[0001] Die Erfindung betrifft einen Lenkflugkörper mit einem Antriebssystem, umfassend ein
Triebwerk mit wenigstens einer Triebwerkseinheit, die eine Brennkammer und wenigstens
eine in ihrer Ausrichtung fest mit der Brennkammer über eine Verbindungsleitung verbundene
Austrittsdüse aufweist und dazu ausgebildet ist, einen Treibgasstrom durch die Austrittsdüse
auszustoßen.
[0002] Antriebssysteme für Lenkflugkörper, die ein Triebwerk mit einer Triebwerkseinheit
aufweisen sind grundsätzlich aus dem Stand der Technik bekannt. Hierbei kann in einer
Brennkammer Brennstoff bzw. Treibstoff verbrannt werden und die Verbrennungsgase unter
Druck aus einer über eine Verbindungsleitung mit der Brennkammer verbundene Austrittsdüse
als Treibgasstrom ausgestoßen werden, um die Bewegung des Lenkflugkörpers zu erzeugen
bzw. zu verändern. Um eine Schubvektorsteuerung vorzunehmen sind verschiedene Systeme
bekannt, beispielsweise in Form von separaten Querschub-Triebwerken, die jedoch verglichen
mit Haupttriebwerken, die für den Längstrieb des Lenkflugkörpers vorgesehen sind,
eine deutlich geringere Leistung aufweisen, sodass der maximal erzeugbare Querschub
stark begrenzt ist.
[0003] Weitere Schubvektorsteuerungen können in Form von schwenkbaren Austrittsdüsen, zum
Beispiel Pendeldüsen, bereitgestellt werden. Hierbei ist bekannt, dass deren Schwenkbereich
begrenzt ist, beispielsweise auf einen Bereich unterhalb von 20° für Pendeldüsen.
Andere bekannte Schubvektorsysteme erfordern Drehgelenke bzw. Düsennadeln oder abweichende
Kinematiken, die in den Heißgasstrahl eingreifen. Derartige Systeme sind daher in
Bezug auf ihre Ausführung aufwendig, da diese den hohen Abgastemperaturen zuverlässig
standhalten müssen, um diese vor der starken Erosion im Heißgasstrahl zu schützen.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde einen demgegenüber verbesserten Lenkflugkörper
anzugeben.
[0005] Die Aufgabe wird durch einen Lenkflugkörper mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0006] Wie eingangs beschrieben, betrifft die Erfindung einen Lenkflugkörper mit einem Antriebssystem,
das ein Triebwerk aufweist. Das Triebwerk weist wiederum wenigstens eine Triebwerkseinheit
auf, die eine Brennkammer und wenigstens eine Austrittsdüse aufweist, die über eine
Verbindungsleitung mit der Brennkammer verbunden ist. Der Begriff "Austrittsdüse"
kann allgemein durch den Begriff "Austrittsöffnung" ersetzt werden. Die Austrittsdüse
bildet zum Beispiel eine zur Triebwerkslängsachse gekröpfte Düse aus. Beispielsweise
kann die Verbindungsleitung zumindest in einem Abschnitt ausgehend von einem Bereich
der Brennkammer radial von der Triebwerkslängsachse nach außen führen und in die wiederum
in eine Richtung parallel zu der Triebwerkslängsachse gekröpfte Austrittsdüse münden.
Die Austrittsdüse bzw. ein aus der Austrittsdüse austretender Treibgasstrom, insbesondere
ein Heißgasstrahl, kann auch unter einem bestimmten Winkel relativ zu einer zur Triebwerkslängsachse
parallelen Achse, beispielsweise unter einem Winkel relativ zu einer Außenfläche des
Rumpfes des Lenkflugkörpers, ausgestoßen werden. Wie beschrieben, ist die Austrittsöffnung
fest über die Verbindungsleitung mit der Brennkammer verbunden, sodass eine Veränderung
der Ausrichtung der Austrittsöffnung relativ zu der Brennkammer nicht möglich ist.
[0007] Die Erfindung beruht auf der Erkenntnis, dass das Antriebssystem des Lenkflugkörpers
eine Stelleinrichtung aufweist, die dazu ausgebildet ist, die Ausrichtung der Brennkammer
und der wenigstens einen Austrittsdüse der wenigstens einen Triebwerkseinheit um eine,
insbesondere senkrecht zu einer Längsachse des Lenkflugkörpers ausgerichtete, Drehachse
in wenigstens eine erste Ausstoßposition und wenigstens eine zweite Ausstoßposition
zu drehen. Mit anderen Worten kann der wenigstens einen Triebwerkseinheit eine Stelleinrichtung
zugeordnet sein, die dazu ausgebildet ist, die Triebwerkseinheit, um die Drehachse
zu drehen und dadurch die Ausrichtung der Austrittsdüse relativ zu dem Lenkflugkörper
bzw. einem Rumpf des Lenkflugkörpers, zu drehen. Im eingebauten Zustand des Antriebssystems
ist die Stelleinrichtung somit dazu ausgebildet, die Triebwerkseinheit innerhalb des
Rumpfes des Lenkflugkörpers, nämlich um die Drehachse senkrecht zu dessen Längsachse,
zu drehen. Die drehbare Triebwerkseinheit ist somit drehbar im Rumpf des Lenkflugkörpers
angeordnet. Hierbei wird stets die Brennkammer zusammen mit der Verbindungsleitung
und der Austrittsdüse gedreht. Vorteilhafterweise ist somit eine Drehdurchführung
im Bereich der Austrittsdüse nicht nötig. Eine solche Drehdurchführung wäre höchst
aufwendig auszuführen, um die im Betrieb des Lenkflugkörpers bzw. des Antriebssystems
vorherrschenden Temperaturen, insbesondere im Bereich mehrerer 1000 K, sowie den vorherrschenden
entsprechenden Drücken standzuhalten.
