[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren für eine Zustandsschätzung eines elektrischen
Energieverteilungsnetzes gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1, eine Zustandsschätzungsanordnung
gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 10 und ein Computerprogrammprodukt gemäß Anspruch
14.
[0002] Aus der Produktbroschüre "
Intelligent control center technology - Spectrum Power", Siemens AG 2017, Article-No.
EMDG-B90019-00-7600, ist eine Software für ein sog. "Supervisory Control and Data Acquisition (SCADA)"
System, also eine Leitstelle, bekannt. SCADA Systeme sind zur Kontrolle und Steuerung
von Energienetzen lange bekannt (Wikipedia permananter link: https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=SCADA&oldid=858433
181). Dabei werden Messwerte von Sensoren, beispielsweise von Spannungsmessgeräten
und Strommessgeräten im Energienetz, aggregiert und zur Leistelle übermittelt. Zur
Steuerung von Leistungsschaltern und Trennschaltern im Energienetz sowie zur Ansteuerung
von Energieerzeugern wie Kraftwerken werden Steuerbefehle ins Energienetz gesendet.
Diese Steuerbefehle werden von "Remote Terminal Units" (RTUs), "programmable logic
controllers" (PLCs) und "inteligent devices" (IEDs) empfangen und verarbeitet, um
die Leistungsschalter und die Trennschalter usw. anzusteuern. In der Leistelle ist
bisher häufig ein lokales Rechenzentrum vorgesehen, auf dem die Leitstellensoftware
wie z.B. Sprectrum Power läuft. Es werden rund um die Uhr Techniker in der Leitstelle
bereitgehalten, die die Anzeigen des SCADA über den aktuellen Betriebszustand des
Energienetzes kontrollieren und im Fehlerfall Gegenmaßnahmen wie z.B. die Abschaltung
eines Netzabschnitts durchführen können. Die Leistellensoftware wird in der Regel
in einer zentralen Rechneranordnung betrieben, die beispielsweise als ein Rechenzentrum
mit Prozessoren, Datenspeichern und Bildschirmen ausgebildet sein kann. Der Begriff
"zentral" zielt dabei darauf ab, dass alle Messdaten aus dem Energienetz und alle
Steuerbefehle für das Energienetz zentral verarbeitet werden.
[0003] Auch eine teilweise oder vollständige Ausbildung der RechnerAnordnung bzw. der Leitstellensoftware
als eine Cloud-Applikation, also eine Serveranordnung mit dezentral verteilten Ressourcen
zur Datenverarbeitung und Datenspeicherung, die über ein Datennetzwerk wie z.B. das
Internet verbunden sind, kann vorgenommen werden.
[0004] Als Begleiterscheinung einer immer weiteren Verbreitung von verteilter Energieerzeugung,
also beispielsweise durch Photovoltaik-Anlagen oder Windkraftanlagen, wird durch die
immer zahlreicheren lokalen Energieerzeuger, die in das Nieder- und Mittelspannungsnetz
einspeisen, eine Vorhersage eines Systemzustands des Energienetzes erschwert. Auch
die Abhängigkeit von Wettereinflüssen steigt, weil z.B. Solarzellen stark von der
Bewölkung und Windkraftanlagen von der Windstärke beeinflusst werden. Diese Probleme
wirken auch auf die nächsthöhere Spannungsebene eines Energieübertragungsnetzes der
Hochspannungsebene zurück, das hierdurch schwieriger zu steuern und vorherzusagen
ist.
[0006] Derzeit messen Verteilnetzbetreiber im Schnitt ca. 20% der Verteilnetzknoten. Der
Rest des Verteilnetzes ist unbeobachtet. Im Niederspannungsbereich werden vermehrt
Smart Meter eingesetzt, sie werden jedoch nicht wie die in Leitstellen empfangenen
Messwerte in Echtzeit bereitgestellt, sondern treffen mehrere Stunden nach der Messung
ein. Sie sind also für die Berechnung des Netzzustandes im Mittelspannungsbereich
ohne weitere Verarbeitung wie z.B. in Vorhersagen nicht brauchbar.
[0007] Trotz allem wollen die Verteilnetzbetreiber unterrichtet werden, wenn auch an den
unbeobachteten Knoten Grenzwertverletzungen auftreten. Oder wenn die wenigen verfügbaren
Messwerte Inkonsistenzen zueinander aufweisen. Für diesen Zweck wird die Zustandsschätzung
eingesetzt.
[0008] Gleichzeitig verfügen die Netzbetreiber über qualitativ gute Netzmodelle, so dass
Lastflussverfahren sehr erfolgreich eingesetzt werden können und zuverlässige Ergebnisse
liefern.
