Technisches Gebiet der Erfindung
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen
[0002] Dispersionselektrolyten für das galvanische Abscheiden von partikelhaltigen Nickel-
oder Nickellegierungsschichten, ein Bad für das stromlose Abscheiden von partikelhaltigen
Nickel-oder Nickellegierungsschichten, Verfahren zum galvanischen bzw. stromlosen
Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht,
ein beschichtetes Substrat mit einer partikelhaltigen Nickel-oder Nickellegierungsschicht
sowie eine elektrochemische Zelle, die das beschichtete Substrat umfasst.
Technischer Hintergrund
[0003] Für viele elektronische Anwendungen ist es wünschenswert, Edelmetalle durch kostengünstigere
Nichtedelmetalle teilweise oder vollständig zu ersetzen. Neben guten elektrischen
Eigenschaften sind dabei auch eine Beständigkeit gegen Korrosion wünschenswert, um
langlebige und damit auch nachhaltige elektronische Komponenten, wie zum Beispiel
einen Kontakt oder eine Elektrode, zu erhalten. Viele Nichtedelmetalle und Legierungen
davon weisen jedoch eine unzureichende Korrosionsbeständigkeit, beispielsweise gegenüber
wässrigen alkalischen Medien, auf. Es besteht daher ein Bedarf dafür, elektronische
Komponenten mit einer korrosionsbeständigen Schutzschicht zu versehen.
[0004] Für Anwendungen in wässrigen alkalischen Medien können beispielsweise Überzüge aus
Nickel oder einer Nickellegierung eingesetzt werden, die galvanisch aus einem Elektrolyten
oder stromlos, also chemisch, aus einem Bad abgeschieden werden können. Solche Nickel-
und Legierungsschichten können also als kostengünstiger Ersatz für Edelmetalle dienen.
Allerdings weisen diese im Vergleich zu Edelmetall oftmals schlechtere elektrische
Eigenschaften auf. Diese können sich beispielsweise in einem erhöhten Kontaktwiderstand
gegenüber anderen Metallen äußern. Weiterhin können bei elektrochemischen Reaktionen
in wässrigen Medien, insbesondere in wässrigen alkalischen Medien, Überspannungen
beobachtet werden, die oftmals durch eine kinetische Hemmung einer Reaktion verursacht
werden. Es wäre daher wünschenswert, Beschichtungen zu entwickeln, die einen guten
Korrosionsschutz gewährleisten und gleichzeitig die elektrischen Eigenschaften verbessern,
insbesondere eine Überspannung in wässrigen alkalischen Medien verringern. Weiterhin
werden Zusammensetzungen und Verfahren benötigt, mit denen diese Beschichtungen ökonomisch
erzeugt werden können.
Zusammenfassung der Erfindung
[0005] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht daher darin, einen Elektrolyten für
das galvanische Abscheiden und ein Bad für das stromlose Abscheiden von im alkalischen
Bereich korrosionsbeständigen Nickel- oder Nickellegierungsschichten bereitzustellen,
die in der Lage sind, eine Überspannung für elektrochemische Reaktionen in wässrigen
alkalischen Medien zu reduzieren. Weitere Aufgaben bestehen darin, Verfahren zum Beschichten
von Substraten mit einer solchen Nickel- oder Nickellegierungsschicht, die den Elektrolyten
bzw. das Bad für das stromlose Abscheiden verwenden, das beschichtete Substrat sowie
Anwendungen davon bereitzustellen.
[0006] Diese Aufgaben werden durch den Dispersionselektrolyten für das galvanische Abscheiden
von partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschichten, das Bad für das stromlose
Abscheiden von partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschichten, den Verfahren
zum galvanischen bzw. stromlosen Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen
Nickel- oder Nickellegierungsschicht, die den Dispersionselektrolyten bzw. das Bad
verwenden, das beschichtete Substrat und eine elektrochemische Zelle, umfassend das
beschichtete Substrat, gemäß den unabhängigen Ansprüchen gelöst. Nachfolgend und in
den abhängigen Ansprüchen werden optionale und bevorzugte Ausgestaltungen angegeben.
Kurzbeschreibung der Figuren
Es zeigen:
[0007]
- Fig. 1
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 1
- Fig. 2
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 2
- Fig. 3
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 3
- Fig. 4
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der Schicht von Vergleichsbeispiel 1
- Fig. 5
- A) Lichtmikroskopaufnahme und B) Rasterelektronenmikroskopaufnahme am Querschliff
von Beispiel 2
- Fig. 6
- A) Lichtmikroskopaufnahme und B) Rasterelektronenmikroskopaufnahme am Querschliff
von Beispiel 3
- Fig. 7
- Eine Lichtmikroskopaufnahme am Querschliff von Vergleichsbeispiel 1
- Fig. 8
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 4
- Fig. 9
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 5
- Fig. 10
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 6
- Fig. 11
- A) Lichtmikroskopaufnahme und B) Rasterelektronenmikroskopaufnahme am Querschliff
von Beispiel 5
- Fig. 12
- A) Lichtmikroskopaufnahme und B) Rasterelektronenmikroskopaufnahme am Querschliff
von Beispiel 6
- Fig. 13
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 7
- Fig. 14
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 8
- Fig. 15
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 9
- Fig. 16
- A) Lichtmikroskopaufnahme und B) Rasterelektronenmikroskopaufnahme am Querschliff
von Beispiel 8
- Fig. 17
- A) Lichtmikroskopaufnahme und B) Rasterelektronenmikroskopaufnahme am Querschliff
von Beispiel 9
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0008] Die vorliegende Erfindung stellt einen
[0009] Dispersionselektrolyten für das galvanische Abscheiden von partikelhaltigen Nickelschichten
oder partikelhaltigen Nickellegierungsschichten bereit. Der Dispersionselektrolyt
umfasst:
- Nickelionen in einer Konzentration von 2 bis 200 g/L;
- mindestens eine Art von Partikeln, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen davon, in
einer Gesamtkonzentration von 1 bis 200 g/L;
- mindestens ein Dispergiermittel, das aus anionischen Dispergiermitteln, nichtionischen
Dispergiermitteln und Kombinationen davon ausgewählt ist;
- optional Ionen mindestens eines weiteren Metalls, ausgewählt aus Übergangsmetallen,
Edelmetallen und Kombinationen davon, in einer Gesamtkonzentration von bis zu 40 g/L;
- optional mindestens eine Nichtmetall-Verbindung, die von dem Dispergiermittel verschieden
ist und aus Phosphor-Verbindungen, Schwefel-Verbindungen, Selen-Verbindungen, Tellur-Verbindungen,
Kohlenstoff-Verbindungen und Kombinationen davon ausgewählt ist, in einer Gesamtkonzentration
von bis zu 50 g/L; und
- Wasser;
[0010] Der Dispersionselektrolyt weist einen pH-Wert von 2,0 bis 7,0 auf. Der Dispersionselektrolyt
wird im Folgenden auch kurz als "Elektrolyt" bezeichnet.
[0011] Die Erfinder haben überraschend gefunden, dass es mit dem erfindungsgemäßen Dispersionselektrolyten
möglich ist, die ungeladenen Partikel zusammen mit einer Nickelschicht oder einer
Nickellegierungsschicht galvanisch abzuscheiden, sodass eine partikelhaltige Nickel-
oder Nickellegierungsschicht gebildet wird. Die abgeschiedene Nickel- oder Nickellegierungsschicht
enthält also neben Nickel bzw. Nickellegierung auch Partikel von einem oder mehreren
anorganischen piezoelektrischen Materialien und/oder von einem oder mehreren elektrisch
leitfähigen keramischen Materialien. Die abgeschiedene Nickellegierung weist typischerweise
einen hohen Nickelgehalt von mindestens 65 Gew.-%, bevorzugt mindestens 75 Gew.-%,
mehr bevorzugt mindestens 85 Gew.-%, noch mehr bevorzugt mindestens 90 Gew.-%, bezogen
auf die Legierung, auf. Die Partikel werden nicht zu der Nickellegierung gerechnet.
[0012] Eine Nickellegierung wird galvanisch abgeschieden, wenn neben Nickelionen Ionen eines
weiteren Metalls, ausgewählt aus Übergangs- und Edelmetallen, die zusammen mit Nickel
galvanisch abgeschieden werden, und/oder Nichtmetall-Verbindungen, die bei der galvanischen
Abscheidung zersetzt werden können und als Vorläuferverbindungen für den Einbau der
entsprechenden Nichtmetallatome (P, S, Se, Te und/oder C) in die Legierung dienen,
in dem Dispersionselektrolyten vorhanden sind. Die weiteren Metalle sind von Nickel
verschieden. Die Nichtmetall-Verbindungen sind von dem Dispergiermittel verschieden.
[0013] Weiterhin wurde überraschend gefunden, dass mit den Partikeln aus einem anorganischen
piezoelektrischen bzw. elektrisch leitfähigen keramischen Material im Vergleich zu
entsprechenden Nickel- bzw. Nickellegierungsschichten ohne die Partikel eine Überspannung
für elektrochemische Reaktionen an der Grenzfläche in wässrigen Medien, insbesondere
in wässrigen alkalischen Medien, reduziert werden kann. Aufgrund der geringeren Überspannung
wird für dieselbe elektrochemische Reaktion weniger Strom benötigt, so dass die Wirtschaftlichkeit
der Reaktion verbessert wird.
[0014] Der Elektrolyt ermöglich es, die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht
galvanisch auf einem metallischen oder metallisierten Substrat abzuscheiden. Hierfür
kann das unten beschriebenen Verfahren verwendet werden, das die Abscheidung über
einen breiten Temperatur- und Stromdichtebereiche hinweg ermöglich. Bei der Abscheidung
werden die Partikel zumindest teilweise an der Oberfläche der partikelhaltigen Nickel-
bzw. Nickellegierungsschicht angeordnet, sodass Sie einen Teil der Oberfläche bilden.
Die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht wird typischerweise als Endschicht,
also als äußerste Schicht, zum Beispiel als Einzelschicht oder Teil eines Schichtsystems,
auf einem Substrat erzeugt.
[0015] Weiterhin wurde überraschend gefunden, dass die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht
trotz der Partikel, die im Grunde Fremdkörper in der Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht
sind, eine gute Korrosionsbeständigkeit im schwachsauren und insbesondere im alkalischen
Bereich aufweist, die mit der Korrosionsbeständigkeit einer entsprechenden Nickel-
bzw.
[0016] Nickellegierungsschicht ohne Partikel vergleichbar ist. Die partikelhaltige Nickel-
bzw. Nickellegierungsschicht ist somit als Schutzschicht gegen Korrosion, insbesondere
im alkalischen Bereich, geeignet.
[0017] Der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt ermöglicht somit die Bildung von Schichten,
die einen guten Schutz vor Korrosion bieten sowie eine Überspannung für elektrochemische
Reaktionen in wässrigen Medien reduzieren, sodass diese vorteilhaften Eigenschaften
gleichzeitig in einer Schicht realisiert werden können. Die partikelhaltige Nickel-
oder Nickellegierungsschicht kann daher mit Vorteil als Schutzschicht, insbesondere
also als äußerste Schicht auf einem Bauteil, insbesondere einer elektronischen Komponente,
zum Beispiel ein Kontakt oder eine Elektrode, verwendet werden.
[0018] Der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt weist mindestens eine Art von Partikeln,
ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen
Partikeln und Kombinationen davon, auf. Die Partikel können also aus einer oder mehreren
Arten von anorganischen piezoelektrischen Partikeln und/oder aus einer oder mehreren
Arten von elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln bestehen.
[0019] Die Partikel können aus einem anorganischen piezoelektrischen Material sein, das
monokristallin oder polykristallin sein kann. Ein piezoelektrischer Effekt kann bei
nichtzentrosymmetrischen Punktgruppen (Kristallgruppen) auftreten. Die Elementarzelle
des Materials weist also kein Inversionszentrum auf. Folglich weisen beispielsweise
kubische Punktgruppen mit Inversionszentrum keine Piezoelektrizität auf. Existieren
bei anorganischen Materialien piezoelektrische und nichtpiezoelektrische Modifikationen,
so werden nur die piezoelektrischen Modifikationen zu den Partikeln gezählt. Beispielsweise
kann Bariumtitanat (BaTiO
3) in einer Perowskit-Struktur und in einer kubischen Modifikation davon vorliegen.
Da die kubische Modifikation nicht piezoelektrisch ist, wird sie nicht zu den Partikeln
gerechnet. Ein weiteres Beispiel ist Bornitrid (BN). Da hexagonales BN piezoelektrisch
ist, kann es erfindungsgemäß als Partikel verwendet werden. Kubisches Bornitrid ist
nicht piezoelektrisch und wird daher auch nicht zu den Partikeln gerechnet.
[0020] Die Partikel können auch aus einem elektrisch leitfähigen keramischen Material sein.
Nichtkeramische elektrisch leitfähige Partikel, wie beispielsweise Partikel aus Metall,
werden nicht zu den Partikeln gerechnet.
