[0001] Die Erfindung betrifft einen Dampferzeuger sowie ein Verfahren zum Betrieb eines
derartigen Dampferzeugers, mit dessen Hilfe hochenergetischer Dampf kostengünstig
erzeugt werden kann.
[0002] Aus
WO 2019/94921 A1 ist ein Solarwärmekraftwerk bekannt, bei dem ein Flüssigsalz auch mit Hilfe von mit
Wechselspannung betriebenen Elektroden erwärmt werden kann. Das erwärmte Flüssigsalz
wird einem Dampferzeuger zugeführt, der mit Hilfe des erzeugten Dampfes eine Turbine
zur Erzeugung elektrischer Energie für ein Stromnetz speist.
[0003] Es besteht ein ständiges Bedürfnis Dampf möglichst kostengünstig zu erzeugen.
[0004] Die Lösung der Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß durch einen Dampferzeuger mit den
Merkmalen des Anspruchs 1 sowie ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 10.
Bevorzugte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung
angegeben, die jeweils einzeln oder in Kombination einen Aspekt der Erfindung darstellen
können. Wenn ein Merkmal in Kombination mit einem anderen Merkmal dargestellt wird,
dient dies nur der vereinfachten Darstellung der Erfindung und soll keinesfalls bedeuten,
dass dieses Merkmal nicht auch ohne das andere Merkmal eine Weiterbildung der Erfindung
sein kann.
[0005] Eine Ausführungsform betrifft einen Dampferzeuger zur Erzeugung von überhitzten Hochdruckdampf,
mit einem Vorlagetank zur Speicherung eines elektrisch leitfähigen kalten Flüssigsalzes,
einer Heizeinrichtung zum Aufheizen des kalten Flüssigsalzes, wobei die Heizeinrichtung
über das Flüssigsalz elektrisch miteinander verbindbare und von einer Wechselspannungsquelle
oder Drehstromquelle betreibbare Elektroden aufweist, einem Speichertank zu Speicherung
des von der Heizeinrichtung aufgeheizten warmen Flüssigsalzes und einem in einem Strömungspfad
des Flüssigsalzes von dem Speichertank zum Vorlagetank angeordneten Wärmetauscher
zum Vorwärmen, Verdampfen und/oder Überhitzen einer Flüssigkeit, insbesondere Wasser,
innerhalb des Wärmetauschers auf ein oberhalb einer Siedetemperatur der Flüssigkeit
liegendes Hochtemperaturniveau.
[0006] Das Flüssigsalz kann beispielsweise als Schmelze eines Salzes oder als Schmelze einer
Salzmischung aus mindestens zwei unterschiedlichen Salzen vorliegen, so dass das Flüssigsalz
aufgrund des geschmolzenen Zustands elektrisch leitfähig ist. Vorzugsweise ist das
Flüssigsalz im Wesentlichen wasserfrei, das heißt ein Wasseranteil in Gewichts-% bezogen
auf die Gesamtmasse des Flüssigsalzes ist kleiner als 1%, insbesondere kleiner als
0,1%. Im Gegensatz zu wässrigen Salzlösungen steigt der Dampfdruck des Flüssigsalzes
bei Aufheizung auf hohe Temperaturen unterhalb der Zersetzungstemperatur quasi nicht
an, was die Durchführung des Verfahrens in drucklosen Apparaten ermöglicht. Bei einem
Stromfluss durch das Flüssigsalz wirkt das Flüssigsalz als ohmschen Widerstand beziehungsweise
als Impedanz, wodurch das Flüssigsalz direkt aufgeheizt wird. Im Gegensatz zu einem
indirekten Aufheizen des Flüssigsalzes, bei dem das Flüssigsalz durch ein vom Flüssigsalz
elektrisch isoliertes und insbesondere durch elektrische Energie betriebenes Heizelement
indirekt aufgeheizt wird, sind aufgrund hoher Ströme bei geringer Spannung unnötige
Verlustleistungen und Zeitverzögerungen vermieden. Die Heizleistung ist dadurch abhängig
von der angelegten Spannung, der Leifähigkeit des Flüssigsalzes sowie der Ausbildung
und Anordnung der Elektroden. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit durch konstruktive
Festlegungen die anlegbare Spannung zum Betrieb der Elektroden zu beeinflussen, da
das Flüssigsalz Teil des elektrischen Stromkreises ist und eine elektrische Verbindung
der mindestens zwei Elektroden herstellt.
