[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erstellung eines mehrstöckigen, eine Aufzuganlage
umfassenden Gebäudes gemäss dem Oberbegriff des Anspruchs 1 und einen Turmkran gemäss
dem Oberbegriff des Anspruchs 7.
[0002] Bei der Erstellung eines Gebäudes, insbesondere eines mehrstöckigen, eine Aufzuganlage
umfassenden Gebäudes ist für die Verlagerung von Baumaterial ein Kran notwendig. Der
Kran wird meist über eine längere Zeitspanne benötigt, so dass er über die genannte
Zeitspanne an der Baustelle des Gebäudes verbleibt. Die Baustelle des Gebäudes kann
auch als ein Erstellungsort des Gebäudes und der Aufzuganlage bezeichnet werden. Üblicherweise
werden als Kräne so genannte Turmkräne verwendet, welche einen sich vertikal erstreckenden
Kranturm und einen oben am Kranturm angeordneten, sich horizontal erstreckenden Kranausleger
aufweisen. Der Kranausleger verfügt meist über eine so genannte Laufkatze, welche
entlang des Kranauslegers verlagert werden kann und ein Hubseil mit sich führt. Am
Hubseil ist üblicherweise ein Haken angebracht, mittels welchem eine Last, beispielsweise
in Form von Baumaterial angehängt und damit mit dem Kranausleger und somit mit dem
Turmkran verlagert werden kann. Ein derartiger Turmkran wird beispielsweise in der
DE 4206359 A1 beschrieben.
[0003] Bei bekannten Turmkränen besteht der Kranturm aus einer Gitterträgerkonstruktion
bzw. einem Fachwerkträger aus Metall und steht entweder auf einem so genannten Unterwagen
oder ist fest im Boden verankert. Der Kranturm benötigt damit eine Stellfläche auf
der Baustelle bzw. am Erstellungsort des Gebäudes.
[0004] Demgegenüber ist es insbesondere die Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und einen
Turmkran vorzuschlagen, welche wenig Platz am Erstellungsort des Gebäudes beanspruchen.
Erfindungsgemäss wird diese Aufgabe mit einem Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1 und einem Turmkran mit den Merkmalen des Anspruchs 7 gelöst.
[0005] Das erfindungsgemässe Verfahren zur Erstellung eines mehrstöckigen, eine Aufzuganlage
umfassenden Gebäudes umfasst die Verfahrensschritte Bereitstellen von Schachtmodulen
und Aufeinandersetzen der bereitgestellten Schachtmodule auf einer Bodenplatte des
Gebäudes zu einem Aufzugschacht der Aufzuganlage. Erfindungsgemäss umfasst es die
weiteren Verfahrensschritte Anordnen eines Kranauslegers oben am Aufzugschacht und
Verlagern von Baumaterial für die Erstellung des Gebäudes mittels des Kranauslegers.
Der Aufzugschacht der Aufzuganlage bildet damit den den Kranausleger tragenden Kranturm
aus. Der aus Aufzugschacht und Kranausleger gebildete Turmkran nutzt damit die Stellfläche
des sowieso vorhandenen Aufzugschachts und benötigt damit keinen zusätzlichen Platz
am Erstellungsort des Gebäudes. Bei der Verwendung eines Turmkrans würde der zusätzlich
zum Aufzugschacht benötigte Kranturm eine Stellfläche und damit Platz benötigen welcher
nun wegfällt, wodurch zahlreiche Vorteile erzielt werden. Bei Verwendung des erfindungsgemässen
Verfahrens bei der Erstellung eines Gebäudes ist der Platzbedarf am Erstellungsort
damit besonders gering. Ausserdem muss durch die Nutzung des sowieso notwendigen Aufzugschachts
als Kranturm kein zusätzlicher Kranturm aufgebaut werden, was Zeit, Kosten und Transportaufwand
für den zusätzlichen Kranturm spart. Die Verwendung des erfindungsgemässen Verfahrens
ermöglicht damit auch eine besonders kostengünstige und wenig zeitaufwändige Erstellung
eines Gebäudes.
[0006] Die genannte Aufgabe wird auch von einem Turmkran mit einem Kranturm und einem oben
am Kranturm angeordneten Kranausleger gelöst. Erfindungsgemäss ist der Kranturm als
ein aus aufeinandergesetzten Schachtmodulen bestehender Aufzugschacht einer Aufzuganlage
ausgeführt. Der erfindungsgemässe Turmkran bietet ebenfalls die zum Verfahren beschriebenen
Vorteile.
