[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erzeugen eines kornorientierten Elektrobands,
das mit einer Forsteritschicht belegt ist, sowie ein kornorientiertes Elektroband
mit sehr guter Haftfestigkeit eines auf ihm gebildeten Forsteritfilms.
[0002] Als kornorientiertes "Elektroband" werden durch Kaltwalzen erzeugte Stahlbänder verstanden,
die in spezieller Weise mit einer Forsteritschicht und optional mit mindestens einer
zusätzlich auf der Forsteritschicht aufgetragenen Schicht versehen sind. Das kaltgewalzte
Stahlband eines kornorientierten Elektrobands wird im Folgenden auch als "Stahlsubstrat"
oder "Stahlmaterial" bezeichnet.
[0003] Aufgrund ihrer besonderen elektromagnetischen Eigenschaften sind kornorientierte
Elektrobänder für Anwendungen in der Elektrotechnik geeignet, bei denen höchste Anforderungen
an den Wirkungsgrad gestellt werden. Dabei versteht es sich von selbst, dass dann,
wenn nachfolgend von "Elektroband" die Rede ist, damit in gleicherweise "Elektrobleche"
oder "Platinen", gemeint sind, die von einem solchen Elektroband abgeteilt sein können
oder Breiten- oder Längenerstreckungen aufweisen, die von den für Elektrobänder typischen
Abmessungen abweichen.
[0004] Typischerweise sind kornorientierte Elektrobänder der hier in Rede stehenden Art
0,10 - 0,35 mm dick.
[0005] Das kaltgewalzte Stahlsubstrat von kornorientierten Elektrobändern der erfindungsgemäßen
Art besteht typischerweise aus, in Masse-%, 2,5 - 4,0 % Silizium ("Si"), ≤ 0,30 %
Mangan ("Mn"), ≤ 0,50 % Kupfer ("Cu"), ≤ 0,065 % Aluminium ("Al"), ≤ 0,1% Stickstoff
("N") sowie jeweils optional einem Element oder mehreren Elementen aus der Gruppe
"Chrom ("Cr"), Nickel ("Ni"), Molybdän ("Mo"), Phosphor ("P"), Arsen ("As"), Schwefel
("S"), Zinn ("Sn"), Selen ("Se"), Antimon ("Sb"), Tellur ("Te"), Bor ("B") oder Bismut
("Bi")" mit der Maßgabe, dass die Gehalte an den Elementen dieser Gruppe jeweils ≤
0,2 % betragen, Rest Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen Ein Beispiel für eine
Stahllegierung, die zur Herstellung von kornorientierten Elektrobändern mit niedrigem
Ummagnetisierungsverlust und hoher magnetischer Flussdichte bestimmt ist, ist aus
der
DE 32 29 295 C2 bekannt. Dieser Stahl enthält (in Masse-%) 2,5 bis weniger als 4,0 % Si, 0,03 bis
weniger als 0,15 % Mn, 0,03 bis weniger als 0,5 % Sn, 0,02 bis weniger als 0,3 % Cu
und als Rest Fe und unvermeidliche Verunreinigungen, wobei das Verhältnis %Cu/%Sn
des Gehalts %Cu an Cu zum Gehalt %Sn an Sn im Bereich von 0,5 - 1 liegt.
[0006] Wie im Einzelnen beispielsweise im Merkblatt 401 "Elektroband und -blech", Ausgabe
2005, herausgegeben vom Stahl-Informations-Zentrum, 40039 Düsseldorf, Deutschland,
oder der
WO 03/000951 A1 beschrieben, geschieht bei konventioneller Fertigungsweise der Aufbau einer Forsteritschicht
auf dem jeweiligen Elektroblech, indem ein auf Enddicke kaltgewalztes Stahlband, das
im Rahmen der voranstehend angegebenen allgemeinen Legierungsvorschrift zusammengesetzt
ist, einer ersten Glühung unterzogen wird, um eine Primärrekristallisation und Entkohlung
des Stahlsubstrats zu bewirken und die Oberfläche des Substrats gezielt zu oxidieren.
Anschließend wird die so behandelte Oberfläche des Elektrobands typischerweise mit
einer Magnesiumoxid ("MgO") und geeigneten Additiven enthaltenden Lösung als Klebschutz
beschichtet. Nach dem Trocknen der MgO-Beschichtung wird das Elektroband zu einem
Coil gewickelt und im Coil erneut geglüht, um eine Sekundärrekristallisation und anschließende
Reinigung des Stahls von ausscheidungsbildenden Elementen zu bewirken.
[0007] Während dieses typischerweise bei 1100 °C bis 1300 °C ablaufenden Hochtemperatur-Glühschrittes
reagiert die im Wesentlichen aus MgO bestehende Klebschutzschicht mit den an der Oberfläche
des Stahlsubstrats vorhandenen, überwiegend aus Siliziumoxid bestehenden Oxiden und
bildet so die gewünschte Forsteritschicht ("Mg2SiO4"), die auch als "Glasfilm" bezeichnet
wird. Diese Forsteritschicht geht mit Verwurzelungen in das Stahlsubstrat über, wodurch
ihre Haftung auf dem Stahlsubstrat gewährleistet ist.
[0008] Auf die Forsteritschicht kann in einem weiteren Verfahrensschritt, wie beispielsweise
aus der
DE 22 47 269 C3 bekannt ist, eine Lösung auf der Basis von Magnesiumphosphat oder Aluminiumphosphat
oder Mischungen von beiden mit verschiedenen Zusätzen wie beispielsweise Chromverbindungen
und Si-Oxid aufgebracht und bei Temperaturen oberhalb 350 °C eingebrannt werden. Das
so auf dem Elektroband gebildete Schichtsystem bildet eine Isolationsschicht, welche
Zugspannungen auf das Stahlmaterial überträgt, die sich günstig auf die elektromagnetischen
Eigenschaften des Elektrobands oder -blechs auswirken.
