[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Glasieren eines keramischen Artikels, insbesondere
einer Hohlware mit durchbrochenem Fußrand. Darüber hinaus betrifft die Erfindung eine
Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Keramische Artikel können, vor allem wenn es sich dabei um Hohlware handelt, einen
Mundrand und einen Fußrand aufweisen. Diese Fußränder können als durchbrochene Fußränder
ausgeführt sein. Die Durchbrechungen des Fußrandes werden auch als Wasserrillen, ein
durch derartige Wasserrillen unterbrochener Fuß auch als Waschfuß bezeichnet. Keramische
Artikel, die Füße mit Wasserrillen aufweisen können, sind beispielsweise Tassen, Becher
und andere keramische Trinkgefäße.
[0003] Das Glasieren von Artikeln mit Waschfüßen an Innen- und Außenseite erfolgte bisher
ganz überwiegend mit Hilfe der Technik des Spritz- oder Sprühglasierens, da dies eine
vergleichsweise einfache und zuverlässigere Technik darstellt, insbesondere vor dem
Hintergrund, daß für das Eintauchen des Artikels in die Glasur bei Anwendung der alternativen
Tauchglasiertechnik stets ein Halten des Artikels an dem Fußrand und ein zusätzlicher,
nachträglicher Glasurschritt zum Glasieren des Fußrandes erforderlich ist, was wegen
der oft unterschiedlichen Glasurergebnisse zu Qualitätsproblemen führen kann.
[0004] Beim Spritz- oder Sprühglasieren geht regelmäßig eine große Menge Glasur verloren,
da sie nicht auf den Artikel aufgebracht wird. Der Sprühnebel ("Overspray") muß aufwendig
aufgefangen und recycelt werden.
[0005] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein wenig aufwendiges, qualitativ
besonders hochwertiges Glasieren von keramischen Artikeln, insbesondere von Hohlware
mit durchbrochenen Fußrändern, zu ermöglichen.
[0006] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren nach Anspruch 1 bzw. durch eine Vorrichtung
nach Anspruch 10 gelöst. Vorteilhafte Ausführungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
angegeben. Die im Folgenden im Zusammenhang mit dem Verfahren erläuterten Vorteile
und Ausgestaltungen gelten sinngemäß auch für die erfindungsgemäße Vorrichtung und
umgekehrt.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren zum vorzugsweise vollständig automatisierten Glasieren
eines keramischen Artikels, insbesondere einer Hohlware mit durchbrochenem Fußrand,
weist folgende Schritte auf: Glasieren eines ersten Teils des keramischen Artikels
mit einer ersten Glasur mittels Schwallglasieren, anschließendes Reinigen des keramischen
Artikels durch Entfernen der überflüssigen Teile der aufgetragenen ersten Glasur derart,
daß eine definierte Grenzlinie der ersten Glasur entsteht, und anschließendes Glasieren
eines zweiten Teils des keramischen Artikels mit einer zweiten Glasur mittels Tauchglasieren,
wobei während des Tauchglasierens die zweite Glasur genau bis zu der Grenzlinie der
ersten Glasur aufgetragen wird. Auf diese Weise bildet nach Abschluß des Glasierens
die Grenzlinie des Schwallglasierens die Trennlinie der beiden Glasuren.
[0008] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Glasieren keramischer Artikel mit durchbrochenen
Füßen kann auf die Anwendung des Spritz- bzw. Sprühglasierens verzichtet werden. Statt
dessen können die Techniken des Schwall- und Tauchglasierens eingesetzt werden. Das
Verfahren ist daher nicht nur einfacher, sondern auch kostengünstiger. Die Nachteile
des Spritz- und Sprühglasierens, insbesondere die Overspray-Problematik, werden vermieden.
Zugleich wird eine sehr hohe Glasierqualität erreicht. Insbesondere kann eine sehr
präzise Trennlinie und ein besonders ebener Übergang zwischen den Glasuren ausgebildet
werden.
