstandswerkzeug unter Ausbildung eines Gegenstandformlings,
thermische Behandlung des Gegenstandformlings unter Umsetzen zumindest bereichsweise
des in den Fasern der Biomassefaserstoffe enthaltenen Lignins an die Außenfläche der
Fasern, wobei durch das Aufreißen der ligninhaltigen Mittellamellen, des Zellzwickels,
der Primär- und/oder Sekundärwände eine Zugänglichkeit des Lignins gegeben ist, Erzeugen
einer zumindest teilweise irreversiblen Verbindung des Gegenstandformlings durch Vernetzung
der Fasern der Biomassefaserstoffe untereinander mittels des Lignins.
[0013] Durch das erfindungsgemäße Verfahren ist überraschenderweise festgestellt worden,
dass das Lignin bei dem Herstellungsverfahren eines formstabilen Gegenstandes positive
Eigenschaften besitzt, indem die phenolischen Makromoleküle des Lignins mit ihren
funktionalen Seitengruppen als Bindemittel für die zu erzeugenden formstabilen Gegenstände
fungieren. Das Lignin muss dazu nicht vollständig aus den Biomassefaserstoffen herausgelöst
werden, sondern kann und soll in der Faserstruktur erhalten bleiben. Ein überraschender
positiver Effekt ist darüber hinaus gegeben, wenn Teile der Cellulose sowie der Hemicellulosen
aus dem Faserverbund der nachwachsenden Biomasse herausgelöst und ausgetragen werden.
Auf diese Weise wird ein höherer Gesamtanteil von Lignin in der bereitgestellten Biomassefaserstoffe
angereichert, um die überraschenden Eigenschaften des Lignins und seiner Vernetzung
in Verbindung mit den verbleibenden Faserbestandteilen anzuwenden und auszuführen.
Das Lignin, als 3-dimensionales Makromolekül, wird während des Verarbeitungsprozesses
an die Außenflächen der Fasern der Biomassefaserstoffe überführt und angereichert,
um anschließend bei der Erzeugung über seinen Glas-Transition-Point (Fließpunkt) zu
der irreversiblen Vernetzung der in dem Gegenstandsformling enthaltenen Fasern beizutragen.
In der Folge weisen die daraus resultierenden formstabilen Gegenstände positive Materialeigenschaften,
wie beispielsweise hohe Festigkeitswerte, positive Wasserwiderstandseigenschaften,
homogene Materialeigenschaften etc., auf. Auf diese Weise werden bei den durch das
erfindungsgemäße Verfahren erzeugten formstabilen Gegenständen umfangreiche Vorteile
in Bezug auf die Materialeigenschaften, gegenüber den Produkten aus dem Stand der
Technik, erzeugt. Durch den natürlichen Ursprung des Lignins ist darüber hinaus eine
Kompostierbarkeit der formstabilen Gegenstände sowie eine sekundäre Nutzung als Rohstoff
für weitere Produktgruppen, beispielsweise im Bereich der Holzwerkstoffindustrie,
gegeben. Die Verfahrensschritte können vorzugsweise jeweils in Abhängigkeit von der
zu verwendende nachwachsende Biomasse ausgewählt sein. Dabei ist es weiter bevorzugt
je nach Ausgangsmaterial möglich, dass einzelne Verfahrensschritte ausgelassen bzw.
zusammengelegt werden. Es ist insbesondere zum Erzeugen eines formstabilen Gegenstandes
wichtig, dass bei der Vorbehandlung eine teilweise "Freilegung" bzw. eine teilweise
Verfügbarkeit des Lignins gegeben ist, wodurch eine anschließende Aktivierung mit
der Vernetzung der Faserbestandteile ausführbar ist. Das erfindungsgemäße Verfahren
wird bevorzugt kontinuierlich oder diskontinuierlich durchgeführt, wobei besonders
bevorzugt einzelne Teilschritte, wie beispielsweise die Vorbehandlung oder die Zerkleinerung
kontinuierlich durchgeführt werden und der Formgebungsprozess oder die thermische
Behandlung kontinuierlich oder diskontinuierlich durchgeführt werden.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung der formstabilen Gegenstände erfordert
einen geringen Komplexitätsgrad bei den verfahrenstechnischen Schritten, so dass ein
kostengünstiger Betrieb möglich ist, was wiederum zu kostengünstigen Endprodukten
führt. Vorzugsweise wird für das erfindungsgemäße Verfahren nur ein Eintrag an Wasser,
Wärme sowie elektrische Energie für Antriebsmotoren benötigt, wodurch hohe Kosten
von Prozesschemikalien oder weiteren Zusatzstoffen, wie Füll- oder Klebstoffe, vermieden
werden.
[0015] Bei der Vorbehandlung der nachwachsenden Biomasse durch eine im Wesentlichen Überführung
der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe unter Beibehaltung zumindest eines
Großteils des Lignins in den Fasern, verbleibt vorzugsweise mindestens 50 % des in
den eingesetzten Fasern enthaltenen Lignins aus der nachwachsenden Biomasse in dem
Biomassefaserstoff.
[0016] Unter "formstabilen Gegenstand" im Sinne der Erfindung sind grundsätzlich sämtliche
Gegenstände zu verstehen, die mittels bereitgestellter Biomassefaserstoffe herstellbar
sind. Dazu zählen insbesondere Behälter, wobei die Behälter für eine Vielzahl an Funktionen
einsetzbar sind. Derartige formstabile Gegenstände bzw. Behälter sind auch allgemein
unter den Begriffen Verpackungsmaterialien, Einweg- und Mehrwegverpackungen, (Einweg-)Geschirr,
(Einweg-)Schalen, (Einweg-)Teller, (Einweg-)Becher, "To-Go"-Verpackungen oder dergleichen
bekannt. Die formstabilen Gegenstände umfassen dabei explizit hohlraumbildende Gegenstände
als auch Gegenstände mit Vollmaterialien. Relativ dünnwandige formstabilen Gegenstände
sind mit dem erfindungsgemäßen Verfahren bevorzugt herzustellen, bevorzugt Dicken
im Bereich von 0,5 mm bis 10 mm, wobei ebenfalls dickere und dünnere Gegenstände mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbar sind.
[0017] "Nachwachsende Biomasse" ist im Sinne der Erfindung sämtliche Biomasse, die aus nachwachsenden
Ressourcen stammt. Unter nachwachsender Biomasse fällt insbesondere auch der Zusatz
von nicht-nachwachsender Biomasse, wie beispielsweise Altpapier oder recycelte Fasern,
wobei diese maximal bis zu 25 Gewichtsprozenten enthalten sind. Die nachwachsende
Biomasse besteht vorzugsweise aus Agrarreststoffen, die in der Regel nicht primär
genutzt werden.
[0018] "Zerkleinern" der nachwachsenden Biomasse bedeutet im Sinne der Erfindung, dass der
eingesetzte Rohstoff derart zerkleinert wird, damit dieser den nachfolgenden Prozessen
zuführbar ist. Dabei kann sich die Größe des "Zerkleinerns" abhängig von den nachgelagerten
Verfahrensschritten unterscheiden. "Zerkleinern" wird beispielsweise auch unter den
Begriffen schneiden, zerbrechen, hacken, raspeln, schaben, (ab-)trennen, kürzen oder
separieren synonym verwendet. Das Zerkleinern führt regelmäßig zu Segmenten mit einer
Länge von 0,5 cm bis 15 cm, wobei explizit auch längere und kürzere zerkleinerte Segmente
nachwachsender Biomasse von der Begrifflichkeit umfasst sind.
[0019] Das Versetzen der nachwachsenden Biomasse mit Wasser kann alternativ auch mit wasserähnlichen
Lösungsmitteln erfolgen oder mit Flüssigkeiten, die überwiegend Wasser enthalten,
aber neben Wasser noch weitere (natürliche) Bestandteile aufweisen.
[0020] "Herauslösen und Austragen zumindest eines Teils der Cellulose sowie der Hemicellulosen"
bedeutet im Sinne der Erfindung, dass der Anteil Cellulose sowie der Hemicellulosen
im Rahmen der Vorbehandlung verringert wird, zumindest stärker verringert wird als
der Anteil des Lignins. Das Herauslösen und Austragen kann einerseits gesteuert und
aktiv erfolgen oder andererseits im Rahmen des Vorbehandlungsprozesses als nebengeordneter
Effekt auftreten. Es ist jedoch im Sinne der Erfindung zweckdienlich, dass zumindest
ein Teil der Cellulose und der Hemicellulosen erhalten bleiben, vorzugsweise ca. 20
% bis 70 %.
[0021] Unter "Erzeugen einer zumindest teilweise irreversiblen Verbindung durch Vernetzung"
im Sinne der Erfindung ist zu verstehen, dass nicht der gesamte formstabile Gegenstand
eine irreversible Verbindung durch Vernetzung aufweisen muss, aber zumindest derart
mittels des Lignins vernetzt ist, dass bereichsweise eine irreversible Verbindung
entsteht, wodurch die entsprechenden positiven Materialeigenschaften bei dem formstabilen
Gegenstand erzeugt werden.
[0022] Eine zweckmäßige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass bei
der Vorbehandlung die Hemicellulosen und die Cellulose zumindest teilweise aus dem
Verfahren ausgetragen werden, indem die Cellulose sowie die Hemicellulosen zumindest
teilweise aus der nachwachsenden Biomasse herausgelöst werden, und dass das Lignin
möglichst vollständig beim Überführen der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe
erhalten bleibt. "Zumindest teilweise aus der nachwachsenden Biomasse herausgelöst"
bedeutet im Sinne der Erfindung, dass mindestens 10 % der Cellulose und/oder der Hemicellulosen
aus der nachwachsenden Biomasse im Rahmen der Vorbehandlung ausgetragen werden. Der
relative Anteil der ausgetragenen Cellulose sowie der Hemicellulosen ist höher als
der potentielle ausgetragene Anteil des Lignins. Unter "Herauslösen" ist sowohl die
beabsichtigte als auch die unbeabsichtigte Verringerung des Anteils der Faserbestandteile
zu verstehen, die im Rahmen der Vorbehandlung auftreten bzw. auftreten können. Eine
Reduktion des Anteils der Cellulose sowie der Hemicellulosen erhöht den relativen
Anteil des Lignins in dem Zwischenprodukt, dem Biomassefaserstoff, wodurch die überraschenden
positiven Eigenschaften des Lignins im Zuge der Herstellung der formstabilen Gegenstände
auftreten.
