[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Erzeugen oder Aufweiten
einer Erdbohrung im Erdreich und ein Verfahren zum Betreiben einer solchen Vorrichtung.
Mindestens eine elektrisch betriebene Antriebseinheit wird zum Antrieb der Bohrvorrichtung
genutzt. Die Bohrvorrichtung ist insbesondere eine Horizontalbohrvorrichtung, durch
die eine Bohrung mithilfe eines steuerbaren Horizontalbohrverfahrens (Horizontal Directional
Drilling) durchführbar ist.
[0002] Bekannte Horizontalbohrvorrichtungen zum Erzeugen von Erdbohrungen haben hydraulische
Antriebe, die über dieselbetriebene oder benzinbetriebene Hydraulikaggregate angetrieben
werden. Um Schadstoffemissionen durch diese dieselbetriebenen oder benzinbetriebenen
Hydraulikaggregate zu vermeiden ist bekannt, elektrisch angetriebene Hydraulikaggregate
einzusetzen, die über ein öffentliches Energieversorgungsnetz oder über einen Akkupack
mit der erforderlichen elektrischen Energie versorgt werden. Eine solche Bohrvorrichtung
ist insbesondere in dem Dokument
DE 10 2018 113 274 A1 offenbart. Dieses Dokument offenbart weiterhin elektrische Antriebseinheiten zum
direkten Antrieb eines über ein Gestänge mit der Bohrvorrichtung verbundenen Bohr-
und/oder Aufweitwerkzeugs, wobei die für die elektrische Antriebseinheit erforderlichen
elektrischen Energie durch einen Akkupack bereitgestellt wird.
[0003] Zumindest bei leistungsstarken elektrisch angetriebenen Bohrvorrichtungen tritt das
Problem auf, dass elektrische Komponenten der Bohrvorrichtung zu warm werden und vor
thermischer Überlastung geschützt werden müssen.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Erzeugen oder
Aufweiten einer Erdbohrung im Erdreich anzugeben, durch die die elektrischen Komponenten
sicher und energiesparend betrieben werden können.
[0005] Diese Aufgabe wird durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und durch
ein Verfahren mit den Merkmalen des unabhängigen Verfahrensanspruchs gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0006] Durch die Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 wird erreicht, dass mindestens
eine elektrische Komponente der Vorrichtung effizient gekühlt werden kann. Durch den
Einsatz mindestens eines Kühlaggregats mit einer Wärmepumpe zum Kühlen der elektrischen
Komponente erfolgt eine energieeffiziente Kühlung, wodurch der Energieverbrauch der
gesamten Vorrichtung reduziert und die gekühlten elektrischen Komponenten sicher und
mit hoher Leistung betrieben werden können. Vorzugsweise wird die Wärmepumpe invers
betrieben und fungiert dadurch als Kompressor-Kühlaggregat.
[0007] Vorteilhaft ist es, wenn die Kühleinheit einen Kühlkreislauf mit einer Kühlflüssigkeit
zum aktiven Kühlen der elektrischen Komponente umfasst. Hierdurch ist eine einfache
und effiziente Kühlung möglich. Insbesondere können durch den Kühlkreislauf auch mehrere
elektrische Komponenten der Bohrvorrichtung einfach und effizient gekühlt werden.
[0008] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Kühleinheit die Batterie und/oder den Elektromotor
aktiv kühlt und/oder wenn die Leistungselektronikeinheit mindestens einen Inverter
bzw. einen Wechselrichter umfasst, und die Kühleinheit den Inverter bzw. den Wechselrichter
aktiv kühlt.
[0009] Auch ist es vorteilhaft, wenn die Kühleinheit alternativ oder zusätzlich weitere
elektrische Komponenten der Bohrvorrichtung kühlt, insbesondere eine DC-DC Wandler,
eine Ladeelektronik zum Laden der Batterie, ein Netzteil zum Wandeln der Netzspannung
eines öffentlichen Energieversorgungsnetzes in Gleichspannung zum Versorgen mindestens
einer elektrischen Komponente der Bohrvorrichtung. Hierdurch können die elektrischen
Komponenten der Vorrichtung einfach und effizient gekühlt und die gekühlten elektrischen
Komponenten sicher und mit hoher Leistung betrieben werden. Auch kann die Kühleinheit
eine Maschinenführerkabine der Vorrichtung kühlen.