[0021] Die anorganischen piezoelektrischen Partikel und die elektrisch leitfähigen keramischen
Partikel sind erfindungsgemäß nicht limitiert. Als anorganische piezoelektrische Partikel
können auch mit Fremdatomen dotierte Materialien verwendet werden. Die Partikel können
beispielsweise aus BN (hexagonal), AlN, ZnO, GaPO
4, M1
2yMA
1-y[MB
xTi
1-x]O
3, M1
2yMA
1-y[MC
xZr
1-x]O
3, M1
2yMA
1-y[MD
xMn
1-x]O
3, M1
2yMA
1-y[ME
xHf
1-x]O
3, M1[MF
xNb
1-x]O
3, M1[MG
xV
1-x]O
3, M1[MH
xTa
1-x]O
3, TiN, TiC, TiB
2, Ti
2CN, B
4C, WC und Kombinationen davon ausgewählt sein. In den allgemeinen Formeln gilt dabei
folgendes: M1 ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt aus Li, Na
und K, bevorzugt Li; MA ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt
aus Ca, Sr, Ba, Pb und La; MB ist ausgewählt aus Zr, Hf, Mn, Mg
1/3Nb
2/3, Mg
1/3V
2/3, Mg
1/3Mn
2/3 und Mg
1/3Ta
2/3; MC ist ausgewählt aus Hf, Mn, Mg
1/3Nb
2/3, Mg
1/3V
2/3, Mg
1/3Mn
2/3 und Mg
1/3Ta
2/3; MD ist ausgewählt aus Hf, Mg
1/3Nb
2/3, Mg
1/3V
2/3, Mg
1/3Mn
2/3 und Mg
1/3Ta
2/3; ME ist ausgewählt aus Mg
1/3Nb
2/3, Mg
1/3V
2/3, Mg
1/3Mn
2/3 und Mg
1/3Ta
2/3; MF ist ausgewählt aus V, Ta und Mn; MG ist ausgewählt aus Ta und Mn; MH ist Mn;
x erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1; und y erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ y ≤ 1.
[0022] Die Partikel sind insbesondere aus BN (hexagonal), AlN, ZnO, GaPO
4, Li
2yMA
1-y[MB
xTi
1-x]O
3, Li
2yMA
1-y[MC
xZr
1-x]O
3, Li
2yMA
1-y[MD
xMn
1-x]O
3, LiNbO
3, LiVO
3, LiMnO
3, LiTaO
3, TiN, TiC, TiB
2, Ti
2CN, B
4C, WC und Kombinationen davon ausgewählt. In den allgemeinen Formeln gilt dabei folgendes:
MA ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt aus Ca, Sr, Ba, Pb und
La; MB ist ausgewählt aus Zr, Mn und Mg
1/3Nb
2/3; MC ist ausgewählt aus Mn und Mg
1/3Nb
2/3; MD ist Mg
1/3Nb
2/3; x erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1; und y erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ y ≤
1.
[0023] Von den vorstehend genannten Materialien sind TiN, TiC, TiB
2, Ti
2CN, B
4C und WC elektrisch leitfähige keramische Materialien, und die übrigen sind anorganische
piezoelektrische Materialien. Nach einer bevorzugten Ausführungsform werden die Partikel
aus anorganischen piezoelektrischen Partikeln ausgewählt.
[0024] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform sind die anorganischen piezoelektrischen
Partikel aus BN (hexagonal), AlN, ZnO, GaPO
4, Li
2[
Zr
xTi
1-x]O
3, Li
2yMA
1-y[Zr
xTi
1-x]O
3, MA[Zr
xTi
1-x]O
3, Pb[Zr
xTi
1-x]O
3, LaMnO
3 und LiNbO
3 und Kombinationen davon ausgewählt. In den allgemeinen Formeln gilt dabei folgendes:
MA ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt aus Ca, Sr und Ba; x
erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1; und y erfüllt jeweils unabhängig 0 < y < 1.
[0025] Die Partikel sind weiterhin bevorzugt aus BN (hexagonal), AlN, BaTiO
3, Li
2ZrO
3, Li
2TiO
3, CaTiO
3, ZnO, LaMnO
3, Pb[Zr
xTi
1-x]O
3 (mit x im Bereich von 0 ≤ x ≤ 1), LiNbO
3, GaPO
4 und Kombinationen davon und besonders bevorzugt aus BN (hexagonal), BaTiO
3, CaTiO
3, Li
2ZrO
3 und Kombinationen davon ausgewählt.
[0026] In dem Dispersionselektrolyten sind die Partikel, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln und/oder elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln, in einer Gesamtkonzentration
von 1 bis 200 g/L enthalten. Der Dispersionselektrolyt enthält die Partikel insbesondere
in einer Gesamtkonzentration von 3 bis 150 g/L, bevorzugt 5 bis 100 g/L, mehr bevorzugt
8 bis 80 g/L, noch mehr bevorzugt 15 bis 60 g/L. Bei diesen Konzentrationen kann der
Dispersionselektrolyt gut durchmischt und eine geeignete Menge an Partikeln mit der
Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht abgeschieden werden, um eine effektive Absenkung
einer Überspannung für elektrochemische Reaktionen in wässrigen Medien zu bewirken.
[0027] In der Regel sollten die Partikel kleiner als die gewünschte Schichtdicke der partikelhaltigen
Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht sein. Die Partikelgröße kann beispielsweise durch
gängige Mahlverfahren und/oder Siebverfahren, mit denen zu grobe oder feine Partikel
abgetrennt werden können, eingestellt werden. Geeignete Partikel sind oftmals auch
kommerziell erhältlich.
[0028] Bei Partikeln mit einem Aspektverhältnis von weniger als 3,0 liegt der durchschnittliche
Partikeldurchmesser typischerweise im Bereich von 20 nm bis 20 µm, bevorzugt 0,1 bis
10 pm, mehr bevorzugt 0,5 bis 8 µm. Das Aspektverhältnis gibt das Verhältnis von dem
größten Durchmesser zu dem kleinsten Durchmesser eines Partikels an. Bei sphärischen
Partikeln ist das Aspektverhältnis also 1. Das Aspektverhältnis der Partikel kann
mikroskopisch durch Vermessen von 20 beliebig ausgewählten Partikeln bestimmt werden.
Je nach Größe der Partikel kann ein Lichtmikroskop oder ein Elektronenmikroskop mit
einer Referenz verwendet werden.
[0029] Weisen die Partikel ein Aspektverhältnis von 3,0 oder mehr auf, so beträgt die durchschnittliche
Länge der Partikel typischerweise 0,1 bis 90 µm, bevorzugt 0,5 bis 50 pm, mehr bevorzugt,
0,8 bis 20 µm. Partikel mit einem solchen Aspektverhältnis sind in der Regel flach
oder länglich, beispielsweise nadelförmig oder flockenförmig. Die Länge bezeichnet
dabei den größten Durchmesser eines Partikels.
[0030] Die Partikelgröße kann mittels Laserbeugung gemäß ISO 13320:2020, z.B. mit einem
HELOS-Spektrometer (Helium-Neon Laser Optisches System), bestimmt werden. Die mittlere
Partikelgröße wird als D50-Wert angegeben. In einer abgeschiedenen Schicht kann die
durchschnittliche Partikelgröße in der Draufsicht oder am Querschliff mit einem Mikroskop
oder Elektronenmikroskop bestimmt werden. Dabei werden mindestens 100 beliebig ausgewählte
Partikel berücksichtigt, um die durchschnittliche Partikelgröße zu bestimmen.
[0031] Für den Dispersionselektrolyten können grundsätzlich alle gängigen wasserlöslichen
Nickelsalze verwendet werden. Der Elektrolyt enthält auch die entsprechenden Anionen
der Nickelsalze. Beispielsweise eignen sich Nickelsulfamat, Nickelsulfat, Nickelchlorid,
Nickelbromid, Nickelacetat und Kombinationen davon. Bevorzugt werden Nickelsulfamat,
Nickelsulfat, Nickelchlorid und Kombinationen davon, eingesetzt. Von den Nickelsalzen
können alle Modifikationen, beispielsweise Hydrate, in dem Elektrolyten eingesetzt
werden. Nach einer bevorzugten Ausführungsform enthält der Dispersionselektrolyt als
Gegenanionen zu den Nickelionen Sulfamat, Sulfat, Chlorid, Bromid, Acetat und Kombinationen
davon, bevorzugt Sulfamat, Sulfat, Chlorid und Kombinationen davon.
[0032] Die Konzentration der Nickelionen in dem Dispersionselektrolyten beträgt 2 bis 200
g/L. Die Nickelionen liegen insbesondere in einer Konzentration von 5 bis 180 g/L,
bevorzugt 10 bis 160 g/L, mehr bevorzugt 20 bis 150 g/L, noch mehr bevorzugt 40 bis
140 g/L, in dem Elektrolyten vor. Die Konzentrationsangabe bezieht sich auf die Nickelionen
in Form von Ni
2+. Bei diesen Konzentrationen ist der Elektrolyt lagerstabil und kann ökonomisch, mit
angemessenen Abscheidungsraten betrieben werden.
[0033] In der Regel werden in dem Elektrolyt hohe Partikelkonzentrationen bei hohen Nickelionenkonzentrationen
eingesetzt. Typischerweise liegt das Gewichtsverhältnis von Nickelionen zu den Partikeln
im Bereich von 20:1 bis 1:3, bevorzugt 10:1 bis 1:2, mehr bevorzugt 5:1 bis 1:2.
[0034] Die aus dem Dispersionselektrolyten abgeschiedene Schicht ist eine partikelhaltige
Nickelschicht oder eine partikelhaltige Nickellegierungsschicht. Bevorzugt ist sie
eine partikelhaltige Nickelschicht. Ein Dispersionselektrolyt für eine partikelhaltige
Nickelschicht enthält - abgesehen von etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen - in
aller Regel keine Ionen von weiteren Metallen, ausgewählt aus Übergangs-und/oder Edelmetallen,
die zusammen mit Nickel galvanisch abgeschieden werden, oder Nichtmetall-Verbindungen,
die sich bei der galvanischen Abscheidung unter Ausbildung einer Nickellegierung zersetzen
und als Vorläuferverbindungen für den Einbau der entsprechenden Nichtmetallatome (P,
S, Se, Te und/oder C) in die Legierung dienen. Solche Ionen und/oder Nichtmetall-Verbindungen
sind in dem Dispersionselektrolyten enthalten, wenn eine partikelhaltige Nickellegierungsschicht
abgeschieden werden soll.
[0035] Enthält der Dispersionselektrolyt Ionen mindestens eines weiteren Metalls, ausgewählt
aus Übergangsmetallen, Edelmetallen und Kombinationen davon, so liegen diese in einer
Gesamtkonzentration von bis zu 40 g/L, bevorzugt bis zu 30 g/L, mehr bevorzugt bis
zu 20 g/L und noch mehr bevorzugt bis zu 10 g/L, vor. Bei dieser Ausführungsform beträgt
das Gewichtsverhältnis von Nickelionen zu den Ionen des weiteren Metalls in dem Elektrolyten
typischerweise 80:20 oder mehr, bevorzugt 85:15 oder mehr, mehr bevorzugt 90:10 oder
mehr, noch mehr bevorzugt 95:5 oder mehr.
[0036] Enthält der Dispersionselektrolyt mindestens eine Nichtmetall-Verbindung, ausgewählt
aus Phosphor-Verbindungen, Schwefel-Verbindungen, Selen-Verbindungen, Tellur-Verbindungen
und Kombinationen davon, so liegen diese in einer Gesamtkonzentration von bis zu 50
g/L, bevorzugt bis zu 30 g/L, mehr bevorzugt bis zu 15 g/L und noch mehr bevorzugt
bis zu 5 g/L, vor. Das Gewichtsverhältnis von Nickelionen zu der Gesamtheit der Phosphoratome,
Schwefelatome, Selenatome und Telluratome in der mindestens einen Nichtmetall-Verbindung
beträgt typischerweise 85:15 oder mehr, bevorzugt 90:10 oder mehr, mehr bevorzugt
95:5 oder mehr. Die Nichtmetall-Verbindungen dienen also als VorläuferVerbindungen
für P-, S-, Se-, Te-, bzw. C-Atome in einer Nickellegierung.
[0037] Das weitere Metall umfasst insbesondere mindestens ein Element, ausgewählt aus Fe,
Co, Mo, Cr, Cu, Zn, Sn, Bi, Sb und Kombinationen davon, und besteht bevorzugt daraus.
Nach einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das weitere Metall Fe, Co, Mo oder
Cu oder es besteht daraus. Das heißt, der Elektrolyt enthält nach dieser Ausführungsform
Ionen eines oder mehrerer dieser weiteren Metalle, die zusammen mit Nickel galvanisch
abgeschieden werden können. Die weiteren Metalle können in Form von löslichen Salzen
hinzugegeben werden.