[0023] Eine weitere zweckmäßige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass bei der Vorbehandlung ausgehend von der nachwachsenden Biomasse 50 % bis 100
%, vorzugsweise 60% bis 90 %, des Lignins, 10 % bis 90 %, vorzugsweise 30 % bis 70
%, der Cellulose sowie 10 % bis 70 %, vorzugsweise 30 % bis 50 %, der Hemicellulosen
in den Biomassefaserstoffen verbleiben. Bei einer Verringerung der entsprechenden
Cellulose sowie der Hemicellulosen entstehen in Abhängigkeit von der Verringerung
unterschiedlich hohe relative Anteile des Lignins im Biomassefaserstoff. In der Regel
weist der formstabile Gegenstand bei höheren relativen Ligninanteilen verbesserte
Widerstandsfähigkeiten gegenüber externen Einflüssen wie Feuchtigkeit, Biege- und
Druckbelastung etc. auf, wobei jedoch insbesondere die Vernetzung bei höheren Ligninanteilen
verstärkt ausgebildet ist.
[0024] Eine bevorzugte Ausführungsform ist dadurch gekennzeichnet, dass die Vorbehandlung
der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe mittels einer mechanischen Aufbereitung
erfolgt, wobei die mechanische Aufbereitung eine Mahlung der nachwachsenden Biomasse
umfasst. Die mechanische Aufbereitung weist den Vorteil auf, dass einerseits aus der
Papierindustrie schon eine Vielzahl an Prozessen und Vorrichtungen bekannt sind, die
für eine mechanische Aufbereitung zugrunde gelegt werden können und andererseits bietet
die mechanische Aufbereitung die Möglichkeit einer bedarfsgerechten Veränderung der
Faserstruktur der in der nachwachsenden Biomasse enthaltenen Fasern. Als mechanische
Aufbereitungsmittel sind unterschiedliche Vorrichtungen denkbar, wobei vorzugsweise
das Mahlen der Fasern mittels Refiner vorgenommen wird. Auf diese Weise kann eine
bekannte Technologie der mechanischen Aufbereitung verwendet werden, um eine Veränderung
der Fasern nach den entsprechenden Kriterien des erfindungsgemäßen Verfahrens vorzunehmen.
Dabei ist lediglich die mechanische Aufbereitung zwar grundsätzlich aus der papierverarbeitenden
Industrie bekannt, jedoch wird dort ein unterschiedliches Ziel mit der mechanischen
Aufbereitung verfolgt, da bei dortigen Prozessen eine Fibrillierung der Cellulose
für eine Wasserstoffbrückenbildung erfolgen soll. Das Freilegen oder eine Anreicherung
des Lignins in den Außenbereichen der Zellen und Fasern ist dabei unerwünscht. Die
genannten Wasserstoffbrücken sind jedoch sehr wasserempfindlich und bilden auch keine
hohen mechanischen Festigkeitseigenschaften aus, wie es bei den durch das erfindungsgemäße
Verfahren bereitgestellten formstabilen Gegenständen gegeben ist.
[0025] Eine vorteilhafte Weiterbildung zeichnet sich dadurch aus, dass die mechanische Aufbereitung
mittels eines Refiners mit Mahlplatten ausgeführt wird, wobei ein Plattenabstand der
Mahlplatten des Refiners im Bereich von 0,05 mm bis 5 mm ausgewählt wird, vorzugsweise
im Bereich von 0,1 mm bis 0,5 mm, und wobei eine Stoffdichte der nachwachsenden Biomasse
im Bereich von 0,5 % bis 10 % ausgewählt wird, vorzugsweise im Bereich von 1 % bis
5 %. Auf diese Weise ist eine zuverlässige Möglichkeit bereitgestellt, um eine Vorbehandlung
der nachwachsenden Biomasse zu Biomassefaserstoffen bereitzustellen. Neben dem Plattenabstand
der Mahlplatten des Refiners, der je nach zu mahlendem nachwachsendem Rohstoff und/oder
je nach gewünschtem Mahlgrad bedarfsgerecht einstellbar ist, kann vorzugsweise auch
die Auswahl der Mahlplatten einen Einfluss auf die Biomassefaserstoffe haben. Die
Mahlplatten können dabei vorzugsweise unterschiedliche Geometrien aufweisen, die veränderbar
sind. Zur Erzeugung einer intensiveren Mahlung werden vorzugsweise geringere Plattenabstände
ausgewählt und zur Durchführung einer "schonenderen" Mahlung können weiter bevorzugt
größere Plattenabstände ausgewählt werden. Besonders bevorzugt kann der Vorgang der
Vorbehandlung mittels mechanischer Aufbereitung durch die Refiner wiederholt werden,
wobei die erzeugte gemahlene Biomasse anschließend bei unterschiedlichen oder gleichen
Plattenabstände erneut der mechanischen Aufbereitung zugeführt wird. Insgesamt wird
die nachwachsende Biomasse bevorzugt durch die Refiner-Behandlung derart bearbeitet,
dass das Lignin überwiegend (> 50 %) im Faserverbund verbleibt bzw. zur späteren Vernetzung
zur Verfügung steht. Die Stoffdichte kann in Abhängigkeit von der eingesetzten nachwachsenden
Biomasse und/oder in Abhängigkeit der zu erzielenden Faseraufbereitung variiert werden,
wobei bei einer höheren Stoffdichte in der Regel ein größerer Plattenabstand der Mahlplatten
zu wählen ist.
[0026] Erfindungsgemäß erfolgt die Vorbehandlung der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe
mittels eines einen Dampf bereitstellenden Hochtemperaturdampfaufschlussprozesses,
wobei die Temperatur des eingesetzten Dampfes im Bereich von 150 °C bis 280 °C liegt,
vorzugsweise im Bereich von 175 °C bis 250 °C, und wobei die Aufschlussdauer mittels
des Dampfes im Bereich von 10 s bis 900 s liegt, vorzugsweise im Bereich von 20 s
bis 300 s. Somit findet bereits eine Erweichung der eingesetzten Fasern statt, wodurch
unter anderem die nachgeordnete mechanische Aufbereitung mit geringerem Energieeintrag
durchgeführt werden kann. Weiter wird bereits durch die Temperaturzufuhr eine Erweichung
des Lignins ausgebildet, um eine (verbesserte) Verfügbarkeit des Lignins bei der anschließenden
Vernetzung bereitzustellen. Die Dauer des Temperatureintrags sowie die Höhe der Temperatur
kann in Abhängigkeit von der eingesetzten nachwachsenden Biomasse und/oder in Abhängigkeit
von der zu erzielenden Faseraufbereitung variiert werden, wobei in der Regel eine
intensivere Vorbehandlung ausgebildet wird, je länger und höher der Temperatureintrag
ist. Der Hochtemperaturdampfaufschlussprozess kann bevorzugt für nachwachsende Biomasse
eingesetzt werden, die als Ausgangsprodukt eine höhere Steifigkeit bzw. eine Pflanzenfaserstruktur
von höherer Komplexität besitzt, was insbesondere bei Mehrjahrespflanzen oder bei
komplexeren Gräsern wie z. B. Bambus der Fall ist. Insbesondere die hohen Temperaturen
bei der Vorbehandlung haben überraschenderweise zu einer verbesserten Verfügbarkeit
des Lignins bei einem gleichzeitigen Austragen der Cellulose sowie der Hemicellulosen
geführt. Durch die hohen Temperaturen, das heißt, bei über 150 °C bis 175 °C ist insbesondere
eine Zugänglichkeit des in der Mittellamelle vorliegenden Lignins gegeben, was eine
anschließende Vernetzbarkeit fördert. Vorzugsweise erfolgt die Vorbehandlung mittels
eines Steam-Explosion-Verfahrens, bei dem eine Wasserdampfbehandlung bei der entsprechenden
nachwachsenden Biomasse aus lignocellulosehaltigen Einjahrespflanzen bereitgestellt
wird.
[0027] Eine bevorzugte Weiterbildung der Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass bei der
Vorbehandlung die zerkleinerten lignocellulosehaltigen Einjahrespflanzen derart aufgebrochen
werden, dass deren ligninhaltige Mittellamellen, die Zellzwickel und die Primär- sowie
Sekundärwände zumindest teilweise aufgebrochen werden, wobei das Lignin möglichst
vollständig beim Überführen der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe erhalten
bleibt und zur anschließenden Vernetzung bei der thermischen Behandlung freigelegt
wird. In den sich an die Vorbehandlung anschließenden Verfahrensschritten ist eine
Nutzung des Lignins dadurch gegeben, dass deren phenolische Makromolekülstruktur für
die Ausbildung eines formstabilen Gegenstandes eingesetzt wird. Durch die Freilegung
des Lignins aus der Mittellamelle ist eine Nutzung eines größeren Anteils des Lignins
erst möglich, da in den herkömmlichen Verfahren lediglich eine sporadische Entfaltung
der Eigenschaften des Lignins durch eine unzureichende Verfügbarkeit gegeben ist.
In den vorbekannten Verfahren, z. B. Zellstoffherstellung nach dem Sulfatverfahren,
wird das Lignin aus der Zelle in der Regel möglichst vollständig abgetrennt und ausgeschleust
oder verbleibt innenliegend und unzugänglich in der Mittellamelle, z. B. TMP- oder
Holzschliffverfahren, um einen Kontakt mit weiteren Zellbestandteilen und eine Aktivierung
des Lignins zu verhindern.
[0028] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass das
freigelegte Lignin zumindest im Wesentlichen vollständig zur Erzeugung einer irreversiblen
Verbindung des Gegenstandsformlings ausgebildet und eingerichtet ist, wobei die Zugänglichkeit
des Lignins erhöht wird. Dies führt zu einer verbesserten und einer möglichst vollständigen
Umsetzung bzw. Vernetzung des Lignins während der thermischen Behandlung, wodurch
besonders vorteilhafte Eigenschaften bei der Erzeugung des formstabilen Gegenstandes
gegeben sind.
