[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Optimierung der Ausgangstemperaturen einer
Metallschmelze wenigstens an Primär- und Sekundäraggregaten eines Schmelzbetriebs
mit umlaufenden Gießpfannen. Die Erfindung betrifft ein Computerprogramm zur Ausführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0002] Ein Schmelzbetrieb einer metallurgischen Anlage umfasst ein Primäraggregat, in welchem
ein Abstich einer Metallschmelze erfolgt. An dem Primäraggregat wird somit eine Pfanne
mit der Metallschmelze befüllt. Ferner umfasst der Schmelzbetrieb wenigstens ein Sekundäraggregat.
Die in dem Sekundäraggregat ausgeführte Sekundärmetallurgie umfasst beispielsweise
Materialzugaben, Vakuumbehandlung, chemisches oder elektrisches Heizen, Temperaturmessungen,
Pfannenspülungen oder dergleichen. Nachfolgend zu dem wenigstens einen Sekundäraggregat
umfasst der Schmelzbetrieb ferner die Abgabe an einen Gießbetrieb, wobei die in einer
Pfanne enthaltene Metallschmelze an eine nachfolgende Produktionsanlage abgegeben
wird, beispielsweise über einen Zwischenbehälter in die Kokille einer Stranggießanlage.
Ferner kann der Schmelzbetrieb noch weitere Stationen umfassen, wie beispielsweise
eine Pfannenleerung, eine Pfannenwartung, eine Feuerfestzustellung und/oder eine Pfannenbeheizung.
[0003] Den einzelnen Stationen des Schmelzbetriebs, insbesondere den Primär- und Sekundäraggregaten
sowie dem Gießbetrieb sind jeweils eine Eingangssolltemperatur und/oder eine Ausgangssolltemperatur
zugeordnet. Die Eingangssolltemperaturen und Ausgangssolltemperaturen hängen von der
herzustellenden Werkstoffgüte und ggf. der jeweiligen Gießsequenz des Gießbetriebs
ab. Um geeignete Gießbedingungen zu gewährleisten, ist es jedoch wesentlich, dass
die Metallschmelze insbesondere im Gießbetrieb innerhalb eines vorgegebenen Temperaturbereichs
liegt. Die Temperatur der Metallschmelze hängt dabei von vielen Faktoren ab, wie der
Ausgangstemperatur am Primäraggregat, Temperaturänderungen in dem wenigstens einen
Sekundäraggregat, Gießparameter im Gießbetrieb, Transport- und Wartezeiten zwischen
den einzelnen Stationen des Schmelzbetriebs, Pfannentemperatur am Primäraggregat,
thermischer Pfannenzustand, einer eventuell vorhandenen Pfannenabdeckung und deren
Zustand und vergleichbaren äußeren Einflüssen auf die Temperatur der Metallschmelze.
[0004] Es werden für die einzelnen Stationen des Schmelzbetriebs Eingangs- und Ausgangssolltemperaturen
auf Basis eines Produktionsplans vorgegeben. Dabei handelt es sich jedoch um statische
Werte, welche beispielsweise nicht den thermischen Zustand einer Gießpfanne berücksichtigen.
Dieser wird beispielsweise von einem Bediener eingeschätzt, welcher die vorgegebenen
Eingangs- und Ausgangssolltemperaturen mit einem Offset versieht, um den Zustand der
Gießpfanne zu berücksichtigen. Ferner kann es im Prozessablauf des Schmelzbetriebs
zu Abweichungen kommen, welche unberücksichtigt bleiben oder manuell erfasst werden
müssen. Die Abweichungen im Prozessablauf des Schmelzbetriebs betreffen beispielsweise
Änderungen in der Gießgeschwindigkeit im Gießbetrieb, geänderte Transport- und Wartezeiten
von Gießpfannen, Ausfälle von Aggregaten, defekte Pfannendeckel, oder dergleichen.
[0005] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, den Prozess in einem Schmelzbetrieb
zu optimieren, insbesondere bei auftretenden Änderungen im Anlagen- und/oder Aggregatzustand
oder im Prozessablauf.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch das Verfahren gemäß Anspruch 1. Vorteilhafte
Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens sind in den abhängigen Ansprüchen
enthalten.
[0007] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Optimierung der Ausgangstemperaturen
einer Metallschmelze wenigstens an Primär- und Sekundäraggregaten eines Schmelzbetriebs
mit umlaufenden Gießpfannen,
wobei der Schmelzbetrieb wenigstens die folgenden Stationen umfasst: ein Primäraggregat,
wenigstens ein Sekundäraggregat, und die Abgabe an einen Gießbetrieb, wobei den Primär-
und Sekundäraggregaten und dem Gießbetrieb jeweils eine Eingangssolltemperatur und/oder
eine Ausgangssolltemperatur zugeordnet ist, wobei die Eingangssolltemperaturen und
Ausgangssolltemperaturen von der herzustellenden Werkstoffgüte und ggf. der jeweiligen
Gießsequenz des Gießbetriebs abhängen,
umfassend die Schritte:
Bereitstellen von Plandaten bezüglich der Stationen des Schmelzbetriebs und des Gießbetriebs
für jede Gießpfanne des Schmelzbetriebs,
Überwachen des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb und Gießbetrieb, insbesondere Messung
der Schmelzenanalyse und Schmelzentemperatur und/oder Bestimmung der aktuellen Position
für jede Gießpfanne des Schmelzbetriebs,
Ermitteln von Abweichungen des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb und Gießbetrieb von
den Plandaten für jede Gießpfanne des Schmelzbetriebs,
Erstellen eines Modells zur Bestimmung und Vorhersage von Temperaturen der Metallschmelze
in den Gießpfannen und Temperaturen der Pfannenkörper für jede Gießpfanne des Schmelzbetriebs,
wobei die Vorhersage auf den bereitgestellten Plandaten und der Überwachung des Prozessverlaufs
im Schmelzbetrieb und Gießbetrieb basiert,
Anpassen der Vorhersage des Modells, wenn Abweichungen des Prozessverlaufs im Schmelz-
und/oder Gießbetrieb von den Plandaten ermittelt wurden,
Bestimmen von Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen wenigstens
für die Primär- und Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs und für jede Gießpfanne
des Schmelzbetriebs auf Basis der Vorhersage des Modells, und
Anpassen der Ausgangstemperaturen wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate
des Schmelzbetriebs zur Einhaltung der bestimmten Eingangssolltemperaturen und/oder
Ausgangssolltemperaturen für die nachfolgenden Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs
und für den Gießbetrieb.
[0008] Die Plandaten basieren auf einem vorgegebenen Produktionsplan und enthalten die wesentlichen
Parameter für die einzelnen Stationen des Schmelzbetriebs und des Gießbetriebs für
jede in dem Schmelzbetrieb befindliche Gießpfanne. Die Plandaten setzen also den vorgegebenen
Produktionsplan in dem Schmelzbetrieb um.
[0009] Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren wird der Prozessverlauf im Schmelzbetrieb und
Gießbetrieb überwacht. Die Überwachung umfasst beispielsweise eine Messung der Schmelzenanalyse
und der Schmelzentemperatur, eine Bestimmung der aktuellen Position für jede Gießpfanne
im Schmelzbetrieb oder andere wesentliche Parameter für den Prozessablauf im Schmelzbetrieb,
wie Transport- und Wartezeiten von Gießpfannen, Unregelmäßigkeiten bezüglich der Stationen
des Schmelzbetriebs, und dergleichen.