[0007] Die im Folgenden beschriebenen Ausführungsformen und Ausführungsbeispiele der Erfindung
betreffen gleichermassen das Verfahren und den Turmkran. Mit anderen Worten lassen
sich im Folgenden beispielsweise unter Bezugnahme auf den Turmkran genannte Merkmale
auch als Verfahrensschritte implementieren, und umgekehrt. Der Turmkran ist damit
insbesondere so konfiguriert, dass mit ihm die beschriebenen Verfahren ausgeführt
werden können.
[0008] Es wurde bereits vorgeschlagen, den Aufzugschacht einer Aufzuganlage aus mehreren
vorgefertigten Schachtmodulen mit Schachtwänden zu erstellen, in denen Aufzugkomponenten,
wie beispielsweise Führungsschienenstücke, zumindest teilweise bereits vormontiert
sind. Die Vorfertigung und die Vormontage erfolgen dabei nicht auf der Baustelle des
den Aufzug umfassenden Gebäudes, also am Erstellungsort des Gebäudes und der Aufzuganlage,
sondern in einer Fabrik und damit an einem Fabrikationsort. Es ist heute immer noch
üblich, den Aufzugschacht zusammen mit Stockwerken des die Aufzuganlage aufnehmenden
Gebäudes zu erstellen und nach Fertigstellung des Aufzugschacht die Aufzuganlage mit
ihren Aufzugbauteilen wie Kabine, Gegengewicht, Antriebsmaschine und Führungsschienen
im Aufzugschacht zu installieren. Demgegenüber hat beschriebene Verwendung von Schachtmodulen
den Vorteil, dass für die Erstellung des Aufzugschachts und die Installation der Aufzuganlage
weniger Zeit am Erstellungsort benötigt wird. Ausserdem hat die Verwendung von Schachtmodulen
positive Auswirkungen auf die Qualität der Installation und die Arbeitssicherheit
des Installationspersonals.
[0009] Beispielsweise beschreibt die
WO 2022/233803 A1 ein Verfahren zur Erstellung eines Aufzugschachts aus einzelnen Schachtmodulen, die
zu einem Aufzugschacht aufeinandergestapelt werden. Damit wird auch zumindest implizit
ein Verfahren zur Erstellung eines mehrstöckigen, eine Aufzuganlage umfassenden Gebäudes
beschrieben.
[0010] Im Folgenden beziehen sich Richtungsangaben, wie beispielsweise oben, unten und seitlich
oder vertikal und horizontal auf die Ausrichtung der jeweiligen Komponente in einem
Betriebszustand der Aufzuganlage. Unter dem Betriebszustand der Aufzuganlage wird
dabei der Zustand nach Abschluss der Installation und einer Inbetriebnahme der Aufzuganlage
verstanden. Im Betriebszustand der Aufzuganlage können damit Personen und/oder Güter
in der Kabine der Aufzuganlage zwischen Stockwerken des die Aufzuganlage aufnehmenden
Gebäudes transportiert werden.
[0011] Das mit dem erfindungsgemässen Verfahren erstellte Gebäude ist mehrstöckig ausgeführt,
es weist also mehrere, beispielsweise drei bis zehn Stockwerke auf. Unter einer Bereitstellung
eines Schachtmoduls soll hier verstanden werden, dass das Schachtmodul am Fabrikationsort
hergestellt und an den Erstellungsort transportiert wird. Die verschiedenen Schachtmodule
können dabei an verschiedenen Fabrikationsorten hergestellt werden und bei jedem Schachtmodul
können unterschiedliche Herstellungsschritte an unterschiedlichen Fabrikationsorten
erfolgen.
[0012] Zumindest einige der Schachtmodule, nicht zwingend alle Schachtmodule, weisen Schachttüren
auf. Insbesondere können ein unterstes Schachtmodul und ein oberstes Schachtmodul
des Aufzugschachts keine Schachttür aufweisen. Ein Schachtmodul kann eine oder mehr
als eine Schachttür aufweisen. Eine Schachttür schliesst eine Öffnung in einem Schachtmodul,
eine so genannte Schachtöffnung ab. Sofern keine Kabine an einer Schachttür angeordnet
ist, ist die Schachttür geschlossen und verhindert damit einen Zugang vom Stockwerk
in den Aufzugschacht. Eine Schachttür wird üblicherweise zusammen mit einer Kabinentür
der Kabine geöffnet und geschlossen. Wenn sich auf einem Stockwerk zumindest eine
Schachttür befindet, kann eine Kabine der Aufzuganlage an dieser Schachttür anhalten
und durch Öffnen der Schachttür kann ein Zugang zur Kabine ermöglicht werden.
