[0001] Die Erfindung betrifft ein Wand-, Decken- oder Dachelement, welches als hybrides
Fertigteil ausgestaltet ist.
[0002] Ein gattungsgemäßes hybrides Fertigteil ist in Form einer Holzbalkendecke mit nur
einer oberen Betonschale aus der Praxis bekannt und dient als Geschossdecke in Gebäuden.
Gestützt wird diese Schale von mehreren Holzelementen, die als Holzbalken ausgestaltet
sind und auf denen die Schale nicht nur lediglich aufliegt, sondern die statisch aktiviert
sind, also in der Art mit der Schale verbunden sind, dass nicht nur Druckkräfte, sondern
auch Schubkräfte von der Schale auf die Balken übertragen werden können, wie sie beispielsweise
bei einer Biegebeanspruchung des hybriden Fertigteils auftreten. Die mit den Balken
verbundene Schale ermöglicht als hybrides Fertigteil und durch den hohen Vorfertigungsgrad
einen raschen Baufortschritt.
[0003] In der praktischen Anwendung können die Balken vom unteren Geschoss des Gebäudes
her sichtbar sein. Zur Schaffung einer glatten Unterseite der Geschossdecke, dieses
ist ebenfalls bekannt, müssen die Balken von unten mit einer Abdeckung versehen werden,
z.B. in Form von Holzwerkstoff-, Innenausbau-, Trockenbau-, Leichtbau- oder Gipskartonplatten.
Eine solche Abdeckung stellt jedoch lediglich eine optische Verkleidung dar, die unter
die Holzbalken gehängt und nicht statisch aktiviert ist. Sie wird also bei der Berechnung
der Statik der Geschossdecke als zusätzliche, angehängte Last berücksichtigt, so dass
diese ggf. vorhandene untere Abdeckung nicht als statisch positiv wirkende Schale
und daher nicht als "statisch aktiviert" im Sinne des vorliegenden Vorschlags bezeichnet
werden kann.
[0004] Weiterhin sind aus der Praxis Fertigbetonteile bekannt, die als Wandelemente, sogenannte
Doppelwand bzw. Thermowand, verwendet werden und zwei Betonschalen aufweisen, die
mithilfe von in der Regel metallischen Verbindern miteinander verbunden sind. Die
Verbinder bestehen typischerweise aus Stahl. Die beiden Schalen können unterschiedlich
dick sein. Die beiden Betonschalen können nur in Zusammenhang mit einem erforderlichen
Ortbetonverguss des inneren Hohlraums statisch aktiviert werden. Bei der Thermowand
gilt ein gleiches Prinzip jedoch so, dass die gebäudeinnere Schale mit dem erforderlichen
Ortbetonverguss als tragendes Wandelement dient, die ebenfalls im inneren Hohlraum
befindliche Dämmung dient dem Wärmeschutz, und die außenliegende Betonschale dient
als Witterungsschutz sowie als architektonisch gestaltbare Außenansicht.
[0005] Abgesehen von der bereits erwähnten Verwendung als Decken- oder Wandelement können
gattungsgemäße Betonfertigteile auch als Dachelement verwendet werden, sowohl bei
Flach- als auch bei Schrägdächern. Die Erfindung betrifft dementsprechend ein Wand-,
Decken- oder Dachelement, wobei aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung und aufgrund
der überwiegenden Verwendung das erfindungsgemäße Element nachfolgend häufig nur als
Wand- oder Deckenelement bezeichnet wird.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein hybrides Fertigteil zu entwickeln,
das ökologisch vorteilhaft eine hohe thermische Dämmwirkung ermöglicht, einen hohen
Anteil an nachwachsenden Rohstoffen sowie alle Vorteile der vorgefertigten Bauweise
aufweist, und welches auch statische und architektonischen Anforderungen weitestgehend
ohne zusätzliche Maßnahmen erfüllt.
[0007] Diese Aufgabe wird durch ein hybrides Fertigteil mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst. Merkmale der Erfindung werden nachfolgend erörtert, wobei vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindung unter anderem in den Unteransprüchen beschrieben werden. Diese Gestaltungsmerkmale
können im Zusammenhang mit der Erfindung verwirklicht werden oder auch unabhängig
von der Erfindung eigenständig erfinderisch sein, und sie können entweder einzeln
und unabhängig voneinander oder auch in einer beliebigen Kombination verwirklicht
werden, einschließlich der Verwirklichung sämtlicher genannter Merkmale, sofern eine
Kombination nicht ausdrücklich oder technisch zwingend ausgeschlossen ist.