[0009] Klassische Verfahren für Zustandsschätzung aus dem Bereich der Übertragungsnetze
sind in Verteilnetzen schwer anwendbar auf Grund der fehlenden gemessenen Information
an im Schnitt 80% der Netzknoten. Daher behelfen sich die klassischen Verfahren der
Pseudomesswerte, mit deren Hilfe die Lastinformation modelliert wird. Diese Modelle
sind jedoch sehr ungenau und erfordern meist weitere Verfahren wie z.B. die Lastenskalierung,
um die Lastinformation mit den gemessenen Werten zu initialisieren. Insbesondere dieses
Verfahren erfordert viele Fallunterscheidungen (abhängig von verfügbaren Messwerten,
deren Platzierung im Netz und Verfügbarkeit von verteilter Erzeugung) und ist an sich
nicht wirklich genau. Von der Genauigkeit der Lastenskalierung hängt jedoch das Konvergenzverhalten
und die Treffsicherheit der Zustandsschätzung an den Messstellen ab.
[0010] Zusätzlich erfordern klassische Zustandsschätzungsverfahren sowie "Distribution System
State Estimation" (DSSE) die Lösung eines unterbestimmten Gleichungssystems mittels
Newton Raphson. Bei ungeeigneter Gewichtung der Messwerte oder Abhängig von der Wahl
der Zustandsvariablen (Spannungen, Ströme oder Leistungen) kann es zu Konvergenzproblemen
kommen. Auch Loop-Topologie scheint eine Herausforderung für diese Verfahren zu sein,
wenn nicht Spannungen als Zustandsvariablen gewählt sind.
[0011] Neben den analytischen Verfahren kommen in letzter Zeit auch neuronale Netze (insbesondere
"Multi Layer Perceptron Networks") zur Anwendung. Die größten Nachteile der neuronalen
Netze sind jedoch:
- Starre Struktur (fixe Anzahl von Inputs und Outputs): Für jede Konfiguration von Messwerten
und Schalterstellungen ist ein neuronales Netz erforderlich.
- Trainingsdaten müssen bereitgestellt sein für jedes einzelne Netz, das eine bestimmte
Konfiguration aus Messwerten und Schalterstellungen repräsentiert.
- Training muss ausgeführt werden für jedes einzelne Netz.
- Netze müssen gespeichert und verwaltet werden.
- Netze müssen neu trainiert werden, wenn die Fehlerrate zu groß wird.
[0012] Ausgehend von bekannten Verfahren für eine Zustandsschätzung stellt sich an die Erfindung
die Aufgabe, ein Verfahren anzugeben, mit dem vergleichsweise einfach, schnell und
zuverlässig der Zustand eines elektrischen Energieverteilnetzes geschätzt werden kann.
[0013] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch ein Verfahren nach Anspruch 1.
[0014] Ein Zustand ist z.B. eine Gesamtmenge von Werten elektrischer Größen, die an verschiedenen
Punkten in dem Energieverteilnetz zu einem vorgegebenen Zeitpunkt vorliegen. Beispielsweise
umfasst der Zustand die Spannungen (i.d.R. als komplexe Zahlen), die an den Netzpunkten
vorliegen. Die Punkte bzw. Messpunkte können z.B. Knotenpunkte sein, d.h. Endpunkte
einer Leitung oder eine Leitungskreuzung. Typischerweise werden an solchen Knotenpunkten
auch Messorte für Messgeräte für elektrische Spannung, Stromstärke und ggf. Phasenwinkel
vorgesehen. Eine Zustandsschätzung ist eine mit einem Computer berechnete Schätzung
des Zustands, basierend auf verfügbaren Messwerten, d.h. das für diejenigen Knoten,
die nicht mit Messgeräten beobachtet werden können, der Zustand bzw. die elektrischen
Größen berechnet werden.
[0015] Ein Netzzustand bzw. eine Zustandsschätzung im Sinne der Erfindung umfasst beispielsweise
eine Angabe über den Spannungsbetrag bzw. eine elektrische Spannung und den Spannungswinkel
bzw. Phasenwinkel an jedem Netzwerkabschnitt. Ein Netzwerkabschnitt wird z.B. auch
als "network bus" im Sinne des "bus-branch"-Modells bezeichnet. Er fungiert als ein
Netzmodell-Verbindungspunkt, an dem modellierte Betriebsmittel des elektrischen Netzes
wie Leitungen, Transformatoren, Verbraucher und Erzeuger elektrischer Energie verknüpft
sein können.
[0016] Eine Einrichtung im Sinne der Erfindung weist beispielsweise Prozessoren, Datenspeicher
und Bildschirme auf. Einrichtungen sind z.B. Computer wie z.B. Server, die Datenprozessorressourcen
und Datenspeicherressourcen aufweisen und Daten mit anderen Computern austauschen
können. Es kann sich auch um Softwaremodule handeln, die auf einer Cloud-Infrastruktur
ausgeführt werden, d.h. eine eine räumlich verteilte Server- und Datenbankarchitektur.
