[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anlage zur Verflüssigung eines kohlenwasserstoffhaltigen
Einsatzgases.
Hintergrund
[0002] Verfahren und Anlagen zur Verflüssigung von kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgasen
wie Erdgas sind bekannt und beispielsweise im Artikel "
Natural Gas" in Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, Onlinepublikation
15. Juli 2006, DOI: 10.1002/14356007. a17_073.pub2, Abschnitt 3, "Liquefaction", oder bei
Wang und Economides, "Advanced Natural Gas Engineering", Gulf Publishing 2010, DOI:
10.1016/C2013-0-15532-8, Kapitel 6, "Liquefied Natural Gas (LNG)", beschrieben.
[0003] Insbesondere bei der Erdgasverflüssigung können Gemischkältemittel aus unterschiedlichen
Kohlenwasserstoffbestandteilen und Stickstoff zum Einsatz kommen. Diese können in
solchen Verfahren in einem, zwei oder drei Gemischkältemittelkreisläufen geführt werden
(engl. Single Mixed Refrigerant, SMR; Dual Mixed Refrigerant, DMR; Mixed Fluid Cascade,
MFC). Auch Gemischkältemittelkreisläufe mit Propanvorkühlung (C3MR) sind bekannt.
Nachfolgend wird für Ausgestaltungen mit einem einzigen Gemischkältemittelkreislauf
auch der Begriff "Einfach-Gemischkältemittelkreislauf' verwendet.
[0004] Aspekte der vorliegenden Offenbarung betreffen insbesondere kleine Anlagen zur Verflüssigung
von kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgasen wie Biogas, die zwar grundsätzlich nach
denselben Prinzipien wie große Erdgasverflüssigungsanlagen arbeiten können, aber insbesondere
vereinfacht aufgebaut sind und gegebenenfalls andere Anforderungen, wie beispielsweise
eine unproblematische Unterbrechbarkeit des Betriebs bzw. dynamischere Betriebsweise,
erfüllen sollten.
[0005] Es besteht der Bedarf nach Verbesserungen im Betrieb insbesondere entsprechender
kleiner Anlagen zur Verflüssigung von kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgasen.
Offenbarung der Erfindung
[0006] Vor diesem Hintergrund werden ein Verfahren und eine Anlage zur Verflüssigung eines
kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases mit den Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche
vorgeschlagen. Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Patentansprüche und
der nachfolgenden Beschreibung.
[0007] Abkühlprozesse für kleine Gasverflüssigungssysteme, z.B. in Biogasanlagen, sind derzeit
vergleichsweise ineffizient und unzuverlässig. Herkömmliche Verfahren umfassen z.B.
die Verflüssigung mit kaltem Flüssigstickstoff, offene und geschlossene Methankreisläufe,
Joule-Thompson-Zyklen oder Sterling-Prozesse auf Heliumbasis.
[0008] Verdichter, insbesondere Zentrifugalverdichter, wie sie in Gasverflüssigungsanlagen
zur Verdichtung von Kältemitteln zum Einsatz kommen können, sind typischerweise mit
Gasdichtungen ausgestattet. Diese haben insbesondere die Funktion, einen Austritt
des verdichteten Gases zu verhindern und die typischerweise unter erheblichen Drücken
und Temperaturen betriebenen Verdichter vor Druckabfall zu schützen. Das in den Gasdichtungen
verwendete Dichtgas sowie die mechanische Ausgestaltung der Gasdichtungen müssen ausgesprochen
hohen Anforderungen wie Partikelfreiheit einerseits bzw. Maßtoleranzen und Oberflächenglätte
andererseits entsprechen.