[0008] Die Erfindung schlägt mit anderen Worten ein hybrides Fertigteil vor, bei dem das
Holzelement jeweils über als Knaggen bezeichnete Konsolen, also eigens hergestellte
Bauteile, mit der Schale in der Art verbunden ist, dass die Knaggen einerseits mit
dem Holzelement verklebt sind und andererseits an die Schale anschließen. Die Anbindung
an die Schale kann beispielsweise stoffschlüssig durch eine Art mineralischer Verklebung
erfolgen, wenn z.B. die Knaggen, ähnlich wie die Schale, ebenfalls aus einem Betonwerkstoff
bestehen. Eine mechanische Anbindung kann mithilfe von Zugankern erfolgen, die sich
von den Knaggen, und insbesondere beispielsweise vom Holzelement durch die Knaggen
hindurch, bis in die Schale erstrecken. Wenn in der Schale eine Lage aus einem Bewehrungsmaterial
angeordnet ist, z. B. eine Bewehrungsmatte aus Stahldraht, kann diese zur Verteilung
der Kräfte dienen, wenn sich der Zuganker bis über diese Lage aus Bewehrungsmaterial
hinweg erstreckt. Die Knaggen können, um eine möglichst gute Kraftübertragung in die
Schale zu gewährleisten, formschlüssig in der Schale aufgenommen sein.
[0009] Die Verklebung der Knaggen mit dem Holzelement stellt sicher, dass Verformungen vermieden
werden, wie sie ansonsten, z. B. bei einer Verschraubung mit einem entsprechend hohen
Anzugsmoment, nicht auszuschließen wären. Die Schubkräfte, die beispielsweise bei
einer Durchbiegung des Wand- oder Deckenelements auftreten, sind jeweils zwischen
einer Knagge und dem Holzelement größer als innerhalb des Holzelements selbst, und
die Verklebung der Knagge mit dem Holzelement stellt eine optimale Kraftübertragung
zwischen diesen beiden Bauteilen sicher, so dass die Schubkräfte aufgenommen und übertragen
werden können.
[0010] Im Vergleich dazu, ein Holzelement wie z.B. einen Balken mithilfe von mineralischen
Partikeln wie z.B. Splitt außen rauh auszugestalten und in den Betonwerkstoff der
frisch gegossenen Schale einzudrücken, weist ein vorschlagsgemäßes hybrides Fertigteil
den Vorteil auf, dass die Schale und das Holzelement einander nicht unbedingt kontaktieren
müssen. Das kann für das Holzelement vorteilhaft sein, da es besser gegen eine Feuchtigkeitsaufnahme
und einen eventuell damit verbundenen Befall, z.B. von Schimmelpilzen, geschützt ist.
Es kann weiterhin eine erhebliche Menge an Klebstoff eingespart werden, was nicht
nur ökonomisch, sondern auch ökologisch vorteilhaft ist, insbesondere beim späteren
Recycling des Wand- oder Deckenelements. Die geringere erforderliche Menge an Klebstoff
bewirkt auch, dass das Wand- oder Deckenelement CO
2-freundlicher ausgestaltet ist als mit einem höheren Klebstoffanteil.
[0011] Erfindungsgemäß weisen die Knaggen ein mineralisches Material auf, wobei dabei Natur-
und/oder Kunststeine zum Einsatz kommen können, wie bspw. Granit, Beton oder Ähnliche.
Im Sinne eines Zusatzstoffes können in einer Weiterbildung insbesondere Faserstoffe
in den Knaggen enthalten sein, bspw. Stahl-, Kunststoff- und/oder Kohlenstofffasern
oder dergleichen, um die Belastbarkeit erhöhen zu können.
[0012] In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung bestehen die Knaggen aus einem Betonwerkstoff.
Aufgrund der so gewährleisteten Eigensteifigkeit der Knaggen wird eine hervorragend
gleichmäßige Druckverteilung erreicht, wenn die Knaggen an das Holzelement gepresst
werden, z.B. für eine Verklebung. Sie ermöglichen dadurch eine dementsprechend zuverlässige
Verklebung, insbesondere wenn Klebstoffe verwendet werden, die mit einem bestimmten
Druck verarbeitet werden müssen.
