(19)
(11) EP 4 488 614 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
08.01.2025  Patentblatt  2025/02

(21) Anmeldenummer: 24183897.8

(22) Anmeldetag:  24.06.2024
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
F42B 33/06(2006.01)
(52) Gemeinsame Patentklassifikation (CPC) :
F42B 33/062; B24C 1/045
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC ME MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA
Benannte Validierungsstaaten:
GE KH MA MD TN

(30) Priorität: 03.07.2023 DE 102023117504

(71) Anmelder:
  • thyssenkrupp Marine Systems GmbH
    24143 Kiel (DE)
  • thyssenkrupp AG
    45143 Essen (DE)

(72) Erfinder:
  • Rasch, Axel
    22143 Hamburg (DE)

(74) Vertreter: thyssenkrupp Intellectual Property GmbH 
ThyssenKrupp Allee 1
45143 Essen
45143 Essen (DE)

   


(54) VERWENDUNG VON SPRENGSTOFF ALS ABRASIVMITTEL BEIM WASSERSTRAHLSCHNEIDEN


(57) Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Wasserstrahlschneiden von Munition, wobei Munition mit einem Wasserstrahl geschnitten wird, wobei das zum Schneiden verwendete Wasser nach dem Schneiden zu einer Reinigung geführt wird, wobei die Reinigung wenigstens einen ersten Abscheidevorgang aufweist, wobei im ersten Abscheidevorgang Partikel mit mehr als 2,6 mm abgetrennt werden, wobei das Wasser wenigstens teilweise nach der Reinigung dem Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt wird.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Zerteilen von Kampfmitteln (Munition) mittels Wasserstrahlschneiden, wobei der Sprengstoff selber als Abrasivmittel verwendet wird.

[0002] Kampfmittel insbesondere aus dem zweiten Weltkrieg stellen nach wie vor eine Gefährdung der Schifffahrt und der Umwelt dar. Daher sollen diese entsprechend aus Umweltschutzgründen und mit Blick auf die maritime Sicherheitsstrategie der EU geräumt werden. Hierbei ist eine Delaboration direkt auf See aus unterschiedlichen Gründen sinnvoll da andernfalls die Kampfmittel juristisch eingeführt werden würden, was gegebenenfalls hohe bürokratische und technische Hürden bedingt und zudem die Entsorgung an Land sehr hohe logistische Kosten nach sich ziehen könnte. Bisher wurden solche Kampfmittel einzeln durch entsprechende Spezialisten neutralisiert. Um dieses Bedrohungspotential jedoch in endlicher Zeit und vor einem vollständigen Verrosten der Kampfmittel abbauen zu können, sind neue Konzepte, insbesondere schwimmende Plattformen zur Delaboration und Entsorgung von Kampfmitteln auf See nötig.

[0003] Eines der grundlegenden Probleme bei der Kampfmittelräumung ist, dass bei jedem Schritt das Risiko besteht, dass das Kampfmittel ungewollte umsetzt. Neben der primären Wirkung, besteht weiter das Risiko, dass die durch die erste Explosion erzeugte Druckwelle weitere Kampfmittel zur Detonation bringen kann.

[0004] Aus der DE 10 2020 212 443 A1 ist eine mobile Entschärfungskammer bekannt.

[0005] Aus der DE 10 2015 115 822 A1 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Abtrennen von Partikeln einer bestimmten Größenordnung aus einer Suspension bekannt.

[0006] Aus der DE 10 2016 115 468 A1 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Entsorgung eines unter Wasser liegenden Kampfmittels bekannt.

[0007] Aus der US 7 225 716 B1 ist ein Verfahren zur Entfernung des Zünders von explosiven Geschossen mittels Flüssigkeitsstrahltechnik bekannt.

[0008] Aus der DE 43 03 868 A1 ist ein Verfahren und eine Anlage zur Trennung und Rückgewinnung von Abrasivmitteln bei der Wasserstrahlanwendung bekannt.

[0009] Aus der US 2018 / 0161958 A1 ist die Rezirkulation von feuchten Abrasivmitteln beim Wasserstrahlschneiden bekannt.

[0010] Es wird derzeit davon ausgegangen, dass Wasserstrahlschneiden in einer solchen Entschärfungskammer eine sehr gute Möglichkeit ist, die Kampfmittel zu zerkleinern.

