TECHNISCHES GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung zielt ab auf die Verwertung von lokalen Bioabfällen, Kantinenabfällen,
Gärresten, Grünabfällen, Biertreber, Obst- und Gemüseabfällen. Dabei werden auf innovative
Weise Phosphor-, Stickstoff- und Kalium-Anteile aus der Biomasse recycelt, bevor die
Biomasse zur Wasserstoffgewinnung mittels Vergasung organischer Materie in überkritischem
Wasser gewonnen wird. Es werden ferner auf überraschende Art und Weise Mikroplastik-Kontaminationen
aus den Bioabfällen rückstandslos entfernt. Zusätzlich erlaubt das erfindungsgemäße
Verfahren die Nutzung der im Verlauf der hydrothermalen Vergasung entstehenden Kohlenwasserstoff-Anteile
in einem Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmegewinnung. Ferner wird auf innovative
Weise Kohlenstoffdioxid hergestellt. In Ergänzung dazu, oder alternativ kann auch
der Betrieb einer Brennstoffzelle realisiert werden.
[0002] Das erfindungsgemäße Verfahren kann kompakt und unterirdisch in einem multifunktionalen
Gebäude durchgeführt und realisiert werden. Für die Anlage zur Durchführung des Verfahrens
ist das Untergeschoss vorgesehen, überirdisch befinden sich die Be- und Entladeeinheiten
und ggf. Produktgasspeicher, sowie weitere Gewerbe- und Büroräume.
[0003] Beispielsweise ermöglicht dies eine Minimierung des Logistikaufwands, da eine angrenzende
Tankstelle das Produktgas Wasserstoff und/oder Kohlenstoffdioxid unmittelbare vermarken
kann. Ferner würde dadurch auch eine Reduktion des Energieverbrauchs erreicht, weil
weiterer Transport des Produktgases vermieden würde. Rechnerisch reduziert das erfindungsgemäße
Verfahren CO
2-Emissionen, da entstehendes CO
2 abgeschieden und separat gespeichert wird. Es wird der Atmosphäre CO
2 entnommen, weil kürzlich durch Pflanzen gebundenes CO
2 nicht wieder in die Atmosphäre freigesetzt wird.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
[0004] Eine effiziente Technologie zur Erzeugung eines sauberen und hochkalorischen Produktgases
aus Biomasse ist die Vergasung von Biomasse in überkritischem Wasser. Die Vergasung
von Biomasse in überkritischem Wasser wurde in den 1970er Jahren am MIT in den USA
experimentell erforscht. Eine kommerzielle Umsetzung der Technologie ist jedoch trotz
der Vielzahl an publizierten wissenschaftlichen Arbeiten noch nicht bekannt.
[0005] Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema befasst sich mit der
technischen und wirtschaftlichen Bewertung der hydrothermalen Vergasung, ohne dabei
die Vergasung in überkritischem Wasser bei hohen Temperaturen selbst zu thematisieren.
[0006] Das Wasser hat dabei eine besondere Bedeutung, da es Reaktions- und Lösungsmedium
zugleich ist. Wasser ist ebenso als Reaktant und Katalysator an hydrothermalen Reaktionen
beteiligt. Dies fußt auf der Grundlage, dass wesentliche Eigenschaften des Wassers
sich mit zunehmenden Temperaturen und Drücken ändern. Das ermöglicht die Anwendung
verschiedener hydrothermaler Verfahren. Generell herrscht ein Umgebungsdruck von ca.
1013 Pa, bei dem Wasser bei einer Temperatur von 100 °C siedet. Um Wasser auch bei
höheren Temperaturen in der flüssigen Phase zu halten, muss man entsprechend der Dampfdruckkurve
von H
2O der Druck erhöht werden. Der kritische Punkt liegt bei T=374 °C und p=22,1 MPa.
Ab diesen Bedingungen ist es nicht mehr möglich, Wasser durch weitere Druckerhöhung
in den flüssigen Aggregatzustand zu bringen.
[0007] Wasser bildet dann ein homogenes, einphasiges Fluid und wird als überkritisches Wasser
bezeichnet. Es liegt dann nicht mehr in Abhängigkeit von Druck und Temperatur in flüssiger
oder gasförmiger Form vor.
[0008] Die relative dielektrische Permittivität ε von Wasser, welche das Lösungsmittelverhalten
bestimmt, sinkt mit steigender Temperatur, bis sie im überkritischen Zustand zwischen
10 und 25 liegt. Dieser Bereich ist bei Normbedingungen typisch für dipolare Flüssigkeiten
wie Aceton oder Acetonitril. Damit beginnt das Wasser sich in ein unpolares Lösungsmittel
zu wandeln. Damit wird eine vollständige Mischbarkeit mit anorganischen Gasen, sowie
eine gute Mischbarkeit mit organischen Substanzen erreicht. Salze sind dann entsprechend
nicht mehr löslich. Es ist bekannt, dass die thermophysikalischen Eigenschaften des
Wassers von Druck und Temperatur abhängen. Daher ist es möglich, durch die Wahl bestimmter
Prozessparameter hydrothermale Verfahren zu nutzen, um aus Biomasse selektiv verschiedene
Produkte zu erzeugen. Differenziert wird dabei zwischen der Hydrothermalen Karbonisierung,
der Hydrothermalen Verflüssigung sowie der Hydrothermalen Vergasung.
[0009] Die Hydrothermale Karbonisierung erfolgt generell bei Temperaturen zwischen 180 °C
und 250 °C und Drücken zwischen 1 und 4 MPa. Die Verweilzeiten belaufen sich auf einige
Stunden, während sich die wässrige Biomasse durch Dehydratisierung und Decarboxylierung
unter Wärmeabgabe in einen Kohleschlamm umwandelt, welcher nach Entwässerung und Trocknung
als kohleartiger Feststoff übrigbleibt.
[0010] Des Weiteren entstehen während dieses Prozesses CO
2, H
2O sowie in Wasser gelöste organische Produkte.
[0011] Die Hydrothermalen Verflüssigung findet zwischen 280 - 370 °C statt, sowie bei Drücken
von 10 - 25 MPa. Erhalten wird ein hochviskoser Teer, welcher einen hohen Heizwert
aufweist. Es werden unter optimalen Bedingungen keine Feststoffe gebildet. Der Teer
ist besonders geeignet für die Erzeugung spezieller Kraftstoffe, als Brennstoff sowie
als Rohmaterial für die chemische Industrie.
[0012] Die Hydrothermale Vergasung kann sowohl im unterkritischen, nahkritischen als auch
im überkritischen Bereich durchgeführt werden. Die einzelnen Prozessvarianten unterscheiden
sich dabei bezüglich ihres Katalysatoreinsatzes, der Zusammensetzung des Produktgases
und des umsetzbaren Eduktes.
[0013] Bei unterkritischen Bedingungen ist es möglich, mithilfe von Edelmetallkatalysatoren
Wasserstoff aus Biomasse zu erhalten.
[0014] Im nahkritischen Bereich ist die Bildung von Methan thermodynamisch bevorzugt. Auch
bei diesem Temperaturniveau sind Edelmetall-Katalysatoren nötig, um Biomasse zu vergasen.
Methan kann dabei sowohl unterhalb als auch oberhalb des kritischen Punktes erzeugt
werden.
