[0001] Die Erfindung betrifft ein Stahlflachprodukt zur Herstellung eines Blechformteils
durch Warmumformen, ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Stahlflachprodukts,
ein Verfahren zum Überprüfen eines Blechformteils und ein Verfahren zum Herstellen
eines Blechformteils.
[0002] Wenn nachfolgend von einem "Stahlflachprodukt" oder auch von einem "Blechprodukt"
die Rede ist, so sind damit Walzprodukte, wie Stahlbänder oder -bleche, gemeint aus
den für die Herstellung von beispielsweise Karosseriebauteilen "Blechzuschnitte" (auch
Platinen genannt) abgeteilt werden. "Blechformteile" oder "Blechbauteile" der erfindungsgemäßen
Art sind aus derartigen Blechzuschnitten hergestellt, wobei hier die Begriffe "Blechformteil"
und "Blechbauteil" synonym verwendet werden.
[0003] Alle Angaben zu Gehalten der in der vorliegenden Anmeldung angegebenen Stahlzusammensetzungen
sind auf das Gewicht bezogen, sofern nicht ausdrücklich anders erwähnt. Alle nicht
näher bestimmten, im Zusammenhang mit einer Stahllegierung stehenden "%-Angaben" sind
daher als Angaben in "Gew.-%" zu verstehen. In diesem Text gemachte Angaben zu den
Gehalten der Bestandteile einer Atmosphäre beziehen sich auf das Volumen (Angabe in
"Vol.-%").
[0004] Aus der
WO 2022/048990 A1 und der
EP 2 993 248 B1 sind Stahlflachprodukte mit ähnlichen aluminiumbasierten Beschichtungen und Verfahren
zu deren Herstellung bekannt.
[0005] Derartige Stahlflachprodukte weisen einen Überzug auf Aluminium-Basis auf und werden
mittels Warmumformen zum Blechformteilen weiterverarbeitet. Dabei werden Zuschnitte
aus den Stahlflachprodukten über eine gewisse Glühdauer (z.B. 4 Minuten) auf eine
Warmumformtemperatur (z.B. 900°C) erwärmt. Während dieser Glühdauer diffundiert Eisen
aus dem Stahlsubstrat in den Überzug auf Aluminium-Basis. Hierdurch ergibt sich ein
Überzug, der sehr effektiv gegen Korrosion schützt. Der heiße Zuschnitt wird anschließend
in einem Umformwerkzeug zu einem Blechformteil umgeformt und schnell abgekühlt, wodurch
sich ein Härtegefüge (z.B. Martensit) im Stahlsubstrat bildet. Im Ergebnis erhält
man ein Blechformteil mit hoher Festigkeit und einem Überzug, der sehr gut gegen Korrosion
schützt.
[0006] Problematisch ist jedoch, dass sich nur dann der gewünschte Korrosionsschutz einstellt,
wenn die Verarbeitungsbedingungen, insbesondere die Glühdauer, sehr genau eingehalten
werden. Eine zu lange Glühdauer führt zu mehr Diffusion von Eisen in den Überzug,
wodurch der Schichtaufbau empfindlich gestört wird. In der industriellen Produktion
kann es jedoch immer mal wieder zu Abweichungen aufgrund von Störungen im Betriebsablauf
kommen. Daher ist es erforderlich, Blechformteile, die versehentlich unter falschen
Bedingungen hergestellt wurden, zu identifizieren und auszusortieren. Prinzipiell
ist dies beispielsweise durch Anfertigung eines metallographischen Schnittes oder
durch chemische Analyse der Oberfläche möglich. Solche Untersuchungen sind jedoch
sehr aufwendig und zudem nicht zerstörungsfrei.
[0007] Daher ist es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Stahlflachprodukt derart
weiterzuentwickeln, dass ohne großen Aufwand am umgeformten Blechformteil festgestellt
werden kann, ob die gewünschten Herstellungsbedingungen eingehalten wurden.
[0008] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Stahlflachprodukt zur Herstellung eines Blechformteils
durch Warmumformen, aufweisend
- a. ein Stahlsubstrat, das aus einem Stahl, der 0,1-3 Gew.-% Mn und optional bis zu
0,01 Gew.-% B aufweist, besteht und
- b. einen auf mindestens einer Seite des Stahlsubstrats angeordneten Überzugs auf Aluminium-Basis,
wobei der Überzug eine AI-Basisschicht aufweist, die aus 1,0-15 Gew.-% Si, optional
2-4 Gew.-% Fe, 0,1-5,0 Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle, und optionalen weiteren
Bestandteilen, deren Gehalte in Summe auf höchstens 2,0 Gew.-% beschränkt sind, und
als Rest Aluminium besteht.
[0009] Dabei weisen die Alkali- oder Erdalkalimetalle in der Al-Basisschicht eine derartige
Verteilung auf, dass das Stahlflachprodukt im abgekühlten Zustand nach einer Glühung
in einem Ofen mit einer Ofentemperatur von 900° für eine Glühdauer von 9 Minuten eine
Farbveränderung im Vergleich zum abgekühlten Zustand nach einer Referenz-Glühdauer
von 4 Minuten erfährt, wobei die Farbveränderung eine Farbdynamik von größer 100 aufweist.
[0010] Typischerweise werden Überzuge dieser Art mittels Schmelztauchbeschichten hergestellt.
Dabei hat sich überraschend gezeigt, dass sich durch die Zugabe von 0,1-5,0 Gew.-%
Alkali- oder Erdalkalimetallen in die Schmelze und bestimmte Abkühlbedingungen, die
im späteren detailliert erläutert werden, ein Überzug ergibt, mit einer bestimmten
Verteilung der Alkali- oder Erdalkalimetalle in der AI-Basisschicht. Diese Verteilung
führt dazu, dass es bei Glühdauern oberhalb von 4 Minuten zu einer Farbveränderung
des Stahlflachproduktes kommt. Durch weitere Diffusionsvorgänge ändert sich die oberflächennahe
Konzentration von Alkali- und Erdalkalimetallen, was wiederum die Farbveränderung
verursacht. Anhand von Vergleichsversuchen ist deutlich erkennbar, dass diese Farbveränderung
wesentlich stärker ist als bei Überzug ohne Zugabe von Alkali- oder Erdalkalimetallen.
Daher ist es möglich, durch die Messung von Farbwerten am umgeformten Blechformteil
und Vergleich mit Referenzfarbwerten eines abgekühlten Referenz-Blechformteils festzustellen,
ob das Blechformteil den gewünschten Glühprozess durchlaufen hat. Dabei wurde das
Referenz-Blechformteil für 4 Minuten in einem Ofen mit einer Ofentemperatur von 900°C
geglüht. Unter dem abgekühlten Blechformteil (bzw. Referenz-Blechformteil) ist zu
verstehen, dass das Blechformteil (bzw. Referenz-Blechformteil) Raumtemperatur angenommen
hat.
[0011] Dabei wird die Farbdynamik einer Farbveränderung wie folgt bestimmt:
Mittels eines Spektralphotometers und einer Lichtquelle mit der CIE-Normlichtart A
(kann mit hinreichender Genauigkeit durch eine gasgefüllte Wolfram-Glühlampe der Verteilungstemperatur
TV≈2856 K realisiert werden) und einem 10° Sichtfeld gemäß der Konvention CIE 1964
wird die Farbe des Blechformteils im CIE-Lab Farbraum erstellt. Dieser ist gemäß EN
ISO 11664-4 "Colorimetry - Part 4: CIE 1976 L*a*b* Colour space" genormt. Aus dem
CIE-Lab Farbraum werden die Werte in den sRGB
8-Farbraum umgerechnet. Bei dem verwendeten sRGB
8-Farbraum handelt es sich um die 8-Bit-Variante, bei der die Farbwerte Integerzahlen
von 0-255 annehmen. Die Umrechnung ist dem Fachmann geläufig und beispielsweise auf
httDs://convertingcolors.com/cielab-color-1.00 1.00 1.00.html online durchführbar.
[0012] Im Ergebnis erhält man eindeutige RGB-Werte für das Blechformteil. Analog werden
die Referenzfarbwerten (R
refG
refB
ref) eines korrekt prozessierten Blechformteils (Referenz-Blechformteil) ermittelt.
[0013] Eine Farbdynamik D einer Farbveränderung von Referenz-Blechformteil zum Blechformteil
ist nun definiert als die Summe der Beträge der Differenzen der RGB-Werte, d.h.:

[0014] Es hat sich gezeigt, dass die so definierte Farbdynamik besonders gut geeignet ist,
die Farbveränderung zu quantifizieren.
[0015] Ein solch erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt wird mithilfe des nachfolgend beschriebenen
erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt. Dabei umfasst das erfindungsgemäße Verfahren
zur Herstellung eines Stahlflachproduktes für die Warmumformung mit einem Überzug
folgende Arbeitsschritte:
- a) Zurverfügungstellen einer Bramme oder einer Dünnbramme, die aus einem Stahl besteht,
der 0,1-3 Gew.-% Mn und optional bis zu 0,01 Gew.-% B aufweist;
- b) Durcherwärmen der Bramme oder Dünnbramme bei einer Temperatur (T1) von 1000-1400°C;
- c) Optionales Vorwalzen der durcherwärmten Bramme oder Dünnbramme zu einem Zwischenprodukt
mit einer Zwischenprodukttemperatur (T2) von 1000-1200°C;
- d) Warmwalzen zu einem warmgewalzten Stahlflachprodukt, wobei die Endwalztemperatur
(T3) 750-1000°C beträgt;
- e) Optionales Haspeln des warmgewalzten Stahlflachprodukts, wobei die Haspeltemperatur
(T4) höchstens 700°C beträgt;
- f) Optionales Entzundern des warmgewalzten Stahlflachprodukts;
- g) Optionales Kaltwalzen des Stahlflachprodukts, wobei der Kaltwalzgrad mindestens
30 % beträgt;
- h) Glühen des Stahlflachprodukts bei einer Glühtemperatur (T5) von 650-900°C;
- i) Abkühlen des Stahlflachprodukts auf eine Eintauchtemperatur (T6), welche 650-800°C,
bevorzugt 670-720°C beträgt;
- j) Beschichten des auf die Eintauchtemperatur abgekühlten Stahlflachprodukts mit einem
Überzug durch
- i. Eintauchen in ein Schmelzbad mit einer Schmelzentemperatur (T7) 660-800°C, bevorzugt
670-710°C;
- ii. Abblasen des Stahlflachproduktes nach Austritt aus dem Schmelzbad mittels eines
Gasstroms;
- k) Abkühlen des beschichteten Stahlflachprodukts auf Raumtemperatur, wobei eine Abkühlrate
zwischen 660°C und 570°C mindestens 15 K/s beträgt;
- l) optionales Dressieren des beschichteten Stahlflachprodukts.
