[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anlage zur Herstellung
eines Reaktionsprodukts, insbesondere von Methanol.
Hintergrund
[0002] Derzeit basiert die Herstellung von Methanol und seinen Derivaten (z.B. Dimethylether,
DME) meist auf der Reaktion von Synthesegas, das Kohlenmonoxid und Wasserstoff enthält,
in einem sogenannten Methanolsynthesekreislauf. Die erwähnten Edukte stammen dabei
in herkömmlichen Verfahren typischerweise aus der Dampfreformierung oder partiellen
Oxidation von kohlenstoffhaltigen (fossilen) Rohstoffen wie Erdgas, flüssigen Kohlenwasserstoffen
oder Kohle.
[0003] Um das Ausmaß des globalen Klimawandels durch Kohlendioxidemissionen zu begrenzen,
wurde die Nutzung von Kohlendioxid als Kohlenstoffquelle für die Methanolproduktion
vorgeschlagen. Für die Methanolproduktion aus Kohlendioxid lassen sich dabei im Wesentlichen
zwei Hauptwege unterscheiden:
Der erste Weg kann als direkte Hydrierung von Kohlendioxid beschrieben werden, wobei
Kohlendioxid zusammen mit einer wasserstoffhaltigen Coeinspeisung dem Methanolsynthesekreislauf
zugeführt wird. Die Bruttoreaktion, die in einem solchen Kreislauf stattfindet, kann
mit der nachfolgend angegeben Reaktionsgleichung (1) beschrieben werden.
CO
2 + 3 H
2 → CH
3OH + H
2O (1)
[0004] Der zweite Weg umfasst eine Kohlendioxidelektrolyse oder eine Coelektrolyse, mittels
derer zumindest ein Teil des Kohlendioxideinsatzes zu Kohlenmonoxid umgewandelt wird,
welches dann seinerseits einem Kreislauf zugeführt wird, der dem herkömmlichen Methanolsynthesekreislauf
ähnelt.
[0005] Die Bruttoreaktion bei der elektrochemischen Umwandlung von Kohlendioxid in Kohlenmonoxid
kann mit der nachfolgend angegebenen Reaktionsgleichung (2) beschrieben werden.
CO + 2 H
2 → CH
3OH (2)
[0006] Unabhängig davon, ob die direkte Hydrierung von Kohlendioxid gemäß Reaktionsgleichung
(1) oder ein auf Kohlenmonoxid basierendes Verfahren gemäß Reaktionsgleichung (2)
verwendet wird, kann die allgemeine Ausgestaltung eines entsprechenden Kreislaufs
wie folgt beschrieben werden:
Die jeweiligen Einsatzströme werden zusammengeführt und auf einen Druck von typischerweise
50-100 bar verdichtet. Je nach Herkunft der Einsatzstoffe können die verschiedenen
Einsatzströme dabei separat oder nach der Zusammenführung verdichtet werden. Ein entsprechend
gebildeter Gesamteinsatzstrom wird mit einem Rezyklatstrom vereinigt, vorgewärmt,
und in einem oder mehreren Katalysatorbetten zur Reaktion gebracht. Der gebildete
Produktstrom wird abgekühlt, die flüssigen Reaktionsprodukte werden zumindest teilweise
kondensiert und aus dem Kreislauf entfernt, und die gasförmigen Reaktanten werden
zumindest teilweise in den erwähnten Rezyklatstrom überführt. Die flüssigen Reaktionsprodukte
werden aufgereinigt, typischerweise in einer oder zwei Destillationskolonnen.
[0007] Wenngleich die vorliegende Erfindung nachfolgend überwiegend unter Bezugnahme auf
die Methanolsynthese beschrieben wird und diese einen besonders vorteilhaften Anwendungsbereich
der Erfindung und ihrer Ausgestaltungen darstellen kann, eignen sich die vorliegende
Erfindung ihre Ausgestaltungen nicht nur hierfür, sondern grundsätzlich auch für andere
Verfahren, in denen sich die unten erläuterten Vorteile der Erfindung und ihrer Ausgestaltungen
entfalten können. Beispiele für entsprechende Verfahren sind unten erwähnt und umfassen
grundsätzlich alle Verfahren, in denen eine Destillation flüssiger Reaktionsprodukte
bei einer Temperatur oberhalb der Umgebungstemperatur vorgenommen wird.
[0008] Die vorliegende Erfindung stellt sich nunmehr die Aufgabe, entsprechende Verfahren,
insbesondere zur Herstellung von Methanol, zu verbessern und insbesondere flexibler
und/oder energieeffizienter auszugestalten.
Offenbarung der Erfindung
[0009] Vor diesem Hintergrund werden ein Verfahren und eine Anlage zur Herstellung eines
Verfahrensprodukts mit den jeweiligen Merkmalen der unabhängigen Patentansprüche vorgeschlagen.
Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Patentansprüche und der nachfolgenden
Beschreibung.
[0010] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird vorgeschlagen, eine oder mehrere Wärmepumpen
in Kombination mit einer Speicherung thermischer Energie zu verwenden, um zumindest
einen Teil der Wärme bereitzustellen, die für die Reinigung von aus Kohlendioxid hergestelltem
Methanol oder anderen Verfahrensprodukten erforderlich ist. Die Wärmepumpe(n) wird
bzw. werden eingesetzt, um das Temperaturniveau der Wärme zu erhöhen, so dass es dem
Temperaturniveau entspricht, das von einer verwendeten Reinigungsanlage benötigt wird.
Die Speicherung der thermischer Energie ermöglicht es, die betriebliche Flexibilität
der Anlage trotz eines hohen Grades der Wärmeintegration zu erhöhen.
[0011] Wie erwähnt, wird die vorliegende Erfindung und ihre Ausgestaltungen am Beispiel
der Methanolsynthese beschrieben. Die Erfindung und ihre Ausgestaltungen eignen sich
jedoch in gleicher Weise für die Verwendung im Zusammenhang mit anderen Verfahren,
insbesondere in Form sogenannter "Power-to-Liquids"-Prozesse, die eine entsprechende
Produktaufbereitung bei Temperaturen oberhalb der Umgebungstemperatur erfordern, beispielsweise
die Herstellung von Dimethylether und Fischer-Tropsch-Synthesen mit Vor-Ort-Verarbeitung
(Destillation) der entsprechend erhaltenen Rohprodukte.
