[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur kryogenen Erzeugung von Luftprodukten
und ein Luftzerlegungssystem.
Hintergrund
[0002] Die Herstellung von Luftprodukten in flüssigem oder gasförmigem Zustand durch Tieftemperaturzerlegung
von Luft in Luftzerlegungsanlagen ist bekannt und beispielsweise bei H.-W. Häring
(Hrsg.), Industrial Gases Processing, Wiley-VCH, 2006, insbesondere Abschnitt 2.2.5,
"Cryogenic Rectification", beschrieben. Hinsichtlich des technischen Hintergrunds
der vorliegenden Erfindung wird auf entsprechende Literatur verwiesen.
[0003] Aus der
US 5,582,034 A ist ein Verfahren zur Herstellung von Stickstoff durch Tieftemperaturzerlegung von
Luft bekannt, bei dem eine einzelne Rektifikationskolonne verwendet wird. Der Rektifikationskolonne
werden aus einem unteren Bereich Flüssigkeiten mit unterschiedlichen Stickstoff- und
Sauerstoffgehalten entnommen. Die Flüssigkeiten werden in einem Kondensatorverdampfer
zur Kondensation von stickstoffreichem Kopfgas der Rektifikationskolonne verwendet,
um auf diese Weise einen Rücklauf für die Rektifikationskolonne zu liefern. Nach Verdampfung
der stickstoffreicheren und sauerstoffärmeren Flüssigkeit wird das gebildete Gas,
oder ein Teil hiervon, rückverdichtet, abgekühlt, und in die Rektifikationskolonne
rückgespeist. Dieses Gas wird auch als "Kreislaufstrom" bezeichnet. Die stickstoffärmere
und sauerstoffreichere Flüssigkeit kann, ebenfalls nach entsprechender Verdampfung,
in einer Entspannungsturbine entspannt werden, die einen Booster zur Rückverdichtung
des Kreislaufstroms antreibt. Weiteres Kopfgas der Rektifikationskolonne wird als
Stickstoffprodukt aus der Luftzerlegungsanlage ausgeleitet.
[0004] In der
WO 2021/180362 A1 sind ebenfalls unterschiedliche Verfahren dieser Art beschrieben, welche die Anmelderin
auch als SPECTRA-Verfahren bezeichnet. Auf die Erläuterungen auf Seite 2 dieser Druckschrift
und die dortige Beschreibung zu Figur 1 wird vorliegend ausdrücklich Bezug genommen.
In der
WO 2020/083528 A1 ist eine Vielzahl von Ausgestaltungen beschrieben, in denen beispielsweise Reinsauerstoffkolonnen
und/oder Argonkolonnen zusätzlich zu der ursprünglich einzelnen Rektifikationskolonne
zur Stickstoffgewinnung eingesetzt werden. Außerdem sind Doppelsäulenverfahren zur
gleichzeitigen Gewinnung von Druckstickstoff und Argon bekannt, beispielsweise aus
der
WO 2023/030679 A1.
[0005] Der Bedarf an Luftprodukten bei Verbrauchern wie beispielsweise Chipherstellern kann
schwanken, und zwar hinsichtlich der Menge als auch der Art der Luftprodukte. So kann
beispielsweise nur zu bestimmten Zeiten Argon benötigt werden oder eine Menge an benötigtem
Reinstickstoff schwanken. Das jeweils geforderte Produktverhältnis von beispielsweise
Argon und/oder Sauerstoff zu Stickstoff kann unter Umständen dazu führen, dass die
Konstruktion von unterschiedlichen Anlagentypen der zuvor erläuterten Art hinsichtlich
der Erstellungskosten vorteilhaft ist. Für entsprechende Zwecke können dabei auch
Luftzerlegungssysteme mit mehreren Rektifikationsanordnungen zum Einsatz kommen, die
nur zu bestimmten Zeiten gemeinsam und zu anderen Zeiten jeweils einzeln in Betrieb
sind und entsprechende Luftprodukte liefern.
[0006] Es besteht dabei jedoch weiterhin der Bedarf nach verbesserten Verfahren und Luftzerlegungssystemen
dieser Art.
Offenbarung der Erfindung
[0007] Vor diesem Hintergrund werden ein Verfahren zur kryogenen Erzeugung von Luftprodukten
und ein Luftzerlegungssystem mit den Merkmalen der jeweiligen unabhängigen Patentansprüche
vorgeschlagen. Ausgestaltungen sind jeweils Gegenstand der abhängigen Patentansprüche
und der nachfolgenden Beschreibung.
[0008] Die in einer Luftzerlegungsanlage eingesetzten Vorrichtungen sind in der zitierten
Fachliteratur, beispielsweise bei Häring in Abschnitt 2.2.5.6, "Apparatus", beschrieben.
Sofern die nachfolgenden Definitionen nicht hiervon abweichen, wird daher zum Sprachgebrauch,
der im Rahmen der vorliegenden Anmeldung verwendet wird, ausdrücklich auf die zitierte
Fachliteratur verwiesen.
[0009] Es wird ein Verfahren zur kryogenen Erzeugung von Luftprodukten vorgeschlagen, bei
dem ein Luftzerlegungssystem mit einer ersten Rektifikationsanordnung, einer zweiten
Rektifikationsanordnung und einer Verdichteranordnung verwendet wird, wobei die erste
Rektifikationsanordnung und die zweite Rektifikationsanordnung jeweils eine Rektifikationskolonne
aufweisen, die auf einem Druckniveau von mehr als 2 bar, insbesondere mehr als 3 bar,
4 bar oder 5 bar, und insbesondere bis zu 10 bar, 12 bar oder 15 bar, betrieben wird.
Die erste und zweite Rektifikationsanordnung sind insbesondere insoweit entkoppelt,
dass zwischen diesen keine Fluide ausgetauscht, d.h. von der ersten in die zweite
Rektifiktionsanordnung und umgekehrt überführt werden, oder dies höchstens in sehr
geringem Umfang, bspw. zu weniger als 10% einer Gesamtmenge der jeweils in der ersten
und der zweite Rektifiktionsanordnung behandelten Fluide geschieht.