[0009] Damit diese Zugspannungen unter rauen Einsatzbedingungen über eine lange Einsatzdauer
sicher übertragen werden, muss eine ausgezeichnete Haftfestigkeit der Forsteritschicht
auf dem kaltgewalzten Stahlmaterial des Elektrobands gewährleistet sein. So muss sichergestellt
sein, dass die Forsteritschicht auch dann fest auf dem Stahlsubstrat haftet, wenn
das mit ihr beschichtete Elektroband zu einem Coil gewickelt wird oder von ihm Platinen
oder andere Blechteile abgeteilt werden, die für die Weiterverarbeitung benötigt werden.
[0010] Der Hochtemperatur-Glühschritt, bei dem die Forsteritschicht gebildet wird, dauert
üblicherweise 6 - 7 Tage und erfordert einen erheblichen Energieeinsatz.
[0011] Erst nach Ablauf dieser langen Glühdauer kann bei konventioneller Fertigungsweise
festgestellt werden, ob sich die Forsteritschicht ordnungsgemäß ausgebildet hat oder
ob sie nur unzureichend auf dem Stahlsubstrat haftet. Eingriffe in den Produktionsprozess
zur Beseitigung einer fehlerhaften Ausprägung der Forsteritschicht können daher erst
mit erheblicher Verzögerung vorgenommen werden. Da während dieser Zeit die Produktion
weiter läuft, kann es dazu kommen, dass größere Mengen ebenfalls fehlerbehafteter
Elektrobänder produziert werden, bis die Ursache für den Fehler behoben ist.
[0012] Vor diesem Hintergrund hat sich die Aufgabe gestellt, ein Verfahren zu entwickeln,
welches zuverlässig die Produktion von kornorientierten Elektrobändern mit optimal
ausgebildeter und auf dem Stahlsubstrat des jeweiligen Elektrobands haftender Forsteritschicht
ermöglicht.
[0013] Darüber hinaus sollte ein kaltgewalztes Stahlband genannt werden, das sich für die
Herstellung eines kornorientierten Elektroblechs eignet, bei dem die Forsteritschicht
besonders gut auf dem Stahlsubstrat haftet.
[0014] Schließlich sollte ein kornorientiertes Elektroband angegeben werden, bei dem die
Forsteritschicht optimal fest auf dem Stahlsubstrat des Elektrobands haftet.
[0015] In Bezug auf das Verfahren hat die Erfindung diese Aufgabe dadurch gelöst, dass bei
der Herstellung von kornorientierten Elektrobändern mit optimal haftender Forsteritschicht
mindestens die in Anspruch 1 angegebenen Arbeitsschritte absolviert werden. Dabei
versteht es sich von selbst, dass ein Fachmann bei der Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens und seiner hier erläuterten Ausbaumöglichkeiten diejenigen vorliegend nicht
explizit erwähnten Arbeitsschritte ergänzt, von denen er aufgrund seiner praktischen
Erfahrung weiß, dass sie bei der Durchführung solcher Verfahren regelmäßig angewendet
werden.
[0016] Ein die voranstehend angegebene Aufgabe erfindungsgemäß lösendes kornorientiertes
Elektroblech, hergestellt nach dem erfindungsgemäßen Verfahren, weist mindestens die
in Anspruch 3 angegebenen Merkmale auf.
[0017] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben
und werden wie der allgemeine Erfindungsgedanke nachfolgend im Einzelnen erläutert.
[0018] So umfasst ein erfindungsgemäßes Verfahren zum Erzeugen eines kornorientierten Elektrobands,
das mit einer Forsteritschicht belegt ist, mindestens folgende Arbeitsschritte:
- a) Bereitstellen eines 1 - 3 mm dicken warmgewalzten Stahlbands, welches aus, in Masse-%,
2,5 - 4,0 % Si, ≤ 0,30 % Mn, ≤ 0,50 % Cu, ≤- 0,1% Sn, ≤ 0,065 % AI, ≤ 0,0150 % N,
≤ 0,10 % C sowie jeweils optional einem Element oder mehreren Elementen aus der Gruppe
"Cr, Ni, Mo, P, As, S, Sb, Se, Te, B oder Bi", Rest Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen
mit der Maßgabe besteht, dass die Gehalte der optional vorhandenen Elemente der Gruppe
"Cr, Ni, Mo, P, As, S, Sb, Se, Te, B oder Bi" jeweils ≤ 0,2 % betragen, wobei das
Stahlband mindestens 0,01 Masse-% Cu oder mindestens 0,003 Masse-% Sn enthält;
- b) Kaltwalzen des warmgewalzten Stahlbands zu einem kaltgewalzten Stahlband in mehreren
Stichen, wobei der über den letzten Stich des Kaltwalzens eingestellte Umformgrad
so eingestellt wird, dass das kaltgewalzte Stahlband in Folge seiner über den letzten
Walzstich eintretenden Erwärmung auf eine Materialtemperatur Taging erwärmt wird, für die gilt 340 K < Taging < 675 K;
- c) entkohlendes Glühen des erhaltenen kaltgewalzten Stahlbands unter einer Glühatmosphäre,
die aus (in Vol.-%) 40 - 90% H2, Rest N2, besteht, bei einer Glühtemperatur von 900 K bis 1200 K, wobei das kaltgewalzte Stahlband
bei der Erwärmung auf die Glühtemperatur im Temperaturbereich von 300 - 1000 K mit
einer Erwärmungsgeschwindigkeit dR erwärmt wird, die mehr als 40 Kls beträgt;
- d) Auftragen einer Klebschutzschicht auf mindestens eine der Oberflächen des kaltgewalzten
Stahlbands, wobei die Klebschutzschicht aus einem MgO-Pulver gebildet wird, das aus
MgO-Partikeln und optional bis zu 10 Masse-% Additiven besteht;
- e) Glühen des mit der Klebschutzschicht versehenen Stahlbands, wobei sich über das
Glühen aus der im Arbeitsschritt d) aufgetragenen Klebschutzschicht die Forsteritschicht
(Mg2SiO4) bildet.