[0007] Das in der Heizeinrichtung aufgeheizte Flüssigsalz kann direkt in den Wärmetauscher
geleitet werden oder in dem Speichertank zwischengespeichert werden, so dass es möglich
ist, quasi zeitgleich Hochdruckdampf zu erzeugen oder zeitversetzt das in dem Speichertank
gespeicherte Flüssigsalz in dem Wärmetauscher zur Dampferzeugung zu verwenden, wenn
gerade Dampf benötigt wird und/oder eine aus einer anderen Energiequelle stammende
Wärme zur Dampferzeugung teurer ist. Wenn das Flüssigsalz nicht permanent, sondern
nur zeitweise aus dem Speichertank abgefordert wird, ist es möglich die Heizeinrichtung
kleiner zu dimensionieren und über einen längeren Zeitraum zu betreiben, als der Zeitraum,
über den der Wärmetauscher aus dem Speichertank gespeist wird. Umgekehrt kann die
Heizeinrichtung für das Flüssigsalz mit hoher Leistung auch kürzer und der Dampferzeuger
länger betrieben werden. Die Kosten für die Dampferzeugung können dadurch gering gehalten
werden. Durch die zeitliche Entkoppelung des Aufheizens des Flüssigsalzes und der
Nutzung des Flüssigsalzes in dem Wärmetauscher zur Erzeugung überhitzten Dampfes kann
bei einem kostengünstigen Energieeinsatz ein hochenergetischer Dampf erzeugt werden,
so dass eine kostengünstige Erzeugung hochenergetischen Dampfes ermöglicht ist.
[0008] Der Wärmetauscher kann insbesondere diskontinuierlich aus dem Speichertank mit warmen
Flüssigsalz beaufschlagt werden, so dass der Dampferzeuger mit Hilfe des Speichertanks
eine zusätzliche Energiespeicherfunktion bereitstellen kann. Dies ermöglicht es in
Zeiträumen, in denen das Aufheizen des kalten Flüssigsalzes in der Heizeinrichtung
kostengünstig möglich ist, immer mehr warmes Flüssigsalz in dem Speichertank zu speichern,
so dass genügend warmes Flüssigsalz für den Wärmetauscher in Zeiträumen zur Verfügung
steht, in denen das Aufheizen des kalten Flüssigsalzes in der Heizeinrichtung nicht
so kostengünstig möglich ist. Dadurch ist es möglich, die Heizeinrichtung in kostengünstigen
Zeiträumen zu betreiben und in weniger kostengünstigen oder kostenintensiven Zeiträumen
nicht zu betreiben, ohne dass die ausreichende Erzeugung von Dampf in dem Wärmetauscher
beeinträchtigt wäre. Im Vergleich zu einem rein kontinuierlichen permanenten Betrieb
der Heizeinrichtung und des Wärmetauschers kann die Heizeinrichtung überdimensioniert
sein, wobei die überdimensionierte Heizeinrichtung nicht zu höheren, sondern geringeren
durchschnittlichen Betriebskosten führt. Hierbei wird die Erkenntnis ausgenutzt, dass
in einem öffentlichen Stromnetz immer wieder Diskrepanzen zwischen der angebotenen
und der abgenommenen elektrischen Leistung auftreten, so dass es möglich ist bei einem
Überangebot der elektrischen Leistung mit Hilfe der Heizeinrichtung ansonsten nicht
benötigte elektrische Leistung abzunehmen und bei einem Unterangebot die Abnahme der
elektrischen Leistung einzustellen oder sogar mit Hilfe des erzeugten Dampfes generierte
elektrische Leistung in das Stromnetz zurückzuspeisen. Dadurch kann die Frequenz des
Stromnetzes auch bei plötzlichen Schwankungen vergleichmässigt und die Netzzeit besser
konstant gehalten werden.
[0009] Ein Überangebot elektrischer Leistung im Stromnetz ist an einer im Vergleich zu einer
Nennfrequenz, beispielsweise 50Hz oder 60Hz, höheren tatsächlichen vom Stromnetz zur
Verfügung gestellten Netzfrequenz zu erkennen. Ein Unterangebot elektrischer Leistung
im Stromnetz ist an einer im Vergleich zu der Nennfrequenz niedrigeren tatsächlichen
vom Stromnetz zur Verfügung gestellten Netzfrequenz zu erkennen. Insbesondere wenn
die tatsächliche Netzfrequenz einen zulässigen Frequenzkorridor definierende vorgegebene
obere und/oder untere Schwellwerte überschreitet, werden Eingriffe in das Angebot
der elektrischen Leistung im Stromnetz veranlasst, bei denen der Dampferzeuger einen
Beitrag leisten kann. Insbesondere bei der Dampfversorgung einer industriellen Großanlage
können die mindestens einen Dampferzeuger einen spürbaren Einfluss auf die regionale
oder nationale Stromversorgung haben.