[0013] In einer Ausgestaltung weist das Wand- oder Deckenelement nicht nur eine, sondern
zwei gegenüberliegende Schalen auf, wobei zu Gunsten einer besonders hohen statischen
Belastbarkeit vorteilhaft auch die zweite Schale aus Beton bestehen kann. Das Holzelement
ist nicht nur mit der ersten, sondern mit beiden Schalen mittels der Knaggen und in
der Art der statischen Aktivierung verbunden.
[0014] In einer Ausgestaltung ist das Holzelement als Balken ausgestaltet. Dies kann ein
einzelnes von mehreren Holzelementen betreffen, oder mehrere oder sämtliche Holzelemente
können als Balken ausgestaltet sein.
[0015] In einer anderen Ausgestaltung ist das Holzelement als Platte ausgestaltet. Dies
kann eine einzelne von mehreren Platten sein, oder mehrere oder sämtliche Holzelemente
können als Platten ausgestaltet sein. Im Unterschied zu einem Balken weist eine Platte
im Sinne des vorliegenden Vorschlags parallel zur der Schale des Wand- oder Deckenelements
Abmessungen auf, die als Länge und Breite bezeichnet werden und größer sind als die
Abmessung, die das Holzelement quer zur Schale aufweist und als Höhe des Holzelements
bezeichnet wird.
[0016] Das Wand- oder Deckenelement kann sowohl einen oder mehrere Balken als auch eine
oder mehrere Platten aufweisen, oder es kann ausschließlich Balken oder ausschließlich
mehrere Platten aufweisen, oder es kann eine einzige Platte aufweisen, deren Länge
und Breite so groß sind, dass sich die im Wesentlichen über die gesamte Fläche der
Schale erstreckt.
[0017] In einer Ausgestaltung sind die Knaggen jeweils mit Hilfe von wenigstens einem Verbindungselement
zugfest mit dem Holzelement verbunden, so dass sie gegen Kräfte gesichert sind, welche
die Knaggen vom Holzelement abzuziehen bestrebt sind. Auf diese Weise wird gewährleistet,
dass ein gewünschter Anpressdruck aufrechterhalten werden kann, mit welchem die Knaggen
dem Holzelement anliegen. Dies ist insbesondere, aber nicht nur, bei Verwendung von
Klebstoffen vorteilhaft, die einen bestimmten Anpressdruck und / oder eine bestimmte
Anpresszeit erfordern. Das Anzugsmoment bei einer solchen Verschraubung kann im Vergleich
zu einer Schraubbefestigung gering sein und muss lediglich die Lagefixierung der Knagge
bis zur Aushärtung des Klebstoffs sicherstellen. Als Verbindungselemente können z.B.
Spannzwingen, pneumatische oder hydraulische Pressen oder dergleichen verwendet werden.
Das Verbindungselement ermöglicht die gemeinsame Handhabung eines Holzelements mit
einer daran angeordneten Knagge auch dann, wenn die Verklebung noch nicht ausgehärtet
ist, weil nämlich die Knagge und das Holzelement relativ zueinander mittels des Verbindungselements
fixiert sind. Auf diese Weise kann der erforderliche Zeitaufwand für die Herstellung
des Wand- oder Deckenelements verringert werden, was wirtschaftlich vorteilhaft ist.
[0018] In einer Ausgestaltung des Wand- oder Deckenelements sind die erwähnten Verbindungselemente
als Schrauben ausgestaltet. Dies erleichtert die Handhabung des Holzelements mitsamt
den daran gehaltenen Knaggen, weil ein hinderlicher Überstand nach außen vermieden
werden kann, der ansonsten durch die Verbindungselemente z.B. in Form der erwähnten
Spannzwingen verursacht sein könnte. Die Schrauben können als verlorene Elemente in
dem Wand- oder Deckenelement verbleiben, so dass beispielsweise das mit den Knaggen
versehene Holzelement in die frisch gegossene Betonschale eingedrückt werden kann
und auf diese Weise eine hohe Produktionsgeschwindigkeit bei der Herstellung des Wand-
oder Deckenelements erreicht werden kann. Beispielsweise können die Knaggen nur so
weit in den Betonwerkstoff gedrückt werden, dass sie lediglich teilweise in den Betonwerkstoff
eintauchen und ein Abstand zwischen dem Holzelement und dem Betonwerkstoff verbleibt.
[0019] In einer Ausgestaltung des Wand- oder Deckenelements, bei welcher Schrauben als Verbindungselemente
Verwendung finden, weisen die Knaggen jeweils wenigstens eine Durchgangsbohrung auf,
die dazu bestimmt ist, eine Schraube aufzunehmen. Dies unterstützt eine schnelle Montage
der Knaggen an dem Holzelement, weil die Knaggen bereits mit einer derartigen Durchgangsbohrung
versehen sind und diese nicht erst zum Beispiel an der Baustelle erzeugt werden muss.
