[0001] Die Erfindung betrifft ein Anbauwerkzeug für eine mobile Arbeitsmaschine und ein
mobiles Bodenverdichtungssystem, insbesondere ein Bodenverdichtungssystem mit einer
mobilen Arbeitsmaschine und einem Anbauwerkzeug zur Bodenverdichtung.
[0002] Bodenverdichtungsvorrichtungen wie z.B. Vibrationsplatten oder Rüttelplatten sind
bekannt und werden im Baustellenbereich typischerweise von Verbrennungsmotoren angetrieben,
um eine hohe Leistung unabhängig von einer Stromquelle eines Stromversorgungsnetzes
bzw. von einem Generator bereitstellen zu können.
[0003] Auch mobile Arbeitsmaschinen sind bekannt und können z.B. als Radlader, Teleskoplader
oder Bagger eingesetzt werden. Derartige Arbeitsmaschinen weisen einen Fahrzeugrahmen
und ein den Fahrzeugrahmen tragendes Fahrwerk zum Verfahren des Fahrzeugrahmens auf.
Zudem ist ein Antrieb, z.B. ein Hydraulikantrieb, vorgesehen, der einerseits als Fahrantrieb
und andererseits als Arbeitsantrieb dienen kann.
[0004] Es ist bekannt, für derartige Arbeitsmaschinen Bodenverdichtungsvorrichtungen vorzusehen,
mit denen die Arbeitsmaschinen auch zur Bodenverdichtung genutzt werden können. Derartige
Bodenverdichtungsvorrichtungen werden auch als Anbau- oder Plattenverdichter bezeichnet
und in der Regel hydraulisch betrieben. Zu diesem Zweck ist an dem als Anbauwerkzeug
dienenden Anbauverdichter ein Hydraulikmotor vorgesehen, der durch das Hydrauliksystem
der Arbeitsmaschine versorgt wird und einen zu dem Anbauverdichter gehörenden Unwuchterreger
antreibt. Die dabei entstehenden Flieh- bzw. Vibrationskräfte werden in eine Bodenkontaktplatte
eingeleitet, die den zu verdichtenden Boden verdichtet. Durch Verfahren der Arbeitsmaschine
kann auf diese Weise der Boden über eine größere Fläche verdichtet werden.
[0005] Anbauverdichter mit hydraulischem Antrieb weisen einen schlechten Wirkungsgrad und
eine schlechte Steuerbarkeit auf. Durch das An- und Abkoppeln des hydraulischen Antriebs
besteht die Gefahr, dass Hydrauliköl austritt und die Umwelt schädigt.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Anbauwerkzeug und ein das Anbauwerkzeug
nutzendes Bodenverdichtungssystem anzugeben, mit dem die Nachteile des Standes der
Technik überwunden werden können.
[0007] Die Aufgabe wird gelöst durch ein Anbauwerkzeug zum Befestigen an einer Arbeitsmaschine
gemäß Anspruch 1 und gemäß einem nebengeordneten Anspruch durch ein mobiles Bodenverdichtungssystem
mit einer mobilen Arbeitsmaschine und mit einem derartigen Anbauwerkzeug. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0008] Es wird ein Anbauwerkzeug zum Befestigen an einer Arbeitsmaschine angegeben, mit
einer Bodenkontaktplatte zum Verdichten eines Bodens, mit einem die Bodenkontaktplatte
mit Unwuchtkräften beaufschlagenden Unwuchterreger, mit einem Elektroantrieb zum Antreiben
des Unwuchterregers, mit einer mechanischen Kopplungsvorrichtung zum Ankoppeln des
Anbauwerkzeugs an die Arbeitsmaschine, und mit einer elektrischen Leistungsschnittstelle
zum Ankoppeln an eine elektrische Energieversorgung.
[0009] Bei dem Anbauwerkzeug handelt es sich prinzipiell um eine Bodenverdichtungsvorrichtung,
wie z.B. einen Plattenverdichter. Das Anbauwerkzeug wird durch einen Elektroantrieb,
insbesondere durch einen Elektromotor, elektrisch angetrieben. Die Arbeitsmaschine
ist hierbei nicht Teil des Arbeitswerkzeugs und dementsprechend nicht Gegenstand von
Anspruch 1.