[0012] In entsprechenden Verfahren werden Verfahrensedukte, insbesondere Wasserstoff, vorteilhafterweise
mittels elektrischer Energie, d.h. insbesondere mittels Elektrolyse, bereitgestellt,
so dass nachfolgend kurz auf die Grundlagen entsprechender Elektrolyseverfahren eingegangen
werden soll.
[0013] Bei der klassischen Wasserelektrolyse wird eine wässrige alkalische Lösung, typischerweise
von Kaliumhydroxid, als Elektrolyt verwendet (AEL, Alkalische Elektrolyse). Die Elektrolyse
mit einer uni- oder bipolaren Elektrodenanordnung erfolgt dabei bei Atmosphärendruck
oder im industriellen Maßstab auch deutlich darüber. Neuere Entwicklungen bei der
Wasserelektrolyse umfassen die Verwendung von protonenleitenden lonenaustauschmembranen
(SPE, Solid Polymer Electrolysis; PEM, Proton Exchange Membranes), bei der das zu
elektrolysierende Wasser an der Anodenseite bereitgestellt wird. Auch Elektrolysetechnologien
unter Verwendung eines Anionenaustauschermembran (AEM, Anion Exchange Membrane) werden
eingesetzt.
[0014] Die bisher genannten Verfahren der Wasserelektrolyse zählen zu den Niedertemperaturverfahren,
bei denen das zu elektrolysierende Wasser in der Flüssigphase vorliegt. Daneben wird
auch die sogenannte Dampfelektrolyse eingesetzt, die ebenfalls mit alkalischen Elektrolyten
(also als AEL) mit angepassten Membranen, beispielsweise Polysulfonmembranen, sowie
unter Verwendung von Festoxidelektrolysezellen (SOEC, Solid Oxide Electrolysis Cells)
durchgeführt werden können. Letztere umfassen insbesondere dotiertes Zirkondioxid
oder Oxide anderer seltener Erden, die bei mehr hohen Temperaturen leitfähig werden.
Entsprechende Verfahren werden nachfolgend auch als Hochtemperaturelektrolyse bezeichnet.
[0015] Der Begriff der Elektrolyse soll nachfolgend sämtliche dieser Verfahren umfassen.
Insbesondere die Niedertemperaturelektrolyse (PEM, AEL, AEM) eignet sich für einen
flexiblen Betrieb, der den Energieübergang zu erneuerbaren Energien unterstützt. Sämtliche
Verfahren können im Rahmen der vorliegenden Erfindung und entsprechender Ausgestaltungen,
auch in Kombination, eingesetzt werden.
[0016] Industrielle Wärmepumpen ermöglichen die Erhöhung des Temperaturniveaus eines Wärmestroms.
Ihr Funktionsprinzip besteht darin, Wärme von einer Wärmequelle auf ein Arbeitsmedium
auf einem niedrigen Temperaturniveau zu übertragen, den Druck des Arbeitsmediums zu
erhöhen, und dann die Wärme auf einem höheren Temperaturniveau an eine Wärmesenke
abzugeben. Die Druckerhöhung kann z.B. durch einen elektrisch angetriebenen Verdichter
erfolgen. Oft wird die Arbeitsflüssigkeit auf dem niedrigen Temperaturniveau verdampft
und auf dem hohen Temperaturniveau kondensiert, was aber nach dem allgemeinen Funktionsprinzip
nicht unbedingt erforderlich ist. Am häufigsten werden Wärmepumpen derzeit für die
Warmwasserbereitung eingesetzt, z.B. im Bereich der Gebäudeheizung.
[0017] Angesichts der akuten Notwendigkeit, die Prozessindustrie zu dekarbonisieren, werden
Wärmepumpen auch zunehmend für den Einsatz in der chemischen Industrie in Betracht
gezogen. Da Dampf das häufigste Heizmedium in der chemischen Industrie darstellt,
wurden Wärmepumpen entwickelt, die Dampf erzeugen. Der durch indirekte Wärmeübertragung
mit dem Arbeitsmedium der Wärmepumpe erzeugte Dampf kann direkt genutzt oder weiter
aufbereitet werden, z.B. durch eine Dampfverdichtung.
[0018] Speziell bei Destillationskolonnen kann ein methanolreiches, gasförmiges Kopfprodukt
verdichtet und gegen den Verdampfer derselben Kolonne kondensiert werden. Obwohl es
sich hierbei nicht um einen geschlossenen Wärmepumpenkreislauf handelt, wie er zuvor
beschrieben wurde, folgt das Vorgehen dem gleichen allgemeinen Prinzip.
[0019] Erneuerbare Energiequellen wie Wind und Sonne sind hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit
nicht oder nur schwer planbar, d.h. ihre Verfügbarkeit schwankt im Laufe der Zeit.
Um sicherzustellen, dass die Energie bei Bedarf verfügbar ist, kann sie gespeichert
werden, z.B. in Form von elektrochemischer, chemischer oder thermischer Energie. Die
Speicherung von elektrochemischer Energie, z.B. in Batterien, ist effizient, aber
kostenintensiv. Die Speicherung chemischer Energie erfordert die Durchführung einer
chemischen Reaktion und ist oft verlustbehaftet und langsam in der Bereitstellung.
[0020] Die Speicherung thermischer Energie ist dagegen vergleichsweise günstig und flexibel.
Ihr Nachteil besteht herkömmlicherweise darin, dass thermische Energie nicht ohne
weiteres mit hohem Wirkungsgrad in andere Energieformen, z.B. elektrische Energie,
umgewandelt werden kann. Eine einfache und kostengünstig herzustellende Form der Speicherung
thermischer Energie ist die Speicherung sensibler Wärme bzw. thermischer Energie in
Zement. Der Speicher wird hierbei geladen, indem Zement mit Dampf erhitzt wird, und
entladen, indem die im Zement gespeicherte Wärme genutzt wird, um Wasser zum Sieden
zu bringen und entsprechend Dampf zu erzeugen. Die Speicherung latenter Wärme bzw.
thermischer Energie ist demgegenüber teurer, besitzt aber den Vorteil, dass ein konstantes
Temperaturniveau vorliegt. Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung ermöglichen
eine besonders vorteilhafte Speicherung thermischer Energie.
[0021] Die Aufbereitung von Methanol aus einer Methanolsynthese kann eine erhebliche Menge
an Wärme erfordern. Die direkte Hydrierung von Kohlendioxid ist aufgrund der geringeren
Bildung von Nebenprodukten und der höheren Ausgereiftheit der Wasserelektrolyse im
Vergleich zur Kohlendioxidelektrolyse besonders attraktiv. Dieser Weg führt jedoch
zu einer weniger exothermen Reaktion als der konventionelle Weg und zu einem höheren
Wasseranteil in der Flüssigkeit, die aus dem Synthesekreislauf ausgeschleust wird.
