[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines Heizgerätes, ein Computerprogramm,
ein Regel- und Steuergerät und ein Heizgerät.
[0002] Es sind eine Vielzahl von Heizgeräten bekannt, die in einer Brennkammer ein Gemisch
aus Brennstoff, insbesondere Gas oder Wasserstoff und Umgebungsluft verbrennen, um
Wärme zur Versorgung eines Gebäudes oder für eine Bereitstellung von Warmwasser zu
gewinnen.
[0003] Derartige Heizgerät weisen in der Regel eine Flammenüberwachung auf, die ein Erlöschen
der Flamme erkennen und so ein Austreten von unverbranntem Brennstoff verhindern kann.
Es sind verschiedene Möglichkeiten einer Flammenüberwachung bekannt. Häufig wird ein
lonisationsstrom der Flamme erfasst, wobei dies bei wasserstoffbetriebenen Heizgeräten
nur bedingt möglich ist, weil eine Wasserstoffflamme nur wenige Ladungsträger freisetzt.
Zur Überwachung einer Wasserstoffflamme kann beispielsweise die von der Flamme bzw.
den Flammen emittierte UV- (Ultraviolett-) Strahlung erfasst werden. Gleichfalls bekannt
ist die Messung einer Flammentemperatur mittels eines geeigneten Temperatursensors.
[0004] Dabei kann die Trägheit der Sensoren bzw. verbundener Elektronik, wie zum Beispiel
Verstärker oder Filter, eine Erkennung eines Flammenverlustes erschweren, insbesondere
eine Unterscheidung zu einer regulären Leistungsabsenkung des Heizgerätes.
[0005] Aus der
DE 199 03 305 A1 ist ein Fahrzeugheizgerät bekannt, bei dem eine Flammenüberwachung mittels Auswertung
eines ersten, zweiten und dritten Gradienten von drei Temperatursensoren erfolgt.
Nachteilig ist die Anordnung von drei Temperatursensoren aufwendig und zudem kann
die vorgeschlagene Flammenüberwachung bei Heizgeräten für Gebäude keine ausreichende
Erkennung von Flammenverlusten bieten.
[0006] Die
DE 10 2021 108 014 A1 beschreibt ein Verfahren zum Beobachten oder Überwachen von Flammen in einem Verbrennungsraum
eines Heizgerätes, bei dem die Temperatur an einer Messstelle in oder an dem Verbrennungsraum
gemessen wird und mittels eines mathematischen Modells aus anderen an dem Heizgerät
gemessenen oder vorgegebenen Betriebsdaten berechnet wird. Die gemessene Temperatur
und/ oder deren zeitliches Verhalten wird mit der berechneten Temperatur verglichen
und bei Abweichungen oberhalb eines Schwellwertes auf ein Zünden oder ein Erlöschen
der Flamme geschlossen. Es ist wünschenswert, die Überwachung weiter zu verbessern,
insbesondere hinsichtlich der Robustheit, um einen Flammenverlust von einer Leistungsabsenkung
noch sicherer unterscheiden zu können.
[0007] Hiervon ausgehend ist es Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zum Betreiben eines
Heizgerätes vorzuschlagen, das die geschilderten Probleme des Standes der Technik
zumindest teilweise überwindet. Insbesondere sollen eine sichere Erkennung eines Flammenverlustes
eines Brenners ermöglicht werden, dabei insbesondere eine Unterscheidung eines Flammenverlustes
und einer regulären Leistungsabsenkung des Heizgerätes. Zudem soll das Verfahren die
Erkennung eines drohenden Flammenrückschlages ermöglichen.
[0008] Nicht zuletzt soll die Erfindung die Komplexität eines Heizgerätes zumindest nicht
wesentlich erhöhen, und keine oder nur geringe bauliche Veränderungen an einem Heizgerät
erfordern und/oder eine einfache Integration in einen bestehenden Produktionsprozess
ermöglichen.
[0009] Diese Aufgaben werden gelöst durch die Merkmale der unabhängigen Patentansprüche.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der hier vorgeschlagenen Lösung sind in den unabhängigen
Patentansprüchen angegeben. Es wird darauf hingewiesen, dass die in den abhängigen
Patentansprüchen aufgeführten Merkmale in beliebiger, technologisch sinnvoller, Weise
miteinander kombiniert werden können und weitere Ausgestaltungen der Erfindung definieren.