[0038] Die Nichtmetall-Verbindung kann insbesondere mindestens eine Verbindung, ausgewählt
aus Hypophosphiten, einem Harnstoff, einem Thioharnstoff, einem Thiocyanat, Selenoharnstoff,
Lithiumbis(trifluormethansulfonyl)imid, Dimethyltellurid, einem Xanthogenat, einem
Carbamat, einem Keton (zum Beispiel Benzalaceton), einem aromatischen Aldehyd (zum
Beispiel Naphthaldehyd), Türkischrotöl und Kombinationen davon, umfassen und bevorzugt
daraus ausgewählt sein. Bei der galvanischen Abscheidung können die Nichtmetall-Verbindungen
zersetzt und P-, S-, Se-, Te- bzw. C-Atome entsprechend in die Nickellegierung eingelagert
werden. Die Nichtmetall-Verbindung umfasst bevorzugt eine oder mehrere Verbindungen,
ausgewählt aus Thioharnstoff, einem Thiocyanat, Selenoharnstoff, Lithiumbis(trifluormethansulfonyl)imid,
einem Xanthogenat, einem Carbamat, Naphthaldehyd, Benzalaceton (4-Phenylbutenon),
und Türkischrotöl oder sie besteht daraus. Nach dieser Ausführungsform werden S-,
Se-und/oder C-Atome in die Nickellegierung eingelagert. Besonders bevorzugt sind S-
und/oder Se-Atome. Die Nichtmetall-Verbindung umfasst dann mindestens eine Nichtmetall-Verbindung,
ausgewählt aus Thioharnstoff, einem Thiocyanat, Selenoharnstoff, Lithiumbis(trifluormethansulfonyl)imid
und Kombinationen davon oder sie besteht daraus.
[0039] Grundsätzlich können in dem Dispersionselektrolyten neben den Partikeln, ausgewählt
aus anorganischen piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen
Partikeln und Kombinationen davon, auch noch weitere Partikel enthalten sein, um die
Eigenschaften der partikelhaltigen Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht zu modifizieren.
[0040] Nach einer weiteren Ausführungsform umfasst der Dispersionselektrolyt als weitere
Partikel elektrisch leitfähige Partikel aus einem Kohlenstoffmaterial, bevorzugt Graphitpartikel,
in einer Gesamtkonzentration von 1 bis 100 g/L, bevorzugt 2 bis 50 g/L, mehr bevorzugt
5 bis 40 g/L. Mit diesen Partikeln können beispielsweise die tribologischen Eigenschaften
der partikelhaltigen Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht verbessert oder der Kontaktwiderstand
gegenüber Metallen reduziert werden. Nach einer weiteren Ausführungsform enthält der
Dispersionselektrolyt keine elektrisch leitfähigen Partikel aus einem Kohlenstoffmaterial
und bevorzugt keine weiteren Partikel als die Partikel, ausgewählt aus anorganischen
piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen
davon.
[0041] Die weiteren Partikel weisen bevorzugt eine Partikelgröße gemäß den oben für die
Partikel beschriebenen Ausführungsformen auf.
[0042] Enthält der Dispersionselektrolyt zusätzlich zu den Partikeln, ausgewählt aus anorganischen
piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen
davon, noch weitere Partikel, so übersteigt die Gesamtmenge an Partikeln, also der
gesamte Feststoffgehalt, in dem Dispersionselektrolyten typischerweise nicht 200 g/L,
bevorzugt nicht 150 g/L, mehr bevorzugt nicht 120 g/L. Somit kann eine gute Mischbarkeit
des Dispersionselektrolyten und zu starkes agglomerieren von Partikeln in der abgeschiedenen
Schicht vermieden werden.
[0043] Um eine effiziente Dispersion der Partikel und, falls vorhanden, der weiteren Partikel
in dem Elektrolyten zu erhalten und größere Verklumpungen der Partikel in der Nickel-
bzw. Nickellegierungsschicht zu vermeiden, enthält der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt
mindestens ein anionisches und/oder mindestens ein nichtionisches Dispergiermittel.
Typischerweise weist ein anionisches Dispergiermittel Sulfatgruppen (OSO
3-), Sulfonatgruppen (SO
3-), Carboxylatgruppen (CO
2-) oder Carboxygruppen (CO
2H), die in wässriger Lösung dann als Anionen vorliegen können, auf. Als Gegenionen
sind in der Regel H
+, Alkalimetallionen, bevorzugt K
+ und/oder Na
+, und/oder Ammoniumionen (NH
4+) vorhanden, weil diese in einer guten Wasserlöslichkeit resultieren, die Leitfähigkeit
erhöhen können und die galvanische Abscheidung nicht negativ beeinflussen. Der Elektrolyt
enthält daher entsprechend auch Gegenionen des anionischen Dispergiermittels, bevorzugt
Na
+ und/oder K
+. Sulfatgruppen und Sulfonatgruppen liegen bei dem pH-Wert des Dispersionselektrolyten
dissoziiert, also in nicht protonierter Form, vor. Carboxygruppen und Carboxylatgruppen
können hingegen im Gleichgewicht miteinander stehen.
[0044] Das anionische und/oder nichtionische Dispergiermittel wird typischerweise in einer
Gesamtkonzentration von 0,1 bis 100 g/L in dem Dispersionselektrolyten eingesetzt.
Es wird insbesondere in einer Gesamtkonzentration von 0,5 bis 50 g/L, bevorzugt 0,6
bis 20 g/L, in dem Elektrolyten eingesetzt. Die geeignete Menge des Dispergiermittel
kann sich je nach Art des Dispergiermittels unterscheiden. Grundsätzlich wird die
Dispersion der Partikel verbessert, je mehr Dispergiermittel eingesetzt wird.
[0045] In dem Dispersionselektrolyten liegt das Gewichtsverhältnis von dem Dispergiermittel,
ausgewählt aus anionischen Dispergiermitteln, nichtionischen Dispergiermitteln und
Kombinationen davon, zu der Gesamtmenge an Partikeln (also dem Feststoffgehalt), also
die Partikel und falls vorhanden die optionalen weiteren Partikel, insbesondere im
Bereich von 25:1 bis 1:80, bevorzugt 5:1 bis 1:60, mehr bevorzugt 1:5 bis 1:50.
[0046] Beispiele für nichtionische Dispergiermittel sind Polyalkylenglycolether, insbesondere
Polyethylenglycolether, Alkylpolyglucoside oder Alkylpolyalkylenglycolether und Kombinationen
davon.
[0047] Nach einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das Dispergiermittel mindestens ein
anionisches Dispergiermittel oder es besteht daraus. Bevorzugt sind dabei mindestens
60 Gew.-% oder mehr, mehr bevorzugt mindestens 80 Gew.-% oder mehr des Dispergiermittels
ein oder mehrere anionische Dispergiermittel.
[0048] Nach einer weiterhin bevorzugten Ausführungsform umfasst das Dispergiermittel mindestens
ein anionisches Dispergiermittel, ausgewählt aus Sulfat-Verbindungen, die eine Alkylgruppe,
eine Aralkylgruppe oder eine aromatische Gruppe mit jeweils bis zu 30 Kohlenstoffatomen
aufweisen, Sulfonat-Verbindungen, die eine Alkylgruppe, eine Aralkylgruppe oder eine
aromatische Gruppe mit jeweils bis zu 30 Kohlenstoffatomen aufweisen, und Carboxy-
oder Carboxylatgruppen-haltigen Polymeren, oder es besteht daraus.
[0049] Mehr bevorzugt umfasst das anionische Dispergiermittel mindestens ein Dispergiermittel,
ausgewählt aus Sulfat-Verbindungen mit einer Alkylgruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen,
bevorzugt mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen, Sulfat-Verbindungen mit einer Aralkylgruppe
mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen, Sulfonat-Verbindungen,
die eine aromatische Gruppe mit jeweils 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt 6 bis
14 Kohlenstoffatomen, aufweisen, und Kombinationen davon. Es kann auch daraus bestehen.
[0050] Nach einer besonders bevorzugten Ausführungsform umfasst das anionische Dispergiermittel
mindestens ein erstes anionisches Dispergiermittel, das aus Sulfat-Verbindungen mit
einer Alkylgruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen,
Sulfat-Verbindungen mit einer Aralkylgruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt
mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen, und Kombinationen davon ausgewählt ist, und mindestens
ein zweites anionisches Dispergiermittel, das aus Sulfonat-Verbindungen, die eine
aromatische Gruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt 6 bis 14 Kohlenstoffatomen,
aufweisen, ausgewählt ist. Bevorzugt besteht das anionische Dispergiermittel aus mindestens
einem ersten und mindestens einem zweiten anionischen Dispergiermittel. Diese werden
insbesondere in einem Gewichtsverhältnis von erstem anionischen Dispergiermittel zu
zweitem anionischen Dispergiermittel von 1:10 bis 10:1, bevorzugt 1:8 bis 3:1, mehr
bevorzugt 1:3 bis 2:1 eingesetzt. Die Kombination von erstem und zweiten Dispergiermittel
ist vorteilhaft für eine effektive Dispersion der Partikel und eine Benetzung der
Oberfläche des zu beschichtenden Substrats, was die Abscheidung verbessern kann.
[0051] Die Sulfat-Verbindungen mit einer Alkylgruppe sind bevorzugt aus Alkylsulfaten, Alkyl-Polyether-Sulfaten,
Alkyl-Aryl-Polyether-Sulfaten und Kombinationen davon ausgewählt. Die Alkylgruppe
mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt 10 bis 20 Kohlenstoffatomen, stammt dabei
insbesondere von einem Fettalkohol. Polyethergruppen sind bevorzugt Polyethylenglycolgruppen.
[0052] Die Sulfonat-Verbindungen mit einer aromatischen Gruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen,
bevorzugt 6 bis 14 Kohlenstoffatomen, sind bevorzugt aus Arylsulfonaten und Polymeren
mit aromatischen Sulfonatgruppen ausgewählt. Besonders bevorzugt sind als Arylsulfonate
Benzolsulfonsäure, Phenolsulfonsäure und Naphthalinsulfonsäure, insbesondere Naphthalinsulfonsäure,
und Salze davon. Bei Polymeren mit aromatischen Sulfonatgruppen weisen die zugrundeliegenden
aromatischen Gruppen bevorzugt jeweils 6 bis 14 Kohlenstoffatome auf und sind insbesondere
von Benzolsulfonsäure, Phenolsulfonsäure und Naphthalinsulfonsäure und Salzen davon
abgeleitet. Solche Polymere sind beispielsweise Polykondensate von aromatischen Sulfonat-Verbindungen,
wie z.B. Benzolsulfonsäure, Phenolsulfonsäure und Naphthalinsulfonsäure bzw. Salzen
davon, mit Formaldehyd, insbesondere Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-Polykondensate
und Salze davon, beispielsweise Tamol
® von BASF SE.
[0053] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst der Dispersionselektrolyt
ferner eine Pufferverbindung, die einen pKs-Wert zwischen 2,5 und 10 aufweist, und
bevorzugt aus Borsäure, Essigsäure und Kombinationen davon, besonders bevorzugt Borsäure,
ausgewählt ist. Die Pufferverbindung wird insbesondere in einer Konzentration von
1 bis 80 g/L, bevorzugt 10 bis 70 g/L, mehr bevorzugt 20 bis 60 g/L, eingesetzt.
[0054] Der pH-Wert des Dispersionselektrolyten liegt im Bereich von 2,0 bis 7,0, bevorzugt
2,5 bis 6,0, mehr bevorzugt 3,0 bis 5,0, beispielsweise bei 4. Der pH-Wert kann sich
direkt aus den Bestandteilen des Dispersionselektrolyten ergeben oder durch Zugabe
von Säuren oder Basen, insbesondere von Salzsäure, Schwefelsäure, Sulfaminsäure, Natriumhydroxid,
Ammoniak, Kaliumhydroxid oder einer wässrigen Lösung davon, eingestellt werden.
[0055] Weiterhin kann der Dispersionselektrolyt übliche Additive enthalten, wie sie auch
von herkömmlichen Elektrolyten für das galvanische Abscheiden von Nickelschichten
bzw. Nickellegierungsschichten bekannt sind.
[0056] Beispielsweise können übliche Leitsalze zugegeben werden, die die Leitfähigkeit des
Elektrolyten erhöhen. Das Leitsalz ist beispielsweise aus Natriumchlorid, Kaliumchlorid,
Natriumsulfat, Kaliumsulfat, Ammoniumchlorid, Natriumacetat, Kaliumacetat, Ammoniumacetat,
Ammoniumfluorid, Ammoniumbifluorid, Natriumfluorid und Kaliumfluorid und Kombinationen
davon, bevorzugt aus Kaliumchlorid, Kaliumsulfat, Natriumchlorid und Natriumsulfat
ausgewählt und Kombinationen davon, ausgewählt.
