[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Zerteilen von Kampfmitteln (Munition) mittels
Wasserstrahlschneiden, wobei der Sprengstoff selber als Abrasivmittel verwendet wird.
[0002] Kampfmittel insbesondere aus dem zweiten Weltkrieg stellen nach wie vor eine Gefährdung
der Schifffahrt und der Umwelt dar. Daher sollen diese entsprechend aus Umweltschutzgründen
und mit Blick auf die maritime Sicherheitsstrategie der EU geräumt werden. Hierbei
ist eine Delaboration direkt auf See aus unterschiedlichen Gründen sinnvoll da andernfalls
die Kampfmittel juristisch eingeführt werden würden, was gegebenenfalls hohe bürokratische
und technische Hürden bedingt und zudem die Entsorgung an Land sehr hohe logistische
Kosten nach sich ziehen könnte. Bisher wurden solche Kampfmittel einzeln durch entsprechende
Spezialisten neutralisiert. Um dieses Bedrohungspotential jedoch in endlicher Zeit
und vor einem vollständigen Verrosten der Kampfmittel abbauen zu können, sind neue
Konzepte, insbesondere schwimmende Plattformen zur Delaboration und Entsorgung von
Kampfmitteln auf See nötig.
[0003] Eines der grundlegenden Probleme bei der Kampfmittelräumung ist, dass bei jedem Schritt
das Risiko besteht, dass das Kampfmittel ungewollte umsetzt. Neben der primären Wirkung,
besteht weiter das Risiko, dass die durch die erste Explosion erzeugte Druckwelle
weitere Kampfmittel zur Detonation bringen kann.
[0005] Aus der
DE 10 2015 115 822 A1 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Abtrennen von Partikeln einer bestimmten
Größenordnung aus einer Suspension bekannt.
[0006] Aus der
DE 10 2016 115 468 A1 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Entsorgung eines unter Wasser liegenden
Kampfmittels bekannt.
[0007] Aus der
US 7 225 716 B1 ist ein Verfahren zur Entfernung des Zünders von explosiven Geschossen mittels Flüssigkeitsstrahltechnik
bekannt.
[0008] Aus der
DE 43 03 868 A1 ist ein Verfahren und eine Anlage zur Trennung und Rückgewinnung von Abrasivmitteln
bei der Wasserstrahlanwendung bekannt.
[0009] Aus der
US 2018 / 0161958 A1 ist die Rezirkulation von feuchten Abrasivmitteln beim Wasserstrahlschneiden bekannt.
[0010] Es wird derzeit davon ausgegangen, dass Wasserstrahlschneiden in einer solchen Entschärfungskammer
eine sehr gute Möglichkeit ist, die Kampfmittel zu zerkleinern.
[0011] Die Herausforderung ist jedoch, dass durch das Wasserstrahlschneiden der Sprengstoff
nicht gezündet werden darf und am Ende aus dem zum Schneiden verwendete Wasser wieder
sicher entfernt werden kann, damit dieses nicht unkontrolliert an die Umwelt abgegeben
wird. Hierbei ist bei der Abtrennung zu vermeiden, dass erneut größere und damit kritische
Mengen an Sprengstoff erneut zusammengeführt werden und so ein erneutes Risiko der
ungewollten Umsetzung (Detonation) besteht.
[0012] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Schneideverfahren zur sicheren Zerteilung von Kampfmitteln
bereitzustellen.
[0013] Gelöst wird diese Aufgabe durch das Verfahren mit den in Anspruch 1 angegebenen Merkmalen.
Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen, der nachfolgenden
Beschreibung sowie der Zeichnung.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Wasserstrahlschneiden von Munition dient dazu,
Kampfmittel, insbesondere alte, geborgene Kampfmittel, soweit zu zerkleinern, dass
diese sicher einer Verbrennungsvorrichtung zugeführt werden können. Dazu wird Munition
mit einem Wasserstrahl geschnitten. Munition ist im Allgemeinen als explosivstoffhaltig
oder sprengstoffhaltig definiert und wird durch eine Waffe ausgestoßen. Im Sinne der
Erfindung umfasst Munition aber auch Bomben, Minen sowie Granaten, soweit sie explosivstoff-
oder sprengstoffhaltig ausgeführt sind. Munition umfasst dabei sowohl eingesetzte
Munition, also beispielsweise abgeworfene Bomben oder gelegte Minen, die beispielsweise
als Blindgänger dorthin gelangt sind. Munition umfasst im Sinne der Erfind aber auch
insbesondere verklappte, also nicht eingesetzte, sondern nur zur Entsorgung ins Meer
gekippte Munition. Im Gegensatz zu Blindgängern können diese beispielweise auch nicht
bezündert sein, also nicht im eigentlichen Sinne als scharfe Munition angesehen werden.
Die Munition enthält einen Sprengstoff, wobei dieser entweder als Wirkmittel oder
als Treibmittel für den Einsatz der Munition vorgesehen sein kann. Die Munition beinhaltet
dabei einen Anteil von Sprengstoff, der bei Wasserstrahlschneiden ebenfalls abgetrennt
oder ausgewaschen wird und mit dem Prozesswasser des Wasserstrahlschneidens abgetragen
wird. Die Munition kann dabei zusätzlich noch eine feste Hülle oder ein Geschoss aufweisen,
die typischerweise aus Metall bestehen, aber auch aus einem anderen Werkstoff bestehen
kann. Auch kann die Munition weitere Komponenten umfassen. Sprengstoff im Sinne der
Erfindung umfasst Explosivmittel sowie explosionsgefährliche Stoffe, insbesondere
Initialsprengstoffe, Treib- und Schießstoffe, wie Schwarzpulver und Schießpulver oder
Treibladungspulver, Zündmitteln und pyrotechnischen Erzeugnisse. Im Gegensatz zu beispielsweise
einem Metallsägeblatt oder einem Laser-Schneideprozess ist das Risiko beim Wasserstrahlschneiden
besser kalkulierbar. Jedoch stellt das Wasserstrahlschneiden auch eine Herausforderung
dar. Durch das Wasserstrahlschneiden werden Partikel des Sprengstoffs mit dem Wasser
mitgerissen. Beim Wasserstrahlschneiden bilden sich somit Partikel aus Sprengstoff
im Schneidewasser. Dieser Sprengstoff kann natürlich nicht einfach an die Umwelt abgegeben
werden. Weiter besteht das Risiko, dass im weiteren Verfahren, zum Beispiel bei Reinigungsaktivitäten,
oder an anderer Stelle der Sprengstoff sich beispielsweise als Sediment absetzt und
so wieder eine kritische Gesamtmenge erreicht, deren unkontrollierte Umsetzung auch
zu einer Gefahr werden kann. Dabei können schnell große Wassermengen entstehen, die
bei einer direkten Entsorgung einen hohen Energieverbrauch haben. Auf der anderen
Seite hat sich aber herausgestellt, dass gerade diese Partikel aus Sprengstoff auch
als Abrasivmittel verwendet werden können und somit im Wasser verbleiben können. Das
zum Schneiden verwendete Wasser wird nach dem Schneiden zu einer Reinigung in einer
geeigneten Abwasserreinigungsanlage zugeführt. Die Reinigung weist wenigstens einen
ersten Abscheidevorgang auf. Im ersten Abscheidevorgang werden Partikel abgeschieden,
die eine kritische Größe übersteigen. Als kritische Größe ist eine Größe anzusehen,
ab der eine energetische Umsetzung bei den im Wasserstrahlvorgang auftretenden hohen
Energien möglich ist, es also zu einer Zündung und damit zu einer ungewollten Energiefreisetzung
kommen kann. Die genaue Größe ist hierbei vom Sprengstoff abhängig und kann somit
and den Sprengstoff, welcher in der zu zerteilenden Munition eingesetzt ist. Anstelle
der kritischen Größe wird oftmals die kritische Masse verwendet, jedoch eignet sich
für die Abtrennung eben die Größe besser als die Masse zur Definition einer Abtrennungsgrenze.
