[0001] Auf Grund steigender Leichtbauanforderungen im Automobilbau kommen zunehmend hoch-
und höchstfeste Stähle für die Fahrzeugkarosserie zum Einsatz. Die Entwicklung geeigneter
Stahlwerkstoffe verfolgt dabei eine optimale Kombination höchster Festigkeit bei gleichzeitig
guter Duktilität. Hierzu werden Stähle verwendet, bei denen ein komplexes Mehrphasengefüge
eingestellt wird. Allerdings zeigen diese Stähle eine hohe Kantenrissempfindlichkeit
speziell an gestanzten Bauteilen. Kritische Herstellungsprozesse sind dabei das Biegen,
Tiefziehen, Schneiden und Stanzen. Die Lochaufweitung stellt ein Verfahren zur Untersuchung
und Beurteilung der Kantenrissempfindlichkeit und des lokalen Dehnungsvermögens eines
Materials dar und erlaubt die Simulation vergleichbarer Beanspruchungen an Realbauteilen
z.B. im Bereich von Entlastungslöchern.
[0002] Die Erfindung betrifft ein kaltgewalztes Stahlflachprodukt das eine niedrige Kantenrissempfindlichkeit
und eine gute Umformbarkeit, hier gekennzeichnet durch eine hohe Marciniak-Lochaufweitung
(LAW), bei hoher Zugfestigkeit Rm, Dehngrenze Rp und Bruchdehnung A80 aufweist.
[0003] Aus dem Stand der Technik sind Dualphasen-Stähle (DP-Stähle) mit einer guten Lochaufweitung
nach ISO 16630 bekannt, wie zum Beispiel in der Anmeldung
WO 2013/182622. Allerdings stellt dieser Lochaufweitungstest die realen Umformungen im Automobilbau
nicht ausreichend dar. Der Marciniak-Lochaufweitungstest bietet die Möglichkeit praxisgerecht,
nah an der wirklichen späteren Umformungsrealität, die DP-Stähle zu testen. Hierbei
zeigt sich die Notwendigkeit die bekannten DP-Stähle zu verändern, um ein besonderes
Gefüge einzustellen, welches geeignet ist für die Beanspruchung im Automobilbau. Ein
solcher Stahl mit besonderem Gefüge ist Gegenstand dieser Erfindung.
[0004] Bei den in der Erfindung beschriebenen Stahlflachprodukten handelt es sich typischerweise
um Walzprodukte, wie Stahlbänder oder Bleche sowie daraus hergestellte Zuschnitte
und Platinen.
[0005] In der vorliegenden Anmeldung sind alle Angaben zu Gehalten bezüglich der Stahlzusammensetzung
auf das Gewicht bezogen, sofern nicht ausdrücklich anders erwähnt. Alle nicht näher
bestimmten, im Zusammenhang mit einer Stahllegierung stehenden "%-Angaben" sind daher
als Angaben in "Gew.-%" zu verstehen.
[0006] Mit Ausnahme der auf das Volumen (Angabe in "Vol.-%") bezogenen Angaben zum RestaustenitGehalt
des Gefüges eines erfindungsgemäßen Blechformteils beziehen sich Angaben zu den Gehalten
der verschiedenen Gefügebestandteile jeweils auf die Fläche eines Schliffs einer Probe
des jeweiligen Erzeugnisses (Angabe in Flächenprozent "Flächen-%"), soweit nicht ausdrücklich
anders angegeben.
[0007] Das Gefüge wird an Querschliffen bestimmt, die einer Ätzung mit 3% Nital (alkoholische
Salpetersäure) unterzogen werden. Die Gefügebestimmung erfolgt im Rasterelektronenmikroskop
bei 5000-facher Vergrößerung für die Bestimmung des Anteils des plattenartigen und
anderen nicht plattenartigen Bainits und bei 20.000- bis 50.000-facher Vergrößerung
für die Bestimmung der Plattenlänge, -breite und des Plattenabstands. Der Anteil an
Restaustenit wird röntgendiffraktometrisch bestimmt.
[0008] Die Korngrenzen des Gefüges wird mit einem Electron Backscatter Diffraction (EBSD)
bestimmt. Dafür werden Proben aus der 1/3 -Lage der Banddicke des Stahlflachprodukts
entnommen. Diese Proben werden eingebettet und als Längsschliff präpariert. Direkt
vor der EBSD Untersuchung wird die Oberfläche nochmal in einem Politurschritt behandelt.
Die EBSD Messung erfolgt in einem 90*90 µm großen Messfeld in 0,1 µm Schritten. In
den aufgenommenen Daten werden Großwinkel- und Kleinwinkelkorngrenzen bestimmt. Als
Kleinwinkelkorngrenze wird eine Korngrenze bezeichnet, die ein Grenze zwischen zwei
Körnern mit einem kleinen Orientierungsunterschied ist. Die Kleinwinkelkorngrenze
ist definiert bis zu einem Rotationswinkel θ bis einschließlich 15°. In der vorliegenden
Erfindung werden Missorientierungen unterhalb von fünf Grad ( θ< 5) nicht als Korngrenze
gewertet. Oberhalb eines Rotationswinkels θ von 15° werden die Korngrenzen als Großwinkelkorngrenzen
bezeichnet. Für alle Großwinkel- und Kleinwinkelkorngrenzen werden die Korngrenzenlänge
bestimmt, indem der Analysesoftware TSL OIM Analyses 8.0 der Fa. Ametek die beschriebene
Definition der Kleinwinkel- und Großwinkelkorngrenzen vorgegeben und dann die Korngrenzenlängen
für den Messbereich automatisch bestimmt werden.
[0009] Mechanische Eigenschaften, wie Zugfestigkeit Rm, Streckgrenze Rp0,2, Bruchdehnung
A80, die hier berichtet werden, sind im Zugversuch gemäß DIN-EN ISO 6982-1 ermittelt
worden, soweit nicht ausdrücklich anders angegeben.