[0010] Insbesondere treibt der Elektromotor den Unwuchterreger an. Dazu kann der Elektromotor
bei einer Variante den Unwuchterreger direkt antreiben, derart, dass die Motorwelle
des Elektromotors unmittelbar mit einer Unwuchtwelle des Unwuchterregers gekoppelt
ist. Bei einer Weiterentwicklung dieser Variante können die Motorwelle und die Unwuchtwelle
ein gemeinsames Bauteil sein. Alternativ ist es auch möglich, dass der Elektromotor
den Unwuchterreger mittelbar antreibt, z.B. über einen Riementrieb oder ein Getriebe.
[0011] Der Unwuchterreger kann wenigstens eine Unwuchtwelle aufweisen, die von dem Elektroantrieb
drehend angetrieben wird. Dabei können auch zwei parallel zueinander angeordnete Unwuchtwellen
vorgesehen sein, die insbesondere gegenläufig drehbar angetrieben sein können. Bei
einem derartigen Aufbau ist es möglich, dass sich die Horizontalkomponenten der durch
die Rotation der Unwuchtwellen bewirkten Fliehkräfte aufheben, während sich die Vertikalkraftkomponenten
addieren. Auf diese Weise kann ein resultierender Kraftvektor in Vertikalrichtung
erzeugt werden, der eine starke Verdichtungswirkung über die Bodenkontaktplatte erlaubt,
während in Horizontalrichtung keine oder nur geringe Kräfte wirken, die von dem Anbauwerkzeug
und - bei entsprechender Ankopplung an die Arbeitsmaschine - von der Arbeitsmaschine
aufgenommen werden müssen.
[0012] Bei einer Variante kann der Unwuchterreger wenigstens zwei Erregereinheiten aufweisen,
die zusammen den Unwuchterreger bilden und insbesondere durch ihr Zusammenwirken die
vorstehend beschriebene Verdichtungswirkung, aber auch die Kompensation der Kräfte
in Horizontalrichtung ermöglichen.
[0013] Jede der Erregereinheiten kann eine Unwuchtwelle aufweisen, die direkt von einem
Elektromotor angetrieben werden kann. Das bedeutet, dass jede der Erregereinheiten
einen eigenen Elektromotor aufweisen kann. Durch entsprechende Ansteuerung der Elektromotoren
bzw. Synchronisation der Elektromotoren kann - insbesondere bei gegenläufiger Drehrichtung
- die gewünschte Verdichtungswirkung in Vertikalrichtung erzielt werden.
[0014] Der Elektromotor und die Unwuchtwelle können dabei eine Einheit bilden, dahingehend,
dass die Unwuchtwelle und die Motorwelle zusammenfallen. Die an der Unwuchtwelle vorgesehen
Unwuchtmasse kann somit direkt auf der Motorwelle angeordnet sein. So kann die Unwuchtmasse
z.B. an einem Wellenende der Motorwelle oder auch an beiden Wellenenden der Motorwelle
angeordnet sein. Im letzteren Fall ist somit der eigentliche Elektromotor mit Rotor
und Stator zwischen den beiden Unwuchtmassen an seinen Wellenenden angeordnet.
[0015] Bei einer Integration von Motorwelle und Unwuchtwelle kann auch die Motorwelle selbst
unsymmetrisch aufgebaut sein, so dass sich daraus eine Unwuchtwirkung ergibt.
[0016] Bei einer Ausführungsform können zwei Erregereinheiten in Fahrtrichtung der Arbeitsmaschine
angeordnet sein. Die Unwuchtwellen der Erregereinheiten können gegenläufig laufen,
so dass sich die Zentrifugal- bzw. Unwuchtkräfte in bzw. gegen die Fahrtrichtung aufheben.
Stattdessen ergibt sich nur eine Wirkrichtung in Vertikalrichtung, also nach oben
oder unten. Es hat sich herausgestellt, dass dabei keine mechanische Kopplung bzw.
elektronische Steuerung zum Erreichen einer Synchronisation der beiden Unwuchtwellen
erforderlich ist. Die Synchronisation ergibt sich vielmehr automatisch durch Selbstsynchronisation.
[0017] Anstelle oder ergänzend zu einer Synchronisation ist auch eine gezielte Phasenverschiebung
der Drehstellungen der beiden Unwuchtwellen möglich, so dass sich Kräfte in oder entgegen
der Fahrtrichtung ergeben bzw. die resultierenden Fliehkräfte eine Horizontalkomponente
erhalten.
[0018] Der Unwuchterreger kann auch mehr als zwei Erregereinheiten aufweisen, um eine höhere
Leistungsfähigkeit zu erreichen.