Hierbei kommt es erfindungsgemäß eben nicht auf die wirkliche kritische Masse an,
da diese vom Sprengstoff und vor allem auch von dessen Zustand abhängig ist. Da bei
der Räumung jedoch oft der genaue Sprengstoff nicht bekannt ist und vor allem der
genaue Zustand auch nicht bekannt ist, wird daher konservativ von einem üblichen Sprengstoff
in optimaler Qualität ausgegangen, sodass der durch schlechte Lagerung und Alterung
in der Munition vorhandene Sprengstoff in jedem Fall weniger reaktiv ist, also eine
theoretisch höhere kritische Masse aufweist. Daher ist das erfindungsgemäße Abzielen
auf eine kritische Größe sinnvoll, die eben eine Größe beschreibt, bei welcher ein
optimaler Sprengstoff eine energische Umsetzung erfahren könnte. Ohne diese genaue
Kenntnis hat sich als allgemeine Obergrenze die Abtrennung von Partikeln mit mehr
als 2,8 mm, bevorzugt von mit mehr als 2,6 mm, herausgestellt. Das gereinigte Wasser
wird wenigstens teilweise nach der Reinigung mit den verbleibenden Partikeln dem Wasserstrahlschneiden
wieder zugeführt. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die Sprengstoffpartikel
als Abrasivmittel beim Wasserstrahlschneiden verwendet werden können. Eine Anpassung
der Schneidparameter kann aufgrund des Abrasivmittels angebracht sein. Jedoch stellen
zu große Sprengstoffpartikel selber wieder eine Gefahr dar, da diese im Wasserstrahlschneideprozess
so viel Energie zugeführt bekommen, dass es zu einer unkontrollierten Umsetzung kommen
kann. Dieses wiederum könnte dann sogar dazu führen, dass der restliche, im Kampfmittel
vorhandene Sprengstoff gezündet werden könnte oder Schäden an der Wasserstrahleinrichtung
entstehen. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass es ausreicht, den Anteil an Partikeln
mit einer Partikelgröße von mehr als 2,6 mm abzutrennen, da alle Partikel, welche
kleiner sind, ausreichend klein sind, sodass dieses Risiko ausgeschlossen ist. Die
kleineren Partikel verbleiben hingegen in Wasser und wirken so direkt als Abrasivmittel.
Es kann dabei unschädlich sein, dass die Abtrennung des Anteils an Partikeln mit einer
Partikelgröße von mehr als 2,6 mm auch einige Partikel von kleinerer Größe abscheidet,
soweit die Mehrzahl der kleineren Partikel im Wasser verbleibt. Der Abscheidevorgang
muss also nicht sehr genau in Hinblick auf die Selektivität sein.
[0015] Größe der Partikel meint in diesem Zusammenhang beispielsweise den Durchmesser. Der
Durchmesser ist insbesondere für sphärische Partikel die sinnvollste Größe.
[0016] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden in der Abwasserreinigung Partikel
aus metallischen oder anderen Werkstoffen abgetrennt und überwiegend nur die Partikel
aus Sprengstoff in der passenden Partikelgröße passieren gelassen. Partikel aus Metall
können dabei magnetisch oder über einen anderen geeigneten Abscheideprozess, insbesondere
die hohe Dichte der Metallpartikel zum Beispiel in einem Hydrozyklon, einfach aus
dem Prozesswasser entfernt werden.
[0017] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden im ersten Abscheidevorgang
Partikel mit mehr als 1 mm abgetrennt. Hierdurch wird die Sicherheit erhöht, beispielsweise
falls in dem Kampfmittel ein unbekannter Sprengstoff mit gegebenenfalls höherem Gefährdungspotential
im Kampfmittel vorhanden ist. Um diese Sicherheit weiter auszubauen, kann die Grenze
der Partikel, welche abgetrennt werden, weiter gesenkt werden. Als Untergrenze für
die Abtrennung ist eine Abtrennungsgröße von bis zu 100 µm sinnvoll. Es werden also
alle Partikel abgetrennt, die größer als die gewählte Obergrenze für die verbleibenden
Partikel sind. Eine weitere Abtrennung würde nur zu kleine Partikel übriglassen, sodass
der Einsatz als Strahlmittel nicht mehr effektiv möglich wäre. Vorzugsweise werden
noch kleinere Partikel nicht vollständig abgetrennt, da sonst die Wirkung als Abrasivmittel
zu stark abgeschwächt wird.