Daher benötigt die Reinigungseinheit mehr Wärme für den Betrieb, hat aber weniger
Wärme aus der Reaktion zur Verfügung. Wird in diesem Zusammenhang eine Hochtemperaturelektrolyse
zur Bereitstellung des Edukts Wasserstoff verwendet, erhöht sich der Wärmebedarf weiter.
Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung lösen dieses Problem durch den Einsatz
von Wärmepumpen.
[0022] Der Einsatz von Wärmepumpen zur Anhebung des Temperaturniveaus von Wärme, die aus
Teilen des Prozesses zur Verfügung steht, ist effizienter als die rein elektrische
Erzeugung von Wärme. Allerdings werden dadurch Teile der Anlage, die ansonsten relativ
unabhängig voneinander arbeiten könnten, direkt miteinander gekoppelt. Im Falle einer
Dampfverdichtung, wie sie oben erwähnt wurde, erfordert eine Erhöhung der Verdampferlast
mehr Wärme, die nicht ohne weiteres von einem Dampfkondensator zur Verfügung gestellt
werden kann, es sei denn, die Verdampferlast wird zunächst erhöht. Mit anderen Worten
leidet eine derartige Ausgestaltung herkömmlicherweise unter einer schlechten Dynamik,
es sei denn, sie wird mit zusätzlichen Einrichtungen gekoppelt, die nur für Laständerungen
verwendet werden, wie beispielsweise Anfahrheizungen. Ausgestaltungen der Erfindung
lösen auch dieses Problem durch die Kombination der jeweils vorgeschlagenen Ansätze.
[0023] Die primäre Energiequelle der Methanolproduktion mit elektrochemisch erzeugtem Wasserstoff
und/oder Kohlenmonoxid ist Elektrizität, deren Verfügbarkeit im Laufe der Zeit schwanken
kann, insbesondere bei Verwendung von erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne.
Elektrochemische Verfahren wie die Elektrolyse unter Einsatz von Protonenaustauschmembranen
(PEM) ermöglichen einen äußerst flexiblen Betrieb. Groß angelegte chemische Prozesse
wie die Methanolsynthese weisen jedoch eine viel langsamere Dynamik auf. Ein hoher
Grad an Wärmeintegration verschlimmert dieses Problem in der Regel noch. Er erschwert
beispielsweise die Inbetriebnahme einer entsprechenden Anlage deutlich. Auch dieses
Problem wird durch den Einsatz der vorliegenden Erfindung gelöst.
[0024] In dem vorgeschlagenen Verfahren zur Herstellung eines Verfahrensprodukts, bei dem
es sich insbesondere um Methanol handeln kann, wird unter Verwendung einer Wasserelektrolyse
Wasserstoff bereitgestellt, wobei der Wasserstoff oder ein Teil hiervon mit Kohlendioxid
einer exothermen Reaktion unter Freisetzung von Wärme und Erhalt eines das Verfahrensprodukt
enthaltenen Produktgemischs unterworfen wird, wobei das Produktgemisch oder ein Teil
hiervon einer Destillation unter Verwendung einer oder mehrerer Destillationskolonnen
unterworfen wird, und wobei die eine oder zumindest eine der mehreren Destillationskolonnen
unter Verwendung von Wärme beheizt wird. Hierbei wird zumindest ein Teil der Wärme
unter Verwendung eines Heizsystems bereitgestellt, das eine oder mehrere Wärmepumpen
und einen oder mehrere Wärmespeichereinheiten umfasst, und dem in dem Verfahren anfallende
Wärme zugeführt wird. Hinsichtlich der hier erzielbaren Vorteile wird auf die obigen
Erläuterungen ausdrücklich verwiesen.
[0025] Die in der exothermen Reaktion freigesetzte Wärme kann zu einem ersten Anteil zur
Erzeugung von Dampf in einem Dampfsystem verwendet und zu einem zweiten Anteil stromab
hiervon in einem oder mehreren Prozessgaswärmetauschern abgeführt werden. Die Wärmeanteile
fallen dabei auf unterschiedlichen Temperaturniveaus an und können zielgerichtet genutzt
werden.
[0026] Die in dem Verfahren anfallende Wärme, die dem Heizsystem zugeführt wird, kann insbesondere
zumindest einen Teil der Wärme umfassen, die in dem einen oder den mehreren Prozessgaswärmetauschern
abgeführt wird. Entsprechende, auf einem niedrigeren Temperaturniveau anfallende Wärme
kann insbesondere mittels der Wärmepumpe(n) vorteilhafterweise auf ein höheres Temperaturniveau
angehoben werden, um diese verwenden und/oder speichern zu können.
[0027] In Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung kann die Wasserelektrolyse als Niedertemperaturelektrolyse
durchgeführt werden oder eine Niedertemperaturelektrolyse umfassen. Diese ermöglicht,
wie zuvor erläutert, einen besonders flexiblen Betrieb und weist keine zusätzlichen
Wärmeanforderungen auf.
[0028] Die Niedertemperaturelektrolyse kann in Ausgestaltungen der Erfindung eine Protonenaustauschmembranelektrolyse,
Anionenaustauschmembranelektrolyse und/oder alkalische Elektrolyse umfassen. Die vorliegende
Erfindung und ihre Ausgestaltung sind damit mit einer breiten Palette an Elektrolyseoptionen
realisierbar.
[0029] Der Niedertemperaturelektrolyse kann in Ausgestaltungen der Erfindung Elektrolysewasser
zugeführt werden, dem Wärme in einem Elektrolysewasserwärmetauscher entzogen wird,
wobei die in dem Verfahren anfallende Wärme, die dem Heizsystem zugeführt wird, zumindest
einen Teil der in dem Elektrolysewasserwärmetauscher dem Elektrolysewasser entzogenen
Wärme umfasst. Hierdurch ist eine vorteilhafte Nutzung entsprechender Wärme möglich,
welche insbesondere mittels der Wärmepumpe(n) auf ein geeignetes Temperaturniveau
angehoben werden kann.
[0030] Die in dem Verfahren anfallende Wärme, die dem Heizsystem zugeführt wird, kann im
Falle einer Niedertemperaturelektrolyse insbesondere Wärme des in dem Dampfsystem
erzeugten Dampfs umfassen. Diese Wärme kann insbesondere ohne Anhebung des Temperaturniveaus
mittels der Wärmepumpe(n) erfolgen und direkt in die Wärmespeichereinheit eingespeist
bzw. geeignet verwendet werden.