[0009] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ist der zweite Teil des keramischen Artikels
ein Teil des Artikels, der nicht mit der ersten Glasur versehen ist. Mit anderen Worten
ist der zweite Teil des keramischen Artikels ein anderer Teil als der erste Teil des
keramischen Artikels, d. h. der zweite Teil kann von dem ersten Teil vollständig verschieden
sein.
[0010] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ist der zweite Teil des keramischen Artikels
oder ein Abschnitt dieses zweiten Teils ein Teil des Artikels, der (da er bereits
gereinigt wurde) nicht mehr mit der ersten Glasur versehen ist. Mit anderen Worten
können sich die glasierten Teile bzw. zu glasierenden Teile des keramischen Artikels
auch überschneiden, d. h. der zweite Teil oder ein Abschnitt des zweiten Teils des
keramischen Artikels kann der erste Teil oder ein Abschnitt des ersten Teils des keramischen
Artikels sein oder umgedreht.
[0011] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ist der zweite Teil des keramischen Artikels
abgesehen von dem ersten Teil des Artikels der gesamte restliche Teil des Artikels,
so daß zusammen mit dem ersten Teil der gesamte keramische Artikel glasiert ist. Alternativ
hierzu können der erste Teil und der zweite Teil gemeinsam auch nur einen Teil des
keramischen Artikels bilden, wobei der nicht durch den ersten oder zweiten Teil gebildete
Rest des Artikels auf dieselbe oder aber auf eine andere Weise glasiert wurde oder
glasiert werden wird oder aber nicht glasiert wird.
[0012] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung handelt es sich bei dem ersten Teil des
keramischen Artikels um mindestens eine Innenseite einer Hohlware und bei dem zweiten
Teil um zumindest einen Teil einer Außenseite dieser Hohlware. Gemäß einer Ausführungsform
der Erfindung erfolgt das Glasieren des ersten Teils des keramischen Artikels mit
einer ersten Glasur und das Glasieren des zweiten Teils des keramischen Artikels mit
einer von der ersten Glasur verschiedenen zweiten Glasur. Gemäß einer Ausführungsform
der Erfindung weist die zweite Glasur eine andere Farbe auf als die erste Glasur.
Auf diese Weise kann mit der Erfindung auch auf eine Zwei- oder Mehrfarbenglasur durchgeführt
werden, wie sie oftmals bei Hohlware gewünscht wird.
[0013] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung erfolgt das Reinigen des keramischen Artikels
derart, daß die Grenzlinie im Bereich des Mundrandes des keramischen Artikels entsteht.
Damit wird dem Wunsch entsprochen, bei Zweifarbenglasuren die Innenseite mit der einen
Farbe und die Außenseite mit der anderen Farbe zu glasieren, so daß sich die durch
das Tauchglasieren entstehende Farbtrennlinie zwischen Innenseite und Außenseite des
Artikels im Bereich des Mundrandes befindet.
[0014] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung wird der keramische Artikel während des
Schwallglasierens von einem ersten, nach einem ersten Funktionsprinzip arbeitenden
Artikelhalter und während des Tauchglasierens von einem zweiten, vorzugsweise nach
einem von dem ersten Halteprinzip verschiedenen zweiten Funktionsprinzip arbeitenden
Artikelhalter gehalten. Auf diese Weise können für den jeweiligen Prozeßschritt optimierte
Halteverfahren angewendet werden. Dies ist besonders dann von Vorteil, wenn es sich
bei dem Artikel um eine Hohlware mit durchbrochenem Fußrand handelt, da dann ein Artikelhalter
eingesetzt werden kann, dessen Halteprinzip an einen durchbrochenen Fußrand angepaßt
ist.
[0015] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung wird der keramische Artikel während des
Reinigens von dem ersten Artikelhalter gehalten. Auf diese Weise kann auf eine Übergabeeinrichtung
zwischen der Schwallstation und der Putzstation verzichtet werden.
[0016] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung wird der keramische Artikel während des
Tauchglasierens in ein Glasurbecken eingetaucht, das in einem Vorratsbecken angeordnet
ist, wobei die zweite Glasur aus dem Vorratsbecken in das Glasurbecken transportiert
wird und aus dem Glasurbecken über dessen Rand zurück in das Vorratsbecken fließt.
