Technisches Gebiet der Erfindung
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Dispersionselektrolyten für das galvanische
Abscheiden von partikelhaltigen Zinnlegierungsschichten, ein Verfahren zum galvanischen
Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht, ein
beschichtetes Substrat mit einer partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht sowie eine
elektrochemische Zelle, die das beschichtete Substrat umfasst.
Technischer Hintergrund
[0002] Für viele elektronische Anwendungen ist es wünschenswert, Edelmetalle durch kostengünstigere
Nichtedelmetalle teilweise oder vollständig zu ersetzen. Neben guten elektrischen
Eigenschaften sind dabei auch eine Beständigkeit gegen Korrosion wünschenswert, um
langlebige und damit auch nachhaltige elektronische Komponenten, wie zum Beispiel
einen Kontakt oder eine Elektrode, zu erhalten.
[0003] Eine Möglichkeit, die Korrosionsbeständigkeit zu verbessern, sind kostengünstige
Beschichtungen mit Zinn bzw. Zinnlegierungen, mit denen elektronische Komponenten
galvanisch beschichtet werden können. Insbesondere Zinn-Nickel-Legierungen, die typischerweise
als SnNi, also etwa 65 Gew.-% Zinn und 35 Gew.-% Nickel, galvanisch abgeschieden werden,
weisen eine gute Korrosionsbeständigkeit gegen Säuren auf und werden daher vielfach
eingesetzt. Die Korrosionsbeständigkeit der Zinn-Nickel-Legierungen ist besser als
die reiner Zinnschichten. Weiterhin werden als korrosionsbeständige Materialien auch
Titan oder Edelmetalle eingesetzt, welche jedoch erheblich teurer als beispielsweise
Edelstahl oder Stahlsubstrate mit einer Korrosionsschutzschicht aus einer Zinnlegierung
sind. Allerdings können Zinn und Zinnlegierungen im Vergleich zu Edelmetallen nachteilige
elektrische Eigenschaften aufweisen. Diese können sich beispielsweise in einem erhöhten
Kontaktwiderstand gegenüber anderen Metallen äußern. Weiterhin können bei elektrochemischen
Reaktionen in wässrigen Medien höhere Überspannungen beobachtet werden, die oftmals
durch eine kinetische Hemmung einer Reaktion verursacht werden.
[0004] Es wäre daher wünschenswert, Beschichtungen mit kostengünstigen Materialen zu entwickeln,
die einen guten Korrosionsschutz gewährleisten und gleichzeitig die elektrischen Eigenschaften
verbessern, insbesondere eine Überspannung für elektrochemische Reaktionen in wässrigen
Medien verringern. Weiterhin werden Zusammensetzungen und Verfahren benötigt, mit
denen diese Beschichtungen ökonomisch erzeugt werden können.
Zusammenfassung der Erfindung
[0005] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht daher darin, einen Elektrolyten für
das galvanische Abscheiden von Zinnlegierungsschichten bereitzustellen, die in der
Lage sind, eine Überspannung für elektrochemische Reaktionen zu reduzieren, und eine
gute Korrosionsbeständigkeit aufweisen. Weitere Aufgaben bestehen darin, ein Verfahren
zum Beschichten von Substraten mit einer solchen Zinnlegierungsschicht, das den Elektrolyten
verwendet, das beschichtete Substrat sowie Anwendungen davon bereitzustellen.
[0006] Diese Aufgaben werden durch den Dispersionselektrolyten für das galvanische Abscheiden
von partikelhaltigen Zinnlegierungsschichten, das Verfahren zum galvanischen Beschichten
eines Substrats mit einer partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht, das den Dispersionselektrolyten
verwendet, das beschichtete Substrat und eine elektrochemische Zelle, umfassend das
beschichtete Substrat, gemäß den unabhängigen Ansprüchen gelöst. Nachfolgend und in
den abhängigen Ansprüchen werden optionale und bevorzugte Ausgestaltungen angegeben.
Kurzbeschreibung der Figuren
[0007] Es zeigen:
- Fig. 1
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 1
- Fig. 2
- Eine Rasterelektronenmikroskopaufnahme der partikelhaltigen Schicht von Beispiel 2
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0008] Die vorliegende Erfindung stellt einen Dispersionselektrolyten für das galvanische
Abscheiden von partikelhaltigen Zinnlegierungsschichten bereit. Der Dispersionselektrolyt
umfasst:
- Zinnionen in einer Konzentration von 2 bis 100 g/L;
- Ionen eines zweiten Legierungselements, das aus Kupfer, Silber, Bismut, Nickel, Cobalt,
Cadmium, Zink, Mangan und Kombinationen davon ausgewählt ist, in einer Konzentration
von 1 bis 100 g/L;
- mindestens eine Art von Partikeln, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen davon, in
einer Gesamtkonzentration von 1 bis 200 g/L;
- mindestens ein Dispergiermittel, ausgewählt aus anionischen Dispergiermitteln, nichtionischen
Dispergiermitteln und Kombinationen davon; und
- Wasser;
wobei der Dispersionselektrolyt einen pH-Wert von 7 oder weniger aufweist. Der Dispersionselektrolyt
wird im Folgenden auch kurz als "Elektrolyt" bezeichnet.
[0009] Die Erfinder haben überraschend gefunden, dass es mit dem erfindungsgemäßen Dispersionselektrolyten
möglich ist, die ungeladenen Partikel zusammen mit einer Zinnlegierungsschicht galvanisch
abzuscheiden, sodass eine partikelhaltige Zinnlegierungsschicht gebildet wird. Die
abgeschiedene Zinnlegierungsschicht enthält also neben der Zinnlegierung auch Partikel
von einem oder mehreren anorganischen piezoelektrischen Materialien und/oder von einem
oder mehreren elektrisch leitfähigen keramischen Materialien. Mit dem Dispersionselektrolyten
kann über das unten beschriebene Verfahren die unten beschriebene Zinnlegierung hergestellt
werden.
[0010] In dem unten beschriebenen Verfahren wird bei der galvanischen Abscheidung neben
Zinn, das als erstes Legierungselements angesehen werden kann, auch das zweite Legierungselement
abgeschieden. Wie unten näher ausgeführt, können weitere Legierungselemente in der
abgeschiedenen Zinnlegierung enthalten sein. Mit dem Dispersionselektrolyten kann
also eine sekundäre, ternäre oder höherdimensionale Legierung gebildet werden. In
der abgeschiedenen Zinnlegierung können unvermeidbare Verunreinigungen enthalten sein.
[0011] Es wurde weiterhin überraschend gefunden, dass mit den Partikeln aus einem anorganischen
piezoelektrischen bzw. elektrisch leitfähigen keramischen Material im Vergleich zu
entsprechenden Zinnlegierungsschichten ohne die Partikel eine Überspannung für elektrochemische
Reaktionen in wässrigen Medien, auch in wässrigen sauren Medien, reduziert werden
kann. Aufgrund der geringeren Überspannung wird für dieselbe elektrochemische Reaktion
weniger Strom benötigt, so dass die Wirtschaftlichkeit der Reaktion verbessert wird.
[0012] Der Elektrolyt ermöglich es, die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht galvanisch
auf einem metallischen oder metallisierten Substrat abzuscheiden. Hierfür kann das
unten beschriebenen Verfahren verwendet werden, das die Abscheidung über breite Temperatur-
und Stromdichtebereiche hinweg ermöglicht. Bei der Abscheidung werden die Partikel
zumindest teilweise an der Oberfläche der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht angeordnet,
sodass Sie einen Teil der Oberfläche bilden. Die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht
wird typischerweise als Endschicht, also als äußerste Schicht, auf dem Substrat erzeugt.
[0013] Weiterhin wurde überraschend gefunden, dass die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht
trotz der Partikel, die im Grunde Fremdkörper in der Zinnlegierungsschicht sind, eine
gute Korrosionsbeständigkeit im sauren und Beständigkeit im alkalischen Bereich aufweist,
die mit der Korrosionsbeständigkeit einer entsprechenden Zinnlegierungsschicht ohne
Partikel vergleichbar ist.
[0014] Das zweite Legierungselement erhöht die Korrosionsbeständigkeit der Zinnlegierung
im Vergleich zu einer entsprechenden Zinnschicht. Wie eingangs erwähnt, weisen Zinn-Nickel-Legierungen
eine gute Korrosionsbeständigkeit auf. Die anderen zweiten Legierungselemente, also
Kupfer, Silber, Bismut, Cobalt, Cadmium, Zink und Mangan, bewirken im Vergleich zu
Nickel als zweites Legierungselement eine vergleichbare Korrosionsbeständigkeit, insbesondere
auch eine gute Korrosionsbeständigkeit bei sehr niedrigen pH-Werten. Die abgeschiedene
partikelhaltige Zinnlegierungsschicht weist somit eine gute Korrosionsbeständigkeit
auf.
[0015] Der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt ermöglicht somit die Bildung von Schichten,
die sowohl einen guten Schutz vor Korrosion bieten als auch eine Überspannung für
elektrochemische Reaktionen an einer Grenzfläche reduzieren, sodass diese vorteilhaften
Eigenschaften gleichzeitig in einer Schicht realisiert werden können. Die partikelhaltige
Zinnlegierungsschicht kann daher mit Vorteil als Schutzschicht, insbesondere also
als äußerste Schicht auf einem Bauteil, insbesondere einer elektronischen Komponente,
zum Beispiel einem Kontakt oder einer Elektrode, verwendet werden.
[0016] Der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt weist mindestens eine Art von Partikeln,
ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen
Partikeln und Kombinationen davon, auf. Die Partikel können also aus einer oder mehreren
Arten von anorganischen piezoelektrischen Partikeln und/oder aus einer oder mehreren
Arten von elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln bestehen.
[0017] Die Partikel können aus einem anorganischen piezoelektrischen Material sein, das
monokristallin oder polykristallin ist. Ein piezoelektrischer Effekt kann bei nichtzentrosymmetrischen
Punktgruppen (Kristallgruppen) auftreten. Die Elementarzelle des Materials weist also
kein Inversionszentrum auf. Folglich weisen beispielsweise kubische Punktgruppen mit
Inversionszentrum keine Piezoelektrizität auf. Existieren bei den anorganischen Materialien
piezoelektrische und nichtpiezoelektrische Modifikationen, so werden nur die piezoelektrischen
Modifikationen zu den Partikeln gezählt. Beispielsweise kann Bariumtitanat (BaTiO
3) in einer Perowskit-Struktur und in einer kubischen Modifikation davon vorliegen.
Da die kubische Modifikation nicht piezoelektrisch ist, wird sie nicht zu den Partikeln
gerechnet. Ein weiteres Beispiel ist Bornitrid (BN). Da hexagonales Bornitrid piezoelektrisch
ist, kann es erfindungsgemäß als Partikel verwendet werden. Kubisches Bornitrid ist
nicht piezoelektrisch und wird daher auch nicht zu den Partikeln gerechnet.
