[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Tieftemperaturzerlegung von Luft und eine
Luftzerlegungsanlage gemäß den jeweiligen Oberbegriffen der unabhängigen Patentansprüche.
Hintergrund der Erfindung
[0002] Die Herstellung von Luftprodukten in flüssigem oder gasförmigem Zustand durch Tieftemperaturzerlegung
von Luft in Luftzerlegungsanlagen ist bekannt und beispielsweise bei
H.-W. Häring (Hrsg.), Industrial Gases Processing, Wiley-VCH, 2006, insbesondere Abschnitt 2.2.5, "Cryogenic Rectification", beschrieben. Nachfolgend
werden für die in einer Luftzerlegungsanlage eingesetzten Komponenten und Anlagenteile
die aus der Fachliteratur bekannten Bezeichnungen verwendet.
[0003] Figur 2.3a auf Seite 22 der Monografie von Häring zeigt ein übliches Verfahren mit
Linde-Doppelsäule und einem Argonsystem, das eine Rohargonkolonne und eine Reinargonkolonne
und die zugehörigen Kopfkühlungen und Sumpfheizungen aufweist. Das Argonprodukt wird
am Sumpf der Reinargonkolonne in flüssigem Zustand entnommen und in einen Produkttank
geleitet. Üblicherweise wird das Argonsystem unter sehr niedrigem Druck betrieben,
das heißt das flüssige Argonprodukt kann ohne nennenswerte Entspannung in den Produkttank
eingeleitet werden, der üblicherweise etwa bei Atmosphärendruck betrieben wird.
[0004] Anders sieht es aus, wenn die gesamte Anlage und damit auch das Argonsystem unter
erhöhtem Druck betrieben werden und in der Rohargonsäule beispielsweise ein Druck
von mehr als 1,8 bar oder mehr als 2,0 bar herrscht. Dann muss das flüssige Argonprodukt
vor der Einleitung in den Tank auf den Tankdruck entspannt werden. Dabei entsteht
Flashgas, das für die Produktgewinnung verloren geht. (Alle Druckangaben in dieser
Anmeldung sind als Absolutdrücke zu verstehen, wenn nichts anderes angegeben ist.
Bei Kolonnendrücken ist der Druck am Kopf der Kolonne gemeint, wenn nichts anderes
gesagt ist.)
[0005] Ein solches Verfahren mit erhöhtem Druck in der Doppelsäule und auch im Argonsystem
ist aus
WO 2021204424 A2 bekannt.
[0006] Üblich ist es, das Flashgas in die Reinargonsäule zurückzuleiten oder in der Nähe
des Tanks in einem separaten Rückverflüssigungswärmetauscher durch indirekten Wärmeaustausch
mit flüssigem Stickstoff rückzuverflüssigen. Dies bedeutet zwar einen hohen Aufwand,
ist aber auch betriebstechnisch unproblematisch.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art
so zu gestalten, dass die Flashgaserzeugung im flüssigen Argonprodukt möglichst gering
ist, eine vergleichsweise geringer apparativen Aufwand erforderlich ist und die Lösung
betriebstechnisch unproblematisch bleibt.
[0007] Vor diesem Hintergrund schlägt die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Tieftemperaturzerlegung
von Luft und eine Luftzerlegungsanlage mit den Merkmalen der jeweiligen unabhängigen
Patentansprüche vor. Ausgestaltungen sind jeweils Gegenstand der abhängigen Patentansprüche
und der nachfolgenden Beschreibung.
[0008] Erfindungsgemäß wird das flüssige Argonprodukt vor seiner Entnahme als Endprodukt
(und insbesondere vor seiner Entspannung auf Niederdruck) in dem ohnehin vorhandenen
Unterkühlungsgegenströmer der Luftzerlegungsanlage abgekühlt. Diese Abkühlung wird
oft auch als Unterkühlung bezeichnet; gemeint ist dabei die Abkühlung auf eine Temperatur
(deutlich) unterhalb des Taupunkts.