[0031] Zusätzlich bzw. alternativ kann die Wasserelektrolyse als Hochtemperaturelektrolyse
durchgeführt werden oder eine Hochtemperaturelektrolyse umfassen. Wie erwähnt, wird
für diese insbesondere weitere Wärme benötigt. Die Hochtemperaturelektrolyse kann
insbesondere als eine Festoxidelektrolyse durchgeführt werden.
[0032] In Ausgestaltungen der Erfindung kann der Hochtemperaturelektrolyse ein wasserstoffreicher
Strom entnommen werden, der unter Freisetzung von Verdichtungswärme einer Verdichtung
unterworfen wird, wobei die in dem Verfahren anfallende Wärme, die dem Heizsystem
zugeführt wird, zumindest einen Teil der Verdichtungswärme umfassen kann. Auch diese
Wärme kann mittels der Wärmepumpe(n) auf ein geeignetes Temperaturniveau gebracht
werden.
[0033] In dem Verfahren kann die Hochtemperaturelektrolyse insbesondere unter Verwendung
von Wärme durchgeführt werden, die Wärme des in dem Dampfsystem erzeugten Dampfs oder
einen Teil hiervon umfasst, wobei die in dem Verfahren anfallende Wärme, die dem Heizsystem
zugeführt wird, nur einen Teil oder keine Wärme des in dem Dampfsystem erzeugten Dampfs
umfasst. Auf diese Weise kann diese Wärme besonders zielgerichtet eingesetzt werden.
[0034] In Ausgestaltungen der Erfindung kann das Heizsystem unter Verwendung einer Dampfverdichtung
und/oder einer elektrischen Heizung betrieben werden, wobei zu weiteren Details auf
die untigen Erläuterungen verwiesen wird.
[0035] Wie erwähnt, kann in dem Verfahren insbesondere Methanol als das Verfahrensprodukt
hergestellt werden. Andere Verfahren und die dabei erzeugten Verfahrensprodukte sind
oben erläutert.
[0036] Die vorgeschlagene Anlage zur Herstellung eines Verfahrensprodukts ist dafür eingerichtet,
unter Verwendung einer Wasserelektrolyse Wasserstoff bereitzustellen, den Wasserstoff
oder einen Teil hiervon mit Kohlendioxid einer exothermen Reaktion unter Freisetzung
von Wärme und Erhalt eines das Verfahrensprodukt enthaltenen Produktgemischs zu unterwerfen,
das Produktgemisch oder einen Teil hiervon einer Destillation unter Verwendung einer
oder mehrerer Destillationskolonnen zu unterwerfen, und die eine oder zumindest eine
der mehreren Destillationskolonnen unter Verwendung von Wärme zu beheizen.
[0037] Die vorgeschlagene Anlage weist ein Heizsystem mit einer oder mehreren Wärmepumpen
und einer oder mehreren Wärmespeichereinheiten auf und ist dafür eingerichtet, zumindest
einen Teil der Wärme unter Verwendung des Heizsystems bereitzustellen und dem Heizsystem
in dem Verfahren anfallende Wärme zuzuführen.
[0038] Zu weiteren Merkmalen und Vorteilen einer entsprechenden Anlage und Ausgestaltungen
hiervon sei auf die obigen Erläuterungen betreffend das erfindungsgemäß vorgeschlagene
Verfahren und seine Ausgestaltungen ausdrücklich verwiesen, da diese hierfür in gleicher
Weise gelten.
[0039] Entsprechendes gilt auch für eine Anlage, die gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung
dazu eingerichtet ist, ein Verfahren gemäß einer beliebigen Ausgestaltung der vorliegenden
Erfindung durchzuführen.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
[0040] Ausführungsformen der Erfindung werden nachfolgend rein beispielhaft unter Bezugnahme
auf die beigefügte Zeichnung beschrieben, wobei
Figur 1 ein Verfahren gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung veranschaulicht, und
Figur 2 ein Verfahren gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung veranschaulicht.
Ausführungsformen der Erfindung
[0041] Die nachfolgend beschriebenen Ausführungsformen werden lediglich zu dem Zweck beschrieben,
den Leser beim Verständnis der beanspruchten und zuvor erläuterten Merkmale zu unterstützen.
Sie stellen lediglich repräsentative Beispiele dar und sollen hinsichtlich der Merkmale
der Erfindung nicht abschließend und/oder beschränkend betrachtet werden. Es versteht
sich, dass die zuvor und nachfolgend beschriebenen Vorteile, Ausführungsformen, Beispiele,
Funktionen, Merkmale, Strukturen und/oder anderen Aspekte nicht als Beschränkungen
des Umfangs der Erfindung, wie er in den Ansprüchen definiert ist, oder als Beschränkungen
von Äquivalenten zu den Ansprüchen zu betrachten sind, und dass andere Ausführungsformen
verwendet und Änderungen vorgenommen werden können, ohne vom Umfang der beanspruchten
Erfindung abzuweichen.
[0042] Unterschiedliche Ausführungsformen der Erfindung können weitere zweckmäßige Kombinationen
der beschriebenen Elemente, Komponenten, Merkmale, Teile, Schritte, Mittel usw. umfassen,
aufweisen, aus ihnen bestehen oder im Wesentlichen aus ihnen bestehen, auch wenn solche
Kombinationen hier nicht spezifisch beschrieben sind. Darüber hinaus kann die Offenbarung
andere Erfindungen umfassen, die gegenwärtig nicht beansprucht sind, die aber in Zukunft
beansprucht werden können, insbesondere wenn sie vom Umfang der unabhängigen Ansprüche
umfasst sind.
[0043] Erläuterungen, die sich auf Vorrichtungen, Apparate, Anordnungen, Systeme usw. gemäß
Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung beziehen, können auch für Verfahren,
Prozesse, Methoden usw. gemäß den Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung gelten
und umgekehrt. Gleiche, gleich wirkende, in ihrer Funktion einander entsprechende,
baulich identisch oder vergleichbar aufgebaute Elemente, Verfahrensschritte usw. können
mit identischen Bezugszeichen angegeben sein.
[0044] Wie bereits erwähnt, wird gemäß Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung vorgeschlagen,
Wärmepumpen in Kombination mit thermischen Energiespeichern zu verwenden, um zumindest
einen Teil der Wärme bereitzustellen, die für die Reinigung einer oder mehrerer flüssiger
Komponenten benötigt wird, die in einem Methanolreaktor produziert werden, wobei die
vorliegende Erfindung aber nicht auf die Methanolsynthese oder bestimmte Elektrolyseverfahren
beschränkt ist.