[0013] Beim Aufeinandersetzen der bereitgestellten Schachtmodule auf der Bodenplatte des
Gebäudes wird zuerst das unterste Schachtmodul auf der Bodenplatte angeordnet. Dieses
unterste Schachtmodul kann auch als Pit-Modul bezeichnet werden. Unter dem Anordnen
des Pit-Moduls auf der Bodenplatte soll hier verstanden werden, dass das Pit-Modul
auf der Bodenplatte abgesetzt bzw. abgestellt wird. Dies erfolgt insbesondere mittels
eines Mobilkrans, beispielsweise in Form eines so genannten Teleskop-Mobilkrans. Unter
einem Mobilkran wird hier ein mobiler Kran insbesondere ein fahrbarer Auslegerkran
auf einem Rad- oder Kettenfahrzeug verstanden.
[0014] Das gesamte Pit-Modul kann nach dem Anordnen auf dem Schachtboden insbesondere durch
Unterlegen von Ausgleichsplatten ausgerichtet werden, beispielsweise um Unebenheiten
der Bodenplatte auszugleichen oder eine vertikale Ausrichtung der Seitenwände zu gewährleisten.
Zur Ausrichtung des Pit-Moduls und auch weiterer Schachtmodule kann ein oder mehrere
Laser verwendet werden. Die Bodenplatte muss nicht vollkommen eben ausgeführt sein;
sie kann insbesondere eine Vertiefung aufweisen, in die das Pit-Modul eingesetzt wird.
Es ist auch möglich, dass während des Erstellens des Aufzugschachts noch nicht die
gesamte Grundplatte, sondern nur ein Teil der Grundplatte existiert, auf dem das Pit-Modul
aufgesetzt wird.
[0015] Auf das Pit-Modul wird insbesondere ebenfalls mit dem Mobilkran mindestens ein, üblicherweise
mehr als ein weiteres Schachtmodul aufgesetzt. Diese insbesondere identisch ausgeführten
weiteren Schachtmodule werden hier als Grund-Module bezeichnet. Der Aufzugschacht
wird nach oben insbesondere durch ein so genanntes Top-Modul abgeschlossen, welches
eine Schachtdecke und optional einen Antrieb für die Aufzuganlage aufweist. Es ist
auch möglich, dass der Aufzugschacht ein Grund-Modul als oberstes Schachtmodul aufweist
und der Aufzugschacht zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Top-Modul oder einer Schachtdecke
nach oben abgeschlossen wird. Nach dem Aufeinandersetzen der Schachtmodule zum Aufzugschacht
der Aufzuganlage wird ein Kranausleger oben am Aufzugschacht angeordnet. Damit ergibt
sich aus dem Aufzugschacht als Kranturm und dem Kranausleger ein Turmkran.
[0016] Der Kranausleger ist insbesondere hauptsächlich als eine Gitterkonstruktion bzw.
ein Fachwerkträger aus Metall ausgeführt. Er kann grundsätzlich wie bekannte Kranausleger
von Turmkränen ausgeführt sein. Der Kranausleger erstreckt sich insbesondere horizontal
und verfügt insbesondere über eine Laufkatze, welche entlang des Kranauslegers verlagert
werden kann und ein Hubseil mit einem Haken mit sich führt.
[0017] Der Kranausleger verfügt insbesondere über ein so genanntes Drehwerk, mittels welchem
der Kranausleger um eine senkrechte, durch den Aufzugschacht verlaufende Drehachse
gedreht werden kann. Der durch den Aufzugschacht als Kranturm und dem Kranausleger
gebildete Turmkran ist damit insbesondere als ein obendrehender Turmdrehkran ausgeführt.
[0018] Der Kranausleger wird insbesondere über eine Aussenseite des obersten Schachtmoduls
des Aufzugschachts am Aufzugschacht angeordnet. Unter einer Aussenseite wird dabei
die nach aussen gerichtete Seite einer Wand oder der Decke eines Schachtmoduls verstanden.
