[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Ultraschallentgraten
eines Gegenstandes.
[0002] Eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes sind
in der
DE102016101313A1 und der
DE102019006919B3 offenbart. Ein Ultraschallgenerator erzeugt Ultraschallschwingungen, welche über
eine Arbeitsfläche auf der Spitze der dem zu entgratenden Gegenstand zugewandten sogenannten
Sonotrode in ein Ultraschallübertragungsmedium eingeleitet werden, welches die Schwingungen
auf den zu behandelnden Gegenstand überträgt.
[0003] In Flüssigkeiten (und Gasen) breitet sich Schall nur in Form von longitudinalen Druckwellen
aus, d.h. durch abwechselnde Bereiche höheren und niedrigeren Drucks. Wenn dabei lokal
der Dampfdruck der Flüssigkeit unterschritten wird, erfolgt spontan die Bildung von
Blasen. Dies wird als Kavitation bezeichnet. Erhöht sich der Umgebungsdruck, so schrumpft
die Blase und kann implodieren, wodurch dann eine Stoßwelle in der Flüssigkeit erzeugt
wird. Trifft diese Stoßwelle auf eine Festkörperoberfläche so kann dort Kavitationserosion
auftreten.
[0004] Festkörper weisen spezifische Zugfestigkeiten auf. Werden sie darüber hinaus belastet,
so brechen sie. Mit der Anzahl der Belastungen sinkt die Zugfestigkeit. Ein Versagen
tritt noch früher ein, wenn Vorschädigungen wie z.B. Kerben vorliegen. Dies ist am
Übergang zwischen einem Grat und der Oberfläche eines Bauteils der Fall. Ultraschall
schwingt im Kilohertzbereich und eine durch Ultraschall angeregte Schwingung belastet
solche Sollbruchstellen an Graten mehrere Tausendmal pro Sekunde und führt nach geeigneter
Dauer und Stärke der Schwingung zu einem Abbrechen des Grates.
[0005] Wesentliche Kriterien für den Entgrateffekt der Vorrichtung nach der
DE102016101313A1 sind gemäß [Direkt2017 = http://trends.directindustry.de/weberultrasonics/project-22604-144007.html;
abgerufen am 06.10.2019] die Amplitude, Leistung und Frequenz des Ultraschalls sowie
die Entfernung zum Werkstück und die Behandlungszeit. Die Einstellung dieser betriebsspezifischen
Parameter ermöglicht, das gesamte Spektrum von der Mikro- bis zur Grobentgratung an
Bauteilen aus Aluminium- oder Zinklegierungen durchzuführen.
[0006] Als weiteres wesentliches Kriterium für den Entgrateffekt wird in der
DE102019006919B3 die Ausrichtung der Sonotrode relativ zur Oberfläche des zu entgratenden Gegenstandes
offenbart. Bei geeigneter Wahl dieser Ausrichtung und dem daraus resultierenden Auftreffwinkel
der Schallwellen bilden sich sogenannte Rayleighwellen an und in der Oberfläche des
zu entgratenden Gegenstandes aus. Unter einem materialspezifischen Rayleigh-Auftreffwinkel
bilden sich solche Rayleighwellen in maximaler Stärke aus und es tritt eine Resonanzkatastrophe
auf. Dieser Effekt erlaubt auch die Entgratung hochfester Werkstoffe und lässt sich
folgt erklären:
Tritt eine Schallwelle schräg auf die Grenzfläche zweier Medien, so wird ein Teil
an der Grenzfläche in das erste Medium reflektiert und der andere Teil dringt in das
zweite Medium ein. Die eindringende Schallwelle wird gebrochen. In Festkörpern wird
auf Grund der bei der Durchschallung auftretenden Torsionskräfte durch die longitudinale
Schallwelle (auch Druckwelle genannt) auch eine transversale Schallwelle (auch Schub-
oder Scherwelle genannt) erzeugt. Abhängig von der Art des Festkörpers tritt ab einem
spezifischen Auftreffwinkel Totalreflexion auf, so dass sich im Festkörper dann nur
noch Transversalwellen ausbreiten. In einem Übergangsbereich können sich an und in
der Oberfläche fester Körper sog. Rayleighwellen ausbreiten (Erdbebenwellen). Deren
Bewegung entspricht einer ellipsenartigen Überlagerung transversaler und longitudinaler
Schwingungskomponenten. Die Intensität von Rayleighwellen nimmt mit der Eindringtiefe
exponentiell ab. An der Oberfläche bewirken Rayleighwellen jedoch starke Spannungen.