[0015] Während die Vergasung im unterkritischem Bereich die Probleme durch Salzabscheidungen
- welche im überkritischen Bereich auftreten - umgeht und die damit einhergehende
Verstopfungsgefahr der Anlage umgeht, nutzt das überkritische Verfahren die bessere
Löslichkeit des überkritischen Wassers für organische Substanzen, wobei auch hier
Salze ausfallen und die Anlage verstopfen, Korrosionsvorgänge beschleunigen und die
Effizienz des Verfahrens reduzieren.
STAND DER TECHNIK
[0016] Verfahren, bei denen aus Biomasse Biomethan und Dünger in Form einer Nährstofflösung
gewonnen werden sind u. a. aus der
DE 10 2016 014 103 A1 bekannt. Dabei wird die Biomasse zunächst zerkleinert, auf eine Partikelgröße von
weniger als 0,1 mm, danach mechanisch, thermisch, oder chemisch aufgeschlossen und
im Anschluss daran wird mittels mehrerer, gekoppelter Verfahrensschritte Mineraldünger
und Biomethan mit wenigstens 95 % Methangehalt als Energieträger gewonnen, ohne dass
Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben wird.
[0017] Auch aus der
EP 2 227 324 B1 ist ein Verfahren zur Vergasung von kohlenstoffhaltigen Verbindungen bekannt, wobei
hauptsächlich CO und H
2 erhalten werden. Das Verfahren umfasst einen ersten Schritt zur Torrefikationspyrolyse,
wobei Kohle und Pyrolysegas in einem Solar-Mikrowellenreaktor entstehen. Im Anschluss
werden in einen zweiten Schritt die Kohle und die Pyrolysegase in CO und H
2, durch chemische Redox-Reaktionen umgewandelt.
[0018] Die
WO 2012 030 215 A1 offenbart ein Verfahren zur Hydrobehandlung von pflanzlicher Biomasse. Dabei wird
die pflanzliche Biomasse einer Hydrobehandlung in einem ersten Reaktor unterzogen,
wobei die Hydrobehandlung das In-Kontakt-Bringen der pflanzlichen Biomasse in einem
wässrigen Medium und einem Metalloxid umfasst. Das Metalloxid wirkt dabei als Katalysator.
Die Reaktionsbedingungen in dem Reaktor liegen bei einem Druck im Bereich von 1 bis
40 MPa und bei einer Temperatur im Bereich von 50 °C bis 300 °C.
[0019] Die
DE 102 10 178 C1 lehrt beispielsweise, dass die Dichte von Biomasse für die Vergasung mittels überkritischem
Wasser beim herrschenden Druck einen Wert von 0,2 Gramm pro Milliliter nicht unterschreiten
sollte. Dabei wird nach dem offenbarten Verfahren ein wässriger Eduktstrom aus Biomasse
erzeugt, der anschließend erwärmt und zusammen mit einem auf eine überkritische Temperatur
erwärmten Wasserstrom in einen Reaktor eingebracht und vermischt wird.
[0020] In der
EP 2 714 625 B1 wird ein Verfahren zum Umwandeln von Biomasse in Brennstoffe und Chemikalien offenbart.
Das Verfahren umfasst das Bereitstellen eines Biomasseeinspeisestroms, der ein Lösungsmittel
und einen festen Biomassebestandteil umfasst, wobei der feste Biomassebestandteil
zerkleinert, geschreddert, gepresst oder gemahlen wurde. Danach erfolgt eine katalytische
Umsetzung des Biomasseeinspeisestroms mit Wasserstoff und einem Rückbaukatalysator
bei einer Rückbautemperatur und bei einem Rückbaudruck, um einen Produktstrom zu erzeugen,
der eine Dampfphase, eine flüssige Phase und eine feste Phase umfasst.
[0021] Die in der Dampfphase vorhandenen, flüchtigen C
2+O
1-2-Oxygenate werden aus der Flüssigphase und der festen Phase abgetrennt und in der
Gegenwart eines Kondensationskatalysators umgesetzt, um eine C
4+-Verbindung herzustellen.
[0022] Die
DE 10 259 928 B4 lehrt ein Verfahren zur Behandlung von Biomasse, bei dem die Biomasse in einen Reaktor
eingespeist wird, wobei der Reaktor bei einer Temperatur über 374°C und einem Druck
über 22,1 MPa gehalten wird. In dem Reaktor ist überkritisches Wasser enthalten, in
dem die Biomasse mit den sich aus der Reaktion mit dem überkritischen Wasser bildenden
Zwischenprodukten durchmischt wird.
[0023] In der
EP 3 428 130 B1 wird ein Verfahren zur Vergasung und Verstromung von feuchter Biomasse mit überkritischem
Wasser offenbart. Dabei wird ein Edukt welches sich aus Trockenmasse und Wasser zusammensetzt,
auf einen Druck von etwa 2,7 MPa gebracht und einem ersten Wärmeüberträger zugeführt
wird, welcher die Suspension auf 225 °C erhitzt und nachfolgend bei dieser Temperatur
die Suspension in einen Verflüssigungsreaktor leitet, worin sie 30 min auf der Temperatur
gehalten wird, bevor sie anschließend auf den Vergasungsdruck von ca. 35 MPa gebracht
wird. Nachfolgend durchläuft das Biomassegemisch einen zweiten Wärmeüberträger, in
dem es durch Wärmeübertragung mit dem Vergasungsprodukt auf eine Temperatur von etwa
630 °C erhitzt wird. Dabei geht das Wasser in den überkritischen Zustand über und
eine Vergasungsreaktion beginnt.
[0024] Das erhaltene Produktgas besteht hauptsächlich aus Kohlenstoffdioxid, Methan, Wasserstoff
und Ethan. Für die notwendige CO
2-Abtrennung zur Gasaufbereitung ist Kühlung notwendig, wobei das Produktgas auf eine
Temperatur von unter 30 °C gekühlt wird. Bei einem konstant hohen Druck ist sowohl
CO
2 als auch Ethan flüssig und entsprechend im CO
2- und Ethan-Abscheider durch Phasentrennung abzuscheiden. Das verbleibende Brenngas,
das sich aus Methan und Wasserstoff zusammensetzt, kann nun in dem vom Vergasungsprozess
unabhängigen Verstromungsprozess verwertet werden.
[0025] Die
EP 1 632 550 B1 lehrt ein Verfahren zur Umsetzung von Biomasse, wobei folgende Schritte durchlaufen
werden müssen: Zunächst das Bereitstellen der Biomasse, wobei diese einen Wassergehalt
von mindestens 50 % aufweisen muss. Es folgt das Aufheizen der Biomasse auf eine Temperatur
zwischen 500°C und 700 °C bei einem Druck zwischen 22,1 MPa und 30 MPa. Dabei wird
die Biomasse in überkritischem Wasser, d.h. oberhalb einer Temperatur von 374°C, bevorzugt
zwischen 500°C und 700 °C, und einem Druck oberhalb von 22,1 MPa, aber nicht höher
als 30 MPa, umgesetzt.
[0026] Keines der in Stand der Technik gefundenen Dokumente offenbart eine Lösung für den
Prozess der Vergasung im überkritischen Wasser mit einer Erhöhung der Effizienz des
Verfahrens. Ferner fehlt es an einer Lehre, wonach die Biomasse einer Viskositätsreduktion
und Fließverbesserung unterzogen wird, die mittels einer gleichmäßigen, schnellen
und effektiven Zerkleinerung der Biomasse stattfindet. Bedauerlicherweise fehlt es
dem Stand der Technik auch an einer Lehre zur gezielten Reduktion bzw. Vernichtung
von Mikroplastikverunreinigungen in Biomasse.