[0019] Der Unwuchterreger bzw. seine Erregereinheiten können sämtlich auf dem Anbauwerkzeug
vorgesehen und installiert sein. Es ist dann lediglich eine Stromzuführung von der
Arbeitsmaschine zum Anbauwerkzeug notwendig (insbesondere Gleichstrom). Spezielle
Umformer zum Bereitstellen eines geeigneten Stroms für die Elektromotoren der Erregereinheiten
sind an der Arbeitsmaschine nicht erforderlich. Die Umformer bzw. Steuergeräte können
sämtlich auf dem Anbauwerkzeug, insbesondere auf dessen Obermasse (wird unten noch
erläutert) zum Schutz vor Schwingungen an der Untermasse angeordnet sein.
[0020] Die elektrische Energieversorgung des Elektroantriebs kann von extern erfolgen, insbesondere
von der Arbeitsmaschine über die elektrische Leistungsschnittstelle, wie nachfolgend
noch erläutert wird.
[0021] Es kann eine Signalschnittstelle vorgesehen sein, zum Übertragen von Steuerdaten
zwischen einer externen Bedieneinrichtung und dem Elektroantrieb. Dabei bedeutet "extern",
dass die Bedieneinrichtung räumlich getrennt von dem Anbauwerkzeug vorgesehen ist.
Die Signalübertragung zwischen der Bedieneinrichtung und dem Elektroantrieb kann dabei
kabelgebunden oder kabellos, z.B. per Funk bzw. Bluetooth, erfolgen.
[0022] Die Steuerdaten können das Ein- oder Ausschalten des Elektroantriebs und damit des
Unwuchterregers bewirken. Zudem können die Steuerdaten auch eine Einstellung bzw.
Veränderung der Drehzahl bzw. Frequenz des Elektroantriebs und des Unwuchterregers
ermöglichen.
[0023] Ebenso ist es auch möglich, das Ein- bzw. Ausschalten des Elektroantriebs direkt
über die Leistungsschnittstelle zu bewirken, insbesondere durch Unterbrechen bzw.
Trennen der von der elektrischen Energieversorgung bereitgestellten Stromversorgung.
[0024] Das Anbauwerkzeug kann eine Obermasse aufweisen, an der wenigstens eine Komponente
der mechanischen Kopplungsvorrichtung angeordnet sein kann, wobei der Unwuchterreger
mit der Bodenkontaktplatte eine Untermasse bilden und die Untermasse relativ zu der
Obermasse beweglich sein kann. Dabei kann zwischen der Untermasse und der Obermasse
eine Schwingungsentkopplungseinrichtung angeordnet sein. Dieses Prinzip einer Vibrationsplatte
bzw. Rüttelplatte ist an sich bekannt und vielfach bewährt.
[0025] Es wird ein mobiles Bodenverdichtungssystem angegeben, mit einer mobilen Arbeitsmaschine
und mit einem Anbauwerkzeug gemäß der vorstehend beschriebenen Art, wobei die Arbeitsmaschine
aufweist einen Fahrzeugrahmen, ein den Fahrzeugrahmen tragendes Fahrwerk zum Verfahren
zum Fahrzeugrahmens, einen Antriebsmotor zum Antreiben des Fahrwerks, einen elektrischen
Energiespeicher, und eine an dem Fahrzeugrahmen gehaltene Werkzeughaltevorrichtung,
wobei das Anbauwerkzeug an der Werkzeughaltevorrichtung lösbar gehalten ist, und wobei
der Elektroantrieb des Anbauwerkzeugs durch den elektrischen Energiespeicher mit elektrischer
Energie versorgt wird.
[0026] Bei der mobilen Arbeitsmaschine kann es sich insbesondere um einen Radlader, einen
Teleskoplader, einen Bagger oder ähnliches handeln. Als Laderfahrzeuge eignen sich
auch knickgelenkte Lader. Dabei kann der Antriebsmotor ein Verbrennungsmotor oder
ein Elektromotor sein.
[0027] Das Fahrwerk kann Räder aufweisen, die insbesondere an zwei oder mehr Radachsen angeordnet
sind. Dabei kann wenigstens ein Rad antreibbar sein, um die Arbeitsmaschine verfahrbar
zu machen. Ebenso können auch eine gesamte Radachse oder auch mehrere Radachsen antreibbar
sein. Auch ist es möglich, dass das Fahrwerk einen Kettenantrieb aufweist, der entsprechend
durch den Antriebsmotor angetrieben wird.