Darüber hinaus werden die in den Patentansprüchen angegebenen Merkmale in der Beschreibung
näher präzisiert und erläutert, wobei weitere bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung
dargestellt werden.
[0010] Hierzu trägt ein Verfahren zum Betreiben eines Heizgerätes bei. Das Heizgerät aufweisend
eine Flammenüberwachung für einen Brenner des Heizgerätes mit mindestens einem Sensor,
wobei
- unter Einbeziehung einer ersten Ableitung und einer zweiten Ableitung des Signals
des mindestens einen Sensors ein Vergleichswert berechnet und anhand eines Vergleiches
des ersten Vergleichswertes mit einem ersten vorgegebenen Schwellwert ein Flammenzustand
festgestellt wird,
und/oder
- der mindestens eine Sensor ein UV-Sensor ist und eine erste Ableitung des Signals
des Sensors mit einem zweiten vorgegebenen Schwellwert und das Signal des Sensors
mit einem dritten vorgegebenen Schwellwert verglichen werden und ein Flammenzustand
festgestellt wird.
[0011] Das Verfahren kann insbesondere permanent und dauerhaft während des Betriebes eines
Heizgerätes durchgeführt werden und dient einer sicheren Flammenüberwachung, wobei
insbesondere eine sichere Unterscheidung eines Flammenverlustes von einer regulären
Leistungsabsenkung des Heizgerätes unterschieden werden soll. Zudem ermöglicht das
Verfahren die Erkennung eines drohenden Flammenrückschlages.
[0012] Bei dem Heizgerät handelt es sich insbesondere um ein Gasheizgerät, das dazu eingerichtete
ist, ein Brenngas, wie Erdgas oder insbesondere Wasserstoff unter Zufuhr von Umgebungsluft
zu verbrennen und Wärmeenergie, beispielsweis zur Erwärmung eines Wärmeträgers eines
Heizkreislaufes oder auch zur Bereitstellung einer Warmwasserversorgung zu erzeugen.
Insbesondere kann es sich bei dem Heizgerät um ein Brennwertgerät handeln, welches
bevorzugt zur Verbrennung von Wasserstoff oder eines wasserstoffhaltigen Gemisches
eingerichtet sein kann. Das Heizgerät weist in der Regel eine Brennkammer und eine
Fördereinrichtung bzw. ein Gebläse auf, die ein Gemisch von Brennstoff und Verbrennungsluft
über einen Gemischkanal in eine Brennkammer, in der ein Brenner angeordnet ist, fördern
kann. Die Verbrennungsprodukte können anschließend durch einen Abgaskanal des Heizgerätes
einer Abgasanlage zugeführt werden.
[0013] Das Heizgerät kann insbesondere die Brennerleistung an den Bedarf anpassen (modulieren).
Hierzu kann bei einem Erkennen eines geänderten Wärmebedarfs, beispielsweise unter
Einbeziehung einer Vorlauf- und Rücklauftemperatur eines mit dem Heizgerät verbundenen
Heizkreises, ein Regel- und Steuergerät des Heizgerätes eine Leistung des Gebläses
des Heizgerätes und damit den Massestrom Verbrennungsluft an den Wärmebedarf anpassen.
Gleichzeitig kann eine Regelung den zuzusetzenden Brennstoffmassestrom an den sich
ändernden Massestrom Verbrennungsluft anpassen.
[0014] Der Brenner kann mindestens ein Lochblech umfassen, das mit einem Brennerhohlraum
verbunden ist. Der Brennerhohlraum ist mit dem Gemischkanal verbunden, so dass Verbrennungsgemisch
über den Hohlraum durch das Lochblech strömen und verbrannt werden kann. Im Bereich
des Lochbleches kann zudem eine Zündeinrichtung angeordnet sein, dazu eingerichtet,
einen durch das Lochblech austretenden Massestrom Verbrennungsgemisch zu entzünden.
Der Brennerhohlraum, auch als Brennerkörper bezeichnet, kann dabei insbesondere als
Zylinder (gerader Kreiszylinder) ausgebildet sein, wobei eine Grundfläche des Zylinders
mit dem Gemischkanal verbunden und die gegenüberliegende Grundfläche verschlossen
sein kann. Alternativ kann der Brennerhohlraum auch quaderförmig ausgebildet sein,
der obenseitig von dem Lochblech begrenzt ist.