Auf diese Weise entsteht ein sehr glatter Glasurspiegel, in den der keramische Artikel
eingetaucht wird.
[0017] Es ist allgemein üblich, daß sich die Glasur im Tauchbecken ständig im Umlauf befindet,
da sonst die Glasur sedimentiert. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung wird von
dieser Methode abgewichen und das Transportieren der zweiten Glasur aus dem Vorratsbecken
in das Glasurbecken wird von Zeit zu Zeit unterbrochen. Vorteilhafterweise erfolgt
ein solches Unterbrechen während des Eintauchens des keramischen Artikels in das Glasurbecken
oder in einem definierten zeitlichen Zusammenhang mit diesem Eintauchen. Auf diese
Weise entsteht eine besonders beruhigte Glasur mit einem sehr glatten Glasurspiegel,
wie er für Tauchglasuren unüblich ist, da bisher beim Tauchglasieren nicht mit beruhigten
Glasuren gearbeitet wurde, sondern die Glasur statt dessen immer umgewälzt wurde.
Eine Sedimentation findet trotz der Unterbrechung des Glasurtransports nicht statt,
da die Unterbrechung jeweils nur für einen kurzen Zeitraum erfolgt.
[0018] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung wird vor dem Eintauchen des keramischen
Artikels in das Glasurbecken, vorzugsweise unmittelbar vor dem Eintauchen, mit Hilfe
einer Blasvorrichtung ein über die Glasuroberfläche geführter Luftstrom erzeugt. Dieser
Luftstrom wird vorzugsweise als Luftstoß ausgeführt und ist derart ausgerichtet, daß
er unmittelbar über den Glasurspiegel hinweg strömt. Er dient dazu, vor dem Eintauchen
des Artikels in die Glasur etwa vorhandenen Schaum, den sogenannten Schleier, von
der Glasuroberfläche zu entfernen, der bei nicht oder wenig bewegten Farbglasuren
auf der Glasuroberfläche entstehen kann. Durch das Entfernen dieses Schleiers wird
verhindert, daß sich dieser auf dem Artikel anlagert, was nach dem Brand zu unerwünschten
Glasurfehlern auf dem Artikel führen würde.
[0019] Mit der Erfindung ist es möglich, keramische Artikel, insbesondere Hohlware, wie
Becher oder Tassen, maschinell und automatisiert innen- und außenseitig mit verschiedenen,
insbesondere mit verschiedenfarbigen Glasuren zu versehen. Dabei ist es mit der Erfindung
nicht nur möglich, daß diese keramischen Artikel durchbrochene Fußränder aufweisen
können. Es können auch besonders präzise Grenzlinien der Glasuren bzw. besonders präzise
Trennlinien zwischen den Glasuren realisiert werden. Kommen verschiedenfarbige Glasuren
zum Einsatz, ist mit dem erfindungsgemäßen Verfahren eine außergewöhnlich scharfe
Farbtrennung erreichbar. Zugleich kann im Bereich der Trennlinie ein sehr ebenmäßiger
Übergang der Glasuren erstellt werden, was insbesondere bei Tassen von Vorteil ist.
Befindet sich die Trennlinie zwischen den beiden Glasuren im Bereich des Mundrandes
der Tasse, wie dies in der Regel gewünscht ist, kann mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
ein besonderes glatter Mundrand erzielt werden. Dies ist deshalb von besonderer Bedeutung,
weil Unregelmäßigkeiten an der Oberfläche des Randes der Tasse von den sehr empfindlichen
Lippen besonders gut wahrgenommen werden können.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich besonders zum vollständig automatisierten
Glasieren keramischer Artikel. Das erfindungsgemäße Verfahren ist jedoch auch zum
teilautomatisierten Glasieren keramischer Artikel geeignet, bei dem einzelne Schritte
des eigentlichen Glasiervorgangs oder das Zu- oder Abführen der keramischen Artikel
zu der Glasiermaschine von Hand erfolgen.