[0010] Vorteilhaft ist es auch, wenn die Kühlvorrichtung zum Abführen von Wärme einen Flüssigkeits-/Luftwärmetauscher
und oder einen Flüssigkeits-/Flüssigkeitswärmetauscher umfasst. Der Flüssigkeits-/Flüssigkeitswärmetauscher
kann derart ausgebildet sein, dass er Wärme an eine beim Erzeugen der Bohrung verwendeten
Spülflüssigkeit, wie z.B. Bentonit, abgibt.
[0011] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Kühlvorrichtung in einer ersten Betriebsart
zum Kühlen der elektrischen Komponente betreibbar ist, und wenn die Kühlvorrichtung
in einer zweiten Betriebsart zum Wärmen der elektrischen Komponente betreibbar ist.
Hierdurch können die elektrischen Komponenten erforderlichenfalls auch erwärmt werden.
Insbesondere die Batterie sollte zum Laden und/oder zur Leistungsabgabe eine voreingestellte
Mindesttemperatur nicht unterschreiten.
[0012] Ferner ist es vorteilhaft, wenn die Antriebseinheit einen ersten Elektromotor für
einen Drehantrieb eines Bohrgestänges der Bohrvorrichtung und mindestens einen zweiten
Elektromotor für einen Vorschubantrieb zum Vorschub des Bohrgestänges hat. Insbesondere
kann die Antriebseinheit mindestens zwei, vorzugsweise drei, Elektromotore für den
Vorschubantrieb haben. Ferner kann die Vorrichtung eine elektrische Antriebseinheit
zum Antrieb einer Spülflüssigkeitspumpe, eine elektrische Antriebseinheit für eine
Mischstation zum Herstellen der Spülflüssigkeit haben. Diese elektrischen Antriebseinheiten
sind vorzugsweise direkte Elektroantriebe, d.h. Elektromotore, insbesondere Permanentmagnet-Synchronmotore
(PMSM), zum direkten Erzeugen der Antriebsbewegung der jeweiligen Komponente, d.h.
ohne Zwischenschaltung einer Hydraulikpumpe und Hydraulikantrieben. Hierdurch wird
ein hoher Wirkungsgrad erreicht. Alle zum Erzeugen oder zum Aufweiten der Erdbohrung
erforderlichen Antriebe der Vorrichtung sind somit direkte Elektroantriebe.
[0013] Weiterhin kann die Antriebseinheit mindestens einen elektrischen Antrieb eines Elektro-Hydraulikaggregats
umfassen. Das Elektro-Hydraulikaggregat umfasst vorzugsweise mindestens eine Hydraulikpumpe
zur Versorgung von Hydraulikantrieben.
[0014] Mit Hilfe dieses Elektro-Hydraulikaggregats können insbesondere lineare hydraulische
Stellantriebe, wie z.B. Hydraulikzylinder, insbesondere zum Klemmen von Bohrstangen
des Bohrgestänges der Bohrvorrichtung, zum Einstellen der Neigung einer Bohrrampe
der Bohrvorrichtung, zum Entnehmen von Bohrstangen aus einem Gestängemagazin und/oder
zum Ablegen in dem Gestängemagazin, angetrieben werden.
[0015] Der Antrieb der Hydraulikantriebe durch ein Elektro-Hydraulikaggregat ist zwar im
Wirkungsgrad nicht so hoch wie beim Einsatz direkter Elektroantriebe, jedoch werden
die erwähnten Hydraulikantriebe nicht permanent genutzt und können derzeit nicht kosteneffizient
durch direkte Elektroantriebe ersetzt werden.
[0016] Alternativ oder zusätzlich kann das Elektro-Hydraulikaggregat zum Antrieb eines Fahrwerks
der Bohrvorrichtung dienen. Dies ist zumindest dann kostengünstig, wenn die Bohrvorrichtung
für andere Hydraulikantriebe ein Elektro-Hydraulikaggregat hat. Jedoch kann der Antrieb
des Fahrwerks auch durch einen direkten Antrieb mit Hilfe mindestens eines Elektromotors
erfolgen
[0017] Im Bohrbetrieb der Vorrichtung kann das Elektro-Hydraulikaggregat dann deaktiviert
sein.