[0010] Die Heizeinrichtung kann insbesondere mehrere jeweils parallel geschaltete Elektroden
aufweisen, so dass eine entsprechend hohe elektrische Leistung über eine Mehrzahl
an Elektroden in das Flüssigsalz eingeleitet und zum Aufheizen des Flüssigsalzes verwendet
werden kann. Dadurch kann in einem besonders großen Volumen der Heizeinrichtung ein
elektrischer Stromfluss erzeugt werden, so dass auch ein entsprechend großes Volumen
des in der Heizeinrichtung befindlichen Flüssigsalzes gleichzeitig aufgeheizt werden
kann.
[0011] Das Flüssigsalz kann auf eine vergleichsweise hohe Temperatur aufgeheizt werden,
die oberhalb der Verdampfungstemperatur vieler für die Erzeugung von Dampf verwendeten
Flüssigkeiten, insbesondere Wasser, liegt. Anstatt die Flüssigkeit zu Sattdampf zu
verdampfen, ist das warme Flüssigsalz in der Lage, den Dampf zu überhitzen, so dass
die gesamte dem Wärmetauscher zugeführte Flüssigkeit nicht nur vollständig verdampft,
sondern der Dampf selber darüber hinaus weiter erwärmt wird. Der den Wärmetauscher
verlassende Dampf kann eine Temperatur aufweisen, die signifikant oberhalb der Siedetemperatur
liegt. Zum Beispiel kann dadurch eine Kondensation von Flüssigkeit infolge beim Transport
des Dampfes entstehender Wärmeverluste vermieden werden. Insbesondere ist es möglich,
den Dampf direkt ohne weitere Zwischenstation für die Überhitzung, beispielsweise
einen Dampfüberhitzer, auf ein Temperatur- und Druckniveau zu bringen, wie es in Industrieanlagen
benötigt wird. Beispielsweise kann der Dampft mit Hilfe des warmen Flüssigsalzes in
dem Wärmetauscher soweit überhitzt werden, dass der Dampf bestimmte Vorgaben und/oder
Normen für einen energiereichen Heißdampf und/oder Hochdruckdampf entspricht. Der
apparative Aufwand und die damit verbundenen Kosten zur Bereitstellung eines hochenergetischen
Dampfes können dadurch gering gehalten werden.
[0012] Das Flüssigsalz kann insbesondere im Kreis gefördert werden. Das kalte Flüssigsalz
kann von dem Vorlagetank über die Heizeinrichtung in den Speichertank und von dem
Speichertank über den Wärmetauscher wieder zurück in den Vorlagetank gefördert werden.
Das Flüssigsalz ist beispielsweise ein Solarsalz oder eine eutektische Mischung aus
NaNO
3 und KNO
3. Das Flüssigsalz kann bei einer hohen Wärmekapazität in einem großen Temperaturbereich
flüssig und thermisch stabil bleiben.
[0013] Insbesondere sind ein Massestrom der Flüssigkeit und eine Wärmemenge des warmen Flüssigsalzes
bei der Temperatur am Ausgang des Wärmetauschers derart aneinander angepasst, dass
für einen Druck p des den Wärmetauscher verlassenden Dampfes 5 bar ≤ p ≤ 200 bar,
insbesondere 15 bar ≤ p ≤ 120 bar und vorzugsweise 30 bar ≤ p ≤ 60 bar und/oder bei
einem Sattdampfdruck ps der Flüssigkeit im Wärmetauscher 1,5 ≤ ps/p ≤ 20,0, insbesondere
2,0 ≤ p
S/p ≤ 10,0 und vorzugsweise 3,0 ≤ p
S/p ≤ 5,0 gilt. Aufgrund der hohen Wärmekapazität des Flüssigsalzes und der hohen Temperatur
des Flüssigsalzes ist es bei einer vertretbaren Baugröße des Wärmetauschers möglich
den bereits verdampften Dampf weiter aufzuheizen. Der überhitzte Dampf kann durch
den Wärmeeintrag des Flüssigsalzes in dem Wärmetauscher sehr trocken sein und dadurch
auf ein sehr hohes Temperaturniveau kostengünstig überhitzt werden.
[0014] Vorzugsweise ist die Heizeinrichtung eingerichtet, das Flüssigsalz auf eine Temperatur
T oberhalb einer vorgsehenen Verdampfungstemperatur der Flüssigkeit aufzuheizen, wobei
insbesondere 100°C ≤ T ≤ 560°C, vorzugsweise 170°C ≤ T ≤ 450°C und besonders bevorzugt
250°C ≤ T ≤ 350°C gilt. Durch das Aufheizen der Flüssigkeit auf eine Temperatur oberhalb
der dem Druck entsprechenden vorgesehenen Verdampfungstemperatur kann sichergestellt
werden, dass der Dampf als trockener Heißdampf vorliegt.