[0027] Vor diesem Hintergrund wurde die vorliegende Erfindung getätigt.
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
[0028] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erzeugen von Biogas, vorzugsweise von Wasserstoff,
aus Biomasse, umfassend die folgenden Schritte:
- a. Ultraschallbehandlung zur Desintegration der Biomasse, wobei die Frequenz der Ultraschallbehandlung
mindestens 20 kHz beträgt,
- b. Vergasung mit überkritischem Wasser, durch Aufheizen der verbleibenden Biomasse
auf mindestens 600 °C bei einem Druck von mindestens 25 MPa, wobei vorzugsweise mittels
schneller Aufheizrate der Biomasse die chemischen Reaktionen (i) und (ii) begünstigt
werden:
- i.
CHxOy+(2-y)H2→CO2+(2-y+x/2)H2
- ii.
CHxOy+(1-y)H2→CO+(1-y+x/2)H2
wobei x das molare Verhältnis von H/C ist und y das molare Verhältnis von O/C der
Biomasse darstellt,
- c. Separieren der entstandenen Gase, wobei der Wasserstoff vorzugsweise bei einem
Druck im Bereich von 8 bis 22 MPa gelagert wird.
[0029] Die Erfindung ist eine innovative Kombination von Ultraschall und der Vergasung im
überkritischen Wasser (Super Critical Water Gasification - SCWG). Der Zellaufschluss
mittels Ultraschall erlaubt den Erhalt einer niedrigviskosen Biomasse, woraus sich
u.a. Phosphor und Stickstoff besser fällen lassen. Ebenso werden Schwermetalle - welche
als Verunreinigungen in der Biomasse vorkommen - besser herausgelöst. Bevorzugt ist
die Durchführung einer anorganischen Materialabscheidung nach der Ultraschallbehandlung
(a). Dieser vorgelagerte Schritt der anorganischen Materialabscheidung erlaubt eine
bessere Effizienz der SCWG, da weniger Feststoffe/Salze/anorganische Substanzen vorhanden
sind. Ferner neutralisiert die SCWG das vorhandene Mikroplastik, da es u.a. zu CO
2 und H
2 umgesetzt wird.
[0030] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist der Erhalt reines CO
2 am Ende des erfindungsgemäßen Verfahrens. Dieses so erhaltene CO
2 dient als Grundstoff für die chemische Industrie und kann aufgrund seiner Reinheit
von über 90%, noch bevorzugter über 95%, und am meisten bevorzugt über 99%, dort eingesetzt
werden.
[0031] Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht eine positive Energiebilanz, wobei ausgehend
von einem Durchsatz von 2t Biomasse pro Stunde ein Energieverbrauch der Ultraschalldesintegration
von ca. 2 bis 10 kW entsteht. Der Energieverbrauch der optionalen Phosphorrückgewinnung
beträgt ca. 8 kW und für den Betrieb des SCWG ist ein Energieverbrauch von ca. 216
kW erforderlich. Der Energieertrag, allein für das erhaltene H
2, in Höhe von ca. 281 kW pro Betriebsstunde, erlaubt den Erhalt einer positiven Bilanz.
[0032] Vorzugsweise wird das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wobei die Biomasse
zu Beginn des Verfahrens einen Wassergehalt von mindestens 80% aufweist, wobei der
Wassergehalt gemäß DIN EN 15934:2012-11 bestimmt ist. Noch bevorzugter ist ein Wassergehalt
von 85%, noch mehr bevorzugt von 90%.
[0033] Je höher der Wassergehalt der Biomasse, desto geringer ist die Viskosität, wodurch
der Ultraschallaufschluss effektiver funktioniert und vorzugsweise die Phosphor- sowie
Stickstofffällung effizienter ist, und final die SCWG besser abläuft, was zu einem
höheren Ertrag von Wasserstoff und CO
2 führt.
[0034] Bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wobei dem Schritt (a)
eine mechanische Zerkleinerung der Biomasse vorausgeht.
[0035] Bevorzugt weist die Biomasse einen Plastikanteil, noch bevorzugter einen Mikroplastikanteil
auf. Sehr bevorzugt ist dieser Anteil größer als 0,0001 Gew.%. Ebenfalls bevorzugt
ist, dass die Plastikanteile eine maximale Partikelgröße von 0,5 mm aufweisen.
[0036] Die mechanische Zerkleinerung geschieht vorzugsweise mittels zerkleinern, schreddern,
pressen oder mahlen. Dabei wird die Biomasse in eine niedrig viskosere Form überführt,
welche zu einer schnelleren Desintegration via Ultraschallbehandlung führt und dadurch
Zeit einspart, was einen höheren Durchsatz pro Betriebsstunde erlaubt und damit schlussendlich
die Effektivität des gesamten Verfahrens steigert.
[0037] Ferner wird das erfindungsgemäße Verfahren insbesondere durchgeführt, wobei die Frequenz
der Ultraschallbehandlung in Schritt (a) im Bereich von 20 kHz bis 10 MHz liegt, vorzugsweise
im Bereich von 20 kHz bis 1 MHz. Dabei wird die Ultraschallbehandlung mit einer Frequenz
von vorzugsweise 30 kHz bis 5 MHz, noch bevorzugter von 35 kHz bis 3500 kHz, noch
bevorzugter von 40 kHz bis 400 kHz, am meisten bevorzugt von 40 kHz bis 207 kHz durchgeführt.
[0038] Dies erlaubt in Kombination mit einer angepassten Dauer der Ultraschallbehandlung
einen effektiven Aufschluss der Biomasse.
[0039] Vorzugsweise beträgt die Dauer der Ultraschallbehandlung 1 bis 6 ms, noch bevorzugter
2 bis 5 ms und am meisten bevorzugt 3 bis 4 ms.
[0040] Dies ermöglicht, in Kombination mit der passenden Frequenz, dass der Radius, der
sich bildenden Kavitationsblasen eine Größe von bis zu 150 µm annimmt und eine Implosion
bewirkt. Damit wird eine gleichmäßige, schnelle und effektive Zerkleinerung der Biomasse
erzielt, bei der vor allem Phosphor und Stickstoff in gebundener Form freigesetzt
und durch die Zerstörung der Zellmembran der Phosphor- und Stickstofffällung zugänglich
gemacht werden.
[0041] Bevorzugt weisen die Partikel eine mittlere Partikelgröße von 20 µm oder weniger
auf. Vorzugsweise findet die Ultraschallbehandlung im direkten Kavitationsfeld von
Hochleistungssonotroden im Bereich von Durchflußzellen statt. Dies hat den vorteilhaften
Effekt, dass die Phosphorrückgewinnung bereits aus einer Biomasse mit einem eher geringen
Potential zur Phosphorrückgewinnung durchgeführt werden kann, bei dem die Pflanzenverfügbarkeit
von Phosphor normalerweise, sprich ohne die erfindungsgemäßen Verfahrensschritte,
schlecht wäre. Zusätzlich sind die Kosten für den Verfahrensaufwand gering.
[0042] Gemäß einer noch bevorzugteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgt
nach Schritt a) eine moderate Ansäuerung der Biomasse, vorzugsweise erfolgt diese
durch Verwendung von CO
2, bevorzugt aus der Gasaufbereitung oder aus dem BHKW-Abgas gewonnen. Damit wird wiederum
die Verwendung von zusätzlichen Salzen vermieden.