Außerdem kann diese Ausgestaltung eine präzise Führung der Schrauben gewährleisten,
da die Durchgangsbohrung werkseitig bei der Herstellung der Knaggen an der optimalen
Stelle angeordnet ist, so dass die Schrauben optimal positioniert sind, um während
der Aushärtezeit des Klebstoffs einen möglichst gleichmäßigen Anpressdruck zwischen
Knagge und Holzelement über die gesamte Kontaktfläche zu gewährleisten.
[0020] In einer Ausgestaltung sind die Knaggen jeweils mit Hilfe von nicht nur einem, sondern
von wenigstens zwei Verbindungselementen zugfest mit dem Holzelement verbunden, wobei
die beiden Verbindungselemente nicht unmittelbar aneinandergrenzen, sondern in einem
Abstand zueinander angeordnet sind. Auf diese Weise wird erstens eine Verdrehsicherung
geschaffen, so dass die gewünschte Position der jeweiligen Knagge in Bezug auf das
Holzelement zuverlässig beibehalten wird. Dies ist insbesondere dann vorteilhaft,
wenn das Holzelement mit den daran befestigten Knaggen gehandhabt werden soll, solange
der Klebstoff noch nicht endgültig ausgehärtet ist. Ein zweiter Vorteil dieser Ausgestaltung
besteht in einer besonders gleichmäßigen Verteilung der Druckkraft, mit welcher die
Knagge dem Holzelement anliegt, auch bei länglichen Knaggen.
[0021] In einer Ausgestaltung überbrücken die Knaggen einen Abstand, in welchem die Holzelemente
von den Schalen verlaufen. Dies ist, wie weiter oben bereits erwähnt, für den Holzwerkstoff
des Holzelements vorteilhaft, z.B. für dessen Belüftung. Weiterhin unterstützt der
Abstand eine Entkopplung des Holzelement von der Schale, was beispielsweise vorteilhaft
hinsichtlich der Übertragung von Körperschall ist. Die Entkopplung ist auch als thermische
Entkopplung vorteilhaft, da hierdurch ein verbesserter Brandschutz erreicht wird.
[0022] In einer Ausgestaltung weisen die Knaggen einen Querschnitt auf, der sich in einer
Richtung stetig erweitert. Dies erleichtert aufgrund der Konizität der Knaggen die
Entformung der Knaggen aus einer Gießform oder Schalung, falls die Knaggen in einem
Gießverfahren hergestellt werden, wie dies z.B. bei Betonbauteilen typisch ist.
[0023] In einer Ausgestaltung weisen die Knaggen jeweils zwei gegenüberliegende, unterschiedliche
Oberflächen auf, von denen eine erste Oberfläche als Balkenseite bezeichnet ist, weil
sie dazu bestimmt ist, einem Holzelement des Wand- oder Deckenelements anzuliegen,
wobei rein beispielhaft ein Balken als namensgebend für diese erste Oberfläche der
Knagge herangezogen worden ist. Die gegenüberliegende zweite Oberfläche ist als Schalenseite
bezeichnet, weil sie dazu bestimmt ist, einer Schale des Wand- oder Deckenelements
anzuliegen. Bei dieser Ausgestaltung verringert sich der Querschnitt der Knagge von
ihrer Schalenseite aus. Auf diese Weise wird eine Hinterschneidung im Beton geschaffen,
wenn die Knagge mit ihrer Schalenseite beim Gießen der Schale in den Werkstoff der
Schale eintaucht. Dies ermöglicht eine formschlüssige Verbindung zwischen Knagge und
Schale.