[0015] Besonders bevorzugt sind die Elektroden der Heizeinrichtung an einer auf Mittelspannung
betriebenen Wechselspannungsquelle oder Drehstromquelle angeschlossen, wobei die Wechselspannungsquelle
oder Drehstromquelle eine Mittelspannung U von 1 kV ≤ U ≤ 69 kV, insbesondere 10 kV
≤ U ≤ 50 kV und vorzugsweise 20 kV ≤ U ≤ 30 kV bereitstellt. Die Mittelspannung erlaubt
einen hohen Energieeintrag in das Flüssigsalz bei geringen Strömen und weniger Umspannungen.
Durch die Verwendung von Wechselspannung kann eine elektrolytische Zersetzung des
Flüssigsalzes vermieden werden.
[0016] Insbesondere ist vorgesehen, dass das Flüssigsalz eine Salzschmelze ist. Durch die
Verwendung von Wechselspannung kann eine elektrolytische Zersetzung vermieden werden.
[0017] Vorzugsweise sind die Elektroden aus einem Stromnetz betreibbar, wobei ein mit Hilfe
des überhitzen Dampfes betreibbarer Generator zum Einspeisen erzeugter elektrischer
Energie in das Stromnetz vorgesehen ist. Dies ermöglicht es bei einem Überangebot
elektrischer Leistung mit Hilfe der Heizeinrichtung ansonsten nicht benötigte elektrische
Leistung abzunehmen und bei einem Unterangebot die Abnahme der elektrischen Leistung
einzustellen oder sogar mit Hilfe des erzeugten Dampfes generierte elektrische Leistung
in das Stromnetz zurückzuspeisen. Dadurch kann das Stromnetzes stabilisiert werden.
Zudem ist es möglich bei einem Überangebot elektrischer Leistung diese kostengünstiger
zu beziehen und bei einem Unterangebot eine entsprechend hohe Vergütung für die eingespeiste
elektrische Leistung zu erhalten, wodurch die Gesamtkosten zur Erzeugung des überhitzen
Dampfes weiter gesenkt werden können.
[0018] Besonders bevorzugt ist zwischen dem Speichertank und dem Wärmetauscher ein verschließbares
Ventil vorgesehen. Insbesondere kann das Ventil auch Zwischenstellungen, vorzugsweise
im Wesentlichen stufenlos, zwischen einer vollständig geschlossenen und einer vollständig
geöffneten Stellung einnehmen. Dadurch kann der dem Wärmetauscher zugeführte Massenstrom
des Flüssigsalzes bedarfsgerecht und vorzugsweise unabhängig von dem der Heizeinrichtung
zugeführten und/oder von der Heizeirichtung abgeführten Massenstrom des Flüssigsalzes
eingestellt werden. Beispielsweise kann dadurch auf eine Änderung in dem abgeforderten
Massenstrom überhitzten Dampfes reagiert werden.
[0019] Insbesondere sind in einem Strömungspfad von dem Vorlagetank zum Speichertank eine
erste Pumpe zum Fördern des Flüssigsalzes und in einem Strömungspfad von dem Speichertank
zum Vorlagetank eine zweite Pumpe zum Fördern des Flüssigsalzes vorgesehen. Dies ermöglicht
es den Massenstrom des Flüssigsalzes von dem Vorlagetank zum Speichertank über die
Heizeirichtung und den Massenstrom des Flüssigsalzes von dem Speichertank zum Vorlagetank
über den Wärmetauscher unabhängig voneinander einzustellen. Dadurch ist es möglich
eine Speicherung von warmen Flüssigsalz in dem Speichertank je nach Situation wahlweise
aufzubauen oder abzubauen.