[0043] Nach diesem Schritt, und noch vor dem optionalen Schritt a1), erfolgt vorzugsweise
eine Fest-Flüssig-Trennung der desintegrierten und angesäuerten Biomasse.
[0044] Aus der flüssigen Phase kann unter Druck das CO
2 wieder ausgetrieben werden, bevor die optionale Phosphorrückgewinnung mittels chemischer
Fällung des Ortho-Phosphats, vorzugsweise durch Magnesiumoxid, oder alternativ mit
einer Calcium-oder einer weiteren Magnesiumverbindung, erfolgt.
[0045] Der besondere Vorteil dieser Ausführungsform ist die Wiederverwendung des entstandenen
CO
2s, welches zur Drucklaugung zu der desintegrierten Biomasse gegeben wird und nach
der Fest-Flüssig Separation dem System wieder entzogen wird. Es wird somit eine Kreislaufwirtschaft,
bezogen auf das CO
2, zumindest teilweise hergestellt.
[0046] Weiter kann das erfindungsgemäße Verfahren bevorzugt durchgeführt werden, wobei der
Schritt (a1) mittels Zugabe von Magnesiumoxid, vorzugsweise zur Flüssigphase, durchgeführt
wird. Dies erlaubt die Ausfällung eines Feststoffs. Bei dem Feststoff handelt es sich
vorzugsweise um Magnesiumammoniumphosphat (MAP). Vorzugsweise wird das Magnesiumoxid
derart dosiert, dass das Verhältnis von Magnesium zu Phosphor 1,5 zu 1,0 beträgt.
[0047] Das ausgefällte MAP eignet sich hervorragend als Dünger, da die drei Hauptnährelemente
(P, N, Mg) gleichzeitig ohne die Gegenionen Cl-, SO
42-, Na
+ vorhanden sind. Verunreinigungen durch Schwermetalle sind in MAP aus dem Phosphorrückgewinnungsschritt
um zwei bis drei Größenordnungen geringer als in kommerziellen P-Düngern. Wegen der
geringen Löslichkeit unter neutralen Reaktionsbedingungen ist MAP als kostengünstiger
Ersatz für Dünger mit langsamer P-Nachlieferung oder als Komponente in anderen Düngemitteln
sehr gut geeignet. Durch die Magnesiumoxid Dosierung von 1,5:1,0 wird ein Phosphorrückgewinnungsgrad
von bis zu 80% erreicht.
[0048] Magnesiumammoniumphosphat kann insbesondere auch als Zwischenprodukt, z.B. für die
weitere Verarbeitung zu Phosphorsäure, dienen. Ebenso kann Magnesiumammoniumphosphat
durch eine geeignete Behandlung auch zu Ammoniakwasser oder zu einer Ammoniumsalzlösung
bei gleichzeitiger Gewinnung von Magnesiumhydrogenphosphat, z.B. als Fällungsmittel
für Ammoniumstickstoff aus wässriger Umgebung, verarbeitet werden.
[0049] Eine weitere, bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens umfasst
die Einstellung des pH-Wertes auf den Bereich von 8 bis 11, vorzugsweise auf den Bereich
von 9,2 bis 10, vor Durchführung des Schrittes (a1). Bevorzugt wird dabei die Entfernung
von CO
2 mittels CO
2-Stripping genutzt, um den pH-Wert einzustellen.
[0050] Die Erhöhung des pH-Wertes erlaubt die Anreicherung von PO
43-, dem Phosphatanion, welches mittels Magnesiumoxids zusammen mit NH
4+ zu MAP (MgNH
4PO
4 * 6 H
2O) reagiert und als kristalliner Feststoff zurückbleibt. Zusätzlich wird durch die
pH-Wert-Erhöhung mittels CO
2-Austrags vermieden, dass weitere anorganische Stoffe, vor allem anorganische Salze,
als Eintrag in die Biomasse hinzugefügt werden. Dies erhöht die Effizienz und Effektivität
der nachgelagerten Schritte im erfindungsgemäßen Verfahren. Durch das Ausgasen von
CO
2 steigt der pH-Wert deutlich an. Gleichzeitig führt die Zugabe von Magnesium-Fällsalzen
unter diesen Bedingungen zur Bildung und Ausfällung von MAP.
[0051] Die pH-Wert-Anhebung zur Phosphatausfällung durch CO
2-Stripping mit Druckluft und durch Rühren erlaubt eine höhere Effizienz und Effektivität
der nachgelagerten SCWG. Die Phosphat-Ausfällung kann auch mit Kalkmilch (genannter
Wert: 0,1 l Kalkmilch / m
3 Filtrat/Zentrat) erfolgen, dabei wird Calciumdihydrogenphosphat (Ca(H
2PO
4)
2) ausgefällt, das Hauptbestandteil vom handelsüblichen Superphosphat ist.
[0052] Optional kann das resultierende Fällungsprodukt, in Abhängigkeit des verwendeten
Fällungsmittels Di-(CaHPO
4), Tri-Calciumphosphat (Ca
3(PO
4)
2) oder auch das Magnesiumammoniumphosphat (MgNH
4PO
4 * 6 H
2O) weiterverarbeitet werden. Eine mögliche Weiterverarbeitungsvariante stellt dabei
Phosphorsäure dar.
[0053] Eine weitere, bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens trennt
den ausgefällten Feststoff vor Durchführung des Schritts (b) ab.
[0054] Dies erlaubt eine Effizienzsteigerung der nachgelagerten SCWG. Feststoffe oder andere
anorganische Materialien würden die Vergasung von organischem Material in superkritischem
Wasser behindern, bzw. deren Effizienz reduzieren.
[0055] Ebenso wird das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wobei die Biomasse organischer
Gewerbeabfall, Bioabfall aus Hausmüll, gesondert erfasster biologischer Siedlungsabfall,
Küchenabfälle, Gartenabfälle (nasser Grünschnitt), Tierreststoffe, Ernteabfälle und
Klärschlamm ist.
[0056] Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass das Ausgangsmaterial aus einer Vielzahl beliebiger
Möglichkeiten gewonnen werden kann, was das erfindungsgemäße Verfahren unabhängig
von bestimmten örtlichen Gegebenheiten macht, und eine breite Anwendbarkeit ermöglicht.
[0057] Bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wobei der Schritt (b)
bei einer Temperatur im Bereich von 600 °C - 700 °C durchgeführt wird und der Druck
im Bereich von 25 bis 30 MPa liegt.
[0058] Dies ermöglicht es, in vorteilhafterweise den Ertrag von H
2 im Verhältnis zu Methan und CO/CO
2 auf bis zu 79% zu steigern. Am meisten bevorzugt ist dafür eine Kombination von 600
°C bei 28 MPa Druck, noch bevorzugter von 660 °C und 28 MPa. Dabei kann die Biomasse
effizient umgesetzt werden, weil sie ohne vorherige Trocknung thermochemisch umgewandelt
werden kann. Dabei fungiert Wasser als Reaktionsmedium und ermöglicht, dass dieser
Prozessschritt einstufig abläuft.
[0059] Besonders bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wobei der Wassergehalt
der Biomasse zu Beginn des Schrittes (b) bis zu 95%, bevorzugter bis zu 97%, beträgt
und der Wassergehalt gemäß DIN EN 15934:2012-11 bestimmt ist.