[0007] Die Stärke der Rayleighwellen hängt wie vorstehend genannt maßgeblich von einem materialspezifischen
Auftreffwinkel der Schallwellen auf die Oberfläche des Gegenstandes ab, wobei sowohl
das Material des flüssigen Ultraschallübertragungsmediums (meist Wasser) als auch
das des zu entgratenden Gegenstandes eine Rolle spielen. Das Maximum tritt auf, wenn
die auftreffenden Longitunalwellen in der Oberfläche des Gegenstandes Rayleighwellen
derart anregen, dass eine Resonanzkatastrophe eintritt. Dies ist der Fall bei einem
materialspezifischen Auftreffwinkel α von

wobei v
L die materialspezifische Schallgeschwindigkeit der auftreffenden Longitunalwellen
und v
R die materialspezifische Schallgeschwindigkeit der angeregten Rayleighwellen bezeichnet.
[0008] Die Überlagerung von derart in der Oberfläche des zu entgratenden Gegenstandes angeregten
Rayleighwellen mit den aus dem Stand der Technik bekannten longitudinalen Druckwellen
und implosionsinduzierten Stoßwellen in der Ultraschallübertragungsflüssigkeit führt
zu einer deutlich erhöhten Belastung der Oberfläche pro Zeiteinheit und ermöglicht
dadurch auch das Ultraschallentgraten von hochfesten Werkstoffen.
[0009] Allerdings lässt sich eine geeignete Ausrichtung der Sonotrode relativ zu der jeweils
zu beaufschlagenden Oberfläche des zu entgratenden Gegenstandes bei Bauteilen mit
komplexerer Geometrie, insbesondere bei in Hinterschnitten und Bohrungen befindlichen
oder anderweitig verdeckten Graten, nur schlecht oder auch gar nicht verwirklichen.
[0010] Es ist daher Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Ultraschallentgraten
eines Gegenstandes anzugeben, welche das Anwendungsspektrum des Ultraschallentgratens
auf solche schwer zugänglichen Grate erweitern.
[0011] Die Aufgabe wird bezüglich des Verfahrens zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes
bei dem Ultraschall über einen Ultraschallgenerator erzeugt und über eine in einem
Ultraschallübertragungsmedium befindliche Sonotrode in einen zu entgratenden Gegenstand
eingeleitet wird, wobei die Sonotrode in einem definierten Abstand zwischen einer
Arbeitsfläche an der Spitze der Sonotrode und der in diesem Abstand vor dieser Arbeitsfläche
befindlichen zu entgratenden Oberfläche des Gegenstandes angeordnet wird, und wobei
diese Arbeitsfläche der Sonotrode relativ zu der zu entgratenden Oberfläche des Gegenstandes
definiert ausgerichtet wird, derart, dass die Flächennormale dieser Arbeitsfläche
der Sonotrode unter einem vorgebbaren Winkel auf die zu entgratende Oberfläche des
Gegenstandes ausgerichtet wird, bei dem Rayleighwellen in der Oberfläche des Gegenstandes
erzeugt werden, erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass eine Sonotrode verwendet wird,
die mindestens eine ebene Arbeitsfläche aufweist, deren Flächennormale gegenüber der
Hauptachse der Sonotrode geneigt ist.
[0012] Ein solches erfindungsgemäßes Verfahren zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes
ermöglicht durch die Verwendung einer Sonotrode mit einer derart gegenüber der Hauptachse
der Sonotrode geneigten ebenen Arbeitsfläche das erforderliche Auftreffen der Schallwellen
unter dem materialspezifischen Auftreffwinkel auf der zu entgratenden Oberfläche des
Gegenstandes auch dann, wenn sich diese Oberfläche in einem schwer zugänglichen Bereich
des Gegenstandes befindet, da so nicht die gesamte Sonotrode entsprechend ausgerichtet
werden muss, (was aufgrund von deren räumlichen Abmessungen häufig nicht möglich ist,)
sondern lediglich die ebene Arbeitsfläche der Sonotrode ausgerichtet werden muss.
[0013] Dabei erfolgt die Einstellung des gewünschten Auftreffwinkels derart, dass zunächst
die Position des zu entgratenden Bereichs und dessen Erreichbarkeit mit einer Sonotrodenspitze
ermittelt wird und dann eine Sonotrode mit einer Arbeitsfläche in geeigneter Neigung
relativ zur Hauptachse der Sonotrode verwendet und geeignet positioniert wird, so
dass die von ihr ausgehenden Schallwellen unter dem gewünschten Auftreffwinkel auf
den zu entgratenden Bereich des Gegenstandes auftreffen. Dazu kann die Sonotrode in
den schwer zugänglichen Bereich, z.B. in eine Bohrung, eingeführt werden und der Auftreffwinkel
durch Neigung der Sonotrode im Bedarfsfall auch noch nachjustiert werden.