[0009] Moderne, hocheffiziente Zyklen mit Einfach-Gemischkältemittelkreislauf, wie sie oben
erwähnt wurden, die in größeren Verflüssigungsanlagen eingesetzt werden, haben den
Nachteil, dass Verluste des Gemischkältemittels über das Dichtgassystem der üblicherweise
verwendeten Zentrifugalkompressionsanordnungen unvermeidlich sind. Außerdem ist während
längerer Stillstandszeiten eine teilweise Druckentlastung mit Freisetzung von Gemischkältemittel
aus dem Gemischkältemittelkreislauf erforderlich. Diese Bestandsverluste müssen durch
ein Nachspeisesystem ausgeglichen werden, das die Komponenten des Gemischkältemittels
bereitstellt. Folglich müssen ein kostspieliges Dichtgassystem und ein Nachspeisesystem
installiert werden, was die Wirtschaftlichkeit für kleine Anwendungen und einen autarken
Betrieb in Frage stellt.
[0010] Die Erfindung beruht nun auf der Erkenntnis, dass durch den Einsatz hocheffizienter
gekapselter (hermetischer) Verdichter in Einfach-Gemischkältemittelkreisläufen für
die Niedertemperaturgasverflüssigung insbesondere im kleinen Maßstab besonders energie-
und kosteneffiziente, zuverlässige und autarke Betriebsmöglichkeiten geschaffen werden,
weil hierdurch die genannten Anforderungen an ein Dichtgassystem und ein Nachspeisesystem
wegfallen.
[0011] Vor diesem Hintergrund schlägt die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Verflüssigung
eines kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases vor, wobei das Einsatzgas in druckbeaufschlagtem
Zustand in einem Wärmetauscher abgekühlt und zumindest teilweise verflüssigt wird,
wobei in dem Wärmetauscher ein, insbesondere genau ein, Gemischkältemittel erwärmt
und zumindest teilweise verdampft wird, wobei das Gemischkältemittel in einem, insbesondere
genau einem, Gemischkältemittelkreislauf geführt wird, und wobei das Gemischkältemittel
in dem Gemischkältemittelkreislauf unter Verwendung eines Verdichters verdichtet wird.
Wie im Rahmen der vorliegenden Erfindung vorgeschlagen, ist der Verdichter als hermetischer
und/oder über eine Magnetkupplung angetriebener Verdichter ausgebildet.
[0012] Aspekte der vorliegenden Erfindung können, mit anderen Worten, umfassen, dass ein
spezifisch ausgestaltetes Verdichtersystem in einem besonders energieeffizienten Einfach-Gemischkältemittelkreislauf
eingesetzt wird. Der Verdichter kann über eine Magnetkupplung z.B. durch einen Elektromotor,
angetrieben werden, oder es kann ein vollständig hermetischer Verdichter-Maschinenstrang
mit einem gekapselten Verdichter und Antrieb eingesetzt werden.
[0013] Im Rahmen der vorliegenden Offenbarung wird der Begriff "hermetischer Verdichter"
in fachüblicher Weise verwendet. Anstelle des Begriffs "hermetischer Verdichter" kann
grundsätzlich auch der Begriff "vollhermetischer Verdichter" verwendet werden. Bei
einem hermetischen Verdichter sind der Antriebsmotor und die verdichtenden Elemente
typischerweise in einer druckfesten Kapsel angeordnet. Beide Komponenten können im
Kältemittelstrom angeordnet und dadurch gekühlt werden. In bestimmten Ausgestaltung
kann die Kapselung derart vorgesehen sein, dass ein Öffnen des Verdichters zu Reparaturzwecken
nicht möglich ist. Herkömmlicherweise kommen hermetische Verdichter für Anwendungen
wie Klimakammern, Kühl- und Gefrierschränke, kleinere Kühlräume und Haushaltswärmepumpen
zum Einsatz. Ein hermetischer Verdichter kann also vollständig von der Umwelt abgeschottet
sein. Hermetische Verdichter können "verkettet" werden, so dass sie auch dann effektiv
arbeiten, wenn ein Verdichter nicht die erforderliche Leistung erbringt oder ausfällt.
Ist daher hier von "einem" entsprechenden Verdichter im Singular die Rede, soll hierdurch
nicht ausgeschlossen sein, dass weiterer Verdichter, beispielsweise in serieller und/oder
paralleler Anordnung oder in Redundanz verwendet werden.
