[0001] Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung beziehen sich auf ein Kochgerät,
Kochzubehör und ein Verfahren. Bevorzugte Ausführungsbeispiele beziehen sich auf ein
Machine-Learning-basierten Luft-/Körperschallsensor mit zugehöriger Softwarelösung
für ein sicheres, energieeffizientes und automatisiertes Kochen, Braten und Aufwärmen.
[0002] Für den Menschen spielen Temperaturmesswerte beim Kochen keine Rolle. Egal ob bei
71°C auf dem Mount Everest oder bei 100°C am Atlantik: Wasser kocht, wenn es blubbert;
Fett ist heiß, wenn es brutzelt. Auf diese Art und Weise kann selbst ein ungeübter
Koch mehrere Töpfe durch »Hören« überwachen und Einstellungen am Herd vornehmen. Denn
das menschliche Gehör ist in der Lage, einzelne Geräusche sowohl zu erkennen als auch
in den richtigen Zusammenhang zu bringen.
[0003] Dieses »Hören« soll zur Überwachung und Verbesserung des Kochprozesses automatisiert
werden. Aktuell wird überkochendes Wasser oder brennendes Fett nicht zuverlässig oder
nicht benutzerfreundlich erkannt. Der Herd heizt weiter und wenn niemand anwesend
ist, um die Temperatur/Heizleistung/Leistungsstufe manuell zu regulieren, kann dies
unter Umständen einen Unfall zur Folgen haben. Des Weiteren wird oft mehr Energie
dem Kochvorgang hinzugeführt als notwendig, z.B. aufgrund einer verzögerten Leistungsanpassung
und dem frühzeitigen Erreichen maximal möglichen Wassertemperatur (Siedetemperatur).
[0004] Im Stand der Technik gibt es bereits einige Ansätze für die Überwachung eines Koch-,
Brat- und/oder Siedevorgangs. Im Literaturverzeichnis sind einige Patentanmeldungen
aus diesem Themengebiet zusammengetragen.
[0005] Aktuell erhältliche High-Level-Herd-Systeme greifen für das Überwachen des Koch-
und Bratprozesses auf Temperatursensoren zurück. Entsprechend unterscheiden sich vorhandene
Lösungsansätze hauptsächlich durch die Position der angebrachten Sensoren; wobei jede
Position Nachteile mit sich bringt:
∘ Beispielsweise werden Infrarot-Temperatursensoren in der Dunstabzugshaube integriert,
welche jedoch nur ohne Topfdeckel funktionieren.
∘ Des Weiteren werden Temperatursensoren in die Herdplatte eingesetzt. Diese reagieren
jedoch verzögert und liefern deshalb keinen Schutz gegen überkochende Flüssigkeiten.
∘ Teure, externe Temperatursensoren (z. B. Siemens Kochsensor Plus) müssen per Hand
an einem speziellen Topf angebracht werden. Zudem müssen Batterien manuell aufgeladen
und die Funkverbindung manuell hergestellt werden.
[0006] Ferner sind Luftfeuchtigkeitssensoren zur Überwachung von Wasserdampf möglich. Andere
Systeme (siehe wissenschaftl. Ref.) fokussieren sich auf Gasherde, um Brände zu erkennen,
z. B. durch Gassensoren zur Überwachung an Gasaustritt oder IR-Sensoren über der Herdplatte
zur frühzeitigen Branderkennung. Hierbei erfolgt meist eine Rückkopplung an die Gaszufuhr
des Herdes oder direkt an den Nutzer per App.
[0007] Wie die aufgeführten Punkte jedoch zeigen, funktioniert das alleinige Zurückgreifen
auf Temperaturmesswerte ausschließlich bei einem ordnungsgemäßen Gebrauch oder bei
Verwendung spezieller Töpfe, Tollerierung von Zeitverzögerung, oder eben nur für Gas.
Dieser ist nicht bei allen Nutzern gewährleistet. Deshalb besteht der Bedarf nach
einem verbesserten Ansatz.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Konzept zur Überwachung eines Kochvorgangs
(inklusive Braten, Aufwärmen, etc.) zu schaffen, das die im Stand der Technik vorhandene
Nachteile überwindet und insbesondere einen verbesserten Kompromiss aus Kosteneffizienz,
Überwachungsfunktionalität und Überwachungsgenauigkeit bietet.
[0009] Die Aufgabe wird durch den Gegenstand des unabhängigen Patentanspruchs gelöst.
[0010] Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung schaffen ein Kochgerät (z. B. ein
Kochfeld) mit einer Heizquelle (z. B. eine Induktionsplatte) zum Erhitzen eines Mediums
(z. B. Gargut, wie Gemüse oder Fleisch oder Kochwasser bzw. Bratfett) oder eines Kochgeschirrs
(z. B. des Topfes). Ferner umfasst das Kochgerät Mittel zur Schalldetektion (z. B.
Luftschall oder Körperschall), die ausgebildet sind, ein akustisches Signal (z. B.
ein Siedegeräusch) herrührend von dem Medium oder dem Kochgeschirr zu empfangen und/oder
in ein digitales akustisches Signal zu überführen. Entsprechend Ausführungsbeispielen
können diese Mittel zur Schalldetektion beispielsweise ein Luftschall- oder Körperschallmikrofon
oder allgemein ein Mikrofon darstellen. Ferner umfasst das Kochgerät einen Prozessor,
der ausgebildet ist, das (empfangene und digitalisierte) digitale akustische Signal
im Hinblick auf ein oder mehrere Merkmale zu analysieren und anhand der ein oder mehreren
Merkmale oder Rohdaten einen Kochzustand (z. B. ein Siedezustand) für das Medium zu
bestimmen.
[0011] Entsprechend einem Ausführungsbeispiel kann das Kochgerät die Form eines Kochfelds
aufweisen. Eine Einschränkung auf bestimmte Typen, wie z. B. ein Gaskochfeld, Induktionskochfeld
oder Infrarotkochfeld, besteht nicht. Entsprechend einem Ausführungsbeispiel kann
es sich bei dem Kochgeschirr um einen Topf oder eine Pfanne handeln. Das Medium kann
beispielsweise ein Gargut, z. B. ein Fleisch oder ein Garmedium, z. B. ein Kochwasser
oder ein Fett, aufweisen. Entsprechend einem Ausführungsbeispiel weist das Kochgerät
die Form eines Kochfelds auf, das mehrere Kochplatten oder Kochpositionen umfasst,
wobei der Prozessor ausgebildet ist, anhand der digitalen akustischen Signale und/oder
einer Zusatzinformation eine Kochpositionsdetektion oder eine Kochplattendetektion
durchzuführen. Die Kochplattenposition oder die Kochplattendetektionsinformation stellt
eines der oben genannten Merkmale dar.
[0012] Ausführungsbeispielen der vorliegenden Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass
durch akustische Überwachung ein Kochzustand direkt überwacht werden kann, indem das
aufgenommene akustische Signal (Körperschallsignal oder Luftschallsignal) analysiert
wird im Hinblick auf ein oder mehrere Merkmale. Es können so viel detailliertere Aussagen
über die Koch- bzw. Küchenvorgänge oder auch zusätzliche Auskünfte über Anwesenheiten
von Personen in der Küche/im Kochbereich getroffen werden. Eine derartige Sensorik
reagiert im Vergleich zu bestehender Sensorik viel schneller, so dass schnell auf
Änderungen im Kochzustand reagiert werden kann. Die Überwachung ist ferner auch unabhängiger
von Kochgeschirr und/oder offenen oder geschlossenen Deckeln des Kochgeschirrs.
[0013] Entsprechen Ausführungsbeispielen erfolgt die Erkennung des Kochzustandes nur auf
Basis der akustischen Signale, d.h. ohne Zusatzinformation von Temperatursignal oder
ähnlich. Auch kann das aktuell vorliegende Signal ohne den vorherigen Signalverlauf
zu berücksichtigen ausreichen, um den Kochzustand zu erkennen.
[0014] Entsprechend einem weiteren Ausführungsbeispiel wird ein Kochzubehör, z. B. als Ergänzung
zu einem Kochgerät, geschaffen. Das Kochzubehör kann beispielsweise Mittel zur Schalldetektion
sowie den Prozessor umfassen. Das Kochzubehör ist zur Verwendung für ein Kochgerät
mit einer Heizquelle zum Erhitzen eines Mediums oder eines Kochgeschirrs geeignet
und umfasst die zwei Einheiten, die oben bereits erläutert worden sind. Vorteilhaft
hierbei ist, dass das System so auch an bestehende Küchengeräte angebracht und diese
bestehenden Küchengeräte sozusagen erweitert werden können.
[0015] Entsprechend einem weiteren Ausführungsbeispiel kann anhand ein oder mehrerer Muster
von Merkmalen, d. h. also auf Basis einer Merkmalskombination, eine Differenzierung
zwischen ein oder mehreren Kochzuständen erfolgen. Insbesondere können vordefinierte
Kochzustände erkannt und differenziert werden. Entsprechend einem Ausführungsbeispiel
kann der Kochzustand aus der Gruppe von Kochzuständen stammen, die folgende umfassen:
- Temperaturinformation des Mediums;
- Siedeinformation eines Fluids als Medium;
- Verdampfungs- und/oder Verbrennungszustand eines Fettes als Medium;
- Garzustand des Mediums und/oder des Kochguts als Medium.
[0016] Die Mittel zur Schalldetektion können beispielsweise einem Kochgeschirr oder dem
Medium direkt zugeordnet sein, so dass dann auch hierüber eine direkte Zuordnung zu
der Kochposition besteht. Auch wäre es entsprechend Ausführungsbeispielen denkbar,
dass die Mittel zur Schalldetektion zu den ein oder mehreren Kochplatten ausgerichtet
werden oder sich selbstständig ausrichten. Die genaue Anordnung hängt mit der Implementierung
der Mittel zur Schalldetektion zusammen. Diese können entsprechend Ausführungsbeispielen
Mittel zur Schalldetektion von Luftschall, ein oder mehrere Mikrofone und/oder Mittel
zur Schalldetektion von Körperschall aufweisen. Bei den Mitteln zum Luftschall wird
vorteilhafterweise das Mikrofon entsprechend auf das zu überwachende Kochgeschirr
und/oder die zu überwachenden Mittel ausgerichtet. Bei Mittel zur Körperschallüberwachung
kann eine Anordnung der Mittel zur Körperschalldetektion an dem Kochgeschirr direkt
erfolgen. Ferner können entsprechend Ausführungsbeispielen auch Mittel zur Schalldetektion
externe Mittel zur Schalldetektion umfassen, die direkt an dem Kochgerät oder dem
Kochgeschirr oder der Küchendecke im Bereich des Kochfeldes oder der Dunstabzugshaube,
etc. angeordnet werden.