[0014] Die geneigte Arbeitsfläche der Sonotrode regt infolge ihrer Schwingungen die Aussendung
von longitudinalen Schallwellen in Richtung ihrer Flächennormalen an, d.h. geneigt
zur Hauptachse der Sonotrode. Zwar weist eine solchermaßen geneigte ebene Arbeitsfläche
(gegenüber einer üblichen zur Hauptachse der Sonotrode senkrecht angeordneten ebenen
Arbeitsfläche) eine (je nach Grad der Neigung) verringerte Schallleistung in Richtung
ihrer Flächennormalen auf (da ein Teil der Schallleistung immer auch in Richtung der
Hauptachse der Sonotrode abgestrahlt wird) aber der Vorteil der besseren Erreichbarkeit
von - ansonsten schwer oder auch gar nicht erreichbaren - verdeckten Bereichen kompensiert
diesen Nachteil bei weitem. Im Übrigen kann die verringerte Schallleistung in Richtung
der Flächennormale der ebenen Arbeitsfläche auch durch eine Erhöhung der in die Sonotrode
eingebrachten Leistung kompensiert werden.
[0015] Wesentlich hierbei ist die ebene Ausgestaltung der Arbeitsfläche an der Sonotrodenspitze.
Eigene Versuche haben gezeigt, dass mit einer gekrümmten Arbeitsfläche, insbesondere
einer halbkugelförmigen Sonotrodenspitze, keine ausreichende Schallleistung in den
zu entgratenden Bereich des Gegenstandes eingebracht werden kann. Anscheinend erzeugt
eine gekrümmte Arbeitsfläche sich überlagernde und gegenseitig störende Schallwellen,
die für die angestrebte Entgratung nicht geeignet sind.
[0016] Als besonders vorteilhaft erweist sich das erfindungsgemäße Verfahren zum Ultraschallentgraten
eines Gegenstandes, wenn eine Sonotrode verwendet wird, die mindestens eine ebene
Arbeitsfläche aufweist, deren Flächennormale gegenüber der Hauptachse der Sonotrode
um einen Winkel zwischen 20° und 45° geneigt ist.
[0017] Dies stellt einen guten Kompromiss dar zwischen der verbesserten Erreichbarkeit verdeckter
Bereiche und der in Zielrichtung verminderten Schallleistung einer gegenüber der Hauptachse
der Sonotrode geneigten Arbeitsfläche.
[0018] In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung erweist sich das erfindungsgemäße Verfahren
zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes, wenn eine Sonotrode verwendet wird, die
mindestens zwei ebene Arbeitsflächen aufweist, deren jeweilige Flächennormale jeweils
gegenüber der Hauptachse der Sonotrode geneigt ist, vorzugsweise jeweils um einen
Winkel zwischen 20° und 45° geneigt ist.
[0019] Dies erlaubt die gleichzeitige Schallbeaufschlagung zweier zu entgratender Bereiche
und beschleunigt dadurch das Verfahren erheblich.
[0020] Gute Ergebnisse werden erzielt, wenn die beiden zu entgratenden Bereiche derart in
einem (von außen verdeckten) Bereich des Gegenstandes (z.B. in einer Bohrung) liegen,
dass die Sonotrodenspitze in gleichen Abstand zu beiden zu entgratenden Bereichen
positioniert werden kann und die jeweiligen Flächennormalen ihre beiden ebenen Arbeitsflächen
jeweils auf einen der beiden zu entgratenden Bereiche ausgerichtet sind und keine
Abschattung der von ihnen ausgehenden Schallwellen in Richtung auf die zu entgratenden
Bereiche besteht.
[0021] In besonders vorteilhafter Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird eine
Sonotrode verwendet, deren mindestens zwei ebene Arbeitsflächen sich auf zwei einander
gegenüberliegenden Seiten der Sonotrodenspitze befinden. Die Arbeitsflächen sind dann
auf der Sonotrodenspitze in der Art eines Satteldaches angeordnet. Bei einer solchen
Anordnung ist die wechselseitige Beeinflussung der von den beiden Arbeitsflächen ausgehenden
Schallwellen minimal und der Entgrateffekt optimal.