[0010] Nachfolgend können Abweichungen des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb von den Plandaten
für jede Gießpfanne des Schmelzbetriebs ermittelt werden.
[0011] Das erfindungsgemäße Verfahren basiert insbesondere auf dem Schritt des Erstellens
eines Modells zur Bestimmung und Vorhersage von Temperaturen der Metallschmelze in
den Gießpfannen und Temperaturen der Pfannenkörper für jede Pfanne des Schmelzbetriebs.
Es wird also erfindungsgemäß anhand eines Modells vorhergesagt, welche Temperatur
eine Metallschmelze in einer Gießpfanne hat und zusätzlich welche Temperatur der Pfannenkörper
an den einzelnen Stationen des Schmelzbetriebs aufweist. Die Vorhersage basiert auf
den bereitgestellten Plandaten und der Überwachung des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb.
[0012] Wenn in dem zuvor genannten Schritt Abweichungen des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb
von den Plandaten für eine Gießpfanne des Schmelzbetriebs ermittelt wurden, wird die
Vorhersage angepasst. Durch die kontinuierliche Überwachung des Prozessverlaufs im
Schmelzbetrieb und der Ermittlung von Abweichungen von den Plandaten, wird die Vorhersage
stets aktualisiert, wenn Abweichungen auftreten. Somit werden automatisch Änderungen
im Prozessverlauf des Schmelzbetriebs erkannt und bei der Vorhersage des Modells berücksichtigt.
[0013] Auf Basis der Vorhersage des Modells werden Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen
wenigstens für die Primär- und Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs und für jede
Gießpfanne des Schmelzbetriebs bestimmt. Wenn die Metallschmelze in der jeweiligen
Gießpfanne die mittels des Modells vorhergesagten Eingangssolltemperaturen und/oder
Ausgangssolltemperaturen wenigstens für die Primär- und Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs
einhält, können die gemäß Produktionsplan geforderten Produkte in der metallurgischen
Anlage hergestellt werden.
[0014] Um die Einhaltung der mittels der Vorhersage des Modells bestimmten Eingangssolltemperaturen
und Ausgangssolltemperaturen zu gewährleisten, werden die Ausgangstemperaturen wenigstens
der Primär- und/oder Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs angepasst. In dem Primäraggregat
kann beispielsweise die Abgabetemperatur der Metallschmelze an die Gießpfanne angepasst
werden, damit die Metallschmelze die Eingangssolltemperatur des ersten Sekundäraggregats
einhält, insbesondere unter Berücksichtigung von Transport- und Wartezeiten, Wärmeverlusten,
dem thermischen Pfannenzustand und dergleichen. Werden die vorgenannten Variablen
berücksichtigt, ergibt sich eine entsprechende Ausgangssolltemperatur für die vorgelagerte
Station des Schmelzbetriebs. Dies erfolgt vorzugsweise in vorausschauender Betrachtung
für alle Gießpfannen des Schmelzbetriebs, unabhängig von deren aktuellen Standort
innerhalb des Schmelzbetriebs. Bei dem wenigstens einen Sekundäraggregat kann beispielsweise
das chemische oder elektrische Heizen angepasst werden, um die Ausgangstemperatur
der Metallschmelze für das Sekundäraggregat anzupassen.
[0015] Gemäß der vorliegenden Erfindung ist die Ausgangstemperatur des Primäraggregats die
Temperatur der Metallschmelze im Primäraggregat bei Abstichbeginn. Die Ausgangstemperatur
von Sekundäraggregaten ist die Temperatur der Metallschmelze in der Gießpfanne bei
Behandlungsende.
[0016] Entsprechend ist die Eingangstemperatur eines Sekundäraggregats die Temperatur der
Metallschmelze in der Gießpfanne bei Behandlungsbeginn und die Eingangstemperatur
des Gießbetriebs ist die Temperatur der Metallschmelze in der Gießpfanne bei Öffnung
der Gießpfanne für das Gießen.
[0017] Gemäß dem vorliegenden Verfahren wird also der Prozessablauf im Schmelzbetrieb und
Gießbetrieb kontinuierlich überwacht. Auf Basis der Überwachung wird ein Modell zur
Vorhersage des Prozessablaufs in dem Schmelzbetrieb erstellt. Bei Abweichungen des
Prozessablaufs von vorgegebenen Plandaten, wird die Vorhersage des Modells angepasst
und auf Basis dessen werden entsprechende Eingangssolltemperaturen und Ausgangssolltemperaturen
für die Stationen des Schmelzbetriebs bestimmt. Anschließend werden die Ausgangstemperaturen
der Stationen angepasst, so dass die tatsächlichen Eingangstemperaturen und Ausgangstemperaturen
des Prozesses in dem Schmelzbetrieb die Eingangssolltemperaturen und Ausgangssolltemperaturen
erfüllen. Dies erfolgt vorzugsweise kontinuierlich und für jede Gießpfanne des Schmelzbetriebs.
[0018] Insbesondere kann das erfindungsgemäße Verfahren Änderungen bei der Sequenzlänge
im Gießprozess durch die Vorgabe geänderter Abgabetemperaturen an den Gießbetrieb
berücksichtigen.
[0019] Nach einer erfindungsgemäßen Variante umfassen die Plandaten: Transport- und Wartezeiten,
sekundärmetallurgische Behandlungen, Vorgaben zur Abgabetemperatur und zum Abgabezeitpunkt
der Metallschmelze in einer Gießpfanne an den Gießbetrieb, oder dergleichen.
[0020] In einer vorteilhaften Variante der Erfindung berücksichtigt das Modell bei der Bestimmung
und Vorhersage von Temperaturen der Metallschmelze in den Gießpfannen und Temperaturen
der Pfannenkörper den thermischen Zustand und die Kontaktzeit zwischen Schmelze und
Pfannenkörper jeder einzelnen Gießpfanne. Der thermische Zustand einer Gießpfanne
ergibt sich dabei insbesondere aus der Historie der Nutzung der Gießpfanne in dem
Schmelzbetrieb, so dass die Nutzung der Gießpfannen des Schmelzbetriebs überwacht
und gespeichert wird, um daraus den thermischen Zustand der einzelnen Gießpfannen
des Schmelzbetriebs abzuleiten.
[0021] Gemäß einer bevorzugten Variante der Erfindung bestimmt das Modell die Temperaturen
der Metallschmelze in den Gießpfannen und Temperaturen der Pfannenkörper für jede
Pfanne des Schmelzbetriebs in Echtzeit und macht eine entsprechende Vorhersage. Dabei
werden insbesondere Korrekturen auf Basis gemessener Temperaturen berücksichtigt.
Durch die Berücksichtigung der Temperaturen der Metallschmelze in den Gießpfannen
und Temperaturen der Pfannenkörper kann der Temperaturverlauf für jede Pfanne des
Schmelzbetriebs abgebildet werden, um so die Eingangssolltemperaturen und Ausgangssolltemperaturen
für die Stationen des Schmelzbetriebs einzuhalten.