[0018] Die Partikel können auch aus einem elektrisch leitfähigen keramischen Material sein.
Da diese elektrisch leitfähig sind, weisen sie keine Piezoelektrizität auf. Nichtkeramische
elektrisch leitfähige Partikel, wie beispielsweise Partikel aus Kohlenstoff oder Metall,
werden nicht zu den Partikeln gerechnet.
[0019] Die anorganischen piezoelektrischen Partikel und die elektrisch leitfähigen keramischen
Partikel sind erfindungsgemäß nicht limitiert. Als anorganische piezoelektrische Partikel
können auch mit Fremdatomen dotierte Materialien verwendet werden. Die Partikel können
beispielsweise aus BN (hexagonal), AlN, ZnO, GaPO
4, M1
2yMA
1-y[MB
xTi
1-x]O
3, M1
2yMA
1-y [MC
xZr
1-x]O
3, M1
2yMA
1-y[MD
xMn
1-x]O
3, M1
2yMA
1-y[ME
xHf
1-x]O
3, M1[MF
xNb
1-x]O
3, M1[MG
xV
1-x]O
3, M1[MH
xTa
1-x]O
3, TiN, TiC, TiB
2, Ti
2CN, B
4C, WC und Kombinationen davon ausgewählt sein. In den allgemeinen Formeln gilt dabei
folgendes: M1 ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt aus Li, Na
und K, bevorzugt Li; MA ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt
aus Ca, Sr, Ba, Pb und La; MB ist ausgewählt aus Zr, Hf, Mn, Mg
1/3Nb
2/3, Mg
1/3V
2/3, Mg
1/3Mn
2/3 und Mg
1/3Ta
2/3; MC ist ausgewählt aus Hf, Mn, Mg
1/3Nb
2/3, Mg
1/3V
2/3, Mg
1/3Mn
2/3 und Mg
1/3Ta
2/3; MD ist ausgewählt aus Hf, Mg
1/3Nb
2/3, Mg
1/3V
2/3, Mg
1/3Mn
2/3 und Mg
1/3Ta
2/3; ME ist ausgewählt aus Mg
1/3Nb
2/3, Mg
1/3V
2/3, Mg
1/3Mn
2/3 und Mg
1/3Ta
2/3; MF ist ausgewählt aus V, Ta und Mn; MG ist ausgewählt aus Ta und Mn; MH ist Mn;
x erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1; und y erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ y ≤ 1.
[0020] Die Partikel sind insbesondere aus BN (hexagonal), AlN, ZnO, GaPO
4, Li
2yMA
1-y[MB
xTi
1-x]O
3, Li
2yMA
1-y[MC
xZr
1-x]O
3, Li
2yMA
1-y[MD
xMn
1-x]O
3, LiNbO
3, LiVO
3, LiMnO
3, LiTaO
3, TiN, TiC, TiB
2, Ti
2CN, B
4C, WC und Kombinationen davon ausgewählt. In den allgemeinen Formeln gilt dabei folgendes:
MA ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt aus Ca, Sr, Ba, Pb und
La; MB ist ausgewählt aus Zr, Mn und Mg
1/3Nb
2/3; MC ist ausgewählt aus Mn und Mg
1/3Nb
2/3; MD ist Mg
1/3Nb
2/3; x erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1; und y erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ y ≤
1.
[0021] Von den vorstehend genannten Materialien sind TiN, TiC, TiB
2, Ti
2CN, B
4C und WC elektrisch leitfähige keramische Materialien, und die übrigen sind anorganische
piezoelektrische Materialien. Nach einer bevorzugten Ausführungsform werden die Partikel
aus anorganischen piezoelektrischen Partikeln ausgewählt.
[0022] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform sind die anorganischen piezoelektrischen
Partikel aus BN (hexagonal), AlN, ZnO, GaPO
4, Li
2[Zr
xTi
1-x]O
3, Li
2yMA
1-y[Zr
xTi
1-x]O
3, MA[Zr
xTi
1-x]O
3, Pb[Zr
xTi
1-x]O
3, LaMnO
3 und LiNbO
3 und Kombinationen davon ausgewählt. In den allgemeinen Formeln gilt dabei folgendes:
MA ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt aus Ca, Sr und Ba; x
erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1; und y erfüllt jeweils unabhängig 0 < y < 1.
[0023] Die Partikel sind weiterhin bevorzugt aus BN (hexagonal), AlN, BaTiO
3, Li
2ZrO
3, Li
2TiO
3, CaTiO
3, ZnO, LaMnO
3, Pb[Zr
xTi
1-x]O
3 (mit x im Bereich von 0 ≤ x ≤ 1), LiNbO
3, GaPO
4 und Kombinationen davon und besonders bevorzugt aus BN (hexagonal), BaTiO
3, CaTiO
3, Li
2ZrO
3 und Kombinationen davon ausgewählt.
[0024] In dem Dispersionselektrolyten sind die Partikel, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln und/oder elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln, in einer Gesamtkonzentration
von 1 bis 200 g/L enthalten. Der Dispersionselektrolyt enthält die Partikel insbesondere
in einer Gesamtkonzentration von 3 bis 150 g/L, bevorzugt 5 bis 100 g/L, mehr bevorzugt
8 bis 80 g/L, noch mehr bevorzugt 15 bis 60 g/L. Bei diesen Konzentrationen kann der
Dispersionselektrolyt gut durchmischt und eine geeignete Menge an Partikeln mit der
Zinnlegierungsschicht abgeschieden werden, um eine effektive Absenkung einer Überspannung
für elektrochemische Reaktionen in wässrigen Medien zu bewirken.
[0025] In der Regel sollten die Partikel kleiner als die gewünschte Schichtdicke der partikelhaltigen
Zinnlegierungsschicht sein. Die Partikelgröße kann beispielsweise durch gängige Mahlverfahren
und/oder Siebverfahren, mit denen zu grobe oder feine Partikel abgetrennt werden können,
eingestellt werden. Geeignete Partikel sind oftmals auch kommerziell erhältlich.
[0026] Bei Partikeln mit einem Aspektverhältnis von weniger als 3,0 liegt der durchschnittliche
Partikeldurchmesser typischerweise im Bereich von 20 nm bis 20 µm, bevorzugt 0,1 bis
10 pm, mehr bevorzugt 0,5 bis 8 µm. Das Aspektverhältnis gibt das Verhältnis von dem
größten Durchmesser zu dem kleinsten Durchmesser eines Partikels an. Bei sphärischen
Partikeln ist das Aspektverhältnis also 1. Das Aspektverhältnis der Partikel kann
mikroskopisch durch Vermessen von 20 beliebig ausgewählten Partikeln bestimmt werden.
Je nach Größe der Partikel kann ein Lichtmikroskop oder ein Elektronenmikroskop mit
einer Referenz verwendet werden.
[0027] Weisen die Partikel ein Aspektverhältnis von 3,0 oder mehr auf, so beträgt die durchschnittliche
Länge der Partikel typischerweise 0,1 bis 90 µm, bevorzugt 0,5 bis 50 pm, mehr bevorzugt,
0,8 bis 20 µm. Partikel mit einem solchen Aspektverhältnis sind in der Regel flach
oder länglich, beispielsweise nadelförmig oder flockenförmig. Die Länge bezeichnet
dabei den größten Durchmesser eines Partikels.
[0028] Die Partikelgröße kann mittels Laserbeugung gemäß ISO 13320:2020, z.B. mit einem
HELOS-Spektrometer (Helium-Neon Laser Optisches System), bestimmt werden. Die mittlere
Partikelgröße wird als D50-Wert angegeben. In einer abgeschiedenen Schicht kann die
durchschnittliche Partikelgröße in der Draufsicht oder am Querschliff mit einem Mikroskop
oder Elektronenmikroskop bestimmt werden. Dabei werden mindestens 100 beliebig ausgewählte
Partikel berücksichtigt, um die durchschnittliche Partikelgröße zu bestimmen.
[0029] Für den Dispersionselektrolyten können grundsätzlich alle gängigen wasserlöslichen
Zinnsalze sowie Salze des zweiten und dritten Legierungselements verwendet werden.
Der Elektrolyt enthält auch die entsprechenden Anionen dieser Salze. Beispielsweise
eignen sich Zinnsulfat, Zinnchlorid, Zinnbromid und Zinnacetat, insbesondere Zinnsulfat
und Zinnchlorid, als Zinnsalze. Beispiele für gängige Nickelsalze sind Nickelsulfamat,
Nickelsulfat, Nickelchlorid, Nickelbromid, Nickelacetat, insbesondere Nickelsulfamat,
Nickelsulfat, und Nickelchlorid. Weitere Beispiele für geeignete Salze sind Kupfersulfat,
Kupferchlorid, Silbernitrat, Cobaltchlorid, Cobaltsulfat und Bismutchlorid. Von den
Salzen können alle Modifikationen, beispielsweise Hydrate, in dem Elektrolyten eingesetzt
werden. Soll eine silberhaltige Legierung gebildet werden, so wird ein halogen-und
sulfidfreier Dispersionselektrolyt verwendet, um die Fällung von schwerlöslichen Silbersalzen
zu vermeiden.
[0030] Der Dispersionselektrolyt enthält Zinnionen in einer Konzentration von 2 bis 100
g/L. Die Zinnionen liegen insbesondere in einer Konzentration von 5 bis 80 g/L, bevorzugt
10 bis 70 g/L, mehr bevorzugt 20 bis 60 g/L, in dem Elektrolyten vor.
[0031] Des Weiteren enthält der Dispersionselektrolyt die Ionen des zweiten Legierungselements,
die in dem Dispersionselektrolyten in einer Konzentration von 1 bis 100 g/L vorliegen.
Bei mehreren unterschiedlichen zweiten Legierungselementen entspricht die Konzentration
der Gesamtkonzentration. Die Ionen des zweiten Legierungselements liegen insbesondere
in einer Konzentration von 2 bis 80, bevorzugt 5 bis 70 g/L, vor.
[0032] Die Konzentrationen werden so gewählt, dass die Zinnlegierungsschicht den gewünschten
Zinngehalt und den gewünschten Gehalt an dem zweiten Legierungselement aufweist.
[0033] Der Dispersionselektrolyt enthält, wie oben angegeben, Ionen eines zweiten Legierungselements,
das aus Kupfer, Silber, Bismut, Nickel, Cobalt, Cadmium, Zink, Mangan und Kombinationen
davon ausgewählt ist. Bevorzugt ist das zweite Legierungselement aus Kupfer, Silber,
Bismut, Nickel, Cobalt und Kombinationen davon ausgewählt.