[0018] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung erfolgt das Wasserstrahlschneiden
mit einem Druck von weniger als 3600 bar. Durch das Begrenzen des Druckes wird auch
die punktuell eingebrachte Energie begrenzt. Bei höheren Drucken kann der Sprengstoff
des Kampfmittels durch die mechanisch eingebrachte Energie zur Zündung gebracht werden.
Daher ist die Begrenzung auf einem Druck von weniger als 3600 bar als ausreichende
Sicherheit anzusehen. Es verbleiben also Partikel bis wenigstens 100 µm als Abrasivmittel
im Wasser.
[0019] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung ist der erste Abscheidevorgang ein
kontinuierlicher Abscheidevorgang. Bevorzugt erfolgt der erste Abscheidevorgang mittels
eines Hydrozyklons. Die kontinuierlichen Abscheidevorgänge haben den Vorteil, dass
nur eine begrenzte Anreicherung, beispielsweise als Schlamm erfolgt. Während beispielsweise
bei einer einfachen Filtration sich auf einem Filterblatt ein Filterkuchen ausbildet
und sich so immer mehr Material ansammelt und so eine kritische Masse übersteigen
kann, wird bei einem kontinuierlichen Abscheideverfahren auch der Feststoff, welcher
hier gerade die gefährlichsten Partikel aus Sprengstoff mit einer Größe von mehr als
2,6 mm aufweist, auch kontinuierlich entfernt, also nicht erst angereichert. Somit
dient der kontinuierliche Abscheidevorgang dazu, die Sicherheit bei der Aufreinigung
des Wassers zu erhöhen.
[0020] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird nach dem ersten Abscheidevorgang
ein zweiter Abscheidevorgang durchgeführt. Im zweiten Abscheidevorgang werden Partikel
mit mehr als 10 µm, bevorzugt mehr als 50 µm, abgetrennt. Es ergibt sich somit eine
Fraktion von beispielsweise 2,6 mm bis 10 µm, bevorzugt von 2,6 mm bis 50 µm. Diese
Fraktion ist klein genug, sodass die Partikel keine Gefährdung darstellen, auf der
anderen Seite sind die Partikel groß genug, um als Abrasivmittel eingesetzt werden
zu können. Durch die Abtrennung ist eine gezielte und dosierte Zuführung zum Wasserstrahlschneiden
möglich. Daher werden bevorzugt die im zweiten Abscheidevorgang abgeschiedenen Partikel
wenigstens teilweise dem Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt. Durch das Abtrennen
und gezielte Zudosieren kann auch eine zu starke Anreicherung vermieden werden.
[0021] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird ein Teilstrom des Wassers nach
dem ersten Abscheideprozess, was auch die Entfernung nach einem optionalen zweien
Abscheideprozess mitumfasst, aus dem Kreislauf entfernt. Da dieser Teilstrom noch
Sprengstoff mit sehr geringer Größe aufweist, wird der Teilstrom mittels Ultrafiltration
gereinigt. Da es hier nur um die Entfernung von Restmengen geht, ist hier eine Anreicherung
im Filterkuchen akzeptabel, der Filterkuchen darf nur nicht zu groß werden, der Filter
muss entsprechend oft ausgetauscht oder gereinigt werden.
[0022] In einer weiteren Ausführungsform werden die dem Wasser entnommenen Partikel einer
Verbrennungseinrichtung zugeführt. Insbesondere kann vorgesehen sein, dass die Zuführung
diskontinuierlich ist, also erst bei Ansammlung einer bestimmten Menge Partikel oder
nach einem vorbestimmten Zeitintervall diese einer Verbrennung zugeführt werden.