[0057] Weiterhin können dem Dispersionselektrolyten beispielsweise Komplexbildner zugegeben
werden, um Ionen des weiteren Metalls in dem Elektrolyten zu stabilisieren und die
Abscheidungsrate der weiteren Metalle zu erhöhen.
[0058] Als Komplexbildner können grundsätzlich alle dem Fachmann bekannten, für Elektrolyte
verwendete Komplexbildner eingesetzt werden. Vorzugsweise ist der Komplexbildner eine
Chelat-bildende, wasserlösliche, organische Verbindung, die mindestens drei funktionelle
Gruppen, ausgewählt aus Aminogruppen, Carboxygruppen und Carboxylatgruppen, aufweist.
Von den funktionellen Gruppen sind bevorzugt mindestens zwei Gruppen Aminogruppen.
Die Aminogruppen sind aus primären, sekundären und tertiären Aminogruppen ausgewählt.
Weiter bevorzugt enthält der Komplexbildner eine oder mehrere sekundäre und/oder tertiäre
Aminogruppen. Die zur Koordination vorgesehenen funktionellen Gruppen sind typischerweise
durch 2 oder 3 Kohlenstoffatome voneinander beabstandet, sodass sich ein stabiler
Chelat-Komplex bilden kann.
[0059] Besonders bevorzugt ist der Komplexbildner mindestens einer, ausgewählt aus der Gruppe,
bestehend aus EDTA, DETA, DOTA und DOTATOC. EDTA steht für Ethylendiamintetraessigsäure.
DETA bezeichnet Diethylentriamin. DOTA steht für 1,4,7,10-Tetraazacyclododecan-1,4,7,10-tetraessigsäure.
DOTATOC bezeichnet einen von DOTA abgeleiteten Komplexbildner, bei dem ein DOTA-Molekül
über eine Amidbindung mit dem N-Terminus eines Oktapeptids (insbesondere Phe-Cys-Tyr-Lys-Thr-Cys-Thr)
verbunden ist. Weitere geeignete Komplexbildner sind Hypophosphite, die auch zum Einbau
von P-Atomen in eine Nickellegierung führen können.
[0060] Der Dispersionselektrolyt kann durch Mischen bzw. Auflösen eines Nickelsalzes, den
optionalen Salzen der weiteren Metalle, den optionalen Nichtmetall-Verbindungen und
der weiteren Komponenten, also Dispersionsmittel, die Partikel, Wasser und optional
einer Pufferverbindung, eines Leitsalzes und/oder eines Komplexbildners, gebildet
werden. Die Partikel sowie, falls vorhanden, die weiteren Partikel können vorteilhafterweise
als pulverförmiger Feststoff zugegeben werden, ohne dass es notwendig ist, diese separat
zu dispergieren oder zur Dispersion das Gemisch mit Ultraschall zu behandeln. Beim
Bilden des Elektrolyten wird vorzugsweise gerührt und bei Bedarf etwas erwärmt, um
das Auflösen bzw. Dispergieren der Komponenten zu beschleunigen. Der pH-Wert kann
bei Bedarf, wie oben beschrieben, eingestellt werden.
[0061] Der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt kann vorteilhafterweise im großen Maßstab
hergestellt werden und ist somit für industrielle Anwendungen geeignet. Der Elektrolyt
ist lagerfähig, wobei ggf. abgesetzte Partikel durch Rühren oder ähnliches wieder
dispergiert werden können.
[0062] Als weiteren Aspekt betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zum galvanischen
Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht.
Das Verfahren umfasst das galvanische Abscheiden der partikelhaltigen Nickelschicht
oder der partikelhaltigen Nickellegierungsschicht auf einem metallischen oder metallisierten
Substrat unter Verwendung des Dispersionselektrolyten gemäß zumindest einer hierin
beschriebenen Ausführungsform. Das Verfahren wird bei Temperaturen im Bereich von
20 bis 85°C, bevorzugt 40 bis 75°C, mehr bevorzugt 50 bis 70°C, durchgeführt.
[0063] Über das Verfahren ist ein beschichtetes Substrat mit einer partikelhaltigen Nickelschicht
oder einer partikelhaltigen Nickellegierungsschicht erhältlich, für das die oben beschriebenen
Vorteile erhalten werden. Es kann insbesondere ein beschichtetes Substrat sein, wie
es unten näher beschrieben ist. Durch das Verfahren werden die Partikel zumindest
teilweise an der Oberfläche der partikelhaltigen Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht
angeordnet, sodass Sie einen Teil der Oberfläche bilden. Die partikelhaltige Nickel-
bzw. Nickellegierungsschicht wird typischerweise als Endschicht, also als äußerste
Schicht, auf dem Substrat erzeugt.
[0064] Das Verfahren kann mit allen gängigen Vorrichtungen für das galvanische Abscheiden
von Nickel- bzw.
[0065] Nickellegierungsschichten durchgeführt werden, beispielsweise mittels Gestell- oder
Trommelgalvanisierung. Typischerweise wird der Elektrolyt während der Abscheidung
durchmischt, beispielsweise gerührt oder mittels einer Vorrichtung umgewälzt. Bevorzugt
wird gerührt, beispielsweise mit 100 bis 700 Umdrehungen pro Minute (U/min = rpm).
[0066] Das metallische oder metallisierte Substrat wird in dem Verfahren als Kathode geschaltet.
Es kann beispielsweise ein metallisches Bauteil, zum Beispiel eine elektronische Komponente,
also beispielsweise ein Kontakt, ein Schalterteil oder eine Elektrode sein. Das metallische
oder metallisierte Substrat kann ganz oder teilweise aus einem oder mehreren Metallen
bestehen. Beispielhafte Metalle sind Aluminium, Silber, Kupfer, Nickel, Edelmetalle
wie Palladium oder Platin, Stahl, Edelstahl, Messing und/oder Bronze. Als Substrat
kann auch eine Metallschicht verwendet werden, die galvanisch beschichtet werden kann,
also beispielsweise ein metallisierter Kunststoff, insbesondere mit einer Metallschicht
aus Kupfer, Nickel, Silber und/oder Edelmetallen wie Palladium oder Platin. Die Herstellung
von metallisierten Kunststoffen ist beispielsweise in
DE 21 26 781 C1 oder
WO 2020/225052 A1 beschrieben. Es kann dabei analog zu der unten für das stromlosen Abscheiden der
partikelhaltigen Nickel bzw. Nickellegierungsschicht beschriebenen Vorgehensweise
vorgegangen werden.
[0067] Die zu beschichtende Oberfläche kann zuvor nach gängigen Methoden gereinigt, beispielsweise
entfettet, werden. Das Substrat kann auch vor dem Abscheiden der partikelhaltigen
Nickel- oder Nickellegierungsschicht mit einer oder mehreren Schichten, zum Beispiel
aus Kupfer, Nickel und/oder Silber beschichtet werden, die die Haftung der partikelhaltigen
Nickel- oder Nickellegierungsschicht an dem Substrat verbessern können.
[0068] Als Anode können beispielsweise Nickelanoden verwendet werden. Dadurch kann der Gehalt
an Nickelionen im Elektrolyten einfach kontrolliert werden. Es können auch mehrere
Anoden verwendet werden.
[0069] Weiterhin erlaubt das Verfahren eine große Flexibilität bei der Verfahrensführung.
Es kann insbesondere über einen großen Stromdichtebereich, beispielsweise mit einer
Stromdichte von 0,1 bis 10 A/dm
2, bevorzugt 0,5 bis 5 A/dm
2, noch mehr bevorzugt 1 bis 4 A/dm
2, abgeschieden werden.
[0070] In dem Verfahren kann die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht weitgehend
homogen, also mit einer recht gleichmäßigen Verteilung der Partikel abgeschieden werden.
Gemäß einer weiteren Ausführungsform kann die galvanische Abscheidung so durchgeführt
werden, dass die Partikel (und/oder falls vorhanden die weiteren Partikel) einen Gradienten
aufweisen. Beispielsweise kann die Partikelkonzentration im Innern der Nickel- bzw.
Nickellegierungsschicht höher als an der Außenseite sein. Bevorzugt ist die Partikelkonzentration
außen höher als im Innern der Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht.
[0071] Ein Gradient kann beispielsweise dadurch erhalten werden, dass die Durchmischung
modifiziert, die Stromdichte modifiziert oder während der Abscheidung die Konzentration
der Partikel verändert wird. Eine höhere Durchmischung führt in der Regel zu einer
vermehrten Einlagerung von Partikeln. Eine höhere Stromdichte führt in der Regel zu
einer vermehrten Abscheidung des Nickels bzw. der Nickellegierung. Weiterhin können
auch mehre Elektrolyte, die sich beispielsweise in der Partikelkonzentration, der
Nickelionenkonzentration und/oder der Konzentration an weiteren Metallen oder Nichtmetall-Verbindungen
unterscheiden, verwendet werden, um das Substrat mehrstufig galvanisch zu beschichten.
[0072] Grundsätzlich kann das Verfahren dazu verwendet werden, eine partikelhaltige Nickel-
bzw. Nickellegierungsschicht mit beliebiger Schichtdicke zu erzeugen. Beispielsweise
kann die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht mit einer Schichtdicke
von bis zu 200 µm oder bis zu 100 µm gebildet werden. Typischerweise wird die partikelhaltige
Nickel- oder Nickellegierungsschicht mit einer Dicke von 4 bis 50 pm, bevorzugt 5
bis 30 µm und mehr bevorzugt 5 bis 20 µm, abgeschieden. Die Schichtdickenmessung erfolgt
mittels Röntgenfluoreszenzmessung gemäß DIN EN ISO 3497 (2001-12), beispielsweise
mit einem Fischerscope X-Ray Röntgenfluoreszenzmessgerät XDAL bei Schichtdicken bis
zu 20 µm. Bei Schichtdicken von mehr als 20 µm wird die Schichtdicke am Querschnitt
der Schicht mit einem Mikroskop bestimmt. Typischerweise wird so abgeschieden, dass
die Dicke des Nickels bzw. der Nickellegierung größer als die Partikel ist.
[0073] Als weiteren Aspekt stellt die vorliegende Erfindung ein Bad für das stromlose Abscheiden
von partikelhaltigen Nickel- bzw. Nickellegierungsschichten bereit. Das Bad umfasst:
- Nickelionen in einer Konzentration von 2 bis 200 g/L;
- mindestens eine Art von Partikeln, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen davon, in
einer Gesamtkonzentration von 1 bis 200 g/L;
- mindestens ein Dispergiermittel, das aus anionischen Dispergiermitteln, nichtionischen
Dispergiermitteln und Kombinationen davon ausgewählt ist;
- optional Ionen eines weiteren Metalls, ausgewählt aus Übergangsmetallen, Edelmetallen
und Kombinationen davon, in einer Gesamtkonzentration von bis zu 50 g/L;
- mindestens ein Reduktionsmittel, das in der Lage ist, Nickelionen zu Nickel und, falls
vorhanden, die Ionen des weiteren Metalls zu dem weiteren Metall zu reduzieren; und
- Wasser.
[0074] Das Bad weist einen pH-Wert von 3,0 bis 12,0 auf. Der pH-Wert ist bevorzugt 5,0 bis
9,0. Das Bad für das stromlose Abscheiden wird im Folgenden auch kurz als "Bad" bezeichnet.
Es bezeichnet eine Zusammensetzung, aus der die partikelhaltige Nickelschicht bzw.
die partikelhaltige Nickellegierungsschicht stromlos durch eine oder mehrere chemische
Reaktionen abgeschieden werden kann. Das weitere Metall ist von Nickel verschieden.
[0075] Es wurde überraschend gefunden, dass mit dem erfindungsgemäßen Bad auch partikelhaltige
Nickel- bzw. Nickellegierungsschichten stromlos auf einem Substrat abgeschieden werden
können. Das Substrat kann ein metallisches oder metallisiertes Substrat, wie oben
beschreiben, sein. Weiterhin können, wie unten beschrieben, auch Kunststoffsubstrate,
die optional bekeimt sind, beschichtet werden. Vorteilhafterweise kann eine gut anhaftende,
dichte, also kaum oder keine Poren aufweisende Schicht abgeschieden werden.
[0076] Für die stromlos abgeschiedene Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht können in analoger
Weise die im Zusammenhang mit dem Dispersionselektrolyten oder der galvanisch abgeschiedenen
Nickel- bzw.
[0077] Nickellegierungsschicht beschriebenen Vorteile erhalten werden. Die stromlos abgeschiedene
partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht enthält die Partikel, die zumindest
teilweise an der Oberfläche angeordnet sind, und Nickel bzw. eine Nickellegierung.
Nickel- und Nickellegierung können unvermeidbare Verunreinigungen enthalten.
[0078] Die Nickellegierungen weisen typischerweise einen Nickelgehalt von 70 Gew.-% oder
mehr, bevorzugt 85 Gew.-% oder mehr und mehr bevorzugt 90 Gew.-% oder mehr, auf. Als
weitere Bestandteile können die stromlos abgeschiedenen Nickellegierungen das weitere
Metall, Schwefel und/oder Phosphor enthalten.