[0029] In einer Ausgestaltung nicht gemäß der beanspruchten Erfindung kann die Vorbehandlung
der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe mittels eines einen Dampf bereitstellenden
Niedrigtemperaturdampfaufschlussprozesses erfolgen, wobei die Temperatur des eingesetzten
Dampfes im Bereich von 100 °C bis 200 °C liegt, vorzugsweise im Bereich von 120 °C
bis 175 °C, und wobei die Aufschlussdauer mittels des Dampfes im Bereich von 50 s
bis 1.500 s liegt, vorzugsweise im Bereich von 100 s bis 900 s. Somit findet bereits
eine Erweichung der eingesetzten Fasern statt, wodurch unter anderem die nachgeordnete
mechanische Aufbereitung mit geringerem Energieeintrag durchgeführt werden kann. Weiter
wird bereits durch die Temperaturzufuhr eine Erweichung des Lignins ausgebildet, um
eine Verfügbarkeit des Lignins bei der anschließenden Vernetzung bereitzustellen.
Die Dauer des Temperatureintrags sowie die Höhe der Temperatur kann in Abhängigkeit
von der eingesetzten nachwachsenden Biomasse und/oder in Abhängigkeit von der zu erzielenden
Faseraufbereitung variiert werden, wobei in der Regel eine intensivere Vorbehandlung
ausgebildet wird, je länger und höher der Temperatureintrag ist. Der Niedrigtemperaturdampfaufschlussprozess
kann bevorzugt für nachwachsende Biomasse eingesetzt werden, die als Ausgangsprodukt
eine geringere Steifigkeit bzw. eine Pflanzenfaserstruktur von geringer Komplexität
besitzt, was insbesondere bei Einjahrespflanzen wie z. B. Gräsern oder Stroh der Fall
ist.
[0030] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung erfolgt die Vorbehandlung
der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe mittels eines Hochausbeute-Aufschlussverfahrens,
bevorzugt durch ein Carbonataufschlussverfahren, wobei die Temperatur bei dem Hochausbeute-Aufschlussverfahren
im Bereich von 100 °C bis 215 °C liegt, vorzugsweise im Bereich von 135 °C bis 175
°C, und wobei die Aufschlussdauer im Bereich von 15 min bis 150 min liegt, vorzugsweise
im Bereich von 20 min bis 60 min, und wobei ein Aufschlussmittel mit einer Konzentration
im Bereich von 5 % bis 35 % eingesetzt wird, vorzugsweise im Bereich von 10 % bis
25 %, vorzugsweise wird als Aufschlussmittel Na
2CO
3 in Lösung eingesetzt. Die Auswahl und die Höhe der Konzentration des Aufschlussmittels
sowie Dauer des Temperatureintrags und die Höhe der Temperatur kann in Abhängigkeit
von der eingesetzten nachwachsenden Biomasse und/oder in Abhängigkeit von der zu erzielenden
Faseraufbereitung variiert werden, wobei in der Regel eine intensivere Vorbehandlung
ausgebildet wird, je höher die Konzentration des Aufschlussmittels ist sowie je länger
und höher der Temperatureintrag ist. Das Hochausbeute-Aufschlussverfahren kann bevorzugt
für nachwachsende Biomasse eingesetzt werden, die als Ausgangsprodukt eine höhere
Steifigkeit bzw. eine Pflanzenfaserstruktur von höherer Komplexität besitzt, was insbesondere
bei Mehrjahrespflanzen oder bei komplexeren Gräsern wie z. B. Bambus der Fall ist.
[0031] Eine weitere zweckmäßige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass der Vorbehandlung nachgelagert eine Mahlung durchgeführt wird, wobei die Mahlung
mittels eines Refiners mit Mahlplatten ausgeführt wird, wobei ein Plattenabstand der
Mahlplatten des Refiners im Bereich von 0,05 mm bis 5 mm ausgewählt wird, vorzugsweise
im Bereich von 0,1 mm bis 0,5 mm, und wobei eine Stoffdichte der nachwachsenden Biomasse
im Bereich von 0,5 % bis 10 % ausgewählt wird, vorzugsweise im Bereich von 1 % bis
5 %. Auf diese Weise ist eine umfangreichere Möglichkeit gegeben, um eine tiefergehende
Vorbehandlung der nachwachsenden Biomasse zu Biomassefaserstoffen bereitzustellen.
Neben dem Plattenabstand der Mahlplatten des Refiners, der je nach zu mahlendem nachwachsendem
Rohstoff und/oder je nach gewünschtem Mahlgrad bedarfsgerecht einstellbar ist, kann
vorzugsweise auch die Auswahl der Mahlplatten einen Einfluss auf die Biomassefaserstoffe
haben. Zur Erzeugung einer intensiveren Mahlung werden vorzugsweise geringere Plattenabstände
ausgewählt und zur Durchführung einer "schonenderen" Mahlung können größere Plattenabstände
ausgewählt werden. Vorzugsweise kann der Vorgang der Vorbehandlung mittels mechanischer
Aufbereitung durch die Refiner wiederholt werden, wobei die erzeugte gemahlene Biomasse
anschließend bei unterschiedlichen oder gleichen Plattenabständen erneut der mechanischen
Aufbereitung zugeführt wird. Insgesamt wird bevorzugt die Faser durch die Refiner-Behandlung
derart vorgenommen, dass das Lignin überwiegend (> 50 %) im Faserverbund verbleibt
bzw. zur späteren Vernetzung zur Verfügung steht. Die Stoffdichte kann in Abhängigkeit
von der eingesetzten nachwachsenden Biomasse und/oder in Abhängigkeit von der zu erzielenden
Faseraufbereitung variiert werden, wobei bei einer höheren Stoffdichte in der Regel
ein größerer Plattenabstand der Mahlplatten zu wählen ist.
[0032] Weiter bevorzugt ist der Vorbehandlung mindestens ein weiterer Verfahrensschritt
zur erneuten Sortierung und/oder Zerkleinerung der erzeugten Biomassefaserstoffe nachgelagert
angeordnet. Durch die Sortierung und/oder Zerkleinerung wird eine weitere Möglichkeit
zur Überprüfung und/oder Homogenisierung des erzeugten Rohstoffes für die Herstellung
der formstabilen Gegenstände bereitgestellt. Auf diese Weise sind einheitlichere und
qualitativ hochwertigere Produkte erzeugbar, die einen hohen Reinheitsgrad aufweisen.
Störstoffe und unerwünschte Partikel, die möglicherweise durch die Vorbehandlung in
den Stofffluss aufgenommen wurden, können zudem durch die Sortierung und/oder die
Zerkleinerung erkannt und aus dem Prozess ausgeschleust werden.
[0033] Eine bevorzugte Weiterbildung der Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass der Formgebungsprozess
mit dem Gegenstandswerkzeug durchgeführt wird, das als ein Formwerkzeug und als ein
zu dem Formwerkzeug korrespondierendes Presswerkzeug ausgebildet und eingerichtet
ist, wobei die Biomassefaserstoffe in dem Formwerkzeug zu dem Gegenstandsformling
geformt werden und mit dem Presswerkzeug unter Ausbildung eines Presswerkzeugpressdrucks
gepresst werden, wobei der Presswerkzeugpressdruck im Bereich von 0,5 bar bis 22 bar
liegt, vorzugsweise im Bereich von 1 bar bis 8 bar. Die Ausführung des Formgebungsprozesses
durch das Gegenstandswerkzeug erhöht die Formgebung und die Einheitlichkeit bei dem
Prozess. Die Ausbildung des Gegenstandswerkzeugs als ein Formwerkzeug mit einem korrespondierenden
Presswerkzeug stellt eine zuverlässige Möglichkeit dar, um konstante Qualitäten bei
der Herstellung eines formstabilen Gegenstands zu liefern. Durch die Ausbildung des
Presswerkzeugdrucks erfolgt bereits eine Entwässerung bei der Herstellung, wodurch
eine anschließende Trocknungsdauer reduziert wird.
[0034] Eine zweckmäßige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass der
Formgebungsprozess ausgewählt ist aus einem oder mehreren der nachfolgenden Verfahren:
Spritzgussverfahren, Extrusionsverfahren, Pressverfahren oder Tiefzieh- und Blasformverfahren.
Bevorzugterweise wird je nach herzustellendem formstabilem Gegenstand der entsprechende
Formgebungsprozess ausgewählt.
[0035] Eine vorteilhafte Weiterbildung zeichnet sich dadurch aus, dass mittels der Vorbehandlung
der nachwachsenden Biomasse in Biomassefaserstoffe in Verbindung mit dem Formgebungsprozess
und/oder der thermischen Behandlung derart die Eigenschaften des formstabilen Gegenstandes
einstellbar sind, dass die Härte, die Formstabilität und/oder die Wasserfestigkeit,
in Abhängigkeit von der Temperatur, dem Pressdruck, der Stoffdichte und/oder dem Mahlgrad,
variierbar sind. Auf diese Weise kann durch eine Anpassung der Parameter im Verfahren
zur Herstellung des formstabilen Gegenstandes selektiv auf die einzelnen mechanischen
Eigenschaften des formstabilen Gegenstandes eingegangen werden. Es kann beispielsweise
durch eine längere Mahldauer die Beschaffenheit der Fasern variiert werden, was in
einem verbesserten Freilegen des Lignins resultiert, wodurch u. a. die mechanischen
Eigenschaften des Endprodukts anpassbar sind. Die weiteren Parameter können je nach
eingetragener Biomasse sowie verwendeten Prozessen unterschiedlich ausfallen.
[0036] In einer weiteren bevorzugten Weiterbildung der Erfindung erfolgt die thermische
Behandlung des Gegenstandformlings unter Ausbildung eines Trocknungspressdrucks auf
den Gegenstandformlings, wobei der Trocknungspressdruck im Bereich von 0,3 bar bis
10 bar liegt, vorzugsweise im Bereich von 0,5 bar bis 5 bar. Auf diese Weise wird
eine schnellere Trocknung herbeigeführt. Weiterhin können vorzugsweise weitere Mittel
und/oder Verfahrensschritte vor- oder nachgelagert vorhanden sein, um eine verbesserte
Trocknung vorzunehmen oder um weitere Materialeigenschaften in dem formstabilen Gegenstand
einzubringen, beispielsweise eine Oberflächenbehandlung.
[0037] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die thermische
Behandlung des Gegenstandformlings ohne Ausbildung eines Trocknungspressdrucks auf
den Gegenstandformling. Das verringert die Energiekosten im Zusammenhang mit der Herstellung
des formstabilen Gegenstandes und führt zu einer Kostenersparnis sowie zu einer schonenderen
Trocknung.