[0060] Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass das Ausgangsmaterial, ergo die desintegrierte
und von Salzen und anderen anorganischen Materialien befreite Biomasse, mit einem
hohen Wassergehalt verwendet werden kann und nicht getrocknet werden muss, wodurch
die Energieeffizienz des gesamten Verfahrens erhalten bleibt, auch bei steigendem
Wassergehalt, im Vergleich zur konventionellen Vergasung oder Pyrolyse. Besonders
bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren ausgeführt, wobei die Aufheizrate derart
gewählt ist, dass der Temperaturbereich der Biomasse zwischen 330 °C und 370 °C in
weniger als 30 Sekunden durchschritten wird.
[0061] Dieses hat den vorteilhaften Effekt, dass der kritische Temperaturbereich der Teer-
und Koksbildung, der zwischen 330 und 370 °C liegt, schnell durchschritten wird, um
einen hohen Kohlenstoffumsatz zu gewährleisten. Die Verweilzeit in diesem Temperaturbereich
sollte deswegen unter 30s liegen, vorzugsweise unter 25s, noch bevorzugter unter 20s.
[0062] Dies hat den weitern vorteilhaften Effekt, dass die Bildung von Koks, Furanen etc.
unterbunden bzw. stark reduziert wird.
[0063] Ebenso bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wobei die Biomasse
in Schritt (c) eine Verweilzeit von 1 bis 7 Minuten hat, vorzugsweise von 2 bis 5
Minuten, vorzugsweise bei einer Temperatur im Bereich von 600 °C - 700 °C und einem
Druck im Bereich von 25 bis 30 MPa.
[0064] Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass durch die kurze Verweilzeit pro Tonne Biomasse
weniger Energie zur Erzeugung der SCWG-Bedingungen nötig ist und gleichzeitig ein
hoher Ertrag möglich ist, da mehr Biomasse umgesetzt werden kann.
[0065] Auch wird das erfindungsgemäße Verfahren bevorzugt durchgeführt, wobei der Wassergehalt
der Biomasse zu Beginn von Schritt (b) mindestens 85% beträgt und der Wassergehalt
gemäß DIN EN 15934:2012-11 bestimmt ist.
[0066] Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass die H
2-Bildung bevorzugt wird, da die Methanbildung exotherm ist und überraschend gefunden
wurde, dass ein großer Wasserüberschuss und höhere Temperaturen die Wasserstoffbildung
begünstigen.
[0067] Vorzugsweise wird das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wobei der Schritt
(c) eine CO
2-Wäsche umfasst.
[0068] Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass der Anteil von H
2 erhöht wird, auf über 90%vol, vorzugsweise auf über 95%vol, gemessen an dem gesamten
Volumen von entstandenem Gas.
[0069] Vorzugsweise wird das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt, wobei das CO
2 gespeichert und nicht emittiert wird.
[0070] Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass bei dem erfindungsgemäßen Verfahren keine
zusätzlichen Treibhausgase freigesetzt werden.
[0071] Besonders bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren ausgeführt, wobei die Absorption
des CO
2s mittels Laugen-Druckwäsche erfolgt, wobei die Lauge zur Regeneration und Abscheidung
des CO
2 entspannt wird. Besonders bevorzugt handelt es sich um eine Aminwäsche.
[0072] Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass die Absorption von CO
2 mittels eines Amin/Wasser-Gemisches geschieht, in dem sich zunächst das CO
2 im Wasser löst und Kohlensäure bildet. Die entstandene Kohlensäure zerfällt danach
zu H
+ und HCO
3--
- -Ionen. Diese reagieren mit dem Amin. Somit wird das absorbierte CO
2 chemisch reversibel gebunden. Das chemische Gleichgewicht wird erst bei einer deutlich
höheren Beladung des Amin/Wasser-Gemisches erreicht.
[0073] Ebenso bevorzugt ist das erfindungsgemäße Verfahren, wobei kleine Kunststoffteilchen
mit einem Durchmesser unter 5 mm, die in der Biomasse vorhanden sein können und durch
die Bedingungen von Schritt (b) zersetzt werden. Bei Kunststoffteilchen mit einem
Durchmesser von weniger als 5 mm spricht man gemeinhin von Mikroplastik.
[0074] Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass jeglicher Feststoff am Ende von Schritt (c)
zur landwirtschaftlichen Verwendung freigegeben ist, ohne dass eine Belastung mit
Mikroplastik vorhanden ist.
BEISPIELE
[0075] Vorliegend wurde mit Maissilage der Sorte Dodge mit einem Trockensubstanz Gehalt
von 36,7 Gew. % begonnen. Die Zusammensetzung der Trockensubstanz war: C 44,3; O 42,8;
H 6,3; N 1,05; K 3,2; Ca 0,38; Fe 0,05; Cl 0,74; Si 0,55; S 0,3; P 0,3 (alle Werte
in Gew. %).
[0076] Mittels Verdünnung mit Wasser wurde eine Konzentration (TS) von 9,2 Gew. % erzielt.
Eine mit rotierenden Messern bestückte Apparatur wurde eingesetzt, um die Biomasse
bis auf wenige Millimeter zu zerkleinern. Dies wird als Vorstufe der Ultraschall-Desintegration
bezeichnet und umfasst generell die mechanische, thermische, chemische oder biologische
Auflösung von Agglomeration. Es wurde optional ein zweiter Zerkleinerungsschritt mit
einer Kolloidmühle durchgeführt.
[0077] Nach dieser Behandlung bestanden 84 % der gesamten Masse aus Partikeln kleiner 0,5
Millimeter. Diese Suspension war gut pumpbar und hatte eine ausreichende Viskosität.
[0078] Durch Hochleistungs-Ultraschall wird ein Aufschluss der Biomasse mit positiver Energiebilanz
erreicht. Diese erfolgt durch Kavitation, deren freigesetzte Kräfte die Oberflächen
von Zellen, Bakterien etc. zerstören. Der Zellaufschluss durch Hochleistungs-Ultraschall
liefert eine Effizienzsteigerung der SCWG, da die Biomasse vorkonditioniert wird.
[0079] Unbehandelte Biomasse diente als Referenz gegenüber Biomasse nach Hochleistungs-Ultraschallbehandlung
(3 kWh/m
3). Die mittlere Temperatur im Reaktor lag bei 637 °C und die mittlere Verweilzeit
lag dort bei 137 sec. Die Versuchsdauer betrug 19 h. Der Druck betrug 28 MPa.
[0080] Die unbehandelte Biomasse lieferte einen Energieertrag von H
2 6,50 W, CH
4 7,38 W, C
2H
6 3,30 W, zzgl. Spurengase 19 W. Die liefert hochgerechnet 8 kW, wobei auf einen Durchsatz
von 1 kg TOC pro Stunde, mit rund 87 kg/h Durchsatz, abgestellt wurde. Die vorbehandelte
Biomasse, nach Hochleistungs-Ultraschallbehandlung, lieferte einen Energieertrag von
H
2 7,54 W, CH
4 10,81 W, C
2H
6 6,11 W, zzgl. Spurengase 26 W, was hochgerechnet einem Energieertrag von 11 kW entspricht.
Dies entspricht einer Steigerung von 37 %.
[0081] Nach Zellaufschluss mittels Hochleistungs-Ultraschall konnte der Energieertrag der
SCWG um mehr als 30% gesteigert werden.
[0082] In dem vorliegenden wässrigen Medium der Biomasse bewirken Ultraschallwellen eine
periodische Kompression (Druck) und Dehnung (Zug, Unterdruck) des organischen Materials.