[0017] Messeinrichtungen können beispielsweise Spannungsmessgeräte, Strommessgeräte, Phasenmessgeräte
bzw. "Phasor measurement units (PMUs)", "Remote Terminal Units" oder Intelligente
Stromzähler bzw. "Smart Meter", "Intelligent electronic devices (IEDs)" zur Überwachung
von Schaltern und anderen Betriebsmitteln, Steuereinrichtungen z.B. für Intelligente
Substations oder Schutzgeräte sein, die an den Messorten eingesetzt werden. Die Datenübertragung
der Messdaten kann dabei z.B. nach dem IEC 61850 Protokoll oder nach dem Internet-Protokoll
erfolgen. Es können per Powerline-Communication über das Stromnetz, oder per Funk
z.B. per LTE (4G) oder per Kabel wie z.B. Ethernet oder Lichtwellenleiter Daten übertragen
werden.
[0018] Ein Netzmodell ist z.B. eine Beschreibung der Topologie, d.h. der räumlichen Anordnung
von Betriebsmitteln wie Schalteinrichtungen, Transformatoren, Verbrauchern bzw. Lasten
usw. sowie Leitungen einschließlich der Betriebsparameter der Betriebsmittel. Beispielsweise
enthält das Netzmodell Informationen über die räumliche Anordnung von Knotenpunkten,
Schalteinrichtungen und Messsorten und/oder den Parametern der Betriebsmittel.
[0019] Lasten- und Erzeugerdaten sind verfügbar in Form von Gaußschen Verteilungen. Diese
werden z.B. separat erstellt für jede 15 Minuten des Tages, des Wochentages und der
Jahreszeit, was dem heutigen Standard bei den Verteilnetzbetreibern entspricht. Hiermit
ergibt sich der Lastzustand des Energienetzes.
[0020] Die Schaltzustände sind beispielsweise ein offener oder ein geschlossener Zustand
für jede Schalteinrichtung.
[0021] Das Lastflussergebnis wird für das jeweils zu berechnende Beispiel, d.h. den angenommenen
Lastzustand, auf an sich übliche Weise mit einem Lastflussalgorithmus berechnet. Der
Lastflussalgorithmus wird z.B. für unterschiedliche Topologien und unterschiedliche
Tages- und Jahreszeiten (für jede 15 Minuten des Tages, eines bestimmten Wochentags
und/oder einer Jahreszeit) ausgeführt. Dabei wird Monte-Carlo Sampling verwendet,
um unterschiedliche Belastungsszenarios zu simulieren. Es kann eine große Anzahl,
z.B. über 100, noch mehr bevorzugt über 1000, unterschiedliche Kombinationen von Lastzuständen
und Schaltzuständen simuliert werden.
[0022] Der Lastflussdatensatz wird z.B. in einem Datenspeicher eines Computers, oder in
einer Cloud-Datenspeicherlösung, abgelegt. Er muss i.d.R. nur einmal vorab berechnet
werden und umfasst beispielsweise einige hundert oder einige tausend Lastflussergebnisse,
die sich aus unterschiedlichen Last- und Schaltzuständen ergeben. Eine Aktualisierung
kann durchgeführt werden, wenn durch Neuinstallationen von Geräten, Ausbau des Netzes
mit neuen Leitungen, usw. die Topologie des Energieverteilnetzes verändert wird.
[0023] In Abhängigkeit von der Vielzahl der Lastflussergebnisse kann die Wahrscheinlichkeitsverteilung
der ersten elektrischen Größe, z.B. Spannung, berechnet werden für jeden Knoten. Es
kann z.B. eine gaußsche Normalverteilung angenommen werden, deren Mittelwert dem wahrscheinlichsten
Fall entspricht. Mit anderen Worten ergibt sich z.B. für jeden Knoten ein wahrscheinlichster
Spannungswert, der als Erwartungswert über die Vielzahl von Last- und Schaltzuständen
dient.
[0024] Ein Hidden-Markov-Modell ist ein mathematisches Modell, das beispielsweise von Wikipedia
bekannt ist (permanenter Link: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hidden_Markov_Mode
l&oldid=224921402). Dabei wird davon ausgegangen, dass unbeobachtete Zustände ineinander
übergehen können, wobei die Übergänge jedoch nicht direkt beobachtet werden können,
sondern lediglich Ausgaben bzw. Emissionen des modellierten Systems. Bezogen auf die
vorliegende Modellierung sind die unbeobachteten Zustände die an den Knotenpunkten
tatsächlich vorliegenden Werte von elektrischen Größen, wobei im Energieverteilnetz
nur ein Teil der Knoten als Messorte mit Messeinrichtungen ausgebildet wird, Emissionen
bzw. Messwerte für die elektrischen Größen zu erfassen.