[0045] Vor diesem Hintergrund zeigt die Figur 1 ein Verfahren zur Herstellung von Methanol
gemäß einer Ausgestaltung der vorliegenden. Das dargestellte, insgesamt mit 100 bezeichnete
Verfahren kann als sogenanntes "Power-to-Methanol"-Verfahren aufgefasst werden. Es
arbeitet auf Basis der PEM-Elektrolyse.
[0046] In dem Verfahren 100 wird ein Wasserstrom 1 einer ersten Reinigungsstufe 101 zugeführt,
danach mit einem Rezyklatstrom 2 vereinigt, in einem hier der Eindeutigkeit halber
als Elektrolysewasserwärmetauscher 102 bezeichneten Wärmetauscher abgekühlt, in einer
zweiten Reinigungsstufe 103 weiter aufgereinigt und der PEM-Elektrolyse 104, d.h.
einem entsprechenden Elektrolysestack bekannter Art zugeführt.
[0047] Ein der PEM-Elektrolyse 104 entnommener Kathodenstrom 3 wird in einem Phasentrenner
105 unter Erhalt eines wasserstoffreichen Gasstroms 4 phasengetrennt, welcher einer
Wasserstoffaufreinigung 106 unterworfen und sodann unter Verwendung eines Verdichters
107 unter Erhalt eines entsprechenden, verdichteten Gasstroms 5 auf ein geeignetes
Druckniveau verdichtet wird.
[0048] Ein dem PEM-Elektrolysestack entnommener Anodenstrom 6 wird in einem Phasentrenner
108 unter Erhalt eines sauerstoffreichen Gasstroms 7 phasengetrennt, wobei, wie in
Form einer strichpunktierten Linie dargestellt, ein Teil hiervon einer mit einem Kohlendioxidstrom
9 versorgten Kohlendioxidaufreinigungseinheit 109 zugeführt und der Rest anderweitig
verwendet oder abgeblasen werden kann.
[0049] Die in den Phasentrennern 105 und 108 abgeschiedenen wässrigen Flüssigphasen können
zu dem Rezyklatstrom 2 vereinigt und mittels einer Pumpe 110 zu der Vereinigungsstelle
mit dem Wasserstrom 1 zurückbefördert werden.
[0050] Ein in der Kohlendioxidaufreinigungseinheit 109 aufgereinigter Kohlendioxidstrom
10 wird stromab des Verdichters 107 mit dem wasserstoffreichen Strom 5 zu einem Sammelstrom
11 vereinigt, dem ein Rezyklatstrom 12 zugespeist wird, wodurch ein Reaktionseinsatzstrom
13 gebildet wird.
[0051] Der Reaktionseinsatzstrom 13 wird in einem Zulauf-Ablauf-Wärmetauscher (engl. Feed
Effluent Heat Exchanger) 111 und einem Heizer 112 erwärmt und in einen temperierten
Methanolreaktor 113 eingespeist. Ein aus dem Methanolreaktor 113 abgezogener Produktstrom
32, der Methanol, Wasser, Fuselöle und nicht umgesetzte Edukte enthalten kann, wird
durch den Zulauf-Ablauf-Wärmetauscher 111 geführt, danach in einem Wärmetauscher 114
und in nachfolgend im Wesentlichen der Eindeutigkeit halber als Prozessgaskühler 115
und 116 bezeichneten Kühlern beliebiger Art abgekühlt und anschließend in einen Phasentrenner
117 eingespeist, in welchem sich Methanol, Wasser und die Fuselöle sowie ein Teil
der nicht umgesetzten Edukte in die Flüssigphase abscheiden und ein weiterer Teil
der nicht umgesetzten Edukte in der Gasphase verbleiben.
[0052] Vom Kopf des Phasentrenners 117 wird ein entsprechender Gasstrom 14 abgezogen, der
- abzüglich eines Spül- bzw. Purgegasstroms 15 zur Ausschleusung sich inert verhaltender
Komponenten und zur Vermeidung von deren Anreicherung - mittels eines Verdichters
118 verdichtet und als der Rezyklatstrom 12 verwendet wird. Aus dem Sumpf des Phasentrenners
117 wird ein Flüssigkeitsstrom 16 mit den erwähnten Komponenten abgezogen, der mittels
eines Ventils 119 in einen weiteren Phasentrenner 120 entspannt wird. Durch die Entspannung
(Flashen) geht ein Teil der in der Flüssigphase gelösten Komponenten in die Gasphase
über.
[0053] Vom Kopf des Phasentrenners 120 wird ein Gasstrom 17 abgezogen, der mit einem weiteren
Gasstrom 18 zu einem Abgas- bzw. Offgasstrom 19 vereinigt wird. Aus dem Sumpf des
Phasentrenners 120 wird ein Flüssigkeitsstrom 20 abgezogen und mittels eines Ventils
121 in eine Destillationskolonne 122 eingespeist, die mit einem Kopfkondensator 123
und einem Sumpfverdampfer 124 in einer aus der Destillations- bzw. Rektifikationstechnik
an sich bekannten Weise betrieben wird.
[0054] Neben dem Gasstrom 18 werden der Destillationskolonne 122 über entsprechende Seitenentnahmen
ein Methanolstrom 21 und ein Fuselölstrom 22 sowie aus dem Sumpf ein Abwasserstrom
23 entnommen.
[0055] Die in Figur 1 punktiert dargestellten Linien stellen dabei die möglichen Wärmequellen
dar, die für den Betrieb des Sumpfverdampfers 124 der Destillationskolonne 122 genutzt
werden können. Hierbei sind im dargestellten Beispiel eine Wärmepumpe 201, die mit
einer Wärmespeichereinheit 202 im Austausch steht, und ein elektrischer Heizer 203
bereitgestellt. Ein entsprechendes System wird hier insgesamt als Heizsystem bezeichnet
und mit dem Bezugszeichen 210 angegeben. Ein Dampfsystem ist mit 204 angegeben.
[0056] Wenn keine zusätzlichen externen Dampfverbraucher vorhanden sind, wird vorzugsweise
der gesamte Dampf, der aus der bei der exothermen Reaktion in dem Reaktor 113 freigesetzten
Wärme entsteht, zum Beheizen der Destillationskolonne 122, d.h. von deren Sumpfverdampfer
124, verwendet. Das Dampfsystem 204 ist dabei insbesondere dafür eingerichtet, über
entsprechende Wasser- bzw. Dampfströme 24 Wärme aus dem Wärmetauscher 114 abzuführen
und in beliebiger Form, wie mit Linie 25 dargestellt, in das System aus Wärmepumpe
201 und Wärmespeichereinheit 202 einzuspeisen.
