[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von metallischen Langprodukten,
sowie eine Giesswalzanlage für die Durchführung des Verfahrens, dies nach dem Oberbegriff
des Anspruchs 1 bzw. des Anspruchs 7.
[0002] In der Druckschrift
EP 3 623 074 A1 ist ein Verfahren zur endabmessungsnahen Herstellung von metallurgische Langprodukten
offenbart, bei dem Metallschmelze von einem metallurgischen Gefäss durch einen Ausguss
und ein an diesem angeordnetes Regelorgan in eine Kokille einer Stranggiessmaschine
geleitet wird. Dabei wird der erzeugte Giessstrang anschliessend ungeschnitten oder
auch geschnitten in einer der Stranggiessmaschine nachfolgenden Walzanlage mit einer
Anzahl von Walzgerüsten gewalzt. Bei dieser an sich kompakten Giesswalzanlage ist
aber insbesondere bei hohen Giessgeschwindigkeiten und grossformatigen Produkten nachteilig,
dass sich mit ihr eine besonders grosse metallurgische Länge vom Meniskus in der Kokille
bis zur Sumpfspitze des Giessstrangs ergibt, was eine entsprechend lange Bauweise
der Anlage und damit entsprechend hohe Investitionskosten beim Bau einer solchen Anlage
wegen des grösseren Platzbedarfs mit sich bringt.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Herstellen von metallurgischen
Langprodukten bzw. eine Giesswalzanlage zu schaffen, mittels dem die obigen Nachteile
behoben werden und die Bauweise der Giesswalzanlage mit weniger Investitionskosten
verbunden ist, und aber die Leistungsfähigkeit bzw. die Produktivität der Anlage beibehalten
werden kann.
[0004] Diese Aufgabe ist erfindungsgemäss durch die Merkmale des Anspruchs 1 bzw. des Anspruchs
7 gelöst.
[0005] Erfindungsgemäss wird der Giessstrang vorzugsweise nach dem bogenförmigen Wegführen
und vor der Walzanlage im Sumpfbereich nahe der Sumpfspitze im Querschnitt reduziert.
[0006] Das erfindungsgemässe Verfahren besteht somit im Wesentlichen aus einer Überlappung
der herkömmlichen Giess- und Walzprozesse, die im Ergebnis eine Verkürzung der metallurgischen
Länge des Giessstrangs und somit eine kürzere Bauweise der Anlage mit entsprechend
niedrigeren Investitionskosten für die Gebäude einschliesslich Kränen, Kranbahnen,
und ähnlichen Einrichtungen ermöglicht. Dabei können sehr hohe Giessgeschwindigkeiten
erreicht werden, welche die Gesamtproduktivität der Giesswalzanlage verbessert.
[0007] Mit dem schnelleren Walzen entsteht bei den Gerüsten und den Rollen weniger Verschleiss
und es verbessert die Walzeigenschaften, was zudem auch aufgrund der höheren Eintrittsgeschwindigkeiten
durch die Längung des Stranges und auch der höheren Eintrittstemperaturen in die Walzanlage
unterstützt wird. Durch die partielle Verformung im Bereich der Enderstarrung und
der damit einhergehenden Längung des Stranges wird aufgrund der höheren Einlaufgeschwindigkeit
in das Walzwerk der Walzenverschleiss im Walzwerk infolge der höheren Walzgeschwindigkeit
und des insgesamt höheren Temperaturniveaus des Walzgutes verbessert.
[0008] Zudem kann je nach ihrer Auslegung die Qualität der erfindungsgemäss erzeugten Produkte
verbessert werden, was die Möglichkeit bietet, das Verfahren auch bei Stählen mit
höheren C-Gehalten bzw. höheren Qualitätsanforderungen anzuwenden.
[0009] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren werden nachweisbare Verbesserungen hinsichtlich
einer Vermeidung der Innenporositat sowie von Seigerungen und Verbesserungen der Gefügehomogenität
der erzeugten Produkte erzielt.
