[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum automatisierten oder assistierten Steuern
eines Schienenfahrzeugs, bei dem dynamische Fahrwegdaten, wie beispielsweise Fahrstraßen,
Geschwindigkeiten und/oder Signalbegriffe, für das Schienenfahrzeug in wenigstens
einem Stellwerk gebildet werden, bei dem statische Fahrwegdaten in wenigstens einer
Strecken-Datenbank gespeichert werden und bei dem das Schienenfahrzeug von wenigstens
einer fahrzeugseitigen ATO-Fahrzeugeinrichtung unter Berücksichtigung der dynamischen
und statischen Fahrwegdaten gesteuert wird.
[0002] Weiterhin betrifft die Erfindung eine ATO-Servereinrichtung zum streckenseitigen
Anordnen in einer eisenbahntechnischen Anlage, wobei die Anlage wenigstens ein Stellwerk,
wenigstens eine Strecken-Datenbank und wenigstens ein Schienenfahrzeug umfasst und
wobei dynamische Fahrwegdaten, wie beispielsweise Fahrstraßen, Geschwindigkeiten und
Signalbegriffe, für das Schienenfahrzeug in dem Stellwerk gebildet werden und statische
Fahrwegdaten in der Strecken-Datenbank gespeichert sind.
[0003] Die Einführung eines automatisierten Bahnbetriebs, der häufig mit der Abkürzung ATO
- Automatic Train Operation - verbunden ist, in eisenbahntechnischen Anlagen soll
Vorteile von Automatisierung bzw. Digitalisierung bringen, wie beispielsweise höhere
Kapazität, zuverlässigerer Betrieb, Entlastung des Betriebspersonals, etc. Unter automatisiertem
Bahnbetrieb wird hier sowohl das automatisierte Steuern eines Schienenfahrzeugs als
auch ein assistiertes Steuern des Schienenfahrzeugs verstanden. Beim assistierten
Steuern erhält der Fahrzeugführer genaue Fahrempfehlungen bezüglich der Steuerung
des Schienenfahrzeugs, z.B. Geschwindigkeiten und Bremskurven. Die eigentliche Steuerung
nimmt aber weiterhin der Fahrzeugführer vor. Beim automatisierten Steuern erfolgt
die Geschwindigkeitsregelung durch ein technisches System anstelle des Triebfahrzeugführers.
Auch beim automatisierten Steuern des Schienenfahrzeugs können manche über die Geschwindigkeitsregelung
hinausgehende Funktionen des Fahrzeugs weiterhin von einem Triebfahrzeugführer gesteuert
werden, wie z. B. Türbedienung, Kollisionsvermeidung bei Hindernissen, usw.
[0004] Vorhandene eisenbahntechnische Anlagen im Fernverkehr umfassten teilweise alte Zugsicherungseinrichtungen,
die nicht einfach umgerüstet werden können. Auch ist der Fernverkehr teilweise durch
heterogene Systemarchitekturen und komplexe Organisationsstrukturen geprägt, welche
die Einführung moderner Technologien wie beispielsweise ETCS - European Train Control
System - erschweren. Unter Fernverkehr werden hier auch sogenannte Vollbahnen verstanden,
wie z.B. S-Bahnen.
[0005] Eine bereits bekannte Realisierung von automatisiertem Bahnbetrieb für eisenbahntechnische
Anlagen im Fernverkehr, ist das sogenannte ATO over ETCS bzw. ERTMS/ATO. Hierfür müssen
die Anlagen aber zunächst mit ETCS ausgerüstet sein. Diese Umrüstung von Bestandsanlagen
auf ETCS wird aber noch lange dauern. Eine zuverlässige und sichere Lösung für bestehende
Anlagen im Fernverkehr, die keine ETCS Zugsicherung aufweisen, gibt es bisher nicht.
Anders als im Nahverkehr, bei dem es bereits Lösungen für automatisiertes Fahren z.B.
von U-Bahnen gibt, sind im Fernverkehr keine abgeschlossenen Gleisanlagen vorhanden,
so dass z.B. Personen in die Gleisanlagen gelangen können.
[0006] Daher ist es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung
der eingangs genannten Art bereitzustellen, die einen automatisierten Bahnbetrieb
im Fernverkehr für eisenbahntechnische Anlagen ohne ETCS ermöglicht.
[0007] Für das eingangs genannte Verfahren wird die Aufgabe erfindungsgemäß dadurch gelöst,
dass die dynamischen und die statischen Fahrwegdaten von einer streckenseitigen ATO-Servereinrichtung
erfasst, verarbeitet und an die fahrzeugseitige ATO-Fahrzeugeinrichtung übermittelt
werden.
[0008] Für die eingangs genannte ATO-Servereinrichtung wird die Aufgabe erfindungsgemäß
dadurch gelöst, dass die ATO-Servereinrichtung ausgebildet ist, die dynamischen und
die statischen Fahrwegdaten zu erfassen, zu verarbeiten und an eine fahrzeugseitige
ATO-Fahrzeugeinrichtung zu übermitteln.
[0009] Die erfindungsgemäße Lösung hat den Vorteil, dass hierdurch auch bestehende eisenbahntechnische
Anlagen im Fernverkehr, die bisher nicht auf ETCS umgerüstet sind, auf einfache und
sichere Weise für den automatisierten Bahnbetrieb ertüchtigt werden können.