[0023] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird das Wasser zwischen dem Abscheidevorgang
und der erneuten Zuführung zum Wasserstrahlschneiden zumindest teilweise mittels eines
Sensors auf die im Wasser verbleibende Partikelgröße untersucht. Der Sensor kann dabei
auf einem an sich bekannten Prinzip beruhen, beispielsweise der Streulichtanalyse,
Dabei kann vorgesehen sein, dass der Sensor die erfasste Anzahl oder Durchmesser der
Partikel erfasst und an eine Steuervorrichtung weiterleitet. Sollte die Anzahl oder
die Durchmesser der Partikel dem vorgegebenen Maximalwert überschreiten kann die Steuervorrichtung
die Einrichtung zum Wasserstrahlschneiden abschalten oder die Wasserzuführung umschalten.
Es wird dadurch vermieden, dass bei einer Fehlfunktion der Abscheidevorrichtung eine
Beschädigung der Vorrichtung zum Wasserstrahlschneiden erfolgt.
[0024] Auch kann vorgesehen sein, dass der Sensor oder ein weiterer Sensor die Anzahl der
Partikel erfasst und die Einrichtung zum Wasserstrahlschneiden weitere zusätzliche
Schneidpartikel in Abhängigkeit der gemessenen Partikel zuführt, so dass immer eine
ausreichende Anzahl an Schneidmittel dem Wasserstrahlschneiden zugeführt wird.
[0025] In einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird das Verfahren an Bord einer
schwimmenden Delaborationsplattform durchgeführt. Gerade auf einer schwimmenden Delaborationsplattform
ist ein zuverlässiger Kreislaufprozess, zum Beispiel für das Schneidewasser, und auch
die Sicherheit der schwimmenden Delaborationsplattform an sich sehr wichtig. Daher
ist die Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens gerade auf einer Delaborationsplattform
besonders vorteilhaft.
[0026] Nachfolgend ist das erfindungsgemäße Verfahren anhand eines in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Fig. 1 Beispielhafte Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens
[0027] In Fig. 1 ist eine Delaborationsplattform 10 gezeigt anhand der das erfindungsgemäße
Verfahren beispielhaft gezeigt werden soll. Ein Kampfmittel 30 wird beispielsweise
vom Meeresgrund geborgen und auf die Delaborationsplattform 10 und dort in eine Entschärfungskammer
20 eingebracht. In der Entschärfungskammer 20 wird das Kampfmittel 30 mittels einer
Wasserstrahlschneidevorrichtung 50 in Kampfmittelteile zerteilt. Diese Kampfmittelteile
90 werden dann in eine Verbrennungsvorrichtung 40 überführt und dort verbrannt.
[0028] Das Wasser vom Wasserstrahlschneiden wird aus den Entschärfungskammer über die Schneideabwasserleitung
80 einer ersten Abscheidevorrichtung 61, bevorzugt einem Hydrozyklon zugeführt. In
der ersten Abscheidevorrichtung 61 werden alle Partikel mit mehr als 1 mm abgeschieden.
Durch die Wahl von 1 mm wird sichergestellt, dass alle Partikel größer als 2,6 mm
sicher abgeschieden werden. Die abgeschiedenen Partikel werden als grobe Sprengstoffpartikel
91 ebenfalls der Verbrennungsvorrichtung 40 zugeführt. Da es sich bei der ersten Abscheidevorrichtung
61 um einen Hydrozyklon handelt, ist der Stoffstrom der groben Sprengstoffpartikel
91 ein Schlamm. Hierdurch wird eine zu starke Anreicherung und Verdichtung des Sprengstoffs
vor der Verbrennung zuverlässig vermieden.
[0029] Das aus der ersten Abscheidevorrichtung 61 kommende Wasser kann entweder direkt über
eine direkte Schneidwasserrückführung 81 der Wasserstrahlschneidevorrichtung 50 wieder
zugeführt werden, oder über eine erste Wasserüberführung 82 einer optionalen zweiten
Abscheidevorrichtung 62 zugeführt werden. In der zweiten Abscheidevorrichtung 62 werden
Partikel von mehr als 10 µm abgetrennt, sodass sich eine mittlere Fraktion zwischen
10 µm und 1 mm ergibt. Die mittleren Sprengstoffpartikel 92 werden einer Zudosiervorrichtung
70 zugeführt, welche dem Wasser, welches der Wasserstrahlschneidevorrichtung 50 zugeführt
wird, die Sprengstoffpartikel der mittleren Fraktion dosiert wieder zusetzt. Ein Überschuss
der mittleren Fraktion kann auch in der Verbrennungsvorrichtung 40 verbrannt werden.