[0022] Die Anordnung der beiden einander gegenüberliegenden Arbeitsflächen auf der Sonotrodenspitze,
d.h. die Neigung ihrer jeweiligen Flächennormalen zur Hauptachse der Sonotrode, ist
dabei (je nach räumlicher Anordnung der zu entgratenden Bereiche innerhalb des schwer
zugänglichen Bereichs des Gegenstandes) so zu gestalten, dass (bei Positionierung
der Sonotrodenspitze in geeignetem Abstand zwischen den beiden zu entgratenden Bereichen)
die von der jeweiligen Arbeitsfläche ausgehenden Schallwellen jeweils unter dem erforderlichen
materialspezifischen Auftreffwinkel auf dem jeweiligen zu entgratenden Bereich auftreffen.
Je nach räumlicher Anordnung der zu entgratenden Bereiche innerhalb des schwer zugänglichen
Bereichs des Gegenstandes kann deshalb eine gleiche oder auch eine unterschiedliche
Neigung der jeweiligen Flächennormalen der beiden Arbeitsflächen vorteilhaft sein.
[0023] Dieses Prinzip lässt sich auf weitere zu entgratende Bereiche erweitern, wobei dann
für jeden gleichzeitig zu entgratenden Bereich eine geneigte ebene Arbeitsfläche vorzusehen
ist. Die Sonotrodenspitze wird dann z.B. für drei oder vier zu entgratende Bereiche
in Form einer drei- oder vierseitigen Pyramide ausgestaltet. Mit zunehmender Anzahl
von Arbeitsflächen treten aber auch stärkere wechselseitige Beeinflussungen und Störungen
der von ihnen ausgesendeten Schallwellen auf. Eigene Versuche haben gezeigt, dass
mit einer Sonotrodenspitze in Form einer vierseitigen Pyramide, d.h. mit vier Arbeitsflächen,
noch eine gute Entgratung erzielt werden kann.
[0024] In weiter vorteilhafter Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Ultraschallentgraten
eines Gegenstandes wird eine Sonotrode verwendet, deren Querschnitt an ihrer Spitze
senkrecht zu ihrer Hauptachse dem Querschnitt eines zu entgratenden Innenbereichs
des Gegenstandes angepasst ist.
[0025] Soll zum Beispiel die Innenseite eines Schlüssellochs bzw. dessen Führungsschlitz
entgratet werden, so ist eine Sonotrode besonders geeignet, deren Querschnitt an ihrer
Spitze senkrecht zu ihrer Hauptachse dem Querschnitt des Führungsschlitz derart angepasst
ist, dass die Sonotrode (bei ihrer Positionierung innerhalb des Führungsschlitzes)
zu jeder Seite des Führungsschlitzes gerade den definierten Abstand zwischen jeder
der mindestens einen Arbeitsfläche an der Spitze der Sonotrode und der jeweils senkrecht
zu dieser Arbeitsfläche befindlichen zu entgratenden Oberfläche des Führungsschlitzes
aufweist. Dabei ist es für die Entgratung eines üblichen Führungsschlitzes (wie z.B.
für einen Schließzylinder) mit einer (im Wesentlichen) rechteckigen Querschnittsgeometrie
mit wesentlich längeren Längs- als Breitseiten ausreichend, wenn lediglich die beiden
Längsseiten der in ihrem Querschnitt ebenfalls rechteckförmigen Sonotrodenspitze eine
Arbeitsfläche aufweisen. Bei größerer Länge der Breitseiten des Querschnitts des Führungsschlitzes
ist es aber vorteilhaft, wenn auch die beiden Breitseiten der in ihrem Querschnitt
rechteckförmigen Sonotrodenspitze eine Arbeitsfläche aufweisen.
[0026] Diese Formanpassung erlaubt eine gleichzeitige Entgratung des gesamten Innenumfangs
des Führungsschlitzes und damit eine erhebliche Beschleunigung des Verfahrens gegenüber
der Verwendung einer Sonotrode mit nur einer Arbeitsfläche, welche jeweils separat
in dem definierten Abstand positioniert und auf die zu entgratenden Bereiche des Führungsschlitzes
ausgerichtet werden muss.