[0014] Probleme im Zusammenhang mit der Verdampfung des Kältemittels und dem Druckanstieg
während eines Anlagenstillstands lassen sich in Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung
unterschiedlich lösen. So kann einerseits das Kältemittelsystem bzw. der Einfach-Kältemittelkreislauf
für den zu erwartenden hohen Stillstandsdruck ausgelegt werden, wobei allerdings sichergestellt
werden muss, dass die Anlage unter entsprechenden Bedingungen anlaufen kann. Es kann
ein Ablaufbehälter verwendet werden, der für einen entsprechend hohen Druck ausgelegt
ist, um das flüssige Inventar der Anlage aus kalten Anlagenteilen nach einem Stillstand
vorübergehend zu speichern. Auf diese Weise wird der Stillstandsdruck in dem Kältemittelsystem
bzw. dem Einfach-Kältemittelkreislauf erheblich reduziert. Die abgelassenen und (teilweise
verdampften) Kältemittelkomponenten können dann nach dem Start des Verdichters wieder
in den Kältemittelkreislauf eingespeist werden.
[0015] Das hier vorgeschlagene Verfahren kann also in entsprechenden Ausgestaltungen einen
Verflüssigungsbetrieb, in dem die Verflüssigung des kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases
vorgenommen wird, und einen Standbybetrieb, in dem die Verflüssigung des kohlenwasserstoffhaltigen
Einsatzgases nicht vorgenommen wird, umfassen, wobei der Verdichter in dem Standbybetrieb
nicht oder mit geringerer Leistung als in dem Verflüssigungsbetrieb betrieben wird.
Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung ermöglichen eine derartige intermittierende
Betriebsweise und erlauben daher einen Einsatz auch zur Verflüssigung von nur periodisch
zur Verfügung stehenden Einsatzgasen, so dass die Anforderungen insbesondere beim
Betrieb kleiner Anlagen in besonderer Weise erfüllt werden können.
[0016] Bei einem Übergang zwischen dem Verflüssigungsbetrieb und dem Standbybetrieb kann
in entsprechenden Ausgestaltungen der Erfindung zumindest ein Teil des Gemischkältemittels
aus dem Gemischkältemittelkreislauf in ein Ablaufgefäß überführt werden, und bei einem
Übergang zwischen dem Standbybetrieb und dem Verflüssigungsbetrieb kann zumindest
ein Teil des Gemischkältemittels aus dem Ablaufgefäß wieder in den Gemischkältemittelkreislauf
überführt werden. Wie erläutert, lassen sich hierdurch Verluste verringern und ein
Druckanstieg kann hinsichtlich seiner Höhe in dem Gemischkältemittelkreislauf insgesamt
oder hinsichtlich des Orts des Druckanstiegs (nämlich z.B. nur auf den Ablaufbehälter)
begrenzt werden.
[0017] Der Übergang zwischen dem Standbybetrieb und dem Verflüssigungsbetrieb kann in Ausgestaltungen
der vorliegenden Erfindung insbesondere eine Anlaufphase umfassen, in der zunächst
der Verdichter in Betrieb gesetzt oder mit (wieder) erhöhter Leistung betrieben wird,
und bei dem hieran anschließend sukzessive zumindest ein Teil des Gemischkältemittels
aus dem Ablaufgefäß wieder in den Gemischkältemittelkreislauf überführt wird. Auf
diese Weise lassen sich die Anforderungen an den Verdichterantrieb hinsichtlich der
notwendigen Anlaufleistung in entsprechenden Ausgestaltungen reduzieren, so dass sich
insbesondere ein geringeres Anlaufdrehmoment und geringere Erstellungskosten ergeben.
[0018] In allen Fällen kann vorgesehen sein, dass in dem Standbybetrieb eine Verdampfung
zumindest eines Teils des Gemischkältemittels und ein hierdurch bedingter Druckaufbau
in dem Gemischkältemittelkreislauf oder einem Teil hiervon zugelassen wird, wobei
zumindest ein Teil von Komponenten in dem Gemischkältemittelkreislauf derart ausgebildet
sind, dass sie dem Druckaufbau standhalten. Auf diese Weise können Verluste an Kältemittelinventar
eliminiert werden.