[0010] Dabei werden die dynamischen Fahrwegdaten wie üblich in dem Stellwerk erzeugt. Unter
dynamischen Fahrwegdaten sind hier beispielsweise Fahrstraßen, Geschwindigkeiten und/oder
Signalbegriffe für das automatisiert zu steuernde Schienenfahrzeug zu verstehen. Hierbei
geht beispielsweise aus den Fahrstraßendaten hervor, welchen gleiskantengenauen Fahrweg
das Schienenfahrzeug durch die Einstellung im Stellwerk nehmen wird. Aus den Daten
zu den Signalbegriffen geht hervor, welche genauen Signalbegriffe für das Schienenfahrzeug
aktuell an welchem Ort gelten, wie beispielsweise Halt, Fahrt oder Langsamfahrt. Die
Geschwindigkeitsdaten umfassen beispielsweise individuelle Höchstgeschwindigkeiten
für das Schienenfahrzeug in bestimmten Streckenabschnitten.
[0011] Die allgemeingültigen Höchstgeschwindigkeiten für die Strecke und/oder für den Fahrzeugtyp
sind in den statischen Fahrwegdaten enthalten und fest. Aus den statischen Fahrwegdaten
gehen alle Informationen hervor, die sich nicht verändern wie beispielweise die genannten
Höchstgeschwindigkeiten für bestimmte Streckenabschnitte, Fahrplaninformationen und
ähnliches. Zu den statischen Fahrwegdaten gehören hier beispielsweise auch Fahrplandaten,
die üblicherweise von einem Traffic Management System (TMS) übermittelt werden und
sich über die Lebenszeit einer Strecke selbstverständlich ändern können. Weitere Beispiele
für statische Daten sind z.B. Neigungen, Kurvenradien, Bahnsteigpositionen, Bahnübergänge
oder Tunnel. Daneben gibt es noch weitere Attribute wie z. B. die Lage von Gleismagneten,
Einschaltkontakte für Bahnübergänge etc., die sich nur als Teil einer Baumaßnahme
ändern können, die dann eine Aktualisierung der Daten nach sich ziehen.
[0012] Im alten manuellen Betrieb, den die erfindungsgemäße Lösung aufwertet, konnte ein
Triebfahrzeugführer die dynamischen und die statischen Fahrwegdaten aus streckenseitigen
Lichtsignalen, Schildern an der Strecke, Streckenbeobachtungen, Anzeigen des Zugsicherungssystems
und dem Fahrplanbuch entnehmen. Durch die erfindungsgemäße Lösung werden sie automatisch
an das Schienenfahrzeug übermittelt.
[0013] Die erfindungsgemäße ATO-Servereinrichtung erfasst die dynamischen und statischen
Fahrwegdaten streckenseitig, verarbeitet diese und übermittelt sie an die fahrzeugseitige
ATO-Fahrzeugeinrichtung. Die ATO-Fahrzeugeinrichtung steuert mit den übermittelten
Daten das Schienenfahrzeug automatisiert. Durch die erfindungsgemäße Lösung werden
insbesondere die dynamischen Fahrwegdaten möglichst nah an der Quelle - dem Stellwerk
- oder an vorhandenen Schnittstellen aufwandsarm abgegriffen. Die von der erfindungsgemäßen
ATO-Servereinrichtung erfassten dynamischen und statischen Fahrwegdaten umfassen notwendige
Informationen, die von der fahrzeugseitigen ATO-Fahrzeugeinrichtung für ein automatisiertes
Steuern des Schienenfahrzeugs benötigt werden. Da diese dynamischen und statischen
Fahrwegdaten ausschließlich von der streckenseitigen ATO-Servereinrichtung erfasst
und verarbeitet werden, fungiert die ATO-Servereinrichtung als zentrale Stelle, die
alle für den automatisierten Fahrbetrieb des Schienenfahrzeugs nötigen streckenseitigen
Daten bzw. Informationen an die ATO-Fahrzeugeinrichtung übermitteln. Im Ergebnis liegt
der ATO-Servereinrichtung für jedes Schienenfahrzeug der eisenbahntechnischen Anlage
ein exakter, gleiskantengenauer Fahrweg mit präziser Information bezüglich signalisierter
bzw. baulich zulässiger Geschwindigkeit vor. Diese Informationen werden verarbeitet
und die an die ATO-Fahrzeugeinrichtung übermittelt.
[0014] Die erfindungsgemäße Lösung kann durch vorteilhafte Ausgestaltung weiterentwickelt
werden, die im Folgenden beschrieben sind.
[0015] So können die dynamischen Fahrwegdaten mittels wenigstens einer rückwirkungsfreien
Schnittstelle, insbesondere einer Datendiode, an die ATO-Servereinrichtung übertragen
werden. Dies hat den Vorteil, dass die rückwirkungsfreie Schnittstelle beispielsweise
beim Nachrüsten in die bestehende eisenbahntechnische Anlage integriert werden kann
und die nötigen dynamischen Fahrwegdaten an die ATO-Servereinrichtung übertragen kann,
ohne dass dies Auswirkungen auf die bestehende Anlage hat. Beispielsweise kann die
rückwirkungsfreie Schnittstelle an eine bestimmte Datenverbindung zwischen Stellwerk
und einer Betriebsleiteinrichtung angeordnet werden. Die Betriebsleittechnikeinrichtung,
wie beispielsweise ein Bedienplatz, stellt dynamische Fahrwegdaten zumindest teilweise
für einen Benutzer dar, so dass die dynamischen Fahrwegdaten hierzu vom Stellwerk
übermittelt werden.
[0016] Zwischen Stellwerk und Betriebsleiteinrichtung kommen häufig Standardschnittstellen
zum Einsatz, an die die rückwirkungsfreie Schnittstelle aufwandsarm angreifen kann.