[0017] Entsprechend einem Ausführungsbeispiel ist der Prozessor ausgebildet, ein oder mehrere
der folgenden Prozeduren durchzuführen:
- A/D-Wandlung der akustischen Signale;
- Vorverarbeitung, welche ggf. Schritte wie Quantisierung oder Normalisierung beinhaltet;
- Ggf. Merkmalsextraktion, dies kann in Form einer Zeit-Frequenz-Transformation oder
anderer vordefinierter Merkmale erfolgen; alternativ könnte auch mit direkten Zeitdaten
(Rohdaten) als Eingabe für das ML Modell gearbeitet werden;
- Ggf. Signalfilterung, insbesondere zur Störgeräuschminimierung oder Minimierung von
Störgeräuschen, herrührend von der Heizquelle (Induktion), beispielsweise in Form
eines Bandpassfilters; oder
- Beamforming-Algorithmus zur Ortung bzw. Positionsdetektion oder Kochzonendetektion.
[0018] Das heißt also, dass der Prozessor einen A/D-Wandler aufweisen kann oder ausgebildet
sein kann, um beispielsweise mittels Schritten wie Quantisierung oder Normalisierung
eine Vorverarbeitung durchzuführen. Entsprechend Ausführungsbeispielen kann der Prozessor
zur Merkmalsextraktion, beispielsweise basierend auf einer Zeitfrequenztransformation,
oder einer andersartigen Merkmalsextraktion ausgebildet sein. Entsprechend weiteren
Ausführungsbeispielen kann der Prozessor einen Filter zur Signalfilterung, insbesondere
zur Störgeräuschminimierung, aufweisen. Dieser Filter ermöglicht vorteilhafterweise
die Minimierung von Störgeräuschen herrührend von der Heizquelle (Induktion) etc.
Eine mögliche Implementierungsvariante wäre ein Bandpassfilter.
[0019] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel ist der Prozessor ausgebildet, mittels maschinellen
Lernens, bspw. in Form eines neuronalen Netzes die Analyse durchzuführen. Beispielsweise
kann der Prozessor mittels Trainingsdaten und/oder mittels eines aktuellen digitalen
akustischen Signals oder mittels mehreren digitalen akustischen Signalen (beispielsweise
zusammen mit einer zugehörigen Kochzustandsinformation) das neuronale Netz und/oder
den ML-Algorithmus trainieren. Der Prozessor ist beispielsweise ausgebildet, vor Ort
trainiert zu werden und/oder im Auslieferungszustand trainiert zu sein und/oder vor
Ort adaptiert zu werden und/oder mittels föderiertem Training trainiert zu werden.
[0020] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel wird ein digitaler Regler, der die Heizleistung
zum Erreichen eins Zielkochzustandes abhängig vom aktuellen Kochzustand bestimmt,
geschaffen.
[0021] An dieser Stelle sei angemerkt, dass entsprechend Ausführungsbeispielen der Prozessor
ausgebildet ist, ein aus dem digitalen akustischen Signal abgeleitetes Signal mittels
Privatsphäreerweiterungsprozessierung, z. B. mittels eines Sprachfilters, nachzubearbeiten.
Dies ermöglicht vorteilhafterweise, dass so eine akustische Überwachung möglich ist,
ohne dass die Privatsphäre-relevanten Informationen weitergegeben werden.
[0022] Entsprechend weiteren Ausführungsbeispielen kann der Prozessor auch noch zusätzliche
Informationen erhalten, um die Analyse durchzuführen. Somit kann der Prozessor ausgebildet
sein, die Analyse basierend auf weiteren Merkmalen, z. B. Merkmalen aus der Gruppe,
umfassend folgende durchzuführen:
- Anregungsfrequenz des Kochgeschirrs;
- Temperatur des Kochgeschirrs;
- Topfpositionsinformation;
- Topferkennungszustand;
- Kochgeräteinstellung;
- Information über das Medium (Gargut und/oder Garmedium).
[0023] Die Liste ist nicht abschließend. Ferner sind noch Kombinationen denkbar. In anderen
Worten ausgedrückt heißt es, dass entsprechend Ausführungsbeispielen das Kochgerät
vorteilhafterweise um weitere Sensorik erweitert werden kann bzw. auf weitere Sensorik
zugreifen kann. Rein exemplarisch sei der Hinweis gegeben, dass die Kombination aus
der akustischen Überwachung durch Temperaturmessung Vorteile bietet, insbesondere
für den Anlernvorgang. Umgekehrt heißt es, dass Temperaturmesswerte grundsätzlich
zwar schon eine nützliche Information zum Kochzustand liefern, diese aber durch eine
auditive Geräuschüberwachung wertvollerweise ergänzt werden können.
[0024] Entsprechend einem Ausführungsbeispiel weist das Kochgerät eine interne Datenbank
und/oder eine Schnittstelle zu einer externen Datenbank auf, auf die der Prozessor
beispielsweise zur Analyse zugreifen kann. Die interne Datenbank oder die externe
Datenbank umfasst Informationen bezüglich ein oder mehrerer Referenzmerkmale zugeordnet
zu einem Kochzustand (in gespeicherter Form), wobei der Prozessor ausgebildet ist,
eine Analyse mittels der ein oder mehreren Referenzmerkmale durchzuführen.
[0025] Entsprechend einem weiteren Ausführungsbeispiel kann das Kochgerät eine Steuerung
aufweisen, die ausgebildet ist, die Heizquelle in Abhängigkeit von dem ermittelten
Kochzustand, insbesondere eine Leistung für die Heizquelle, zu regeln. Beispielsweise
kann die Heizquelle reduziert werden, wenn ein Kochzustand erreicht ist, insbesondere
ein Siedezustand.
[0026] Entsprechend einem weiteren Ausführungsbeispiel kann ein Verfahren zur Überwachung
eines Kochgeräts mit einer Heizquelle zum Erhitzen eines Mediums oder eines Kochgeschirrs
geschaffen werden. Das Verfahren umfasst
- Empfangen eines akustischen Signals herrührend von dem Medium oder dem Kochgeschirr
mittels Mitteln zur Schalldetektion und/oder Überführen in ein digitales akustisches
Signal;
- Analysieren des digitalen Signals im Hinblick auf die ein oder mehreren Merkmale und
Ermitteln eines Kochzustands anhand der ein oder mehreren Merkmale.
[0027] Entsprechend einem Ausführungsbeispiel kann dieses Verfahren auch computerimplementiert
sein. Insofern bezieht sich ein Verfahren auf ein Computerprogramm zur Durchführung
dieses Verfahrens.
[0028] Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung werden anhand der beiliegenden Zeichnungen
erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1A-1B
- schematische Darstellungen eines Kochgeräts zur Erläuterung der Funktionalität bei
Ausführungsbeispielen;
- Fig. 1C
- schematische Diagramme zur Illustration der Steuerung der Leistung bei Ausführungsbeispielen;
- Fig. 1D bis 1G
- schematische Darstellungen zur Illustration der Regelung der Temperatur gemäß Ausführungsbeispielen;
- Fig. 2A
- ein schematisches Blockdiagramm zur Illustration der Integration von Mitteln zur Schalldetektion
in einer Regelstrecke für das Kochgerät gemäß Ausführungsbeispielen;
- Fig. 2B
- eine schematische Illustration zur Erläuterung unterschiedlicher Merkmale bei der
Analyse gemäß Ausführungsbeispielen;
- Fig. 2C
- eine schematische Übersicht zur Erläuterung von möglichen Implementierungsvarianten
für Mittel zur Schalldetektion gemäß Ausführungsbeispielen;
- Fig. 2D
- eine schematische Darstellungen (Fig. 2Dlinks, 2Drechts) zur Erläuterung möglicher
Positionierungen der Mittel zur Schalldetektion bei Kochgeräten;
- Fig. 2E und 2F
- schematische Diagramme zur Erläuterung und Detektion von Störgeräuschen, die gemäß
Ausführungsbeispielen filterbar sind;
- Fig. 2G und 2H
- schematische Illustrationen zur Erläuterung der Filterung von Störgeräuschen gemäß
Ausführungsbeispielen;
- Fig. 3A und 3B
- schematische Darstellungen zur Erläuterung der Klassifizierung von Kochzuständen gemäß
Ausführungsbeispielen;
- Fig. 3C-3G
- schematische Darstellungen zur Erläuterung von Anwendungen gemäß Ausführungsbeispielen;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung eines Kochgeräts mit Mitteln zur Schalldetektion sowie
einem Prozessor gemäß einem Basisausführungsbeispiel des Kochgeräts;
- Fig. 5a
- illustriert schematisch die Ausführung des Kochgeräts bzw. Sensors als cyber-physisches
System zur Illustration von Ausführungsbeispielen;
- Fig. 5b
- illustriert schematisch die Einordnung von Standard-Garmethoden nach Temperatur (bei
Normaldruck) und Hörbarkeit zur Erläuterung von Ausführungsbeispielen;
- Fig. 5c
- illustriert schematisch charakteristische Merkmale von Kochgeräuschen, dargestellt
als Mel-Spektrogramm zur Erläuterung von Ausführungsbeispielen;
- Fig. 5d
- illustriert schematisch einen exemplarischer Aufbau und Anwendung eines CNN am Beispiel
von vier Kochzuständen gemäß Ausführungsbeispielen;
- Fig. 5e
- illustriert schematisch einen Versuchsaufbau und Hardware für die Datenerfassung im
Rahmen der Machbarkeitsstudie zur Erläuterung von Ausführungsbeispielen;
- Fig. 5f
- illustriert schematisch ausgewählte Mel-Spektrogramme (200x200) für jeden Kochzustand
aus dem Trainingsdatensatz (Betrachtungszeitraum innerhalb eines Spektrogramms beträgt
2,14 s auf der Ordinate, die Anzahl der Mel-Filter-Bänder beträgt 200, bei einer Bandbreite
von 200 Hz bis 20.000 Hz) zur Erläuterung von Ausführungsbeispielen;
- Fig. 5g
- illustriert schematisch eine möglich Genauigkeit des ML-Modells (mashine lerning,
Maschinen Lernen) gemäß Ausführungsbeispielen;
- Fig. 5h
- zeigt schematisch Garstellung eines Markow-Entscheidungsproblems für fünf Kochzustände
mit beispielhalft gewählten Übergangswahrscheinlichkeiten (Ziel ist es, die optimale
Aktion (hier: Leistungsstufe 6) zu bestimmen, um den ZIEL-Kochzustand (hier: Kochen)
zu erreichen) zur Erläuterung von Ausführungsbeispielen;
- Fig. 5i
- zeigt exemplarisch eine Hardware-Vorauswahl und Systemaufbau des Sensor mit Syntiant
NDP120 zur Erläuterung von Ausführungsbeispielen.
[0029] Bevor nachfolgend Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung anhand der beiliegenden
Zeichnungen erläutert werden, sei darauf hingewiesen, dass gleichwirkende Elemente
mit gleichen Bezugszeichen versehen sind, so dass die Beschreibung derer aufeinander
anwendbar bzw. austauschbar ist.