[0079] In dem Bad beträgt die Konzentrationen der Nickelionen 2 bis 200 g/L. Die Nickelionen
liegen insbesondere in einer Konzentration von 5 bis 180 g/L, bevorzugt 10 bis 160
g/L, mehr bevorzugt 20 bis 150 g/L, noch mehr bevorzugt 40 bis 140 g/L, in dem Bad
vor.
[0080] Die Ionen des optionalen weiteren Metalls, ausgewählt aus Übergangsmetallen, Edelmetallen
und Kombinationen davon, können in einer Konzentration von bis zu 50 g/L, bevorzugt
bis zu 30 g/L, mehr bevorzugt bis zu 10 g/L in dem Bad vorliegen. Das weitere Metall
ist bevorzugt aus Fe, Pd, Re, Ru, Sn, Cu, Co, Bi, Au und Kombinationen davon, ausgewählt.
Besonders bevorzugt ist es ein oder mehrere Metalle, ausgewählt aus Fe, Co, Sn und
Bi. Die weiteren Metalle können zusammen mit Nickel stromlos abgeschieden werden.
[0081] Bevorzugt wird das Bad für die stromlose Abscheidung von Nickelschichten und Nickellegierungen
mit P und/oder S verwendet und enthält - abgesehen von etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen
- keine Ionen der weiteren Metalle.
[0082] Das Bad enthält weiterhin mindestens ein Reduktionsmittel, das in der Lage ist, Nickelionen
zu Nickel und, falls vorhanden, die Ionen des weiteren Metalls zu dem weiten Metall
zu reduzieren. Das Reduktionsmittel wird in einer ausreichenden Menge eingesetzt,
um Nickel und die optionalen weiteren Metalle zu reduzieren. Es wird insbesondere
zu 1 bis 100 g/L, bevorzugt 5 bis 50 g/L eingesetzt.
[0083] Das Reduktionsmittel ist dabei nicht sonderlich limitiert, und es können alle dem
Fachmann bekannten Reduktionsmittel, die für die chemische Abscheidung von Nickel
geeignet sind, verwendet werden. Das Reduktionsmittel umfasst bevorzugt mindestes
ein Reduktionsmittel, das aus einem Hypophosphit, Dimethylaminoboran, NaBH
4, einem Thioharnstoff, einem Thiocyanat und Kombinationen davon ausgewählt ist. Bevorzugt
besteht es aus einem oder mehrerer dieser Reduktionsmittel. Die Reduktionsmittel können
zu einem Einbau von Nichtmetallatomen bei der stromlosen Abscheidung führen. Beispielsweise
können die vorstehend genannten, beispielhaften Reduktionsmittel in einen Einbau von
P-Atomen, S-Atomen bzw. B-Atomen resultieren, sodass eine Nickellegierung erhalten
wird. Eine Nickellegierung kann also auch ohne Ionen eines weiteren Metalls stromlos
abgeschieden werden.
[0084] Hinsichtlich der bevorzugten und optionalen Ausführungsformen des Bades wird auf
die obigen Ausführungen zu den Partikeln, deren Konzentrationen, den optionalen weiteren
Partikeln, den Dispergiermitteln und der Bildung des Dispersionselektrolyten Bezug
genommen.
[0085] Das Bad kann in analoger Weise zu dem Dispersionselektrolyten hergestellt werden,
insbesondere indem die Komponenten gemischt und gegebenenfalls zur Verbesserung der
Löslichkeit erwärmt werden. Der pH kann bei Bedarf, wie oben beschrieben, eingestellt
werden. Optional kann ein Komplexbildner eingesetzt werden, wie es oben beschrieben
ist.
[0086] Als weiteren Aspekt stellt die vorliegende Erfindung ein Verfahren zum stromlosen
Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht
bereit. Das Verfahren umfasst das stromlose Abscheiden der partikelhaltigen Nickelschicht
bzw. der partikelhaltigen Nickellegierungsschicht auf einem Substrat unter Verwendung
des Bads für das stromlose Abscheiden von partikelhaltigen Nickelschichten gemäß zumindest
einer hierin beschriebenen Ausführungsform. Die stromlose Abscheidung erfolgt bei
einer Temperatur von 15 bis 95°C, bevorzugt 50 bis 95°C, mehr bevorzugt 70 bis 90°C.
[0087] Über das Verfahren zum stromlosen Abscheiden der partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht
ist ein beschichtetes Substrat mit einer partikelhaltigen Nickelschicht oder einer
partikelhaltigen Nickellegierungsschicht erhältlich, für das die oben beschriebenen
Vorteile erhalten werden. Es kann ein beschichtetes Substrat sein, wie es unten näher
beschrieben ist. Die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht wird insbesondere
als äußerste Schicht ausgebildet. Die Partikel liegen zumindest teilweise an der Oberfläche
der partikelhaltigen Schicht, sodass sie einen Teil der Oberfläche bilden.
[0088] Das Verfahren kann mit allen gängigen Vorrichtungen für das stromlose Abscheiden
von Nickel- bzw.
[0089] Nickellegierungsschichten durchgeführt werden. Typischerweise wird das Bad während
der Abscheidung durchmischt, beispielsweise gerührt oder mittels einer Vorrichtung
umgewälzt. Bevorzugt wird gerührt, beispielsweise mit 100 bis 700 Umdrehungen pro
Minute.
[0090] Nach einer bevorzugten Ausführungsform wird das Substrat mit der zu beschichtenden
Oberfläche nach oben angeordnet, was den Einbau der Partikel in die Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht
erleichtern kann. Über die Durchmischung kann die Ablagerungsgeschwindigkeit der Partikel
gesteuert werden.
[0091] Bei der stromlosen Abscheidung wird keine Spannung angelegt, sondern die Nickel-
oder Nickellegierungsschicht durch eine chemische Reaktion abgeschieden. Es können
die oben beschriebenen metallischen oder metallisierten Substrate eingesetzt werden.
Weiterhin können Kunststoffsubstrate mit polaren Oberflächen direkt eingesetzt werden,
beispielsweise ABS oder durch Sulfonierung oder Oxidation funktionalisierte Kunststoffe,
insbesondere durch Sulfonierung funktionalisierte Kunststoffe. Kunststoffe können
beispielsweise, wie in
DE 21 26 781 C1 oder
WO 2020/225052 A1, insbesondere den Beispielen dieser Veröffentlichungen, beschrieben, funktionalisiert
werden. Bevorzugt werden die polaren oder funktionalisierten Kunststoffe vor der stromlosen
Abscheidung der Nickel- oder Nickellegierungsschicht bekeimt, wie es beispielsweise
in
DE 21 26 781 C1 oder
WO2020/225052 A1 beschrieben ist. Beim Bekeimen werden Metallkeime, also Keime aus Metall, auf der,
insbesondere sulfonierten, Kunststoffoberfläche gebildet. Das Metall ist bevorzugt
aus der Gruppe ausgewählt, die aus Pd, Ag, Au, Pt, Cu, Co, Ni und Pd/Sn besteht.
[0092] Typischerweise wird zum Bekeimen entweder eine Lösung eines Metallkolloids eingesetzt
oder die, insbesondere sulfonierte, Kunststoffoberfläche wird zunächst mit einer Edelmetallionen-Lösung
behandelt und anschließend die adsorbierten Edelmetallionen mit einem Reduktionsmittel
zu Metallkeimen reduziert. Die Verwendung von solchen Metallkolloiden ist beispielsweise
in
DE 196 11 137 und
US 4,520,046 beschrieben.
[0093] Bevorzugt sind die Kunststoffe aus der Gruppe, bestehend aus Poly-Acrylester-Styrol-Acrylnitril,
Poly-AcrylnitrilButadien-Styrol, Polyamid, Polyarylamid, Polyphthalamid, Polyimid,
Polyetherimid, Polyetheretherketon, Polysulfon, Polyethersulfon, Polyphenylensulfid,
Polyphenylenoxid, Polyvinylchlorid, Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol, syndiotaktisches
Polystyrol, Polyester, Polyurethan, Epoxidharze und Epoxidlacke, ausgewählt.
[0094] Die zu beschichtende Oberfläche kann bei Bedarf zuvor nach gängigen Methoden gereinigt,
beispielsweise entfettet, werden. Das Substrat kann vor dem Abscheiden der partikelhaltigen
Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht mit einer oder mehreren Schichten aus Kupfer,
Nickel und/oder Silber beschichtet werden.
[0095] In dem Verfahren zum stromlosen Abscheiden der partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht
kann ein Gradient gebildet werden. Ein Gradient kann beispielsweise durch Variation
der Partikelkonzentration während der Abscheidung eingestellt werden. Bevorzugt wird
ein Gradient durch die Verwendung von mehreren Bädern mit unterschiedlichen Nickelionenkonzentration
und/oder unterschiedlichen Partikelkonzentrationen, mit denen das Substrat nacheinander
beschichtet wird, eingestellt. Weiterhin können partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschichten
mit beliebiger Dicke, insbesondere gemäß den oben für das galvanische Abscheiden beschriebenen
Ausführungsformen, gebildet werden. Die oben beschriebenen Ausführungen und Ausführungsformen
haben daher auch für dieses Verfahren Geltung.
[0096] Als weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein beschichtetes Substrat mit
einer partikelhaltigen Nickelschicht oder einer partikelhaltigen Nickellegierungsschicht
beschrieben. Die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht umfasst:
- 100 Gewichtsteile Nickel oder eine Nickellegierung, und
- insgesamt 0,5 bis 250 Gewichtsteile mindestens einer Art von Partikeln, ausgewählt
aus anorganischen piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen
Partikeln und Kombinationen davon.
[0097] Nach einer bevorzugten Ausführungsform besteht die partikelhaltige Nickelschicht
aus Nickel, den Partikeln und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen.
[0098] Die Nickellegierung besteht typischerweise zu 65 Gew.-%, bevorzugt zu 75 Gew.-% oder
mehr, mehr bevorzugt 85 Gew.-% oder mehr, noch mehr bevorzugt 90 Gew.-% oder mehr,
aus Nickel.
[0099] Die Nickellegierung enthält insbesondere
- 0 Gew.-% oder mehr und 20 Gew.-% oder weniger eines weiteren Metalls, ausgewählt aus
Übergangsmetallen, Edelmetallen und Kombinationen davon, und
- 0 Gew.-% oder mehr und 15 Gew.-% oder weniger eines Elements, ausgewählt aus B, P,
S, Se, Te, C und Kombinationen davon,
und besteht zum Rest aus Nickel und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen. Die
Nickellegierung enthält dabei ein weiteres Metall und/oder eines der Elemente. Das
weitere Metall ist von Nickel verschieden.
[0100] Unvermeidbare Verunreinigungen können sich beispielsweise durch Zersetzung von Elektrolytbestandteilen
ergeben und beispielsweise zum Einbau von Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff und/oder
Bor führen.
[0101] Nach einer bevorzugten Ausführungsform enthält die Nickellegierung einer partikelhaltigen
Nickellegierungsschicht
- 0 Gew.-% oder mehr und 15 Gew.-% oder weniger, bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 10
Gew.-% oder weniger, mehr bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 5 Gew.-% oder weniger,
eines weiteren Metalls, ausgewählt aus Übergangsmetallen, Edelmetallen und Kombinationen
davon;
und
- 0 Gew.-% oder mehr und 10 Gew.-% oder weniger, bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 5
Gew.-% oder weniger, eines Elements, ausgewählt aus B, P, S, Se, Te, C und Kombinationen
davon, insbesondere P, Se und/oder S,
und besteht zum Rest aus Nickel und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen. Die
Nickellegierung enthält dabei ein weiteres Metall und/oder eines der Elemente.
[0102] Die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht bildet typischerweise eine
äußerste Schicht auf dem beschichteten Substrat. Die Partikel sind zumindest teilweise
an der Oberfläche der partikelhaltigen Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht angeordnet,
so dass sie einen Teil der Oberfläche der partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht
bzw. der äußersten Schicht des beschichteten Substrats bilden.
[0103] Die partikelhaltige Nickel- oder Nickellegierungsschicht enthält die Partikel insbesondere
zu 1 bis 200 Gewichtsteilen, bevorzugt 5 bis 150 Gewichtsteilen, mehr bevorzugt 10
bis 100 Gewichtsteilen, bezogen auf 100 Gewichtsteile Nickel im Falle einer partikelhaltigen
Nickelschicht bzw. Nickellegierung im Falle einer partikelhaltigen Nickellegierungsschicht.
[0104] Das beschichtete Substrat mit der partikelhaltigen Nickel-oder Nickellegierungsschicht
ist durch das Verfahren zum galvanischen Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen
Nickel- oder Nickellegierungsschicht unter Verwendung des Dispersionselektrolyten
nach zumindest einer hierin beschrieben Ausführungsform oder das Verfahren zum stromlosen
Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht
unter Verwendung des Bades nach zumindest einer hierin beschriebenen Ausführungsform
erhältlich. Es werden daher die oben beschriebenen Vorteile erhalten.