[0015] Der Brenner kann in der Brennkammer des Heizgerätes in einer Brennertür der Brennkammer
angeordnet sein. Hierzu kann eine Öffnung in der Brennertür den Brennerhohlraum mit
dem Gemischkanal verbinden und der Brenner an der Brennertür befestigt sein. Zudem
kann eine Flammenüberwachung gleichfalls an oder in der Brennertür befestigt sein.
[0016] Das Heizgerät hat eine Flammenüberwachung, die das Vorhandensein einer Flamme am
Brenner erfassen kann bzw. erfasst. Die Flammenüberwachung umfasst insbesondere einen
Sensor, der ein Signal, das geeignet zur Erkennung einer Flamme ist, liefert. Der
Sensor ist dabei insbesondere ein UV-Sensor, also ein Sensor zum Erfassen der Intensität
der von der Flame emittierten Ultraviolett-Strahlung, oder ein Temperatursensor. Die
Flammenüberwachung kann zusätzlich noch weitere Sensoren, wie beispielsweise eine
lonisationselektrode zum Erfassen eines lonisationsstromes der Flamme aufweisen. Zudem
kann ein Signal der Flammenüberwachung zur Regelung und Steuerung des Heizgerätes,
insbesondere zum Ermitteln und Regeln eines Verbrennungsluftverhältnisses des Gasgemisches,
herangezogen werden.
[0017] Ein UV-Sensor kann dabei derart ausgerichtet sein, dass in der Erfassungsrichtung
des Sensors eine sich am Brenner des Heizgerätes ausbildende Flamme liegt. Dabei kann
der UV-Sensor in der Brennkammer oder auch, geschützt vor den hohen Temperaturen in
der Brennkammer, außerhalb derselben mit einer Erfassung durch ein Sichtfenster angeordnet
sein. Der UV-Sensor kann ein Signal liefern, das mit der Intensität der erfassten
UV-Strahlung korrespondiert. Der UV-Sensor kann auch einen Sättigungsbereich aufweisen,
wobei ab einer Grenzintensität der Strahlung der Sensor ein konstantes Signal abgibt.
[0018] Ein Temperatursensor kann derart angeordnet sein, dass eine Temperatur der Flamme
des Heizgerätes erfasst werden kann. Hierfür kann der Temperatursensor am oder in
unmittelbarer Nähe des Brenners des Heizgerätes angeordnet sein. Der Temperatursensor
kann dabei ein beliebiger geeigneter Sensor sein, beispielsweise ein Heißleiter (NTC)
oder Kaltleiter (PTC) oder ein Halbleiter-Temperatursensor. Auch kann der Temperatursensor
ein Glühzünder (auch bezeichnet als HSI- Hot Surface Ignitor) sein, der zudem als
Zünder des Heizgerätes fungieren kann.
[0019] Das Heizgerät kann ein Regel- und Steuergerät umfassen, das dazu eingerichtet sein
kann, den Betrieb desselben zu regeln bzw. zu steuern. Insbesondere kann das Regel-
und Steuergerät ein vorgegebenes Verbrennungsluftverhältnis (auch als Lambda bezeichnet)
des Heizgerätes einstellen. Ein hier vorgeschlagenes Verfahren ist insbesondere dazu
geeignet auf dem Regel- und Steuergerät durchgeführt zu werden.
[0020] Das Feststellen eines Flammenzustandes kann insbesondere ein Feststellen eines Flammenverlustes
und/ oder eines Flammenrückschlages beinhalten. Das Feststellen des Flammenrückschlages
kann insbesondere ein Feststellen eines drohenden bzw. bevorstehenden Flammenrückschlages
umfassen.
[0021] Es kann anhand einer mathematischen ersten Ableitung und zweiten Ableitung (auch
als Gradient erster bzw. zweiter Ordnung bezeichnet) des Signals des Sensors ein Vergleichswert
berechnet und dieser mit einem vorgegebenen ersten Schwellwert verglichen und als
Ergebnis des Vergleiches ein Flammenverlust festgestellt werden. Die erste und zweite
Ableitung bezeichnet dabei den ersten bzw. zweiten Differentialquotienten, also eine
Tangentensteigung einer Funktion des Signals des Sensors. Dies kann mittels numerischer
Methoden oder Interpolation einer Funktion des Sensorsignals erfolgen.
