[0001] Die Erfindung betrifft ein Strangpressverfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1, eine Rotationsstrangpressmaschine gemäß Patentanspruch 9 sowie einen Flachleiter,
hergestellt nach dem Strangpressverfahren.
[0002] Das kontinuierliche Rotationsstrangpressen oder auch radiales Strangpressen ist eine
Sonderform des konventionellen Strangpressens zum durchgehenden Extrudieren von einfachen
oder geometrisch komplexen End- oder Halbfabrikaten, insbesondere aus Kupfer-Gießdraht.
Die mit dem kontinuierlichen Rotationsstrangpressen extrudierten End- oder Halbzeuge
können insbesondere Stromschienen aus reinem Kupferwerkstoff (Cu-OFE) mit einem Kupfergehalt
von 99,99 Gew.-% sein. Diese Stromschienen finden zunehmend Anwendungen als massive
Flachleiter für Hochvoltanwendungen in Elektrofahrzeugen. Cu-OFE zeichnet sich durch
die Kombination einer sehr hohen elektrischen Leitfähigkeit ≥ 58,6 MS/m und guter
Schweißbarkeit aus.
[0003] Beim Rotationsstrangpressen entsteht infolge der Reibung und aufgrund der hohen Umformgrade
eine hohe Temperatur, die zu Rekristallisationsvorgängen im Gefüge führt. So weisen
z. B. extrudierte Flachleiter bei Verwendung von herkömmlichen Werkzeugen zum Rotationsstrangpressen
ein inhomogenes Gefüge mit Grobkornanteilen im gesamten Strangpressquerschnitt auf.
Diese Gefügezusammensetzung kann sich negativ auf die Eigenschaften von Endprodukten
auswirken, insbesondere bei scharfkantigen Biegeanwendungen. Scharfkantige Biegeanwendungen
sind solche mit größerem Biegewinkel als 90°. Hier führt das inhomogene Gefüge der
stranggepressten Flachleiter zu einem unerwünschten Oberflächenfehler (Orangenhaut-Effekt)
bis hin zu Oberflächenanrissen und vollständigem Versagen.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Strangpressverfahren aufzuzeigen,
welches die Oberflächentopographie der stranggepressten Produkte verbessert, insbesondere
im Hinblick auf die unerwünschten Orangenhaut-Effekte beim scharfkantigen Biegen der
stranggepressten Produkte.
[0005] Der Erfindung liegt ferner die Aufgabe zugrunde, eine geeignete Rotationsstrangpressmaschine
aufzuzeigen, mittels welcher mit hoher Wirtschaftlichkeit die gewünschten Produkte
mit verbesserter Oberflächentopographie herstellbar sind. Schließlich soll ein Flachleiter
mit der gewünschten Oberflächentopographie aufgezeigt werden.
[0006] Die Erfindung wird durch ein Strangpressverfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs
1 gelöst. Die eine Rotationstrangpressmaschine, insbesondere zur Durchführung des
Verfahrens, ist Gegenstand des Patentanspruchs 9. Ein Flachleiter mit den gewünschten
positiven Eigenschaften ist Gegenstand des Patentanspruchs 12.
[0007] Das erfindungsgemäße Strangpressverfahren basiert auf der Zuführung eines Kupferwerkstoffes
in Form eines Drahts, eines Pulvers oder eines Granulats zu einem Reibrad einer Rotationsstrangpresse.
Rotationsstrangpressen bzw. Rotationsstrangpressanlagen arbeiten kontinuierlich und
kostengünstiger als herkömmliche Strangpressanlagen. Bei diesem Verfahren wird der
zugeführte Kupferwerkstoff durch die mittels Reibung und Scherung eingeleitete Energie
erhitzt, bis er plastisch wird. Der plastische Kupferwerkstoff wird vom Reibrad weg
gelenkt und in einen Staukanal in einer Stauplatte geleitet. Der Stauplatte ist die
formgebende Matrize nachgelagert.
[0008] Der Austrittsquerschnitt des Staukanals unmittelbar vor dem Eintritt in der Matrize
ist größer als ein formgebender Extrusionskanal in der Matrize. Dadurch wird eine
Totzone für den plastischen Kupferwerkstoffes vor dem Eintritt in die Matrize geschaffen.
Die Totzone dient dem für das Strangpressverfahren notwendigen Druckaufbau, damit
der Extrusionskanal gleichmäßig mit dem Kupferwerkstoff gefüllt wird.
