[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Regelung, insbesondere zur Temperaturregelung,
eines Gussverfahrens, insbesondere eines Kokillengussverfahrens, umfassend: Regelung
von zumindest einer Eingangsvariablen indikativ für zumindest eine Eingangsgröße des
Gussverfahrens, vorzugsweise in Abhängigkeit zumindest einer Ausgangsvariablen indikativ
für zumindest eine Temperatur des Gussverfahrens, insbesondere für eine Temperatur
einer Gussform, weiter bevorzugt für eine Temperaturtrajektorie des Gussverfahrens
oder der Gussform, derart, dass eine Temperaturdifferenz der Temperatur des Gussverfahrens
zu einem voreingestellten Temperaturprofil minimiert wird.
[0002] Die vorliegende Erfindung betrifft ebenfalls ein Steuerungssystem für ein Gussverfahren,
insbesondere für ein Kokillengussverfahren, umfassend zumindest ein Steuerungsmittel
zur Regelung von zumindest einer Eingangsvariablen indikativ für zumindest eine Eingangsgröße
des Gussverfahrens, insbesondere in Abhängigkeit zumindest einer Ausgangsvariablen
indikativ für zumindest eine Temperatur des Gussverfahrens, insbesondere für eine
Temperatur einer Gussform, weiter bevorzugt für eine Temperaturtrajektorie des Gussverfahrens
oder der Gussform, derart, dass eine Temperaturdifferenz, insbesondere eine prognostizierte
Temperaturdifferenz, der Temperatur des Gussverfahrens zu einem voreingestellten Temperaturprofil
minimiert wird. Weiter betrifft die vorliegende Erfindung eine Vorrichtung sowie ein
Computerprogramm.
[0003] Aus dem Stand der Technik sind bereits Verfahren zur Temperatursteuerung von Gussverfahren
bekannt. Im Wesentlichen wird hierbei zwischen zwei herkömmlichen Steuerungsmöglichkeiten
differenziert, nämlich einer sogenannten vorwärts gerichteten Regelung (feedforward
control) und einer simplen rückgekoppelten Regelung (feedback control).
[0004] Bei der vorwärts gerichteten Regelung wird zumindest eine Eingangsvariable, die indikativ
für zumindest eine Eingangsgröße des Gussverfahrens ist, vor den jeweiligen Gießzyklen
von einem Prozessingenieur voreingestellt.
[0005] Beispielsweise ist die zumindest eine Eingangsvariable dann indikativ für zumindest
eine Eingangsgröße, wenn diese einen Rückschluss auf die Eingangsgröße zulässt. Insbesondere
kann es sich bei der zumindest einen Eingangsvariablen um Messwerte und/oder Daten
indikativ für die zumindest eine Eingangsgröße handeln. Beispielsweise kann es sich
bei der Eingangsvariablen um die Eingangsgröße selbst oder um Messwerte und/oder Daten
handeln, die die Eingangsgröße repräsentieren oder aus denen sich die Eingangsgröße
ableiten lässt. Beispielsweise kann es sich bei der zumindest einen Eingangsgröße
um eine Temperatur eines Kühlmittels in Kelvin handeln, wobei es sich in einem solchen
Fall bei der zumindest einen Eingangsvariablen ebenfalls um die Temperatur des Kühlmittels
in Kelvin oder um andere Messwerte und/oder Daten handeln kann, die die Temperatur
des Kühlmittels repräsentieren oder aus denen sich die Temperatur des Kühlmittels
ableiten lässt. Vorheriges gilt vorzugsweise ebenfalls hinsichtlich der zumindest
einen Ausgangsvariablen indikativ für zumindest eine Ausgangsgröße. Insofern wird
mit der zumindest einen Eingangsgröße bzw. der zumindest einen Ausgangsgröße insbesondere
die physikalische Gegebenheit, also beispielsweise die Temperatur des Kühlmittels
in Kelvin, bezeichnet, wohingegen mit der zumindest einen Eingangsvariablen bzw. der
zumindest einen Ausgangsvariablen auch Messwerte und/oder Daten bezeichnet werden
können, welche Rückschlüsse auf die zumindest eine Eingangsvariable bzw. auf die zumindest
eine Ausgangsvariable zulassen und/oder welche die zumindest eine Eingangsvariable
bzw. die zumindest eine Ausgangsvariable repräsentieren.
[0006] Die üblicherweise eingestellten Eingangsvariablen sind beispielsweise indikativ für
die Fließraten eines Kühlmittels oder die Kühlzeiten während eines Gusszyklus. Es
hat sich in der Praxis allerdings gezeigt, dass eine derartige vorwärts gerichtete
Regelung zu erheblichen Temperaturschwankungen zwischen einzelnen Gusszyklen führen
kann, wodurch insbesondere Ungenauigkeiten in der Produktion der einzelnen Gussteile
auftreten können.
[0007] Bei der simplen rückgekoppelten Regelung wird beispielsweise die Fließrate eines
Kühlmittels in Abhängigkeit von zumindest einem in der Gussform angeordneten Messmittel,
insbesondere Thermoelement, geregelt. Falls beispielsweise die von dem zumindest einen
Thermoelement gemessene Temperatur eine voreingestellte Temperaturgrenze übersteigt,
wird ein Kühlmittelfluss aktiviert. Der Kühlmittelfluss wird solange aktiviert, bis
die von dem zumindest einen Thermoelement gemessene Temperatur eine weitere voreingestellte
Temperaturgrenze unterschreitet. Eine derart beschriebene Regelstrategie kann auch
als Bang-Bang-Regelung bezeichnet werden und ist in vielen kommerziellen Kokillengussanlagen
möglich. Hierbei werden zwar Informationen des jeweiligen Gussverfahrens, insbesondere
die von einem Thermoelement gemessene Temperatur verwendet, allerdings ist die Reaktionszeit
einer solchen Regelung langsam, da nur auf bereits stattgefundene Temperaturschwankungen
reagiert werden kann. Es hat sich gezeigt, dass bei einer solchen Regelung signifikante
Temperaturspitzen auftreten können, insbesondere kurz nachdem die Gussform mit der
Gussformfüllung bzw. der Schmelze gefüllt wird.
[0008] Insofern liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur
Regelung, insbesondere zur Temperaturregelung, eines Gussverfahrens, insbesondere
eines Kokillengussverfahren, anzugeben, welches eine verbesserte Einregelung der gemessenen
Temperaturen in einem gewünschten Bereich ermöglicht. Ebenfalls soll ein Steuerungssystem
für ein Gussverfahren, eine Vorrichtung und ein Computerprogramm umfassend Programmanweisungen
angegeben werden, welche eine verbesserte Temperaturregelung eines Gussverfahrens
ermöglichen.