[0027] Die Aufgabe wird bezüglich der Vorrichtung zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes
umfassend einen Ultraschallgenerator, eine Sonotrode, eine Einrichtung zur Aufnahme
eines zu entgratenden Gegenstandes sowie eine Einrichtung zur definierten Einstellung
des Abstandes zwischen einer Arbeitsfläche an der Spitze der Sonotrode und der in
diesem Abstand vor dieser Arbeitsfläche befindlichen zu entgratenden Oberfläche des
Gegenstandes sowie eine Einrichtung zur definierten Ausrichtung dieser Arbeitsfläche
der Sonotrode relativ zu der zu entgratenden Oberfläche des Gegenstandes, derart,
dass die Flächennormale dieser Arbeitsfläche der Sonotrode unter einem vorgebbaren
Winkel auf die Oberfläche des Gegenstandes ausrichtbar ist, erfindungsgemäß dadurch
gelöst, dass die Sonotrode mindestens eine ebene Arbeitsfläche aufweist, deren Flächennormale
gegenüber der Hauptachse der Sonotrode geneigt ist. Dies führt im Betrieb der Vorrichtung
dazu, dass eine von dieser mindestens einen geneigten ebenen Arbeitsfläche ausgestrahlte
Schallwelle unter einem vorgebbaren Winkel auf die Oberfläche des Gegenstandes auftrifft.
[0028] Eine solche erfindungsgemäße Vorrichtung zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes
ermöglicht durch die erfindungsgemäß geneigte ebene Arbeitsfläche der Sonotrode und
deren Ausrichtung relativ zur Oberfläche des Gegenstandes auch die Entgratung von
schwer zugänglichen Bereichen des Gegenstandes, die in einer Ultraschallbehandlungsvorrichtung
ansonsten nach dem Stand der Technik bislang nicht möglich war.
[0029] Bei einer Ultraschallbehandlungsvorrichtung nach dem Stand der Technik muss die gesamte
Sonotrode derart ausgerichtet werden, dass die von ihr ausgestrahlte Schallwelle unter
einem materialspezifischen Auftreffwinkel auf die zu entgratende Oberfläche des Gegenstandes
auftrifft, und dies ist in schwer zugänglichen Bereichen wie zum Beispiel einer Bohrung
aufgrund der Abmessungen der Sonotrode meist nicht möglich. Im Gegensatz dazu weist
die erfindungsgemäße Vorrichtung eine Sonotrode mit einer geneigten Arbeitsfläche
auf, deren Neigung gegenüber der Hauptachse der Sonotrode im Idealfall bereits dem
materialspezifischen Auftreffwinkel entspricht, so dass keine weitere Ausrichtung
der Sonotrode und damit auch von deren Arbeitsfläche erforderlich ist. Anderenfalls,
das heißt, wenn der aufgrund der Neigung der Arbeitsfläche resultierende Auftreffwinkel
auf der zu entgratenden Oberfläche des Gegenstandes nicht dem materialspezifischen
Auftreffwinkel des Gegenstandes entspricht, bedarf es lediglich einer meist geringfügigen
Nachjustierung der Ausrichtung der Sonotrode, welche bei den meisten schwer zugänglichen
Bereichen trotz der Abmessungen der Sonotrode noch möglich ist.
[0030] Wesentlich hierbei ist die ebene Ausgestaltung der Arbeitsfläche. Eigene Versuche
haben gezeigt, dass mit einer gekrümmten Arbeitsfläche, insbesondere einer halbkugelförmigen
keine ausreichende Schallleistung in den zu entgratenden Bereich des Gegenstandes
eingebracht werden kann. Anscheinend erzeugt eine gekrümmte Arbeitsfläche sich überlagernde
und gegenseitig störende Schallwellen, die für die angestrebte Entgratung nicht geeignet
sind.
[0031] Als besonders vorteilhaft erweist sich die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Ultraschallentgraten
eines Gegenstandes, wenn sie eine Sonotrode mit mindestens einer ebenen Arbeitsfläche
aufweist, deren Flächennormale gegenüber der Hauptachse der Sonotrode um einen Winkel
zwischen 20° und 45° geneigt ist.
[0032] Dies stellt einen guten Kompromiss dar zwischen der verbesserten Erreichbarkeit verdeckter
Bereiche und der in Zielrichtung verminderten Schallleistung einer gegenüber der Hauptachse
der Sonotrode geneigten Arbeitsfläche.
[0033] Weiter vorteilhaft ist es, wenn die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Ultraschallentgraten
eines Gegenstandes eine Sonotrode mit mindestens zwei ebenen Arbeitsflächen aufweist,
deren jeweilige Flächennormale jeweils gegenüber der Hauptachse der Sonotrode geneigt
ist, vorzugsweise jeweils um einen Winkel zwischen 20° und 45° geneigt ist.