[0010] Zum Optimieren des Verfahrens sieht die Erfindung auch vor, die mindestens eine Einrichtung
zur Reduktion des Strangquerschnitts im Bereich der Enderstarrung des Giessstrangs
mit einem Restschmelzkern, vorzugsweise von 5 bis 0 Flächenprozenten der Gesamtquerschnitts
des Giessstrangs zu platzieren. Dadurch werden die von der Einrichtung erforderlichen
Deformationskräfte hinreichend klein gehalten, insbesondere bei hohen Strangtemperaturen
und bei einem möglichst frühen Start der Querschnittreduzierung des Giessstrangs,
so dass diese Verkürzung der metallurgischen Länge des Giessstrangs und folglich der
kürzeren Bauweise der Anlage erreicht werden kann.
[0011] Die Erfindung sieht ferner vor, dass die der Stranggiessmaschine nachfolgende Walzanlage
in einem geringen Abstand zu der mindestens einen Einrichtung zur Reduktion des Strangquerschnitts
platziert ist. Diese Massnahme trägt zusätzlich dazu bei, die metallurgische Länge
des Giessstrangs zu verkürzen und die Gesamtbaulänge der Anlage zu minimieren. Dabei
kann die Walzanlage in einem Abstand zur Giessanlage platziert werden, welche der
ursprünglichen (natürlichen) metallurgischen Länge mit hinreichendem Platz für notwendige
Schneid- und Ausförderanlagen entspricht oder sogar in einem Abstand, der aufgrund
der Verkürzung der metallurgischen Länge in Folge der Reduzierung der Querschnittsfläche
gegenüber der natürlichen metallurgischen Länge verkürzt ist.
[0012] Eine höhere Reduzierung des Strangquerschnitts bzw. damit eine stärkere Verkürzung
der metallurgischen Länge kann erreicht werden, wenn der Giessstrang durch zwei oder
einer Vielzahl zum Beispiel bis zu zwölf hintereinander angeordnete Einrichtungen
zur Reduktion des Strangquerschnitts geführt wird. Vorteilhaft sind die Einrichtungen
bzw. ihre Rollen bei der Verwendung einer Vielzahl nahe hintereinander angeordnet,
damit sich diese innerhalb des Sumpfbereichs befinden.
[0013] Erfindungsgemäss sind diese Einrichtungen als modulare Baueinheiten mit einer Gehäusestruktur
und je einem Paar von darin gelagerten Walzrollen ausgebildet, die durch einen neben
der Gehäusestruktur angebrachten Getriebemotor oder über einen via eine Kardanwelle
verbundenen Getriebemotor antreibbar und durch ein in der Gehäusestruktur senkrecht
angeordnetes Verstellorgan gegeneinander andrückbar sind. Die Einrichtungen sind insbesondere
einsetzbar, wenn Produkte mit rundem, vier-rundem, polygenem oder oktogonalem Querschnitt
gegossen werden. Diese Formate tragen dazu bei, den Rollenverschleiss im Vergleich
zu einem rechteckigen Querschnitt zu reduzieren und erfordern auch weniger Kraftaufwand,
nebst einer besseren Verformung des Strangkernes des Giessstrangs.
[0014] Die wenigstens eine Einrichtung kann anstelle oder zusätzlich zu den um eine horizontale
Achse drehbaren Rollen auch solche seitlich mit vertikalen Drehachsen mit dem Giessstrang
in Rollkontakt ausgestattet sein, um eine Druckkraft quer auf den Strang zu erzeugen.
Damit kann eine prozentuale höhere Reduktion des Strangquerschnitts bezweckt werden.
[0015] Das erfindungsgemässe Verfahren ist auch ohne weiteres bei Stranggiessmaschinen anwendbar,
bei denen das Angiessen mit Hilfe eines starren Kaltstrangs stattfindet, der zum Beispiel
vor dem Angiessen durch die bogenförmige Strangführung in die Kokille eingeführt und
nach dem Angiessen wieder von ihr ausgeführt wird. In diesem Fall sieht die Erfindung
vor, dass der Kaltstrang dabei zur Kokille hin und von ihr weg mittels einer in einem
Gerüst direkt oberhalb oder vor der mindestens einen Einrichtung zur Reduktion des
Strangquerschnitts vorgesehenen Schwenkvorrichtung bewegt wird.
[0016] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme
auf die Zeichnung näher beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Seitenansicht einer erfindungsgemässen Giesswalzanlage mit einer
Stranggiessmaschine und einer Walzanlage zur Herstellung von metallurgischen Langprodukten;
- Fig. 2
- eine Vorderansicht der Einrichtung für die Reduktion des Strangquerschnitts der Giesswalzanlage
nach Fig. 1, bei der dieser Giessstrang senkrecht zur Bildebene verläuft;
- Fig. 3
- eine Seitenansicht der Einrichtung nach Fig. 2; und
- Fig. 4
- einen schematischen Längsschnitt des Giessstrangs im Bereich der Enderstarrung sowie
eine Ansicht der angreifenden Rollenpaare der Einrichtung.