[0105] Nach einer Ausführungsform wird das beschichtete Substrat durch das Verfahren zum
galvanischen Abscheiden einer partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht
erhalten. Die partikelhaltige Nickellegierung enthält dann insbesondere
- 0 Gew.-% oder mehr 20 Gew.-% oder weniger, bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 15 Gew.-%
oder weniger, mehr bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 10 Gew.-% oder weniger, noch mehr
bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 5 Gew.-% oder weniger, eines weiteren Metalls, ausgewählt
aus Übergangsmetallen, Edelmetall und Kombinationen davon,
und
- 0 Gew.-% oder mehr und 15 Gew.-% oder weniger, bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 10
Gew.-% oder weniger, mehr bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 5 Gew.-% oder weniger eines
Elements, ausgewählt aus P, S, Se, Te, C und Kombinationen davon, insbesondere P,
Se und/oder S,
und besteht zum Rest aus Nickel und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen. Die
Nickellegierung enthält dabei ein weiteres Metall und/oder eines der Elemente. Das
weitere Metall umfasst bevorzugt Fe, Co, Mo, Cr, Cu, Zn, Sn, Bi, Sb und Kombinationen
davon oder es besteht daraus. Besonders bevorzugt umfasst das weitere Metall ein oder
mehrere Metalle, ausgewählt aus Fe, Co, Mo und Cu, oder es besteht daraus. Das Substrat
ist ein metallisches oder metallisiertes Substrat, wie es hierin beschrieben ist.
[0106] Die durch galvanische Abscheidung erhaltene Nickellegierung ist bevorzugt eine Legierung
von Ni und Fe, Ni und Co, Ni und Mo, Ni und Cr, Ni und Cu, Ni und P, Ni und S, Ni
und Se, Ni und Fe und P, Se und/oder S, Ni und Co und P, Se und/oder S, Ni und Mo
und P, Se und/oder S, Ni und Cr und P, Se und/oder S, oder Ni und Cu und P, Se und/oder
S, jeweils mit etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen.
[0107] Nach einer Ausführungsform wird das beschichtete Substrat durch das Verfahren zum
stromlosen Abscheiden einer partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht
erhalten. Die partikelhaltige Nickellegierung enthält dann insbesondere
- 0 Gew.-% oder mehr 20 Gew.-% oder weniger, bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 15 Gew.-%
oder weniger, mehr bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 10 Gew.-% oder weniger, noch mehr
bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 5 Gew.-% oder weniger, eines weiteren Metalls, ausgewählt
aus Übergangsmetallen, Edelmetallen und Kombinationen davon,
- 0 Gew.-% oder mehr und 15 Gew.-% oder weniger, bevorzugt 0 Gew.-% oder mehr und 10
Gew.-% oder weniger, eines Elements, ausgewählt aus B, P, S und Kombinationen davon,
insbesondere P und/oder S,
und besteht zum Rest aus Nickel und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen. Die
Nickellegierung enthält dabei ein weiteres Metall und/oder eines der Elemente. Das
weitere Metall ist bevorzugt aus Fe, Pd, Re, Ru, Sn, Cu, Co, Bi, Au und Kombinationen
davon ausgewählt. Besonders bevorzugt ist das weitere Metall aus Fe, Co, Sn, Bi und
Kombinationen davon ausgewählt. Das Substrat ist eines der oben im Zusammenhang mit
den Verfahren beschriebenen Substrate.
[0108] Weiterhin haben die oben beschriebenen optionalen und bevorzugten Ausführungsformen
in analoger Weise für das beschichtete Substrat Geltung. Das gilt insbesondere für
das Substrat, das mit der partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht beschichtet
ist, die Schichtdicken, die Partikelgrößen, die optionalen weiteren Partikel, den
optionalen Gradienten der Partikel.
[0109] Falls vorhanden, liegen die weiteren Partikel aus einem leitfähigen Kohlenstoffmaterial
zu 1 bis 100 Gewichtsteilen, bevorzugt 2 bis 50 Gewichtsteilen, mehr bevorzugt 3 bis
30 Gewichtsteilen, bezogen auf 100 Gewichtsteile Nickel im Falle einer partikelhaltigen
Nickelschicht oder Nickellegierung im Falle einer partikelhaltigen Nickellegierungsschicht,
in der partikelhaltigen Schicht vor. Die Gesamtmenge an Partikeln übersteigt typischerweise
dann nicht 250 Gewichtsteile, bevorzugt nicht 200 Gewichtsteile, mehr bevorzugt nicht
150 Gewichtsteile, bezogen auf 100 Gewichtsteile Nickel im Falle einer partikelhaltigen
Nickelschicht oder Nickellegierung im Falle einer partikelhaltigen Nickellegierungsschicht.
[0110] Die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht ist insbesondere mechanisch
stabil und im schwachsauren, neutralen und im alkalischen Bereich korrosionsbeständig,
also in einem pH-Bereich von 4 oder mehr, insbesondere 6 oder mehr.
[0111] Nach einer weiteren Ausführungsform weist die partikelhaltige Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht
eine Härte von mindestens HV 200 (Vickers-Härte), bevorzugt mindestens HV 300 und
weiter bevorzugt mindestens HV 400, auf. Die Messung erfolgt gemäß DIN EN ISO 14577-1
(2015-11) an der Oberfläche. Die Härte kann insbesondere über den Partikelgehalt und,
falls vorhanden, dem Gehalt an weiteren Partikeln eingestellt werden.
[0112] Das beschichtete Substrat ist korrosionsbeständig im schwachsauren und insbesondere
im alkalischen Bereich und weist im Vergleich zu einem Substrat, das mit einer entsprechenden
Nickel- oder Nickellegierungsschicht ohne die Partikel beschichtet ist, eine reduzierte
Überspannung in wässrigen alkalischen Medien auf. Das beschichtete Substrat kann daher
beispielsweise als elektronische Komponente, insbesondere als Schalter, Kontakt, Elektrode
oder ein anderes Bauteil einer elektrochemischen Zelle, verwendet werden. Bevorzugt
wird es als Elektrode einer elektrochemischen Zelle verwendet, beispielsweise in der
Chloralkali-Elektrolyse oder der Elektrolyse von Wasser oder wässrigen alkalischen
Medien, wie zum Beispiel zur Bildung von Sauerstoff und Wasserstoff. Dabei kann es
jeweils unabhängig als Anode, als Kathode sowie als Anode und als Kathode verwendet
werden.
[0113] Der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt und das erfindungsgemäße Bad können daher
zur Herstellung einer elektronischen Komponente, insbesondere zur Herstellung eines
Schalters, eines Kontakts, einer Elektrode und eines Bauteils einer elektrochemischen
Zelle, bevorzugt einer Elektrode, verwendet werden.
[0114] Als weiteren Aspekt stellt die vorliegende Erfindung eine elektrochemische Zelle
bereit, die das beschichtete Substrat gemäß zumindest einer Ausführungsform umfasst.
Bevorzugt dient das beschichtete Substrat dabei als Elektrode. Es kann unabhängig
voneinander als Anode, als Kathode, bevorzugt als Anode und als Kathode verwendet
werden. Beispiele für eine elektrochemische Zelle sind eine Redox-Flow-Batterie, eine
Brennstoffzelle und ein Elektrolyseur.
[0115] Nach einer Ausführungsform wird das beschichtete Substrat als Kathode eines Elektrolyseurs
verwendet. Die Anode kann dann ebenfalls ein erfindungsgemäßes beschichtetes Substrat
oder eine andere Elektrode, beispielsweise aus Nickel oder Nickellegierung oder eine
mit Nickel oder Nickellegierung beschichtete Elektrode, sein.
Beispiele
[0116] Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend durch Beispiele verdeutlicht. Sie ist
nicht auf diese Beispiele begrenzt.
Messverfahren
[0117] Es wurden die folgenden Messverfahren verwendet.
1) Schichtdicke
[0118] Die Schichtdickenmessung erfolgte mit einem Fischerscope X-Ray Röntgenfluoreszenzmessgerät
XDAL gemäß DIN EN ISO 3497 (2001-12). Es wird ein gemittelter Messwert angegeben.
2) Zusammensetzung
[0119] Die Analyse der Zusammensetzung der partikelhaltigen Nickel- bzw. Nickellegierungsschicht
erfolgte ebenfalls per Röntgenfluoreszenzanalyse auf der beschichteten Substratoberfläche
mit dem vorstehend genannten Gerät gemäß DIN EN ISO 3497 (2001-12). Die vermessene
Fläche betrug etwa 200 x 150 µm. Die Messwerte werden mit einer Genauigkeit von ±
2 Gew.-% oder besser erhalten.
3) Vickers-Härte
[0120] Die Härteprüfung wurde nach DIN EN ISO 14577-1 (2015-11) auf der Oberfläche, ggf.
nach Polieren (also Konditionieren) der Oberfläche, der jeweiligen abgeschiedenen
Schicht durchgeführt. Die Angabe der Vickers-Härte erfolgt durch das Formelzeichen
"HV". Als Prüfkraft wurde eine Gewichtskraft von 200 g verwendet. Die Prüfdauer beträgt
10 s. Die Vickers-Härte wird dimensionslos angegeben.
Vorbereitung der metallischen Substrate
[0121] Es wurden Edelstahlbleche (1.4404) mit einer Größe von 50 x 120 x 0,4 mm für die
Versuche verwendet. Diese wurden wie folgt vorbehandelt:
| 1 |
Entfetten |
Entfetten SLOTOCLEAN AK 160 |
65°C |
5 min |
| 2 |
Spülen |
Wasser |
RT* |
|
| 3 |
Beizen |
wässrige HCl, 18%-ig, mit SLOTOCLEAN BEF 30 |
RT |
10 s |
| 4 |
Spülen |
Wasser |
RT |
|
| 5 |
Kathodisches Entfetten |
Entfetten SLOTOCLEAN EL DCG, 6 A/dm2 |
RT |
2 min |
| 6 |
Spülen |
Wasser |
RT |
|
| 7 |
Dekapieren |
wässrige HCl, 10%-ig |
RT |
30 s |
| 8 |
Spülen |
Wasser |
RT |
|
| 9 |
Abscheidung Zwischenschicht |
Nickel Strike, 3 A/dm2 |
RT |
6 min |
Reagenzien
[0122] Für die Versuche wurden u.a. die folgenden Reagenzien verwendet.
[0123] Slotoclean AK 160 (enthält NaOH und Dinatriummetasilikat), SLOTOCLEAN EL DCG (enthält
NaOH, Dinatriummetasilikat und Natriumcarbonat), und SLOTOCLEAN BEF 30 (enthält But-2-in-1,4-diol
und Isotridecanol ethoxyliert) sind Produkte der Fa. Dr.-Ing. Max Schlötter.
[0124] Nickel Strike: Nickelelektrolyt für die galvanische Abscheidung der Zwischenschicht,
Fa. Dr.-Ing. Max Schlötter, enthaltend 180 g/L NiCl
2·6H
2O nach DIN 50970, 8 g/L HCl (konzentriert), Wasser
[0125] Nickelsulfamatbad MS: Nickelsulfamatlösung in Wasser der Fa. Dr.-Ing. Max Schlötter,
enthaltend 160 g/L Nickelionen, pH 4.0
[0126] SLOTONIK M: Badzusatz der Fa. Dr.-Ing. Max Schlötter, enthaltend 3 bis 5 Gew.-% Alkylethersulfat
als Natriumsalz, Alkylgruppe C12-14, Polyethylenglycolether mit durchschnittlich 2
Ethylenoxideinheiten.
Bariumtitanat (BaTiO3, Perowskit-Struktur): Partikelgröße 0,8 µm (Aspektverhältnis < 3,0) von Sigma Aldrich,
CAS: 12047-27-7
Bornitrid (BN, hexagonal): Partikelgröße etwa 1 pm, flockenförmig (Aspektverhältnis
> 3,0) von Sigma-Aldrich, CAS: 10043-11-5
Titannitrid (TiN): Partikelgröße <3 µm (Aspektverhältnis < 3,0) von Sigma Aldrich,
CAS: 25583-20-4
Tamol®: Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-Polykondensate (Natriumsalze) der BASF SE
Beispiele 1 bis 9 und Vergleichsbeispiel 1
Herstellung der Elektrolyte
[0127] Für die Beispiele 1 bis 9 und das Vergleichsbeispiel 1 (VB1) wurden Elektrolyte mit
den folgenden Komponenten in einem Glasbecherglas (2 L) angesetzt.