[0034] Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist das zweite Legierungselement Nickel. Bei
der galvanischen Abscheidung wird dann eine Zinnlegierung gebildet, die Zinn und Nickel
enthält. Nach dieser Ausführungsform kann eine besonders kostengünstige Beschichtung
mit guter Korrosionsbeständigkeit im sauren, neutralen und alkalischen Bereich erhalten
werden.
[0035] In stark sauren Medien, also wässrigen Medien mit einem pH-Wert von kleiner 2,5,
wie zum Beispiel Schwefelsäure, kann es zu einem langsamen Austrag von Nickel aus
einer Zinn-Nickel-Legierung und damit zu einer langsamen Zersetzung des Materials
kommen. Um die Beständigkeit auch bei niedrigen pH-Werten zu verbessern, kann der
Nickelgehalt in der Zinnlegierung reduziert werden, also Nickel durch andere zweite
oder durch dritte Legierungselemente anteilig oder vollständig ersetzt werden.
[0036] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist das zweite Legierungselement
daher aus Kupfer, Silber, Bismut, Cobalt und Kombinationen davon ausgewählt. Bevorzugt
wird nur ein zweites Legierungselement verwendet. Besonders bevorzugt ist das zweite
Legierungselement Kupfer, Silber oder Bismut.
[0037] Der Dispersionselektrolyt kann Ionen eines dritten Legierungselements enthalten,
das zusammen mit Zinn und dem zweiten Legierungselement galvanisch abgeschieden werden
kann. Das dritte Legierungselement ist von Zinn und dem zweiten Legierungselement
verschieden. Es wird typischerweise aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink, Silber, Gold,
Antimon, Kupfer, Cadmium, Bismut, Mangan, Wolfram und Kombinationen davon ausgewählt.
Bevorzugt ist das dritte Legierungselement aus Nickel, Cobalt, Antimon, Kupfer, Cadmium,
Bismut und Kombinationen davon ausgewählt. Bevorzugt wird nur ein drittes Legierungselement
verwendet.
[0038] Falls vorhanden, liegen die Ionen des dritten Legierungselements in dem Dispersionselektrolyten
typischerweise in einer Konzentration von bis zu 40 g/L vor. Bei mehreren unterschiedlichen
dritten Legierungselementen entspricht die Konzentration der Gesamtkonzentration.
Die Ionen des dritten Legierungselements liegen bevorzugt in einer Konzentration von
1 bis 20, mehr bevorzugt 1 bis 15 g/L, vor.
[0039] Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist Nickel das zweite Legierungselement und
das dritte Legierungselement aus Cobalt, Chrom, Zink, Silber, Gold, Antimon, Kupfer,
Cadmium, Bismut, Mangan und Wolfram ausgewählt. Nach dieser Ausführungsform wird also
eine Zinn-Nickel-Legierung abgeschieden, bei der gewissermaßen Nickel teilweise durch
das dritte Legierungselement ersetzt ist. Hierdurch kann die Korrosionsbeständigkeit
gegenüber wässrigen stark sauren Medien im Vergleich zu einer entsprechenden Zinn-Nickel-Legierung
ohne das dritte Legierungselement verbessert werden. Bevorzugt ist das dritte Legierungselement
bei dieser Ausführungsform aus Cobalt, Kupfer und Antimon ausgewählt.
[0040] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsformen ist das zweite Legierungselement
Cobalt und das dritte Legierungselement aus Nickel, Chrom, Zink, Silber, Gold, Antimon,
Kupfer, Cadmium, Bismut, Mangan und Wolfram ausgewählt. Es wird eine gute Korrosionsbeständigkeit
im Sauren erhalten. Bevorzugt ist das dritte Legierungselement bei dieser Ausführungsform
aus Nickel, Antimon und Kupfer ausgewählt.
[0041] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsformen ist das zweite Legierungselement
Kupfer und das dritte Legierungselement aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink, Silber, Gold,
Antimon, Cadmium, Bismut, Mangan und Wolfram ausgewählt. Es wird eine gute Korrosionsbeständigkeit
im Sauren erhalten. Bevorzugt ist das dritte Legierungselement bei dieser Ausführungsform
aus Nickel, Antimon und Cobalt ausgewählt.
[0042] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsformen ist das zweite Legierungselement
Silber und das dritte Legierungselement aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink, Gold, Antimon,
Kupfer, Cadmium, Bismut, Mangan und Wolfram ausgewählt. Es wird eine gute Korrosionsbeständigkeit
im Sauren erhalten. Bevorzugt ist das dritte Legierungselement bei dieser Ausführungsform
aus Kupfer, Antimon und Cadmium ausgewählt.
[0043] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsformen ist das zweite Legierungselement
Bismut und das dritte Legierungselement aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink, Silber, Gold,
Antimon, Kupfer, Cadmium, Mangan und Wolfram ausgewählt. Es wird eine gute Korrosionsbeständigkeit
im Sauren erhalten. Bevorzugt ist das dritte Legierungselement bei dieser Ausführungsform
aus Kupfer, Antimon und Nickel ausgewählt.
[0044] Nach diesen weiteren bevorzugten Ausführungsformen kann mit dem Dispersionselektrolyten
eine Zinnlegierung galvanisch abgeschieden werden, die eine besonders gute Korrosionsbeständigkeit,
insbesondere gegenüber wässrigen stark sauren Medien, aufweist.
[0045] In dem Dispersionselektrolyten sind insbesondere die Zinnionen in einer Konzentration
von 5 bis 80 g/L, bevorzugt 10 bis 70 g/L, mehr bevorzugt 20 bis 60 g/L, die Ionen
des zweiten Legierungselements in einer Konzentration von 2 bis 80 g/L, bevorzugt
5 bis 70 g/L, und optional die Ionen des dritten Legierungselements in einer Konzentration
von 1 bis 20 g/L, bevorzugt 1 bis 15 g/L, enthalten. Der Elektrolyt ist lagerstabil
und kann bei diesen Konzentrationen ökonomisch, d.h. mit angemessenen Abscheidungsraten
betrieben werden.
[0046] Die Konzentration der Zinnionen, der Ionen des zweiten Legierungselements und, falls
vorhanden, des dritten Legierungselement werden so ausgewählt, dass eine Zinnlegierungsschicht
mit der unten angegebenen Zusammensetzung bzw. eine bevorzugte Ausführungsform davon,
erhalten wird. Da Zinn und die verschiedenen zweiten und dritten Legierungselemente
unterschiedlich edel bzw. unedel sind, spiegelt die Zusammensetzung der Legierung
oftmals nicht das Verhältnis der Ionen in dem Dispersionselektrolyten wider. Im Allgemeinen
führt eine höhere Konzentration von den Ionen eines Elements im Elektrolyten auch
zu einem vermehrten Einbau des Elements in die Zinnlegierung und umgekehrt eine niedrigere
Konzentration zu einem verringerten Einbau des Elements in der Zinnlegierung.
[0047] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält der Dispersionselektrolyt
mindestens eine weitere organische Verbindung, die von dem Dispergiermittel verschieden
ist. Die weitere organische Verbindung kann beim galvanischen Abscheiden der Zinnlegierungsschicht
zersetzt werden und so als Kohlenstoffquelle für die Zinnlegierung dienen, also zu
einem Einbau von Kohlenstoff in die Zinnlegierung führen. Kohlenstoff kann demnach
als viertes Legierungselement in der Zinnlegierung enthalten sein. Die weitere organische
Verbindung kann also als Vorläufer-Verbindungen von Kohlenstoff verstanden werden
und zu einem vermehrten Einbau von Kohlenstoff in die Zinnlegierung führen. Es ist
jedoch auch möglich, dass Kohlenstoff auf anderem Wege, beispielsweise durch eine
Zersetzung des Dispergiermittels oder anderer Zusätze des Elektrolyten, gewissermaßen
als Verunreinigung gebildet wird.
[0048] Die weitere organische Verbindungen kann in dem Dispersionselektrolyten typischerweise
in einer Gesamtkonzentration von bis zu 100 g/L, bevorzugt bis zu 50 g/L, enthalten
sein.
[0049] Als weitere organische Verbindungen können beispielsweise übliche Glanzbildner eingesetzt
werden, zum Beispiel Xanthogenate, Carbamate, Türkischrotöl, ein Keton (zum Beispiel
Benzalaceton), ein aromatischer Aldehyd (zum Beispiel Naphthaldehyd). Die weitere
organische Verbindung umfasst bevorzugt ein Xanthogenat, ein Carbamat, Türkischrotöl,
Benzalaceton (4-Phenylbutenon), Naphthaldehyd und Kombinationen davon oder sie besteht
daraus. Besonders bevorzugt umfasst die weitere organische Verbindung Benzalaceton
und/oder Naphthaldehyd oder sie besteht daraus.
[0050] Der aus den organischen Verbindungen gebildete Kohlenstoff liegt insbesondere in
nanoskalarer oder atomarer Form in der Legierung vor, also in Form von Kohlenstoffgebilden
mit einer Größe von bis zu 5 nm, insbesondere bis zu 2 nm, oder als einzelne Kohlenstoffatome
oder Gruppierungen von einigen Kohlenstoffatomen. Der Kohlenstoff bildet dabei einen
Legierungsbestandteil und kann somit von diskreten Partikeln, wie beispielsweise den
unten beschriebenen elektrisch leitfähigen Partikeln aus einem Kohlenstoffmaterial,
unterschieden werden, die keinen Legierungsbestandteil darstellen. Der Nachweis kann
über das unten angegebene Verfahren zur Bestimmung der Zusammensetzung erfolgen. Der
Nachweis und die Größenmessung kann auch mittels Transmissionselektronenmikroskopie
(TEM) erfolgen.
[0051] Überraschend wurde gefunden, dass auch der Einbau von Kohlenstoff in die Zinnlegierung
zu einer guten Korrosionsbeständigkeit der Zinnlegierungsschicht führt. Daher können
die zweiten und/oder dritten Legierungselemente teilweise durch günstigen Kohlenstoff
ersetzt werden. Weiterhin kann der Einbau von Kohlenstoff zu einer Erhöhung der elektrischen
Leitfähigkeit führen.
[0052] Nach einer weiteren Ausführungsform umfasst der Dispersionselektrolyt als weitere
Partikel elektrisch leitfähige Partikel aus einem Kohlenstoffmaterial, bevorzugt Graphitpartikel,
in einer Gesamtkonzentration von 1 bis 100 g/L, bevorzugt 2 bis 50 g/L, mehr bevorzugt
5 bis 40 g/L. Mit diesen Partikeln können beispielsweise die tribologischen Eigenschaften
der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht verbessert oder der Kontaktwiderstand gegenüber
Metallen reduziert werden. Nach einer weiteren Ausführungsform enthält der Dispersionselektrolyt
keine elektrisch leitfähigen Partikel aus einem Kohlenstoffmaterial und bevorzugt
keine weiteren Partikel als die Partikel, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen davon.