[0009] Der Begriff "Austrittsquerschnittsfläche" bezieht sich auf die endseitige Querschnittsfläche
des Staukanals. Es wird davon ausgegangen, dass die Matrize diese endseitige Querschnittsfläche
bedeckt und nur den Extrusionskanal für den Durchtritt des plastischen Kupferwerkstoffs
frei lässt. Kupfermaterial tritt also nicht aus der gesamten Austrittsquerschnittsfläche
aus, sondern nur dort, wo es die Matrize zulässt.
[0010] Die Temperatur des plastischen Kupferwerkstoffes in der Totzone und in der Matrize
wird durch Reduzierung des Volumens der Totzone auf einen Zielwert von höchstens 550°C
eingestellt. Da der Kupferwerkstoff in keinem anderen Bereich höhere Temperaturen
erreicht, erfolgt die gesamte Formgebung bei Temperaturen bis maximal 550°C.
[0011] Das Rotationsstrangpressen lässt nur sehr schwer eine Erfassung der Temperaturen
des Kupferwerkstoffes in der Totzone und im Bereich der Matrize zu. Die Kenntnis der
lokalen Temperaturverhältnisse im radialen Strangpressprozess kann aufgrund der komplexen
Verhältnisse nicht exakt berechnet werden. Es können nur mit einer In-situ-Messung
Temperaturen erfasst werden. Im Rahmen der Erfindung wurde dieses mit Thermoschleppelementen
realisiert. In Kenntnis der Messwerte wurden mathematische Modelle angepasst, so dass
sich der Temperaturverlauf mit sehr guter Näherung bestimmen lässt. Es hat sich herausgestellt,
dass für den Zeit-Temperaturverlauf während der radialen Extrusion zunächst ein stetiges
Ansteigen der Temperatur des Kupferwerkstoffs von Raumtemperatur bis zum sehr schnellen
Durchlaufen von zwei charakteristischen Temperaturmaxima erfolgt. Diese beiden Temperaturpeaks
bilden den der Materialscherung und den der Umformung in der Matrize ab. Es hat sich
durch die Messungen gezeigt, dass durch die Reduzierung des Volumens der Totzone eine
Reduzierung der Umformtemperatur um ca. 50°C auf einen Maximalwert von 550°C erreicht
werden kann. Die Reduzierung der Totzone hat überraschenderweise Einfluss auf die
Gefügestruktur des vollständig rekristallisierten Gefüges im stranggepressten Profil.
Untersuchungen haben gezeigt, dass bei vergleichbarer Extrusionsgeschwindigkeit die
Umformtemperatur um 50°C auf einen Höchstwert von 550°C gezielt zur Kornfeinung in
der Größenordnung von etwa 20 µm genutzt werden kann. Das bedeutet, dass der mittlere
gewichtete Durchschnitt der Körner des Kristallgefüges um ca. 20 µm reduziert wurde,
so dass das Gefüge einen mittleren gewichteten Korndurchmesser in einem Bereich von
45 µm bis 65 µm aufweist.
[0012] Aufgrund der niedrigeren Umformtemperaturen, insbesondere im Bereich der Totzonen
im Übergang in die Matrize wird das Kornwachstum gehemmt. Dadurch werden die grobkörnigen
Gefügeanteile deutlich reduziert. Das Gefüge wird homogener. Bei der radialen Extrusion
mittels der Rotationsstrangpressmaschine kann insbesondere bei Werkstoffen der Gruppe
Cu-OFE eine Festigkeitssteigerung sowie eine signifikante Verbesserung der Streckgrenze
um bis zu 20 MPa erreicht werden. Zusätzlich kann ein durchschnittlicher HV0,5-Mikrohärteanstieg
von ca. 10% festgestellt werden.
[0013] Die Erhöhung der Duktilität in Kombination mit einer homogeneren Gefügeverteilung
verbessert bei verformungsintensiven Biegebeanspruchungen von massiven Flachleitern
die Oberflächentopologie. Mit dem erfindungsgemäßen Strangpressverfahren werden unerwünschte
Orangenhaut-Effekte signifikant reduziert oder sogar vermieden.
[0014] Aufgrund der verhältnismäßig niedrigeren Umformtemperaturen und der damit verbundenen
geringeren thermischen Belastung der Umformwerkzeuge eignet sich das neu entwickelte
Strangpressverfahren bzw. das zur Verbesserung des Verfahrens verwendete Werkzeugkonzept
zur Verschleißreduzierung und damit auch zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Betriebs
der kontinuierlichen Rotationsstrangpressanlage.
[0015] Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn das Strangpressverfahren mit einem Staukanal
durchgeführt wird, der sich im Bereich der Totzone ausschließlich trichterförmig erweitert.