Solche Standardschnittstellen sind beispielsweise bei Anwendungen bei der Deutschen
Bahn die sogenannte Standardbedienschnittstelle (SDS), bei der europäischen Stellwerksstandardisierung
Eulynx das Standard Communication Interface - Comment & Control (SCI-CC) oder auch
eine weitere Deutschland-spezifische Definition einer Command- und Control-Schnittstelle
(SCI-CC). Über die rückwirkungsfreie Schnittstelle zur ATO-Servereinrichtung können
die dynamischen Fahrwegdaten somit auf einfache Weise abgegriffen werden, beispielsweise
unidirektional. Die Verwendung einer rückwirkungsfreien Schnittstelle hat den Vorteil,
dass sie keinen Einfluss auf den Betrieb und die Sicherheit der bestehenden eisenbahntechnischen
Anlage hat. Eine sicherheitstechnische Neuzulassung nach einer erfindungsgemäßen Umrüstung
ist dadurch überflüssig oder zumindest unproblematisch. Als rückwirkungsfreie Schnittstelle
kann insbesondere eine sogenannte Datendiode verwendet werden, die technisch ausgereift
und gut verfügbar ist und somit einen rückwirkungsfreien Datenabgriff auf einfache
Weise ermöglicht. Die Datendiode, die auch als unidirektionale Schnittstelle - unidirectional
gateway - bezeichnet werden kann, lässt einen Datenfluss nur unidirektional zu, also
nur in eine Richtung, d.h. hier in Richtung der ATO-Servereinrichtung, wodurch die
Rückwirkungsfreiheit für die nachzurüstende eisenbahntechnische Anlage gegeben ist.
[0017] Um einen optimierten Datenverkehr von der ATO-Servereinrichtung zur ATO-Fahrzeugeinrichtung
zu gewährleisten, können die dynamischen und die statischen Fahrwegdaten beim Verarbeiten
konvertiert, analysiert und kombiniert werden und anschließend an die ATO-Fahrzeugeinrichtung
übermittelt werden. Beim Konvertieren, Analysieren und Kombinieren der dynamischen
und statischen Fahrwegdaten werden alle für die ATO-Fahrzeugeinrichtung nötigen Informationen
aus den dynamischen und statischen Fahrwegdaten extrahiert und kombiniert, so dass
lediglich das Ergebnis als ein somit schlankes Datenpaket an die ATO-Fahrzeugeinrichtung
übermittelt werden muss. Hierbei sind zwar alle nötigen Daten enthalten, aber überflüssige
Daten in den dynamischen und statischen Fahrwegdaten müssen nicht mitübertragen werden.
So werden beispielsweise lediglich Daten übertragen, die für das individuelle Schienenfahrzeug
und ggf. nur in einem bestimmten Zeitfenster relevant sind, und nicht die Daten für
andere Schienenfahrzeuge, die in den dynamischen und statischen Fahrwegdaten ebenfalls
enthalten sind bzw. enthalten sein können. Beim Verarbeiten kann somit ein individuelles
Datenpaket für das jeweilige Schienenfahrzeug erstellt und übermittelt werden. Hierdurch
ist die Größe der Datenpakete, die an die ATO-Fahrzeugeinrichtung übermittelt werden,
besser handhabbar und Übertragungsprobleme können vermieden werden.
[0018] In einer vorteilhaften Ausgestaltung kann das Schienenfahrzeug von der fahrzeugseitigen
ATO-Fahrzeugeinrichtung unter Berücksichtigung von Anforderungen einer bestehenden
Zugsicherungseinrichtung, insbesondere einer nationalen Zugsicherungseinrichtung,
gesteuert werden. Dies hat den Vorteil, dass Konflikte oder Probleme mit der bestehenden
Zugsicherungseinrichtung vermieden werden können. Die bestehende Zugsicherungseinrichtung
kann beispielsweise bestimmte Anforderungen an die Fahrt des Schienenfahrzeugs stellen,
die, wenn sie unberücksichtigt bleiben würden, zu Störungen führen würden, wie beispielsweise
einer Zwangsbremsung durch die bestehende Zugsicherungseinrichtung. Eine solche bestehende
Zugsicherungseinrichtung kann beispielsweise die nationale deutsche Zugsicherungseinrichtung
PZB (Punktförmige Zugbeeinflussung) sein, die beispielsweise die Einhaltung einer
bestimmten Fahrkurve nach dem Passieren eines Gleismagneten überwacht. Diese Fahrkurve
kann erfindungsgemäß von der fahrzeugseitigen ATO-Fahrzeugeinrichtung berücksichtigt
und eingehalten, so dass die Anforderungen der PZB-Zugsicherungseinrichtung erfüllt
sind. Wenn dies nicht der Fall wäre, würde die PZB-Zugsicherungseinrichtung eine Zwangsbremsung
auslösen. Selbstverständlich kann die ATO-Fahrzeugeinrichtung entsprechend auch gemäß
anderer nationaler Zugsicherungseinrichtungen wie beispielsweise LZB (Deutschland),
ATB (Niederlande) oder TBL1 (Belgien).
[0019] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zum Nachrüsten einer eisenbahntechnischen
Anlage für das erfindungsgemäße Verfahren nach einer der zuvor genannten Ausführungsformen,
wobei die Anlage wenigstens ein Schienenfahrzeug, wenigstens ein Stellwerk und eine
bestehende Zugsicherungseinrichtung, insbesondere eine nationale Zugsicherungseinrichtung,
umfasst. Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass streckenseitig wenigstens eine ATO-Servereinrichtung
und fahrzeugseitig wenigstens ein ATO-Fahrzeugeinrichtung nachgerüstet werden. Dies
hat den Vorteil, dass bestehende eisenbahntechnische Anlagen, die insbesondere nicht
mit einer ETCS-Zugsicherung ausgestattet sind, für den ATO-Betrieb, d.h. das automatisierte
Steuern eines Schienenfahrzeugs, ertüchtigt werden. Dadurch können bestehende Anlagen
auf einfache Weise umgerüstet und erweitert werden, so dass diese von den Vorteilen
des automatisierten Fahrens im Fernverkehr profitieren können.