[0053] Die weiteren Partikel weisen bevorzugt eine Partikelgröße gemäß den oben für die
Partikel beschriebenen Ausführungsformen auf.
[0054] Enthält der Dispersionselektrolyt zusätzlich zu den Partikeln, ausgewählt aus anorganischen
piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen
davon, noch weitere Partikel, so übersteigt die Gesamtmenge an Partikeln, also der
gesamte Feststoffgehalt, in dem Dispersionselektrolyten typischerweise nicht 200 g/L,
bevorzugt nicht 150 g/L, mehr bevorzugt nicht 120 g/L. Somit kann eine gute Mischbarkeit
des Dispersionselektrolyten und zu starkes agglomerieren von Partikeln in der abgeschiedenen
Schicht vermieden werden.
[0055] Um eine effiziente Dispersion der Partikel und, falls vorhanden, der weiteren Partikel
in dem Elektrolyten zu erhalten und größere Verklumpungen der Partikel in der Zinnlegierungsschicht
zu vermeiden, enthält der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt mindestens ein anionisches
und/oder mindestens ein nichtionisches Dispergiermittel. Typischerweise weist ein
anionisches Dispergiermittel Sulfatgruppen (OSO
3-), Sulfonatgruppen (SO
3-), Carboxylatgruppen (CO
2-) oder Carboxygruppen (CO
2H), die in wässriger Lösung dann als Anionen vorliegen können, auf. Als Gegenionen
sind in der Regel H
+, Alkalimetallionen, bevorzugt K
+ und/oder Na
+, und/oder Ammoniumionen (NH
4+) vorhanden, weil diese in einer guten Wasserlöslichkeit resultieren, die Leitfähigkeit
erhöhen können und die galvanische Abscheidung nicht negativ beeinflussen. Der Elektrolyt
enthält daher entsprechend auch Gegenionen des anionischen Dispergiermittels, bevorzugt
Na
+ und/oder K
+. Sulfatgruppen und Sulfonatgruppen liegen bei dem pH-Wert des Dispersionselektrolyten
dissoziiert, also in nicht protonierter Form, vor. Carboxygruppen und Carboxylatgruppen
können hingegen im Gleichgewicht miteinander stehen.
[0056] Das anionische und/oder nichtionische Dispergiermittel wird typischerweise in einer
Gesamtkonzentration von 0,1 bis 100 g/L in dem Dispersionselektrolyten eingesetzt.
Es wird insbesondere in einer Gesamtkonzentration von 0,5 bis 50 g/L, bevorzugt 0,6
bis 20 g/L, in dem Elektrolyten eingesetzt. Die geeignete Menge des Dispergiermittel
kann sich je nach Art des Dispergiermittels unterscheiden. Grundsätzlich wird die
Dispersion der Partikel verbessert, je mehr Dispergiermittel eingesetzt wird.
[0057] In dem Dispersionselektrolyten liegt das Gewichtsverhältnis von dem Dispergiermittel,
ausgewählt aus anionischen Dispergiermitteln, nichtionischen Dispergiermitteln und
Kombinationen davon, zu der Gesamtmenge an Partikeln (also dem Feststoffgehalt), also
die Partikel und falls vorhanden die optionalen weiteren Partikel, insbesondere im
Bereich von 25:1 bis 1:80, bevorzugt 5:1 bis 1:60, mehr bevorzugt 1:5 bis 1:50.
[0058] Beispiele für nichtionische Dispergiermittel sind Polyalkylenglycolether, insbesondere
Polyethylenglycolether, Alkylpolyglucoside oder Alkylpolyalkylenglycolether und Kombinationen
davon.
[0059] Nach einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das Dispergiermittel mindestens ein
anionisches Dispergiermittel oder es besteht daraus. Bevorzugt sind dabei mindestens
60 Gew.-% oder mehr, mehr bevorzugt mindestens 80 Gew.-% oder mehr des Dispergiermittels
ein oder mehrere anionische Dispergiermittel.
[0060] Nach einer weiterhin bevorzugten Ausführungsform umfasst das Dispergiermittel mindestens
ein anionisches Dispergiermittel, ausgewählt aus Sulfat-Verbindungen, die eine Alkylgruppe,
eine Aralkylgruppe oder eine aromatische Gruppe mit jeweils bis zu 30 Kohlenstoffatomen
aufweisen, Sulfonat-Verbindungen, die eine Alkylgruppe, eine Aralkylgruppe oder eine
aromatische Gruppe mit jeweils bis zu 30 Kohlenstoffatomen aufweisen, und Carboxy-
oder Carboxylatgruppen-haltigen Polymeren, oder es besteht daraus.
[0061] Mehr bevorzugt umfasst das anionische Dispergiermittel mindestens ein anionisches
Dispergiermittel, ausgewählt aus Sulfat-Verbindungen mit einer Alkylgruppe mit 6 bis
24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen, Sulfat-Verbindungen
mit einer Aralkylgruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen,
Sulfonat-Verbindungen, die eine aromatische Gruppe mit jeweils 6 bis 24 Kohlenstoffatomen,
bevorzugt 6 bis 14 Kohlenstoffatomen, aufweisen, und Kombinationen davon. Es kann
auch daraus bestehen.
[0062] Nach einer besonders bevorzugten Ausführungsform umfasst das anionische Dispergiermittel
mindestens ein erstes anionisches Dispergiermittel, das aus Sulfat-Verbindungen mit
einer Alkylgruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen,
Sulfat-Verbindungen mit einer Aralkylgruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt
mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen, und Kombinationen davon ausgewählt ist, und mindestens
ein zweites anionisches Dispergiermittel, das aus Sulfonat-Verbindungen, die eine
aromatische Gruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt 6 bis 14 Kohlenstoffatomen,
aufweisen, ausgewählt ist. Bevorzugt besteht das anionische Dispergiermittel aus mindestens
einem ersten und mindestens einem zweiten anionischen Dispergiermittel. Diese werden
insbesondere in einem Gewichtsverhältnis von erstem anionischen Dispergiermittel zu
zweitem anionischen Dispergiermittel von 1:10 bis 10:1, bevorzugt 1:8 bis 3:1, mehr
bevorzugt 1:3 bis 2:1 eingesetzt. Die Kombination von erstem und zweiten Dispergiermittel
ist vorteilhaft für eine effektive Dispersion der Partikel und eine Benetzung der
Oberfläche des zu beschichtenden Substrats, was die Abscheidung verbessern kann.
[0063] Die Sulfat-Verbindungen mit einer Alkylgruppe sind bevorzugt aus Alkylsulfaten, Alkyl-Polyether-Sulfaten,
Alkyl-Aryl-Polyether-Sulfaten und Kombinationen davon ausgewählt. Die Alkylgruppe
mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, bevorzugt 10 bis 20 Kohlenstoffatomen, stammt dabei
insbesondere von einem Fettalkohol. Polyethergruppen sind bevorzugt Polyethylenglycolgruppen.
[0064] Die Sulfonat-Verbindungen mit einer aromatischen Gruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen,
bevorzugt 6 bis 14 Kohlenstoffatomen, sind bevorzugt aus Arylsulfonaten und Polymeren
mit aromatischen Sulfonatgruppen ausgewählt. Besonders bevorzugt sind als Arylsulfonate
Benzolsulfonsäure, Phenolsulfonsäure und Naphthalinsulfonsäure, insbesondere Naphthalinsulfonsäure,
und Salze davon. Bei Polymeren mit aromatischen Sulfonatgruppen weisen die zugrundeliegenden
aromatischen Gruppen bevorzugt jeweils 6 bis 14 Kohlenstoffatome auf und sind insbesondere
von Benzolsulfonsäure, Phenolsulfonsäure und Naphthalinsulfonsäure und Salzen davon
abgeleitet. Solche Polymere sind beispielsweise Polykondensate von aromatischen Sulfonat-Verbindungen,
wie z.B. Benzolsulfonsäure, Phenolsulfonsäure und Naphthalinsulfonsäure bzw. Salzen
davon, mit Formaldehyd, insbesondere Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-Polykondensate
und Salze davon, beispielsweise Tamol
® von BASF SE.
[0065] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält der Dispersionselektrolyt
weiterhin ein Leitmedium. Als Leitmedium wird eine molekulare Verbindung verstanden,
die in dem Dispersionselektrolyten in Form von Ionen vorliegt und dadurch dessen Leitfähigkeit
erhöht. Das Leitmedium ist von den Salzen der Legierungselemente und dem unten angegebenen
Leitsalz verschieden. Als Leitmedium kann beispielsweise eine Sulfonsäure mit 1 bis
4 Kohlenstoffatomen, bevorzugt Methylsulfonsäure, oder ein Salz davon eingesetzt werden.
Bevorzugt wird die Sulfonsäure eingesetzt. Das Leitmedium kann zusätzlich zu dem Dispergiermittel
eingesetzt werden. Mit dem Leitmedium können die Abscheidungsraten erhöht werden.
Weiterhin kann die Sulfonsäure auch als Reduktionsmittel für Zinnionen (Sn
4+ zu Sn
2+) dienen. Das Leitmedium wird insbesondere in einer Konzentration von 1 bis 40 g/L,
bevorzugt 5 bis 20 g/L, eingesetzt.
[0066] Der Dispersionselektrolyt weist einen pH-Wert von 7 oder weniger auf. Der pH-Wert
kann sich direkt aus den Bestandteilen des Dispersionselektrolyten ergeben oder durch
Zugabe von Säuren oder Basen, insbesondere von Salzsäure, Schwefelsäure, Sulfaminsäure,
Natriumhydroxid, Ammoniak, Kaliumhydroxid oder einer wässrigen Lösung davon, bevorzugt
Salzsäure, Schwefelsäure oder Kaliumhydroxid, eingestellt werden.
[0067] Weiterhin kann der Dispersionselektrolyt übliche Additive enthalten, wie sie auch
von herkömmlichen Elektrolyten für das galvanische Abscheiden von Zinnlegierungsschichten
bekannt sind.
[0068] Beispielsweise können dem Elektrolyten übliche Leitsalze zugegeben werden, die die
Leitfähigkeit des Elektrolyten erhöhen. Das Leitsalz kann auch die Löslichkeit des
Zinns bzw. der anderen Legierungselemente erhöhen. Das Leitsalz ist beispielsweise
aus Natriumchlorid, Kaliumchlorid, Natriumsulfat, Kaliumsulfat, Ammoniumchlorid, Natriumacetat,
Kaliumacetat, Ammoniumacetat, Ammoniumfluorid, Ammoniumbifluorid, Natriumfluorid und
Kaliumfluorid und Kombinationen davon, bevorzugt aus Ammoniumfluorid, Ammoniumbifluorid,
Ammoniumacetat und Kombinationen davon, ausgewählt.