[0019] Die Erfindung geht hierbei von der Erkenntnis aus, dass die Ausprägung eines optimal
haftenden Forsterfilms auf dem Stahlsubstrat eines erfindungsgemäßen kornorientierten
Elektrobands über das aus dem Stand der Technik bekannte Vorgehen hinaus durch drei
Maßnahmen sichergestellt werden kann, die bereits bei der Erzeugung des kaltgewalzten
Stahlbands erforderlich sind, welches das Stahlsubstrat des erfindungsgemäßen Elektrobands
bildet und anschließend mit der Forsteritschicht belegt wird.
[0020] Die Erfindung nutzt hierbei den Umstand, dass in den äußeren Randschichten, die an
die Oberflächen eines erfindungsgemäß verarbeiteten kaltgewalzten Stahlbands angrenzen,
sich eine Anreicherung von Si befindet, da das Stahlband und die Vorprodukte, aus
denen es erzeugt worden ist, bei ihrer Verarbeitung nicht nur warmgewalzt, sondern
auch geglüht worden sind. Damit einhergehend kommt es zur Oxidation insbesondere des
oberflächennahen Randbereichs des Stahlbands, wobei Si bereits bei Temperaturen oxidiert,
die niedriger sind als die Temperaturen, bei denen es zur Oxidation von Eisen ("Fe")
kommt. Diese Si-Anreicherungen tragen zur Ausbildung der Forsteritschicht und ihrer
Anbindung an das Stahlsubstrat bei.
[0021] Die erste von der Erfindung zur Ausprägung eines optimal haftenden Forsteritfilms
vorgesehenen Maßnahme besteht darin, dass aufbauend auf der konventionellen Vorgehensweise
das in mehreren Stufen absolvierte Kaltwalzen des Stahlbands erfindungsgemäß so durchgeführt
wird, dass die in der letzten Stufe des Kaltwalzens bewirkte Dickenreduzierung so
stark und damit einhergehend die in Folge der Umformarbeit im kaltgewalzten Stahlband
entstehende Umformwärme so groß ist, dass das Kaltband in Folge seiner über den letzten
Walzstich eintretenden Erwärmung auf eine Materialtemperatur T
aging erwärmt wird, für die gilt 340 K < T
aging < 675 K Hierzu geeignete, über den letzten Stich des Kaltwalzens erzielte Umformgrade
ΔU = ([Dicke des Kaltbands vor der letzten Kaltwalzstufe] - [Dicke des Kaltbands nach
der letzten Kaltwalzstufe]) / [Dicke des Kaltbands vor der letzten Kaltwalzstufe]
liegen typischerweise im Bereich von 20% bis 50%.
[0022] Als zweite Maßnahme sieht die Erfindung vor, dass während der an sich in üblicher
Weise absolvierten entkohlenden Glühung, bei der das kaltgewalzte Stahlband unter
einer Glühatmosphäre, die aus (in Vol.-%) 40 - 90% H
2,, Rest N
2, insbesondere 50 - 80 % H
2, Rest N
2 besteht, bei einer Glühtemperatur von 900 - 1200 K, insbesondere 1100-1200 K, erwärmt
wird, wobei das kaltgewalzte Stahlband bei der Erwärmung auf die Glühtemperatur im
Temperaturbereich von 300 - 1000 K mit einer Erwärmungsgeschwindigkeit dR erwärmt
wird, die mehr als 40 Kls insbesondere mehr als 50 K/s beträgt. In der Praxis betragen
die maximal eingestellten Erwärmungsgeschwindigkeiten dabei bis zu 1000 K/s. Die entkohlende
Glühung kann dabei in an sich bekannter Weise mit einer rekristallisierenden Glühung
kombiniert werden, wobei die entkohlende und die rekristallisierende Glühung in einem
Zuge erledigt werden können. Typischerweise werden in der Praxis die entkohlende und
die optional in Kombination damit durchgeführte, gegebenenfalls gleichzeitig erfolgende
rekristallisierende Glühung im kontinuierlichen Durchlauf durch einen Durchlaufofen
absolviert.
[0023] Durch die Erhitzung des Materials beim Kaltwalzen entsteht eine oberflächennahe Anreicherung
von Si. Das Ziel der schnellen Aufheizung bei der Entkohlungsglühung ist es dann,
diese die Si-Anreicherungen enthaltende Schicht nicht zu verändern oder zu zerstören.