[0019] In Ausgestaltungen der Erfindung kann zumindest ein Teil des Gemischkältemittelkreislauf
abschottbar ausgebildet werden, wobei insbesondere nur entsprechend abgeschottete
Teile einem Druckaufbau standhalten müssen. In solchen Fällen braucht nicht die gesamte
Anlage mit entsprechenden Kosten entsprechend druckfest ausgestaltet werden.
[0020] In Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung kann das kohlenwasserstoffhaltige Einsatzgas
Biogas oder durch Vergasung eines anderen kohlenstoffhaltigen Ausgangsstoffs wie Abfällen
erzeugtes Vergasungsgas, Shalegas und/oder Erdgas umfassen. Die vorliegende Erfindung
eignet sich aus den mehrfach erläuterten Gründen insbesondere zum Einsatz in Verfahren,
in denen entsprechende Einsatzgase nur periodisch produziert werden und daher ein
intermittierender Verflüssigungsbetrieb besonders vorteilhaft ist.
[0021] Wie erwähnt eignet sich die vorliegende Erfindung insbesondere für vergleichsweise
kleine Anlagen. Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung umfassen daher, dass Verflüssigungskapazitäten
von nicht mehr als 10 Tonnen pro Tag in einer Anlage bereitgestellt werden bzw. das
kohlenwasserstoffhaltige Einsatzgas dem Verfahren in einer Menge von nicht mehr als
450 Kilogramm pro Stunde zugeführt wird. Ein Verbund mehrerer Anlagen, um höhere Verflüssigungskapazitäten
zu erreichen, ist jedoch denkbar und kann bereitgestellt werden.
[0022] Wie erwähnt, wird die vorliegende Erfindung insbesondere in Ausgestaltungen mit Einfach-Gemischkältemittelkreislauf
eingesetzt, so dass Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung also umfassen können,
dass genau ein Gemischkältemittelkreislauf verwendet wird.
[0023] In Ausgestaltungen der Erfindung können grundsätzlich beliebige Gemischkältemittel
verwendet werden, d.h. als das Gemischkältemittel kann ein Gemisch mit zumindest zwei
der Komponenten Stickstoff, Methan, Ethan, Propan, Ethylen, Butan oder Pentan in beliebigen
relativen Mengen verwendet werden, soweit technisch machbar.
[0024] Eine Anlage zur Verflüssigung eines kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases ist ebenfalls
Gegenstand der vorliegenden Erfindung, wobei die Anlage dafür eingerichtet ist, das
Einsatzgas in druckbeaufschlagtem Zustand in einem Wärmetauscher abzukühlen und zumindest
teilweise zu verflüssigen, wobei die Anlage dafür eingerichtet ist, in dem Wärmetauscher
ein Gemischkältemittel zu erwärmen und zumindest teilweise zu verdampfen, und wobei
die Anlage dafür eingerichtet das Gemischkältemittel in einem Gemischkältemittelkreislauf
zu führen und das Gemischkältemittel in dem Gemischkältemittelkreislauf unter Verwendung
eines Verdichters zu verdichten.
[0025] Die vorgeschlagene Anlage zeichnet sich dadurch aus, dass der Verdichter als hermetischer
Verdichter ausgebildet ist und/oder dass der Verdichter unter Verwendung einer Magnetkupplung
angetrieben wird.
[0026] Zu weiteren Merkmalen und Vorteilen einer entsprechenden Anlage und Ausgestaltungen
hiervon sei auf die obigen Erläuterungen betreffend das erfindungsgemäß vorgeschlagene
Verfahren und seine Ausgestaltungen ausdrücklich verwiesen, da diese hierfür in gleicher
Weise gelten.
[0027] Nochmals zusammengefasst umfasst die vorliegende Erfindung bzw. umfassen entsprechende
Ausgestaltungen der Erfindung die Kombination eines effizienten gemischten Kältemittelkreislaufs
umfassend Stickstoff, Methan, Ethan, Propan, Ethylen, Butan oder Pentan mit einem
hermetischen Kompressionssystem ohne Kältemittelverluste und, falls erforderlich,
einem hermetisch integrierten Schmiersystem. Darüber hinaus ist kein externes Dichtgas
erforderlich, und das System hat keine Sperrgasverluste von der Prozessseite (gemischter
Kältemittelkreislauf) an die Atmosphäre oder andere Systeme.