[0021] Die erfindungsgemäße Vorrichtung, hier auch als Glasiermaschine bezeichnet, umfaßt
wenigstens eine Einrichtung zum Schwallglasieren keramischer Artikel, wenigstens eine
Einrichtung zum anschließenden Reinigen der keramischen Artikel und wenigstens eine
Einrichtung zum anschließenden Tauchglasieren der keramische Artikel, wobei die genannten
Einrichtungen zur Ausführung der entsprechenden Verfahrensschritte des erfindungsgemäßen
Verfahrens ausgebildet sind. Die Glasiermaschine kann weiterhin Einrichtungen zum
Zufuhren und Abführen der keramischen Artikel umfassen (Zufuhreinrichtungen, Abfuhreinrichtungen)
und/oder Einrichtungen zum Übergeben der keramischen Artikel von einer Station der
Glasiermaschine an eine andere Station der Glasiermaschine (Übergabeeinrichtungen).
[0022] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnungen näher
erläutert. Hierbei zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung des Innenglasierens des keramischen Artikels,
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung des Schwammens des keramischen Artikels,
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung des Außenglasierens des keramischen Artikels,
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung des unglasierten keramischen Artikels,
- Fig. 5
- eine schematische Darstellung des schwallglasierten keramischen Artikels,
- Fig. 6
- eine schematische Darstellung des gereinigten keramischen Artikels,
- Fig. 7
- eine schematische Darstellung des tauchglasierten keramischen Artikels.
[0023] Sämtliche Figuren zeigen die Erfindung nicht maßstabsgerecht, dabei lediglich schematisch
und nur mit ihren wesentlichen Bestandteilen. Gleiche Bezugszeichen entsprechen dabei
Elementen gleicher oder vergleichbarer Funktion.
[0024] Bei dem zu glasierenden keramischen Artikel handelt es sich um eine Hohlware 1, nämlich
eine Tasse. Der Fußrand 2 der Hohlware 1 ist durchbrochen und weist eine Wasserrille
3 auf (Fig. 4) . Das Glasieren der Hohlware 1 erfolgt vollautomatisiert mit Hilfe
einer Glasiermaschine 4.
[0025] Nachdem die Hohlware 1 der Glasiermaschine 4 mittels einer geeigneten Zufuhreinrichtung
(nicht abgebildet), beispielsweise einer Zufuhreinrichtung zur getakteten Zufuhr,
zugeführt wurde, erfolgt zunächst ein Glasieren eines ersten Teils 5 der Hohlware
1 mit einer ersten Glasur 6 in einer ersten Farbe mittels Schwallglasieren. Hierzu
dient eine als Teil der Glasiermaschine 4 ausgeführte Einrichtung 7 zum Schwallglasieren.
Bei dem ersten Teil 5 der Hohlware 1 handelt es sich im wesentlichen um die Innenseite
8 der Hohlware 1 (Fig. 5). Bei der ersten Glasur 6 handelt es sich somit um die Innenglasur.
[0026] Zum Schwallen wird die Hohlware 1 an ihrem Fußrand 2 von einem ersten Artikelhalter
9 gefaßt und mit ihrem Mundrand 11 nach unten orientiert auf eine Schwalldüse 12 der
Schwallglasiereinrichtung 7 zubewegt, aus der die erste Glasur 6 nach Art einer Fontäne
austritt (Fig. 1). Bei dem ersten Artikelhalter 9 handelt es sich um einen an einem
Tragarm 13 der Glasiermaschine 4 angeordneten Vakuumsauger. Dabei beaufschlagt der
erste Artikelhalter 9 den Fußrand 2 der Hohlware 1 und saugt diesen mit Unterdruck
an. Auf diese Weise wird die Hohlware 1 am Fußrand 2 gehalten. Anschließend kann die
Hohlware 1 durch Drehen (siehe Doppelpfeil 14) und/oder lineares Verfahren (siehe
Doppelpfeil 15) des Tragarmes 13 in die gewünschte Position über der Schwalldüse 12
und zurück bewegt werden. Der erste Artikelhalter 9 ist für das Halten eines durchbrochenen
Fußrandes 2 ausgeführt. Alternativ zu einem Vakuumsauger kann auch ein anderer geeigneter
Artikelhalter an dem Tragarm 13 angebracht sein.