[0018] Antriebseinheiten zum Antrieb von Erdankern zum Verankern der Vorrichtung im Erdreich
können entweder über dasselbe Elektro-Hydraulikaggregat angetrieben werden oder über
direkte Elektromotore.
[0019] Das Verfahren mit den Merkmalen des nebengeordneten Verfahrensanspruchs hat dieselben
Vorteile wie die beanspruchte Vorrichtung. Insbesondere kann das Verfahren mit den
Merkmalen der auf die Vorrichtung gerichteten abhängigen Ansprüche und der zuvor genannten
Weiterbildungen weitergebildet werden.
[0020] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden im Folgenden anhand der Figuren näher erläutert.
Darin zeigen:
- Figur 1A
- eine schematische Darstellung einer Bohranlage zum gesteuerten Bohren einer Pilotbohrung
gemäß einer ersten Ausführungsform, mit der eine Durchgangsöffnung im Erdreich erzeugt
wird, die nachfolgend mithilfe eines Aufweitwerkzeugs aufweitbar ist;
- Figur 1B
- einen vergrößerten Ausschnitt der Bohranlage nach Figur 1A, wobei der Bohrkopf zum
Erzeugen der Pilotbohrung dargestellt ist;
- Figur 1C
- eine schematische Darstellung einer Bohranlage zum Aufweiten der mit der Bohranlage
nach Figur 1A erzeugten Pilotbohrung mithilfe eines Aufweitwerkzeugs;
- Figur 1D
- einen vergrößerten Ausschnitt der Bohranlage nach Figur 1C, wobei das Aufweitwerkzeug
zum Aufweiten der Pilotbohrung dargestellt ist;
- Figur 2
- ein Blockschaltbild mit zu kühlenden elektrischen Komponenten einer Horizontalbohrvorrichtung
der Bohranlage.
[0021] In Figur 1A ist eine Bohranlage 10 zum gesteuerten Bohren einer Pilotbohrung gemäß
einer ersten Ausführungsform gezeigt. Die Bohranlage 10 arbeitet nach einem Horizontalbohrverfahren,
das auch als Horizontal Directional Drilling (HDD) Verfahren bezeichnet wird. Im vorliegenden
Ausführungsbeispiel wird hierzu eine unter der Handelsbezeichnung TERRA-JET erhältliche
Horizontalbohranlage eingesetzt. Eine solche Horizontalbohranlage ist beispielsweise
aus dem Dokument
DE 101 15 233 A1 bekannt. Beim HDD-Verfahren wird ein aus mehreren Gestängeabschnitten 13 zusammengesetztes
Gestänge 14 mithilfe einer Horizontalbohrvorrichtung 12 an einem Startpunkt 16 mit
einem an der Horizontalbohrvorrichtung 12 entfernten Ende des Gestänges 14 angeordneten
Bohrkopf 20 in Richtung des Pfeils P0 in das Erdreich 18 eingebracht. Die gesamte
Horizontalbohrvorrichtung 12 ist über ein Fahrgestell 54 der Horizontalbohrvorrichtung
12 verfahrbar.
[0022] Die Horizontalbohrvorrichtung 12 hat eine Pumpe 42, die über einen Schlauch 48 Spülflüssigkeit
46 aus einem Spülflüssigkeitsbehälter 40 ansaugt und mit hohem Druck in das hohle
Gestänge 14 fördert. Die Spülflüssigkeit 46 tritt mit hohem Druck am Bohrkopf 20 aus.
Durch den hohen Druck und durch Hartmetallzähne des Bohrkopfs 20 wird ein Bohrloch
ins Erdreich 18 geschnitten. Als Spülflüssigkeit 46 kann Wasser mit Bentonit oder
Polymeren eingesetzt werden. Solche Spülflüssigkeiten 46 stabilisieren den Bohrkanal
15, vermindern die Reibung zwischen Bohrgestänge 14 und Erdreich 18 sowie die Reibung
zwischen einem in den Bohrkanal einzuziehenden Rohr 26 und dem Erdreich 18. Eine Steuereinheit
50 der Horizontalbohrvorrichtung 12, insbesondere eine speicherprogrammierbare Steuereinheit
(SPS), steuert die Pumpe 42 zum Fördern der Spülflüssigkeit 46 durch das Gestänge
14 an. Die Pumpe 42 ist durch die Steuereinheit 50 insbesondere derart ansteuerbar,
dass der Volumenstrom der durch die Pumpe 42 geförderten und somit der am Bohr- bzw.