[0011] Die Herausforderung ist jedoch, dass durch das Wasserstrahlschneiden der Sprengstoff nicht gezündet werden darf und am Ende aus dem zum Schneiden verwendete Wasser wieder sicher entfernt werden kann, damit dieses nicht unkontrolliert an die Umwelt abgegeben wird. Hierbei ist bei der Abtrennung zu vermeiden, dass erneut größere und damit kritische Mengen an Sprengstoff erneut zusammengeführt werden und so ein erneutes Risiko der ungewollten Umsetzung (Detonation) besteht.

[0012] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Schneideverfahren zur sicheren Zerteilung von Kampfmitteln bereitzustellen.

[0013] Gelöst wird diese Aufgabe durch das Verfahren mit den in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen. Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen, der nachfolgenden Beschreibung sowie der Zeichnung.

[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Wasserstrahlschneiden von Munition dient dazu, Kampfmittel, insbesondere alte, geborgene Kampfmittel, soweit zu zerkleinern, dass diese sicher einer Verbrennungsvorrichtung zugeführt werden können. Dazu wird Munition mit einem Wasserstrahl geschnitten. Munition ist im Allgemeinen als explosivstoffhaltig oder sprengstoffhaltig definiert und wird durch eine Waffe ausgestoßen. Im Sinne der Erfindung umfasst Munition aber auch Bomben, Minen sowie Granaten, soweit sie explosivstoff- oder sprengstoffhaltig ausgeführt sind. Munition umfasst dabei sowohl eingesetzte Munition, also beispielsweise abgeworfene Bomben oder gelegte Minen, die beispielsweise als Blindgänger dorthin gelangt sind. Munition umfasst im Sinne der Erfind aber auch insbesondere verklappte, also nicht eingesetzte, sondern nur zur Entsorgung ins Meer gekippte Munition. Im Gegensatz zu Blindgängern können diese beispielweise auch nicht bezündert sein, also nicht im eigentlichen Sinne als scharfe Munition angesehen werden. Die Munition enthält einen Sprengstoff, wobei dieser entweder als Wirkmittel oder als Treibmittel für den Einsatz der Munition vorgesehen sein kann. Die Munition beinhaltet dabei einen Anteil von Sprengstoff, der bei Wasserstrahlschneiden ebenfalls abgetrennt oder ausgewaschen wird und mit dem Prozesswasser des Wasserstrahlschneidens abgetragen wird. Die Munition kann dabei zusätzlich noch eine feste Hülle oder ein Geschoss aufweisen, die typischerweise aus Metall bestehen, aber auch aus einem anderen Werkstoff bestehen kann. Auch kann die Munition weitere Komponenten umfassen. Sprengstoff im Sinne der Erfindung umfasst Explosivmittel sowie explosionsgefährliche Stoffe, insbesondere Initialsprengstoffe, Treib- und Schießstoffe, wie Schwarzpulver und Schießpulver oder Treibladungspulver, Zündmitteln und pyrotechnischen Erzeugnisse. Im Gegensatz zu beispielsweise einem Metallsägeblatt oder einem Laser-Schneideprozess ist das Risiko beim Wasserstrahlschneiden besser kalkulierbar. Jedoch stellt das Wasserstrahlschneiden auch eine Herausforderung dar. Durch das Wasserstrahlschneiden werden Partikel des Sprengstoffs mit dem Wasser mitgerissen. Beim Wasserstrahlschneiden bilden sich somit Partikel aus Sprengstoff im Schneidewasser. Dieser Sprengstoff kann natürlich nicht einfach an die Umwelt abgegeben werden. Weiter besteht das Risiko, dass im weiteren Verfahren, zum Beispiel bei Reinigungsaktivitäten, oder an anderer Stelle der Sprengstoff sich beispielsweise als Sediment absetzt und so wieder eine kritische Gesamtmenge erreicht, deren unkontrollierte Umsetzung auch zu einer Gefahr werden kann. Dabei können schnell große Wassermengen entstehen, die bei einer direkten Entsorgung einen hohen Energieverbrauch haben. Auf der anderen Seite hat sich aber herausgestellt, dass gerade diese Partikel aus Sprengstoff auch als Abrasivmittel verwendet werden können und somit im Wasser verbleiben können. Das