[0027] Zusätzlich wird während des Schwallglasierens der Mundrand 11 sowie einen Abschnitt
16 der Außenseite 17 der Hohlware 1 mit der ersten Glasur 6 versehen, indem die Hohlware
1 mit ihrem Mundrand 11 in einen Glasurbehälter 18 eingetaucht wird, mit dem die aus
der Schwalldüse 12 ausgetretene erste Glasur 6 aufgefangen wird.
[0028] Die Hohlware 1 wird dabei zumindest soweit in den Glasurbehälter 18 eingetaucht,
daß sichergestellt ist, daß der Mundrand 11 innen- und außenseitig vollständig mit
der ersten Glasur 6 versehen wird (Fig. 5).
[0029] Wird die für das Schwallglasieren verwendete Pumpe (nicht dargestellt) in einem nichtpulsierenden
Modus betrieben, so daß ein gleichmäßiger Austritt von Glasur 6 aus der Schwalldüse
12 erfolgt, kann eine sehr regelmäßige Glasurdicke erreicht werden.
[0030] Im Anschluß an das Aufbringen dieser Schwallglasur erfolgt ein Reinigen der Hohlware
1 durch Entfernen der überflüssigen Teile der aufgetragenen ersten Glasur 6 derart,
daß eine definierte, scharfe Grenzlinie 19 der ersten Glasur 6 entsteht (Fig. 6).
Hierzu dient eine als Teil der Glasiermaschine 4 ausgeführte Einrichtung 21 zum Reinigen
(Fig. 2).
[0031] Das Reinigen erfolgt beispielsweise durch Schwammen des Mundrandes 11. Das Abputzen
der Oberfläche der Hohlware 1 erfolgt dabei, indem die Hohlware 1 gegen einen rotierenden
Putzschwamm 22 der Reinigungseinrichtung 21 bewegt wird. Es kann dafür ein trockener
oder ein nasser Schwamm 22 verwendet werden. Ist die Reinigungseinrichtung 21 benachbart
zu der Schwallglasiereinrichtung 7 angeordnet, kann die Hohlware 1 mit Hilfe desselben
Artikelhalters 9 unmittelbar anschließend an das Schwallglasieren gegen den Putzschwamm
22 gedrückt werden. Eine Übergabeeinrichtung zwischen diesen beiden Stationen ist
dann nicht erforderlich. Alternativ kann auch der Schwamm 22 gegen die Hohlware 1
bewegt werden.
[0032] Die überflüssige Glasur 6 kann aber auch auf andere Art und Weise entfernt werden.
So kann die Glasur 6 beispielsweise mit einem Putzmesser einer entsprechend ausgestatteten
alternativen Reinigungseinrichtung (nicht abgebildet) abgeschabt werden.
[0033] Durch dieses Abputzen wird eine scharfe Grenzlinie 19 der ersten Glasur 6 erzielt
(Fig. 6). Der Putzprozeß kann so eingestellt werden, daß diese Grenzlinie 19 genau
dort an der Hohlware 1 verläuft, wo sie gewünscht ist. Die Position der Grenzlinie
19 ist mit anderen Worten frei einstellbar. Die Anordnung des Putzmessers bzw. die
Lage und Form des Putzschwammes 22 können entsprechend angepaßt werden. In dem hier
beschriebenen Beispiel verläuft die Grenzlinie 19 unmittelbar im Bereich des Mundrandes
11 der Hohlware 1.
[0034] Nach dem Reinigen ist die Innenseite 8 der Hohlware 1 sowie der Mundrand 11 bis zu
der scharfen Grenzlinie 19 vollständig mit der ersten Glasur 6 versehen, während die
Außemseite 17 der Hohlware 1 bis zu dieser Grenzlinie 19 unglasiert ist (Fig. 6).