[0028] Das System kann unter anderem zur Verflüssigung kleinerer Methanmengen aus Erdgas
oder anderen Methanquellen wie Biogas verwendet werden. Das Kältesystem benötigt kein
Nachfüllsystem für gemischte Kältemittel oder ein Dichtgassystem und kann autark arbeiten.
Ein Neustart des Systems gegen den Stillstandsdruck ist möglich, ohne dass das System
in drucklosen Zustand versetzt werden muss.
[0029] Durch die Anpassung der Zusammensetzung des Gemischkältemittels bietet der Einfach-Gemischkältemittelkreislauf
eine energieeffiziente Möglichkeit zur Reduzierung von Flashgas, das bei der Drosselung
von Flüssiggas in einen Speicherbehälter entsteht. Um die Energieeffizienz des Prozesses
zu erhöhen, kann das Flashgas optional (z.B. bei Biogasanlagen mit Niederdruck-Speisegasquellen)
nach der Kälterückgewinnung zurück zum Speisegas geleitet oder z.B. in einem Niederdruck-Brenngassystem
verwendet werden.
[0030] Entsprechendes gilt auch für eine Anlage, die gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung
dazu eingerichtet ist, ein Verfahren gemäß einer beliebigen Ausgestaltung der vorliegenden
Erfindung durchzuführen.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
[0031] Ausführungsformen der Erfindung werden nachfolgend rein beispielhaft unter Bezugnahme
auf die beigefügte Zeichnung beschrieben.
Figur 1 veranschaulicht eine Anlage gemäß einer Ausführungsform der Erfindung.
Figur 2 veranschaulicht eine Anlage gemäß einer Ausführungsform der Erfindung.
Ausführungsformen der Erfindung
[0032] Die nachfolgend beschriebenen Ausführungsformen werden lediglich zu dem Zweck beschrieben,
den Leser beim Verständnis der beanspruchten und zuvor erläuterten Merkmale zu unterstützen.
Sie stellen lediglich repräsentative Beispiele dar und sollen hinsichtlich der Merkmale
der Erfindung nicht abschließend und/oder beschränkend betrachtet werden. Es versteht
sich, dass die zuvor und nachfolgend beschriebenen Vorteile, Ausführungsformen, Beispiele,
Funktionen, Merkmale, Strukturen und/oder anderen Aspekte nicht als Beschränkungen
des Umfangs der Erfindung, wie er in den Ansprüchen definiert ist, oder als Beschränkungen
von Äquivalenten zu den Ansprüchen zu betrachten sind, und dass andere Ausführungsformen
verwendet und Änderungen vorgenommen werden können, ohne vom Umfang der beanspruchten
Erfindung abzuweichen.
[0033] Unterschiedliche Ausführungsformen der Erfindung können weitere zweckmäßige Kombinationen
der beschriebenen Elemente, Komponenten, Merkmale, Teile, Schritte, Mittel usw. umfassen,
aufweisen, aus ihnen bestehen oder im Wesentlichen aus ihnen bestehen, auch wenn solche
Kombinationen hier nicht spezifisch beschrieben sind. Darüber hinaus kann die Offenbarung
andere Erfindungen umfassen, die gegenwärtig nicht beansprucht sind, die aber in Zukunft
beansprucht werden können, insbesondere wenn sie vom Umfang der unabhängigen Ansprüche
umfasst sind.
[0034] Erläuterungen, die sich auf Vorrichtungen, Apparate, Anordnungen, Systeme usw. gemäß
Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung beziehen, können auch für Verfahren,
Prozesse, Methoden usw. gemäß den Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung gelten
und umgekehrt. Gleiche, gleich wirkende, in ihrer Funktion einander entsprechende,
baulich identisch oder vergleichbar aufgebaute Elemente, Verfahrensschritte usw. können
mit identischen Bezugszeichen angegeben sein.