[0017] Die in Fig. 1 dargestellte Giesswalzanlage 1 dient zur Herstellung von metallurgischen
Langprodukten 2, insbesondere aus Stahl, Die Giesswalzanlage 1 umfasst eine Stranggiessmaschine
3 und eine nachfolgende angedeutete Walzanlage 4 mit einer Anzahl von horizontal hintereinander
angeordneten Walzgerüsten mit Walzenpaaren, durch welche der Giessstrang 9 zu einem
Langprodukt, wie zum Beispiel zu einem Stab, Profil, Draht und/oder ähnlichem gewalzt
wird. Es ist das erste Walzgerüst der Walzanlage 4 gezeigt. Der Giessstrang 9 wird
von der Stranggiessmaschine 3 je nach dem Querschnitt ihrer Kokille 13 zu einem rechteckigen,
quadratischen, polygonalen, runden, vier-runden, polygenen, oktogonalen oder ähnlichen
Querschnittsprofil geformt.
[0018] Der-mit jeweils einem Strangquerschnitt insbesondere von weniger als 50'000 mm
2 und mit einer Giessgeschwindigkeit insbesondere zwischen 4 und 12 m/min erzeugte
Giessstrang 9 wird unmittelbar danach in der Walzanlage 4 mit einer Anzahl von Walzgerüsten
6, vorzugsweise 6 bis 10, gewalzt.
[0019] Die Stranggiessmaschine 1 ist an sich auf konventionelle Weise so konstruiert, dass
sie im Wesentlichen ein metallurgisches Gefäss 10 mit einem Ausguss und einem daran
anschliessenden Regelorgan 11, vorzugsweise einem Schieberverschluss oder einem Stopfen,
sowie einen Giessstrahlschutz 12, wie zum Beispiel ein feuerfestes Giessrohr, umfasst.
Unterhalb des Regelorgans 11 und des Giessstrahlschutzes 12 ist eine wassergekühlte
Kokille 13 angeordnet, welche einen Hohlraum bildet, dessen Querschnitt dem des zu
giessenden Formats entspricht. Dieses Format des Strangs kann quadratisch, rechteckig,
vieleckig, rund oder ähnlichem vorgesehen sein.
[0020] Dem in der Kokille 13 entstehenden und anschliessend über Treibrollen entzogenen
Giessstrang 9 sind Führungs- und Richtrollen 14 mit nicht näher gezeigten Kühlungselementen,
wie Spritzdüsen, zugeordnet, durch welche der Giessstrang bogenförmig um 90° umgelenkt
wird und nachfolgend via eine Auszugseinheit 15 in einer annährend horizontalen Richtung
in die Walzanlage 4 geführt wird. Je nach Strangformat und Stranggrösse kann auch
eine segmentartige Strangführung unterhalb der Kokille vorgesehen werden. Diese Walzanlage
4 besteht ihrerseits aus einer Anzahl von rotierenden Walzenpaaren, mit welchen eine
schrittweise Verformung bzw. Reduktion des Strangquerschnitts bewirkt wird, bis das
gewünschte Querschnittsformat des Langprodukts 2 erreicht ist.
[0021] Zudem ist noch eine Schneideinrichtung 35 für ein Notschneiden der Stränge zwischen
der Einrichtung 21 und der Walzanlage 4 angeordnet, wenn sich beispielsweise in letzterer
ein unvorgesehener Prozessunterbruch einstellen sollte und der jeweils ausfahrende
Strang 9 geschnitten und auf die Seite wegbefördert werden müsste. Der Schneideinrichtung
35 kann auch eine nicht näher gezeigte Ausfördereinrichtung z.B. durch Querschleppen
des geschnittenen Giessstrangabschnittes nachgeordnet sein. Diese Schneideinrichtung
35 könnte auch so angeordnet sein, dass sie quasi anstelle der Einrichtungen 20, 21
einsatzbereit hingestellt werden könnte, wobei die Einrichtungen dann entlang des
Strangs versetzt würden, so dass kein zusätzlicher Platz zwischen der Einrichtung
21 und der Walzanlage 4 benötigt würde und damit die Anlage insgesamt noch mehr verkürzt
werden könnte.