Auf diese Weise wird einerseits verhindert, daß sich die nach dem Schwallglasieren
im Bereich des Mundrandes 11 an der Außenseite 17 der Hohlware 1 befindende Innenglasur
6 beim Eintauchen der Hohlware 1 in das Außenglasurbad 23 mit der Außenglasur 24 vermischt.
Andererseits wird durch das Abputzen eine besonders scharfe Grenzlinie 19 definiert,
wie sie erforderlich ist, damit nach dem Glasieren der Außenseite 17 der Hohlware
1 mit der zweiten Glasur 24 eine präzise Trennlinie 25 zwischen den Glasuren 6, 24
vorliegt, wie nachfolgend beschrieben.
[0035] Nach dem Abputzen der Innenglasur 6 vom Schwallglasieren wird die Hohlware 1 mit
Hilfe einer Übergabeeinrichtung (nicht abgebildet) entweder unmittelbar an eine Einrichtung
26 zum Tauchglasieren übergeben oder aber die Hohlware 1 wird gelagert bzw. einem
weiteren Zwischenschritt unterzogen, wie z. B. einem Trocknungsschritt. Auch muß die
Hohlware 1 nicht unmittelbar nach dem Schwallglasieren abgeputzt werden. Die Glasur
6 kann auch nach einer Wartezeit noch entfernt werden. Die Hohlwaren 1 können daher
beispielsweise nach dem Schwallglasieren auch zwischengelagert und/oder transportiert
werden.
[0036] Nach dem Abputzschritt erfolgt ein Glasieren eines zweiten Teils 27 der Hohlware
1 mit einer zweiten Glasur 24 in einer von der ersten Farbe verschiedenen zweiten
Farbe mittels Tauchglasieren. Hierzu dient eine als Teil der Glasiermaschine 4 ausgeführte
Einrichtung 26 zum Tauchglasieren. Bei diesem zweiten Teil 27 der Hohlware 1 handelt
es sich im wesentlichen um die Außenseite 17 der Hohlware 1. Bei der zweiten Glasur
24 handelt es sich somit um die Außenglasur. Bei einem Abschnitt 28 dieses zweiten
Teils 17 der Hohlware 1 handelt es sich um einen Teil des Abschnitts 16 des ersten
Teils 5 der Hohlware 1, der nicht mehr mit der ersten Glasur 6 versehen ist, da er
bereits gereinigt wurde, nämlich denjenigen Teil der Außenseite 17 der Hohlware 1,
der während des Eintauchens in den Glasurbehälter 18 während des Schwallglasierens
mit der ersten Glasur 6 versehen wurde (Fig. 6). Der übrige Teil des zweiten Teils
27 der Hohlware 1 war bis dahin unglasiert.
[0037] Zum Tauchglasieren der Außenseite 17 der Hohlware 1, einschließlich des Tassenbodens,
wird die Hohlware 1 von einem geeigneten zweiten Artikelhalter 29 gehalten. Dieser
Artikelhalter 29 ist derart ausgebildet, daß er ausschließlich an der Innenseite 8
der Hohlware 1 angreift. Hierfür eignet sich beispielsweise ein in die Hohlware 1
abdichtend eingeführter Stempel (nicht dargestellt), der die Hohlware 1 unter Ausbildung
eines Unterdrucks an dem Artikelhalter 29 festlegt. Alternativ kann die Hohlware 1
an ihrer Innenseite 8 auch mit einem vakuumlosen Greifer gehalten werden (nicht abgebildet).
[0038] Auch der zweite Artikelhalter 29 ist an einem Tragarm 31 angebracht, der durch Drehen
und/oder lineares Verfahren die Hohlware 1 in die gewünschte Tauchposition und zurück
bewegen kann. Zur hochgenauen Positionierung der Hohlware 1 im Tauchbecken 23 werden
zum Antrieb des Tragarmes 31 vorzugsweise Servomotoren 32 verwendet.