[0008] Wie beschrieben, kann die Drehachse im Speziellen senkrecht zur Längsachse des Lenkflugkörpers,
also beispielsweise senkrecht zur Flugrichtung des Lenkflugkörpers ausgerichtet sein.
Die Drehachse kann zum Beispiel als Hochachse oder als Querachse bezogen auf die Symmetrie
des Lenkflugkörpers erachtet werden. Somit bietet die drehbare Triebwerkseinheit,
also die Drehung der Ausrichtung der Austrittsdüse zusammen mit ihrer Brennkammer,
an die sie fest angebunden ist, die Möglichkeit, die Ausstoßposition zu verändern,
sodass die Richtung, aus der bzw. in die der Treibgasstrom durch die Austrittsdüse
ausgestoßen wird, im Betrieb des Lenkflugkörper verändert werden kann. Dazu weist
das Antriebssystem in der Stelleinrichtung wenigstens einen Aktor auf, beispielsweise
einen Elektromotor. Der Aktor ist über eine Getriebeeinrichtung mit der Brennkammer
verbunden, beispielsweise über ein Ritzel mit einer Zahnstange, die an der Außenfläche
der Brennkammer angeordnet ist oder einem Zahnrad oder Zahnradsegment auf dem Umfang
der Brennkammer. Dreht der Elektromotor das Ritzel, wird somit die Brennkammer gedreht,
sodass die Ausrichtung der Austrittsdüse verändert werden kann, um somit die Schubrichtung
der Triebwerkseinheit festzulegen. Der Lenkflugkörper, der das Antriebssystem aufweist,
kann dazu wenigstens eine Lagereinrichtung aufweisen, die zur drehbaren Lagerung der
Brennkammer eingerichtet ist.
[0009] Mit anderen Worten wird die gesamte Triebwerkseinheit drehbar in einem Flugkörperrumpf
gelagert, nämlich dem Rumpf des Lenkflugkörpers, der die Antriebseinheit aufweist.
Um ein statisches Momentengleichgewicht zu erreichen, können mehrere Triebwerkseinheiten
der vorgenannten Art im Rumpf des Lenkflugkörpers untergebracht werden, wobei sich
die einzelnen Schubvektoren zu einem Gesamtvortrieb bzw. Gesamtantrieb addieren. Auf
eine Ausgestaltung mit mehreren Triebwerkseinheiten wird in der nachfolgenden Beschreibung
eingegangen.
[0010] Grundsätzlich wird im Rahmen der Beschreibung der Begriff "Triebwerk" für die Gesamtheit
der Triebwerkseinheiten verwendet, die jeweils eine Brennkammer und eine mit der Brennkammer
festverbundene Austrittsdüse aufweisen. Das Antriebssystem wiederum umfasst das Triebwerk
und weitere Einrichtungen, die beispielsweise für den Betrieb des Triebwerks erforderlich
sind, beispielsweise Lagereinrichtungen zur Lagerung der Triebwerkseinheiten und dergleichen.
Die wenigstens eine Stelleinrichtung, die der wenigstens einen beschriebenen Triebwerkseinheit
zugeordnet ist, kann somit Bestandteil des Triebwerks bzw. des Antriebssystems sein.
[0011] Wie beschrieben, ist die Stelleinrichtung dafür vorgesehen bzw. dazu eingerichtet,
die Triebwerkseinheit zu drehen und somit die Ausrichtung der Austrittsdüse zu verändern
bzw. eine gewünschte Ausrichtung der Austrittsdüse einzustellen. Zum Beispiel kann
die Stelleinrichtung die Austrittsdüse in eine erste Ausstoßposition stellen, in der
die Austrittsdüse eine erste Ausrichtung aufweist, beispielsweise einen ersten Ausstoßwinkel
relativ zu einer beliebigen Achse, beispielsweise der Längsachse des Antriebssystems.
Ebenso kann die Stelleinrichtung die Austrittsdüse in wenigstens eine zweite Ausstoßposition
stellen, in der die Austrittsdüse eine zweite Ausrichtung aufweist, beispielsweise
einen zweiten Ausstoßwinkel relativ zu einer beliebigen Achse, beispielsweise der
Längsachse des Antriebssystems. Im Speziellen kann die Stelleinrichtung die Austrittsdüse
in beliebige Ausstoßpositionen stellen, sodass der Winkel bzw. der Ausstoßwinkel der
Austrittsdüse ebenfalls beliebig eingestellt werden kann.
[0012] Die Stelleinrichtung kann beispielsweise dazu ausgebildet sein, die wenigstens eine
Triebwerkseinheit in beide Richtungen um 90° gegenüber einer Längsachse des Lenkflugkörpers
zu drehen. Wird von einer Grundstellung der Austrittsdüse ausgegangen, in der die
Ausrichtung der Austrittsdüse entlang der Längsachse des Lenkflugkörpers ausgerichtet
ist, kann die Stelleinrichtung eine Auslenkung der Ausrichtung der Austrittsdüse in
beide Drehrichtungen um 90°, d.h. +/- 90° zur Längsachse vornehmen. Nach einer weiteren
Ausgestaltung kann eine vollständige Drehung der Triebwerkseinheit vorgenommen werden,
sodass diese, beispielsweise endlos, um 360° drehbar ist.