[0030] Fig. 1A zeigt ein Kochgerät 10, das hier beispielsweise vier Heizquellen 12a-d aufweisen
kann. Jede dieser Heizquellen 12a-d kann beispielsweise über eine Steuerung 20, z.
B. über ein Drehknauf 20k, individuell steuerbar sein oder auch hinsichtlich Größe
verändert werden.
[0031] Die sichtbare Oberseite eines Kochfelds 10 besteht in der Regel aus speziellen Glaskeramikflächen
mit mehreren Kochzonen 12a-12d (Heizbereich), die den Bereich der Induktionsspulen
kennzeichnen. Die vier, mit Merkzahlen gekennzeichneten Drehknebel 12k geben dem Koch
die Möglichkeit, für jede Kochzone einen Sollwert für die Heizleistung einzustellen.
Neben Strahlungsbeheizung werden auf dem Hausgerätemarkt auch Kochfelder mit Induktionstechnik
angeboten. Der Hauptunterschied zur Strahlungsbeheizung (Infrarotbeheizung) besteht
darin, dass die Wärme direkt im Boden des Kochgeschirrs (nicht dargestellt) erzeugt
wird. Entsprechend wird die Kochzone nur durch die Rückwärme des Kochgeschirrs erwärmt
und die Oberflächentemperatur der Glaskeramikplatte bleibt niedrig. Außerdem kann
ein Induktionskochfeld schneller Speisen erwärmen als eine andere Kochfeldart. Bezug
nehmend auf Fig. 1B wird ein derartiger Kochfeldtyp erläutert.
[0032] Fig. 1B zeigt ein Kochfeld 10 mit einem Kochgeschirr 15. Bei dem Kochgerät 10 ist
eine Kochzone 12a dargestellt, die hier mittels Induktion betreibbar ist. Die Kochzone
12a umfasst hierzu mehrere Induktionsspulen 12i, die über einen Umrichter 12u angetrieben
werden. Der Umrichter erhält vom Netz seine elektrische Energie und wird über die
Steuerung 20 gesteuert.
[0033] Die Wärmeentwicklung beim Induktionskochfeld erfolgt grundsätzlich in vier Schritten:
- 1) Die Frequenz des Wechselstroms aus dem Stromnetz wird mithilfe des Umrichters 12u
(meist einem Royer-Oszillator) von 50 Hz auf 20-60 kHz erhöht.
- 2) Der hochfrequente Wechselstrom wird in die Induktionsspulen 12i gleitet, wodurch
ein magnetisches Wechselfeld 12w für die Energieübertragung entsteht.
- 3) Das magnetische Wechselfeld wird im Pfannenboden des Kochgefäßes 15 gebündelt und
induziert dort einen elektrischen Wirbelstrom.
- 4) Da das ferromagnetische Material im Pfannenboden einen deutlich höheren ohmschen
Widerstand als die Induktionsspule aufweist, wird dort (unter anderem aufgrund des
Skin-Effekts und Ummagnetisierungsverlusten) der größte Teil des Wirbelstroms in Wärme
umgewandelt.
[0034] Die Anregung der Induktionsspulen 12i erfolgt mit einer entsprechenden Anregungsfrequenz
wie Fig. 1C zeigt. Hier ist aufgetragen über die Zeit die abgebbare elektrische Leistung
P
eff dargestellt. Fig. 1C zeigt drei Diagramme mit drei unterschiedlichen Ausgabeleistungen.
Um die Leistung zu steuern, kann die Steuerung 20 eine Modulation anwenden. Ausgehend
von einem exemplarisch eingesetzten Royer-Oszillator (mit einer festen Frequenz des
Spulenstroms) kann die effektive elektrische Leistung anhand der programmierten Modulation
der Pulsdauer (PDM) - also durch ein reines Ein- und Ausschalten des Oszillators -
gesteuert werden. In Abhängigkeit von der Einstelldauer und den Pausen ergibt sich
somit eine effektive Wirkleistung P
eff. Eine lange Einstelldauer und kurze Pause führen entsprechend zu einem schnellen
Aufwärmen des Kochguts und umgekehrt.
[0035] Neben der klassischen Methode zur Steuerung der Leistung, werden hochklassige Kochfelder
auch mit Temperaturregelung angeboten. Bei der Temperaturregelung im Sinne eines Closed-Loop-Systems
20l wird entweder der Temperaturfühler unter dem Glaskeramickochfeld verwendet oder
es kommen spezielle Koch- und Bratsensoren mit Funkübertragung zum Einsatz (mit dem
Vorteil, dass die Temperatur des Kochguts direkt gemessen werden kann). Im Zusammenhang
mit dem Royer-Oszillator (feste Frequenz des Spulenstroms) wird meist ein sogenannter
Zweipunktregler 20z über die Regelstrecke 20r verwendet. Mit diesem Zweipunktregler
kann die Anregungsfrequenz der Induktionsspule angepasst werden, wie anhand der Kurve
f20 dargestellt ist. Zum Closed-Loop-System 20l wird angemerkt, dass ausgehend von
der gewünschten Leistung w(t) und einem Temperatursignal x(t) der Zweipunktregler
20z mit dem kombinierten Signal e(t) angesteuert wird, um die Anregungsfrequenz t20
bzw. y(t) an die Induktionsspulen anzulegen.
[0036] Wird anstelle eines Royer-Oszillators ein Umrichter verwendet, der eine stetige Variierung
der Anregungsfrequenz ermöglicht, so kann ein stetig arbeitender Regler 20pit für
die Regelstrecke 20r des modifizierten Loops 20l' verwendet werden. Entsprechend stellt
der Regler 20pit nicht die Einschaltdauer des Oszillators, sondern die Regelfrequenz
der Spule variabel ein, wie anhand von f20' (zugehörig zu y(t)) gezeigt ist.
[0037] Bei den oben erläuterten Beispielen aus den Fig. 1D/1E und 1F/1G erfolgt die Regelung
mittels des Reglers 20z bzw. 20pit unter Verwendung eines Temperatursensors 20ts.
Wie oben bereits erläutert, kann dieser Temperatursensor in das Glaskeramikkochfeld
integriert sein und misst somit die Topftemperatur oder kann in dem Kochfeld vorliegen.
Problematisch ist entweder die Ergonomie oder die indirekte Messung der Mediumstemperatur.
Die einzigen Kochzustände der Mediumstemperatur können abhängig vom Medium oder anderen
Umgebungsbedingungen, wie z. B. der Meereshöhe, variieren. Der Siedepunkt variiert
sowohl in Abhängigkeit von der Meereshöhe als auch in Abhängigkeit von dem Medium.
Unabhängig von dem Medium kann allerdings das Sieden anhand der Schallemission des
Mediums im Fluid erkannt werden. Dieser Effekt wird nachfolgend durch das Kochgerät
50 genutzt. Das Kochgerät 50 umfasst beispielsweise ein Heizelement, wie z. B. ein
Induktionsheizelement 52, z. B. eine Induktionsspule, wie sie oben erläutert wurde.
Ferner umfasst das Kochgerät 50 Mittel zur Schalldetektion 54, wie z. B. ein Mikrofon
oder einen Körperschallsensor. Die Mittel zur Schalldetektion 54 sind ausgebildet,
das akustische Signal 56, herrührend von dem Medium 58, in dem Kochgeschirr 59 zu
detektieren. Das akustische Signal wird dann beispielsweise in ein digitales akustisches
Signal überführt und durch den Prozessor 55 ausgewertet. Die Auswertung kann entsprechend
Ausführungsbeispielen gemäß ein oder mehreren Merkmalen erfolgen, um anhand dieser
ein oder mehreren Merkmale den Kochzustand des Mediums 58 zu bestimmen. Beispielsweise
kann eine Siedeinformation anhand des Geräusches erkannt werden. Wie oben erläutert,
ergibt sich beim Siedevorgang ein akustisches Signal durch das Medium, so dass beispielsweise
mittels Mustererkennung diese Information generiert werden kann. Es wurde ferner erkannt,
dass auch Temperaturinformationen oder andere Informationen, wie z. B. ein Verdampfungs-
oder Verbrennungszustand des Mediums, insbesondere bei Fett, erkannt werden kann.
[0038] Entsprechend optionalen Ausführungsbeispielen gibt diese Zustandsinformation der
Prozessor 55 an die Steuerung 20 aus. Die Steuerung 20 kann ausgehend hiervon die
Heizleistung für das Heizelement 52 steuern, wie es oben im Zusammenhang mit den Steuerungsbeispielen
aus Fig. 1D, und 1F erläutert wurde.
[0039] Nachfolgend wird bezugnehmend auf Fig. 2a eine Variante erläutert, bei welcher der
akustische Sensor 54 und der Prozessor 55 in eine externe Vorrichtung, wie z. B. eine
Retrofit-Vorrichtung 53, integriert werden. Die Funktionalität ist im Wesentlichen
dieselbe, wobei der Prozessor 55 die generierten Informationen und/oder Merkmale als
Informationen dann an eine Programmierschnittstelle eines Standardkochfelds ausgibt.
Hier ist die Programmierschnittstelle API mit dem Bezugszeichen 20a versehen. Wie
die Programmierschnittstelle können entsprechend weiteren Ausführungsbeispielen nicht
nur die generierten Informationen, z. B. in Form von Regelungsdaten, an die API-Schnittstelle
ausgegeben werden, sondern auch Zusatzinformationen, wie z. B. eine Drehknebelstellung,
eine Topferkennung und/oder eine Temperatur von der Schnittstelle 20a durch die Vorrichtung
53 abgegriffen und in die Regelung einbezogen werden. Ausgehend hiervon kann dann
die herkömmliche Regelung mittels der Regler 20z und der Regelungsstrecke 20r erfolgen.
An dieser Stelle sei gleich angemerkt, dass der Regler natürlich nicht auf eine Zweipunktregelung
beschränkt ist; ein PID-Regler wäre auch denkbar.