[0009] Die vorgenannte Aufgabe wird gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung bei einem vorgenannten
Verfahren dadurch gelöst, dass die Regelung der zumindest einen Eingangsvariablen
auf einer modellprädiktiven Regelung basiert. Hierdurch wird eine verbesserte Temperaturregelung
des Gussverfahrens ermöglicht, da mittels der modellprädiktiven Regelung zukünftige
Temperaturen des Gussverfahren, insbesondere zukünftige Temperaturtrajektorien, berechnet
werden können und die zumindest eine Eingangsvariable, die beispielweise indikativ
für eine Fließrate eines Kühlmittels ist, in Abhängigkeit der berechneten Temperaturtrajektorien
geregelt werden kann. Hierdurch kann die zumindest eine Eingangsvariable proaktiv
angepasst werden, wodurch Temperaturfluktuationen innerhalb eines Gusszyklus und auch
zwischen Gusszyklen reduziert werden können.
[0010] Vorliegend kann eine modellprädiktive Regelung insbesondere auf einem sogenannten
MPC-Modell basieren. Bei der modellprädiktiven Regelung wird vorliegend ein voreingestelltes
Temperaturprofil angestrebt, bei welchem es sich um ein Zieltemperaturprofil handelt.
Bei dem voreingestellten Temperaturprofil kann es sich beispielsweise auch nur um
eine angestrebte konstante Temperatur handeln. Ziel der Regelung ist es, die gemessene
und/oder prognostizierte Temperatur des Gussverfahrens, insbesondere die Temperatur
der Gussform, während oder zwischen Gusszyklen möglichst nah an das angestrebte Temperaturprofil
zu führen. Hierzu kann, beispielsweise in diskreten Zeitintervallen, nicht nur der
aktuelle Zustand des Verfahrens, beispielsweise durch Erfassen der zumindest einen
Ausgangsvariablen, überwacht, sondern ebenfalls der Zustand des Verfahrens für ein
bestimmtes zukünftiges Zeitintervall geschätzt und geregelt werden. Der modellprädiktiven
Regelung liegt demnach ein Optimierungsproblem zugrunde, nämlich durch Regelung der
zumindest einen Eingangsvariablen die Ausgangsvariable hinsichtlich des voreingestellten
Temperaturprofils zu optimieren.
[0011] Beispielsweise kann das Optimierungsproblem eine Kostenfunktion beinhalten, wobei
die Kostenfunktion minimiert werden soll. Dabei kann die Gussformfüllung als gemessene
Störgröße und die zumindest eine Eingangsvariable berücksichtigt werden. Insbesondere
werden zumindest zwei Eingangsvariablen berücksichtigt, welche vorzugsweise indikativ
für die Flussrate eines Kühlmittels und die Heizrate einer Heizquelle sind.
[0012] Eine exemplarische Kostenfunktion, die mittels der modelprädiktiven Regelung optimiert
werden kann, kann beispielsweise auf folgender Formel basieren:

[0013] Dabei bestraft der erste Summenterm

beispielsweise die Temperaturdifferenz zwischen der Ausgangsvariablen indikativ für
eine prognostizierte Temperatur bzw. indikativ für eine prognostizierte Temperaturtrajektörie
und einem voreingestellten Temperaturprofil. |
ŷk+i|k|| kann hierbei beispielsweise der prognostizierten Temperatur bzw. der prognostizierten
Temperaturtrajektorie entsprechen. Beispielsweise wird |
ŷk+i|k|| mittels der nachfolgend beschriebenen Transferfunktion G(s) sowie den Eingangsvariablen
ûk+i|k berechnet. Des Weiteren ist es bevorzugt, dass der Term
rk+i zu dem voreingestellten Temperaturprofil korrespondiert.
[0014] Der zweite Summenterm

bestraft beispielsweise Änderungen der Eingangsvariablen. Dies kann insbesondere
Änderungen in der Flussrate eines Kühlmittels oder der Heizrate einer Heizquelle betreffen.
Δ̇
ûk+i|k kann hierbei beispielsweise die Änderung zumindest einer Eingangsvariable zwischen
dem Zeitpunkt k+1 und dem vorherigen Zeitpunkt angeben.
[0015] Der dritte Summenterm

bestraft beispielsweise die Eingangsvariablen direkt. Dieser sorgt demnach insbesondere
dafür, dass die absolute Menge an Kühlmittelfluss oder die absolute Heizrate einer
Heizquelle minimiert wird.
[0016] Die Freiheitsgrade der modellprädiktiven Steuerung bzw. des Optimierungsproblems
werden dabei durch die Variablen n
PH, n
CH sowie die Gewichtungsmatrizen Q, R und S bestimmt.
[0017] Beispielsweise gibt die Variable n
PH an, für wie viele Zeitintervalle die Berechnung durchgeführt werden soll. Ein Zeitintervall
kann beispielsweise in einem Bereich zwischen 0,5 s und 10 s liegen.
[0018] Die Variable n
CH gibt beispielsweise an, für wie viele Zeitintervalle die zumindest eine Eingangsvariable
geändert werden kann.
[0019] Vorzugweise können die Variablen n
PH und n
CH hinsichtlich des zugrunde liegenden Optimierungsproblems angepasst werden. Beispielsweise
ist es bevorzugt, dass die Variable n
PH zumindest die Dauer eines Gusszyklus angibt, welcher beispielsweise zwischen 1 min
und 10 min dauern kann.
[0020] Die Gewichtungsmatrizen Q, R und S geben insbesondere an, wie stark die einzelnen
Summenterme in der Gesamtbewertung gewichtet werden. Beispielsweise können die Gewichtungsmatrizen
Q, R und S Einheitsmatrizen mit den Konstanten q, r, und s auf der Diagonalen sein.
Eine derartige Ausbildung hat sich bei der Verwendung der modellprädiktiven Regelung
zur Reduktion der Komplexität unter Erzielung zufriedenstellender Ergebnisse als vorteilhaft
erwiesen.
[0021] Vorzugsweise wird eine Ausgangsvariable erfasst. Bei der erfassten Ausgangsvariablen
indikativ für zumindest eine Temperatur des Gussverfahrens, insbesondere für eine
Temperatur einer Gussform, kann es sich beispielsweise um den Messwert eines in der
Gussform angeordneten Thermoelements handeln. Beispielsweise kann das Thermoelement
zumindest teilweise innerhalb der Gussform angeordnet sein und so in zuverlässiger
Weise die Temperatur innerhalb der Gussform messen. Hinsichtlich einer erhöhten Messgenauigkeit
ist es bevorzugt, dass mehrere Thermoelemente zumindest teilweise innerhalb der Gussform
angeordnet sind.