[0010] Es ist vorgesehen, dass das Verfahren einen Kombinationsbetriebsmodus umfasst, wobei
in dem Kombinationsbetriebsmodus unter Verwendung der Verdichteranordnung Einsatzluft
einer Einsatzluftverdichtung unterworfen und danach in Anteilen der ersten Rektifikationsanordnung
und der zweiten Rektifikationsanordnung zugeführt wird. Der ersten Rektifikationsanordnung
kann insbesondere ein erster Hauptwärmetauscher und der zweiten Rektifikationsanrodnung
insbesondere ein zweiter Hauptwärmetauscher zugeordnet sein, wobei der zur Speisung
der ersten Rektifikationsanordnung verwendete Anteil der Luft durch den ersten und
der zur Speisung der zweiten Rektifikationsanordnung verwendete Anteil der Luft separat
dazu durch den zweiten Hauptwärmetauscher geführt wird, d.h. der zur Speisung der
ersten Rektifikationsanordnung verwendete Anteil der Luft nicht durch den zweiten
und der zur Speisung der zweiten Rektifikationsanordnung verwendete Anteil der Luft
nicht durch den ersten Hauptwärmetauscher geführt wird. Auch hier können geringfügige
Mengen von bspw. weniger als 10% der Einsatzluft abweichend behandelt werden.
[0011] Ferner ist vorgesehen, dass in dem Kombinationsbetriebsmodus unter Verwendung der
ersten Rektifikationsanordnung und der zweiten Rektifikationsanordnung Hochreinstickstoff
bereitgestellt wird, und in dem Kombinationsbetriebsmodus der unter Verwendung der
ersten Rektifikationsanordnung bereitgestellte Hochreinstickstoff oder ein Teil hiervon
unter Verwendung der Verdichteranordnung einer Hochreinstickstoffverdichtung unterworfen
wird.
[0012] Unter "Hochreinstickstoff" wird vorliegend insbesondere gasförmiger Stickstoff mit
einem sehr geringen Gehalt von Sauerstoff verstanden, der insbesondere im ein-, zwei-
oder dreistelligen ppb-Bereich (parts per billion, Milliardstel Anteile), d.h. insbesondere
bei weniger als 100, 50, 10, 5, 1, 0,5 oder 0,1 ppb, liegen kann. Ein Argongehalt
kann typischerweise bei einem höheren Wert liegen, und zwar beispielsweise im ein-,
zwei- oder dreistelligen ppm-Bereich (parts per million, Millionstel Anteile) oder
weniger, d.h. insbesondere bei weniger als 100, 50, 10, 5, 1, 0,5 oder 0,1 ppb. Die
Hochreinstickstoffverdichtung erfolgt insbesondere von einem Druck in einem Druckbereich
von 2 bis 5 bar auf einen Druck in einem Druckbereich von 8 bis 15 bar. Die Einsatzluftverdichtung
erfolgt insbesondere von Atmosphärendruck auf einen Druck in einem Druckbereich von
8 bis 15 bar. Der Hochreinstickstoff aus der zweiten Rektifikationsanordnung kann
insbesondere unverdichtet als Hochreinstickstoffprodukt bereitgestellt werden.
[0013] Hierbei ist vorgesehen, dass die Verdichteranordnung mehrere erste Verdichtereinheiten
und eine zweite Verdichtereinheit aufweist, wobei jede der ersten Verdichtereinheiten
eine erste Verdichterstufe und eine zweite Verdichterstufe aufweist, in jeder der
ersten Verdichtereinheiten die erste Verdichterstufe und die zweite Verdichterstufe
mechanisch miteinander gekoppelt sind, und in dem Kombinationsbetriebsmodus die ersten
Verdichterstufen der ersten Verdichtereinheiten und die zweite Verdichtereinheit für
die Einsatzluftverdichtung und die zweiten Verdichterstufen der ersten Verdichtereinheiten
für die Hochreinstickstoffverdichtung verwendet werden.
[0014] Ein "Verdichter" bzw. eine "Verdichtereinheit" ist im hier zugrunde gelegten Verständnis
eine Vorrichtung, die zum Verdichten wenigstens eines gasförmigen Stroms von wenigstens
einem Eingangsdruck, bei dem dieser dem Verdichter zugeführt wird, auf wenigstens
einen Enddruck, bei dem dieser dem Verdichter entnommen wird, eingerichtet ist. Ein
Verdichter bildet dabei generell eine bauliche Einheit, die jedoch mehrere "Verdichterstufen"
in Form von Kolben-, Schrauben- und/oder Schaufelrad- bzw. Turbinenanordnungen (also
Axial- oder Radialverdichterstufen) aufweisen kann. Dies gilt auch insbesondere für
den "Haupt(luft)verdichter" einer Luftzerlegungsanlage, der sich dadurch auszeichnet,
dass durch diesen die gesamte oder der überwiegende Anteil der in die Luftzerlegungsanlage
eingespeisten Luftmenge, also der gesamte Einsatzluftstrom, verdichtet wird. Insbesondere
werden entsprechende Verdichterstufen mittels eines gemeinsamen Antriebs, beispielsweise
über eine gemeinsame Welle, angetrieben. Nachfolgend ist von "Verdichtereinheiten"
die Rede, wobei bestimmte Verdichtereinheiten für unterschiedliche Verdichtungszwecke
verwendete Verdichterstufen aufweisen kann und diese Verdichterstufen mechanisch miteinander
gekoppelt sind, beispielsweise über eine gemeinsame Welle.
[0015] Die vorliegende Erfindung betrifft in ihren unterschiedlichen Ausgestaltungen insbesondere
eine hinsichtlich der Erstellungskosten verbesserte Möglichkeit zur Bereitstellung
von Einsatzluft für unterschiedliche Rektifikationsanordnung und gleichzeitig zur
Verdichtung eines Hochreinstickstoffprodukts. Den nachfolgenden Erläuterungen liegen
Systeme mit zwei Rektifikationsanordnungen zugrunde, von denen eine mit einer Doppelkolonne
ausgebildet ist und ein Argongewinnungssystem aufweist und die andere in Form einer
SPECTRA-Einheit ausgebildet ist und kein Argongewinnungssystem aufweist. Das hier
vorgeschlagene Verfahren bzw. ein entsprechendes System ist dabei erweiterbar, insbesondere
mit einer weiteren SPECTRA-Einheit zur Stickstoffgewinnung.
[0016] Eine SPECTRA-Einheit mit Argongewinnung ist herkömmlicherweise (zur Verringerung
der Erstellungskosten) mit einem vierstufigen Hauptluftverdichter und einem zweistufigen
Stickstoffverdichter in Form einer Kombinationsmaschine ausgestattet. Eine SPECTRA-Einheit
ohne Argongewinnung ist herkömmlicherweise mit einem drei- oder vierstufigen Hauptluftverdichter
ausgestattet.