Aufweitkopf 20, 24 austretenden Spülflüssigkeit 46 steuerbar ist.
[0023] Die Antriebseinheiten zum Antrieb der Pumpe 42, zum Drehen des Gestänges 14 um dessen
Längsachse und zum Bewegen des Gestänges 14 entlang dessen Längsachse sind Elektromotore
zum direkten Antrieb, d.h. ohne Zwischenschaltung einer Hydraulikpumpe und Hydraulikmotore.
Der Elektromotor oder die Elektromotore können jedoch mindestens eine Getriebestufe
umfassen. Die Elektromotore sind Permanentmagnet-Synchronmotore (PMSM). Bei anderen
Ausführungsformen sind die Elektromotore andere Elektromotore, insbesondere Gleichstrommotore
oder Asynchronmotore.
[0024] Eine Batterie 52 zum Bereitstellen zumindest eines Teils der von den Elektromotoren
benötigten elektrischen Energie ist in die Horizontalbohrvorrichtung 12 integriert.
Die Batterie 52 ist wiederaufladbar und wird auch als Akkupack bezeichnet. Die Batterie
52 ist im vorliegenden Ausführungsbeispiel fest in die Horizontalbohrvorrichtung 12
integriert. Bei anderen Ausführungsformen kann die Batterie 52 auch als Wechselbatterie
ausgeführt sein, d.h. die Batterie 52 ist gegen eine andere vorzugsweise geladene
Batterie 52 austauschbar.
[0025] Die Elektromotore der Horizontalbohrvorrichtung 12 werden mithilfe der Steuereinheit
50 der Horizontalbohrvorrichtung 12 über jeweils eine Leistungselektronikeinheit,
insbesondere über einen Inverter, angesteuert. Neben den Elektromotoren sind auch
die zum Ansteuern der Elektromotore erforderlichen Inverter, die Batterie 52, eine
Ladeschaltung zum Laden der Batterie 52 und zumindest ein Netzteil zum Erzeugen der
erforderlichen Gleichspannung zum Laden der Batterie 52 und/oder zum Versorgen der
Elektromotore bei der Versorgung des Netzteils über ein Energieversorgungsnetz, insbesondere
über ein öffentliches Energieversorgungsnetz, elektrische Komponenten der Horizontalbohrvorrichtung
12.
[0026] Zumindest ein Teil der elektrischen Komponenten haben eine relativ hohe Verlustleistung,
so dass sie im Bohrbetrieb und/oder im kontinuierlichen Bohrbetrieb der Horizontalbohrvorrichtung
12 gekühlt werden müssen. Zumindest bei einigen elektrischen Komponenten ist eine
Luftkühlung sehr aufwendig und ineffizient. Bei der Horizontalbohrvorrichtung 12 werden
deswegen zumindest ein Teil der elektrischen Komponenten aktiv durch eine Kühleinheit
56 gekühlt, wobei die Kühlung über einen Flüssigkeitskreislauf mit einer Kühlflüssigkeit
erfolgt. Die Kühleinheit 56 umfasst ein Kühlaggregat mit einer Wärmepumpe mit einem
Flüssigkeits-/Luftwärmetauscher zum Abführen der Wärme an die Umgebung. Bei anderen
Ausführungsformen ist alternativ oder zusätzlich ein Flüssigkeits-/Flüssigkeitswärmetauscher
zum Abführen von Wärme an die Spülflüssigkeit 40 vorgesehen.
[0027] Der Aufbau und die weitere Funktion der elektrischen Komponenten der Horizontalbohrvorrichtung
12 wird in Verbindung mit Figur 2 weiter unten näher erläutert.