[0022] Nach einer zweckmäßigen Variante der Erfindung basiert das Modell auf einer Simulation
des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb. Dabei können auch künstliche Intelligenzen,
neuronale Netzwerke oder vergleichbare Algorithmen zum Einsatz kommen. Insbesondere
basiert die Simulation auf selbstlernenden Algorithmen, so dass sich die Genauigkeit
der Simulation zur Erstellung des Modells kontinuierlich verbessert.
[0023] In einer erfindungsgemäßen Variante umfasst das Verfahren das Anpassen der Ausgangstemperatur
der Primär- und/oder Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs durch Anpassen der Wärmezufuhr
in den Primär- und/oder Sekundäraggregaten zur Einhaltung der bestimmten Eingangssolltemperaturen
und/oder Ausgangssolltemperaturen für die nachfolgenden Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs
und/oder des nachfolgenden Gießbetriebs.
[0024] Gemäß einer Variante der Erfindung umfasst das Verfahren das Aktualisieren der Plandaten
bezüglich der Stationen des Schmelzbetriebs für jede Gießpfanne des Schmelzbetriebs,
insbesondere bei Änderungen im Gießbetrieb, Ausfall von Aggregaten, Ausfall von Gießsträngen,
geänderten Temperaturen oder Transport- und Wartezeiten. Sofern die vorgenannten Änderungen
nicht durch eine Anpassung der Ausgangstemperaturen wenigstens der Primär- und/oder
Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs aufgefangen werden können, um die Einhaltung
der bestimmten Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen für die
nachfolgenden Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs sowie für den Gießbetrieb zu gewährleisten,
werden die Plandaten aktualisiert, um mit anderen Produktionsprozessen fortzufahren.
[0025] Nach einer erfindungsgemäßen Variante berücksichtigt das Modell bei der Bestimmung
von Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen wenigstens für die
Primär- und/oder Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs die Einhaltung von zulässigen
Gießtemperaturen vom Öffnen bis Schließen einer Gießpfanne auf Basis der zu erwartenden
Gießzeit und zu erwartender Wärmeabfuhr von der Gießpfanne bis Eintritt in die Kokille
mit einem eventuell vorhandenen Zwischenbehälter, insbesondere das Einhalten einer
Sollgießtemperatur bis zum Gießende. Die Wärmeverluste zwischen Gießpfanne und Kokilleneintritt
werden durch Modelle oder Temperaturmessungen ermittelt und deren Ergebnisse werden
zyklisch für die weitere Nutzung zur Verfügung gestellt.
[0026] In einer vorteilhaften Variante der Erfindung umfasst das Bestimmen der Ausgangssolltemperaturen
wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs für eine Gießpfanne
den aktuellen Standort der Gießpfanne im Schmelzbetrieb, wobei nur die Ausgangssolltemperaturen
für die nachfolgenden Primär- und/oder Sekundäraggregate angepasst werden. In Abhängigkeit
von dem aktuellen Standort einer Gießpfanne bestimmt das Verfahren nur für nachfolgende
Stationen des Schmelzbetriebs eine Anpassung der Ausgangssolltemperatur, da die Ausgangssolltemperaturen
für die vorherigen Stationen nicht mehr umsetzbar sind.
[0027] Gemäß einer Variante der Erfindung umfasst das Verfahren das Weiterleiten der vorhergesagten
Temperatur der Metallschmelze in einer Gießpfanne an den Gießbetrieb, wenn keine Anpassung
der Ausgangstemperatur von Primär- und/oder Sekundäraggregaten mehr möglich ist. Somit
kann beispielsweise der Gießbetrieb die vorhergesagte Temperatur berücksichtigen und
Anpassungen vornehmen, um Probleme zu vermeiden oder zumindest zu verringern.
[0028] Nach einer erfindungsgemäßen Variante erfolgt die Vorhersage von Temperaturen der
Metallschmelze in den Gießpfannen und Temperaturen der Pfannenkörper für leere Pfannen
im Schmelzbetrieb anhand des Pfannenwärmezustands und der Plandaten bis zur Ankunft
am ersten Sekundäraggregat nach dem nächsten Abstich des Primäraggregats. Stationen
des Schmelzbetriebs nach der Pfannenleerung und vor dem Primäraggregat sind beispielsweise
eine Pfannenwartung, Feuerfestzustellung und/oder Pfannenbeheizung. An dem Primäraggregat
wird die leere Pfanne mit Metallschmelze gefüllt und nachfolgend zum ersten Sekundäraggregat
weitergeleitet.
[0029] In einer bevorzugten Variante umfasst das erfindungsgemäße Verfahren das Festlegen
einer Ausgangssolltemperatur für das Primäraggregat.
[0030] Gemäß einer zweckmäßigen Variante der Erfindung berücksichtigt das Modell bei der
Vorhersage: Abstichstrahlverluste, Materialzugaben, Vakuumbehandlung, elektrisches/chemisches
Heizen, Spülen von Gießpfannen, Abdecken von Gießpfannen, Heizen leerer Gießpfannen
oder andere Einflüsse auf die Temperaturen der Metallschmelze in den Gießpfannen und
Temperaturen der Pfannenkörper.
[0031] Nach einer Variante der Erfindung erfolgt das Anpassen der Ausgangssolltemperaturen
wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs erst bei Überschreiten
eines Toleranzwerts. Dadurch werden unnötige Anpassungen vermieden. Der Toleranzwert
ist dabei so gewählt, dass Anpassungen erst durchgeführt werden, wenn die Anpassungen
einen tatsächlichen positiven Effekt aufweisen.
[0032] In einer besonders vorteilhaften Variante der Erfindung erstellt das Modell zusätzlich
eine energetische Optimierung des Schmelzbetriebs, insbesondere an welchen Stationen
des Schmelzbetriebs eine Anpassung der Ausgangstemperaturen wenigstens der Primär-
und/oder Sekundäraggregate des Schmelzbetriebs erfolgt. Das Verfahren berücksichtigt
also, an welcher Station die Temperatur der Schmelze angepasst wird, um die erforderlichen
Ausgangstemperaturen zu erreichen und gleichzeitig die benötigte Energie zu minimieren.
Entsprechend der energetischen Optimierung bestimmt das Modell Eingangssolltemperaturen
und/oder Ausgangssolltemperaturen wenigstens für die Primär- und Sekundäraggregate
des Schmelzbetriebs und für jede Gießpfanne des Schmelzbetriebs.
[0033] Gemäß einer erfindungsgemäßen Variante umfasst das Verfahren das Erzeugen einer Warnmeldung
für eine Produktionsplanung, wenn das Modell ein Unterschreiten einer zulässigen Gießtemperatur
innerhalb des Gießbetriebs feststellt, insbesondere umfassend den Zeitpunkt des voraussichtlichen
Unterschreitens der Gießtemperatur. Beispielsweise kann aufgrund der Warnmeldung ein
Gießvorgang abgebrochen werden, um Beschädigungen oder Störungen in einem nachfolgenden
Produktionsschritt aufgrund der zu geringen Gießtemperatur zu vermeiden.
[0034] Nach einer weiteren Variante der Erfindung umfasst das Verfahren das Erzeugen einer
Warnmeldung für eine Produktionsplanung, wenn sich durch das Anpassen der Ausgangstemperaturen
wenigstens eines Sekundäraggregats die Verweilzeit in dem entsprechenden Sekundäraggregat
verlängert.