[0020] In einer vorteilhaften Ausgestaltung des Verfahrens zum Nachrüsten kann streckenseitig
wenigstens eine rückwirkungsfreie Schnittstelle nachgerüstet werden, die zum Übertragen
der dynamischen Fahrwegdaten an die ATO-Servereinrichtung ausgebildet ist. Dies hat
den oben bereits beschriebenen Vorteil, dass durch die Installation der rückwirkungsfreien
Schnittstelle nicht in den sicheren Ablauf der bestehenden Anlage eingegriffen werden
muss und somit das Nachrüsten aufwandsarm ist.
[0021] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der erfindungsgemäßen ATO-Servereinrichtung
kann die ATO-Servereinrichtung wenigstens eine erste Schnittstelle umfassen, die zum
Empfangen der statischen Fahrwegdaten ausgebildet ist. Dies hat den Vorteil, dass
die ATO-Servereinrichtung auf einfache Weise mit der Streckendatenbank für das Empfangen
der statischen Fahrwegdaten verbunden werden kann.
[0022] Ferner kann die ATO-Servereinrichtung wenigstens eine zweite Schnittstelle umfassen,
die zum Empfangen der dynamischen Fahrwegdaten ausgebildet ist. Dies hat den Vorteil,
dass auch die dynamischen Fahrwegdaten auf einfache Weise empfangen werden können.
[0023] Die Erfindung betrifft weiterhin ein ATO-System mit wenigstens einer ATO-Fahrzeugeinrichtung
zum fahrzeugseitigen Anordnen, die zum Steuern des Schienenfahrzeugs unter Berücksichtigung
von dynamischen und statischen Fahrwegdaten ausgebildet ist, wobei die dynamischen
Fahrwegdaten, wie beispielsweise Fahrstraßen, Geschwindigkeiten und Signalbegriffe,
in wenigstens einem Stellwerk gebildet werden und die statischen Fahrwegdaten in wenigstens
einer Strecken-Datenbank gespeichert sind. Um das ATO-System auf einfache Weise in
bestehende eisenbahntechnische Anlagen integrieren zu können, ist erfindungsgemäß
vorgesehen, dass das ATO-System wenigstens eine ATO-Servereinrichtung nach einer der
zuvor genannten erfindungsgemäßen Ausführungen umfasst.
[0024] In einer vorteilhaften Ausgestaltung des erfindungsgemäßen ATO-Systems kann das ATO-System
wenigstens eine rückwirkungsfreie Schnittstelle umfassen, die zum Übertragen der dynamischen
Fahrwegdaten an die ATO-Servereinrichtung ausgebildet ist. Dies hat den oben bereits
beschriebenen Vorteil, dass durch die rückwirkungsfreie Schnittstelle eine einfache
Integration in bestehende Anlagen möglich ist. Ferner kann die Schnittstelle als eine
Datendiode ausgebildet sein. Die Datendiode ist als rückwirkungsfreie Schnittstelle
etabliert und kostengünstig verfügbar, so dass ihre Verwendung besonders einfach und
kostengünstig möglich ist.
[0025] In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des erfindungsgemäßen ATO-Systems kann
die ATO-Fahrzeugeinrichtung ausgebildet sein, das Schienenfahrzeug unter Berücksichtigung
von Anforderungen einer bestehenden Zugsicherungseinrichtung, insbesondere einer nationalen
Zugsicherungseinrichtung, zu steuern. Dies hat den ebenfalls oben schon beschriebenen
Vorteil, dass die weiterhin geltenden Anforderungen der bestehenden Zugsicherungseinrichtung
berücksichtigt werden und daher ohne Probleme bleiben.
[0026] Die Erfindung betrifft weiterhin auch eine eisenbahntechnische Anlage mit wenigstens
einem Stellwerk, wenigstens einer Strecken-Datenbank und wenigstens einem Schienenfahrzeug,
wobei dynamische Fahrwegdaten, wie beispielsweise Fahrstraßen, Geschwindigkeiten und
Signalbegriffe, für das Schienenfahrzeug in dem Stellwerk gebildet werden und statische
Fahrwegdaten in der Strecken-Datenbank gespeichert werden. Um die eisenbahntechnische
Anlage möglichst einfach für das automatisierte Fahren umzurüsten, ist erfindungsgemäß
vorgesehen, dass die Anlage wenigstens ein ATO-System nach einer der zuvor genannten
erfindungsgemäßen Ausführungsformen umfasst.
[0027] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der erfindungsgemäßen eisenbahntechnischen Anlage,
die wenigstens eine Betriebsleiteinrichtung, wie beispielsweise einen Bedienplatz
umfasst, kann die Schnittstelle nach der Ausführungsform in den Patentansprüchen 11
und 12 zwischen dem Stellwerk und der Betriebsleiteinrichtung angeordnet sein. Dies
hat den Vorteil, dass hier die dynamischen Fahrdaten vorhanden und leicht abgreifbar
sind. Dadurch ist eine aufwandsarme Nachrüstung in die eisenbahntechnische Anlage
möglich.
[0028] Im Folgenden wird die Erfindung mit Bezug auf die beigefügten Zeichnungen erläutert.
[0029] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung einer beispielhaften Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
eisenbahntechnischen Anlage;
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung einer weiteren alternativen Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
eisenbahntechnischen Anlage mit drei unterschiedlichen Optionen.