[0024] Als dritte Maßnahme der zur Optimierung der Haftung der Forsteritschicht erfindungsgemäßen
Maßnahmen wird zusätzlich die Legierung des Stahlbands, welches die Basis eines erfindungsgemäßen
kornorientierten Elektrobands bildet, optimiert. Hierzu sieht die Erfindung zum einen
vor, dass in der an sich bekannten, standardmäßigen Grundlegierung des Stahlbands
Gehalte von 0,01 - 0,50 % Kupfer ("Cu") oder 0,003 - 0,1% Zinn ("Sn"), bevorzugt Gehalte
von 0,01 - 0,50 % Kupfer ("Cu") und 0,003 - 0,1% Zinn ("Sn"), vorhanden sind. Wie
an sich bekannt, kann durch die Anwesenheit von Kupfer und/oder Zinn nicht nur eine
Verfeinerung der sekundären Rekristallisierungskörner erreicht, sondern auch die Ausbildung
der Forsteritschicht begünstigt werden. Nach den Erkenntnissen der Erfindung ist für
eine optimierte Anbindung der Forsteritschicht an das Stahlsubstrat jedoch sowohl
das Vorhandensein von Cu als auch von Sn in den angegebenen Gehalten besonders günstig,
wobei im Stahlsubstrat ein Gehalt an Cu erforderlich ist, der wesentlich höher ist
als der Gehalt an Sn im Stahlsubstrat. Dementsprechend schreibt die Erfindung bei
dieser im Hinblick auf das Ergebnis der erfindungsgemäßen Maßnahmen besonders vorteilhaften
Ausgestaltung vor, dass der Gehalt %Cu an Cu mehr als dreimal größer sein muss als
der Gehalt an Zinn, wobei sich besonders gute Wirkungen der Anwesenheit von Cu und
Sn erzielen lassen, wenn für das Massenverhältnis %Cu/%Sn des Gehalts %Cu an Cu und
des Gehalts %Sn an Sn des Stahlbands gilt: %Cu/%Sn > 4. Der Cu-Gehalt ist auf höchstens
0,5 Masse-%, insbesondere höchstens 0,3 Masse-%, beschränkt, um negative Auswirkungen
auf die magnetischen Eigenschaften eines erfindungsgemäßen kornorientierten Elektrobands
zu vermeiden. Es hat sich als besonders praxisgerecht erwiesen, wenn die Grundlegierung
des Stahlbands mindestens 0,05 Gew.-% Cu enthält. Ebenso sind mindestens 0,003 Masse-%,
insbesondere mindestens 0,005 Masse-% Sn erforderlich, um die erfindungsgemäß genutzten
Effekte zu erzielen. Gleichzeitig ist der Gehalt an Sn auf höchstens 0,1 Masse-%,
insbesondere höchstens 0,08 Masse-% beschränkt, um eine gute Verarbeitbarkeit des
Stahlbands bei seiner Erzeugung zu sichern.
[0025] Auch die gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ins Verhältnis gesetzte Einstellung
der Gehalte an Cu und Sn dient dazu, die im letzten Stich des Kaltwalzens gebildete,
mit Si angereicherte Schicht vor einer Veränderung zu schützen. Bei im Verhältnis
zum Sn-Gehalt geringeren Cu-Gehalten bestünde die Gefahr, dass Sn als oberflächensensitives
Element Si verdrängen würde, so dass nur noch eingeschränktere Mengen an Si an der
Oberfläche des Stahlbands für die Ausbildung und Anbindung der Forsteritschicht zur
Verfügung ständen.
[0026] Durch die erfindungsgemäße Kombination von Maßnahmen bei der Erzeugung des kaltgewalzten
Stahlbands, auf dem anschließend die MgO-Schicht aufgetragen und bei der folgenden
Hochtemperatur-Glühung (Arbeitsschritt e) des erfindungsgemäßen Verfahrens) die Forsteritschicht
gebildet wird, lässt sich zuverlässig eine optimierte Haftfestigkeit der Forsteritschicht
erzielen.
[0027] Das zur Erzeugung der Forsteritschicht auf das kaltgewalzte Stahlband aufgetragene
Pulver besteht zu mindestens 90 Masse-% aus MgO und kann in an sich bekannter Weise
bis zu 10 Masse-% Additive enthalten. Bei diesen Additiven kann es sich beispielsweise
um Titanoxid, Ammoniumchlorid oder Antimonchlorid handeln, durch deren Zugabe die
Dichte der späteren Forsteritschicht sowie der Gasaustausch zwischen Glühatmosphäre
während der Hochtemperaturglühung und Metall gesteuert wird.
[0028] Die im Arbeitsschritt e) abschließend absolvierte Glühung des Stahlbands, bei der
sich die Forsteritschicht (Mg2SiO4) ausbildet, kann ebenfalls in an sich bekannter
Weise ausgeführt werden. Hierzu kann das nach dem Arbeitsschritt d) erhaltene, mit
der aus dem MgO-Pulver gebildeten Klebschutzschicht beschichtete kaltgewalzte Stahlband
zu einem Coil gewickelt und im Haubenofen für 10 - 200 Stunden bei einer Temperatur
von 1000 - 1600 K unter einer Atmosphäre gehalten werden, die aus mindestens 50% H
2 besteht.
[0029] Die Erfindung schlägt auch ein Kriterium vor, welches eine präzise Abschätzung der
Eignung eines 0,10 - 0,35 mm dicken, im entkohlend geglühten Zustand bereitgestellten
kaltgewalzten Stahlbands für die Herstellung eines kornorientierten Elektrobands ermöglicht,
das eine optimal auf dem kaltgewalzten Stahlband haftende Forsteritschicht aufweist.
[0030] Ein solches gemäß der Erfindung für die Verwendung zur Herstellung von kornorientiertem
Elektroband geeignetes kaltgewalztes Stahlband besteht in konventioneller Weise aus,
in Masse-%, 2,5 - 4,0 % Si, ≤ 0,30 % Mn, ≤ 0,50 % Cu, ≤ 0,1% Sn, ≤ 0,065 % Al, ≤ 0,1%
N sowie jeweils optional einem Element oder mehreren Elementen aus der Gruppe "Cr,
Ni, Mo, P, As, S, Sb, Se, Te, B oder Bi" mit der Maßgabe, dass die Gehalte an den
Elementen dieser Gruppe jeweils ≤ 0,2 % betragen, Rest Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen,
wobei das Stahlband mindestens 0,01 Masse-% Cu oder mindestens 0,003 Masse-% Sn enthält.
Aus den oben bereits dargelegten Gründen, sind dabei in dem für die erfindungsgemäße
Verwendung zur Herstellung eines kornorientierten Elektrobands vorgesehenen kaltgewalzten
Stahlband ein Sn-Gehalt von mindestens 0,003 Masse-% oder ein Cu-Gehalt von mindestens
0,01 Masse-%, bevorzugt ein Sn-Gehalt von mindestens 0,003 Masse-% und ein Cu-Gehalt
von mindestens 0,01 Masse-%, vorgesehen, wobei auch hier bevorzugt für das aus dem
Gehalt %Cu an Cu und dem Gehalt %Sn an Sn gebildete Massenverhältnis %Cu/%Sn gilt
%Cu/%Sn > 3. Als besonders praxisgerecht haben sich dabei auch hier die Ausgestaltungen
der Cu- und Sn-Gehalte erwiesen, die oben bereits im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren erläutert worden sind.