[0022] Eine erste Schneideinrichtung 35 kann in Giessrichtung auch vor den Einrichtungen
20,21 angeordnet sein, so dass kein weiterer Platz zwischen der Einrichtung 21 und
der Walzanlage 4 benötigt würde. In diesem Fall müsste ein Schnitt des Stranges bei
einer reduzierten Giessgeschwindigkeit erfolgen. Im Prinzip könnten auch zwei Schneideinrichtungen
35, eine vor und eine nach den Einrichtungen 20, 21 vorgesehen werden.
[0023] Wie aus Fig. 4 ersichtlich ist, weist der aus der Kokille 13 austretende Giessstrang
9 in seinem Innern einen fortschreitend verkleinernden Flüssigkeits- und Mischbereich
mit einem Sumpfbereich 18 auf, der in einer Sumpfspitze 19 endet, dessen Restschmelzkern
in der Regel ca. 5 bis 0 Volumenprozente des entsprechenden Strangabschnitts betragen
kann.
[0024] Nach dem bogenförmigen Wegführen des Giessstrangs sind in diesem Bereich zwischen
der Stranggiessmaschine 1 und dem Walzwerk 4 zwei Einrichtungen 20, 21 zur Reduktion
des Strangquerschnitts dicht hintereinander in der horizontalen Richtung angeordnet.
[0025] Gemäss Fig. 2 und Fig. 3 sind die Einrichtungen 20, 21 jeweils als eine modulare
Baueinheit ausgebildet, die im Wesentlichen aus einer mehrteiligen Gehäusestruktur
22 und je zwei darin drehbar gelagerten Walzrollen 23, 24 bestehen, von denen zumindest
die eine durch einen neben der Gehäusestruktur 22 angebrachten Getriebemotor 25 antreibbar
und dabei durch ein in der Gehäusestruktur 22 senkrecht angeordnetes Verstellorgan
26 gegeneinander mit einer senkrecht zur Längserstreckung des Strangs 9 verlaufenden
Druckkraft andrückbar sind. Auf diese Weise können sie beim Giessen den Strangquerschnitt
des von ihnen umgebenen Strangs 9 schrittweise reduzieren.
[0026] Selbstverständlich können auch beide Walzrollen einer Einrichtung von jeweils einem
Motor angetrieben sein und es können zudem auch mehr als ein Rollenpaar in einer Einrichtung
angeordnet sein. Die Rollen können via Verbindungen, wie zum Beispiel via Kardanwellen
von externen Motoren angetrieben werden. Die Anzahl der Einrichtungen pro Strang kann
von Knüppel- und Vorblockanlagen auf die metallurgisch notwendige Zahl erhöht werden,
um rissfrei eine Reduzierung des Giessstrangquerschnittes zu gewährleisten.
[0027] Der Getriebemotor 25 ist von einem Drehantrieb 32 angetrieben und mit der oberen
Rolle 23 drehverbunden, was nicht näher gezeigt ist. Die Rolle 23 wird dabei mit einer
der Giessgeschwindigkeit angepassten Drehzahl rotiert. Bei dem Verstellorgan 26 seinerseits
kann es sich um eine Kolben-/Zylindereinheit handeln, die pneumatisch, hydraulisch
oder elektromechanisch höhenverstellbar ist und zum Beispiel mit seiner Kolbenstange
mit der oberen Rolle 23 gekoppelt ist und den Anpressdruck auf den Strang 9 bewirken
kann. Ferner ist bei diesen Einrichtungen 20, 21 jeweils ein Sockel 33 zugeordnet,
auf dem sie ausrichtbar aufgestellt sind.
[0028] Der Abstand zwischen den Rollenpaaren 23, 24 ist vorzugsweise so gewählt, dass das
hintere Rollenpaar der Einrichtung 21 auf der Höhe bei der ermittelten Sumpfspitze
19 vor der Durcherstarrung 9' des Strangs 9 und das andere Rollenpaar der Einrichtung
20 auf der Höhe des Sumpfbereichs 18 angreift, wobei die Einrichtungen 20,21 mit Vorteil
direkt aneinander platziert sind. Aufgrund ihrer modularen Bauweise können ihre Positionen
je nach Bedarf selbstverständlich entlang des Giessstrangs verändert werden, um eine
optimale Reduktion des Giessstrangs zu erzielen, ohne dass bei seiner inneren Gefügestruktur
irgendwelche Risse oder andere schwächende Veränderungen entstehen würden.