[0069] Das Leitsalz kann typischerweise in einer Konzentration von 5 bis 70 g/L, bevorzugt
10 bis 65 g/L, mehr bevorzugt 40 bis 60 g/L, in dem Elektrolyten enthalten sein.
[0070] Weiterhin können dem Dispersionselektrolyten beispielsweise Komplexbildner zugegeben
werden, um die Zinnionen oder Ionen des Legierungselements stabil in Lösung zu halten
oder zu mobilisieren, so dass die partikelhaltige Schicht gleichmäßig und mit guter
Abscheidungsrate gebildet werden kann. Als Komplexbildner können grundsätzlich alle
dem Fachmann bekannten, für Zinn- bzw. Elektrolyte der Legierungselemente verwendete
Komplexbildner eingesetzt werden. Vorzugsweise ist der Komplexbildner mindestens eine
Chelat-bildende, wasserlösliche, organische Verbindung, die mindestens drei funktionelle
Gruppen, ausgewählt aus Aminogruppen, Carboxygruppen und Carboxylatgruppen, aufweist.
Von den funktionellen Gruppen sind bevorzugt mindestens zwei Gruppen Aminogruppen.
Die Aminogruppen sind aus primären, sekundären und tertiären Aminogruppen ausgewählt.
Weiter bevorzugt enthält der Komplexbildner eine oder mehrere sekundäre und/oder tertiäre
Aminogruppen. Die zur Koordination vorgesehenen funktionellen Gruppen sind typischerweise
durch 2 oder 3 Kohlenstoffatome voneinander beabstandet, sodass sich ein stabiler
Chelat-Komplex bilden kann.
[0071] Besonders bevorzugt ist der Komplexbildner mindestens einer, ausgewählt aus der Gruppe,
bestehend aus EDTA, DETA, DOTA und DOTATOC. EDTA steht für Ethylendiamintetraessigsäure.
DETA bezeichnet Diethylentriamin. DOTA steht für 1,4,7,10-Tetraazacyclododecan-1,4,7,10-tetraessigsäure.
DOTATOC bezeichnet einen von DOTA abgeleiteten Komplexbildner, bei dem ein DOTA-Molekül
über eine Amidbindung mit dem N-Terminus eines Oktapeptids (insbesondere Phe-Cys-Tyr-Lys-Thr-Cys-Thr)
verbunden ist.
[0072] Die eingesetzte Menge des Komplexbildners richtet sich vor allem nach der Konzentration
der Zinnionen bzw. der Konzentration der Ionen der zweiten und dritten Legierungselemente
im Dispersionselektrolyten. Üblicherweise ist der Komplexbildner in einer Konzentration
von 5 bis 70 g/L, bevorzugt 10 bis 65 g/L, mehr bevorzugt 40 bis 60 g/L, in dem Elektrolyten
enthalten.
[0073] Der Dispersionselektrolyt kann durch Mischen bzw. Auflösen eines Zinnsalzes, eines
Salzes eines zweiten Legierungselements, eines Salzes des optionalen dritten Legierungselements,
der optionalen organischen Verbindung und der weiteren Komponenten, also insbesondere
das anionische Dispergiermittel, die Partikel, Wasser und optional ein Leitmedium,
ein Leitsalz und/oder ein Komplexbildner, gebildet werden. Die Partikel sowie, falls
vorhanden, die weiteren Partikel können vorteilhafterweise als pulverförmiger Feststoff
zugegeben werden, ohne dass es notwendig ist, diese separat zu dispergieren oder zum
Dispergieren das Gemisch mit Ultraschall zu behandeln. Beim Bilden des Elektrolyten
wird vorzugsweise gerührt und bei Bedarf etwas erwärmt, um das Auflösen bzw. Dispergieren
der Komponenten zu beschleunigen. Der pH-Wert kann bei Bedarf, wie oben beschrieben,
eingestellt werden.
[0074] Der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt kann vorteilhafterweise im großen Maßstab
hergestellt werden und ist somit für industrielle Anwendungen geeignet. Der Elektrolyt
ist lagerfähig, wobei ggf. abgesetzte Partikel durch Rühren oder ähnliches wieder
dispergiert werden können.
[0075] Als weiteren Aspekt betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zum galvanischen
Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht. Das
Verfahren umfasst das galvanische Abscheiden der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht
auf einem metallischen oder metallisierten Substrat unter Verwendung des Dispersionselektrolyten
gemäß zumindest einer hierin beschriebenen Ausführungsform.
[0076] Über das Verfahren ist ein beschichtetes Substrat mit einer partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht
erhältlich, für das die oben beschriebenen Vorteile erhalten werden. Es kann insbesondere
ein beschichtetes Substrat sein, wie es unten näher beschrieben ist. Durch das Verfahren
werden die Partikel zumindest teilweise an der Oberfläche der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht
angeordnet, sodass sie einen Teil der Oberfläche bilden. Die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht
wird typischerweise als Endschicht, also als äußerste Schicht, auf dem Substrat erzeugt.
[0077] Das Verfahren kann mit allen gängigen Vorrichtungen für das galvanische Abscheiden
von Zinnlegierungsschichten durchgeführt werden, beispielsweise mittels Gestell- oder
Trommelgalvanisierung. Typischerweise wird der Elektrolyt während der Abscheidung
durchmischt, beispielsweise gerührt oder mittels einer Vorrichtung umgewälzt. Bevorzugt
wird gerührt, beispielsweise mit 100 bis 700 Umdrehungen pro Minute (U/min = rpm).
[0078] Das metallische oder metallisierte Substrat wird in dem Verfahren als Kathode geschaltet.
Es kann beispielsweise ein metallisches Bauteil, zum Beispiel eine elektronische Komponente,
also beispielsweise ein Kontakt, ein Schalterteil oder eine Elektrode sein. Das metallische
oder metallisierte Substrat kann ganz oder teilweise aus einem oder mehreren Metallen
bestehen. Beispielhafte Metalle sind Aluminium, Silber, Kupfer, Nickel, Edelmetalle
wie Palladium oder Platin, Stahl, Edelstahl, Messing und/oder Bronze. Als Substrat
kann auch eine Metallschicht verwendet werden, die galvanisch beschichtet werden kann,
also beispielsweise ein metallisierter Kunststoff, insbesondere mit einer Metallschicht
aus Kupfer, Nickel, Silber und/oder Edelmetallen wie Palladium oder Platin. Die Herstellung
von metallisierten Kunststoffen ist beispielsweise in
DE 21 26 781 C1 oder
WO 2020/225052 A1, insbesondere in den Beispielen, beschrieben.
[0079] Die zu beschichtende Oberfläche kann zuvor nach gängigen Methoden gereinigt, beispielsweise
entfettet, werden. Das Substrat kann auch vor dem Abscheiden der partikelhaltigen
Zinnlegierungsschicht mit einer oder mehreren Schichten, zum Beispiel aus Kupfer,
Nickel und/oder Silber beschichtet werden, die die Haftung an dem Substrat verbessern
können. Solche Schichten können galvanisch auf einem metallischen oder metallisierten
Substrat und stromlos (also chemisch) auf einem polaren oder funktionalisierten Kunststoff
abgeschieden werden, wie es beispielsweise in
DE 21 26 781 C1 oder
WO 2020/225052 A1 beschrieben ist.
[0080] Als Anode können beispielsweise Zinnanoden verwendet werden. Dadurch kann der Gehalt
an Zinnionen im Elektrolyten einfach kontrolliert werden. Es können auch mehrere Anoden,
bzw. Anoden eines oder einer Kombination der Legierungselemente verwendet werden.
[0081] Das Verfahren ermöglicht eine große Flexibilität bei der Verfahrensführung. Die partikelhaltige
Zinnlegierungsschicht kann insbesondere über einen großen Stromdichtebereich, beispielsweise
mit einer Stromdichte von 0,1 bis 10 A/dm
2, bevorzugt 0,5 bis 5 A/dm
2, abgeschieden werden.
[0082] Das Verfahren wird typischerweise bei einer Temperatur von 5 bis 85°C, bevorzugt
10 bis 85°C, mehr bevorzugt 50 bis 80°C, noch mehr bevorzugt 60 bis 70°C, durchgeführt.
[0083] In dem Verfahren kann die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht weitgehend homogen,
also mit einer recht gleichmäßigen Verteilung der Partikel abgeschieden werden. Gemäß
einer weiteren Ausführungsform kann die galvanische Abscheidung so durchgeführt werden,
dass die Partikel (und/oder falls vorhanden die weiteren Partikel) einen Gradienten
aufweisen. Beispielsweise kann die Partikelkonzentration im Innern der Zinnlegierungsschicht
höher als an der Außenseite sein. Bevorzugt ist die Partikelkonzentration außen höher
als im Innern der Zinnlegierungsschicht.
[0084] Ein Gradient kann beispielsweise dadurch erhalten werden, dass die Durchmischung
modifiziert, die Stromdichte modifiziert oder während der Abscheidung die Konzentration
der Partikel verändert wird. Eine höhere Durchmischung führt in der Regel zu einer
vermehrten Einlagerung von Partikeln. Eine höhere Stromdichte führt in der Regel zu
einer vermehrten Abscheidung der Zinnlegierung. Weiterhin können auch mehre Elektrolyte,
die sich beispielsweise in der Partikelkonzentration, der Zinnionenkonzentration und/oder
der Konzentration der Ionen des zweiten und/oder dritten Legierungselements unterscheiden,
verwendet werden, um das Substrat mehrstufig galvanisch zu beschichten.
[0085] Grundsätzlich kann das Verfahren dazu verwendet werden, eine partikelhaltige Zinnlegierungsschicht
mit beliebiger Schichtdicke zu erzeugen. Beispielsweise kann die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht
mit einer Schichtdicke von bis zu 200 µm oder bis zu 100 µm gebildet werden. Typischerweise
wird die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht mit einer Dicke von 4 bis 50 pm, bevorzugt
5 bis 30 µm und mehr bevorzugt 5 bis 20 µm, abgeschieden. Die Schichtdickenmessung
erfolgt mittels Röntgenfluoreszenzmessung gemäß DIN EN ISO 3497 (2001-12), beispielsweise
mit einem Fischerscope X-Ray Röntgenfluoreszenzmessgerät XDAL für Schichtdicken bis
20 µm. Bei Schichtdicken von mehr als 20 µm wird die Schichtdicke am Querschnitt der
Schicht mit einem Mikroskop bestimmt. Typischerweise wird so abgeschieden, dass die
Dicke der Zinnlegierung größer als die Partikel ist.