[0017] Die vorliegende Erfindung wurde insbesondere für ein Anforderungsprofil mit einer
Luftverdichteranordnung von N+2 entwickelt. Diese soll insbesondere eine Reduktion
von 50% in der gesamten Gasversorgung ermöglichen, was zu einer in Betrieb befindlichen
50%-Maschinen für jede Anlage führt. Es soll ferner möglich sein, jede der Einheiten
im Falle einer Wartung/Ausfallzeit der anderen Einheit zu betreiben. Eine herkömmliche
Lösung würde daher die Verwendung von N+2 Maschinen, d.h. 2+2 für die SPECTRA-Einheit
mit Argongewinnung und 2+2 für die SPECTRA-Einheit ohne Argongewinnung, und damit
acht Maschinen insgesamt, führen. Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung bieten
eine Lösung, um die Anzahl der installierten Maschinen auf ein Minimum zu reduzieren
und trotzdem einen effizienten und flexiblen Betrieb insgesamt sicherzustellen.
[0018] Zur Argongewinnung können Luftzerlegungsanlagen mit sogenannten Roh- und Reinargonkolonnen
eingesetzt werden. Ein Beispiel ist bei Häring (s.o.) in Figur 2.3A veranschaulicht
und ab Seite 26 im Abschnitt "Rectification in the Low-pressure, Crude and Pure Argon
Column" sowie ab Seite 29 im Abschnitt "Cryogenic Production of Pure Argon" beschrieben.
In einer herkömmlichen Rohargonkolonne wird Rohargon gewonnen und in einer nachgeschalteten
Reinargonkolonne zu Reinargon aufbereitet. Grundsätzlich kann zur Argongewinnung auch
auf eine Reinargonkolonne verzichtet werden, wenn die betreffenden Rektifikationskolonnen
entsprechend angepasst werden. Reinargon kann beispielsweise aus der Rohargonkolonne
bzw. einer vergleichbaren Rektifikationskolonne weiter unterhalb als das herkömmlicherweise
in die Reinargonkolonne überführte Fluid abgezogen werden, wobei ein oberhalb der
Entnahmestelle angeordneter Abschnitt zur Stickstoffabtrennung dient. Zuvor und nachfolgend
werden auch die Begriffe "Argongewinnungskolonne" und "Argongewinnungssystem" verwendet.
[0019] Die Erfindung ermöglicht eine Erstellungs- und Betriebskostenreduzierung durch Einhaltung
der Flexibilität und der Produktanforderungen durch eine geschickte Verschaltung von
Luft- und Hochreinstickstoffverdichtung und eine intelligente Definition der Verdichtungsanforderungen.
Mindestens einer der Verdichter, d.h. die zweite Verdichtereinheit, ist dabei kein
Kombinationsverdichter und damit nur für die Verdichtung von Luft eingerichtet.
[0020] Insbesondere kann bzw. können eine, mehrere oder alle der ersten Verdichtereinheiten
zwei bis vier der ersten Verdichterstufen und/oder zwei bis vier der zweiten Verdichterstufen
aufweisen. Hierbei können in einer, meheren oder allen ersten Verdichtereinheiten
eine, mehrere oder alle der ersten Verdichterstufen mit einer, mehreren oder allen
der zweiten Verdichterstufe mechanisch gekoppelt sein. Auch eine paarweise Kopplung
jeweils einer ersten und einer zweiten Verdichterstufe kann vorgesehen sein. Die obigen
Erläuterungen zu "der" ersten Verdichterstufe und "der" zweiten Verdichterstufe betreffen
daher auch solche Ausgestaltungen.
[0021] Ebenfalls kann in Ausgestaltungen der Erfindung die Verdichteranordnung zwei oder
mehr zweite Verdichtereinheiten aufweisen, von denen dann eine, mehrere oder alle
betrieben werden können wie zuvor erläutert.
[0022] Die ersten Verdichterstufen unterschiedlicher erster Verdichtereinheiten können dabei
voneinander entkoppelt sein und die zweiten Verdichterstufen unterschiedlicher erster
Verdichtereinheiten können ebenfalls voneinander entkoppelt sein.
[0023] Insbesondere weist die erste Rektifikationsanordnung eine Doppelkolonneneinheit mit
einer Druckkolonne und einer Niederdruckkolonne sowie einer Argongewinnungskolonne
auf, wobei der unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung bereitgestellte
Hochreinstickstoff aus der Doppelkolonneneinheit, insbesondere am Kopf einer Druckkolonne
und/oder Niederdruckkolonne, entnommen wird, und wobei der Argongewinnungskolonne
ein Argonprodukt entnommen wird.. Die Druck- und Niederdruckkolonne können dabei in
einem gemeinsamen Mantel verbaut, aber auch separat zueinander bereitgestellt werden.
Die Niederdruckkolonne kann einteilig oder zweiteilig ausgebildet sein. Der Betriebsdruck
der Druckkolonne kann insbesondere bei 9 bis 14,5 bar liegen.
[0024] Auch die Argonkolonne kann einteilig oder zweiteilig ausgebildet sein. Die erste
Rektifikationsanordnung kann eine oder mehrere Rektifikationskolonnen zur Herstellung
von ultrahochreinem Sauerstoff und/oder zur Herstellung eines Krypton-/Xenon-Rohgemischs
und/oder zur Herstellung eines Helium-/Neon-Rohgemischs umfassen.
[0025] Die zweite Rektifikationsanordnung weist insbesondere eine Stickstoffkolonne, aus
der der unter Verwendung der zweiten Rektifikationsanordnung bereitgestellte Hochreinstickstoff
entnommen wird, und keine Argongewinnungskolonne auf. Es kann sich insbesondere um
eine Rektifikationskolonne handeln, wie sie für ein SPECTRA-System bekannt ist. Insbesondere
kann in der zweiten Rektifikationsanordnung genau eine Stickstoffkolonne vorhanden
sein, und zwar als einzige Kolonne, oder es können eine oder mehrere Stickstoffkolonnen
zusammen mit einer oder mit mehreren weiteren Kolonnen vorhanden sein, insbesondere
für die Produktion von ultrahochreinem Sauerstoff, wie eingangs erläutert.