[0031] Ein als Zwischenprodukt bei der Herstellung eines kornorientierten Elektrobands nach
dem entkohlenden Glühen erhaltenes Stahlband eignet sich gemäß den Erkenntnissen der
Erfindung dann für die betriebssichere Herstellung eines kornorientierten Elektrobands,
bei dem eine besonders gute Haftung der auf ihm gebildeten Forsteritschicht gewährleistet
ist, wenn es in einer ToF-SIMS-Untersuchung, bei der die Oberfläche des jeweiligen
Stahlbands mit Cs-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 2keV als Sputtermaterial
und Bi-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 25keV als Analyseionen beschossen
wird, folgende Bedingung 1 erfüllt:
Bedingung 1: Der Kurvenverlauf des aus dem Signal "Si an Cs gebunden" und dem Signal
"Si nicht an Cs gebunden" gebildeten Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht an
Cs gebunden" weist im Tiefenverlauf von 0,5 - 3,0 µm genau ein lokales Maximum auf.
[0032] Erfindungsgemäß erzeugte, nach Abschluss des Arbeitsschritts c) bereitstehende kaltgewalzte
Stahlbänder erfüllen diese Anforderung zuverlässig.
[0033] Jedoch eröffnet die durch die Erfindung definierte Bedingung 1 darüber hinaus die
Möglichkeit, anhand einer Messung präzise vorauszusagen, ob auch ein in beliebiger
anderer Weise hergestelltes Stahlband, welches eine für kornorientierte Elektrobänder
typische Zusammensetzung aufweist und für die Beschichtung mit der MgO-Schicht vorgesehen
ist, das Potenzial für die Ausprägung einer optimal haftenden Forsteritschicht mitbringt.
[0034] Die Erfindung geht hier von der Erkenntnis aus, dass durch Flugzeit-Sekundärionenmassenspektroskopie
(englisch "Time of Flight Secondary Ion Mass Spectrometry", kurz "ToF-SIMS"), bei
der die zu untersuchende Oberfläche des nach dem entkohlenden Glühen vorliegenden
Zwischenprodukts mit Cs-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 2keV und zur Analyse
mit Bi+ Ionen mit einer Beschleuingungsspannung 25keV beschossen wird, die Haftfestigkeit
der in weiteren Arbeitsschritten auf dem jeweils bereitgestellten Stahlband erzeugten
Fosteritschicht vorhergesagt werden kann. Diese Vorhersage beruht auf einer Auswertung
des Anteils des Elements Si an der untersuchten Oberfläche des Stahlsubstrats, welches
mit dem Element Cs gebunden ist, in Relation zum Anteil des Elements Si, welches nicht
an Cs gebunden ist. Dabei wird unter dem "Anteil des Elements Si, welches nicht an
Cs gebunden ist" nur atomares Si, also Si welches nicht an weitere Atome, wie beispielsweise
Cs, O etc. gebunden ist, sondern vollständig ungebunden vorliegt, verstanden.
[0035] Die ToF-SIMS ist eine analytische Methode zur chemischen Charakterisierung von Oberflächen.
Sie beruht auf der zeitaufgelösten Erfassung von Sekundärionen, welche aus der untersuchten
Oberfläche durch Beschuss mit hochenergetischen Primärionen (z.B. Bi) erzeugt werden.
Diese in einem kurzen lonenpuls auf die zu untersuchende Oberfläche gerichteten Primärionen
penetrieren die oberen Atomlagen der Oberfläche und lösen aus ihr sogenannte "Sekundärionen".
Dabei wird auf die freigesetzten Sekundärionen die kinetische Energie der Primärionen
übertragen, so dass die Sekundärionen beschleunigt werden und eine Driftstrecke durchlaufen,
bis sie auf ein Detektorsystem treffen, das mit hoher Zeitauflösung die Intensität
der Sekundärionen als Funktion der Flugzeit erfasst. Da Ionen unterschiedlicher Masse
bei einer gegebenen kinetischen Energie unterschiedliche Geschwindigkeiten haben,
kann über die gemessene Flugzeit auf ihre Masse geschlossen werden. Durch Massentrennung
können dabei die einzelnen Elemente der zu untersuchenden Oberfläche nachgewiesen
werden (s. https://tazgmbh.de/tof---sims.html; https://de.wikipedia.org/ wiki/Sekundär
ionen-Massenspektrometrie, https://en.wikipedia.org/wiki/Static_secondary-ion_mass_spectrometry,
jeweils aufgerufen am 7. Dezember 2019).
[0036] Um ein Tiefenprofil zu erhalten wird das zu untersuchende Material zusätzlich zu
den Primärionen mit Sputterionen (z.B. Cs) beschossen, so dass es zu einem kontinuierlichen
Abtrag von Material kommt. Die Erfinder haben festgestellt, dass sich ein Teil der
Sekundärionen mit den Sputterionen (Cs) verbindet, und als Gesamtmasse die Driftstrecke
durchläuft. Der tiefenaufgelöste Grad der Affinität zu dieser Bindung ist die Grundlage
der Erfindung.
[0037] Durch die im Zuge der Hochtemperatur-Glühung (Arbeitsschritt e)) eintretende Reaktion
des an der Oberfläche des Stahlsubstrats vorhandenen Elements Si mit Mg, das in Form
von MgO auf das Material aufgetragen wird, findet sich im fertig erfindungsgemäß prozessierten
kornorientierten Elektroband ein ähnlicher Zusammenhang.