Der Begriff "ausschließlich trichterförmig erweitert" bedeutet, dass es gegen Ende
des Staukanals keinen Bereich geben sollte, bei welchem sich der Querschnitt der Totzone
bzw. des Staukanals nicht mehr erweitert. Es hat sich als besonders vorteilhaft herausgestellt,
wenn sich die Totzone stetig trichterförmig erweitert. Das Erweitern des trichterförmigen
Bereichs erfolgt also in Fließrichtung des Kupferwerkstoffs von jeder Querschnittsebene
zur nachfolgenden Querschnittsebene des Staukanals.
[0016] Es hat sich ferner gezeigt, dass die Hemmung des Kornwachstums besonders dann erreicht
werden kann, wenn ein Staukanal verwendet wird, der eine Austrittsquerschnittsfläche
besitzt, die im Vergleich zur Eintrittsquerschnittsfläche des Extrusionskanals nicht
zu groß ist und insbesondere 40 % bis max. 60 % größer ist als die Eintrittsquerschnittsfläche
des Extrusionskanals. Wenn der Unterschied größer als 40-60 % ist, beispielsweise
100 % beträgt, bildet sich eine große Totzone aus, in der die Fließgeschwindigkeit
des Kupferwerkstoffes bis auf Null absinken kann. Gleichzeitig führt der große Durchmesserunterschied
zwischen der Austrittsquerschnittsfläche und der Eintrittsquerschnittsfläche zu einem
charakteristischen Temperaturmaxima, das durch die Erfindung vermieden werden soll.
Wenn die Austrittsquerschnittsfläche lediglich 40-60 % größer ist als die Eintrittsquerschnittsfläche
kann ein Zielwert von höchstens 550°C in dieser Totzone erreicht werden und damit
auch im Übergang zum Extrusionskanal.
[0017] Darüber hinaus hat sich herausgestellt, dass es besonders vorteilhaft ist, einen
Staukanal zu verwenden, in welchem der sich trichterförmig erweiternde Bereich, der
auch als Stautrichter bezeichnet werden kann, nicht zu lang ist, d. h. in einem nicht
zu großen Abstand von der Matrize beginnt. Der Stautrichter besitzt eine Eintrittsquerschnittsfläche
in einem Abstand zur Matrize, wobei der Abstand max. 30 % größer sein sollte als der
kleinste Durchmesser des Extrusionskanals in der Eintrittsquerschnittsfläche des Extrusionskanals.
Der Extrusionskanal hat bei der Herstellung von stranggepressten Flachleitern eine
im Wesentlichen rechteckige Form. Der Abstand der Eintrittsquerschnittsebene des Stautrichters
orientiert sich an dem kleinsten Durchmesser des Extrusionskanals, d. h. z. B. an
der Dicke des Flachleiters und nicht an dessen Breite. Dementsprechend ist der sich
trichterförmig erweiternde Stautrichter nicht insgesamt kegelstumpfförmig, sondern
weitet sich von einer beispielsweise quadratischen oder runden Eintrittsquerschnittsfläche
auf zu der Austrittsquerschnittsfläche, die 40-60 % größer ist als die Eintrittsquerschnittsfläche
und max. 30 % von dem Beginn des Stautrichters entfernt ist. Der Stautrichter sollte
an seinem Ende in allen Umfangsbereichen des Extrusionskanals gleichmäßig proportional
etwas größer sein als der Extrusionskanal, um einen gleichmäßigen Materialfluss in
den Extrusionskanal zu gewährleisten und auch um eine gleichmäßige Temperaturverteilung
innerhalb des Staukanals und innerhalb des Extrusionskanals zu erreichen. Proportional
größer bedeutet, dass die Austrittsquerschnittsfläche z. B. rechteckig mit den Proportionen
des Flachleiters ist bzw. des Extrusionskanals.
[0018] Das Strangpressverfahren eignet sich insbesondere zum radialen Strangpressen von
Reinkupfer. Hierunter wird ein hochreines und sauerstofffreies Kupfer mit einem Kupfergehalt
von mindestens 99,99 Gew.-Prozent verstanden, insbesondere Cu-OFE Kupfer. Hierbei
handelt sich um ein nicht desoxidiertes und sauerstofffreies Kupfer, das keine im
Vakuum verdampfbaren Elemente beinhaltet und eine sehr hohe Leitfähigkeit für Elektrizität
und Wärme aufweist. Die zulässigen Legierungsbestandteile sind 0,0025 % Ag, 0,0015
S, 0,0010 Ni, 0,0010 Fe, 0,0003 P, bis 0,0005 As, 0,00020 Bi, 0,0001 Cd, 0,0005 Mn,
0,0005 Pb, 0,0004 Sb, 0,00020 Se, 0,0002 Sn, 0,00020 Te, und 0,0001Zn (alle Angaben
in Massen-Prozent). Der Sauerstoffgehalt wird so eingestellt, dass der Werkstoff die
Anforderung zur Wasserstoffbeständigkeit nach DIN EN 1976 erfüllt. Die Werkstoffbezeichnungen
sind in Europa gemäß EN Cu-OFE, CW009A, in den USA (ASTM(UNS)) C10100 und in Japan
(JIS)C1011.