- 375 mL/L Nickelsulfamatbad MS (entspricht 60 g/L Nickel)
- 34 g/L NiCl2·6H2O (entspricht 8,4 g/L Nickel)
- 45 g/L Borsäure
- 8 mL/L SLOTONIK M (Badzusatz mit Dispergiermittel)
- 0,9 g/L Tamol® (Dispergiermittel)
- destilliertes Wasser
- Bariumtitanat (BaTiO3), Bornitrid (BN) oder Titannitrid (TiN) gemäß Tabelle 1
[0128] Hierfür wurden zunächst NiCl
2·6H
2O, Dispergiermittel und Borsäure zu einem Gemisch aus destilliertem Wasser, der Nickelsulfamatlösung,
dem Badzusatz gegeben und unter Rühren (500 U/min) bei 60°C aufgelöst. Zum Auflösen
wurde der pH-Wert durch Zugabe von KOH auf 4,1 eingestellt. Sodann wurde bei den Beispielen
1 bis 3 pulverförmiges Bariumtitanat (BaTiO
3), in den Beispielen 4 bis 6 pulverförmiges Bornitrid (BN) bzw. in den Beispielen
7 bis 9 pulverförmiges Titannitrid (TiN) langsam zugegeben und unter Rühren (500 U/min)
dispergiert. Im Vergleichsbeispiel 1 wurden keine Partikel hinzugegeben. Der pH wurde
durch Zugabe von Sulfaminsäure auf 4,0 eingestellt. Die Elektrolytmenge betrug jeweils
2 L.
Tabelle 1
| |
BaTiO3 (Perowskit-Struktur) [g/L] |
BN (hexagonal) [g/L] |
TiN [g/L] |
| Beispiel 1 |
1 |
- |
- |
| Beispiel 2 |
20 |
- |
- |
| Beispiel 3 |
40 |
- |
- |
| Beispiel 4 |
- |
1 |
- |
| Beispiel 5 |
- |
10 |
- |
| Beispiel 6 |
- |
20 |
- |
| Beispiel 7 |
- |
- |
1 |
| Beispiel 8 |
- |
- |
10 |
| Beispiel 9 |
- |
- |
20 |
| Vergleichsbeispiel 1 |
- |
- |
- |
Galvanische Beschichtung
[0129] Es wurden Edelstahlbleche, wie oben beschrieben, vorbehandelt und mit einer Nickelschicht
vorbeschichtet. Die so erhaltenen metallischen Substrate wurden jeweils wie folgt
galvanisch beschichtet.
[0130] Der Elektrolyt wurde in einem Glasbecherglas (2 L) unter Verwendung eines Rührstäbchens
(40 mm) durchmischt (500 U/min). Die Edelstahlbleche wurden jeweils als Kathode geschaltet
und 10 cm tief in den Elektrolyten eingetaucht. Als Anode dienten zwei Ni-Elektroden
(25 x 120 x 5 mm), die beidseitig parallel zur Kathode jeweils mit einem Abstand von
4 cm angeordnet wurden. Die Eintauchtiefe der Anoden betrug ebenfalls 10 cm. Die beiden
parallel geschalteten Anoden wurden in Reihe mit dem Elektrolyten, der Kathode und
einer Gleichstromquelle geschaltet. Die Abscheidung erfolgte bei 60°C und einer Stromdichte
von 2,5 A/dm
2 für 20 min.
Beurteilung der abgeschiedenen Schichten
[0131] In den Beispielen 1 bis 9 sowie im Vergleichsbeispiel 1 (VB1) wurden jeweils dichte,
porenfreie und gut anhaftende Nickelschichten abgeschieden. Die Schichtdicken betrugen
etwa 10 µm.
[0132] Die Fig. 1 bis 3 zeigen Rasterelektronenmikroskopaufnahmen der Beispiele 1 bis 3
bei einer Vergrößerung von 3000. Im Beispiel 1 wurden bei einer Konzentration von
1 g/L im Dispersionselektrolyten vereinzelt Bariumtitanat-Partikel in die Nickelschicht
integriert. Bei den höheren Konzentrationen von 20 g/L und 40 g/L Bariumtitanat in
den Dispersionselektrolyten der Beispiele 2 und 3 wurden mehr Partikel in die Schicht
eingebaut, wie es in den Fig. 2 und 3 zu sehen ist. Partikel an der Oberfläche der
Nickelschicht erscheinen als hellere, scharf abgegrenzte Flächen. Größere runde, dunkle
Bereiche deuten auf tieferliegende, mit Nickel beschichtete Partikel hin. Die Fig.
1 bis 3 belegen, dass Bariumtitanat-Partikel in die jeweilige Nickelschicht eingebaut
wurden und teilweise an der Oberfläche der Nickelschicht angeordnet sind. Insbesondere
in den Beispielen 2 und 3 erfolgte der Einbau recht gleichmäßig über die gesamte Oberfläche
hinweg.
[0133] Fig. 4 zeigt eine Aufnahme von Vergleichsbeispiel 1 ohne Partikel in der Nickelschicht
bei einer Vergrößerung von 500.
[0134] An Querschliffen der beschichteten Substrate wurde festgestellt, dass die Bariumtitanat-Partikel
auch im Innern der partikelhaltigen Nickelschicht der Beispiele 1 bis 3 homogen abgeschieden
wurden. In den Fig. 5A, 6A und 7 sind Lichtmikroskopaufnahmen am Querschliff der beschichteten
Substrate der Beispiele 2 und 3 sowie von Vergleichsbeispiel 1 gezeigt. In den Fig.
5A und 6A sind die Partikel in der Beschichtung bereits zu erkennen. In den Fig. 5B
und 6B sind Rasterelektronenmikroskopaufnahmen der Querschliffe von Beispiel 2 bzw.
Beispiel 3 bei einer Vergrößerung von 1500 gezeigt.
[0135] Die Fig. 8 bis 10 zeigen Rasterelektronenmikroskopaufnahmen der Beispiele 4, 5 und
6 bei einer Vergrößerung von 5000 bei Beispiel 4 (Fig. 8) und 2000 bei den Beispielen
5 und 6 (Fig. 9 bzw. 10). Der Fig. 8 kann entnommen werden, dass auch Bornitrid bereits
bei einer Konzentration im Dispersionselektrolyten von 1 g/L in die Nickelschicht
eingebaut wurde. Wie in Fig. 9 zu sehen ist, wurden bei einer Konzentration von 10
g/L wiederum mehr Bornitrid-Partikel in die Nickelschicht eingebaut. Die piezoelektrischen,
also nicht elektrisch leitfähigen Bornitrid-Partikel sind in Fig. 9 als helle Flächen
zu erkennen. Die Bornitrid-Partikel bilden also einen Teil der Oberfläche der partikelhaltigen
Nickelschicht aus. Vereinzelt wurden Agglomerate von mehreren Partikeln beobachtet.
Wie in Fig. 10 zu sehen ist, wurden bei einer Konzentration von 20 g/L im Dispersionselektrolyten
nochmals deutlich mehr Bornitrid-Partikel in die Nickelschicht eingebaut. Insbesondere
in den Beispielen 5 und 6 erfolgte der Einbau recht gleichmäßig über die gesamte Schicht
hinweg.
[0136] An Querschliffen der beschichteten Substrate der Beispiele 4, 5 und 6 wurde wiederum
ein homogener Einbau der Bornitrid-Partikel im Innern der Schicht gefunden. Die Fig.
11A und 12A zeigen Lichtmikroskopaufnahmen von Querschliffen des Beispiels 5 bzw.
des Beispiels 6. In den Fig. 11B und 12B sind Rasterelektronenmikroskopaufnahmen davon
gezeigt.
[0137] Die Fig. 13 bis 15 zeigen Rasterelektronenmikroskopaufnahmen der Beispiele 7, 8 und
9 bei einer Vergrößerung von 500. Fig. 13 belegt einen vereinzelten Einbau von Titannitrid-Partikeln
in die Nickelschicht bei einer Konzentration in dem Dispersionselektrolyten von 1
g/L. In den Beispielen 8 und 9 wurden bei höheren Konzentration von 10 g/L bzw. 20
g/L wiederum mehr Titannitrid-Partikel mit der Schicht abgeschieden (siehe Fig. 14
bzw. 15).
[0138] An Querschliffen der beschichteten Substrate der Beispiele 7, 8 und 9 wurde wiederum
ein homogener Einbau der Titannitrid-Partikel im Innern der Schicht gefunden. Die
Fig. 16A und 17A zeigen Lichtmikroskopaufnahmen von Querschliffen des Beispiels 8
bzw. des Beispiels 9. In den Fig. 16B und 17B sind Rasterelektronenmikroskopaufnahmen
davon gezeigt.
[0139] Für die Beispiele 2, 3, 6, 8, 9 und Vergleichsbeispiel 1 (VB1) wurde die Zusammensetzung
bestimmt (siehe Tabelle 2).
Tabelle 2
| Beispiel / Element |
2 [Gew.-%] |
3 [Gew.-%] |
6 [Gew.-%] |
8 [Gew.-%] |
9 [Gew.-%] |
VB1 [Gew.-%] |
| B |
- |
- |
7,8 |
- |
- |
- |
| C |
8,0 |
7,3 |
9,6 |
7,5 |
5,5 |
6,5 |
| N |
- |
- |
3,4 |
4,5 |
10,4 |
- |
| O |
4,7 |
11,0 |
2,7 |
3,3 |
3,5 |
3,8 |
| Ni |
74,6 |
44,0 |
76,5 |
76,6 |
58,0 |
89,7 |
| Ti |
2,7 |
11,4 |
- |
8,0 |
22,4 |
- |
| Ba |
9,9 |
26,4 |
- |
- |
- |
- |
[0140] Es wird angenommen, dass die gemessenen C- und O-Mengen auf natürliche Verunreinigungen
oder Elektrolytbestandteile zurückzuführen sind. In den Beispielen 2 und 3 ist ein
Teil des O-Gehalts auf die Bariumtitanat-Partikel zurückzuführen. Der Einbau von Bariumtitanat,
Bornitrid bzw. Titannitrid konnte anhand der gemessenen Zusammensetzungen bestätigt
werden.
[0141] Weiterhin wurden die Vickershärten (HV) bestimmt. Die Ergebnisse sind in Tabelle
3 zusammengefasst.
Tabelle 3
| |
Partikel im Elektrolyten |
HV |
| Vergleichsbeispiel 1 |
- |
166 |
| Beispiel 1 |
1 g/L BaTiO3 |
412 |
| Beispiel 2 |
20 g/L BaTiO3 |
610 |
| Beispiel 3 |
40 g/L BaTiO3 |
643 |
| Beispiel 4 |
1 g/L BN |
412 |
| Beispiel 5 |
10 g/L BN |
432 |
| Beispiel 6 |
20 g/L BN |
452 |
| Beispiel 7 |
1 g/L TiN |
379 |
| Beispiel 8 |
10 g/L Ti N |
593 |
| Beispiel 9 |
20 g/L Ti N |
629 |
[0142] Der Einbau der Partikel ging mit einer Erhöhung der Vickershärte der Schicht einher.
Messung der Überspannungen
[0143] Die Bestimmung der Überspannung erfolgte in einer elektrochemischen Zelle von Gaskatel
(Flexcell PP) mit einer untersuchten Probenfläche von 3 cm
2. Die Überspannungen wurden für die alkalische Elektrolyse von Wasser in 30%-iger
wässriger KOH gemessen. Dabei wurde das Potential, ab dem ein Stromfluss beobachtet
wird, für die Entwicklung von Wasserstoff (HER) bzw. Sauerstoff (OER) bestimmt. Das
beschichtete Substrat wurde dabei als Elektrode in einer Kammer verwendet und als
Kathode bzw. Anode geschaltet. Als Referenzelektrode diente eine Normalwasserstoffelektrode
(Gaskatel Hydroflex). Die verwendete Gegenelektrode bestand aus gewickeltem Pt-Draht.
[0144] Als Überspannung wurde das gemessene Potential bei 25°C für einen Strom von -10 mA
(-3,3 mA/cm
2) abzüglich des theoretischen Potentials von 0 V für Wasserstoff (HER) bzw. bei 25°C
für einen Strom von 10 mA (3,3 mA/cm
2) abzüglich des theoretischen Potentials von +1,23 V für Sauerstoff (OER) angenommen.
Je kleiner der Betrag der Überspannung, also je näher der Messwert an 0 liegt, desto
geringer ist die Überspannung.
[0145] Die Ergebnisse sind in Tabelle 4 zusammengefasst.
