[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Wiedergewinnung von Rohstoffen
(d. h. von Polyolen und optional zusätzlich Aminen) aus Polyurethanschäumen umfassend
eine Chemolyse. Die Chemolyse zeichnet sich dadurch aus, dass ein Polyurethanschaum
mit einem Alkohol und Wasser in Gegenwart eines Katalysators bei einer Temperatur
im Bereich von 130 °C bis 195 °C umgesetzt wird, wobei das Massenverhältnis von (insgesamt
eingesetztem) Alkohol und (insgesamt eingesetztem) Wasser einerseits zu dem Polyurethanschaum
andererseits [also m(Alkohol + Wasser)/m(Polyurethanschaum), mit "m" = Masse] im Bereich
von 0,5 bis 2,5 liegt und wobei die Masse des Wassers 4,0 % bis 10 % der Masse des
Alkohols beträgt. Der Katalysator umfasst ein Metallsalz ausgewählt aus einem Carbonat,
einem Hydrogencarbonat, einem Orthophosphat, einem Mono-Hydrogen-Orthophosphat, einem
Metaphosphat oder einer Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Metallsalze.
Dabei können zunächst auch nur der Alkohol und der Katalysator mit dem Polyurethanschaum
vermischt werden, während das Wasser erst nach erfolgter Auflösung des Polyurethanschaumes
sukzessive zudosiert wird. Es ist auch möglich, zu Beginn der Chemolyse zusammen mit
dem Alkohol und dem Katalysator einen Teil des Wassers zuzugeben und die verbleibende
Menge Wasser nach erfolgter Auflösung des Polyurethanschaumes sukzessive zuzudosieren.
[0002] Polyurethanschäume finden vielfältige Anwendungen in der Industrie und im Alltag.
Üblicherweise wird zwischen Polyurethanschaumen und sog. "CASE"-Produkten unterschieden,
wobei "CASE" ein Sammelbegriff für Polyurethan-Beschichtungen (z. B. Lacke),
-Klebstoffe, -Dichtstoffe und
-Elastomere ist. Die Polyurethanschäume werden üblicherweise in Hartschäume und Weichschäume
unterteilt. All diesen Produkten ist trotz ihrer Verschiedenheit die Polyurethangrundstruktur
gemeinsam, die durch die Polyadditionsreaktion eines mehrwertigen Isocyanats und eines
Polyols entsteht und sich beispielsweise für ein Polyurethan, das auf einem Diisocyanat
O=C=N-R-N=C=O und einem Diol H-O-R`-O-H basiert (wobei R und R` organische Reste bezeichnen) als
~~~[O-R'-O-
(O=C)-H
N-R-NH
-(C=O)]~~~
darstellen lässt.
[0003] Gerade wegen des großen wirtschaftlichen Erfolges der Polyurethanprodukte fallen
auch große Mengen an Polyurethanabfall (z. B. aus alten Matratzen oder Sitzmöbeln)
an, der einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden muss. Die technisch am einfachsten
umzusetzende Art der Wiederverwendung ist die Verbrennung unter Nutzung der freiwerdenden
Verbrennungswärme für andere Prozesse, beispielweise industrielle Herstellprozesse.
Auf diese Weise ist jedoch eine Schließung der Rohstoffkreisläufe nicht möglich. Eine
andere Art der Wiederverwendung ist das sog.
"physikalische Recycling", bei welchem Polyurethanabfälle mechanisch zerkleinert und in der Herstellung
neuer Produkte eingesetzt werden. Dieser Art des Recyclings sind naturgemäß Grenzen
gesetzt, weshalb es nicht an Versuchen gefehlt hat, die der Polyurethanproduktion
zugrunde liegenden Rohstoffe durch Rückspaltung der Polyurethanbindungen wiederzugewinnen (sog.
"chemisches Recycling"). Die zurückzugewinnenden Rohstoffe umfassen dabei in erster Linie Polyole
(im obigen Beispiel also H-O-R'-O-H). Daneben können durch hydrolytische Spaltung
der Urethanbindung auch Amine gewonnen werden (im obigen Beispiel also H
2N-R-NH
2), die sich nach Aufarbeitung zu Isocyanaten (im obigen Beispiel zu O=C=N-R-N=C=O)
phosgenieren lassen.
[0004] Verschiedene Ansätze des chemischen Recyclings wurden in der Vergangenheit entwickelt.
Die drei wichtigsten werden im Folgenden kurz zusammengefasst:
- 1. Hydrolyse von Urethanen durch Umsetzung mit Wasser unter Gewinnung von Aminen und Polyolen
unter Bildung von Kohlenstoffdioxid.
- 2. Glykolyse von Urethanen durch Umsetzung mit Alkoholen, wobei die Polyole, die in den Urethangruppen
eingebaut sind, durch den eingesetzten Alkohol ersetzt und auf diese Weise freigesetzt
werden. Dieser Vorgang wird in der Literatur meist als Umesterung bezeichnet (genauer: Umurethanisierung). Diese Art des chemischen Recyclings wird unabhängig von der genauen Art des eingesetzten
Alkohols in der Literatur üblicherweise als Glykolyse bezeichnet, obwohl dieser Begriff eigentlich nur für Glykol zutreffend ist. Im Zusammenhang
mit der vorliegenden Erfindung wird daher allgemein von Alkoholyse gesprochen. An eine Glykolyse kann sich eine Hydrolyse anschließen. Wird die Hydrolyse
in Gegenwart des noch unveränderten Glykolysegemisches durchgeführt, spricht man von
einer
- 3. Hydroglykolyse von Urethanbindungen durch Umsetzung mit Alkoholen und Wasser. Es ist natürlich ebenfalls möglich, Alkohol und Wasser von Anfang an zuzugeben,
wobei die oben beschriebenen Vorgänge der Glykolyse und Hydrolyse parallel ablaufen.
[0005] Eine Zusammenfassung der bekannten Verfahren des Polyurethanrecyclings bietet der
Übersichtsartikel von Simón, Borreguero, Lucas und Rodríguez in
Waste Management 2018, 76, 147 - 171 [1]. Als besonders bedeutsam wird dort die Glykolyse (Nr. 2 oben) herausgestellt.
Bei der Glykolyse wird zwischen "zweiphasigen" und "einphasigen" Prozessführungen
unterschieden, je nachdem, ob sich das erhaltene rohe Verfahrensprodukt der Umsetzung
mit dem Alkohol in zwei Phasen trennt oder nicht. Ob dies der Fall ist, hängt insbesondere
von der Wahl des eingesetzten Alkohols und den Verfahrensbedingungen ab (insbesondere
Anteil des eingesetzten Alkohols an der Reaktionsmischung sowie auch Temperatur).
In dem genannten Übersichtsartikel wird die zweiphasige Verfahrensführung unter Anwendung
rohen Glycerins (etwa Abfälle aus der Herstellung von Biodiesel) favorisiert, da sie
das höchste Potenzial habe, mit geringen Produktionskosten qualitativ hochwertige
Produkte zurückzugewinnen (wobei der Fokus klar auf der Wiedergewinnung der Polyole
liegt).
[0006] Infolge des zusätzlichen Einsatzes von Wasser ist das Verfahrensprodukt von Hydroglykolysen
(Nr. 3 oben) stets zweiphasig. Braslaw und Gerlock beschreiben in
Ind. Eng. Chem. Process Des. Dev. 1984, 23, 552 - 557 [2] die Aufarbeitung eines solchen Verfahrensproduktes umfassend die Abtrennung des
Wassers (durch Phasentrennung im Labormaßstab oder Verdampfung im für großtechnische
Anwendungen vorgeschlagenen sog.
"Ford-Hydroglykolyse-Prozess") und Extraktion der verbleibenden organischen Phase mit Hexadecan unter Ausbildung
einer Alkoholphase, aus welcher Amin gewonnen werden kann, und einer Hexadecan-Phase,
aus welcher Polyol gewonnen werden kann. Obwohl die Möglichkeit der Wiedergewinnung
von Amin erwähnt wird, liegt auch in diesem Artikel der Schwerpunkt auf der Rückgewinnung
von Polyolen.
[0007] Ein Patent auf einen nach diesen Prinzipien arbeitenden Prozess wurde unter der Nummer
US 4,336,406 erteilt. Dort wird ein Verfahren zur Rückgewinnung von Polyetherpolyol aus einem
Polyurethan beschrieben, welches darin besteht, dass man stufenweise:
- (a) durch Auflösung dieses Polyurethans in einem gesättigten Alkohol mit einem Siedepunkt
von 225 °C bis 280 °C bei einer Temperatur von 185 °C bis 220 °C unter einer nichtoxydierenden
Atmosphäre eine Lösung bildet;
- (b) diese Lösung unter dieser nichtoxydierenden Atmosphäre in Gegenwart eines Alkalihydroxyd-Katalysators
mit Wasser für die erforderliche Zeit reagieren lässt, um die hydrolysierbaren Auflösungsprodukte
weitgehend zu Aminen und Alkohol zu hydrolysieren, während man diese Lösung bei einer
Temperatur von 175 °C bis 220 °C hält, wobei dieser Alkalihydroxyd-Katalysator der
Lösung in einer Menge von mindestens 0,1 Massen-%, bezogen auf die Masse dieses Polyurethanschaums,
zugesetzt wird;
- (c) das nach der Hydrolyse verbleibende Wasser aus dieser Lösung unter einer nichtoxydierenden
Atmosphäre entfernt;
- (d) dieses Polyol unter einer nichtoxydierenden Atmosphäre mit einem Alkan, das mit
diesem Alkohol im Wesentlichen nicht mischbar ist und einen Siedepunkt von 230 °C
bis 300 °C aufweist (insbesondere Hexadecan), aus der hydrolysierten Lösung extrahiert;
und
- (e) das extrahierte Polyol einer Vakuumreinigung bei einer Temperatur unterhalb 230
°C unterzieht.
[0008] In Schritt (a) erfolgt eine Reaktion des Polyurethans mit den Alkoholgruppen des
gesättigten Alkohols unter Bildung von Polyolen, Harnstoffen und Carbamaten (siehe
Spalte 3, Zeilen 42 bis 46).