[0009] Rückschauend scheint die Verwendung einer ohnehin vorhandenen Wärmetauschers nahe
liegend. Allerdings hat nach unserer Kenntnis noch niemand den klassischen Unterkühlungsgegenströmer
für eine Unterkühlung von Argonprodukt eingesetzt. Dies hat auch gute Gründe. Da dort
regelmäße sehr kalte Ströme, zum Beispiel vom Kopf der Niederdruckkolonne eingesetzt
werden, besteht auch hier die Gefahr des gefürchteten Ausfrierens von Argon, die an
dieser Stelle auch nicht durch eine Regelung vermindert werden könnte. Erst bei noch
näherer Untersuchung im Rahmen der Erfindung hat sich überraschenderweise herausgestellt,
dass bei der Verwendung des Unterkühlungsgegenströmers zur Abkühlung von flüssigem
Argonprodukt keine Vorkehrungen zur Verhinderung des Ausfrieren notwendig sind, und
zwar bei allen Betriebszuständen. Vielmehr sichert der ganz normale Betrieb des Unterkühlungsgegenströmers
bei der Erfindung das System gegen Ausfrieren von Argon.
[0010] Die Drücke in den Rektifikationskolonnen (jeweils am Kopf) betragen bei der Erfindung
vorzugsweise
| Hochdruckkolonne |
9 bis 14,5 bar |
| Niederdruckkolonne |
2 bis 5 bar |
| Argonsystem (Rohargonkolonne) |
1,8 bis 4,8 bar |
| Argonsystem (Reinargonkolonne) |
1,8 bis 4,8 bar |
[0011] Beliebige weitere Rektifikationskolonnen können in Ausgestaltungen der vorliegenden
Erfindung verwendet werden, insbesondere eine weitere Rektifikationskolonne zur Gewinnung
eines Sauerstoffprodukts und/oder eine weitere Rektifikationskolonne zur Gewinnung
eines Krypton/Xenon-Rohgemischs und/oder eine weitere Rektifikationskolonne zur Gewinnung
eines Helium/Neon-Rohgemischs, wobei zur Bildung von Krypton/Xenon-Rohgemischen bzw.
Helium/Neon-Rohgemischen ebenfalls auf die zitierte Fachliteratur verwiesen wird.
In entsprechenden Ausgestaltungen kann der Turbinenkreislaufstrom oder ein Teil hiervon
als Heizmedium für die Sumpfverdampfer entsprechender Kolonnen verwendet werden.
[0012] Vorzugsweise wird das flüssige Argonprodukt nach der Abkühlung im Unterkühlungsgegenströmer
(18) und vor der Abgabe als Endprodukt entspannt. Diese Entspannung wird in der Regel
in einem Drosselventil vorgenommen. Dabei wird der Druck um vorzugsweise mindestens
0,5 bar, insbesondere 1.0 bis 2.0 bar oder auch mindestens 2,5 bar vermindert.
[0013] Vorzugsweise wird das abgekühlte und entspannte Argonprodukt in einen Flüssigtank
eingeleitet, aus dem das Endprodukt entnommen wird.
[0014] Bei der Erfindung kann das gesamte Endprodut oder ein erster Teil davon als flüssiges
Endprodukt aus dem Flüssigtank abgezogen. Dieser Abzug kann kontinuierlich oder intermittierend
erfolgen.
[0015] Alternativ oder zusätzlich kann das gesamte Endprodukt oder ein zweiter Teil davon
als gasförmiges Endprodukt gewonnen werden mit Verdampfung im Hauptwärmetauscher.
Das Endprodukt kann unter Niederdruck oder - zum Beispiel unter Hochdruck mittels
Innenverdichtung gewonnen werden. Im Falle überkritischen Drucks wird im Hauptwärmetauscher
pseudo-verdampft statt im engeren Sinne verdampft, das heißt ohne Phasenübergang angewärmt.