[0022] Vorzugsweise wird zumindest eine Eingangsvariable indikativ für zumindest eine Eingangsgröße
des Gussverfahrens basierend auf der modellprädiktiven Regelung geregelt. Insbesondere
ist die zumindest einen Eingangsvariablen indikativ für eine Fließrate eines Kühlmittels,
wobei das Kühlmittel beispielsweise durch in der Gussform angeordnete Kanäle fließt
und hierdurch die Gussform kühlt. Dies ermöglicht eine zuverlässige Einstellung der
Temperatur der Gussform.
[0023] Des Weiteren hat es sich in der Praxis insbesondere als vorteilhaft erwiesen, wenn
mittels der modelprädikativen Regelung eine weitere Eingangsvariable geregelt wird,
wobei die weitere Eingangsvariable vorzugsweise indikativ für zumindest eine Heizrate
eines in der Gussform angeordneten Heizelements oder einer Heizquelle ist. Hierdurch
kann eine schnelle Anpassung der Temperatur der Gussform an ein voreingestelltes Temperaturprofil
im Rahmen der modellprädiktiven Regelung ermöglicht werden.
[0024] Eine bevorzugte Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass die modellprädiktive Regelung ein Modell, insbesondere ein dynamisches Modell,
umfasst, dass das Modell basierend auf einem Datensatz identifiziert und/oder angepasst
wird, wobei der Datensatz Daten indikativ für die zumindest eine Eingangsvariable
und die zumindest eine Ausgangsvariable aufweist, und dass mittels des Modells basierend
auf dem Datensatz eine Korrelation zwischen der zumindest einen Eingangsvariablen
und der zumindest einen Ausgangsvariablen bestimmt wird. Vorzugsweise umfasst der
Datensatz mehrere Eingangsvariablen, insbesondere zumindest zwei unterschiedliche
Eingangsvariablen. Optional können mittels des dynamischen Modells auch Korrelationen
und/oder Wechselwirkungen der Eingangsvariablen untereinander bestimmt werden. Durch
eine Berechnung der Korrelation und/oder der Wechselwirkungen der Eingangsvariablen
und/oder der Korrelation zu der Ausgangsvariablen, kann in zuverlässiger Weise eine
Auswirkung einer Änderung einer der Variablen auf eine andere der Variablen berechnet
werden.
[0025] Beispielsweise kann vorgenanntes Model auf einem Grey-Box-Modell basieren. Alternativ
kann das vorgenannte Modell auch rein datenbasiert sein oder auf aus dem Stand der
Technik bekannten Prinzipien beruhen, die anschließend durch Daten parametrisiert
werden.
[0026] Ein Grey-Box-Modell kann beispielsweise durch folgende Formel dargestellt werden:

[0027] Bei Y
out handelt es sich vorzugsweise um die Ausgangsvariable, die indikativ für zumindest
eine Temperatur des Gussverfahrens ist. Als U
in, i werden vorzugsweise die verschiedenen Eingangsvariablen bezeichnet, wobei insgesamt
n verschiedene Eingangsvariable vorliegen können. Beispielsweise können die verschiedenen
Eingangsvariablen im Laplacebereich vorliegen. Bei der Funktion G
i(s) handelt es sich vorzugsweise um eine Transferfunktion, welche sich insbesondere
durch folgende Formel für die einzelnen Eingangsvariablen darstellen lässt:

[0028] Als K
i wird vorzugsweise ein Verstärkungsfaktor der jeweiligen Eingangsvariablen angegeben,
wobei es sich bei T
i insbesondere um eine Zeitkonstante handeln kann.
[0029] Es hat sich gezeigt, dass durch das illustrierte Grey-Box-Modell ein vorteilhaftes
Model zur Berechnung der Korrelation zwischen der zumindest einen Eingangsvariablen
und der zumindest einen Ausgangsvariablen angegeben werden kann.
[0030] Eine weitere bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass
der Datensatz historische Daten, insbesondere Daten von bereits durchgeführten Gießversuchen
und/oder Daten aus einer Serienproduktion, umfasst, wobei der Datensatz vorzugsweise
um während der Durchführung des Gussverfahrens erfasste Daten erweitert wird, und/oder
dass das Modell mittels Schätzwerten parametriert wird, wobei das Modell vorzugsweise
während der Durchführung des Gussverfahrens durch erfasste Daten validiert und/oder
erweitert wird. Dies ermöglicht die Zugrundelegung eines Datensatzes, welcher es erlaubt,
die Korrelation zwischen der zumindest einen Eingangsvariablen, der zumindest einen
Ausgangsvariablen und beispielsweise auch Störgrößen zu berücksichtigen.
[0031] Die historischen Daten können insbesondere Daten von bereits durchgeführten Gießversuchen
sein. Insbesondere können Daten des gleichen Gussverfahrens und der gleichen Gussvorrichtung
verwendet werden, wodurch die modellprädiktive Regelung weiter verbessert werden kann.
Es ist bevorzugt, dass der zugrunde gelegte Datensatz nach Durchführung der Gusszyklen
um die vergangenen Messwerte erweitert wird. Hierdurch kann insbesondere ein repräsentativer
Datensatz zur Verfügung gestellt werden.
[0032] Die Schätzwerte für einzelne Parameter des Modells können beispielsweise auf den
Erfahrungswerten eines Prozessingenieurs beruhen. Alternativ können die Schätzwerte
beispielsweise mittels einer herkömmlichen Simulationsumgebung ermittelt werden. Vorzugsweise
werden die Schätzwerte nach Durchführung von Gusszyklen validiert bzw. angepasst,
so dass sichergestellt werden kann, dass das angepasste Modell die gemessenen Daten
hinreichend genau beschreibt.
[0033] Bei einer bevorzugten Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung berücksichtigt die
modelprädikative Regelung die zumindest eine Eingangsvariable und/oder die eine Ausgangsvariable
sowie deren Korrelation zueinander basierend auf dem Modell. Hierdurch können mittels
der modelprädikativen Regelung in zuverlässiger Weise verschiedene mögliche Temperaturtrajektorien
berechnet werden und die zumindest eine Eingangsvariable derart geregelt werden, dass
eine, insbesondere prognostizierte, Temperaturdifferenz der Temperatur des Gussverfahrens
zu einem voreingestellten Temperaturprofil minimiert wird. Des Weiteren ist es bevorzugt,
dass bei mehreren Eingangsvariablen die modellprädikative Regelung auch die Korrelation
der mehreren Eingangsvariablen untereinander basierend auf dem vorgenannten Modell
berücksichtigt.