[0010] Für den Marciniak-Lochaufweitungstest wird aus dem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt
Platinen in der Größe von ca. 220mm*200mm, allerdings mindestens in der Größe von
ca. 180mm*180mm, geschnitten. In die Platine wird ein Stanzloch im Durchmesser von
20 mm durch ein mechanisches Scherschneiden erzeugt. Es werden für alle Proben identische
Schneidparameter eingestellt. Die Breite des Schneidspalts liegt im Bereich von 10
bis 12 % der Dicke des untersuchten Stahlflachprodukts. Durch die Verwendung von identisch
gestanzten Stanzlöchern ist ein Einfluss durch den Schneidprozess ausgeschlossen und
es werden identische Bedingungen für alle Stempelgeometrien erreicht. Es wird nun
das Marciniakwerkzeug mit einem Flachbodenstempel mit einem Durchmesser von 100 mm
und einem Stempelkopfradius von 13 mm verwendet. Mittels des Werkzeuges wird das Stanzloch
aufgeweitet. Verglichen damit wird bei einem Lochaufweitungsversuch nach ISO 16630
ein Loch mittels eine Kegelsstempel aufgeweitet. In dem hier angewendeten Marciniak-Lochaufweitungsverfahren
bilden sich durch den Flachbodenstempel niedrige Dehnungsgradienten orthogonal zur
Kante, die der Umformsituation im Presswerk sehr nahekommen.
[0011] Die Vermessung der Lochdurchmesser erfolgt mit einer Kamera der Firma IDS Typ UI-1240ML-M-GL
mit einem telezentrischen Objektiv (TC13080 der Firma Opto Engineering). Um eine ausreichende
Beleuchtung sicherzustellen wird optional ein Beleuchtungsring an der Kamera angebracht.
Der Abstand der Kamera zur Probe ist so zu wählen, dass eine ausreichende Bildauflösung
in Auswerteberich erzielt wird. Der Durchmesser des ausgeweiteten Lochs sollte >50%
der Bildachsen ausfüllen. Der Versuch wird mit einer Niederhaltekraft von 400 kN und
einer Ziehgeschwindigkeit von 1 ± 0,2 mm/s ausgeführt, bis ein Riss oder eine Einschnürung
vorlag. Während des Versuches werden Bilder in einer Frequenz von 10 Hz aufgenommen.
In der Auswertung wird das letzte Bild ausgewählt, auf dem noch keine Einschnürung
oder Riss zu sehen ist. Um den Lochdurchmesser D zu bestimmen werden die Innenkanten
des Lochdurchmessers in quer, längs und 2-mal diagonal zur Richtung bestimmt. Diese
bestimmten Lochdurchmesser werden dann gemittelt. Dies wird mindestens an 3 Löchern
wiederholt und ebenfalls gemittelt. Der gemittelte Lochdurchmesser wird mit dem Referenzlochdurchmesser
verglichen und daraus eine Lochaufweitung LAW=D-D
0/D
0*100 bestimmt.
[0012] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es das Gefüge in einem DP-Stahl so einzustellen,
dass der Stahl für die Beanspruchung im Automobilbau, d.h. mit einer hohen Marciniak-Lochaufweitung
(LAW) von mindestens 9,0%, geeignet ist. Gelöst wird die Aufgabe durch das Einstellen
eines besonderen Verhältnisses von Großwinkelkorngrenzenlängen zu Kleinwinkelkorngrenzenlängen.
[0013] Die Erfindung beschreibt ein kaltgewalztes Stahlflachprodukt, das
aus einem Stahl mit der nachfolgend angegebenen Zusammensetzung bestehend aus (in
Gew.-%)
C: 0,02 - 0,25 %,
Si: 0,05 - 0,8 %,
Mn: 1,0 - 3,0 %,
P: maximal 0,04 %
S: maximal 0,01 %
N: maximal 0,01 %
besteht.
Optional eines oder mehrere der folgenden Elemente aus der Gruppe "Al, Cr, Cu, Nb,
Mo, Ni, Ti, V, B, Co, W":
Al: 0,05 - 1,0 %
Cr: 0,10 - 1,0 %
Cu: 0,01 - 0,5 %
Nb: 0,0005- 0,1 %
Mo: 0,001 - 0,1 %
Ni: 0,01-0,2%
Ti: 0,001-0,1 %
V: 0,0001 - 0,1 %
B: 0,0002- 0,005 %
Mg: 0,0003 -0,5 %
Ca: 0,0001 - 0,1 %
Co: 0,001- 0,1 %
W: 0,01- 0,3 %
und optional einem oder mehrere Elemente aus der Gruppe der seltenen Erden Metalle
(SEM) mit der Maßgabe:
- Summe aller SEM: maximal 0,5 %
Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen,
wobei das Verhältnis der Großwinkelkorngrenzenlängen zu Kleinwinkelkorngrenzenlängen
mehr als 4,0 beträgt.
[0014] Kohlenstoff "C" ist in dem erfindungsgemäßen Stahl in Gehalten von 0,02 % bis 0,25
% enthalten. Kohlenstoff sorgt im erfindungsgemäßen Stahl für eine hohe Festigkeit,
in dem es bei der Martensitbildung eine entscheidende Rolle spielt und das Gebiet
in dem Austenit gebildet wird, erweitert. Hierbei wurde eine optimierte Einstellung
bei Werten von C ≥0,140 % gefunden, da sich ab diesem Wert ausreichend Martensitanteile
bzw. ausreichend harter Martensit bilden, um die Festigkeit weiter zu erhöhen. Ist
der Kohlenstoffgehalt allerdings zu groß, bilden sich zu verstärkt große Karbide,
die für die Festigkeitssteigerung unwirksam sind. Zudem wird die Schweißbarkeit verringert.
Aus diesem Grund ist der Kohlenstoffgehalt in der vorliegenden Erfindung auf 0,25
%, bevorzugt auf 0,17 % begrenzt.
[0015] Silizium "Si" ist ein wichtiger Mischkristallhärter. Zudem wird es zur Einstellung
des besonderen Gefüges in dieser Erfindung benötigt wird, denn es verzögert die Zementitausscheidung
und unterdrückt somit die Perlitbildung. Außerdem kann es den Restaustenitgehalt erhöhen,
der später im Verfahren in Martensit umgewandelt werden kann. Für diese Wirkung und
einen erhöhten Korrosionswiderstand hat sich ein Anteil von mindestens gleich 0,05
%, und besonders ein Anteil von mindestens gleich 0,11 %, als besonders wirksam herausgestellt.
