[0001] Die vorliegende Offenbarung betrifft eine hydraulische Anordnung gemäß dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1 sowie ein Verfahren zum Steuern einer hydraulischen Anordnung
gemäß Patentanspruch 11.
[0002] Eine hydraulische Anordnung, beispielsweise eine hydraulische Achse, insbesondere
eine Linearachse und/oder eine Kompaktachse, weist einen Hydrozylinder in geschlossenem
oder bei notwendiger Kompensation von Differenzvolumen in teilgeschlossenem, hydraulischen
Kreis auf. Der Hydrozylinder kann als Gleich- oder Differenzialzylinder ebenso als
Mehrflächenzylinder ausgeprägt sein. Bei geringem Ölvolumen kann mittels der Achse
mit hoher Dynamik, Präzision und Kraft bewegt, gepresst, gefügt oder geschlossen werden.
Typische Anwendungen für derartige Achsen sind Pressen, Spritzgussmaschinen, Hexapode
für Simulatoren oder dergleichen. Ist die Achse als servohydraulische Achse mit Servoantrieb
ausgestaltet, weist sie eine extrem hohe Positioniergenauigkeit und zudem eine gute
elektrische/elektronische Vernetzbarkeit auf.
[0003] Eine gattungsgemäße servohydraulische Achse zeigt das Datenblatt RD 08137 / 2018
- 02 des Anmelders. Die kompakt aufgebaute Achse hat einen Servomotor, einen Hydraulik-Steuerblock,
sowie einen Hydraulikzylinder, einen Hydrospeicher und Steuerelemente wie beispielsweise
Ventile, sowie eine Leistungselektronik. Die hydraulische servohydraulische Achse
kann positions- und/oder kraftgeregelt werden. Auf diese Weise können an eine jeweilige
Anwendung angepasste Weg-Kraft-Profile und Weg-Zeit-Profile der Achse gefahren werden.
[0004] Um die Position der Achse entgegen einer Last zu halten, kennt der Stand der Technik
verschiedene Modi. In einem Modus bleibt die Achse in ihrer Positions- oder Kraftregelung
und die Pumpe ist weiterhin fluidisch mit der Achse verbunden. Dabei wird das Fördervolumen,
bzw. die Drehzahl des Servomotors so geregelt, dass lediglich die beim Halten der
Last auftretende innere Leckage des Systems - der Pumpe - kompensiert wird. Ein anderer
Modus wird durch die Verwendung eines Lasthalteventils ermöglicht, das den Druckmittelströmungspfad
zwischen dem belasteten Zylinderraum und der Druckseite der Hydropumpe absperrt. Auf
diese Weise kann der Servomotor momentenfrei geschaltet werden, was die Dauer seiner
Leistungsaufnahme verringert und Verschleiß reduziert. Bei Wiederaufnahme der Last
durch die Pumpe, im Anschluss an die vom Lasthalteventil gesicherte Position oder
Kraft, kann es beim Öffnen des Lasthalteventils zu einer ungewollten Bewegung der
Achse kommen, wenn der Druck zwischen der Pumpe und dem Lasthalteventil nicht an die
Last der Achse angepasst ist.
[0005] Die Druckschrift
US 2016 010 26 85 A1 zeigt eine servohydraulische Achse und ein Verfahren zu deren Steuerung beim Halten
der Last mittels Pumpe und mittels Lasthalteventil sowie bei Wiederaufnahme der Last
durch die Pumpe im Anschluss an das Halten mittels Lasthalteventil. Die Ausgangslage
ist der drehmomentfreie Servomotor, die ruhende Pumpe, sowie das geschlossene Lasthalteventil,
das die Last hält. Fortwährend erfolgt die Ermittlung einer Soll-Ist-Abweichung der
Position der Achse. Liegt die Abweichung innerhalb eines 5%-Toleranzbandes, bleibt
die Ansteuerung des Servomotors und des Lasthalteventils ungeändert. Verlässt die
Abweichung das Toleranzband, ist dies das Signal zur Wiederaufnahme der Last durch
die Pumpe, um die Soll-Position wieder einzuregeln. Hierzu wird aus der Abweichung
eine Soll-Drehrichtung und Soll-Drehzahl und ein entsprechendes Ansteuersignal für
den Servomotor ermittelt. Um die Wiederaufnahme und das Erreichen der Soll-Position
zu ermöglichen, muss das Lasthalteventil aufgesteuert oder geöffnet werden. Um dabei
die oben beschriebene, ungewollte Bewegung der Achse zu verhindern, wird zunächst
der Pumpendruck diesseits des Lasthalteventils auf den Lastdruck jenseits des Lasthalteventils
gebracht. Um dies zu erreichen, wird der Servomotor mit dem zuvor ermittelten Ansteuersignal
angesteuert, bevor - nach Ablauf einer im Millisekundenbereich liegenden Zeitkonstante
- das Lasthalteventil aufgesteuert wird. Im Anschluss erfolgt dann die gleichzeitige
Ansteuerung des Lasthalteventils (Öffnen) und Servomotors (hochrampen zur Soll-Drehzahl).
Mit Erreichen eines 5%-Bandes der Soll-Position der Achse wird diese Drehzahl-Rampe
abgeflacht, um ein Überschießen zu vermeiden. Ist die neue Soll-Position erreicht
und bleibt die Abweichung während einer konfigurierbaren Zeitkonstante innerhalb des
5%-Toleranzbandes, werden zeitgleich a) das Lasthalteventil geschlossen und b) der
Servomotor - und damit die Pumpe - auf die Drehzahl 0 heruntergerampt. Somit wird
der energiesparende Lasthaltezustand per Lasthalteventil wieder eingenommen. Das Signal
zum Lasthalten mittels Lasthalteventil und das Signal zur Wiederaufnahme der Last
durch die Pumpe erfolgt gemäß der
US 2016 010 26 85 A1 zum einen automatisch und zum anderen allein in Abhängigkeit der Ist-Position der
Achse. Ergänzend kann eine Zeitkonstante wirksam sein, die das Umschalten in den Lasthaltemodus
per Lasthalteventil etwas verzögert, sodass die Position der Achse trotz erfüllter
Bedingung noch eine gewisse Zeit im Regelbetrieb gehalten werden kann.
[0006] Für eine solche Lösung wird aber zum einen eine Positionserfassung vorausgesetzt,
zum anderen muss der Servomotor aufwendig geregelt werden, um die Druckniveaus auf
beiden Seiten des Lasthalteventils anzugleichen, bevor das Lasthalteventil geöffnet
wird.