[0035] In einer erfindungsgemäßen Variante berechnet das Modell in Echtzeit einen zeitlich
durchgängigen Temperaturverlauf für die Schmelze, die Pfannenkörper und eventuell
vorhandene Pfannendeckel auf Basis eines aktuellen Produktionsplans. Die Berechnung
erfolgt dabei insbesondere für jede in dem Schmelzbetrieb befindliche Gießpfanne.
Dies ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung und Anpassung der Temperaturen in
dem Schmelzbetrieb, insbesondere Temperaturen der Metallschmelze in den einzelnen
Gießpfannen, Temperaturen der einzelnen Gießpfannen und dergleichen.
[0036] Gemäß einer zweckmäßigen Variante der Erfindung umfasst das Verfahren das Bewerten
der Eignung eines Pfannenkörpers für einen geplanten Abstich auf Basis des Pfannenwärmezustands,
wobei der Pfannenwärmezustand gemessen und/oder aus dem Modell abgeleitet wird. Ist
der Pfannenwärmezustand zu niedrig wird die Ausgangssolltemperatur des Primäraggregats
um die berechnete Temperaturdifferenz erhöht, die für die kältere Pfanne zu erwarten
ist.
[0037] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß ferner gelöst durch ein Computerprogramm, umfassend
Befehle, die bei der Ausführung des Programms durch einen Computer diesen veranlassen,
das erfindungsgemäße Verfahren auszuführen.
[0038] Generell bietet die vorliegende Erfindung die folgenden Vorteile:
[0039] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von in den Figuren dargestellten Ausführungsbeispielen
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Ansicht eines Schmelzbetriebs mit mehreren aufeinanderfolgenden
Stationen und umlaufenden Gießpfannen,
- Fig. 2
- ein Ablaufdiagramm einer ersten Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Verfahrens
zur Optimierung der Ausgangstemperaturen einer Metallschmelze wenigstens an Primär-
und Sekundäraggregaten eines Schmelzbetriebs mit umlaufenden Gießpfannen,
- Fig. 3
- ein Flussdiagramm einer zweiten Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Verfahrens,
- Fig. 4
- ein Temperatur-Zeit-Diagramm bezüglich einer Anpassung der Ausgangssolltemperatur
an einem Primäraggregat, und
- Fig. 5
- ein Temperatur-Zeit-Diagramm bezüglich einer Anpassung der Ausgangssolltemperatur
an einem Sekundäraggregat.
[0040] Fig. 1 zeigt eine schematische Ansicht eines Schmelzbetriebs 1 mit mehreren Stationen
und umlaufenden Gießpfannen 2. Die mehreren Stationen umfassen gemäß dem in Fig. 1
dargestellten Ausführungsbeispiel ein Primäraggregat 3, n Sekundäraggregate 4, die
Abgabe an einen Gießbetrieb 5, eine Pfannenleerung 6, eine Pfannenwartung 7, eine
Feuerfestzustellung 8 und eine Pfannenbeheizung 9. Die Gießpfannen 2 durchlaufen sequentiell
die einzelnen Stationen des Schmelzbetriebs 1, mit der Ausnahme der Pfannenwartung
7 bzw. Feuerfestzustellung 8, welche alternativ zueinander durchlaufen werden. Wenigstens
dem Primäraggregat 3, den Sekundäraggregaten 4 und dem Gießbetrieb 5 sind jeweils
Eingangssolltemperatur und/oder eine Ausgangssolltemperatur zugeordnet, welche von
der herzustellenden Werkstoffgüte und ggf. der jeweiligen Gießsequenz des Gießbetriebs
5 abhängen.
[0041] Ziel ist es, in einem Schmelzbetrieb 1 mit umlaufenden Gießpfannen 2, die Abgabetemperaturen
der Metallschmelze an dem Primäraggregat 3 und den Sekundäraggregaten 4 im Hinblick
auf den thermischen Zustand der jeweils eingesetzten Gießpfanne 2 sowie Abweichungen
zum geplanten Prozessverlauf anzupassen. Üblicherweise existieren für jede eingesetzte
Gießpfanne 2 Plandaten bezüglich der Prozessroute. Diese umfassen neben Transport-/Wartezeiten
und sekundärmetallurgischen Behandlungen auch Vorgaben hinsichtlich Abgabetemperatur
und Abgabezeitpunkt der Metallschmelze an den Gießbetrieb 5, welche sich aus der herzustellenden
Werkstoffgüte sowie bei anschließendem Stranggießbetrieb aus der Planung der jeweiligen
Gießsequenz ergeben. Die auftretenden Temperaturverluste der enthaltenen Metallschmelze
über den Pfannenkörper, die sich im Laufe der Prozessroute zwischen Abstich am Primäraggregat
3 und Abgabe der Metallschmelze an den Gießbetrieb 5 ergeben, hängen dabei u.a. vom
thermischen Zustand der eingesetzten Gießpfanne 2 sowie der Kontaktzeit zwischen Schmelze
und Pfannenkörper ab.
[0042] Fig. 2 zeigt ein Ablaufdiagramm einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Verfahrens
10 zur Optimierung der Ausgangstemperaturen einer Metallschmelze an wenigstens einem
Primäraggregat 3 und wenigstens einem Sekundäraggregat 4 eines Schmelzbetriebs 1 mit
umlaufenden Gießpfannen 2.
[0043] Gemäß dem Ablaufdiagramm aus Fig. 2 umfasst das erfindungsgemäße Verfahren 10 wenigstens
die folgenden Schritte:
Bereitstellen 11 von Plandaten bezüglich der Stationen des Schmelzbetriebs 1 und des
Gießbetriebs 5 für jede Gießpfanne 2 des Schmelzbetriebs 1,
Überwachen 12 des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb 1 und Gießbetrieb 5, insbesondere
Messung der Schmelzenanalyse und Schmelzentemperatur und/oder Bestimmung der aktuellen
Position für jede Gießpfanne 2 des Schmelzbetriebs 1,
Ermitteln 13 von Abweichungen des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb 1 und Gießbetrieb
5 von den Plandaten für jede Gießpfanne 2 des Schmelzbetriebs 1,
Erstellen 14 eines Modells zur Bestimmung und Vorhersage von Temperaturen der Metallschmelze
in den Gießpfannen 2 und Temperaturen der Pfannenkörper für jede Gießpfanne 2 des
Schmelzbetriebs 1, wobei die Vorhersage auf den bereitgestellten Plandaten und der
Überwachung des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb 1 und Gießbetrieb 5 basiert,
Anpassen 15 der Vorhersage des Modells, wenn Abweichungen des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb
1 und/oder Gießbetrieb 5 von den Plandaten ermittelt 13 wurden,
Bestimmen 16 von Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen wenigstens
für die Primäraggregate 3 und Sekundäraggregate 4 des Schmelzbetriebs 1 und für jede
Gießpfanne 2 des Schmelzbetriebs 1 auf Basis der Vorhersage des Modells, und
Anpassen 17 der Ausgangstemperaturen wenigstens der Primäraggregate 3 und/oder Sekundäraggregate
4 des Schmelzbetriebs 1 zur Einhaltung der bestimmten 16 Eingangssolltemperaturen
und/oder Ausgangssolltemperaturen für die nachfolgenden Sekundäraggregate 4 des Schmelzbetriebs
1 und für den Gießbetrieb 5.