[0016] In Arbeitsschritt a) wird ein entsprechend der erfindungsgemäß für das Stahlflachprodukt
vorgegebenen Legierung zusammengesetztes Halbzeug zur Verfügung gestellt. Dies kann
eine im konventionellen Brammenstrangguss oder im Dünnbrammenstrangguss erzeugte Bramme
sein.
[0017] In Arbeitsschritt b) wird das Halbzeug bei einer Temperatur (T1) von 1000-1400°C
durcherwärmt. Sollte das Halbzeug nach dem Vergießen abgekühlt sein, so wird das Halbzeug
zum Durcherwärmen zunächst auf 1000-1400°C wiedererwärmt. Die Durcherwärmungstemperatur
sollte mindestens 1000°C betragen, um eine gute Verformbarkeit für den nachfolgenden
Walzprozess sicherzustellen. Die Durcherwärmungstemperatur sollte nicht mehr als 1400°C
betragen, um Anteile schmelzflüssiger Phasen im Halbzeug zu vermeiden.
[0018] Im optionalen Arbeitsschritt c) wird das Halbzeug zu einem Zwischenprodukt vorgewalzt.
Dünnbrammen werden üblicherweise keiner Vorwalzung unterzogen. Dickbrammen, die zu
Warmbändern ausgewalzt werden sollen, können bei Bedarf einer Vorwalzung unterzogen
werden. In diesem Fall sollte die Temperatur des Zwischenprodukts (T2) am Ende des
Vorwalzens mindestens 1000°C betragen, damit das Zwischenprodukt genügend Wärme für
den nachfolgenden Arbeitsschritt des Fertigwalzens enthält. Hohe Walztemperaturen
können jedoch auch ein Kornwachstum während des Walzvorgangs fördern, was sich nachteilig
auf die mechanischen Eigenschaften des Stahlflachprodukts auswirkt. Um das Kornwachstum
während des Walzvorgangs gering zu halten, soll die Temperatur des Zwischenprodukts
am Ende des Vorwalzens nicht mehr als 1200°C betragen.
[0019] In Arbeitsschritt d) wird die Bramme oder Dünnbramme oder, wenn Arbeitsschritt c)
ausgeführt wurde, das Zwischenprodukt zu einem warmgewalzten Stahlflachprodukt gewalzt.
Wurde Arbeitsschritt c) ausgeführt, so wird das Zwischenprodukt typischerweise unmittelbar
nach dem Vorwalzen fertiggewalzt. Typischerweise beginnt das Fertigwalzen spätestens
90s nach dem Ende des Vorwalzens. Die Bramme, die Dünnbramme oder, wenn Arbeitsschritt
c) ausgeführt wurde, das Zwischenprodukt werden bei einer Endwalztemperatur (T3) ausgewalzt.
Die Endwalztemperatur, das heißt die Temperatur des fertig warmgewalzten Stahlflachprodukts
am Ende des Warmwalzvorgangs, beträgt 750-1000°C. Bei Endwalztemperaturen kleiner
750°C nimmt die Menge an freiem Vanadium ab, da größere Mengen an Vanadiumkarbiden
ausgeschieden werden. Die beim Fertigwalzen ausgeschiedenen Vanadiumkarbide sind sehr
groß. Sie weisen typischerweise eine mittlere Korngröße von 30nm oder mehr auf und
werden in nachfolgenden Glühprozessen, wie sie zum Beispiel vor dem Schmelztauchbeschichten
durchgeführt werden, nicht mehr aufgelöst. Die Endwalztemperatur ist auf Werte von
höchstens 1000°C begrenzt, um einer Vergröberung der Austenitkörner vorzubeugen. Außerdem
sind Endwalztemperaturen von höchstens 1000°C prozesstechnisch relevant zur Einstellung
von Haspeltemperaturen (T4) kleiner 700°C.
[0020] Das Warmwalzen des Stahlflachprodukts kann als kontinuierliches Warmbandwalzen oder
als reversierendes Walzen erfolgen. Arbeitsschritt e) sieht für den Fall des kontinuierlichen
Warmbandwalzens ein optionales Haspeln des warmgewalzten Stahlflachprodukts vor. Dazu
wird das Warmband nach dem Warmwalzen innerhalb von weniger als 50s auf eine Haspeltemperatur
(T4) abgekühlt. Als Kühlmedium kann hierfür beispielsweise Wasser, Luft oder eine
Kombination aus beidem verwendet werden. Die Haspeltemperatur (T4) sollte höchstens
700°C betragen, um die Bildung großer Vanadiumkarbide zu vermeiden. Die Haspeltemperatur
ist prinzipiell nicht nach unten beschränkt. Allerdings haben sich Haspeltemperaturen
von mindestens 500°C als günstig für die Kaltwalzbarkeit erwiesen. Anschließend wird
das gehaspelte Warmband in konventioneller Weise an Luft auf Raumtemperatur abgekühlt.
[0021] In Arbeitsschritt f) wird das warmgewalzte Stahlflachprodukt optional in konventioneller
Weise durch Beizen oder durch eine andere geeignete Behandlung entzundert.
[0022] Das von Zunder gereinigte warmgewalzte Stahlflachprodukt kann vor der Glühbehandlung
in Arbeitsschritt g) optional einem Kaltwalzen unterzogen werden, um beispielsweise
höhere Anforderungen an die Dickentoleranzen des Stahlflachprodukts zu erfüllen. Der
Kaltwalzgrad (KWG) sollte dabei mindestens 30 % betragen, um in das Stahlflachprodukt
genügend Verformungsenergie für eine schnelle Rekristallisation einzubringen. Unter
dem Kaltwalzgrad KWG wird dabei der Quotient aus der Dickenabnahme beim Kaltwalzen
ΔdKW durch die Warmbanddicke d verstanden:

[0023] Mit Δd
KW = Dickenabnahme beim Kaltwalzen in mm und d = Warmbanddicke in mm, wobei sich die
Dickenabnahme Δd
KW aus der Differenz der Dicke des Stahlflachprodukts vor dem Kaltwalzen zur Dicke des
Stahlflachprodukts nach dem Kaltwalzen ergibt. Beim Stahlflachprodukt vor dem Kaltwalzen
handelt es sich üblicherweise um ein Warmband der Warmbanddicke d. Das Stahlflachprodukt
nach dem Kaltwalzen wird üblicherweise auch als Kaltband bezeichnet. Der Kaltwalzgrad
kann prinzipiell sehr hohe Werte von über 90 % annehmen. Allerdings haben sich Kaltwalzgrade
von höchstens 80 % als günstig zur Vermeidung von Bandrissen erwiesen.
[0024] In Arbeitsschritt h) wird das Stahlflachprodukt einer Glühbehandlung bei Glühtemperaturen
(T5) von 650-900°C unterzogen. Dazu wird das Stahlflachprodukt zunächst innerhalb
von 10-120s auf die Glühtemperatur erwärmt und dann 30-600s bei der Glühtemperatur
gehalten. Die Glühtemperatur beträgt mindestens 650°C, bevorzugt mindestens 720°C.
Glühtemperaturen oberhalb von 900°C sind aus ökonomischen Gründen nicht wünschenswert.
[0025] In Arbeitsschritt i) wird das Stahlflachprodukt nach dem Glühen auf eine Eintauchtemperatur
(T6) abgekühlt, um es für die anschließende Beschichtungsbehandlung vorzubereiten.
Die Eintauchtemperatur ist kleiner als die Glühtemperatur und wird auf die Temperatur
des Schmelzbads abgestimmt. Die Eintauchtemperatur beträgt 600-800°C, bevorzugt mindestens
650°C, besonders bevorzugt mindestens 670°C, besonders bevorzugt höchstens 700°C.
Für eine besonders homogene Grenzschichtausbildung ist es wichtig, dass genügend thermische
Energie in der Grenzschicht zwischen Stahlsubstrat und Aluminiumschmelze vorliegt.
Dies ist bei tieferen Temperaturen als 600°C nicht der Fall, so dass sich unerwünschte
Verbindungen bilden können, deren spätere Rückumwandlung zu Poren führen kann. Ab
den bevorzugten Eintauchtemperaturen erhöht sich die Diffusionsgeschwindigkeit von
Eisen in Aluminium nochmals signifikant, so dass bereits zu Beginn des Überzugsprozesses
vermehrt Eisen in die noch flüssige Grenzschicht eindiffundieren kann. Die Dauer der
Abkühlung des geglühten Stahlflachprodukts von der Glühtemperatur T5 auf die Eintauchtemperatur
T6 beträgt bevorzugt 10-180s. Insbesondere weicht die Eintauchtemperatur T6 von der
Temperatur des Schmelzenbades T7 um nicht mehr als 30K, insbesondere nicht mehr als
20K, bevorzugt nicht mehr als 10K ab.
[0026] Das Stahlflachprodukt wird in Arbeitsschritt j) einer Beschichtungsbehandlung unterzogen.
Die Beschichtungsbehandlung erfolgt bevorzugt mittels kontinuierlichem Schmelztauchbeschichten.
Die Beschichtung kann nur auf einer Seite, auf beiden Seiten oder auf allen Seiten
des Stahlflachprodukts aufgebracht werden. Die Beschichtungsbehandlung erfolgt bevorzugt
als Schmelztauchbeschichtungsprozess, insbesondere als kontinuierlicher Prozess. Dabei
kommt das Stahlflachprodukt üblicherweise auf allen Seiten mit dem Schmelzbad in Kontakt,
so dass es allseits beschichtet wird. Das Schmelzbad, das die auf das Stahlflachprodukt
aufzubringende Legierung in flüssiger Form enthält, weist typischerweise eine Temperatur
(T7) von 660-800°C, bevorzugt 670-740°C, besonders bevorzugt 670-710°C auf. Als zum
Beschichten alterungsbeständiger Stahlflachprodukte mit einem Korrosionsschutzüberzug
besonders geeignet haben sich Legierungen auf Aluminiumbasis erwiesen. In einem solchen
Fall enthält das Schmelzbad 1,0-15 Gew.-% Si, optional 2-4 Gew.-% Fe, optional 0,1-5,0
Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle, bevorzugt bis zu 1,0 Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle,
und optionale weitere Bestandteile, deren Gehalte in Summe auf höchstens 2,0 Gew.-%
beschränkt sind, und als Rest Aluminium. Bei einer bevorzugten Variante beträgt der
Si-Gehalt der Schmelze 1,0-3,5 Gew.-% oder 7-12 Gew.-%, insbesondere 8-10 Gew.-%.
Bei einer bevorzugten Variante umfasst der optionale Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
in der Schmelze 0,1-1,0 Gew.-% Mg, insbesondere 0,1-0,7 Gew.-% Mg, bevorzugt 0,1-0,5
Gew.-% Mg. Weiterhin kann der optionale Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen in
der Schmelze insbesondere mindestens 0,0015 Gew.-% Ca, insbesondere mindestens 0,01
Gew.-% Ca, umfassen.
[0027] Nach dem Austritt aus dem Schmelzbad wird das Stahlflachprodukt mittels eines Gasstroms
abgeblasen, um die Dicke des Überzuges einzustellen.