Ultraschall hoher Intensität führt in der Phase des Unterdrucks zum Aufreißen der
Wasserphase, was zur Bildung von mikroskopisch kleinen Hohlräumen in der Flüssigkeit
führt. Diese Bläschen füllen sich mit Wasserdampf oder Gas. Sie wachsen in Zugphasen
und schrumpfen in Druckphasen, bis sie implodieren. Dieses Ereignis wird als Kavitation
bezeichnet und findet vorliegend unter extremen (adiabatischen) Bedingungen statt.
Im Mikromaßstab entstehen dabei Drücke von 50 MPa und Temperaturen von 5.000 °C. Im
Frequenzbereich von 20 bis 100 kHz werden besonders große Kavitationsblasen erzeugt,
die beim Zerfall extreme mechanische Scherkräfte hervorrufen.
[0083] Der vorliegend angewandte Ultraschall mit hoher Intensität von 20 kHz bis 10 MHz
bewirkt einen Aufschluss von Biomasse. Die Beschallzeit ist kurz, im Bereich von 1
bis 6 ms, und erlaubt den Aufschluss von Agglomeraten der Biomasse. Die Gesamtoberfläche
der entstandenen Biomassesuspension wird damit vergrößert. Eine weitergehende Beschallung
mit einer Intensität von 40 bis 400 kHz ermöglicht den Aufschluss von Biomassezellen,
sodass deren Zellinhaltsstoffe austreten und in Lösung gehen. In der vorliegenden
Bakterien-Biomasse werden dabei Enzyme freigesetzt. Die Ultraschall-Desintegration
der Biomasse ermöglicht es die Effizienz der Fällung von anorganischen Stoffen wie
Phosphor und Stickstoff signifikant zu erhöhen.
[0084] Die desintegrierte Biomasse dient als Grundlage für die optionale weitere Ausfällung
von Phosphor.
[0085] Phosphor ist eine wichtige und begrenzte Ressource. Der Phosphatabbau ist mit den
üblichen ökologischen Zerstörungen des Bergbaus belastet, noch verstärkt dadurch,
dass sich Phosphate meist mit radioaktiven Metallen wie Uran oder mit Cadmium vergesellschaftet
finden. Es ist daher sinnvoll und notwendig, Stoffkreisläufe zu schließen und Phosphor
aus verschiedenen Sekundärrohstoffen zurückzugewinnen. Dadurch werden die natürlichen
Ressourcen geschont und die Abhängigkeit von den wenigen Exportländern minimiert.
[0086] Phosphor liegt in Biomasse, ebenso wie Stickstoff in (an)organischen Verbindungen
vor. Diese Inhaltstoffe der Biomasse können den nachgelagerten Prozess der hydrothermalen
Vergasung beeinträchtigen. Daher wird die Biomasse optional um diese anorganischen
Verbindungen entfrachtet. Der durch die vorgelagerte Ultraschall-Desintegration erfolgte
Zellaufschluss der Biomasse führt zur Freisetzung des Phosphors und anderer, organischer
Verbindungen aus den Zellen in die wässrige Phase. Durch die Beifügung von Magnesiumoxid
(MgO) können Phosphor und Stickstoff ausgefällt werden.
[0087] Hierzu kann das Biomasse-Edukt, das während der Desintegration einen Trockenmasse
Anteil von ca. 10 % aufweist, durch das Einpressen von während der hydrothermalen
Vergasung von Biomasse (SCWG) gewonnenem CO
2 angesäuert werden. Danach kann die Fest-Flüssig-Separation (Druckfiltration) erfolgen.
Bei entsprechender pH-Wert-Einstellung wird zusätzlich zum Phosphor auch Stickstoff
in das Fällungsprodukt eingebunden.
[0088] In der flüssigen Phase erfolgt optional die chemische Fällung unter Zugabe von Magnesiumoxid
als Magnesiumammoniumphosphat (MgNH
4PO
4* 6 H
2O). Das Fällungsprodukt wird nachfolgend aus der wässrigen Phase abgeschieden. Das
in das Fällungsprodukt Magnesiumammoniumphosphat integrierte Phosphat kann durch weitere,
externe Behandlung zu einem in industriellen Produktionsprozessen benötigten Produkt
verarbeitet werden.
[0089] Da das CO
2 vor der optionalen Phosphor-Rückgewinnung aus der Flüssigphase wieder vollständig
aus dem Edukt ausgetrieben wird, ist für die pH-Wert-Anhebung auf den Ausgangswert
keine Zugabe von Alkalisierungsmittel (Natronlauge oder Kalk) erforderlich. Dadurch
wird eine weitere Aufsalzung der Flüssigphase verhindert. Nachfolgend werden beide
Stoffströme wieder zusammengeführt und an die hydrothermale Vergasung weitergeleitet.
[0090] Bei der durchgeführten hydrothermalen Vergasung wird die aufgeschlossene Biomasse
ohne vorherige Trocknung umgewandelt, wobei das vorhandene Wasser bei den herrschenden
hohen Temperaturen von 600 - 700 °C und Drücken im Bereich von 25 - 28 MPa als Reaktionsmedium
eingesetzt wird. Bei der Vergasung mit überkritischem Wasser unten diesen Bedingungen
erfolgt die Umwandlung des organischen Materials in Wasserstoff, Kohlenstoffdioxid
und Methan, in geringeren Mengen werden auch höhere Kohlenwasserstoffe (Ethan, Butan)
und Kohlenstoffmonoxid gebildet. Konkret waren die Bedingungen wie folgt: Der Durchfluss
wurde auf 50 kg/h eingestellt. Die T
max (im Reaktor) betrugt 640°C, bei einem Druck von 28 MPa. Die mittlere Verweilzeit
betrug 4 min.
[0091] Aktiviert war auch der Sumpfabzug. Dabei wird vom unteren Teil des Reaktors diskontinuierlich,
aber mit hohem Durchsatz (stoßweise, mittlerer Durchfluss 2 kg/h), Reaktionsgemisch
abgezogen. Dort werden eventuelle Reaktionsrückstände erwartet. Es gab keinerlei Anzeichen
einer Blockierung (Durchflussunterbrechung) des Wärmetauschers. Dies ist ein Indiz
für die Wirksamkeit des Sumpfabzuges. Das Produktgas wurde in der zweiten Stufe der
Druckregelung behandelt und das CO
2 abgetrennt. Das Produktgas CO
2 wurde direkt in Hochdruckflaschen abgefüllt. Vorteilhafterweise verfügt das Gesamtsystem
über einen Druck von 28 MPa, wobei dieser sich aus den Partialdrücken der einzelnen
Gase, i.e. vor allem H
2 und CO
2 ergibt. Nach der CO
2 Abscheidung liegt H
2 dann bei einem Druck im Bereich von 8 bis 22 MPa vor.
[0092] Es entstehen bei dieser Umsetzung von Biomasse mit überkritischem Wasser keine giftigen
Stick- oder Schwefeloxide, und Kohlenstoffmonoxid tritt nur als Spurenkomponente auf.
Da das SCWG-Produktgas bereits unter Druck steht, wird für weitere Kompression wenig
Energie benötigt und das enthaltene Kohlenstoffdioxid lässt sich einfach abtrennen.
Der hohe Wasserstoffanteil macht das Gasgemisch zu einem wertvollen, sauberen Brennstoff.