[0034] Eine weitere bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass
die modelprädikative Regelung ferner eine Füllung der Gussform als gemessene Störgröße
(measured disturbance) und die Korrelation der Störgröße zu der zumindest einen Eingangsvariablen
und/oder der zumindest einen Ausgangsvariablen basierend auf dem dynamischen Modell
berücksichtigt. Dies ermöglicht eine zuverlässige modellprädiktive Regelung der zumindest
einen Eingangsvariablen und/oder der zumindest einen Eingangsgröße, da auch das Verhalten
der Gussformfüllung bzw. Abweichungen der Gussformfüllung als gemessene Störgröße
in die modelprädikative Regelung mit einbezogen werden können. Bei der Gussformfüllung
als Störgröße kann es sich insbesondere um den Zeitpunkt der Gussformfüllung, die
Zusammensetzung der Gussformfüllung, die Menge der Gussformfüllung und/oder die Temperatur
der Gussformfüllung handeln.
[0035] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung ist die
zumindest eine Eingangsgröße eine Flussrate eines Kühlmittels, eine Temperatur eines
Kühlmittels, eine Dauer eines Gusszyklus, eine Menge einer Gussformfüllung, eine Zusammensetzung
einer Gussformfüllung, eine Temperatur einer Gussformfüllung, ein Zeitpunkt einer
Gussformfüllung, eine Temperatur einer Heizquelle und/oder eine Heizrate einer Heizquelle
bzw. einer Heizeinrichtung. Hierdurch kann eine Eingangsvariable indikativ für eine
der vorgenannten Eingangsgrößen derart geregelt werden, dass eine Temperaturdifferenz
der Temperatur des Gussverfahrens zu einem voreingestellten Temperaturprofil minimiert
wird. Es ist bevorzugt, dass eine Eingangsvariable jeweils indikativ für eine Eingangsgröße
ist. Vorzugsweise können auch mehrere der vorgenannten Eingangsgrößen mehrfach auftreten,
beispielsweise falls mehrere Kühlkreisläufe für Kühlmittel während des Gussverfahrens
vorhanden sind.
[0036] Besonders bevorzugt ist die zumindest eine Eingangsvariable indikativ für die Flussrate
eines Kühlmittels. Hierdurch kann die Flussrate eines Kühlmittels basierend auf der
modellprädiktiven Regelung derart geregelt werden, dass die vorgenannte Temperaturdifferenz
minimiert wird.
[0037] Vorzugsweise werden zumindest zwei Eingangsvariablen indikativ für zwei Eingangsgrößen
des Gussverfahrens geregelt. In der Praxis hat es sich hinsichtlich einer Genauigkeit
der Regelung als bevorzugt erwiesen, falls zwei Eingangsvariablen verwendet werden,
wobei eine Eingangsvariable indikativ für die Flussrate des Kühlmittels und eine Eingangsvariable
indikativ für die Heizrate einer Heizquelle ist. Dies ermöglicht sowohl eine Anpassung
sowohl der Flussrate des Kühlmittels als auch der Heizrate der Heizquelle basierend
auf der modelprädiktiven Regelung.
[0038] Bei einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung umfasst die
modellprädiktive Regelung einen Kalman-Filter und der Zustand des Gussverfahrens,
insbesondere der Systemzustand sowie der Zustand der zumindest einen Ausgangsvariablen,
wird mittels des Kalman-Filters, insbesondere in definierten Zeitintervallen, berechnet.
Hierdurch kann der Zustand des Gussverfahrens zuverlässig berechnet werden. Insbesondere
wird der Zustand des Gussverfahrens basierend auf einer Erfassung der zumindest einen
Eingangsvariablen und der zumindest einen Ausgangsvariablen berechnet. Mittels des
aktuellen Zustands des Gussverfahrens können im Rahmen der modellprädiktiven Regelung
die verschiedenen zukünftigen Temperaturtrajektorien berechnet werden, auf deren Basis
die zumindest eine Eingangsvariable geregelt werden kann.
[0039] Eine bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass die
modellprädiktive Regelung mittels des von dem Kalman-Filter-Modells berechneten Zustands
verschiedene Trajektorien der zumindest einen Ausgangsvariablen prognostiziert, und
dass mittels der modellprädiktiven Regelung die zumindest eine Eingangsvariable derart
geregelt wird, dass sich eine prognostizierte Trajektorie der Ausgangsvariablen einstellt,
die indikativ für eine minimale Temperaturdifferenz der Temperatur des Gussverfahrens
zu dem voreingestellten Temperaturprofil ist. Dies ermöglicht eine vorteilhafte Temperatursteuerung
des Gussverfahrens, so dass der Gießprozess optimiert und die Menge an Gussfehlern
zuverlässig reduziert werden kann. Vorzugsweise wird vorgenannte Berechnung jeweils
nach Ablauf eines der definierten Zeitintervalle durchgeführt. Dementsprechend wird
die zumindest eine Eingangsvariable zu jedem definierten Zeitpunkt in Abhängigkeit
des zuvor beschriebenen Optimierungsproblems basierend auf dem mittels des Kalman-Filter-Models
prognostizierten Zustands geändert, um die tatsächliche Temperatur der Gussform an
das voreingestellte Temperaturprofil anzupassen.
[0040] Eine weitere bevorzugte Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung ist ferner dadurch
gekennzeichnet, dass die modelprädikative Regelung Beschränkungen des Gussverfahrens,
insbesondere Beschränkungen der zumindest einen Eingangsvariablen und/oder der zumindest
einen Ausgangsvariablen, berücksichtigt. Hierdurch können in vorteilhafter Weise technische
Beschränkungen des Gussverfahrens bei der modellprädiktiven Regelung berücksichtigt
werden. Beispielsweise handelt es sich bei derartigen Beschränkungen um eine maximale
Flussrate des Kühlmittels, um eine maximale Heizrate der Heizquelle und/oder um eine
maximale Änderungsrate des Kühlmittelflusses.
[0041] Bei einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung wird die
zumindest eine Ausgangsvariable indikativ für zumindest eine Temperatur des Gussverfahrens
mittels mindestens eines Thermoelements, insbesondere mittels mindestens eines zumindest
teilweise innerhalb einer Gussform angeordneten Thermoelements, erfasst. Dies ermöglicht
eine zuverlässige Erfassung der zumindest einen Ausgangsvariablen.