[0034] Dies erlaubt die gleichzeitige Schallbeaufschlagung zweier zu entgratender Bereiche
und verbessert dadurch die Effektivität der Vorrichtung erheblich.
[0035] In besonders vorteilhafter Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Vorrichtung weist
die Sonotrode mindestens zwei ebene Arbeitsflächen auf, die sich auf zwei einander
gegenüberliegenden Seiten der Sonotrodenspitze befinden. Die Arbeitsflächen sind dann
auf der Sonotrodenspitze in der Art eines Satteldaches angeordnet. Bei einer solchen
Anordnung ist die wechselseitige Beeinflussung der von den beiden Arbeitsflächen ausgehenden
Schallwellen minimal und der Entgrateffekt optimal.
[0036] Je nach räumlicher Anordnung der zu entgratenden Bereiche innerhalb des schwer zugänglichen
Bereichs des Gegenstandes kann eine gleiche oder auch eine unterschiedliche Neigung
der jeweiligen Flächennormalen der beiden Arbeitsflächen vorteilhaft sein.
[0037] Dieses Prinzip lässt sich auf weitere zu entgratende Bereiche erweitern, wobei dann
für jeden gleichzeitig zu entgratenden Bereich eine geneigte ebene Arbeitsfläche vorzusehen
ist. Die Sonotrodenspitze wird dann z.B. für drei oder vier zu entgratende Bereiche
in Form einer drei- oder vierseitigen Pyramide ausgestaltet. Mit zunehmender Anzahl
von Arbeitsflächen treten aber auch stärkere wechselseitige Beeinflussungen und Störungen
der von ihnen ausgesendeten Schallwellen auf. Eigene Versuche haben gezeigt, dass
mit einer Sonotrodenspitze in Form einer vierseitigen Pyramide, d.h. mit vier Arbeitsflächen,
noch eine gute Entgratung erzielt werden kann.
[0038] In weiter vorteilhafter Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Ultraschallentgraten
eines Gegenstandes weist diese eine Sonotrode auf, deren Querschnitt an ihrer Spitze
senkrecht zu ihrer Hauptachse dem Querschnitt eines zu entgratenden Innenbereichs
des Gegenstandes angepasst ist.
[0039] Soll die Vorrichtung zum Beispiel für die Entgratung der Innenseite eines Schlüssellochs
bzw. dessen Führungsschlitz verwendet werden, so ist eine Sonotrode besonders geeignet,
deren Querschnitt an ihrer Spitze senkrecht zu ihrer Hauptachse dem Querschnitt des
Führungsschlitz derart angepasst ist, dass die Sonotrode (bei ihrer Positionierung
innerhalb des Führungsschlitzes) zu jeder Seite des Führungsschlitzes gerade den definierten
Abstand zwischen jeder der mindestens einen Arbeitsfläche an der Spitze der Sonotrode
und der jeweils senkrecht zu dieser Arbeitsfläche befindlichen zu entgratenden Oberfläche
des Führungsschlitzes aufweist. Dabei ist es für die Entgratung eines üblichen Führungsschlitzes
(wie z.B. für einen Schließzylinder) mit einer (im Wesentlichen) rechteckigen Querschnittsgeometrie
mit wesentlich längeren Längs- als Breitseiten ausreichend, wenn lediglich die beiden
Längsseiten der in ihrem Querschnitt ebenfalls rechteckförmigen Sonotrodenspitze eine
Arbeitsfläche aufweisen. Bei größerer Länge der Breitseiten des Querschnitts des Führungsschlitzes
ist es aber vorteilhaft, wenn auch die beiden Breitseiten der in ihrem Querschnitt
rechteckförmigen Sonotrodenspitze eine Arbeitsfläche aufweisen.
[0040] Diese Formanpassung der Sonotrodenspitze erlaubt eine gleichzeitige Entgratung des
gesamten Innenumfangs des Führungsschlitzes und damit eine erheblich verbesserte Effizienz
der Vorrichtung gegenüber einer Vorrichtung mit einer Sonotrode mit nur einer Arbeitsfläche,
welche jeweils separat in dem definierten Abstand positioniert und auf die zu entgratenden
Bereiche des Führungsschlitzes ausgerichtet werden muss.