[0086] Als weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein beschichtetes Substrat mit
einer partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht beschrieben. Die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht
umfasst 100 Gewichtsteile Zinnlegierung und insgesamt 0,5 bis 250 Gewichtsteile mindestens
einer Art von Partikeln, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen Partikeln,
elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen davon. Die Zinnlegierung
enthält
- 5 Gew.-% oder mehr und 50 Gew.-% oder weniger eines zweiten Legierungselements, das
aus Kupfer, Silber, Bismut, Nickel, Cobalt, Cadmium, Zink, Mangan und Kombinationen
davon ausgewählt ist,
- optional ein drittes Legierungselement, das von Zinn und dem zweiten Legierungselement
verschieden ist, und
- optional Kohlenstoff
und besteht zum Rest aus Zinn und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen. Die Partikel
werden nicht zur Zinnlegierung gerechnet.
[0087] Unvermeidbare Verunreinigungen können sich beispielsweise durch Zersetzung von Elektrolytbestandteilen
ergeben und beispielsweise zum Einbau von Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff und/oder
Bor führen. Das heißt, es kann auch ohne den Einsatz der oben beschriebenen weiteren
organischen Verbindungen im Dispersionselektrolyten zu einem gewissen Einbau von Kohlenstoff
in die Zinnlegierung kommen. Der Gehalt ist dann jedoch typischerweise geringer, als
wenn gezielt eine der obigen weiteren organischen Verbindungen verwendet wird.
[0088] Die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht bildet typischerweise eine äußerste Schicht
auf dem beschichteten Substrat. Die Partikel sind zumindest teilweise an der Oberfläche
der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht angeordnet, so dass sie einen Teil der
Oberfläche der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht bzw. der äußersten Schicht des
beschichteten Substrats bilden.
[0089] Die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht enthält die Partikel insbesondere zu 1
bis 200 Gewichtsteilen, bevorzugt 5 bis 150 Gewichtsteilen, mehr bevorzugt 10 bis
100 Gewichtsteilen, bezogen auf 100 Gewichtsteile Zinnlegierung.
[0090] Das beschichtete Substrat mit der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht ist durch
das Verfahren zum galvanischen Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen
Zinnlegierungsschicht unter Verwendung des Dispersionselektrolyten nach zumindest
einer hierin beschrieben Ausführungsform erhältlich. Es werden daher die oben beschriebenen
Vorteile erhalten. Das Substrat ist, wie oben beschrieben, ein metallisches oder metallisiertes
Substrat, das mit der partikelhaltigen Zinnschicht beschichtet ist.
[0091] Weiterhin haben die oben beschriebenen optionalen und bevorzugten Ausführungsformen
in analoger Weise für das beschichtete Substrat Geltung. Das gilt insbesondere für
das Substrat, das mit der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht beschichtet ist,
die Schichtdicken, die Partikelgrößen, die optionalen weiteren Partikel, den optionalen
Gradienten der Partikel und die Ausführungsformen, betreffend die zweiten und dritten
Legierungselemente.
[0092] Falls vorhanden, liegen die weiteren Partikel aus einem leitfähigen Kohlenstoffmaterial
zu 1 bis 100 Gewichtsteilen, bevorzugt 2 bis 50 Gewichtsteilen, mehr bevorzugt 3 bis
30 Gewichtsteilen, bezogen auf 100 Gewichtsteile Zinnlegierung in der partikelhaltigen
Schicht vor. Die Gesamtmenge an Partikeln übersteigt typischerweise dann nicht 250
Gewichtsteile, bevorzugt nicht 200 Gewichtsteile, mehr bevorzugt nicht 150 Gewichtsteile,
bezogen auf 100 Gewichtsteile Zinnlegierung.
[0093] Die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht ist insbesondere mechanisch stabil und
im sauren, neutralen und im alkalischen Bereich korrosionsbeständig.
[0094] Nach einer bevorzugten Ausführungsform besteht die Zinnlegierung zu 50 Gew.-% oder
mehr, bevorzugt 65 Gew-% oder mehr, noch mehr zu 75 Gew.-% oder mehr aus Zinn.
[0095] Das zweite Legierungselement ist in der Zinnlegierung zu 5 Gew.-% oder mehr und 50
Gew.-% oder weniger, bevorzugt 5 bis 30 Gew.-%, mehr bevorzugt 10 bis 25 Gew.-%, noch
mehr bevorzugt zu 15 bis 20 Gew.-%, bezogen auf die Zinnlegierung, enthalten.
[0096] Die Zinnlegierung kann optional ein drittes Legierungselement enthalten, das von
Zinn und dem zweiten Legierungselement verschieden ist. Das dritte Legierungselement
ist typischerweise zu einem geringen Gehalt als das zweite Legierungselement enthalten.
Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist das dritte Legierungselement zu bis zu
10 Gew.-%, mehr bevorzugt 0,1 bis 5 Gew.-%, noch mehr bevorzugt 0,5 bis 3 Gew.-%,
beispielsweise 2 Gew.-%, in der Zinnlegierung enthalten. Wie oben ausgeführt, ist
das dritte Legierungselement insbesondere aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink, Silber,
Gold, Antimon, Kupfer, Cadmium, Bismut, Mangan, Wolfram und Kombinationen davon ausgewählt.
Bevorzugt ist das dritte Legierungselement aus Nickel, Cobalt, Antimon, Kupfer, Cadmium,
Bismut und Kombinationen davon ausgewählt.
[0097] Weiterhin kann die Zinnlegierung optional Kohlenstoff in einer Menge von bis zu 12
Gew.-% Kohlenstoff, insbesondere bis zu 10 Gew.-% Kohlenstoff, bevorzugt 5 bis 10
Gew.-% Kohlenstoff, enthalten. Wie oben beschrieben ist der Kohlenstoff ein Legierungsbestandteil
und liegt insbesondere in nanoskalarer oder atomarer Form vor.
[0098] Nach einer bevorzugten Ausführungsform enthält die Zinnlegierung der partikelhaltigen
Zinnlegierungsschicht
- 5 Gew.-% oder mehr und 50 Gew.-% oder weniger des zweiten Legierungselements,
- bis zu 10 Gew.-% des dritten Legierungselements, das von dem zweiten Legierungselement
verschieden ist und das aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink, Silber, Gold, Antimon, Kupfer,
Cadmium, Bismut, Mangan, Wolfram und Kombinationen davon ausgewählt ist, und
- optional bis zu 12 Gew.-% Kohlenstoff.
[0099] Die Legierung besteht zum Rest aus Zinn und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen.
[0100] Nach einer besonders bevorzugten Ausführungsform enthält die Zinnlegierung der partikelhaltigen
Zinnlegierungsschicht
- 5 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 10 bis 25 Gew.-%, Nickel als zweites Legierungselement,
- 0,1 bis 5 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 3 Gew.-%, des dritten Legierungselements, das
aus Cobalt, Chrom, Zink, Silber, Gold, Antimon, Kupfer, Cadmium, Bismut, Mangan, Wolfram
und Kombinationen davon, bevorzugt aus Cobalt, Kupfer und Antimon, ausgewählt ist,
und
- optional bis zu 10 Gew.-% Kohlenstoff.
[0101] Die Zinnlegierung besteht zum Rest aus Zinn und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen.
Die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht nach dieser Ausführungsform kann vergleichsweise
kostengünstig hergestellt werden und weist eine gute Korrosionsbeständigkeit auf.
Im stark sauren Bereich ist die Korrosionsbeständigkeit besser als bei einer entsprechenden
Zinn-Nickel-Legierung, bei der Nickel nicht anteilig durch das dritte Legierungselement
ersetzt ist.
[0102] Nach einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform enthält die Zinnlegierung
der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht
- 5 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 10 bis 25 Gew.-%, Kupfer, Cobalt, Silber oder Bismut als
zweites Legierungselement,
- 0,1 bis 5 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 3 Gew.-%, des dritten Legierungselements, das
von dem zweiten Legierungselement verschieden ist und aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink,
Silber, Gold, Antimon, Kupfer, Cadmium, Bismut, Mangan, Wolfram und Kombinationen
davon, bevorzugt aus Nickel, Cobalt, Antimon, Kupfer, Cadmium und Bismut ausgewählt
ist, und
- optional bis zu 10 Gew.-% Kohlenstoff.
[0103] Die Zinnlegierung besteht zum Rest aus Zinn und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen.
Die partikelhaltige Zinnlegierungsschicht nach dieser Ausführungsform weist eine besonders
gute Korrosionsbeständigkeit auf.
[0104] Wie oben ausgeführt, weist das beschichtete Substrat eine gute Korrosionsbeständigkeit
auf. Im Vergleich zu einem Substrat, das mit einer entsprechenden Zinnlegierungsschicht
ohne Partikel beschichtet ist, weist es zudem eine reduzierte Überspannung für elektrochemische
Reaktionen in wässrigen Medien auf. Das beschichtete Substrat wird daher beispielsweise
als elektronische Komponente, insbesondere als Schalter, Kontakt, Elektrode oder ein
anderes Bauteil einer elektrochemischen Zelle, verwendet. Bevorzugt wird es als Elektrode
einer elektrochemischen Zelle verwendet, beispielsweise in der Elektrolyse von Wasser
oder wässrigen Medien, insbesondere sauren wässrigen Medien wie Schwefelsäure. Dabei
kann es jeweils unabhängig als Anode, als Kathode sowie als Anode und als Kathode
verwendet werden.
[0105] Der erfindungsgemäße Dispersionselektrolyt kann daher zur Herstellung einer elektronischen
Komponente, insbesondere zur Herstellung eines Schalters, eines Kontakts, einer Elektrode
und eines Bauteils einer elektrochemischen Zelle, bevorzugt einer Elektrode, verwendet
werden.
[0106] Als weiterer Aspekt stellt die vorliegende Erfindung eine elektrochemische Zelle
bereit, die das beschichtete Substrat gemäß zumindest einer hierin beschriebenen Ausführungsform
umfasst. Bevorzugt dient das beschichtete Substrat dabei als Elektrode. Es kann unabhängig
voneinander als Anode, als Kathode, bevorzugt als Anode und als Kathode verwendet
werden. Beispiele für eine elektrochemische Zelle sind eine Redox-Flow-Batterie, eine
Brennstoffzelle und ein Elektrolyseur.
Beispiele
[0107] Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend durch Beispiele verdeutlicht. Sie ist
nicht auf diese Beispiele begrenzt.
Messverfahren
[0108] Es wurden die folgenden Messverfahren verwendet.
1) Schichtdicke
[0109] Die Schichtdickenmessung erfolgte mit einem Fischerscope X-Ray Röntgenfluoreszenzmessgerät
XDAL gemäß DIN EN ISO 3497 (2001-12). Es wird ein gemittelter Messwert angegeben.