zum Schneiden verwendete Wasser wird nach dem Schneiden zu einer Reinigung in einer geeigneten Abwasserreinigungsanlage zugeführt. Die Reinigung weist wenigstens einen ersten Abscheidevorgang auf. Im ersten Abscheidevorgang werden Partikel abgeschieden, die eine kritische Größe übersteigen. Als kritische Größe ist eine Größe anzusehen, ab der eine energetische Umsetzung bei den im Wasserstrahlvorgang auftretenden hohen Energien möglich ist, es also zu einer Zündung und damit zu einer ungewollten Energiefreisetzung kommen kann. Die genaue Größe ist hierbei vom Sprengstoff abhängig und kann somit and den Sprengstoff, welcher in der zu zerteilenden Munition eingesetzt ist. Anstelle der kritischen Größe wird oftmals die kritische Masse verwendet, jedoch eignet sich für die Abtrennung eben die Größe besser als die Masse zur Definition einer Abtrennungsgrenze. Hierbei kommt es erfindungsgemäß eben nicht auf die wirkliche kritische Masse an, da diese vom Sprengstoff und vor allem auch von dessen Zustand abhängig ist. Da bei der Räumung jedoch oft der genaue Sprengstoff nicht bekannt ist und vor allem der genaue Zustand auch nicht bekannt ist, wird daher konservativ von einem üblichen Sprengstoff in optimaler Qualität ausgegangen, sodass der durch schlechte Lagerung und Alterung in der Munition vorhandene Sprengstoff in jedem Fall weniger reaktiv ist, also eine theoretisch höhere kritische Masse aufweist. Daher ist das erfindungsgemäße Abzielen auf eine kritische Größe sinnvoll, die eben eine Größe beschreibt, bei welcher ein optimaler Sprengstoff eine energische Umsetzung erfahren könnte. Ohne diese genaue Kenntnis hat sich als allgemeine Obergrenze die Abtrennung von Partikeln mit mehr als 2,8 mm, bevorzugt von mit mehr als 2,6 mm, herausgestellt. Das gereinigte Wasser wird wenigstens teilweise nach der Reinigung mit den verbleibenden Partikeln dem Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Sprengstoffpartikel als Abrasivmittel beim Wasserstrahlschneiden verwendet werden können. Eine Anpassung der Schneidparameter kann aufgrund des Abrasivmittels angebracht sein. Jedoch stellen zu große Sprengstoffpartikel selber wieder eine Gefahr dar, da diese im Wasserstrahlschneideprozess so viel Energie zugeführt bekommen, dass es zu einer unkontrollierten Umsetzung kommen kann. Dieses wiederum könnte dann sogar dazu führen, dass der restliche, im Kampfmittel vorhandene Sprengstoff gezündet werden könnte oder Schäden an der Wasserstrahleinrichtung entstehen. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass es ausreicht, den Anteil an Partikeln mit einer Partikelgröße von mehr als 2,6 mm abzutrennen, da alle Partikel, welche kleiner sind, ausreichend klein sind, sodass dieses Risiko ausgeschlossen ist. Die kleineren Partikel verbleiben hingegen in Wasser und wirken so direkt als Abrasivmittel. Es kann dabei unschädlich sein, dass die Abtrennung des Anteils an Partikeln mit einer Partikelgröße von mehr als 2,6 mm auch einige Partikel von kleinerer Größe abscheidet, soweit die Mehrzahl der kleineren Partikel im Wasser verbleibt. Der Abscheidevorgang muss also nicht sehr genau in Hinblick auf die Selektivität sein.

[0015] Größe der Partikel meint in diesem Zusammenhang beispielsweise den Durchmesser. Der Durchmesser ist insbesondere für sphärische Partikel die sinnvollste Größe.

[0016] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden in der Abwasserreinigung Partikel aus metallischen oder anderen Werkstoffen abgetrennt und überwiegend nur die Partikel aus Sprengstoff in der passenden Partikelgröße passieren gelassen. Partikel aus Metall können dabei magnetisch oder über einen anderen geeigneten Abscheideprozess, insbesondere die hohe Dichte der Metallpartikel zum Beispiel in einem Hydrozyklon, einfach aus dem Prozesswasser entfernt werden.