[0041] Nachfolgend werden anhand eines Ausführungsbeispiels die erfindungsgemäße Vorrichtung
und das erfindungsgemäße Verfahren zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes näher
erläutert:
Gemäß dem Ausführungsbeispiel wird Ultraschall über einen Ultraschallgenerator erzeugt
und über eine in einem Ultraschallübertragungsmedium befindliche Sonotrode in einen
zu entgratenden Gegenstand eingeleitet, wobei die Sonotrode in einem definierten Abstand
zwischen einer Arbeitsfläche an der Spitze der Sonotrode und der in diesem Abstand
vor dieser Arbeitsfläche befindlichen zu entgratenden Oberfläche des Gegenstandes
angeordnet wird und wobei diese Arbeitsfläche der Sonotrode relativ zu der zu entgratenden
Oberfläche des Gegenstandes definiert ausgerichtet wird, derart, dass die Flächennormale
dieser Arbeitsfläche der Sonotrode unter einem vorgebbaren Winkel auf die zu entgratende
Oberfläche des Gegenstandes ausgerichtet wird, und erfindungsgemäß wird dabei eine
Sonotrode verwendet, die an ihrer Spitze zwei ebene Arbeitsflächen aufweist.
[0042] Diese Sonotrode ist speziell ausgestaltet für die Entgratung der Innenseite des Führungsschlitzes
eines Schließzylinders mit einem Querschnitt von 7,5 mal 2,5 mm
2 und dementsprechend ist der Querschnitt der Sonotrodenspitze rechteckig ausgestaltet
mit einer Länge von 6,5 mm und einer Breite von 1,9 mm. Lediglich die beiden Längsseiten
der Sonotrodenspitze sind angeschrägt und als geneigte ebene Arbeitsflächen ausgestaltet,
deren jeweilige Flächennormale gegenüber der Hauptachse der Sonotrode jeweils um 30°
geneigt ist, so dass die Sonotrodenspitze die Form eines Satteldaches aufweist.
[0043] Der Neigungswinkel der beiden Arbeitsflächen an der Sonotrodenspitze entspricht dem
materialspezifischen Auftreffwinkel des Werkstoffes des Schließzylinders.
[0044] Dadurch ist keine weitere Ausrichtung der Sonotrode relativ zu der zu entgratenden
Innenfläche des Führungsschlitzes des Schließzylinders erforderlich, sondern die Sonotrode
kann einfach mit gleichmäßiger Geschwindigkeit zentral in den Führungsschlitz des
Schließzylinders eingeführt und dabei betrieben werden. Durch diese zentrale Positionierung
der Sonotrode innerhalb des Führungsschlitzes und die vorstehend genannten Abmessungen
der Sonotrode und des Führungsschlitzes weisen beide Arbeitsflächen der Sonotrode
gerade den erforderlichen Abstand zu der zu entgratenden Innenfläche des Führungsschlitzes
auf.
[0045] Im Betrieb der Sonotrode sind die beiden Arbeitsflächen der Sonotrode somit geeignet
beabstandet und ausgerichtet damit die von ihnen jeweils ausgestrahlten Ultraschallwellen
unter einem Neigungswinkel zur Oberfläche in die zu entgratende Oberfläche des Führungsschlitzes
eingebracht werden, bei dem Rayleighwellen maximaler Stärke in der Oberfläche des
Führungsschlitzes erzeugt werden. Gemäß dem Ausführungsbeispiel wird als Ultraschallübertragungsmedium
Wasser verwendet.
[0046] Über das Ultraschallübertragungsmedium wird Ultraschall mit einer Frequenz von 20
kHz und einer effektiven Leistung der Sonotrode von 300 W und einem Abstand der jeweiligen
Arbeitsfläche von der zu entgratenden Innenwand des Führungsschlitzes von 0,25 mm
über eine Prozessdauer von 20-30 Sekunden und unter dem Auftreffwinkel von 30° in
die zu entgratende Oberfläche des Führungsschlitzes des Schließzylinders eingebracht.
[0047] Die vorstehend beschriebene Vorrichtung und das Verfahren zum Entgraten von Gegenständen
ermöglichen (durch die gegenüber der Hauptachse der Sonotrode geneigte mindestens
eine ebene Arbeitsfläche) das für die Ausbildung von Rayleighwellen erforderliche
Auftreffen der Schallwellen unter dem materialspezifischen Auftreffwinkel auf der
zu entgratenden Oberfläche des Gegenstandes auch dann, wenn sich diese Oberfläche
in einem schwer zugänglichen Bereich des Gegenstandes befindet, z.B. an im Inneren
des Führungsschlitzes eines Schließzylinders.
[0048] Dadurch erweisen sich die erfindungsgemäße Vorrichtung und das erfindungsgemäße Verfahren
zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes als besonders geeignet für die Entgratung
von schwer zugänglichen Bereichen von Gegenständen, zum Beispiel dem Führungsschlitz
eines Schließzylinders.