[0042] Gemäß einem zweiten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird die vorgenannte Aufgabe
bei einem Steuerungssystem für ein Gussverfahren dadurch gelöst, dass das Steuerungsmittel
die zumindest eine Eingangsvariable basierend auf einer modellprädiktiven Regelung
regelt. Die im Zusammenhang mit dem vorgenannten Verfahren beschriebenen Ausführungsformen
und Vorteile gelten gleichermaßen für das erfindungsgemäße Steuerungssystem.
[0043] Ein Steuerungssystem kann beispielsweise eine Vorrichtung zum Auswerten von Daten,
Steuern von weiteren Vorrichtungen und/oder Ausgeben von Signalen sein. Das Steuerungssystem
kann beispielsweise Bestandteil einer Gussvorrichtung, einer Gießvorrichtung und/oder
eine Gießanlage sein.
[0044] Das Steuerungssystem kann Hardware- und/oder Software-Komponenten umfassen. Das Steuerungssystem
kann beispielsweise mindestens einen Speicher mit Programmanweisungen eines Computerprogramms
und mindestens einen Prozessor ausgebildet zum Ausführen von Programmanweisungen aus
dem mindestens einen Speicher umfassen. Dementsprechend sollen insbesondere auch Steuereinrichtungen
als offenbart verstanden werden, die zumindest einen Prozessor und zumindest einen
Speicher mit Programmanweisungen umfassen, wobei der zumindest eine Speicher und die
Programmanweisungen eingerichtet sind, gemeinsam mit dem zumindest einen Prozessor
die mindestens eine Eingangsvariable zu steuern. Das Steuern der mindestens einen
Eingangsvariablen erfolgt zum Beispiel über eine Steuerverbindung.
[0045] Vorzugsweise ist das Steuerungssystem zur Durchführung eines zuvor beschriebenen
Verfahrens ausgestaltet.
[0046] Gemäß einem dritten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird die vorgenannte Aufgabe
durch eine Vorrichtung umfassend zumindest einen Prozessor und zumindest einen Speicher,
der Programmcode beinhaltet, dadurch gelöst, dass der Speicher und der Programmcode
eingerichtet sind, mit dem zumindest einen Prozessor eine Vorrichtung dazu zu veranlassen,
zumindest das vorgenannte Verfahren auszuführen und/oder zu steuern. Dabei können
entweder alle Schritte des Verfahrens gesteuert werden, oder alle Schritte des Verfahrens
ausgeführt werden, oder ein oder mehrere Schritte gesteuert und ein oder mehrere Schritte
ausgeführt werden.
[0047] In einer beispielhaften Ausgestaltung umfasst das System gemäß dem dritten beispielhaften
Aspekt der vorliegenden Erfindung zumindest ein Steuerungssystem gemäß dem zweiten
Aspekt der vorliegenden Erfindung sowie eine Gießanlage geeignet zur Durchführung
eines Verfahrens gemäß dem ersten Aspekt der vorliegenden Erfindung.
[0048] Die vorgenannte Aufgabe wird ebenfalls gemäß einem vierten Aspekt der vorliegenden
Erfindung durch ein Computerprogramm dadurch gelöst, dass das Computerprogramm Programmanweisungen
umfasst, die einen Prozessor zur Ausführung und/oder Steuerung des vorgenannten Verfahrens
veranlassen, wenn das Computerprogramm auf dem Prozessor läuft. Unter einem Prozessor
sollen in dieser Spezifikation unter anderem Kontrolleinheiten, Mikroprozessoren,
Mikrokontrolleinheiten wie Mikrocontroller, digitale Signalprozessoren (DSP), Anwendungsspezifische
Integrierte Schaltungen (ASICs) oder Field Programmable Gate Arrays (FPGAs) verstanden
werden. Dabei können entweder alle Schritte des Verfahrens gesteuert werden, oder
alle Schritte des Verfahrens ausgeführt werden, oder ein oder mehrere Schritte gesteuert
und ein oder mehrere Schritte ausgeführt werden. Das Computerprogramm kann beispielsweise
über ein Netzwerk wie das Internet, ein Telefon- oder Mobilfunknetz und/oder ein lokales
Netzwerk verteilbar sein. Das Computerprogramm kann zumindest teilweise Software und/oder
Firmware eines Prozessors sein. Es kann gleichermaßen zumindest teilweise als Hardware
implementiert sein. Das Computerprogramm kann beispielsweise auf einem computerlesbaren
Speichermedium gespeichert sein, z.B. einem magnetischen, elektrischen, elektro-magnetischen,
optischen und/oder andersartigen Speichermedium. Das Speichermedium kann beispielsweise
Teil des Prozessors sein, beispielsweise ein (nicht-flüchtiger oder flüchtiger) Programmspeicher
des Prozessors oder ein Teil davon. Das Speichermedium ist beispielsweise gegenständlich,
also greifbar, und/oder nicht-transitorisch.
[0049] Die oben beschriebenen, zunächst grundsätzlich für sich älleine stehenden Ausführungsformen
und beispielhaften Ausgestaltungen aller Aspekte der vorliegenden Erfindung sollen
auch in allen Kombinationen miteinander offenbart verstanden werden.
[0050] Weitere vorteilhafte beispielhafte Ausführungsformen der Aspekte der Erfindung sind
der folgenden detaillierten Beschreibung einiger beispielhafter Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung, insbesondere in Verbindung mit den Figuren zu entnehmen.
Die der Anmeldung beiliegenden Figuren sollen jedoch nur dem Zwecke der Verdeutlichung,
nicht aber zur Bestimmung des Schutzbereiches der Erfindung dienen. Die beiliegenden
Zeichnungen spiegeln lediglich das allgemeine Konzept der vorliegenden Erfindung beispielhaft
wieder. Insbesondere sollen Merkmale, die in den Figuren enthalten sind, keineswegs
als notwendiger Bestandteil der vorliegenden Erfindung verstanden werden.
[0051] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen mit Bezug auf die
Zeichnung erläutert. In der Zeichnung zeigen
- Fig. 1
- eine exemplarische Gegenüberstellung von gemessenen und mittels eines Models berechneten
Temperaturdaten;
- Fig. 2
- eine exemplarische Darstellung verschiedener Temperaturverläufe basierend auf unterschiedlichen
Regelungen zur Temperatursteuerung eines Gussverfahrens; und
- Fig. 3
- eine weitere exemplarische Darstellung verschiedener Temperaturverläufe basierend
auf unterschiedlichen Regelungen zur Temperatursteuerung eines Gussverfahrens.