[0022] Gemäß einer Ausgestaltung kann der Vergleichswert berechnet werden, indem erste und
zweite Ableitung berechnet und anschließend jeweils mit einem vorgegebenen Faktor
zur Wichtung multipliziert werden und ein Mittelwert als Vergleichswert bestimmt wird.
Mit anderen Worten kann die erste Ableitung mit einem ersten Faktor und die zweite
Ableitung mit einem zweiten vorgegebenen Faktor multipliziert werden.
[0023] Gemäß einer Ausgestaltung können unterschiedliche erste oder zweite Faktoren für
unterschiedliche Betriebszustände vorgegeben sein. Hierzu können die Faktoren beispielsweise
in Form eines Kennfeldes für definiert Betriebszustände bzw. Bereiche von Betriebszuständen
vorgegeben sein.
[0024] Der erste und zweite Faktor kann dabei im Vorfeld an einem Referenzheizgerät im Rahmen
von Laborversuchen ermittelt worden sein. Für eine computerimplementierte Durchführung
eines hier vorgeschlagenen Verfahrens können erster und zweiter Faktor auf einem Speicher,
beispielsweise des Regel- und Steuergerätes des Heizgerätes hinterlegt sein. Die Berechnung
des Vergleichswertes anhand erster und zweiter Ableitung kann insbesondere bei trägheitsbehafteten
Sensoren Anwendung finden. Das Signal des Sensors kann dabei bereits elektronisch
verarbeitet (verstärkt, gefiltert) sein, was eine Trägheit des Sensors begünstigen
kann.
[0025] Auch der erste, zweite und/ oder dritte Schwellwert kann im Rahmen von Laborversuchen
an einem Referenzheizgerät im Vorfeld ermittelt worden sein und auf einem Speicher
des Regel- und Steuergerätes bzw. des Heizgerätes hinterlegt sein.
[0026] Alternativ oder kumulativ kann eine erste Ableitung des Signals des Sensors mit einem
zweiten vorgegebenen Schwellwert und das Signal des Sensors mit einem dritten vorgegebenen
Schwellwert verglichen und ein Flammenverlust festgestellt werden. Dies kann insbesondere
die Erkennung eines drohenden bzw. ein frühzeitiges Erkennen eines Flammenrückschlages
ermöglichen.
[0027] Gemäß einer Ausgestaltung kann der Sensor hierbei ein UV-Sensor sein, der nicht im
Sättigungsbereich arbeitet. Hierbei kann ein Rauschen des Signals des Sensors unmittelbar
vor einem Flammenrückschlag auftreten, wobei durch einen Vergleich des Signals des
Sensors mit einem dritten Schwellwert und der ersten Ableitung mit einem zweiten Schwellwert
trotzdem ein sicheres Erkennen eines Flammenverlustes und/ oder eines Flammenrückschlages
ermöglicht wird.
[0028] Gemäß einer Ausgestaltung kann das Signal des Sensors hierfür die Rohdaten des Sensors
sein. Rohdaten bezeichnen hierbei ein elektronisch nicht weiter verarbeitetes Signal
des Sensors, das insbesondere nicht elektronisch verstärkt oder gefiltert wurde. Aufgrund
einer Trägheit elektronischer Schaltungen zur Signalverarbeitung kann durch die Nutzung
von Rohdaten des Sensors der Zeitraum zum Feststellen eines Flammenverlustes bzw.
-rückschlages verkürzt werden.
[0029] Es wird angemerkt, dass das Verfahren auch für mehrere Sensoren, beispielsweise eine
Kombination aus einem UV-Sensor und einem Temperatursensor durchgeführt werden kann.
[0030] Vorsorglich sei angemerkt, dass die hier verwendeten Zahlwörter ("erste", "zweite",
...) vorrangig (nur) zur Unterscheidung von mehreren gleichartigen Gegenständen, Größen
oder Prozessen dienen, also insbesondere keine Abhängigkeit und/oder Reihenfolge dieser
Gegenstände, Größen oder Prozesse zueinander zwingend vorgeben. Sollte eine Abhängigkeit
und/oder Reihenfolge erforderlich sein, ist dies hier explizit angegeben oder es ergibt
sich offensichtlich für den Fachmann beim Studium der konkret beschriebenen Ausgestaltung.