[0039] Die auf diese Weise an ihrer Innenseite 8 gehalten Hohlware 1 wird zum Tauchglasieren
mit ihrem Fußrand 2 nach unten orientiert in das Außenglasurbad 23 eingetaucht und
mit der Außenglasur 24 bedeckt. Dabei wird die zweite Glasur 24 genau bis zu der Grenzlinie
19 der ersten Glasur 6 aufgetragen, so daß nach Abschluß des Tauchglasierens die Grenzlinie
19 des Schwallglasierens die Trennlinie 25 der beiden Glasuren 6, 24 bildet. Mit anderen
Worten enden die beiden Glasuren 6, 24 jeweils an der Trennlinie 25, ohne daß es zu
einer Überlappung der Glasuren 6, 24 oder zu einer Fehlstelle kommt. Damit wird ein
sehr präziser Übergang zwischen den Glasuren 6, 24 erreicht.
[0040] Das Tauchbecken 23, in das die Hohlware 1 während des Tauchglasierens eingetaucht
wird, ist als Innenbecken ausgeführt, das in einem äußeren Vorratsbecken 33 angeordnet
ist, wobei die zweite Glasur 24 aus dem Vorratsbecken 33 von unten in das Tauchbecken
23 gepumpt wird und aus dem Tauchbecken 23 über dessen Rand 34 allseitig zurück in
das Vorratsbecken 33 fließt.
[0041] Das Pumpen der zweiten Glasur 24 in das Tauchbecken 23 wird unmittelbar vor jedem
Eintauchen einer Hohlware 1 für den Zeitraum des Tauchvorgangs unterbrochen, so daß
während des Tauchglasierens die zweite Glasur 24 nicht umgewälzt wird und auch kein
Überlaufen der Glasur 24 in das Vorratsbecken 33 mehr erfolgt. Es liegt somit unmittelbar
vor dem Eintauchen der Hohlware 1 ein übervolles Tauchbecken 23 vor, in dem aufgrund
der Oberflächenspannung die zweite Glasur 24 einen über den Beckenrand 34 hinausstehenden
Glasurberg (nicht abgebildet) mit einer sehr ebenen Oberfläche bildet, die als Glasurspiegel
35 dient. Die Pumpe zum Pumpen der Außenglasur 24 ist in Fig. 3 aus Gründen der Vereinfachung
ebensowenig dargestellt, wie die Transportleitungen für die Innenglasur 6 in Fig.
1.
[0042] Unmittelbar vor dem Eintauchen der Hohlware 1 in diesen Glasurspiegel 35 wird außerdem
mit Hilfe einer an dem Tauchbecken 23 angebrachten Luftdüse 36 ein Luftstrom erzeugt,
der über den Glasurspiegel 35 hinweg strömt und den Silikatschaum (nicht dargestellt)
von der Glasuroberfläche wegbläst.
[0043] Nach dem Aufbringen der Tauchglasur ist die Hohlware 1 vollständig glasiert. Die
Hohlware 1 wird dann getrocknet und kann mit Hilfe einer Übergabeeinrichtung (nicht
dargestellt) an eine geeignete Abfuhreinrichtung (nicht dargestellt) übergeben werden,
mittels der die Hohlware 1 von der Glasiermaschine 4 weggeführt wird.
[0044] Alle in der Beschreibung, den nachfolgenden Ansprüchen und den Zeichnungen dargestellten
Merkmale können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination miteinander erfindungswesentlich
sein.
[0045] Diese Merkmale bzw. Merkmalskombinationen können jeweils eine selbständige Erfindung
begründen, deren Inanspruchnahme ausdrücklich vorbehalten ist.
[0046] Bei der Angabe einer eine Erfindung definierenden Merkmalskombination müssen einzelne
Merkmale aus der Beschreibung eines Ausführungsbeispiels nicht zwingend mit einem
oder mehreren oder allen anderen in der Beschreibung dieses Ausführungsbeispiels angegebenen
Merkmalen kombiniert werden; diesbezüglich ist jede Unterkombination von Merkmalen
eines oder mehrerer Ausführungsbeispiele ausdrücklich mit offenbart.