Tabelle 4
| |
Partikel im Elektrolyten |
HER [V] |
OER [V] |
| Vergleichsbeispiel 1 |
- |
-1,09 |
+0,17 |
| Beispiel 1 |
1 g/L BaTiO3 |
-0,78 |
+0,26 |
| Beispiel 2 |
20 g/L BaTiO3 |
-0,54 |
+0,29 |
| Beispiel 3 |
40 g/L BaTiO3 |
-0,38 |
+0,29 |
| Beispiel 4 |
1 g/L BN |
-0,81 |
+0,24 |
| Beispiel 5 |
10 g/L BN |
-0,78 |
+0,21 |
| Beispiel 6 |
20 g/L BN |
-0,33 |
+0,31 |
| Beispiel 7 |
1 g/L TiN |
-0,55 |
+0,27 |
| Beispiel 8 |
10 g/L Ti N |
-0,53 |
+0,30 |
| Beispiel 9 |
20 g/L Ti N |
-0,58 |
+0,29 |
[0146] Im Vergleich zum Vergleichsbeispiel 1 konnten bereits durch den Einbau von geringen
Mengen an piezoelektrischem Bariumtitanat in Beispiel 1 bzw. an piezoelektrischem
Bornitrid in Beispiel 4 die Überspannungen in Summe reduziert werden, nämlich um etwa
0,2 V. Für die Bildung von Wasserstoff wurde die Überspannung deutlich gesenkt; bei
der Bildung von Sauerstoff trat eine leichte Erhöhung auf.
[0147] Der Effekt wurde durch den vermehrten Einbau von Bariumtitanat-Partikeln in den Beispielen
2 und 3 bzw. durch den vermehrten Einbau von Bornitrid-Partikeln in den Beispielen
5 und 6 deutlich verstärkt. In den Beispielen 3 und 6 wurden die Überspannungen in
Summe um etwa 0,6 V reduziert. Es wurde beobachtet, dass die Überspannung für die
Bildung von Wasserstoff stark gesenkt werden konnte. Für die Bildung von Sauerstoff
trat eine leichte Erhöhung im Vergleich zu Vergleichsbeispiel 1 auf.
[0148] Somit wurde bestätigt, dass durch den Einbau von piezoelektrischen Bariumtitanat-Partikeln
bzw. piezoelektrischen Bornitrid-Partikeln Überspannungen in wässrigen alkalischen
Medien reduziert werden können. Dabei wurde bei einer höheren Partikelkonzentration
eine stärkere Reduktion der Überspannung beobachtet.
[0149] Auch mit Titannitrid, welches ein elektrisch leitfähiges keramisches Material ist,
wurde bereits bei einem geringen Partikelgehalt im Dispersionselektrolyten von Beispiel
7 in Summe eine deutliche Reduktion der Überspannung um etwa 0,4 V beobachtet. Im
Gegensatz zu den piezoelektrischen Materialien Bariumtitanat und hexagonales Bornitrid
wurde durch eine Erhöhung der Partikelkonzentration in der Nickelschicht keine weitere
Reduktion der Überspannung beobachtet, sondern diese blieb in etwa konstant. Möglicherweise
bewirkt das elektrisch leitfähige keramische Titannitrid die Reduktion der Überspannung
über einen anderen Mechanismus als die piezoelektrischen Partikel in den Beispielen
1 bis 6.
[0150] Wie in den Beispielen 1 bis 9 gezeigt, eignen sich die beschichteten Substrate aus
den Beispielen 1 bis 9 als Anode sowie insbesondere als Kathode für die Elektrolyse
in wässrigen alkalischen Medien. Es wurde insbesondere für die Kathoden-Reaktion,
also der Bildung von Wasserstoff, deutlich reduzierte Überspannungen gemessen.
1. Dispersionselektrolyt für das galvanische Abscheiden von partikelhaltigen Nickel-
oder Nickellegierungsschichten, umfassend:
- Nickelionen in einer Konzentration von 2 bis 200 g/L;
- mindestens eine Art von Partikeln, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen davon, in
einer Gesamtkonzentration von 1 bis 200 g/L;
- mindestens ein Dispergiermittel, das aus anionischen Dispergiermitteln, nichtionischen
Dispergiermitteln und Kombinationen davon ausgewählt ist;
- optional Ionen mindestens eines weiteren Metalls, ausgewählt aus Übergangsmetallen,
Edelmetallen und Kombinationen davon, in einer Gesamtkonzentration von bis zu 40 g/L;
- optional mindestens eine Nichtmetall-Verbindung, die von dem Dispergiermittel verschieden
ist und aus Phosphor-Verbindungen, Schwefel-Verbindungen, Selen-Verbindungen, Tellur-Verbindungen,
Kohlenstoff-Verbindungen und Kombinationen davon ausgewählt ist, in einer Gesamtkonzentration
von bis zu 50 g/L; und
- Wasser,
wobei der Dispersionselektrolyt einen pH-Wert von 2,0 bis 7,0 aufweist.
2. Dispersionselektrolyt gemäß Anspruch 1, wobei die Partikel aus BN (hexagonal), AlN,
ZnO, GaPO4, M12yMA1-y[MBxTi1-x]O3, M12yMA1-y[MCxZr1-x]O3, M12yMA1-y[MDxMn1-x]O3, M12yMA1-y[MExHf1-x]O3, M1[MFxNb1-x]O3, M1[MGxV1-x]O3, M1[MHxTa1-x]O3, TiN, TiC, TiB2, Ti2CN, B4C, WC und Kombinationen davon ausgewählt sind, und wobei in den allgemeinen Formeln
folgendes gilt: M1 ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt aus Li,
Na und K, bevorzugt Li; MA ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt
aus Ca, Sr, Ba, Pb und La; MB ist ausgewählt aus Zr, Hf, Mn, Mg1/3Nb2/3, Mg1/3V2/3, Mg1/3Mn2/3 und Mg1/3Ta2/3; MC ist ausgewählt aus Hf, Mn, Mg1/3Nb2/3, Mg1/3V2/3, Mg1/3Mn2/3 und Mg1/3Ta2/3; MD ist ausgewählt aus Hf, Mg1/3Nb2/3, Mg1/3V2/3, Mg1/3Mn2/3 und Mg1/3Ta2/3; ME ist ausgewählt aus Mg1/3Nb2/3, Mg1/3V2/3, Mg1/3Mn2/3 und Mg1/3Ta2/3; MF ist ausgewählt aus V, Ta und Mn; MG ist ausgewählt aus Ta und Mn; MH ist Mn;
x erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1; und y erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ y ≤ 1.
3. Dispersionselektrolyt gemäß Anspruch 2, wobei die Partikel aus BN (hexagonal), AlN,
ZnO, GaPO4, Li2[ZrxTi1-x]O3, Li2yMA1-y[ZrxTi1-x]O3, MA[ZrxTi-x]O3, Pb[ZrxTi1-x]O3, LaMnO3 und LiNbO3 und Kombinationen davon ausgewählt sind, und wobei MA jeweils unabhängig mindestens
ein Element, ausgewählt aus Ca, Sr und Ba, ist; x jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1 erfüllt;
und y jeweils unabhängig 0 < y < 1 erfüllt.
4. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei in dem Dispersionselektrolyten
das Gewichtsverhältnis von Nickelionen zu den Ionen des weiteren Metalls 80:20 oder
mehr, bevorzugt 85:15 oder mehr, mehr bevorzugt 90:10 oder mehr, noch mehr bevorzugt
95:5 oder mehr, beträgt und/oder
das Gewichtsverhältnis von Nickelionen zu der Gesamtheit der Phosphoratome, Schwefelatome,
Selenatome, Telluratome und Kohlenstoffatome in der mindestens einen Nichtmetall-Verbindung
85:15 oder mehr, bevorzugt 90:10 oder mehr, mehr bevorzugt 95:5 oder mehr, beträgt.
5. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das weitere
Metall mindestens ein Element umfasst, das aus Fe, Co, Mo, Cr, Cu, Zn, Sn, Bi, Sb
und Kombinationen davon ausgewählt ist, und/oder
die Nichtmetall-Verbindung mindestens eine Verbindung, ausgewählt aus Hypophosphiten,
einem Harnstoff, einem Thioharnstoff, einem Thiocyanat, Selenoharnstoff, Lithiumbis(trifluormethansulfonyl)imid,
Dimethyltellurid, einem Xanthogenat, einem Carbamat, einem Keton, einem aromatischen
Aldehyd, Türkischrotöl und Kombinationen davon, umfasst.
6. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Dispergiermittel
mindestens ein anionisches Dispergiermittel umfasst, das aus Sulfat-Verbindungen,
die eine Alkylgruppe, eine Aralkylgruppe oder eine aromatische Gruppe mit jeweils
bis zu 30 Kohlenstoffatomen aufweisen, Sulfonat-Verbindungen, die eine Alkylgruppe,
eine Aralkylgruppe oder eine aromatische Gruppe mit jeweils bis zu 30 Kohlenstoffatomen
aufweisen, und Carboxy- oder Carboxylatgruppen-haltigen Polymeren, ausgewählt ist.
7. Dispersionselektrolyt gemäß Anspruch 6, wobei das anionische Dispergiermittel mindestens
ein erstes anionisches Dispergiermittel, das aus Sulfat-Verbindungen mit einer Alkylgruppe
mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, Sulfat-Verbindungen mit einer Aralkylgruppe mit 6
bis 24 Kohlenstoffatomen und Kombinationen davon ausgewählt ist, und mindestens ein
zweites anionisches Dispergiermittel, das aus Sulfonat-Verbindungen mit einer aromatischen
Gruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen ausgewählt ist, umfasst.
8. Bad für das stromlose Abscheiden von partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschichten,
umfassend:
- Nickelionen in einer Konzentration von 2 bis 200 g/L;
- mindestens eine Art von Partikeln, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen davon, in
einer Gesamtkonzentration von 1 bis 200 g/L;
- mindestens ein Dispergiermittel, das aus anionischen Dispergiermitteln, nichtionischen
Dispergiermitteln und Kombinationen davon ausgewählt ist;
- optional Ionen eines weiteren Metalls, ausgewählt aus Übergangsmetallen, Edelmetallen
und Kombinationen davon, in einer Gesamtkonzentration von bis zu 50 g/L;
- mindestens ein Reduktionsmittel, das in der Lage ist, Nickelionen zu Nickel und,
falls vorhanden, die Ionen des weiteren Metalls zu dem weiteren Metall zu reduzieren;
und
- Wasser,
wobei das Bad einen pH-Wert von 3,0 bis 12,0 aufweist.
9. Bad gemäß Anspruch 8, wobei das Reduktionsmittel mindestes ein Reduktionsmittel, ausgewählt
aus Hypophosphiten, Dimethylaminoboran, NaBH4, einem Thioharnstoff, einem Thiocyanat und Kombinationen davon, umfasst, und/oder
wobei das weitere Metall aus Fe, Pd, Re, Ru, Sn, Cu, Co, Bi, Au und Kombinationen
davon ausgewählt ist.
10. Verfahren zum galvanischen Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen
Nickel- oder Nickellegierungsschicht, umfassend das galvanische Abscheiden der partikelhaltigen
Nickel- oder Nickellegierungsschicht auf einem metallischen oder metallisierten Substrat
unter Verwendung des Dispersionselektrolyten gemäß einem der Ansprüche 1 bis 7 bei
einer Temperatur von 20 bis 85°C.
11. Verfahren zum stromlosen Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen Nickel-
oder Nickellegierungsschicht, umfassend das stromlose Abscheiden der partikelhaltigen
Nickel- oder Nickellegierungsschicht auf einem Substrat unter Verwendung des Bads
gemäß Anspruch 8 oder 9 bei einer Temperatur von 15°C bis 95°C.
12. Beschichtetes Substrat mit einer partikelhaltigen Nickel- oder Nickellegierungsschicht,
wobei die partikelhaltige Nickel- oder Nickellegierungsschicht
- 100 Gewichtsteile Nickel oder Nickellegierung, und
- insgesamt 0,5 bis 250 Gewichtsteile mindestens einer Art von Partikeln, ausgewählt
aus anorganischen piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen
Partikeln und Kombinationen davon, umfasst.
13. Beschichtetes Substrat gemäß Anspruch 12, wobei die Nickellegierung mindestens 65
Gew.-% Nickel enthält.
14. Beschichtetes Substrat gemäß Anspruch 12, wobei die Nickellegierung
- 0 Gew.-% oder mehr und 20 Gew.-% oder weniger eines weiteren Metalls, ausgewählt
aus Übergangsmetallen, Edelmetallen und Kombinationen davon; und
- 0 Gew.-% oder mehr und 15 Gew.-% oder weniger eines Elements, ausgewählt aus B,
P, S, Se, Te, C und Kombinationen davon,
enthält und zum Rest aus Nickel und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen besteht,
und
wobei die Nickellegierung ein weiteres Metall und/oder eines der Elemente enthält.
15. Beschichtetes Substrat gemäß Anspruch 14, wobei das weitere Metall aus Fe, Co, Mo,
Cr, Cu, Zn, Sn, Bi, Sb und Kombinationen davon ausgewählt ist und das Element aus
P, S, Se, Te, C und Kombinationen davon ausgewählt ist, oder
das weitere Metall aus Fe, Pd, Re, Ru, Sn, Cu, Co, Bi, Au und Kombinationen davon
ausgewählt ist und das Element aus B, P, S und Kombinationen davon ausgewählt ist.
16. Elektrochemische Zelle, umfassend das beschichtete Substrat gemäß einem der Ansprüche
12 bis 15.