[0029] Es ist denkbar, dass durch die gleiche oder eine separate Einrichtung Rollenpaare
seitlich beim Giessstrang in Rollkontakt stehen und eine Druckkraft quer auf den Strang
in horizontaler Richtung erzeugen würden, um diese erfindungsgemässe Reduktion des
Strangquerschnittes zu bewirken. Dabei kann die Einrichtung anstelle oder zusätzlich
zu den um eine horizontale Achse drehbaren Rollen solche seitlich mit vertikalen Drehachsen
mit dem Giessstrang in Rollkontakt stehen und eine Drucckraft quer auf den Strang
erzeugen.
[0030] Die Walzrollen 23, 24 sind derart ausgestaltet, dass der zwischen ihnen gebildete
Zwischenraum 27 je nach Format des Giessstrangs 9 entweder einen quadratischen, rechteckigen,
polygonalen oder runden bzw. ovalen Querschnitt aufweisen kann. Letzteres ist besonders
vorteilhaft, wenn der aus der Stranggiessmaschine kommende Giessstrang seinerseits
auch mit einem runden oder polygonalen Querschnitt hergestellt wird. An ihrem Aussenumfang
23', 24' sind diese Walzrollen 23, 24 so geformt, dass sie aufgrund der Andrückkraft
flächenförmig auf der Aussenfläche des Strangs 9 aufliegen und somit zumindest teilweise
eine über die Breite des Strangs gleichmässige Verformung bewirken.
[0031] Grundsätzlich könnte ein sogenanntes aufrechtes Format des Strangquerschnitts von
den Einrichtungen zu einem Quadrat oder ein polygenes oder elliptisches Format des
Strangquerschnitts zu einem annähernd kreisförmigen Format reduziert werden.
[0032] Beim beschriebenen Ausführungsbeispiel ist die Anlage 1 mit zwei solcher Einrichtungen
20, 21 ausgerüstet. Sie kann aber auch je nach Bedarf mit nur einer oder mit mehr
als zwei solcher Einrichtungen arbeiten. Sie bewirken eine erhebliche Verkürzung der
metallurgischen Länge des Giessstrangs vom Meniskus in der Kokille 13 bis zur Sumpfspitze
19, die ihrerseits eine erhebliche Einsparung an Bau- und Ausrüstungskosten mit sich
bringt. Um diesen Effekt zu maximieren, ist es wichtig, dass die Walzanlage 4 möglichst
nah hinter den vor der Durcherstarrung 9' des Giessstrangs befindlichen Einrichtungen
20, 21 platziert wird. Es ist dabei zwischen der hinteren Seite 21' der zweiten Einrichtung
21 und der Walzanlage 4 bei ihrer Eingangsseite 4' ein Abstand L vorzugsweise von
1 bis 25 Metern vorgesehen.
[0033] Die metallurgische Länge des Giessstrangs 9 vom Meniskus des flüssigen Stahls in
der Kokille 13 bis zur Sumpfspitze 19 lässt sich grundsätzlich durch die nachfolgenden
Formeln approximativ wie folgt berechnen:
| Abk. |
Begriffsdefinition |
Masseinh. |
| Met.L. |
Metallurgische Länge |
[m] |
| D |
Hälfte der kleinsten Format-/Querschnittsabmessung des Strangs, |
[mm] |
| k |
Material-, prozess- und formatabhängige Erstarrungskonstante |

|
| t |
Erstarrungszeit bis zur vollständigen Durcherstarrung des Stranges |
[min] |
| vc |
Giessgeschwindigkeit |
[m/min] |
[0034] Bei dem Querschnittsformat 165x165 [mm
2] mit D = 82.50 [mm], einer angenommenen Giessgeschwindigkeit von v
c = 6.5 [m/min] und einer Konstante

ergibt sich gemäss der obigen Formel eine Metallurgische Länge von Met.L. 52.60 [m].