[0038] Dementsprechend zeichnet sich ein erfindungsgemäßes kornorientiertes Elektroband
mit sehr guter Haftfestigkeit des auf ihm gebildeten Forsteritfilms, hergestellt durch
das erfindungsgemäße Verfahren, dadurch aus, dass bei einer ToF-SIMS-Untersuchung
durch Beschuss der Forsteritschicht mit Cs-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung
von 2keV als Sputtermaterial und Bi-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 25keV
als Analyseionen folgende Maßgaben A) und B) erfüllt sind:
Maßgabe A) der Kurvenverlauf des aus dem Signal "Si an Cs gebunden" und dem Signal
"Si nicht an Cs gebunden" gebildeten Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht an
Cs gebunden" weist in einer ausgehend von der Oberfläche der Forsteritschicht gemessenen
Sputtertiefe von 2 µm bis 8 µm genau ein lokales Maximum auf, und
Maßgabe B) das gemäß Maßgabe A) bestimmte Maximum des Verlaufs des Quotienten "Si
an Cs gebunden" / "Si nicht an Cs gebunden" hat einen Maximalwert von 0,01 - 0,3.
[0039] Das Stahlsubstrat eines derart beschaffenen erfindungsgemäßen kornorientierten Elektrobands
besteht dabei typischerweise aus einem voranstehend im Zusammenhang mit dem im Arbeitsschritt
a) des erfindungsgemäßen Verfahrens beschaffenen Stahl. Dabei ergeben sich durch Anwendung
des erfindungsgemäßen Verfahrens zuverlässig Elektrobänder, deren Forsteritfilm bei
einer in der voranstehend angegebenen Weise durchgeführten Untersuchung die Maßgaben
A und B erfüllen.
[0040] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
[0041] Fig. 1 zeigt für eine erfindungsgemäß erzeugte Probe beispielhaft den Verlauf des
Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht an Cs gebunden".
[0042] Zur Überprüfung, ob sich anhand der von der Erfindung entwickelten Bedingungen, Maßgaben
und Maßnahmen zuverlässig kornorientierte Elektrobänder schaffen lassen, bei denen
eine optimierte Haftfestigkeit der Forsteritschicht auf dem jeweiligen Stahlsubstrat
gegeben ist, sind von sieben aus dem normalen Herstellprozess stammenden kaltgewalzten
Stahlbändern die Proben P1 - P6 abgeteilt worden.
[0043] Die Herstellung der kaltgewalzten Stahlbänder, aus denen die Proben P1 - P6 stammten,
erfolgte in konventioneller Weise dadurch, dass sieben Stähle, deren Zusammensetzung
in Tabelle 1, erschmolzen und zu Warmbändern vergossen und gewalzt worden. Die in
der Tabelle 1 nicht angegebenen Bestandteile der Legierung der Stähle der Proben P1
- P6 sind den unvermeidbaren Verunreinigungen zuzuordnen, deren Einzelgehalte und
Gesamtgehalt normgemäß so stark beschränkt sind, dass sie keinen Einfluss auf die
Eigenschaften der aus den Proben P1 - P6 erzeugten kornorientierten Elektrobleche
haben.
[0044] Die Warmbänder sind in 5 Kaltwalzstichen zu kaltgewalztem Stahlband kaltgewalzt worden.
Dabei ist die jeweils letzte Stufe des Kaltwalzens so durchgeführt worden, dass die
die kaltgewalzten Bänder durch die im Zuge dieser Umformstufe erfolgten Umformarbeit
auf eine Temperatur T
aging erwärmt worden sind. Der zugehörige Umformgrad ΔU und die Temperatur T
aging sind für die Proben P1 - P6 in Tabelle 2 angegeben.
[0045] Die so erhaltenen kaltgewalzten Stahlbänder haben anschließend einen Glühofen durchlaufen,
in dem sie unter einer aus 60 Vol.-% H2 und 40 Vol.-% N
2 bestehenden Glühatmosphäre mit einer Erwärmungsgeschwindigkeit dR auf eine Glühtemperatur
TG erwärmt worden sind, auf der sie über eine Glühdauer tG gehalten worden sind, um
sie rekristallisierend und entkohlend zu glühen. Die Erwärmungsgeschwindigkeit dR,
die Glühtemperatur TG und die Glühdauer tG sind für die Proben P1 - P6 ebenfalls in
Tabelle 2 angegeben.
[0046] An den von den so erzeugten und für die Weiterverarbeitung bereitgestellten Kaltbändern
abgeteilten Proben P1 - P6 ist per ToF-SIMS-Untersuchung, bei der die Oberfläche des
jeweiligen Stahlbands mit Cs-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 2keV als
Sputtermaterial und Bi-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 25keV als Analyseionen
beschossen worden ist, bis zu einer ausgehend von der Oberfläche der jeweiligen Probe
gemessenen Tiefe von 10 µm der Kurvenverlauf des aus dem Signal "Si an Cs gebunden"
und dem Signal "Si nicht an Cs gebunden" bestimmt und der sich daraus ergebende Verlauf
des Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht an Cs gebunden" ermittelt worden. Die
ToF-SIMS Untersuchung wurde mit dem Gerät "TOF.SIMS 5-300" der Firma IONTOF durchgeführt
und dabei die Standardparameter dieses Geräts und ein Einfallswinkel von 45°C verwendet.
Es wurde zur Tiefenmessung, wie beschrieben, das sogenannte "dual-beam depth profiling"
verwendet.
[0047] In Fig. 1 ist für die Probe 1 der Verlauf des Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si
nicht an Cs gebunden" über die Sputtertiefe dargestellt.
[0048] Anhand der so für die Proben P1 - P6 ermittelten Kurvenverläufe des jeweiligen Quotienten
"Si an Cs gebunden" / "Si nicht an Cs gebunden" ist überprüft worden, ob diese Verläufe
die Bedingung 1 "der Kurvenverlauf des aus dem Signal "Si an Cs gebunden" und dem
Signal "Si nicht an Cs gebunden" gebildeten Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht
an Cs gebunden" weist im Tiefenverlauf von 0,5 - 3,0 µm genau ein lokales Maximum
auf', erfüllt. Das Ergebnis dieser Überprüfung ist in Tabelle 3 zusammengefasst.