[0020] Vorzugsweise ist eine mit einem Generator zur Erzeugung elektrischer Energie verbundene
Entspannungseinrichtung, insbesondere Turbine, und/oder ein Druck- und/oder Wärmeverbraucher
vorgesehen, wobei die Entspannungseinrichtung und/oder der Druck- und/oder Wärmeverbraucher
mit dem Wärmetauscher zur Abnahme von dem Wärmetauscher verlassenden überhitzten Dampf
verbunden ist. Der Energieinhalt des überhitzten Dampfes in Form von Druck und/oder
Wärme kann von entsprechenden Verbrauchern für verschiedene Zwecke genutzt werden,
wobei der überhitzte Dampf auch nach dem Verbraucher auf dem niedrigeren Energieniveau
immer noch als überhitzter Dampf vorliegen kann. Der Dampf kann dadurch sequentiell
mehren in Reihe geschalteten Verbrauchern zugeführt werden, die auf dem jeweiligen
Energieniveau des überhitzen Dampfes betrieben werden können. Beispielsweise kann
der überhitze Dampf auf einem hohen Energieniveau erst der Turbine und auf dem niedrigeren
Energieniveau nachfolgend dem Druck- und/oder Wärmeverbraucher zugeführt werden, um
den nach der bei einem hohen Wirkungsgrad betriebenen Turbine noch verbliebenen Energieinhalt
des überhitzten Dampfes weiter zu nutzen. Es ist aber auch möglich, dass der überhitze
Dampf auf einem hohen Energieniveau erst dem Druck- und/oder Wärmeverbraucher und
auf dem niedrigeren Energieniveau nachfolgend Turbine zugeführt wird, um den noch
verbliebenen Energieinhalt des überhitzten Dampfes noch zur Erzeugung elektrischer
Energie zu verwerten. Alternativ können die Turbine und der Druck- und/oder Wärmeverbraucher
parallel zueinander geschaltet sein, so dass der überhitzte Dampf auf dem selben Energieniveau
zugeführt werden kann, wobei insbesondere eine Aufteilung des Massestroms auf die
Turbine und den Druck- und/oder Wärmeverbraucher, vorzugsweise stufenlos, verändert
werden kann, um auf sich ändernde Anforderungen schnell und leicht reagieren zu können.
[0021] Eine weitere Ausführungsform betrifft ein Verfahren zum Betrieb eines Dampferzeugers,
der wie vorstehend beschrieben aus- und weitergebildet sein kann, bei dem in einem
ersten Zeitraum nur das Flüssigsalz aufgeheizt wird, während ein Verdampfen der Flüssigkeit
unterbleibt und in einem zum ersten Zeitraum zeitlich versetzten zweiten Zeitraum
nur ein Vorwärmen, Verdampfen und Überhitzen der Flüssigkeit erfolgt, während ein
Aufheizen des Flüssigsalzes unterbleibt. Das Verfahren kann, insbesondere wie vorstehend
anhand des Dampferzeugers erläutert, aus- und weitergebildet sein. Durch die zeitliche
Entkoppelung des Aufheizens des Flüssigsalzes und der Nutzung des Flüssigsalzes in
dem Wärmetauscher zur Erzeugung überhitzten Dampfes kann bei einem kostengünstigen
Energieeinsatz ein hochenergetischer Dampf erzeugt werden, so dass eine kostengünstige
Erzeugung hochenergetischen Dampfes ermöglicht ist.
[0022] In dem ersten Zeitraum wird lediglich durch das Aufheizen des kalten Flüssigsalzes
auf ein höheres Energieniveau die Wärmemenge und der Energieinhalt des Speichertanks
erhöht, indem die Masse des im Speichertank gespeicherten warmen Flüssigsalzes immer
weiter erhöht wird, ohne dass das warme Flüssigsalz zu diesem Zeitpunkt in dem Wärmetauscher
benötigt wird. Insbesondere wenn im Stromnetz ein Überangebot vorliegt und/oder die
Kosten für die den Elektroden der Heizeinrichtung zugeführten elektrischen Energie
besonders kostengünstig sind, kann Energie kostengünstig zwischengespeichert werden.
In dem zweiten Zeitraum wird lediglich das in dem Speichertank gespeicherte Flüssigsalz
für das Verdampfen und Überhitzen der Flüssigkeit in dem Wärmetauscher verwendet,
ohne dass gleichzeitig in der Heizeinrichtung kaltes Flüssigsalz aufgeheizt wird.
Insbesondere wenn im Stromnetz ein Unterangebot vorliegt und/oder die Kosten für die
den Elektroden der Heizeinrichtung zugeführten elektrischen Energie besonders hoch
wären, kann im Speichertank zwischengespeicherte Energie genutzt werden, ohne dass
mit hohen Gestehungskosten das für den Wärmetauscher benötigte warme Flüssigsalz in
der Heizeinrichtung aus dem kalten Flüssigsalz erzeugt werden muss. Je nach Speicherinhalt
des Speichertanks und/oder der Angebotssituation im Stromnetz können die Heizeinrichtung
und der Wärmetauscher gleichzeitig oder weder die Heizeinrichtung noch der Wärmetauscher
oder entweder die Heizeinrichtung oder der Wärmetauscher betrieben werden.