[0028] Nach der Beschichtungsbehandlung wird das beschichtete Stahlflachprodukt in Arbeitsschritt
k) auf Raumtemperatur abgekühlt. Dabei beträgt eine mittlere Abkühlrate zwischen 660°C
und 570°C mindestens 15 K/s, bevorzugt mindestens 20 K/s. Dies entspricht dem Bereich
zwischen dem Beginn der Verfestigung und dem Ende der Verfestigung des Überzuges.
Bei einer Abkühlung auf 660°C beginnt die Verfestigung des Überzuges und bei einer
weiteren Abkühlung auf 570°C ist der Überzug vollständig verfestigt. Bevorzugt beträgt
die mittlere Abkühlrate maximal 100 K/s, besonders bevorzugt maximal 50 K/s. Es hat
sich gezeigt, dass aufgrund dieser zügigen Abkühlung eine bestimmte Verteilung der
Alkali- oder Erdalkalimetalle in der Al-Basisschicht des Überzuges entsteht, die zu
der beschriebenen vorteilhaften Farbveränderung beim anschließenden Umformprozess
führt. Grundsätzlich neigen die Alkali- oder Erdalkalimetalle dazu, sich oberflächennah
zu konzentrieren. Während die Alkali- oder Erdalkalimetalle in der Schmelze also noch
gleich verteilt sind, diffundieren die Alkali- oder Erdalkalimetalle im Überzug zur
Oberfläche hin. Dies ist möglich, solange ausreichend thermische Energie für Diffusionsvorgänge
zur Verfügung steht. Bei einer zu langsamen Abkühlrate zwischen Beginn und Ende der
Verfestigung ist der Großteil der Alkali- oder Erdalkalimetalle bereits zur Oberfläche
diffundiert. Beim späteren Glühen für den Umformprozess findet daher keine signifikante
Diffusion der Alkali- oder Erdalkalimetalle zur Oberfläche mehr statt. Daher tritt
in einem solchen Fall auch keine signifikante Farbveränderung der Oberfläche auf.
Die Diffusion muss also nach der Beschichtungsbehandlung so schnell beendet werden,
dass beim späteren Glühen für den Umformprozess noch ausreichend Diffusionsvorgänge
stattfinden können, die die Farbveränderung verursachen. Dies wird durch eine mittlere
Abkühlrate zwischen 660°C und 570°C, das heißt zwischen dem Beginn der Verfestigung
und dem Ende der Verfestigung, erreicht, die mindestens 15 K/s beträgt. Die Diffusion
darf aber auch nicht zu schnell beendet werden. Ein gewisser Anteil der Alkali- oder
Erdalkalimetalle muss bereits an der Oberfläche aufkonzentriert sein. Die Beigabe
der Alkali- oder Erdalkalimetalle hat ja den Zweck, dass sich beim späteren Glühprozess
vor der Umformung an der Oberfläche des Überzuges Oxide der Alkali- oder Erdalkalimetalle
anstelle von Aluminiumoxiden bilden. Dies hat den Vorteil, dass dabei weniger freier
Wasserstoff entsteht als bei der Bildung von Al
2O
3. (Der bei der Oxidation gebundene Sauerstoff entstammt in der Regel Wassermolekülen
aus der Atmosphäre, so dass bei der Oxidation zwangsläufig der verbleibende Wasserstoff
frei wird). Der freie Wasserstoff diffundiert in das Stahlsubstrat und führt dort
zu unerwünschter Wasserstoffversprödung. Die Beigabe von Alkali- oder Erdalkalimetallen
führt zur Reduzierung des freien Wasserstoffs und damit zur Reduzierung der Wasserstoffversprödung.
Diesen Effekt können die Alkali- oder Erdalkalimetalle jedoch nur bewirken, wenn sie
sich während des Glühprozesses vor dem Umformen nahe der Oberfläche des Substrates
befinden. Daher ist es vorteilhaft, wenn ein gewisser Anteil der Alkali- oder Erdalkalimetalle
bereits während des Erstarrens an die Oberfläche diffundiert ist. Dann steht nämlich
sofort ab Beginn des Glühprozesses vor dem Umformen ein ausreichender Anteil von Alkali-
oder Erdalkalimetallen für den beschriebenen Oxidationsvorgang zur Verfügung. Daher
ist es vorteilhaft, wenn die Abkühlrate maximal 100 K/s, bevorzugt maximal 50 K/s
beträgt. Hierdurch wird sichergestellt, dass ein ausreichender Anteil der Alkali-
oder Erdalkalimetalle an die Oberfläche des Überzuges diffundiert ist. Durch diese
gezielte Wahl des Abkühlvorgangs wird eine Verteilung der Alkali- oder Erdalkalimetalle
im Überzug (speziell in der Al-Basisschicht des Überzuges) erreicht, die einerseits
ausreichend oberflächennahe Alkali- oder Erdalkalimetalle aufweist, um den freien
Wasserstoff sofort ab Beginn der späteren Glühung zu reduzieren und andererseits immer
noch genügend Diffusion zu ermöglicht, die zu der erfindungsgemäßen Farbveränderung
führt.
[0029] Das beschichtete Stahlflachprodukt kann optional einem Dressieren mit einem Dressiergrad
von bis zu 2% unterzogen werden, um die Oberflächenrauheit des Stahlflachprodukts
zu verbessern.
[0030] Der verwendete Stahl beim Stahlflachproduktes und beim Verfahren zum Herstellen eines
Stahlflachproduktes ist ein Stahl der 0,1-3 Gew.-% Mn und optional bis zu 0,01 Gew.-%
B aufweist. Entsprechendes gilt selbstverständlich auch für den Stahl des warmumgeformten
Blechformteils. Insbesondere ist das Gefüge des Stahls durch ein Warmumformen in ein
martensitisches oder teilweise martensitisches Gefüge umwandelbar. Das Gefüge des
Stahlsubstrates des Blechformteils ist also bevorzugt ein martensitisches oder zumindest
teilweise martensitisches Gefüge, da dieses eine besonders hohe Härte aufweist.
[0031] Besonders bevorzugt besteht der Stahl bevorzugt neben Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen
(in Gew.-%) aus:
C: |
0,04 - 0,45 Gew.-% |
Si: |
0,02 - 1,2 Gew.-% |
Mn: |
0,5 - 2,6 Gew.-% |
Al: |
0,02 - 1,0 Gew.-% |
P: |
≤ 0,05 Gew.-% |
S: |
≤ 0,02 Gew.-% |
N: |
≤ 0,02 Gew.-% |
Sn: |
≤ 0,03 Gew.-% |
As: |
≤ 0,01 Gew.-% |
Ca: |
≤ 0,005 Gew.-% |
sowie optional einem oder mehreren der Elemente "Cr, B, Mo, Ni, Cu, Nb, Ti, V" in
folgenden Gehalten:
Cr: |
0,08 - 1,0 Gew.-% |
B: |
0,001 - 0,005Gew.-% |
Mo: |
≤0,5 Gew.-% |
Ni: |
≤0,5 Gew.-% |
Cu: |
≤0,2 Gew.-% |
Nb: |
0,02 - 0,08 Gew.-%, |
Ti: |
0,01 - 0,08 Gew.-% |
V: |
≤0,2 Gew.-% |
[0032] Bei den Elementen P, S, N, Sn, As, Ca handelt es sich um Verunreinigungen, die bei
der Stahlerzeugung nicht vollständig vermieden werden können. Neben diesen Elementen
können auch noch weitere Elemente als Verunreinigungen im Stahl vorhanden sein. Diese
weiteren Elemente werden unter den "unvermeidbaren Verunreinigungen" zusammengefasst.
Bevorzugt beträgt der Gehalt an unvermeidbaren Verunreinigungen in Summe maximal 0,2
Gew.-%, bevorzugt maximal 0,1 Gew.-%. Die optionalen Legierungselemente Cr, B, Nb,
Ti, für die eine Untergrenze angegeben ist, können auch in Gehalten unterhalb der
jeweiligen Untergrenze als unvermeidbare Verunreinigungen im Stahlsubstrat vorkommen.
In dem Fall werden sie ebenfalls zu den unvermeidbaren Verunreinigungen gezählt, deren
Gesamtgehalt auf maximal 0,2 Gew.-%, bevorzugt maximal 0,1 Gew.-% begrenzt ist. Bevorzugt
sind die individuellen Obergrenzen für die jeweilige Verunreinigung dieser Elemente
wie folgt:
Cr: |
≤ 0,050 Gew.-%, |
B: |
≤ 0,0005 Gew.-% |
Nb: |
≤ 0,005 Gew.-%, |
Ti: |
≤ 0,005 Gew.-% |
[0033] Dabei sind diese bevorzugten Obergrenzen als alternativ oder gemeinsam zu betrachten.
Bevorzugte Varianten des Stahls erfüllen also eine oder mehrere dieser vier Bedingungen.
[0034] Bei einer bevorzugten Ausführungsform beträgt der C-Gehalt des Stahls maximal 0,37
Gew.-% und/oder mindestens 0,06 Gew.-%. Bei besonders bevorzugten Ausführungsvarianten
liegt der C-Gehalt im Bereich von 0,06-0,09 Gew.-% oder im Bereich von 0,12-0,25 Gew.-%
oder im Bereich von 0,33-0,37 Gew.-%.
[0035] Bei einer bevorzugten Ausführungsform beträgt der Si-Gehalt des Stahls maximal 1,00
Gew.-% und/oder mindestens 0,06 Gew.-%.
[0036] Der Mn-Gehalt des Stahls beträgt bei einer bevorzugten Variante maximal 2,4 Gew.-%
und/oder mindestens 0,75 Gew.-%. Bei besonders bevorzugten Ausführungsvarianten liegt
der Mn-Gehalt im Bereich von 0,75-0,85 Gew.-% oder im Bereich von 1,0-1,6 Gew.-%.
[0037] Der Al-Gehalt des Stahls beträgt bei einer bevorzugten Variante maximal 0,75 Gew.-%,
insbesondere maximal 0,5 Gew.-%, bevorzugt maximal 0,25 Gew.-%. Alternativ oder ergänzend
beträgt der Al-Gehalt bevorzugt mindestens 0,02%.
[0038] Zudem hat sich gezeigt, dass es hilfreich sein kann, wenn die Summe der Gehalte von
Silizium und Aluminium begrenzt sind. Bei einer bevorzugten Variante beträgt daher
die Summe der Gehalte von Si und AI (üblicherweise bezeichnet als Si+Al) maximal 1,5
Gew.-%, bevorzugt maximal 1,2 Gew.-%. Ergänzend oder alternativ beträgt die Summe
der Gehalte von Si und AI mindestens 0,06 Gew.-%, bevorzugt mindestens 0,08 Gew.-%.