[0052] Fig. 1 zeigt eine exemplarische Gegenüberstellung eines Temperaturverlaufs 2 einer
realitätsnahen Simulation und eines mittels eines Modells berechneten Temperaturverlaufs
4. Dabei weicht der mittels des Modells, insbesondere mittels des dynamischen Modells,
berechnete Temperaturverlauf 4 nur geringfügig von dem Temperaturverlauf 2 der realitätsnahen
Simulation ab, so dass die grundlegenden Systemdynamiken des Gussverfahrens durch
das dynamische Model zuverlässig wiedergegeben werden können.
[0053] Zur Erstellung des dynamischen Modells wurden vorliegend Daten eines im Gussverfahren
hergestellten Fahrzeug-Hilfsrahmenbauteils aus einer Aluminium Legierung verwendet.
[0054] Durch eine realitätsnahe Simulation wurde zunächst ein Datensatz erstellt, mittels
welchem die Systemdynamiken der vorliegenden Daten identifiziert wurden. Bei einer
solchen realitätsnahen Simulation handelt es sich vorzugsweise um eine Simulation
für Gussprozesse. Vorliegend wurde eine Simulation aus dem Hause Magmasoft verwendet.
[0055] Mittels der realitätsnahen Simulation wurden verschiedene Eingangsvariablen indikativ
für verschiedene Eingangsgrößen verändert, damit ein umfangreicher Datensatz vorliegt.
Zur Bestimmung einer Ausgangsvariablen indikativ für eine Temperatur in der Gussform
wurde vorliegend eine festgelegte Position eines Thermoelements in der Gussform gewählt.
In dem vorliegenden Fall wurden folgende verschiedene Eingangsgrößen sowie die Eingangsvariablen
indikativ für diese Eingangsgrößen in der Simulation berücksichtigt:
- die Flussrate des Kühlmittels in zwei Kühlkreisläufen nahe der spezifischen Position
des Thermoelements; sowie
- die Heizrate einer Heizquelle bzw. eines Heizelements nahe der spezifischen Position
des Thermoelements.
[0056] Ebenfalls wurde die Füllung der Gussform mit einer Schmelze bzw. die Gussformfüllung
als gemessene Störgröße (measured disturbance) berücksichtigt.
[0057] Die Gussformfüllung wurde als Dirac-Impuls modelliert, wobei der jeweilige Dirac-Impuls
ausgelöst wird, sobald die Gussformfüllung in der Simulation in die Gussform fließt.
Im Rahmen der modellprädiktiven Regelung kann die Gussformfüllung auch als gemessene
Störgröße (measured disturbance) bezeichnet werden.
[0058] Nachfolgend wurde das folgende Prozessmodel an die im Rahmen der Simulation ermittelten
Daten angepasst:

[0059] Bei Y
out handelt es sich um die Ausgangsvariable, die indikativ für zumindest eine Temperatur
des Gussverfahrens ist. Als U
in, i werden die Eingangsvariablen indikativ für die zuvor genannten Eingangsgrößen bezeichnet.
Bei der Funktion Gi(s) handelt es sich um eine Übertragungsfunktion, welche sich durch
folgende Formel für die einzelnen Eingangsvariablen darstellen lässt:

[0060] Als Ki wird ein Verstärkungsfaktor der jeweiligen Eingangsvariablen angegeben, wobei
es sich bei Ti um eine Zeitkonstante handelt.
[0061] Wie in Fig. 1 dargestellt, weicht der prognostizierte Temperaturverlauf des identifizierten
dynamischen Models nur geringfügig von dem Temperaturverlauf der realitätsnahen Simulation
ab, so dass das dynamische Modell die im Rahmen des Gussverfahrens auftretenden Temperaturverläufe
zuverlässig prognostiziert.
[0062] In Fig. 2 ist eine exemplarische Darstellung verschiedener Temperaturverläufe basierend
auf unterschiedlichen Regelungen zur Temperatursteuerung eines Gussverfahrens dargestellt.
Dabei wurden der Temperaturverlauf einer realitätsnahen Simulation 2, der Temperaturverlauf
der modellprädiktiven Regelung 6, der Temperaturverlauf einer PID-Regelung 8 und der
Temperaturverlauf einer Bang-Bang-Regelung 10 einander gegenübergestellt. Als voreingestelltes
Temperaturprofil 12 wurde eine konstante Temperaturtrajektorie von 320°C ausgewählt.
[0063] Der modelprädiktiven Regelung 6 wurde ein Vorhersagehorizont von n
PH = 1000 für ein Zeitintervall von ΔT = 1 s zugrunde gelegt. Demnach fließen 1000 Zeitintervalle
mit jeweils 1 s in die Berechnung ein. Der Kontrollhorizont n
CH wurde mit 100 ebenfalls für ein Zeitintervall von ΔT = 1 s festgelegt, so die Eingangsvariablen
für 100 Zeitintervalle geändert werden können.
[0064] Als Gewichtungsmatrizen Q, R und S wurden Einheitsmatrizen mit den Konstanten q,
r und s auf der Diagonalen gewählt, wobei q = 1.000.000; r = 1; und s = 0.
[0065] Als Eingangsvariable indikativ für eine Eingangsgröße wurde bei den in Fig. 2 dargestellten
Regelungen eine Eingangsvariable indikativ für eine Fließrate eines Kühlmittels geregelt.
Es ist ersichtlich, dass die modelprädiktive Regelung 6 einen Temperaturverlauf ermöglicht,
welcher im Durchschnitt näher an dem voreingestellten Temperaturprofil 12 liegt als
die anderen Regelungsarten 8 und 10. Da allerdings die Temperatur von der Fließrate
des Kühlmittels im Wesentlichen nur in eine Richtung bewegt werden kann, nämlich eine
Temperatursenkung verursacht werden kann, treten bei dem in Fig. 2 dargestellten Model
technische Beschränkungen auf, die einer weiter verbesserten Regelung im Wege stehen.