[0025] Aus dem Hidden-Markov-Modell wird auf einen wahrscheinlichsten Wert für eine zweite
elektrische Größe für jeden Knotenpunkt geschlossen. Mithilfe der zweiten elektrischen
Größe kann der Netzzustand als Zustandsschätzung bereitgestellt werden. Dabei ergibt
sich der Netzzustand direkt, wenn als elektrische Größe die Spannung genutzt wird.
Wird die Stromstärke ausgegeben, so kann auch die Spannung an allen Knotenpunkten
berechnet werden. Das Hidden Markov Modell wird genutzt, um basierend auf den Messwerten
und den aus dem Training gewonnenen Verteilungen die Zustandsvariablen für das elektrische
Netz zu erhalten, die der komplexen Spannung oder dem komplexen Strom entsprechen.
Die erhaltenen Zustandsvariablen für alle Netzknoten des Beispielnetzes sind das wahrscheinlichste
Set unter Berücksichtigung der gegebenen Messwerte.
[0026] Grundsätzlich sind der reelle und der imaginäre Teil der komplexen Zustandsvariable
bedingt unabhängig, so dass die beiden Komponenten parallel im Hidden Markov Modell
durchlaufen werden könnten. Das wird am Beispiel der komplexen Spannung gezeigt.

[0027] Das bedeutet ebenfalls, dass die Zustandswechsel als bivariate Verteilungen modelliert
werden können:

[0029] Die gleichen Schritte können für Strom als Zustandsvariable gemacht werden.
[0030] Das Verfahren nutzt ein Netzmodell und eine oft in Leitstellensystemen schon verfügbare
Lastflussapplikation, welche in diesem Kontext ohne weiteres eingesetzt werden kann.
Es erwartet weiterhin nur sehr grobe Informationen über die Lasten, die normalerweise
in den Leitstellensystemen verfügbar ist (Lastenverteilungen). Für das Verfahren spielt
der Typ der verfügbaren Messwerte keine Rolle, und es kann auch sehr gut mit zeitweise
ausgefallenen Messungen umgehen, weil das Hidden-Markov-Modell jeweils online erzeugt
wird. Zusätzlich, weil es mit Verteilungen arbeitet, berücksichtigt es Messwerte schwächer,
die grob fehlerhaft sind. An solchen Messungen fallen die Abweichungen zwischen den
geschätzten und gemessenen Werten größer aus.
[0031] Die Genauigkeit der Schätzung wird verbessert durch eine verbesserte Beobachtbarkeit
des Netzes, d.h. durch zusätzliche Messorte mit Messeinrichtungen. Dies hat einen
positiven Einfluss auf die Berechnungszeit, weil zusätzliche Messwerte den möglichen
Zustandsraum an den Knoten einschränken. Mit dem Verfahren können auch nichtsymmetrische
Netze berechnet werden. In diesem Fall muss man Ströme als Zustandsvariablen wählen
und drei Hidden Markov Modelle berechnen. Dieser Vorgang ist sehr gut parallelisierbar.
Dabei kann z.B. das Hidden-Markov-Modell für jede Phase auf einem einzelnen Prozessor
oder einem separaten Server-Computer berechnet werden, was die Geschwindigkeit erhöht.
Das Verfahren unterstützt auch Loop-Topologien.
[0032] Das Verfahren basiert in einer Variante auf der Verwendung von finiten Hidden- Markov-Modellen.
Es ist daher der Gruppe der Verfahren aus dem Bereich des maschinellen Lernens zuzuordnen.
Anders als klassische Zustandsschätzungsverfahren aus dem Übertragungsnetzbereich
braucht es nur eine grobe Spezifikation der Last und zeigt keine Sensitivität bezüglich
der verfügbaren Messwerttypen im elektrischen Netz. Auch die Wahl der Zustandsvariablen
hat keinen Einfluss auf die Stabilität der Lösungsfindung. Es gibt keine Konvergenzprobleme.
Im Gegensatz zu neuronalen Netzen erfordert es kein Training und muss auch nicht für
jede Messwertkonstellation und Schalterstellung ein separates Modell abspeichern und
trainieren. Vielmehr speichert es nur Trainingsdaten ab, keine Modelle.
[0033] Die Genauigkeit der Zustandsschätzung hängt davon ab, wie gut die Datenvorbereitungsphase
mit Hilfe von wiederholten Lastflussberechnungen durchgeführt wurde (dieselbe Einschränkung
wie neuronale Netze) und wie groß die Inkonsistenzen in den SCADA-Messwerten sind
(alle Verfahren gleichermaßen betroffen). Der erste Schritt ist jedoch trivial und
kann durch wiederholte Ausführungen von Lastflussberechnungen auf unterschiedlichen
Belastungsszenarien bereitgestellt werden.
[0034] Die Ausführungszeit für die Zustandsschätzung liegt über der Zeit, die erreicht werden
kann mit neuronalen Netzen, aber unter der Zeit, die erforderlich ist, um die analytische
Lösung bereitzustellen.