[0023] Besonders bevorzugt ist in dem ersten Zeitraum eine Belastung eines Stromnetzes durch
elektrische Verbraucher geringer als in dem zweiten Zeitraum. Hierbei wird die Erkenntnis
ausgenutzt, dass in einem öffentlichen Stromnetz immer wieder Diskrepanzen zwischen
der angebotenen und der abgenommenen elektrischen Leistung auftreten, so dass es möglich
ist bei einem Überangebot der elektrischen Leistung mit Hilfe der Heizeinrichtung
ansonsten nicht benötigte elektrische Leistung abzunehmen und bei einem Unterangebot
die Abnahme der elektrischen Leistung einzustellen oder sogar mit Hilfe des erzeugten
Dampfes generierte elektrische Leistung in das Stromnetz zurückzuspeisen. Dadurch
kann die Frequenz des Stromnetzes auch bei plötzlichen Schwankungen vergleichmässigt
und die Netzzeitabweichung besser gering gehalten werden.
[0024] Insbesondere ist vorgesehen, dass ein den Wärmetauscher verlassender überhitzter
Dampf einer Wärmenutzung, insbesondere in einem Druck- und/oder Wärmeverbraucher,
zugeführt wird und der überhitzte Dampf stromabwärts der Wärmenutzung im überhitzten
Zustand vorliegt. Eine Kondensation von Flüssigkeit in dem Druck- und/oder Wärmeverbraucher
ist dadurch vermieden. Zudem kann der überhitzte Dampf auf dem nach dem Druck- und/oder
Wärmeverbraucher vorliegenden niedrigeren Energieniveau gegebenenfalls weiterverwendet
werden.
[0025] Vorzugsweise ist vorgesehen, dass ein den Wärmetauscher verlassender überhitzter
Dampf einer mit einem Generator zur Erzeugung elektrischer Energie verbundenen Entspannungseinrichtung,
insbesondere Turbine, zugeführt wird und der überhitzte Dampf stromabwärts der Entspannungseinrichtung
im überhitzten Zustand vorliegt. Eine Kondensation von Flüssigkeit in der Turbine
ist dadurch vermieden. Zudem kann die in dem Speichertank aus dem Stromnetz zwischengespeicherte
Energie über das Verdampfen und Überhitzen der Flüssigkeit in dem Wärmetauscher und
der Nutzung des überhitzten Dampfes in der Turbine verstromt und ins Stromnetz zurückgespeist
werden. Das Stromnetz kann dadurch stabilisiert werden. Insbesondere ist es möglich
über den Bedarf der Erzeugung von überhitztem Dampf für Druck- und/oder Wärmeverbraucher
hinaus bei kostengünstigen Bezugspreisen warmes Flüssigsalz zu erzeugen und bei hohen
Vergütungspreisen wieder ins Stromnetz einzuspeisen, um die Gesamtkosten für die Erzeugung
des für Druck- und/oder Wärmeverbraucher benötigten überhitzen Dampf zu senken.
[0026] Besonders bevorzugt werden die Elektroden der Heizeinrichtung mit Wechselspannung
betrieben. Durch die Verwendung von Wechselspannung kann eine elektrolytische Zersetzung
der Salzschmelze vermieden werden.
[0027] Nachfolgend wird die Erfindung unter Bezugnahme auf die anliegenden Zeichnungen anhand
bevorzugter Ausführungsbeispiele exemplarisch erläutert, wobei die nachfolgend dargestellten
Merkmale sowohl jeweils einzeln als auch in Kombination einen Aspekt der Erfindung
darstellen können. Es zeigen:
- Fig. 1:
- ein schematisches Schaltbild eines Dampferzeugers und
- Fig. 2:
- eine Wärme-Temperatur-Diagramm für den Dampferzeuger aus Fig. 1.
[0028] Der in Fig. 1 dargestellte Dampferzeuger 10 kann überhitzen Dampf 12 erzeugen, der
beispielsweise für Druck- und/oder Wärmeverbraucher in einer Industrieanlage und/oder
für eine Stromerzeugung in einer mit einem Generator verbundenen Turbine verwendet
werden kann. Der Dampferzeuger 10 weist einen Vorlagetank 14 auf, in dem ein kaltes
Flüssigsalz mit einer Temperatur von beispielsweise ca. 180°C enthalten ist. Das kalte
Flüssigsalz kann mit Hilfe einer ersten Pumpe 16 einer Heizeinrichtung 18 zugeführt
werden. Die Heizeinrichtung 18 weist zwei oder mehr Elektroden 20 auf, die aus einem
Stromnetz 22 mit elektrischer Energie versorgt werden können. Die Elektroden 20 werden
mit Wechselstrom auf einem Mittelspannungsniveau betrieben, wobei der Stromkreis zwischen
den Elektroden durch das einen elektrischen Widerstand ausbildenden, aber elektrisch
leitfähige Flüssigsalz geschlossen ist. Das Flüssigsalz kann dadurch direkt auf beispielsweise
ca. 550°C aufgeheizt werden. Das die Heizeinrichtung 18 verlassende warme Flüssigsalz
kann einem Speichertank 24 zugeführt und zwischengespeichert werden.