[0016] Es ist ferner günstig, wenn das flüssige Argonprodukt dem
Unterkühlungsgegenströmer bei einer Zwischentemperatur zugeführt und am kalten Ende
entnommen wird. Die entsprechenden Temperaturwerte im Unterkühlungsgegenströmer sind
beispielsweise:
| Zwischentemperatur |
105 bis 93 K, vorzugsweise 102,7 bis 94,2 K |
| Kaltes Ende |
94,5 bis 84,3 K, vorzugsweise 91,7 bis 85,1 K |
| Warmes Ende |
113,3 bis 104,0 K, vorzugsweise 111,3 bis 104,0 K |
[0017] Das flüssige Argon durchströmt den Unterkühler unter einem Druck von 1,8 bar bis
4,8 bar, insbesondere 2,0 bis 4,0 bar.
[0018] Der gasförmige Strom, der aus der Niederdruckkolonne in den Unterkühlungsgegenströmer
eingeleitet wird, kann insbesondere durch gasförmigen Stickstoff vom Kopf der Niederdruckkolonne
gebildet werden. Die obigen Werte gelten insbesondere dann, wenn dieser gasförmige
Stickstoff einen Druck von 2 bis 5 bar, insbesondere von 2,2 bis 4,2 bar aufweist.
Dies wurde für eine minimale Temperaturdifferenz im Unterkühler (zwischen flüssigem
Argon und Stickstoff) von 0,5 K berechnet.
[0019] Vorzugsweise wird das flüssige Argon in dem Unterkühlungsgegenströmer im Kreuzgegenstrom
zu dem gasförmiger Strom aus der Niederdruckkolonne geführt. Dazu enthält der Unterkühlungsgegenströmer
neben den Gegenstrompassagen einen Kreuzgang, der insbesondere unmittelbar am kalten
Ende angeordnet ist.
[0020] Vorzugsweise wird der Unterkühlungsgegenströmer so betrieben, dass die Temperatur
des flüssigen Argonprodukts am Austritt aus dem Unterkühlungsgegenströmer niedriger
als die Austrittstemperatur des flüssigen Stroms aus der Hochdruckkolonne ist, insbesondere
sogar niedriger als die Austrittstemperatur aller anderen flüssigen Ströme, die im
Unterkühlungsgegenströmer abgekühlt werden.
[0021] Dabei ist es möglich, dass die Temperatur des flüssigen Argonprodukts am Austritt
aus dem Unterkühlungsgegenströmer nicht geregelt wird. Da die Temperatur des kältesten
Stroms im Unterkühlungsgegenströmer, der üblicherweise durch gasförmigen Stickstoff
aus der Niederdruckkolonne gebildet wird, höher als die Tripelpunktstemperatur von
Argon ist, kann das flüssige Argon nicht ausfrieren.
[0022] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die beigefügten Zeichnungen näher
erläutert, die die bevorzugten Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung veranschaulichen.
Figurenbeschreibung
[0023] Die Figuren 1 bis 4 veranschaulichen Luftzerlegungsanlagen gemäß unterschiedlicher
Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung.
[0024] In den Figuren sind einander baulich oder funktional entsprechende Elemente mit identischen
Bezugszeichen angegeben und werden der Übersichtlichkeit halber nicht wiederholt erläutert.
Anlagen und Anlagenkomponenten betreffende Erläuterungen gelten für entsprechende
Verfahren und Verfahrensschritte in gleicher Weise.
[0025] In Figur 1 ist eine Luftzerlegungsanlage gemäß einer Ausgestaltung der vorliegenden
Erfindung in Form eines vereinfachten Prozessflussdiagramms veranschaulicht und insgesamt
mit 100 bezeichnet.
[0026] In der Luftzerlegungsanlage 100 wird Luft mittels eines Hauptluftverdichters 1 über
einen Filter 2 angesaugt und auf ein Druckniveau von beispielsweise ca. 12,5 bar verdichtet.
Die entsprechend verdichtete Luft wird nach Kühlung und Abscheiden von Wasser in einer
Adsorberstation 3, die in an sich bekannter Art ausgestaltet sein kann, von Restwasser
und Kohlendioxid befreit. Zur Ausgestaltung der angesprochenen Komponenten sei auf
die eingangs zitierte Fachliteratur verwiesen.