[0035] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird für die
Bestimmung des wahrscheinlichsten Werts für die zweite elektrische Größe ein Viterbi-Algorithmus
verwendet. Die zweite elektrische Größe stellt dabei eine Zustandsvariable des Modells
im eingangs erläuterten Sinne dar.
[0036] Dies ist ein Vorteil, weil auf einfache Weise die wahrscheinlichsten Werte der elektrischen
Größen, die mithilfe des Hidden-Markov-Modells erkannt wurden, bestimmt werden können.
Der Viterbi-Algorithmus ist beispielsweise von Wikipedia bekannt (permanenter Link:
https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Viterbi-Algorithmus&oldid=213887390 ).
Der Einsatz des Hidden-Markov-Modells zusammen mit dem Viterbi-Algorithmus erlaubt
es, die wahrscheinlichste Folge von Zuständen auf den Netzknoten zu finden, die durch
einen stochastischen Prozess erzeugt wurden, der teilweise beobachtbar ist durch die
SCADA Messwerte.
[0037] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
mittels einer ersten Auswahleinrichtung aus dem Lastflussdatensatz eine Untergruppe
von Lastflussergebnissen ausgewählt und für die Zustandsschätzungseinrichtung bereitgestellt,
wobei anhand eines Ähnlichkeitsmaßes die Ähnlichkeit von an Messorten gemessenen aktuellen
Messwerten zu den Wahrscheinlichkeitsverteilungen ermittelt wird, und bei Überschreitung
eines Schwellenwertes für die Ähnlichkeit das jeweilige Lastflussergebnis ausgewählt
wird.
[0038] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
mittels einer dritten Auswahleinrichtung mittels einer ersten Auswahleinrichtung aus
dem Lastflussdatendatz eine Untergruppe von Lastflussergebnissen ausgewählt und für
die Zustandsschätzungseinrichtung bereitgestellt wird, wobei die Lastflussergebnisse
anhand einer der folgenden zeitlichen Einschränkungen ausgewählt werden: Tagesuhrzeit,
Typ des Tages, Jahreszeit. Es kann auch die Toplogiekonfiguration des Energienetzes
berücksichtigt werden.
Hierzu gibt es beispielsweise zwei Möglichkeiten. Um Speicherplatz zu sparen, speichert
man für jeden Knoten des Netzes nur Verteilungen der Zustandsvariablen für jeden der
96 Tagesintervalle (alle 10 Minuten zeitliche Auflösung), Typ des Tages (Werktag,
Wochenende oder Feiertag), Jahreszeit und Topologie. Für die Berechnung sucht man
die Verteilungen, aus, die zu den oben genannten Suchkriterien passen.
[0039] Die andere Möglichkeit umfasst das Abspeichern der einzelnen Berechnungsergebnisse
(Leistung, Blindleistung, Stromstärke und Spannung an jedem Knoten), gesammelt, unabhängig
von den oben genannten Kriterien.
[0040] Diese Ausführungsform ist von Vorteil, weil durch die geschickte Auswahl der vorher
simulierten Lastflussfälle eine vergleichsweise besonders genaue und schnelle Berechnung
des Netzzustands im Hidden-Markov-Modell möglich wird. Als Ähnlichkeitsmaß kann z.B.
der euklidische Abstand dienen. Die Untergruppe umfasst bevorzugt mehr als 5, noch
mehr bevorzugt mehr 35 Lastflussergebnisse. Ganz besonders bevorzugt sind 96 Lastflussergebnisse
in der Untergruppe.
[0041] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden
mittels einer zweiten Auswahleinrichtung aus dem Lastflussdatendatz Lastflussergebnisse
ausgewählt und für die Zustandsschätzungseinrichtung bereitgestellt, deren zugrundeliegende
Schaltzustände mit den aktuellen Schaltzuständen übereinstimmen. Dies ein Vorteil,
weil durch die geschickte Auswahl der vorher simulierten Lastflussfälle eine besonders
genaue und schnelle Berechnung des Netzzustands im Hidden-Markov-Modell möglich wird.
Die Untergruppe umfasst bevorzugt mehr als 5, noch mehr bevorzugt mehr 35 Lastflussergebnisse.
Diese Ausführungsform kann bevorzugt mit der vorgenannten Auswahl gemäß einem Ähnlichkeitsmaß
kombiniert werden, um besonders genaue und schnelle Berechnungen des Systemzustands
zu ermöglichen.
[0042] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
als erste elektrische Größe mindestens eine der folgenden elektrischen Größen verwendet:
elektrische Leistung, elektrische Blindleistung, elektrische Spannung, elektrische
Stromstärke. Es werden dabei z.B. komplexe Zahlen zur Darstellung von Spannung und
elektrischer Stromstärke eingesetzt.
[0043] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
als zweite elektrische Größe mindestens eine der folgenden elektrischen Größen verwendet
wird: elektrische Spannung, elektrische Stromstärke.