[0007] Demgegenüber liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine hydraulische Anordnung
bereitzustellen, die die Nachteile des Standes der Technik überkommt oder zumindest
mindert und insbesondere ein ruckelfreies Umschalten aus einem Lasthaltemodus mit
einfachem Druckangleich ermöglicht.
Kurzbeschreibung der Offenbarung
[0008] Die Aufgabe wird gelöst durch eine hydraulische Anordnung mit den Merkmalen gemäß
Anspruch 1 und durch ein Verfahren mit den Merkmalen gemäß Anspruch 11 gelöst.
[0009] Die vorliegende Offenbarung betrifft eine hydraulische Anordnung mit einem Hydrozylinder
und einer Hydropumpe zu dessen Druckmittelversorgung, die von einem Elektromotor,
insbesondere einem Servo- oder Schrittmotor, der Anordnung antreibbar ist und mit
einem Zylinderraum über einen Druckmittelströmungspfad fluidisch verbindbar ist. In
dem Druckmittelströmungspfad ist ein Sperrventil vorgesehen, durch das der Druckmittelströmungspfad
zum antriebslosen Halten einer Last des Hydrozylinders hydraulisch abtrennbar ist.
Offenbarungsgemäß wird eine Betriebsgröße des Elektromotors beim hydraulischen Trennen
des Druckmittelströmungspfads ermittelt oder erfasst und die erfasste oder ermittelte
Betriebsgröße wird beim Erkennen einer Bedingung, bei der der Druckmittelströmungspfad
bzw. das Sperrventil geöffnet wird, an dem Elektromotor eingestellt.
[0010] Die Betriebsgröße an dem Elektromotor kann durch eine Steuereinheit der hydraulischen
Anordnung eingestellt werden. Unter Einstellen ist dabei ein Setzen einer Steuergröße,
insbesondere eines Steuerstroms, und ein anschließendes Nachführen des Elektromotors
auf die Steuergröße zu verstehen.
[0011] Der Druckmittelströmungspfad zwischen dem Zylinderraum und der Hydropumpe ist also
durch das (Ab-)Sperrventil hydraulisch absperrbar. Wenn das Sperrventil geschlossen
ist, kann der Hydrozylinder eine Last halten, ohne dass Leistung von der Hydropumpe
benötigt wird. Das Sperrventil erfüllt also die Funktion eines Lasthalteventils. Durch
Öffnen des Sperrventils wird die Lasthaltefunktion der hydraulischen Anordnung deaktiviert.
Eine Steuereinheit der hydraulischen Anordnung erfasst oder ermittelt während des
Schließens des Sperrventils die Betriebsgröße des Elektromotors. Wenn durch die Bedingung
eingestellt oder erkannt wird, dass die Lasthaltefunktion beendet werden soll und
Fluid von der Hydropumpe benötigt wird, wird die erfasste oder ermittelte Betriebsgröße
des Elektromotors, der die Hydropumpe antreibt, durch die Steuereinheit eingestellt.
Das Beenden bzw. Deaktivieren der Lasthaltefunktion der hydraulischen Anordnung entspricht
damit einer Wiederaufnahme der Last durch die Hydropumpe im Anschluss an das Halten
mittels Lasthalteventil.
[0012] In anderen Worten ist das Sperrventil in dem Druckmittelströmungspfad über eine Steuereinheit
der Anordnung in Abhängigkeit wenigstens der erfassten oder ermittelten Betriebsgröße
der Anordnung zusteuerbar. Die wenigstens eine Betriebsgröße ist dabei eine Betriebsgröße
des Elektromotors.
[0013] Die Belastung der Motor-Pumpeneinheit bzw. die Betriebsgröße des Elektromotors kann
also zum Zeitpunkt des Absperrens des Sperrventils als Referenz für die Wiederaufnahme
gesichert und geregelt reduziert werden, um bei der Wiederaufnahme wieder auf den
Wert der Betriebsgröße beim Absperren oder nachgeführt auf den aktuellen Zustand,
angehoben zu werden, ohne dass eine nennenswerte Druckänderung oder Bewegung in der
belasteten Zylinderkammer auftritt.
[0014] Vorzugsweise wird die erfasste oder ermittelte Betriebsgröße des Elektromotors eingestellt,
bevor das Sperrventil geöffnet wird und eine fluidische Verbindung zwischen dem Hydrozylinder
und der Hydropumpe hergestellt wird.
[0015] Die hydraulische Anordnung hat die folgenden Vorteile. Durch das Einstellen der erfassten
oder ermittelten Betriebsgröße vor dem Öffnen des Sperrventils wird der Elektromotor
und dadurch die Hydropumpe an das Belastungsniveau bzw. das Druckniveau im Zylinderraum
angepasst. Somit wird eine Unstetigkeit in der Kraft oder Position durch ein schlagartiges
Angleichen der unterschiedlichen Druckniveaus beim Öffnen des Sperrventils vermieden.
Da der Elektromotor über eine Betriebsgröße des Elektromotors gesteuert oder geregelt
wird, ist die Regelung einfacher auszulegen und weniger fehleranfällig. Weiterhin
sind Kraft-, Positions- und/oder Drucksensoren im Zylinderraum nicht zwingend erforderlich.
Somit können Kosten eingespart werden.
[0016] Die Aufgabe der vorliegenden Offenbarung wird ferner durch ein Verfahren zum Steuern
einer hydraulischen Anordnung mit einem Hydrozylinder und einer Hydropumpe gelöst.
Das offenbarungsgemäße Verfahren weist dabei die folgenden Schritte auf. Das Sperrventil
in dem Druckmittelströmungspfad zwischen dem Hydrozylinder und der Hydropumpe der
hydraulischen Anordnung wird geschlossen. Während des Schließens des Sperrventils
wird die Betriebsgröße des Elektromotors, der die Hydropumpe antreibt, ermittelt oder
erfasst. In einem nächsten Schritt wird erkannt, dass eine Bedingung für eine Wiederaufnahme
(der Last durch die Hydropumpe) vorliegt. Daraufhin wird die ermittelte oder erfasste
Betriebsgröße an dem Elektromotor eingestellt. Als letzter Schritt wird das Sperrventil
geöffnet.