[0093] Bereits ab einer Konzentration von nur 2 Gew.% organisch gebundenem Kohlenstoff ist
der Prozess energetisch autark. Bei höheren Konzentrationen ist der Energiegehalt
des Produktgases wesentlich höher als der Energieverbrauch, der benötigt wird, um
den Prozess aufrecht zu erhalten. Für die Aufrechterhaltung des Prozesses muss Energie
aufgewandt werden um u.a. die Heizung und die Pumpen zu betreiben.
[0094] Die Ausführungsform 1 der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zum Erzeugen von
Biogas, vorzugsweise von Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid, aus Biomasse, umfassend
die folgenden Schritte:
- a. Ultraschallbehandlung zur Desintegration der Biomasse, wobei die Frequenz der Ultraschallbehandlung
mindestens 20 kHz beträgt,
- b. Vergasung mit überkritischem Wasser, durch Aufheizen der verbleibenden Biomasse
auf über 600 °C bei einem Druck größer als 25 MPa, vorzugsweise begünstigt eine schnelle
Aufheizrate der Biomasse folgende chemische Reaktionen (i) und (ii):
- i.
CHxOy+(2-y)H2→CO2+(2-y+x/2)H2
- ii.
CHxOy+(1-y)H2→CO+(1-y+x/2)H2
wobei x das molare Verhältnis von H/C ist und y das molare Verhältnis von O/C der
Biomasse darstellt,
- c. Separieren der entstandenen Gase, wobei der Wasserstoff vorzugsweise bei einem
Druck im Bereich von 8 bis 22 MPa gelagert wird.
[0095] Eine Ausführungsform 2 umfasst das Verfahren nach Ausführungsform 1, wobei die Biomasse
zu Beginn des Verfahrens einen Wassergehalt von mindestens 80% aufweist, wobei der
Wassergehalt gemäß DIN EN 15934:2012-11 bestimmt ist.
[0096] Eine Ausführungsform 3 umfasst das Verfahren nach einem der vorherigen Ausführungsformen,
wobei dem Schritt (a) eine mechanische Zerkleinerung der Biomasse vorausgeht.
[0097] Eine Ausführungsform 4 umfasst das Verfahren nach einem der vorherigen Ausführungsformen,
wobei die Frequenz der Ultraschallbehandlung in Schritt (a) im Bereich von mindestens
20 kHz bis 10 MHz liegt, vorzugsweise im Bereich von 20 kHz bis 1 MHz.
[0098] Eine Ausführungsform 5 umfasst das Verfahren nach einem der vorherigen Ausführungsformen,
wobei die Biomasse organischer Gewerbeabfall, Bioabfall aus Hausmüll, gesondert erfasster
biologischer Siedlungsabfall, Küchenabfälle, Gartenabfälle (nasser Grünschnitt), Tierreststoffe,
Ernteabfälle und Klärschlamm ist, und/oder wobei kleine Kunststoffteilchen mit einem
Durchmesser unter 5 mm durch die Bedingungen von Schritt (b) zersetzt werden.
[0099] Eine Ausführungsform 6 umfasst das Verfahren nach einem der vorherigen Ausführungsformen,
wobei der Schritt (b) bei einer Temperatur im Bereich von 600 °C - 700 °C durchgeführt
wird und der Druck im Bereich von 25 bis 30 MPa liegt, und/oder wobei die Biomasse
in Schritt (b) eine Verweilzeit unter den beanspruchten Bedingungen von 1 bis 7 Minuten
hat, vorzugsweise von 2 bis 5 Minuten.
[0100] Eine Ausführungsform 7 umfasst das Verfahren nach einem der vorherigen Ausführungsformen,
wobei der Wassergehalt der Biomasse zu Beginn des Schrittes (b) im Bereich von 85%
- 95% beträgt, wobei der Wassergehalt gemäß DIN EN 15934:2012-11 bestimmt ist.
[0101] Eine Ausführungsform 8 umfasst das Verfahren nach einem der vorherigen Ausführungsformen,
wobei ein Schritt (a1) nach dem Schritt a und vor dem Schritt (b) durchgeführt wird,
wobei der Schritt (a1) die Phosphorrückgewinnung umfasst, wobei die Phosphorrückgewinnung
nach der Desintegration der Biomasse stattfindet und die Phosphorrückgewinnung vorzugsweise
zusammen mit einer Stickstoffrückgewinnung mittels Magnesiumoxid durchgeführt wird.
[0102] Eine Ausführungsform 9 umfasst eine Anlage zur Durchführung eines der Verfahren nach
einem der vorherigen Ausführungsformen, wobei die Anlage mindestens eine Homogenisierungsvorrichtung,
mindestens eine Zellaufschluss-Hochleistungsultraschall Vorrichtung sowie mindestens
eine Hydrothermale Vergasungsanlage umfasst.
[0103] Eine Ausführungsform 10 umfasst die Anlage gemäß Ausführungsform 9, wobei die Hydrothermale
Vergasungsanlage ferner mindestens einen Wärmetauscher sowie mindestens einen Hydrothermalen
Vergasungsreaktor umfasst.
FIGURENBESCHREIBUNG
[0104] Fig. 1 zeigt beispielhaft eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens,
wobei die Vorbehandlung der Biomasse mechanische Zerkleinerung, die Zugabe von Wasser
zur weiteren Reduktion des Feststoffgehalts oder anderweitige, vorteilhafte Behandlungen
umfasst. Ziel ist es die Viskosität so weit abzusenken, dass eine erfolgreiche Ultraschall-Desintegration
im Anschluss daran stattfinden kann.
[0105] Die optionale anschließende Drucklaugung mit Kohlenstoffdioxid dient vorteilhafterweise
der Vorbereitung zur Phosphor- und Stickstoffeliminierung. Mittels der sich ebenfalls
optionalen anschließenden Fest-Flüssig-Separation werden bereits ausgefällte Feststoffe
abgeschieden und das in der flüssigen Phase verbleibende Phosphor sowie der restliche
Stickstoff können nach dem Austrag von Kohlenstoffdioxid mittels Magnesiumoxid ausgefällt
werden. Dies erlaubt die Durchführung der SCWG mit einer hohen Effizienz, ohne die
Bildung von Koks, Teer sowie unter Vermeidung von Korrosion durch anorganische Reste.
Die anschließende CO
2-Abscheidung erlaubt nicht nur eine positive CO
2-Bilanz, sondern auch die Aufreinigung des verbleibenden Produktgases Wasserstoff,
welcher dann im letzten Schritt bei bestehendem Druck im Bereich von 8 bis 22 MPa
abgefüllt werden kann und zur weiteren Verwendung zur Verfügung steht.
[0106] Fig. 2 zeigt beispielhaft eine weitere Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens,
wobei die Vorbehandlung der Biomasse mechanische Zerkleinerung, die Zugabe von Wasser
zur weiteren Reduktion des Feststoffgehalts oder anderweitige vorteilhafte Behandlungen
umfasst. Ziel ist es, die Viskosität so weit abzusenken, dass eine erfolgreiche Ultraschall-Desintegration
im Anschluss daran stattfinden kann.
[0107] Die optionale anschließende Drucklaugung mit Kohlenstoffdioxid dient vorteilhafterweise
der Vorbereitung zur Phosphor- und Stickstoffeliminierung. Hierbei kann optional das
hinzugefügte Kohlenstoffdioxid aus dem Verfahrensprozess selbst gewonnen und recycelt.