[0038] Eine weitere zweckmäßige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass die thermische Behandlung bei einer Temperatur im Bereich von 70 °C bis 250 °C
erfolgt, vorzugsweise im Bereich von 130 °C bis 200 °C. Durch den Einsatz einer thermischen
Behandlung ist regelmäßig ein deutlich planbarer sowie verkürzter Trocknungsvorgang
des Gegenstandsformling gegeben, wodurch eine bedarfsgerechte Herstellung unter bekannten
Trocknungsparametern ausgeführt werden kann. Die Dauer und Höhe des Temperatureintrags
können in Abhängigkeit von der eingesetzten nachwachsenden Biomasse und/oder in Abhängigkeit
von der Größe oder Form des Gegenstandsformling individuell ausgewählt und angepasst
sein.
[0039] Eine vorteilhafte Weiterbildung der Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass der
Anteil des Lignins in den Fasern der nachwachsenden Biomasse im Bereich 5 % bis 45
% liegt, vorzugsweise im Bereich von 15 % bis 35 %. Der Anteil des Lignins ist dabei
überwiegend abhängig von der einzusetzenden nachwachsenden Biomasse und kann je nach
herzustellendem formstabilem Gegenstand entsprechend eingesetzt und ausgewählt werden.
Bei formstabilen Gegenständen, die eine hohe Vernetzbarkeit benötigen, wird vorzugsweise
eine nachwachsende Biomasse mit einem hohen Ligningehalt ausgewählt, wobei bei formstabilen
Gegenständen mit geringen benötigten Festigkeitseigenschaften auch nachwachsende Biomasse
mit einem geringeren Ligningehalt eingesetzt werden kann.
[0040] Eine weitere zweckmäßige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass bei der Vorbehandlung der nachwachsenden Biomasse, dem Bereitstellen der Biomassefaserstoffe
in dem Formgebungsprozess und bei der thermischen Behandlung der Biomassefaserstoffe
keine zusätzlichen organischen und/oder anorganischen Klebstoffe hinzugefügt werden.
Damit ist eine problemlose Kompostierbarkeit der formstabilen Gegenstände gegeben,
wodurch insbesondere eine einfache Entsorgung oder ein einfaches Recycling ermöglicht
werden. Ferner führt der Verzicht auf Klebstoffe trotzdem zu gleichbleibenden qualitativen
und mechanischen Eigenschaften mit einer einhergehenden Kostenersparnis bei der Herstellung
der formstabilen Gegenstände, da Klebstoffe einen hohen Kostenanteil bei der Produktion
darstellen.
[0041] Eine zweckmäßige Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass bei
der Vorbehandlung der nachwachsenden Biomasse, dem Bereitstellen der Biomassefaserstoffe
in dem Formgebungsprozess und bei der thermischen Behandlung der Biomassefaserstoffe
keine Additive hinzugefügt werden. Damit ist eine problemlose Kompostierbarkeit der
formstabilen Gegenstände gegeben, wodurch insbesondere eine einfache Entsorgung ermöglicht
wird. Ferner führt der Verzicht auf Additive trotzdem zu gleichbleibenden qualitativen
und mechanischen Eigenschaften mit einer einhergehenden Kostenersparnis bei der Herstellung
der formstabilen Gegenstände, da Additive einen hohen Kostenanteil bei der Produktion
darstellen.
[0042] Eine bevorzugte Ausführungsform ist dadurch gekennzeichnet, dass die Rohstoffe der
nachwachsenden Biomasse ausgewählt sind aus mindestens einem oder einer Kombination
der langfaserigen lignocellulosehaltigen Pflanzen, insbesondere aus Gräsern, Getreide,
Stroh, Bast-, Blätter-, Samen- und/oder Samenhülsenfasern, besonders bevorzugt aus
Miscanthus, Hanf, Stroh, Haferspelze, Flachs, Sisal und/oder Bambus. In einer bevorzugten
Ausführungsform kann ein geringfügiger Anteil der eingesetzten Rohstoffe Sekundärfasern
mit einem Gewichtsanteil von maximal 25 % sein.
[0043] Weitere zweckmäßige und/oder vorteilhafte Merkmale und Weiterbildungen sowie bevorzugte
Verfahrensschritte ergeben sich aus den Unteransprüchen und der Beschreibung. Besonders
bevorzugte Ausführungsformen des Verfahrens zur Herstellung formstabiler Gegenstände
bzw. des formstabilen Gegenstandes werden anhand der beigefügten Zeichnungen näher
erläutert. In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung eines Ausführungsbeispiels eines erfindungsgemäßen formstabilen
Gegenstandes in einer Ansicht von schräg oben,
- Fig. 2
- ein Verfahrensschema für ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Verfahrens
zur Herstellung eines formstabilen Gegenstandes,
- Fig. 3
- eine vereinfachte schematische Darstellung eines typischen Aufbaus eines Lignin enthaltenen
pflanzlichen Zellverbunds und
- Fig. 4
- eine vereinfachte schematische Darstellung eines typischen Aufbaus eines freigelegten
Lignin enthaltenen pflanzlichen Zellverbunds.
[0044] Anhand der vorgenannten Figuren wird das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung
eines formstabilen Gegenstandes sowie der formstabile Gegenstand näher beschrieben.
[0045] Das in den Zeichnungen dargestellte Verfahren zur Herstellung eines formstabilen
Gegenstandes auf Basis nachwachsender Biomasse sowie der formstabile Gegenstand aus
nachwachsender Biomasse ist exemplarisch als Verfahren zur Herstellung eines Behälters
sowie als Behälter abgebildet. Die Erfindung bezieht sich in gleicher Weise auf vergleichbare
formstabile Gegenstände, die nicht nur die Funktion oder Ausgestaltung eines Behälters
aufweisen.
[0046] Fig. 1 zeigt schematisch eine Ausführungsform eines formstabilen Gegenstandes 10
aus nachwachsender Biomasse anhand eines Behälters, der mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren zur Herstellung eines formstabilen Gegenstandes 10 erzeugt wurde. Der Behälter
weist beispielhaft einen Grundkörper 11 mit einem Aufnahmebereich 12 auf, der durch
einen Boden 13 und eine Umrandung 14, die eine zusammenhängende Seitenwand 14 darstellt,
gebildet ist.
[0047] Fig. 2 zeigt ein Verfahrensschema zur Herstellung eines formstabilen Gegenstandes
10 umfassend die folgenden Schritte: (I) Bereitstellen von nachwachsender Biomasse
15, wobei die nachwachsende Biomasse 15 zumindest Fasern 16 mit Lignin 17, insbesondere
Cellulosefasern mit Lignin 17, Hemicellulosen und Cellulose enthalten, und wobei die
nachwachsende Biomasse aus der Gruppe der lignocellulosehaltigen Einjahrespflanzen
ausgewählt ist, umfassend zumindest ligninhaltige Mittellamellen, Zellzwickel, Primär-
und Sekundärwände, (II) Zerkleinern der nachwachsenden Biomasse 15, (III) Versetzen
der nachwachsenden Biomasse 15 mit Wasser, (IV) Vorbehandlung der nachwachsenden Biomasse
15 durch im Wesentlichen Überführung der nachwachsenden Biomasse 15 in Biomassefaserstoffe
18 unter Beibehaltung eines Großteils des Lignins 17 in den Fasern 16, und unter Herauslösen
und Austragen zumindest eines Teils der Cellulose sowie der Hemicellulosen, wobei
der relative Anteil des Lignins 17 erhöht wird, (V) Bereitstellen der Biomassefaserstoffe
18 in (VI) einem Formgebungsprozess mit einem - in den Figuren nicht im Detail gezeigten
- Gegenstandswerkzeug unter Ausbildung eines - ebenfalls in den Figuren nicht im Detail
gezeigten - Gegenstandformlings, (VII) thermische Behandlung des Gegenstandformlings
unter Umsetzen zumindest bereichsweise des in den Fasern 16 der Biomassefaserstoffe
18 enthaltenen Lignins 17 an die Außenfläche der Fasern 16, (VIII) Erzeugen einer
zumindest teilweise irreversiblen Verbindung des Gegenstandformlings durch Vernetzung
der Fasern 16 der Biomassefaserstoffe 18 untereinander mittels des Lignins 17.
[0048] Vorzugsweise werden bei der Vorbehandlung (IV) die Cellulose sowie die Hemicellulosen
zumindest teilweise aus dem Verfahren ausgetragen, indem die Cellulose sowie die Hemicellulosen
zumindest teilweise aus der nachwachsenden Biomasse 15 herausgelöst werden, und dass
das Lignin 17 möglichst vollständig beim Überführen der nachwachsenden Biomasse 15
in Biomassefaserstoffe erhalten bleibt. In der Fig. 4 ist schematisch der Aufbau der
Zellen dargestellt und der Verbleib des Lignins 17 beim Aufbrechen der Zellwand bzw.
der Mittellamelle 21. Bei diesem Vorgang wird in der Regel die Grundstruktur - abweichend
von der schematischen Abbildung der Fig. 3 und Fig. 4 - der Zelle zumindest teilweise
zerstört, wodurch entsprechend die überwiegend in der Primär- und Sekundärwand enthaltenen
Cellulose sowie Hemicellulosen zumindest teilweise herausgelöst werden. Das Verfahren
wird zudem in einer wässrigen Lösung durchgeführt, was ein Austragen der entsprechenden
Cellulose und Hemicellulosen begünstigt.
[0049] In einer bevorzugten Ausführungsform verbleibt bei der Vorbehandlung (IV) ausgehend
von der nachwachsenden Biomasse 50 % bis 100 %, vorzugsweise 60% bis 90 %, des Lignins
17, 10 % bis 90 %, vorzugsweise 30 % bis 70 %, der Cellulose sowie 10 % bis 70 %,
vorzugsweise 30 % bis 50 %, der Hemicellulosen in den Biomassefaserstoffen 18.