[0040] Die einzigen Sensorsignale, die entsprechend Ausführungsbeispielen für das Monitoring
einbezogen werden können, sind in Fig. 2B illustriert. Bei diesem Ausführungsbeispiel
wird davon ausgegangen, dass der akustische Sensor 54 in das Ceranfeld integriert
sein kann. Das Ceranfeld umfasst optionaler Weise eine Topferkennung 61 und einen
Temperatursensor 62. Ausgehend hiervon sind dann also die vier Eingangsdaten Drehknebelstellung,
Topferkennung, Temperatur und das akustische Signal vorhanden, so dass unter Verwendung
dieser Signale die Anregungsfrequenz für die Steuerung 20, d. h. also die Leistungssteuerung,
angepasst werden kann. Diese Regelung kann z.B. für jede Kochzone separat, d.h. x-mal
erfolgen. Die Drehknopfstellung gibt den Sollwert ein, wobei unter Berücksichtigung
von Temperatur, akustischem Signal dann die Anregungsfrequenz so gewählt wird, dass
ein passender Kochzustand erhalten wird. Dieser wird über das akustische Signal und/oder
die Zusatzsignale erkannt und geregelt. Beim Anlernen des Modells bildet der Prozessor
(nicht dargestellt) durch Rückschlüsse zum dynamischen System aus Regler und Regelstrecke
(Glaskeramikplatte und Topf) ein ML-Modell und lernt dieses entsprechend an. Hierbei
können über die zugeführte Energiemenge und der damit verbundenen Temperaturänderung
(Temperatursensor 62) auch Kenntnisse zum Topfinhalt gewonnen werden. Der Topfinhalt
ist also ein entsprechendes Merkmal zugehörig zu dem Kochzustand, da sowohl die akustische
Charakteristik als auch der Kochzustand selbst je Medium bzw. Topfinhalt variieren
kann.
[0041] Entsprechend Ausführungsbeispielen kommen als Mittel zur Schalldetektion 54 unterschiedliche
Varianten in Betracht. Entsprechend einer ersten Variante kann, wie beispielsweise
im Zusammenhang mit Fig. 3 erläutert, ein Luftschall bestimmt werden. Hierfür könnte
entsprechend einem Ausführungsbeispiel ein MEMS-Mikrofon verwendet werden. Entsprechend
einer weiteren Variante wäre auch die Bestimmung eines Körperschalls denkbar.
[0042] Ein Körperschallaufnehmer (Körperschallmikrofon) ist ein elektroakustischer Wandler
zur Körperschallmessung, wobei sich die Messung vorwiegend auf die Untersuchung von
schwingenden Oberflächen bezieht. Die wichtigsten Kenngrößen sind die Auslenkung,
die Schwingungsgeschwindigkeit und die Schwingungsbeschleunigung. Entsprechend platziert
man beispielsweise vier Typen von Körperschallaufnehmern, wie sie in Fig. 2C gezeigt
sind. Hierzu gehören piezoelektrische Sensoren, MEMS-Sensoren, Dehnungsmessstreifen,
magnetisch-induktive Sensoren. Alle dienen zur Beschleunigungsaufnahme.
[0043] Wie in Fig. 2B gezeigt ist, kann der Schallaufnehmer, wie z. B. das Mikrofon oder
der Körperschallaufnehmer, an unterschiedlichen Positionen des Kochfelds 10 mit den
mehreren Kochzonen positioniert werden. In der rechten Fig. 2B rechts sind vier Schallaufnehmer,
jeweils zugeordnet zu den Kochzonen 12a-d, vorgesehen. Alternativ können die Schallaufnehmer
auch zwischen den Kochzonen vorgesehen sein, wie in der linken Fig. 2B links illustriert
ist. In diesem Fall ist dann nicht eine 1:1-Zuordnung von Schallaufnehmer und Kochzone
möglich.
[0044] Gemäß Ausführungsbeispielen kann als Mikrofon auch ein Mikrofon-Array eingesetzt
werden. Das bietet einige Vorteile, nämlich dass so mittels des einen Arrays mehrere
Kochzonen 12a-d z.B. unter Anwendung von Beamforming überwachbar wären. Auch kann
gemäß Ausführungsbeispielen eine Störgeräuschausblendung erfolgen. Besonders der Einsatz
eines Array ermöglicht vorhandene Störgeräusche zu erkennen und dann zu berücksichtigen
oder herauszufiltern (vor der weiteren Verarbeitung der Signale). Die Mikrofone können
entsprechend Ausführungsbeispielen direkt am Kochfeld oder in der Kochumgebung (z.B.
Dunstabzugshaube, Küchendecke, o.ä.) angebracht werden.
[0045] Die aktiven Induktionsspulen erzeugen Störgeräusche, die eventuell gefiltert werden
müssen. Störgeräusche treten abhängig vom Umrichter in unterschiedlicher Weise auf:
- 1) Ein Royer-Oszillator erzeugt Störgeräusche mit einer konstanten Frequenz (vgl.
Fig. 2E).
- 2) Ein Umrichter mit variabler einstellbarer Frequenz erzeugt ein Störgeräusch mit
variierender Frequenz (vgl. Fig. 2F).
[0046] Eine Analyse der Störgeräusche ist z.B. zwischen Anregungspausen gezeigt, wie Fig.
2G im Bereich A zeigt.
[0047] Entsprechend Ausführungsbeispielen weist der Prozessor einen entsprechenden Filter
auf, um derartige Störgeräusche, die in Abhängigkeit von der Wahl des Umrichters kalkulierbar
sind, herauszufiltern. Eine simple Möglichkeit wäre die Verwendung eines Tiefpasses
zur Filterung des Audiosignals, wie in Fig. 2H anhand des Bezugszeichens 55t gezeigt
ist. Der Tiefpassfilter erhält entsprechend Ausführungsbeispielen auch noch Informationen
wie die aktuelle Anregungsfrequenz, um das Audiosignal optimal zu filtern.
[0048] Zur Erkennung der ein oder mehreren Merkmale eines Kochzustands anhand des akustischen
Signals wird im Vorfeld der Prozessor trainiert oder mit trainierten Daten versorgt.
Mittels maschinellen Lernens können die unterschiedlichen Signale, z. B. Drehknebelstellung,
Topferkennung, Temperatur, Anregungsfrequenz und vor allem das akustische Signal,
kombiniert werden und anhand dieser ein Muster für unterschiedliche Kochzustände bestimmt
werden. Ein so trainiertes ML-Modell (SVM, CNN, TCNN, RNN, LSTM, Transformer) kann
dann zur nachfolgenden Überwachung und Automatisierung des Kochprozesses verwendet
werden. Entsprechend einem Basisausführungsbeispiel wird die akustische Emission von
Kochvorgängen bzw. anderen Ereignissen am Herd oder ähnlichen Küchengeräten per Körper-
und/oder Luftschall (hörbare Frequenzen bis 20000 Hz) erfasst. Diesen akustischen
Emissionen wird dann ein Kochzustand zugeordnet, der zu einem späteren Zeitpunkt wiedererkennbar
ist. Entsprechend weiteren Ausführungsbeispielen werden Sensordaten durch intelligente
Signalanalyse oder Vorverarbeitung, z. B. Zeit/Frequenztransformation oder Merkmalsextraktion,
in Kombination mit Verfahren des maschinellen Lernens, z. B. durch neuronale Netze,
fortwährend oder zu festen Zeitintervallen überwacht und analysiert. Die Luft- und/oder
Körperschalldaten werden zur Analyse ggf. mit weiteren Sensordaten zusammengeführt.
Die Analyse kann lokal direkt am Gerät oder Sensor durchgeführt werden. Alternativ
ist auch eine Cloud-Auswertung möglich. Ein so angelerntes ML-Modell (Machine-Learning-Modell)
ermöglicht anschließend verschiedene ein oder mehrere vorher definierte Zustände zu
erkennen, z. B. überkochendes Wasser und das z.B. unabhängig vom vorherigen Signalverlauf.
Anstatt fixe Ereignisse oder additiv zu fixen Ereignissen können auch kontinuierliche
Ereignisse, wie z. B. eine "Brutzelintensität" von Fett bestimmt werden.
[0049] Eine derartige Vorrichtung kann direkt in das Küchengerät integriert werden, wie
es z. B. im Zusammenhang mit Fig. 4 erläutert wurde oder auch als Retrofit-Element
vorgesehen sein, wie Fig. 2A gezeigt hat.
[0050] Die integrierte Variante oder auch die Retrofit-Variante bieten beide die Möglichkeit,
entsprechend weiteren Ausführungsbeispielen anhand der Ergebnisse der Analyse eine
Rücckopplung an das Küchengerät zu geben, um dessen Parameter zu regeln. Additiv oder
alternativ kann auch eine Information einem Nutzer, z. B. via Smartphone, ausgegeben
werden, um den Nutzer über den aktuellen Status zu informieren und ggf. auf Probleme
hinzuweisen.
[0051] Derartige Probleme können als Kochzustände interpretiert werden. Im Zusammenhang
mit Fig. 3B sind exemplarisch drei Kochzustände dargestellt. Fig. 3B zeigt ausgehend
von einer Vielzahl von verknüpften Sensorinformationen (vgl. Fig. 3a), die z.B. anhand
ihrer Relevanz gewichtet sind, drei resultierenden erkannten Zustände "Wasser kocht
über", "Fett brutzelt zu stark" oder "alles in Ordnung". Das sind Beispielklassen
für Sicherheitsfunktionen. Ausgehend von jedem Zustand kann dann auch ein Hinweis
gegeben werden oder auch direkt eine Steuerung der Kochfeldleistung vorgenommen werden.
Bei Wasser kocht über oder Fett brutzelt zu stark kann beispielsweise die Kochfeldleistung
(oder der Temperatursollwert) verringert werden. Im Zustand alles in Ordnung wird
die Sollwertvorgabe vom Drehknebel verwendet. Entsprechend der Vorhersagen (predictions)
des ML-Modells kann das über die API des Herstellers erfolgen, um so eine Temperaturanpassung
vorzunehmen. Es können sowohl Klassifizierungs- als auch Regressionsmodelle verwendet
werden. Ferner kann auch überprüft werden, ob eine Klassifizierung passend ist oder
das Modell (z. B. Vorhersage eines Temperaturwerts) verbessert werden
soll. Hierfür kann dann der Nutzer über die API ein Feedback geben, das mit berücksichtigt
wird (siehe unten).
[0052] Entsprechend Ausführungsbeispielen ist die Sicherheitsfunktion als Basisfunktion
zu verstehen. Insbesondere kommt es häufig zu Küchenbränden infolge von brennendem
Fett. Der Zustand stark brutzelndes Fett kann so dazu führen, die Heizleistung zu
reduzieren und ist vorteilhafterweise sehr gut anhand von Körperschall oder auch Luftschall
zu detektieren. Im Wesentlichen gilt das Gleiche für das Überkochen, da der Überkochvorgang
sehr gut anhand des akustischen Modells identifiziert werden kann, auch wenn die potenziellen
Schadensauswirkungen geringer sind, da hier kein Fettbrand resultiert. Nichtsdestotrotz
stellt ein überkochender Topf ein sicherheitskritisches Thema dar, so dass auch dieser
erkannte Zustand einer Sicherheitsfunktion zuzuordnen ist. Entsprechend Ausführungsbeispielen
wäre es auch denkbar, diese Sicherheitsfunktion zu deaktivieren, um aktiv sehr hohe
Leistung, z. B. beim Frittieren, in das Medium einzutragen. Durch ein Nutzerfeedback
kann der selbstlernende Algorithmus auch weiter trainiert werden, wenn dieser beispielsweise
einen überkochenden Topf erkennt oder eine zu hohe Fetttemperatur erkennt, obwohl
diese noch nicht erreicht ist. Insofern kann durch ein Nutzerfeedback bezüglich der
Zustandsinformation auch ein Training während des Betriebs ermöglicht werden.
[0053] An dieser Stelle sei angemerkt, dass auch andere Kochgeräte, wie z. B. ein Wasserkocher,
potenziell denkbar wären. Ein Wasserkocher hat ein integriertes Heizelement und kann
akustisch überwacht werden. Ausgehend von dem akustischen Signal kann dann das Abschalten
des Wasserkochers ermöglicht werden.
[0054] Für den Fall der Kochaufgabe Wasser aufkochen kann mittels herkömmlichem Kochgeschirr
(vgl. Fig. 3D) oder mittels einem herdbetriebenen Wasserkocher (vgl. Fig. 3C) genauso
die Wasserkocherfunktionalität "einmaliges Aufkochen" ermöglicht werden. Das Kochfeld
wird dann abgeschaltet, sobald das Wasser aufgekocht wurde. Entsprechend Ausführungsbeispielen
wäre es natürlich auch denkbar, dass über solche Funktionen eine Sprachsteuerung möglich
ist, da ja die sicherheitsrelevanten Aspekte durch die akustische Überwachung abgesichert
werden können.
[0055] Fig. 3D zeigt eine mögliche Variante, wie weitere Informationen, z. B. vom Kochgeschirr
an die Steuerung, übertragen werden können. Beispielsweise kann ein RFID-Tag als Aufkleber
auf das Kochgeschirr vorgesehen sein, der Informationen über die Funktionalität via
RFID an das Kochgerät ausgibt. Insofern kann das Kochgerät entsprechend Ausführungsbeispielen
einen RFID-Leser aufweisen. Entsprechend Ausführungsbeispielen kann ein dynamisches
Modell oder spezielle Funktion in einem RFID-Tag somit hinterlegt werden und an die
intelligente Steuerung des Kochfelds übermittelt werden. Interessant wäre z. B. ein
RFID-Tag, der alten Töpfen o. ä. neue Funktionen gibt. Zum Beispiel "ich bin ein Wasserkocher",
um so die oben erläuterte Wasserkocherfunktionalität auszuführen.
[0056] Somit kann additiv oder alternativ zu den Sicherheitsfunktionalitäten auch einen
Komfortfunktionalität, wie eine einer Kochaufgabe zugeordneter Kochmodus, ermöglicht
werden.
[0057] Fig. 3E zeigt eine Steuerung 20`, mit einem Prozessor 55, die das akustische Signal
von dem Sensor 54 erhält. Die Steuerung kann entsprechend Ausführungsbeispielen beispielsweise
via Bluetooth oder anderen Funkkommunikationsmitteln Informationen an den Nutzer ausgeben.
Der Nutzer kann beispielsweise einen hier dargestellten Kopfhörer zur Sprachausgabe
oder auch eine Smartwatch zur visuellen Anzeige oder Alarmierung via Vibrationssignal
tragen. Ferner können auch die Schallinformationen vom Kochbereich / zum Kochzustand
in repräsentative Vibrationsmuster umgewandelt und dann an eine Smartwatch übertragen
werden.
[0058] Eine weitere Variante einer möglichen Steuerungsvariante bzw. Komfortfunktionalität
könnte die situationsabhängige Regulierung der Leistung sein. Beispielsweise kann
gem. Ausführungsbeispielen das Kochmedium im Kochgeschirr in einem ersten Zustand,
der z.B. bei Bestätigung durch den Nutzer erfasst wird, konstant gehalten werden.
Wenn der Nutzer oder der Koch mit der aktuellen Koch- oder Brutzelintensität zufrieden
ist, kann er dies der Steuerung - ähnlich wie beim Tempomat im PKW- über eine Hold-Taste
mitteilen. Die Steuerung sorgt dann dafür, dass die Koch- oder Brutzelintensität entsprechend
gehalten wird. Das Nudelwasser kocht nicht über. Ein mehrfaches Nachjustieren der
Heizleistung über den Drehknebel ist somit nicht notwendig. Eine solche Funktion ist
optimal zum leichten Köcheln, Aufwärmen oder Warmhalten von Speisen. Außerdem fängt
eine Flüssigkeit oft direkt stärker an zu kochen, wenn man zum Energiesparen einen
Deckel benutzen möchte.
[0059] Entsprechend Ausführungsbeispielen kann die Steuerung aufgrund des akustischen Signals
zwischen dem Zustand mit Deckel und ohne Deckel unterscheiden und dann die Regulierung
entsprechend anpassen. Abhängig vom Zustand Deckel oder ohne Deckel ändert sich sowohl
das akustische Signal als auch das Verhalten des Kochmediums, was die Steuerung ausgebildet
ist, zu berücksichtigen. Ein speziell optimiertes Aufwärmprogramm wäre ebenfalls denkbar,
wie nachfolgend erläutert werden wird.
[0060] Ein Aufwärmprogramm bzw. allgemein ein Kochprogramm könnte beispielsweise ein automatisiertes
Regeln der Heizleistung entsprechend einem vorgegebenen Rezept durchführen. In dem
Rezept gespeicherte Inhalte können beispielsweise die Dauer von einzelnen Heizstufen
sein oder auch die Dauer von einzelnen Kochzuständen. Beispielsweise kann definiert
werden, dass über eine bestimmte Dauer der Kochzustand A gehalten wird, während über
eine weitere bestimmte Dauer der Kochzustand B gehalten wird. Aufwärmprogramme könnten
beispielsweise in Zusammenarbeit mit Herstellern von Fertiggerichten entworfen werden.
Über einen QR-Code auf der Verpackung kann die intelligente Steuerung dann ein von
dem Hersteller optimiertes Kochprogramm ausführen (Wassermenge + Pulver im Topf, QR-Code
scannen mit Kochfeld/Smartphone, Start-Klicken, falls nötig Signalton zum Umrühren,
etc. Dasselbe Prinzip kann in Kochbüchern angewendet werden. Weiter werden auch unterschiedliche
Programme so ermöglicht, wie z. B. zum Erwärmen von Würsten wie Weißwürsten, entsprechend
vorgegebener Rezeptur.
[0061] Bezug nehmend auf Fig. 3F wird die Ermittlung der Daten-Basis für die Temperaturvoraussage
(temperature prediction) unter Verwendung eines neuronalen Netzes, das anhand des
Körperschalls die Temperatur des Fettes oder allgemein des Mediums in der Pfanne bzw.
allgemein im Kochgeschirr voraussagt, erläutert. Über ein Infrarotthermometer wird
so zu Trainingszwecken die Temperatur des aufzuheizenden Mediums bestimmt und gleichzeitig
über einen Schallaufnehmer, z. B. einen Piezo-Tonabnehmer oder ein Mikrofon, der aktuell
vorherrschende Körperschall aufgenommen. Diese zwei Informationen können korreliert
werden. Die Zusammenhänge können mit einem ML-Modell (Regressionsmodell) erlernt werden.
Als weiteres zu korrelierendes Merkmal kann auch noch eine Information über das zu
erhitzende Medium eingelesen werden. Hintergrund ist, dass, wie die Tabelle in Fig.
3F zeigt, unterschiedliche Medien unterschiedliche Rauchpunkte haben, da diese bis
zu anderen Maximaltemperaturen erhitzbar sind.
[0062] Fig. 3G zeigt einen Auszug aus einem CSV-Marker für beispielsweise drei unterschiedliche
Kochintensitäten KS0 Herd an, KS1 leichtes Kochen, KS2 starkes Kochen, KS3 Überkochen.
[0063] Nachfolgend wird ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel zusammen mit dem Funktionsprinzip
anhand von Fig. 5A-I im Detail erläutert.
[0064] Ein Ausführungsbeispiel schafft einen intelligenten Kochsensor, der Kochzustände
sicher erkennen und automatisch regeln kann. Er besteht z.B. aus einem künstlichen
auditiven Wahrnehmungsmodell und einem neuartigen Leistungsregler. Damit bildet er
zusammen mit einem Induktionskochfeld ein intelligentes cyber-physisches Gesamtsystem.
So kann er die Kochumwelt wahrnehmen, verstehen und durch Aktionen - wie z. B. durch
Anpassen der Heizleistung - gezielt verändern. Durch die Möglichkeit autonom zu handeln,
bildet er das Fundament für das smarte Kochfeld der Zukunft und die Basis für benutzerfreundliche
Koch-Assistenzsysteme.
[0065] Aufgrund des angedachten Systemaufbaus kann der Sensor einfach und schnell in konventionelle
Kochfeldsysteme integriert werden.
[0066] Das Funktionsprinzip des Sensor wird anhand von Fig. 5a erläutert. Fig. 5a illustriert
die die Ausführung des Sensors als cyber-physisches System. Hier sind die drei Stufen
Wahrnehmungsmodell, Systemzustand und Systemregler abhängig von Ziel- und Ist-Kochzustand
unter Berücksichtigung der Topfdynamik dargestellt.
[0067] Die als Umweltgeräusche wahrgenommenen Schalldruckwellen werden von kostengünstigen
MEMS-Mikrofonen erfasst, in einem digitalen Signalprozessor vorverarbeitet und in
ein Spektrogramm überführt. Dieses beinhalten die Geräuschinformationen und dient
als Eingabe für die Kochzustandserkennung im künstlichen auditiven Wahrnehmungsmodell.
Die Ausgabe wird als IST-Kochzustand zwischengespeichert. Neben den erfassten Audiosignalen
AS werden die Informationen der Kochfeld-Steuerung in die Wahrnehmung einbezogen (Sensorfusion).
Dazu gehören: Indirekte Temperaturmesswerte, Topferkennung und aktuelle Heizleistung
(vgl. Fig. 3a).
[0068] Der Systemzustand M bildet als Zustandsvektor die Eingangsgröße für den Leistungsregler.
Neben dem wahrgenommenen IST-Kochzustand beinhaltet der Systemzustand Z den gewünschten
ZIEL-Kochzustand sowie einen intern berechneten Parameter für die Topfdynamik. Letzterer
charakterisiert das thermodynamische Verhalten des Gesamtsystems aus Kochfeld, Kochgeschirr
und Flüssigkeit. Der Systemzustand Z kann zudem um Vorgaben für Kochmodi erweitert
werden (z. B. Energiesparmodus).
[0069] Der zustandsbasierte Leistungsregler R berechnet die aktuell benötigte Heizleistung
auf Basis des Systemzustandes und sendet entweder ein Kommando an die Kochfeld-Steuerung
oder eine Warnmeldung an die kochende Person. So kann der ZIEL-Kochzustand autonom
und energieeffizient erreicht und beibehalten werden.
[0070] Im Folgenden wird das Konzept der Klassifizierung von Kochzuständen beschrieben.
[0071] Hörbare Garmethoden und nützliche Kochzustände sind in Fig. 5b gezeigt: Unter Kochen
oder Garen versteht man im Allgemeinen das Zubereiten von Speisen mithilfe einer Wärmequelle.
Dabei wird grundsätzlich zwischen den feuchten Garmethoden (dem Kochen i. e. S.) und
den trockenen Garmethoden (Braten, Frittieren und Anschwitzen) unterschieden. Hauptunterschied
der beiden Zubereitungsarten ist das Medium, das zur Übertragung der Wärme auf das
Kochgut verwendet wird. So werden zum Kochen Flüssigkeiten wie Wasser, Brühe, Wein
und Milch verwendet; beim Braten, Frittieren und Anschwitzen erfolgt das Erwärmen
mit Hilfe von Fetten und Ölen [8]. Die Wahl der Garmethode wirkt sich dabei direkt
auf den Geschmack, die Verträglichkeit und den Nährstoffgehalt der zubereiteten Lebensmittel
aus - oft auch auf die Gesundheit [8]. Ein Überblick der in privaten Haushalten regelmäßig
angewendeten Garmethoden ist in Fig. 5b dargestellt. Akustisch hörbare Garmethoden
sind schraffiert hinterlegt.
[0072] Für den zu entwickelnden Demonstrator zur Kundengewinnung und für ein erstes minimal
praktikables Produkt (engl. Minimum Viable Product, kurz MVP) im Sinn der Lean Startup
Methode, eignen sich die feuchten Garmethoden am besten. Denn:
- Kochzustände sind meist über einen langen Zeitraum konstant zu halten
- Es sind weniger direkte Interaktionen erforderlich als z. B. beim Braten
- Sie machen den größeren Teil aller Garmethoden aus und sind allgemein gesünder
- Das Potential zum Energiesparen ist größer
- Der Mehrwert für die Endbenutzerinnen ist insgesamt größer
[0073] Im Rahmen einer durchgeführten Machbarkeitsstudie für das künstliche auditive Wahrnehmungsmodell
wurden die folgenden Kochzustandsklassen verwendet: Herd aus, Implosionen, Simmern,
Köcheln, Kochen, stark Kochen und Überkochen. Damit lassen sich nahezu alle feuchten
Garmethoden anhand ihrer spezifischen Kochgeräusche überwachen und regeln. Die Zustandsklassen
können im Rahmen der Kundenentdeckung (engl. customer discovery) angepasst werden.
In diesem Zusammenhang können z. B. auch sicherheitsrelevante Funktion zum Braten
und Frittieren sowie Bratassistenten im Zusammenhang mit Brutzelintensitäten implementiert
werden.
[0074] Gemäß Ausführungsbeispielen kann Hören mit künstlicher Intelligenz eingesetzt werden:
Geräusche sind im Allgemeinen Hörempfindungen, die nicht direkt als Klang, Ton, Tongemisch,
Zusammenklang oder Knall wahrgenommen werden. Ursache für Geräusche sind über elastische
Körper (z. B. einen Kochtopf) vermittelte Schwingungsvorgänge die sich als Luftschall
im Raum ausbreiten [9]. Im Gegensatz zu einem Pfeifton, hat ein Kochgeräusch somit
keine exakt bestimmbare Tonhöhe, also keine dominierende Frequenz (siehe Fig. 5c).
Dennoch sind unterschiedliche Frequenzbereiche unterschiedlich stark vertreten und
verleihen so auch einem Kochgeräusch einen individuellen Charakter, was im dargestellten
Mel-Spektrogramm MS in Fig. 5c gut zu erkennen ist. Anmerkung: Ein Spektrogramm ist
die bildliche Darstellung des zeitlichen Verlaufs des Frequenzspektrums eines Signals
(z.B. eines Audiosignals) [10]. Dabei wird das Zeitsignal mit der Kurzzeit-Fourier-Transformation
(englisch short-time Fourier transform, kurz STFT) in den Zeit-Frequenz-Bereich überführt
[11]. In einem Mel-Spektrogramm sind die Frequenzen auf der Y-Achse in der Mel-Skala
dargestellt [12]. Darüber hinaus bilden sich auch markante zeitliche Muster heraus.
Additiv oder alternativ könnten deshalb auch statt Frequenzbereichen auch der zeitliche
Verlauf eingelernt werden.
[0075] Auf Basis solcher charakteristischer Merkmale können unterschiedliche Geräusche sowohl
vom menschlichen Gehirn als auch von einem ML-Modell klassifiziert und damit einem
bekannten Kochzustand zugeordnet werden. Hierbei ist anzumerken, dass die grundlegenden
Merkmale der Kochgeräusche trotz überlagerter Störgeräusche S erhalten bleibt. Zudem
sind Mikrofone nicht auf den Hörbereich des Menschen begrenzt.
[0076] Um die akustischen Signale automatisch zu analysieren, kommen gemäß Ausführungsbeispielen
Methoden des maschinellen Lernens (ML) zum Einsatz, bspw. in Form von tiefen neuronalen
Netzen. Beim überwachten Lernen (engl. Supervised Learning), erlernt das neuronale
Netz die Zusammenhänge zwischen Kochgeräusch und Kochzustand anhand von Trainingsdaten.
Nach erfolgreichem Training kann das neuronale Netz (ML- bzw. Kl-Modell) zum Klassifizieren
von Kochgeräuschen angewendet werden (siehe Fig. 5d).
[0077] Eine Machbarkeitsstudie zum Klassifizieren von Kochgeräuschen wurde wie folgt durchgeführt.
Dabei konnte die Funktionalität des ML-basierten auditiven Wahrnehmungssystems nachgewiesen.
- 1. Datenerhebung: Im Rahmen der Datenerhebung wurden Kochgeräusche mit Hilfe eines
Mikrofons aufgenommen und in einem Trainingsdatensatz zusammengefasst. Ein einzelnes
Datensatzelement besteht dabei aus einer Audiodatei (Kochgeräusch) sowie dem zugehörigen
Klassenlabel (Kochzustand). Bei der Aufnahme der Trainingsdaten kam das vorab entwickelte
Aufnahme und Label-Programm "KitchenGuard Audio Recorder" zum Einsatz, welches eine
schnelle und fehlerfreie Datenerhebung erlaubt. Auf dieser Basis konnte ein erster
Trainingsdatensatz für die sieben definierten Kochzustände erstellt werden. Dieser
beinhaltet 748 Aufnahmen mit einer Gesamtdauer von etwa 12,5 Stunden. Der Versuchsaufbau
und die verwendete Hardware sind in Fig. 5e dargestellt.
- 2. Vorverarbeitung, Merkmalsextraktion: Aus den aufgezeichneten Audiodaten wurden
im Rahmen der Vorverarbeitung gelabelte Mel-Spektrogramme extrahiert (siehe Fig. 5f).
Aufgrund der moderaten Größe des Trainingsdatensatzes, konnten mit einem Betrachtungszeitraum
von 2,14 s und folglich 17.574 Mel-Spektrogrammen die besten Ergebnisse erzielt werden.
Um den realen Betrieb mit Störgeräuschen besser abzubilden, wurden die Trainingsbeispiele
im Rahmen einer Datenaugmentierung (engl. Data Augmentation) erweitert und diversifiziert,
wie Fig. 5f darstellt.
- 3. Modellauswahl und Training: In der Machbarkeitsstudie wurde u. a. das von Google
LLC entwickelte CNN Mobilenetv2_050 getestet [Q]. Dieses CNN ist speziell für den
Einsatz auf mobilen Geräten optimiert und kann zuverlässig auf Mikrocontrollern und
kleinen Kl-Prozessoren (microNPUs) betrieben werden. Das CNN wurde daraufhin mit dem
erstellten Trainingsdatensatz trainiert.
- 4. Bewertung: Um die Leistungsfähigkeit eines Klassifizierungsmodells zu bewerten,
wird vornehmlich die Genauigkeit (engl. Accuracy) in Bezug auf die Vorhersage von
unbekannten Testdaten als erstes Bewertungskriterium herangezogen. Die Genauigkeit
des ML-Modells beschreibt das Verhältnis zwischen den richtigen Vorhersagen und allen
getroffenen Vorhersagen. [14]. Die Ergebnisse sind in Fig. 5g dargestellt.
[0078] Es ist zu sehen, dass selbst mit wenig Trainingsdaten vergleichsweise gute Genauigkeiten
erzielt werden konnten. Die geringeren Genauigkeiten der Zustandsklassen Köcheln,
Kochen und stark Kochen sind u. a. darauf zurückzuführen, dass sich die in diesen
Zuständen verursachten Geräusche sehr ähnlich sind und deshalb leichter verwechselt
werden. Zum Erlernen von feinen Unterschieden sind entsprechend mehr Trainingsbeispiele
notwendig. Für den Nachweis der Machbarkeit sind die dargestellten Ergebnisse jedoch
ausreichend.
[0079] Abschließend ist anzumerken, dass es für die Geräuschanalyse noch viele weitere ML-Verfahren
gibt. Eine Reihe dieser Verfahren wurde von den Experten in einem Toolkit für akustisches
Monitoring (kurz: amo) zusammengefasst [15]. Diese werden für den Sensor ebenfalls
getestet und bewertet. (Anmerkung Testdaten sind Daten, die dem ML-Modell (im Training
nicht gezeigt wurden) und somit unbekannt sind. Damit repräsentieren sie den realen
Einsatz (z. B. in der Küche der Endkunden:innen). Entsprechend wurde für die Bewertung
des MLK-Modell einen separateren Testdatensatz aufgenommen, bei dem sich Aufnahmetag,
Topfhersteller und Topfinhalt von den Trainingsdaten unterscheiden. Zudem repräsentieren
vorhandene Störgeräusche den Realbetrieb.
[0080] Gemäß Ausführungsbeispielen kann ein Leistungsregler für die Berechnung der optimalen
Heizleistung verwendet werden: Der Leistungsregler des Sensors hat die Aufgabe - ausgehend
vom aktuellen Systemzustand - die bestmögliche Leistungsstufe auszuwählen. Der aktuelle
Systemzustand beinhaltet hierbei den wahrgenommenen IST-Kochzustand, den gewünschten
ZIEL-Kochzustand und die berechnete Topfdynamik.
[0081] Im Gegensatz zu einer Regelung, die auf Temperaturmessungen oder Vibrationsintensitäten
beruht, können hier keine klassischen Konzepte der Regelungstechnik angewendet werden.
Da es zudem kein Wahrnehmungsmodell gibt, das den IST-Kochzustand mit 100-prozentiger
Genauigkeit bestimmen kann und sich auch die Topfdynamik (z. B. durch Hinzufügen von
kaltem Wasser durch den Benutzer) ändern kann, handelt es sich um einen nichtdeterministischen
Entscheidungsprozess; die Folge einer ausgewählten Aktion kann somit nicht exakt vorhergesagt
werden.