[0027] Ein entsprechend gebildeter Druckluftstrom a wird vom warmen zum kalten Ende durch
einen Hauptwärmetauscher 4 geführt und hier in im Wesentlichen gasförmigem Zustand
in eine Druckkolonne 11 ("erste Rektifikationskolonne") eines Rektifikationskolonnensystems
10 eingespeist. Das Rektifikationskolonnensystem 10 weist im dargestellten Beispiel
neben der Druckkolonne 11 eine Niederdruckkolonne 12 ("zweite Rektifikationskolonne")
und ein Argonsystem (400) auf, das seinerseits eine zweigeteilte Rohargonkolonne 13
("dritte Rektifikationskolonne") mit zwei Kolonnenteilen 13a (oberer Teil) und 13b
(unterer Teil) sowie eine Reinargonkolonne 14 aufweist. Ferner sind eine Rektifikationskolonne
15 zur Gewinnung eines Krypton/Xenon-Rohgemischs und eine Rektifikationskolonne 16
zur Gewinnung eines Helium/Neon-Rohgemischs bereitgestellt. Die Druckkolonne 11 ist
mit der Niederdruckkolonne 12 über einen Hauptkondensator 11a wärmetauschend verbunden,
der beispielsweise als mehrstöckiger Badverdampfer ausgebildet sein kann, und im Sumpf
der Rektifikationskolonne 15 zur Gewinnung des Krypton/Xenon-Rohgemischs ist ein Sumpfverdampfer
15a angeordnet. Dem Rektifikationskolonnensystem 10 ist ferner im dargestellten Beispiel
ein Unterkühlungsgegenströmer 18 zugeordnet.
[0028] Am Kopf der Druckkolonne 11 wird ein Kopfgas gebildet. Dieses wird im dargestellten
Beispiel zu einem Teil in Form eines Stoffstroms b durch den Hauptkondensator 11a
und zu einem weiteren Teil in Form eines Stoffstroms c durch den Sumpfverdampfer 15a
der Rektifikationskolonne 15 zur Gewinnung des Krypton/Xenon-Rohgemischs geführt.
In dem Hauptkondensator 11a gebildetes Kondensat wird in die Druckkolonne 11 zurückgeführt.
Ein nicht kondensierter Anteil wird in die Rektifikationskolonne 16 zur Gewinnung
des Helium/Neon-Rohgemischs eingespeist. Weiteres Kondensat, das sich in dem Sumpfverdampfer
15a der Rektifikationskolonne 15 zur Gewinnung eines Krypton/Xenon-Rohgemischs bildet,
kann in Form eines Flüssigstickstoffstroms m durch den Unterkühlungsgegenströmer 18
geführt und am Kopf der Niederdruckkolonne 12 in diese eingespeist werden. Über eine
Flüssigkeitsentnahme am Kopf der Druckkolonne entnommenes Kondensat b1 kann so behandelt
werden. Zu dem Kopfgas der Druckkolonne 11 kann ein Stoffstrom d zugespeist werden,
der im Hauptwärmetauscher 4 abgekühlt wurde. Dessen Herkunft wird unten erläutert.
[0029] Im Sumpf der Druckkolonne 11 wird eine Sumpfflüssigkeit gebildet und in Form eines
Stoffstroms e aus dieser abgezogen. Der Stoffstrom e wird zunächst durch den Unterkühlungsgegenströmer
18 geführt und danach in an sich bekannter Weise zur Kühlung von nicht gesondert bezeichneten
Kopfkondensatoren der Rohargonkolonne 13 und der Reinargonkolonne 14 verwendet. Verdampfte
und unverdampfte Anteile werden in Form von Stoffströmen f in die Niederdruckkolonne
12 eingespeist bzw. zur Bildung des unten erläuterten Stoffstroms k verwendet.
[0030] In der Niederdruckkolonne 12 wird Sumpfflüssigkeit ("zweite Sumpfflüssigkeit") gebildet,
die in einen Verdampfungsraum des Hauptkondensators 11a eingespeist wird, und aus
dem Hauptkondensator 11a wird Gas in die Niederdruckkolonne 11 am Sumpf eingespeist.