[0039] Bei den Elementen P, S, N handelt es sich um typische Verunreinigungen die bei der
Stahlerzeugung nicht vollständig vermieden werden können. Bei bevorzugten Varianten
beträgt der P-Gehalt maximal 0,03 Gew.-%. Unabhängig davon beträgt der S-Gehalt bevorzugt
maximal 0,012%. Zusätzlich oder ergänzend beträgt der N-Gehalt bevorzugt maximal 0,009
Gew.-%.
[0040] Optional enthält der Stahl zudem Chrom mit einem Gehalt von 0,08-1,0 Gew.-%. Bevorzugt
beträgt der Cr-Gehalt maximal 0,75 Gew.-%, insbesondere maximal 0,5 Gew.-%.
[0041] Im Falle einer optionalen Zulegierung von Chrom ist bevorzugt die Summe der Gehalte
von Chrom und Mangan begrenzt. Die Summe beträgt maximal 3,3 Gew.-%, insbesondere
maximal 3,15 Gew.-%. Weiterhin beträgt die Summe mindestens 0,5 Gew.-%, bevorzugt
mindestens 0,75 Gew.-%.
[0042] Bevorzugt enthält der Stahl optional zudem Bor mit einem Gehalt von 0,001-0,005 Gew.-%.
Insbesondere beträgt der B-Gehalt maximal 0,004 Gew.-%.
[0043] Optional kann der Stahl Molybdän mit einem Gehalt von maximal 0,5 Gew.-% enthalten,
insbesondere maximal 0,1 Gew.-%.
[0044] Weiterhin kann der Stahl optional Nickel enthalten mit einem Gehalt von maximal 0,5
Gew.-%, bevorzugt maximal 0,15 Gew.-%.
[0045] Optional kann der Stahl zudem Kupfer enthalten mit einem Gehalt von maximal 0,2 Gew.-%,
bevorzugt maximal 0,15 Gew.-%.
[0046] Zudem kann der Stahl optional eines oder mehrere der Mikrolegierungselemente Nb,
Ti und V enthalten. Dabei beträgt der optionale Nb-Gehalt mindestens 0,02 Gew.-% und
maximal 0,08 Gew.-%, bevorzugt maximal 0,04 Gew.-%. Der optionale Ti-Gehalt beträgt
mindestens 0,01 Gew.-% und maximal 0,08 Gew.-%, bevorzugt maximal 0,04 Gew.-%. Der
optionale V-Gehalt beträgt maximal 0,2 Gew.-%, insbesondere maximal 0,1 Gew.-%, bevorzugt
maximal 0,05 Gew.-%.
[0047] Im Falle einer optionalen Zulegierung von mehreren der Elemente Nb, Ti und V ist
bevorzugt die Summe der Gehalte von Nb, Ti und V begrenzt. Die Summe beträgt maximal
0,1 Gew.-%, insbesondere maximal 0,068 Gew.-%. Weiterhin beträgt die Summe bevorzugt
mindestens 0,015 Gew.-%.
[0048] Die vorstehenden Erläuterungen zu bevorzugten Stahlsubstraten gelten selbstverständlich
ebenso für das Stahlsubstrat des Stahlflachproduktes sowie für die Stahlsubstrate
in den beschriebenen Herstellungsverfahren und auch für das nachfolgend beschriebene
Verfahren zum Überprüfen eines Blechformteils.
[0049] Das erfindungsgemäße Stahlflachprodukt umfasst einen auf mindestens einer Seite des
Stahlsubstrats angeordneten Überzugs auf Aluminium-Basis, wobei der Überzug eine Al-Basisschicht
aufweist, die aus 1,0-15 Gew.-% Si, optional 2-4 Gew.-% Fe, 0,1-5,0 Gew.-% Alkali-
oder Erdalkalimetalle, und optionalen weiteren Bestandteilen, deren Gehalte in Summe
auf höchstens 2,0 Gew.-% beschränkt sind, und als Rest Aluminium besteht.
[0050] Ein solcher Überzug dient dazu das Stahlsubstrat beim Warmumformen und bei der Verwendung
des erzeugten Stahlbauteils vor Oxidation und Korrosion zu schützen. Daher wird der
Überzug auch als synonym als Korrosionsschutzüberzug bezeichnet.
[0051] Dabei kann der Korrosionsschutzüberzug einseitig oder beidseitig auf dem Stahlflachprodukt
aufgebracht sein. Als die beiden Seiten des Stahlflachproduktes werden die beiden
sich gegenüberliegenden großen Flächen des Stahlflachproduktes bezeichnet. Die schmalen
Flächen werden als Kanten bezeichnet.
[0052] Ein solcher Korrosionsschutzüberzug wird bevorzugt durch Schmelztauchbeschichten
des Stahlflachproduktes erzeugt. Dabei wird das Stahlflachprodukt durch eine flüssige
Schmelze geführt, die aus 0,1-15 Gew.-% Si, bevorzugt mehr als 1,0 Gew-% Si, optional
2-4 Gew.-% Fe, 0,1 bis zu 5,0 Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle, bevorzugt bis
zu 1,0 Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle, und optionalen weiteren Bestandteilen,
deren Gehalte in Summe auf höchstens 2,0 Gew.-% beschränkt sind, und als Rest Aluminium
besteht.
[0053] Bei einer bevorzugten Variante beträgt der Si-Gehalt der Schmelze 1,0-3,5 Gew.-%
oder 7-12 Gew.-%, insbesondere 8-10 Gew.-%.
[0054] Bei einer bevorzugten Variante umfasst der Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
in der Schmelze 0,1-1,0 Gew.-% Mg, insbesondere 0,1-0,7 Gew.-% Mg, bevorzugt 0,1-0,5
Gew.-% Mg. Weiterhin kann der Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen in der Schmelze
insbesondere mindestens 0,0015 Gew.-% Ca, insbesondere mindestens 0,01 Gew.-% Ca,
umfassen.
[0055] Bei einer bevorzugten Ausführungsform besteht der Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
aus 0,1-1,0 Gew.-% Mg, insbesondere 0,1-0,7 Gew.-% Mg, bevorzugt 0,1-0,5 Gew.-% Mg.
[0056] Bei einer bevorzugten Ausführungsform besteht der Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
aus 0,1-1,0 Gew.-% Mg, insbesondere 0,1-0,7 Gew.-% Mg, bevorzugt 0,1-0,5 Gew.-% Mg
und mindestens 0,0015 Gew.-% Ca, insbesondere mindestens 0,01 Gew.-% Ca.
[0057] Beim Schmelztauchbeschichten diffundiert Eisen aus dem Stahlsubstrat in den flüssigen
Überzug, so dass der Korrosionsschutzüberzug des Stahlflachproduktes beim Erstarren
insbesondere eine Legierungsschicht und eine Al-Basisschicht aufweist. Die Legierungsschicht
liegt auf dem Stahlsubstrat auf und grenzt unmittelbar an dieses an. Die Legierungsschicht
wird im Wesentlichen aus Aluminium und Eisen gebildet. Die übrigen Elemente aus dem
Stahlsubstrat oder der Schmelzenzusammensetzung reichern sich nicht signifikant in
der Legierungsschicht an. Bevorzugt besteht die Legierungsschicht aus 35-60 Gew.-%
Fe, bevorzugt α-Eisen, optionalen weiteren Bestandteilen, deren Gehalte in Summe auf
höchstens 5,0 Gew.-%, bevorzugt 2,0% beschränkt sind, und als Rest Aluminium, wobei
der Al-Gehalt bevorzugt in Richtung Oberfläche ansteigt. Die optionalen weiteren Bestandteile
beinhalten insbesondere die übrigen Bestandteile der Schmelze (das heißt Silizium
und gegebenenfalls Alkali- oder Erdalkalimetalle, insbesondere Mg bzw. Ca) und die
übrigen Anteile des Stahlsubstrates zusätzlich zu Eisen.
[0058] Die Al-Basisschicht liegt auf der Legierungsschicht und grenzt unmittelbar an diese
an. Bevorzugt entspricht die Zusammensetzung der Al-Basisschicht der Zusammensetzung
der Schmelze des Schmelzbades. Das heißt, sie besteht aus 1,0-15 Gew.-% Si, optional
2-4 Gew.-% Fe, 0,1-5,0 Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle, bevorzugt bis zu 1,0
Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle und optionalen weiteren Bestandteilen, deren
Gehalte in Summe auf höchstens 2,0 Gew.-% beschränkt sind, und als Rest Aluminium.
Bevorzugte Zusammensetzungen der Al-Basisschicht entsprechen den bevorzugten Schmelzenzusammensetzungen.
[0059] Bei einer bevorzugten Variante der Al-Basisschicht umfasst der optionale Gehalt an
Alkali- oder Erdalkalimetallen 0,1-1,0 Gew.-% Mg, insbesondere 0,1-0,7 Gew.-% Mg,
bevorzugt 0,1-0,5 Gew.-% Mg. Weiterhin kann der optionale Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
in der Al-Basisschicht insbesondere mindestens 0,0015 Gew.-% Ca, insbesondere mindestens
0,1 Gew.-% Ca, umfassen.
[0060] Bei einer weiter bevorzugten Variante des Korrosionsschutzüberzuges ist der Si-Gehalt
in der Legierungsschicht geringer als der Si-Gehalt in der Al-Basisschicht.
[0061] Der Korrosionsschutzüberzug hat bevorzugt eine Dicke von 5-60 µm, insbesondere von
10-40 µm. Das Auflagengewicht des Korrosionsschutzüberzuges beträgt insbesondere 30-360g/m^2
bei beidseitigen Korrosionsschutzüberzügen bzw. 15-180 g/m^2 bei der einseitigen Variante.
Bevorzugt beträgt das Auflagengewicht des Korrosionsschutzüberzuges 100-200g/m^2 bei
beidseitigen Überzügen bzw. 50-100g/m^2 für einseitige Überzüge. Besonders bevorzugt
beträgt das Auflagengewicht des Korrosionsschutzüberzuges 120-180g/m^2 bei beidseitigen
Überzügen bzw. 60-90g/m^2 für einseitige Überzüge.
[0062] Die Dicke der Legierungsschicht ist bevorzugt kleiner als 20 µm, besonders bevorzugt
kleiner 16µm, besonders bevorzugt kleiner 12µm, insbesondere kleiner 10 µm. Die Dicke
der Al-Basisschicht ergibt sich aus der Differenz der Dicken von Korrosionsschutzüberzug
und Legierungsschicht. Bevorzugt beträgt die Dicke der Al-Basisschicht auch bei dünnen
Korrosionsschutzüberzügen mindestens 1µm.
[0063] Bei einer bevorzugten Variante umfasst das Stahlflachprodukt eine auf dem Korrosionsschutzüberzug
angeordnete Oxidschicht. Die Oxidschicht liegt dabei insbesondere auf der Al-Basisschicht
und bildet bevorzugt den äußeren Abschluss des Korrosionsschutzüberzuges.