[0024] Bei der vorgeschriebenen Ausgestaltung des Wand- oder Deckenelements können die Knaggen
in Längsrichtung des Holzelements zwei gegenüberliegende, als Stirnseiten bezeichnete
Abschnitte aufweisen, und weiterhin in Querrichtung des Holzelements zwei gegenüberliegende,
als Längsseiten bezeichnete Abschnitte aufweisen, wobei sich der Querschnitt der Knagge
von ihrer Schalenseite aus an den Stirnseiten entweder gar nicht oder weniger stark
verringert als an den Längsseiten. Die Schubkräfte, die bei einer Durchbiegung des
Wand- oder Deckenelements zwischen dem Holzelement und der Schale wirken, sind bestrebt,
eine Relativbewegung zwischen Holzelement und Schale zu verursachen. Durch eine Querschnittsverringerung
im Bereich der Stirnseiten, wenn sich in Form der oben erwähnten Konizität der Querschnitt
dort von der Schalenseite aus zur Balkenseite hin verringert und die Knagge teilweise
in den Betonwerkstoff der Schale eintaucht, würde die Knagge wie ein Keil auf die
Schale einwirken, also wie ein Spaltwerkzeug, und möglicherweise zu Schäden an der
Schale führen. Wenn diese Konizität im Bereich der Stirnseiten jedoch ganz entfällt
oder zumindest gering genug ausgestaltet ist, besteht diese Gefahr der Keilwirkung
bei den in der Praxis auftretenden Kräften nicht. Um den Vorteil einer leichten Herstellbarkeit
beizubehalten, wenn die Knagge gegossen wird, z. B. aus einem Betonwerkstoff, kann
an den Stirnseiten der Knagge eine geringe Konizität vorgesehen sein, die beispielsweise
im Bereich von 2° bis 3° liegt.
[0025] In einer Ausgestaltung sind die beiden Schalen mithilfe von Zugankern an die Holzelemente
angekoppelt. Auf diese Weise wird ein Verbund der Bestandteile des Wand- oder Deckenelements
über dessen gesamten Querschnitt erreicht, nämlich von einer bis zur gegenüberliegenden
Schale.
[0026] Bei dieser Ausgestaltung können die Zuganker jeweils als Tellerkopfschraube ausgestaltet
sein, deren Kopf innerhalb einer der beiden Schalen angeordnet ist. Auf diese Weise
werden in Form der Tellerkopfschrauben handelsübliche Bauelemente verwendet, die wirtschaftlich
erhältlich sind und hervorragend als Zuganker geeignet sind, und die zudem für die
Übertragung ausreichend hoher Zugkräfte konstruktiv ausgelegt sind. Weiterhin sind
Tellerkopfschrauben aus korrosionsbeständigen Materialien erhältlich, z.B. Edelstahl,
was über eine lange Nutzungsdauer des Wand- oder Deckenelements die gewünschte Wirkung
der Zugelemente sicherstellt.
[0027] Es kann vorgesehen sein, dass die Zuganker an einem Balken ausschließlich von dem
Holzelement zu einer einzigen der beiden Schalen verlaufen. Der Verbund über den gesamten
Querschnitt Wand- oder Deckenelements wird dadurch erreicht, dass ein anderes Holzelement
mittels der Zuganker an die andere Schale anschließt. In einer Ausgestaltung können
jedoch die Zuganker, die an demselben Holzelement angeordnet sind, in gegenüberliegende
Richtungen ragen, so dass dasselbe Holzelement mittels der Zuganker mit beiden Schalen
verbunden ist. Auf diese Weise wird ein möglichst stabiler Verbund des Wand- oder
Deckenelements von einer bis zur gegenüberliegenden Schale erreicht.
[0028] In einer Ausgestaltung erstrecken sich die Zuganker durch eine Lage aus einem Bewehrungsmaterial
hindurch, die innerhalb der jeweiligen Schale angeordnet ist. Dies bewirkt eine Verringerung
der auf den Betonwerkstoff einwirkenden Belastung dadurch, dass die Zugkraft auf das
Bewehrungsmaterial einwirkt und von diesem auf eine größere Fläche verteilt wird,
beispielsweise wenn das Bewehrungsmaterial als Drahtgittermatte ausgestaltet ist.
[0029] Bei dieser Anordnung der Zuganker kann in einer Ausgestaltung vorgesehen sein, dass
die Zuganker sich zwar vom Holzelement aus bis über das Bewehrungsmaterial der Schale
hinweg erstrecken, dass sie jedoch nicht bis zur Außenseite der jeweiligen Schale
ragen, sondern vielmehr an ihrem in die Schale ragenden Ende vollständig von dem Betonwerkstoff
der Schale abgedeckt sind. Auf diese Weise wird eine geschlossene Außenseite der Schale
ermöglicht, was beispielsweise einen Schutz des Wand- oder Deckenelements gegen eindringende
Feuchtigkeit unterstützt.