Soweit ein Bauteil mehrfach vorkommen kann ("mindestens ein"), kann die Beschreibung
zu einem dieser Bauteile für alle oder ein Teil der Mehrzahl dieser Bauteile gleichermaßen
gelten, dies ist aber nicht zwingend.
[0031] Nach einem weiteren Aspekt wird auch ein Heizgerät vorgeschlagen, eingerichtet zur
Verbrennung eines Brennstoffes an einem Brenner und umfassend eine Flammenüberwachung
mit mindestens einem Sensor. Das Heizgerät kann dabei ein Regel- und Steuergerät umfassen,
auf dem ein hier vorgeschlagenes Verfahren ausgeführt werden kann. Zudem kann das
Heizgerät Mittel umfassen, die so angepasst sind, dass sie ein hier vorgeschlagenes
Verfahren ausführen.
[0032] Nach einem weiteren Aspekt wird auch ein Computerprogramm vorgeschlagen, umfassend
Befehle, die bewirken, dass ein hier vorgeschlagenes Heizgerät ein hier vorgeschlagenes
Verfahren ausführt. Dies betrifft mit anderen Worten insbesondere ein Computerprogramm
(-produkt), umfassend Befehle, die bei der Ausführung des Programms durch einen Computer,
diesen veranlassen, ein hier vorgeschlagenes Verfahren auszuführen.
[0033] Nach einem weiteren Aspekt wird auch ein Regel- und Steuergerät für ein Heizgerät
vorgeschlagen, eingerichtet zur Durchführung eines hier vorgeschlagenen Verfahrens.
Das Regel- und Steuergerät kann hierzu beispielsweise einen Prozessor aufweisen, und/
oder über diesen verfügen. In diesem Zusammenhang kann der Prozessor beispielsweise
das auf einem Speicher (des Regel- und Steuergeräts) hinterlegte Verfahren ausführen.
In vorteilhafter Weise können auf dem Speicher des Regel- und Steuergeräts auch zur
Durchführung des Verfahrens notwendige Daten hinterlegt sein, beispielsweise ein erster,
zweiter und/ oder dritter Schwellwert und/ oder ein erster und/ oder zweiter Faktor
bzw. ein Kennfeld derselben.
[0034] Die im Zusammenhang mit dem Verfahren erörterten Details, Merkmale und vorteilhaften
Ausgestaltungen können entsprechend auch bei dem hier vorgestellten Regel- und Steuergerät,
dem Computerprogramm und/ oder dem Heizgerät auftreten und umgekehrt. Insoweit wird
auf die dortigen Ausführungen zur näheren Charakterisierung der Merkmale vollumfänglich
Bezug genommen.
[0035] Hier werden somit ein Verfahren zum Betreiben eines Heizgerätes, ein Computerprogramm,
ein Regel- und Steuergerät und ein Heizgerät angegeben, welche die mit Bezug auf den
Stand der Technik geschilderten Probleme zumindest teilweise lösen. Insbesondere tragen
das Verfahren, ein Computerprogramm, ein Regel- und Steuergerät und ein Heizgerät
sowie die Verwendung zumindest dazu bei, besonders sichere Flammenüberwachung anzugeben,
die eine robuste und sichere Erkennung einer Flamme bzw. eines Flammenverlustes im
gesamten Modulationsbereich eines Heizgerätes ermöglicht. Zudem kann mittels eines
hier vorgeschlagenen Verfahrens ein frühzeitiges Erkennen eines Flammenrückschlages
ermöglicht werden.
[0036] Besonders vorteilhaft erfordert die Durchführung eines hier angegebenen Verfahrens
keine baulichen Änderungen an einem Heizgerät, sondern es kann vielmehr durch eine
Implementation einer Software zum Einsatz gebracht werden.