Oberhalb des Sumpfs wird aus der Niederdruckkolonne 11 Flüssigkeit h abgezogen. Diese
wird zu einem ersten Teil in Form eines Stoffstroms h1 in einer Pumpe 5 druckerhöht,
im Hauptwärmetauscher 4 erwärmt und als innenverdichtetes Sauerstoffprodukt ausgeleitet.
Zu einem zweiten Teil wird die Flüssigkeit h in Form eines Stoffstroms h2 in die Rektifikationskolonne
15 zur Gewinnung des Krypton/Xenon-Rohgemischs eingespeist, und zu einem dritten Teil
in Form eines Stoffstroms h3 insbesondere als Flüssigprodukt aus der Luftzerlegungsanlage
100 ausgeführt.
[0031] Oberhalb des Sumpfs wird Gas aus der Niederdruckkolonne 12 in Form eines Stoffstroms
i abgezogen, mit nachfolgend erläuterten Stoffströmen k und o zu einem Sammelstrom
I mit einem Gehalt von beispielsweise ca. 90% Sauerstoff vereinigt, im Hauptwärmetauscher
4 teilerwärmt, in einer Generatorturbine bzw. Restgasturbine 6 entspannt, erneut im
Hauptwärmetauscher 4 erwärmt, und beispielsweise als Regeneriergas in der Adsorberstation
3 eingesetzt.
[0032] Ein gasförmiger Druckstickstoffstrom wird in Form eines Stoffstroms n vom Kopf der
Niederdruckkolonne 12 abgezogen. Dieser liegt beispielsweise auf einem Druckniveau
von ca. 3,5 bar vor und weist einen Gehalt von beispielsweise ca. 50 ppb Sauerstoff
auf. Er wird zur Bildung eines Turbinenkreislaufstroms verwendet, der zunächst in
dem Unterkühlungsgegenströmer 18 erwärmt ("erste Erwärmung"), danach im Hauptwärmetauscher
4 erwärmt ("zweite Erwärmung"), in einem Verdichter 7 und danach in einem Booster
einer Boosterturbinenanordnung 9 verdichtet, im Hauptwärmetauscher 4 wieder abgekühlt,
und in einer Entspannungsturbine der Boosterturbinenanordnung 9, entspannt wird. Der
Kreislauf wird durch die Einspeisung in den Unterkühlungsgegenströmer 18 geschlossen.
Der erwähnte Stoffstrom n wird stromab des Verdichters 7 abgezweigt und in dem Hauptwärmetauscher
4 abgekühlt. Stromauf und stromab des Verdichters 7 können weitere Teilströme abgezweigt
und unter z.B. als Druckstickstoffprodukt, Blow-Off-Gas und Dichtgas abgezweigt werden.
Beliebige Kombinationen sind möglich. Teilweise zusammen mit dem Turbinenkreislaufstrom
wird ein Rektifikationskreislaufstrom geführt, der aber nicht der zweiten Verdichtung
und Entspannung unterworfen, sondern im Hauptwärmetauscher 4 abgekühlt und danach
wie erläutert verwendet wird.
[0033] Aus der Niederdruckkolonne 11 wird in Form eines Stoffstroms o an Argon angereichertes
Gas entnommen und in die Rohargonkolonne 13 eingespeist. Aus der Rohargonkolonne 13
wird Sumpfflüssigkeit in Form eines Stoffstroms p mittels einer nicht gesondert bezeichneten
Pumpe in die Niederdruckkolonne 11 zurückgeführt.
[0034] Der Betrieb der Rohargonkolonne 13 und der Reinargonkolonne 14 entspricht im Wesentlichen
dem im Stand der Technik Bekannten und wird nicht gesondert erläutert. Aus der Reinargonkolonne
14 wird ein Reinargonstrom v als flüssiges Argonprodukt abgezogen, der erfindungsgemäß
in dem Unterkühlungsgegenströmer 18 abgekühlt wird. Der abgekühlte Argonprodukstrom
w bezeichnet wird in einem Flüssigtank T eingeleitet und dort speichert bzw. zwischengespeichert.