[0030] In einer Ausgestaltung sind die Knaggen, die sich an demselben Holzelement befinden,
in unterschiedlichen Abständen zueinander an dem Holzelement angeordnet. Die Anordnung
bzw. Verteilung der Knaggen entlang des Holzelements erfolgt z.B. in Anpassung an
die konstruktiv vorgesehene Belastung, um auf diese Weise möglichst wenige Knaggen
zu verwenden. Daraus resultiert eine möglichst geringe Gesamt-Kontaktfläche zwischen
Knaggen und Holzelement, und dies erfordert wiederum die Verwendung von möglichst
wenig Klebstoff, mit den weiter oben bereits beschriebenen Vorteilen. Außerdem wird
auf diese Weise insgesamt die Menge des für das Wand- und Deckenelement erforderlichen
Materials verringert, hinsichtlich Anzahl der erforderlichen Knaggen, Verbindungselemente,
Zuganker und Klebstoff, was ökonomisch und ökologisch vorteilhaft ist, und schließlich
folgt daraus auch eine Reduzierung des Montageaufwandes und somit der erforderlichen
Herstellungszeit für das Wand- oder Deckenelement.
[0031] In einer Ausgestaltung sind die Knaggen, in Bezug auf die Abmessungen des Wand- oder
Deckenelements, vergleichsweise klein und weisen Kantenlängen an ihren Balken- und
Schalenseiten auf, die im Bereich von 10 bis 15 cm liegen. Um die gewünschte Kraftübertragung
zwischen Holzelement und Schale zu gewährleisten, kann bei dieser Ausgestaltung eine
entsprechende Anzahl von Knaggen verwendet werden, statt die Abmessungen der Knaggen
größer zu wählen. Unebenheiten in den zu verklebenden Oberflächen, ein Verzug des
Holzelements oder ähnlicher Einflüsse wirken sich angesichts der geringen zu verklebenden
Flächen erheblich weniger stark aus als bei größeren Abmessungen der Knagge und einer
dementsprechend grö-ßeren Klebefläche.
[0032] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird anhand der rein schematischen Darstellungen
nachfolgend näher erläutert, wobei einzelne Merkmale oder eine Kombination von Merkmalen
des dargestellten Ausführungsbeispiels auch unabhängig von der übrigen Ausgestaltung
des Ausführungsbeispiels bei einem vorschlagsgemäßen hybriden Fertigteil verwirklicht
sein können. Dabei zeigt
- Fig. 1
- einen Querschnitt mit einer ersten Blickrichtung durch ein als hybrides Fertigteil
ausgestaltetes Wand- oder Deckenelement,
- Fig. 2
- einen Querschnitt mit einer zweiten Blickrichtung durch das Fertigteil von Fig. 1,
und
- Fig. 3
- einen Ausschnitt aus dem Fertigteil 1 in derselben Blickrichtung wie Fig. 2.
[0033] Fig. 1 zeigt einen Querschnitt durch ein Wand- oder Deckenelement, das als hybrides
Fertigteil 1 ausgestaltet ist. Zwei Schalen 2, 3 aus Beton bilden die beiden Außenseiten
des Fertigteils 1. Zwischen den Schalen 2, 3 verlaufen Balken 4 als Stege. Die Blickrichtung
ist quer zu den Balken 4 gewählt. Der ersichtliche Balken 4 ist mittels mehrerer Knaggen
5 mit den beiden Schalen 2, 3 verbunden. Die Knaggen 5 sind mit dem Balken 4 verklebt
und bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel in Form eines Kegelstumpfes mit rechteckigem
Querschnitt ausgestaltet.
[0034] Die Knaggen 5 weisen jeweils einen in Längsrichtung des Balkens 4 länglichen, rechteckigen
Querschnitt auf, mit zwei kürzeren gegenüberliegenden Stirnseiten 6 an den schmaleren
Enden, die sich in Längsrichtung des Balkens 4 gegenüber liegen, und mit zwei längeren
gegenüberliegenden Längsseiten, die in Längsrichtung des Balkens 4 verlaufen.
[0035] Die Knaggen 5 sind jeweils mit zwei Durchgangsbohrungen 7 versehen, die in der Schnittebene
von Fig. 1 liegen und in Längsrichtung des Balkens 4 im Abstand hintereinander angeordnet
sind. Die Durchgangsbohrungen 7 dienen zur definierten Anordnung von Verbindungselementen,
z. B. Spaxschrauben, so dass der Balken 4 und die Knaggen 5 jeweils fest miteinander
verbunden und auch bereits dann lagemäßig relativ zueinander fixiert sind, wenn der
Klebstoff noch nicht abgebunden und voll belastbar ist.
[0036] Abweichend von dem dargestellten Ausführungsbeispiel kann vorteilhaft vorgesehen
sein, dass die Stirnseiten 6 der Knaggen 5 nicht in der dargestellten Richtung schräg
verlaufen, sondern beispielsweise rechtwinklig zur Oberfläche der Schalen 2, 3 verlaufen,
oder so dass sie in einem stumpferen Winkel, einem 90°-Winkel näher, zur Oberfläche
der Schalen 2, 3 verlaufen. Auf diese Weise wird eine Keil- oder Spaltwirkung vermieden,
mit welcher die Knaggen 5 auf die Schalen 2, 3 einwirken würden, wenn Schubkräfte
in Längsrichtung des Balkens 4 wirken und eine Relativbewegung zwischen dem Balken
4 und den Schalen 2, 3 zu verursachen suchen.
[0037] Weiterhin kann abweichend von dem dargestellten Ausführungsbeispiel vorgesehen sein,
dass die Abstände der einzelnen Knaggen 5 zueinander ungleich sind, in Anpassung an
die jeweils berechnete statische Belastung des Fertigteils 1.
[0038] Fig. 2 zeigt ebenfalls einen Querschnitt durch das Fertigteil 1, allerdings mit einer
Blickrichtung in Längsrichtung der Balken 4. Es ist ersichtlich, dass das Fertigteil
1 mehrere Stege in Form mehrerer Balken 4 zwischen den Schalen 2, 3 aufweist. Weiterhin
ist aus Fig. 2 ersichtlich, dass die Durchgangsbohrungen 7 auf der Mittellinie der
Knaggen 5 angeordnet sind. Die Knaggen 5 weisen Längsseiten 8 auf, die genauso wie
die Stirnseiten 6 jeweils zwei gegenüberliegende Oberflächen der Knaggen 5 miteinander
verbinden und schräg verlaufen. Von diesen beiden Oberflächen liegt eine erste, sogenannte
Balkenseite 9 dem Balken 4 an, während die gegenüberliegende zweite Oberfläche als
Schalenseite 10 bezeichnet ist und einer Schale 2, 3 des Wand- oder Deckenelements
anliegt. Der Querschnitt der Knagge 5 verringert sich von ihrer Schalenseite 10 aus,
so dass ein schwalbenschwanzförmiger Formschluss der Knagge 5 mit der jeweiligen Schale
2, 3 geschaffen wird.
[0039] Fig. 3 zeigt einen Ausschnitt aus dem Fertigteil 1 in derselben Blickrichtung wie
Fig. 2. Vor dem Balken 4 ist ein Zuganker 11 ersichtlich, der als Tellerkopfschraube
ausgestaltet ist, mit einem Schaft 12 und einem Tellerkopf 14. Der Zuganker 11 erstreckt
sich durch eine gestrichelt angedeutete Lage aus einem Bewehrungsmaterial 15 hindurch,
die innerhalb der Schale 3 angeordnet ist, wobei der Tellerkopf 14 von dem Betonwerkstoff
der Schale 3 abgedeckt ist und sich somit zwischen dem Bewehrungsmaterial 15 und einer
äußeren Oberfläche 16 des Fertigteils 1 befindet. Auftretende Zugkräfte werden daher
teilweise auch von dem Bewehrungsmaterial 15 aufgenommen und, verglichen mit dem Tellerkopf
14, über eine größere Fläche verteilt.
Bezugszeichen:
[0040]
- 1
- Fertigteil
- 2
- Schale
- 3
- Schale
- 4
- Balken
- 5
- Knagge
- 6
- Stirnseite
- 7
- Durchgangsbohrung
- 8
- Längsseite
- 9
- Balkenseite
- 10
- Schalenseite
- 11
- Zuganker
- 12
- Schaft
- 14
- Tellerkopf
- 15
- Bewehrungsmaterial
- 16
- Äußere Oberfläche
1. Als hybrides Fertigteil (1) ausgestaltetes Wand-, Decken- oder Dachelement,
mit einer als Betonplatte ausgestalteten Schale (2, 3) und mit wenigstens einem Holz
enthaltenden und parallel zur Schale (2, 3) verlaufenden Holzelement, das kraftübertragungswirksam
in der Art an die Schale (2, 3) angeschlossen ist,
dass es einen statisch aktivierten Bestandteil des Wand-, Decken- oder Dachelements
bildet,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Holzelement an die Schale (2, 3) kraftübertragungswirksam in der Art zu einem
Verbund angeschlossen ist,
dass die Schale (2, 3) und das Holzelement statisch aktivierte Bestandteile des Wand-,
Decken- oder Dachelements bilden,
wobei das Holzelement über Knaggen (5) mit der Schale (2, 3) in der Art verbunden
ist,
dass die Knaggen (5) einerseits mit dem Holzelement verklebt sind
und andererseits an die Schale (2, 3) anschließen,
und dass die Knaggen (5) ein mineralisches Material aufweisen.
2. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Holzelement zwischen zwei Schalen (2, 3) angeordnet ist,
und das Holzelement an beide Schalen (2, 3) kraftübertragungswirksam in der Art zu
einem Verbund angeschlossen ist,
dass die beiden Schalen (2, 3) und das Holzelement statisch aktivierte Bestandteile des
Wand-, Decken oder Dachelements bilden,
wobei das Holzelement über Knaggen (5) mit den Schalen (2, 3) in der Art verbunden
sind,
dass die Knaggen einerseits mit dem Holzelement verklebt sind
und andererseits an die jeweilige Schale (2, 3) anschließen.
3. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Holzelement als Platte ausgestaltet ist.
4. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass beide Schalen (2, 3) jeweils als Betonplatte ausgestaltet sind.
5. Wand-, Decken oder Dachelement nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knaggen (5) aus einem Betonwerkstoff bestehen.
6. Wand-, Decken oder Dachelement nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knaggen (5) jeweils mit Hilfe von wenigstens einem Verbindungselement zugfest
mit dem Holzelement verbunden sind.
7. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knaggen (5) jeweils wenigstens eine Durchgangsbohrung aufweisen, die dazu bestimmt
ist, eine Schraube aufzunehmen.
8. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knaggen (5) jeweils mit Hilfe von wenigstens zwei Verbindungselementen zugfest
mit dem Holzelement verbunden sind,
wobei die beiden Verbindungselemente in einem Abstand zueinander angeordnet sind.
9. Wand-, Decken oder Dachelement nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knaggen (5) einen Abstand überbrücken, in welchem das Holzelement von der Schale
verläuft.
10. Wand-, Decken oder Dachelement nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knaggen (5) einen Querschnitt aufweisen, der sich in einer Richtung stetig erweitert.
11. Wand-, Decken oder Dachelement nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Knaggen (5) jeweils zwei gegenüberliegende Oberflächen aufweisen,
von denen eine erste, sogenannte Balkenseite dazu bestimmt ist, einem Holzelement
des Wand-, Decken oder Dachelements anzuliegen,
und von denen die gegenüberliegende zweite, sogenannte Schalenseite dazu bestimmt
ist, einer Schale (2, 3) des Wand-, Decken oder Dachelements anzuliegen,
wobei sich der Querschnitt der Knagge (5) von ihrer Schalenseite aus verringert.
12. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Holzelement länglich ausgestaltet ist und die die Knaggen (5) in Längsrichtung
des Holzelements zwei gegenüberliegende, als Stirnseiten bezeichnete Abschnitte aufweisen,
sowie in Querrichtung des Holzelements zwei gegenüberliegende, als Längsseiten bezeichnete
Abschnitte aufweisen,
wobei sich der Querschnitt der Knagge (5) von ihrer Schalenseite aus an den Stirnseiten
gar nicht verringert, oder weniger stark verringert als an den Längsseiten.
13. Wand-, Decken oder Dachelement nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schale (2, 3) mithilfe von Zugankern an das Holzelement angekoppelt ist.
14. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Zuganker jeweils als Tellerkopfschraube ausgestaltet sind, deren Kopf innerhalb
der Schale (2, 3) angeordnet ist.
15. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 2 sowie Anspruch 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass jeweils an einem Holzelement die Zuganker in gegenüberliegende Richtungen ragen,
derart, dass das Holzelement mit beiden Schalen (2, 3) mittels der Zuganker verbunden
ist.
16. Wand-, Decken oder Dachelement nach einem der Ansprüche 13 bis 15,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Zuganker sich durch eine Lage aus einem Bewehrungsmaterial hindurch erstrecken,
die innerhalb der jeweiligen Schale (2, 3) angeordnet ist.
17. Wand-, Decken oder Dachelement nach Anspruch 16,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Zuganker an der Außenseite der Schale (2, 3) vollständig von dem Betonwerkstoff
der Schale (2, 3) abgedeckt sind.
18. Wand-, Decken oder Dachelement nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass Knaggen (5), die sich an demselben Holzelement befinden, in unterschiedlichen Abständen
zueinander an dem Holzelement angeordnet sind.