[0037] Die Erfindung sowie das technische Umfeld werden nachfolgend anhand der beiliegenden
Figuren näher erläutert. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Erfindung durch die angeführten
Ausführungsbeispiele nicht beschränkt werden soll. Insbesondere ist es, soweit nicht
explizit anders dargestellt, auch möglich, Teilaspekte der in den Figuren erläuterten
Sachverhalte zu extrahieren und mit anderen Bestandteilen und Erkenntnissen aus der
vorliegenden Beschreibung zu kombinieren. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass
die Figuren und insbesondere die dargestellten Größenverhältnisse nur schematisch
sind. Es zeigen:
- Fig. 1:
- ein hier vorgeschlagenes Heizgerät,
- Fig. 2:
- einen Ablauf eines hier vorgeschlagenen Verfahrens, und
- Fig. 3 und 4:
- Parameterverläufe, die sich bei Durchführung eines hier vorgeschlagenen Verfahrens
einstellen können.
[0038] Fig. 1 zeigt beispielhaft und schematisch ein hier vorgeschlagenes Heizgerät 1 mit
einer Durchströmungsrichtung 16. Dieses kann eine Luftzufuhr 4 für Verbrennungsluft
aufweisen, in der eine Fördereinrichtung 2 zur Förderung eines Massestromes Verbrennungsluft
angeordnet sein. Ein Gasventil 5 kann dem von der Fördereinrichtung 2 geförderten
Massestrom Verbrennungsluft einen Massestrom Brenngas aus einer Gaszuführung 8 zusetzen.
Das Gemisch aus Brenngas und Verbrennungsluft kann über einen Gemischkanal 12 einem
Brenner 3 zugeführt und verbrannt werden. Am Brenner 3 kann ein Wärmetauscher 13 angeordnet
sein, der bei der Verbrennung entstehende Wärme auf einen Heizkreislauf 14 mit einem
Vorlauf 6 und einem Rücklauf 9 übertragen kann.
[0039] Am Brenner 3 kann eine Zünder 17 angeordnet sein, dazu eingerichtet auf eine Temperatur
erhitzt zu werden, um das am Brenner 3 austretende Verbrennungsgemisch zu entzünden.
Der Zünder 17 kann beispielsweise ein Glühzünder sein, der als Temperatursensor zur
Durchführung eines hier vorgeschlagenen Verfahrens nutzbar ist.
[0040] Zudem kann am Brenner 3 ein Sensor 15 einer Flammenüberwachung angeordnet sein. Bei
dem Sensor 15 kann es sich insbesondere um einen UV-Sensor oder einen Temperatursensor
handeln.
[0041] Dem Brenner 3 nachgeordnet kann ein Abgasrohr 10 entstehende Verbrennungsprodukte
einer Abgasanlage 11 zuführen. Ein Regel- und Steuergerät 7 des Heizgerätes 1 kann
zumindest mit dem Gasventil 5, dem Sensor 15, dem Zünder 17 und der Fördereinrichtung
2 elektrisch verbunden sein.
[0042] Fig. 2 zeigt beispielhaft und schematisch den Ablauf eines hier vorgeschlagenen Verfahrens.
Aus einem Signal 18 y(t) des Sensors 15 kann Differential 19 dt , also die erste Ableitung
des Signals 18, gebildet werden. Anschließend kann ein weiteres Differential 19

gebildet werden, so dass nunmehr die erste Ableitung

und die zweite Ableitung

vorliegt. Diese können jeweils einer Wichtung 20 zugeführt werden, bei der die erste
Ableitung

und die zweite Ableitung

mit einem Faktor zur Wichtung multipliziert werden. Anschließend kann eine Mittelwertbildung
21 erfolgen. Der ermittelte Mittelwert kann einer Auswertelogik 22 zugeführt werden,
die den Mittelwert mit einem ersten Schwellwert vergleicht und als Ergebnis einen
Flammenzustand 23 ausgibt.
[0043] Fig. 3 zeigt beispielhaft ein Signal 18 eines Sensors 15 der als UV-Sensor ausgebildet
ist, der sich nicht im Sättigungsbereich befindet. Zum Zeitpunkt 24 kann ein Flammenrückschlag
auftreten. Erkennbar ist ein Rauschen des Signals 18 zeitlich vor dem Zeitpunkt 24
des Auftretens eines Flammenrückschlages. Hier kann insbesondere ein Vergleichen einer
ersten Ableitung

des Signals 18 des Sensors 15 mit einem zweiten vorgegebenen Schwellwert und des
Signal 18 des Sensors 15 mit einem dritten vorgegebenen Schwellwert ein sicheres und
frühzeitiges Erkennen des Flammenrückschlages ermöglichen.