[0030] Zunächst wird die Erfindung mit Bezug auf die beispielhafte Ausführungsform in Fig.
1 erläutert.
[0031] Eine beispielhafte Ausführungsform einer erfindungsgemäßen eisenbahntechnischen Anlage
1 in Fig. 1 umfasst mehrere Stellwerke 2, mehrere Betriebsleiteinrichtungen 3, wenigstens
eine Strecken-Datenbank 4, mehrere Schienenfahrzeuge 5 und ein ATO-System 6. Das ATO-System
6 umfasst wiederum eine ATO-Fahrzeugeinrichtung 7 in jedem Schienenfahrzeug 5 und
mindestens eine streckenseitige ATO-Servereinrichtung 8.
[0032] Die eisenbahntechnische Anlage 1 ist so ausgebildet, dass ein automatisiertes Steuern
der Schienenfahrzeuge 5 erfindungsgemäß umgesetzt ist. Dabei ist die eisenbahntechnische
Anlage 1 mit einer nationalen Zugsicherungseinrichtung (nicht dargestellt) ausgestattet,
beispielsweise einer PZB-Zugsicherungseinrichtung. Eine ETCS-Zugsicherungseinrichtung
ist in der Anlage 1 aber nicht vorhanden. Daher ist ein automatisierter Fahrbetrieb
gemäß "ATO over ETCS" in der eisenbahntechnischen Anlage 1 nicht anwendbar. Hierfür
bildet die erfindungsgemäße Ausgestaltung in der eisenbahntechnische Anlage 1 eine
Alternative.
[0033] Die Stellwerke 2 sind in üblicher Weise ausgebildet und stellen im Betrieb Fahrstraßen
für die verschiedenen Schienenfahrzeuge 5. Dafür werden dynamische Fahrwegdaten 9
in dem jeweiligen Stellwerk 2 erzeugt. Wie üblich sind die unterschiedlichen Stellwerke
2 für unterschiedliche Streckenabschnitte ausgebildet. Die dynamischen Fahrwegdaten
9 umfassen beispielsweise Daten zu den gestellten Fahrstraßen, Geschwindigkeiten und
Signalbegriffen für das jeweilige Schienenfahrzeug 5. Die dynamischen Fahrwegdaten
9 werden von dem jeweiligen Stellwerk 2 an die jeweilige Betriebsleiteinrichtung 3
übermittelt, welche diese verarbeitet. Die Betriebsleiteinrichtungen 3 sind beispielsweise
Betriebsleitzentralen mit Bedienplätzen für zuständige Personen zur Steuerung und
Überwachung der eisenbahntechnischen Anlage 1.
[0034] Die Datenverbindung 10 zwischen den Stellwerken 2 und den Betriebsleiteinrichtungen
3 können beispielsweise über Standard-Schnittstellen realisiert sein, wie beispielsweise
SBS oder SCI-CC, wie sie beispielsweise auf nationaler oder europäischer Ebene üblich
und oben bereits beschrieben sind. Die dynamischen Fahrwegdaten 9 werden über die
jeweilige Datenverbindung 10 übermittelt, um beispielsweise Weichenlagen und Signalzustände
an den Bedienplätzen der Betriebsleiteinrichtungen 3 anzuzeigen. Erfindungsgemäß weisen
die Datenverbindungen 10 in der beispielhaften Ausführungsform der erfindungsgemäßen
eisenbahntechnischen Anlage 1 in Fig. 1 jeweils eine rückwirkungsfreie Schnittstelle
in Form einer Datendiode 11 auf, welche die dynamischen Fahrwegdaten 9 abgreift und
jeweils über eine Datenverbindung 12 an die ATO-Servereinrichtung 8 übermittelt.
[0035] Die erfindungsgemäße ATO-Servereinrichtung 8 in der beispielhaften Ausführungsform
in Fig. 1 ist als ein streckenseitig angeordneter Server-Rechner ausgebildet. Die
ATO-Servereinrichtung 8 umfasst eine erste Schnittstelle 13, eine zweite Schnittstelle
14 und eine dritte Schnittstelle 15. Die zweite Schnittstelle 14 ist zum Empfangen
der dynamischen Fahrwegdaten 9 ausgebildet und bei der beispielhaften Ausführungsform
1 in Fig. 1 jeweils mit den Datendioden 11 verbunden. Es können auch mehrere zweite
Schnittstellen 14 vorhanden sein. Die erste Schnittstelle 13 ist zum Empfangen von
statischen Fahrwegdaten 16 ausgebildet und mit der Strecken-Datenbank 4 verbunden.
Die dritte Schnittstelle 15 ist für die Kommunikation mit den Schienenfahrzeugen 5
und insbesondere den ATO-Fahrzeugeinrichtungen 7 ausgebildet und wird im Folgenden
noch genauer erläutert.
[0036] Die Strecken-Datenbank 4 ist als eine Datenbank ausgebildet und umfasst statische
Streckendaten für die eisenbahntechnische Anlage 1. Unter statischen Streckendaten
sind hier beispielsweise gleiskantengenaue Geschwindigkeits- und Gradienteninformationen
für die eisenbahntechnische Anlage 1 zu verstehen, die statisch sind und sich somit
nicht ändern. Insbesondere können dies auch Informationen sein, die zur Geschwindigkeitsprofilbestimmung
dienen und für die Ermittlung fahrdynamischer Widerstandsgrößen hilfreich sind. Dies
sind sämtliche Festlegungen, die immer gelten und nicht von den Stellwerken dynamisch
festgelegt werden. Daher sind unter statischen Fahrwegdaten 16 beispielsweise Prüfgeschwindigkeiten
für alle Streckenabschnitte, Fahrpläne und festen Vorgaben zu verstehen.