[0050] Wie in dem Ausführungsbeispiel der Fig. 2 gezeigt, kann dem Verfahrensschritt des
Zerkleinerns der Biomasse 15 ein weiterer Verfahrensschritt (IIa) nachgelagert angeordnet
sein, bei dem eine Sortierung der zerkleinerten bzw. der eingesetzten Biomasse 15
erfolgt. Eine Sortierung (IIa) bedeutet insbesondere, dass Schmutz- und Störstoffe
bei diesem Schritt aus dem Herstellungsverfahren abgeführt werden sowie die Überprüfung,
ob eine gleichmäßig gewünschte Zerkleinerung (II) in dem vorgelagerten Schritt erfolgt
ist. Ggf. kann eine Abführung von zu großer oder zu kleiner nachwachsender Biomasse
15 vorgenommen werden. Das Ziel bei der Zerkleinerung (II) sowie bei der Sortierung
(Ila) besteht darin, einen möglichst homogenen Ausgangsrohostoff für das weitere Verfahren
zur Verfügung zu stellen. Die Verfahrensschritte (I), (II) sowie (Ila) können vorzugsweise
örtlich unabhängig von den weiteren Verfahrensschritten zur Herstellung des formstabilen
Gegenstandes 10 durchgeführt werden. Je nach bereitgestellter Biomasse 15 kann auch
der Schritt des Zerkleinerns (II) oder die Sortierung (IIa) ausgespart werden, falls
die bereitgestellte (I) Biomasse 15 bereits eine entsprechende Größe oder die gewünschten
Qualitätsanforderungen für das erfindungsgemäße Verfahren aufweist. Der Verfahrensschritt
der Sortierung (IIa) wird insbesondere mittels mindestens eines Sortierers und/oder
mittels mindestens eines Hydrozyklon (Cleanerung) ausgeführt. Weiter bevorzugt kann
eine Mehrzahl derartiger Vorrichtungen in Reihe oder Parallel angeordnet sein.
[0051] Vorzugsweise erfolgt die Vorbehandlung (IV) der nachwachsenden Biomasse 15 in Biomassefaserstoffe
18 mittels (IVa) einer mechanischen Aufbereitung, wobei die mechanische Aufbereitung
(IVa) eine Mahlung der nachwachsenden Biomasse 15 umfasst. Die mechanische Aufbereitung
(IVa) wird bevorzugt mittels eines - in den Figuren nicht im Detail gezeigten - Refiners
mit Mahlplatten ausgeführt, wobei ein Plattenabstand der Mahlplatten des Refiners
im Bereich von 0,05 mm bis 5 mm ausgewählt wird, vorzugsweise im Bereich von 0,1 mm
bis 0,5 mm, und wobei eine Stoffdichte der nachwachsenden Biomasse im Bereich von
0,5 % bis 10 % ausgewählt wird, vorzugsweise im Bereich von 1 % bis 5 %.
[0052] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform erfolgt die Vorbehandlung (IV) der
nachwachsenden Biomasse 15 in Biomassefaserstoffe 18 mittels eines einen Dampf bereitstellenden
Hochtemperaturdampfaufschlussprozesses (Ivb), wobei die Temperatur des eingesetzten
Dampfes im Bereich von 150 °C bis 280 °C liegt, vorzugsweise im Bereich von 175 °C
bis 250 °C, und wobei die Aufschlussdauer mittels des Dampfes im Bereich von 10 s
bis 900 s liegt, vorzugsweise im Bereich von 20 s bis 300 s. Der Hochtemperaturdampfaufschlussprozess
(Ivb) ist vereinfacht und nur schematisch als nebengeordneter Verfahrensschritt unter
der Vorbehandlung (IV) in der Fig. 2 dargestellt. Der Hochtemperaturdampfaufschlussprozess
(Ivb) kann in einer bevorzugten Ausführungsform auch als unabhängiger Verfahrensschritt
ausgeführt werden und dabei beispielsweise kontinuierlich oder im Batchverfahren durchgeführt
werden.
[0053] Vorzugsweise werden bei der Vorbehandlung (IV) die zerkleinerten lignocellulosehaltigen
Einjahrespflanzen derart aufgebrochen werden, dass deren ligninhaltige Mittellamellen
21, die Zellzwickel und die Primär- sowie Sekundärwände zumindest teilweise aufgebrochen
werden, wobei das Lignin 17 möglichst vollständig beim Überführen der nachwachsenden
Biomasse 15 in Biomassefaserstoffe erhalten bleibt und zur anschließenden Vernetzung
bei der thermischen Behandlung (VII) freigelegt wird. In der Fig. 4 ist schematisch
die nachwachsende Biomasse 15 einer lignocellulosehaltigen Einjahrespflanze nach deren
Vorbehandlung (IV) dargestellt, wodurch das freigelegte Lignin 17 deutlich wird. In
den weiteren Verfahrensschritten ist eine Nutzung des Lignins 17 durch die Verfügbarkeit
gegeben. Bei einem Vergleich mit der Fig. 3, wo eine Freilegung des Lignins 17 noch
nicht gegeben ist, wird deutlich, dass eine größere Kontaktfläche gegeben ist und
eine erhöhte Aktivierung des potentiell verfügbaren Lignins 17 in der nachwachsenden
Biomasse 15 kann bereitgestellt werden. Vorzugsweise ist das freigelegte Lignin 17
zumindest im Wesentlichen vollständig zur Erzeugung einer irreversiblen Verbindung
(VIII) des Gegenstandsformlings ausgebildet und eingerichtet, wobei die Zugänglichkeit
des Lignins 17 erhöht wird.
[0054] Bei einer weiteren bevorzugten Ausführungsform erfolgt die Vorbehandlung (IV) der
nachwachsenden Biomasse 15 in Biomassefaserstoffe 18 mittels eines einen Dampf bereitstellenden
Niedrigtemperaturdampfaufschlussprozesses (Ivc), wobei die Temperatur des eingesetzten
Dampfes im Bereich von 100 °C bis 200 °C liegt, vorzugsweise im Bereich von 120 °C
bis 175 °C, und wobei die Aufschlussdauer mittels des Dampfes im Bereich von 50 s
bis 1.500 s liegt, vorzugsweise im Bereich von 100 s bis 900 s. Der Niedrigtemperaturdampfaufschlussprozess
(Ivc) ist vereinfacht und nur schematisch als nebengeordneter Verfahrensschritt unter
der Vorbehandlung (IV) in der Fig. 2 dargestellt. Der Niedrigtemperaturdampfaufschlussprozess
(Ivc) kann in einer weiteren bevorzugten Ausführungsform auch als unabhängiger Verfahrensschritt
ausgeführt werden und dabei beispielsweise kontinuierlich oder im Batchverfahren durchgeführt
werden.
[0055] In einer weiteren bevorzugten - in den Figuren nicht gezeigten - Ausführungsform,
kann an die Vorbehandlung (IV) eine Nachbearbeitung der Biomassefaserstoffe 18 bereitgestellt
werden. Dazu können insbesondere weitere Verfahrensschritte, vergleichbar mit den
Schritten (II) sowie (IIa) vorgesehen sein. Die Schritte beinhalten vorzugsweise eine
Sortierung und/oder eine Zerkleinerung der Biomassefaserstoffe 18, um eine weitere
Qualitätskontrolle der durch die Vorbehandlung bzw. der mechanischen Aufbereitung
erzeugten nachwachsenden Biomasse 15 bereitzustellen. Die Verfahrensschritte werden
insbesondere mittels mindestens eines Sortierers und/oder mindestens eines Hydrozyklon
(Cleanerung) ausgeführt.
[0056] In der Fig. 2 ist eine weitere bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
zu Herstellung formstabiler Gegenstände 10 gezeigt, in dem die Vorbehandlung (IV)
der nachwachsenden Biomasse 15 in Biomassefaserstoffe 18 mittels eines Hochausbeute-Aufschlussverfahrens
(Ivd) erfolgt, bevorzugt durch ein Carbonataufschlussverfahren, wobei die Temperatur
bei dem Hochausbeute-Aufschlussverfahren im Bereich von 100 °C bis 215 °C liegt, vorzugsweise
im Bereich von 135 °C bis 175 °C, und wobei die Aufschlussdauer im Bereich von 15
min bis 150 min liegt, vorzugsweise im Bereich von 20 min bis 60 min, und wobei ein
Aufschlussmittel mit einer Konzentration im Bereich von 5 % bis 35 % eingesetzt wird,
vorzugsweise im Bereich von 10 % bis 25 %, vorzugsweise wird als Aufschlussmittel
Na
2CO
3 in Lösung eingesetzt. Das Hochausbeute-Aufschlussverfahren (Ivd) mit dem konkreten
Ausführungsbeispiel des Carbonataufschlussverfahrens ist vereinfacht und nur schematisch
als nebengeordneter Verfahrensschritt unter der Vorbehandlung (IV) dargestellt. Das
Hochausbeute-Aufschlussverfahren (Ivd) kann in einer weiteren bevorzugten Ausführungsform
auch als unabhängiger Verfahrensschritt ausgeführt werden und dabei beispielsweise
kontinuierlich oder im Batchverfahren durchgeführt werden.
[0057] Den Verfahrensschritten der Vorbehandlung (IV) bzw. (IVa) bis (IVd) kann vorzugsweise
nachgelagert eine Mahlung (IVa') durchgeführt werden, wobei die Mahlung mittels eines
Refiners mit Mahlplatten ausgeführt wird, wobei ein Plattenabstand der Mahlplatten
des Refiners im Bereich von 0,05 mm bis 5 mm ausgewählt wird, vorzugsweise im Bereich
von 0,1 mm bis 0,5 mm, und wobei eine Stoffdichte der nachwachsender Biomasse im Bereich
von 0,5 % bis 10 % ausgewählt wird, vorzugsweise im Bereich von 1 % bis 5 %. In der
Fig. 2 ist daher bei den nebengeordneten Verfahrensschritten (IVa) bis (Ivd), stilisiert
die nachgelagerte Mahlung (IVa') in dem Verfahrensschema dargestellt.
[0058] Der Vorgang der Vorbehandlung (IV) bei der nachwachsenden Biomasse ist auf Zellebene
in den Fig. 3 und Fig. 4 dargestellt. Fig. 3 zeigt dabei eine vereinfachte Darstellung
eines pflanzlichen Zellverbunds 19 mit einer Mehrzahl an pflanzlichen Zellen 20. Jede
der Zellen 20 weist in der Regel eine Zellwand (Mittellamelle) 21 und einen Zellhohlraum
(Lumen) 22 auf. Jede der einzelnen Zellen 20 kann anders ausgedrückt als Teil einer
einzelnen Faser 16 der nachwachsenden Biomasse 15 bzw. als Querschnittsansicht einer
Faser 16 angesehen werden, die über die Zellwand 21 bzw. die Mittellamelle mit weiteren
Zellen 20 zu dem pflanzlichen Zellverbund 19 verbunden ist. Im Bereich der Zellwand
21 bzw. der Mittellamelle ist bei lignocellulosehaltigen Einjahrespflanzen regelmäßig
das Lignin 17 angeordnet; das Hauptvorkommen des Lignins befindet sich dabei in der
Mittellamelle und der Zwickel 25, was den Bereich des Zusammenlaufens von mehreren
Mittellamellen darstellt. Es existieren Zellwandbereiche 21 mit unterschiedlich hohen
Ligninanteilen, insbesondere in Bereichen mit einem Zusammentreffen von mehreren Zellwandbereichen
21. In der Fig. 3 ist ein natürlicher Zellverbund 19 vor der Vorbehandlung (IV) mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren dargestellt. Die Zellen 20 sind fest mit dem Lignin
17 verbunden und bilden einen starren Zellverbund 19, der im Wasser nicht löslich
ist.