Ein zu hoher Siliziumgehalt führt andererseits dazu, dass Korngrenzenoxidation auftritt
und die Beschichtbarkeit und Oberflächeneigenschaften verschlechtern kann. Außerdem
können bei einem zu hohen Siliziumgehalt Rekristallisationsvorgänge verzögert werden,
was sich auf das Verhältnis der Groß- und Kleinwinkelkorngrenzen auswirkt. Daher ist
der Gehalt von Silizium auf 0,8 %, bevorzugt 0,6 %, besonders bevorzugt 0,45 %, begrenzt.
[0016] Im erfindungsgemäßen Stahl ist Mangan "Mn" enthalten. Mit einem Gehalt ab 1,0 %,
ermöglicht Mn die Martensitbildung, da die Perlitbildung unterdrückt wird. Als vorteilhaft
hat sich ein Anteil von mindestens gleich 1,2 % und besonders vorteilhaft ein Anteil
von mindestens gleich 1,5 % herausgestellt. Allerdings kann ein zu hoher Mn Anteil
zu starken Seigerungen führen, weswegen der Mn-Anteil auf 3,0 % beschränkt ist. Außerdem
schränkt ein hoher Mn-Anteil die Schweißeignung stark ein und verringert den Korrosionswiderstand.
Daher hat sich ein Mn-Anteil von maximal 2,5 % und insbesondere von 2,3 % als besonders
vorteilhaft herausgestellt.
[0017] Die Zugabe von Phosphor "P" schränkt die Schweißeignung stark ein und sollte daher
auf 0,04% beschränkt sein, wobei Gehalte von 0,025 %, insbesondere von 0,022 % besonders
vorteilhaft sind. Im erfindungsgemäßen Stahl hat es sich herausgestellt, dass es vorteilhaft
sein kann, wenn P mit mindestens gleich 0,002 %, insbesondere 0,006 %, enthalten ist,
da dadurch die Mischkristallhärtung gefestigt wird.
[0018] Schwefel "S" kann zur Bildung von Mn-Sulfiden führen, welche die Umformbareigenschaften
stark verschlechtern. Daher ist im erfindungsgemäßen Stahl der Gehalt auf 0,01% beschränkt,
wobei eine Beschränkung auf 0,005 % und insbesondere auf 0,003 % vorteilhaft sein
kann. Eine Verunreinigung mit Schwefel lässt sich während der Stahlherstellung nicht
komplett vermeiden.
[0019] Stickstoff "N" kann bei Gehalten über 0,010 % zur Bildung von groben Ti- und Al-Nitriden
führen. Zur Vermeidung dieser Nitride hat sich ein maximaler Gehalt von 0,007 % als
besonders vorteilhaft herausgestellt. Während der Stahlherstellung lässt sich eine
Verunreinigung durch Stickstoff nicht komplett vermeiden.
[0020] Neben den zuvor erläuterten Verunreinigungen P, S, und N können auch noch weitere
Elemente als Verunreinigungen im Stahl vorhanden sein. Diese weiteren Elemente werden
unter den "unvermeidbaren Verunreinigungen" zusammengefasst. Bevorzugt beträgt der
Gehalt an diesen "unvermeidbaren Verunreinigungen" in Summe maximal 0,2 %, bevorzugt
maximal 0,1 %. Die nachfolgend beschriebenen optionalen Legierungselemente "Al, Cr,
Cu, Nb, Mo, Ni, Ti, V, B, Co, W", für die eine Untergrenze angegeben ist, können auch
in Gehalten unterhalb der jeweiligen Untergrenze als unvermeidbare Verunreinigungen
im Stahlsubstrat vorkommen. In dem Fall werden sie ebenfalls zu den "unvermeidbaren
Verunreinigungen" gezählt, deren Gesamtgehalt auf maximal 0,2 %, bevorzugt maximal
0,1 % begrenzt ist.
[0021] Aluminium "Al" kann dem erfindungsgemäßen Stahl hinzugefügt werden, um den Korrosionswiderstand
zu erhöhen und den Restaustenitanteil zu erhöhen. Ein höher Restaustenitanteil ergibt
sich bei Zugabe von Aluminium durch eine Verzögerung der Bildung von Zementitausscheidungen.
Es hat sich hierfür im erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt ein Aluminiumanteil von
größer gleich 0,05 % als vorteilhaft herausgestellt. Anderseits kann ein zu hoher
Alumniumanteil zu einer Bildung von groben Al-Nitriden führen, die zu einer versprödenden
Wirkung und damit zu einer schlechteren Umformbarkeit führen. Zudem können höhere
Al-Gehalte zu einem schlechteren Gießverhalten führen, da Aluminiumverbindungen zu
Clogging führen können. In der vorliegenden Erfindung ist daher eine Begrenzung des
Aluminiumgehaltes auf 1,0 %, bevorzugt 0,8 %, vorgesehen.
[0022] Durch Zugabe von Chrom "Cr" kann die Bainitbildung verzögert werden, wodurch in dem
erfindnungsgemäßen Stahlflachprodukt ein höherer Martensitanteil erreicht wird. Außerdem
wird die Härtbarkeit durch Chrom erhöht. Ein Chromanteil von größer gleich 0,10 %
hat sich als besonders vorteilhaft herausgestellt. Chrom kann allerdings durch die
Bildung von Cr-Oxiden zu Korngrenzenoxidation führen. Daher ist der Chromgehalt hier
auf 1,0 %, bevorzugt 0,9 %, begrenzt.
[0023] Die Zugabe von Kupfer "Cu" in das erfindungsgemäße Stahlflachprodukt verbessert die
Korrosionsbeständigkeit und kann sehr feine festigkeitssteigernde Cu-Ausscheidungen
bilden. Daher kann eine Zugabe von mindestens gleich 0,01 % vorteilhaft in der vorliegenden
Erfindung sein. Allerdings sollte der Kupfergehalt auf 0,5 % begrenzt sein, da ansonsten
im Warmwalzprozess zur sogenannten Rotbrüchigkeit, d.h. es bilden sich Risse in der
Bramme, kommen kann.