2) Zusammensetzung
[0110] Die Analyse der Zusammensetzung der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht erfolgte
ebenfalls per Röntgenfluoreszenzanalyse auf der beschichteten Substratoberfläche mit
dem vorstehend genannten Gerät gemäß DIN EN ISO 3497 (2001-12). Die vermessene Fläche
betrug etwa 200 x 150 µm. Die Messwerte werden mit einer Genauigkeit von ± 2 Gew.-%
oder besser erhalten.
Vorbereitung der metallischen Substrate
[0111] Es wurden Stahlbleche (DC03) mit einer Größe von 50 x 120 x 0,4 mm für die Versuche
verwendet. Diese wurden wie folgt vorbehandelt:
| 1 |
Entfetten |
Entfetten SLOTOCLEAN AK 160 (02040) |
65°C |
5 min |
| 2 |
Spülen |
Wasser |
RT* |
|
| 3 |
Beizen |
wässrige HCl, 18%-ig, mit SLOTOCLEAN BEF 30 (01001) |
RT |
30 s |
| 4 |
Spülen |
Wasser |
RT |
|
| 5 |
Anodisches Entfetten |
Entfetten SLOTOCLEAN EL DCG (02037), 8 A/dm2 |
RT |
2 min |
| 6 |
Spülen |
Wasser |
RT |
|
| 7 |
Dekapieren |
wässrige HCl, 5%-ig |
RT |
30 s |
| 8 |
Spülen |
Wasser |
RT |
|
| 9 |
Abscheidung Zwischenschicht |
Nickel Strike, 3 A/dm2 |
RT |
6 min |
Reagenzien
[0112] Für die Versuche wurden u.a. die folgenden Reagenzien verwendet.
[0113] Slotoclean AK 160 (enthält NaOH und Dinatriummetasilikat), SLOTOCLEAN EL DCG (enthält
NaOH, Dinatriummetasilikat und Natriumcarbonat), und SLOTOCLEAN BEF 30 (enthält But-2-in-1,4-diol
und Isotridecanol ethoxyliert) sind Produkte der Fa. Dr.-Ing. Max Schlötter.
Nickel Strike: Nickelelektrolyt für die galvanische Abscheidung der Zwischenschicht,
Fa. Dr.-Ing. Max Schlötter, enthaltend 180 g/L NiCl2·6H2O nach DIN 50970, 8 g/L HCl (konzentriert), Wasser
SLOTOLOY NIT 11: Badzusatz der Fa. Dr.-Ing. Max Schlötter für glänzende Zinn-Nickel-Schichten,
enthaltend Diethylentriamin als Komplexbildner, Ammoniumhydrogendifluorid als Leitsalz,
Salzsäure.
Bariumtitanat (BaTiO3, Perowskit-Struktur): Partikelgröße 0,8 µm (Aspektverhältnis < 3,0) von Sigma Aldrich,
CAS: 12047-27-7
Bornitrid (BN, hexagonal): Partikelgröße etwa 1 pm, flockenförmig (Aspektverhältnis
> 3,0) von Sigma-Aldrich, CAS: 10043-11-5
Tamol®: Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-Polykondensate (Natriumsalze) der BASF SE
Beispiele 1 bis 4 und Vergleichsbeispiel 1
Herstellung der Elektrolyte
[0114] Für die Beispiele 1 bis 4 und das Vergleichsbeispiel 1 (VB1) wurden Elektrolyte mit
den folgenden Komponenten in einem Kunststoffbecherglas (2 L) angesetzt.
- 250 mL/L SLOTOLOY NIT 11 (Badzusatz)
- 48 g/L SnCl2·2H2O (entsprechend 25 g/L Sn)
- 243 g/L NiCl2·6H2O (entsprechend 60 g/L Ni)
- 0,9 g/L Tamol® (Dispergiermittel)
- destilliertes Wasser
- Bornitrid (BN) oder Bariumtitanat (BaTiO3) gemäß Tabelle 1
[0115] Hierfür wurden zunächst Wasser (400 mL/L Elektrolyt) vorgelegt und auf 65°C erwärmt.
Es wurden SnCl
2·2H
2O, NiCl
2·6H
2O, der Badzusatz und das Dispergiermittel zugegeben, der pH mit KOH auf 4,6 eingestellt
und die Feststoffe unter Rühren (400 U/min) bei 65°C aufgelöst. Nach dem vollständigen
Auflösen wurde mit Wasser aufgefüllt. Sodann wurde bei den Beispielen 1 und 2 pulverförmiges
Bornitrid (BN) und in den Beispielen 3 bis 4 pulverförmiges Bariumtitanat (BaTiO
3) langsam zugegeben und unter Rühren (400 U/min) dispergiert. Im Vergleichsbeispiel
1 wurden keine Partikel hinzugegeben. Der pH wurde durch Zugabe von Salzsäure und
Ammoniak erneut auf 4,6 eingestellt. Die Elektrolytmenge betrug jeweils 2 L.
Tabelle 1
| |
BN (hexagonal) [g/L] |
BaTiO3 (Perowskit-Struktur) [g/L] |
| Beispiel 1 |
10 |
- |
| Beispiel 2 |
20 |
- |
| Beispiel 3 |
- |
20 |
| Beispiel 4 |
- |
40 |
| Vergleichsbeispiel 1 |
- |
- |
Galvanische Beschichtung
[0116] Es wurden Stahlbleche, wie oben beschrieben, vorbehandelt und mit einer Nickelschicht
vorbeschichtet. Die so erhaltenen metallischen Substrate wurden jeweils wie folgt
galvanisch beschichtet.
[0117] Der Elektrolyt wurde in einem Kunststoffbecherglas (2 L) unter Verwendung eines Rührstäbchens
(40 mm) durchmischt (400 U/min). Die Stahlbleche wurden jeweils als Kathode geschaltet
und 10 cm tief in den Elektrolyten eingetaucht. Als Anode dienten zwei lösliche Ni-Elektroden
(25 x 120 x 5 mm), die beidseitig parallel zur Kathode jeweils mit einem Abstand von
4 cm angeordnet wurden. Die Eintauchtiefe der Anoden betrug ebenfalls 10 cm. Die beiden
parallel geschalteten Anoden wurden in Reihe mit dem Elektrolyten, der Kathode und
einer Gleichstromquelle geschaltet. Die Abscheidung erfolgte bei 65°C und einer Stromdichte
von 1 A/dm
2 für 35 min.
Beurteilung der abgeschiedenen Schichten
[0118] In den Beispielen 1 bis 4 sowie im Vergleichsbeispiel 1 (VB1) wurden jeweils dichte,
porenfreie und gut anhaftende Zinnlegierungsschichten abgeschieden. Die Schichtdicken
betrugen etwa 10 µm.
[0119] Die Fig. 1 und 2 zeigen Rasterelektronenmikroskopaufnahmen der Beispiele 1 und 2
bei einer Vergrößerung von 500. Der Fig. 1 kann entnommen werden, dass Bornitrid bei
einer Konzentration im Dispersionselektrolyten von 10 g/L in die Zinnlegierungsschicht
effektiv eingebaut wird. Die piezoelektrischen, also nicht elektrisch leitfähigen
Bornitrid-Partikel sind in Fig. 1 als helle Flächen zu erkennen. Die Bornitrid-Partikel
bilden also einen Teil der Oberfläche der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht aus.
Vereinzelt wurden Agglomerate von mehreren Partikeln beobachtet. Wie in Fig. 2 zu
sehen ist, wurden bei einer Konzentration von 20 g/L mehr Bornitrid-Partikel in die
Zinnlegierungsschicht eingebaut. Insbesondere in Beispiel 2 erfolgte der Einbau homogen
über die gesamte Schicht hinweg.
[0120] Für die Beispiele 1 und 2, 3, 4 und Vergleichsbeispiel 1 (VB1) wurde die Zusammensetzung
bestimmt (siehe Tabelle 2).
Tabelle 2
| Beispiel / Element |
1 [Gew.-%] |
2 [Gew.-%] |
3 [Gew.-%] |
4 [Gew.-%] |
VB1 [Gew.-%] |
| B |
3,5 |
14,5 |
- |
- |
- |
| C |
4,2 |
5,2 |
9,8 |
11,0 |
10,6 |
| N |
1,3 |
4,0 |
2,1 |
0,7 |
3,0 |
| O |
1,0 |
0,8 |
13,7 |
2,4 |
2,2 |
| Ni |
20,8 |
16,2 |
15,1 |
16,2 |
18,3 |
| Sn |
69,3 |
59,3 |
32,5 |
28,6 |
60,9 |
| Ti |
- |
- |
9,4 |
11,4 |
- |
| Ba |
- |
- |
19,4 |
27,5 |
- |
[0121] Die Analysen bestätigen den Einbau von Bornitrid bzw. Bariumtitanat in die Zinnlegierungsschichten
der Beispiele 1 bis 4.
Messung der Überspannungen
[0122] Die Bestimmung der Überspannung erfolgte in einer elektrochemischen Zelle von Gaskatel
(Flexcell PP) mit einer untersuchten Probenfläche von 3 cm
2. Die Überspannungen wurden für die alkalische Elektrolyse von Wasser in 30%-iger
wässriger KOH gemessen. Dabei wurde das Potential, ab dem ein Stromfluss beobachtet
wird, für die Entwicklung von Wasserstoff (HER) bzw. Sauerstoff (OER) bestimmt. Das
beschichtete Substrat wurde dabei als Elektrode in einer Kammer verwendet und als
Kathode bzw. Anode geschaltet. Als Referenzelektrode diente eine Normalwasserstoffelektrode
(Gaskatel Hydroflex). Die verwendete Gegenelektrode bestand aus gewickeltem Pt-Draht.
[0123] Als Überspannung wurde das gemessene Potential bei 25°C für einen Strom von -10 mA
(-3,3 mA/cm
2) abzüglich des theoretischen Potentials von 0 V für Wasserstoff (HER) bzw. bei 25°C
für einen Strom von 10 mA (3,3 mA/cm
2) abzüglich des theoretischen Potentials von +1,23 V für Sauerstoff (OER) angenommen.
Je kleiner der Betrag der Überspannung, also je näher der Messwert an 0 liegt, desto
geringer ist die Überspannung.
[0124] Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengefasst.