[0066] In Fig. 3 ist eine weitere exemplarische Darstellung verschiedener Temperaturverläufe
basierend auf unterschiedlichen Regelungen zur Temperatursteuerung eines Gussverfahrens
dargestellt. Im Unterschied zu den in Fig. 2 dargestellten Regelungen basieren die
in Fig. 3 dargestellten Regelungen auf zwei Eingangsvariablen, nämlich einer Eingangsvariablen
indikativ für eine Fließrate eines Kühlmittels und zusätzlich einer weiteren Eingangsvariablen
indikativ für eine Heizrate einer Heizquelle. Insofern können die beiden vorgenannten
Eingangsvariablen von den jeweiligen Regelungen derart geregelt werden, dass die jeweiligen
Temperaturverläufe eine möglichst geringe Differenz zu dem voreingestellten Temperaturprofil
12 aufweisen. Wie aus Fig. 3 und ebenfalls aus einem Vergleich der Fig. 2 und 3 hervorgeht,
kann insbesondere bei der modelprädiktiven Regelung 6 eine Temperaturverlauf erzielt
werden, welcher sehr nah an dem voreingestellten Temperaturprofil liegt. Bei den anderen
Regelungsarten 8 und 10 konnte im Vergleich dazu durch die Regelung einer weiteren
Eingangsvariablen nur eine geringe Verbesserung erzielt werden.
[0067] Die in dieser Spezifikation beschriebenen beispielhaften Ausführungsformen der vorliegenden
Erfindung sollen auch in allen Kombinationen miteinander offenbart verstanden werden.
Insbesondere soll auch die Beschreibung eines von einer Ausführungsform umfassten
Merkmals - sofern nicht explizit gegenteilig erklärtvorliegend nicht so verstanden
werden, dass das Merkmal für die Funktion des Ausführungsbeispiels unerlässlich oder
wesentlich ist.
[0068] In den Ansprüchen verwendete Begriffe wie "umfassen", "aufweisen", "beinhalten",
"enthalten" und dergleichen schließen weitere Elemente oder Schritte nicht aus. Unter
die Formulierung "zumindest teilweise" fallen sowohl der Fall "teilweise" als auch
der Fall "vollständig". Die Formulierung "und/oder" soll dahingehend verstanden werden,
dass sowohl die Alternative als auch die Kombination offenbart sein soll, also "A
und/oder B" bedeutet "(A) oder (B) oder (A und B)". Eine Mehrzahl von Einheiten, Personen
oder dergleichen bedeutet im Zusammenhang dieser Spezifikation mehrere Einheiten,
Personen oder dergleichen. Die Verwendung des unbestimmten Artikels schließt eine
Mehrzahl nicht aus. Eine einzelne Einrichtung oder ein einzelnes Mittel kann die Funktionen
mehrerer in den Patentansprüchen genannten Einheiten bzw. Einrichtungen ausführen.
In den Ansprüchen angegebene Bezugszeichen sind nicht als Beschränkungen der eingesetzten
Mittel und Schritte anzusehen.
1. Verfahren zur Regelung, insbesondere zur Temperaturregelung, eines Gussverfahrens,
insbesondere eines Kokillengussverfahrens, umfassend:
- Regelung von zumindest einer Eingangsvariablen indikativ für zumindest eine Eingangsgröße
des Gussverfahrens in Abhängigkeit zumindest einer Ausgangsvariablen indikativ für
zumindest eine Temperatur des Gussverfahrens, insbesondere für eine Temperatur einer
Gussform, derart, dass eine Temperaturdifferenz der Temperatur des Gussverfahrens
zu einem voreingestellten Temperaturprofil minimiert wird,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Regelung der zumindest einen Eingangsvariablen auf einer modellprädiktiven Regelung
basiert.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modellprädiktive Regelung ein Modell, insbesondere ein dynamisches Modell, umfasst,
- dass das Modell basierend auf einem Datensatz identifiziert und/oder angepasst wird, wobei
der Datensatz Daten indikativ für die zumindest eine Eingangsvariable und die zumindest
eine Ausgangsvariable aufweist, und
- dass mittels des Modells basierend auf dem Datensatz eine Korrelation zwischen der zumindest
einen Eingangsvariablen und der zumindest einen Ausgangsvariablen bestimmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
- dass der Datensatz historische Daten, insbesondere Daten von bereits durchgeführten Gießversuchen
und/oder Daten aus einer Serienproduktion, umfasst, wobei der Datensatz vorzugsweise
um während der Durchführung des Gussverfahrens erfasste Daten erweitert wird, und/oder
- dass das Modell mittels Schätzwerten parametriert wird, wobei das Modell vorzugsweise
während der Durchführung des Gussverfahrens durch erfasste Daten validiert und/oder
erweitert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modelprädikative Regelung die zumindest eine Eingangsvariable und die eine Ausgangsvariable
sowie deren Korrelation zueinander basierend auf dem Modell berücksichtigt.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modelprädikative Regelung ferner eine Füllung der Gussform als gemessene Störgröße
und die Korrelation der Störgröße zu der zumindest einen Eingangsvariablen und/oder
der zumindest einen Ausgangsvariablen basierend auf dem dynamischen Modell berücksichtigt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die zumindest eine Eingangsgröße eine Flussrate eines Kühlmittels, eine Temperatur
eines Kühlmittels, eine Dauer eines Gusszyklus, eine Menge einer Gussformfüllung,
eine Zusammensetzung einer Gussformfüllung, eine Temperatur einer Gussformfüllung,
ein Zeitpunkt einer Gussformfüllung, eine Temperatur einer Heizquelle und/oder eine
Heizrate einer Heizquelle ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modellprädiktive Regelung einen Kalman-Filter umfasst, und
- dass der Zustand des Gussverfahrens, insbesondere der Systemzustand sowie der Zustand
der zumindest einen Ausgangsvariablen, mittels des Kalman-Filter-Modells, insbesondere
in definierten Zeitintervallen, berechnet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modellprädiktive Regelung mittels des von dem Kalman-Filter-Modell berechneten
Zustands verschiedene Trajektorien der zumindest einen Ausgangsvariablen prognostiziert,
und
- dass mittels der modellprädiktiven Regelung die zumindest eine Eingangsvariable derart
geregelt wird, dass sich eine prognostizierte Trajektorie der Ausgangsvariablen einstellt,
die indikativ für eine minimale Temperaturdifferenz der Temperatur des Gussverfahrens
zu dem voreingestellten Temperaturprofil ist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modelprädikative Regelung Beschränkungen des Gussverfahrens, insbesondere Beschränkungen
der zumindest einen Eingangsvariablen und/oder der zumindest einen Ausgangsvariablen,
berücksichtigt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die zumindest eine Ausgangsvariable indikativ für zumindest eine mittels eines Thermoelements,
insbesondere mittels eines in zumindest teilweise innerhalb einer Gussform angeordneten
Thermoelements, erfasste Temperatur des Gussverfahrens ist.