[0044] Fig. 4 zeigt ein Signal 18 des Sensors 15 gemäß Fig. 2, wobei der Sensor 15 sich
hier nicht im Sättigungszustand befindet. Erkennbar tritt ein nur sehr geringes Rauschen
im Vorfeld des Zeitpunktes 24 des Auftretens eines Flammenrückschlages auf. Auch hier
kann Vergleichen einer ersten Ableitung

des Signals 18 des Sensors 15 mit einem zweiten vorgegebenen Schwellwert und des
Signals 18 des Sensors 15 mit einem dritten vorgegebenen Schwellwert ein sicheres
und frühzeitiges Erkennen des Flammenrückschlages ermöglichen.
Bezugszeichenliste
[0045]
- 1
- Heizgerät
- 2
- Fördereinrichtung
- 3
- Brenner
- 4
- Luftzufuhr
- 5
- Gasventil
- 6
- Vorlauf
- 7
- Regel- und Steuergerät
- 8
- Gaszuführung
- 9
- Rücklauf
- 10
- Abgasrohr
- 11
- Abgasanlage
- 12
- Gemischkanal
- 13
- Wärmetauscher
- 14
- Heizkreislauf
- 15
- Sensor
- 16
- Durchströmungsrichtung
- 17
- Zünder
- 18
- Signal Sensor
- 19
- Differential
- 20
- Wichtung
- 21
- Mittelwertbildung
- 22
- Auswertelogik
- 23
- Flammenzustand
- 24
- Zeitpunkt Flammenrückschlag
1. Verfahren zum Betreiben eines Heizgerätes (1), aufweisend eine Flammenüberwachung
für einen Brenner (3) des Heizgerätes (1) mit mindestens einem Sensor (15), wobei
anhand einer ersten Ableitung und einer zweiten Ableitung des Signals (18) des Sensors
(15) ein Vergleichswert berechnet und anhand eines Vergleiches des ersten Vergleichswertes
mit einem ersten vorgegebenen Schwellwert ein Flammenzustand (23) festgestellt wird,
und/ oder
der mindestens eine Sensor (15) ein UV-Sensor ist und eine erste Ableitung des Signals
(18) des Sensors (15) mit einem zweiten vorgegebenen Schwellwert und das Signal des
Sensors (15) mit einem dritten vorgegebenen Schwellwert verglichen werden und ein
Flammenzustand (23) festgestellt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Vergleichswert berechnet wird, indem die erste
Ableitung und die zweite Ableitung berechnet werden, jeweils mit einem vorgegebenen
Faktor zur Wichtung (20) multipliziert werden und ein Mittelwert mittels einer Mittelwertbildung
(21) als Vergleichswert ermittelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, wobei unterschiedliche Faktoren zur Wichtung (20) für unterschiedliche
Betriebszustände des Heizgerätes (1) vorgegeben sind.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Feststellen des Flammenzustands
(23) ein Feststellen eines Flammenverlustes und/ oder eines Flammenrückschlages beinhaltet.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei Rohdaten des Signals (18)
des als UV-Sensor ausgebildeten Sensors (15) zum Vergleich mit dem dritten Schwellwert
herangezogen werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, wobei das UV-Signal des Sensors (15) nicht in einem Sättigungsbereich
liegt und Rohdaten des Signals (18) des Sensors (15) mit dem dritten Schwellwert verglichen
werden.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Heizgerät (1) mit Wasserstoff
als Brennstoff betrieben wird.
8. Regel- und Steuergerät (7), eingerichtet zur Durchführung eines Verfahrens nach einem
der Ansprüche 1 bis 7.
9. Heizgerät (1), eingerichtet zur Verbrennung eines Brennstoffes an einem Brenner (3),
und aufweisend eine Flammenüberwachung mit mindestens einem Sensor (15), sowie Mittel,
die so angepasst sind, dass sie die Schritte eines Verfahrens nach einem der Ansprüche
1 bis 7 ausführen.
10. Computerprogramm, umfassend Befehle, die bewirken, dass ein Heizgerät (1) nach Anspruch
9 ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7 ausführt.