[0057] Wie bereits beschrieben, reicht bei der direkten Hydrierung von Kohlendioxid diese
Wärme 25 alleine allerdings möglicherweise nicht aus, um die Destillationskolonne
122, d.h. deren Sumpfverdampfer 124, zu betreiben. Zusätzliche Wärme kann durch den
Einsatz der Wärmepumpe 201 gewonnen werden, die Wärme 26 aus dem Elektrolysewasserwärmetauscher
102, Wärme 27 aus den Prozessgaskühlern 115 und 116 stromauf des Phasentrenners 117
im Kreislauf, sowie Wärme 28 aus dem Kopfkondensator 12 und Wärme 29 aus dem elektrischen
Heizer 203 beziehen kann. Der Heizer 203 kann auch direkt elektrisch erzeugte Wärme
30 an den Sumpfverdampfer 124 bereitstellen. Die Verschaltung zwischen Wärmepumpe
201 und Wärmespeichereinheit 202 ergibt sich unmittelbar aus Figur 1.
[0058] In Figur 2 ist ein Verfahren zur Herstellung von Methanol gemäß einer weiteren Ausgestaltung
der vorliegenden Erfindung dargestellt. Das dargestellte Verfahren ist insgesamt mit
200 bezeichnet. Das hier dargestellte Verfahren kann ebenfalls als sogenanntes "Power-to-Methanol"-Verfahren
aufgefasst werden. Es arbeitet im Gegensatz zu dem Verfahren 100 auf Basis einer Hochtemperaturelektrolyse
150.
[0059] Der Hochtemperaturelektrolyse 150 wird ein wie oben mit 1 bezeichneter, ggf. entsprechend
aufbereiteter Wasserstrom 1 zugeführt. Die Hochtemperaturelektrolyse 150 enthält dabei
bereits die sogenannte "Balance of Plant", d.h. eine Wasseraufreinigung, einen Phasentrenner
und Wasserkreislauf (zumindest kathodenseitig) und eine Wärmeintegration (z.B. mit
Vorwärmer, Verdampfer und Überhitzer). Im Gegensatz zu der PEM-Elektrolyse 104 Figur
1 ist die Hochtemperaturelektrolyse 150 hier also gewissermaßen als Black Box dargestellt.
[0060] Ein in der Hochtemperaturelektrolyse 150 gebildeter wasserstoffreicher Strom wird
unter Verwendung eines Verdichters 107a zu einem teilverdichteten wasserstoffreichen
Strom 4 teilverdichtet, wobei dieser sodann einer, wie oben mit 106 bezeichneten,
Wasserstoffaufreinigung zugeführt wird. Ein dort aufgereinigt erhaltener Wasserstoffstrom
wird in einem Verdichter 107b endverdichtet, wodurch ein Wasserstoffstrom erhalten
werden kann, der hinsichtlich Zusammensetzung, Druck und/oder Temperatur im Wesentlichen
dem Wasserstoffstrom 5 gemäß Figur 1 entsprechen kann und daher in Figur 2 ebenfalls
mit 5 bezeichnet ist.
[0061] Der Wasserstoffstrom 5 und ein Kohlendioxidstrom 10 aus einer hier mit einem extern
bereitgestellten Sauerstoffstrom 8 versorgten Kohlendioxidaufreinigung 109 können
auch hier zu einem Sammelstrom 11 vereinigt werden, welcher in gleicher, im Wesentlichen
gleicher oder vergleichbarer Weise wie zu Figur 1 erläutert weiterverarbeitet werden
kann. Auf die obigen Erläuterungen wird verwiesen.
[0062] Wie in Figur 2 veranschaulicht, kann insbesondere in dem Verdichter 107a abgeführte
Wärme 26a in dem System aus Wärmepumpe 201 und Wärmespeichereinheit 202 genutzt werden.
Wie ebenfalls veranschaulicht, kann ein Teil 25a der Wärme aus dem Dampfsystem 204
in der Hochtemperaturelektrolyse 150 genutzt werden.
[0063] Bei beiden Kombinationen, d.h. den Verfahren 100 und 200 gemäß Figur 1 und 2, wird
die Wärmespeichereinheit 202, wie mit Pfeil 31 veranschaulicht, insbesondere mit überschüssiger
Wärme 25 aus dem Reaktor 113 und nicht mit überschüssiger Wärme 26-28 bzw. 26a aus
einer anderen Quelle befüllt, da diese Wärme 25 auf einem höheren Temperaturniveau
ohne weiteres verfügbar ist. Der mittels der Reaktorwärme 25 erzeugte Dampf 24 kann
zu diesem Zweck auch durch die Verwendung von Elektrizität oder durch die Verbrennung
von Abgasen thermisch aufgewertet werden. Die Wärmespeichereinheit 202 kann auch mit
Wärme 29 aus der elektrischen Heizung 203 aufgeladen werden, zum Beispiel, wenn Strom
in hohem Maße verfügbar ist.
[0064] Als Alternative zu einer klassischen Wärmepumpe mit geschlossenem Kreislauf kann
eine Dampfverdichtung verwendet werden, um Kopfkondensator 123 und Sumpfverdampfer
124 der Destillationskolonne 122 zu koppeln. Da in diesem Fall kein zusätzlicher Dampf
erzeugt wird, wird die Wärmespeichereinheit 202 dann vorteilhafterweise mit Dampf
24 aus dem Dampfsystem 204 geladen werden.
[0065] Die gleichen Möglichkeiten der Wärmeintegration wie in der in Figur 1 bzw. Verfahren
100 verwendeten PEM-Elektrolyse ergeben sich bei einer alkalischen Wasserelektrolyse.
Im Fall der Hochtemperaturelektrolyse 150 gemäß Figur 2 bzw. Verfahren 200 stellt
diese einen zusätzlichen Dampfverbraucher dar. Während normalerweise ein Teil des
bei der Hochtemperaturelektrolyse 150 verwendeten Dampfes intern durch Wärmeintegration
erzeugt wird, reicht die verfügbare Prozesswärme innerhalb der Hochtemperaturelektrolyse
150 typischerweise nicht aus, um den Dampfbedarf zu decken.