[0028] Der elektrische Energiespeicher kann von dem Fahrzeugrahmen getragen werden. Insbesondere
kann es sich dabei um einen Akku handeln, der im hinteren Teil des Fahrzeugrahmens,
bezüglich der Längsachse des Fahrzeugs gegenüberliegend zur Werkzeughaltevorrichtung
angeordnet ist und auf diese Weise ein stabilisierendes Gegengewicht zu der Werkzeughaltevorrichtung
und dem daran befestigten Anbauwerkzeug bilden.
[0029] Die Werkzeughaltevorrichtung kann ausgebildet sein zum lösbaren Ankoppeln der mechanischen
Kopplungsvorrichtung des Anbauwerkzeugs und damit zum lösbaren Ankoppeln des Anbauwerkzeugs
an die Arbeitsmaschine. Durch die Lösbarkeit des Kopplungsvorgangs ist es möglich,
dass die Arbeitsmaschine mit verschiedenen Werkzeugen ausgestattet wird, von denen
das erfindungsgemäße Anbauwerkzeug zur Bodenverdichtung lediglich eine Alternative
darstellt.
[0030] Es kann eine trennbare elektrische Leistungsschnittstelle vorgesehen sein zum lösbaren
Verbinden des Elektroantriebs des Anbauwerkzeugs mit dem elektrischen Energiespeicher
der Arbeitsmaschine. Die Leistungsschnittstelle kann dementsprechend Komponenten aufweisen,
die an dem Anbauwerkzeug vorhanden sind, sowie Komponenten, die an der Arbeitsmaschine
vorhanden sind.
[0031] Bei einer Trennung der Leistungsschnittstelle können damit das Anbauwerkzeug und
die Arbeitsmaschine vollständig unabhängig voneinander bewegt werden, indem die jeweiligen
Komponenten an dem Anbauwerkzeug und der Arbeitsmaschine verbleiben. Nur im verbundenen
Zustand ist die Leistungsschnittstelle geschlossen und ermöglicht die gewünschte Stromübertragung.
[0032] Dabei kann es zweckmäßig sein, wenn die Leistungsschnittstelle im Bereich der Werkzeughaltevorrichtung
vorgesehen ist bzw. in der Nähe der Werkzeughaltevorrichtung, um bei einem Ankoppeln
des Anbauwerkzeugs auch die elektrische Verbindung herstellen zu können.
[0033] Der Antriebsmotor der Arbeitsmaschine kann bei einer Variante ein Elektromotor sein,
wobei der Elektromotor durch den elektrischen Energiespeicher der Arbeitsmaschine
mit elektrischer Energie versorgt wird. In diesem Fall ist eine vollständige elektrische
Versorgung der Arbeitsmaschine und des Anbauwerkzeugs möglich.
[0034] Es kann eine Bedieneinrichtung vorgesehen sein, zum Vorgeben von Parametern für den
Elektroantrieb und damit für den von dem Elektroantrieb angetriebenen Unwuchterreger
durch einen Bediener. Der Bediener hat die Möglichkeit, über eine geeignet gestaltete
Bedieneinrichtung, zum Beispiel mit Hebeln, Tasten und Anzeigen bzw. einem berührungsempfindlichen
Display, den Unwuchterreger in einer gewünschten Weise ein- und auszuschalten oder
auch die Vibrationsparameter des Unwuchterregers, insbesondere die Drehfrequenz des
Elektroantriebs, zu verändern.
[0035] Die Bedieneinrichtung kann in einem auf dem Fahrzeugrahmen angeordneten Führerstand
angeordnet sein. Damit ist es für den sich in dem Führerstand aufhaltenden und die
Arbeitsmaschine verfahrenden Bediener sehr bequem, unmittelbar auch den Unwuchterreger
auf dem Anbauwerkzeug ansteuern zu können. Die Signalübertragung kann kabelgebunden
oder kabellos (z.B. per Funk, wie z.B. Bluetooth) erfolgen.
[0036] Es kann eine Steuereinrichtung vorgesehen sein, zum Ansteuern des Elektroantriebs
und damit zum Ansteuern des Unwuchterregers, wobei die Steuereinrichtung durch die
Bedieneinrichtung ansteuerbar sein kann. Die Steuereinrichtung kann dementsprechend
an der Arbeitsmaschine oder am Anbauwerkzeug angeordnet sein. Sie dient zum Empfang
der Steuerbefehle von der Bedieneinrichtung und zum maschinentauglichen Ansteuern
des Elektroantriebs bzw. Elektromotors an dem Unwuchterreger.