Grundsätzlich kann aus dem Flüssigtank T unmittelbar ein flüssiges Endprodukt entnommen
und beispielsweise in einen Tankwagen abgefüllt werden. Im Beispiel der Figur 1 wird
flüssiges Argonprodukt aus dem tank entnommen, in dem Hauptwärmetauscher 4 verdampft
und angewärmt und schließlich als gasförmiges Endprodukt x gewonnen mit einem Gehalt
von beispielsweise ca. 200 ppb Sauerstoff. Der für den Abzug des gasförmigen Endprodukt
benötigte Druck kann beispielsweise durch Druckaufbauverdampfung oder durch eine Pumpe
erzeugt werden.
[0035] Der erwähnte Stoffstrom k wird unter Verwendung von Gas gebildet, das dem Kopfkondensator
der Rohargonkolonne 13 entnommen wird. Der Stoffstrom o stammt vom Kopf der Rektifikationskolonne
15 zur Gewinnung des Krypton/Xenon-Rohgemischs, aus deren Sumpf das Krypton/Xenon-Rohgemisch
in Form eines nicht gesondert bezeichneten Stoffstroms entnommen wird.
[0036] Am Kopf der Niederdruckkolonne 12 wird Flüssigkeit entnommen und zu einem Teil in
Form eines Stoffstroms x unterkühlt und als Flüssigstickstoffprodukt bereitgestellt,
sowie zu einem weiteren Teil y in einen Verdampfungsraum der Rektifikationskolonne
16 zur Gewinnung des Helium/Neon-Rohgemischs eingespeist, welches in Form eines Stoffstroms
z hieraus abgezogen wird.
[0037] In Figur 2 ist eine Luftzerlegungsanlage gemäß einer weiteren Ausgestaltung der vorliegenden
Erfindung in Form eines vereinfachten Prozessflussdiagramms veranschaulicht und insgesamt
mit 200 bezeichnet.
[0038] Die in Figur 2 veranschaulichte Luftzerlegungsanlage 200 weist im Gegensatz zur Luftzerlegungsanlage
100 gemäß Figur 1 eine einteilige Rohargonkolonne 13 sowie keinen separaten Behälter
für die Niederdruckkolonne 12 auf. Ferner ist eine Reinsauerstoffkolonne 7 vorhanden.
Diese wird mit einem Sumpfverdampfer 17a betrieben und weist einen oberen Bereich
und einen unteren Bereich auf, die mittels einer Trennwand 17b voneinander getrennt
sind. Der obere Bereich wird mit dem Stoffstrom o gespeist und aus diesem wird der
Stoffstrom p entnommen. Funktionell handelt es sich um einen "ausgelagerten Sauerstoffabschnitt"
der Niederdruckkolonne. Der Sumpfverdampfer 17a wird mit dem Stoffstrom d betrieben.
Ein gebildetes Kondensat u wird wie der Stoffstrom m behandelt. Der obere und der
untere Teil der Reinsauerstoffkolonne 17 werden mit Sumpfflüssigkeit r aus der Rohargonkolonne
als Rücklauf betrieben, und Kopfgas s aus den Teilen der Reinsauerstoffkolonne 17
wird in die Rohargonkolonne 13 eingespeist. Reinsauerstoff wird in Form eines Stoffstroms
t aus der Reinsauerstoffkolonne 17 abgezogen, beispielsweise mittels eines Tanksystems
T2 druckaufbauverdampft, und aus der Anlage ausgeführt. Ein derartiges Tanksystem
ist beispielsweise in
US 10209004 B2 beschrieben. Ferner ist hier ein Flüssigargontanksystem T3 dargestellt, in das ein
erster Teil des abgekühlten flüssigen Argonprodukts w nach Entspannung in einem Ventil
E eingeleitet wird. Ein zweiter Teil wird mittels einer Argonpumpe P auf einen hohen
Produktdruck von beispielsweise 12 bar gebracht und dann ähnlich wie in Figur 1 im
Hauptwärmetauscher 4 verdampft und auf Umgebungstemperatur angewärmt (Innenverdichtung).
Das warme Druckargonprodukt xx wird als gasförmiges Endprodukt gewonnen. Alternativ
kann die Aufteilung zwischen Tank T3 und Innenverdichtung (Pumpe P) stromaufwärts
der Unterkühlers 18 durchgeführt werden, zum Beispiel in der Leitung v.