[0024] Optional kann dem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt Niob "Nb" hinzugefügt werden.
Bei Zugabe von Niob in geringen Mengen bilden sich feine, festigkeitssteigernde Kohlenstoffnitride.
Hierbei hat sich ein Gehalt von mindestens gleich 0,0005 % als vorteilhaft herausgestellt.
Der festigkeitssteigernde Effekt der Kohlenstoffnitride erschöpft sich allerdings,
sobald der Niobgehalt zu groß wird. Außerdem können hohe Gehalte von Niob die Kaltformbarkeit
und die Schweißeigenschaften verschlechtern. Hier hat sich ein Gehalt von maximal
0,1 %, bevorzugt 0,007 %, als vorteilhaft herausgestellt.
[0025] Molybdän "Mo" bildet ebenfalls bei geringen Mengen feine, festigkeitssteigernde Kohlenstoffnitride.
Daher hat sich eine Zugabe von größer gleich 0,001 % als vorteilhaft herausgestellt.
Der festigkeitssteigernde Effekt der Kohlenstoffnitride erschöpft sich allerdings,
sobald der Molybdängehalt zu groß wird. Außerdem können hohe Gehalte von Molybdän
die Kaltformbarkeit und die Schweißeigenschaften verschlechtern. Hier hat sich ein
Gehalt von maximal 0,1 %, bevorzugt 0,050 %, besonders bevorzugt 0,007 %, als vorteilhaft
herausgestellt.
[0026] Nickel "Ni" erhöht die Menge und Stabilität des Austenits und mindert die Rotbrüchigkeit
mit Cu. Außerdem kann Nickel die Marciniak-Lochaufweitung (LAW) verbessern. Daher
wird dem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt optional mindestens gleich 0,01 %, besonders
vorteilhaft 0,015 % Ni, hinzugefügt. Aus Kostengründen soll die Zugabe allerdings
möglichst gering auf maximal 0,2 %, bevorzugt 0,1 % und besonders bevorzugt auf 0,06
% begrenzt werden.
[0027] Titan "Ti" bindet Stickstoff im Stahl und verhindert somit die Bildung versprödender
Bornitride. Außerdem kann Titan bei geringer Menge auch festigkeitssteigernde Kohlenstoffnitride
bilden. Hier hat sich eine Zugabe von größer gleich 0,001 %, bevorzugt 0,004 %, als
vorteilhaft herausgestellt. Bei einer zu hohen Zugabe von Titan erschöpft sich der
Vorteil der festigkeitssteigernden Kohlenstoffnitride, da sie zu groß werden. Des
Weiteren können sich grobe versprödende Ti-Nitride bilden. Eine Begrenzung des Titangehaltes
auf maximal 0,1 %, bevorzugt 0,03 % und besonders bevorzugt 0,006 % hat sich für das
erfindungsgemäße Stahlflachprodukt als vorteilhaft erwiesen.
[0028] Optional kann dem erfindungsgemäßen Stahl Vanadium "V" hinzugefügt werden, welches
in geringen Mengen ebenfalls feine Kohlenstoffnitride bildet. Die Kohlenstoffnitride
können die Korngrenzen pinnen. Durch das Pinnen wird die Kornvergröberung bei hohen
Temperaturen vermindert, was positiv auf das Verhältnis Großwinkelkorngrenzenlängen
zu Kleinwinkelkorngrenzenlängen wirkt. Hierzu wird dem erfindungsgemäßen Stahl mindestens
gleich 0,0001 %, bevorzugt 0,002 %, Vanadium hinzugefügt. Bei einer zu hohen Zugabe
von Vanadium werden die Kohlenstoffnitridausscheidungen größer und somit unwirksam.
Außerdem ist die Menge der Zugabe von Vanadium aus Kostengründen begrenzt. Im erfindungsgemäßen
Stahl ist die Menge auf 0,1 %, bevorzugt, 0,030 % und besonders bevorzugt aus 0,0015
% begrenzt.
[0029] Die Zugabe von Bor "B" führt zu einer Festigkeitssteigerung. Dafür können dem erfindungsgemäßen
Stahl mindestens gleich 0,0002 %, besonders bevorzugt mindestens 0,001 %, hinzugefügt
werden. Bei einer zu hohen Zugabemenge von Bor bilden sich Eisenboride. Diese Eisenboride
können bei ca. 1200° C schmelzen und ein Materialversagen hervorrufen. Aus diesem
Grund ist der Boranteil im erfindungsgemäßen Stahl auf 0,005 %, bevorzugt 0,0015 %,
begrenzt.
[0030] Die optionale Zugabe von Magnesium "Mg" kann entschwefelnd und desoxidierend wirken.
Daher kann dem erfindungsgemäßen Stahl 0,0003 % hinzugefügt werden. Aus Kostengründen
wird die Mg Zugabe begrenzt auf maximal 0,5% Mg, bevorzugt 0,1 % besonders bevorzugt
0,003 %.
[0031] Kalzium "Ca" kann dem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt zugeführt werden, um den
freien Schwefel abzubinden. Freier Schwefel segregiert zu den Korngrenzen und führt
dadurch zum Versagen des Materials, d.h. die Marciniak-Lochaufweitung verschlechtert
sich. Daher kann dem erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt eine optionale Menge von
mindestens gleich 0,0001 % hinzugefügt werden. In hohen Mengen ist Kalzium im Stahlflachprodukt
nicht mehr löslich, weswegen die Zugabe auf maximal 0,1 %, bevorzugt 0,010 %, besonders
bevorzugt 0,003 % begrenzt wird.
[0032] Kobalt "Co" erhöht die Menge und die Stabilität des Austenits. Als besonders vorteilhaft
hat sich eine Kobaltzugabe von mindestens gleich 0,001 % erwiesen. Aus Kostengründen
sollen dem erfindungsgemäßen Stahl maximal 0,1 %, bevorzugt 0,010 %, besonders bevorzugt
0,0007 %, Kobalt hinzugefügt werden.