[0017] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden im ersten Abscheidevorgang Partikel mit mehr als 1 mm abgetrennt. Hierdurch wird die Sicherheit erhöht, beispielsweise falls in dem Kampfmittel ein unbekannter Sprengstoff mit gegebenenfalls höherem Gefährdungspotential im Kampfmittel vorhanden ist. Um diese Sicherheit weiter auszubauen, kann die Grenze der Partikel, welche abgetrennt werden, weiter gesenkt werden. Als Untergrenze für die Abtrennung ist eine Abtrennungsgröße von bis zu 100 µm sinnvoll. Es werden also alle Partikel abgetrennt, die größer als die gewählte Obergrenze für die verbleibenden Partikel sind. Eine weitere Abtrennung würde nur zu kleine Partikel übriglassen, sodass der Einsatz als Strahlmittel nicht mehr effektiv möglich wäre. Vorzugsweise werden noch kleinere Partikel nicht vollständig abgetrennt, da sonst die Wirkung als Abrasivmittel zu stark abgeschwächt wird.

[0018] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung erfolgt das Wasserstrahlschneiden mit einem Druck von weniger als 3600 bar. Durch das Begrenzen des Druckes wird auch die punktuell eingebrachte Energie begrenzt. Bei höheren Drucken kann der Sprengstoff des Kampfmittels durch die mechanisch eingebrachte Energie zur Zündung gebracht werden. Daher ist die Begrenzung auf einem Druck von weniger als 3600 bar als ausreichende Sicherheit anzusehen. Es verbleiben also Partikel bis wenigstens 100 µm als Abrasivmittel im Wasser.

[0019] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist der erste Abscheidevorgang ein kontinuierlicher Abscheidevorgang. Bevorzugt erfolgt der erste Abscheidevorgang mittels eines Hydrozyklons. Die kontinuierlichen Abscheidevorgänge haben den Vorteil, dass nur eine begrenzte Anreicherung, beispielsweise als Schlamm erfolgt. Während beispielsweise bei einer einfachen Filtration sich auf einem Filterblatt ein Filterkuchen ausbildet und sich so immer mehr Material ansammelt und so eine kritische Masse übersteigen kann, wird bei einem kontinuierlichen Abscheideverfahren auch der Feststoff, welcher hier gerade die gefährlichsten Partikel aus Sprengstoff mit einer Größe von mehr als 2,6 mm aufweist, auch kontinuierlich entfernt, also nicht erst angereichert. Somit dient der kontinuierliche Abscheidevorgang dazu, die Sicherheit bei der Aufreinigung des Wassers zu erhöhen.

[0020] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird nach dem ersten Abscheidevorgang ein zweiter Abscheidevorgang durchgeführt. Im zweiten Abscheidevorgang werden Partikel mit mehr als 10 µm, bevorzugt mehr als 50 µm, abgetrennt. Es ergibt sich somit eine Fraktion von beispielsweise 2,6 mm bis 10 µm, bevorzugt von 2,6 mm bis 50 µm. Diese Fraktion ist klein genug, sodass die Partikel keine Gefährdung darstellen, auf der anderen Seite sind die Partikel groß genug, um als Abrasivmittel eingesetzt werden zu können. Durch die Abtrennung ist eine gezielte und dosierte Zuführung zum Wasserstrahlschneiden möglich. Daher werden bevorzugt die im zweiten Abscheidevorgang abgeschiedenen Partikel wenigstens teilweise dem Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt. Durch das Abtrennen und gezielte Zudosieren kann auch eine zu starke Anreicherung vermieden werden.

[0021] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird ein Teilstrom des Wassers nach dem ersten Abscheideprozess, was auch die Entfernung nach einem optionalen zweien Abscheideprozess mitumfasst, aus dem Kreislauf entfernt. Da dieser Teilstrom noch Sprengstoff mit sehr geringer Größe aufweist, wird der Teilstrom mittels Ultrafiltration gereinigt. Da es hier nur um die Entfernung von Restmengen geht, ist hier eine Anreicherung im Filterkuchen akzeptabel, der Filterkuchen darf nur nicht zu groß werden, der Filter muss entsprechend oft ausgetauscht oder gereinigt werden.