[0059] In der Fig. 4 ist ein Zellverbund 19 während bzw. nach der Vorbehandlung (IV) gezeigt,
in dem der Zellverbund 19 zumindest teilweise freigelegt ("aufgerissen") ist, was
durch die stilisierten Risse 24 im Bereich Zellwand 21 angedeutet ist. Durch die Vorbehandlung
(IV) erfolgt eine Überführung der nachwachsenden Biomasse 15 in Biomassefaserstoffe
18, wobei die Struktur des Zellverbunds 19 verändert wird, indem die Zellwände 21
bzw. die ligninhaltigen Bereiche der Mittellamelle und der Zwickel 25 zumindest teilweise
freigelegt werden. Die Zellen 20, das heißt, die Fasern 16 sind nicht mehr als komplexer
Zellverbund 19 vorhanden, sondern die Außenflächen 23 der freigelegten Zellwandbereiche
21 wurden durch die Vorbehandlung verfügbar gemacht. Auf diese Weise kann das Lignin
17 der Zellwand 21 für das weitere Verfahren, insbesondere für den Formgebungsprozess
(VI) und die anschließende Vernetzung (VIII), verfügbar gemacht werden, wodurch die
Ausbildung eines erfindungsgemäßen formstabilen Gegenstandes 10 ermöglicht wird. In
dem Vorgang des Freilegens des Lignins 17 durch das Aufreißen des Zellverbunds 19
kann somit anders ausgedrückt, zumindest bereichsweise das Umsetzen des in den Fasern
16 der Biomassefaserstoffe 18 enthaltenen Lignins 17 an die Außenfläche der Fasern
16 gesehen werden. Das Lignin 17 wird nicht zwangsläufig an die Außenfläche 23 der
Fasern 16 (örtlich) "umgesetzt", sondern durch das Aufreißen des Zellverbunds 19 ist
vielmehr eine Zugänglichkeit des Lignins 17 gegeben, wodurch eine anschließende Vernetzung
(VIII) im Zuge des Formgebungsprozesses (VI) und der thermischen Behandlung (VII)
zur Ausbildung des formstabilen Gegenstandes 10 ermöglicht wird.
[0060] Der Verfahrensschritt des Formgebungsprozesses (VI), der stilisiert in der Fig. 2
dargestellt ist, wird mit dem Gegenstandswerkzeug durchgeführt, das in einer bevorzugten
Ausführungsform als ein Formwerkzeug und als ein zu dem Formwerkzeug korrespondierendes
Presswerkzeug ausgebildet und eingerichtet ist, wobei die Biomassefaserstoffe 18 in
dem Formwerkzeug zu dem Gegenstandsformling geformt werden und mit dem Presswerkzeug
unter Ausbildung eines Presswerkzeugpressdrucks gepresst werden, wobei der Presswerkzeugpressdruck
im Bereich von 0,5 bar bis 22 bar liegt, vorzugsweise im Bereich von 1 bar bis 8 bar.
Bevorzugterweise ist der Formgebungsprozess (VI) ausgewählt aus einem oder mehreren
der nachfolgenden Verfahren: Spritzgussverfahren, Extrusionsverfahren, Pressverfahren
oder Tiefzieh- und Blasformverfahren.
[0061] Vorzugsweise sind mittels der Vorbehandlung (IV) der nachwachsenden Biomasse 15 in
Biomassefaserstoffe 18 in Verbindung mit dem Formgebungsprozess (VI) und/oder der
thermischen Behandlung (VII) derart die Eigenschaften des formstabilen Gegenstandes
10 einstellbar, dass die Härte, die Formstabilität und/oder die Wasserfestigkeit,
in Abhängigkeit von der Temperatur, dem Pressdruck, der Stoffdichte und/oder dem Mahlgrad,
variierbar sind. In dem Verfahrensschema der Fig. 2 können dazu die einzelnen Verfahrensschritte
entsprechend angepasst und gesteuert werden. Die Anpassung derartiger Parameter erfolgt
vorzugsweise auf Basis bekannter Verfahrensschritte, wobei das Lignin 17 für die Verwendung
der Vernetzbarkeit im Formgebungsprozess (VI) bzw. für die thermische Behandlung (VII)
verfügbar gemacht wird.
[0062] Bevorzugt erfolgt die thermische Behandlung (VII) des Gegenstandformlings unter Ausbildung
eines Trocknungspressdrucks auf den Gegenstandformling, wobei der Trocknungspressdruck
im Bereich von 0,3 bar bis 10 bar liegt, vorzugsweise im Bereich von 0,5 bar bis 5
bar. In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform kann die thermische Behandlung
(VII) des Gegenstandformlings auch ohne Ausbildung eines Trocknungspressdrucks auf
den Gegenstandformling erfolgen. Vorzugsweise erfolgt die thermische Behandlung (VII)
bei einer Temperatur im Bereich von 70 °C bis 250 °C, vorzugsweise im Bereich von
130 °C bis 200 °C.
[0063] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung eines formstabilen Gegenstandes
10 werden vorzugsweise bei der Vorbehandlung (IV) der nachwachsenden Biomasse 15,
dem Bereitstellen (V) der Biomassefaserstoffe 18 in dem Formgebungsprozess (VI) und
bei der thermischen Behandlung (VII) der Biomassefaserstoffe 18 keine zusätzlichen
organischen und/oder anorganischen Klebstoffe hinzugefügt. Weiter bevorzugt werden
bei der Vorbehandlung (IV) der nachwachsenden Biomasse 15, dem Bereitstellen (V) der
Biomassefaserstoffe 18 in dem Formgebungsprozess (VI) und bei der thermischen Behandlung
(VII) der Biomassefaserstoffe 18 keine Additive hinzugefügt. Besonders bevorzugt werden
dem gesamten Verfahren zur Herstellung des formstabilen Gegenstandes 10 weder organische
und/oder anorganische Klebstoffe noch Additive hinzugefügt. Vorzugsweise wird das
Verfahren zur Herstellung eines formstabilen Gegenstandes 10 nur mit den Rohstoffen
der nachwachsenden Biomasse 15 ausgeführt, wobei Wasser als Lösungsmittel umfasst
ist.
[0064] Die Rohstoffe der nachwachsenden Biomasse 15 sind vorzugsweise ausgewählt aus mindestens
einem oder einer Kombination der langfaserigen lignocellulosehaltigen Pflanzen, insbesondere
aus Gräsern, Getreide, Stroh, Bast-, Blätter-, Samen- und/oder Samenhülsenfasern,
besonders bevorzugt aus Miscanthus, Hanf, Stroh, Haferspelze, Flachs, Sisal und/oder
Bambus. Die Rohstoffe stammen besonders bevorzugt aus Agrarreststoffen, die der primären
Nutzung nicht zugänglich sind.
1. Verfahren zur Herstellung eines formstabilen Gegenstandes (10), vorzugsweise eines
Behälters, umfassend die folgenden Schritte:
- Bereitstellen von nachwachsender Biomasse (15), (I), wobei die nachwachsende Biomasse
(15) zumindest Fasern (16) mit Lignin (17), insbesondere Cellulosefasern mit Lignin
(17), Hemicellulosen und Cellulose enthalten, und wobei die nachwachsende Biomasse
aus der Gruppe der lignocellulosehaltigen Einjahrespflanzen ausgewählt ist, umfassend
zumindest ligninhaltige Mittellamellen (21), Zellzwickel (25), Primär- und Sekundärwände,
- Zerkleinern der nachwachsenden Biomasse (15), (II),
- Versetzen der nachwachsenden Biomasse (15) mit Wasser (III),
- Vorbehandlung (IV) der nachwachsenden Biomasse (15) durch im Wesentlichen Überführung
der nachwachsenden Biomasse (15) in Biomassefaserstoffe (18) mittels eines einen Dampf
bereitstellenden Hochtemperaturdampfaufschlussprozesses (IVb),
wobei die Temperatur des eingesetzten Dampfes im Bereich von 150 °C bis 280 °C liegt,
vorzugsweise im Bereich von 175 °C bis 250 °C, und wobei die Aufschlussdauer mittels
des Dampfes im Bereich von 10 s bis 900 s liegt, vorzugsweise im Bereich von 20 s
bis 300 s, unter Beibehaltung eines Großteils des Lignins (17) in den Fasern (16),
und unter Herauslösen und Austragen eines Teils der Cellulose sowie der Hemicellulosen,
wobei der relative Anteil des Lignins (17) erhöht wird,
- Bereitstellen der Biomassefaserstoffe (18), (V) in einem Formgebungsprozess (VI)
mit einem Gegenstandswerkzeug unter Ausbildung eines Gegenstandformlings,
- thermische Behandlung (VII) des Gegenstandformlings unter Umsetzen zumindest bereichsweise
des in den Fasern (16) der Biomassefaserstoffe (18) enthaltenen Lignins (17) an die
Außenfläche (23) der Fasern (16), wobei durch das Aufreißen der ligninhaltigen Mittellamellen,
des Zellzwickels, der Primär- und/oder der Sekundärwände eine Zugänglichkeit des Lignins
(17) gegeben ist,
- Erzeugen einer zumindest teilweise irreversiblen Verbindung (VIII) des Gegenstandformlings
durch Vernetzung der Fasern (16) der Biomassefaserstoffe (18) untereinander mittels
des Lignins (17).
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Vorbehandlung (IV) die Cellulose sowie die Hemicellulosen zumindest teilweise
aus dem Verfahren ausgetragen werden, indem die Cellulose sowie die Hemicellulosen
zumindest teilweise aus der nachwachsenden Biomasse (15) herausgelöst werden, und
dass das Lignin (17) möglichst vollständig beim Überführen der nachwachsenden Biomasse
(15) in Biomassefaserstoffe erhalten bleibt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Vorbehandlung (IV) ausgehend von der nachwachsenden Biomasse 50 % bis 100
%, vorzugsweise 60% bis 90 %, des Lignins, 10 % bis 90 %, vorzugsweise 30 % bis 70
%, der Cellulose sowie 10 % bis 70 %, vorzugsweise 30 % bis 50 %, der Hemicellulosen
in den Biomassefaserstoffen (18) verbleibt.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorbehandlung (IV) der nachwachsenden Biomasse (15) in Biomassefaserstoffe (18)
mittels einer mechanischen Aufbereitung (IVa) erfolgt, wobei die mechanische Aufbereitung
(IVa) eine Mahlung der nachwachsenden Biomasse (15) umfasst.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die mechanische Aufbereitung (IVa) mittels eines Refiners mit Mahlplatten ausgeführt
wird, wobei ein Plattenabstand der Mahlplatten des Refiners im Bereich von 0,05 mm
bis 5 mm ausgewählt wird, vorzugsweise im Bereich von 0,1 mm bis 0,5 mm, und wobei
eine Stoffdichte der nachwachsenden Biomasse (15) im Bereich von 0,5 % bis 10 % ausgewählt
wird, vorzugsweise im Bereich von 1 % bis 5 %.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Vorbehandlung (IV) die zerkleinerten lignocellulosehaltigen Einjahrespflanzen
derart aufgebrochen werden, dass deren ligninhaltige Mittellamellen, die Zellzwickel
und die Primär- sowie Sekundärwände zumindest teilweise aufgebrochen werden, wobei
das Lignin (17) möglichst vollständig beim Überführen der nachwachsenden Biomasse
(15) in Biomassefaserstoffe erhalten bleibt und zur anschließenden Vernetzung bei
der thermischen Behandlung (VII) freigelegt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das freigelegte Lignin (17) zumindest im Wesentlichen vollständig zur Erzeugung einer
irreversiblen Verbindung (VIII) des Gegenstandsformlings ausgebildet und eingerichtet
ist, wobei die Zugänglichkeit des Lignins (17) erhöht wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorbehandlung (IV) der nachwachsenden Biomasse (15) in Biomassefaserstoffe (18)
mittels eines Hochausbeute-Aufschlussverfahrens (IVd) erfolgt, bevorzugt durch ein
Carbonataufschlussverfahren, wobei die Temperatur bei dem Hochausbeute-Aufschlussverfahren
(IVd) im Bereich von 100 °C bis 215 °C liegt, vorzugsweise im Bereich von 135 °C bis
175 °C, und wobei die Aufschlussdauer im Bereich von 15 min bis 150 min liegt, vorzugsweise
im Bereich von 20 min bis 60 min, und wobei ein Aufschlussmittel mit einer Konzentration
im Bereich von 5 % bis 35 % eingesetzt wird, vorzugsweise im Bereich von 10 % bis
25 %, vorzugsweise wird als Aufschlussmittel Na2CO3 in Lösung eingesetzt.
9. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Vorbehandlung (IV) nachgelagert eine Mahlung (IVa') durchgeführt wird, wobei
die Mahlung (IVa') mittels eines Refiners mit Mahlplatten ausgeführt wird, wobei ein
Plattenabstand der Mahlplatten des Refiners im Bereich von 0,05 mm bis 5 mm ausgewählt
wird, vorzugsweise im Bereich von 0,1 mm bis 0,5 mm, und wobei eine Stoffdichte der
nachwachsenden Biomasse (15) im Bereich von 0,5 % bis 10 % ausgewählt wird, vorzugsweise
im Bereich von 1 % bis 5 %.
10. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass der Formgebungsprozess (IVa) mit dem Gegenstandswerkzeug durchgeführt wird, das als
ein Formwerkzeug und als ein zu dem Formwerkzeug korrespondierendes Presswerkzeug
ausgebildet und eingerichtet ist, wobei die Biomassefaserstoffe (18) in dem Formwerkzeug
zu dem Gegenstandsformling geformt werden und mit dem Presswerkzeug unter Ausbildung
eines Presswerkzeugpressdrucks gepresst werden, wobei der Presswerkzeugpressdruck
im Bereich von 0,5 bar bis 22 bar liegt, vorzugsweise im Bereich von 1 bar bis 8 bar.
11. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Formgebungsprozess (VI) ausgewählt ist aus einem oder mehreren der nachfolgenden
Verfahren: Spritzgussverfahren, Extrusionsverfahren, Pressverfahren oder Tiefzieh-
und Blasformverfahren.
12. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass mittels der Vorbehandlung (IV) der nachwachsenden Biomasse (15) in Biomassefaserstoffe
(18) in Verbindung mit dem Formgebungsprozess (VI) und/oder der thermischen Behandlung
(VII) derart die Eigenschaften des formstabilen Gegenstandes (10) einstellbar sind,
dass die Härte, die Formstabilität und/oder die Wasserfestigkeit, in Abhängigkeit
von der Temperatur, dem Pressdruck, der Stoffdichte und/oder dem Mahlgrad, variierbar
sind.
13. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die thermische Behandlung (VII) des Gegenstandformlings unter Ausbildung eines Trocknungspressdrucks
auf den Gegenstandformling erfolgt, wobei der Trocknungspressdruck im Bereich von
0,3 bar bis 10 bar liegt, vorzugsweise im Bereich von 0,5 bar bis 5 bar.
14. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die thermische Behandlung (VII) des Gegenstandformlings ohne Ausbildung eines Trocknungspressdrucks
auf den Gegenstandformling erfolgt.
15. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohstoffe der nachwachsenden Biomasse (15) ausgewählt sind aus mindestens einem
oder einer Kombination der langfaserigen lignocellulosehaltigen Pflanzen, insbesondere
aus Gräsern, Getreide, Stroh, Bast-, Blätter-, Samen- und/oder Samenhülsenfasern,
besonders bevorzugt aus Miscanthus, Hanf, Stroh, Haferspelze, Flachs, Sisal und/oder
Bambus.
1. Method for manufacturing a dimensionally stable object (10), preferably a container,
comprising the following steps:
- Providing renewable biomass (15), (I), wherein the renewable biomass (15) contains
at least fibres (16) with lignin (17), in particular cellulose fibres with lignin
(17), hemicelluloses and cellulose, and wherein the renewable biomass is selected
from the group of lignocellulose-containing annual plants, comprising at least lignin-containing
central lamellae (21), cell gussets (25), primary and secondary walls,
- comminuting the renewable biomass (15), (II),
- adding water (III) to the renewable biomass (15),
- pre-treatment (IV) the renewable biomass (15) by substantially converting the renewable
biomass (15) into biomass fibrous material (18) by means of a high-temperature steam
digestion process (IVb) providing a steam, wherein the temperature of the steam used
is in the range from 150°C to 280°C, preferably in the range from 175°C to 250°C,
and wherein the digestion time by means of the steam is in the range from 10 s to
900 s, preferably in the range from 20 s to 300 s, while retaining a majority of the
lignin (17) in the fibres (16), and while dissolving and discharging a part of the
cellulose and the hemicelluloses, wherein the relative amount of lignin (17) is increased,
- providing the biomass fibrous material (18), (V) in a moulding process (VI) with
an object mould to form an object moulding,
- thermally treating (VII) the object moulding by transferring at least partially
the lignin (17) contained in the fibres (16) of the biomass fibrous material (18)
to the outer surface (23) of the fibres (16), wherein the lignin (17) is made accessible
by tearing open the lignin-containing central lamellae, the cell gusset, the primary
and/or the secondary walls,
- creating an at least partially irreversible bond (VIII) of the object moulding by
cross-linking the fibres (16) of the biomass fibrous material (18) with one another
by means of the lignin (17).
2. Method according to claim 1, characterised in that during the pre-treatment (IV) the cellulose and the hemicelluloses are at least partially
discharged from the method by at least partially dissolving the cellulose and the
hemicelluloses out of the renewable biomass (15), and in that the lignin (17) is retained as completely as possible when the renewable biomass
(15) is converted into biomass fibrous material.
3. Method according to claim 1 or 2, characterised in that in the pre-treatment (IV), starting from the renewable biomass, 50 % to 100 %, preferably
60 % to 90 %, of the lignin, 10 % to 90 %, preferably 30 % to 70 %, of the cellulose
and 10 % to 70 %, preferably 30 % to 50 %, of the hemicelluloses remain in the biomass
fibrous material (18).
4. Method according to one or more of claims 1 to 3, characterised in that the pre-treatment (IV) of the renewable biomass (15) into biomass fibrous material
(18) is carried out by means of a mechanical treatment (IVa), wherein the mechanical
treatment (IVa) comprises a grinding of the renewable biomass (15).
5. Method according to claim 4, characterised in that the mechanical treatment (IVa) is carried out by means of a refiner with grinding
plates, wherein a plate spacing of the grinding plates of the refiner is selected
in the range from 0.05 mm to 5 mm, preferably in the range from 0.1 mm to 0.5 mm,
and wherein a stock consistency of the renewable biomass (15) is selected in the range
from 0.5 % to 10 %, preferably in the range from 1 % to 5 %.
6. Method according to one or more of claims 1 to 5, characterised in that in the pre-treatment (IV) the comminuted lignocellulose-containing annual plants
are broken up in such a way that their lignin-containing central lamellae, the cell
gussets and the primary and secondary walls are at least partially broken up, wherein
the lignin (17) is retained as completely as possible during the conversion of the
renewable biomass (15) into biomass fibrous material and is exposed for subsequent
cross-linking in the thermally treating process (VII).
7. Method according to claim 6, characterised in that the exposed lignin (17) is at least substantially completely configured and adapted
for creating an irreversible bond (VIII) of the object moulding, wherein the accessibility
of the lignin (17) is increased.
8. Method according to claim 1, characterised in that the pre-treatment (IV) of the renewable biomass (15) into biomass fibrous material
(18) is performed by means of a high-yield pulping process (IVd), preferably by a
carbonate pulping process, wherein the temperature in the high-yield pulping process
(IVd) is in the range of 100 °C to 215 °C preferably in the range from 135 °C to 175
°C, and wherein the digestion time is in the range from 15 min to 150 min, preferably
in the range from 20 min to 60 min, and wherein a digestion medium with a concentration
in the range from 5 % to 35 % is used, preferably in the range from 10 % to 25 %,
preferably Na2CO3 in solution is used as the digestion medium.