[0033] Wolfram "W" wirkt im erfindungsgemäßen Stahl entschwefelnd und desoxidierend. Außerdem
können mit Hilfe von Wolfram festigkeitssteigernde Karbide gebildet werden. Optional
kann daher Wolfram mit mindestens gleich 0,01 % hinzugefügt werden. Aus Kostengründen
wird in der vorliegenden Erfindung maximal 0,3 % Wolfram eingesetzt.
[0034] Im erfindungsgemäßen Stahlfachprodukt können optional die seltenen Erden Metalle
(SEM) wie z.B.: Cer "Ce", Lathan "La" und Yttrium "Y" in Summe mit einem Maximalgehalt
von 0,5 % enthalten sein. Größere Gehalte der SEM können zu Problemen beim Gießen
des Stahls führen. Vorteilhaft ist eine minimale Summe aller SEM Elemente von mindestens
gleich 0,003 %, da dies eine entschwefelnde sowie desoxidierende Wirkung hat.
[0035] Das erfindungsgemäße Stahlflachprodukt kann eine Kohlenstoffäqivalent C
äq 
von mindestens gleich 0,20 %, bevorzugt von 0,30 %, besonders bevorzugt 0,35 % aufweisen.
Allerdings sollte das Kohlenstoffäquivalent maximal bei 1,30 %, bevorzugt 0,70 % liegen,
da sonst während des Schweißens mit einer zu hohen Neigung zu Rissen im Schweißgut
oder der Wärmeeinflusszone zu rechnen ist. Zudem kann die Wärmeeinflusszone erheblich
verspröden. Beim Widerstandpunktschweißen ist es auch wünschenswert das Kohlenstoffäquivalent
möglichst gering einzustellen, um ein Schweißen unter industriellen Bedingungen zu
gewährleisten.
[0036] Das erfindungsgemäße kaltgewalztes Stahlflachprodukt insbesondere nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass der Stahl ein mindestens aus zwei Phasen
bestehendes Gefüge aufweist, das mehr als 5 % Martensit und mehr als 20 % Ferrit sowie
bis zu 65% Bainit und bis zu 10 % Restaustenit umfasst. In einer bevorzugten Ausführung
ist der Martensitanteil auf 90% und besonders bevorzugt 80% begrenzt, um eine ausreichende
Duktilität für die Bauteilformung zu gewährleisten. Der Martensitgehalt besteht bevorzugt
aus frischem und angelassenem Martensit. In einer besonderen Ausführungsform bei Martensitgehalten
größer 50 % können bis zu 10 % des Martensits als angelassener Martensit vorliegen.
Außerdem kann insbesondere der Ferritanteil auf 80 % begrenzt sein, damit die gewünschte
Festigkeit eingestellt werden kann. Bei einer Weiterbildung ist der Ferritgehalt mindestens
gleich 30%. In einer besonderen Ausführung ist der Bainitanteil auf maximal 20 % begrenzt.
[0037] Die Mikrostruktur des erfindungsgemäßen Stahlflachprodukts weist ein besonderes Verhältnis
der Großwinkelkorngrenzenlänge zur Kleinwinkelkorngrenzenlänge auf. Großwinkelkorngrenzen
behindern die Bewegung von Versetzungen von einem Korn in das andere. Kleinwinkelkorngrenzen
bewirken durch ihre deutlich höhere Versetzungsdichte eine Verfestigung im Korn, welches
zu unterschiedlichen Verformungswiderständen führt und einer Kerbwirkung gleichkommt.
Diese Kerbe verursacht lokalisierte Verformungen und vermindert die Lochaufweitungen.
Die erfindungsgemäße Mikrostruktur zeichnet sich durch das Verhältnis der Großwinkelkorngrenzenlängen
zu Kleinwinkelkorngrenzenlängen mit mehr als 4,0, bevorzugt mehr als 4,5, besonders
bevorzugt 6,0, aus. Es hat sich gezeigt, dass bei derartigen Verhältnissen die mechanischen
Eigenschaften positiv beeinflusst werden, insbesondere die Marciniak-Lochaufweitung.
[0038] Bei einer speziellen Ausgestaltung zeichnet sich das kaltgewalzte Stahlflachprodukt
durch eine Bruchdehnung A80 von mindestens 8%, bevorzugt mindestens 10 %, besonders
bevorzugt mindestens 14 %, aus. Die Zugfestigkeit Rm beträgt mindestens 570 MPa, bevorzugt
mindestens 590 MPa. Als besonders vorteilhaft hat sich ein Produkt aus Bruchdehnung
A80 und Zugfestigkeit Rm von mindestens 8000 MPa%, bevorzugt 10000 MPa% herausgestellt.
Dieses Produkt aus Bruchdehnung A80 und Zugfestigkeit Rm kann sich durch ein wirksames
Verhindern von Versetzungsbewegungen einstellen. Diese Versetzungsbewegungen sind
vermindert durch das besondere Verhältnis von Großwinkelkorngrenzenlängen zu Kleinwinkelkorngrenzenlängen.
[0039] Bei einer Weiterbildung beträgt die Streckgrenze Rp0,2 des Stahls 350 MPa bis 850
MPa.
[0040] Die Marciniak-Lochaufweitung in einer speziellen Ausgestaltung des Stahlflachprodukts
beträgt mindestens 9,0 %, bevorzugt mindestens 10,0 %, besonders bevorzugt 12,0 %.
Der Marciniak-Lochaufweitungstest bietet die Möglichkeit praxisgerecht, nah an der
wirklichen späteren Umformungsrealität, die DP-Stähle zu testen.
[0042] Im Folgenden werden die einzelnen Arbeitsschritte detailliert beschrieben:
Arbeitsschritt a):
[0043] Für die erfindungsgemäße Zusammensetzung der erfindungsgemäßen Bramme und die optionalen
Variationsmöglichkeiten gelten dieselben Hinweise, die bereits im Zusammenhang mit
der Zusammensetzung des erfindungsgemäßen Stahlflachproduktes getroffen wurden.