[0026] Die erste Rektifikationsanordnung bzw. deren Doppelkolonneneinheit wird insbesondere
betrieben, wie für entsprechende Anordnungen an sich bekannt. Der Stickstoffkolonne
der zweiten Rektifikationsanrodnung wird insbesondere Flüssigkeit entnommen, entspannt,
gegen kondensierendes Kopfgas der zweiten Stickstoffkolonne verdampft, und zumindest
zum Teil einer Rückverdichtung unterworfen und in die Stickstoffkolonne zurückgespeist.
Die zweite Stickstoffkolonne ist dabei insbesondere vom Typ jener Rektifikationskolonnen,
wie sie eingangs unter Bezug auf Druckschriften wie die
US 5,582,034 A, die
WO 2021/180362 A1 und die
WO 2020/083528 A1 bzw. das SPECTRA-Verfahren beschrieben wurden. Die erwähnte Rückverdichtung kann
dabei insbesondere unter Verwendung eines mit einer Entspannungsturbine gekoppelten
Boosters eines Turbinenboosters erfolgen.
[0027] Eine "Entspannungsturbine" bzw. "Entspannungsmaschine", die über eine gemeinsame
Welle mit weiteren Entspannungsturbinen oder Energiewandlern wie Ölbremsen, Generatoren
oder Verdichtern gekoppelt sein kann, ist zur Entspannung eines gasförmigen oder zumindest
teilweise flüssigen Stroms eingerichtet. Insbesondere können Entspannungsturbinen
zum Einsatz in der vorliegenden Erfindung als Turboexpander ausgebildet sein. Wird
ein Verdichter mit einer oder mehreren Entspannungsturbinen angetrieben, jedoch ohne
extern, beispielsweise mittels eines Elektromotors, zugeführte Energie, wird der Begriff
"turbinengetriebener Verdichter" oder alternativ "Turbinenbooster" verwendet.
[0028] Der Stickstoffkolonne (in der zweiten Rektifikationsanordnung) können aus einem unteren
Bereich insbesondere Flüssigkeiten mit unterschiedlichen Stickstoff- und Sauerstoffgehalten
entnommen werden, von denen die Flüssigkeit mit dem höheren Stickstoffgehalt insbesondere
die bereits erwähnte Flüssigkeit sein kann. Die Flüssigkeiten können in einem Kondensatorverdampfer
zur Kondensation des stickstoffreichen Kopfgases der Rektifikationskolonne verwendet
werden, um auf diese Weise einen Rücklauf für die Stickstoffkolonne zu liefern. Nach
Verdampfung der stickstoffreicheren und sauerstoffärmeren Flüssigkeit kann das gebildete
Gas, oder ein Teil hiervon, rückverdichtet, abgekühlt, und in die Stickstoffkolonne
rückgespeist. Dieses Gas wird auch als "Kreislaufstrom" bezeichnet. Die stickstoffärmere
und sauerstoffreichere Flüssigkeit kann, ebenfalls nach entsprechender Verdampfung,
in einer Entspannungsturbine entspannt werden, die einen Booster zur Rückverdichtung
des Kreislaufstroms antreibt. Weiteres Kopfgas der Stickstoffkolonne kann als das
Stickstoffprodukt aus der Luftzerlegungsanlage ausgeleitet werden.
[0029] In einer Ausgestaltung der Erfindung kann jede der ersten Verdichtereinheiten, wie
erwähnt, bis zu vier der ersten Verdichterstufen und bis zu zwei der zweiten Verdichterstufen
aufweisen. Eine entsprechende Verteilung von Verdichterstufen bzw. der Einsatz für
die jeweiligen Zwecke kann insbesondere eine Anpassung an die Mengenverhältnisse von
Stickstoff und anderen Luftkomponenten in atmosphärischer Luft erfolgen.
[0030] Das Verfahren umfasst in Ausgestaltungen insbesondere einen ersten Einzelbetriebsmodus,
in dem die Einsatzluft der Verdichtung unterworfen und nur der ersten Rektifikationsanordnung
zugeführt wird, und in dem zumindest ein Teil ersten Verdichtereinheiten betrieben
wird und die zweite Verdichtereinheit nicht betrieben wird. In entsprechenden Ausgestaltungen
kann also insbesondere die SPECTRA-Einheit ohne Argongewinnung außer Betrieb gesetzt
werden, beispielsweise um diese warten zu können oder die bereitgestellte Gesamtmenge
an Stickstoff zu reduzieren.
[0031] Insbesondere ist in Ausgestaltungen auch ein zweiter Einzelbetriebsmodus vorgesehen,
in dem die Einsatzluft der Verdichtung unterworfen und nur der zweiten Rektifikationsanordnung
zugeführt wird, und in dem die zweite Verdichtereinheit betrieben wird und die ersten
Verdichtereinheiten nicht betrieben werden. Auf diese Weise kann insbesondere von
einer Kombinationsproduktion von Stickstoff und Argon auf eine reine Stickstoffproduktion
unter Reduktion der Stickstoffmenge umgestellt werden.
[0032] Der Kombinationsbetriebsmodus und/oder der erste Einzelbetriebsmodus kann bzw. können
insbesondere einen Auslegungsbetriebsmodus, in dem alle ersten Verdichtereinheiten
betrieben werden, und einen oder mehrere Sonderbetriebsmodi, in dem zumindest eine
der ersten Verdichtereinheiten nicht betrieben wird, umfassen. Entsprechende Ausgestaltungen
ermöglichen eine Anpassung an unterschiedliche Produktanforderungen und betriebliche
Anforderungen.
[0033] Der Sonderbetriebsmodus oder zumindest einer der mehreren Sonderbetriebsmodi kann
insbesondere ein Wartungsbetriebsmodus sein, in dem eine Menge der Einsatzluft, die
der Verdichtung unterworfen wird, gleich wie in dem Auslegungsbetriebsmodus ist. In
einer derartigen Ausgestaltung kann ein Durchsatz der weiter aktiv betriebenen Verdichtereinheiten
erhöht werden.
[0034] Der Sonderbetriebsmodus oder zumindest einer der mehreren Sonderbetriebsmodi kann
insbesondere aber auch ein Lastreduktionsbetriebsmodus sein, in dem eine Menge der
Einsatzluft, die der Verdichtung unterworfen wird, geringer als in dem Auslegungsbetriebsmodus
ist. In einer derartigen Ausgestaltungen wird der Durchsatz insgesamt reduziert.