[0082] Auf Basis des Markov-Entscheidungsprozesses (engl. Markov-Decision Process, kurz
MDP), kann die optimale Leistungsstufe dennoch bestimmt werden. Zum Beispiel anhand
einer erlernten Strategie (engl. policy) oder anhand von statistisch erfassten, aktionsabhängigen
Übergangswahrscheinlichkeiten. Dafür gibt es Methoden die u. a. in die Bereiche Dynamische
Programmierung, Reinforcement Learning und Imitation Learning fallen. Mit entsprechend
gewählten Randbedingungen können so auch sicherheitskritische Zustände sicher vermieden
werden (z. B. Überkochen). Ein vereinfachtes Beispiel mit aktionsabhängigen Übergangswahrscheinlichkeiten
ist in Fig. 5h dargestellt.
[0083] Die geplante Aktion (die Leistungsstufe, die mit höchster Wahrscheinlich zum gewünschten
ZIEL-Kochzustand führt) wird am Ende an die Kochfeld-Steuerung übermittelt.
[0084] Zur möglichen Hardware für den Sensor: Die Anwendung eines trainierten ML-Modells
wird als Inferenz (engl. Model-Inference) bezeichnet. Dabei wird im Gegensatz zum
Modell-Training deutlich weniger Rechenleistung und Arbeitsspeicher (RAM) benötigt.
Aus diesem Grund kann das auditive Wahrnehmungsmodell des Sensors auch auf einem kostengünstigen
Mikrocontroller betrieben werden (Stichwort: EndpointAl13, TinyML14). Dadurch können
die Kochgeräusche direkt im Kochfeld und in Echtzeit (Inferenz-Zeit von unter 100
ms) klassifiziert werden [16]. Im Gegensatz zum klassischen, cloudbasierten Inferenz-Betrieb
ergeben sich folgende Vorteile:
- Privatsphäre und Datenschutz: Private Daten bleiben in der Küche (z. B. Gespräche).
- Sicherheit: ML-Funktionen stehen ohne aktive Internetverbindung zur Verfügung.
- Geschwindigkeit: Kochgeräusche können in Echtzeit im Sensor ausgewertet werden.
- Energieeffizienz: Die Leistungsaufnahme beträgt i. Allg. weniger als 500 µW.
- Preiswert: Zusätzliche Chips für Ethernet oder WLAN werden nicht benötigt und es entstehen
nahezu keine laufenden Betriebskosten. [17]
Durch die steigende Zugänglichkeit der kostengünstigen, MLK-fähigen Mikrocontroller
ist der Zeitpunkt für die Umsetzung des Sensors ideal.
[0085] Das in Fig. 5i dargestellte elektronische Hardwarekonzept stellt eine erste Auswahl
der Hardware-Komponenten anhand aktuellen Erkenntnisse und Annahmen dar. Dieser Hardwareaufbau
erlaub ein gleichzeitiges Überwachen und Regeln von vier Kochzonen. Entsprechend sind
vier hochwertige MEMS-Mikrofone15 für die Audiosignalerfassung vorgesehen. Die Auswahl,
Positionierung und Ausrichtung dieser Mikrofone, das sogenannte Mikrofonierungskonzept,
soll im Rahmen des EXIST-Gründungsstipendiums erarbeitet werden.
[0086] Zur Vision vom benutzerfreundlichen und sicheren Kochassistent: Um das Bedürfnis
junger Menschen nach Technologie und Luxus zu erfüllen und gleichzeitig eine für technik-averse
Endkunden:innen zugängliche, intuitive Bedienung bereit zu stellen, soll mit dem Assistent
ein smarter Kochassistent geschaffen werden. Interaktive Koch-Apps sollen den Menschen
dabei helfen, mit Spaß und stressfrei gesundes Essen zu kochen, neue Rezepte zu entdecken
und neue energiesparende und automatisierte Kochmethoden zu testen (z. B. Eier nach
der Ogi-Methode zubereiten). Zudem besteht die Möglichkeit, Herstellern von Fertigprodukten,
Babynahrung und Kochbuchverlagen die Möglichkeit geben, selbst interaktive Apps bereitzustellen
und somit eine optimale Zubereitung ihrer Produkte zu gewährleisten. Weitere Überlegungen
sind: Eine Verbindung zu smarten Kühlschränken für Rezeptempfehlungen, speziell entwickeltes,
schallemittierendes Kochgeschirr oder die Möglichkeit einer Live-Übertragung von Kochgeräuschen
und visuellen Informationen auf Smartphones oder VR-Brillen. Ziel ist es, das Kochen
so attraktiv, interaktiv und entspannend wie möglich zu gestalten und gleichzeitig
die notwendige Sicherheit zu bieten.
[0087] Nachfolgend werden unterschiedliche Ausführungsbeispiele bzw. optionale Features
zu Ausführungsbeispielen erläutert. Entsprechend Ausführungsbeispielen ist es möglich,
das System, d. h. also das Kochgerät oder das Kochzubehör, anzulernen oder weiter
zu lernen. Auch ein föderiertes Training (engl. Federated Learning), verteilt durch
mehrere Anwender wäre denkbar. Hierdurch wird dann die Datenbank über mehrere Geräte
hinweg erweitert. Die Anwenderdaten können nur teilweise oder gar nicht annotiert
sein und durch teil überwachtes Lernen zur Verbesserung des Modells beitragen.
[0088] Entsprechend Ausführungsbeispielen ist der Prozessor ausgebildet, eine Adaptionsphase
durchzuführen, in welcher sich das Gerät bzw. der Erkennungsalgorithmus des Geräts
an das aktuelle Kochgerät oder Kochgeschirr anpasst.
[0089] Entsprechend Ausführungsbeispielen erfolgt die Auswertung sowie ggf. das Weiterlernen
unter Verwendung von Privacy-Enhancement-Technologien (homomorphic Encryption, differential
privacy, secure multi-party computation, o. ä.), um die unerwünschte Preisgabe von
sensiblen Informationen zu vermeiden bzw. Rückschlüsse auf die Teilnehmer, Attribute
der Teilnehmer oder andere sensitive Informationen zu ermöglichen.
[0090] Entsprechend Ausführungsbeispielen kann der Prozessor ausgebildet sein, die Sprache
als personenbezogene Informationen zu entfernen, ggf. durch Werkzeuge zum Herausfiltern
von Sprachinformationen, wie z. B. Voice Activity Detection.
[0091] Entsprechend einem weiteren Ausführungsbeispiel wäre es denkbar, dass eine Herdplatte
oder Kochzone, auf der sich der Topf befindet, erkannt wird und zugeordnet wird. Hierzu
kann beispielsweise die Ortung von Geräuschen verwendet werden oder auch Informationen
von dem Kochgerät, z. B. über eine aktivierte Kochzone, erhalten werden.
[0092] Bei allen Ausführungsbeispielen ist zentral, dass Luft- und/oder Körperschallsensoren
zur Analyse der Kochvorgänge genutzt werden.
[0093] Mögliche Anwendungen sind neben dem Kochfeld/Herd auch Heizplatten, Küchenmaschinen
mit Kochfunktion, wie z. B. Thermomix, Wasserkocher oder auch Öfen.
[0094] An dieser Stelle sei angemerkt, dass entsprechend Ausführungsbeispielen die Mittel
zur Schalldetektion auch Ultraschallabnehmer aufweisen können. Additiv wäre es auch
denkbar, dass zusätzlich zu der Schallsensorik auch eine Kamerasensorik verwendet
wird.
[0095] Obwohl manche Aspekte im Zusammenhang mit einer Vorrichtung beschrieben wurden, versteht
es sich, dass diese Aspekte auch eine Beschreibung des entsprechenden Verfahrens darstellen,
sodass ein Block oder ein Bauelement einer Vorrichtung auch als ein entsprechender
Verfahrensschritt oder als ein Merkmal eines Verfahrensschrittes zu verstehen ist.
Analog dazu stellen Aspekte, die im Zusammenhang mit einem oder als ein Verfahrensschritt
beschrieben wurden, auch eine Beschreibung eines entsprechenden Blocks oder Details
oder Merkmals einer entsprechenden Vorrichtung dar. Einige oder alle der Verfahrensschritte
können durch einen Hardware-Apparat (oder unter Verwendung eine Hardware-Apparats),
wie zum Beispiel einen Mikroprozessor, einen programmierbaren Computer oder eine elektronische
Schaltung. Bei einigen Ausführungsbeispielen können einige oder mehrere der wichtigsten
Verfahrensschritte durch einen solchen Apparat ausgeführt werden.
[0096] Ein erfindungsgemäß codiertes Signal, wie beispielsweise ein Audiosignal oder ein
Videosignal oder ein Transportstromsignal, kann auf einem digitalen Speichermedium
gespeichert sein oder kann auf einem Übertragungsmedium wie beispielsweise einem drahtlosen
Übertragungsmedium oder einem verdrahteten Übertragungsmedium, z.B. dem Internet,
übertragen werden
[0097] Das erfindungsgemäße kodierte Audiosignal kann auf einem digitalen Speichermedium
gespeichert sein, oder kann auf einem Übertragungsmedium, wie beispielsweise einem
drahtlosen Übertragungsmedium oder einem drahtgebundenen Übertragungsmedium, wie beispielsweise
dem Internet, übertragen werden.
[0098] Je nach bestimmten Implementierungsanforderungen können Ausführungsbeispiele der
Erfindung in Hardware oder in Software implementiert sein. Die Implementierung kann
unter Verwendung eines digitalen Speichermediums, beispielsweise einer Floppy-Disk,
einer DVD, einer Blu-ray Disc, einer CD, eines ROM, eines PROM, eines EPROM, eines
EEPROM oder eines FLASH-Speichers, einer Festplatte oder eines anderen magnetischen
oder optischen Speichers durchgeführt werden, auf dem elektronisch lesbare Steuersignale
gespeichert sind, die mit einem programmierbaren Computersystem derart zusammenwirken
können oder zusammenwirken, dass das jeweilige Verfahren durchgeführt wird. Deshalb
kann das digitale Speichermedium computerlesbar sein.
[0099] Manche Ausführungsbeispiele gemäß der Erfindung umfassen also einen Datenträger,
der elektronisch lesbare Steuersignale aufweist, die in der Lage sind, mit einem programmierbaren
Computersystem derart zusammenzuwirken, dass eines der hierin beschriebenen Verfahren
durchgeführt wird.
[0100] Allgemein können Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung als Computerprogrammprodukt
mit einem Programmcode implementiert sein, wobei der Programmcode dahin gehend wirksam
ist, eines der Verfahren durchzuführen, wenn das Computerprogrammprodukt auf einem
Computer abläuft.
[0101] Der Programmcode kann beispielsweise auch auf einem maschinenlesbaren Träger gespeichert
sein.