Zum Anordnen bzw. Befestigen des Kranauslegers am Aufzugschacht können beispielsweise
zwei Doppel-T-Träger aus Metall oben und damit aussen auf der Schachtdecke des Top-Modul
fixiert, beispielsweise angeschraubt werden. Auf diesen Doppel-T-Trägern wird dann
der Kranausleger, insbesondere das Drehwerk des Kranauslegers fixiert, beispielsweise
angeschraubt oder mit passenden Klemmen angeklemmt. Es ist auch möglich, dass zuerst
ein Rahmen, insbesondere ein Metallrahmen aussen am obersten Schachtmodul des Aufzugschachts
befestigt, insbesondere angeschraubt wird. Eine Aussenkontur des Rahmens kann dabei
auf eine Innenkontur einer Ausnehmung des Kranauslegers abgestimmt sein, so dass der
Kranausleger von oben auf den Rahmen aufgesetzt bzw. aufgeschoben und anschliessend
mit dem Rahmen verbunden, insbesondere verschraubt werden kann. Der Kranausleger und
der Rahmen weisen dazu insbesondere dazu vorgesehene korrespondierende Ausnehmungen,
beispielsweise in Form von Durchgangslöchern auf. Die genannten Doppel-T-Träger und
der genannte Rahmen werden insbesondere vor dem Aufsetzen des Top-Moduls auf dem Aufzugschachts
am Top-Modul angeordnet. Dies kann beispielsweise am Fabrikationsort oder vor dem
Aufsetzen am Erstellungsort erfolgen. Es ist auch möglich, dass der Kranausleger direkt
und damit ohne Zwischenschaltung von Trägern oder eines Rahmens an der Aussenseite
des obersten Schachtmoduls befestigt, insbesondere verschraubt wird.
[0019] Es ist auch möglich, dass beim Anordnen des Kranauslegers am obersten Schachtmodul
der Aufzugschacht nach oben noch offen ist, er also noch nicht nach oben durch ein
Pit-Modul mit einer Schachtdecke abgeschlossen ist. In diesem Fall kann der Kranausleger
auch über eine Innenseite des obersten Schachtmoduls des Aufzugschachts am Aufzugschacht
angeordnet sein.
[0020] Nach dem Anordnen des Kranauslegers am Aufzugschacht der Aufzuganlage kann der damit
entstandene Turmkran in Betrieb genommen werden. Dazu können weitere Schritte, wie
beispielsweise Anordnen eines Gegengewichts am Kranausleger, notwendig sein. Diese
Schritte entsprechen grundsätzlich Schritten, die auch bei bekannten Turmkränen für
die Inbetriebnahme notwendig sind.
[0021] Sobald der so entstandene Turmkran betriebsbereit ist, kann für die Erstellung des
Gebäudes notwendiges Baumaterial, beispielsweise in Form von Betonteilen, Beton, Ziegelsteinen
oder Fliesen mit dem Turmkran an den gewünschten Ort verlagert werden.
[0022] In Ausgestaltung der Erfindung wird die Aufzuganlage während der Erstellung des Gebäudes
als Bauaufzug genutzt. Der Aufzug wird damit also vor einem Entfernen des Kranauslegers
vom Aufzugschacht als Bauaufzug genutzt. Unter einem Bauaufzug wird dabei ein Aufzug
verstanden, mit welchem beim Bau eines Gebäudes Baumaterial und Bauarbeiter transportiert
werden können. Bekannte Bauaufzüge sind häufig als temporäre Aufzüge an einer Aussenfassade
eines im Bau befindlichen Gebäudes ausgeführt. Derartige Aussen-Aufzüge sind vergleichsweise
teuer, aufwändig in der Montage, langsam und laut. Die Nutzung der Aufzuganlage des
Gebäudes als Bauaufzug macht einen derartigen Aussen-Aufzug überflüssig, was eine
kostengünstige Erstellung des Gebäudes ermöglicht und unerwünschte Lärmemissionen
bei der Erstellung des Gebäudes verhindert.
[0023] Eine Kabine der Aufzuganlage fährt dabei insbesondere nur Schachttüren von bereits
erstellten Stockwerken des Gebäudes an; der Aufzug bedient also nur bereits erstellte
Stockwerke. Dazu wird eine Aufzugsteuerung der Aufzuganlage über eine Konfigurationsschnittstelle
entsprechend konfiguriert.
[0024] In Ausgestaltung der Erfindung weisen an ein weiteres Schachtmodul angrenzende Seitenwände
eines Schachtmoduls eine äussere horizontale Kante auf, welche unterhalb einer inneren
horizontalen Kante der genannten Seitenwände angeordnet ist. Damit kann wirkungsvoll
verhindert werden, dass Wasser von aussen in den Aufzugschacht eindringt. Es sind
insbesondere alle horizontal verlaufenden Kanten der Schachtmodule so ausgeführt.
Die Seitenwände der Schachtmodule weisen dazu beispielsweise einen gestuften Querschnitt
auf.
[0025] In Ausgestaltung der Erfindung weist der Aufzugschacht und damit zumindest einige
Schachtmodule Schachttüren auf. Diese Schachttüren werden vor dem Aufeinandersetzen
der Schachtmodule mittels jeweils einer Abdeckung nach aussen abgedeckt oder sind
mit einer solchen Abdeckung versehen. Die Abdeckung wird insbesondere am Fabrikationsort
an den Schachtmodulen angeordnet. Die Abdeckung wird entfernt, wenn bzw. bevor die
Schachttüre von der Kabine der Aufzuganlage angefahren wird. Damit werden Schachttüren,
an denen sich noch kein erstelltes Stockwerk befindet, vor Witterungseinflüssen geschützt
und ein Eindringen von Wasser in den Aufzugschacht über diese Schachttüren kann verhindert
werden. Die genannte Abdeckung kann beispielsweise als eine Plane oder eine Platte,
beispielsweise aus Holz oder Kunststoff ausgeführt sein.
[0026] In Ausgestaltung der Erfindung werden aneinandergrenzende Schachtmodule zugfest miteinander
verbunden. Damit wird erreicht, dass der erstellte Aufzugschacht besonders stabil
und standfest ist. Unter einer zugfesten Verbindung wird hier verstanden, dass aneinandergrenzende
Schachtmodule nicht in vertikaler Richtung voneinander getrennt werden können.
[0027] Die genannte Verbindung wird beispielsweise mittels zwei aneinandergrenzende Schachmodule
verbindende Laschen, insbesondere verzinkte Stahllaschen hergestellt. Die Laschen
können aussen und/oder innen an den Schachtmodulen angeordnet werden.
[0028] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich anhand der
nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen sowie anhand der Zeichnungen,
in welchen gleiche oder funktionsgleiche Elemente mit identischen Bezugszeichen versehen
sind. Die Zeichnungen sind lediglich schematisch und nicht massstabsgetreu.
[0029] Dabei zeigen:
- Fig. 1
- eine Momentaufnahme beim Aufsetzen eines Grund-Moduls auf einen noch nicht fertiggestellten
Aufzugschacht einer Aufzuganlage,
- Fig. 2
- eine vergrösserte Sicht von Seitenwänden zweier aneinandergrenzender Schachtmodule,
- Fig. 3
- einen Turmkran, dessen Kranturm als Aufzugschacht aus zusammengesetzten Schachtmodulen
ausgeführt ist und
- Fig. 4
- ein Blockdiagramm eines Verfahrens zur Erstellung eines eine Aufzuganlage enthaltenden
Gebäudes.
[0030] In Fig. 1 ist dargestellt, wie ein zweites Grund-Modul 16 mittels eines Mobilkrans
20 auf einen noch nicht fertiggestellten Aufzugschacht 11 von oben aufgesetzt wird.
Der Mobilkran 20 weist einen Teleskop-Ausleger 7 auf, welcher auf einem Radfahrzeug
9 angeordnet ist. Für die Erstellung des nicht fertiggestellten Aufzugschachts 11
wurde zunächst ein Pit-Modul 14 auf einer Bodenplatte 13 eines zu erstellenden Gebäudes
(19 in Fig. 3) mittels des Mobilkrans 20 abgesetzt. Die Bodenplatte 13 weist eine
Vertiefung 17 auf, in die das Pit-Modul 14 eingesetzt wird und die damit einen unteren
Teil des Pit-Moduls 14 aufnimmt. Auf das Pit-Modul 14 wurde anschliessend ein erstes
Grund-Modul 16 mittels des Mobilkrans 20 aufgesetzt und ausgerichtet. Anschliessend
wird das erste Grund-Modul 16 mittels Laschen 15, insbesondere Metall-Laschen zugfest
mit dem Pit-Modul 14 verbunden. Dazu sind jeweils zwei Laschen 15 an zwei gegenüberliegenden
Seitenwänden 25 des Pit-Moduls 14 und des ersten Grund-Moduls 16 angeordnet. Es ist
auch möglich, dass an allen Seitenwänden entsprechende Laschen angeordnet werden.
[0031] Auch alle weiteren aufgesetzten Schachtmodule werden auf diese Weise zugfest miteinander
verbunden. Das Pit-Modul 14 und die Grund-Module 16 weisen jeweils eine Schachttür
21 auf, welche beim Erstellen des nicht fertiggestellten Aufzugschachts 11 mittels
einer Abdeckung 23 in Form einer Platte abgedeckt sind. Eine Kabine (22 in Fig. 3)
der Aufzuganlage kann an einer Schachttür 21 anhalten.
[0032] In Fig. 2 ist eine vergrösserte Ansicht von zwei aneinander angrenzenden Seitenwänden
25 des Pit-Moduls 14 und des ersten Grund-Moduls 16 dargestellt. Es handelt sich dabei
um die in der Fig. 1 rechten Seitenwände 25. Die Seitenwände 25 weisen einen so gestuften
Querschnitt auf, dass eine äussere horizontale Kante 27, also die horizontale Kante
an einer Aussenseite, unterhalb einer inneren horizontalen Kante 29, also der horizontalen
Kante an einer Innenseite, angeordnet ist. Dies gilt insbesondere für alle horizontalen
Kanten aller Schachtmodule.
[0033] Um den nicht fertiggestellten Aufzugschacht 11 aus Fig. 1 fertigzustellen, wird auf
die beschriebene Weise ein weiteres Grund-Modul 16 und abschliessend eine Pit-Modul
(18 in Fig. 3) mittels des Mobilkrans 20 aufgesetzt und mit dem jeweils darunterliegenden
Schachtmodul zugfest verbunden. Der damit entstandene fertiggestellte Aufzugschacht
12 ist in Fig. 3 als ein Teil einer Aufzuganlage 10 dargestellt. Die genannten Schachtmodule
14, 16, 18 wurden in einer Fabrik und damit an einem Fabrikationsort vorproduziert
und mit Aufzugkomponenten versehen. Anschliessend wurden sie vom Fabrikationsort zur
Baustelle des die Aufzuganlage 10 aufnehmenden Gebäudes 19 und damit an einen Erstellungsort
gebracht.
[0034] Im fertiggestellten Aufzugschacht 12 werden für einen Betrieb der Aufzuganlage 10
notwendige Aufzugkomponenten, wie beispielsweise Führungsschienen installiert und
ausgerichtet. Dies kann als Installation der Aufzuganlage 10 bezeichnet werden. Die
Installation erfolgt damit vor der Fertigstellung des Gebäudes und damit vor der Erstellung
der Stockwerke des Gebäudes. Die Installation der Aufzuganlage kann auch erst nach
Fertigstellung des Gebäudes erfolgen.
[0035] Die sich damit ergebende Aufzuganlage 10 der Fig. 3 weist eine Kabine 22 auf, die
entlang von in der Fig. 3 nicht dargestellten Führungsschienen im Aufzugschacht 12
vertikal verfahren werden kann. Die Aufzuganlage 10 verfügt dazu über ein Tragmittel
24, dessen erstes Ende 26 im Top-Modul 18 fixiert ist. Es verläuft dann unten um die
Kabine 22 herum und wird über eine gegenüber dem ersten Ende 26 des Tragmittels 24
im Top-Modul 18 angeordnete Antriebsmaschine 28 geführt. Von dort verläuft es durch
eine Aufhängung eines Gegengewichts 30 bis zu seinem zweiten Ende 32, welches im Bereich
der Antriebsmaschine 28 fixiert ist. Die Antriebsmaschine 28 kann das Tragmittel 24
und damit die Kabine 22 im Aufzugschacht 12 verfahren. Die Kabine 22 ist über ein
Hängekabel 34 mit einer im Top-Modul 18 angeordneten Aufzugsteuerung 36 verbunden.
Das Hängekabel 34 ermöglicht eine Energieversorgung und eine Kommunikation mit der
Kabine 22. Die Aufzugsteuerung 36 verfügt über eine Konfigurationsschnittstelle über
welche sie konfiguriert werden kann. Die Konfigurationsschnittstelle ist als eine
bekannte Schnittstelle zu einem nicht dargestellten mobilen Konfigurationsgerät, in
Form eines Smartphones mit einer entsprechenden App ausgeführt.
[0036] Nach der Installation der Aufzuganlage 10 folgt die Inbetriebnahme der Aufzuganlage
10, auch diese erfolgt damit vor der Fertigstellung des Gebäudes und damit vor der
Erstellung aller Stockwerke des Gebäudes. Dabei werden in der Aufzugsteuerung 36 die
Positionen der verschiedenen Schachttüren 21 gespeichert. Dies erfolgt mittels einer
bekannten, automatisierten Lernfahrt. Ausserdem werden bei der Inbetriebnahme Sicherheitsprüfungen
durchgeführt. Nach der Inbetriebnahme der Aufzuganlage 10 kann diese als ein Bauaufzug
verwendet werden. Mittels der Kabine 22 können damit während der Erstellung des Gebäudes
19 Bauarbeiter und Baumaterial transportiert werden. Es werden dabei nur Schachttüren
21 angefahren, welche sich auf einem bereits erstellten Stockwerk befinden.
[0037] Die Inbetriebnahme der Aufzuganlage kann auch erst nach Fertigstellung des Gebäudes
erfolgen. In diesem Fall würde die Aufzuganlage nicht als Bauaufzug verwendet werden.
[0038] Ausserdem wird mit dem Mobilkran 20 ein in Fig. 3 dargestellter Kranausleger 50 am
obersten Schachtmodul und damit am Top-Modul 18 des Aufzugschachts 12 angeordnet.
An einer Aussenseite einer Decke des Top-Moduls 18 und damit auf der Schachtdecke
sind dazu zwei parallel verlaufende Doppel-T-Träger 52 mittel nicht dargestellten
Schrauben fixiert. Die Doppel-T-Träger 52 wurden bereits am Fabrikationsort am Top-Modul
18 fixiert. Der Kranausleger 50 verfügt über ein Drehwerk 54, das auf den Doppel-T-Trägern
52 aufliegt und mit den Doppel-T-Trägern 52 mit nicht dargestellten Schrauben verschraubt
ist. Mittels des Drehwerks 54 kann der Kranausleger 50 um eine senkrechte, durch den
Aufzugschacht 12 verlaufende Drehachse gedreht werden.
[0039] An das Drehwerk 54 schliesst sich nach oben ein Führerstand 56 an, in welchem sich
ein Kranführer aufhalten kann. Oben auf dem Führerstand 56 verläuft ein horizontal
verlaufender Querträger 58, welcher einen sich horizontal erstreckenden und als Fachwerkträger
ausgeführten Ausleger 60 mit einem Gegenausleger 62 verbindet. Im Gegenausleger 62
sind zwei quaderförmige Gegengewichte 64 gehalten. In Verlängerung des Führerstands
56 nach oben schliesst sich an den Querträger 58 ein ebenfalls als Fachwerkträger
ausgeführter Kranturm 66 an, an dem der Gegenausleger 62 und der Ausleger 60 mit insgesamt
vier Zugseile 68 abgespannt sind.
[0040] Am Ausleger 60 ist eine Laufkatze 70 so angeordnet, dass sie in horizontaler Richtung
entlang des Auslegers 60 verlagert werden kann. An der Laufkatze 70 ist ein in vertikaler
Richtung verlagerbares Hubseil 72 mit einem Haken 74 angeordnet. Der Haken 74 kann
damit sowohl horizontal als auch vertikal verlagert und um die oben genannte Drehachse
gedreht werden, womit Baumaterial für die Erstellung des Hauses 19, beispielsweise
in Form einer Kiste 76 mit Fliesen, verlagert werden kann. Die Verlagerung des Baumaterials
erfolgt damit mittels des Kranauslegers 50. In der Fig. 3 ist vom die Aufzuganlage
10 aufnehmenden Gebäude 19 beispielhaft ein unterstes Stockwerk 41 erstellt.
[0041] Der Aufzugschacht 12 bildet damit einen Kranturm 78, welcher zusammen mit dem Kranausleger
50 einen Turmkran 80 ausbildet.
[0042] Das Verfahren zur Erstellung eines mehrstöckigen, eine Aufzuganlage umfassenden Gebäudes
umfasst damit gemäss Fig. 4 folgende Verfahrensschritte.
[0043] Im Schritt S 1 wird ein Pit-Modul, ein oder mehrere Grund-Module und ein Top-Modul
in einer Fabrik an einem Fabrikationsort hergestellt und mit Aufzugbauteilen ausgerüstet.
Nach Abschluss des Schrittes S 1 werden die Schachtmodule im Schritt S2 zur Baustelle
des die Aufzuganlage aufnehmenden Gebäudes, also an den Erstellungsort transportiert.
Dies erfolgt beispielsweise mittels eines Lastwagens über die Strasse. Die Schritte
S1 und S2 können zusammen als ein Bereitstellen der Schachtmodule bezeichnet werden.
[0044] Anschliessend wird im Schritt S3 wie oben beschrieben zuerst das Pit-Modul auf einer
vorher erstellten Bodenplatte des Gebäudes abgestellt und anschliessend die weiteren
Schachtmodule zu einem Aufzugschacht aufeinandergestapelt.
[0045] Im optionalen Schritt S4 wird die Aufzuganlage installiert und in Betrieb genommen.