[0039] Alternativ zu der Darstellung in der Zeichnung kann der Flüssigtank T3 auch wie der
Tank T in Figur 1 geschaltet sein; dann wird die Flüssigkeit für die Pumpe P aus dem
Tank T entnommen.
[0040] In Figur 3 ist eine Luftzerlegungsanlage gemäß einer weiteren Ausgestaltung der vorliegenden
Erfindung in Form eines vereinfachten Prozessflussdiagramms veranschaulicht und insgesamt
mit 300 bezeichnet. Sie entspricht in weiten Teilen Figur 2.
[0041] Die in Figur 3 veranschaulichte Luftzerlegungsanlage 300 weist im Gegensatz zur Luftzerlegungsanlage
200 gemäß Figur 2 einen Bypass um den Unterkühlungsgegenströmer 18 auf, so dass der
Stoffstrom n nach seiner Entspannung in Anteile n1 und/oder n2 stromauf oder stromab
des Unterkühlungsgegenströmers 18 rückgespeist werden kann.
[0042] Die Behandlung des flüssigen Argonprodukts v ist dieselbe wie in Figur 2.
[0043] Figur 4 entspricht ebenso weitgehend Figur 2. Allerdings ist diese Variante nicht
als Zwei-Turbinen-System, sondern als Ein-Turbinen-System ausgebildet mit der aus
Figur 2 an sich bekannten Mischgasturbine 6 als einziger interner Kältequelle. Der
Mischstrom wird in diesem Beispiel (und ebenso in den Figuren 1 bis 3) durch Vermischung
mehrerer Restströme aus der Niederdruckkolonne beziehungsweise aus der Krypton-Xenon-Anreicherungskolonne
15 und dem Verdampfungsraum des Kopfkondensators der Rohargonkolonne gebildet. (Ohne
Krypton-Xenon-Gewinnung sind es nur zwei Ströme.) Ein zweite Turbine gibt es in Figur
4 nicht. Externe Kälte (Liquid Assist) kann über ein Flüssigstickstoffleitung 21 eingeführt
werden, zum Beispiel auf den Kopf der Niederdruckkolonne.
1. Verfahren zur Tieftemperaturzerlegung von Luft unter Verwendung einer Luftzerlegungsanlage
(100-300) mit einem Hauptwärmetauscher (4) und einen Unterkühlungsgegenströmer (18)
sowie einem Rektifikationskolonnensystem (10), das eine Hochdruckkolonne (11), eine
Niederdruckkolonne (12) und ein Argonsystem (400) aufweist, bei dem
- die Hochdruckkolonne (11) unter einem ersten Druck betrieben wird,
- die Niederdruckkolonne (11) unter einem zweiten Druck betrieben wird, der niedriger
als der erste Druck ist,
- das Argonsystem (400) eine Rohargonkolonne (13a, 13b) aufweist, die unter einem
dritten Druck betrieben wird, der höher als 1,8 bar ist,
- gasförmige oder teilverflüssigte Druckluft in dem Hauptwärmetauscher (4) abgekühlt
und in die Hochdruckkolonne (11) eingeleitet wird,
- Sumpfflüssigkeit (e) aus der ersten Rektifikationskolonne (11) entnommen und direkt
oder indirekt in die Niederdruckkolonne (12) eingeleitet wird,
- in dem Unterkühlungsgegenströmer (18)
- mindestens ein flüssiger Strom (e, n1) aus der Hochdruckkolonne (11) in dem Unterkühlungsgegenströmer
(18) gekühlt wird,
- mindestens ein gasförmiger Strom (n2) aus der Niederdruckkolonne (12) in dem Unterkühlungsgegenströmer
(18) angewärmt wird,
- ein argonangereichertes Fluid (o) aus der Niederdruckkolonne (12) entnommen und
in das Argonsystem (400) eingeleitet wird,
- ein flüssiges Argonprodukt (v) aus dem Argonsystem (400) entnommen und als Endprodukt
gewonnen wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das flüssige Argonprodukt (v) vor seiner Abgabe als Endprodukt in den Unterkühlungsgegenströmer
(18) eingeleitet und dort abgekühlt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem das flüssige Argonprodukt (w) nach der Abkühlung
im Unterkühlungsgegenströmer (18) und vor der Abgabe als Endprodukt entspannt (22)