[0035] Figur 1 veranschaulicht eine Anlage 100 gemäß einer Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung.
[0036] Die Anlage 100 ist zur Verflüssigung eines kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases
101 eingerichtet, wobei das Einsatzgas 101 in druckbeaufschlagtem Zustand in einem
Wärmetauscher 10 abgekühlt und zumindest teilweise verflüssigt wird. Das verflüssigte
Einsatzgas wird über ein Ventil 11 in ein Tanksystem 50 eingespeist, wobei Flashgas
bzw. verdampfte Anteile über ein Ventil 12 durch den Wärmetauscher 10 zurückgeführt
werden können.
[0037] In dem Wärmetauscher 10 wird ein Gemischkältemittel 102 erwärmt und zumindest teilweise
verdampft, wobei das Gemischkältemittel 102 in einem hier insgesamt mit 20 bezeichneten
Gemischkältemittelkreislauf geführt wird. Das Gemischkältemittel 102 wird in dem Gemischkältemittelkreislauf
20 unter Verwendung eines Verdichters 21 verdichtet, der im veranschaulichten Beispiel
mit einem Elektromotor 22 angetrieben wird. Der Verdichter 21 ist als hermetischer
Verdichter 21 ausgebildet und/oder dass der Verdichter 21 wird unter Verwendung einer
Magnetkupplung angetrieben.
[0038] Der Verdichter 21 wird aus einem Vorlagebehälter 23 gespeist, der insbesondere dazu
bereitgestellt ist, um eine Flüssigkeitseinspeisung in den Verdichter 21 zu vermeiden.
Druckseitig des Verdichters 21 zweigt eine Kickbackleitung mit einem Ventil 28 ab.
Mittels eines Luftkühlers 24 wird das verdichtete Gemischkältemittel 102 abgekühlt
und dabei teilkondensiert. Ein gebildetes Zweiphasengemisch wird in einen Abscheidebehälter
25 eingespeist. Aus dem Abscheidebehälter 25 abgezogenes Gas wird dem Wärmetauscher
10 warmseitig zugeführt. Über eine Zwischeneinspeisung wird dem Wärmetauscher 10 ebenfalls
aus dem Abscheidebehälter 25 abgezogene Flüssigkeit zugeführt. Gas und Flüssigkeit
werden vereinigt und in dem Wärmetauscher 10 weiter abgekühlt und dabei insbesondere
vollverflüssigt.
[0039] Die gebildete Flüssigkeit wird über ein Ventil 26 in einen Flashbehälter 27 eingespeist,
aus dem wiederum Gas und Flüssigkeit entnommen, dem Wärmetauscher 10 zugespeist, und
innerhalb des Wärmetauschers 10 vereinigt. Nach Erwärmung und Verdampfung in dem Wärmetauscher
10 wird das Gemischkältemittel 102 wieder dem Vorlagebehälter 23 zugeführt und so
der Gemischkältemittelkreislauf 20 geschlossen.
[0040] Während längerer Stillstandszeiten erwärmt sich das System und der Flüssigkeitsvorrat
aus den kalten Abschnitten des Gemischkältemittelkreislaufs 20 verdampft und erhöht
den Stillstandsdruck. Dieser erhöhte Stillstandsdruck kann bei der Auslegung des Gemischkältemittelkreislaufs
20 und der zugehörigen Ausrüstung berücksichtigt werden. Darüber hinaus werden vorteilhafterweise
die erhöhten Anforderungen für den Neustart aufgrund dieses hohen Gemischkältemittelkreislaufs
20 bei der Auswahl des Maschinenstrangs (Verdichter 21 und Antrieb 22) berücksichtigt.
Alternativ oder zusätzlich kann eine Ausgestaltung vorgesehen sein, wie sie nun in
Bezug auf Figur 2 erläutert wird.
[0041] In Figur 2 ist ein Verfahren gemäß einer weiteren Ausgestaltung der vorliegenden
Erfindung veranschaulicht und insgesamt mit 200 bezeichnet. Dieses umfasst die bereits
zu Figur 1 erläuterten Merkmale und zusätzlich ein Standbysystem, das hier insgesamt
mit 30 bezeichnet ist.