[0035] Bei der Berechnung der Metallurgischen Länge bei diesem gleichen Querschnittsformat
hergestellt nach dem erfindungsgemässen Verfahren bei einer Annahme von 2% Sumpf ergibt
sich eine Querschnittsfläche des Sumpfes von 544.5 [mm
2]. Da sich der Querschnitt des Sumpfes gegen das Ende der Erstarrung sowohl bei einem
runden als auch bei einem eckigen Format annähernd zu einem Kreis verändert, ergibt
sich ein Durchmesser des Sumpfes gemäss der Formel r
2 * π von d = 26.33 [mm].
[0036] Wenn nun dieser Durchmesser des Sumpfes von der kleinsten Strangdicke des Strangs
von 165 [mm] abgezogen wird, beträgt D = 82.5 - 13.16 [mm], daraus sich bei der Giessgeschwindigkeit
v
c = 6.5 [m/min] und der Konstante

gemäss der obigen Formel eine Metallurgische Länge von Met.L. 37.20 [m] ergibt.
[0037] Damit ist diese in absolut überraschender Weise erzielte signifikante Verkürzung
der Metallurgischen Länge bestätigt, bei der eine Verkleinerung der Querschnittsfläche
des Strangs zwischen 1 und 5% im Bereich der Enderstarrung erfolgt. Je nach den gewählten
obigen Parametern resultiert dies in einer Verkürzung der metallurgischen Länge annähernd
zwischen 20 und 45%.
[0038] Anstelle dieser Berechnungen der Metallurgischen Längen können auch Simulationen
zum Erstarrungsverhalten der Stränge herangezogen werden, mittels denen die Sumpfstrecken
bzw. Sumpfspitzen und Durcherstarrungen 9' und damit die Bestimmung der Positionen
der Einrichtungen 20, 21 ermittelt werden können. Mit diesen Computer gestützten Simulationsprogrammen
kann on- oder offline mittels einem Regelkreis bzw. entsprechenden Steuerungen eine
präzise Vorgabe der Rollenanstellungen der Einrichtungen 20, 21 erfolgen bzw. berechnet
werden. Die Anstellung der Rollen 23, 24 der wenigstens einen Einrichtung 20, 21 und
die Querschnittsreduktion durch die wenigstens eine Einrichtung 20, 21 wird dabei
in Abhängigkeit der Prozessparameter dynamisch, oder in Abhängigkeit der Prozessparameter
dynamisch und basierend auf einer numerischen Erstarrungssimulation und in Abhängigkeit
der Walzparameter geregelt.
[0039] Im Rahmen der Erfindung richtet sich die Anzahl der notwendigen Walzgerüste nach
dem zu erzeugenden Produkt und dem reduzierten Strangquerschnitt vor der Eingangsseite
4' der Walzanlage 4, der also mitunter von dieser Reduktion durch die wenigstens eine
Einrichtung 20 abhängig ist.
[0040] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren ist beispielsweise bei einem Strangprodukt mit
einem Querschnittsformat 165x165 mm
2 durch Verkleinerung des Strangquerschnitts bei 2% der noch flüssigen, teilflüssigen
und/oder breiartigen Querschnittsfläche eine Verkürzung der metallurgischen Länge
von 52 m auf 37 m erzielt worden. Die Gesamtverkürzung der Giesswalzanlage 1 hängt
stark von der Giessgeschwindigkeit und der Querschnittsgrösse des herzustellenden
Formats ab. Das erfindungsgemässe Verfahren ist somit besonders bei der Herstellung
von kleineren, aber auch bei grösseren Formaten und insbesondere bei höheren Giessgeschwindigkeiten
vorteilhaft.
[0041] Gemäss Fig. 1 ist üblicherweise bei den Stranggiessmaschinen 3 jeweils ein starrer
Kaltstrang 28 von einer schwenkbaren Einrichtung 29 mit einer Halterung 31 auf einem
Gerüst 30 angeordnet. Das Gerüst 30 ist dabei hinter der bogenförmigen Führung des
Strangs oberhalb der Einrichtungen 20, 21 platziert. Der Kaltstrang 28 kann dabei
mit dieser schwenkbaren Einrichtung 29 betätigt werden, die auf dem Gerüst 30 direkt
oberhalb der Einrichtungen 20, 21 gehalten ist. In Fig. 1 ist die Halterung 31 des
Kaltstrangs in der nach hinten zurückgezogenen und nach oben geschwenkten Standby-Position
dargestellt. Durch vorderseitiges Herunterklappen dieser Halterung 31 kann der Kaltstrang
28 vor dem Angiessen vorderseitig durch die schwenkbare Einrichtung 29 in Betriebsposition
gebracht und durch die bogenförmige Strangführung hochgeschoben und in die Kokille
13 eingeführt werden.
