[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Wandaufbaus mit einer
Wand und einer innenseitigen Dämmung. Des Weiteren wird ein Verfahren zur energetischen
Sanierung einer Gebäudewand von innen beschrieben.
STAND DER TECHNIK
[0002] Typischerweise werden Gebäude auf der Außenseite des Mauerwerks gedämmt oder mit
einem Dämmstoff ausgestattet. Dadurch ist die Temperatur der Wand auch bei niedrigen
Außentemperaturen relativ hoch, weil der Temperaturabfall insbesondere im außen liegenden
Dämmstoff stattfindet. Im Fall einer Dämmung der Mauer auf der Innenseite findet der
Temperaturabfall im Wesentlichen im innenseitigen Dämmstoff statt. Dadurch ist die
Temperatur des Mauerwerks viel niedriger als bei einer Außendämmung. Der Dampfdruckgradient
ist dann höher und es gelangt mehr Feuchtigkeit in die Wand. Die Kondensationsebene
befindet sich dabei in der Nähe der Dämmschicht auf der Innenseite der Wand. Durch
das Kondensat können Bauschäden entstehen.
[0003] Zur Vermeidung von Bauschäden, insbesondere von Feuchtigkeits- und Schimmelprobleme
im Mauerbereich ist aus
EP 2 183 099 B2 ein Wandaufbau mit einer innenseitigen Dämmschicht bekannt, die diffusionsoffen ausgestaltet
ist. Die Dämmschicht weist kapillarleitfähige Bereiche auf, welche von einer Seite
der Dämmschicht zur anderen Seite der Dämmschicht verlaufen. Durch die kapillarleitfähigen
Bereiche kann das Kondensat von der Außenseite der Dämmschicht, also von der wandseitigen
Seite der Dämmschicht abgeführt und zurück in den Innenraum geführt werden. Auch von
außen über die Fassade eingedrungene Feuchtigkeit kann nach innen abgegeben werden.
Somit wird eine hinreichende Trocknung der Konstruktion sichergestellt.
[0004] Zur Herstellung des Wandaufbaus der
EP 2 183 099 B2 wird werksseitig eine Wärmedämmplatte mit Durchbrüchen ausgestattet, die sich senkrecht
zur Plattenebene erstrecken und die Platte vollständig durchdringen. In den Durchbrüchen
ist ein kapillarleitfähiger Mörtel eingebracht. Nach der Lehre der
EP 2 183 099 B2 kann die Einbringung des Mörtels in die Durchbrüche entweder ebenfalls bereits werkseitig
erfolgen oder erst im Zuge des Anbaus der Dämmstoffplatte an der zu isolierenden Wand.
Im letzteren Fall wird die zu isolierende Wand mit einer kapillarleitfähigen Schicht
in einer solchen Stärke auf der Wand bedeckt, dass beim Andrücken der Dämmplatte mit
Durchbrüchen die Durchbrüche vom noch feuchten kapillarleitfähigen Material ausgefüllt
werden.
[0005] In der Praxis hat sich gezeigt, dass geeignete kapillarleitfähige Mörtel derart zäh
sind, dass die letztgenannte Methode nicht zuverlässig funktioniert. Somit müssen
die Durchbrüche bereits industriell vorab gefüllt werden. Dies führt zu nicht unerheblichen
Herstellungskosten der kapillarleitfähigen Dämmstoffplatte. Bei der werkseitigen Vorfertigung
der Kapillardurchbrüche können die Dämmplatten zudem nicht in verschiedenen Dicken
ausgestaltet werden, ohne dass die Anlage zur Lochung und Füllung der Platten stets
umgerüstet werden muss.
[0006] Es besteht daher ein Bedarf nach einer Vereinfachung des Verfahrens zur Herstellung
eines Wandaufbaus mit einer Wand und einer innenseitigen Dämmung.