[0044] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
für das elektrische Energieverteilungsnetz ein Mittelspannungsnetz mit einer Nennspannung
von 1 kV bis 52 kV verwendet.
[0045] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
für das elektrische Energieverteilungsnetz ein Niederspannungsnetz mit einer Nennspannung
von höchstens 1 kV verwendet wird. Auch für Niederspannungsnetze können mittlerweile
ausreichend genaue Topologieinformationen bereitgestellt werden.
[0046] Ausgehend von bekannten Anordnungen für eine Zustandsschätzung stellt sich ferner
an die Erfindung die Aufgabe, eine Zustandsschätzungsanordnung anzugeben, mit der
vergleichsweise einfach, schnell und zuverlässig der Zustand eines elektrischen Energieverteilnetzes
geschätzt werden kann.
[0047] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch eine Zustandsschätzungsanordnung nach Anspruch
10. Bevorzugte Ausführungsformen sind in den Ansprüchen 11 bis 13 beschrieben. Es
ergeben sich sinngemäß die gleichen Vorteile wie eingangs für das erfindungsgemäße
Verfahren erläutert.
[0048] Ausgehend von bekannten Computerprogrammprodukten für eine Zustandsschätzung stellt
sich ferner an die Erfindung die Aufgabe, ein Computerprogrammprodukt anzugeben, mit
dem vergleichsweise einfach, schnell und zuverlässig der Zustand eines elektrischen
Energieverteilnetzes geschätzt werden kann.
[0049] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch ein Computerprogrammprodukt nach Anspruch
14. Es ergeben sich sinngemäß die gleichen Vorteile wie eingangs für das erfindungsgemäße
Verfahren erläutert.
[0050] Zur besseren Erläuterung der Erfindung zeigen in schematischer Darstellung die
- Figur 1
- die Verfahrensschritte zur Datenvorbereitung, und
- Figur 2
- die Verfahrensschritte zur Zustandsschätzung, und
- Figur 3
- ein IEEE Standard Testnetz mit einer Reihe von Knotenpunkten, und
- Figur 4
- eine Darstellung eines Zustandswechsels eines Knoten.
[0051] Die Figur 1 zeigt die Verfahrensschritte zur Datenvorbereitung. Das Verfahren besteht
aus zwei Schritten
- Datenvorbereitung 1
- Eigentliche Zustandsschätzung.
[0052] Die Datenvorbereitung 1 wird entkoppelt von Zustandsschätzung durchgeführt und deren
Ergebnisse werden in einer Datenbank bereitgestellt. Nach dem Start 2 wird ein elektrisches
Netzmodell als sogenanntes bus-branch-Modell im Schritt 3 bereitgestellt. Im Schritt
4 wird eine grob aufgelöste Lastinformation als Gaußsche Normalverteilung für jeden
Netzknoten bereitgestellt, d.h. welche Lasten an den einzelnen Netzknoten gemäß dem
Netzmodell vorliegen könnten. Im Schritt 5 werden anhand eines Netzmodells für eine
Vielzahl von Lastzuständen und für eine Vielzahl von Schaltzuständen von Schalteinrichtungen
Lastflussberechnungen durchgeführt und das jeweilige Lastflussergebnis wird in Schritt
6 in einem Lastflussdatensatz gespeichert.
[0053] Das Lastflussergebnis kann entweder gesammelt in Form von Verteilungen der elektrischen
Größen (komplexer Strom, Spannung und Leistung) für jeden Netzknoten abgespeichert
sein für jeden der 96 Tageszeitpunkte, den Tagestyp, Jahreszeit oder Topologie usw.
oder als ein separates Ergebnis für jede Simulation mit einzelnen Werten für die oben
genannten elektrischen Größen an jedem Knoten.
[0054] Das Lastflussergebnis kann z.B. für jeden Knoten einen oder mehrere der folgenden
Werte beinhalten: Strom, Spannung, Leitung, Blindleistung. Damit ist die Datenvorbereitung
1 im Schritt 7 abgeschlossen.
[0055] Bei der eigentlichen Zustandsschätzung 14 wird nach dem Start 7 eine Topologieinformation
über das Energienetz bereitgestellt. Basierend auf dieser Topologieinformation und
den Betriebsmittelparametern wird beispielsweise ein Bus-Branch-Modell inklusive Messstelleninformation
und eine Admittanzmatrix erstellt.
[0056] Damit liegen Angaben über Leitungen und Verzweigungen des Netzes, d.h. über Knotenpunkte
im Energienetz, vor. Ferner sind Messorte von Messstellen, die in der Regel einem
Knotenpunkt räumlich zugeordnet sind, enthalten. Auch werden Schalteinrichtungen berücksichtigt
in dem Bus-Branch-Modell. Mit dem Bus-Branch-Modell und der Admittanzmatrix ist es
möglich, Lastflüsse im Netz zu berechnen.