[0013] Hierbei kann die Ausrichtung der Austrittsdüse in einem beliebigen Ausstoßwinkel
bzw. in einer beliebigen Ausstoßposition eingestellt werden, um den Treibgasstrom
in dieser Ausrichtung auszustoßen und somit eine entsprechende Veränderung oder Erzeugung
der Bewegung des Lenkflugkörpers zu erreichen. Liegt die Triebwerksachse der Triebwerkseinheit,
d.h. die Ausrichtung der Austrittsdüse, senkrecht zur Flugkörperlängsachse bzw. zur
Längsachse des Lenkflugkörpers, kann bei einer Einstellung der Ausrichtung um 90°
in jeder Drehrichtung somit (zumindest theoretisch) ein Schubvektor eingestellt werden,
der von 100% axial bis 100% lateral variiert werden kann. Wird der Bewegungsbereich
der Drehung auf 360° erweitert, sind noch weitergehende Schubvektoren einstellbar,
beispielsweise mit wenigstens einer Komponente, die einer aktuellen Bewegungsrichtung
entgegengerichtet ist.
[0014] Hierbei kann insbesondere vorgesehen sein, dass die Stelleinrichtung dazu ausgebildet
ist, die wenigstens eine Triebwerkseinheit wahlweise in eine Längsschubstellung oder
eine Querschubstellung zu drehen. Die Längsschubstellung liegt dann vor, wenn die
Triebwerkseinheit so ausgerichtet ist, dass der Treibgasstrom entlang der Längsachse
des Antriebssystems ausgestoßen wird und somit einen Vortrieb bzw. Vorschub oder Längsschub
des Lenkflugkörpers erzeugt. Eine Querschubstellung liegt dann vor, wenn der Treibgasstrom
senkrecht zur Längsachse des Lenkflugkörpers ausgestoßen wird und somit einen Querschub
erzeugt.
[0015] Die Stelleinrichtung kann, wie zuvor beschrieben, dazu ausgebildet sein, eine beliebige
Ausstoßpositionen zwischen der Längsschubstellung und der Querschubstellung einzustellen.
Dies bietet den Vorteil, dass die wenigstens eine Triebwerkseinheit sowohl zur Erzeugung
des Längsschubs als auch zur Erzeugung des Querschubs verwendet werden kann. Demnach
sind weitere zusätzliche Triebwerkseinheiten, die ausschließlich für die Erzeugung
von Querschub verwendet werden, entbehrlich. Eine Aufteilung der Triebwerkseinheiten
in Haupttriebwerkseinheiten, die für die Erzeugung von Längsschub zuständig sind,
und Zusatzeinheiten, die nur Querschub erzeugen und hinsichtlich ihrer Leistung gegenüber
den Haupttriebwerkseinheiten deutlich reduziert sind, ist somit nicht nötig. Stattdessen
kann dieselbe Triebwerkseinheit sowohl zur Erzeugung von Längsschub als auch zur Erzeugung
von Querschub verwendet werden, wobei die Triebwerkseinheit, wie zuvor beschrieben,
in verschiedene Ausstoßpositionen bewegt wird, um entsprechend den Schubvektor zu
verändern.
[0016] Hierbei kann insbesondere vorgesehen sein, dass in der Querschubstellung der gesamte
mittels der Triebwerkseinheit erzeugbare Schub als Querschub erzeugbar ist. Sind dem
Triebwerk mehrere Triebwerkseinheiten zugeordnet, können sämtliche Triebwerkseinheiten
in die Querschubstellung verbracht werden, sodass der gesamte von dem Triebwerk erzeugbare
Längsschub auch bedarfsweise als Querschub verwendet bzw. bereitgestellt werden kann.
Im Speziellen können somit Treibgasströme aus sämtlichen Brennkammern gleichzeitig
dafür verwendet werden, Querschub zu erzeugen, wobei dieselben Brennkammern dazu verwendet
werden können, in einer anderen Ausstoßposition der Triebwerkseinheiten des Triebwerks
Längsschub zu erzeugen. Dies bietet den Vorteil, dass die Erzeugung von Querschub
leistungsmäßig nicht hinter der Erzeugung von Längsschub zurücksteht, sondern Querschub
im selben Maß erzeugt werden kann, wie Längsschub erzeugt werden kann. Dies bietet
für die Erzeugung des Querschubs deutlich größere Möglichkeiten. Ebenso müssen keine
getrennten Brennkammern und getrennte Brennstoffreserven mitgeführt und kalkuliert
werden, sondern der gesamte Schub kann mit denselben Ressourcen erzeugt werden. Da
die Ausstoßposition der Triebwerkseinheiten bedarfsweise geändert werden kann, kann
beliebig zwischen Erzeugung von Längsschub und Erzeugung von Querschub gewechselt
werden bzw. der Situation angepasst Querschub oder Längsschub erzeugt werden.
[0017] Wie eingangs beschrieben, kann das Triebwerk mehrere Triebwerkseinheiten aufweisen.
Im Speziellen kann das Triebwerk wenigstens zwei drehbare Triebwerkseinheiten aufweisen,
die unabhängig voneinander drehbar sind. Hierzu kann jede der Triebwerkseinheiten
mit einer eigenen Stelleinrichtung gekoppelt sein, die die jeweilige Triebwerkseinheit
stellen kann. Jede Triebwerkseinheit stellt, wie zuvor beschrieben, eine eigene Brennkammer
mit einer eigenen Austrittsdüse bereit, die mit der Brennkammer verbunden ist, nämlich
über eine Verbindungsleitung. Durch das Einstellen der einzelnen Triebwerkseinheiten
in unabhängige Ausstoßpositionen, kann die Bewegung des Lenkflugkörpers verbessert
beeinflusst werden. Insbesondere können verschiedene Schubvektoren bzw. Bewegungsvektoren
eingestellt werden. Werden mehr als zwei drehbare Triebwerkseinheiten verwendet, zum
Beispiel vier drehbare Triebwerkseinheiten, können beliebige Bewegungsvektoren oder
Schubvektoren eingestellt werden, sodass alle Freiheitsgrade der Bewegung des Lenkflugkörpers
eingestellt werden können. Im Speziellen kann der Lenkflugkörper somit basierend auf
einer "bank-to-turn"- bzw. "banked-turn"-Steuerung gesteuert bzw. gelenkt werden.
[0018] Hierbei kann das Triebwerk zum Beispiel vier drehbare Triebwerkseinheiten aufweisen,
deren Austrittsdüsen paarweise auf gegenüberliegenden Umfangspositionen des Lenkflugkörpers
angeordnet sind. Das paarweise Anordnen der Austrittsöffnungen bei vier oder mehr
Triebwerkseinheiten, die einzeln unabhängig voneinander ansteuerbar sind, ermöglicht
alle Bewegungen im Raum zu kontrollieren bzw. einzustellen. Hierbei sind grundsätzlich
verschiedene Anordnungen der Austrittsöffnungen möglich, zum Beispiel kann die erste
Austrittsöffnung einer ersten Triebwerkseinheit auf einer ersten Umfangsposition des
Lenkflugkörpers angeordnet sein, eine zweite Austrittsöffnung einer zweiten Triebwerkseinheit
kann auf einer der ersten Umfangsposition des Lenkflugkörpers gegenüberliegenden zweiten
Umfangsposition angeordnet sein, eine dritte Austrittsöffnung einer dritten Triebwerkseinheit
kann wiederum auf der ersten Umfangsposition des Lenkflugkörpers angeordnet sein und
eine vierte Austrittsöffnung einer vierten Triebwerkseinheit kann auf der zweiten
Umfangsposition des Lenkflugkörpers angeordnet sein. Demnach kann die Anordnung der
Austrittsöffnungen der wenigstens vier Triebwerkseinheiten alternierend vorgenommen
werden. Die Umfangspositionen können diametral angeordnet sein. Grundsätzlich können
die Austrittsöffnungen auch auf beliebigen anderen Umfangspositionen angeordnet sein.
[0019] Nach einer weiteren Ausgestaltung können die erste Austrittsöffnung der ersten Triebwerkseinheit
und die vierte Austrittsöffnung der vierten Triebwerkseinheit auf der ersten Umfangsposition
(oder der zweiten Umfangsposition) des Lenkflugkörpers angeordnet sein und die zweite
Austrittsöffnung der zweiten Triebwerkseinheit und die dritte Austrittsöffnung der
dritten Triebwerkseinheit können auf der zweiten Umfangsposition (oder der ersten
Umfangsposition) des Lenkflugkörpers angeordnet sein. Die beschriebenen paarweisen
Anordnungen der Austrittsöffnungen auf gegenüberliegenden Umfangspositionen bewirkt,
dass die aufgebrachten Momente stabilisiert bzw. ausgeglichen werden können, sodass
eine definierte, insbesondere symmetrische, Bewegung des Lenkflugkörpers erzeugt werden
kann.
[0020] Mit vier einzeln ansteuerbaren Austrittsdüsen sind alle Bewegungen im Raum zu kontrollieren.
Zur Unterbringung kann unter Umständen erforderlich sein, die zwei Austrittsdüsen
eines Paares versetzt anzuordnen, womit bei der Steuerung die dabei auftretenden Asymmetrien
berücksichtigt werden müssen. Zwei starr gekoppelte Paare von Austrittsdüsen vermeiden
diese Asymmetrien. Hierbei kann zusätzlich eine Rolllagesteuerung vorgesehen sein.
Eine solche Rolllagesteuerung wird im Zusammenhang mit einem Rollsystem nachfolgend
beschrieben.
[0021] Nach einer weiteren Ausgestaltung des Lenkflugkörpers kann vorgesehen sein, dass
das Triebwerk wenigstens eine drehbare Triebwerkseinheit aufweist, die zwei gegenüberliegend
angeordnete Austrittsöffnungen aufweist. Wie bislang beschrieben, kann die drehbare
Triebwerkseinheit eine Austrittsöffnung aufweisen, die über die Verbindungsleitung
an die Brennkammer gekoppelt ist und zusammen mit der Brennkammer gedreht werden kann.
Die vorliegende Ausgestaltung kann vorsehen, dass eine solche drehbare Triebwerkseinheit
zwei gegenüberliegend angeordnete Austrittsöffnungen aufweisen kann, sodass die beiden
Austrittsöffnungen, die auf gegenüberliegenden Umfangspositionen angeordnet sind,
zusammen mit der Brennkammer um die Drehachse gedreht werden können. Hierbei können
wiederum mehrere solcher Triebwerkseinheiten vorgesehen sein, beispielsweise zwei
Triebwerkseinheiten mit jeweils zwei gegenüberliegend angeordneten Austrittsöffnungen.
Die Austrittsöffnungen können wiederum, wie bereits beschrieben, auf einer ersten
Umfangsposition und einer zweiten Umfangsposition des Lenkflugkörpers angeordnet sein.
Durch die beschriebenen Triebwerkseinheiten mit zwei Austrittsdüsen kann sichergestellt
werden, dass die beiden Schubvektoren am gleichen Punkt der Längsachse wirken.
[0022] Wie zuvor beschrieben, kann, je nach Anordnung bzw. Konfiguration der Austrittsdüsen
der einzelnen Triebwerkseinheiten, ein zusätzliches Rollsystem erforderlich sein bzw.
zumindest vorteilhaft sein. Das Antriebssystem kann nach einer Ausgestaltung ein solches
Rollsystem aufweisen, das wenigstens eine tangential an dem Lenkflugkörpers, beispielsweise
an einem Rumpf des Lenkflugkörpers, ausgerichtete Rolldüse aufweist und dazu ausgebildet
ist, durch Ausstoß aus der Rolldüse eine Rollposition und/oder eine Rollbewegung einzustellen
oder zu verändern. Das Rollsystem kann somit einen Gasstrom aus der Rolldüse ausstoßen,
der ein Drehmoment auf den Lenkflugkörper bewirkt und den Lenkflugkörper um seine
Längsachse dreht, d.h., dass eine definierte Rollposition eingestellt oder verändert
werden kann bzw. eine definierte Rollbewegung, d.h. eine Drehbewegung um die Längsachse,
eingestellt oder verändert werden kann. Durch den Ausstoß aus der Rolldüse kann eine
bestehende Rollbewegung gebremst, insbesondere bis in den Stillstand, oder verstärkt
werden.
[0023] Das Rollsystem kann im Speziellen zwei gegenüberliegend ausgerichtete Rolldüsen aufweisen,
sodass Rollbewegungen bzw. Veränderungen der Rollposition in beide Richtungen möglich
sind. Ebenso kann ein Ausstoß durch eine erste Rolldüse eine erste Rollbewegung erzeugen,
die durch Ausstoß aus der zweiten Rolldüse gebremst oder wieder gestoppt werden kann.
Das Rollsystem kann ferner mehrere Rolleinheiten aufweisen, die wenigstens eine oder
zwei Rolldüsen aufweisen, die im Speziellen gegenüberliegend ausgerichtet sein können.
[0024] Neben dem Lenkflugkörper betrifft die Erfindung ein Antriebssystem für einen solchen
Lenkflugkörper. Der Lenkflugkörper kann insbesondere mittels eines Trägersystems gestartet
werden, das nach einer ersten Betriebsphase von dem Lenkflugkörper abgekoppelt werden
kann. Der Lenkflugkörper wird somit insbesondere nicht vom Boden aus gestartet, sondern
beim Starten bzw. Zünden des Antriebssystems des Lenkflugkörpers wurde dieser bereits
durch das Trägersystem bewegt. Eine hiervon abweichende bzw. ergänzende Möglichkeit
zur Steuerung des Lenkflugkörpers kann vorsehen, dass das Antriebssystems des Lenkflugkörpers
in einem Betriebszustand gestartet bzw. gezündet wird, in dem der Lenkflugkörper mit
dem Trägersystem verbunden ist, sodass das Antriebssystem des Lenkflugkörpers auch
zur Flugbahnkorrektur des mit dem Lenkflugkörper gekoppelten Trägersystems verwendet
werden kann. Im Speziellen wird der Lenkflugkörper bzw. das Antriebssystem des Lenkflugkörpers
jedoch in einem Hyperschallbereich verwendet, in dem der Lenkflugkörper bereits von
dem Trägersystem entkoppelt wurde.
[0025] Ferner betrifft die Erfindung neben dem Antriebssystem und dem Lenkflugkörper ein
Verfahren zur Steuerung eines Lenkflugkörpers, umfassend ein Antriebssystem mit einem
Triebwerk mit wenigstens einer Triebwerkseinheit, die eine Brennkammer und wenigstens
eine in ihrer Ausrichtung fest mit der Brennkammer über eine Verbindungsleitung verbundene
Austrittsdüse aufweist, wobei ein Treibgasstrom durch die Austrittsdüse ausgestoßen
wird, wobei die Ausrichtung der Brennkammer und der wenigstens einen Austrittsdüse
der wenigstens einen Triebwerkseinheit um eine, insbesondere senkrecht zu einer Längsachse
des Lenkflugkörpers ausgerichtete, Drehachse in wenigstens eine erste Ausstoßposition
und wenigstens eine zweite Ausstoßposition gedreht wird.
[0026] Sämtliche Vorteile, Einzelheiten und Merkmale, die in Bezug auf das Antriebssystem
und den Lenkflugkörper beschrieben wurden, sind vollständig auf das Verfahren übertragbar.
[0027] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme
auf die Fig. erläutert. Die Fig. sind schematische Darstellungen und zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Schnittdarstellung eines Lenkflugkörpers mit einem Antriebssystem
mit vier Triebwerkseinheiten nach einem ersten Ausführungsbeispiel in einem ersten
Betriebszustand;
- Fig. 2
- einen Lenkflugkörper mit einem Antriebssystem mit vier Triebwerkseinheiten nach einem
zweiten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 3
- eine schematische Schnittdarstellung des Lenkflugkörpers von Fig. 1 in einem zweiten
Betriebszustand;
- Fig. 4
- einen Lenkflugkörper mit einem Antriebssystem mit zwei Triebwerkseinheiten nach einem
dritten Ausführungsbeispiel;
- Fig. 5a
- eine isolierte Darstellung einer Triebwerkseinheit nach einem vierten Ausführungsbeispiel
in einem ersten Betriebszustand;
- Fig. 5b
- eine isolierte Darstellung der Triebwerkseinheit von Fig. 5a in einem zweiten Betriebszustand;
- Fig. 6a
- eine isolierte Darstellung einer Triebwerkseinheit nach einem fünften Ausführungsbeispiel
in einem ersten Betriebszustand; und
- Fig. 6b
- eine isolierte Darstellung der Triebwerkseinheit von Fig. 6a in einem zweiten Betriebszustand.
[0028] Fig. 1 zeigt schematisch einen Lenkflugkörper 1 mit einem Antriebssystem 2, das ein
Triebwerk 3 mit mehreren Triebwerkseinheiten 4-7 aufweist. In dem Ausführungsbeispiel,
das in Fig. 1-3 beschrieben ist, weist das Triebwerk 3 genau vier Triebwerkseinheiten
4-7 auf. Grundsätzlich ist die Anzahl der Triebwerkseinheiten 4-7 beliebig änderbar.
Fig. 2 zeigt schematisch ebenfalls einen Lenkflugkörper 1 mit einem Antriebssystem
2, das ein Triebwerk 3 mit ebenfalls mehreren Triebwerkseinheiten 4, nämlich Triebwerkseinheiten
4-7 aufweist, die gegenüber dem ersten Ausführungsbeispiel aus Fig. 1 anders konfiguriert
bzw. anders angeordnet sind. Grundsätzlich kann die Beschreibung der beiden Ausführungsbeispiele
beliebig untereinander ausgetauscht bzw. aufeinander übertragen werden.
[0029] Wie beschrieben, weist der Lenkflugkörper 1 ein Antriebssystem 2 mit einem Triebwerk
3 auf. Bei dem Lenkflugkörper 1, der in Fig. 1 und im Detail in Fig. 3, 4 in verschiedenen
Betriebszuständen dargestellt ist, sind eine erste Triebwerkseinheit 4, eine zweite
Triebwerkseinheit 5, eine dritte Triebwerkseinheit 6 und eine vierte Triebwerkseinheit
7 vorgesehen. Die erste Triebwerkseinheit 4 weist eine erste Austrittsöffnung 8 auf,
die zweite Triebwerkseinheit 5 weist eine zweite Austrittsöffnung 9 auf, die dritte
Triebwerkseinheit 6 weist eine dritte Austrittsöffnung 10 und die vierte Triebwerkseinheit
7 weist eine vierte Austrittsöffnung 11 auf. Hierbei ist die erste Austrittsöffnung
8 der ersten Triebwerkseinheit 4 auf einer ersten Umfangsposition 12 des Lenkflugkörpers
1 angeordnet. Ebenso ist die vierte Austrittsöffnung 11 der vierten Triebwerkseinheit
7 ebenfalls auf der ersten Umfangsposition 12 des Lenkflugkörpers 1 angeordnet. Demgegenüber
sind die zweite Austrittsöffnung 9 der zweiten Triebwerkseinheit 5 und die dritte
Austrittsöffnung 10 der dritten Triebwerkseinheit 6 auf einer zweiten Umfangsposition
13 des Lenkflugkörpers 1 angeordnet, die der ersten Umfangsposition 12 des Lenkflugkörpers
1 gegenüberliegt.
[0030] Bei dem in Fig. 2 gezeigten Lenkflugkörper 1 gemäß des zweiten Ausführungsbeispiels
ist die Anordnung der Austrittsöffnungen 8-11 anders gewählt. Hierbei sind die erste
Austrittsöffnung 8 und die zweite Austrittsöffnung 9 wie zuvor beschrieben angeordnet,
nämlich die erste Austrittsöffnung 8 auf der ersten Umfangsposition 12 und die zweite
Austrittsöffnung 9 auf der zweiten Umfangsposition 13. Die dritte Austrittsöffnung
10 ist jedoch auf der ersten Umfangsposition 12 und die vierte Austrittsöffnung 11
ist auf der zweiten Umfangsposition 13 angeordnet. Die nachfolgende Beschreibung ist,
wie bereits erwähnt, beliebig übertragbar bzw. austauschbar.
[0031] Jede der Triebwerkseinheiten 4-7 weist eine Brennkammer 14-17 auf, die mit der jeweiligen
Austrittsöffnung 8-11 über eine Verbindungsleitung 18-21 verbunden ist. Hierbei ist
jede Austrittsöffnung 8-11 über die ihr zugeordnete Verbindungsleitung 18-21 mit der
zugehörigen Brennkammer 14-17 fest verbunden, d.h. nicht relativ zu der Brennkammer
14-17 bewegbar. Den einzelnen Triebwerkseinheiten 4-7 ist in den in Fig. 1-4 gezeigten
Ausführungsbeispielen jeweils eine Stelleinrichtung 22-25 zugeordnet, die jeweils
eine nicht im Detail dargestellten Aktor und ein Getriebe aufweist, der mit der Brennkammer
14-17 gekoppelt ist, um die Brennkammer 14-17 um eine Drehachse 26, 33-35 zu drehen,
insbesondere relativ zu einem Rumpf des Lenkflugkörpers 1. Die Drehachsen 26, 33-35
liegen dabei beispielsweise senkrecht zu einer Längsachse 27 des Antriebssystems 2
bzw. des Lenkflugkörpers 1. Die Längsachse 27 kann beispielsweise mittig durch die
kugelförmigen Brennkammern 14-17 verlaufen. Die Längsachse 27 kann insbesondere die
Längsmittelachse des Flugkörpers 1 sein. Drehachsen 26, 33-35, die von einer senkrechten
Stellung zu der Längsachse 27 abweichend verlaufen, sind ebenso möglich, beispielsweise
Drehachsen 26, 33-35, die zu der Längsachse 27 geneigt sind.
[0032] Durch die Stelleinrichtungen 22-25 ist es somit möglich, jede der Triebwerkseinheiten
4-7 individuell und unabhängig voneinander um die jeweilige Drehachse 26, 33-35 auszurichten,
sodass die Ausstoßpositionen der Austrittsöffnungen 8-11, d.h. diejenigen Richtungen,
in denen ein Treibgasstrom die Austrittsöffnungen 8-11 verlassen kann, eingestellt
werden kann. Dadurch ist es möglich, einen gewünschten Schubvektor einzustellen. Jede
der Triebwerkseinheiten 4-7 kann sowohl für die Erzeugung von Längsschub als auch
für die Erzeugung von Querschub verwendet werden. Je nach Drehbewegung bzw. je nach
Winkel, um den die einzelnen Austrittsöffnungen 8-11, insbesondere unabhängig voneinander,
gedreht werden, lässt sich somit ein Schubvektor aus verschiedenen Komponenten einstellen.
Hierbei ist beispielhaft in Fig. 1 und 2 dargestellt, dass alle Triebwerkseinheiten
4-7 mit ihren Austrittsöffnungen 8-11 in einer Grundstellung vorliegen, in denen die
Austrittsöffnungen 8-11 entlang der Längsachse 27 ausgerichtet sind. Wie beschrieben,
kann hierbei durch die Stelleinrichtungen 22-25 individuell für jede Triebwerkseinheit
4-7 abgewichen werden, sodass diese gemäß Pfeil 28 um die Drehachsen 26, 33-35 gedreht
werden können.
[0033] Zum Beispiel ist in Fig. 3 beispielhaft dargestellt, dass die vierte Triebwerkseinheit
7 um 90° gegenüber dem in Fig. 1 dargestellten Betriebszustand um die Drehachse 35
gedreht wurde. Rein beispielhaft erzeugt in diesem Betriebszustand die erste Triebwerkseinheit
4, die zweite Triebwerkseinheit 5 und die dritte Triebwerkseinheit 6 Längsschub, wobei
die vierte Triebwerkseinheit 7 Querschub erzeugt. Die dargestellte Stellung bzw. der
dargestellte Betriebszustand ist lediglich als beispielhaft zu verstehen. Ebenso ist
es möglich, dass jede der anderen Triebwerkseinheiten 4-7 beliebig in eine andere
Ausstoßposition gedreht werden kann, beispielsweise sämtliche Triebwerkseinheiten
4-7 in die Ausstoßposition, in der die vierte Triebwerkseinheit 7 dargestellt ist,
um maximalen Querschub zu erzeugen. Hierbei ist es ebenso möglich, dass jede der Triebwerkseinheiten
4-7 vollständig um ihre Drehachse 26, 33-35 gedreht werden kann, d.h. insbesondere
um 360°. Grundsätzlich ist es ausreichend, wenn ausgehend von der Längsschubstellung
eine Drehung in +/- 90° erfolgt, sodass aus der Längsschubstellung in eine Querschubstellung
in beide Richtungen übergegangen werden kann.
[0034] Fig. 4 zeigt einen Lenkflugkörper 1 mit einem Antriebssystem 2, das ein Triebwerk
3 mit beispielhaft zwei Triebwerkseinheiten 4, 5 aufweist. Grundsätzlich ist die vorausgehende
Beschreibung bezüglich der Bewegbarkeit der Triebwerkseinheiten 4-7 vollständig auf
die Triebwerkseinheiten 4, 5 in Fig. 4 übertragbar. Den Triebwerkseinheiten 4, 5 sind
somit ebenfalls Stelleinrichtungen 22, 23 zugeordnet, die die Triebwerkseinheiten
4, 5 um Drehachsen 26, 33, die beispielhaft senkrecht zur Längsachse 27 verlaufen,
drehen können, wie dies durch Pfeile 28 dargestellt ist.
[0035] Abweichend zu der vorhergehenden Beschreibung weisen die Triebwerkseinheiten 4, 5
jeweils zwei Austrittsöffnungen 8, 8' bzw. 9, 9` auf, die auf den gegenüberliegenden
Umfangspositionen 12, 13 des Lenkflugkörpers 1 angeordnet sind. Jeder Brennkammer
14, 15 sind somit zwei Austrittsöffnungen 8, 8`, 9, 9' zugeordnet und über entsprechende
Verbindungsleitungen 18, 18', 19, 19' verbunden. Wird die Triebwerkseinheit 4, 5 um
die Drehachse 26, 33-35 gedreht (vgl. Pfeile 28) werden beide Austrittsöffnungen 8,
8' bzw. 9, 9` zusammen mit der Brennkammer 14, 15 gedreht.
[0036] Das Antriebssystem 2, das in Fig. 4 dargestellt ist, weist ein Rollsystem 29 auf,
das beispielsweise zwei Druckkammern 30, 30' und zwei Rolldüsen 31, 32 aufweist, die
tangential ausgerichtet sind, sodass diese Treibgas tangential ausströmen können,
um eine Rollbewegung des Lenkflugkörpers 1 zu erzeugen, d.h. eine Drehung um die Längsachse
27. Das Rollsystem 29 kann somit dazu verwendet werden eine Rollposition, d.h. eine
Ausrichtung des Lenkflugkörpers 1 um seine Längsachse 27 einzustellen oder zu verändern
bzw. eine Rollbewegung einzustellen bzw. zu verändern, sodass eine Drehbewegung um
die Längsachse 27 eingestellt oder verändert werden kann. Jede Rolldüse 31, 32 kann
auch als Doppeldüse ausgeführt sein, die durch ein Ventil gesteuert werden kann, sodass
entsprechend in jede der beiden Richtungen Treibgas ausgestoßen werden kann. Das Rollsystem
29 ist in diesem Ausführungsbeispiel bevorzugt als Kaltgassystem ausgeführt. Demgegenüber
sind die Triebwerkseinheiten 4-7 als Heißgassysteme ausgeführt. Es ist ebenso möglich,
auch das Rollsystem 29 als Heißgassystem auszuführen.
[0037] Fig. 5a, 5b zeigt eine isolierte Darstellung einer Triebwerkseinheit 4-7 in zwei
Betriebszuständen, wobei ausgehend von Fig. 5a durch eine Drehung der Triebwerkseinheit
4-7 in den in Fig. 5b dargestellten zweiten Betriebszustand übergegangen werden kann.
Die dargestellte Triebwerkseinheit 4-7 kann beispielsweise jede der Triebwerkseinheiten
4-7 aus Fig. 1-3 darstellen. Eine dazu analoge Darstellung findet sich in Fig. 6a,
6b für eine Triebwerkseinheit 4, 5 mit zwei Austrittsöffnungen 8, 8' bzw. 9, 9`. Hierbei
kann jede der beiden Triebwerkseinheiten 4, 5 eine der Triebwerkseinheiten aus Fig.
4 darstellen. Grundsätzlich sind, wie beschrieben, sämtliche gezeigten Triebwerkseinheiten
4-7 beliebig kombinierbar bzw. kann ein Antriebssystem 2 eines Lenkflugkörpers 1 beliebige
derartige Kombinationen von Triebwerkseinheiten 4-7 aufweisen.
[0038] Der Lenkflugkörper 1 mit dem hierin beschriebenen Antriebssystem 2 ermöglicht insbesondere,
dass sämtlicher Brennstoff in den Brennkammern 14-17 sowohl für die Erzeugung von
Längsschub als auch für die Erzeugung von Querschub wahlweise bzw. bedarfsweise verwendet
werden kann. Durch Veränderung der Ausstoßposition der Austrittsöffnungen 8-11 kann
flexibel auf die Erfordernisse der Bewegung reagiert werden und so kurzfristig eine
Veränderung des Bewegungsvektors erreicht werden.
[0039] Wie eingangs erwähnt, sind sämtliche in Bezug auf die einzelnen Fig. und die einzelnen
Ausführungsbeispiele beschriebenen Vorteile, Einzelheiten und Merkmale beliebig untereinander
austauschbar, aufeinander übertragbar und miteinander kombinierbar.
1. Lenkflugkörper (1), umfassend ein Antriebssystem (2) mit einem Triebwerk (3) mit wenigstens
einer Triebwerkseinheit (4-7), die eine Brennkammer (14-17) und wenigstens eine in
ihrer Ausrichtung fest mit der Brennkammer (14-17) über eine Verbindungsleitung (18-21)
verbundene Austrittsdüse (8-11) aufweist und dazu ausgebildet ist, einen Treibgasstrom
durch die Austrittsdüse (8-11) auszustoßen, gekennzeichnet durch eine Stelleinrichtung (22-25), die dazu ausgebildet ist, die Ausrichtung der Brennkammer
(14-17) und der wenigstens einen Austrittsdüse (8-11) der wenigstens einen Triebwerkseinheit
(4-7) um eine, insbesondere senkrecht zu einer Längsachse (27) des Lenkflugkörpers
(1) ausgerichtete, Drehachse (26, 33-35) in wenigstens eine erste Ausstoßposition
und wenigstens eine zweite Ausstoßposition zu drehen.
2. Lenkflugkörper (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Stelleinrichtung (22-25) dazu ausgebildet ist, die wenigstens eine Triebwerkseinheit
(4-7) in beide Drehrichtungen um wenigstens 90° gegenüber einer Längsachse (27) des
Lenkflugkörpers (1) zu drehen.
3. Lenkflugkörper (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Stelleinrichtung (22-25) dazu ausgebildet ist, die wenigstens eine Triebwerkseinheit
(4-7) wahlweise in eine Längsschubstellung oder eine Querschubstellung zu drehen.
4. Lenkflugkörper (1) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass in der Querschubstellung der gesamte mittels der Triebwerkseinheit (4-7) erzeugbare
Schub als Querschub erzeugbar ist.
5. Lenkflugkörper (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Triebwerk (3) wenigstens zwei drehbare Triebwerkseinheiten (4-7) aufweist, die
unabhängig voneinander drehbar sind.
6. Lenkflugkörper (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Triebwerk (3) vier drehbare Triebwerkseinheiten (4-7) aufweist, deren Austrittsdüsen
(8-11) paarweise auf gegenüberliegenden Umfangspositionen (12, 13) des Antriebssystems
(2) angeordnet sind.
7. Lenkflugkörper (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Triebwerk (3) wenigstens eine drehbare Triebwerkseinheit (4-7) aufweist, die
zwei gegenüberliegend angeordnete Austrittsöffnungen (8, 8`, 9, 9`) aufweist.
8. Lenkflugkörper (1) nach einem der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch ein Rollsystem (29), das wenigstens eine tangential an dem Lenkflugkörper (1) ausgerichtete
Rolldüse (31, 32) aufweist und dazu ausgebildet ist, durch Ausstoß aus der Rolldüse
(31, 32) eine Rollposition und/oder Rollbewegung einzustellen oder zu verändern.
9. Antriebssystem (2) für einen Lenkflugkörper nach einem der vorangehenden Ansprüche,
umfassend ein Triebwerk (3) mit wenigstens einer Triebwerkseinheit (4-7), die eine
Brennkammer (14-17) und wenigstens eine in ihrer Ausrichtung fest mit der Brennkammer
(14-17) über eine Verbindungsleitung (18-21) verbundene Austrittsdüse (8-11) aufweist
und dazu ausgebildet ist, einen Treibgasstrom durch die Austrittsdüse (8-11) auszustoßen,
gekennzeichnet durch eine Stelleinrichtung (22-25), die dazu ausgebildet ist, die Ausrichtung der Brennkammer
(14-17) und der wenigstens einen Austrittsdüse (8-11) der wenigstens einen Triebwerkseinheit
(4-7) um eine, insbesondere senkrecht zu einer Längsachse (27) des Lenkflugkörpers
(1) ausgerichtete, Drehachse (26, 33-35) in wenigstens eine erste Ausstoßposition
und wenigstens eine zweite Ausstoßposition zu drehen.
10. Verfahren zur Steuerung eines Lenkflugkörper (1), umfassend ein Antriebssystem (2)
mit einem Triebwerk (3) mit wenigstens einer Triebwerkseinheit (4-7), die eine Brennkammer
(14-17) und wenigstens eine in ihrer Ausrichtung fest mit der Brennkammer (14-17)
über eine Verbindungsleitung (18-21) verbundene Austrittsdüse (8-11) aufweist, wobei
ein Treibgasstrom durch die Austrittsdüse (8-11) ausgestoßen wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausrichtung der Brennkammer (14-17) und der wenigstens einen Austrittsdüse (8-11)
der wenigstens einen Triebwerkseinheit (4-7) um eine, insbesondere senkrecht zu einer
Längsachse (27) des Lenkflugkörpers (1) ausgerichtete, Drehachse (26, 33-35) in wenigstens
eine erste Ausstoßposition und wenigstens eine zweite Ausstoßposition gedreht wird.