[0007] Aus
EP 2 765 251 A1 ist ein Wärmedämmverbund und ein Verfahren zur Herstellung von Wärmedämmverbünden
für die Wärmedämmung von Gebäuden bekannt, wobei zur Herstellung der Wärmedämmverbünde
mindestens zwei quaderförmige Dämmmaterialeinheiten bereitgestellt und an ihrem Kantenverlauf
unter Ausbildung einer kapillaraktiven Kleberschicht aneinandergeklebt werden. Mindestens
zwei, bevorzugt eine Vielzahl von Wärmedämmverbünden werden miteinander mittels einer
bindemittelhaltigen Kleberzusammensetzung zu einem Wärmedämmverbundareal verklebt,
wobei die Klebeschicht im ausgehärteten Zustand kapillaraktiv ist und sich abschnittsweise
von der ersten Seite bis zur zweiten Seite des Wärmedämmverbundareals erstreckt. Auch
hier wird der Wärmedämmverbund im Werk vorgefertigt. Nachteilig an den werkseitig
vorgefertigten, schichtweise miteinander verbundenen Dämmmaterialeinheiten ist, dass
die kapillaraktiven Bereiche beim Transport und bei der Handhabung auf der Baustelle
nicht unerheblichen Belastungen ausgesetzt sind, was zu Brüchen im ausgehärteten kapillaraktiven
Kleber führen kann. Entsprechend vorsichtig muss mit den Wärmedämmverbünden beim Transport
und auf der Baustelle umgegangen werden. Beim baustellenseitigen Zuschnitt der Wärmedämmverbünde
können diese auseinanderbrechen, da das Zuschneiden oder Zusägen, verstärkt durch
die Materialwechsel zwischen Dämmstoff und Verklebung, die auch das Schneiden mit
einem heißen Draht verhindern, hohe mechanische Belastungen verursacht.
[0008] In
DE 10 2017 010 713 A1 wird ein Verfahren zur Herstellung einer gedämmten Wand, und zwar insbesondere zur
Innendämmung eines Gebäudes beschrieben. Eine plattenförmige Dämmschicht wird mittels
einer Klebermasse an einem bauseitigen Untergrund angebracht, wobei zunächst entweder
im "Floating"- oder im "Buttering"-Prozess eine Klebeschicht auf dem Untergrund beziehungsweise
auf der Dämmplatte aufgebracht wird, und durch Ansetzen der Dämmplatte an den Untergrund
die Verbindung der Dämmplatte mit dem Untergrund hergestellt wird. Zur Vermeidung
von Lufteinschlüssen und Lunkern wird vorgeschlagen, die Dämmstoffplatte mithilfe
einer geeigneten Vorrichtung einzuvibrieren. Zwischen den Dämmplatten verbleiben dabei
die typischen Stoß- und Lagerfugen.
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0009] Die Erfindung stellt sich die Aufgabe, ein einfaches Verfahren zur Herstellung eines
Wandaufbaus mit einer innenseitigen Dämmung vorzuschlagen, welche robuste Ausgangsmaterialien
verwendet und eine sichere Herstellung von kapillarleitfähigen Bereichen ermöglicht.
OFFENBARUNG DER ERFINDUNG
[0010] Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung eines Wandaufbaus mit
einer Wand und einer innenseitigen Dämmung mit den Merkmalen des Anspruchs 1. Weitere
Aspekte der Erfindung betreffen ein Verfahren zur energetischen Sanierung einer Gebäudewand
von innen.
[0011] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird ein im Wesentlichen quaderförmiger Dämmstoffstreifen
aus einem im Wesentlichen wasserundurchlässigen Werkstoff bereitgestellt. Geeignete
Werkstoffe sind beispielsweise PS, PUR und/oder Schaumglas.
[0012] Insbesondere ist beispielsweise ein Aerogel auf Silicatbasis oder ein PU-Aerogel
geeignet, wobei als Aerogel im Rahmen der vorliegenden Offenbarung ein hochporöser
Festkörper bezeichnet wird, dessen Volumen zu über 99,8% aus Poren besteht.