[0057] Ferner wird ein Messpfad bereitgestellt, entlang dessen eine Lastfluss betrachtet
wird.
[0058] Im nächsten Schritt 9 werden im Lastflussdatensatz Lastflussergebnisse mit dergleichen
(oder sehr ähnlicher) Topologie ausgewählt, d.h. dass insbesondere die Schalteinrichtungen
die vergleichbare Schaltstellungen aufweisen. Hier wird also aus der Datenvorbereitung
1 ein Zwischenergebnis abgefragt, was besonders einfach und schnell erfolgen kann.
[0059] Es werden entweder die gesammelten Ergebnisse in Form von Verteilungen herausgesucht
oder einzelne Ergebnisse unter Anwendung der euklidischen Distanzmessung. Im zweiten
Fall werden die Verteilungen im Nachgang berechnet.
[0060] Ferner sollte das ausgewählte Lastflussergebnis den ähnlichsten Messpfad im Vergleich
zu dem im Schritt 8 gewählten Messpfad aufweisen.
[0061] Im Schritt 10 wird ein Hidden-Markov-Modell, basierend auf den Daten aus Schritt
9, definiert, das entweder die Spannung oder die Stromstärke als Zustandsvariable
verwendet.
[0062] Im Schritt 11 wird der Viterbi-Algorithmus genutzt, um den wahrscheinlichsten Pfad
entlang des Messpfads zu ermitteln.
[0063] Im Schritt 12 wird die ausgewählte Zustandsvariable zur Zustandsschätzung für das
gesamte betrachtete Energienetz verwendet. Es werden anhand der erhaltenen Zustandsvariablen
und der Admittanz Matrix die übrigen elektrischen Größen an den Knoten berechnet.
[0064] Damit ist in Schritt 13 das Ende des Verfahrens erreicht.
[0065] Figur 3 zeigt Figur 3 zeigt den Aufbau eines Hidden-Markov-Modells für ein Testnetz
von IEEE mit eingezeichneten Zustandsübergängen zwischen den Knoten, Start- und Endknoten.
[0066] Knoten 650 ist der Startknoten. Der Knoten 650 repräsentiert eine Einspeisungssammelschiene
des Energienetzes oder Teilnetzes, das berechnet werden soll. Die Knoten P
1-3, Q
1-3 und I
1-3 kennzeichnen Beobachtungen (SCADA-Messungen), die grundsätzlich an beliebigen Knoten
im Netz platziert sein können.
[0067] Der Knoten 646,634,611,652,680 repräsentieren "Endknoten". Sind alle "Endknoten"
erreicht, ist das Hidden-Markov-Modell durchlaufen. Die Pfeile zeigen an, wie der
Graph mit den Knotenpunkten von der Einspeisung zu den "Endknoten" durchlaufen wird.
[0069] Abschließend kann das Erzeugen eines Hidden-Markov-Modells wie folgt beschrieben
werden:
- Erzeugen von Übergangs- und Emissionsverteilungen basierend auf den Daten aus dem
Lastflussdatensatz
- Diskretisieren des Zustandsraums (d.h. gleicher Zustandsraum für jeden Knoten)
- Berechnen eines optimalen Pfads mittels des Viterbi-Verfahrens
- Abbilden der Werte der Zustandsvariablen auf die übrigen Werte aus dem Lastflussdatensatz
unter Benutzung von Verteilungen der Wahrscheinlichkeit.