[0035] Weitere Betriebsmodi können vorgesehen sein, beispielsweise ein Wartungsmodus, bei
dem die erste und zweite Rektifikationsanordnungen in Betrieb sind und zwei oder drei
der ersten oder zweiten Verdichterstufen in Betrieb sind. Dabei kann können die zweiten
Verdichterstufen) im internen Kreislauf betrieben werden. Im weiteren gibt es die
Möglichkeit, dass nur die zweite Rektifikationsordnung in Betrieb ist und nur ein
Kombiverdichter mit erster und zweiter Verdichterstufe in Betrieb ist, wobei die zweite
Verdichterstufe im internen Kreislauf betrieben wird bzw. werden (also im "idle" Modus).
Entsprechendes gilt auch für mehrere erste und zweite Verdichterstufen, falls in einer
ersten Verdichteranordnung in einer Ausgestaltung vorgesehen.
[0036] Es können zwei Prepurification Units und zwei Hauptwärmetauschereinheiten bekannter
Art verwendet werden. Der ersten Rektifikationsanordnung kann eine der zwei Prepurification
Units und eine der zwei Hauptwärmetauschereinheiten zugeordnet sein, und der zweiten
Rektifikationsanordnung kann die jeweils andere der zwei Prepurification Units und
der zwei Hauptwärmetauschereinheiten zugeordnet sein. Unter einer "Rektifikationsanordnung"
seien also im hier zugrunde liegenden Verständnis die entsprechenden Kombinationen
aus Apparaten verstanden werden.
[0037] Das vorgeschlagene Luftzerlegungssystem zur kryogenen Erzeugung von Luftprodukten
umfasst eine erste Rektifikationsanordnung, eine zweite Rektifikationsanordnung und
eine Verdichteranordnung, wobei die erste Rektifikationsanordnung und die zweite Rektifikationsanordnung
jeweils eine für einen Betrieb bei mehr als 2 bar eingerichtete Rektifikationskolonne
aufweisen und das Luftzerlegungssystem dafür eingerichtet ist, einen Kombinationsbetriebsmodus
durchzuführen und in diesem unter Verwendung der Verdichteranordnung Einsatzluft einer
Einsatzluftverdichtung zu unterwerfen und danach in Anteilen der ersten Rektifikationsanordnung
und der zweiten Rektifikationsanordnung zuzuführen, unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung
und der zweiten Rektifikationsanordnung Hochreinstickstoff bereitzustellen, und den
unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung bereitgestellten Hochreinstickstoff
oder einen Teil hiervon unter Verwendung der Verdichteranordnung einer Hochreinstickstoffverdichtung
zu unterwerfen.
[0038] Die vorgeschlagene Verdichteranordnung umfasst mehrere erste Verdichtereinheiten
und eine zweite Verdichtereinheit, wobei jede der ersten Verdichtereinheiten eine
erste Verdichterstufe und eine zweite Verdichterstufe aufweist, und in jeder der ersten
Verdichtereinheiten die erste Verdichterstufe und die zweite Verdichterstufe mechanisch
miteinander gekoppelt sind. Das Luftzerlegungssystem ist dafür eingerichtet, in dem
Kombinationsbetriebsmodus die ersten Verdichterstufen der ersten Verdichtereinheiten
und die zweite Verdichtereinheit für die Einsatzluftverdichtung und die zweiten Verdichterstufen
der ersten Verdichtereinheiten für die Hochreinstickstoffverdichtung zu verwenden.
[0039] Zu weiteren Merkmalen und Vorteilen eines entsprechenden Luftzerlegungssystems und
Ausgestaltungen hiervon sei auf die obigen Erläuterungen betreffend das erfindungsgemäß
vorgeschlagenen Verfahren und seinen Ausgestaltungen ausdrücklich verwiesen, da diese
hierfür in gleicher Weise gelten.
[0040] Entsprechendes gilt auch für ein Luftzerlegungssystem das gemäß einer Ausgestaltung
der Erfindung dazu eingerichtet ist, ein Verfahren gemäß einer beliebigen Ausgestaltung
der vorliegenden Erfindung durchzuführen.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
[0041] Ausführungsformen der Erfindung werden nachfolgend rein beispielhaft unter Bezugnahme
auf die beigefügte Zeichnung unter Erläuterung des technischen Hintergrunds beschrieben.
Figur 1 veranschaulicht ein Luftzerlegungssystem gemäß einer Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung in vereinfachter schematischer Darstellung.
Figur 2 veranschaulicht Betriebsmodi eines Luftzerlegungssystems gemäß einer Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung.
Ausführungsformen der Erfindung
[0042] Die nachfolgend beschriebenen Ausführungsformen werden lediglich zu dem Zweck beschrieben,
den Leser beim Verständnis der beanspruchten und zuvor erläuterten Merkmale zu unterstützen.
Sie stellen lediglich repräsentative Beispiele dar und sollen hinsichtlich der Merkmale
der Erfindung nicht abschließend und/oder beschränkend betrachtet werden. Es versteht
sich, dass die zuvor und nachfolgend beschriebenen Vorteile, Ausführungsformen, Beispiele,
Funktionen, Merkmale, Strukturen und/oder anderen Aspekte nicht als Beschränkungen
des Umfangs der Erfindung, wie er in den Ansprüchen definiert ist, oder als Beschränkungen
von Äquivalenten zu den Ansprüchen zu betrachten sind, und dass andere Ausführungsformen
verwendet und Änderungen vorgenommen werden können, ohne vom Umfang der beanspruchten
Erfindung abzuweichen.
[0043] Unterschiedliche Ausführungsformen der Erfindung können weitere zweckmäßige Kombinationen
der beschriebenen Elemente, Komponenten, Merkmale, Teile, Schritte, Mittel usw. umfassen,
aufweisen, aus ihnen bestehen oder im Wesentlichen aus ihnen bestehen, auch wenn solche
Kombinationen hier nicht spezifisch beschrieben sind. Darüber hinaus kann die Offenbarung
andere Erfindungen umfassen, die gegenwärtig nicht beansprucht sind, die aber in Zukunft
beansprucht werden können, insbesondere wenn sie vom Umfang der unabhängigen Ansprüche
umfasst sind.
[0044] Erläuterungen, die sich auf Vorrichtungen, Apparate, Anordnungen, Systeme usw. gemäß
Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung beziehen, können auch für Verfahren,
Prozesse, Methoden usw. gemäß den Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung gelten
und umgekehrt. Gleiche, gleich wirkende, in ihrer Funktion einander entsprechende,
baulich identisch oder vergleichbar aufgebaute Elemente, Verfahrensschritte usw. können
mit identischen Bezugszeichen angegeben sein.