[0013] Weiterhin ist ein Pyrolyseöl enthaltender EPS-Werkstoff geeignet, wobei das Pyrolyseöl
z.B. durch Pyrolyse von organischen Stoffen, etwa von Biomasse oder Kunststoffabfällen
bei Temperaturen von zirka 500 °C gewonnen wird. Weiterhin einsetzbar sind unter dem
Handelsnamen NEOPOR vertriebene Produkte der Fa. BASF.
[0014] Der Dämmstoffstreifen kann vorteilhaft beispielsweise bis zu 10% oder bis zu 20%
Rezyklat aus mechanisch recylierten EPS-Abfällen, z.B. aus dem Verpackungsbereich
enthalten. Darüber hinaus kann der Dämmstoffstreifen ganz oder anteilig aus Rohstoffen
aus chemischer Recyklierung von Kunststoffabfällen hergestellt sein.
[0015] Der Dämmstoffstreifen kann weiter vorteilhaft auch ein biomassenzertifiziertes Produkt
sein, beispielsweise Dämmstoffe aus mehr als 90% nachwachsenden Rohstoffen.
[0016] Geeignete quaderförmige Dämmstoffstreifen weisen beispielsweise ein Längenmaß bis
zu 1,5 m auf. Bevorzugt sind die Dämmstoffstreifen von 15 cm bis 1,5 m lang, weiter
bevorzugt von 30 cm bis 1,5 m, insbesondere weiter bevorzugt von 50 cm bis 1,5 m.
[0017] Die Dicke der Dämmstoffstreifen hängt direkt vom Dämmwert der Platte ab und kann
stark differieren. Geeignete quaderförmige Dämmstoffstreifen weisen in Richtung senkrecht
zur Wand typischerweise eine Dicke bis zu 30 cm auf, bevorzugt von 1 cm bis 30 cm,
weiter bevorzugt von 5 cm bis 30 cm und insbesondere weiter bevorzugt von 8 cm bis
20 cm.
[0018] Geeignete quaderförmige Dämmstoffstreifen weisen eine Höhe von bis zu 50 cm auf,
bevorzugt von 5 cm bis 30 cm, weiter bevorzugt von 10 cm bis 20 cm.
[0019] In einem Schritt des Verfahrens wird ein Kleberbett für jeweils einen derartigen
Dämmstoffstreifen mit zumindest einer wandseitigen Kleberschicht und einer auflageflächenseitigen
Kleberschicht bereitgestellt, wobei die wandseitige Kleberschicht direkt an der Wand
angebracht wird und die auflageflächeseitige Kleberschicht direkt auf dem Boden benachbart
zur Wand oder auf der Oberseite eines weiteren Dämmstoffstreifens aufgebracht wird,
und wobei zumindest eine der Kleberschichten, bevorzugt beide Kleberschichten, jeweils
kapillarleitfähig ausgebildet sind.
[0020] Unter "kapillarleitfähig" wird im Rahmen der vorliegenden Offenbarung verstanden,
dass Kondensat von der Außenseite der Dämmschicht, also hier der wandseitigen Seite
der Dämmschicht, abgeführt und in den Innenraum geführt werden kann. Als kapillarleitfähig
wird beispielsweise ein poröses Material bezeichnet, welches kapillare Strömungen
ausbilden kann. Das poröse Material weist dabei zusammenhängende Poren auf, deren
Kapillarenradien bevorzugt bis 1 mm, weiter bevorzugt bis 0,1 mm, noch weiter bevorzugt
bis 10 µm und noch weiter bevorzugt bis 1 µm groß ausgebildet sind.
[0021] Die wandseitige und die auflageflächenseitige Kleberschicht können aus verschiedenen
Materialien bestehen. Zur Vereinfachung ist bevorzugt vorgesehen, dass die Kleberschichten
aus demselben Material bestehen.
[0022] Geeignete Materialien für die Kleberschichten bestehen bevorzugt aus einem Mörtel,
wobei der Mörtel aus Lehm und/oder mineralischem Bindemittel wie Zement, Gips, Tonerdeschmelzzement,
Silikat oder Phosphat besteht. Alternativ kann der Mörtel aus Harzen wie Naturharzen,
Zweikomponentenharzen, insbesondere Epoxyharze, PMMA oder PU oder Dispersionsharze
wie Acrylat oder Styrol-Butadien basieren.
[0023] Besonders geeignet ist Lehm aufgrund der niedrigen Kosten, praktisch unbegrenzter
Verfügbarkeit, ausreichender Verträglichkeit und ausreichender Erprobung. Kleberschichten
aus Lehm können darüber hinaus auch leicht rückgebaut werden.
[0024] Die auflageflächenseitigen Kleberschichten werden bevorzugt von 0,2 mm bis 3 mm,
weiter bevorzugt von 0,5 mm bis 2 mm, und insbesondere bevorzugt bis 1 mm, dick aufgebracht.
Die Schichtdicken gewähren zum einen eine ausreichende thermische Isolation der Dämmung,
da große Kälte- und Wärmebrücken vermieden werden, und zum anderen den ausreichenden
Abtransport des Kondensats.
[0025] Die wandseitigen Kleberschichten werden bevorzugt von 1 mm bis 7 mm, weiter bevorzugt
von 2 mm bis 5 mm und insbesondere bevorzugt bis 3 mm, dick aufgebracht. Die Schichtdicken
gewähren zum einen eine ausreichende Haftung der quaderförmigen Dämmstoffstreifen
an der Wand und zum anderen den ausreichenden Abtransport des Kondensats.
[0026] In einem weiteren Schritt des Verfahrens wird der quaderförmige Dämmstoffstreifen
ins Kleberbett eingesetzt.
[0027] Die beschriebenen Schritte werden Dämmstoffstreifen für Dämmstoffstreifen wiederholt
bis zur Überdeckung der Wand. Hierbei wird aus den Dämmstoffstreifen und den Kleberschichten
eine kapillarleitfähige Dämmschicht auf der Wand ausgebildet.
[0028] Auf 1000 mm Wandhöhe werden dabei bevorzugt zwischen 5 bis 15 Dämmstoffstreifen übereinander
angeordnet.
[0029] In einem abschließenden Schritt erfolgt ein Überputzen oder Überspachteln der kapillarleitfähigen
Dämmschicht mit einem kapillarleitfähigen und/oder diffusionsfähigen Putz oder Spachtel
zur Fertigstellung der innenseitigen Dämmung der Wand.
[0030] Geeignete kapillarleitfähige Putze oder Spachtel bestehen bevorzugt aus Lehm, und/oder
mineralischem Bindemittel wie Zement, Gips, Tonerdeschmelzzement, Silikat oder Phosphat.
Alternativ kann der kapillarleitfähige Putz oder Spachtel aus Harzen wie Naturharzen,
Zweikomponentenharzen, insbesondere Epoxyharze, PMMA oder PU oder Dispersionsharze
wie Acrylat oder Styrol-Butadien oder ähnlichen kapillarleitfähigen Materialien bestehen
oder darauf basieren. Zur Pufferung können zusätzlich geeignete Materialien wie Glykole,
wasserspeichernde Polymere oder Ähnliches enthalten sein. Für den Mörtel können als
Füllstoff sowohl poröse als auch nicht-poröse Formen eingesetzt werden.