[0017] Durch das Schließen des Sperrventils wird die hydraulische Anordnung in den Lasthaltemodus
geschaltet. Wenn die Lasthaltefunktion deaktiviert wird, kann erst die ermittelte
oder erfasste Betriebsgröße an dem Elektromotor eingestellt und anschließend das Sperrventil
geöffnet werden. Die ermittelte oder erfasste Betriebsgröße kann dabei insbesondere
die Belastung der Hydropumpe und damit des Elektromotors abbilden.
[0018] Bei der Wiederaufnahme handelt es sich dabei um die Deaktivierung der Lasthaltefunktion
und somit um das (zeitversetzte) Öffnen des Sperrventils. Durch die Wiederaufnahme
ist der Hydrozylinder wieder in der Regelung (der Steuereinheit der hydraulischen
Anordnung).
[0019] Durch das offenbarungsgemäße Verfahren wird insbesondere das Belastungs- oder Druckniveau
des Zylinderraums und der Hydropumpe aneinander angeglichen, bevor das Sperrventil
öffnet. Die angeglichenen Druckniveaus an beiden Seiten des Sperrventils verhindern
eine ungewollte Bewegung des Zylinderkolbens beim Öffnen des Sperrventils.
[0020] Vorteilhafte Weiterbildungen der vorliegenden Offenbarung sind Gegenstand der beigefügten
Unteransprüche.
[0021] Vorzugsweise ist die Betriebsgröße des Elektromotors proportional zu einem Druck
im Zylinderraum. Die Betriebsgröße kann somit die Belastung des Elektromotors während
des hydraulischen Trennens der Fluidleitung durch das Sperrventil angeben. Die Belastung
des Elektromotors kann von dem Druck in dem Zylinderraum abhängig sein. Die Betriebsgröße,
die proportional zu dem Druck im Zylinderraum ist, kann deshalb ein Maß für die Belastung
des Elektromotors sein. Da eine Betriebsgröße des Elektromotors ermittelt oder erfasst
wird, ist eine Druckmessung im Zylinderraum optional. Da die Betriebsgröße des Elektromotors
an dem Elektromotor erfasst werden kann, kann die Regelung bzw. Ansteuerung des Elektromotors
einfacher gehalten werden.
[0022] Nach einem optionalen Merkmal der vorliegenden Offenbarung ist die Betriebsgröße
des Elektromotors aus dessen Belastung ermittelbar oder wird aus dessen Belastung
ermittelt. Somit kann die Belastung des Elektromotors eine Belastung des Elektromotors
der Hydropumpe abbilden.
[0023] Vorzugsweise ist die Betriebsgröße des Elektromotors aus dessen Stromaufnahme ermittelbar
oder wird aus dessen Stromaufnahme ermittelt. Die Stromaufnahme des Elektromotors
kann dabei einfach erfasst werden. Bei bekannter Stromaufnahme des Elektromotors kann
das Drehmoment des Elektromotors ermittelt werden. Somit kann durch Erfassen der Stromaufnahme
der Druck im Zylinderraum bzw. die Kraft am Zylinder ermittelt werden. Dadurch könnte
auf Sensoren im Zylinderraum verzichtet werden, was Kosten sparen könnte. Ferner könnte
durch einen Steuerstrom des Elektromotors der Druck im Zylinderraum bzw. die Kraft
am Zylinder beeinflusst werden.
[0024] Nach einem weiteren optionalen Merkmal der vorliegenden Offenbarung ist die Betriebsgröße
des Elektromotors dessen Drehmoment. Das Drehmoment des Elektromotors kann proportional
zu dem Druck im Zylinderraum sein und aus den bekannten Betriebsgrößen des Elektromotors
berechnet werden. Das Drehmoment als Betriebsgröße kann somit die Belastung des Elektromotors
angeben.
[0025] Die Lasthaltefunktion kann durch eine Bedingung deaktiviert werden. Als Bedingung
für die Deaktivierung der Lasthaltefunktion können verschiedene Vorgänge oder Ereignisse
infrage kommen.
[0026] Bei geöffnetem Sperrventil kann eine hydraulische / fluidische Verbindung zwischen
dem Hydrozylinder und der Hydropumpe bestehen. Somit kann eine Steuereinheit der hydraulischen
Anordnung eine Bewegung, einen Druck und/oder eine Position des Hydrozylinders durch
einen Steuerstrom des Elektromotors, der die Hydropumpe antreibt, regeln bzw. ansteuern.
Wenn das Sperrventil geschlossen wird, kann die fluidische Verbindung getrennt werden
und der Hydrozylinder kann nicht mehr geregelt werden. Die Deaktivierung der Lasthaltefunktion
kann also einem Öffnen des Sperrventils und dadurch einer Wiederaufnahme der Regelung
durch die Steuereinheit entsprechen.
[0027] Vorzugsweise ist die Bedingung, dass die Lasthaltefunktion deaktiviert wird. Das
Deaktivieren der Lasthaltefunktion kann zeitlich gesteuert werden oder kann durch
einen Benutzer veranlasst werden. Beispielsweise kann die Bedingung der Befehl sein,
die Lasthaltefunktion zu deaktivieren.
[0028] Die Bedingung kann ferner eine Eingabe eines Steuerwortes sein. Durch das Steuerwort
können die Deaktivierung der Lasthaltefunktion und damit die Wiederaufnahme der Regelung
manuell durch den Benutzer angewiesen werden.
[0029] Nach einem weiteren optionalen Merkmal der vorliegenden Offenbarung kann die Bedingung
ein Verlassen des Drucks und/oder der Kraft eines vorbestimmten Bereiches sein. Wenn
die Kraft am Zylinder und/oder der Druck im Zylinderraum erfasst wird, kann eine Abweichung
vom Sollwert, die größer als eine vorbestimmte Toleranzabweichung ist, die Bedingung
für das Deaktivieren der Lasthaltefunktion sein. Vorteilhaft kann dabei sein, dass
der Ist-Druck im Zylinderraum bzw. die Ist-Kraft am Zylinder nicht aus der Betriebsgröße
des Elektromotors ermittelt werden muss und somit keine Abweichungen durch die Ermittlung
in der Regelung auftreten.