[0045] Figur 1 veranschaulicht ein Luftzerlegungssystem gemäß einer Ausführungsform der
vorliegenden Erfindung in einer ersten Darstellung.
[0046] Das Luftzerlegungssystem ist insgesamt mit 100 bezeichnet. Es umfasst eine erste
Rektifikationsanordnung 110, eine zweite Rektifikationsanordnung 120 und eine Verdichteranordnung
130. Die erste Rektifikationsanordnung 110 und die zweite Rektifikationsanordnung
120 sind jeweils in Form von Coldboxen veranschaulicht, wobei in der ersten Rektifikationsanordnung
110 ein Doppelkolonnensystem 111 und eine Argonkolonne 112 angedeutet sind, und wobei
in der zweiten Rektifikationsanordnung 120 eine Stickstoffkolonne 121 angedeutet istFerner
ist jeweils ein Hauptwärmetauscher 116 bzw. 126 zur Abkühlung von Einsatzluft veranschaulicht.
Für spezifische Ausgestaltungen der genannten Kolonnen(systeme) sei auf den eingangs
erwähnten Stand der Technik ausdrücklich verwiesen. Unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung
110 und der zweiten Rektifikationsanordnung 120 wird, sofern in Betrieb, jeweils Hochreinstickstoff
erzeugt, der insbesondere am Kopf einer (nicht gesondert bezeichneten) Niederdruckkolonne
des Doppelkolonnensystems 111 bzw. der Stickstoffkolonne 121 abgezogen wird. Entsprechende
Reinstickstoffströme sind mit 1 bzw. 2 bezeichnet. In der ersten Rektifikationsanordnung
110 ebenfalls bereitgestelltes Argon ist, ebenso wie ggf. weitere Luftprodukte wie
Hochreinsauerstoff, nicht gesondert dargestellt.
[0047] Die Verdichteranordnung 130 weist hier drei identisch bezeichnete und jeweils in
Form zweier Verdichtersymbole veranschaulichte erste Verdichtereinheiten 131 und eine
zweite Verdichtereinheit 132 auf, die ebenfalls mit einem Verdichtersymbol veranschaulicht
ist. Jede der ersten Verdichtereinheiten 131 weist mehrere erste Verdichterstufen
131a und mehrere zweite Verdichterstufen 131b auf. Konkrete Angaben hinsichtlich der
Verdichterstufen finden sich oben. In jeder der ersten Verdichtereinheiten 131 sind
die ersten Verdichterstufen 131a mit den zweiten Verdichterstufen 131b mechanisch
gekoppelt, beispielsweise über eine gemeinsame Achse, wie jeweils mit einer vertikalen
Linie veranschaulicht, oder über ein Getriebe.
[0048] Die ersten Verdichterstufen 131a saugen, wenn im Betrieb, jeweils über eine Filtereinheit
133 Einsatzluft in Form von Einsatzluftströmen 3 an, ebenso wie die zweite Verdichtereinheit
132 bzw. deren Verdichterstufen 132a. Den Verdichterstufen 131a bzw. 132a kann jeweils
ein Nachkühler nachgeschaltet sein. Über ebenfalls nachgeschaltete, nicht gesondert
bezeichnete Ventile kann die entsprechend verdichtete Einsatzluft je nach Betriebsmodus
in einer Sammelleitung 4 zusammengefasst und über weitere, nicht gesondert bezeichnete
Ventile auf eine erste Prepurification Unit 115 bzw. eine zweite Prepurification Unit
125 aufgeteilt oder nur einer hiervon zugeführt und anschließend ebenfalls auf die
erste Rektifikationsanordnung 110 und die zweite Rektifikationsanordnung 120 aufgeteilt
oder nur einer hiervon zugeführt werden. Die Einsatzluft wird dabei in den Prepurification
Units 115 bzw. 125 von Wasser und Kohlendioxid befreit und in den Hauptwärmetauschern
116 bzw. 126 gekühlt. Restgas 5 aus den Rektifikationsanordnungen 110 bzw. 120 kann
dabei zur Regenerierung in den Prepurification Units 115 bzw. 125 eingesetzt werden.
[0049] Der Hochreinstickstoffstrom 1 aus der ersten Rektifikationsanordnung 110 wird einer
Verteilerleitung 6 zugeführt und von dort aus über nicht gesondert bezeichnete Ventile
einer Saugseite der zweiten Verdichterstufen 131b der ersten Verdichtereinheiten 131,
sowie jeweils in Betrieb. Ein Teil kann als Produktstrom 7 aus dem Luftzerlegungssystem
100 ausgeleitet werden. Nach der Verdichtung in den zweiten Verdichterstufen 131b
kann der Hochreinstickstoff einer Sammelleitung 8 zugeführt und von hier zurück in
die erste Rektifikationsanordnung 110 bzw. als Produktstrom 9 aus dem Luftzerlegungssystem
100 ausgeleitet werden.
[0050] Wie bereits erwähnt, können in einem Kombinationsbetriebsmodus die ersten Verdichterstufen
131a zumindest einer der ersten Verdichtereinheiten 131 und die zweite Verdichtereinheiten
132 für die Einsatzluftverdichtung und die zweiten Verdichterstufen 131b der zumindest
einen ersten Verdichtereinheit 131 für die Hochreinstickstoffverdichtung verwendet
werden. In einem ersten Einzelbetriebsmodus wird die Einsatzluft der Verdichtung unterworfen
und nur der ersten Rektifikationsanordnung 110 zugeführt, und in diesem ersten Einzelbetriebsmodus
wird zumindest ein Teil ersten Verdichtereinheiten 131 betrieben und die zweite Verdichtereinheit
132 wird nicht betrieben. In einem zweiten Einzelbetriebsmodus wird die Einsatzluft
der Verdichtung unterworfen und nur der zweiten Rektifikationsanordnung 120 zugeführt,
und in diesem zweiten Einzelbetriebsmodus wird die zweite Verdichtereinheit 132 betrieben
und die ersten Verdichtereinheiten 131 werden nicht betrieben. Der Kombinationsbetriebsmodus
und/oder der erste Einzelbetriebsmodus kann einen Auslegungsbetriebsmodus umfassen,
in dem alle ersten Verdichtereinheiten betrieben werden, und einen oder mehrere Sonderbetriebsmodi,
in dem zumindest eine der ersten Verdichtereinheiten nicht betrieben wird.