[0042] Nach dem Angiessen wird dieser Kaltstrang 28 mit der anfänglichen Giessgeschwindigkeit
aus der Kokille und der bogenförmigen Führung ausgezogen und nach dem Abtrennen vom
Strang wieder in die in Fig. 1 gezeigte Standby-Position gebracht. Mit dieser Platzierung
des Gerüsts 30 und des Kaltstrangs 28 oberhalb der Einrichtungen 20, 21 muss auch
diesbezüglich keine Erhöhung der Länge des Giessstrangs 9 bis zur Eingangsseite 4'
der Walzanlage in Kauf genommen werden.
[0043] Selbstverständlich können auch andere bekannte Konstruktionen von Kaltsträngen verwendet
werden, wie zum Beispiel Kettenkaltstränge, die vor dem Angiessen von oben in die
Kokille eingeführt werden. Anstatt der schwenkbaren Einrichtung 29 wird der Kaltstrang
dann ebenfalls beim Angiessen nach unten ausgefördert und durch einen Aufnehmer ähnlich
wie bei dieser Einrichtung 29 entnommen.
[0044] Die Walzrollen der Walzanlage sind vorteilhafterweise so ausgebildet, dass sie entweder
eine rechteckige oder eine runde oder ovale Verformung des Giessstrangquerschnitts
bewirken können.
[0045] Die Erfindung ist mit dem obigen Ausführungsbeispiel ausreichend dargetan. Sie könnte
aber noch durch andere Varianten veranschaulicht sein. Diese Einrichtungen könnten
auch anders als mit Getriebemotoren und mit einem andern Verstellorgan konstruiert
sein.
[0046] Die Einrichtungen können im Prinzip zur Vereinheitlichung der Anlage auch als Walzenständer
bzw. Walzgerüste mit Walzenpaaren wie in der Walzanlage ausgeführt werden.
[0047] In einem weiteren Schritt könnten die hintereinander angeordneten Walzgerüste mit
den jeweiligen Walzenpaaren unmittelbar hinter dieser wenigstens einen Einrichtung
20 angeordnet sein. Es wäre dann keine Schneideinrichtung, Ausfördereinrichtung oder
dergleichen zwischen dieser Einrichtung und des ersten Walzgerüstes angeordnet. Damit
könnte eine weitere Reduktion der Länge der gesamten Anlage und damit der Investitionskosten
derselben erzielt werden.
1. Verfahren zum Herstellen von metallischen Langprodukten in einer mindestens einsträngigen
Giesswalzanlage (1) mit jeweils einer Stranggiessmaschine (3) zum kontinuierlichen
Giessen von Metallschmelze zu zumindest einem Giessstrang (9), wie einem Knüppel oder
Vorblock, und einer dem jeweiligen Strang nachfolgenden Walzanlage (4) mit einer Anzahl
von hintereinander angeordneten Walzgerüsten mit Walzenpaaren für die Erzeugung von
Walzprodukten, wie Stäbe, Bleche und/oder Drähte, wobei der jeweils von einer Kokille
(13) der Stranggiessmaschine bogenförmig wegführende Giessstrang (9) einen sich im
Querschnitt fortschreitend verkleinernden Sumpfbereich (18) mit einer Sumpfspitze
(19) im Inneren aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass
der Giessstrang (9) vorzugsweise nach dem bogenförmigen Wegführen und vor der Walzanlage
(4) im Sumpfbereich (18) nahe der Sumpfspitze (19) im Querschnitt reduziert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Einrichtung (20, 21) mit mindestens zwei mit dem Giessstrang (9)
in Kontakt befindlichen Rollen (23, 24), die jeweils paarweise gegenüberliegen, zur
Reduktion des Querschnitts des Giessstrangs im Bereich seiner Enderstarrung mit einem
Restschmelzkern von ca. 5 bis 0 Flächenprozente des Gesamtquerschnitts platziert ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen der hinteren Seite (21') der mindestens einen Einrichtung (20, 21) und der
Walzanlage (4) eingangsseitig ein geringer Abstand (L) vorgesehen ist.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass
der Giessstrang (9) durch zwei oder einer Vielzahl zum Beispiel bis zu 12 hintereinander
angeordnete Einrichtungen (20, 21) zur Reduktion des Strangquerschnitts geführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass
die Anstellung der Rollen (23, 24) der wenigstens einen Einrichtung (20, 21) und die
Querschnittsreduktion durch die wenigstens eine Einrichtung (20, 21) in Abhängigkeit
der Prozessparameter dynamisch geregelt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass
die Anstellung der Rollen (23, 24) der wenigstens einen Einrichtung (20, 21) und die
Querschnittsreduktion durch die wenigstens eine Einrichtung (20, 21) in Abhängigkeit
der Prozessparameter dynamisch und basierend auf einer numerischen Erstarrungssimulation
und in Abhängigkeit der Walzparameter geregelt wird.