[0030] Druckverlust im Zylinderraum oder Kraftänderungen am Zylinder könnten beispielsweise
durch Leckage beim Sperrventil auftreten oder Laständerungen am Zylinder. Wenn der
Druck im Zylinderraum oder die Kraft am Zylinder unter einen vordefinierten Grenzwert
sinkt, kann dadurch veranlasst werden, dass das Sperrventil geöffnet wird, um den
Druck im Zylinderraum mithilfe der Hydropumpe zu erhöhen oder zu reduzieren. Somit
wird ein Absinken oder Ansteigen des Zylinderraumdrucks unter oder über ein zulässiges
Niveau verhindert.
[0031] Vorzugsweise kann die Bedingung sein, dass eine Position des Hydrozylinders bzw.
einer Kolbenstange des Hydrozylinders außerhalb eines vorbestimmten Bereichs liegt.
Wenn die Position eines Zylinderkolbens bzw. der Kolbenstange erfasst wird, kann eine
Abweichung der Kolbenposition, die eine vordefinierte Toleranzabweichung übersteigt,
eine Deaktivierung der Lasthaltefunktion triggern. Somit können unerwünschte Kolbenbewegungen
und damit ein Absinken/Ansteigen des Zylinderdrucks erkannt und vermieden werden.
[0032] Nach einem weiteren optionalen Merkmal der vorliegenden Offenbarung kann die Bedingung
eine Änderung eines Positionssollwerts des Hydrozylinders bzw. der Kolbenstange des
Hydrozylinders sein. Wenn ein Benutzer einen neuen Sollwert für die Position des Zylinderkolbens
eingibt oder anfordert, dann kann die Lasthaltefunktion deaktiviert werden, um den
Hydrozylinder mithilfe der Hydropumpe zu dem neuen Sollwert zu verfahren. Somit kann
die hydraulische Anordnung zeitnah auf Benutzereingaben reagieren.
[0033] Wenn die Bedingung eingetreten ist, dann wird zuerst die erfasste oder ermittelte
oder nachgeführte Betriebsgröße des Elektromotors eingestellt und dann das Sperrventil
geöffnet. Somit kann eine hydraulische Verbindung zwischen dem Hydrozylinder und der
Hydropumpe hergestellt werden. Die Lasthaltefunktion ist dann deaktiviert und die
Achse ist in der Regelung.
[0034] Optional kann vor dem ersten Schritt des Sperrens des Druckmittelströmungspfades
durch das Sperrventil abgefragt werden, ob überhaupt eine Bedingung für die Aktivierung
der Lasthaltefunktion vorliegt. Erst, wenn die Aktivierung der Lasthaltefunktion durch
ein Erreichen eines vorbestimmten Drucks im Zylinderraum und/oder durch ein manuelles
Steuerwort angefordert wäre, könnte das Sperrventil geschlossen werden und insbesondere
der Druckmittelströmungspfad abgesperrt werden.
[0035] Vorzugsweise wird während des Schließens des Sperrventils ein Druck in dem oder in
den Druckmittelströmungspfaden erfasst. Der Druck kann beispielsweise durch Drucksensoren
in dem oder in den Druckmittelströmungspfaden erfasst werden. Der Druck, der beim
Sperren des Sperrventils erfasst wurde, könnte bei der Wiederaufnahme der Regelung
bzw. beim Deaktivieren der Lasthaltefunktion eine Referenz darstellen, auf die der
Elektromotor und damit die Hydropumpe eingestellt werden.
[0036] Nach einem weiteren optionalen Merkmal der vorliegenden Offenbarung wirkt die Regelung
des Hydrozylinders während des Schließens des zumindest einen Sperrventils. Bei geöffnetem
Sperrventil kann eine hydraulische / fluidische Verbindung zwischen dem Hydrozylinder
und der Hydropumpe bestehen. Somit kann die Steuereinheit den Hydrozylinder durch
einen Steuerstrom des Elektromotors, der die Hydropumpe antreibt, regeln. Solange
das Sperrventil nicht vollständig geschlossen ist, wirkt die Regelung der Steuereinheit
auf den Hydrozylinder. Somit kann es möglich sein, die Betriebsgröße des Elektromotors
während des Schließens des Sperrventils zu erfassen oder ermitteln.
[0037] Vorzugsweise wird die Regelung des Hydrozylinders mithilfe der Hydropumpe bzw. des
Elektromotors nach dem Schließen des Sperrventils beendet. Mit dem Schließen des Sperrventils
ist die hydraulische Anordnung im Lasthaltemodus. Die hydraulische / fluidische Verbindung
zwischen dem Hydrozylinder und der Hydropumpe kann dabei unterbrochen sein. Somit
kann es unmöglich sein, den Hydrozylinder über die (Ansteuerung der) Hydropumpe zu
regeln.
[0038] Vorzugsweise wird die Betriebsgröße des Elektromotors reduziert, nachdem das Sperrventil
geschlossen wurde. Insbesondere wird das Drehmoment und damit die Belastung des Elektromotors
durch eine Drehmomentregelung reduziert, die einem Profil zur Reduzierung der Belastung
des Elektromotors folgt. Durch die Reduzierung der Betriebsgröße, insbesondere des
Drehmoments, des Elektromotors wird während dem Lasthaltemodus Energie gespart.
[0039] Das vollständige Schließen des zumindest einen Sperrventils kann entweder durch eine
zeitliche Steuerung oder durch eine Stellungsüberwachung sichergestellt werden. Das
Schließen des Sperrventils kann eine Bedingung sein, dass die Betriebsgröße des Elektromotors
reduziert wird.
[0040] Nach einem weiteren optionalen Merkmal der vorliegenden Offenbarung wird die Betriebsgröße,
insbesondere das Drehmoment, des Elektromotors beim Eintreten der Bedingung auf den
erfassten oder ermittelten oder nachgeführten Wert der Betriebsgröße beim Schließen
des Sperrventils erhöht.
[0041] Vorzugsweise wird die Betriebsgröße des Elektromotors, insbesondere das Drehmoment,
erhöht, bevor das Sperrventil öffnet.
[0042] Vorzugsweise wird die Betriebsgröße beim Schließen des Sperrventils in einer Speichereinheit
der Steuereinheit der hydraulischen Anordnung gespeichert. Insbesondere wird das Drehmoment
des Elektromotors und damit die Belastung des Elektromotors beim Schließen des Sperrventils
gespeichert. Der gespeicherte Wert kann beim Eintreten der Bedingung abgerufen und
optional nachgeführt werden und die Betriebsgröße solange erhöht werden, bis der gespeicherte
Wert erreicht wird.