9. Method according to one or more of claims 1 to 8, characterised in that downstream of the pre-treatment (IV) a grinding (IVa') is carried out, wherein the
grinding (IVa') is carried out by means of a refiner with grinding plates, wherein
a plate spacing of the grinding plates of the refiner is selected in the range from
0.05 mm to 5 mm, preferably in the range from 0.1 mm to 0.5 mm, and wherein a stock
consistency of the renewable biomass (15) is selected in the range from 0.5 % to 10
%, preferably in the range from 1 % to 5 %.
10. Method according to one or more of claims 1 to 9, characterised in that the moulding process (IVa) is carried out with the object mould, which is configured
and adapted as a moulding tool and as a pressing tool corresponding to the moulding
tool, wherein the biomass fibrous materials (18) are formed in the moulding tool as
the object moulding and are pressed with the pressing tool to apply a pressing tool
pressing pressure, wherein the pressing tool pressing pressure is in the range from
0.5 bar to 22 bar, preferably in the range from 1 bar to 8 bar.
11. Method according to one or more of claims 1 to 10, characterised in that the moulding process (VI) is selected from one or more of the following processes:
injection moulding process, extrusion process, compression moulding process or thermoforming
and blow moulding process.
12. Method according to one or more of claims 1 to 11, characterised in that, by means of the pre-treatment (IV) of the renewable biomass (15) to biomass fibrous
material (18) in conjunction with the moulding process (VI) and/or the thermally treating
(VII), the properties of the dimensionally stable object (10) are adjustable in such
a way that the hardness, the dimensional stability and/or the water resistance are
variable depending on the temperature, the pressing pressure, the stock consistency
and/or the degree of grinding.
13. Method according to one or more of claims 1 to 12, characterised in that the thermally treating (VII) of the object moulding is carried out with the formation
of a drying pressure on the object moulding, the drying pressure being in the range
from 0.3 bar to 10 bar, preferably in the range from 0.5 bar to 5 bar.
14. Method according to one or more of claims 1 to 12, characterised in that the thermally treating (VII) of the object moulding is carried out without the formation
of a drying pressure on the object moulding.
15. Method according to one or more of claims 1 to 14, characterised in that the raw materials of the renewable biomass (15) are selected from at least one or
a combination of the long-fibre lignocellulose-containing plants, in particular from
grasses, grains, straw, bast, leaf, seed and/or seed husk fibres, particularly preferably
from miscanthus, hemp, straw, oat husk, flax, sisal and/or bamboo.
1. Procédé de fabrication d'un objet indéformable (10), de préférence un récipient, comprenant
les étapes suivantes :
- mise à disposition d'une biomasse renouvelable (15), (I), la biomasse renouvelable
(15) contenant au moins des fibres (16) avec de la lignine (17), en particulier des
fibres de cellulose avec de la lignine (17), des hémicelluloses et de la cellulose,
et la biomasse renouvelable étant choisie dans le groupe des plantes annuelles contenant
de la lignocellulose, comprenant au moins des lamelles centrales (21) contenant de
la lignine, des goussets cellulaires (25), des parois primaires et secondaires,
- broyage de la biomasse renouvelable (15), (II),
- mélange de la biomasse renouvelable (15) avec de l'eau (III),
- prétraitement (IV) de la biomasse renouvelable (15) en transformant essentiellement
la biomasse renouvelable (15) en matières fibreuses de biomasse (18) au moyen d'un
processus de digestion à la vapeur à haute température (IVb) fournissant de la vapeur,
la température de la vapeur utilisée étant entre 150°C et 280°C, de préférence entre
175°C et 250°C, et la durée de digestion au moyen de la vapeur étant entre 10 s et
900 s, de préférence entre 20 s et 300 s, avec conservation d'une grande partie de
la lignine (17) dans les fibres (16), et avec dissolution et évacuation d'une partie
de la cellulose ainsi que des hémicelluloses, la proportion relative de la lignine
(17) étant augmentée,
- mise à disposition des matières fibreuses de biomasse (18), (V) dans un processus
de mise en forme (VI) avec un outil d'objet en formant un objet moulé,
- traitement thermique (VII) de l'objet moulé en déplaçant au moins par secteur la
lignine (17) contenue dans les fibres (16) des matières fibreuses de biomasse (18)
sur la surface extérieure (23) des fibres (16), une accessibilité de la lignine (17)
étant donnée par la déchirure des lamelles centrales contenant de la lignine, du gousset
cellulaire, des parois primaires et/ou secondaires,
- création d'une liaison (VIII) au moins partiellement irréversible de l'objet moulé
par réticulation des fibres (16) des matières fibreuses de biomasse (18) entre elles
au moyen de la lignine (17).
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que, lors du prétraitement (IV), la cellulose ainsi que les hémicelluloses sont évacuées
au moins partiellement du procédé, en extrayant la cellulose ainsi que les hémicelluloses
au moins partiellement de la biomasse renouvelable (15), et en ce que la lignine (17) est conservée le plus complète possible en transformant la biomasse
renouvelable (15) en matières fibreuses de biomasse.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que, lors du prétraitement (IV), en partant de la biomasse renouvelable, de 50 % à 100
%, de préférence de 60 % à 90 %, de la lignine, de 10 % à 90 %, de préférence de 30
% à 70 %, de la cellulose ainsi que de 10 % à 70 %, de préférence de 30 % à 50 %,
des hémicelluloses est restée dans les matières fibreuses de biomasse (18).
4. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que le prétraitement (IV) de la biomasse renouvelable (15) en matières fibreuses de biomasse
(18) est effectué au moyen d'une préparation mécanique (IVa), la préparation mécanique
(IVa) comprenant un broyage de la biomasse renouvelable (15).
5. Procédé selon la revendication 4, caractérisé en ce que la préparation mécanique (IVa) est réalisé au moyen d'un raffineur avec des plaques
de broyage, une distance des plaques des plaques de broyage du raffineur est choisie
entre 0,05 mm et 5 mm, de préférence entre 0,1 mm et 0,5 mm, et une densité de matière
de la biomasse renouvelable (15) est choisie entre 0,5 % et 10 %, de préférence entre
1 % et 5 %.
6. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que, lors du prétraitement (IV), les plantes annuelles contenant de la lignocellulose
et broyées sont brisées de telle sorte que leurs lamelles centrales contenant de la
lignine, les goussets cellulaires et les parois primaires et secondaires sont brisés
au moins partiellement, la lignine (17) étant conservée le plus complète possible
lors de la transformation de la biomasse renouvelable (15) en matières fibreuses de
biomasse et étant dégagée pour la réticulation ultérieure lors du traitement thermique
(VII).
7. Procédé selon la revendication 6, caractérisé en ce que la lignine (17) exposée est configurée et adaptée au moins essentiellement entièrement
pour produire une liaison irréversible (VIII) de l'objet moulé, l'accessibilité de
la lignine (17) étant augmentée.
8. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le prétraitement (IV) de la biomasse renouvelable (15) en matières fibreuses de biomasse
(18) est effectué au moyen d'un procédé de digestion à haut rendement (IVd), de préférence
par un procédé de digestion au carbonate, la température lors du procédé de digestion
à haut rendement (IVd) étant entre 100 °C et 215 °C, de préférence entre 135 °C et
175 °C, et la durée de digestion étant entre 15 min et 150 min, de préférence entre
20 et 60 min, et un moyen de digestion est utilisé avec une concentration entre 5
% et 35 %, de préférence entre 10 % et 25 %, de préférence Na2CO3 en solution est utilisé comme moyen de digestion.
9. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 8, caractérisé en ce qu'un broyage (IVa') est effectué en aval du prétraitement (IV), le broyage (IVa') est
effectué au moyen d'un raffineur avec des plaques de broyage, une distance des plaques
des plaques de broyage du raffineur est choisie entre 0,05 mm et 5 mm, de préférence
entre 0,1 mm et 0,5 mm, et une densité de matière de la biomasse renouvelable (15)
est choisie entre 0,5 % et 10 %, de préférence entre 1 % et 5 %.
10. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 9, caractérisé en ce que le processus de moulage (IVa) est réalisé avec l'outil d'objet qui est configuré
et adapté comme un outil de moulage et comme un outil de pressage correspondant à
l'outil de moulage, les matières fibreuses de biomasse (18) sont moulées dans l'outil
de moulage en l'objet moulé et sont pressées avec l'outil de pressage en créant une
pression de pressage d'outil de pressage, la pression de pressage d'outil de pressage
étant entre 0,5 bar et 22 bar, de préférence entre 1 bar et 8 bar.
11. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 10, caractérisé en ce que le processus de moulage (VI) est choisi parmi un ou plusieurs des procédés suivants
: Procédé de moulage par injection, procédé d'extrusion, procédé de pressage ou procédé
d'emboutissage et de moulage par soufflage.
12. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 11, caractérisé en ce qu'au moyen du prétraitement (IV) de la biomasse renouvelable (15) en matières fibreuses
de biomasse (18) en liaison avec le processus de moulage (VI) et/ou le traitement
thermique (VII), les propriétés de l'objet indéformable (10) sont réglables de telle
sorte que la dureté, la stabilité de forme et/ou la résistance à l'eau, en fonction
de la température, de la pression de pressage, de la densité de la matière et/ou du
degré de broyage, peuvent être modifiées.
13. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 12, caractérisé en ce que le traitement thermique (VII) de l'objet moulé est effectué en formation d'une pression
de pressage de séchage sur l'objet moulé, la pression de pressage de séchage étant
entre 0,3 bar et 10 bar, de préférence entre 0,5 bar et 5 bar.
14. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 12, caractérisé en ce que le traitement thermique (VII) de l'objet moulé est effectué sans formation d'une
pression de pressage de séchage sur l'objet moulé.
15. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 14, caractérisé en ce que les matières premières de la biomasse renouvelable (15) sont choisies parmi au moins
une ou une combinaison des plantes lignocellulosiques à fibres longues, en particulier
parmi les herbes, les céréales, la paille, les fibres de raphia, de feuilles, de graines
et/ou de gousses de graines, de manière particulièrement préférée parmi le miscanthus,
le chanvre, la paille, l'avoine, le lin, le sisal et/ou le bambou.