[0031] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren machen die auflageflächenseitigen Kleberschichten
bevorzugt von 0,1% bis 5%, weiter bevorzugt von 0,5% bis 3%, der Fläche der Dämmschicht
aus. Diese Bereichsangaben stellen einen Kompromiss zwischen der Wasserleitfähigkeit
mit den beschriebenen Effekten und der thermischen Isolationswirkung der Dämmschicht
dar. Da die kapillarleitfähigen Kleberschichten zwischen den Dämmstoffstreifen Wärme-
bzw. Kältebrücken bilden, stellen die bevorzugten Flächenverhältnisse sicher, dass
eine ausreichende thermische Isolation der Dämmung gegeben ist.
[0032] Die quaderförmigen Dämmstoffstreifen weisen in Richtung senkrecht zur Wand bevorzugt
einen µ-Wert (µ ist die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl) von mindestens 20 auf,
wobei bezüglich der Bestimmung des µ-Werts auf die DIN ISO 12572 | 2017-05 hingewiesen
wird. Der kleinste nach den dort beschriebenen Bestimmungsverfahren ermittelte µ-Wert
ist der maßgebliche. Hinsichtlich üblicher Bemessungswerte wird im Übrigen auf die
DIN 4108-4 | 2020-11 verwiesen.
[0033] Bei geringen relativen Luftfeuchten erfolgt der Feuchtetransport dominant durch die
Wasserdampfdiffusion. Mit Hilfe des sogenannten "Dry-Cup-Verfahrens" kann diese Diffusion
gemessen werden. Bei höheren Luftfeuchten bis etwa 95 % treten gleichzeitig dampfförmige
und flüssige Feuchteströme auf. Dieser zunehmende Flüssigtransport bewirkt einen exponentiellen
Anstieg der Diffusion und kann über das "Wet-Cup-Verfahren" (als auch noch weiteren
Zwischenstufen) unter isothermen Bedingungen gemessen werden.
[0034] Mit einem minimalen µ-Wert der quaderförmigen Dämmstoffstreifen und einer mindestdicke
von 0,01 m in Richtung senkrecht zur Wand weisen die quaderförmigen Dämmstoffstreifen
einen Sd-Wert von mindestens 0,2 m auf, wobei der Sd-Wert bevorzugt mindestens 1 m,
weiter bevorzugt mindestens 1,6 m ist. Der S
d-Wert wird dabei durch den µ-Wert und die verwendete Schichtdicke definiert:

[0035] Weiter bevorzugt ist, dass die Dämmung eine Wärmeleitfähigkeitsstufe WLS bis zu 040,
bevorzugt bis zu 035, weiter bevorzugt bis zu 032 und insbesondere weiter bevorzugt
von 016 bis 032 aufweist. Zur Definition der WLS wird auf DIN 4108-10:2015 und DIN
4108-4:2017 sowie DIN EN 13162 bis 13171, jeweils in der Ausgabe 2015-04, verwiesen.
[0036] Bei einem Verfahren zur energetischen Sanierung einer Gebäudewand von innen wird
in einem ersten Schritt die Gebäudewand von Tapeten, Altanstrichen und dergleichen
befreit und in einem zweiten Schritt ein Wandaufbau mit der Gebäudewand und der innenseitigen
Dämmung gemäß einem der zuvor beschriebenen Verfahren hergestellt.
[0037] Gegenstand der Erfindung ist schließlich auch ein Kit zur Durchführung des Verfahrens,
wobei das Kit eine Menge von quaderförmigen Dämmstoffstreifen umfasst und einen Kleber
zur Ausbildung von kapillarleitfähigen Klebeschichten.
VORTEILE DER ERFINDUNG
[0038] Dir kapillarleitfähige Schichten aufweisende Innendämmung vermeidet Feuchtigkeits-und
Schimmelprobleme im Mauerbereich. Auch kann von außen eingedrungene Feuchtigkeit nach
innen abgegeben werden und die Konstruktion wird getrocknet.
[0039] Vorteilhaft werden die kapillarleitfähigen Schichten erst auf der Baustelle hergestellt,
so dass die Vorfertigung der kapillarleitfähigen Dämmstoffplatten werkseitig entfällt.