Kurzbeschreibung der Figuren
[0043]
Fig. 1 zeigt eine hydraulische Anordnung gemäß der vorliegenden Offenbarung;
Fig. 2 zeigt einen zeitlichen Verlauf einer Kraft eines Hydrozylinders und eines Drehmoments
eines Elektromotors; und
Fig. 3 zeigt ein Ablaufdiagramm eines Verfahrens zum Steuern der hydraulischen Anordnung
gemäß der vorliegenden Offenbarung.
Detaillierte Beschreibung der Figuren
[0044] Eine hydraulische Anordnung 1 hat gemäß Fig. 1 eine Hydropumpe oder -maschine 4,
die von einem Elektromotor 2 angetrieben wird, und mindestens einen von drei von der
Hydropumpe 4 druckmittelversorgte Hydrozylinder 6, 8 und 10. Grundzüge der hydraulischen
Anordnung 1 sind aus der
WO 2020 / 260 124 A1 bekannt. Dementsprechend wird auf die Unterschiede zu der
WO 2020 / 260 124 A1 eingegangen.
[0045] Von der Hydropumpe 4 geht ein erster Arbeitsströmungspfad 12 und ein zweiter Arbeitsströmungspfad
14 aus. Der erste Arbeitsströmungspfad 12 hat eine Verzweigung 16, an der ein dritter
Arbeitsströmungspfad 18 abzweigt. In diesem ist ein (Ab-)Sperrventil 20, das als 2/2-Wege-Schaltventil
ausgestaltet ist, angeordnet.
[0046] Von der Verzweigung 16 ausgehend erstreckt sich der erste Arbeitsströmungspfad 12
weiter, wobei ein weiteres Sperrventil 22 angeordnet ist, über das der erste Arbeitsströmungspfad
12 absperrbar ist. Auch das Sperrventil 22 ist vorrichtungstechnisch einfach als 2/2-Wege-Schaltventile
ausgestaltet.
[0047] In Fortführung des ersten Arbeitsströmungspfades 12 weist dieser Verzweigungen 24
und 26 auf. Von der Verzweigung 24 zweigt ein Arbeitsanschluss 28 und von der Verzweigung
26 zweigen Arbeitsanschlüsse 30E und 30A ab.
[0048] In dem zweiten Arbeitsströmungspfad 14 ist ein Sperrventil 32 angeordnet, über das
der zweite Arbeitsströmungspfad 14 absperrbar ist. Der zweite Arbeitsströmungspfad
14 setzt sich über das Sperrventil 32 bis zu einer Verzweigung 34 fort. Von der Verzweigung
34 zweigt ein Arbeitsanschluss 40 ab. Von der Verzweigung 34 ausgehend erstreckt sich
der zweite Arbeitsströmungspfad 14 zu einer Verzweigung 36. Von der Verzweigung 36
zweigen Arbeitsanschlüsse 38, 42 ab.
[0049] Der dritte Arbeitsströmungspfad 18 ist jenseits des Sperrventils 20 fortgesetzt,
bis zu einer Verzweigung 44, von der ein dritter Arbeitsanschluss 46 zu dem Hydrozylinder
10 abzweigt. Der dritte Arbeitsanschluss 46 ist durch eine (schaltbare) Konfiguration
50B zuschaltbar.
[0050] Bei der hydraulischen Anordnung 1 kann wahlweise und je nach Konfiguration die Hydrozylinder
6, 8 mit zwei Kolbenflächen oder der Hydrozylinder 10 mit drei Kolbenflächen druckmittelversorgt
werden.
[0051] Hierzu ist ein Verbindungsströmungspfad 48 vorgesehen, über den der erste Arbeitsströmungspfad
12 mit dem dritten Arbeitsströmungspfad 18 stromab des Sperrventils 20 fluidverbindbar
ist. Im Verbindungsströmungspfad 48 ist eine Aufnahme 50E vorgesehen. Eine im Ausführungsbeispiel
gleich ausgestaltete Aufnahme 50A ist im ersten Arbeitsströmungspfad 12 in einem Abschnitt
zwischen der Abzweigung 16 und einer Einmündung des Verbindungsströmungspfades 48
vorgesehen.
[0052] In die jeweilige Aufnahme 50E, 50B, 50A ist ein als Schraube, insbesondere M18 x
1.5 (in diesem Fall gemäß DIN906) ausgebildetes Verschlussmittel 52 einsetzbar, bzw.
eingesetzt. Aufgrund der im Ausführungsbeispiel gleichen Ausführung der Aufnahmen
50E, 50A mit M18-Gewinde kann je nach wünschenswerter Konfiguration E, A das genau
eine Verschlussmittel 52 in die entsprechende Aufnahme 50E, 50A eingesetzt werden.
[0053] Durch das Verschlussmittel 52 ist die Schaltungsstruktur konfigurierbar. Eine detaillierte
Erklärung der Schaltungsstruktur der hydraulischen Anordnung ist in der
WO 2020 / 260 124 A1 beschrieben und wird deshalb hier ausgespart. Die Aufnahmen 50A, 50B und 50E und
damit die Konfigurationen A1 und E1 sind dabei optional.
[0054] Der zweite Arbeitsströmungspfad 14 weist einen Drucksensor 54 stromabwärts des Sperrventils
32 auf. Der Drucksensor ist dabei optional. Der pumpenseitige Teil der hydraulischen
Anordnung 1 weist ebenfalls einen optionalen Drucksensor 56 auf. Die Arbeitsanschlüsse
40 und 46 sind über das Sperrventil 58 fluidverbunden und können kurzgeschlossen werden.
[0055] Um eine Lasthaltefunktion der hydraulischen Anordnung 1 zu ermöglichen, kann eines
der Sperrventile 20, 22, 32 und 58 die fluidische Leitung bzw. den Druckmittelströmungspfad
zwischen der Hydropumpe 4 und dem jeweiligen Hydrozylinder 6, 8 und 10 sperren. Beispielsweise
können in einer Konfiguration A der Arbeitsanschluss 28 durch das Sperrventil 20 und
in einer Konfiguration E der Arbeitsanschluss 28 durch das Sperrventil 22 abgesperrt
werden. Dadurch können die jeweiligen Hydrozylinder 6, 8 und 10 eine Last halten,
ohne einen Antrieb durch die Hydropumpe 4 zu benötigen.