[0102] Andere Ausführungsbeispiele umfassen das Computerprogramm zum Durchführen eines der
hierin beschriebenen Verfahren, wobei das Computerprogramm auf einem maschinenlesbaren
Träger gespeichert ist. Mit anderen Worten ist ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen
Verfahrens somit ein Computerprogramm, das einen Programmcode zum Durchführen eines
der hierin beschriebenen Verfahren aufweist, wenn das Computerprogramm auf einem Computer
abläuft.
[0103] Ein weiteres Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Verfahren ist somit ein Datenträger
(oder ein digitales Speichermedium oder ein computerlesbares Medium), auf dem das
Computerprogramm zum Durchführen eines der hierin beschriebenen Verfahren aufgezeichnet
ist.
[0104] Ein weiteres Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens ist somit ein Datenstrom
oder eine Sequenz von Signalen, der bzw. die das Computerprogramm zum Durchführen
eines der hierin beschriebenen Verfahren darstellt bzw. darstellen. Der Datenstrom
oder die Sequenz von Signalen kann bzw. können beispielsweise dahin gehend konfiguriert
sein, über eine Datenkommunikationsverbindung, beispielsweise über das Internet, transferiert
zu werden.
[0105] Ein weiteres Ausführungsbeispiel umfasst eine Verarbeitungseinrichtung, beispielsweise
einen Computer oder ein programmierbares Logikbauelement, die dahin gehend konfiguriert
oder angepasst ist, eines der hierin beschriebenen Verfahren durchzuführen.
[0106] Ein weiteres Ausführungsbeispiel umfasst einen Computer, auf dem das Computerprogramm
zum Durchführen eines der hierin beschriebenen Verfahren installiert ist.
[0107] Ein weiteres Ausführungsbeispiel gemäß der Erfindung umfasst eine Vorrichtung oder
ein System, die bzw. das ausgelegt ist, um ein Computerprogramm zur Durchführung zumindest
eines der hierin beschriebenen Verfahren zu einem Empfänger zu übertragen. Die Übertragung
kann beispielsweise elektronisch oder optisch erfolgen. Der Empfänger kann beispielsweise
ein Computer, ein Mobilgerät, ein Speichergerät oder eine ähnliche Vorrichtung sein.
Die Vorrichtung oder das System kann beispielsweise einen Datei-Server zur Übertragung
des Computerprogramms zu dem Empfänger umfassen.
[0108] Bei manchen Ausführungsbeispielen kann ein programmierbares Logikbauelement (beispielsweise
ein feldprogrammierbares Gatterarray, ein FPGA) dazu verwendet werden, manche oder
alle Funktionalitäten der hierin beschriebenen Verfahren durchzuführen. Bei manchen
Ausführungsbeispielen kann ein feldprogrammierbares Gatterarray mit einem Mikroprozessor
zusammenwirken, um eines der hierin beschriebenen Verfahren durchzuführen. Allgemein
werden die Verfahren bei einigen Ausführungsbeispielen seitens einer beliebigen Hardwarevorrichtung
durchgeführt. Diese kann eine universell einsetzbare Hardware wie ein Computerprozessor
(CPU) sein oder für das Verfahren spezifische Hardware, wie beispielsweise ein ASIC.
[0109] Die oben beschriebenen Ausführungsbeispiele stellen lediglich eine Veranschaulichung
der Prinzipien der vorliegenden Erfindung dar. Es versteht sich, dass Modifikationen
und Variationen der hierin beschriebenen Anordnungen und Einzelheiten anderen Fachleuten
einleuchten werden. Deshalb ist beabsichtigt, dass die Erfindung lediglich durch den
Schutzumfang der nachstehenden Patentansprüche und nicht durch die spezifischen Einzelheiten,
die anhand der Beschreibung und der Erläuterung der Ausführungsbeispiele hierin präsentiert
wurden, beschränkt sei.
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en%20Jahren%201990%20bis%202021
1. Kochgerät (10), mit folgenden Merkmalen:
einer Heizquelle (12) zum Erhitzen eines Mediums oder eines Kochgeschirrs;
Mittel zur Schalldetektion (54), die ausgebildet sind, ein akustisches Signal herrührend
von dem Medium oder dem Kochgeschirr zu empfangen und/oder in ein digitales akustisches
Signal zu überführen;
einem Prozessor (55), der ausgebildet ist, das digitale akustische Signal im Hinblick
auf Rohdaten oder ein oder mehrere Merkmale zu analysieren und anhand der ein oder
mehreren Merkmale einen Kochzustand für das Medium zu bestimmen.
2. Kochgerät (10) gemäß Anspruch 1, wobei der Prozessor (55) ausgebildet ist, anhand
ein oder mehrerer Muster von Merkmalen und/oder Merkmalskombinationen ein oder mehrere
Kochzustände, insbesondere vordefinierte Kochzustände, zu erkennen.
3. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Kochzustand aus der
Gruppe von Kochzuständen umfassend eine der folgenden stammt:
- Temperaturinformation des Mediums;
- Siedeinformation eines Fluids als Medium;
- Verdampfungs-/Verbrennungszustand eines Fettes als Medium; und
- Garzustand des Mediums und/oder eines Kochguts als Medium.
4. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei das Kochgerät (10) die
Form eines Kochfelds aufweist; und/oder
wobei das Kochgeschirr einen Topf oder eine Pfanne umfasst und/oder wobei das Medium
ein Gargut (z.b. Fleisch) und/oder eine Garmedium (z.B. Kochwasser oder Fett) umfasst;
und/oder
wobei das Kochgerät (10) die Form eines Kochfelds aufweist, das mehrere Kochplatten
oder Kochpositionen umfasst; wobei der Prozessor (55) ausgebildet ist, anhand des
digitalen akustischen Signals oder der digitalen akustischen Signaleund/oder einer
Zusatzinformation eine Kochpositionsdetektion oder eine Kochplattendetektion durchzuführen,
wobei die Kochposition oder die Kochplattendetektionsinformation ein Merkmal darstellt.
5. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Mittel zur Schalldetektion
(54) ausgebildet sind, auf ein jeweiliges Kochgeschirr oder Medium zugeordnet zu einer
Kochposition oder Kochplatte ausgerichtet zu werden oder sich auszurichten.
6. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei die Mittel zur Schalldetektion
(54) Mittel zur Schalldetektion (54) von Luftschall, einem Mikrofon oder Mikrofonarray
und/oder Mittel zur Schalldetektion (54) von Körperschall aufweisen; und/oder
wobei die Mittel zur Schalldetektion (54) externe Mittel zur Schalldetektion (54)
umfassen, die an dem Kochgerät (10) und/oder an dem Kochgeschirr und/oder der Küchendecke
im Bereich des Kochfeldes und/oder der Dunstabzugshaube angeordnet sind.
7. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei beim Analysieren der Prozessor
(55) eine oder mehrere der folgenden Operationen durchführt:
• A/D-Wandlung der akustischen Signale
• Vorverarbeitung (z.B. umfassend Schritte wie Quantisierung oder Normalisierung)
• Merkmalsextraktion, z.B. in Form einer Zeit-Frequenz-Transformation, oder Extraktion
anderer vordefinierter Merkmale erfolgen;
• Signalfilterung, insbesondere zur Störgeräuschminimierung oder Minimierung von Störgeräuschen
herrührend von der Heizquelle (Induktion) (12), beispielsweise in Form eines Bandpassfilters;
• Beamforming
8. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Prozessor (55) ausgebildet
ist, mittels maschinellen Lernens und/oder einem neuronalen Netz die Analyse durchzuführen.
9. Kochgerät (10) gemäß Anspruch 8, wobei der Prozessor (55) ausgebildet ist, mittels
Trainingsdaten und/oder mittels einem aktuellen digitalen akustischen Signals das
neuronale Netz und/oder den ML-Algorithmus zu trainieren.
10. Kochgerät (10) gemäß Anspruch 9, wobei der Prozessor (55) ausgebildet ist, vor Ort
trainiert zu werden, im Auslieferungszustand trainiert zu sein, vor Ort adaptiert
zu werden und/oder mittels föderiertem Training trainiert zu werden.
11. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Prozessor (55) ausgebildet
ist, ein aus dem digitalen akustischen Signal abgeleitetes Signal mittels Privatsphäreerweiterungsprozessierung
und/oder mittels eines Sprachfilters nachzu bearbeiten.
12. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei der Prozessor (55) ausgebildet
ist, die Analyse basierend auf weiterer externer Merkmale, insbesondere einer Anregungsfrequenz
des Kochgeschirrs, einer Temperatur des Kochgeschirrs, einer Topfpositionsinformation,
eines Topferkennungszustands, einer Kochgeräteinstellung, durchzuführen und/oder einer
Information über das Medium (Gargut und/oder Garmedium).
13. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, das eine interne Datenbank und/oder
eine Schnittstelle zu einer externen Datenbank aufweist, wobei auf der internen Datenbank
oder der externen Datenbank Modellgewichtungen und/oder Informationen bezüglich ein
oder mehrerer Referenzmerkmale zugeordnet zu einem oder mehreren Kochzuständen gespeichert
sind und wobei der Prozessor (55) ausgebildet ist, eine Analyse mittels der ein oder
mehreren Referenzmerkmale durchzuführen.
14. Kochgerät (10) gemäß einem der vorherigen Ansprüche, wobei das Kochgerät (10) eine
Steuerung aufweist, die ausgebildet ist, die Heizquelle (12) in Abhängigkeit eines
ermittelten Kochzustands, insbesondere eine Leistung für die Heizquelle (12) bei Erreichen
eines Kochzustands, insbesondere eines Siedezustands, zu regeln.
15. Kochzubehör zur Verwendung für ein Kochgerät (10) mit einer Heizquelle (12) zum Erhitzen
eines Mediums oder eines Kochgeschirrs, mit folgenden Merkmalen:
Mittel zur Schalldetektion (54), die ausgebildet sind, ein akustisches Signal herrührend
von dem Medium oder dem Kochgeschirr zu empfangen und/oder in ein digitales akustisches
Signal zu überführen;
einem Prozessor (55), der ausgebildet ist, das digitale akustische Signal in Hinblick
auf Rohdaten oder ein oder mehrere Merkmale zu analysieren und anhand der ein oder
mehreren Merkmale einen Kochzustand für das Medium zu bestimmen.
16. Verfahren zur Überwachung eines Kochgeräts (10) mit einer Heizquelle (12) zum Erhitzen
eines Mediums oder eines Kochgeschirrs, mit folgenden Schritten:
Empfangen eines akustischen Signals herrührend von dem Medium oder dem Kochgeschirr
mittels Mitteln zur Schalldetektion und/oder Überführen in ein digitales akustisches
Signal;
Analysieren des digitalen Signals im Hinblick auf Rohdaten oder die ein oder mehreren
Merkmale und Ermitteln eines Kochzustands anhand der ein oder mehreren Merkmale.
17. Computerprogramm mit einem Programmcode zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch
16, wenn der Programmcode auf einem Prozessor (55) ausgeführt wird.