[0051] Entsprechende Betriebsmodi werden nachfolgend unter Bezugnahme auf Figur 2 erläutert,
in der in elf Ansichten A bis L der ersten Verdichtereinheiten 131 mit den ersten
und zweiten Verdichterstufen 131a, 131b und der zweiten Verdichtereinheiten 132 mit
den Verdichterstufen 132a veranschaulicht sind. Die Verdichtereinheiten 131 und 132
mit den Verdichterstufen 131a, 131b und 132a sind nur in Ansicht A dargestellt. Nicht
in Betrieb befindliche Verdichtereinheiten sind durchkreuzt dargestellt. Innerhalb
der die Verdichterstufen 131a, 131b und 132a veranschaulichenden Symbole befindliche
Zahlen bezeichnen den jeweiligen Durchsatz, beispielsweise in tausend Normkubikmetern
pro Stunde. Es handelt sich lediglich um illustrative Beispiele, die den Gegenstand
der Erfindung nicht einschränken.
[0052] Ansicht A bezeichnet einen Kombinations- und Auslegungsbetriebsmodus, in dem alle
ersten Verdichtereinheiten 131 und die zweite Verdichtereinheit 132 in Betrieb ist.
Hierbei können theoretisch 240.000 Normkubikmeter pro Stunde Einsatzluft und 150.000
Normkubikmeter pro Stunde Hochreinstickstoff verdichtet werden.
[0053] In Ansicht B ist ein erster Einzelbetriebsmodus im Auslegungsbetriebsmodus dargestellt,
in dem die zweite Verdichtereinheit 132 nicht in Betrieb ist. Eine Gesamteinsatzluftmenge
von 120 Normkubikmetern pro Stunde Einsatzluft wird dabei zu gleichen Teilen mittels
der drei ersten Verdichtereinheiten 131 bzw. deren erster Verdichterstufen 131a verdichtet.
Entsprechendes gilt für die insgesamt 99.000 (bzw. 100.000) Normkubikmeter pro Stunde
Hochreinstickstoff, die unter Verwendung der zweiten Verdichterstufen 131b verdichtet
werden.
[0054] In Ansicht C ist weiter ein erster Einzelbetriebsmodus dargestellt, in dem die zweite
Verdichtereinheit 132 nicht in Betrieb ist. Allerdings ist auch hier eine der ersten
Verdichtereinheiten 131 nicht in Betrieb, so dass ein Sonderbetriebsmodus vorliegt.
Die Gesamteinsatzluftmenge von 120.000 Normkubikmetern pro Stunde Einsatzluft wird
dabei zu gleichen Teilen mittels der zwei ersten Verdichtereinheiten 131 bzw. deren
erster Verdichterstufen 131a verdichtet. Entsprechendes gilt für die insgesamt 100.000
Normkubikmeter pro Stunde Hochreinstickstoff, die unter Verwendung der zweiten Verdichterstufen
131b verdichtet werden.
[0055] Die Ansichten B und C entsprechen dabei insbesondere einem Betriebsfall, in dem eine
maximale Flüssigkeitsmenge bereitgestellt werden soll.
[0056] Die in den Ansichten D und E veranschaulichten Betriebsmodi gleichen im Wesentlichen
den in den Ansichten B und C veranschaulichten Betriebsmodi, werden aber z.B. zur
Deckung eines maximalen Flüssigsauerstoffgehalts eingestellt.
[0057] Die in den Ansichten D und E veranschaulichten Betriebsmodi gleichen ebenfalls im
Wesentlichen den in den Ansichten B und C veranschaulichten Betriebsmodi, wobei jedoch
ein Durchsatz abgesenkt wird. Dieser erste Einzelbetriebs- und Sonderbetriebsmodus
kann z.B. zur Deckung einer maximalen Gasmenge dienen.
[0058] Besteht in gewissen Zeiten nur ein stark reduzierter Bedarf an entsprechenden Luftprodukten,
kann der erste Einzelbetriebs- und Sonderbetriebsmodus gemäß Ansicht H eingestellt
werden. In diesem ist nur eine der ersten Verdichtereinheiten 131 in Betrieb und liefert
entsprechend geringe Mengen.
[0059] Die Ansichten I und K zeigen zweite Betriebsmodi, in denen nur die zweite Verdichtereinheit
132 und hier zusätzlich mit unterschiedlichen Durchsätzen, in Betrieb sind. Ansicht
L zeigt wiederum einen Kombinationsbetriebsmodus.
1. Verfahren zur kryogenen Erzeugung von Luftprodukten, bei dem ein Luftzerlegungssystem
(100) mit einer ersten Rektifikationsanordnung (110), einer zweiten Rektifikationsanordnung
(120) und einer Verdichteranordnung (130) verwendet wird, wobei die erste Rektifikationsanordnung
(110) und die zweite Rektifikationsanordnung (120) jeweils eine auf einem Druckniveau
von mehr als 2 bar betriebene Rektifikationskolonne aufweisen und das Verfahren einen
Kombinationsbetriebsmodus umfasst, in dem unter Verwendung der Verdichteranordnung
(130) Einsatzluft einer Einsatzluftverdichtung unterworfen und anschließend in Anteilen
der ersten Rektifikationsanordnung (110) und der zweiten Rektifikationsanordnung (120)
zugeführt wird, in dem unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung (110) und
der zweiten Rektifikationsanordnung (120) Hochreinstickstoff bereitgestellt wird,
und in dem unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung (110) bereitgestellte
Hochreinstickstoff oder ein Teil hiervon unter Verwendung der Verdichteranordnung
(130) einer Hochreinstickstoffverdichtung unterworfen wird,
dadurch gekennzeichnet, dass die Verdichteranordnung (130) mehrere erste Verdichtereinheiten (131) und eine zweite
Verdichtereinheit (132) aufweist, wobei jede der ersten Verdichtereinheiten (131)
eine erste Verdichterstufe (131a) und eine zweite Verdichterstufe (131b) aufweist,
in den ersten Verdichtereinheiten (131) die erste Verdichterstufe (131a) und die zweite
Verdichterstufe (131b) mechanisch miteinander gekoppelt sind, und in dem Kombinationsbetriebsmodus
- die ersten Verdichterstufen (131a) der ersten Verdichtereinheiten (131) und die
zweite Verdichtereinheit (132) für die Einsatzluftverdichtung und
- die zweiten Verdichterstufen (131b) der ersten Verdichtereinheiten (131) für die
Hochreinstickstoffverdichtung verwendet werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem eine, mehrere oder alle der ersten Verdichtereinheiten
(131) zwei bis vier der ersten Verdichterstufen (131a) und/oder zwei bis vier der
zweiten Verdichterstufen (131b) aufweisen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die Verdichteranordnung (130) zwei oder
mehr der zweiten Verdichtereinheiten (132) aufweist.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem die ersten Verdichterstufen
(131a) unterschiedlicher erster Verdichtereinheiten (131) voneinander entkoppelt sind
und die zweiten Verdichterstufen (131b) unterschiedlicher erster Verdichtereinheiten
(131) voneinander entkoppelt sind.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem die erste Rektifikationsanordnung
(110) eine Doppelkolonneneinheit (111) und eine Argongewinnungskolonne (112) aufweist,
wobei
- der unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung (110) bereitgestellte Hochreinstickstoff
aus der Doppelkolonneneinheit (111) entnommen wird, und
- der Argongewinnungskolonne (112) ein Argonprodukt entnommen wird, und bei dem die
zweite Rektifikationsanordnung (120) eine Stickstoffkolonne (121), aus der der unter
Verwendung der zweiten Rektifikationsanordnung (120) bereitgestellte Hochreinstickstoff
entnommen wird, und keine Argongewinnungskolonne aufweist.