[0066] Der verbleibende Bedarf kann, wie mit 25a dargestellt, durch den Reaktordampf bzw.
entsprechende Wärme gedeckt werden. Alternativ können dampferzeugende Wärmepumpen
201 Dampf mit einem für die Hochtemperaturelektrolyse 150 geeigneten Druck erzeugen.
Da die Hochtemperaturelektrolyse 150 bei niedrigeren Drücken stattfindet als die PEM-Elektrolyse
104, wird die mehrstufige Anordnung aus den Verdichtern 107a und 107b verwendet. Die
Wärme aus den Zwischenkühlern (nicht gesondert dargestellt) kann nach der Aufwertung
mit der Wärmepumpe 201 für den Sumpfverdampfer 124 genutzt werden.
[0067] Bei der Entladung der Wärmespeichereinheit 202 kann insbesondere vorgesehen sein,
hierbei freiwerdende Wärme für den Wärmeverbraucher mit der niedrigsten Temperatur
zu verwenden, d.h. für den Sumpfverdampfer 124.
[0068] In beiden Fällen, d.h. den Verfahren 100 und 200 die in Figur 1 und Figur 2 dargestellt
sind, kann der aus dem Wärmespeichereinheit 202 entnommene Dampf mit dem Dampfverdichter
(nicht veranschaulicht) der Wärmepumpe 201 aufgewertet werden, falls vorhanden. Wenn
der Dampferzeuger der Wärmepumpe 201 weniger Dampf produziert, kann der Dampfverdichter
durch die zusätzliche Zufuhr von Dampf niedriger Qualität aus der Wärmespeichereinheit
202 näher an seinem optimalen Betriebspunkt betrieben werden.
[0069] Tabelle 1 unten zeigt die Wärmeströme im stationären Zustand für eine bestimmte Anlagenkonfiguration
bei Volllast.
[0070] Es sei angenommen, dass in den Fällen der Hochtemperaturelektrolyse 150 der gesamte
im Reaktor 113 erzeugte Dampf 25 bzw. entsprechende Wärme 25a für die Hochtemperaturelektrolyse
150 verwendet wird. Die Werte in Spalte "Reaktordampf", die die für die Destillationskolonne
122 bzw. deren Sumpfverdampfer 124 zur Verfügung stehende Wärme angibt, betragen daher
null. Es ist eine zusätzliche elektrische Heizung 203 erforderlich, um den Wärmebedarf
des Sumpfverdampfers 124 zu decken. Der angegebene Strombedarf in Spalte "Elektr.
Energie" umfasst dabei den Strombedarf für die Wärmepumpe 201 und die elektrische
Heizung 203.
[0071] Bei der PEM-Elektrolyse 104 sei davon ausgegangen, dass der gesamte Reaktordampf
für den Betrieb Sumpfverdampfers 124 verwendet wird. Entsprechend ergeben sich die
Werte in der Spalte "Reaktordampf". Dementsprechend ist die erforderliche Wärmepumpenleistung
deutlich geringer als im Fall der Hochtemperaturelektrolyse 150. Eine elektrische
Heizung 203 ist nur dann erforderlich, wenn eine Dampfverdichtung verwendet wird,
was jeweils die entsprechenden Werte in der Spalte "Elektr. Energie" erklärt.
[0072] In den beiden Fällen, in denen eine Wärmepumpe 201 mit geschlossenem Kreislauf verwendet
wird, ist die dem Sumpfverdampfer 124 zugeführte Wärme eine Kombination aus Wärme
aus der Wärmequelle und von der Wärmepumpe 201 genutzter Elektrizität, wobei das Verhältnis
hierbei insbesondere von einer Leistungszahl (COP) der Wärmepumpe 201 abhängt.
[0073] Im Hinblick auf den stationären Wirkungsgrad sind die Fälle mit Dampfverdichtung
besonders vorteilhaft. Es sei darauf hingewiesen, dass in beiden Fällen der Dampfverdichtung
zumindest ein Teil der Wärme aus dem Reaktor 113 und/oder der elektrischen Heizung
203 stammt, d.h. diese Wärme kann gespeichert und/oder flexibel bereitgestellt werden.
[0074] Bei Verwendung der PEM-Elektrolyse 104 sind die Alternativen mit Wärmepumpen 201
mit geschlossenem Kreislauf bei der angenommenen Leistungszahl nur geringfügig weniger
effizient. Die Wärme aus den Prozessgaskühlern 115 und 116, die jeweils in der Spalte
"Wärmequelle" angegeben ist, kann als kostenlos betrachtet werden, da sie ansonsten
an die Umwelt abgegeben wird.
[0075] Bei Verwendung einer Hochtemperatur- bzw. Festoxidelektrolyse 150 ist die Diskrepanz
zwischen Dampfverdichtungs- und Kreislaufwärmepumpen größer, da eine Wärmepumpe 201,
die die Wärme aus dem Verdichter 107a oder dem Prozessgas, d.h. den Prozessgaskühlern
115, 116, nutzt, nicht ausreicht, um genügend Wärme für den Sumpfverdampfer 124 zu
liefern, und daher ggf. eine elektrische Heizung 203 verwendet werden muss.
[0076] Die Installation von zwei Wärmepumpen 201, die die beiden Wärmequellen nutzen, würde
dieses Problem zwar lösen, aber ggf. die Komplexität des Systems und die Investitionskosten
erhöhen. Dennoch können Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung sich auch auf eine
derartige Kombination erstrecken.
[0077] Ein besonderer Vorteil der Erfindung und ihrer Ausgestaltungen besteht darin, dass
die temporäre Entkopplung der Wärmeintegration die Entkopplung der Kolonnenlast von
der Gesamtlast für den Prozess ermöglicht. Dies ist besonders vorteilhaft für die
Versorgung mit grünem Wasserstoff.
[0078] In Kombination mit einem optionalen Rohmethanoltank, der sich zwischen dem Niederdruckseparator,
d.h. dem Phasentrenner 121, und der Destillationskolonne 122 befindet, ermöglicht
die Erfindung den Betrieb der Destillationskolonne 122 mit einer geringeren Last,
während das übrige Verfahren mit einer hohen Last arbeitet, und mit einer höheren
Last, während das übrige Verfahren mit einer niedrigen Last arbeitet. Dies ermöglicht
es, die Investitionskosten der Destillationskolonne 122 zu senken und sie näher an
ihrem optimalen Betriebspunkt zu betreiben als ohne die Erfindung und ihre entsprechend
erläuterten Ausgestaltungen.