[0044] Die Plandaten umfassen insbesondere Transport- und Wartezeiten, sekundärmetallurgische
Behandlungen, Vorgaben zur Abgabetemperatur und zum Abgabezeitpunkt der Metallschmelze
in einer Gießpfanne 2 an den Gießbetrieb 5, oder dergleichen.
[0045] Das erstellte 14 Modell berücksichtigt bei der Bestimmung und Vorhersage von Temperaturen
der Metallschmelze in den Gießpfannen 2 und Temperaturen der Pfannenkörper den thermischen
Zustand und die Kontaktzeit zwischen Schmelze und Pfannenkörper jeder einzelnen Gießpfanne
2. Das Modell bestimmt und sagt beispielsweise die Temperaturen der Metallschmelze
in den Gießpfannen 2 und Temperaturen der Pfannenkörper für jede Gießpfanne 2 des
Schmelzbetriebs 1 in Echtzeit vorher, wobei insbesondere Korrekturen auf Basis gemessener
Temperaturen berücksichtigt werden.
[0046] Zweckmäßigerweise basiert das Modell auf einer Simulation des Prozessverlaufs im
Schmelzbetrieb 1.
[0047] Das Modell kann bei der Bestimmung 16 von Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen
wenigstens für die Primär- und/oder Sekundäraggregate 3, 4 des Schmelzbetriebs 1 die
Einhaltung von zulässigen Gießtemperaturen vom Öffnen bis Schließen einer Gießpfanne
2 auf Basis der zu erwartenden Gießzeit und zu erwartender Wärmeabfuhr bis zum Kokilleneintritt
(z.B. über einen eventuell vorhandenen Zwischenbehälter) berücksichtigen, insbesondere
das Einhalten einer Sollgießtemperatur bis zum Gießende.
[0048] Ferner kann das Modell bei der Vorhersage Abstichstrahlverluste, Materialzugaben,
Vakuumbehandlung, elektrisches/chemisches Heizen, Spülen von Gießpfannen 2, Abdecken
von Gießpfannen 2, Heizen leerer Gießpfannen 2 oder andere Einflüsse auf die Temperaturen
der Metallschmelze in den Gießpfannen 2 und Temperaturen der Pfannenkörper berücksichtigen.
[0049] Das Anpassen 17 der Ausgangstemperatur der Primär- und/oder Sekundäraggregate 3,
4 des Schmelzbetriebs 1 erfolgt durch Anpassen der Wärmezufuhr in den Primär-und/oder
Sekundäraggregaten 3, 4 zur Einhaltung der bestimmten Eingangssolltemperaturen und/oder
Ausgangssolltemperaturen für die nachfolgenden Sekundäraggregate 4 des Schmelzbetriebs
1 und für den Gießbetrieb 5.
[0050] Das erfindungsgemäße Verfahren 10 kann ferner den Schritt des Aktualisierens der
Plandaten bezüglich der Stationen des Schmelzbetriebs 1 für jede Gießpfanne 2 des
Schmelzbetriebs 1 umfassen, insbesondere bei Änderungen im Gießbetrieb 5, Ausfall
von Aggregaten 3, 4, geänderten Temperaturen oder Transport- und Wartezeiten.
[0051] Die Bestimmung 16 der Ausgangssolltemperaturen wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate
3, 4 des Schmelzbetriebs 1 für eine Gießpfanne 2 berücksichtigt zweckmäßigerweise
den aktuellen Standort der Gießpfanne 2 im Schmelzbetrieb 1 und passt die Ausgangssolltemperaturen
für die nachfolgenden Primär- und/oder Sekundäraggregate 3, 4 an.
[0052] Das erfindungsgemäße Verfahren 10 kann ferner das Weiterleiten der vorhergesagten
Temperatur der Metallschmelze in einer Gießpfanne 2 an den Gießbetrieb 5 umfassen,
wenn keine Anpassung 17 der Ausgangstemperatur von Primär- und/oder Sekundäraggregaten
3, 4 mehr möglich ist.
[0053] Die Vorhersage von Temperaturen der Metallschmelze in den Gießpfannen 2 und Temperaturen
der Pfannenkörper für leere Gießpfannen 2 im Schmelzbetrieb 1 erfolgt insbesondere
anhand des Pfannenwärmezustands und der Plandaten bis zur Ankunft am ersten Sekundäraggregat
4 nach dem nächsten Abstich des Primäraggregats 3.
[0054] Ferner kann die Ausgangssolltemperatur für das Primäraggregat 3 festgelegt werden.
[0055] Das Anpassen 17 der Ausgangstemperaturen wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate
3, 4 des Schmelzbetriebs 1 erfolgt zweckmäßigerweise erst bei Überschreiten eines
Toleranzwerts.
[0056] Nach einer vorteilhaften Variante der Erfindung erstellt das Modell zusätzlich eine
energetische Optimierung des Schmelzbetriebs 1, insbesondere an welchen Stationen
des Schmelzbetriebs 1 eine Anpassung 17 der Ausgangstemperaturen wenigstens der Primär-
und/oder Sekundäraggregate 3, 4 des Schmelzbetriebs 1 erfolgt. Entsprechend der energetischen
Optimierung bestimmt 16 das Modell Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen
wenigstens für die Primär- und Sekundäraggregate 3, 4 des Schmelzbetriebs 1 und für
jede Gießpfanne 2 des Schmelzbetriebs 1.
[0057] Das erfindungsgemäße Verfahren 10 kann ferner eine Warnmeldung für eine Produktionsplanung
erzeugen, wenn das Modell ein Unterschreiten einer zulässigen Gießtemperatur innerhalb
des Gießbetriebs 5 feststellt, insbesondere umfassend den Zeitpunkt des voraussichtlichen
Unterschreitens der Gießtemperatur. Eine weitere Warnmeldung für die Produktionsplanung
kann erzeugt werden, wenn sich durch das Anpassen 17 der Ausgangstemperaturen wenigstens
eines Sekundäraggregats 4 die Verweilzeit an dem entsprechenden Sekundäraggregat 4
verlängert.
[0058] Das Modell berechnet vorzugsweise in Echtzeit einen zeitlich durchgängigen Temperaturverlauf
für die Schmelze, die Pfannenkörper und eventuell vorhandene Pfannendeckel auf Basis
eines aktuellen Produktionsplans.
[0059] Ferner umfasst das Verfahren 10 in einer Ausführungsform das Bewerten der Eignung
eines Pfannenkörpers für einen geplanten Abstich auf Basis des Pfannenwärmezustands,
wobei der Pfannenwärmezustand gemessen und/oder aus dem Modell abgeleitet wird.
[0060] Vorzugweise wird das Verfahren 10 durch ein Computerprogramm implementiert, welches
Befehle umfasst, die bei der Ausführung des Programms durch einen Computer diesen
veranlassen, das erfindungsgemäße Verfahren 10 auszuführen.
[0061] Das erfindungsgemäße Verfahren 10 ist in der Lage die Temperaturen (und somit die
Wärmeinhalte) der Metallschmelze und des Pfannenkörpers jeder im Umlauf befindlichen
Gießpfanne 2 eines Schmelzbetriebes 1 in Echtzeit zu berechnen, sowie für bestimmte
Zeitpunkte in der Zukunft auf Basis von Plandaten und des jeweiligen Pfannenwärmezustands
vorauszusagen.