[0049] Anschließend sind die so untersuchten Oberflächen der Proben P1 - P6 mit einer wässrigen
MgO-Aufschlämmung beschichtet worden, deren Stärke durch Abquetschrollen eingestellt
wurde.
[0050] Die dabei eingesetzten MgO-Pulver bestanden zu 94 Masse-% aus MgO und zu 6 Masse-%
aus TiO
2.
[0051] Die so beschichteten Proben sind einer Hochtemperatur-Glühung unterzogen worden,
bei der sie im Haubenofen über eine Dauer von 24 h bei einer Temperatur von 1450 K
unter einer trockenen Atmosphäre aus reinem Wasserstoff gehalten worden sind.
[0052] Nach der Abkühlung sind durch eine ToF-SIMS-Untersuchung durch Beschuss der Forsteritschicht
mit Cs-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 2keV als Sputtermaterial und Bi-Ionen
mit einer Beschleunigungsspannung von 25keV als Analyseionen für die auf den Proben
P1 - P6 im Zuge der Hochtemperatur-Glühung entstandenen Forsteritschichten die Maßgabe
A) "der Kurvenverlauf des aus dem Signal "Si an Cs gebunden" und dem Signal "Si nicht
an Cs gebunden" gebildeten Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht an Cs gebunden"
weist in einer ausgehend von der Oberfläche der Forsteritschicht gemessenen Sputtertiefe
von 2 µm bis 8 µm ein lokales Maximum auf', und B) "das gemäß Maßgabe A) bestimmte
Maximum des Verlaufs des Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht an Cs gebunden"
hat einen Maximalwert von 0,01 - 0,3" überprüft worden. Die Ergebnisse dieser Überprüfung
sind ebenfalls in Tabelle 3 verzeichnet.
[0053] Schließlich ist an den in der voranstehend erläuterten Weise erzeugten und geprüften
Proben P1 - P6 die Festigkeit der Haftung der Forsteritschicht auf dem durch das ursprünglich
bereitgestellte, kaltgewalzte Stahlsubstrat bestimmt worden. Hierzu ist eine Probe
in ein Kegeldorn-Biegegerät eingespannt worden. Die Probe wurde um 180° um einen Kegeldorn
gebogen, der kontinuierlich von einem Biegeradius 5 mm (Kegelspitze) bis 30 mm (Kegelfuß)
reicht. Nach dem Herausnehmen wurde überprüft, ab welchem Biegeradius die Beschichtung
abgeplatzt ist. Je geringer dieser Biegeradius, desto besser die Haftung.
[0054] Die Ergebnisse dieser Überprüfung sind in Tabelle 4 zusammengefasst.
[0055] Es zeigt sich, dass die Proben P1 - P3, welche die durch die Erfindung formulierten
Bedingungen und Maßgaben erfüllen, optimal auf dem jeweiligen Stahlsubstrat haften,
während dies bei den nicht erfindungsgemäßen Proben P4 - P6 nicht der Fall ist.
Gehaltsangaben in Masse-%, Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen Tabelle 1
| Stahl der Kaltband-Probe |
Si |
Mn |
Cr |
Al |
S |
N |
Cu |
Sn |
%Cu/%Sn |
| P1 |
3,25 |
0,15 |
0,05 |
0,020 |
0,003 |
0,009 |
0,20 |
0,052 |
3,8 |
| P2 |
3,25 |
0,09 |
0,12 |
0,041 |
0,003 |
0,015 |
0,15 |
0,027 |
5,5 |
| P3 |
3,07 |
0,25 |
0,10 |
0,033 |
0,004 |
0,025 |
0,05 |
0,009 |
5,5 |
| P4 |
3,12 |
0,21 |
0,10 |
0,055 |
0,005 |
0,022 |
0,30 |
0,055 |
5,5 |
| P5 |
3,19 |
0,13 |
0,06 |
0,025. |
0,009 |
0,037 |
0,11 |
0,020 |
5,5 |
| P6 |
3,07 |
0,05 |
0,03 |
0,017 |
0,005 |
0,044 |
0,22 |
0,058 |
3,8 |
Tabelle 2
| Probe |
ΔU |
Taging |
dR |
TG |
tG |
| |
[%] |
[K] |
[K/s] |
[K] |
[s] |
| P1 |
33 |
493 |
220 |
1100 |
170 |
| P2 |
27 |
360 |
55 |
1150 |
150 |
| P3 |
29 |
410 |
42 |
1200 |
120 |
| P4 |
22 |
310 |
50 |
1150 |
150 |
| P5 |
47 |
700 |
55 |
1150 |
150 |
| P6 |
33 |
493 |
30 |
1150 |
150 |
Tabelle 3
| Probe |
Bedingung 1 |
Maßgabe A) |
Maßgabe B) |
Erfindungsgemäß? |
| P1 |
1 Maximum |
0,27 |
1 Maximum |
JA |
| P2 |
1 Maximum |
0,14 |
1 Maxirrium |
JA |
| P3 |
1 Maximum |
0,02 |
1 Maximum |
JA |
| P4 |
Kein Maximum |
--- |
Kein Maximum |
NEIN |
| P5 |
3 Maxima |
0,09 |
3 Maxima |
NEIN |
| P6 |
Kein Maximum |
--- |
Kein Maximum |
NEIN |
Tabelle 4
| Probe |
Haftfestigkeit der Forsteritschicht |
| [Abplatzung ab Biegeradius ] |
| P1 |
9,0 mm |
| P2 |
10,0 mm |
| P3 |
8,0 mm |
| P4 |
19,5 mm |
| P5 |
15,0 mm |
| P6 |
18,0 mm |
1. Verfahren zum Erzeugen eines kornorientierten Elektrobands, das mit einer Forsteritschicht
belegt ist, umfassend folgende Arbeitsschritte:
a) Bereitstellen eines 1 - 3 mm dicken warmgewalzten Stahlbands, welches aus, in Masse-%,
2,5 - 4,0 % Si, ≤ 0,30 % Mn, ≤ 0,50 % Cu, ≤ 0,1% Sn, ≤ 0,065 % Al, ≤ 0,0150 % N, ≤
0,10 % C sowie jeweils optional einem Element oder mehreren Elementen aus der Gruppe