Tabelle 1
|
Hochtemperaturelektrolyse |
PEM-Elektrolyse |
|
Reaktordampf |
Wärmequelle |
Elektr. Energie |
Reaktordampf |
Wärmequelle |
Elektr. Energie |
Dampfverdichtung |
0 |
0 |
2908 |
6223 |
0 |
2003 |
Wärmepumpe mit Wärme aus Prozessgaskühlung |
0 |
6528 |
5022 |
6223 |
3011 |
2316 |
Wärmepumpe mit Wärme aus |
0 |
4931 |
6603 |
6223 |
3011 |
2316 |
Wärmetauscher PEM (Figur 1) bzw. |
|
|
|
|
|
|
Wärme aus Verdichter (Figur 2) |
|
|
|
|
|
|
Einheit |
kW |
kW |
kW |
kW |
kW |
kW |
1. Verfahren (100, 200) zur Herstellung eines Verfahrensprodukts, wobei unter Verwendung
einer Wasserelektrolyse (104, 150) Wasserstoff bereitgestellt wird, wobei der Wasserstoff
oder ein Teil hiervon mit Kohlendioxid einer exothermen Reaktion unter Freisetzung
von Wärme und Erhalt eines das Verfahrensprodukt enthaltenen Produktgemischs unterworfen
wird, wobei das Produktgemisch oder ein Teil hiervon einer Destillation unter Verwendung
einer oder mehrerer Destillationskolonnen (122) unterworfen wird, und wobei die eine
oder zumindest eine der mehreren Destillationskolonnen (122) unter Verwendung von
Wärme beheizt wird, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Teil der Wärme unter Verwendung eines Heizsystems (210) bereitgestellt
wird, das eine oder mehrere Wärmepumpen (201) und einen oder mehrere Wärmespeichereinheiten
(202) umfasst, und dem in dem Verfahren (100, 200) anfallende Wärme zugeführt wird.
2. Verfahren (100, 200) nach Anspruch 1, wobei die in der exothermen Reaktion freigesetzte
Wärme zu einem ersten Anteil zur Erzeugung von Dampf in einem Dampfsystem (204) verwendet
und zu einem zweiten Anteil stromab hiervon in einem oder mehreren Prozessgaswärmetauschern
(115, 116) abgeführt wird.
3. Verfahren (100, 200) nach Anspruch 2, wobei die in dem Verfahren (100, 200) anfallende
Wärme, die dem Heizsystem (210) zugeführt wird, zumindest einen Teil der Wärme umfasst,
die in dem einen oder den mehreren Prozessgaswärmetauschern (115, 116) abgeführt wird.
4. Verfahren (100) nach Anspruch 2 oder 3, wobei die Wasserelektrolyse (104) als Niedertemperaturelektrolyse
durchgeführt wird oder eine Niedertemperaturelektrolyse umfasst.
5. Verfahren (100) nach Anspruch 4, wobei die Niedertemperaturelektrolyse eine Protonenaustauschmembranelektrolyse,
Anionenaustauschmembranelektrolyse und/oder alkalische Elektrolyse umfasst.
6. Verfahren (100) nach Anspruch 4 oder 5, wobei der Niedertemperaturelektrolyse Elektrolysewasser
zugeführt wird, dem Wärme in einem Elektrolysewasserwärmetauscher (102) entzogen wird,
und wobei die in dem Verfahren (100) anfallende Wärme, die dem Heizsystem (210) zugeführt
wird, zumindest einen Teil der in dem Elektrolysewasserwärmetauscher (102) dem Elektrolysewasser
entzogenen Wärme umfasst.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 6, wobei die in dem Verfahren (100) anfallende
Wärme, die dem Heizsystem (210) zugeführt wird, Wärme des in dem Dampfsystem (204)
erzeugten Dampfs umfasst.
8. Verfahren (200) nach einem der Ansprüche 2 bis 7, wobei die Wasserelektrolyse (150)
als Hochtemperaturelektrolyse durchgeführt wird oder eine Hochtemperaturelektrolyse
umfasst.
9. Verfahren (200) nach Anspruch 8, wobei die Hochtemperaturelektrolyse eine Festoxidelektrolyse
umfasst.
10. Verfahren (200) nach Anspruch 8 oder 9, wobei der Hochtemperaturelektrolyse ein wasserstoffreicher
Strom entnommen wird, der unter Freisetzung von Verdichtungswärme einer Verdichtung
unterworfen wird, und wobei die in dem Verfahren (200) anfallende Wärme, die dem Heizsystem
(210) zugeführt wird, zumindest einen Teil der Verdichtungswärme umfasst.
11. Verfahren (200) nach einem der Ansprüche 8 bis 10, wobei die Hochtemperaturelektrolyse
unter Verwendung von Wärme durchgeführt wird, die Wärme des in dem Dampfsystem (204)
erzeugten Dampfs oder einen Teil hiervon umfasst, und wobei die in dem Verfahren (200)
anfallende Wärme, die dem Heizsystem (210) zugeführt wird, nur einen Teil oder keine
Wärme des in dem Dampfsystem (204) erzeugten Dampfs umfasst.
12. Verfahren (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem das Heizsystem
(210) unter Verwendung einer Dampfverdichtung und/oder einer elektrischen Heizung
(203) betrieben wird.
13. Verfahren (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem Methanol als das
Verfahrensprodukt hergestellt wird.
14. Anlage zur Herstellung eines Verfahrensprodukts, die dafür eingerichtet ist, unter
Verwendung einer Wasserelektrolyse (104, 150) Wasserstoff bereitzustellen, den Wasserstoff
oder einen Teil hiervon mit Kohlendioxid einer exothermen Reaktion unter Freisetzung
von Wärme und Erhalt eines das Verfahrensprodukt enthaltenen Produktgemischs zu unterwerfen,
das Produktgemisch oder einen Teil hiervon einer Destillation unter Verwendung einer
oder mehrerer Destillationskolonnen (122) zu unterwerfen, und die eine oder zumindest
eine der mehreren Destillationskolonnen (122) unter Verwendung von Wärme zu beheizen,
dadurch gekennzeichnet, dass die Anlage ein Heizsystem mit einer oder mehreren Wärmepumpen (201) und einer oder
mehreren Wärmespeichereinheiten (202) aufweist und dafür eingerichtet ist, zumindest
einen Teil der Wärme unter Verwendung des Heizsystems (210) bereitzustellen und dem
Heizsystem (210) in dem Verfahren (100, 200) anfallende Wärme zuzuführen.
15. Anlage nach Anspruch 14, die zur Durchführung eines Verfahrens (100, 200) nach einem
der Ansprüche 1 bis 13 eingerichtet ist.