[0062] Eine Anpassung der Ausgangssolltemperaturen an Primäraggregaten 3 und Sekundäraggregaten
4 kann im Online-Modus (zur Überwachung der laufenden Produktion) und/oder im Offline-Modus
(zur Produktionsplanung) erfolgen.
[0063] Im Folgenden wird beispielshaft eine Anpassung im Online-Modus mit Bezug auf das
in Fig. 3 abgebildete Flussdiagramm beschrieben.
[0064] Für jede im Umlauf befindliche Gießpfanne 2 erfolgt eine regelmäßige Aktualisierung
des Ist-Zustands (z.B. jede Minute). Dies erfolgt durch eine Überwachung 12 des Prozessverlaufs
im Schmelzbetrieb 1 und Gießbetrieb 5. Dabei werden aktuelle Prozessparameter sowie
ggf. Messungen der Schmelzenanalyse und -temperatur berücksichtigt. Ebenfalls regelmäßig
(z.B. alle drei Minuten) soll für jede im Umlauf befindliche Gießpfanne 2 eine Vorausberechnung
auf Basis des Pfannenwärmezustands und aktueller Plandaten erfolgen. Die Plandaten
werden dem erfindungsgemäßen Verfahren 10 bereitgestellt 11. Die Aktualisierung der
Plandaten ist notwendig, da durch Verzögerungen, z.B. Änderungen im Gießbetrieb 5
oder den Ausfall von Aggregaten, geänderte Temperaturen und Zeiten zu berücksichtigen
sind. Ändert sich die Öffnungszeit der Pfanne 2 für den Gießbetrieb 5, so sind in
den davorliegenden Aggregaten die Ausgangstemperaturen anzupassen. Das gleiche gilt,
wenn beim Stranggießen die Entleerungszeit der Pfanne 2 als Folge einer geänderten
Gießgeschwindigkeit geändert wird. Es sind immer die Änderungen gegenüber der Planung
aus vorherigen und zukünftigen Prozessabläufen zu berücksichtigen.
[0065] Das vom erfindungsgemäßen Verfahren 10 erstellte 14 Modell gibt für eine Prozesssteuerung
neue Solltemperaturen vor, wenn Abweichungen vom geplanten Prozessablauf vorliegen.
Basis hierfür ist das Einhalten der zulässigen Gießtemperaturen vom Öffnen bis Schließen
der Pfanne 2. Beim Stranggießen muss zudem bei Gießende (bis der Zwischenbehälter
fast entleert ist) die Sollgießtemperatur eingehalten werden. Daher sind die Temperaturverluste
der Schmelze bis Eintritt in die Kokille (z. B über einen Zwischenbehälter), die zu
einer Reduzierung der Gießtemperatur führen, zu berücksichtigen.
[0066] Für eine Gießpfanne 2, die sich gerade in sekundärmetallurgischer Behandlung befindet,
ist die Solltemperatur der enthaltenen Schmelze bei Ankunft am Folgeaggregat von Relevanz.
Bei einer mit Schmelze gefüllten Gießpfanne 2, die sich gerade in einer Transportphase
befindet, ist hingegen die Solltemperatur der enthaltenen Schmelze bei Ankunft am
übernächsten Aggregat relevant, da für den Bediener hinsichtlich der Schmelzentemperatur
bei Ankunft am Folgeaggregat keine Beeinflussungsmöglichkeiten mehr bestehen. Nummeriert
man also das vorige Aggregat gemäß der Reihenfolge in der Prozessroute mit i und geht
davon aus, dass für jedes sekundärmetallurgische Aggregat i die Eingangs- und Ausgangssolltemperaturen
mit den Nummern 2i-1 und 2i existieren, so ist für mit Schmelze gefüllte Gießpfannen
die Solltemperatur der Schmelze T
Soll=T
Soll,2i+3 relevant, also die angestrebte Eingangstemperatur am übernächsten Aggregat. Um T
Soll,2i+3 zu erreichen, soll die Ausgangstemperatur T
Soll,2i+2 bei Bedarf angepasst werden und eine Rückgabe an den Bediener erfolgen, sodass sich
darauf basierend die erforderlichen Heizbedarfe am Aggregat i+1 ermitteln lassen.
Für den Fall, dass gemäß aktueller Planung das letzte sekundärmetallurgische Aggregat
n auf der Prozessroute bereits passiert wurde, ist eine Anpassung von Solltemperaturen
nicht mehr sinnvoll, da seitens des Bedieners keine Beeinflussungsmöglichkeiten mehr
bestehen. In diesem Fall soll durch die Vorausberechnung eine prognostizierte Schmelzentemperatur
T
Prognose zum Zeitpunkt der geplanten Abgabe an den Gießbetrieb 5 ermittelt werden und dem
Bediener als Indikation zur Verfügung gestellt werden, sodass sich evtl. Gießabbrüche
infolge einer zu kalten Schmelze im Vorhinein vermeiden lassen. Für leere im Umlauf
befindliche Gießpfannen 2 bzw. für solche, die bereits für den Gießbetrieb 5 geöffnet
wurden, soll die Vorausberechnung anhand des Pfannenwärmezustands und der Plandaten
bis zur Ankunft am ersten sekundärmetallurgischen Aggregat 4 nach dem nächsten Abstich
erfolgen. Basierend auf der Eingangssolltemperatur T
Soll,1 am ersten Sekundäraggregat 4 kann so eine Ausgangssolltemperatur T
Soll,0 für das Primäraggregat festgelegt werden. Bei allen Vorausberechnungen dieser Art
sollen Einflüsse auf die Schmelzentemperatur wie Abstichstrahlverluste, Materialzugaben,
Vakuumbehandlung, elektrisches/chemisches Heizen bzw. das Spülen und eine evtl. Abdeckung
der Pfanne 2 berücksichtigt werden.
[0067] Auf Basis der Vorausberechnung ergibt sich eine prognostizierte Schmelzentemperatur
T
Prognose bei Ankunft am übernächsten Aggregat. Gegenüber der zugehörigen Solltemperatur besteht
möglicherweise eine Abweichung ΔT. Ist dieses ΔT betragsmäßig größer als ein vordefinierter
Toleranzwert TOL (z.B. 3°C), wird die vorhergehende Solltemperatur durch ΔT modifiziert
und ein aktualisierter Wert für T
Prognose ermittelt. Letzteres wird iterativ so oft wiederholt, bis |ΔT|<TOL oder eine maximal
zulässige Anzahl an Iterationen erreicht wurde. Als Ergebnis des Verfahrens 10 wird
dem Bediener dann entweder eine aktualisierte Solltemperatur oder (nach Passieren
des letzten sekundärmetallurgischen Aggregats 4) die prognostizierte Schmelzentemperatur
bei Abgabe an den Gießbetrieb 5 zurückgegeben.
[0068] Ferner kann das erfindungsgemäße Verfahren 10 eine energetische Optimierung der Ausgangssolltemperaturen
an Primär- und Sekundäraggregaten 3,4 umfassen. Für den Fall einer oben beschriebenen
Verzögerung im Gießverlauf werden für eine leere Pfanne 2 vor Abstich, für die eine
sekundärmetallurgische Behandlung mit Heizmöglichkeit eingeplant ist, zwei Varianten
berechnet, um die zusätzlichen Temperaturverluste durch die außerplanmäßige Wartezeit
zu kompensieren:
- Erhöhung der Ausgangssolltemperatur TSoll,0 am Primäraggregat 3 um ΔT0;
- Erhöhung der Ausgangssolltemperatur TSoll,2 am Sekundäraggregat 4 um ΔT2.
[0069] Unter Berücksichtigung der jeweiligen Wirkungsgrade der Energieeinbringung an Primär-
und Sekundäraggregat 3, 4 η0 und η2 wird diejenige Variante mit dem geringeren Energieeintrag
E(ΔT,η) vorgeschlagen.
[0070] Zeigt die Simulation beim Stranggießen, dass die Schmelze infolge ungünstiger Gießbedingungen,
wie beispielsweise zu niedriger Gießgeschwindigkeit oder eines Strangausfall, so schnell
abkühlt, dass die zulässige Gießtemperatur unterschritten wird, wird eine Meldung
mit dem zu erwartenden Zeitpunkt der Unterschreitung erzeugt und an eine Produktionsplanung
geleitet. Nun kann geprüft werden, ob durch eine frühere Bereitstellung einer neuen
Pfanne 2 ein Gießabbruch zu vermeiden ist.
[0071] Zeigt die Simulation Abweichungen von einer Sollanalyse, wird mit der chemischen
Zusammensetzung der Ist-Analyse die neue Liquidus- und Solidustemperatur berechnet.
Diese Temperaturen werden für die Ermittlung der Gießtemperaturen benötigt.
[0072] Fig. 4 zeigt ein Temperatur-Zeit-Diagramm bezüglich einer Anpassung der Ausgangssolltemperatur
an einem Primäraggregat 3 gemäß einer beispielhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens 10.
[0073] Für den Fall, dass beispielsweise im Stranggießbetrieb die Gießgeschwindigkeit gegenüber
der ursprünglichen Planung abgesenkt wird, ergibt sich für die momentan geöffnete
Gießpfanne 2 eine größere Entleerungsdauer und für die darauffolgenden Gießpfannen
2 verspätete Abgabezeitpunkte. Die Solltemperatur bei Abgabe an den Gießbetrieb 5
bleibt jedoch identisch. Bei Nichtverfügbarkeit eines sekundärmetallurgischen Aggregats
4 mit Heizmöglichkeit wird für leere Gießpfannen 2 in diesem Fall gemäß dem erfindungsgemäßen
Verfahren die Ausgangssolltemperatur T
Soll,0 um den Betrag ΔT
0 angehoben, um die zusätzlichen Temperaturverluste durch die außerplanmäßige Wartezeit
zu kompensieren.
[0074] Bessere Gießbedingungen sind erreichbar, wenn die Schmelzentemperatur beim Schließen
der Pfanne 2 als Zieltemperatur berücksichtigt wird und die Abgabetemperatur der Schmelze
an den Gießbetrieb 5 aus der Zieltemperatur berechnet wird. So werden zu erwartende
gießgeschwindigkeitsabhängige Temperaturverluste während des Leerens der Pfanne 2
berücksichtigt.
[0075] Werden zusätzlich die Gießtemperaturen und die Temperaturverluste der Schmelze vom
Pfannenaustritt bis Kokilleneintritt (z.B. über einen Zwischenbehälter) berücksichtigt,
kann die Zieltemperatur vom Modell bei Abweichungen von der geplanten Prozessführung
vorgegeben und alle Solltemperaturen der vorherigen Aggregate berechnet werden.
[0076] Fig. 5 zeigt ein Temperatur-Zeit-Diagramm bezüglich einer Anpassung der Ausgangssolltemperatur
an einem Sekundäraggregat 4 gemäß einer beispielhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens 10.
[0077] Für den Fall, dass bei der oben beschriebenen Verzögerung im Gießverlauf für eine
mit Metallschmelze gefüllte Gießpfanne 2 vor Abgabe an den Gießbetrieb 5 noch eine
sekundärmetallurgische Behandlung mit Heizmöglichkeit eingeplant ist, wird gemäß des
erfindungsgemäßen Verfahrens 10 die Abgabetemperatur T
Soll,2 am sekundärmetallurgischen Aggregat 4 um den Betrag ΔT
2 angehoben, um die zusätzlichen Temperaturverluste durch die außerplanmäßige Wartezeit
zu kompensieren.
Bezugszeichenliste
[0078]
- 1
- Schmelzbetrieb
- 2
- Gießpfannen
- 3
- Primäraggregat
- 4
- Sekundäraggregat
- 5
- Abgabe an Gießbetrieb
- 6
- Pfannenleerung
- 7
- Pfannenwartung
- 8
- Feuerfestzustellung
- 9
- Pfannenbeheizung
- 10
- Verfahren
- 11
- Bereitstellen von Plandaten
- 12
- Überwachen des Prozessverlaufs
- 13
- Ermitteln von Abweichungen
- 14
- Erstellen eines Modells
- 15
- Anpassen der Vorhersage
- 16
- Bestimmen von Solltemperaturen
- 17
- Anpassen von Ausgangstemperaturen
1. Verfahren (10) zur Optimierung der Ausgangstemperaturen einer Metallschmelze wenigstens
an Primär- und Sekundäraggregaten (3,4) eines Schmelzbetriebs (1) mit umlaufenden
Gießpfannen (2),
wobei der Schmelzbetrieb (1) wenigstens die folgenden Stationen umfasst: ein Primäraggregat
(3), wenigstens ein Sekundäraggregat (4) und die Abgabe an einen Gießbetrieb (5),
wobei den Primär- und Sekundäraggregaten (3,4) und dem Gießbetrieb (5) jeweils eine
Eingangssolltemperatur und/oder eine Ausgangssolltemperatur zugeordnet ist, wobei
die Eingangssolltemperaturen und Ausgangssolltemperaturen von der herzustellenden
Werkstoffgüte und ggf. der jeweiligen Gießsequenz des Gießbetriebs (5) abhängen,
umfassend die Schritte:
Bereitstellen (11) von Plandaten bezüglich der Stationen des Schmelzbetriebs (1) und
des Gießbetriebs (5) für jede Gießpfanne (2) des Schmelzbetriebs (1),
Überwachen (12) des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb (1) und Gießbetrieb (5), insbesondere
Messung der Schmelzenanalyse und Schmelzentemperatur und/oder Bestimmung der aktuellen
Position für jede Gießpfanne (2) des Schmelzbetriebs (1),
Ermitteln (13) von Abweichungen des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb (1) und Gießbetrieb
(5) von den Plandaten für jede Gießpfanne (2) des Schmelzbetriebs (1),
Erstellen (14) eines Modells zur Bestimmung und Vorhersage von Temperaturen der Metallschmelze
in den Gießpfannen (2) und Temperaturen der Pfannenkörper für jede Gießpfanne (2)
des Schmelzbetriebs (1), wobei die Vorhersage auf den bereitgestellten (11) Plandaten
und der Überwachung (12) des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb (1) und Gießbetrieb
(5) basiert,
Anpassen (15) der Vorhersage des Modells wenn Abweichungen des Prozessverlaufs im
Schmelzbetrieb (1) und/oder Gießbetrieb (5) von den Plandaten ermittelt (13) wurden,
Bestimmen (16) von Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen wenigstens
für die Primär- und Sekundäraggregate (3,4) des Schmelzbetriebs (1) und für jede Gießpfanne
(2) des Schmelzbetriebs (1) auf Basis der Vorhersage des Modells (14), und
Anpassen (17) der Ausgangstemperaturen wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate
(3,4) des Schmelzbetriebs (1) zur Einhaltung der bestimmten (16) Eingangssolltemperaturen
und/oder Ausgangssolltemperaturen für die nachfolgenden Sekundäraggregate (4) des
Schmelzbetriebs (1) und für den Gießbetrieb (5).
2. Verfahren (10) nach Anspruch 1, wobei die Plandaten Transport- und Wartezeiten, sekundärmetallurgische
Behandlungen, Vorgaben zur Abgabetemperatur und zum Abgabezeitpunkt der Metallschmelze
in einer Gießpfanne (2) an den Gießbetrieb (5), oder dergleichen umfassen.
3. Verfahren (10) nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, wobei das Modell (14) bei der Bestimmung
(16) und Vorhersage von Temperaturen der Metallschmelze in den Gießpfannen (2) und
Temperaturen der Pfannenkörper den thermischen Zustand und die Kontaktzeit zwischen
Schmelze und Pfannenkörper jeder einzelnen Gießpfanne (2) berücksichtigt.
4. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei das Modell (14) die Temperaturen
der Metallschmelze in den Gießpfannen (2) und Temperaturen der Pfannenkörper für jede
Gießpfanne (2) des Schmelzbetriebs (1) in Echtzeit bestimmt (16) und vorhersagt, wobei
insbesondere Korrekturen auf Basis gemessener Temperaturen berücksichtigt werden.
5. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei das Modell (14) auf einer Simulation
des Prozessverlaufs im Schmelzbetrieb (1) basiert.
6. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, umfassend das Anpassen (17) der Ausgangstemperatur
der Primär- und/oder Sekundäraggregate (3,4) des Schmelzbetriebs (1) durch Anpassen
der Wärmezufuhr in den Primär-und/oder Sekundäraggregaten (3,4) zur Einhaltung der
bestimmten (16) Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen für die
nachfolgenden Sekundäraggregate (4) des Schmelzbetriebs (1) und/oder des nachfolgenden
Gießbetriebs (5).
7. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, umfassend das Aktualisieren der Plandaten
bezüglich der Stationen des Schmelzbetriebs (1) für jede Gießpfanne (2) des Schmelzbetriebs
(1), insbesondere bei Änderungen im Gießbetrieb (5), Ausfall von Aggregaten, Ausfall
von Gießsträngen, geänderten Temperaturen oder Transport- und Wartezeiten.
8. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei das Modell (14) bei der Bestimmung
(16) von Eingangssolltemperaturen und/oder Ausgangssolltemperaturen wenigstens für
die Primär- und/oder Sekundäraggregate (3,4) des Schmelzbetriebs (1) die Einhaltung
von zulässigen Gießtemperaturen vom Öffnen bis Schließen einer Gießpfanne (2) auf
Basis der zu erwartenden Gießzeit und zu erwartender Wärmeabfuhr von der Gießpfanne
bis Eintritt in die Kokille mit einem eventuell vorhandenen Zwischenbehälter berücksichtigt,
insbesondere das Einhalten einer Sollgießtemperatur bis zum Gießende.
9. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei die Bestimmung (16) der Ausgangssolltemperaturen
wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate (3,4) des Schmelzbetriebs (1) für
eine Gießpfanne (2) den aktuellen Standort der Gießpfanne (2) im Schmelzbetrieb (1)
berücksichtigt und die Ausgangssolltemperaturen für die nachfolgenden Primär- und/oder
Sekundäraggregate (3,4) anpasst (17).
10. Verfahren (10) nach Anspruch 9, umfassend das Weiterleiten der vorhergesagten Temperatur
der Metallschmelze in einer Gießpfanne (2) an den Gießbetrieb (5), wenn keine Anpassung
(17) der Ausgangstemperatur von Primär- und/oder Sekundäraggregaten (3,4) mehr möglich
ist.
11. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 10, wobei die Vorhersage von Temperaturen
der Metallschmelze in den Gießpfannen (2) und Temperaturen der Pfannenkörper für leere
Gießpfannen (2) im Schmelzbetrieb (1) anhand des Pfannenwärmezustands und der Plandaten
bis zur Ankunft am ersten Sekundäraggregat (4) nach dem nächsten Abstich des Primäraggregats
(3) erfolgt.
12. Verfahren (10) nach Anspruch 11, umfassend das Festlegen einer Ausgangssolltemperatur
für das Primäraggregat (3).
13. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 12, wobei das Modell (14) bei der Vorhersage
Abstichstrahlverluste, Materialzugaben, Vakuumbehandlung, elektrisches/chemisches
Heizen, Spülen von Gießpfannen (2), Abdecken von Gießpfannen (2), Heizen leerer Gießpfannen
(2) oder andere Einflüsse auf die Temperaturen der Metallschmelze in den Gießpfannen
(2) und Temperaturen der Pfannenkörper berücksichtigt.
14. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 13, wobei das Anpassen (17) der Ausgangstemperaturen
wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate (3,4) des Schmelzbetriebs (1) erst
bei Überschreiten eines Toleranzwerts erfolgt.
15. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 14, wobei das Modell (14) zusätzlich
eine energetische Optimierung des Schmelzbetriebs (1) erstellt, insbesondere an welchen
Stationen des Schmelzbetriebs (1) eine Anpassung (17) der Ausgangssolltemperaturen
wenigstens der Primär- und/oder Sekundäraggregate (3,4) des Schmelzbetriebs (1) erfolgt.
16. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 15, umfassend das Erzeugen einer Warnmeldung
für eine Produktionsplanung, wenn das Modell (14) ein Unterschreiten einer zulässigen
Gießtemperatur innerhalb des Gießbetriebs (5) feststellt, insbesondere umfassend den
Zeitpunkt des voraussichtlichen Unterschreitens der Gießtemperatur.
17. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 16, umfassend das Erzeugen einer Warnmeldung
für eine Produktionsplanung, wenn sich durch das Anpassen (17) der Ausgangstemperaturen
wenigstens eines Sekundäraggregats (4) die Verweilzeit an dem entsprechenden Sekundäraggregat
(4) verlängert.
18. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 17, wobei das Modell (14) in Echtzeit
einen zeitlich durchgängigen Temperaturverlauf für die Schmelze, die Pfannenkörper
und eventuell vorhandene Pfannendeckel auf Basis eines aktuellen Produktionsplans
berechnet.
19. Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 18, umfassend das Bewerten der Eignung
eines Pfannenkörpers für einen geplanten Abstich auf Basis des Pfannenwärmezustands,
wobei der Pfannenwärmezustand gemessen und/oder aus dem Modell (14) abgeleitet wird.
20. Computerprogramm, umfassend Befehle, die bei der Ausführung des Programms durch einen
Computer diesen veranlassen, das Verfahren (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 19
auszuführen.