Diese Rückführung und somit Wiederverwendung von Kohlenstoffdioxid erlaubt die vorteilhafte
Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in dem erfindungsgemäßen Verfahren, da im Prozess
entstandenes CO
2 auch von dem Prozess wieder verwendet wird. Mittels der sich optional anschließenden
Fest-Flüssig-Separation werden bereits ausgefällte Feststoffe abgeschieden. Das in
der flüssigen Phase verbleibende Phosphor sowie der restliche Stickstoff können nach
dem Austrag von Kohlenstoffdioxid mittels Magnesiumoxid ausgefällt werden. Die anschließende
CO
2-Abscheidung erlaubt nicht nur eine positive CO
2-Bilanz, sondern auch die Aufreinigung des verbleibenden Produktgases Wasserstoff,
welcher dann im letzten Schritt bei bestehendem Druck im Bereich von 8 bis 22 MPa
abgefüllt werden kann und zur weiteren Verwendung zur Verfügung steht.
[0108] Fig. 3 zeigt beispielhaft eine weitere Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens,
wobei die Vorbehandlung der Biomasse mechanische Zerkleinerung, die Zugabe von Wasser
zur weiteren Reduktion des Feststoffgehalts oder anderweitige vorteilhafte Behandlungen
umfasst. Ziel ist es, die Viskosität so weit abzusenken, dass eine erfolgreiche Ultraschall-Desintegration
im Anschluss daran stattfinden kann.
[0109] Die optionale anschließende Drucklaugung mit Kohlenstoffdioxid dient vorteilhafterweise
der Vorbereitung zur Phosphor- und Stickstoffeliminierung. Hierbei wird das hinzugefügte
Kohlenstoffdioxid aus dem Verfahrensprozess selbst gewonnen und recycelt, wobei in
dieser Ausführungsform erst das im Anschluss an die SCWG abgeschiedene CO
2 zur Drucklaugung verwendet wird. Diese Rückführung und somit Wiederverwendung von
Kohlenstoffdioxid erlaubt ebenso die vorteilhafte Umsetzung der Kreislaufwirtschaft
in dem erfindungsgemäßen Verfahren, da im Prozess entstandenes CO
2 auch teilweise von dem Prozess wieder verwendet wird. Mittels der sich optional anschließenden
Fest-Flüssig-Separation werden bereits werden die in der Biomasse-Suspension enthaltenen,
organischen Feststoffe abgeschieden. Das in der flüssigen Phase verbleibende Phosphor
sowie der restliche Stickstoff können nach dem Austrag von Kohlenstoffdioxid mittels
Magnesiumoxid ausgefällt werden. Dies erlaubt die Durchführung der SCWG mit einer
hohen Effizienz, ohne die Bildung von Koks, Teer sowie unter Vermeidung von Korrosion
durch anorganische Reste. Die anschließende CO
2-Abscheidung erlaubt nicht nur eine positive CO
2-Bilanz, sondern auch die Aufreinigung des verbleibenden Produktgases Wasserstoff,
welcher dann im letzten Schritt bei bestehendem Druck im Bereich von 8 bis 22 MPa
abgefüllt werden kann und zur weiteren Verwendung zur Verfügung steht.
1. Verfahren zum Erzeugen von Biogas, vorzugsweise von Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid,
aus Biomasse, umfassend die folgenden Schritte:
a. Ultraschallbehandlung zur Desintegration der Biomasse, wobei die Frequenz der Ultraschallbehandlung
mindestens 20 kHz beträgt,
b. Aufheizen der verbleibenden Biomasse auf über 600 °C bei einem Druck größer als
25 MPa, vorzugsweise mit einer schnellen Aufheizrate der Biomasse um die chemischen
Reaktionen (i) und (ii) zu begünstigen:
i.
CHxOy+(2-y)H2→CO2+(2-y+x/2)H2
ii.
CHxOy+(1-y)H2→CO+(1-y+x/2)H2
wobei x das molare Verhältnis von H/C ist und y das molare Verhältnis von O/C der
Biomasse darstellt,
c. Separieren der entstandenen Gase, wobei der Wasserstoff vorzugsweise bei einem
Druck im Bereich von 8 bis 22 MPa gelagert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Biomasse zu Beginn des Verfahrens einen Wassergehalt
von mindestens 80% aufweist, wobei der Wassergehalt gemäß DIN EN 15934:2012-11 bestimmt
ist.
3. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei dem Schritt (a) eine mechanische
Zerkleinerung der Biomasse vorausgeht.
4. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Frequenz der Ultraschallbehandlung
in Schritt (a) im Bereich von mindestens 20 kHz bis 10 MHz liegt, vorzugsweise im
Bereich von 20 kHz bis 1 MHz.
5. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Biomasse organischer Gewerbeabfall,
Bioabfall aus Hausmüll, gesondert erfasster biologischer Siedlungsabfall, Küchenabfälle,
Gartenabfälle (nasser Grünschnitt), Tierreststoffe, Ernteabfälle und Klärschlamm ist,
und/oder wobei kleine Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser unter 5 mm durch die
Bedingungen von Schritt (b) zersetzt werden.
6. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Schritt (b) bei einer Temperatur
im Bereich von 600 °C - 700 °C durchgeführt wird und der Druck im Bereich von 25 bis
30 MPa liegt, und/oder wobei die Biomasse in Schritt (b) eine Verweilzeit unter den
beanspruchten Bedingungen von 1 bis 7 Minuten hat, vorzugsweise von 2 bis 5 Minuten.
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Wassergehalt der Biomasse
zu Beginn des Schrittes (b) im Bereich von 85% - 95% beträgt, wobei der Wassergehalt
gemäß DIN EN 15934:2012-11 bestimmt ist.
8. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei ein Schritt (a1) nach dem Schritt
(a) und vor dem Schritt (b) durchgeführt wird, wobei der Schritt (a1) die Phosphorrückgewinnung
umfasst, wobei die Phosphorrückgewinnung nach der Desintegration der Biomasse stattfindet
und die Phosphorrückgewinnung vorzugsweise zusammen mit einer Stickstoffrückgewinnung
mittels Magnesiumoxid durchgeführt wird.
9. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Schritt (a1) mittels Zugabe
von Magnesiumoxid durchgeführt wird, wodurch ein Feststoff ausgefällt wird, bei dem
Feststoff handelt es sich vorzugsweise um Magnesiumammoniumphosphat (MgNH4PO4 *6 H2O), vorzugsweise wird das Magnesiumoxid derart dosiert, dass das Verhältnis von Magnesium
zu Phosphor 1,5 zu 1,0 beträgt.
10. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei der pH-Wert vor Durchführung
des Schrittes (a1) auf den Bereich von 8 bis 11, vorzugsweise auf den Bereich von
9,2 bis 10, eingestellt wird, vorzugsweise durch die Entfernung von CO2 mittels CO2-Stripping.
11. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei der ausgefällte Feststoff vor
Schritt (b) abgetrennt wird und/oder wobei der Schritt (c) eine CO2-Wäsche umfasst.
12. Anlage zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die Anlage mindestens eine Homogenisierungsvorrichtung, mindestens eine Zellaufschluss-Hochleistungsultraschall
Vorrichtung sowie mindestens eine Hydrothermale Vergasungsanlage umfasst.
13. Anlage nach Anspruch 12, wobei die Hydrothermale Vergasungsanlage ferner mindestens
einen Wärmetauscher sowie mindestens einen Hydrothermalen Vergasungsreaktor umfasst.