[0030] Das Wasser aus der zweiten Abscheidevorrichtung 62 kann entweder über die Schneidwasserrückführung
83 der Zudosierungsvorrichtung 70 zugeführt werden oder über eine zweite Wasserüberführung
84 einer dritten Abscheidevorrichtung 63. Die dritte Abscheidevorrichtung 63 ist beispielswiese
eine Ultrafiltration und dient der möglichst vollständigen Entfernung aller Sprengstoffreste.
Damit kann das Wasser aus der dritten Abscheidevorrichtung 63 über eine Wasserausschleusung
85 gefahrlos abgegeben werden. Mit dem Filterkuchen aus der dritten Abscheidevorrichtung
63 werden die feine Sprengstoffpartikel 93 auch in die Verbrennungsvorrichtung 40
überführt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Gesamtgröße des Filterkuchens eine
kritische Größe nicht übersteigt.
Bezugszeichen
[0031]
- 10
- Delaborationsplattform
- 20
- Entschärfungskammer
- 30
- Kampfmittel
- 40
- Verbrennungsvorrichtung
- 50
- Wasserstrahlschneidevorrichtung
- 61
- erste Abscheidevorrichtung
- 62
- zweite Abscheidevorrichtung
- 63
- dritte Abscheidevorrichtung
- 70
- Zudosiervorrichtung
- 80
- Schneideabwasserleitung
- 81
- direkte Schneidwasserrückführung
- 82
- erste Wasserüberführung
- 83
- Schneidwasserrückführung
- 84
- zweite Wasserüberführung
- 85
- Wasserausschleusung
- 90
- Kampfmittelteile
- 91
- grobe Sprengstoffpartikel
- 92
- mittlere Sprengstoffpartikel
- 93
- feine Sprengstoffpartikel
1. Verfahren zum Wasserstrahlschneiden von Munition, wobei Munition mit einem Wasserstrahl
geschnitten wird, wobei sich beim Wasserstrahlschneiden Partikel aus Sprengstoff im
Wasser bilden, wobei das zum Schneiden verwendete Wasser nach dem Schneiden zu einer
Reinigung geführt wird, wobei die Reinigung wenigstens einen ersten Abscheidevorgang
aufweist, wobei im ersten Abscheidevorgang Partikel abgeschieden werden, die eine
kritische Größe übersteigen, wobei das gereinigte Wasser mit den verbleibenden Partikeln
wenigstens teilweise dem Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass Partikel mit einer Größe von mehr als 2,8 mm, bevorzugt mit mehr als 2,6 mm, abgetrennt
werden, wobei das Wasser wenigstens teilweise nach der Reinigung dem Wasserstrahlschneiden
wieder zugeführt wird.
3. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass im ersten Abscheidevorgang Partikel mit einer Größe von mehr als 1 mm abgetrennt
werden.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Wasserstrahlschneiden mit einem Druck von weniger als 3600 bar erfolgt.
5. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Abscheidevorgang ein kontinuierlicher Abscheidevorgang ist.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Abscheidevorgang mittels eines Hydrozyklons erfolgt.
7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem ersten Abscheidevorgang ein zweiter Abscheidevorgang durchgeführt wird,
wobei im zweiten Abscheidevorgang Partikel mit einer Größe von mehr als 10 µm abgetrennt
werden.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass im zweiten Abscheidevorgang Partikel mit einer Größe von mehr als 50 µm abgetrennt
werden.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die im zweiten Abscheidevorgang abgeschiedenen Partikel wenigstens teilweise dem
Wasserstrahlschneiden wieder zugeführt werden.
10. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Teilstrom des Wassers nach dem ersten Abscheideprozess aus dem Kreislauf entfernt
wird, wobei der Teilstrom mittels Ultrafiltration gereinigt wird.
11. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren an Bord einer Delaborationsplattform (10) durchgeführt wird.