11. Steuerungssystem für ein Gussverfahren, insbesondere für ein Kokillengussverfahren,
umfassend:
- zumindest ein Steuerungsmittel zur Regelung von zumindest einer Eingangsvariablen
indikativ für zumindest eine Eingangsgröße des Gussverfahrens, in Abhängigkeit zumindest
einer Ausgangsvariablen indikativ für zumindest eine Temperatur des Gussverfahrens,
insbesondere für eine Temperatur einer Gussform, derart, dass eine Temperaturdifferenz
der Temperatur des Gussverfahrens zu einem voreingestellten Temperaturprofil minimiert
wird,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Steuerungsmittel die zumindest eine Eingangsvariable basierend auf einer modellprädiktiven
Regelung regelt.
12. Steuerungssystem nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Steuerungssystem zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1
bis 10 ausgestaltet ist.
13. Vorrichtung umfassend zumindest einen Prozessor und zumindest einen Speicher, der
Programmcode beinhaltet, wobei der Speicher und der Programmcode eingerichtet sind,
mit dem zumindest einen Prozessor eine Vorrichtung dazu zu veranlassen, zumindest
das Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10 auszuführen und/oder zu steuern.
14. Computerprogramm umfassend Programmanweisungen, die einen Prozessor zur Ausführung
und/oder Steuerung des Verfahrens gemäß einem der Ansprüche 1 bis 10 veranlassen,
wenn das Computerprogramm auf dem Prozessor läuft.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 137(2) EPÜ.
1. Verfahren zur Temperaturregelung, eines Gussverfahrens, insbesondere eines Kokillengussverfahrens,
umfassend:
- Regelung von zumindest einer Eingangsvariablen indikativ für zumindest eine Eingangsgröße
des Gussverfahrens in Abhängigkeit zumindest einer erfassten Ausgangsvariablen indikativ
für zumindest eine Temperatur einer Gussform derart, dass eine Temperaturdifferenz
der Temperatur des Gussverfahrens zu einem voreingestellten Temperaturprofil minimiert
wird,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Regelung der zumindest einen Eingangsvariablen auf einer modellprädiktiven Regelung
basiert.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modellprädiktive Regelung ein Modell, insbesondere ein dynamisches Modell, umfasst,
- dass das Modell basierend auf einem Datensatz identifiziert und/oder angepasst wird, wobei
der Datensatz Daten indikativ für die zumindest eine Eingangsvariable und die zumindest
eine Ausgangsvariable aufweist, und
- dass mittels des Modells basierend auf dem Datensatz eine Korrelation zwischen der zumindest
einen Eingangsvariablen und der zumindest einen Ausgangsvariablen bestimmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
- dass der Datensatz historische Daten, insbesondere Daten von bereits durchgeführten Gießversuchen
und/oder Daten aus einer Serienproduktion, umfasst, wobei der Datensatz vorzugsweise
um während der Durchführung des Gussverfahrens erfasste Daten erweitert wird, und/oder
- dass das Modell mittels Schätzwerten parametriert wird, wobei das Modell vorzugsweise
während der Durchführung des Gussverfahrens durch erfasste Daten validiert und/oder
erweitert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modelprädikative Regelung die zumindest eine Eingangsvariable und die eine Ausgangsvariable
sowie deren Korrelation zueinander basierend auf dem Modell berücksichtigt.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modelprädikative Regelung ferner eine Füllung der Gussform als gemessene Störgröße
und die Korrelation der Störgröße zu der zumindest einen Eingangsvariablen und/oder
der zumindest einen Ausgangsvariablen basierend auf dem dynamischen Modell berücksichtigt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die zumindest eine Eingangsgröße eine Flussrate eines Kühlmittels, eine Temperatur
eines Kühlmittels, eine Dauer eines Gusszyklus, eine Menge einer Gussformfüllung,
eine Zusammensetzung einer Gussformfüllung, eine Temperatur einer Gussformfüllung,
ein Zeitpunkt einer Gussformfüllung, eine Temperatur einer Heizquelle und/oder eine
Heizrate einer Heizquelle ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modellprädiktive Regelung einen Kalman-Filter umfasst, und
- dass der Zustand des Gussverfahrens, insbesondere der Systemzustand sowie der Zustand
der zumindest einen Ausgangsvariablen, mittels des Kalman-Filter-Modells, insbesondere
in definierten Zeitintervallen, berechnet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modellprädiktive Regelung mittels des von dem Kalman-Filter-Modell berechneten
Zustands verschiedene Trajektorien der zumindest einen Ausgangsvariablen prognostiziert,
und
- dass mittels der modellprädiktiven Regelung die zumindest eine Eingangsvariable derart
geregelt wird, dass sich eine prognostizierte Trajektorie der Ausgangsvariablen einstellt,
die indikativ für eine minimale Temperaturdifferenz der Temperatur des Gussverfahrens
zu dem voreingestellten Temperaturprofil ist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die modelprädikative Regelung Beschränkungen des Gussverfahrens, insbesondere Beschränkungen
der zumindest einen Eingangsvariablen und/oder der zumindest einen Ausgangsvariablen,
berücksichtigt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die zumindest eine Ausgangsvariable indikativ für zumindest eine mittels eines Thermoelements,
insbesondere mittels eines in zumindest teilweise innerhalb einer Gussform angeordneten
Thermoelements, erfasste Temperatur des Gussverfahrens ist.
11. Steuerungssystem für ein Gussverfahren, insbesondere für ein Kokillengussverfahren,
umfassend:
- zumindest ein Steuerungsmittel zur Regelung von zumindest einer Eingangsvariablen
indikativ für zumindest eine Eingangsgröße des Gussverfahrens, in Abhängigkeit zumindest
einer Ausgangsvariablen indikativ für zumindest eine Temperatur einer Gussform derart,
dass eine Temperaturdifferenz der Temperatur des Gussverfahrens zu einem voreingestellten
Temperaturprofil minimiert wird,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Steuerungsmittel die zumindest eine Eingangsvariable basierend auf einer modellprädiktiven
Regelung regelt.
12. Steuerungssystem nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
- dass das Steuerungssystem zur Durchführung eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1
bis 10 ausgestaltet ist.
13. Vorrichtung umfassend zumindest einen Prozessor und zumindest einen Speicher, der
Programmcode beinhaltet, wobei der Speicher und der Programmcode eingerichtet sind,
mit dem zumindest einen Prozessor eine Vorrichtung dazu zu veranlassen, zumindest
das Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10 auszuführen und/oder zu steuern.
14. Computerprogramm umfassend Programmanweisungen, die einen Prozessor zur Ausführung
und/oder Steuerung des Verfahrens gemäß einem der Ansprüche 1 bis 10 veranlassen,
wenn das Computerprogramm auf dem Prozessor läuft.