[0056] Um Differenzvolumina aufzunehmen, die aus unterschiedlichen Kolbenflächengrößen der
Hydrozylinder 6, 8, 10 resultieren, hat die hydraulische Anordnung einen Speicherströmungspfad
62, der über auf einen Druckwert voreingestellte Druckbegrenzungsventile 64 mit dem
jeweiligen Arbeitsströmungspfad 12, 14 fluidisch verbindbar ist. An den Speicherströmungspfad
62 ist ein gasbelasteter Hydrospeicher 60 angebunden.
[0057] Die folgende Funktionsweise kann mit jedem der Sperrventile 20, 22, 32, 58 ausgeführt
werden. Zum einfacheren Verständnis wird das Sperrventil 32 exemplarisch betrachtet.
[0058] Beispielsweise wird der Arbeitsanschluss 40 über das Sperrventil 32 fluidisch von
der Hydropumpe 4 getrennt. Damit wird die Lasthaltefunktion ermöglicht, durch die
eine Last am Hydrozylinder 10 antriebslos gehalten werden kann. Bei aktiver Lasthaltefunktion
kann die Hydropumpe 4 und damit auch der Elektromotor 2 abgeschaltet werden bzw. die
Belastung des Elektromotors 2 reduziert werden. Der zeitliche Ablauf des Schließens
des Sperrventils 32 und der Reduzierung des Drehmoments des Elektromotors 2 wird in
der Fig. 2 verdeutlicht.
[0059] Fig. 2 zeigt beispielhaft einen zeitlichen Verlauf einer Kraft am Hydrozylinder 10
bzw. eines Drucks in dem Zylinderraum 41 des Hydrozylinders 10 und eines Drehmoments
des Elektromotors 2. Der grundlegende zeitliche Ablauf ist für alle anderen Arbeitsanschlüsse
und Zylinderräume der Hydrozylinder 6, 8 und 10 identisch. Der Druck im Zylinderraum
41 wird dabei beispielsweise von einem Drucksensor 54 im Zylinderraum 41 erfasst.
In einem ersten Bereich B1 ist das Sperrventil 32 offen. Bei geöffnetem Sperrventil
32 besteht eine fluidische Verbindung zwischen dem Hydrozylinder 6 und der Hydropumpe
4. Dadurch kann der Hydrozylinder 10 über einen Steuerstrom des Elektromotors 2, der
die Hydropumpe 4 antreibt, geregelt werden. Der Hydrozylinder 10 kann bei geöffnetem
Sperrventil 32 also über eine Steuereinheit der hydraulischen Anordnung 1 geregelt
werden. Die Lasthaltefunktion ist in diesem Bereich also nicht aktiv. Die externe
Belastung erhöht das Drehmoment des Elektromotors 2. Damit steigt die Belastung der
Hydropumpe 4 und der Druck im Zylinderraum 41 steigt. Das Drehmoment des Elektromotors
2 wird solange erhöht, bis die erfasste Kraft Fist einen Kraft-Sollwert Fsoll bzw.
einen vorbestimmten Toleranzbereich nahe dem Kraft-Sollwert Fsoll erreicht und optional
eine erfasste Position einen Positions-Sollwert xsoll bzw. einen vorbestimmten Toleranzbereich
nahe dem Positions-Sollwert xsoll erreicht.
[0060] Die Lasthaltefunktion kann also durch ein erfasstes Signal aktiviert werden. Das
erfasste Signal kann beispielsweise die erfasste Kraft am Hydrozylinder 10 sein, die
in einem vordefinierten Zielbereich liegt, bei gleichzeitiger optional erreichter
Position in einem vordefiniertem Zielbereich des Hydrozylinders 10, bei gleichzeitigem
Erreichen eines vorbestimmten Drehmoments am Elektromotor 2 aktiviert werden. Ferner
kann die Aktivierung der Lasthaltefunktion durch eine manuelle Kommandierung über
ein Steuerwort erfolgen.
[0061] Wenn die erfasste Kraft Fist und optional die erfasste Position xist den vorbestimmten
Toleranzbereich erreicht, beginnt eine Zeit t1 zu laufen. Der vorbestimmte Toleranzbereich
kann beispielsweise ein bestimmter zu erreichender Prozentsatz des Kraft-Sollwertes,
optional des Positions-Sollwertes, sein. Die Zeit t1 wird als Entprellzeit bezeichnet.
Durch die Entprellzeit soll verhindert werden, dass die hydraulische Anordnung 1 auf
kurzfristige Kraft-/Positionsschwankungen reagiert. Wenn die Zeit t1 abgelaufen ist,
wird die Lasthaltefunktion aktiviert. Das Sperrventil 32 wird geschlossen. Der Schließvorgang
des Sperrventils 32 benötigt die Zeitspanne t2. Wenn das Sperrventil 32 vollständig
geschlossen ist, also im zweiten Bereich B2, ist der Zylinderkolben nicht mehr über
die Steuereinheit der hydraulischen Anordnung 1 geregelt. Der fluide Durchgang zwischen
der Hydropumpe 4 und dem Hydrozylinder 10 ist also durch das Sperrventil 32 hydraulisch
getrennt. Das Drehmoment des Elektromotors 2 wird anschließend auf null reduziert.
Dabei folgt die Regelung des Elektromotors 2 einem vorbestimmten Profil zur Belastungs-
oder Drehmomentreduzierung.
[0062] Durch Leckage des Sperrventils 32 und gleichzeitig drückende Last auf den Zylinder
10 oder anderen Druckverlusten kann die anliegende Kraft an dem Hydrozylinder 10 während
des aktiven Lasthaltemodus im Bereich B2 langsam absinken. Wenn sich die Kraft außerhalb
eines vorbestimmten (Grenz-)Bereichs ändert, wird die Lasthaltefunktion deaktiviert.
In den vorbestimmten Grenzbereich kann zusätzliche eine Hystereseanpassung Fhyst einfließen.
[0063] Optional kann auch die Position des Zylinders 10 durch einen Postionssensor (nicht
dargestellt) erfasst werden. Wenn die Zylinderposition durch (ungewollte) Bewegung
aufgrund von Leckage einen vorbestimmten (Grenz-)Bereich verlässt, kann dadurch ein
Signal zum Deaktivieren der Lasthaltefunktion gegeben werden. In den vorbestimmten
Grenzbereich kann zusätzliche eine Hystereseanpassung xhyst einfließen.
[0064] Wenn die Lasthaltefunktion deaktiviert wird, wird das Drehmoment des Elektromotors
2 auf den letzten (erfassten) Wert oder optional an die aktuelle Lastsituation nachgeführt
vor dem Schließen des Sperrventils 32 erhöht. Wenn das Drehmoment den Sollwert erreicht,
wird eine Zeitspanne t3 gewartet. Die Zeitspanne t3 soll sicherstellen, dass das gewünschte
Drehmoment eingestellt ist, kann aber auch 0 Sekunden betragen. Anschließend wird
das Sperrventil 32 geöffnet. Der Öffnungsvorgang des Sperrventils 32 benötigt eine
Zeitspanne t4. Wenn das Sperrventil geöffnet ist, wird eine fluidische Verbindung
zwischen dem Hydrozylinder 10 und der Hydropumpe 4 wiederhergestellt. Es wird die
kommandierte Kraft und/oder Position wiederhergestellt. Die Kraft am Hydrozylinder
10 steigt somit auf den Sollwert an bzw. die Position wird wieder auf den Sollwert
ausgeregelt. Da das Drehmoment des Elektromotors 1 vor dem Öffnen des Sperrventils
32 erhöht wurde, wird der Druck in den entsprechenden Leitungen vor dem Öffnen des
Sperrventils 32 bzw. nachgeführt auf die aktuelle Belastung der Kammer, angeglichen.
Ab dem Zeitpunkt, an dem das Sperrventil 32 komplett offen ist, wird der Hydrozylinder
wieder durch die Steuereinheit geregelt. Die Lasthaltefunktion ist somit vollständig
deaktiviert. Damit ist der dritte Bereich B3 erreicht.
[0065] Der letzte erfasste Wert des Elektromotors 2 kann beispielsweise das erfasste Drehmoment
des Elektromotors 2 beim Schließen des Sperrventils 32 sein und optional an die aktuelle
Lastsituation angepasst, nachgeführt werden. Dieser Wert kann in einer Speichereinheit
gespeichert werden und bei der Erhöhung des Drehmoments abgerufen werden.
[0066] Es ist aber auch denkbar, dass der Elektromotor 2 bei der Wiederaufnahme der Hydropumpe
4 über den erfassten Druck an der Pumpenseite der hydraulischen Anordnung 1 geregelt
wird. In diesem Fall müsste jeweils ein Drucksensor an der Zylinderseite und an der
Pumpenseite vorliegen, um die jeweiligen Drücke vor dem Öffnen des Sperrventils aneinander
anzupassen.
[0067] Fig. 3 zeigt ein Ablaufdiagramm eines offenbarungsgemäßen Verfahrens zum Steuern
der hydraulischen Anordnung 1 mit den Hydrozylindern 6, 8, 10 und der Hydropumpe 4.
In Schritt S1 wird das Sperrventil 32 in dem Arbeitsströmungspfad oder Druckmittelströmungspfad
14 zwischen dem Hydrozylinder 10 und der Hydropumpe 4 geschlossen. Das Schließen des
Sperrventils 32 benötigt die Zeitdauer t2. In Schritt S2 wird eine Betriebsgröße des
Elektromotors 2, der die Hydropumpe 4 antreibt, während des Schließens des Sperrventils
32 ermittelt oder erfasst. Dabei kann es sich entweder um ein Drehmoment des Elektromotors
2 oder um einen Druck im Zylinderraum 41 handeln. Die ermittelte oder erfasste Betriebsgröße
kann beispielsweise in einer Speichereinheit der hydraulischen Anordnung 1 gespeichert
werden. In Schritt S3 wird bestimmt, ob eine Bedingung für die Deaktivierung der Lasthaltefunktion
bzw. für eine Wiederaufnahme der Regelung vorliegt. In Schritt S4 wird die ermittelte
oder erfasste Betriebsgröße an dem Elektromotor 2 eingestellt. D.h. der Elektromotor
2 erhöht beispielsweise sein Drehmoment so lange, bis das Drehmoment anliegt, das
beim Schließen des Sperrventils 32 ermittelt oder erfasst wurde. In Schritt S5 wird
das Sperrventil 32 geöffnet. Somit ist die Lasthaltefunktion deaktiviert. Wenn das
Sperrventil 32 geöffnet ist, wird der Hydrozylinder 6 wieder durch die Steuereinheit
der hydraulischen Anordnung 1 geregelt.
[0068] Vor Schritt S1 kann ein optionaler Schritt S0 ausgeführt werden, in dem (durch die
Steuereinheit) geprüft wird, ob eine Bedingung zur Aktivierung der Lasthaltefunktion
vorliegt. Diese Bedingung kann dabei eine automatische Erkennung, ob der Druckmittelströmungspfad
abgesperrt werden soll, wenn ein vorbestimmter Kraft- oder Druckbereich erreicht wird.
Das Erreichen des vorbestimmten Kraft- oder Druckbereich kann durch die Sensoren im
Druckmittelströmungspfad erkannt werden. Die Bedingung zur Aktivierung der Lasthaltefunktion
kann ferner eine manuelle Kommandierung durch ein Steuerwort sein.
[0069] Bei der Bedingung für die Deaktivierung der Lasthaltefunktion kann es sich beispielsweise
um eine manuelle Deaktivierung der Lasthaltefunktion handeln. Es kann sich ferner
um ein Steuerwort handeln, mit dem eine Wiederaufnahme der Regelung angeordnet wird.
Die Bedingung kann beispielsweise auch sein, dass eine erfasste Kraft am Hydrozylinder
bzw. ein Druck im Zylinderraum einen vorbestimmten Toleranzbereich verlässt. Weiterhin
kann die Bedingung sein, dass eine erfasste Position des Zylinderkolbens einen vorbestimmten
Toleranzbereich verlässt. Auch eine Änderung eines Positionssollwerts des Zylinderkolbens
kann eine Bedingung für die Deaktivierung der Lasthaltefunktion sein.
[0070] Der Ablauf des offenbarungsgemäßen Steuerungsverfahrens wird im Folgenden detailliert
dargelegt. Am Anfang ist die Lasthaltefunktion deaktiviert. Anschließend wird ein
Sperren des Sperrventils 32 entweder automatisch oder manuell aktiviert und danach
das Sperrventil 32 geschlossen. Das vollständige Schließen des Sperrventils 32 kann
zeitlich überwacht werden oder über eine Stellungsüberwachung realisiert werden. Ist
das Sperrventil 32 komplett geschlossen, wird der Hydrozylinder 10 aus der Regelung
genommen und das Drehmoment des Elektromotors 2 geregelt auf 0 Nm reduziert.
[0071] Wird bei aktiver Lasthaltefunktion die Lasthaltefunktion deaktiviert oder eine Wiederaufnahme
der Regelung des Hydrozylinders 10 angefordert, wird das Drehmoment des Elektromotors
2 erhöht. Wird die Lasthaltefunktion nicht deaktiviert, wird zuerst überprüft, ob
der Positionssollwert des Zylinderkolbens geändert wurde. Ist dies der Fall, wird
geprüft, ob eine automatische Fahrbewegung des Zylinderkolbens gewünscht ist. Der
Druck in der Leitung 14 wird auf den Druck des Leitungszuges 41 vor dem Schließen
des Sperrventils 32 angeglichen, bzw. auf die aktuelle Belastung der Kammer nachgeführt.
Wenn eine automatische Fahrbewegung des Zylinderkolbens gewünscht ist, kann die Änderung
des Positionssollwerts des Zylinderkolbens für die Dauer des Wiederaufnehmens ignoriert
werden. In diesem Fall wird die Änderung des Positionssollwerts des Zylinderkolbens
erst aktiv, wenn das Sperrventil 32 vollständig geöffnet ist. Nachdem der Befehl zur
Wiederaufnahme aktiviert ist, wird das Drehmoment des Elektromotors 2 erhöht. Es kann
eine Wartezeit t3 abgewartet werden. Dadurch kann sichergestellt werden, dass das
Drehmoment dem Sollwert entspricht.
[0072] Anschließend wird das Sperrventil 32 geöffnet. Die Öffnungsdauer des Sperrventils
32 kann eine Zeitspanne t4 benötigen. Nach dem vollständigen Öffnen des Sperrventils
32 ist der Hydrozylinder 10 wieder in der Regelung der hydraulischen Anordnung 1.
Eine Sollwertänderung der Position des Zylinderkolbens ist aktiv und wird nicht mehr
ignoriert. Die Lasthaltefunktion ist somit vollständig deaktiviert.
1. Hydraulische Anordnung (1) mit einem Hydrozylinder (6, 8, 10) und einer Hydropumpe
(4) zu dessen Druckmittelversorgung, die von einem Elektromotor (2) antreibbar ist
und mit einem Zylinderraum über einen Druckmittelströmungspfad (12, 14, 18) fluidisch
verbindbar ist, in dem ein oder mehrere Sperrventile (20, 22, 32, 58) vorgesehen sind,
durch das der Druckmittelströmungspfad (12, 14, 18) zum antriebslosen Halten einer
Last des Hydrozylinders (6, 8, 10) hydraulisch abtrennbar ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Betriebsgröße des Elektromotors (2) beim hydraulischen Trennen des Druckmittelströmungspfads
(12, 14, 18) ermittelt oder erfasst wird und die erfasste oder ermittelte Betriebsgröße
beim Einstellen einer Bedingung, bei deren Eintreten der Druckmittelströmungspfad
(12, 14, 18) geöffnet wird, an dem Elektromotor (2) eingestellt wird.
2. Anordnung (1) nach Anspruch 1, wobei die Betriebsgröße des Elektromotors (2) proportional
zu einem Druck im Zylinderraum ist.
3. Anordnung (1) nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Betriebsgröße des Elektromotors (2)
aus dessen Belastung ermittelbar oder ermittelt ist.
4. Anordnung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei die Betriebsgröße des Elektromotors
(2) aus dessen Stromaufnahme ermittelbar oder ermittelt ist.
5. Anordnung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die Betriebsgröße des Elektromotors
(2) dessen Drehmoment ist.
6. Anordnung (1) nach Anspruch 1, wobei die Betriebsgröße des Elektromotors (2) ein erfasster
Druck in dem Druckmittelströmungspfad (12, 14, 18) ist, wobei der Elektromotor (2)
derart eingestellt ist, dass der erfasste Druck beim Öffnen des Druckmittelströmungspfades
(12, 14, 18) anliegt.
7. Anordnung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei die Bedingung ein Deaktivieren
einer Lasthaltefunktion ist.
8. Anordnung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei die Bedingung ein manuell eingestelltes
Steuerwort ist.
9. Anordnung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei die Bedingung ist, dass eine
erfasste Kraft an dem Hydrozylinder (6, 8, 10) oder Druck in dem Zylinderraum außerhalb
eines vorbestimmten Toleranzbereichs liegt.
10. Anordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei die Bedingung ist, dass eine erfasste
Position des Hydrozylinders (6, 8, 10) außerhalb eines vorbestimmten Toleranzbereichs
liegt.
11. Anordnung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei die Bedingung eine Änderung
eines Positionssollwerts des Hydrozylinders (6, 8, 10) ist.
12. Verfahren zum Steuern einer hydraulischen Anordnung (1) mit einer Lasthaltefunktion
mit zumindest einem Hydrozylinder (6, 8, 10) und einer Hydropumpe (4) mit den Schritten:
- Schließen eines Sperrventils (20, 22, 32, 58) in einem Druckmittelströmungspfad
(12, 14, 18) zwischen dem Hydrozylinder (6, 8, 10) und der Hydropumpe (4);
- Ermitteln oder Erfassen einer Betriebsgröße eines Elektromotors (2), der die Hydropumpe
(4) antreibt, während des Schließens des Sperrventils (20, 22, 32, 58);
- Erkennen, dass eine Bedingung für eine Deaktivierung der Lasthaltefunktion vorliegt;
- Einstellen und Nachführen der ermittelten oder erfassten Betriebsgröße an dem Elektromotor
(2); und
- Öffnen des Sperrventils (20, 22, 32, 58).
13. Verfahren nach Anspruch 12, wobei der Hydrozylinder (6, 8, 10) von einer Steuereinheit
der hydraulischen Anordnung (1) geregelt wird, während das Sperrventil (20, 22, 32,
58) schließt.
14. Verfahren nach Anspruch 12 oder 13, wobei eine Regelung des Hydrozylinders (6, 8,
10) durch die Steuereinheit beendet wird, nachdem das Sperrventil (20, 22, 32, 58)
vollständig geschlossen ist.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 bis 14, wobei die Betriebsgröße des Elektromotors
(2) reduziert wird, nachdem das Sperrventil (20, 22, 32, 58) vollständig geschlossen
ist.