1. Verfahren für eine Zustandsschätzung eines elektrischen Energieverteilungsnetzes,
dadurch gekennzeichnet, dass
mittels einer Lastflussberechnungseinrichtung anhand eines Netzmodells, das Knotenpunkte
und Schalteinrichtungen und Messsorte berücksichtigt, für eine Vielzahl von Lastzuständen
und für eine Vielzahl von Schaltzuständen der Schalteinrichtungen Lastflussberechnungen
durchgeführt und das jeweilige Lastflussergebnis in einem Lastflussdatensatz gespeichert
wird, wobei der Lastflussdatensatz für jeden Knotenpunkt im Netzmodell eine Wahrscheinlichkeitsverteilung
für jeweils einen Wert mindestens einer ersten elektrischen Größe bereitstellt, und
dass
mittels einer Zustandsschätzungseinrichtung eine Zustandsschätzung, die die jeweiligen
Spannungswerte an den Knotenpunkten beinhaltet, für das elektrische Energieverteilungsnetz
bestimmt wird, wobei
unter Berücksichtigung des Lastflussdatensatzes und aktueller Schaltzustände von Schalteinrichtungen
und aktueller Messwerte, die an den Messorten erfasst wurden, ein Hidden-Markov-Modell
verwendet wird, um einen wahrscheinlichsten Wert für eine zweite elektrische Größe
für jeden Knotenpunkt zu bestimmen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass für die Bestimmung des wahrscheinlichsten Werts für die zweite elektrische Größe
ein Viterbi-Algorithmus verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass mittels einer ersten Auswahleinrichtung aus dem Lastflussdatendatz eine Untergruppe
von Lastflussergebnissen ausgewählt und für die Zustandsschätzungseinrichtung bereitgestellt
wird, wobei anhand eines Ähnlichkeitsmaßes die Ähnlichkeit von an Messorten gemessenen
aktuellen Messwerten zu den Wahrscheinlichkeitsverteilungen ermittelt wird, und bei
Überschreitung eines Schwellenwertes für die Ähnlichkeit das jeweilige Lastflussergebnis
ausgewählt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mittels einer ersten Auswahleinrichtung aus dem Lastflussdatendatz eine Untergruppe
von Lastflussergebnissen ausgewählt und für die Zustandsschätzungseinrichtung bereitgestellt
wird, wobei die Lastflussergebnisse anhand einer der folgenden zeitlichen Einschränkungen
ausgewählt werden: Tagesuhrzeit, Typ des Tages, Jahreszeit.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mittels einer zweiten Auswahleinrichtung aus dem Lastflussdatendatz Lastflussergebnisse
ausgewählt und für die Zustandsschätzungseinrichtung bereitgestellt werden, deren
zugrundeliegende Schaltzustände mit den aktuellen Schaltzuständen übereinstimmen.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als erste elektrische Größe mindestens eine der folgenden elektrischen Größen verwendet
wird: elektrische Leistung, elektrische Blindleistung, elektrische Spannung, elektrische
Stromstärke.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als zweite elektrische Größe mindestens eine der folgenden elektrischen Größen verwendet
wird: elektrische Spannung, elektrische Stromstärke.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass für das elektrische Energieverteilungsnetz ein Mittelspannungsnetz mit einer Nennspannung
von 1 kV bis 52 kV verwendet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass für das elektrische Energieverteilungsnetz ein Niederspannungsnetz mit einer Nennspannung
von höchstens 1 kV verwendet wird.
10. Zustandsschätzungsanordnung für eine Zustandsschätzung eines elektrischen Energieverteilungsnetzes,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Lastflussberechnungseinrichtung ausgebildet ist, anhand eines Netzmodells, das
Knotenpunkte und Schalteinrichtungen und Messsorte berücksichtigt, für eine Vielzahl
von Lastzuständen und für eine Vielzahl von Schaltzuständen der Schalteinrichtungen
Lastflussberechnungen durchzuführen und das jeweilige Lastflussergebnis in einem Lastflussdatensatz
zu speichern, wobei der Lastflussdatensatz für jeden Knotenpunkt im Netzmodell eine
Wahrscheinlichkeitsverteilung für jeweils einen Wert mindestens einer ersten elektrischen
Größe bereitstellt, und dass
eine Zustandsschätzungseinrichtung ausgebildet ist, eine Zustandsschätzung, die die
jeweiligen Spannungswerte an den Knotenpunkten beinhaltet, für das elektrische Energieverteilungsnetz
zu bestimmen, wobei
unter Berücksichtigung des Lastflussdatensatzes und aktueller Schaltzustände von Schalteinrichtungen
und aktueller Messwerte, die an den Messorten erfasst wurden, ein Hidden-Markov-Modell
verwendet wird, um einen wahrscheinlichsten Wert für eine zweite elektrische Größe
für jeden Knotenpunkt zu bestimmen.
11. Zustandsschätzungsanordnung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Zustandsschätzungseinrichtung ausgebildet ist, für die Bestimmung des wahrscheinlichsten
Werts für die zweite elektrische Größe jeweils einen Viterbi-Algorithmus zu verwenden.
12. Zustandsschätzungsanordnung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass eine erste Auswahleinrichtung ausgebildet ist, aus dem Lastflussdatendatz eine Untergruppe
von Lastflussergebnissen auszuwählen und für die Zustandsschätzungseinrichtung bereitzustellen,
wobei anhand eines Ähnlichkeitsmaßes die Ähnlichkeit von an Messorten gemessenen aktuellen
Messwerten zu den Wahrscheinlichkeitsverteilungen ermittelt wird, und bei Überschreitung
eines Schwellenwertes für die Ähnlichkeit das jeweilige Lastflussergebnis auszuwählen.
13. Zustandsschätzungsanordnung nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass eine zweite Auswahleinrichtung ausgebildet ist, aus dem Lastflussdatendatz Lastflussergebnisse
auszuwählen und für die Zustandsschätzungseinrichtung bereitzustellen, deren zugrundeliegende
Schaltzustände mit den aktuellen Schaltzuständen übereinstimmen.
14. Computerprogrammprodukt, umfassend Befehle, die bei der Ausführung des Programms durch
einen Computer diesen veranlassen, das Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8
auszuführen.