Tabelle 3
| |
Partikel im Elektrolyten |
HER [V] |
OER [V] |
| Vergleichsbeispiel 1 |
- |
-1,01 |
+0,22 |
| Beispiel 1 |
10 g/L BN |
-0,68 |
+0,20 |
| Beispiel 2 |
20 g/L BN |
-0,49 |
+0,24 |
| Beispiel 3 |
20 g/L BaTiO3 |
-0,69 |
+0,17 |
| Beispiel 4 |
40 g/L BaTiO3 |
-0,62 |
+0,10 |
[0125] Im Vergleich zum Vergleichsbeispiel 1 konnten bereits durch den Einbau von geringen
Mengen an piezoelektrischem Bornitrid in Beispiel 1 die Überspannungen in Summe reduziert
werden, nämlich um 0,33 V. Für die Bildung von Wasserstoff wurde die Überspannung
deutlich gesenkt; bei der Bildung von Sauerstoff wurde keine wesentliche Veränderung
beobachtet. Der Effekt wurde durch den vermehrten Einbau von Bornitrid-Partikeln in
Beispiel 2 verstärkt und die Überspannung konnte in Summe um etwa 0,5 V reduziert
werden.
[0126] In den Beispielen 3 und 4 wurden mit piezoelektrischem Bariumtitanat eine deutliche
Reduktion der Überspannung für die Bildung von Wasserstoff und eine leichte Reduktion
der Überspannung für die Bildung von Sauerstoff beobachtet. In Summe wurden in den
Beispielen 3 und 4 die Überspannung um etwa 0,4 V bzw. etwa 0,5 V reduziert.
[0127] Somit wurde bestätigt, dass durch den Einbau von piezoelektrischen Bornitrid-Partikeln
bzw. piezoelektrischen Bariumtitanat-Partikeln Überspannungen für die elektrochemische
Wasserspaltung in wässrigen Medien reduziert werden können. Dabei wurde bei einer
höheren Partikelkonzentration eine stärkere Reduktion der Überspannung beobachtet.
[0128] Wie in den Beispielen 1 bis 4 gezeigt, eignen sich die beschichteten Substrate aus
den Beispielen 1 bis 4 als Anode sowie insbesondere als Kathode für die Elektrolyse
in wässrigen Medien. Es wurde insbesondere für die Kathoden-Reaktion, also der Bildung
von Wasserstoff, deutlich reduzierte Überspannungen gemessen.
1. Dispersionselektrolyt für das galvanische Abscheiden von partikelhaltigen Zinnlegierungsschichten,
umfassend:
- Zinnionen in einer Konzentration von 2 bis 100 g/L;
- Ionen eines zweiten Legierungselements, das aus Kupfer, Silber, Bismut, Nickel,
Cobalt, Cadmium, Zink, Mangan und Kombinationen davon ausgewählt ist, in einer Konzentration
von 1 bis 100 g/L;
- mindestens eine Art von Partikeln, ausgewählt aus anorganischen piezoelektrischen
Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen davon, in
einer Gesamtkonzentration von 1 bis 200 g/L;
- mindestens ein Dispergiermittel, ausgewählt aus anionischen Dispergiermitteln, nichtionischen
Dispergiermitteln und Kombinationen davon; und
- Wasser;
wobei der Dispersionselektrolyt einen pH-Wert von 7 oder weniger aufweist.
2. Dispersionselektrolyt gemäß Anspruch 1, wobei die Partikel aus BN (hexagonal), AlN,
ZnO, GaPO4, M12yMA1-y[MBxTi1-x]O3, M12yMA1-y[MCxZr1-x]O3, M12yMA1-y[MDxMn1-x]O3, M12yMA1-y[MExHf1-x]O3, M1[MFxNb1-x]O3, M1[MGxV1-x]O3, M1[MHxTa1-x]O3, TiN, TiC, TiB2, Ti2CN, B4C, WC und Kombinationen davon ausgewählt sind, und wobei in den allgemeinen Formeln
folgendes gilt: M1 ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt aus Li,
Na und K, bevorzugt Li; MA ist jeweils unabhängig mindestens ein Element, ausgewählt
aus Ca, Sr, Ba, Pb und La; MB ist ausgewählt aus Zr, Hf, Mn, Mg1/3Nb2/3, Mg2/3V2/3, Mg2/3Mn2/3 und Mg1/3Ta2/3; MC ist ausgewählt aus Hf, Mn, Mg1/3Nb2/3, Mg2/3V2/3, Mg2/3Mn2/3 und Mg1/3Ta2/3; MD ist ausgewählt aus Hf, Mg1/3Nb2/3, Mg2/3V2/3, Mg2/3Mn2/3 und Mg1/3Ta2/3; ME ist ausgewählt aus Mg1/3Nb2/3, Mg2/3V2/3, Mg2/3Mn2/3 und Mg1/3Ta2/3; MF ist ausgewählt aus V, Ta und Mn; MG ist ausgewählt aus Ta und Mn; MH ist Mn;
x erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1; und y erfüllt jeweils unabhängig 0 ≤ y ≤ 1.
3. Dispersionselektrolyt gemäß Anspruch 2, wobei die Partikel aus BN (hexagonal), AlN,
ZnO, GaPO4, Li2[ZrxTi1-x]O3, Li2yMA1-y[ZrxTi1-x]O3, MA[ZrxTi1-x]O3, Pb[ZrxTi1-x]O3, LaMnO3 und LiNbO3 und Kombinationen davon ausgewählt sind, und wobei MA jeweils unabhängig mindestens
ein Element, ausgewählt aus Ca, Sr und Ba, ist; x jeweils unabhängig 0 ≤ x ≤ 1 erfüllt;
und y jeweils unabhängig 0 < y < 1 erfüllt.
4. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden, wobei das zweite Legierungselement
Nickel ist, oder
wobei das zweite Legierungselement aus Kupfer, Silber, Bismut, Cobalt und Kombinationen
davon ausgewählt ist.
5. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Dispersionselektrolyt
bis zu 40 g/L Ionen eines dritten Legierungselements umfasst, das von dem zweiten
Legierungselement verschieden ist und das aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink, Silber,
Gold, Antimon, Kupfer, Cadmium, Bismut, Mangan, Wolfram und Kombinationen davon ausgewählt
ist.
6. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Dispersionselektrolyt
- 5 bis 80 g/L, bevorzugt von 10 bis 70 g/L, Zinnionen;
- 2 bis 80 g/L, bevorzugt 5 bis 70 g/L, Ionen des zweiten Legierungselements; und
- optional 1 bis 20 g/L, bevorzugt 1 bis 15 g/L Ionen des dritten Legierungselements
enthält.
7. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei mindestens eine
weitere organische Verbindung enthält, die beim galvanischen Abscheiden zersetzt wird
und als Kohlenstoffquelle für die Zinnlegierung dient, und die bevorzugt ein Xanthogenat,
ein Carbamat, Türkischrotöl, ein Keton, insbesondere Benzalaceton, einen aromatischen
Aldehyd, insbesondere Naphthaldehyd, und Kombinationen davon umfasst.
8. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Dispergiermittel
mindestens ein anionisches Dispergiermittel umfasst, das aus Sulfat-Verbindungen,
die eine Alkylgruppe, eine Aralkylgruppe oder eine aromatische Gruppe mit jeweils
bis zu 30 Kohlenstoffatomen aufweisen, Sulfonat-Verbindungen, die eine Alkylgruppe,
eine Aralkylgruppe oder eine aromatische Gruppe mit jeweils bis zu 30 Kohlenstoffatomen
aufweisen, und Carboxy- oder Carboxylatgruppen-haltigen Polymeren, ausgewählt ist.
9. Dispersionselektrolyt gemäß Anspruch 8, wobei das anionische Dispergiermittel mindestens
ein erstes anionisches Dispergiermittel, das aus Sulfat-Verbindungen mit einer Alkylgruppe
mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen, Sulfat-Verbindungen mit einer Aralkylgruppe mit 6
bis 24 Kohlenstoffatomen und Kombinationen davon ausgewählt ist, und mindestens ein
zweites anionisches Dispergiermittel, das aus Sulfonat-Verbindungen mit einer aromatischen
Gruppe mit 6 bis 24 Kohlenstoffatomen ausgewählt ist, umfasst.
10. Dispersionselektrolyt gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei Dispersionselektrolyt
einen oder mehrere Komplexbildner enthält, die jeweils unabhängig eine organische
Verbindung mit mindestens drei funktionellen Gruppen, ausgewählt aus Aminogruppen,
Carboxygruppen und Carboxylatgruppen, sind.
11. Verfahren zum galvanischen Beschichten eines Substrats mit einer partikelhaltigen
Zinnlegierungsschicht, umfassend das galvanische Abscheiden der partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht
auf einem metallischen oder metallisierten Substrat unter Verwendung des Dispersionselektrolyten
gemäß einem der Ansprüche 1 bis 10.
12. Beschichtetes Substrat mit einer partikelhaltigen Zinnlegierungsschicht, wobei die
partikelhaltige Zinnlegierungsschicht 100 Gewichtsteile Zinnlegierung und insgesamt
0,5 bis 250 Gewichtsteile mindestens einer Art von Partikeln, ausgewählt aus anorganischen
piezoelektrischen Partikeln, elektrisch leitfähigen keramischen Partikeln und Kombinationen
davon, umfasst, und
wobei die Zinnlegierung
- 5 Gew.-% oder mehr und 50 Gew.-% oder weniger eines zweiten Legierungselements,
das aus Kupfer, Silber, Bismut, Nickel, Cobalt, Cadmium, Zink, Mangan und Kombinationen
davon ausgewählt ist,
- optional ein drittes Legierungselement, das von dem zweiten Legierungselement verschieden
ist, und
- optional Kohlenstoff
enthält und zum Rest aus Zinn und etwaigen unvermeidbaren Verunreinigungen besteht.
13. Beschichtetes Substrat gemäß Anspruch 12, wobei die Zinnlegierung mindestens 50 Gew.-%
Zinn enthält.
14. Beschichtetes Substrat gemäß Anspruch 12 oder 13, wobei die Zinnlegierung
- bis zu 10 Gew.-% des dritten Legierungselements, das von dem zweiten Legierungselement
verschieden ist und aus Nickel, Cobalt, Chrom, Zink, Silber, Gold, Antimon, Kupfer,
Cadmium, Bismut, Mangan, Wolfram und Kombinationen davon ausgewählt ist, und
- optional bis zu 12 Gew.-% Kohlenstoff
enthält und zum Rest aus Zinn und unvermeidbaren Verunreinigungen besteht.
15. Beschichtetes Substrat gemäß Anspruch 14, wobei die Zinnlegierung
- 5 bis 30 Gew.-% des zweiten Legierungselements, das Nickel ist oder aus Kupfer,
Silber, Cobalt und Bismut ausgewählt ist,
- 0,1 bis 5 Gew.-% des dritten Legierungselements, und
- optional bis zu 10 Gew.-% Kohlenstoff enthält und zum Rest aus Zinn und etwaigen
unvermeidbaren Verunreinigungen besteht.
16. Elektrochemische Zelle, umfassend das beschichtete Substrat gemäß einem der Ansprüche
12 bis 15.