[0037] Von der ATO-Servereinrichtung 8 werden die statischen Fahrwegdaten 16 von der Strecken-Datenbank
4 abgerufen und mit der ersten Schnittstelle 13 empfangen. Alternativ könnte die Strecken-Datenbank
4 auch in der erfindungsgemäßen ATO-Servereinrichtung 8 integriert sein. Zu den von
der Strecken-Datenbank 4 übermittelten statischen Fahrwegdaten gehören hier beispielsweise
auch Fahrplandaten. Alternativ können die Fahrplandaten aber auch von einem Traffic
Management System (nicht dargestellt) an die ATO-Servereinrichtung 8 direkt übermittelt
werden.
[0038] Der erfindungsgemäßen ATO-Servereinrichtung 8 liegen über die erste Schnittstelle
13 und die zweite Schnittstelle 14 sowohl die statischen Fahrwegdaten 16 als auch
die dynamischen Fahrwegdaten 9 vor. Diese Daten werden in der ATO-Servereinrichtung
8 verarbeitet. Dieses Verarbeiten umfasst beispielsweise eine Kombination der dynamischen
Fahrwegdaten 9 und der statischen Fahrwegdaten 16 und auch ein Extrahieren und Aufbereiten
solcher Daten, die für einen automatisierten Fahrbetrieb und ein automatisiertes Steuern
des jeweiligen Schienenfahrzeugs 5 nötig sind. Im Ergebnis ermittelt die ATO-Servereinrichtung
8 einen exakten gleiskantengenauen Fahrweg für das jeweilige Schienenfahrzeug 5 mit
präzisen Informationen bezüglich vom Stellwerk 2 signalisierte bzw. baulich zulässige
Geschwindigkeiten und weiteren fahrdynamischen und baulichen Kenngrößen. Diese für
das jeweilige Schienenfahrzeug 5 für den automatisierten Fahrbetrieb nötigen individuelle
Daten werden über die dritte Schnittstelle 15 an das jeweilige Schienenfahrzeug 5
übermittelt. Dabei kann die dritte Schnittstelle 15 gemäß bekannten Standards ausgebildet
sein, die in ähnlicher Weise für die Übermittlung von Daten an Schienenfahrzeuge 5
vorgesehen sind. Dies kann auch ein ATO-Standard nach ETCS sein, obwohl die Anlage
1 nicht für ETCS ausgebildet ist. Die dritte Schnittstelle 15 ist in der beispielhaften
Ausführungsform in Fig. 1 für eine funkbasierte Übermittlung der Daten an die Schienenfahrzeuge
5 ausgebildet. Um eine nötige Informationssicherheit zu gewährleisten, können die
Daten beispielsweise verschlüsselt an die ATO-Fahrzeugeinrichtung 7 übermittelt werden.
[0039] Die ATO-Fahrzeugeinrichtung 7 umfasst ebenfalls eine entsprechende Schnittstelle
(nicht dargestellt) zum Empfangen der von der ATO-Servereinrichtung 8 gesendeten Daten.
Die ATO-Fahrzeugeinrichtung 7 ist in an sich bekannter Weise mit einer Fahrzeugsteuerung
(nicht dargestellt) des jeweiligen Schienenfahrzeugs 5 verbunden und kann so das Schienenfahrzeug
5 automatisiert steuern. Anders als bei "ATO over ETCS" erhält die ATO-Fahrzeugeinrichtung
7 sämtliche für das automatisierte Steuern des Schienenfahrzeugs 5 nötigen streckenseitigen
Daten hier ausschließlich von der ATO-Servereinrichtung 8.
[0040] Durch die erfindungsgemäße Lösung ist ein einfaches Umrüsten von bestehenden eisenbahntechnischen
Anlagen möglich, die eine nationale Zugsicherungseinrichtung aufweisen, die aber keine
ETCS-Zugsicherung ausweisen und auch nicht für deren Betrieb ausgebildet sind. Hierfür
muss streckenseitig lediglich die ATO-Servereinrichtung 8 und jeweils eine ATO-Fahrzeugeinrichtung
7 auf den Schienenfahrzeugen 5 nachgerüstet werden. Weiterhin muss der Zugang der
ATO-Servereinrichtung 8 zu den dynamischen Fahrwegdaten 9 und gegebenenfalls zu den
statischen Fahrwegdaten 16 gewährleistet werden. Dies kann beispielsweise wie in der
beispielhaften Ausführungsform in Fig. 1 durch das Nachrüsten der Datendioden 11 an
den bestehenden Datenverbindungen 10 erfolgen. Wenn bereits eine Strecken-Datenbank
4 in der bestehenden eisenbahntechnischen Anlage 1 vorhanden ist, muss lediglich der
Datenabgriff zur ATO-Servereinrichtung 8 gewährleistet werden. Andernfalls muss gegebenenfalls
eine Strecken-Datenbank 4 eingerichtet werden.
[0041] Die Datenübermittlung der dynamischen Fahrwegdaten 9 zur ATO-Servereinrichtung 8
kann bei Bestandsanlagen gegebenenfalls auch auf alternativen Wegen gewährleistet
werden, wie im Folgenden mit Bezug auf Fig. 2 erläutert wird.
[0042] Fig. 2 zeigt eine alternative Ausführungsform der erfindungsgemäßen eisenbahntechnischen
Anlage 1, in der die Übermittlung der dynamischen Fahrwegdaten 9 an die ATO-Servereinrichtung
8 in unterschiedlicher Weise gegenüber der zuvor beschriebenen Ausführungsform in
Fig. 1 stattfindet. Daher wird der Einfachheit halber im Folgenden lediglich auf die
Unterschiede zur Ausführungsform in Fig. 1 eingegangen. Die übrige Funktion der Ausführungsform
in Fig. 2 entspricht der oben beschriebenen Ausführungsform in Fig. 1. Gleiche Bezugszeichen
bezeichnen gleiche Komponenten.