[0022] In einer weiteren Ausführungsform werden die dem Wasser entnommenen Partikel einer Verbrennungseinrichtung zugeführt. Insbesondere kann vorgesehen sein, dass die Zuführung diskontinuierlich ist, also erst bei Ansammlung einer bestimmten Menge Partikel oder nach einem vorbestimmten Zeitintervall diese einer Verbrennung zugeführt werden.

[0023] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird das Wasser zwischen dem Abscheidevorgang und der erneuten Zuführung zum Wasserstrahlschneiden zumindest teilweise mittels eines Sensors auf die im Wasser verbleibende Partikelgröße untersucht. Der Sensor kann dabei auf einem an sich bekannten Prinzip beruhen, beispielsweise der Streulichtanalyse, Dabei kann vorgesehen sein, dass der Sensor die erfasste Anzahl oder Durchmesser der Partikel erfasst und an eine Steuervorrichtung weiterleitet. Sollte die Anzahl oder die Durchmesser der Partikel dem vorgegebenen Maximalwert überschreiten kann die Steuervorrichtung die Einrichtung zum Wasserstrahlschneiden abschalten oder die Wasserzuführung umschalten. Es wird dadurch vermieden, dass bei einer Fehlfunktion der Abscheidevorrichtung eine Beschädigung der Vorrichtung zum Wasserstrahlschneiden erfolgt.

[0024] Auch kann vorgesehen sein, dass der Sensor oder ein weiterer Sensor die Anzahl der Partikel erfasst und die Einrichtung zum Wasserstrahlschneiden weitere zusätzliche Schneidpartikel in Abhängigkeit der gemessenen Partikel zuführt, so dass immer eine ausreichende Anzahl an Schneidmittel dem Wasserstrahlschneiden zugeführt wird.

[0025] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird das Verfahren an Bord einer schwimmenden Delaborationsplattform durchgeführt. Gerade auf einer schwimmenden Delaborationsplattform ist ein zuverlässiger Kreislaufprozess, zum Beispiel für das Schneidewasser, und auch die Sicherheit der schwimmenden Delaborationsplattform an sich sehr wichtig. Daher ist die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens gerade auf einer Delaborationsplattform besonders vorteilhaft.

[0026] Nachfolgend ist das erfindungsgemäße Verfahren anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Fig. 1 Beispielhafte Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens

[0027] In Fig. 1 ist eine Delaborationsplattform 10 gezeigt anhand der das erfindungsgemäße Verfahren beispielhaft gezeigt werden soll. Ein Kampfmittel 30 wird beispielsweise vom Meeresgrund geborgen und auf die Delaborationsplattform 10 und dort in eine Entschärfungskammer 20 eingebracht. In der Entschärfungskammer 20 wird das Kampfmittel 30 mittels einer Wasserstrahlschneidevorrichtung 50 in Kampfmittelteile zerteilt. Diese Kampfmittelteile 90 werden dann in eine Verbrennungsvorrichtung 40 überführt und dort verbrannt.

[0028] Das Wasser vom Wasserstrahlschneiden wird aus den Entschärfungskammer über die Schneideabwasserleitung 80 einer ersten Abscheidevorrichtung 61, bevorzugt einem Hydrozyklon zugeführt. In der ersten Abscheidevorrichtung 61 werden alle Partikel mit mehr als 1 mm abgeschieden. Durch die Wahl von 1 mm wird sichergestellt, dass alle Partikel größer als 2,6 mm sicher abgeschieden werden. Die abgeschiedenen Partikel werden als grobe Sprengstoffpartikel 91 ebenfalls der Verbrennungsvorrichtung 40 zugeführt. Da es sich bei der ersten Abscheidevorrichtung 61 um einen Hydrozyklon handelt, ist der Stoffstrom der groben Sprengstoffpartikel 91 ein Schlamm. Hierdurch wird eine zu starke Anreicherung und Verdichtung des Sprengstoffs vor der Verbrennung zuverlässig vermieden.