Die quaderförmigen Dämmstoffstreifen aus dem im Wesentlichen wasserundurchlässigen
Werkstoff können in einfacher Weise zugeschnitten werden. Weitere Verarbeitungsschritte
sind werkseitig nicht zwingend erforderlich. Somit ist das Verfahren leicht umsetzbar
und flexibel. Im Vergleich zum Anbringen von großflächigen Platten mit kapillarleitfähigen
Durchbrüchen beziehungsweise werkseitig vorgefertigten kapillarleitfähigen Schichten
ist kein sogenanntes Buttering and Floating bei der Verklebung notwendig, da sich
die Dämmstoffstreifen leicht durch Andrücken an mögliche Unebenheiten der Wandoberfläche
anpassen lassen, wodurch auch bei einseitigem Kleberauftrag eine hohlraumfreie Verklebung
möglich ist.
[0040] Vorteilhaft kann mit der Erfindung die energetische Sanierung einer Gebäudewand zu
einem Großteil vom Endverbraucher durchgeführt werden, welcher die Untergrundvorbereitung
in Form der Entfernung von Tapeten und Altanstrichen übernehmen kann und auch die
Dämmstoffstreifen an der Gebäudewand anbringen kann. Vom Handwerker beziehungsweise
Profi erfolgt schließlich der Abschluss der Arbeiten beispielsweise in Form von Überputzen
und Überspachteln des Systems, An- und Verklebung von Laibungsplatten und An- und
Verkleben von Dämmstreifen bei Detailanschlüssen und Durchbrüchen wie beispielsweise
Rohrdurchbrüchen. Selbstverständlich können die Arbeitsschritte auch sämtlich vom
Profi übernommen werden.
KURZE BESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0041] Im Folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren näher beschrieben, wobei die Beschreibung
der bevorzugten Ausführungsformen nicht einschränkend für die Erfindung auszulegen
ist. Vielmehr ist dem Fachmann eine Vielzahl von Abwandlungen ersichtlich, die im
Rahmen der Ansprüche möglich sind.
[0042] Es zeigen:
- Fig. 1a bis 1j
- Herstellungsschritte eines Wandaufbaus mit einer Wand und einer innenseitigen Dämmung
nach einer Ausführungsform der Erfindung und
- Fig. 2
- einen quaderförmigen Dämmstoffstreifen in perspektivischer Darstellung.
AUSFÜHRUNGSFORMEN DER ERFINDUNG
[0043] Fig. 1a zeigt eine innen liegende Ecke eines Gebäudes, welche aus zwei Wänden 12
und einem Boden 14 gebildet wird. Rein beispielsweise wird die linke der Wände 12
im Folgenden mit einer innenseitigen Dämmung 20 versehen (vgl. Fig. 1j).
[0044] Fig. 1b zeigt eine auflageflächenseitige Kleberschicht 32, welche vom Endverbraucher
oder vom Profi auf dem Boden 14 aufgetragen wurde. Die auflageflächenseitige Kleberschicht
32 ist beispielsweise 1 bis 2 mm dick.
[0045] In Fig. 1c wurde die auflageflächenseitige Kleberschicht 32 um eine wandseitige Kleberschicht
34 ergänzt, welche direkt an der Wand 12 angebracht wurde. Die wandseitige Kleberschicht
34 wurde ebenfalls in einer Schichtdicke von 1 bis 2 mm aufgebracht. Die auflageflächenseitige
Kleberschicht 32 und die wandseitige Kleberschicht 34 bilden ein Kleberbett 30.
[0046] Fig. 1d zeigt einen quaderförmigen Dämmstoffstreifen 22, welcher ins Kleberbett 30
eingesetzt wurde.
[0047] In Fig. 1e wurde neben dem quaderförmigen Dämmstoffstreifen 22 eine weitere auflageflächenseitige
Kleberschicht 32 auf dem Boden ausgebildet.