[0042] Das Verfahren 200 kann einen Verflüssigungsbetrieb, in dem die Verflüssigung des
kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases 101 vorgenommen wird, und einen Standbybetrieb,
in dem die Verflüssigung des kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases 101 nicht vorgenommen
wird, umfassen.
[0043] Der Verdichter 21 wird in dem Standbybetrieb nicht oder mit geringerer Leistung als
in dem Verflüssigungsbetrieb betrieben. Wie bereits erläutert kann bei einem Übergang
zwischen dem Verflüssigungsbetrieb und dem Standbybetrieb zumindest ein Teil des Gemischkältemittels
102 aus dem Gemischkältemittelkreislauf 20 in ein Ablaufgefäß 31 in dem Standbysystem
30 überführt bzw. abgelassen werden.
[0044] Hierzu sind entsprechende Leitungen stromauf des Ventils 26 mit einem Ventil 32,
in der stromab des Flashbehälters 27 angeordneten Flüssigkeitsleitung mit einem Ventil
33, und stromauf des Ventils 28 in der Kickbackleitung mit einem Ventil 34 vorgesehen.
[0045] Bei einem Übergang zwischen dem Standbybetrieb und dem Verflüssigungsbetrieb kann
zumindest ein Teil des Gemischkältemittels 102 aus dem Ablaufgefäß 31 wieder in den
Gemischkältemittelkreislauf 20 überführt werden, und zwar in dem hier veranschaulichten
Beispiel über ein Ventil 35 in den Vorlagebehälter 23.
[0046] Das System ist hier also mit einem Hochdruckablassbehälter bzw. Ablaufbehälter 31
ausgestattet, der das kalte flüssige Gemischkältemittel 102 des Systems aufnehmen
kann. Durch das Ablassen der kalten Flüssigkeit aus dem System kann der Stillstandsdruck
während der Stillstandsphasen beim Aufwärmen des Systems reduziert werden. Der Ablaufbehälter
31 ist für hohen Druck ausgelegt und die Verdampfung der Flüssigkeit im Laufe der
Zeit wird akzeptiert.
[0047] Nach dem Neustart des Systems bei reduziertem Stillstandsdruck kann das abgelassene
Gemischkältemittel 102 zurück in den Prozess geleitet werden. Für die Verdampfung
der verbleibenden schweren Bestandteile des Gemischkältemittels 102 im Ablaufbehälter
31 kann ein der Kickbackstrom von der warmen Druckseite des Verdichters 21 verwendet
werden. Die Installation des zusätzlichen Ablaufbehälter 31 reduziert den Auslegungsdruck
des Systems und verringert den Aufwand für das Wiederanfahren des Verdichters 21 nach
längeren Stillstandszeiten. Auch nach langen Stillstandszeiten müssen in einer derartigen
Ausgestaltungen keine Bestandsverluste durch ein Nachspeisesystem ausgeglichen werden.
1. Verfahren (100, 200) zur Verflüssigung eines kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases
(101), wobei das Einsatzgas (101) in druckbeaufschlagtem Zustand in einem Wärmetauscher
(10) abgekühlt und zumindest teilweise verflüssigt wird, wobei in dem Wärmetauscher
(10) ein Gemischkältemittel (102) erwärmt und zumindest teilweise verdampft wird,
wobei das Gemischkältemittel (102) in einem Gemischkältemittelkreislauf (20) geführt
wird, wobei das Gemischkältemittel (102) in dem Gemischkältemittelkreislauf (20) unter
Verwendung eines Verdichters (21) verdichtet wird, dadurch gekennzeichnet, dass als der Verdichter (21) ein hermetischer Verdichter (21) verwendet wird und/oder
dass der Verdichter (21) unter Verwendung einer Magnetkupplung angetrieben wird.