[0037] Bei einem erfindungsgemäßen mobilen Bodenverdichtungssystem kann das Anbauwerkzeug
durch die Arbeitsmaschine über den zu verdichtenden Boden geschoben und bewegt werden.
Das Anbauwerkzeug ist neben der mechanischen Kopplung über eine trennbare Schnittstelle
mit der Arbeitsmaschine verbunden, wobei die trennbare Schnittstelle eine elektrische
Leistungsschnittstelle und/oder eine Signalschnittstelle aufweisen kann.
[0038] Der in der Arbeitsmaschine vorhandene elektrische Energiespeicher kann eine Schutzeinrichtung
für Überstrom und Kurzschluss aufweisen. Eine Steuereinrichtung, z.B. in Form eines
Steuergeräts, kann werkzeug- und/oder maschinenseitig vorgesehen sein.
[0039] Das elektrisch angetriebene mobile Bodenverdichtungssystem erlaubt eine hohe Energieeinsparung
im Vergleich zu konventionellen Systemen, insbesondere im Vergleich zu Systemen mit
hydraulisch angetriebenen Unwuchterregern. Zudem erlaubt der elektromotorische Antrieb
des Unwuchterregers eine bessere Steuerbarkeit und einfachere und sauberere Verbindungen,
bei denen keine Schadstoffe (Hydrauliköl) durch Leckage austreten können.
[0040] Diese und weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung werden nachfolgend anhand eines
Beispiels unter Zuhilfenahme der Figur näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- in schematischer Seitenansicht ein erfindungsgemäßes mobiles Bodenverdichtungssystem;
- Fig. 2
- in Perspektivansicht eine Erregereinheit eines Unwuchterregers für das Bodenverdichtungssystem;
und
- Fig. 3
- einen Vertikalschnitt durch die Erregereinheit von Fig. 2.
[0041] Das mobile Bodenverdichtungssystem weist eine mobile Arbeitsmaschine 1 und ein von
der Arbeitsmaschine 1 getragenes Anbauwerkzeug 2 auf.
[0042] Bei der Arbeitsmaschine 1 kann es sich z.B. um einen Radlader (wie in Fig. 1 gezeigt),
einen Teleskoplader oder auch um einen Bagger handeln. Der Radlader kann eine lenkbare
Radachse aufweisen. Es kann sich bei dem Radlader auch um einen Lader mit Knicklenkung
handeln. Der Bagger kann auf Rädern oder auch auf einem Kettenfahrwerk verfahrbar
sein.
[0043] Die Arbeitsmaschine 1 weist einen Fahrzeugrahmen 3 auf, der von einem Fahrwerk 4
getragen wird. Das Fahrwerk 4 weist zwei Radachsen 5 auf, die jeweils Räder 6 tragen,
von denen wenigstens ein Rad 6 antreibbar ist, um das Fahrwerk 4 und damit die Arbeitsmaschine
1 zu verfahren. Die Geländegängigkeit der Arbeitsmaschine 1 wird erhöht, indem auch
mehrere Räder 6 oder gegebenenfalls alle Räder 6 angetrieben werden.
[0044] Auf dem Fahrzeugrahmen 3 ist eine Fahrerkabine 7 aufgebaut, die einen Führerstand
8 schützend umschließt.
[0045] Zum Antrieb der Arbeitsmaschine 1 ist ein im Fahrzeugrahmen 3 angeordneter, nicht
dargestellter Antriebsmotor vorgesehen. Der Antriebsmotor kann ein Verbrennungsmotor
oder ein Elektromotor sein.
[0046] Von dem Fahrzeugrahmen 3 wird weiterhin ein elektrischer Energiespeicher 10 getragen,
z.B. eine Batterie oder ein Akku. Zum Schutz des elektrischen Energiespeichers gegen
Überstrom und Kurzschluss ist eine Schutzeinrichtung 11 vorgesehen. Der Energiespeicher
10 kann zur elektrischen Energieversorgung des später noch im Detail erläuterten Anbauwerkzeugs
2 dienen. Ebenso kann der elektrische Energiespeicher 10 die Energie für den Antriebsmotor
der Arbeitsmaschine 1 bereitstellen, wenn dieser als Elektromotor ausgebildet ist.
[0047] Im vorderen Bereich der Arbeitsmaschine 1 ist eine Hubvorrichtung 12 in bekannter
Weise vorgesehen. Die Hubvorrichtung 12 kann in vielfältiger Weise ausgestaltet sein
und weist an ihrem vorderen Ende eine Werkzeughaltevorrichtung 13 auf.
[0048] Insbesondere kann die Hubvorrichtung 12 Hydraulikzylinder, elektrische oder pneumatische
Stellglieder, Linearantriebe, Streben und Gelenke aufweisen, um die gewünschte Beweglichkeit
der Hubvorrichtung 12 zu erreichen, damit ein an der Werkzeughaltevorrichtung 13 befestigtes
Werkzeug in einer betriebsgemäß vorgesehenen Weise bewegt und geführt werden kann.
[0049] An der Werkzeughaltevorrichtung 13 ist das Anbauwerkzeug 2 gehalten. Zu diesem Zweck
weist das Anbauwerkzeug 2 eine als mechanische Kopplungsvorrichtung dienende mechanische
Schnittstelle 14 auf, die an die Werkzeughaltevorrichtung 13 ankoppelbar ist.
[0050] Bei dem Anbauwerkzeug 2 handelt es sich um einen elektrisch angetriebenen Plattenverdichter
zur Bodenverdichtung.
[0051] Das Anbauwerkzeug 2 weist eine Obermasse 15 und eine Untermasse 16 auf. Die Untermasse
16 ist relativ zu der Obermasse 15 beweglich gehalten und durch Schwingungsentkopplungselemente
17, z.B. Gummipuffer, mit der Obermasse 15 verbunden.
[0052] Auf der Untermasse 16 ist ein Unwuchterreger 18 mit zwei gegenläufig drehbar gelagerten
Unwuchtwellen angeordnet. Der Unwuchterreger ist auf einer ebenfalls zur Untermasse
16 gehörenden Bodenkontaktplatte 19 angebracht. Bei Betrieb des Unwuchterregers 18
werden in bekannter Weise durch die Fliehkräfte der Unwuchtwellen bewirkte Vibrationskräfte
erzeugt, die in die Bodenkontaktplatte 19 und damit in den zu verdichtenden Boden
eingeleitet werden können.
[0053] Zum Antrieb des Unwuchterregers 18, insbesondere zum drehenden Antrieb der gegenläufig
drehenden Unwuchtwellen, ist wenigstens ein nicht dargestellter Elektromotor vorgesehen.
Ebenso ist es auch möglich, beide Unwuchtwellen 18 separat voneinander durch eigene
Elektromotoren anzutreiben. Zudem kann auch ein Unwuchterreger 18 mit nur einer Unwuchtwelle
oder auch mit mehr als zwei Unwuchtwellen eingesetzt werden. Zum Beispiel ist es möglich,
bei einem großen Plattenverdichter vier Unwuchtwellen parallel zueinander anzuordnen
und zu betreiben.
[0054] Der Elektromotor für den Unwuchterreger 18 kann direkt an den Unwuchtwellen sitzen
bzw. diese direkt antreiben. Ebenso ist es möglich, den Elektromotor an der Obermasse
15 anzuordnen und das Drehmoment des Elektromotors über einen Riemenantrieb auf den
Unwuchterreger 18 zu übertragen.
[0055] Die Obermasse 15 ist über eine Schwinge bzw. einen Ausleger 14a mit der mechanischen
Schnittstelle 14 gekoppelt, so dass das Anbauwerkzeug 2 an seiner Obermasse 15 an
der Werkzeughaltevorrichtung 13 befestigt ist.
[0056] Es ist eine elektrische Leitung 20 vorgesehen, zum Übertragen von elektrischem Strom
von dem elektrischen Energiespeicher 10 der Arbeitsmaschine 1 zu dem Elektromotor
im Anbauwerkzeug 2. Die elektrische Leitung 20 ist an einer elektrischen Leistungsschnittstelle
21 trennbar. Dadurch ist es möglich, das Anbauwerkzeug 2 von der Arbeitsmaschine 1
nicht nur mechanisch durch Trennung der mechanischen Schnittstelle 14 von der Werkzeughaltevorrichtung
13, sondern auch elektrisch durch Trennen der elektrischen Leistungsschnittstelle
21 zu lösen.
[0057] Weiterhin kann eine Signalleitung 22 vorgesehen sein, zum Übertragen von Steuerbefehlen
zu dem Anbauwerkzeug 2, insbesondere zu dessen Elektromotor, sowie zur Rückmeldung
von Signalen von dem Anbauwerkzeug 2, z.B. von dem Unwuchterreger 18. Dazu können
an dem Anbauwerkzeug 2 entsprechende Sensoren oder Messaufnehmer vorgesehen sein.
[0058] Die Signalleitung 22 kann zu einer in der Fahrerkabine 7 angeordneten Bedieneinrichtung
23 geführt sein, über die der Bediener das Anbauwerkzeug 2, insbesondere den dort
vorgesehenen Elektromotor und den Unwuchterreger 18 ansteuern kann. Ebenso können
dem Bediener über die Bedieneinrichtung 23 Informationen zu dem Anbauwerkzeug 2 übermittelt
werden.
[0059] Auch die Signalleitung 22 kann trennbar sein, um eine Abkopplung des Anbauwerkzeugs
2 zu ermöglichen. Dazu kann die elektrische Leistungsschnittstelle 21 auch als Signalschnittstelle
24 ausgebildet sein. Insbesondere können die elektrische Leistungsschnittstelle 21
und die Signalschnittstelle 24 auch in einer gemeinsamen physischen Einheit vorgesehen
sein und z.B. die gleichen Gehäuse (beispielsweise mit Stecker und Steckdose) nutzen.
[0060] Anstelle der kabelgebundenen Signalleitung 22 und der Signalschnittstelle 24 ist
es auch möglich, eine kabellose Verbindung, insbesondere eine Funkverbindung wie z.B.
Bluetooth, vorzusehen.
[0061] Die entsprechenden Steuergeräte oder auch Leitungsanschlüsse können an der Obermasse
15 an einer Anschlusseinrichtung 25 vorgesehen sein.
[0062] Werkzeug- oder maschinenseitig kann ein Steuergerät 26 vorgesehen sein, mit dem die
Befehle von der Bedieneinrichtung 23 in geeigneter Weise für den Antriebsmotor der
Arbeitsmaschine 1 oder für den Elektromotor des Anbauwerkzeugs 2 umgeformt bzw. übertragen
werden können.
[0063] Bei einer Variante kann der Unwuchterreger 18 z.B. zwei in Fig. 2 gezeigte Einheiten
18a aufweisen, die ähnlich wie ein Außenrüttler aufgebaut sind und auf dem Anbauwerkzeug
2 zum Einsatz kommen können. Die Anzahl der Einheiten 18a kann je nach Anwendungszweck
oder Dimensionierung des Anbauwerkzeugs 2 variiert werden.
[0064] Die Figuren 2 und 3 zeigen ein Beispiel für eine Einheit 18a (Erregereinheit) eines
derartigen Unwuchterregers 18.
[0065] Die Einheit 18a weist ein Gehäuse 30 auf, das mithilfe von Schraubverbindungen 31
auf der Bodenkontaktplatte 19 befestigt werden kann, um auf diese Weise die von dem
Unwuchterreger 18 erzeugten Schwingungen wirksam zur Bodenverdichtung durch die Bodenkontaktplatte
19 nutzen zu können.
[0066] Wie Fig. 3 zeigt, ist im Inneren des Gehäuses 30 eine Unwuchtwelle 32 angeordnet,
die durch Lager 33 im Gehäuse 30 drehbar gelagert ist.
[0067] Zwischen den beiden Lagern 33 ist ein Elektromotor 34 angeordnet. Der Elektromotor
34 weist einen Rotor 35 und einen Stator 36 auf. Der Rotor 35 ist in geeigneter Weise
auf der Unwuchtwelle 32 befestigt, zum Beispiel durch Aufpressen. Somit stellt die
Unwuchtwelle 32 auch gleichzeitig die Motorwelle des Elektromotors 34 dar. Der Stator
36 ist in das Innere des Gehäuses 30 eingepresst. Auf diese Weise kann in sehr einfacher
Weise im Inneren des Gehäuses 30 der Elektromotor 34 mit der Unwuchtwelle 32 eingebaut
werden.
[0068] An den Enden der Unwuchtwelle 32 sind jeweils Teilunwuchtmassen 37 angeordnet. Die
Teilunwuchtmassen 37 können in ihrer Gesamtwirkung der Unwuchtwirkung einer einzelnen
Unwuchtmasse entsprechen.
1. Anbauwerkzeug (2) zum Befestigen an einer Arbeitsmaschine (1), mit
- einer Bodenkontaktplatte (19) zum Verdichten eines Bodens;
- einem die Bodenkontaktplatte (19) mit Unwuchtkräften beaufschlagenden Unwuchterreger
(18);
- einem Elektroantrieb zum Antreiben des Unwuchterregers (18);
- einer mechanischen Kopplungsvorrichtung (14) zum Ankoppeln des Anbauwerkzeugs an
die Arbeitsmaschine (1); und mit
- einer elektrischen Leistungsschnittstelle (21) zum Ankoppeln an eine elektrische
Energieversorgung.
2. Anbauwerkzeug (2) nach Anspruch 1, wobei eine Signalschnittstelle (24) vorgesehen
ist, zum Übertragen von Steuerdaten zwischen einer externen Bedieneinrichtung (23)
und dem Elektroantrieb.
3. Anbauwerkzeug (2) nach Anspruch 1 oder 2, wobei
- eine Obermasse (15) vorgesehen ist, an der wenigstens eine Komponente der mechanischen
Kopplungsvorrichtung (14) angeordnet ist;
- der Unwuchterreger (18) mit der Bodenkontaktplatte (19) eine Untermasse (16) bilden;
- die Untermasse (16) relativ zu der Obermasse (15) beweglich ist; und wobei
- zwischen der Untermasse (16) und der Obermasse (15) eine Schwingungsentkopplungseinrichtung
(17) angeordnet ist.
4. Mobiles Bodenverdichtungssystem, mit
- einer mobilen Arbeitsmaschine (1); und mit
- einem Anbauwerkzeug (2) nach einem der vorstehenden Ansprüche;
wobei die Arbeitsmaschine (1) aufweist
- einen Fahrzeugrahmen (3);
- ein den Fahrzeugrahmen (3) tragendes Fahrwerk (4) zum Verfahren des Fahrzeugrahmens
(3);
- einen Antriebsmotor zum Antreiben des Fahrwerks (4);
- einen elektrischen Energiespeicher (10); und
- eine an dem Fahrzeugrahmen (3) gehaltene Werkzeughaltevorrichtung (13); wobei
- das Anbauwerkzeug (2) an der Werkzeughaltevorrichtung (13) lösbar gehalten ist;
und wobei
- der Elektroantrieb des Anbauwerkzeugs (2) durch den elektrischen Energiespeicher
(10) mit elektrischer Energie versorgt wird.
5. Bodenverdichtungssystem nach Anspruch 4, wobei die Werkzeughaltevorrichtung (13) ausgebildet
ist zum lösbaren Ankoppeln der mechanischen Kopplungsvorrichtung (14) des Anbauwerkzeugs
(2) und damit zum lösbaren Ankoppeln des Anbauwerkzeugs (2) an die Arbeitsmaschine
(1).
6. Bodenverdichtungssystem nach Anspruch 4 oder 5, wobei eine trennbare elektrische Leistungsschnittstelle
(21) vorgesehen ist zum lösbaren Verbinden des Elektroantriebs des Anbauwerkzeugs
(2) mit dem elektrischen Energiespeicher (10) der Arbeitsmaschine (1).
7. Bodenverdichtungssystem nach einem der Ansprüche 4 bis 6, wobei
- der Antriebsmotor der Arbeitsmaschine (1) ein Elektromotor ist; und wobei
- der Elektromotor durch den elektrischen Energiespeicher (10) mit elektrischer Energie
versorgt wird.
8. Bodenverdichtungssystem nach einem der Ansprüche 4 bis 7, wobei eine Bedieneinrichtung
(23) vorgesehen ist zum Vorgeben von Parametern für den Elektroantrieb und damit für
den Unwuchterreger (18) durch einen Bediener.
9. Bodenverdichtungssystem nach Anspruch 8, wobei die Bedieneinrichtung (23) in einem
auf dem Fahrzeugrahmen (3) angeordneten Führerstand (8) angeordnet ist.
10. Bodenverdichtungssystem nach einem der Ansprüche 8 oder 9, wobei
- eine Steuereinrichtung (26) vorgesehen ist, zum Ansteuern des Elektroantriebs und
damit zum Ansteuern des Unwuchterregers (18); und wobei
- die Steuereinrichtung (26) durch die Bedieneinrichtung (23) ansteuerbar ist.