[0048] In Fig. 1f wurde, analog zu Fig. 1b und c, die auflageflächenseitige Kleberschicht
32 um eine weitere auflageflächenseitige Kleberschicht 32 und zwei weitere wandseitige
Kleberschichten 34 erweitert.
[0049] In Fig. 1g wurden, analog zu Fig. 1d, zwei weitere quaderförmige Dämmstoffstreifen
22 ins Kleberbett 30 eingesetzt.
[0050] Fig. 1h zeigt eine zweite Lage von quaderförmigen Dämmstoffstreifen 22, welche auf
der ersten Lage mit den ersten drei quaderförmigen Dämmstoffstreifen 22 aufgebracht
wurden. Dabei wurde wie zuvor jeweils ein Kleberbett 30 vorbereitet, wobei hier die
auflageflächenseitige Kleberschicht 32 jeweils direkt auf den Oberseiten der unten
liegenden quaderförmigen Dämmstoffstreifen 22 aufgebracht wurde. Die zweite Lage der
quaderförmigen Dämmstoffstreifen 22 wurde im Vergleich zur ersten Lage um die Hälfte
einer Länge der Dämmstoffstreifens 22 horizontal versetzt.
[0051] Fig. 1i zeigt eine dritte Lage quaderförmiger Dämmstoffstreifen 22, welche auf der
zweiten Lage angeordnet wurden. Die Dämmstoffstreifen 22 und Kleberschichten 32, 34
bilden dabei eine kapillarleitfähige Dämmschicht 36.
[0052] Fig. 1j zeigt den finalen Schritt des Überputzens der kapillarleitfähigen Dämmschicht
36 mit einem kapillarleitfähigen Putz oder Spachtel 40 zur Fertigstellung der innenseitigen
Dämmung 20 der Wand 12.
[0053] Fig. 2 zeigt einen quaderförmigen Dämmstoffstreifen 22, welcher sich für einen Einsatz
im erfindungsgemäßen Verfahren eignet. Der quaderförmige Dämmstoff 22 weist eine Hauptachse
mit einem Längenmaß L, beispielsweise von 1 m, und zwei gegenüber dem Längenmaß L
wesentlich kleiner ausgebildete Dicken- (D) und Höhenmaßen H beispielsweise von je
20 cm auf.
BEZUGSZEICHEN
[0054] 10 Wandaufbau; 12 Wand; 14 Boden; 20 Dämmung; 22 Dämmstoffstreifen; 30 Kleberbett;
32 auflageflächeseitige Kleberschicht; 34 wandseitige Kleberschicht; 36 kapillarleitfähige
Dämmschicht; 40 Putz oder Spachtel
1. Verfahren zur Herstellung eines Wandaufbaus (10) mit einer Wand (12) und einer innenseitigen
Dämmung (20), mit den folgenden Schritten:
a. Bereitstellen eines im Wesentlichen quaderförmigen Dämmstoffstreifens (22) aus
einem wasserundurchlässigen Werkstoff;
b. Bereitstellen eines Kleberbetts (30) für jeweils einen Dämmstoffstreifen (22) mit
zumindest einer wandseitigen Kleberschicht (34) und einer auflageflächeseitigen Kleberschicht
(32), wobei die wandseitige Kleberschicht (34) direkt an der Wand (12) angebracht
wird und die auflageflächeseitige Kleberschicht (32) direkt auf dem Boden benachbart
zur Wand (12) oder auf der Oberseite eines weiteren Dämmstoffstreifens (22) aufgebracht
wird, und wobei zumindest eine der Kleberschichten (32, 34), bevorzugt beide Kleberschichten
(32, 34) jeweils kapillarleitfähig ausgebildet sind;
c. Einsetzen des quaderförmigen Dämmstoffstreifens (22) ins Kleberbett (30);
d. Wiederholen der Schritte a. bis c. bis zur Überdeckung der Wand (12) zur Ausbildung
einer aus den Dämmstoffstreifen (22) und den Kleberschichten (32, 34) gebildeten kapillarleitfähigen
Dämmschicht (36); und
e. Überputzen oder Überspachteln der kapillarleitfähigen Dämmschicht (36) mit einem
kapillarleitfähigen Putz oder Spachtel (40) zur Fertigstellung der innenseitigen Dämmung
(20) der Wand (12).