[0029] Das aus der ersten Abscheidevorrichtung 61 kommende Wasser kann entweder direkt über eine direkte Schneidwasserrückführung 81 der Wasserstrahlschneidevorrichtung 50 wieder zugeführt werden, oder über eine erste Wasserüberführung 82 einer optionalen zweiten Abscheidevorrichtung 62 zugeführt werden. In der zweiten Abscheidevorrichtung 62 werden Partikel von mehr als 10 µm abgetrennt, sodass sich eine mittlere Fraktion zwischen 10 µm und 1 mm ergibt. Die mittleren Sprengstoffpartikel 92 werden einer Zudosiervorrichtung 70 zugeführt, welche dem Wasser, welches der Wasserstrahlschneidevorrichtung 50 zugeführt wird, die Sprengstoffpartikel der mittleren Fraktion dosiert wieder zusetzt. Ein Überschuss der mittleren Fraktion kann auch in der Verbrennungsvorrichtung 40 verbrannt werden.

[0030] Das Wasser aus der zweiten Abscheidevorrichtung 62 kann entweder über die Schneidwasserrückführung 83 der Zudosierungsvorrichtung 70 zugeführt werden oder über eine zweite Wasserüberführung 84 einer dritten Abscheidevorrichtung 63. Die dritte Abscheidevorrichtung 63 ist beispielswiese eine Ultrafiltration und dient der möglichst vollständigen Entfernung aller Sprengstoffreste. Damit kann das Wasser aus der dritten Abscheidevorrichtung 63 über eine Wasserausschleusung 85 gefahrlos abgegeben werden. Mit dem Filterkuchen aus der dritten Abscheidevorrichtung 63 werden die feine Sprengstoffpartikel 93 auch in die Verbrennungsvorrichtung 40 überführt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Gesamtgröße des Filterkuchens eine kritische Größe nicht übersteigt.

Bezugszeichen



[0031] 
10
Delaborationsplattform
20
Entschärfungskammer
30
Kampfmittel
40
Verbrennungsvorrichtung
50
Wasserstrahlschneidevorrichtung
61
erste Abscheidevorrichtung
62
zweite Abscheidevorrichtung
63
dritte Abscheidevorrichtung
70
Zudosiervorrichtung
80
Schneideabwasserleitung
81
direkte Schneidwasserrückführung
82
erste Wasserüberführung
83
Schneidwasserrückführung
84
zweite Wasserüberführung
85
Wasserausschleusung
90
Kampfmittelteile
91
grobe Sprengstoffpartikel
92
mittlere Sprengstoffpartikel
93
feine Sprengstoffpartikel



Ansprüche

1. Verfahren zum Wasserstrahlschneiden von Munition, wobei Munition mit einem Wasserstrahl geschnitten wird, wobei sich beim Wasserstrahlschneiden Partikel aus Sprengstoff im Wasser bilden, wobei das zum Schneiden verwendete Wasser nach dem Schneiden zu einer Reinigung geführt wird, wobei die Reinigung wenigstens einen ersten Abscheidevorgang aufweist, wobei im ersten Abscheidevorgang Partikel abgeschieden werden, die eine kritische Größe übersteigen, wobei das gereinigte Wasser mit den verbleibenden Partikeln wenigstens teilweise dem Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Partikel mit einer Größe von mehr als 2,8 mm, bevorzugt mit mehr als 2,6 mm, abgetrennt werden, wobei das Wasser wenigstens teilweise nach der Reinigung dem Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt wird.
 
3. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass im ersten Abscheidevorgang Partikel mit einer Größe von mehr als 1 mm abgetrennt werden.
 
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Wasserstrahlschneiden mit einem Druck von weniger als 3600 bar erfolgt.
 
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Abscheidevorgang ein kontinuierlicher Abscheidevorgang ist.
 
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Abscheidevorgang mittels eines Hydrozyklons erfolgt.
 
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem ersten Abscheidevorgang ein zweiter Abscheidevorgang durchgeführt wird, wobei im zweiten Abscheidevorgang Partikel mit einer Größe von mehr als 10 µm abgetrennt werden.
 
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass im zweiten Abscheidevorgang Partikel mit einer Größe von mehr als 50 µm abgetrennt werden.
 
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die im zweiten Abscheidevorgang abgeschiedenen Partikel wenigstens teilweise dem Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt werden.
 
10. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Teilstrom des Wassers nach dem ersten Abscheideprozess aus dem Kreislauf entfernt wird, wobei der Teilstrom mittels Ultrafiltration gereinigt wird.
 
11. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren an Bord einer Delaborationsplattform (10) durchgeführt wird.
 




Zeichnung








Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



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In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente