[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum elektrolytischen Beizen eines Warmbands,
wobei das Warmband mindestens zwei Beizbäder durchläuft.
[0002] Die Entfernung von Oberflächenfehlern, wie zum Beispiel Zunder, bei der Herstellung
von Warmbändern ist essenziell, um eine nahezu fehlerfreie Oberfläche an einem Warmband
für eine gute (Weiter-) Verarbeitbarkeit in der Produktionsfolge und/oder als Produkt
zur Verfügung stellen zu können. Eine nahezu fehlerfreie Oberfläche kann von Vorteil
sein, da die Menge an Flaps, somit Rückstände bzw. Erhebungen vom Warmwalzen und/oder
an Überwalzungen aus der Warmbandstufe reduziert werden können und in der Folge zu
einer Minimierung von Oberflächenfehlern im walzharten oder geglühten und optional
beschichteten Warmband führen kann. Je nach Konzept, insbesondere zur Herstellung
von höher- und höchstfesten Stählen, kann auch eine vermehrte Korngrenzenoxidation
neben Flaps bzw. Überwalzungen an der Oberfläche des Warmbands stattfinden. Die aus
der Warmbandstufe erzeugten Oberflächenfehler lassen sich durch langes Beizen minimieren,
können aber zu einem andersartigen Fehler in Form einer zerklüfteten Oberfläche durch
die zu lange Beizzeit führen.
[0003] Aus der
WO 2021/105738 A1 ist ein Verfahren zum elektrolytischen Beizen von Stahlflachprodukten bekannt. Wesentlich
ist, dass das Beizen mit einem Wechselstrom beaufschlagt wird, wodurch im Vergleich
zu einem mit Gleichstrom beaufschlagten Beizen der Zunder auf der Oberfläche des Stahlflachprodukts
schneller, mit geringer Beizzeit, entfernt werden kann.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zum elektrolytischen Beizen
anzugeben, mit welchem eine im Wesentlichen technisch reine Oberfläche des Warmbands
erzeugt werden kann, insbesondere frei von Zunder sowie frei von geschädigten Kornlagen,
wie zum Beispiel Korngrenzenoxidation, Ungänzen, Kohlenstoff-Belegungen, oberflächennahe
Defekte etc., und/oder eingelagerte Prozessgase, insbesondere diffusibler Wasserstoff,
an der Oberfläche gesenkt werden können.
[0005] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1.
Weiterführende Ausgestaltungen sind den Unteransprüchen beschrieben.
[0006] Erfindungsgemäß wird das Warmband zuerst in einem ersten, ein saures Medium enthaltenden
Beizbad mit einer kathodischen Polarisation und anschließend in einem zweiten, ein
saures Medium enthaltenden Beizbad mit einer anodischen Polarisation gebeizt.
[0007] Ein sehr gutes Ergebnis mit dem Ziel einer im Wesentlichen technisch reinen Oberfläche
wird erzielt, indem zuerst ein elektrolytisches Beizen in einem ersten, ein saures
Medium enthaltenden Beizbad erfolgt. In diesem ersten Beizen wird gezielt Wasserstoff
an der zu beizenden Oberfläche durch die kathodische Polarisation (kathodisches Beizen)
erzeugt, so dass durch die Wasserstofferzeugung ein im Wesentlichen "mechanisches"
Abplatzen des Zunders begünstigt wird. Die durch die kathodische Polarisation bedingte
große Wasserstoffmenge kann somit zu einer vorteilhaften Beschleunigung der Zunderentfernung
führen. Bei einem stromlosen Beizen in einem, eine Säure enthaltenden Beizbad hingegen
wäre bei gleicher Zeitdauer der Beizvorgang noch nicht abgeschlossen und damit ein
Abtrag des Zunders unvollständig. Anschließend erfolgt ein elektrolytisches Beizen
in einem zweiten, ein saures Medium enthaltenden Beizbad mit einer anodischen Polarisation
(anodisches Beizen). Dabei werden oberflächennahe Defekte, insbesondere geschädigte
Kornlagen sowie Ungänzen, an der Oberfläche entfernt. Bei "nur" einem anodischen Beizen
und einem Verzicht auf ein vorgelagertes kathodisches Beizen würde die Zunderschicht
quasi temporär als Barriere-Schicht fungieren und den anodischen Materialabtrag verzögern.
[0008] Um beispielsweise eine gezielte Senkung des diffusiblen Wasserstoffs herbeizuführen,
führt das kathodische Beizen trotz einer verstärkten Wasserstofferzeugung oberflächennah
bzw. an der Oberfläche des Warmbands nicht zu einem weiteren Eintrag von Wasserstoff
in das Warmband, sondern bewirkt im Gegenteil eine Absenkung des eingelagerten Wasserstoffs
durch Entweichen im Zuge des "Abplatzens".
[0009] Das Warmband durchläuft mindestens zwei Beizbäder, so dass in der einfachsten Ausgestaltung
zuerst das kathodische Beizbad und im Anschluss das anodische Beizbad aufeinanderfolgend
durchlaufen werden. In weiteren Ausgestaltungen kann das kathodische Beizbad (K) auch
in zwei kathodischen Beizbädern (2K) oder drei kathodischen Beizbädern (3K) oder mehr
durchgeführt werden. So kann in weiteren Ausgestaltungen auch das anodische Beizbad
(A) in zwei anodischen Beizbädern (2A) oder drei anodischen Beizbädern (3A) oder mehr
durchgeführt werden. Mithin kann das Warmband in weiteren Ausgestaltungen in folgenden
Reihenfolgen gebeizt werden: K + 2A; K + 3A; 2K + A; 3K + A; 2K + 2A; 3K + 2A und
weitere analoge Kombinationen. Weitere Bäder, insbesondere stromlose oder auch strombehaftete,
beispielsweise alkalische Bäder, können durchlaufen werden. Das kathodische Beizbad
und das anodische Beizbad können bevorzugt an letzter Stelle oder an vorletzter Stelle,
wenn ein Spülschritt mit optionalem Trocknungsschritt vorgesehen ist, in der Reihenfolge
eines mehrere Bäder durchlaufenden Warmbands sein.
[0010] Die Mithilfe des elektrolytischen Beizens erzielten Oberflächeneigenschaften verbessern
die Umformeigenschaften, Vermeidung von Flaps für die weitere Prozessfolge, wie zum
Beispiel Kaltwalzen (Kaltband), die Flüssigmetallversprödung (LME), die Beschichtbarkeit/gleichmäßigere
Verteilung sowie die Rauheit/wsa-Wert oder weitere. Mit anderen Worten lässt sich
die Oberfläche am Warmband durch das erfindungsgemäße Beizen so konditionieren, dass
Prozess- und Produktvorteile resultieren, insbesondere die Dauerfestigkeit bzw. die
Betriebsfestigkeit/Lebensdauer verbessert/erhöht werden kann.
[0011] Das Warmband besteht aus einem Stahlwerkstoff in ebener Form als warmgewalztes Stahlflachprodukt.
Insbesondere eignet sich die Erfindung für hoch-, höher- und höchstfeste Stahlwerkstoffe,
welche u.a. eine hohe Neigung zu LME haben und dadurch eine Verbesserung erzielt werden
kann. Vorzugsweise wird ein Warmband für den Einsatz als Mehrphasenstähle eingesetzt,
welche für die Herstellung von Bauteilen mittels Kaltverformung vorgesehen sind, mit
einer Zugfestigkeit von mindestens 800 MPa, insbesondere mindestens 900 MPa, vorzugsweise
mindestens 950 MPa und mehr, beispielsweise bis zu 1800 MPa, insbesondere bis zu 1600
MPa, vorzugsweise bis zu 1400 MPa. Die Erfindung eignet sich bevorzugt für sogenannte
und bekannte DP-, CP- und Q&P-Stähle mit Zugfestigkeiten zwischen 980 und 1400 MPa.
Darüber hinaus und alternativ lassen sich auch andere Güten aus dem Warmband mit geeigneter
Chemie herstellen, insbesondere mit Zugfestigkeiten unterhalb von 800 MPa, beispielsweise
BHZ-Güten aus Kaltband.
[0012] Gemäß einer Ausgestaltung kann das saure Medium im ersten Beizbad und im zweiten
Beizbad eine wässrige Lösung einer organischen oder anorganischen Säure umfassen,
ausgewählt aus der Gruppe enthaltend oder bestehend aus Salzsäure, phosphorige Säure,
Phosphorsäure, Perchlorsäure, salpetrige Säure, Salpetersäure, Flusssäure, schwefelige
Säure, Schwefelsäure oder eine Mischung von zwei oder mehrerer dieser Säuren. Die
anorganische Säure kann einzeln oder in Summe eine Konzentration zwischen 50 und 600
g/l enthalten, Rest Wasser und unvermeidbare Verunreinigungen. Die Konzentration kann
insbesondere mindestens 80 g/l, vorzugsweise mindestens 100 g/l und insbesondere maximal
550 g/l, vorzugsweise maximal 500 g/l betragen.
[0013] Gemäß einer Ausgestaltung kann die kathodische als auch die anodische Polarisation
mit einer Stromdichte zwischen 10 und 200 A/dm
2 durchgeführt werden. Höhere Stromdichten bieten hier eine Möglichkeit u.a. den Beizprozess
zu beschleunigen im Vergleich zum stromlosen klassischen Beizen. Beispielsweise kann
die kathodische Polarisation mit einer Stromdichte zwischen 40 und 200 A/dm
2, insbesondere zwischen 50 und 150 A/dm
2, vorzugsweise zwischen 60 und 120 A/dm
2, bevorzugt zwischen 70 und 100 A/dm
2 durchgeführt werden. Beispielsweise kann die anodische Polarisation mit einer Stromdichte
zwischen 10 und 200 A/dm
2, insbesondere zwischen 20 und 150 A/dm
2, vorzugsweise zwischen 30 und 100 A/dm
2, bevorzugt zwischen 30 und 80 A/dm
2 durchgeführt werden.
[0014] Gemäß einer Ausgestaltung kann die Beizzeit, welche der Verweil-/Tauchzeit des Warmbands
während des Beizens entspricht, im ersten Beizbad und im zweiten Beizbad jeweils zwischen
1 und 100s beträgt. Insbesondere kann die Beizzeit mindestens 2s, vorzugsweise mindestens
3s, bevorzugt mindestens 5s und insbesondere maximal 80s, vorzugsweise maximal 60s,
bevorzugt maximal 50s betragen. Die Beizbäder weisen jeweils eine Temperatur zwischen
-5 und 105 °C, insbesondere zwischen 10 und 90 °C, vorzugsweise eine Temperatur zwischen
25 und 75 °C, bevorzugt eine Temperatur zwischen 40 und 60 °C auf.
[0015] Gemäß einer Ausgestaltung kann das saure Medium im ersten und auch im zweiten Beizbad
jeweils eine Schwefelsäure mit einer Konzentration zwischen 100 und 300 g/l enthalten,
Rest Wasser und unvermeidbare Verunreinigungen. Die Konzentration kann insbesondere
mindestens 130 g/l, vorzugsweise mindestens 150 g/l betragen.
[0016] Durch das kathodische und anodische Beizen, insbesondere mit einem sauren Medium
enthaltend Schwefelsäure, kann die Oberfläche des Warmbands derart beeinflusst werden,
dass oberflächencharakteristische Parameter, u. a. die Mittenrauheit R
a reduziert oder eingestellt sowie der Welligkeitskennwert Wsa, ermittelt nach SEP
1941, gesenkt werden kann, bevorzugt dann, wenn die vorgenannten Bedingungen eingehalten
werden. Der Wsa-Wert kann somit maximal 0,3 µm, insbesondere maximal 0,25 µm, vorzugsweise
maximal 0,2 µm, bevorzugt maximal 0,18 µm, besonders bevorzugt maximal 0,15 µm betragen.
Dieser Wert ist > 0,01 µm.
[0017] Da die gesamte oberflächennahe Chemie durch das elektrolytische Beizen beeinflusst
wird, erfolgt ein Materialabtrag bis ins Grundmaterial hinein, wobei die durch innere
Oxidation geschädigten Kornlagen im Wesentlichen vollständig entfernt werden können.
[0018] Zwischen den einzelnen Beizbädern kann ein Spülen mit Wasser und/oder einer wässrigen
Lösung durchgeführt werden. Hierzu kann das Spülen mit Wasser und/oder einem Alkohol,
beispielsweise ausgewählt aus der Gruppe enthaltend oder bestehend aus Methanol, Ethanol,
Propanol, Isopropanol, Ethanol, insbesondere Isopropanol oder einer wässrigen Lösung,
unterbrochen werden. In einer Alternative erfolgt das Spülen in zwei Teilschritten,
in einem ersten Teilschritt mit Wasser; in einem zweiten Teilschritt mit einem Alkohol
oder einer wässrigen Lösung eines Alkohols wie oben angegeben. In einer anderen Alternative
erfolgt das Spülen mit Wasser und einem Alkohol in einem Schritt, bevorzugt als Mischung
von Wasser mit einem der oben angegebenen Alkohole. Das Spülen erfolgt bevorzugt kontinuierlich,
wobei insbesondere ein Verfahren ausgewählt aus der Gruppe oder bestehend aus Spritzen,
Sprühen, Auftragen (Coil-Coating) und bevorzugt Tauchen eingesetzt werden kann. Vorzugsweise
wird nach dem Spülen eine Trocknung durchgeführt, wobei bevorzugt die "gespülte" Oberfläche
durch Temperaturerhöhung (bis maximal 100 °C) oder durch ein Gebläse getrocknet wird.
[0019] In einer Alternative kann die "gespülte" Oberfläche luftgetrocknet werden, beispielsweise
ohne weitere Hilfsmittel.
[0020] Im Folgenden werden konkrete Ausgestaltungen der Erfindung im Detail näher erläutert:
Aus einem Warmband der Güte Q&P, hier speziell aus einem Q&P 1180, wurden mehrere
Proben abgetrennt, welche unterschiedlich gebeizt wurden.
[0021] An einer Reihe von ersten Proben erfolgte ein elektrolytisches Beizen in zwei Prozessschritten
durch jeweils aufeinanderfolgendes Tauchen oder Umströmen mit einem Elektrolyten,
wobei in beiden Elektrolyten eine Schwefelsäure mit einer Konzentration von 250 g/l
enthalten war. Beide Elektrolyte hatten eine Temperatur von 55 °C und wurden unter
Stromeinwirkung betrieben. Beim ersten durchlaufenen Elektrolyten betrug die Tauchzeit
60s mit einer anodischen Stromdichte von 60 A/dm
2 und beim zweiten durchlaufenen Elektrolyten betrug die Tauchzeit 30s mit einer anodischen
Stromdichte von 40 A/dm
2.
[0022] An einer Reihe von zweiten Proben erfolgte ein elektrolytisches Beizen in drei Prozessschritten
durch jeweils aufeinanderfolgendes Tauchen oder Umspülen mit einem Elektrolyten, wobei
in allen drei Elektrolyten eine Schwefelsäure mit einer Konzentration von 260 g/l
enthalten war. Die Elektrolyte hatten alle eine Temperatur von 55 °C und wurden unter
Stromeinwirkung betrieben. Beim ersten durchlaufenen Elektrolyten betrug die Tauchzeit
30s mit einer kathodischen Stromdichte von 80 A/dm
2. Beim zweiten durchlaufenen Elektrolyten betrug die Tauchzeit 60s mit einer anodischen
Stromdichte von 60 A/dm
2 und beim dritten durchlaufenen Elektrolyten betrug die Tauchzeit 30s mit einer anodischen
Stromdichte von 40 A/dm
2.
[0023] Nach dem Beizen erfolgte ein Tauchspülen für 2 bis 4s in Wasser mit einer Temperatur
von ca. 20 °C (Raumtemperatur). Die gespülten Proben wurden anschließend mittels Warmluftgebläse
für 30s getrocknet.
[0024] Ein Beiz-Ergebnis der unterschiedlich gebeizten Proben ist in
Figur 1 gezeigt, links am Beispiel einer ersten Probe, rechts am Beispiel einer erfindungsgemäß
gebeizten zweiten Probe. Gut zu erkennen ist, dass die erfindungsgemäß gebeizten Proben
ein besseres Beizergebnis liefern.
[0025] Mittels GDOES wurden auch Elementanreicherungen von Al, Si, Cr und Cu bestimmt, die
sich aufgrund des erfindungsgemäßen Beizens verschieben, zum Teil erhöhen und zum
Teil senken sich die Legierungselemente Al, Si, Cr und Cu. Eine einleitende kathodische
Polarisierung ist somit nötig, um ein akzeptables Zunderentfernungsbild zu erhalten.
Des Weiteren wurde in einer mikroskopischen Oberflächenuntersuchung festgestellt,
dass erfindungsgemäß eine ebene und gleichmäßigere (geringere Rauheit) Warmbandoberfläche
sowie keine ausgebeizten Korngrenzen vorliegen, mittels Querschliffen sowie REM-Aufsichten
gezeigt in
Figur 2, links am Beispiel einer erfindungsgemäß gebeizten zweiten Probe und rechts am Beispiel
einer ersten Probe.
[0026] Des Weiteren wurden bei den ersten Proben mittels GDOES Restzunder nachgewiesen,
insbesondere auch eine Korngrenzenoxidation, welche sich anhand von Lichtspektren
nachvollziehen lassen. Die Korngrenzenoxidation kann durch die erfindungsgemäße Kombination
des kathodischen Beizens mit dem anodischen Beizen vollständig entfernt werden. Darüber
hinaus ist eine vollständige Zunderentfernung gegeben, s. linke Darstellung in
Figur 3.
[0027] Ein Teil der vorgenannten Warmband-Proben wurde kaltgewalzt und aus den kaltgewalzten
Proben (Kaltband) wurden mehrere Proben abgetrennt und (wieder) gebeizt. Alle Kaltband-Proben
wurden einem elektrolytischen Beizen durch Tauchen oder Umspülen mit einem Elektrolyten,
enthaltend eine Schwefelsäure mit einer Konzentration von 250 g/l zugeführt. Die Temperatur
des Elektrolyten lag bei 20 °C (Raumtemperatur) und die Tauchzeit betrug 60s. Das
Beizen erfolgte stromlos. Nach dem Beizen erfolgte ein Tauchspülen für 2 bis 4s in
Wasser mit einer Temperatur von ca. 20 °C (Raumtemperatur). Die gespülten Proben wurden
anschließend mittels Warmluftgebläse für 30s getrocknet.
[0028] Figur 4 zeigt, links am Beispiel einer ersten Probe, rechts am Beispiel einer erfindungsgemäß
gebeizten zweiten Probe, die Oberflächen der Kaltband-Proben. Gut zu erkennen ist,
dass durch das erfindungsgemäße Beizen des Warmbands eine nahezu fehlerfreie Oberfläche,
auch am Kaltband, beibehalten werden kann.
[0029] Die Kaltband-Proben wurden in einem Schmelztauchbeschichtungsprozess mit jeweils
eine ca. 7 µm dicker Zinkschicht beschichtet.
[0030] Anschließend wurden gleiche Proben MIG gelötet, um eine fügetechnische Charakterisierung
durchführen zu können. Der MIG-Lötprozess zeigt u.a. als Einseitenfügeverfahren eine
Neigung zur flüssigmetallinduzierten Rissbildung (LME). Die Charakterisierung der
Neigung zur Rissbildung wird beispielsweise durch Lötverbindung am Überlappstoß mit
anschließender röntgenografischer Durchstrahlungsprüfung durchgeführt. Eine Reduzierung
der Rissmenge ist durch das erfindungsgemäße Beizen möglich, welches im Schnitt ca.
13 Risse in den Lötverbindungen im Vergleich zu den ersten Proben mit im Schnitt ca.
28 Rissen zeigte. Somit ist die Erfindung geeignet, um LME zu vermindern oder sogar
zu verhindern.
[0031] Des Weiteren konnte eine Wasserstoffaufnahme durch das erfindungsgemäße Beizen um
bis zu 60 % verringert werden. Dies konnte mittels Thermodesorptionsmassenspektrometrische
Analyse (TD-MS) wie folgt nachgewiesen werden:
Die ersten Proben lagen bei einem diffusiblen Wasserstoffgehalt von im Mittelwert/Standardabweichung
ca. 0,033 ppm/0,001 ppm und die zweiten Proben bei einem diffusiblen Wasserstoffgehalt
von im Mittelwert/Standardabweichung ca. 0,010 ppm/0,005 ppm.
1. Verfahren zum elektrolytischen Beizen eines Warmbands, wobei das Warmband mindestens
zwei Beizbäder durchläuft, dadurch gekennzeichnet, dass das Warmband zuerst in einem ersten, ein saures Medium enthaltenden Beizbad mit einer
kathodischen Polarisation und anschließend in einem zweiten, ein saures Medium enthaltenden
Beizbad mit einer anodischen Polarisation gebeizt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei das saure Medium im ersten Beizbad und im zweiten
Beizbad eine wässrige Lösung einer anorganischen Säure umfasst, ausgewählt aus der
Gruppe enthaltend oder bestehend aus Salzsäure, phosphorige Säure, Phosphorsäure,
Perchlorsäure, salpetrige Säure, Salpetersäure, Flusssäure, schwefelige Säure, Schwefelsäure
oder eine Mischung von zwei oder mehrerer dieser Säuren.
3. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei die kathodische als auch die
anodische Polarisation mit einer Stromdichte zwischen 10 und 200 A/dm2 durchgeführt wird.
4. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei die Beizzeiten im ersten Beizbad
und im zweiten Beizbad jeweils zwischen 1 bis 100s betragen, wobei die Beizbäder jeweils
eine Temperatur zwischen -5 und 150 °C aufweisen.
5. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei das saure Medium im ersten
und auch im zweiten Beizbad jeweils eine Schwefelsäure mit einer Konzentration zwischen
100 und 300 g/l enthält, Rest Wasser und unvermeidbare Verunreinigungen.
6. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei die Oberfläche des Warmbands
einen Welligkeitskennwert Wsa, ermittelt nach SEP 1941, von maximal 0,3 µm aufweist.
7. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei das Warmband aus einem Stahlwerkstoff
mit einer Zugfestigkeit von mindestens 800 MPa bis zu 1800 MPa besteht.
8. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei das Warmband aus einem DP-
oder CP-Stahl mit einer Zugfestigkeit zwischen 980 MPa und 1400 MPa besteht.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei das Warmband aus einem Q&P-Stahl
mit einer Zugfestigkeit zwischen 980 MPa und 1400 MPa besteht.