"Cr, Ni, Mo, P, As, S, Sb, Se, Te, B oder Bi", Rest Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen
mit der Maßgabe besteht, dass die Gehalte der optional vorhandenen Elemente der Gruppe
"Cr, Ni, Mo, P, As, S, Sb, Se, Te, B oder Bi" jeweils ≤ 0,2 % betragen, wobei das
Stahlband mindestens 0,01 Masse-% Cu oder mindestens 0,003 Masse-% Sn enthält;
b) Kaltwalzen des warmgewalzten Stahlbands zu einem kaltgewalzten Stahlband in mehreren
Stichen, wobei der über den letzten Stich des Kaltwalzens eingestellte Umformgrad
so eingestellt wird, dass das kaltgewalzte Stahlband in Folge seiner über den letzten
Walzstich eintretenden Erwärmung auf eine Materialtemperatur Taging erwärmt wird, für die gilt 340 K < Taging < 675 K;
c) entkohlendes Glühen des erhaltenen kaltgewalzten Stahlbands unter einer Glühatmosphäre,
die aus in Vol.-%, 40 - 90% H2, Rest N2, besteht, bei einer Glühtemperatur von 900 K bis 1200 K, wobei das kaltgewalzte Stahlband
bei der Erwärmung auf die Glühtemperatur im Temperaturbereich von 300 - 1000 K mit
einer Erwärmungsgeschwindigkeit dR erwärmt wird, die mehr als 40 Kls beträgt;
d) Auftragen einer Klebschutzschicht auf mindestens eine der Oberflächen des kaltgewalzten
Stahlbands, wobei die Klebschutzschicht aus einem MgO-Pulver gebildet wird, das aus
MgO-Partikeln und optional bis zu 10 Masse-% Additiven besteht;
e) Glühen des mit der Klebschutzschicht versehenen Stahlbands, wobei sich über das
Glühen aus der im Arbeitsschritt d) aufgetragenen Klebschutzschicht die Forsteritschicht
(Mg2SiO4) bildet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Stahl des im Arbeitsschritt a) bereitgestellten Stahlbands mindestens 0,01 Masse-%
Cu und mindestens 0,003 Masse-% Sn enthält und dass für das aus dem Gehalt %Cu an Cu und dem Gehalt %Sn an Sn des Stahls des Stahlbands
ermittelte Massenverhältnis %Cu/%Sn gilt %Cu/%Sn > 3.
3. Kaltgewalztes und im entkohlend geglühten Zustand bereitgestelltes, 0,10 mm bis 0,35
mm dickes Stahlband für die Herstellung eines kornorientierten Elektrobands, wobei
das Stahlband aus, in Masse-%, 2,5 - 4,0 % Si, ≤ 0,30 % Mn, ≤ 0,50 % Cu, ≤ 0,1% Sn,
≤ 0,065 % Al, ≤ 0,1% N sowie jeweils optional einem Element oder mehreren Elementen
aus der Gruppe "Cr, Ni, Mo, P, As, S, Sb, Se, Te, B oder Bi" mit der Maßgabe besteht,
dass die Gehalte an den Elementen dieser Gruppe jeweils ≤ 0,2 % betragen, wobei das
Stahlband mindestens 0,01 Masse-% Cu oder mindestens 0,003 Masse-% Sn enthält, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlband in einer ToF-SIMS-Untersuchung, bei der die Oberfläche des jeweiligen
Stahlbands mit Cs-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 2keV als Sputtermaterial
und Bi-Ionen mit einer Beschleunigungsspannung von 25keV als Analyseionen beschossen
wird, folgende Bedingung 1 erfüllt:
Bedingung 1: Der Kurvenverlauf des aus dem Signal "Si an Cs gebunden" und dem Signal
"Si nicht an Cs gebunden" gebildeten Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht an
Cs gebunden" weist im Tiefenverlauf von 0,5 - 3,0 µm genau ein lokales Maximum auf.
4. Kaltgewalztes Stahlband nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Stahl des Stahlbands mindestens 0,01 Masse-% Cu und mindestens 0,003 Masse-%
Sn enthält und dass für das aus dem Gehalt %Cu an Cu und dem Gehalts %Sn an Sn des Stahls des Stahlbands
ermittelte Massenverhältnis %Cu/%Sn gilt %Cu/%Sn > 3.
5. Kornorientiertes Elektroband mit sehr guter Haftfestigkeit einer auf ihm gebildeten
Forsteritschicht hergestellt nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass bei einer ToF-SIMS-Untersuchung durch Beschuss der Forsteritschicht mit Cs-Ionen
mit einer Beschleunigungsspannung von 2keV als Sputtermaterial und Bi-lonen mit einer
Beschleunigungsspannung von 25keV als Analyseionen folgende Maßgaben A) und B) erfüllt
sind:
Maßgabe A) der Kurvenverlauf des aus dem Signal "Si an Cs gebunden" und dem Signal
"Si nicht an Cs gebunden" gebildeten Quotienten "Si an Cs gebunden" / "Si nicht an
Cs gebunden" weist in einer ausgehend von der Oberfläche der Forsteritschicht gemessenen
Sputtertiefe von 2 µm bis 8 µm genau ein lokales Maximum auf, und
Maßgabe B) das gemäß Maßgabe A) bestimmte Maximum des Verlaufs des Quotienten "Si
an Cs gebunden" / "Si nicht an Cs gebunden" hat einen Maximalwert von 0,01 - 0,3.