[0043] In Fig. 2 sind drei verschiedene Varianten dargestellt, wie die dynamischen Fahrwegdaten
9 zur ATO-Servereinrichtung 8 gelangen können, die im Folgenden nacheinander beschrieben
werden. In Fig. 2 sind alle drei Varianten dargestellt, obwohl für die Erfindung und
den ATO-Betrieb der Anlage 1 eine der drei Alternativen ausreichen würde.
[0044] In der ersten Variante A werden die dynamischen Fahrwegdaten 9 von der Betriebsleiteinrichtung
3 an die ATO-Servereinrichtung 8 übermittelt. Hierfür umfasst die Betriebsleiteinrichtung
3 eine entsprechende rückwirkungsfreie Schnittstelle (nicht dargestellt), die die
Übermittlung der dynamischen Fahrwegdaten 9 gewährleistet.
[0045] Für die nächste Variante B umfasst die eisenbahntechnische Anlage 1 zusätzlich eine
Stellwerksdiagnose-Einrichtung 17, die häufig in Bestandsanlagen bereits vorhanden
ist und die z.B. über eine Datendiode 11 mit dem Stellwerk 2 rückwirkungsfrei verbunden
ist. Von dieser Stellwerksdiagnose-Einrichtung 17 können die dynamischen Fahrwegdaten
9 von der ATO-Servereinrichtung 8 abgerufen werden.
[0046] Die dritte Variante C macht es sich zunutze, dass in Bestandsanlagen teilweise bereits
moderne Stellwerke 2 eingerichtet sind, die eine RBC-Schnittstelle 18 aufweisen. Über
diese RBC-Schnittstelle 18 können die dynamischen Fahrwegdaten 9 übertragen werden.
Das RBC (Radio Block Center) ist eine Streckenzentrale, die für einen ETCS-Betrieb
einer eisenbahntechnischen Anlage nötig ist. Zwar ist die eisenbahntechnische Anlage
1 in Fig. 2 nicht für den ETCS-Betrieb ausgelegt, aber dennoch kann bereits eine solche
RBC-Schnittstelle 18 vorhanden sein, auch wenn keine Streckenzentrale eingerichtet
ist. Auch an der RBC-Schnittstelle 18 sind dynamische Fahrwegdaten 9 abrufbar, weil
auch die Streckenzentrale einer ETCS-Anlage diese Daten benötigt, um eine nötige Analyse
von Weichen und Signalzuständen zusammen mit einer Streckenkarte durchführen zu können.
Für die Nutzung der RBC-Schnittstelle 18 wäre gegebenenfalls noch ein sicherer Gateway
19 einzurichten, um bestimmte Anforderungen der RBC-Schnittstelle 18 erfüllen zu können.
So kann beispielsweise eine bidirektionale Kommunikation zum Stellwerk 2 aufrechterhalten
und trotzdem sichergestellt werden, dass keine Kommandos von der ATO-Servereinrichtung
8 an das Stellwerk 2 übermittelt werden können.
[0047] Durch die erfindungsgemäße Lösung ist ein automatisiertes Steuern der Schienenfahrzeuge
5 in den beschriebenen beispielhaften eisenbahntechnischen Anlagen 1 der Figuren 1
und 2 mit relativ geringem Aufwand möglich. Durch den direkten Abgriff der dynamischen
Fahrwegdaten 9 ist eine hohe Sicherheit gegeben, weil eingestellte Fahrstraßen eindeutig
ermittelbar sind. Die Sicherheit der eisenbahntechnischen Anlage 1 wird selbstverständlich
weiterhin durch das nationale Zugbeeinflussungssystem gewährleistet.
[0048] Unabhängig vom grammatikalischen Geschlecht eines bestimmten Begriffes sind Personen
mit männlicher, weiblicher oder anderer Geschlechteridentität mit umfasst.
1. Verfahren zum automatisierten oder assistierten Steuern eines Schienenfahrzeugs (5),
bei dem dynamische Fahrwegdaten (9), wie beispielsweise Fahrstraßen, Geschwindigkeiten
und/oder Signalbegriffe, für das Schienenfahrzeug (5) in wenigstens einem Stellwerk
gebildet werden,
bei dem statische Fahrwegdaten (9) in wenigstens einer Strecken-Datenbank (4) gespeichert
werden und
bei dem wenigstens eine fahrzeugseitige ATO-Fahrzeugeinrichtung (7) unter Berücksichtigung
der dynamischen und statischen Fahrwegdaten (9, 16) das Schienenfahrzeug (5) steuert
oder bei der Steuerung des Schienenfahrzeugs (5) assistiert,
dadurch gekennzeichnet, dass die dynamischen und die statischen Fahrwegdaten (9, 16) von einer streckenseitigen
ATO-Servereinrichtung (8) erfasst, verarbeitet und an die fahrzeugseitige ATO-Fahrzeugeinrichtung
(7) übermittelt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die dynamischen Fahrwegdaten (9) mittels wenigstens einer rückwirkungsfreien Schnittstelle,
insbesondere einer Datendiode (11), an die ATO-Servereinrichtung (8) übertragen werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die dynamischen und die statischen Fahrwegdaten (9, 16) beim Verarbeiten konvertiert,
analysiert und kombiniert werden und anschließend an die ATO-Fahrzeugeinrichtung (7)
übermittelt werden.