[0019] Bevorzugt wird das extrudierte Profil nach dem Austritt aus der Matrize unmittelbar
gekühlt, um das Kornwachstum außerhalb der Matrize zu verhindern. Dadurch wird der
Kornfeinungseffekt erhalten und die Duktilität des Endprodukts gesteigert.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren wird insbesondere auf einer Rotationsstrangpressmaschine
gemäß den Merkmalen des Patentanspruchs 9 durchgeführt. Eine solche Rotationsstrangpressmaschine
umfasst ein Reibrad zum Erhitzen eines in Form eines Drahts, eines Pulvers oder eines
Granulats zugeführten Kupferwerkstoffes. Ferner umfasst die Rotationsstrangpressmaschine
zum durchgehenden radialen Extrudieren eine Stauplatte, in welche der plastische Kupferwerkstoff
radial umgeleitet wird. Schon vor dem Eintritt in die Stauplatte wird die Temperatur
des Kupferwerkstoffs auf Werte bis ca. 500°C gesteigert. Nach der Umlenkung des Kupferwerkstoffes
in den Staukanal sinkt die Temperatur, um im weiteren Verlauf des Staukanals bis unmittelbar
vor Eintritt in die formgebende Matrize wieder auf einen Maximalwert zu steigen. Die
höchsten Werte werden im Bereich der Totzone erreicht, die der Eintrittsquerschnittsfläche
der Matrize unmittelbar vorgelagert ist. Der Staukanal besitzt zur Ausbildung der
Totzone eine Austrittsquerschnittsfläche, die 40-60 % größer ist als die Eintrittsquerschnittsfläche
des Extrusionskanals. Die Totzone wird in ihrer Größe gezielt begrenzt, damit der
gestauchte, plastisch gewordene Werkstoff keine zu hohen Temperaturen in diesem Bereich
erreicht. Es wird der erforderliche Druck zur Befüllung des Extrusionskanals aufgebaut,
allerdings ohne die für die Kornfeinung im Randbereich ungünstigen Temperaturbereiche
zu durchlaufen.
[0021] Der Staukanal soll daher insbesondere ausschließlich und stetig trichterförmig erweitert
sein und keine Durchmessersprünge, im Durchmesser stagnierende Bereiche oder sonstige
Abstufungen aufweisen. Vorzugsweise ist die Erweiterung des Staukanals von Beginn
des Stautrichters bis zum Ende des Stautrichters stetig und gleichmäßig. Zudem soll
bei der erfindungsgemäßen Rotationsstrangpressmaschine der Staukanal, der einen sich
zur Matrize hin trichterförmig erweiternden Stautrichter besitzt, nicht zu lang sein.
Der Abstand seiner Eintrittsquerschnittsfläche zur Matrize soll maximal 30 % größer
sein als der kleinste Durchmesser des Extrusionskanals in der Eintrittsquerschnittsfläche
des Extrusionskanals.
[0022] Die Erfindung betrifft ferner einen Flachleiter, hergestellt nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren, wobei das Gefüge einen mittleren Korndurchmesser in einem Bereich von 45-65
µm aufweist.
[0023] Ein solcher Flachleiter besitzt vorzugsweise eine Zugfestigkeit von 210-220 MPa bei
einer Dehngrenze von über 70 MPa, insbesondere im Bereich von 70-80 MPa. Die Extrusionsdrehzahlen
bei dem erfindungsgemäßen Strangpressverfahren bzw. bei der Rotationsstrangpressmaschine
bewegen sich vorzugsweise in einem Bereich von 6-10 Umdrehungen/min. Einen maßgeblichen
Einfluss auf die Gefügestruktur hat die Gestaltung des Stautrichters bzw. des Staukanals
und der daraus resultierenden Totzone. Die Oberflächentopographie für eine rissfreie
und verformungsintensive Biegebeanspruchung kann mit dem richtig gestalteten Stautrichter
signifikant verbessert werden. Durch die Verbesserung des Biegeumformvermögens stranggepresster
Kupferflachleiter können neue Produkte für zukünftige Mobilitätskonzepte entwickelt
werden, insbesondere da auch bei einem Biegen über die schmale Kante des Flachleiters
andere Leitungsführungen der Flachenleiter, insbesondere in Zusammenhang mit der Elektromobilität,
ermöglicht werden.
[0024] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von in schematischen Zeichnungen dargestellten
Ausführungsbeispielen näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung einer kontinuierlichen Rotationsstrangpressmaschine;
- Figur 2
- die Rotationsstrangpressemaschine der Figur 1 teilweise im Schnitt;
- Figur 3
- einen Längsschnitt zur Veranschaulichung des Materialflusses durch die Rotationsstrangpressmaschine
der Figur 2;
- Figur 4
- einer horizontalen Querschnitt durch eine Stauplatte und eine Matrize (Stand der Technik);
- Figur 5
- einen vertikalen Querschnitt durch eine Stauplatte und die Matrize der Figur 4 (Stand
der Technik);
- Figur 6
- einen horizontalen Querschnitt durch eine Stauplatte und eine Matrize gemäß einer
erfindungsgemäßen Ausführungsform;
- Figur 7
- einen vertikalen Querschnitt durch die Stauplatte und die Matrize der Figur 6;
- Figur 8
- eine Darstellung der Fließgeschwindigkeiten des Kupferwerkstoffs in dem Strangpresswerkzeugsatz
gemäß der Bauform der Figuren 4 und 5 (Stand der Technik);
- Figur 9
- eine Darstellung der Fließgeschwindigkeiten des Kupferwerkstoffs in dem Strangpresswerkzeugsatz
gemäß der erfindungsgemäßen Bauform der Figuren 6 und 7;
- Figur 10
- eine Darstellung der Temperaturverteilung im Werkzeugsatz der Figuren 4 und 5 (Stand
der Technik);
- Figur 11
- eine Darstellung der Temperaturverteilung im erfindungsgemäßen Werkzeugsatz der Figuren
6 und 7;
- Figur 12
- ein Diagramm zur Verdeutlichung der Zugfestigkeit und Streckgrenzen in Abhängigkeit
von der Drehzahl und in Abhängigkeit von der Bauform des Werkzeugsatzes;
- Figur 13
- ein Schliffbild durch einen Quadranten eines Flachleiters in Gegenüberstellung des
Standes der Technik im Vergleich zur erfindungsgemäßen Ausführungsform;
- Figur 14
- eine Draufsicht auf die radial äußere Biegezone eines Flachleiters, der um 180° gebogen
wurde, in vergrößerter Darstellung gemäß dem Stand der Technik;
- Figur 15
- eine Draufsicht auf die radial äußere Biegezone eines Flachleiters, der um 180° gebogen
wurde, in vergrößerter Darstellung gemäß der erfindungsgemäßen Lösung.
[0025] Die Figuren 1 und 2 zeigen in schematischer Darstellung eine Rotationsstrangpressemaschine
1, der ein Kupferdraht 2 zugeführt wird, um durch radiale Extrusion in einen Flachleiter
3 mit im Westlichen rechteckigen Querschnitt herzustellen. Der Kupferdraht 2 wird
durch eine Greifzone 5 (Figur 3) geführt. Der Kupferdraht 2 wird von einem runden
Querschnitt in einen teilweise abgeflachten Querschnitt umgeformt. Die Temperatur
des Kupferwerkstoffes nimmt langsam zu, bis der Kupferwerkstoff in eine auf die Greifzone
folgende Stauchzone 6 gelangt und dort erweicht und plastisch wird. Die Stauchzone
6 mündet in einen radial abzweigenden Staukanal 7 in einer Stauplatte 8. Der plastisch
gewordene Kupferwerkstoff wird unmittelbar aus dem sich in Fließrichtung erweiternden
Staukanal 7 einer Matrize 9 zugeführt. Der für die Erfindung maßgebliche Bereich ist
in Figur 2 gekennzeichnet und betrifft die Gestaltung des dort angeordneten Werkzeugsatzes,
bestehend aus Stauplatte 8 und Matrize 9.
[0026] Zunächst wird der Stand der Technik anhand der Figuren 4 und 5 erläutert. Die Figuren
4 und 5 zeigen eine horizontale und eine vertikale Schnittebene durch ein- und dieselbe
Stauplatte 8 und die darauf folgende Matrize 9. In der Matrize 9 befindet sich ein
Extrusionskanal 10, der bis zu einer zentralen Engstelle zu seinem Anfangs- und Endbereich
leicht trichterförmig erweitert ist. Die Matrize 9 besitzt einen Eintrittsquerschnitt
11, der unmittelbar an den Austrittsquerschnitt 12 des Staukanals 7 grenzt. Die beiden
Querschnitte fallen in einer Ebene zusammen. Das Aufstauen des Kupferwerkstoffes ist
erforderlich, um eine gleichmäßige Füllung des Extrusionskanals 10 in der Matrize
9 zu gewährleisten. Der Staukanal 7 besitzt hierzu einen Anfangsquerschnitt, der beispielsweise
quadratisch mit gerundeten Ecken sein kann. Darauf folgt ein sich trichterförmig erweiternder
Bereich, der als Stautrichter 13 bezeichnet wird. Dieser trichterförmig erweiternde
Bereich mündet kurz vor der Austrittsquerschnittsfläche 12 in einen Endbereich mit
im Wesentlichen gleich bleibendem Querschnitt. Dieser Bereich mit im Wesentlichen
gleich bleibenden Querschnitt bildet eine Totzone 14, die von dem plastischen Kupferwerkstoff
gefüllt wird. Der Kupferwerkstoff staut sich dort auf und wird anschließend in den
Extrusionskanal 10 der Matrize 9 überführt. Die Tiefe R1 bezeichnet die Tiefe des
Stautrichters 13, gemessen vom Randbereich des Extrusionskanals 10. Die Tiefe R2 gemäß
Figur 5 ist in gleicher Weise zu verstehen. Aufgrund der unterschiedlichen Dimensionen
in Längs- und Querrichtung des Extrusionskanals 10 ist die Tiefe R2 proportional kleiner
als die Tiefe R1 in der ersten Schnittebene gemäß Figur 4.
[0027] Die Ausführungsform der Figur 6 zeigt die erfindungsgemäße Variante. Für im Wesentlichen
funktionsgleiche Komponenten werden die zuvor eingeführten Bezugszeichen weiterhin
verwendet.
[0028] Die Bauform der Figuren 6 und 7 zeigt einen Extrusionskanal 7, der hinsichtlich des
Volumens eine wesentlich kleinere Totzone 14 im Stautrichter 13 aufweist. Der Stautrichter
13 ist auch insgesamt kürzer Die Figur 7 zeigt den Abstand A1 zwischen einer Eintrittsquerschnittsfläche
15 des Stautrichters 13 und der Matrize 9. Der besagte Abstand A1 ist max. 30 % größer
als der kleinste Durchmesser D1 in der Eintrittsquerschnittsfläche 11 des Extrusionskanals
10, wie anhand der Figur 7 zu erkennen ist.
[0029] Ferner ergibt sich, dass die Tiefen R3, R4 der Totzone 14 deutlich kleiner sind als
bei der Ausführungsform gemäß der Figuren 4 und 5. Die Austrittsquerschnittsfläche
12 des Staukanals 7 ist nur 40-60 % größer als die Eintrittsquerschnittsfläche 11
des Extrusionskanals 10 in der Matrize 9. Die nachfolgenden Figuren verdeutlichen
die Auswirkungen dieser Werkzeugmodifikation.
[0030] Die Figuren 8 und 9 verdeutlichen einmal zum Stand der Technik und einmal in der
erfindungsgemäßen Ausführungsform die Unterschiede der Fließgeschwindigkeiten des
Kupferwerkstoffes, jeweils bezogen auf einen Quadranten des Strangpressprofils. Es
ist zu erkennen, dass in der größeren Totzone 14 gemäß Figur 8 die Fließgeschwindigkeit
aufgrund der dunklen Farbgebung sehr gering ist und bis auf null absinkt. Die kleinere
Totzone 14 gemäß der erfindungsgemäßen Ausführungsform (Figur 9) weist ebenfalls eine
Reduzierung der Strömungsgeschwindigkeit auf, allerdings muss nur ein kleinerer Anteil
des Werkstoffs von den geringen Geschwindigkeiten umgelenkt und beschleunigt werden,
um in den Extrusionskanal 10 zu gelangen, in dem die Strömungsgeschwindigkeit etwa
bei 70 mm/s liegt. Der Energieeintrag in die Totzone ist geringer.
[0031] Die Figuren 10 und 11 zeigen in gleicher Gegenüberstellung wie bei den Figuren 8
und 9 die Temperaturverteilung bei einer Ausführungsform zum Stand der Technik (Figuren
4 und 5) und bei der erfindungsgemäßen Lösung (Figuren 6 und 7), jeweils bezogen auf
einen Viertelstrang des Extrusionsprofils. Besonders markant ist, dass die Figur 10
einen Temperaturbereich T1 zeigt, der sich von der Totzone 14 ausgehend bis in den
Extrusionskanal 10 erstreckt. Der von links nach rechts strömende Kupferwerkstoff
wird im Randbereich auf Temperaturen über 600°C erhitzt. Hier kommt es zu Gefügeveränderungen
und zu einem unerwünschten Kornwachstum. Ein Biegen eines Flachleiters über seine
hohe Kante führt zu den unerwünschten Orangenhaut-Effekten in der Oberfläche bzw.
sogar zu Mikroanrissen.
[0032] Die erfindungsgemäße Lösung (Figur 11) zeigt im Bereich der Totzone 14 ein gänzlich
anderes Temperaturprofil. Es ist zu erkennen, dass der Temperaturbereich T2, der einem
Temperaturfenster von 484-542°C entspricht, nicht nur im Kern des Strangpressprofils
vorhanden ist, sondern im Bereich der gesamten Totzone 14 und auch im Bereich des
gesamten randseitigen Bereichs des Werkstoffs im Extrusionskanal 10. Das Ergebnis
ist ein gleichmäßigeres Kornwachstum. Die Materialeigenschaften werden dadurch signifikant
verbessert. Die Figur 12 zeigt eine Gegenüberstellung der erreichbaren Zugfestigkeit
und Streckgrenze für die konventionelle Bauform (Figuren 4, 5) und für die erfindungsgemäß
modifizierte Bauform (Figuren 6, 7). Jedes einzelne Säulenpaar bezieht sich auf unterschiedliche
Drehzahlen des Reibrades 4. Die Drehzahlstufen sind 6, 8 oder 10 Umdrehungen je Minute.
Die Zugfestigkeit Rm liegt in einem Bereich von 210-220 MPa und ist tendenziell immer
etwas höher als bei der konventionellen Bauform des Werkzeugsatzes.
[0033] Signifikanter ist der Unterschied in Bezug auf die den Dehngrenze RP02, die bei der
erfindungsgemäßen Variante (6-mod, 8-mod, 10-mod) jeweils über 70 MPa liegt und gegenüber
der Bauform im Stand der Technik (6-, 8-, 10-konv) ca. 20 MPa höher ist.
[0034] Die Figur 13 zeigt ein Schliffbild durch einen Quadranten eines nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellten Flachleiters. In der Bildebene links befindet sich das Schliffbild
bei herkömmlicher Fertigungsart. In der Bildebene rechts unten befindet sich das Schliffbild
bei der erfindungsgemäßen Variante. Die in den eingezeichneten Kreisen angegebenen
Werte sind lokale Messwerte in der jeweiligen Zone des Flachleiters. Die oberen Werte
beziehen sich auf die Bildebene links. Die unteren Werte beziehen sich auf die Bildebene
rechts. Es wird deutlich, dass das Gefüge deutlich feiner und homogener ist und dass
der mittlere gewichtete Korndurchmesser in einem Bereich von 45-65 µm liegt im Unterschied
zu 70-77 µm im Stand der Technik.
[0035] Die Figuren 14 und 15 zeigen in Gegenüberstellung das finale Ergebnis an der radial
äußeren Oberfläche eines um 180° gebogenen Flachleiters. Die Figur 14 zeigt den Stand
der Technik und den deutlich erkennbaren Orangenhaut-Effekt in der Oberfläche. Figur
15 zeigt die erfindungsgemäß angestrebte erkennbar gleichmäßigere Oberflächetopologie
des Flachleiters.
Bezugszeichen:
[0036]
- 1 -
- Rotationsstrangpressmaschine
- 2 -
- Draht
- 3 -
- Flachleiter
- 4 -
- Reibrad
- 5 -
- Greifzone
- 6 -
- Stauchzone
- 7 -
- Staukanal
- 8 -
- Stauplatte
- 9 -
- Matrize
- 10 -
- Extrusionskanal
- 11 -
- Eintrittsquerschnittsfläche von 10
- 12 -
- Austrittsquerschnittsfläche von 7
- 13 -
- Stautrichter von 7
- 14 -
- Totzone
- 15 -
- Eintrittsquerschnittsfläche von 13
- A1 -
- Abstand zwischen 15 und 12
- D1 -
- Durchmesser von 10
- R1 -
- Tiefe von 14
- R2 -
- Tiefe von 14
- R3 -
- Tiefe von 14
- R4 -
- Tiefe von 14
- T1 -
- Temperaturbereich über 600°C
- T2 -
- Temperaturbereich zwischen 484°C und 542°C
1. Strangpressverfahren mit folgenden Schritten:
a) Ein stetig zugeführter Kupferwerkstoff in Form eines Drahts (2), eines Pulvers
oder eines Granulats wird durch ein Reibrad (4) einer Rotationsstrangpressmaschine
(1) erhitzt;
b) Der durch das Erhitzen plastische Kupferwerkstoff wird durch einen sich im Querschnitt
erweiternden Staukanal (7) in einer Stauplatte (8) einer nachgelagerten formgebende
Matrize (9) zugeleitet, wobei der Austrittsquerschnitt (12) des Staukanals (7) unmittelbar
vor dem Eintritt in die Matrize (9) größer ist als ein formgebender Extrusionskanal
(10) in der Matrize (9), zur Ausbildung einer Totzone (14) für den Druckaufbau des
plastischen Kupferwerkstoffes vor dem Eintritt in die Matrize (9);
c) Die Temperatur des plastischen Kupferwerkstoffes in der Totzone (14) und in der
Matrize (9) wird durch Reduzierung des Volumens der Totzone (14) auf einen Zielwert
von höchstens 550 °C eingestellt.
2. Strangpressverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Staukanal (7) verwendet wird, der sich im Bereich der Totzone (14) ausschließlich
trichterförmig erweitert.
3. Strangpressverfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass ein Staukanal (7) verwendet wird, der eine Austrittsquerschnittsfläche (12) besitzt,
die 40 bis 60% größer ist als eine Eintrittsquerschnittsfläche (11) des Extrusionskanals
(10) in der Matrize (9).
4. Strangpressverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein Staukanal (7) verwendet wird, der einen sich zur Matrize (9) hin trichterförmigen
erweiternden Stautrichter (13) mit einer Eintrittsquerschnittsfläche (15) in einem
Abstand (A1) zur Matrize (9) aufweist, wobei der Abstand (A1) maximal 30% größer ist,
als der kleinste Durchmesser (D1) des Extrusionskanals (10) in der Eintrittsquerschnittsfläche
(11) der Extrusionskanals (10).
5. Strangpressverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass als Kupferwerkstoff ein hoch reines und sauerstofffreies Kupfer mit einem Kupfergehalt
von mindestens 99,99 Gew.-% verwendet wird.
6. Strangpressverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das extrudierte Profil nach dem Austritt aus der Matrize (9) unmittelbar gekühlt
wird.
7. Strangpressverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6 zur Herstellung von stranggepressten
Flachleitern.
8. Strangpressverfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 7, unter Verwendung einer Rotationsstrangpressmaschine
(1) gemäß der Merkmale der Patentansprüche 9 bis 11.
9. Rotationsstrangpressmaschine (1) aufweisend
a) ein Reibrad (4) zum Erhitzen eines in Form eines Drahts (2), eines Pulvers oder
eines Granulats zugeführten Kupferwerkstoffes und
b) eine Stauplatte (8) mit einem Staukanal (7), um den durch Reibung erhitzten plastisch
gewordenen Kupferwerkstoff vor einer nachgelagerten, formgebenden Matrize (9) aufzustauen,
bevor der plastische Kupferwerkstoff in einen Extrusionskanal (10) der Matrize (9)
eintritt,
c) wobei der Staukanal (7) zur Ausbildung einer Totzone (14) eine Austrittsquerschnittsfläche
(12) besitzt, die 40 bis 60% größer ist als eine Eintrittsquerschnittsfläche (11)
des Extrusionskanals (1).
10. Rotationsstrangpressmaschine (1) nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Staukanal (7) im Bereich der Totzone (14) ausschließlich trichterförmig erweitert
ist.
11. Rotationsstrangpressmaschine (1) nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Staukanal (7) einen sich zur Matrize (9) hin trichterförmigen erweiternden Stautrichter
(13) mit einer Eintrittsquerschnittsfläche (15) in einem Abstand (A1) zur Matrize
(9) aufweist, wobei der Abstand (A1) maximal 30% größer ist, als der kleinste Durchmesser
(D1) des Extrusionskanals (10) in der Eintrittsquerschnittsfläche (11) der Extrusionskanals
(10).
12. Flachleiter hergestellt nach dem Verfahren gemäß Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass sein Gefüge einen mittleren gewichteten Korndurchmesser in einem Bereich 45 µm bis
65µm aufweist.
13. Flachleiter nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass er eine Zugfestigkeit von 210 bis 220 MPa aufweist bei einer Dehngrenzen von über
70 MPa.