[0029] Wenn überhitzter Dampf 12 erzeugt werden soll, kann wahlweise mit Hilfe einer zweiten
Pumpe 26 das warme Flüssigsalz aus dem Speichertank 24 einem Wärmetauscher 28 zugeführt
werden, wo das warme Flüssigsalz eine mit Hilfe einer Speisewasserpumpe 30 zugeführte
Flüssigkeit, insbesondere Wasser, verdampfen und überhitzen kann. Das in dem Wärmetauscher
28 durch den Wärmeaustausch mit der Flüssigkeit auf ca. 180°C abgekühlte Flüssigsalz
kann wieder dem Vorlagetank 14 zugeführt werden.
[0030] Insbesondere ist es möglich in einem ersten Zeitraum bei einem Überangebot von elektrischer
Leistung im Stromnetz 22 mit Hilfe der Heizeinrichtung 18 elektrische Energie in Form
von Wärmenergie in dem Speichertank 24 zu speichern und in einem zweiten Zeitraum
bei einem Unterangebot von elektrischer Leistung im Stromnetz 22 mit Hilfe des Wärmetauschers
28 überhitzten Dampf zu erzeugen, der in der mit dem Generator verbundenen Turbine
verstromt und dem Stromnetz 22 wieder zugeführt werden kann. Hierbei kann vorgesehen
sein, dass in dem ersten Zeitraum die Heizeinrichtung 18, aber nicht der Wärmetauscher
28 und in dem zweiten Zeitraum der Wärmetauscher 28, aber nicht die Heizeinrichtung
18 betrieben werden.
[0031] Wie in Fig. 2 dargestellt ist, kann das bei einem ersten Wärmestrom 30 in der Heizeinrichtung
18 aufgeheizte Flüssigsalz eine vergleichsweise hohe Temperatur T von beispielsweise
550°C aufweisen. Wenn das warme Flüssigsalz aus dem Speichertank 24 dem Wärmetauscher
28 zugeführt wird, kann sich das warme Flüssigsalz entlang eines zweiten Wärmestroms
32 unter Abgabe einer Wärmemenge Q abkühlen und als kaltes Flüssigsalz in den Vorlagetank
14 gefördert werden. Innerhalb des Wärmetauschers 12 kann sich die Flüssigkeit entlang
eines dritten Wärmestroms 34 erwärmen. Hierbei wird die Flüssigkeit in einem ersten
Bereich 36 zunächst bis zum Siedepunkt erwärmt. Innerhalb eines sich daran anschließenden
zweiten Bereichs 38 wird die Flüssigkeit vollständig verdampft. Innerhalb eines sich
an dem zweiten Bereich 38 anschließenden dritten Bereichs 40 wird die vollständig
verdampfte Flüssigkeit weiter aufgeheizt und dadurch überhitzt. Dadurch kann die relativ
hohe Temperaturdifferenz zwischen der in der Heizeinrichtung 18 für das Flüssigsalz
erreichbaren Temperatur und der Siedetemperatur der Flüssigkeit im Wärmetauscher ausgenutzt
werden, um einen hochenergetischen und besonders trockenen Hochdruckdampf zu erhalten.
1. Dampferzeuger zur Erzeugung von überhitzten Hochdruckdampf, mit
einem Vorlagetank (14) zur Speicherung eines elektrisch leitfähigen kalten Flüssigsalzes,
einer Heizeinrichtung (18) zum Aufheizen des kalten Flüssigsalzes, wobei die Heizeinrichtung
(18) über das Flüssigsalz elektrisch miteinander verbindbare und von einer Wechselspannungsquelle
betreibbare Elektroden (20) aufweist,
einem Speichertank (24) zu Speicherung des von der Heizeinrichtung (18) aufgeheizten
warmen Flüssigsalzes und
einem in einem Strömungspfad des Flüssigsalzes von dem Speichertank (24) zum Vorlagetank
(14) angeordneten Wärmetauscher (28) zum Vorwärmen, Verdampfen und/oder Überhitzen
einer Flüssigkeit, insbesondere Wasser, innerhalb des Wärmetauschers (28) auf ein
oberhalb einer Siedetemperatur der Flüssigkeit liegendes Hochtemperaturniveau.
2. Dampferzeuger nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dass ein Massestrom der Flüssigkeit und eine Wärmemenge des warmen Flüssigsalzes bei der
Temperatur am Ausgang des Wärmetauschers (28) derart aneinander angepasst sind, dass
für einen Druck p des den Wärmetauscher (28) verlassenden Dampfes 5 bar ≤ p ≤ 200
bar, insbesondere 15 bar ≤ p ≤ 120 bar und vorzugsweise 30 bar ≤ p ≤ 60 bar und/oder
bei einem Sattdampfdruck pS der Flüssigkeit im Wärmetauscher (28) 1,5 ≤ pS/p ≤ 20,0, insbesondere 2,0 ≤ pS/p ≤ 10,0 und vorzugsweise 3,0 ≤ pS/p ≤ 5,0 gilt.