[0064] Die Oxidschicht besteht insbesondere zu mehr als 80 Gew.-% aus Oxiden, wobei der
Hauptanteil der Oxide (d.h. mehr als 50 Gew.-% der Oxide) Aluminiumoxid ist. Insbesondere
sind in der Oxidschicht zusätzlich zu Aluminiumoxid Hydroxide und/oder Magnesiumoxid
alleine oder als Mischung vorhanden. Bevorzugt besteht der nicht von den Oxiden und
optional vorhandenen Hydroxiden eingenommene Rest der Oxidschicht aus Silizium, Aluminium,
Eisen und/oder Magnesium in metallischer Form.
[0065] Bevorzugt hat die Oxidschicht des Stahlflachproduktes eine Dicke, die größer ist
als 50nm. Insbesondere beträgt die Dicke der Oxidschicht maximal 500nm.
[0066] Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Herstellen eines Blechformteils,
umfassend folgende Arbeitsschritte:
- a. Bereitstellen eines Blechzuschnitts aus einem zuvor beschriebenen Stahlflachprodukt;
- b. Erwärmen des Blechzuschnitts derart, dass zumindest teilweise die AC3 Temperatur
des Zuschnitts überschritten ist und die Temperatur TEinlg des Zuschnitts beim Einlegen in ein für ein Warmpressformen vorgesehenes Umformwerkzeug
(Arbeitsschritt c)) zumindest teilweise eine Temperatur oberhalb von Ms+100°C aufweist,
wobei Ms die der Martensitstarttemperatur bezeichnet;
- c. Einlegen des erwärmten Blechzuschnitts in ein Umformwerkzeug, wobei die für das
Entnehmen aus der Erwärmungseinrichtung und das Einlegen des Zuschnitts benötigte
Transferdauer tTrans höchstens 20s, bevorzugt höchstens 15s, beträgt;
- d. Warmpressformen des Blechzuschnitts zu dem Blechformteil, wobei der Zuschnitt im
Zuge des Warmpressformens über eine Dauer tWZ von mehr als 1s mit einer zumindest teilweise mehr als 30 K/s betragenden Abkühlgeschwindigkeit
rWZ auf die Zieltemperatur TZiel abgekühlt und optional dort gehalten wird;
- e. Entnehmen des auf die Zieltemperatur TZiel abgekühlten Blechformteils aus dem Werkzeug;
- f. Abkühlen des Blechformteils auf Raumtemperatur
[0067] Beim erfindungsgemäßen Verfahren wird somit ein Zuschnitt, der aus einem entsprechend
den voranstehenden Erläuterungen in geeigneter Weise zusammengesetzten Stahl besteht,
bereitgestellt (Arbeitsschritt a)), der dann in an sich bekannter Weise so erwärmt
wird, dass zumindest teilweise die AC3 Temperatur des Zuschnitts überschritten ist
und die Temperatur T
Einlg des Zuschnitts beim Einlegen in ein für ein Warmpressformen vorgesehenes Umformwerkzeug
(Arbeitsschritt c)) zumindest teilweise eine Temperatur oberhalb von Ms+100°C beträgt.
Unter teilweisem Überschreiten einer Temperatur (hier AC3 bzw. Ms+100°C) wird im Sinne
dieser Anmeldung verstanden, dass mindestens 30%, insbesondere mindestens 60%, des
Volumens des Zuschnitts eine entsprechende Temperatur überschreiten. Beim Einlegen
in das Umformwerkzeug weist also mindestens 30% des Zuschnitts ein austenitisches
Gefüge auf, d.h. die Umwandlung vom ferritischen ins austenitische Gefüge muss beim
Einlegen in das Umformwerkzeug noch nicht abgeschlossen sein. Vielmehr können bis
zu 70% des Volumens des Zuschnitts beim Einlegen in das Umformwerkzeug aus anderen
Gefügebestandteilen, wie angelassenem Bainit, angelassenem Martensit und/oder nicht
bzw. teilweise rekristallisiertem Ferrit bestehen. Zu diesem Zweck können bestimmte
Bereiche des Zuschnitts während der Erwärmung gezielt auf einem niedrigeren Temperaturniveau
gehalten werden als andere. Hierzu kann die Wärmezufuhr gezielt nur auf bestimmte
Abschnitte des Zuschnitts gerichtet werden oder die Teile, die weniger erwärmt werden
sollen, gegen die Wärmezufuhr abgeschirmt werden. In dem Teil des Zuschnittmaterials,
dessen Temperatur niedriger bleibt, entsteht im Zuge der Umformung im Werkzeug kein
oder nur deutlich weniger Martensit, so dass das Gefüge dort deutlich weicher ist
als in den jeweils anderen Teilen, in denen ein martensitisches Gefüge vorliegt. Auf
diese Weise kann im jeweils geformten Blechformteil gezielt ein weicherer Bereich
eingestellt werden, indem beispielsweise eine für den jeweiligen Verwendungszweck
optimale Zähigkeit vorliegt, während die anderen Bereiche des Blechformteils eine
maximierte Festigkeit besitzen.
[0068] Maximale Festigkeitseigenschaften des erhaltenen Blechformteils können dadurch ermöglicht
werden, dass die zumindest teilweise im Blechzuschnitt erreichte Temperatur zwischen
Ac3 und 1000°C, bevorzugt zwischen 850°C und 950°C liegt.
[0069] Dabei ist die zu überschreitende MindesttemperaturAc3 gemäß der
von HOUGARDY, HP. in "Werkstoffkunde Stahl Band 1: Grundlagen", Verlag Stahleisen
GmbH, Düsseldorf, 1984, p. 229., angegebenen Formel

mit %C = jeweiliger C-Gehalt, %Si = jeweiliger Si-Gehalt, %Mn = jeweiliger Mn-Gehalt,
%Cr = jeweiliger Cr-Gehalt, %Mo = jeweiliger Mo-Gehalt, %Ni =jeweiliger Ni-Gehalt
und %V = jeweiliger V-Gehalt des Stahls, aus dem der Zuschnitt besteht, bestimmt.
[0070] Eine optimal gleichmäßige Eigenschaftsverteilung lässt sich dadurch erreichen, dass
der Zuschnitt im Arbeitsschritt b) vollständig durcherwärmt wird.
[0071] Bei einer bevorzugten Ausführungsvariante beträgt die mittlere Aufheizgeschwindigkeit
r
Ofen des Blechzuschnittes beim Erwärmen in Schritt b) mindestens 3 K/s, bevorzugt mindestens
5 K/s, insbesondere mindestens 10 K/s, bevorzugt mindestens 15 K/s. Die mittlere Aufheizgeschwindigkeit
r
Ofen ist dabei als mittlere Aufheizgeschwindigkeit von 30°C auf 700°C zu verstehen.
[0072] Bei einer bevorzugten Ausführungsvariante erfolgt die Erwärmung in einem Ofen mit
einer Ofentemperatur T
Ofen von mindestens 850°C, bevorzugt mindestens 880°C, besonders bevorzugt mindestens
900°C, insbesondere mindestens 920°C, und maximal 1000°C, bevorzugt maximal 950°C,
besonders bevorzugt maximal 930°C.
[0073] Bevorzugt beträgt der Taupunkt im Ofen hierbei mindestens -20°C, bevorzugt mindestens
-15°C, insbesondere mindestens -5°C, besonders bevorzugt mindestens 0°C, insbesondere
mindestens 5°C und maximal +25 °C, bevorzugt maximal +20 °C insbesondere maximal +15
°C.
[0074] Bei einer speziellen Ausführungsvariante erfolgt die Erwärmung in Schritt b) stufenweise
in Bereichen mit unterschiedlicher Temperatur. Insbesondere erfolgt die Erwärmung
in einem Rollenherdofen mit unterschiedlichen Heizzonen. Hierbei erfolgt die Erwärmung
in einer ersten Heizzone mit einer Temperatur (sogenannte Ofeneinlauftemperatur) von
mindestens 650°C, bevorzugt mindestens 680°C, insbesondere mindestens 720°C. Maximal
beträgt die Temperatur in der ersten Heizzone bevorzugt 900°C, insbesondere maximal
850°C. Weiterhin bevorzugt beträgt die maximale Temperatur aller Heizzonen im Ofen
maximal 1200°C, insbesondere maximal 1000°C, bevorzugt maximal 950°C, besonders bevorzugt
maximal 930°C.
[0075] Die Gesamtzeit im Ofen t
Ofen, die sich aus einer Erwärmungszeit und einer Haltezeit zusammensetzt, beträgt bei
beiden Varianten (konstante Ofentemperatur, stufenweise Erwärmung) bevorzugt mindestens
2 Minuten, insbesondere mindestens 3 Minuten, bevorzugt mindestens 4 Minuten. Weiterhin
beträgt die Gesamtzeit im Ofen bei beiden Varianten bevorzugt maximal 20 Minuten,
insbesondere maximal 15 Minuten, bevorzugt maximal 12 Minuten, insbesondere maximal
8 Minuten. Längere Gesamtzeiten im Ofen haben den Vorteil, dass eine gleichmäßige
Austenitisierung des Blechzuschnittes sichergestellt ist. Andererseits führt ein zu
langes Halten oberhalb von Ac3 zu einer Kornvergröberung, die sich negativ auf die
mechanischen Eigenschaften auswirkt.
[0076] Der so erwärmte Zuschnitt wird aus der jeweiligen Erwärmungseinrichtung, bei der
es sich beispielsweise um einen konventionellen Erwärmungsofen, eine ebenso an sich
bekannte Induktionserwärmungseinrichtung oder eine konventionelle Einrichtung zum
Warmhalten von Stahlbauteilen handeln kann, entnommen und so schnell in das Umformwerkzeug
transportiert, dass seine Temperatur beim Eintreffen in dem Werkzeug zumindest teilweise
oberhalb von Ms+100°C liegt, bevorzugt oberhalb von 600°C, insbesondere oberhalb von
650°C, besonders bevorzugt oberhalb von 700°C. Hierbei bezeichnet Ms die Martensitstarttemperatur.
Bei einer besonders bevorzugten Variante liegt die Temperatur zumindest teilweise
oberhalb der AC1-Temperatur. Bei allen diesen Varianten beträgt die Temperatur insbesondere
maximal 900°C. Durch diese Temperaturbereiche wird insgesamt eine gute Umformbarkeit
des Materials gewährleistet.
[0077] Im Arbeitsschritt c) wird der Transfer des austenitisierten Zuschnitts von der jeweils
zum Einsatz kommenden Erwärmungseinrichtung zum Umformwerkzeug innerhalb von vorzugsweise
höchstens 20s, insbesondere von maximal 15s absolviert. Ein derart schneller Transport
ist erforderlich, um eine zu starke Abkühlung vor der Verformung zu vermeiden.
[0078] Das Werkzeug besitzt beim Einlegen des Zuschnitts typischerweise eine Temperatur
zwischen Raumtemperatur (RT) und 200°C, bevorzugt zwischen 20°C und 180°C, insbesondere
zwischen 50°C und 150°C. Optional kann das Werkzeug in einer besonderen Ausführungsform
zumindest bereichsweise auf eine Temperatur T
WZ von mindestens 200°C, insbesondere mindestens 300°C temperiert sein, um das Bauteil
nur partiell zu härten. Weiterhin beträgt die Werkzeugtemperatur T
WZ bevorzugt maximal 600°C, insbesondere maximal 550°C. Es ist lediglich sicherzustellen,
dass die Werkzeugtemperatur T
WZ unterhalb der gewünschten Zieltemperatur T
Ziel liegt. Die Verweilzeit im Werkzeug t
WZ beträgt bevorzugt mindestens 2s, insbesondere mindestens 3s, besonders bevorzugt
mindestens 5s. Maximal beträgt die Verweilzeit im Werkzeug bevorzugt 25s, insbesondere
maximal 20s.
[0079] Die Zieltemperatur T
Ziel des Blechformteils liegt zumindest teilweise unterhalb 400°C, bevorzugt unterhalb
300°C, insbesondere unterhalb von 250°C, bevorzugt unterhalb von 200°C, besonders
bevorzugt unterhalb von 180°C, insbesondere unterhalb von 150°C. Alternativ liegt
die Zieltemperatur T
Ziel des Blechformteils besonders bevorzugt unter Ms-50°C, wobei Ms die Martensitstarttemperatur
bezeichnet. Weiterhin beträgt die Zieltemperatur des Blechformteils bevorzugt mindestens
20°C, besonders bevorzugt mindestens 50°C.
[0080] Die Martensitstarttemperatur eines im Rahmen der erfindungsgemäßen Vorgaben liegenden
Stahls ist gemäß der Formel

zu berechnen, wobei hier mit C% der C-Gehalt, mit %Mn der Mn-Gehalt, mit %Mo der
Mo-Gehalt, mit %Cr der Cr-Gehalt, mit %Ni der Ni-Gehalt, mit %Cu der Cu-Gehalt, mit
%Co der Co-Gehalt, mit %W der W-Gehalt und mit %Si der Si-Gehalt des jeweiligen Stahls
in Gew.-% bezeichnet sind.
[0081] Die AC1-Temperatur und die AC3-Temperatur eines im Rahmen der erfindungsgemäßen Vorgaben
liegenden Stahls ist gemäß den Formeln

und

zu berechnen, wobei auch hiermit mit %C der C-Gehalt, mit %Si der Si-Gehalt mit %Mn
der Mn-Gehalt mit %Cr der Cr-Gehalt, mit %Mo der Mo-Gehalt, mit %Ni der Ni-Gehalt
und mit +%V der Vanadium-Gehalt des jeweiligen Stahls bezeichnet sind (
Brandis H 1975 TEW-Techn. Ber. 1 8-10)
[0082] Im Werkzeug wird der Zuschnitt somit nicht nur zu dem Blechformteil geformt, sondern
gleichzeitig auch auf die Zieltemperatur abgeschreckt. Die Abkühlrate im Werkzeuge
r
WZ auf die Zieltemperatur beträgt insbesondere mindestens 20 K/s, bevorzugt mindestens
30 K/s, insbesondere mindestens 50 K/s, in besonderer Ausführung mindestens 100 K/s.
[0083] In Schritt f) nach dem Entnehmen des Blechformteils in Schritt e) erfolgt ein Abkühlen
des Blechformteils auf Raumtemperatur innerhalb einer Abkühldauer t
AB von 0,5-600s. Dies geschieht im Regelfall durch eine Luftabkühlung.
[0084] Während der Erwärmung des Stahlflachproduktes vor der Warmumformung erfolgt eine
weitere Diffusion von Eisen in den Korrosionsschutzüberzug. So stellt sich schon innerhalb
kurzer Erwärmungsdauer ein mit Eisen durchlegierter Korrosionsschutzüberzug ein, der
einen Fe-Gehalt von mindestens 35 Gew.-% aufweist. Zudem ergibt sich bevorzugt ein
spezieller Aufbau des Korrosionsschutzüberzuges des Blechformteils, der im Folgenden
beschrieben ist:
Bei einer speziellen Ausführungsform umfasst das Blechformteil bevorzugt einen Korrosionsschutzüberzug
auf Aluminium-Basis. Bevorzugt umfasst der Korrosionsschutzüberzug des Blechformteils
eine Legierungsschicht und eine Al-Basisschicht.
[0085] Bevorzugt umfasst der Korrosionsschutzüberzug des Stahlbauteils eine Legierungsschicht
und eine Al-Basisschicht.
[0086] Die Legierungsschicht liegt dabei auf dem Stahlsubstrat auf und grenzt unmittelbar
an dieses an. Bevorzugt besteht die Legierungsschicht des Blechformteils aus 35-90
Gew.-% Fe, 0,1-12 Gew.-% Si, optional bis zu 0,5 Gew.-% Mg und optionalen weiteren
Bestandteilen, deren Gehalte in Summe auf höchstens 2,0 Gew.-% beschränkt sind, und
als Rest Aluminium. Durch das weitere Eindiffundieren von Eisen in die Legierungsschicht
sind die Anteile von Si und Mg entsprechend niedriger als ihr jeweiliger Anteil in
der Schmelze des Schmelzbades.
[0087] Die Legierungsschicht hat bevorzugt ein ferritisches Gefüge.
[0088] Die Al-Basisschicht des Blechformteils liegt auf der Legierungsschicht des Stahlbauteils
und grenzt unmittelbar an diese an. Bevorzugt besteht die Al-Basisschicht des Stahlbauteils
aus 35-55 Gew.-% Fe, 0,4-10 Gew.-% Si, 0,1-5,0 Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle
und optionalen weiteren Bestandteilen, deren Gehalte in Summe auf höchstens 2,0 Gew.-%
beschränkt sind, und als Rest Aluminium.
[0089] Bei einer bevorzugten Variante umfasst der Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
0,1-1,0 Gew.-% Mg, insbesondere 0,1-0,7 Gew.-% Mg, bevorzugt 0,1-0,5 Gew.-% Mg. Weiterhin
kann der Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen in der Schmelze insbesondere mindestens
0,0015 Gew.-% Ca, insbesondere mindestens 0,01 Gew.-% Ca, umfassen.
[0090] Bei einer bevorzugten Ausführungsform besteht der Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
aus 0,1-1,0 Gew.-% Mg, insbesondere 0,1-0,7 Gew.-% Mg, bevorzugt 0,1-0,5 Gew.-% Mg.
[0091] Bei einer bevorzugten Ausführungsform besteht der Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
aus 0,1-1,0 Gew.-% Mg, insbesondere 0,1-0,7 Gew.-% Mg, bevorzugt 0,1-0,5 Gew.-% Mg
und mindestens 0,0015 Gew.-% Ca, insbesondere mindestens 0,01 Gew.-% Ca.
[0092] Die Al-Basisschicht kann eine homogene Siliziumverteilung aufweisen, bei der die
lokalen Siliziumgehalte um nicht mehr als 10% variieren. Bevorzugte Varianten der
Al-Basisschicht weisen dagegen siliziumarme Phasen und siliziumreiche Phasen auf.
Siliziumarme Phasen sind dabei Gebiete, deren mittlerer Si-Gehalt mindestens 20% weniger
beträgt als der mittlere Si-Gehalt der Al-Basisschicht. Siliziumreiche Phasen sind
dabei Gebiete, deren mittlerer Si-Gehalt mindestens 20% mehr beträgt als der mittlere
Si-Gehalt der Al-Basisschicht.
[0093] Bei einer bevorzugten Variante sind die siliziumreichen Phasen innerhalb der siliziumarmen
Phase angeordnet. Insbesondere bilden die siliziumreichen Phasen mindestens eine 40%
durchgehende Schicht, die von siliziumarmen Gebieten begrenzt ist. Bei einer alternativen
Ausführungsvariante sind die siliziumreichen Phasen inselförmig in der siliziumarmen
Phase angeordnet.
[0094] Unter "inselförmig" wird im Sinne dieser Anmeldung eine Anordnung verstanden, bei
der diskrete unzusammenhängende Bereiche von einem anderen Material umschlossen werden
- es sich also "Inseln" eines bestimmten Materials in einem anderen Material befinden.
[0095] Bei einer bevorzugten Variante umfasst das Stahlbauteil eine auf dem Korrosionsschutzüberzug
angeordnete Oxidschicht. Die Oxidschicht liegt dabei insbesondere auf der Al-Basisschicht
und bildet bevorzugt den äußeren Abschluss des Korrosionsschutzüberzuges.
[0096] Die Oxidschicht des Stahlbauteils besteht insbesondere zu mehr als 80 Gew.-% aus
Oxiden, wobei der Hauptanteil der Oxide (d.h. mehr als 50 Gew.-% der Oxide) Aluminiumoxid
ist. Optional sind in der Oxidschicht zusätzlich zu Aluminiumoxid Hydroxide und/oder
Magnesiumoxid alleine oder als Mischung vorhanden. Bevorzugt besteht der nicht von
den Oxiden und optional vorhandenen Hydroxiden eingenommene Rest der Oxidschicht aus
Silizium, Aluminium, Eisen und/oder Magnesium in metallischer Form.
[0097] Die Oxidschicht hat bevorzugt eine Dicke von mindestens 50nm, insbesondere von mindestens
100nm. Weiterhin beträgt die Dicke bevorzugt maximal 4µm, insbesondere maximal 2µm.
[0098] Ein weiterer Aspekt der Erfindung ist das Überprüfen eines warmumgeformten Blechformteils
mit einem Überzug auf Aluminium-Basis, insbesondere eines Blechformteils das wie vorstehend
weitergebildet ist und/oder nach dem vorstehend erläuterten Verfahren erzeugt wurde.
Dabei umfasst das Verfahren zum Überprüfen mindestens die folgenden Schritte:
- 1. Bestimmen eines Farbwertes oder mehrerer Farbwerte des Überzuges
- 2. Vergleichen des einen Farbwertes oder der mehreren Farbwerte mit einem oder mehreren
Referenzwerten
- 3. Aussortieren des Blechformteils auf Basis eines Ergebnisses des Vergleichs
[0099] Durch ein einfaches Verfahren, nämlich das Bestimmen eines oder mehrerer Farbwerte
und den Vergleich mit entsprechenden Referenzwerten, kann automatisiert festgestellt
werden, ob das Bauteil den gewünschten Erzeugungsprozess durchlaufen hat. Auf diese
Weise kann bei einer Serienfertigung problemlos jedes Bauteil geprüft werden. Dies
erhöht die Sicherheit, dass keine fehlerhaften Bauteile weiterverwendet werden. Bisherige
Prüfungsverfahren erforderten eine chemische Analyse und/oder die Anfertigung eines
metallographischen Schnittes. Solche Verfahren sind daher nicht zerstörungsfrei. Folglich
konnten nur Stichproben der Bauteile geprüft werden. Mit Hilfe des erfindungsgemäßen
Verfahrens ist daher die Prüfung der gesamten Bauteil-Produktion möglich.
[0100] Bei einer bevorzugten Weiterbildung des Verfahrens sind der eine oder die mehreren
Referenzwerte ein oder mehrere Farbwerte eines abgekühlten Referenz-Blechformteils
sind, das eine Glühung in einem Ofen mit einer Ofentemperatur von 900°C für eine Referenz-Glühdauer
von 4 Minuten erfahren hat. Versuche haben gezeigt, dass eine Glühung bei 900°C für
4 Minuten in vielen Fällen ein Bauteil mit den gewünschten Eigenschaften liefert.
Daher bietet es sich an, dies als Referenz-Prozess zu verwenden und die Farbwerte,
die an einem solchen Referenz-Bauteil vorliegen als Referenzwerte zu verwenden.
[0101] Bei einer speziellen Ausgestaltung des Verfahrens erfolgt das Bestimmen des mindestens
einen Farbwertes oder der mehreren Farbwerte mittels eines Photometers, insbesondere
mittels eines Spektralphotometers erfolgt. Die Verwendung von Photometern hat sich
als besonders sinnvoll erwiesen, da diese sehr zuverlässig funktionieren und problemlos
in einen industriellen Serienprozess integriert werden können. Beispielsweise ist
es ohne weiteres möglich mit einem Photometer viele Bauteile hintereinander mit kurzem
zeitlichen Abstand zu vermessen.
[0102] Besonders bevorzugt umfasst das Bestimmen des einen Farbwertes oder der mehreren
Farbwerte des Überzuges ein Bestimmen von mindestens drei Farbwerten in einem Farbraum.
Insbesondere besteht das Bestimmen des einen Farbwertes oder der mehreren Farbwerte
des Überzuges aus einem Bestimmen von mindestens drei Farbwerten in einem Farbraum.
Bei den drei Farbwerten in einem Farbraum kann es sich beispielsweise um die Werte
L*a*b im genormten CIE-Lab Farbraum handeln. Alternativ kann auch ein ausgesuchter
RGB-Farbraum verwendet werden. Dann handelt es sich bei den drei Farbwerten um die
entsprechenden RGB-Werte. Bei den drei Farbwerten in einem Farbraum handelt es sich
selbstverständlich um drei unabhängige Farbwerte, so dass durch die Angabe der drei
Farbwerte die Farbe in diesem Farbraum eindeutig identifiziert werden kann. Durch
die Aufnahme von mindestens drei Farbwerten in einem Farbraum kann die Farbveränderung
besser charakterisiert werden, da mehr Informationen vorliegen und die Farbe in dem
Farbraum eindeutig identifiziert werden kann.
[0103] Bei einer besonders bevorzugten Variante umfasst das Vergleichen des einen Farbwertes
oder der mehreren Farbwerte mit einem oder mehreren Referenzwerten die Berechnung
einer Farbdynamik. Insbesondere handelt es sich bei den Farbwerten und den Referenzwerten
um RGB-Werte und die Farbdynamik D wird als die Summe der Beträge der Differenzen
der RGB-Werte und der RGB-Referenzwerte berechnet:

[0104] Versuche haben gezeigt, dass eine solche Farbdynamik D besonders sensitiv auf die
hier auftretenden Farbveränderungen ist. Daher eignet sich eine solche Farbdynamik
gut, um das Blechformteil auf Basis der, im Rahmen des Vergleichs, berechneten Farbdynamik
auszusortieren, beispielsweise wenn die Farbdynamik größer ist als 270.
[0105] Bei einer bevorzugten Ausgestaltung des zuvor erläuterten Verfahrens zum Herstellen
eines Blechformteils schließt sich an die beschriebenen Verfahrensschritte a) - f),
insbesondere unmittelbar, der Schritt g) an:
g. Überprüfen des abgekühlten Blechformteils mit dem erläuterten Verfahren zum Überprüfen
eines Blechformteils
[0106] Die hergestellten Blechformteile werden also im Sinne einer Qualitätskontrolle abgeprüft,
ob sie das gewünschte Herstellungsverfahren durchlaufen haben.
[0107] Zum Nachweis der Wirkung der Erfindung wurden mehrere Versuche durchgeführt. Dafür
wurden Brammen mit den in Tabelle 1 angegebenen Zusammensetzungen mit einer Dicke
von 240 mm und Breite von 1200 mm erzeugt, in einem Stoßofen auf eine Temperatur T1
von 1200°C aufgeheizt. Anschließend wurden die Brammen zwischen 30 und 450 min auf
T1 gehalten, bis die Temperatur T1 im Kern der Brammen erreicht war und die Brammen
somit durcherwärmt waren. Die Brammen wurden mit ihrer jeweiligen Durcherwärmungstemperatur
T1 aus dem Stoßofen ausgetragen und einem Warmwalzen unterzogen. Die Versuche wurden
als kontinuierliche Warmbandwalzung ausgeführt. Dazu wurden die Brammen zunächst zu
einem Zwischenprodukt der Dicke 40 mm vorgewalzt, wobei die Zwischenprodukte, welche
bei der Warmbandwalzung auch als Vorbänder bezeichnet werden können, am Ende der Vorwalzphase
jeweils eine Zwischenprodukttemperatur T2 von 1100°C aufwiesen. Die Vorbänder wurden
unmittelbar nach der Vorwalzung dem Fertigwalzen zugeführt, sodass die Zwischenprodukttemperatur
T2 der Walzanfangstemperatur für die Fertigwalzphase entspricht. Die Vorbänder wurden
zu Warmbänder mit einer Enddicke von 4 mm und einer Endwalztemperatur T3 von 890°C
ausgewalzt, auf die jeweilige Haspeltemperatur abgekühlt und bei einer Haspeltemperaturen
T4 von 580°C zu Coils aufgewickelt und dann in ruhender Luft abgekühlt. Die Warmbänder
wurden in konventioneller Weise mittels Beizen entzundert, bevor sie einem Kaltwalzen
unterzogen wurden bis sich die in Tabelle 3 angegebene Dicke ergab. Die kaltgewalzten
Stahlflachprodukte wurden in einem Durchlaufglühofen auf eine Glühtemperatur T5 von
870°C erwärmt und für jeweils 100s auf Glühtemperatur gehalten, bevor sie mit einer
Abkühlrate von 1 K/s auf die Eintauchtemperatur T6 von 690°C abgekühlt wurden. Die
Kaltbänder wurden mit ihrer jeweiligen Eintauchtemperatur T6 durch ein schmelzflüssiges
Beschichtungsbad der Temperatur T7 von 676°C geführt. Die Bandgeschwindigkeit betrug
dabei in allen Fällen 76 m/min. Die Zusammensetzung des Beschichtungsbads ist in Tabelle
2 angegebenen. Nach dem Beschichten wurden die beschichteten Bänder abgeblasen, um
die Auflagengewichte einzustellen. Hierfür wurde ein Luftstrom verwendet. Die Temperatur
des Luftstroms betrug in allen Fällen 70°C. Die Dicke des Überzuges ist in Tabelle
3 angegeben. Die Bänder wurden zunächst mit einer mittleren Abkühlrate von 10-15 K/s
auf 660°C abgekühlt. Zwischen 660°C und 570°C, d.h. zwischen dem Beginn der Verfestigung
und dem Ende der Verfestigung des Überzuges, betrug die Abkühlrate 21 K/s. Im weiteren
Abkühlverlauf zwischen 570°C und Raumtemperatur wurden die Bänder mit einer Abkühlrate
von jeweils 5-12 K/s abgekühlt. Von den so erzeugten Stahlbändern sind jeweils Zuschnitte
abgeteilt worden, die für die weiteren Versuche verwendet worden sind. Bei diesen
Versuchen sind aus den jeweiligen Zuschnitten Blechformteil-Proben in Form von 200
x 300 mm
2 großen Platten warmpressgeformt worden. Dazu sind die Zuschnitte in einer Erwärmungseinrichtung,
beispielsweise in einem konventionellen Erwärmungsofen, von Raumtemperatur mit einer
mittleren Aufheizgeschwindigkeit r
Ofen (zwischen 30°C und 700°C) in einem Ofen mit einer Ofentemperatur T
Ofen von 900°C erwärmt worden. Die Glühdauer im Ofen, die ein Erwärmen und ein Halten
umfasst, ist mit t
Ofen bezeichnet. Der Taupunkt der Ofenatmosphäre betrug in allen Fälle -5°C. Anschließend
sind die Zuschnitte aus der Erwärmungseinrichtung entnommen und in ein Umformwerkzeug,
welches die Temperatur T
WZ besitzt, eingelegt worden. Beim Zeitpunkt des Entnehmens aus dem Ofen hatten die
Zuschnitte die Ofentemperatur angenommen. Die sich aus der für das Entnehmen aus der
Erwärmungseinrichtung, den Transport zum Werkzeug und das Einlegen ins Werkzeug zusammensetzende
Transferdauer t
Trans betrug 8s. Die Temperatur T
Einlg der Zuschnitte beim Einlegen in das Umformwerkzeug lag in allen Fällen oberhalb der
jeweiligen Martensitstarttemperatur +100°C. Im Umformwerkzeug sind die Zuschnitte
zum jeweiligen Blechformteil umgeformt worden, wobei die Blechformteile im Werkzeug
mit einer Abkühlgeschwindigkeit r
WZ auf eine Zielttemperatur T
Ziel abgekühlt wurden. Die Verweildauer im Werkzeug wird mit t
WZ bezeichnet. Abschließend sind die Proben an Luft auf Raumtemperatur abgekühlt worden.
In Tabelle 4 sind die genannten Parameter nochmals zusammengefasst, wobei "RT" die
Raumtemperatur abkürzt.
[0108] Bei dem beschriebenen Prozess wurde zum einen die Beschichtung variiert. Es wurden
die Blechtypen 1 und 2 verwendet, die sich nur durch den Beschichtungstyp α oder β
unterschieden (siehe Tabelle 3). Zum anderen wurde die Glühdauer im Ofen zwischen
4 Minuten und 11 Minuten variiert. Für die so erzeugten Blechformteile wurden mittels
eines Spektralphotometers und einer Lichtquelle mit der CIE-Normlichtart A und einem
10° Sichtfeld die Farbe im CIE-Lab Farbraum bestimmt. Aus diesen Daten wurden die
Farbwerte im RGB-Raum errechnet. Hieraus wurde wiederum die Farbdynamik D bestimmt.
Die Ergebnisse sind in Tabelle 5 dargestellt.
Tabelle 1 (Stahlsorten)
Stahl |
C |
Si |
Mn |
Al |
Cr |
Nb |
Ti |
B |
P |
S |
N |
Sn |
As |
Cu |
Mo |
Ca |
Ni |
CEV |
A |
0,235 |
0,3 |
1,3 |
0,05 |
0,28 |
0,003 |
0,040 |
0,0035 |
0,02 |
0,003 |
0,007 |
0,03 |
0,01 |
0,03 |
0,03 |
0,005 |
0,025 |
0,52 |
Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen. Angaben jeweils in Gew.-%; |
Tabelle 2 (Beschichtungsvarianten)
Beschichtungsvariante |
Schmelzenanalyse |
Si |
Fe |
Mg |
Sonstig e |
Al |
α |
9,5 |
3 |
<0,0 1 |
<1% |
Rest |
β |
10 |
3 |
0,5 |
<1% |
Rest |
Tabelle 3 (Aufbau)
Aufbau |
Stahls orte |
Besch ichtun g |
Blech dicke [mm] |
Überzugs dicke [µm] |
1* |
A |
α |
1,5 |
27 |
2 |
A |
β |
1,5 |
27 |
* nicht erfindungsgemäße Referenzbeispiele |
Tabelle 4 (Warmumformparameter)
Mittlere Aufheizgeschwindigkeit rOfen [30 - 700 °C] [K/s] |
TOfen [°C] |
Transferzeit [s] |
Taupunkt Ofen [°C] |
TEinlg [°C] |
TZW [°C] |
TZW [s] |
Abkühlgeschwindigkeit rWZ [K/s] |
TZiel [°C] |
8 |
900 |
8 |
-5 |
800 |
RT |
15 |
50 |
50 |
Tabelle 5 (Ergebnisse)
Aufbau |
Glühdauer tOfen [Minuten] |
L |
a |
b |
R |
G |
B |
D |
1* |
4 |
39,94 |
1,35 |
3,09 |
99 |
93 |
89 |
0 (Referenz) |
1* |
5 |
37,22 |
1,58 |
0,39 |
91 |
87 |
87 |
16 |
1* |
6 |
34,02 |
0,33 |
-5,74 |
76 |
80 |
89 |
40 |
1* |
7 |
34,46 |
-1,16 |
-7,99 |
72 |
82 |
94 |
51 |
1* |
8 |
34,14 |
-2,93 |
-10,77 |
65 |
82 |
97 |
61 |
1* |
9 |
35,70 |
-5,00 |
-12,61 |
61 |
87 |
104 |
77 |
1* |
10 |
37,23 |
-6,33 |
-13,00 |
61 |
92 |
108 |
86 |
1* |
11 |
37,27 |
-4,63 |
-14,67 |
63 |
91 |
111 |
92 |
2 |
4 |
38,41 |
-0,78 |
-6,38 |
84 |
91 |
101 |
0 (Referenz) |
2 |
5 |
36,70 |
-3,78 |
-11,66 |
68 |
89 |
105 |
22 |
2 |
6 |
38,65 |
-1,61 |
-4,82 |
84 |
92 |
99 |
47 |
2 |
7 |
42,00 |
-5,76 |
-10,23 |
78 |
103 |
116 |
81 |
2 |
8 |
53,68 |
-5,76 |
-9,13 |
108 |
132 |
144 |
168 |
2 |
9 |
45,29 |
-4,77 |
-5,68 |
93 |
110 |
116 |
233 |
2 |
10 |
45,31 |
-0,46 |
6,10 |
111 |
107 |
97 |
273 |
2 |
11 |
50,79 |
-2,87 |
6,99 |
121 |
122 |
109 |
310 |
1. Stahlflachprodukt zur Herstellung eines Blechformteils durch Warmumformen, aufweisend
a. ein Stahlsubstrat, das aus einem Stahl, der 0,1-3 Gew.-% Mn und optional bis zu
0,01 Gew.-% B aufweist, besteht und
b. einen auf mindestens einer Seite des Stahlsubstrats angeordneten Überzug auf Aluminium-Basis,
wobei der Überzug eine Al-Basisschicht aufweist, die aus 1,0-15 Gew.-% Si, optional
2-4 Gew.-% Fe, 0,1-5,0 Gew.-% Alkali- oder Erdalkalimetalle, und optionalen weiteren
Bestandteilen, deren Gehalte in Summe auf höchstens 2,0 Gew.-% beschränkt sind, und
als Rest Aluminium besteht,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Alkali- oder Erdalkalimetalle in der Al-Basisschicht eine derartige Verteilung
aufweisen, dass das Stahlflachprodukt im abgekühlten Zustand nach einer Glühung in
einem Ofen mit einer Ofentemperatur von 900° für eine Glühdauer von 9 Minuten eine
Farbveränderung im Vergleich zum abgekühlten Zustand nach einer Referenz-Glühdauer
von 4 Minuten erfährt, wobei die Farbveränderung eine Farbdynamik von größer 100 aufweist.
2. Stahlflachprodukt nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass der Stahl neben Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen (in Gew.-%) aus
C: |
0,04-0,45 Gew.-%, |
Si: |
0,02-1,2 Gew.-%, |
Mn: |
0,5-2,6 Gew.-%, |
Al: |
0,02-1,0 Gew.-%, |
P: |
≤ 0,05 Gew.-%, |
S: |
≤ 0,02 Gew.-%, |
N: |
≤ 0,02 Gew.-%, |
Sn: |
≤ 0,03 Gew.-%, |
As: |
≤ 0,01 Gew.-%, |
Ca: |
≤ 0,005 Gew.-%, |
sowie optional einem oder mehreren der Elemente "Cr, B, Mo, Ni, Cu, Nb, Ti, V" in
folgenden Gehalten
Cr: |
0,08-1,0 Gew.-%, |
B: |
0,001-0,005 Gew.-%, |
Mo: |
≤0,5 Gew.-%, |
Ni: |
≤0,5 Gew.-%, |
Cu: |
≤0,2 Gew.-%, |
Nb: |
0,02-0,08 Gew.-%, |
Ti: |
0,01-0,08 Gew.-%, |
V: |
≤0,2 Gew.-%, |
besteht.
3. Verfahren zum Herstellen eines Stahlflachproduktes für die Warmumformung mit einem
Überzug umfassend folgende Arbeitsschritte:
a) Zurverfügungstellen einer Bramme oder einer Dünnbramme, die aus einem Stahl besteht,
der 0,1-3 Gew.-% Mn und optional bis zu 0,01 Gew.-% B aufweist;
b) Durcherwärmen der Bramme oder Dünnbramme bei einer Temperatur (T1) von 1000-1400°C;
c) optionales Vorwalzen der durcherwärmten Bramme oder Dünnbramme zu einem Zwischenprodukt
mit einer Zwischenprodukttemperatur (T2) von 1000-1200°C;
d) Warmwalzen zu einem warmgewalzten Stahlflachprodukt, wobei die Endwalztemperatur
(T3) 750-1000°C beträgt;
e) optionales Haspeln des warmgewalzten Stahlflachprodukts, wobei die Haspeltemperatur
(T4) höchstens 700°C beträgt;
f) Optionales Entzundern des warmgewalzten Stahlflachprodukts;
g) optionales Kaltwalzen des Stahlflachprodukts, wobei der Kaltwalzgrad mindestens
30 % beträgt;
h) Glühen des Stahlflachprodukts bei einer Glühtemperatur (T5) von 650-900°C;
i) Abkühlen des Stahlflachprodukts auf eine Eintauchtemperatur (T6), welche 600-800°C,
bevorzugt 680-720°C beträgt;
j) Beschichten des auf die Eintauchtemperatur abgekühlten Stahlflachprodukts mit einem
Überzug durch
i. Eintauchen in ein Schmelzbad mit einer Schmelzentemperatur (T7) 660-800°C, bevorzugt
670-710°C;
ii. Abblasen des Stahlflachproduktes nach Austritt aus dem Schmelzbad mittels eines
Gasstroms;
k) Abkühlen des beschichteten Stahlflachprodukts auf Raumtemperatur, wobei eine mittlere
Abkühlrate zwischen 660°C und 570°C mindestens 15 K/s beträgt;
l) optionales Dressieren des beschichteten Stahlflachprodukts.
4. Verfahren zum Überprüfen eines warmumgeformten Blechformteils mit einem Überzug auf
Aluminium-Basis umfassend mindestens die folgenden Schritte:
a. Bestimmen eines Farbwertes oder mehrerer Farbwerte des Überzuges;
b. Vergleichen des einen Farbwertes oder der mehreren Farbwerte mit einem oder mehreren
Referenzwerten;
c. Aussortieren des Blechformteils auf Basis eines Ergebnisses des Vergleichs.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der eine oder die mehreren Referenzwerte ein oder mehrere Farbwerte eines abgekühlten
Referenz-Blechformteils sind, das eine Glühung in einem Ofen mit einer Ofentemperatur
von 900°C für eine Referenz-Glühdauer von 4 Minuten erfahren hat.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Bestimmen des mindestens einen Farbwertes oder der mehreren Farbwerte mittels
eines Photometers, insbesondere mittels eines Spektralphotometers erfolgt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Bestimmen des einen Farbwertes oder der mehreren Farbwerten des Überzuges ein
Bestimmen von mindestens drei Farbwerten in einem Farbraum umfasst.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Vergleichen des einen Farbwertes oder der mehreren Farbwerte mit einem oder mehreren
Referenzwerten die Berechnung einer Farbdynamik umfasst.
9. Verfahren zum Herstellen eines Blechformteils umfassend folgende Arbeitsschritte:
a. Bereitstellen eines Blechzuschnitts aus einem Stahlflachprodukt nach einem der
Ansprüche 1 bis 2;
b. Erwärmen des Blechzuschnitts derart, dass zumindest teilweise die AC3 Temperatur
des Zuschnitts überschritten ist und die Temperatur TEinlg des Zuschnitts beim Einlegen in ein für ein Warmpressformen vorgesehenes Umformwerkzeug
(Arbeitsschritt c)) zumindest teilweise eine Temperatur oberhalb von Ms+100°C aufweist,
wobei Ms die der Martensitstarttemperatur bezeichnet;
c. Einlegen des erwärmten Blechzuschnitts in ein Umformwerkzeug, wobei die für das
Entnehmen aus der Erwärmungseinrichtung und das Einlegen des Zuschnitts benötigte
Transferdauer tTrans höchstens 20s, bevorzugt höchstens 15s, beträgt;
d. Warmpressformen des Blechzuschnitts zu dem Blechformteil, wobei der Zuschnitt im
Zuge des Warmpressformens über eine Dauer tWZ von mehr als 1s mit einer zumindest teilweise mehr als 30 K/s betragenden Abkühlgeschwindigkeit
rWZ auf die Zieltemperatur TZiel abgekühlt und optional dort gehalten wird;
e. Entnehmen des auf die Zieltemperatur TZiel abgekühlten Blechformteils aus dem Werkzeug;
f. Abkühlen des Blechformteils auf Raumtemperatur;
g. Überprüfen des abgekühlten Blechformteils mit dem Verfahren nach einem der Ansprüche
4 bis 8.
10. Verfahren nach Anspruch 9, wobei die zumindest teilweise im Blechzuschnitt erreichte
Temperatur in Schritt b) zwischen Ac3 und 1000°C, bevorzugt zwischen 850°C und 950°C
liegt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 10, wobei die Zieltemperatur TZiel des Blechformteils zumindest teilweise unterhalb 400°C, bevorzugt unterhalb 300°C
liegt.