6. Verfahren nach Anspruch 5, bei dem der Stickstoffkolonne (121) Flüssigkeit entnommen,
entspannt, gegen kondensierendes Kopfgas der zweiten Stickstoffkolonne (121) verdampft,
und zumindest zum Teil einer Rückverdichtung unterworfen und in die zweite Stickstoffkolonne
(121) zurückgespeist wird.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, das einen ersten Einzelbetriebsmodus
umfasst, in dem die Einsatzluft der Verdichtung unterworfen und nur der ersten Rektifikationsanordnung
(110) zugeführt wird, und in dem
- zumindest ein Teil ersten Verdichtereinheiten (131) betrieben wird und
- die zweite Verdichtereinheit (132) nicht betrieben wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, das einen zweiten Einzelbetriebsmodus umfasst, in dem die
Einsatzluft der Verdichtung unterworfen und nur der zweiten Rektifikationsanordnung
(120) zugeführt wird, und in dem die zweite Verdichtereinheit (132) betrieben wird
und die ersten Verdichtereinheiten (131) nicht betrieben werden.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder Anspruch 8, bei dem der Kombinationsbetriebsmodus und/oder
der erste Einzelbetriebsmodus einen Auslegungsbetriebsmodus, in dem alle ersten Verdichtereinheiten
(131) betrieben werden, und einen oder mehrere Sonderbetriebsmodi, in dem zumindest
eine der ersten Verdichtereinheiten (131) nicht betrieben wird, umfasst.
10. Verfahren nach Anspruch 9, wobei der Sonderbetriebsmodus oder zumindest einer der
mehreren Sonderbetriebsmodi ein Wartungsbetriebsmodus ist, in dem eine Menge der Einsatzluft,
die der Verdichtung unterworfen wird, gleich wie in dem Auslegungsbetriebsmodus ist.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder Anspruch 10, wobei der Sonderbetriebsmodus oder zumindest
einer der mehreren Sonderbetriebsmodi ein Lastreduktionsbetriebsmodus ist, in dem
eine Menge der Einsatzluft, die der Verdichtung unterworfen wird, geringer als in
dem Auslegungsbetriebsmodus ist.
12. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem der ersten Rektifikationsanordnung
(110) eine erste Prepurification Unit (115) und eine erste Hauptwärmetauschereinheit
(116) zugeordnet ist, und bei dem der zweiten Rektifikationsanordnung (120) eine zweite
Prepurification Unit (125) und eine zweite Hauptwärmetauschereinheit (126) zugeordnet
ist.
13. Luftzerlegungssystem (100) zur kryogenen Erzeugung von Luftprodukten mit einer ersten
Rektifikationsanordnung (110), einer zweiten Rektifikationsanordnung (120) und einer
Verdichteranordnung (130), wobei die erste Rektifikationsanordnung (110) und die zweite
Rektifikationsanordnung (120) jeweils eine für einen Betrieb bei mehr als 2 bar eingerichtete
Rektifikationskolonne aufweisen und das Luftzerlegungssystem (100) dafür eingerichtet
ist, einen Kombinationsbetriebsmodus durchzuführen und in diesem unter Verwendung
der Verdichteranordnung (130) Einsatzluft einer Einsatzluftverdichtung zu unterwerfen
und danach in Anteilen der ersten Rektifikationsanordnung (110) und der zweiten Rektifikationsanordnung
(110) zuzuführen, unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung (110) und der
zweiten Rektifikationsanordnung (110) Hochreinstickstoff bereitzustellen, und den
unter Verwendung der ersten Rektifikationsanordnung (110) bereitgestellten Hochreinstickstoff
oder einen Teil hiervon unter Verwendung der Verdichteranordnung (130) einer Hochreinstickstoffverdichtung
zu unterwerfen, dadurch gekennzeichnet, dass die Verdichteranordnung (130) mehrere erste Verdichtereinheiten (131) und eine zweite
Verdichtereinheit (132) aufweist, wobei jede der ersten Verdichtereinheiten (131)
eine erste Verdichterstufe (131a) und eine zweite Verdichterstufe (131b) aufweist,
und in den ersten Verdichtereinheiten (131) die erste Verdichterstufe (131a) und die
zweite Verdichterstufe (131b) mechanisch miteinander gekoppelt sind, und wobei das
Luftzerlegungssystem (100) dafür eingerichtet ist, in dem Kombinationsbetriebsmodus
die ersten Verdichterstufen (131a) der ersten Verdichtereinheiten (131) und die zweite
Verdichtereinheit (132) für die Einsatzluftverdichtung und die zweiten) Verdichterstufen
(131b) der ersten Verdichtereinheiten (131) für die Hochreinstickstoffverdichtung
zu verwenden.
14. Luftzerlegungssystem (100) nach Anspruch 13, das zur Durchführung eines Verfahrens
nach einem der Ansprüche 1 bis 12 eingerichtet ist.