1. Verfahren zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes bei dem Ultraschall über einen
Ultraschallgenerator erzeugt und über eine in einem Ultraschallübertragungsmedium
befindliche Sonotrode in einen zu entgratenden Gegenstand eingeleitet wird, wobei
die Sonotrode in einem definierten Abstand zwischen einer Arbeitsfläche an der Spitze
der Sonotrode und der in diesem Abstand vor dieser Arbeitsfläche befindlichen zu entgratenden
Oberfläche des Gegenstandes angeordnet wird, und wobei diese Arbeitsfläche der Sonotrode
relativ zu der zu entgratenden Oberfläche des Gegenstandes definiert ausgerichtet
wird, derart, dass die Flächennormale dieser Arbeitsfläche der Sonotrode unter einem
vorgebbaren Winkel auf die zu entgratende Oberfläche des Gegenstandes ausgerichtet
wird, bei dem Rayleighwellen in der Oberfläche des Gegenstandes erzeugt werden,
dadurch gekennzeichnet,
das eine Sonotrode verwendet wird, die mindestens eine ebene Arbeitsfläche aufweist,
deren Flächennormale gegenüber der Hauptachse der Sonotrode geneigt ist.
2. Verfahren zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Sonotrode verwendet wird, die mindestens eine ebene Arbeitsfläche aufweist,
deren Flächennormale gegenüber der Hauptachse der Sonotrode um einen Winkel zwischen
20° und 45° geneigt ist.
3. Verfahren zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
eine Sonotrode verwendet wird, die mindestens zwei ebene Arbeitsflächen aufweist,
deren jeweilige Flächennormale jeweils gegenüber der Hauptachse der Sonotrode geneigt
ist, vorzugsweise jeweils um einen Winkel zwischen 20° und 45° geneigt ist.
4. Verfahren zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Sonotrode verwendet, deren mindestens zwei ebene Arbeitsflächen sich auf zwei
einander gegenüberliegenden Seiten der Sonotrodenspitze befinden.
5. Verfahren zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes nach einem der vorhergehenden
Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Sonotrode verwendet, deren Querschnitt an ihrer Spitze senkrecht zu ihrer Hauptachse
dem Querschnitt eines zu entgratenden Innenbereichs des Gegenstandes angepasst ist.
6. Vorrichtung zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes umfassend einen Ultraschallgenerator,
eine Sonotrode eine Einrichtung zur Aufnahme des zu entgratenden Gegenstandes sowie
eine Einrichtung zur definierten Einstellung des Abstandes zwischen einer Arbeitsfläche
an der Spitze der Sonotrode und der in diesem Abstand vor dieser Arbeitsfläche befindlichen
zu entgratenden Oberfläche des Gegenstandes sowie eine Einrichtung zur definierten
Ausrichtung dieser Arbeitsfläche der Sonotrode relativ zu der zu entgratenden Oberfläche
des Gegenstandes, derart, dass die Flächennormale dieser Arbeitsfläche der Sonotrode
unter einem vorgebbaren Winkel auf die Oberfläche des Gegenstandes ausrichtbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Sonotrode mindestens eine ebene Arbeitsfläche aufweist, deren Flächennormale
gegenüber der Hauptachse der Sonotrode geneigt ist.
7. Vorrichtung zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Sonotrode mindestens eine ebene Arbeitsfläche aufweist, deren Flächennormale
gegenüber der Hauptachse der Sonotrode um einen Winkel zwischen 20° und 45° geneigt
ist.
8. Vorrichtung zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes nach Anspruch 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Sonotrode mindestens zwei ebene Arbeitsflächen aufweist, deren jeweilige Flächennormale
jeweils gegenüber der Hauptachse der Sonotrode geneigt ist, vorzugsweise jeweils um
einen Winkel zwischen 20° und 45° geneigt ist.
9. Vorrichtung zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Sonotrode mindestens zwei ebene Arbeitsflächen aufweist, die sich auf zwei einander
gegenüberliegenden Seiten der Sonotrodenspitze befinden.
10. Vorrichtung zum Ultraschallentgraten eines Gegenstandes nach einem der Ansprüche 6
bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Sonotrode derart ausgestaltet ist, dass ihr Querschnitt an ihrer Spitze senkrecht
zu ihrer Hauptachse dem Querschnitt eines zu entgratenden Innenbereichs des Gegenstandes
angepasst ist.