4. Verfahren nach einem der oben genannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die fahrzeugseitige ATO-Fahrzeugeinrichtung (7) unter Berücksichtigung von Anforderungen
einer bestehenden Zugsicherungseinrichtung, insbesondere einer nationalen Zugsicherungseinrichtung,
das Schienenfahrzeug (5) steuert oder bei der Steuerung des Schienenfahrzeugs (5)
assistiert.
5. Verfahren zum Nachrüsten einer eisenbahntechnischen Anlage (1) für das Verfahren nach
einem der oben genannten Ansprüche 1 bis 4,
wobei die Anlage (1) wenigstens ein Schienenfahrzeug (5) mit wenigstens einer ATO-Fahrzeugeinrichtung
(7), wenigstens ein Stellwerk (2) und eine bestehende Zugsicherungseinrichtung, insbesondere
eine nationale Zugsicherungseinrichtung, umfasst,
dadurch gekennzeichnet, dass streckenseitig wenigstens eine ATO-Servereinrichtung (8) nachgerüstet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass streckenseitig wenigstens eine rückwirkungsfreie Schnittstelle nachgerüstet wird,
die zum Übertragen der dynamischen Fahrwegdaten (9) an die ATO-Servereinrichtung (8)
ausgebildet ist.
7. ATO-Servereinrichtung (8) zum streckenseitigen Anordnen in einer eisenbahntechnischen
Anlage (1), wobei die Anlage (1) wenigstens ein Stellwerk, wenigstens eine Strecken-Datenbank
(4) und wenigstens ein Schienenfahrzeug (5) umfasst und wobei dynamische Fahrwegdaten
(9), wie beispielsweise Fahrstraßen, Geschwindigkeiten und Signalbegriffe, für das
Schienenfahrzeug (5) in dem Stellwerk (2) gebildet werden und statische Fahrwegdaten
(16) in der Strecken-Datenbank (4) gespeichert sind,
dadurch gekennzeichnet, dass die ATO-Servereinrichtung (8) ausgebildet ist, die dynamischen und die statischen
Fahrwegdaten (9, 16) zu erfassen, zu verarbeiten und an eine fahrzeugseitige ATO-Fahrzeugeinrichtung
(7) zu übermitteln.
8. ATO-Servereinrichtung (8) nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass die ATO-Servereinrichtung (8) wenigstens eine erste Schnittstelle (13) umfasst, die
zum Empfangen der statischen Fahrwegdaten (16) ausgebildet ist.
9. ATO-Servereinrichtung (8) nach Anspruch 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet, dass die ATO-Servereinrichtung (8) wenigstens eine zweite Schnittstelle (14) umfasst,
die zum Empfangen der dynamischen Fahrwegdaten (9) ausgebildet ist.
10. ATO-System (6) zum automatisierten oder assistierten Steuern eines Schienenfahrzeugs
(5),
mit wenigstens einer ATO-Fahrzeugeinrichtung (7) zum fahrzeugseitigen Anordnen, die
zum Steuern des Schienenfahrzeugs (5) oder zum Assistieren beim Steuern unter Berücksichtigung
von dynamischen und statischen Fahrwegdaten (9, 16) ausgebildet ist, wobei die dynamischen
Fahrwegdaten (9), wie beispielsweise Fahrstraßen, Geschwindigkeiten und Signalbegriffe,
in wenigstens einem Stellwerk gebildet werden und die statischen Fahrwegdaten (16)
in wenigstens einer Strecken-Datenbank (4) gespeichert sind,
dadurch gekennzeichnet, dass das ATO-System (6) wenigstens eine ATO-Servereinrichtung (8) nach einem der Ansprüche
7 bis 9 umfasst.
11. ATO-System (6) nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass das ATO-System (6) wenigstens eine rückwirkungsfreie Schnittstelle umfasst,
die zum Übertragen der dynamischen Fahrwegdaten (9) an die ATO-Servereinrichtung (8)
ausgebildet ist.
12. ATO-System (6) nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, dass die Schnittstelle als eine Datendiode (11) ausgebildet ist.
13. ATO-System (6) nach einem der Ansprüche 10 bis 12,
dadurch gekennzeichnet, dass die ATO-Fahrzeugeinrichtung (7) ausgebildet ist, unter Berücksichtigung von Anforderungen
einer bestehenden Zugsicherungseinrichtung, insbesondere einer nationalen Zugsicherungseinrichtung,
das Schienenfahrzeug (5) zu steuern oder beim Steuern des Schienenfahrzeugs (5) zu
assistieren.
14. Eisenbahntechnische Anlage (1) mit wenigstens einem Stellwerk (2), wenigstens einer
Strecken-Datenbank (4) und wenigstens einem Schienenfahrzeug (5), wobei dynamische
Fahrwegdaten (9), wie beispielsweise Fahrstraßen, Geschwindigkeiten und Signalbegriffe,
für das Schienenfahrzeug (5) in dem Stellwerk (2) gebildet werden und statische Fahrwegdaten
(16) in der Strecken-Datenbank (4) gespeichert werden,
dadurch gekennzeichnet, dass die Anlage (1) wenigstens ein ATO-System (6) nach einem der oben genannten Ansprüche
10 bis 12 umfasst.
15. Eisenbahntechnische Anlage (1) nach Anspruch 14,
wobei die Anlage (1) wenigstens eine Betriebsleiteinrichtung (3), wie beispielsweise
einen Bedienplatz, umfasst,
dadurch gekennzeichnet, dass die Schnittstelle nach Anspruch 11 oder 12 zwischen dem Stellwerk (2) und der Betriebsleiteinrichtung
(3) angeordnet ist.