[0009] In Schritt (b) wird zu der in Schritt (a) erhaltenen Lösung Wasser und Alkalihydroxyd-Katalysator
gegeben, entweder getrennt oder in Form einer wässrigen Katalysatorlösung, wodurch
Carbamate und Harnstoffe zu Aminen und Alkohol zersetzt werden. Die Schritte (a) und
(b) sind in ihrer Gesamtheit als Hydroglykolyse (genauer: Hydroalkoholyse) mit zeitversetzter
Zugabe von Alkohol und Wasser aufzufassen. Wasser wird in einer solchen Menge zugegeben,
dass die Lösung bei Temperaturen zwischen 175 °C und 200 °C siedet. Im Fall von Diethylenglykol
als Alkohol wird das Wasser in einer Menge zwischen 2,4 % und 0,6 %, vorzugsweise
1,1 %, der Masse des eingesetzten Diethylenglykols zugegeben (siehe Spalte 4, Zeilen
39 bis 46). In der Hydrolyse verbrauchtes Wasser wird durch Zugabe weiteren Wassers
ersetzt, um den Wassergehalt konstant zu halten. Nach erfolgter Hydrolyse muss das
verwendete Wasser in Schritt (c) entfernt werden (Spalte 5, Zeilen 31 bis 33), bevor
die Extraktion in Schritt (e) erfolgen kann.
[0010] US 5,714,523 beschreibt ein Verfahren zur Alkoholyse und Hydrolyse eines Polyurethanweichschaumstoffs,
indem ein Polyurethanweichschaumstoff mit einem alkoholysierenden Polyol in Kontakt
gebracht wird, der Schaumstoff und das Polyol in Gegenwart eines die Alkoholyse und
Hydrolyse des Schaumstoffs verstärkenden Katalysators in einer Menge von 0,001 bis
0,25 Gew.-%, basierend auf dem Gewicht des Schaumstoffs, umgesetzt werden, dann eine
Trennung der Mischung in eine obere Phase und eine untere Phase erfolgt und diese
Phasen in separaten Behältern gesammelt werden, wobei durch Wasserzugabe hydrolysiert
wird und die Mischung mit dem Wasser umgesetzt wird, nachdem der Schaumstoff mit dem
Polyol kombiniert wurde und bevor eine Trennung der Mischung erfolgt ist.
[0011] EP 0 835 901 A2 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung recycelter Polyole, das die folgenden Schritte
umfasst: (1) Pulverisieren von Polyurethanschaum-Abfällen; (2) Einbringen einer Mischung
aus 100 Gewichtsteilen des pulverisierten Polyurethanschaum-Abfalls, 15 bis 100 Gewichtsteilen
Glykol und 0,01 bis 10 Gewichtsteilen eines Katalysators in einen mit einer Kühleinrichtung
ausgestatteten Reaktionsbehälter; und (3) Reagierenlassen der Mischung unter einer
Stickstoffatmosphäre bei einer Temperatur von 120 bis 300 °C für 0,5 bis 15 Stunden,
um recyceltes Polyol zu erhalten, wobei der Katalysator ausgewählt ist aus LewisSäuren
wie Zinkchlorid, Eisenchlorid, Aluminiumchlorid oder Quecksilberchlorid, Carbonsäuren
wie Essig-, Ameisen-, Propion-, Butter- oder Benzoesäure, anorganischen Acetaten wie
Magnesiumacetat, Bleiacetat, Calciumacetat, Kaliumacetat, Zinkacetat, Natriumacetat
oder Phosphoracetat, und Alkalimetallsalzen wie Natriumcarbonat, Natriumbicarbonat,
Calciumhydroxid, Kaliumhydroxid oder Natriumhydroxid.
[0012] Nur wenige der literaturbekannten Prozesse des chemischen Recyclings werden dauerhaft
im großtechnischen Maßstab betrieben; viele haben noch nicht einmal den Pilotierungsmaßstab
erreicht [1]. Angesichts des allgemein gestiegenen Umweltbewusstseins und verstärkter
Bestrebungen, industrielle Prozesse möglichst nachhaltig auszugestalten - was beides
grundsätzlich für ein chemisches Recycling spricht- zeigt dies augenscheinlich, dass
das chemische Recycling von Polyurethanprodukten unter technischen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten noch längst nicht ausgereift ist. Herausforderungen bestehen insbesondere
bezüglich der Reinheit der zurückgewonnenen Produkte. Polyole müssen möglichst ohne
Aminverunreinigungen zurückgewonnen werden, um etwa beim Wiedereinsatz in der Herstellung
von Polyurethanschäumen das Schaumbildungsverhalten nicht nachteilig zu beeinflussen.
Ist auch eine Wiedergewinnung von Aminen angestrebt, so müssen auch diese selbstredend
in möglichst hoher Reinheit gewonnen werden. Daneben enthalten die wiederzuverwertenden
Polyurethanprodukte meist noch diverse Hilfs- und Zusatzstoffe (Stabilisatoren, Katalysatoren
und dgl. mehr), die wirtschaftlich und umweltschonend von den eigentlichen Zielprodukten
des Recyclings abgetrennt und entsorgt werden müssen. Ferner muss ein wirtschaftlich
arbeitendes Recyclingverfahren sicherstellen, dass die eingesetzten Reagenzien (beispielsweise
eingesetzte Alkohole) möglichst vollständig zurückgewonnen und erneut eingesetzt (also
im Kreis geführt) werden können. Aufgrund der großen Volumina an Polyurethanabfällen,
die aus gebrauchten Polyurethanschaumstoffen anfallen (z. B. Matratzen, Sitzmöbel,
Fahrzeugsitze und dgl.) erhält das Recycling von Polyurethanschäumen eine besondere
Bedeutung.
[0013] Es bestand also ein Bedarf an weiteren Verbesserungen auf dem Gebiet des chemischen
Recyclings von Polyurethanschäumen. Insbesondere wäre es wünschenswert, Polyole und
vorzugsweise auch Amine in hoher Reinheit und effizient aus Polyurethanschäumen wiedergewinnen
zu können, und zwar insbesondere in einer Art und Weise, die einen großtechnischen
Einsatz wirtschaftlich erstrebenswert machen würde. Weiterhin wäre es wünschenswert,
einen unter wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten akzeptablen Auslass
für die in den Polyurethanprodukten vorhandenen Hilfs- und Zusatzstoffe zur Verfügung
zu haben.
[0014] Diesem Bedarf Rechnung tragend ist ein Gegenstand der vorliegenden Erfindung ein
Verfahren zur Wiedergewinnung von Rohstoffen (also von Polyolen und optional zusätzlich
Aminen) aus Polyurethanschäumen, umfassend die Schritte
- (A) [Vorbereitung der Chemolyse] Bereitstellen eines auf einer Isocyanatkomponente und einer Polyolkomponente basierenden
Polyurethanschaums;
- (B) [Durchführung der Chemolyse] Chemolyse des Polyurethanschaums mit einem Alkohol und Wasser in Gegenwart eines
Katalysators bei einer Temperatur im Bereich von 130 °C bis 195 °C, bevorzugt im Bereich
von 135 °C bis 190 °C, besonders bevorzugt im Bereich von 140 °C bis 190 °C und ganz
besonders bevorzugt im Bereich von 165 °C bis 185 °C, wobei
das Massenverhältnis von (insgesamt eingesetztem) Alkohol und (insgesamt eingesetztem)
Wasser einerseits zu dem Polyurethanschaum andererseits [also m(Alkohol + Wasser)/m(Polyurethanschaum),
wobei "m" für Masse steht] im Bereich von 0,5 bis 2,5 liegt und
die Masse des Wassers 4,0 % bis 10 % der Masse des Alkohols beträgt,
wobei ein erstes Produktgemisch erhalten wird, das
(mindestens) ein Amin, das zu einem Isocyanat der Isocyanatkomponente korrespondiert,
Polyole (nämlich die Polyole, welche die Polyolkomponente ausmachen und/oder Polyole,
die gegebenenfalls bei der Umsetzung mit dem Alkohol aus der ursprünglichen Polyolkomponente
gebildet werden),
(überstöchiometrisch eingesetzten und daher nicht vollständig umgesetzten) Alkohol
und
(überstöchiometrisch eingesetztes und daher nicht vollständig umgesetztes) Wasser
enthält;
wobei der Katalysator ein Metallsalz ausgewählt aus einem Carbonat, einem Hydrogencarbonat,
einem Orthophosphat, einem Mono-Hydrogen-Orthophosphat, einem Metaphosphat oder einer
Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Metallsalze umfasst (bevorzugt daraus
besteht);
- (C) [Trennung von Polyol und Amin] Aufarbeiten des ersten Produktgemisches unter Erhalt einer Polyolphase enthaltend
die Polyole und einer Aminphase enthaltend das Amin, Wasser und den Alkohol;
- (D) [Isolierung des Polyols] Gewinnen der Polyole aus der Polyolphase; und
- (E) [Isolierung des Amins] optional (und bevorzugt) Gewinnen des Amins aus der Aminphase.
[0015] Vollkommen überraschend wurde gefunden, dass sowohl die Umurethanisierung durch Reaktion
der Urethangruppen mit dem Alkohol sowie die anschließende
In situ-Hydrolyse der Carbamat-Intermediate durch deren Reaktion mit Wasser mit ein und demselben
der genannten Katalysatoren katalysiert werden kann. Die genannten Katalysatoren zeichnen
sich dadurch aus, dass diese durch das während der Reaktionen entstehende Kohlenstoffdioxid
nicht durch Carbonisierung deaktiviert werden und somit sowohl die Umurethanisierung
als auch die Hydrolyse katalysieren.
[0016] Polyurethanschäume im Sinne der vorliegenden Erfindung sind die Polyadditionsprodukte (bisweilen, wenn
auch nicht ganz korrekt, auch als Polykondensationsprodukte bezeichnet), die durch
Umsetzung von mehrwertigen
Isocyanaten (= Iscocyanatkomponente der Polyurethanherstellung) mit
Polyolen (= Polyolkomponente der Polyurethanherstellung) in Gegenwart eines Treibmittels entstehen.
Polyurethanschäume enthalten im Allgemeinen neben der oben skizzierten Polyurethangrundstruktur
noch andere Strukturen, zum Beispiel Strukturen mit Harnstoffbindungen. Das Vorliegen
derartiger von der reinen Polyurethangrundstruktur abweichender Strukturen neben Polyurethanstrukturen
verlässt den Rahmen der vorliegenden Erfindung nicht.
[0017] In der Terminologie der vorliegenden Erfindung umfasst der Begriff
Isocyanate alle dem Fachmann im Zusammenhang mit der Polyurethanchemie bekannten Isocyanate
wie insbesondere Toluylendiisocyanat (TDI; hergestellt aus Toluylendiamin, TDA), die
Di- und Polyisocyanate der Diphenylmethanreihe (MDI; hergestellt aus den Di- und Polyaminen
der Diphenylmethanreihe, MDA), 1,5-Pentandiisocyanat (PDI; hergestellt aus 1,5-Pentandiamin,
PDA), 1,6-Hexamethylen¬diisocyanat (HDI; hergestellt aus 1,6-Hexamethylendiamin, HDA),
Isophorondiisocyanat (IPDI; hergestellt aus Isophorondiamin, IPDA) und Xylylendiisocyanat
(XDI; hergestellt aus Xylylendiamin, XDA). Der Ausdruck
"ein Isocyanat" umfasst selbstverständlich auch Ausführungsformen, in denen zwei oder mehr unterschiedliche
Isocyanate (z. B. Gemische aus MDI und TDI) in der Herstellung des Polyurethanschaums
eingesetzt wurden, es sei denn, etwas anderes wird ausdrücklich zum Ausdruck gebracht,
etwa durch die Formulierung
"genau ein Isocyanat". Die Gesamtheit aller in der Herstellung des Polyurethanschaums eingesetzten Isocyanate
wird als
Isocyanatkomponente (des Polyurethanschaums) bezeichnet. Die Isocyanatkomponente umfasst mindestens ein
Isocyanat. Analog wird Gesamtheit aller in der Herstellung des Polyurethanschaums
eingesetzten Polyole als
Polyolkomponente (des Polyurethanschaums) bezeichnet. Die Polyolkomponente umfasst mindestens ein
Polyol.
[0018] In der Terminologie der vorliegenden Erfindung umfasst der Begriff
Polyole alle dem Fachmann im Zusammenhang mit der Polyurethanchemie bekannten Polyole wie
insbesondere Polyetherpolyole, Polyesterpolyole, Polyetherester-Polyole und Polyethercarbonatpolyole.
Der Ausdruck
"ein Polyol" umfasst selbstverständlich auch Ausführungsformen, in denen zwei oder mehr unterschiedliche
Polyole in der Herstellung des Polyurethanschaums eingesetzt wurden. Wird daher im
Folgenden beispielsweise von
"einem Polyetherpolyol" (oder
"einem Polyesterpolyol" usw.) gesprochen, so umfasst diese Terminologie selbstverständlich auch Ausführungsformen,
in denen zwei oder mehr verschiedene Polyetherpolyole (oder zwei oder mehr verschiedene
Polyesterpolyole usw.) in der Herstellung des Polyurethanschaums eingesetzt wurden.
[0019] Als
Carbamate werden in der Terminologie der vorliegenden Erfindung die durch die Reaktion mit
dem Alkohol
in Schritt (B) gebildeten Urethane bezeichnet.
[0020] Ein
zu einem Isocyanat korrespondierendes Amin bezeichnet dasjenige Amin, durch dessen Phosgenierung das Isocyanat gemäß
R-NH2 +
COCl2 -->
R-N=
C=
O +
2 HCl erhalten werden kann. Analog dazu bezeichnet eine
zu einem Amin korrespondierende Nitroverbindung diejenige Nitroverbindung, durch deren Reduktion gemäß
R-NO2 +
3 H2 -->
R-NH2 +
2 H2O das Amin erhalten werden kann.
[0021] Wasser und
Alkohol werden im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens
überstöchiometrisch eingesetzt. Dies bedeutet, dass Wasser in einer solchen Menge eingesetzt wird, die
theoretisch ausreicht, sämtliche Polyurethanbindungen unter Freisetzung von Kohlenstoffdioxid
zu Aminen und Polyolen zu hydrolysieren. In gleicher Weise bedeutet der überstöchiometrische
Einsatz von Alkohol, dass dieser in einer solchen Menge eingesetzt wird, die theoretisch
ausreicht, sämtliche Polyurethanbindungen unter Bildung von Carbamaten des Alkohols
und Polyolen umzusetzen. Bei Einsatz der erfindungsgemäß geforderten Massenanteile
von Wasser und Alkohol ist Beides regelmäßig der Fall.
[0022] Die Formulierung
"Chemolyse des Polyurethanschaums mit einem Alkohol und, Wasser und in Gegenwart eines
Katalysators" impliziert nicht notwendigerweise, dass gleich zu Beginn des Schrittes (B) alles
in Schritt (B) einzusetzende Wasser zugegeben werden muss. Vielmehr sind Ausführungsformen,
in denen zu Beginn des Schrittes (B) zunächst kein oder nur ein Teil des Wassers zugesetzt
wird, und das Wasser bzw. das restliche Wasser sukzessive während der Reaktionsdauer
zugegeben wird, von der Erfindung umfasst. In diesem Fall bezieht sich die Mengenangabe
von
4,0 %
bis 10 %,
bevorzugt 5,0 %
bis 7,0 %,
der Masse des Alkohols auf die Menge Wassers, die bis zum Ende der Reaktionsdauer des Schrittes (B) insgesamt
zugegeben wird. Grundsätzlich ist es auch vorstellbar, den Alkohol oder ein Alkohol-Wasser-Gemisch
sukzessive zuzugeben. In jedem Fall beziehen sich die Mengenangaben im Zusammenhang
mit Schritt (B) auf die bis zum Ende der Reaktionsdauer dieses Schrittes jeweils zugegebene
Gesamtmenge.
[0023] Die
quantitativen Angaben in Bezug auf Wasser in Schritt (B) beziehen sich auf das als Reagenz für die hydrolytische Carbamat-Spaltung
zugegebene Wasser. Im Vergleich dazu sind evtl.
ohnehin vorhandene Wassermengen aus Feuchtigkeit im eingesetzten Alkohol und/oder im eingesetzten
Polyurethanschaum gering. Mit Feuchtigkeit im eingesetzten Alkohol bzw. im eingesetzten
Polyurethanschaum sind Feuchtigkeitsspuren gemeint, wie sie im industriellen Maßstab
auftreten können. Es ist natürlich möglich, den Alkohol mit für die hydrolytische
Carbamat-Spaltung einzusetzendem Wasser vorzuvermischen oder den Polyurethanschaum
mit für die hydrolytische Carbamat-Spaltung einzusetzendem Wasser zu benetzen. Derartige
Ausführungsformen verlassen den Rahmen der Erfindung nicht, und derart zugesetztes
Wasser ist selbstverständlich bei den quantitativen Angaben von Schritt (B) zu berücksichtigen,
d. h. die erforderlichenfalls zusätzlich einzusetzende Wassermenge ist entsprechend
zu verringern. Wird der Katalysator als wässrige Lösung eingesetzt, so ist das als
Lösungsmittel eingesetzte Wasser ebenso bei den quantitativen Angaben von Schritt
(B) zu berücksichtigen, d. h. die erforderlichenfalls zusätzlich einzusetzende Wassermenge
ist entsprechend zu verringern.
[0024] Erfindungsgemäß erfolgt die
"Chemolyse des Polyurethanschaums mit einem Alkohol und Wasser in Gegenwart eines
Katalysators [..], wobei der Katalysator ein Metallsalz ausgewählt aus einem Carbonat,
einem Hydrogencarbonat, einem Orthophosphat, einem Mono-Hydrogen-Orthophosphat, einem
Metaphosphat oder einer Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Metallsalze umfasst
(bevorzugt daraus besteht)". Erfindungsgemäß wird also zu Beginn des Schritts (B) der Polyurethanschaum mit Alkohol
oder einem Alkohol-Wasser-Gemisch und mindestens einem der genannten Metallsalze unter
Erhalt einer Reaktionsmischung vermischt, welche anschließend bei Temperaturen in
den oben genannten Bereichen umgesetzt wird, erforderlichenfalls (sofern Wasser nicht
gleich im Schritt des Vermischens vollständig zugesetzt wird) unter Zugabe von Wasser.
[0025] Orthophosphate sind die Salze der Orthophosphorsäure, H
3PO
4, bei denen alle Protonen abgespalten wurden (= PO
43-).
Mono-Hydrogen-Orthophosphate sind die Salze der Orthophosphorsäure, bei denen zwei Protonen abgespalten wurden
(= HPO
42-).
Metaphosphate sind Kondensationsprodukte der Orthophosphorsäure mit der Summenformel [(PO
3)
-]
n, worin n eine natürliche Zahl (insbesondere 3 oder 4) bezeichnet.
[0026] Es folgt zunächst eine
Kurzzusammenfassung verschiedener möglicher
Ausführungsformen der Erfindung:
[0027] In einer
ersten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, umfasst
die Isocyanatkomponente ein Isocyanat ausgewählt aus Toluylendiisocyanat (TDI; hergestellt
aus Toluylendiamin, TDA), den Di- und Polyisocyanaten der Diphenylmethanreihe (MDI;
hergestellt aus den Di- und Polyaminen der Diphenylmethanreihe, MDA), 1,5-Pentandiisocyanat
(PDI; hergestellt aus 1,5-Pentandiamin, PDA), 1,6-Hexamethylen¬diisocyanat (HDI; hergestellt
aus 1,6-Hexamethylendiamin, HDA), Isophorondiisocyanat (IPDI; hergestellt aus Isophorondiamin,
IPDA), Xylylendiisocyanat (XDI; hergestellt aus Xylylendiamin, XDA) oder einer Mischung
von zwei oder mehr der vorgenannten Isocyanate.
[0028] In einer
zweiten Ausführungsform der Erfindung, die eine besondere Ausgestaltung der ersten Ausführungsform ist, umfasst
die Isocyanatkomponente Toluylendiisocyanat oder eine Mischung aus Toluylendiisocyanat
und den Di- und Polyisocyanaten der Diphenylmethanreihe.
[0029] In einer
dritten Ausführungsform der Erfindung, die eine besondere Ausgestaltung der zweiten Ausführungsform ist,
umfasst die Isocyanatkomponente Toluylendiisocyanat.
[0030] In einer
vierten Ausführungsform der Erfindung, die eine besondere Ausgestaltung der dritten Ausführungsform ist,
umfasst die Isocyanatkomponente neben Toluylendiisocyanat keine weiteren Isocyanate.
[0031] In einer
fünften Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, umfasst
die Polyolkomponente ein Polyetherpolyol, ein Polyesterpolyol, ein Polyetherester-Polyol,
ein Polyacrylatpolyol und/oder ein Polyethercarbonatpolyol. Bevorzugt enthält die
Polyolkomponente ein Polyetherpolyol. Besonders bevorzugt ist die Polyolkomponente
ein Polyetherpolyol (d. h. enthält keine weiteren von Polyetherpolyolen verschiedenen
Polyole; wobei jedoch eine Mischung von zwei oder mehr
unterschiedlichen Polyetherpolyolen umfasst ist und den Rahmen dieser Ausführungsform nicht verlässt).
[0032] In einer
sechsten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, umfasst
die Polyolkomponente ein Styrol-Acrylnitril-Copolymergefülltes Polyetherpolyol.
[0033] In einer
siebten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, ist
der Alkohol ausgewählt aus Methanol, Ethanol, Ethylenglykol, Diethylenglykol, Propylenglykol,
Dipropylenglykol, Methylglykol, Triethylenglykol, Glycerin, 2-Methyl-1,3-Propandiol
oder einer Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Alkohole.
[0034] In einer
achten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, ist
das Metallsalz ein Salz eines Alkalimetalls oder Erdalkalimetalls.
[0035] In einer
neunten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, umfasst
das Metallsalz ein Carbonat, ein Hydrogencarbonat, ein Mono-Hydrogen-Orthophosphat,
ein Orthophosphat oder eine Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Metallsalze.
[0036] In einer
zehnten Ausführungsform der Erfindung, die eine besondere Ausgestaltung der neunten Ausführungsform ist,
umfasst das Metallsalz nur eines der genannten Metallsalze und umfasst bevorzugt keine
weiteren Metallsalze.
[0037] In einer
elften Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, liegt
das Massenverhältnis von (insgesamt eingesetztem) Alkohol und (insgesamt eingesetztem)
Wasser einerseits zu Polyurethanschaum andererseits [m(Alkohol + Wasser)/m(Polyurethanschaum)]
im Bereich von 1,0 bis 1,3.
[0038] In einer
zwölften Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen, insbesondere mit der elften
Ausführungsform, kombiniert werden kann, beträgt die Masse des Wassers 5,0 % bis 7,0
% der Masse des Alkohols.
[0039] In einer
dreizehnten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, wird
die Umsetzung in Schritt (B) für eine Reaktionsdauer von 1,0 h bis 10 h, bevorzugt
1,5 h bis 7,5 h, besonders bevorzugt 2,0 h bis 6,0 h und ganz besonders bevorzugt
2,5 h bis 5,5 h durchgeführt.
[0040] In einer
vierzehnten Ausführungsform der Erfindung, die eine besondere Ausgestaltung der dreizehnten Ausführungsform ist,
werden in Schritt (B) zunächst nur der Alkohol und der Katalysator mit dem Polyurethanschaum
vermischt und das Wasser wird im weiteren Verlauf des Schritts (B) verteilt über die
Reaktionsdauer zugegeben, oder es werden in Schritt (B) zunächst der Alkohol, der
Katalysator und 2 % bis 4 % der in Schritt (B) insgesamt einzusetzenden Menge an Wasser
mit dem Polyurethanschaum vermischt, und die restliche Menge an Wasser wird im weiteren
Verlauf des Schritts (B) verteilt über die Reaktionsdauer zugegeben. Der Zeitraum,
über den das Wasser zudosiert wird, beträgt in beiden Alternativen insbesondere 1,0
Stunden bis 5,0 Stunden; die letzte Wasserzugabe erfolgt also vor dem Ende der zuvor
definierten Reaktionsdauer.
[0041] In einer
fünfzehnten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, wird
Schritt (B) bei einem Druck im Bereich von 900 mbar
(abs.) bis 1800 mbar
(abs.), insbesondere bei Umgebungsdruck, durchgeführt.
[0042] In einer
sechzehnten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, wird
der Katalysator so dosiert, dass seine Masse 0,1 % bis 3,5 % der Masse des in Schritt
(B) eingesetzten Polyurethanschaums entspricht.
[0043] In einer
siebzehnten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen, außer der im Folgenden aufgeführten
achtzehnten und neunzehnten Ausführungsform, kombiniert werden kann, umfasst Schritt
(C):
Phasentrennung des ersten Produktgemisches in die Polyolphase und in die Aminphase.
[0044] In einer
achtzehnten Ausführungsform der Erfindung, die eine Alternative zur siebzehnten und folgend genannten neunzehnten
Ausführungsform ist, ansonsten aber mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert
werden kann, umfasst Schritt (C):
Vermengen des ersten Produktgemisches mit einem organischen Lösungsmittel, das mit
dem in Schritt (B) eingesetzten Alkohol nicht vollständig mischbar ist, und Phasentrennung
in die Polyolphase und in die Aminphase.
[0045] In einer
neunzehnten Ausführungsform der Erfindung, die eine Alternative zur siebzehnten und achtzehnten Ausführungsform
ist, ansonsten aber mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, umfasst
Schritt (C):
(C.I) Vermischen des in Schritt (B) erhaltenen ersten Produktgemisches mit einem organischen
Lösungsmittel, das mit dem in Schritt (B) eingesetzten Alkohol mischbar ist, unter Erhalt eines zweiten Produktgemisches, und
(C.II) Waschen des in Schritt (C.I) erhaltenen zweiten Produktgemisches mit einer
wässrigen Waschflüssigkeit und Phasentrennung in die Aminphase und in die Polyolphase.
[0046] In einer
zwanzigsten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, umfasst
Schritt (D) eine Destillation und/oder Strippung mit einem Strippgas (wie insbesondere
Stickstoff oder Wasserdampf, bevorzugt Stickstoff).
[0047] In einer
einundzwanzigsten Ausführungsform der Erfindung, die mit allen anderen Ausführungsformen kombiniert werden kann, wird
Schritt (E) durchgeführt wird und umfasst eine destillative Abtrennung von Alkohol
und Wasser aus der Aminphase, gefolgt von einer destillativen Reinigung des nach der
destillativen Abtrennung verbleibenden Amins.
[0048] Die zuvor kurz geschilderten Ausführungsformen und weitere mögliche Ausgestaltungen
der Erfindung werden im Folgenden näher erläutert.
BEREITSTELLUNG DES POLYURETHANSCHAUMS ZUM CHEMISCHEN RECYCLING
[0049] In
Schritt (A) des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
als Vorbereitung der Chemolyse der chemisch zu recycelnde
Polyurethanschaum bereitgestellt.
[0050] Dabei kann es sich grundsätzlich um jede Art von Polyurethanschaum handeln, insbesondere
kommen sowohl Weichschäume als auch Hartschäume in Frage, wobei Weichschäume (beispielsweise
aus alten Matratzen, Polstermöbeln oder Autositzen) bevorzugt sind. Derartige Polyurethanschäume
werden üblicherweise unter Einsatz von Pentan, Fluorchlorkohlenwasserstoffen, Dichlormethan
und/oder Kohlenstoffdioxid als Treibgase hergestellt.
[0051] Weiterhin sind solche Polyurethanschäume bevorzugt, die hinsichtlich der
Isocyanatkomponente auf einem Isocyanat ausgewählt aus Toluylendiisocyanat (TDI), den Di- und Polyisocyanaten
der Diphenylmethanreihe (MDI), 1,5-Pentandiisocyanat (PDI), 1,6-Hexamethylendiisocyanat
(HDI), Isophorondiisocyanat (IPDI), Xylylendiisocyanat (XDI) oder Mischungen von zwei
oder mehr der vorgenannten Isocyanate basieren. Besonders bevorzugt sind Polyurethanschäume,
die hinsichtlich der Isocyanatkomponente auf einer Mischung aus TDI und MDI basieren.
Ganz besonders bevorzugt sind Polyurethanschäume, die hinsichtlich der Isocyanatkomponente
nur auf TDI basieren.
[0052] Im Hinblick auf die
Polvolkomponente sind solche Polyurethanschäume bevorzugt, die auf einem Polyol ausgewählt aus einem
Polyetherpolyol, einem Polyesterpolyol, einem Polyetherester-Polyol, einem Polyethercarbonatpolyol,
einem Polyacrylatpolyol oder einer Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Polyole
basieren. Bevorzugt enthält die Polyolkomponente ein Polyetherpolyol. Besonders bevorzugt
ist die Polyolkomponente ein Polyetherpolyol (d. h. enthält keine weiteren von Polyetherpolyolen
verschiedenen Polyole; wobei jedoch eine Mischung von zwei oder mehr
unterschiedlichen Polyetherpolyolen umfasst ist und den Rahmen dieser Ausführungsform nicht verlässt).
Bei dem Polyetherpolyol kann es sich auch um ein solches handeln, das mit einem Stryrol-Acrylnitril-Copolymer
(SAN-Copolymer) gefüllt ist. Es ist einer der Vorteile der Erfindung, dass sie auch
auf derartige Polyolkomponenten anwendbar ist. Die Herausforderung bei der Chemolyse
von Polyurethanschäumen, deren Polyolkomponente auf SAN-Copolymer-gefüllten Polyetherpolyolen
basiert, besteht darin, dass das SAN-Copolymer während der Chemolyse als feinteiliges
Polymerpartikel freigesetzt wird. Dies gilt unabhängig vom gewählten Chemolyseverfahren.
Das als feinteiliges polymeres Partikel in der Reaktionsmischung vorliegende SAN-Polymer
führt zu Problemen in der späteren Auftrennung durch z. B. extraktive Verfahren. Weiterhin
ist aufgrund der Feinteiligkeit der Polymerpartikel eine Filtration kaum möglich,
da der Filter schnell blockiert und eine weitere Abtrennung nicht mehr möglich ist.
Der Vorteil der erfindungsgemäßen Hydroalkoholyse liegt nun darin, dass das SAN-Polymer
nach dessen Freisetzung aus dem Polyetherpolyol teilweise durch den Hydrolyseschritt
in eine lösliche Form gebracht wird und dadurch die Aufarbeitung des Reaktionsgemisches
nach der Chemolyse durch eine Extraktion problemlos erfolgen kann.
[0053] Ganz besonders bevorzugt handelt es sich bei dem Polyurethanschaum um einen solchen
Schaum, dessen Isocyanatkomponente Toluylendiisocyanat (TDI) und Di- und Polyisocyanate
der Diphenylmethanreihe (MDI), insbesondere nur TDI, enthält, und dessen Polyolkomponente
ein Polyetherpolyol enthält (und insbesondere ein Polyetherpolyol
ist, d. h. keine weiteren von Polyetherpolyolen verschiedenen Polyole enthält, wobei jedoch
eine Mischung von zwei oder mehr
unterschiedlichen Polyetherpolyolen umfasst ist und den Rahmen dieser Ausführungsform nicht verlässt.)
[0054] Bevorzugt umfasst bereits Schritt (A) vorbereitende Schritte für die Spaltung der
Urethanbindungen in Schritt (B.II). Dabei handelt es sich insbesondere um ein mechanisches
Zerkleinern der Polyurethanschäume. Solche vorbereitenden Schritte sind dem Fachmann
bekannt; es sei beispielsweise auf die in [1] zitierte Literatur verwiesen. Je nach
Beschaffenheit des Polyurethanschaums kann es vorteilhaft sein, diesen vor der mechanischen
Zerkleinerung "einzufrieren", um den Zerkleinerungsvorgang zu erleichtern.
[0055] Vor, während oder nach der mechanischen Zerkleinerung kann eine Behandlung des Polyurethanschaums
mit wässrigen oder alkoholischen Desinfektionsmitteln erfolgen. Derartige Desinfektionsmittel
sind bevorzugt Wasserstoffperoxid, Chlordioxid, Natriumhypochlorit, Formaldehyd, Natrium-N-Chlor-(4
Methylbenzol)sulfonamid (Chloramin T) und/oder Peressigsäure (wässrige Desinfektionsmittel)
bzw. Ethanol, Isopropanol, und/oder 1-Propanol (alkoholische Desinfektionsmittel).
[0056] Es ist auch denkbar, die oben beschriebenen vorbereitenden Schritte an einem Ort
durchzuführen, der von dem Ort der Chemolyse räumlich getrennt ist. In diesem Fall
wird der vorbereitete Schaum in geeignete Transportfahrzeuge, zum Beispiel Silofahrzeuge,
für den Weitertransport befüllt. Für den Weitertransport kann der vorbereitete Schaum
zudem komprimiert werden, um ein höheres Masse-VolumenVerhältnis zu erreichen. Am
Ort der Chemolyse wird dann der Schaum in die für die Chemolyse vorgesehene Reaktionseinrichtung
gefüllt. Es ist auch vorstellbar, das eingesetzte Transportfahrzeug direkt mit der
Reaktionseinrichtung zu verbinden.
CHEMOLYSE DES POLYURETHANSCHAUMS UNTER ERHALT DES ERSTEN PRODUKTGEMISCHES
[0057] Schritt (B) des erfindungsgemäßen Verfahrens beinhaltet die
Chemolyse des in Schritt (A) bereitgestellten Polyurethanschaums.
[0058] Die Chemolyse wird vorzugsweise unter Sauerstoffausschluss durchgeführt. Dies bedeutet,
dass die Umsetzung in einer Inertgasatmosphäre (insbesondere in einer Stickstoff-,
Argon- oder Heliumatmosphäre) durchgeführt wird. Bevorzugt werden auch die eingesetzten
Chemolysereagenzien (Wasser und Alkohol) durch Inertgassättigung von Sauerstoff befreit.
[0059] Schritt (B) wird erfindungsgemäß als
Hydroalkoholyse durchgeführt. Der hier verwendete Begriff Hydroalkoholyse wird in der Literatur meist
als Hydro
glykolyse bezeichnet; vgl. Nr. 3 weiter oben. Da der Begriff Hydroglykolyse jedoch nur bei
Einsatz von Glykol als Alkohol korrekt ist, wird im Rahmen der vorliegenden Erfindung
die allgemeinere Bezeichnung
Hydroalkoholyse verwendet.
[0060] Als Alkohol wird vorzugsweise Methanol, Ethanol, Ethylenglykol, Diethylenglykol,
Propylenglykol, Dipropylenglykol, Methylglykol, Triethylenglykol, Glycerin, 2-Methyl-1,3-Propandiol
oder einer Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Alkohole verwendet. Diethylenglykol
und Propylenglykol sind besonders bevorzugt. Wasser und Alkohol können vorvermischt
werden; erforderlich ist dies aber nicht.
[0061] Das als Katalysator eingesetzte Metallsalz ist vorzugsweise das Salz eines Alkalimetalls
oder Erdalkalimetalls, wobei Natriumsalze besonders bevorzugt sind. Hinsichtlich des
Anions des Metallsalzes sind Carbonate, Hydrogencarbonate, Mono-Hydrogen-Orthophosphate,
Orthophosphate und Mischungen von zwei oder mehr derselben besonders bevorzugt. Ganz
besonders bevorzugt wird ein Carbonat, ein Hydrogencarbonat oder ein Orthophosphat
verwendet (d. h. es wird nur eines der vorgenannten verwendet und keine Mischung).
Dabei ist es insbesondere bevorzugt, dass auch keine weiteren, zuvor nicht aufgezählten,
Katalysatoren eingesetzt werden. Es hat sich bewährt, den Katalysator so zu dosieren,
dass seine Masse 0,1 % bis 3,5 % der Masse des in Schritt (B) umzusetzenden Polyurethanschaums
entspricht.
[0062] In Schritt (B) wird erfindungsgemäß eine Reaktionstemperatur im Bereich von 130 °C
bis 195 °C eingehalten. Die Reaktionstemperatur beträgt bevorzugt 135 °C bis 190 °C,
besonders bevorzugt 140 °C bis 190 °C und ganz besonders bevorzugt 165 °C bis 185
°C. Unabhängig von der gewählten Temperatur ist es bevorzugt, die Reaktion bei Umgebungsdruck
durchzuführen. Ein tieferer Druck (insbesondere bis zu 900 mbar
(abs)) oder ein höherer Druck (insbesondere bis zu 1800 mbar
(abs)) ist jedoch ebenfalls möglich. Die Umsetzung in Schritt (B) ist im Allgemeinen innerhalb
eines Zeitraums von 1,0 h bis 10 h, bevorzugt 1,5 h bis 7,5 h, besonders bevorzugt
2,0 h bis 6,0 h und ganz besonders bevorzugt 2,5 h bis 5,5 h, beendet, d. h. nach
einer Reaktionsdauer innerhalb dieses Zeitraums findet kein oder allenfalls nur ein
geringfügiger weiterer Umsatz statt.
[0063] Wie bereits erwähnt, ist es vorteilhaft, das für die Hydroalkoholyse in Schritt (B)
einzusetzende Wasser nicht gleich zu Beginn des Reaktionszeitraums zuzugeben, zumindest
nicht vollständig zuzugeben. Es hat sich bewährt, zunächst gar kein oder nur einen
geringen Anteil, nämlich 2 % bis 4 %, der in (B) insgesamt einzusetzenden Menge an
Wasser mit den übrigen Reaktanden (Alkohol, Katalysator und der Polyurethanschaum)
zu vermischen und die restliche bzw. gesamte Menge an Wasser im weiteren Verlauf des
Schritts (B) über die Reaktionsdauer zuzugeben. Die Zugabe des Wassers für die hydrolytische
Spaltung der als Intermediat gebildeten Carbamate erfolgt dabei kontinuierlich oder
portionsweise in Intervallen in der Weise, dass die Siedetemperatur des Reaktionsgemisches
stets in den spezifizierten Bereichen, insbesondere in dem besonders bevorzugten Bereich
von 165 °C bis 185 °C, bleibt. Die Dosierzeit des Wassers liegt bevorzugt im Bereich
von 1,0 Stunden bis 5,0 Stunden(abhängig vom Siedepunkt des eingesetzten Alkohols).
[0064] In einer bevorzugten Ausführungsform wird ein Massenverhältnis von (insgesamt eingesetztem)
Alkohol und (insgesamt eingesetztem) Wasser einerseits zu Polyurethanschaum andererseits
[m(Alkohol + Wasser)/m(Polyurethanschaum)] im Bereich von 1,1 bis 1,3 eingesetzt.
Wird das Wasser nicht auf einmal, sondern nach und nach zugegeben wie zuvor beschrieben,
gilt dies für die insgesamt in Schritt (B) eingesetzte Menge an Wasser.
[0065] Die Menge an Wasser, die in Schritt (B) eingesetzt wird, beträgt bevorzugt 5,0 %
bis 7,0 % der Masse des Alkohols, der in Schritt (B) eingesetzt wird; dies gilt insbesondere
in Verbindung mit dem zuvor genannten Bereich von 1,0 bis 1,3 für das Massenverhältnis
[m(Alkohol + Wasser)/m(Polyurethanschaum)]. Wird das Wasser nicht auf einmal, sondern
nach und nach zugegeben wie zuvor beschrieben, gilt dies für die insgesamt in Schritt
(B) eingesetzte Menge an Wasser.
[0066] Schritt (B.II) kann in einem beliebigen, in der Fachwelt für einen derartigen Zweck
bekannten Reaktor durchgeführt werden. Insbesondere eignen sich Rührkessel (gerührte
Reaktoren) und Rohrreaktoren als Chemolysereaktoren.
AUFARBEITUNG DES ERSTEN PRODUKTGEMISCHES
[0067] Schritt (B) liefert ein
erstes Produktgemisch, das
(mindestens) ein Amin, das zu einem Isocyanat der Isocyanatkomponente korrespondiert,
Polyole (nämlich die Polyole, welche die Polyolkomponente ausmachen und/oder Polyole,
die gegebenenfalls bei der Umsetzung mit dem Alkohol aus der ursprünglichen Polyolkomponente
gebildet werden),
(überstöchiometrisch eingesetzten und daher nicht vollständig umgesetzten) Alkohol
und
(überstöchiometrisch eingesetztes und daher nicht vollständig umgesetztes) Wasser
enthält. In
Schritt (C) wird dieses erste Produktgemisch unter Erhalt einer
Polyolphase enthaltend die Polyole und einer
Aminphase enthaltend das Amin, Wasser und den Alkohol aufgearbeitet
(Trennung von Polyol und Amin). Es versteht sich für den Fachmann von selbst, dass diese Trennung nicht zwingend
in dem Sinne perfekt verlaufen muss, dass
sämtliches Polyol in die Polyolphase und
sämtliches Amin (sowie
sämtliches Wasser und
sämtlicher Alkohol) in die Aminphase gelangen. Wenn beispielsweise infolge der vorherrschenden
Löslichkeitsgleichgewichte geringe Mengen des Amins in die Polyolphase gelangen (oder
geringe Mengen des Polyols in die Aminphase), verlässt dies den Rahmen der vorliegenden
Erfindung selbstverständlich nicht.
[0068] Aufgrund der Reaktionsführung in Schritt (B) als
Hydroalkoholyse ist dieses erste Produktgemisch regelmäßig zweiphasig. Bei den zwei Phasen
handelt es sich um eine alkoholisch-wässrige und eine organische Phase. Abhängig von
der genauen Natur des eingesetzten Polyurethanschaums und des in Schritt (B) eingesetzten
Alkohols ist es möglich, dass die im ersten Produktgemisch enthaltene organische Phase
das Polyol und die im ersten Produktgemisch enthaltene alkoholisch-wässrige Phase
das Amin jeweils in einem solchen Anteil enthält, dass die Trennung von Amin und Polyol
in Schritt (C) durch eine einfache Trennung des ersten Produktgemisches in eine organische
und in eine alkoholische-wässrige Phase realisiert werden kann. In diesem Fall ist
die im ersten Produktgemisch enthaltene organische Phase die in Schritt (C) angestrebte
Polyolphase, die direkt dem Schritt (D) zugeführt werden kann. In gleicher Weise ist dann die
im ersten Produktgemisch enthaltene alkoholisch-wässrige Phase die in Schritt (C)
angestrebte
Aminphase, die - sofern die Gewinnung des Amins angestrebt ist - direkt dem Schritt (E) zugeführt
werden kann. Diese Ausführungsform ist beispielsweise bei TDI-Schäumen und Durchführung
der Hydroalkoholyse mit Diethylenglykol als Alkohol denkbar, da TDA gut wasserlöslich
ist und so gemeinsam mit dem ebenfalls wasserlöslichen Diethylenglykol die alkoholisch-wässrige
Phase des ersten Produktgemisches ausbildet, während die zurückgewonnenen Polyole
die organische Phase ausbilden. Ob diese Ausführungsform anwendbar ist, kann durch
fachmännische Überlegungen oder einfache Vorversuche leicht ermittelt werden.
[0069] Es ist jedoch auch möglich, dass eine einfache Phasentrennung des in Schritt (B)
erhaltenen ersten Produktgemisches nicht zur einer Polyolphase und einer Aminphase
mit ausreichendem Polyol- bzw. Aminanteil führt. In einem solchen Fall ist es bevorzugt,
das erste Produktgemisch in seiner Gesamtheit mit einem organischen Lösungsmittel
zu extrahieren. Hierfür bestehen mehrere Möglichkeiten:
In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst Schritt (C) das Vermengen des in Schritt
(B) erhaltenen ersten Produktgemisches mit einem organischen Lösungsmittel, das mit
dem in Schritt (B) eingesetzten Alkohol
nicht vollständig mischbar ist, und Phasentrennung in eine Alkoholphase, die neben dem
Alkohol das Amin und Wasser enthält und in dieser Ausführungsform der
Aminphase entspricht, und in eine Lösungsmittelphase, die neben dem zur Extraktion eingesetzten
Lösungsmittel die Polyole enthält und in dieser Ausführungsform der
Polyolphase entspricht. Die Forderung, dass das in Schritt (C) einzusetzende organische Lösungsmittel
mit dem in Schritt (B) eingesetzten Alkohol nicht vollständig mischbar ist bedeutet, dass es - unter den für Schritt (C) vorliegenden Bedingungen von Temperatur
und Verhältnis von organischem Lösungsmittel zu Alkohol aus Schritt (B) - eine
Mischungslücke derart geben muss, dass eine Phasentrennung möglich wird. Dies ist beispielsweise
dann der Fall, wenn das organische Lösungsmittel ausgewählt wird aus aliphatischen
Kohlenwasserstoffen, alicyclischen Kohlenwasserstoffen (z. B. Cyclohexan), aromatischen
Kohlenwasserstoffen (z. B. Toluol) und Mischungen von zwei oder mehr der vorgenannten
organischen Lösungsmittel, und der Alkohol ausgewählt wird aus Methanol, Ethanol,
Ethylenglykol, Diethylenglykol, Propylenglykol, Dipropylenglykol, Methylglykol, Triethylenglykol,
Glycerin, 2-Methyl-1,3-Propandiol und Mischungen von zwei oder mehr der vorgenannten
Alkohole.
[0070] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst Schritt (C)
(C.I) Vermischen des in Schritt (B) erhaltenen ersten Produktgemisches mit einem organischen
Lösungsmittel, das mit dem in Schritt (B) eingesetzten Alkohol mischbar ist, unter Erhalt eines zweiten Produktgemisches, und
(C.II) Waschen des in Schritt (C.I) erhaltenen zweiten Produktgemisches mit einer
wässrigen Waschflüssigkeit und Phasentrennung in eine wässrige Phase, die neben Wasser
den Alkohol und das Amin enthält und in dieser Ausführungsform der Aminphase entspricht, und in eine Lösungsmittelphase, die neben dem zur Extraktion eingesetzten
Lösungsmittel die Polyole enthält und in dieser Ausführungsform der Polyolphase entspricht.
[0071] Die Forderung, dass das in Schritt (C.I) einzusetzende organische Lösungsmittel
mit dem in Schritt (B) eingesetzten Alkohol mischbar ist, bedeutet, dass sich - unter den für Schritt (C.I) vorliegenden Bedingungen von Temperatur
und Verhältnis von organischem Lösungsmittel zu Alkohol aus Schritt (B) - eine Mischung
aus dem organischen Lösungsmittel und dem Alkohol aus Schritt (B) nicht spontan in
zwei Phasen trennt. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn das organische Lösungsmittel
in Schritt (C.I) ausgewählt wird aus Halogen-substituierten aliphatischen Kohlenwasserstoffen,
Halogen-substituierten alicyclischen Kohlenwasserstoffen, Halogen-substituierten aromatischen
Kohlenwasserstoffen und Mischungen von zwei oder mehr der vorgenannten organischen
Lösungsmittel, und der Alkohol in Schritt (B) ausgewählt wird aus Methanol, Ethanol,
Ethylenglykol, Diethylenglykol, Propylenglykol, Dipropylenglykol, Methylglykol, Triethylenglykol,
Glycerin, 2-Methyl-1,3-Propandiol und Mischungen von zwei oder mehr der vorgenannten
Alkohole.
AUFARBEITUNG DER POLYOLPHASE
[0072] In Schritt (D) wird die in Schritt (C) erhaltene organische Polyolphase unter Gewinnung
der Polyole aufgearbeitet
(Isolierung des Polyols). Dies wird vorzugsweise mittels Destillation und/oder Strippung mit einem Strippgas
(wie insbesondere Stickstoff oder Wasserdampf, bevorzugt Stickstoff) durchgeführt.
Dabei wird eine Destillation bevorzugt in einem Verdampfer ausgewählt aus Fallfilmverdampfern,
Dünnschichtverdampfern, Flashverdampfern, Steigfilmverdampfern, Naturumlaufverdampfern,
Zwangsumlaufverdampfern oder Kesselverdampfern durchgeführt. Besonders bevorzugt ist
es, der Destillation eine Strippung mit Wasserdampf nachzuschalten.
[0073] Eine Strippung mit Wasserdampf kann durch Durchleiten von Wasserdampf in an sich
bekannten Stripp-Kolonnen durchgeführt werden. Die Strippung mit Wasserdampf kann
jedoch auch so erfolgen, dass man Wasser in flüssiger Form der (gegebenenfalls bereits
in einer Destillation vorgereinigten) Polyolphase zugibt, anschließend überhitzt (unter
Einhaltung eines mittels eines Druckventils eingestellten Gegendrucks, der ausreichend
ist, das Wasser flüssig zu halten) und nach dem Druckventil entspannt, wodurch das
im Polyol enthaltene Wasser verdampft und strippend wirkt.
AUFARBEITUNG DER AMINPHASE
[0074] Bevorzugt wird in Schritt (E) die in Schritt (C) erhaltene wässrige Aminphase unter
Gewinnung des Amins aufgearbeitet
(Isolierung des Amins).
[0075] Die Gewinnung des Amins umfasst bevorzugt zunächst eine destillative Abtrennung von
Alkohol und Wasser aus der Aminphase. Dies kann durch bekannte Destillationstechniken
geschehen. Das zurückbleibende rohe Amin wird weiter aufgearbeitet, bevorzugt durch
Destillation. Es ist insbesondere bevorzugt, die Gewinnung des Amins in die Aufarbeitung
neu hergestellten Amins einzubinden,
indem das rohe Amin einer Rohproduktfraktion des Amins, die aus einer Neuherstellung
desselben Amins stammt, beigemischt wird. Diese Ausführungsform bietet einen wirtschaftlichen und umweltschonenden Auslass
für aus dem Polyurethanprodukt stammende Verunreinigungen. Sie wird in der internationalen
Patentanmeldung
WO 2020/260387 A1 näher beschrieben.
Beispiele:
[0076] Die Überprüfung des Reaktionsumsatzes erfolgte über die Bestimmung der Aminzahl des
Reaktionsgemisches nach der Hydroglykolyse. Die Aminzahl gibt an, wieviel mg Kaliumhydroxid
notwendig sind, um die in 1 g Substanz vorhandenen freien organischen Amine zu neutralisieren.
Dabei werden primäre, sekundäre und tertiäre Aminogruppen erfasst. Die Aminogruppen
sind schwache Basen. Als Lösungsmittel wird konzentrierte Essigsäure (Eisessig, 99-
bis 100%ig) eingesetzt. Das Amin wird durch das Lösungsmittel protoniert und somit
in die korrespondierende Säure überführt, die mit der deprotonierten Säure des Eisessigs
nun als lonenpaar vorliegt. Anschließend wird mit 0,1-molarer Perchlorsäure als Titriermittel
titriert, wobei die Perchlorsäure das Anion des Lösungsmittels (Eisessig) verdrängt.
Die dabei verbrauchte Perchlorsäure wird dem Verbrauch an Kaliumhydroxid gleichgesetzt.
Die Aminzahl wird üblicherweise in
Milligramm KOH pro Gramm untersuchter Probe angegeben und berechnet sich nach:

worin
| • AZ |
für die Aminzahl, |
| • V |
für das Volumen verbrauchter Perchlorsäurelösung, |
| • m |
für die Masse der titrierten Probe, |
| • M(KOH) |
für die molare Masse von KOH (56,11 g × mol-1), |
| • bi |
für die Molarität der Perchlorsäurelösung und |
| • f |
für den dimensionslosen Faktor (Titer) der Perchlorsäurelösung stehen. |
Beispiel 1:
[0077] In einem 1000 ml 4-Halskolben mit Rührer, Thermometer und Kühlaufsatz werden 300
g Diethylenglykol und 5,5 g Natriumcarbonat vorgelegt und unter Stickstoff auf 180
°C erhitzt. Unter Rühren werden 300 g PU-Weichschaum der in Tabelle 1 angegebenen
Zusammensetzung zugegeben und gelöst. Nach dem Lösen wird 2 Stunden bei 180 °C gerührt,
und anschließend werden 16,5 g Wasser in einem Zeitraum von 1 Stunde so zudosiert,
dass die Reaktionstemperatur nicht unter 170 °C fällt. Nach beendeter Wasserzugabe
wird 2 Stunden bei 180 °C nachgerührt, und der Reaktionsumsatz wird wie oben angegeben
über die Aminzahl bestimmt. Die theoretisch bei vollständiger Rückgewinnung sämtlichen
Amins zu erwartende Aminzahl des Reaktionsgemisches beträgt 86,0 mg KOH/g
Aminzahl (gemessen) des Reaktionsgemisches: 93,0 mgKOH/g
In einem 1H-NMR-Spektrum des Reaktionsgemisches wurden keine TDI-basierten Carbamate mehr nachgewiesen,
sondern nur TDA.
Tabelle 1: Formulierung des in Beispiel 1 umgesetzten Polyurethanweichschaums (Angaben sind
Gewichtsteile)
| Polyol Arcol 1108 (1) |
72,4 |
| Wasser |
1,8 |
| Tegostab BF 2370 (2) |
0,9 |
| Dabco T9 (3) |
0,1 |
| Niax A1 (4) |
0,06 |
| TDI 80 (5) |
24,7 |
| Kennzahl (6) |
108 |
(1) Polyetherpolyol der Firma Covestro Deutschland AG
(2) Polyethersiloxan Additiv der Firma Evonik AG
(3) DABCO T9 ist ein Zinnoctoat Katalysator der Evonik AG
(4) Niax A1 ist ein Amin Katalysator der Momentive Performance Materials
(5) TDI 80 ist ein Toluylendiisocyanat der Covestro Deutschland AG
(6) Verhältnis NCO- zu OH-Gruppen |
Beispiele 3 bis 7:
[0078] Es wurden weitere Versuche mit anderen Katalysatoren als in Beispiel 1 aber ansonsten
gleicher Vorgehensweise durchgeführt. Die Resultate sind in Tabelle 2 zusammengestellt.
Tabelle 2: Weitere Versuche analog Beispiel 1 mit anderen Katalysatoren.
| |
Bsp. 2 (erf.-gem.) |
Bsp. 3 (erf.-gem.) |
Bsp. 4 (erf.-gem.) |
Bsp. 5 (Vergleich) |
Bsp. 6 (erf.-gem.) |
Bsp. 7 (Vergleich) |
| m(Na2CO3)/g |
0 |
0 |
3,0 |
0 |
0 |
0 |
| m(Na3PO4)/g |
4,5 |
9,3 |
0 |
0 |
0 |
0 |
| m(Na2HPO4)/g |
0 |
0 |
0 |
0 |
7,2 |
0 |
| m(NaOCH3)/g (30%ig in MeOH) |
0 |
0 |
0 |
5,0 |
0 |
0 |
| Na-Polyphosphat |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
9,0 |
| Aminzahl / (mg KOH / g) (gemessen) |
91,8 |
102 |
88,2 |
103 |
88,0 |
55,0 |
| Erläuterungen: erf.-gem. = erfindungsgemäß. |
[0079] Im Vergleichsbeispiel 5 bildeten sich feste Ablagerungen am Reaktionsgefäß und die
Umsetzung war nicht vollständig. Im Vergleichsbeispiel 7 war die Aminzahl deutlich
zu gering.
Beispiel 8: Herstellung eines Weichschaums aus dem r-Polyetherpolyol
[0080] Aus dem Reaktionsgemisch, das in Beispiel 1 anfiel, wurde das Polyetherpolyol wie
folgt zurückgewonnen ("r-Polyetherpolyol"):
Das Reaktionsgemisch wurde mit 3 Gewichtsteilen Cyclohexan versetzt und kräftig homogenisiert.
Im Scheidetrichter trennte sich die Mischung in 2 Phasen, eine organische Cyclohexan-Polyether-Phase
sowie eine Diethylenglykol-Amin-Phase. Die organische Phase wurde abgetrennt, das
Lösungsmittel destillativ entfernt und das r-Polyol so zurückgewonnen. Aus dem so
erhaltenen r-Polyetherpolyol wurden Weichschäume hergestellt und mit Weichschäumen,
die nur auf dem originalen Polyetherpolyol Arcol 1108 basieren, verglichen. Tabelle
3 zeigt die verwendeten Rezepturen, Tabelle 4 stellt die Ergebnisse einander gegenüber.
Tabelle 3: Eingesetzte Weichschaumrezepturen (Angaben sind Gewichtsteile)
| |
Bsp. 9 (Referenz) |
Bsp. 10 |
Bsp. 11 |
Bsp. 12 (Referenz) |
Bsp. 13 |
| Arcol 1108 |
72,4 |
0 |
36,0 |
72,4 |
0 |
| r-Polyol aus Bsp. 1 |
0 |
71,7 |
36,0 |
0 |
71,6 |
| Wasser |
1,8 |
1,8 |
1,8 |
1,8 |
1,8 |
| Tegostab BF 2370 |
0,9 |
0,9 |
0,9 |
0,9 |
0,9 |
| Dabco T9 |
0,1 |
0,1 |
0,1 |
0,14 |
0,14 |
| Niax A1 |
0,06 |
0,06 |
0,06 |
0,07 |
0,07 |
| TDI 80 |
24,7 |
25,5 |
25,1 |
24,7 |
25,5 |
| Kennzahl |
108 |
108 |
108 |
108 |
108 |
Tabelle 4: Gegenüberstellung der Ergebnisse
| Gemessene Größe |
Einheit |
Bsp. 9 (Referenz) |
Bsp. 10 |
Bsp. 11 |
Bsp. 12 (Referenz) |
Bsp. 13 |
| Schaumhöhe |
cm |
15 |
18 |
17 |
15 |
18 |
| Startzeit |
s |
|
15 |
15 |
15 |
12 |
| Steigzeit abgeschlossen |
s |
|
150 |
140 |
128 |
135 |
| Schrumpf bei RT |
|
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
| Innenriss |
|
nein |
ja |
nein |
nein |
nein |
| Rohdichte |
kg/m3 |
31,3 |
|
33,1 |
37,5 |
29,8 |
| Luftdurchlässigkeit |
mm H2O-Säule |
350 |
|
92 |
350 |
107 |
| Rückprallelastizität |
% |
42 |
|
43 |
39 |
40 |
| Stauchhärte bei 40% Höhe |
MPa |
23,34 |
|
23,44 |
40,45 |
25,90 |
Erläuterungen:
[0081] Startzeit: Wird bestimmt, wenn die Mischung in der Holzform liegt. Sie ist die Zeitspanne vom
Start der Vermischung (Polyolkomponente mit der Isocyanatkomponente) bis zum sichtbaren
Schäumungsbeginn.
[0082] Steigzeit: Wird bestimmt, wenn die Mischung in der Horzform liegt. Sie ist die Zeitspanne vom
Start der Vermischung (Polyolkomponente mit der Isocyanatkomponente) bis zum Erreichen
der Endhöhe des Schaumstoffes.
[0083] Abblasen: Bezeichnet die Gasentweichung und Ausbildung der Offenzelligkeit nach Erreichen der
Endhöhe des Schaumstoffes.
[0084] Schrumpf bei RT (Raumtemperatur): 1 = Schaumstoff leicht an den Seiten geschrumpft.
[0085] Luftdurchlässigkeit: Die zur Messung der Luftdurchlässigkeit eingesetzte Apparatur besteht aus einem mit
einer Millimetereinteilung von 0 bis 350 versehenen Glaszylinder, dessen Innendurchmesser36
mm beträgt, und einem Innenrohr von 7 mm lichter Weite. Dieses Innenrohr endet oben
in einem T-Stück, an das an der einen Seite die Luftzufuhr und an der anderen Seite
der Schlauch mit dem Messkopf angeschlossen wird. Der Schlauch für den Messkopf besitzt
einen Innendurchmesser von 12 mm und eine Länge von 1,80 m. Der Glaszylinder ist nach
unten geschlossen und kann über den nach hinten angebrachten Trichter mit Wasser befüllt
werden. Das Prüfgerät wird über zwei Hähne, einen Druckminderer und einen Schlauch
von beliebiger Länge und beliebigem Durchmesser an einen Druckluftquelle angeschlossen,
wobei der Druckminderer auf ca. 3,0 bar
(abs.) eingestellt wird.
[0086] Wie man sieht, kann das zurückgewonnene r-Polyol nach dem chemischen Recyclingprozess
wieder als Polyoletherpolyol bis zu 100 % in einer Weichschaumrezeptur eingesetzt
werden. Die visuellen Eigenschaften sowie die Start- und Steigzeit der Beispiele bei
Einsatz des r-Polyols im Vergleich zu den Referenzbeispielen zeigen vergleichbares
Verhalten. Die mechanische Eigenschaften wie Rückprallelastizität und Stauchhärte
des r-Polyols sind vergleichbar mit dem Referenz-Polyetherpolyol. Die niedrigeren
Werte in der Luftdurchlässigkeit bei den Beispielen 11 und 13, in denen das r-Polyol
eingesetzt wurde, zeigen eine höhere Offenzelligkeit im Vergleich zu den Referenzbeispielen
9 und 12.
1. Verfahren zur Wiedergewinnung von Rohstoffen aus Polyurethanschäumen, umfassend die
Schritte:
(A) Bereitstellen eines auf einer Isocyanatkomponente und einer Polyolkomponente basierenden
Polyurethanschaums;
(B) Chemolyse des Polyurethanschaums mit einem Alkohol und Wasser in Gegenwart eines
Katalysators bei einer Temperatur im Bereich von 130 °C bis 195 °C, wobei
das Massenverhältnis von Alkohol und Wasser einerseits zu dem Polyurethanschaum andererseits
im Bereich von 0,5 bis 2,5 liegt und
die Masse des Wassers 4,0 % bis 10 % der Masse des Alkohols beträgt,
wobei ein erstes Produktgemisch erhalten wird, das
ein Amin, das zu einem Isocyanat der Isocyanatkomponente korrespondiert,
Polyole,
Alkohol und
Wasser;
enthält,
wobei der Katalysator ein Metallsalz ausgewählt aus einem Carbonat, einem Hydrogencarbonat,
einem Orthophosphat, einem Mono-Hydrogen-Orthophosphat, einem Metaphosphat oder einer
Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Metallsalze umfasst;
(C) Aufarbeiten des ersten Produktgemisches unter Erhalt einer Polyolphase enthaltend
die Polyole und einer Aminphase enthaltend das Amin, Wasser und den Alkohol;
(D) Gewinnen der Polyole aus der Polyolphase; und
(E) optional Gewinnen des Amins aus der Aminphase.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem die Isocyanatkomponente ein Isocyanat ausgewählt
aus Toluylendiisocyanat, den Di- und Polyisocyanaten der Diphenylmethanreihe, 1,5-Pentandiisocyanat,
1,6-Hexamethylen¬diisocyanat, Isophorondiisocyanat, Xylylendiisocyanat oder einer
Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Isocyanate umfasst.
3. Verfahren nach Anspruch 2, bei welchem die Isocyanatkomponente Toluylendiisocyanat
oder eine Mischung aus Toluylendiisocyanat und den Di- und Polyisocyanaten der Diphenylmethanreihe
umfasst.
4. Verfahren nach Anspruch 3, bei welchem die Isocyanatkomponente Toluylendiisocyanat
umfasst.
5. Verfahren nach Anspruch 4, bei welchem die Isocyanatkomponente neben Toluylendiisocyanat
keine weiteren Isocyanate umfasst.
6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welchem die Polyolkomponente
ein Polyetherpolyol, ein Polyesterpolyol, ein Polyetherester-Polyol, ein Polyacrylatpolyol
und/oder ein Polyethercarbonatpolyol umfasst.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welchem die Polyolkomponente
ein Styrol-Acrylnitril-Copolymergefülltes Polyetherpolyol umfasst.
8. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welchem der Alkohol ausgewählt
ist aus Methanol, Ethanol, Ethylenglykol, Diethylenglykol, Propylenglykol, Dipropylenglykol,
Methylglykol, Triethylenglykol, Glycerin, 2-Methyl-1,3-Propandiol oder einer Mischung
von zwei oder mehr der vorgenannten Alkohole.
9. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welchem das Metallsalz ein Salz
eines Alkalimetalls oder Erdalkalimetalls ist.
10. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welchem das Metallsalz ein Carbonat,
ein Hydrogencarbonat, ein Mono-Hydrogen-Orthophosphat, ein Orthophosphat oder eine
Mischung von zwei oder mehr der vorgenannten Metallsalze umfasst.
11. Verfahren nach Anspruch 10, bei welchem das Metallsalz nur eines der genannten Metallsalze
umfasst.
12. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welchem die Masse des Katalysators
0,1 % bis 3,5 % der Masse des in Schritt (B) eingesetzten Polyurethanschaums beträgt.
13. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,
bei welchem Schritt (C) umfasst:
Phasentrennung des ersten Produktgemisches in die Polyolphase und in die Aminphase;
oder bei welchem Schritt (C) umfasst:
Vermengen des ersten Produktgemisches mit einem organischen Lösungsmittel, das mit
dem in Schritt (B) eingesetzten Alkohol nicht vollständig mischbar ist, und Phasentrennung
in die Polyolphase und in die Aminphase;
oder bei welchem bei welchem Schritt (C) umfasst:
(C.I) Vermischen des in Schritt (B) erhaltenen ersten Produktgemisches mit einem organischen
Lösungsmittel, das mit dem in Schritt (B) eingesetzten Alkohol mischbar ist, unter Erhalt eines zweiten Produktgemisches, und
(C.II) Waschen des in Schritt (C.I) erhaltenen zweiten Produktgemisches mit einer
wässrigen Waschflüssigkeit und Phasentrennung in die Aminphase und in die Polyolphase.
14. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welchem Schritt (D) eine Destillation
und/oder Strippung mit einem Strippgas (wie insbesondere Stickstoff oder Wasserdampf,
bevorzugt Stickstoff) umfasst.
15. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei welchem Schritt (E) durchgeführt
wird und eine destillative Abtrennung von Alkohol und Wasser aus der Aminphase umfasst,
gefolgt von einer destillativen Reinigung des nach der destillativen Abtrennung verbleibenden
Amins.
1. Process for recovering raw materials from polyurethane foams, comprising the steps
of
(A) providing a polyurethane foam based on an isocyanate component and a polyol component;
(B) chemolysis of the polyurethane foam with an alcohol and water in the presence
of a catalyst at a temperature in the range from 130°C to 195°C, wherein
the mass ratio of alcohol and water on the one hand to the polyurethane foam on the
other hand is in the range from 0.5 to 2.5 and
the mass of the water is 4.0% to 10% of the mass of the alcohol,
to obtain a first product mixture containing
an amine corresponding to an isocyanate of the isocyanate component,
polyols,
alcohol and
water,
wherein the catalyst comprises a metal salt selected from a carbonate, a hydrogencarbonate,
an orthophosphate, a monohydrogen orthophosphate, a metaphosphate or a mixture of
two or more of the aforementioned metal salts;
(C) working up the first product mixture to obtain a polyol phase containing the polyols
and an amine phase containing the amine, water and the alcohol;
(D) recovering the polyols from the polyol phase; and
(E) optionally recovering the amine from the amine phase.
2. Process according to Claim 1, wherein the isocyanate component contains an isocyanate
selected from tolylene diisocyanate, the di- and polyisocyanates of the diphenylmethane
series, pentane 1,5-diisocyanate, hexamethylene 1,6-diisocyanate, isophorone diisocyanate,
xylylene diisocyanate or a mixture of two or more of the aforementioned isocyanates.
3. Process according to Claim 2, wherein the isocyanate component comprises tolylene
diisocyanate or a mixture of tolylene diisocyanate and the di- and polyisocyanates
of the diphenylmethane series.
4. Process according to Claim 3, wherein the isocyanate component comprises tolylene
diisocyanate.
5. Process according to Claim 4, wherein the isocyanate component comprises no further
isocyanates in addition to tolylene diisocyanate.
6. Process according to any of the preceding claims, wherein the polyol component comprises
a polyether polyol, a polyester polyol, a polyetherester polyol, a polyacrylate polyol
and/or a polyethercarbonate polyol.
7. Process according to any of the preceding claims, wherein the polyol component comprises
a styreneacrylonitrile copolymer-filled polyether polyol.
8. Process according to any of the preceding claims, wherein the alcohol is selected
from methanol, ethanol, ethylene glycol, diethylene glycol, propylene glycol, dipropylene
glycol, methyl glycol, triethylene glycol, glycerol, 2-methylpropane-1,3-diol or a
mixture of two or more of the aforementioned alcohols.
9. Process according to any of the preceding claims, wherein the metal salt is a salt
of an alkali metal or alkaline earth metal.
10. Process according to any of the preceding claims, wherein the metal salt comprises
a carbonate, a hydrogencarbonate, a monohydrogen orthophosphate, an orthophosphate
or a mixture of two or more of the aforementioned metal salts.
11. Process according to Claim 10, wherein the metal salt comprises only one of the recited
metal salts.
12. Process according to any of the preceding claims, wherein the mass of the catalyst
is 0.1% to 3.5% of the mass of the polyurethane foam employed in step (B).
13. Process according to any of the preceding claims, wherein step (C) comprises:
phase separation of the first product mixture into the polyol phase and into the amine
phase;
or wherein step (C) comprises:
combining the first product mixture with an organic solvent that is not completely
miscible with the alcohol employed in step (B) and phase separation into the polyol
phase and into the amine phase;
or wherein step (C) comprises:
(C.I) mixing the first product mixture obtained in step (B) with an organic solvent
that is miscible with the alcohol employed in step (B) to obtain a second product mixture and
(C.II) Washing the second product mixture obtained in step (C.I) with an aqueous washing
liquid and phase separation into the amine phase and into the polyol phase.
14. Process according to any of the preceding claims, wherein step (D) comprises a distillation
and/or stripping with a stripping gas (such as especially nitrogen or steam, preferably
nitrogen).
15. Process according to any of the preceding claims, wherein step (E) is performed and
comprises a distillative removal of alcohol and water from the amine phase followed
by a distillative purification of the amine remaining after the distillative removal.
1. Procédé de récupération de matières premières à partir de mousses de polyuréthane,
comprenant les étapes :
(A) mise à disposition d'une mousse de polyuréthane à base d'un composant isocyanate
et d'un composant polyol ;
(B) lyse chimique de la mousse de polyuréthane à l'aide d'un alcool et d'eau en présence
d'un catalyseur à une température dans la plage de 130°C à 195°C,
le rapport massique d'alcool et d'eau d'une part à la mousse de polyuréthane d'autre
part se situant dans la plage de 0,5 à 2,5 et
la masse de l'eau représentant 4,0% à 10% de la masse de l'alcool,
un premier mélange de produits étant obtenu qui contient
une amine qui correspond à un isocyanate du composant isocyanate,
des polyols,
de l'alcool et
de l'eau,
le catalyseur comprenant un sel métallique choisi parmi un carbonate, un hydrogénocarbonate,
un orthophosphate, un mono-hydrogéno-orthophosphate, un métaphosphate ou un mélange
de deux des sels métalliques susmentionnés ou plus ;
(C) traitement du premier mélange de produits avec obtention d'une phase de polyol
contenant les polyols et d'une phase d'amine contenant l'amine, l'eau et l'alcool
;
(D) extraction des polyols à partir de la phase de polyol ; et
(E) éventuellement extraction de l'amine à partir de la phase d'amine.
2. Procédé selon la revendication 1, dans lequel le composant isocyanate comprend un
isocyanate choisi parmi le diisocyanate de toluylène, les diisocyanates et polyisocyanates
de la série du diphénylméthane, le 1,5-diisocyanate de pentane, le 1,6-diisocyanate
d'hexaméthylène, le diisocyanate d'isophorone, le diisocyanate de xylylène ou un mélange
de deux, ou plus, des isocyanates susmentionnés.
3. Procédé selon la revendication 2, dans lequel le composant isocyanate comprend du
diisocyanate de toluylène ou un mélange de diisocyanate de toluylène et des diisocyanates
et polyisocyanates de la série du diphénylméthane.
4. Procédé selon la revendication 3, dans lequel le composant isocyanate comprend du
diisocyanate de toluylène.
5. Procédé selon la revendication 4, dans lequel le composant isocyanate, outre le diisocyanate
de toluylène, ne comprend pas d'autres isocyanates.
6. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le composant polyol
comprend un polyétherpolyol, un polyesterpolyol, un polyétheresterpolyol, un polyacrylatepolyol
et/ou un polyéthercarbonatepolyol.
7. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le composant polyol
comprend un polyétherpolyol chargé de copolymère de styrèneacrylonitrile.
8. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel l'alcool est choisi
parmi le méthanol, l'éthanol, l'éthylèneglycol, le diéthylèneglycol, le propylèneglycol,
le dipropylèneglycol, le méthylglycol, le triéthylèneglycol, le glycérol, le 2-méthyl-1,3-propanediol
ou un mélange de deux, ou plus, des alcools susmentionnés.
9. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le sel métallique
est un sel de métal alcalin ou un sel de métal alcalino-terreux.
10. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel le sel métallique
comprend un carbonate, un hydrogénocarbonate, un mono-hydrogéno-orthophosphate, un
orthophosphate, ou un mélange de deux, ou plus, des sels métalliques susmentionnés.
11. Procédé selon la revendication 10, dans lequel le sel métallique ne comprend qu'un
des sels métalliques mentionnés.
12. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la masse du catalyseur
représente 0,1% à 3,5% de la masse de la mousse de polyuréthane utilisée dans l'étape
(B).
13. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel l'étape (C) comprend
:
une séparation des phases du premier mélange de produit en phase de polyol et phase
d'amine ;
ou dans lequel l'étape (C) comprend :
le mélange du premier mélange de produits avec un solvant organique, qui n'est pas
complètement miscible avec l'alcool utilisé dans l'étape (B) et une séparation des
phases en phase de polyol et phase d'amine ;
ou dans lequel l'étape (C) comprend :
(C.I) le mélange du premier mélange de produits obtenu dans l'étape (B) avec un solvant
organique, qui est complètement miscible avec l'alcool utilisé dans l'étape (B), avec
obtention d'un deuxième mélange de produits et
(C.II) le lavage du deuxième mélange de produits obtenu dans l'étape (C.I) avec un
liquide de lavage aqueux et une séparation des phases en phase d'amine et phase de
polyol.
14. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel l'étape (D) comprend
une distillation et/ou une réextraction à l'aide d'un gaz de réextraction (tel qu'en
particulier l'azote ou la vapeur d'eau, de préférence l'azote).
15. Procédé selon l'une des revendications précédentes, dans lequel l'étape (E) est réalisée
et comprend une séparation par distillation d'alcool et d'eau à partir de la phase
d'amine, suivie d'une purification par distillation de l'amine restant après la séparation
par distillation.