3. Dampferzeuger nach Anspruch 1 oder 2 dadurch gekennzeichnet, dass die Heizeinrichtung (18) eingerichtet ist, das Flüssigsalz auf eine Temperatur T
oberhalb einer vorgesehenen Verdampfungstemperatur der Flüssigkeit aufzuheizen, wobei
insbesondere 100°C ≤ T ≤ 560°C, vorzugsweise 170°C ≤ T ≤ 450°C und besonders bevorzugt
250°C ≤ T ≤ 350°C gilt.
4. Dampferzeuger nach einem der Ansprüche 1 bis 3 dadurch gekennzeichnet, dass die Elektroden (20) der Heizeinrichtung (18) an einer auf Mittelspannung betriebenen
Wechselspannungsquelle oder Drehstromquelle angeschlossen sind, wobei die Wechselspannungsquelle
oder Drehstromquelle eine Mittelspannung U von 1 kV ≤ U ≤ 69 kV, insbesondere 10 kV
≤ U ≤ 50 kV und vorzugsweise 20 kV ≤ U ≤ 30 kV bereitstellt.
5. Dampferzeuger nach einem der Ansprüche 1 bis 4 dadurch gekennzeichnet, dass das Flüssigsalz ein, insbesondere wasserfreies, geschmolzenes Salz oder eine, insbesondere
wasserfreie, geschmolzene Salzmischung ist.
6. Dampferzeuger nach einem der Ansprüche 1 bis 5 dadurch gekennzeichnet, dass die Elektroden (20) aus einem Stromnetz (22) betreibbar sind, wobei ein mit Hilfe
des überhitzen Dampfes betreibbarer Generator zum Einspeisen erzeugter elektrischer
Energie in das Stromnetz (22) vorgesehen ist.
7. Dampferzeuger nach einem der Ansprüche 1 bis 6 dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Speichertank (24) und dem Wärmetauscher (28) ein verschließbares Ventil
vorgesehen ist.
8. Dampferzeuger nach einem der Ansprüche 1 bis 7 dadurch gekennzeichnet, dass in einem Strömungspfad von dem Vorlagetank (14) zum Speichertank (24) eine erste
Pumpe (16) zum Fördern des Flüssigsalzes und in einem Strömungspfad von dem Speichertank
(24) zum Vorlagetank (14) eine zweite Pumpe (26) zum Fördern des Flüssigsalzes vorgesehen
sind.
9. Dampferzeuger nach einem der Ansprüche 1 bis 8 dadurch gekennzeichnet, dass eine mit einem Generator zur Erzeugung elektrischer Energie verbundene Entspannungseinrichtung,
insbesondere Turbine, und/oder ein Druck- und/oder Wärmeverbraucher vorgesehen ist,
wobei die Entspannungseinrichtung und/oder der Druck- und/oder Wärmeverbraucher mit
dem Wärmetauscher (28) zur Abnahme von dem Wärmetauscher (28) verlassenden überhitzten
Dampf verbunden ist.
10. Verfahren zum Betrieb eines Dampferzeugers (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
bei dem
in einem ersten Zeitraum nur das Flüssigsalz aufgeheizt wird, während ein Verdampfen
der Flüssigkeit unterbleibt und
in einem zum ersten Zeitraum zeitlich versetzten zweiten Zeitraum nur ein Vorwärmen,
Verdampfen und Überhitzen der Flüssigkeit erfolgt, während ein Aufheizen des Flüssigsalzes
unterbleibt.
11. Verfahren nach Anspruch 10, bei dem in dem ersten Zeitraum eine Belastung eines Stromnetzes
(22) durch elektrische Verbraucher geringer als in dem zweiten Zeitraum ist.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11, bei dem ein den Wärmetauscher (28) verlassender
überhitzter Dampf einer Wärmenutzung zugeführt wird und der überhitzte Dampf stromabwärts
der Wärmenutzung im überhitzten Zustand vorliegt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 12, bei dem ein den Wärmetauscher verlassender
überhitzter Dampf einer mit einem Generator zur Erzeugung elektrischer Energie verbundenen
Entspannungseinrichtung, insbesondere Turbine, zugeführt wird und der überhitzte Dampf
stromabwärts der Entspannungseinrichtung im überhitzten Zustand vorliegt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 13, bei dem die Elektroden (20) der Heizeinrichtung
(18) mit Wechselspannung betrieben werden.