Die Installation und Inbetriebnahme der Aufzuganlage kann auch erst der Erstellung
des Gebäudes oder nach dem Entfernen des Kranauslegers vom Aufzugschacht erfolgen.
[0046] Im folgenden Schritt S5 wird wie oben beschrieben oben am Aufzugschacht ein Kranausleger
angeordnet.
[0047] Im folgenden Schritt S6 wird das die Aufzuganlage aufnehmende Gebäude erstellt und
dabei Baumaterial für die Erstellung des Gebäudes mittels des Kranauslegers verlagert.
Ausserdem wird optional die Aufzuganlage während der Erstellung des Gebäudes als Bauaufzug
genutzt.
[0048] Wenn kein Baumaterial mehr mit dem Kranausleger verlagert werden muss, wird im Schritt
S7 der Kranausleger mit einem Mobilkran vom Aufzugschacht entfernt.
[0049] Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass Begriffe wie "aufweisend", "umfassend",
etc. keine anderen Elemente oder Schritte ausschließen und Begriffe wie "eine" oder
"ein" keine Vielzahl ausschließen. Ferner sei darauf hingewiesen, dass Merkmale oder
Schritte, die mit Verweis auf eines der obigen Ausführungsbeispiele beschrieben worden
sind, auch in Kombination mit anderen Merkmalen oder Schritten anderer oben beschriebener
Ausführungsbeispiele verwendet werden können. Bezugszeichen in den Ansprüchen sind
nicht als Einschränkung anzusehen.
1. Verfahren zur Erstellung eines mehrstöckigen, eine Aufzuganlage (10) umfassenden Gebäudes
(19) mit den folgenden Verfahrensschritten:
- Bereitstellen von Schachtmodulen (14, 16, 18) und
- Aufeinandersetzen der bereitgestellten Schachtmodule (14, 16, 18) auf einer Bodenplatte
(13) des Gebäudes (19) zu einem Aufzugschacht (12) der Aufzuganlage (10),
gekennzeichnet durch die weiteren Verfahrensschritte:
- Anordnen eines Kranauslegers (50) oben am Aufzugschacht (12) und
- Verlagern von Baumaterial (76) für die Erstellung des Gebäudes (19) mittels des
Kranauslegers (50).
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Kranausleger (50) über eine Aussenseite eines obersten Schachtmoduls (18) des
Aufzugschachts (12) am Aufzugschacht (12) angeordnet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Aufzuganlage (10) während der Erstellung des Gebäudes (19) als Bauaufzug genutzt
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
an ein weiteres Schachtmodul (14, 16, 18) angrenzende Seitenwände (25) eines Schachtmoduls
(14, 16, 18) eine äussere horizontale Kante (27) aufweisen, welche unterhalb einer
inneren horizontalen Kante (29) der genannten Seitenwände (25) angeordnet ist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Aufzugschacht (12) Schachttüren (21) aufweist, welche vor dem Aufeinandersetzen
der Schachtmodule (14, 16, 18) mittels jeweils einer Abdeckung (23) nach aussen abgedeckt
werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
aneinandergrenzende Schachtmodule (14, 16, 18) zugfest miteinander verbunden werden.
7. Turmkran mit einem Kranturm (78) und einem oben am Kranturm (78) angeordneten Kranausleger
(50),
dadurch gekennzeichnet, dass
der Kranturm (78) als ein aus aufeinandergesetzten Schachtmodulen (14, 16, 18) bestehender
Aufzugschacht (12) einer Aufzuganlage (10) ausgeführt ist.
8. Turmkran nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Kranausleger (50) über eine Aussenseite eines obersten Schachtmoduls (18) des
Aufzugschachts (12) am Aufzugschacht (12) angeordnet ist.
9. Turmkran nach Anspruch 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
an ein weiteres Schachtmodul (14, 16, 18) angrenzende Seitenwände (25) eines Schachtmoduls
(14, 16, 18) eine äussere horizontale Kante (27) aufweisen, welche unterhalb einer
inneren horizontalen Kante (29) der genannten Seitenwände (25) angeordnet ist.
10. Turmkran nach Anspruch 7, 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Aufzugschacht (12) Schachttüren (21) aufweist, welche mittels jeweils einer Abdeckung
(23) nach aussen abgedeckt sind.
11. Turmkran nach einem der Ansprüche 7 bis 10,
dadurch gekennzeichnet, dass
aneinandergrenzende Schachtmodule (14, 16, 18) zugfest miteinander verbunden sind.