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die auflageflächeseitigen Kleberschichten (32) von 0,1 % bis 5 %, bevorzugt von 0,5
% bis 3 % einer Fläche der Dämmschicht (36) ausmachen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass auf 1000 mm Wandhöhe jeweils 5 bis 15 Dämmstoffstreifen (22) übereinander angeordnet
werden.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die auflageflächeseitigen Kleberschichten (32) von 0,2 mm bis 3 mm, bevorzugt von
0,5 mm bis 2 mm, weiter bevorzugt bis 1 mm dick aufgebracht werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die wandseitigen Kleberschichten (34) von 1 mm bis 7 mm, bevorzugt von 2 mm bis 5
mm, weiter bevorzugt bis 3 mm dick aufgebracht werden.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die quaderförmigen Dämmstoffstreifen (22) ein Längenmaß (L) bis zu 1,5 m aufweisen,
bevorzugt von 15 cm bis 1,5 m, weiter bevorzugt von 30 cm bis 1,5 m, insbesondere
weiter bevorzugt von 50 cm bis 1,5 m.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die quaderförmigen Dämmstoffstreifen (22) in Richtung senkrecht zur Wand (12) eine
Dicke (D) bis zu 30 cm aufweisen, bevorzugt von 1 cm bis 30 cm, weiter bevorzugt von
5 cm bis 30 cm, insbesondere weiter bevorzugt von 8 cm bis 20 cm.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die quaderförmigen Dämmstoffstreifen (22) aus einem PS und/oder PUR und/oder Schaumglas
enthaltenden Werkstoff, beispielsweise aus einem PU-Aerogel oder aus einem EPS-Werkstoff,
insbesondere einem Pyrolyseöl enthaltenden EPS-Werkstoff oder aus NEOPOR bestehen.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die quaderförmigen Dämmstoffstreifen (22) in Richtung senkrecht zur Wand (12) einen
µ-Wert von mindestens 20 aufweisen.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die quaderförmigen Dämmstoffstreifen (22) in Richtung senkrecht zur Wand (12) einen
SD-Wert von mindestens 0,2 m, bevorzugt mindestens 1 m, weiter bevorzugt mindestens
1,6 m aufweisen.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kleberschichten (32, 34) aus demselben Material oder aus verschiedenen Materialien
bestehen.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kleberschichten (32, 34) jeweils aus einem Mörtel bestehen, wobei der Mörtel
auf Lehm und/oder mineralische Bindemittel wie Zement, Gips, Tonerdeschmelzzement,
Silikat oder Phosphat und/oder Harze wie Naturharze, 2-Komponentenharze, insbesondere
Epoxyharze, PMMA oder PU oder Dispersionsharze wie Acrylat oder Stryrol-Butadien basiert.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Dämmung (20) eine Wärmeleitfähigkeitsstufe WLS bis zu 040, bevorzugt bis zu 035,
weiter bevorzugt bis zu 032, insbesondere weiter bevorzugt von 016 bis 032 aufweist.
14. Verfahren zur energetischen Sanierung einer Gebäudewand von innen, wobei in einem
ersten Schritt die Gebäudewand von Tapeten, Altanstrichen und dgl. befreit wird und
in einem zweiten Schritt ein Wandaufbau (10) mit der Gebäudewand und der innenseitigen
Dämmung (20) gemäß dem Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche hergestellt
wird.