7. Giesswalzanlage zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
wenigstens eine Einrichtung (20, 21) mit jeweils einem mit dem Giessstrang (9) in
Kontakt befindlichen Rollenpaar (23, 24) für eine Reduktion des Strangquerschnittes
vorgesehen ist, welche den Giessstrang (9) umgebend vorzugsweise nach dem bogenförmigen
Wegführen des Giessstrangs (9) in der horizontalen Laufrichtung vor der Walzanlage
(4) derart platziert ist, dass sich diese Einrichtung (20, 21) im Bereich vor dieser
Sumpfspitze im Sumpfbereich befindet.
8. Giesswalzanlage nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Einrichtung (20, 21) zur Reduktion des Strangquerschnitts als
eine modulare Baueinheit mit einer Gehäusestruktur (22) und einem darin gelagerten
Rollenpaar (23, 24) ausgebildet ist, wobei zumindest die eine Rolle (23) durch einen
neben der Gehäusestruktur (22) angebrachten Getriebemotor (25) oder über einen via
eine Kardanwelle verbundenen Getriebemotor antreibbar und durch ein in der Gehäusestruktur
(22) angeordnetes Verstellorgan (26) in Richtung gegen die andere Rolle (24) andrückbar
ist.
9. Giesswalzanlage nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass
die Rollen (23, 24) die jeweils paarweise gegenüberliegen, an ihrem Aussenumfang jeweils
derart ausgebildet sind, dass sie dem jeweiligen Giessstrangquerschnitt angepasst
sind, wobei sie entweder eine rechteckige, runde, ovale oder ähnliche Verformung bewirken.
10. Giesswalzanlage nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass
eine Schwenkvorrichtung (29) mit einem separaten Kaltstrang (28) auf einem Gerüst
(30) angeordnet ist, wobei der Kaltstrang (28) vor dem Angiessen durch die bogenförmige
Strangführung in die Kokille (13) eingeführt und nach dem Angiessen wieder aus ihr
ausziehbar ist, wobei das Gerüst (30) teils direkt oberhalb der mindestens einen Einrichtung
(20, 21) platziert ist.
11. Giesswalzanlage nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass
zwischen der hinteren Seite (21') der mindestens einen Einrichtung (20, 21) und der
Walzanlage (4) eingangsseitig ein Abstand (L) vorzugsweise von 1 bis 25 Metern vorgesehen
ist.
12. Giesswalzanlage nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass
dieser Abstand (L) zwischen der mindestens einen Einrichtung (20, 21) und der Walzanlage(4)
so gewählt ist, dass jeweils eine Schneideinrichtung, eine Ausförderanlage und/oder
eine Nachheizeinrichtung dazwischen platzierbar ist.
13. Giesswalzanlage nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass
die Anzahl der Walzgerüste (6) der Walzanlage (4) nach dem zu erzeugenden Produkt
und dem durch die wenigstens eine Einrichtung (20) reduzierten Querschnitt des Giessstrangs
(9) vor der Walzanlage (4) bestimmbar ist.
14. Giesswalzanlage nach einem der Ansprüche 7 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass
die Walzanlage (4) mit den hintereinander angeordneten Walzgerüsten (6) mit den jeweiligen
Walzenpaaren unmittelbar hinter der wenigstens einen Einrichtung (20, 21) angeordnet
ist, ohne dass eine Schneideinrichtung, Ausfördereinrichtung oder dergleichen zwischen
dieser Einrichtung und der Walzanlage platziert ist.