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, bei dem das abgekühlte und entspannte Argonprodukt in einen
Flüssigtank (T, T3) eingeleitet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, bei dem mindestens ein erster Teil des Endprodukts als
flüssiges Endprodukt aus dem Flüssigtank abgezogen wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, bei dem mindestens ein zweiter Teil des Endprodukts
flüssig aus dem Flüssigtank entnommen, mittels einer kryogenen Pumpe (P) auf Druck
gebracht, im Hauptwärmetauscher (4) verdampft oder pseudo-verdampft und angewärmt
und schließlich als gasförmiges Endprodukt gewonnen wird.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei dem das flüssige Argonprodukt
(v) dem Unterkühlungsgegenströmer (18) bei einer Zwischentemperatur zugeführt wird.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei dem das abgekühlte Argonprodukt
(w) dem Unterkühlungsgegenströmer (18) am kalten Ende entnommen wird.
8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei dem das abzukühlende flüssige
Argonprodukt (v) in dem Unterkühlungsgegenströmer (18) durch einen Kreuzgang geleitet
wird, der insbesondere unmittelbar am kalten Ende angeordnet ist.
9. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei dem die Temperatur des flüssigen
Argonprodukts (w) am Austritt aus dem Unterkühlungsgegenströmers (18) niedriger als
die Austrittstemperatur des flüssigen Stroms (e) aus der Hochdruckkolonne ist, insbesondere
niedriger als die Austrittstemperaturen aller anderen flüssigen Ströme (e, n1), die
im Unterkühlungsgegenströmer (18) abgekühlt werden..
10. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei dem die Temperatur des flüssigen
Argonprodukts (w) am Austritt aus dem Unterkühlungsgegenströmer (18) nicht geregelt
wird.
11. Luftzerlegungsanlage (100-300) mit einem Hauptwärmetauscher (4) und einen Unterkühlungsgegenströmer
(18) sowie einem Rektifikationskolonnensystem (10), das eine Hochdruckkolonne (11),
eine zweite Niederdruckkolonne (12) und ein Argonsystem (400) aufweist, und die dafür
eingerichtet ist,
- die Hochdruckkolonne (11) unter einem ersten Druck betrieben wird,
- die Niederdruckkolonne (11) unter einem zweiten Druck betrieben wird, der niedriger
als der erste Druck ist,
- das Argonsystem (400) eine Rohargonkolonne (13a, 13b) aufweist, die unter einem
dritten Druck betrieben wird, der höher als 1,8 bar ist,
- gasförmige oder teilverflüssigte Druckluft in dem Hauptwärmetauscher (4) abgekühlt
und in die Hochdruckkolonne (11) eingeleitet wird,
- Sumpfflüssigkeit (e) aus der ersten Rektifikationskolonne (11) entnommen und direkt
oder indirekt in die Niederdruckkolonne (12) eingeleitet wird,
- in dem Unterkühlungsgegenströmer (18)
- mindestens ein flüssiger Strom (e, n1) aus der Hochdruckkolonne in dem Unterkühlungsgegenströmer
(18) gekühlt wird,
- mindestens ein gasförmiger Strom (n2) aus der Niederdruckkolonne in dem Unterkühlungsgegenströmer
(18) angewärmt wird,
- ein argonangereichertes Fluid (o) aus der Niederdruckkolonne (12) entnommen und
in das Argonsystem (400) eingeleitet wird,
- ein flüssiges Argonprodukt (v) aus dem Argonsystem (400) entnommen und als Endprodukt
gewonnen wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Luftzerlegungsanlage (100) dafür eingerichtet ist, das flüssige Argonprodukt
(v) vor seiner Abgabe als Endprodukt in den Unterkühlungsgegenströmer (18) einzuleiten
und dort abzukühlen.