[0047] Außerdem können gegenständliche Merkmale der Vorrichtung umformuliert als Verfahrensmerkmale
Verwendung finden und Verfahrensmerkmale können umformuliert als gegenständliche Merkmale
der Vorrichtung Verwendung finden. Auf diese Weise umformulierte Merkmale sind automatisch
mit offenbart.
Bezugszeichenliste
[0048]
- 1
- keramischer Artikel, Hohlware, Tasse
- 2
- Fußrand
- 3
- Wasserrille
- 4
- Glasiermaschine
- 5
- erster Teil der Hohlware
- 6
- erste Glasur, Innenglasur
- 7
- Einrichtung zum Schwallglasieren
- 8
- Innenseite der Hohlware
- 9
- erster Artikelhalter, Vakuumsauger
- 10
- (frei)
- 11
- Mundrand
- 12
- Schwalldüse
- 13
- Tragarm
- 14
- lineare Verfahrrichtung
- 15
- Drehrichtung
- 16
- Außenseitenabschnitt
- 17
- Außenseite der Hohlware
- 18
- Glasurbehälter
- 19
- Grenzlinie
- 20
- (frei)
- 21
- Einrichtung zum Reinigen
- 22
- Putzschwamm
- 23
- Tauchbecken, Außenglasurbad
- 24
- zweite Glasur, Außenglasur
- 25
- Trennlinie
- 26
- Einrichtung zum Tauchglasieren
- 27
- zweiter Teil der Hohlware
- 28
- von der ersten Glasur gereinigter Teil
- 29
- zweiter Artikelhalter
- 30
- (frei)
- 31
- Tragarm
- 32
- Servomotor
- 33
- Vorratsbecken
- 34
- Tauchbeckenrand
- 35
- Glasurspiegel
- 36
- Luftdüse
1. Verfahren zum vorzugsweise vollständig automatisierten Glasieren eines keramischen
Artikels, insbesondere einer Hohlware (1) mit durchbrochenem Fußrand (2), mit den
Schritten
- Glasieren eines ersten Teils (5) des keramischen Artikels (1) mit einer ersten Glasur
(6) mittels Schwallglasieren,
- anschließendes Reinigen des keramischen Artikels (1) durch Entfernen der überflüssigen
Teile der aufgetragenen ersten Glasur (6) derart, daß eine definierte Grenzlinie (19)
der ersten Glasur (6) entsteht, und
- anschließendes Glasieren eines zweiten Teils (27) des keramischen Artikels (1) mit
einer zweiten Glasur (24) mittels Tauchglasieren, wobei während des Tauchglasierens
die zweite Glasur (24) bis zu der Grenzlinie (19) der ersten Glasur (6) aufgetragen
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei es sich bei dem ersten Teil (5) des keramischen Artikels
(1) um mindestens eine Innenseite (8) einer Hohlware (1) und bei dem zweiten Teil
(27) um zumindest einen Teil einer Außenseite (17) dieser Hohlware (1) handelt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei die erste Glasur (6) eine andere Farbe aufweist
als die zweite Glasur (24).
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei das Reinigen des keramischen Artikels
(1) derart erfolgt, daß die Grenzlinie (19) im Bereich des Mundrandes (11) des keramischen
Artikels (1) entsteht.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei der keramische Artikel (1) während
des Tauchglasierens in ein Tauchbecken (23) eingetaucht wird, das in einem Vorratsbecken
(33) angeordnet ist, wobei die zweite Glasur (24) aus dem Vorratsbecken (33) in das
Tauchbecken (23) transportiert wird und aus dem Tauchbecken (23) über dessen Rand
(34) zurück in das Vorratsbecken (33) fließt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei das Transportieren der zweiten Glasur (24) aus dem
Vorratsbecken (33) in das Tauchbecken (23) von Zeit zu Zeit unterbrochen wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, wobei vor dem Eintauchen des keramischen Artikels
(1) in das Tauchbecken (23) mit Hilfe einer Blasvorrichtung (36) ein über den Glasurspiegel
(35) geführter Luftstrom erzeugt wird.
8. Vorrichtung (4), dadurch gekennzeichnet, daß sie zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 7 ausgebildet
ist.