2. Verfahren (100, 200) nach Anspruch 1, das einen Verflüssigungsbetrieb, in dem die
Verflüssigung des kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases (101) vorgenommen wird, und
einen Standbybetrieb, in dem die Verflüssigung des kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases
(101) nicht vorgenommen wird, umfasst, wobei der Verdichter (21) in dem Standbybetrieb
nicht oder mit geringerer Leistung als in dem Verflüssigungsbetrieb betrieben wird.
3. Verfahren (200), bei dem bei einem Übergang zwischen dem Verflüssigungsbetrieb und
dem Standbybetrieb zumindest ein Teil des Gemischkältemittels (102) aus dem Gemischkältemittelkreislauf
(20) in ein Ablaufgefäß (31) überführt wird, wobei bei einem Übergang zwischen dem
Standbybetrieb und dem Verflüssigungsbetrieb zumindest ein Teil des Gemischkältemittels
(102) aus dem Ablaufgefäß (31) wieder in den Gemischkältemittelkreislauf (20) überführt
wird.
4. Verfahren (200) nach Anspruch 3, bei dem der Übergang zwischen dem Standbybetrieb
und dem Verflüssigungsbetrieb eine Anlaufphase umfasst, in der zunächst der Verdichter
(21) in Betrieb gesetzt oder mit erhöhter Leistung betrieben wird, und bei dem hieran
anschließend sukzessive zumindest ein Teil des Gemischkältemittels (102) aus dem Ablaufgefäß
(31) wieder in den Gemischkältemittelkreislauf (20) überführt wird.
5. Verfahren (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche 2 bis 4, bei dem in dem
Standbybetrieb eine Verdampfung zumindest eines Teils des Gemischkältemittels (102)
und ein hierdurch bedingter Druckaufbau in dem Gemischkältemittelkreislauf (20) oder
einem Teil hiervon zugelassen wird, wobei zumindest ein Teil von Komponenten in dem
Gemischkältemittelkreislauf (20) derart ausgebildet sind, dass sie dem Druckaufbau
standhalten.
6. Verfahren (100, 200) nach Anspruch 5, bei dem zumindest ein Teil des Gemischkältemittelkreislauf
(20) abschottbar ist.
7. Verfahren (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem das kohlenwasserstoffhaltige
Einsatzgas (101) Biogas oder durch Vergasung eines anderen kohlenstoffhaltigen Ausgangsstoffs
erzeugtes Vergasungsgas, Shalegas und/oder Erdgas umfasst.
8. Verfahren (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem das kohlenwasserstoffhaltige
Einsatzgas (101) dem Verfahren (100, 200) in einer Menge von nicht mehr als 450 Kilogramm
pro Stunde zugeführt wird.
9. Verfahren (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem genau ein Gemischkältemittelkreislauf
(20) verwendet wird.
10. Verfahren (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem als das Gemischkältemittel
(102) ein Gemisch mit zumindest zwei der Komponenten Stickstoff, Methan, Ethan, Propan,
Ethylen, Butan oder Pentan verwendet wird.
11. Anlage (100, 200) zur Verflüssigung eines kohlenwasserstoffhaltigen Einsatzgases (101),
wobei die Anlage (100, 200) dafür eingerichtet ist, das Einsatzgas (101) in druckbeaufschlagtem
Zustand in einem Wärmetauscher (10) abzukühlen und zumindest teilweise zu verflüssigen,
wobei die Anlage (100, 200) dafür eingerichtet ist, in dem Wärmetauscher (10) ein
Gemischkältemittel (102) zu erwärmen und zumindest teilweise zu verdampfen, wobei
die Anlage (100, 200) dafür eingerichtet das Gemischkältemittel (102) in einem Gemischkältemittelkreislauf
(20) zu führen und das Gemischkältemittel (102) in dem Gemischkältemittelkreislauf
(20) unter Verwendung eines Verdichters (21) zu verdichten, dadurch gekennzeichnet, dass der Verdichter (21) als hermetischer Verdichter (21) ausgebildet ist und/oder dass
der Verdichter (21) unter Verwendung einer Magnetkupplung angetrieben wird.
12. Anlage (100, 200) nach Anspruch 11, die zur Durchführung eines Verfahrens nach einem
der Ansprüche 1 bis 10 eingerichtet ist.