Arbeitsschritt b)
[0044] Die erfindungsgemäße Bramme wird in diesem Arbeitsschritt auf eine Temperatur von
1200-1300° C wiedererwärmt. Dadurch bildet sich in dem Produkt Austenit. Die untere
Grenze der Wiedererwärmungstemperatur T
HOM sollte mindestens 1200 ° C betragen, damit eine Homogenität im Gefüge in der Bramme
erreicht wird. Wird eine Obergrenze von 1300° C bei der Erwärmungstemperatur überschritten,
kann es auf der Bramme zu Aufschmelzungen kommen oder die Bramme zerbrechen, da die
Warmfestigkeit überschritten wird. Dabei weisen die Brammen eine Dicke von 200-300
mm auf.
Arbeitsschritt c)
[0045] Das erfindungsgemäße Produkt wird in konventioneller Weise mit aus dem Stand der
Technik bekannten Aggregaten warmgewalzt bis zu einer Enddicke von 1,5 bis 7 mm, bevorzugt
1,7 bis 4 mm. Die Warmwalzendtemperatur (kurz T
WE) liegt mindestens gleich bei 800° C, bevorzugt 920 ° C. Besonders bevorzugt liegt
die Warmwalzendtemperatur oberhalb der Ac3 Temperatur.
[0046] Dabei ist die zu überschreitende Mindesttemperatur Ac3 gemäß der von
HOUGARDY, HP. in Werkstoffkunde Stahl Band 1: Grundlagen, Verlag Stahleisen GmbH,
Düsseldorf, 1984, p. 229., angegebenen Formel

mit %C = jeweiliger C-Gehalt, %Si = jeweiliger Si-Gehalt, %Mn = jeweiliger Mn-Gehalt,
%Cr = jeweiliger Cr-Gehalt, %Mo = jeweiliger Mo-Gehalt, %Ni =jeweiliger Ni-Gehalt
und %V = jeweiliger V-Gehalt des Stahls, aus dem der Zuschnitt besteht, bestimmt.
[0047] Nach dem Warmwalzen wird das Warmband bei einer Temperatur von 400 °C -700 °C bevorzugt
bei 500 °C- 600 °C gehaspelt. Bei Haspeltemperaturen (kurz T
HA) unterhalb von 500 °C bildet sich zu schnell Martensit, was zu einer hohen Festigkeit
führt und eine spätere Verformung problematisch macht. Oberhalb von 600°C steigt die
Gefahr einer Korngrenzenoxidation. Nach dem Haspel wird das Coil auf Raumtemperatur
abgekühlt.
Arbeitsschritt d)
[0048] In einem folgenden Schritt wird das Warmband gebeizt, um eine Entfernung des Zunders
zu erreichen. Bevorzugt kann das Beizen chemisch mittels Salz- und/oder Schwefelsäure
erfolgen. Besonders bevorzugt erfolgt das Beizen in einem Temperaturbereich 80 bis
95 °C.
Arbeitsschritt f)
[0049] Anschließend wird das Warmband kaltgewalzt. Dies geschieht in einem oder mehreren
Kaltwalzschritten bis zu einer Endbanddicke von d= 0,5-3 mm und einem Umformgrad von
bis 80 %.
Arbeitsschritt g)
[0050] Das Stahlflachprodukt wird auf Raumtemperatur abgekühlt.
Anschließend wird das kaltgewalzte Stahlflachprodukt in einem Durchlaufofen auf eine
Glühtemperatur T
glüh von mehr als 800°C gebracht. Die mittlere Aufheizintensität

zwischen 200°C und 800°C beträgt mindestens

, wobei E= die eingebrachte Wärmemeenergie, t =Zeit und d= Banddicke des Kaltbandes.
Bevorzugt liegt die Aufheizintensität bei

und besonders bevorzugt bei

. Die erfindungsgemäße mittlere Aufheizintensität führt dazu, dass bevorzugt Rekristallisationsvorgänge
vor Erholungsvorgängen stattfinden. Dadurch werden mehr Großwinkelkorngrenzen gebildet,
so dass sich das erfindungsgemäße Verhältnis von Großwinkelkorngrenzen zu Kleinwinkelkorngrenzen
einstellen kann.
[0051] Eine typische Glühdauer bei der das Stahlflachprodukt bei der Glühtemperatur gehalten
wird, beträgt bevorzugt mindestens gleich 10 s. Maximal beträgt die Glühdauer bevorzugt
1000 s.
Arbeitsschritt h)
[0052] Nachdem das Stahlflachprodukt auf T
glüh gebracht wird, wird es auf Raumtemperatur abgekühlt. Dieser Abkühlschritt erfolgt
im Mittel mit höchstens 100 K/s. Insbesondere kann das Abkühlen auf Raumtemperatur
in zwei Zwischenschritten erfolgen, wobei das kaltgewalzte Stahlflachprodukt in dem
ersten Zwischenschritt von Glühtemperatur auf eine erste Abkühltemperatur T
1 mit einer mittleren Abkühlrate θ
1 kleiner 100K/s, bevorzugt kleiner 10 K/s, besonders bevorzugt kleiner 5 K/s, abgekühlt
wird und wobei kaltgewalzte Stahlflachprodukt in dem zweiten Zwischenschritt auf eine
zweite maximale Abkühltemperatur T
2 mit einer Abkühlrate θ
2 kleiner 100 K/s abgekühlt wird, wobei für die Abkühltemperaturen T
1, T
2 gilt:
T1 > T2, 450°C ≤
T1 ≤ 800 °C (bevorzugt 650°C ≤
T1 ≤ 750 °C) und 400 °C ≤
T2 ≤ 600 °C
[0053] Durch das zweistufige Abkühlen kann Perlit im ersten Schritt vermieden werden, ohne
energetisch aufwändige hohe Abkühlraten verwenden zu müssen. Im zweiten Schritt kann
durch hohe Abkühlraten die Umwandlung von Restaustenit in Martensit bewirkt werden.
[0054] Optional kann das erfindungsgemäße Stahlflachprodukt mit einer metallischen Schutzschicht
versehen werden. Insbesondere Schmelztauchbeschichtungen auf Zink-Basis können verwendet
werden. Diese Beschichtung folgt zwischen den Arbeitsschritten f) und g) in dem oben
beschriebenen Verfahren.
[0055] Optional kann das Stahlflachprodukt dressiert werden um ausgeprägte Streckgrenzen,
Bandwelligkeiten einzuebnen und eine ideale Rauheit einzustellen. Besonders bevorzugt
ist eine Kaltverformung von 0,2-3 %.
[0056] Außerdem kann das Stahlflachprodukt optional zwischen oder nach dem letzten Verarbeitungsschrittt
beölt werden. Die Beölung dient als temporärer Korrosionsschutz bis zum nächsten Verarbeitungsschritt
oder für den Transport.
[0057] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
Zur Erprobung der Erfindung wurden 6 Schmelzen A-F hergestellt. Die Zusammensetzung
der Schmelzen sind Tabelle 1 angegeben. Die Schmelzen wurden in einer konventionellen
Stranggießanlage zu Brammen vergossen und anschließend wurden die Brammen wiederwärmt.
Anschließend wurden die Brammen zu Warmbändern mit einer spezifischen Warmwalzendtemperatur
T
WE gewalzt. Das Warmband wurde anschließend bei einer Haspeltemperatur T
HA gehaspelt und gebeizt. Die entsprechenden Prozesstemperaturen können Tabelle 2 entnommen
werden.
[0058] Das so erhaltene Warmband wurde anschließend in konventioneller Weise zu einem Kaltband
mit einer Banddicke d gewalzt. Dieses Kaltband wurde anschließend mit einer Aufheizintensität
I aufgeheizt auf eine Glühtemperatur T
glüh und auf Raumtemperatur abgekühlt. Die Raten während der Abkühlung sind in Tabelle
2 angegeben.
[0059] An den so hergestellten Kaltbänder wurden, die bereits beschriebenen mechanischen
Eigenschaften und die Mikrostruktur im Lichtmikroskop bestimmt. Neben der Mikrostruktur
wurde die Korngrenzenlänge bestimmt und von Groß-und Klinwinkelkorngrenzen bestimmt.
Alle diese Messwerte sind in Tabelle 3 aufgeführt.
Tabelle 2: Herstellungsparameter
| Versuch |
Schmelze |
TWE [°C] |
Ac3 [°C] |
THA [°C] |
Tglüh [°C] |
q1 [K/s] |
q2 [K/s] |
T1 [°C] |
T2 [°C] |
Mittlere Aufheizintensität I |
| 1 |
A |
910 |
866 |
530 |
820 |
5,2 |
15,4 |
690 |
490 |
3355 |
| 2 |
A |
905 |
866 |
520 |
825 |
5,0 |
15,4 |
700 |
500 |
3381 |
| 3 |
A |
905 |
866 |
540 |
830 |
6,0 |
15,4 |
680 |
480 |
3404 |
| 4 |
B |
930 |
848 |
535 |
845 |
5,0 |
17,7 |
720 |
490 |
3310 |
| 5 |
B |
935 |
848 |
535 |
850 |
4,4 |
20,4 |
740 |
475 |
3336 |
| 6 |
B |
930 |
848 |
520 |
835 |
5,2 |
15 |
705 |
510 |
3254 |
| 7 |
C |
950 |
850 |
530 |
845 |
5,4 |
20 |
710 |
450 |
3254 |
| 8 |
C |
950 |
850 |
530 |
830 |
3,8 |
23,5 |
735 |
430 |
3181 |
| 9 |
C |
945 |
850 |
540 |
855 |
6,2 |
17,7 |
700 |
470 |
3301 |
| 10 |
D |
960 |
851 |
575 |
840 |
6,4 |
13,1 |
680 |
510 |
3001 |
| 11 |
D |
950 |
851 |
555 |
850 |
4,8 |
20,8 |
730 |
460 |
3023 |
| 12 |
E |
905 |
852 |
520 |
880 |
5,2 |
16,9 |
750 |
530 |
2891 |
| 13 |
E |
910 |
852 |
550 |
850 |
3,2 |
20,8 |
770 |
500 |
2504 |
| 14 |
E |
905 |
852 |
540 |
890 |
6,4 |
14,6 |
730 |
540 |
2994 |
| 15 |
F |
960 |
866 |
530 |
810 |
5,5 |
14,7 |
690 |
490 |
3993 |
| 16 |
F |
940 |
866 |
520 |
840 |
5,2 |
15,4 |
700 |
500 |
4285 |
| 17 |
F |
940 |
866 |
540 |
830 |
6,0 |
14,1 |
680 |
480 |
4271 |
Tabelle 3
| Versuch |
Schmelze |
Martensit |
Bainit |
Restaustenit |
Ferrit |
Rp0,2 [MPa] |
Rm [MPa] |
A80 [%] |
Verhältnis KG > 15° / KG 515° |
LAW [%] |
Erfindungs-gemäß? |
| [Vol%] |
| 1 |
A |
11 |
12 |
6 |
71 |
358 |
621 |
23 |
11,0 |
30,2 |
Ja |
| 2 |
A |
12 |
12 |
6 |
70 |
365 |
625 |
22 |
11,2 |
30,7 |
Ja |
| 3 |
A |
12 |
12 |
6 |
70 |
369 |
631 |
22 |
11,0 |
29,8 |
Ja |
| 4 |
B |
20 |
12 |
9,5 |
58,5 |
491 |
824 |
21 |
8,9 |
16,4 |
Ja |
| 5 |
B |
15 |
6 |
10 |
69 |
476 |
799 |
22 |
9,3 |
17,2 |
Ja |
| 6 |
B |
24 |
18 |
10 |
48 |
509 |
876 |
19 |
9,1 |
16,2 |
Ja |
| 7 |
C |
25 |
8 |
2,5 |
64,5 |
481 |
836 |
18 |
8,0 |
15,1 |
Ja |
| 8 |
C |
18 |
17 |
3 |
62 |
524 |
782 |
20 |
8,4 |
15,6 |
Ja |
| 9 |
C |
31 |
10 |
2,5 |
56,5 |
498 |
867 |
17 |
8,7 |
16,1 |
Ja |
| 10 |
D |
49 |
3 |
3 |
52 |
712 |
1135 |
11 |
8,3 |
14,2 |
Ja |
| 11 |
D |
37 |
7 |
6 |
45 |
635 |
989 |
15 |
8,4 |
14,6 |
Ja |
| 12 |
E |
70 |
0 |
1 |
29 |
822 |
1259 |
12 |
3,9 |
8,9 |
Nein |
| 13 |
E |
61 |
0 |
2,5 |
36,5 |
670 |
1159 |
12 |
3,6 |
7,8 |
Nein |
| 14 |
E |
67 |
0 |
1,5 |
31,5 |
812 |
1225 |
10 |
4,3 |
9,1 |
Ja |
| 15 |
F |
67 |
2 |
2,4 |
28,6 |
798 |
1135 |
11,8 |
3,4 |
7 |
Nein |
| 16 |
F |
64 |
2 |
2,5 |
31,5 |
742 |
1048 |
14,5 |
3,6 |
7,5 |
Nein |
| 17 |
F |
63 |
1 |
2,5 |
33,5 |
756 |
1075 |
12,8 |
3,7 |
7,8 |
Nein |
1. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt, das
aus einem Stahl mit der nachfolgend angegebenen Zusammensetzung bestehend aus (in
Gew.-%)
C: 0,02 - 0,25 %,
Si: 0,05 - 0,8 %,
Mn: 1,0 - 3,0 %,
P: maximal 0,04 %
S: maximal 0,01 %
N: maximal 0,01 %
besteht.
Optional eines oder mehrere der folgenden Elemente aus der Gruppe "Al, Cr, Cu, Nb,
Mo, Ni, Ti, V, B, Co, W"):
Al: 0,05 - 1,0 %
Cr: 0,10 - 1,0 %
Cu: 0,01 - 0,5 %
Nb: 0,0005 - 0,1 %
Mo: 0,001 - 0,1 %
Ni: 0,01 - 0,2 %
Ti: 0,001 - 0,1 %
V: 0,0001 - 0,1 %
B: 0,0002 - 0,005 %
Mg: 0,0003 - 0,5 %
Ca: 0,0001 - 0,1 %
Co: 0,001 - 0,1 %
W: 0,01 - 0,3 %
und optional einem oder mehrere Elemente aus der Gruppe der seltenen Erden Metalle
(SEM) mit der Maßgabe:
- Summe aller SEM: maximal 0,5 %
Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen,
wobei das Verhältnis der Großwinkelkorngrenzenlängen zu Kleinwinkelkorngrenzenlängen
mehr als 4,0.
2. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass Si ≥0,11%.
3. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach Anspruch 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das Ni ≥0,015 % ist.
4. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Ca ≥0,0001 %.
5. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach Anspruch 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis C ≥0,140.
6. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach Anspruch 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass V ≥0,0001 % ist.
7. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt t nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass die Bruchdehnung A80 mindestens 8%, und
die Zugfestigkeit Rm mindestens 570 MPa, beträgt.
8. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass das Produkt aus Bruchdehnung A80 und Zugfestigkeit Rm mindestens 8000 MPa%, beträgt.
9. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass die Marciniak-Lochaufweitung (LAW) mindestens 9,0% beträgt.
10. Kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass der Stahl ein mindestens aus zwei Phasen bestehendes Gefüge aufweist, das (in Vol.-%)
mehr als 5% Martensit und mehr als 20% Ferrit sowie bis zu 65% Bainit und bis zu 10%
Restaustenit umfasst.
11. Ein kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet, dass der Stahl ein Kohlenstoffäquivalent C
äq 
mit maximal 1,30% aufweist.
12. Ein kaltgewalztes Stahlflachprodukt nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass der Stahl ein Kohlenstoffäquivalent C
äq aufweist mit

das im Bereich 0,20% bis 0,70% liegt.
13. Verfahren zur Herstellung eines kaltgewalzten Stahlflachproduktes, wobei bei der Erzeugung
des bereitgestellten kaltgewalzten Stahlflachprodukts unter anderem folgende Arbeitsschritte
durchlaufen werden:
a) Vergießen eines Stahls mit der in Anspruch 1 angegebenen Zusammensetzung zu einer
Bramme;
b) Wiedererwärmen der Bramme auf eine 1200 -1300 °C betragende Wiedererwärmungstemperatur
THOM;
c) Warmwalzen der wiedererwärmten Bramme zu einem Warmband, wobei die Warmwalzendtemperatur
TWE des Warmbands bei Beendigung des Warmwalzens 800-1000 °C beträgt;
d) Haspeln des Warmbands bei einer Haspeltemperatur THA von 400 - 700 °C ;
e) Beizen des Warmbands;
f) Kaltwalzen des Warmbands in einem oder mehreren Kaltwalzschritten zu einem kaltgewalzten
Stahlflachprodukt mit einer Banddicke d;
g) Aufheizen des Stahlflachproduktes auf eine Glühtemperatur T glüh von mehr als 800 °C, wobei die mittlere Aufheizintensität I zwischen 200 °C und 800
°C mindestens

beträgt (bevorzugt mindestens

, besonders bevorzugt

) mit

h) Abkühlen des kaltgewalzten Stahlflachprodukts auf Raumtemperatur
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, dass das Abkühlen des kaltgewalzten Stahlflachprodukts auf Raumtemperatur zwei Zwischenschritte
aufweist, wobei das kaltgewalzte Stahlflachprodukt in dem ersten Zwischenschritt von
Glühtemperatur auf eine erste Abkühltemperatur T1 mit einer Abkühlrate kleiner 10K/s (bevorzugt kleiner 5 K/s) abgekühlt wird und wobei
das kaltgewalzte Stahlflachprodukt in dem zweiten Zwischenschritt auf eine zweite
Abkühltemperatur T2 mit einer Abkühlrate kleiner 100 K/s abgekühlt wird,
wobei für die Abkühltemperaturen T1, T2 gilt:
T1 > T2, 450 °C ≤ T1 ≤ 800 °C (bevorzugt 650 °C ≤ T1 ≤ 750 °C) und 400°C ≤ T2 ≤ 600 °C