[0028] Der Bohrkopf 20 ist an seinem vorderen Ende asymmetrisch abgeflacht und wird mithilfe
des Gestänges 14 zum Erzeugen eines geraden Bohrlochs kontinuierlich gedreht. Bei
einer gewünschten seitlichen Bewegung, Aufwärtsbewegung oder Abwärtsbewegung wird
der Bohrkopf 20 in einer für diese gewünschte Bewegung geeigneten Position angehalten
und nicht weitergedreht, so dass aufgrund der asymmetrisch abgeflachten Form des vorderen
Endes des Bohrkopfs 20 eine entsprechende Ablenkbewegung des Bohrkopfs 20 im Erdreich
18 erfolgt. In Figur 1B ist eine Detailansicht des von der Horizontalbohrvorrichtung
12 entfernten Endes des Gestänges 14 zusammen mit dem Bohrkopf 20 gezeigt. Im Bohrkopf
20 ist eine elektronische Sonde angeordnet, die mithilfe eines entsprechenden Ortungsgerätes
jederzeit von der Erdoberfläche aus exakt geortet werden kann, so dass die Position
des Bohrkopfs 20 im Erdreich 18 jederzeit exakt bestimmbar ist.
[0029] Die Bewegungsbahn des Bohrkopfs 20 und damit der Verlauf des Bohrkanals 15 der Pilotbohrung
wird einfach durch kontrolliertes Stoppen der Drehung des Bohrkopfs 20 über das Gestänge
14 gesteuert, so dass die Steuerfläche des Bohrkopfs 20 in eine für die gewünschte
Bewegung erforderliche Stellung gebracht wird.
[0030] Nach Erreichen des Zielpunkts 22, der beispielsweise in einer Zielgrube vorgesehen
ist, wird der Bohrkopf 20 durch einen Aufweitkopf 24 ersetzt, der beim Zurückziehen
des Gestänges 14 die zuvor erzeugte Pilotbohrung aufweitet und gleichzeitig ein HDPE-Rohr
26 einzieht, wie dies in den Figuren 1C und 1D gezeigt ist. HDPE-Rohre sind aus High-Density-Polyethylen
hergestellt, wobei dieses High-Density-Polyethylen ein thermoplastischer Kunststoff
mit hoher Dichte ist. Bei anderen Ausführungsformen können auch Rohre 26 aus anderen
Materialien, insbesondere aus Metall, eingezogen werden.
[0031] Figur 1D zeigt einen vergrößerten Ausschnitt der in Figur 1C gezeigten Bohranlage
10. In diesem Ausschnitt sind das von der Horizontalbohrvorrichtung 12 entfernte Ende
des Gestänges 14, der Aufweitkopf 24 und das bereits zum Teil ins Erdreich 18 eingezogene
Rohr 26 dargestellt.
[0032] Figur 2 zeigt ein Blockschaltbild mit zu kühlenden elektrischen Komponenten der Horizontalbohrvorrichtung
12 der Bohranlage 10. In einem Gehäuse 100, vorzugsweise in einem Schaltschrank, der
Horizontalbohrvorrichtung 12 sind die elektrischen Schalt- und Steuerkomponenten des
elektrischen Antriebssystems 110 der Horizontalbohrvorrichtung 12 angeordnet. Die
Batterie 52, die Kühleinheit 56, anzusteuernde Elektromotore 116 bis 124 und ein Anschluss
an das öffentliche Energieversorgungsnetz 112 sind außerhalb des Gehäuses 100 angeordnet.
[0033] Die Schalt- und Steuerkomponenten des elektrischen Antriebssystems 110 umfassen ein
Netzteil 140, das über einen Hauptschalter 136 und eine Drossel 138 mit dem öffentlichen
Energieversorgungsnetz 112 verbunden ist. Über das öffentliche Energieversorgungsnetz
112 wird dem elektrischen Antriebssystem 110 elektrische Energie zum Laden der Batterie
52 und zum Bereitstellen der für die Elektromotore 116 bis 124 erforderlichen Energie
bereitgestellt. Im normalen Bohrbetrieb werden die Elektromotore 116 bis 124 gleichzeitig
aus der Batterie 52 und dem öffentlichen Energieversorgungsnetz 112 gespeist, wodurch
die Anschlussleistung des öffentlichen Energieversorgungsnetzes 112 relativ gering
gehalten werden kann. So ist bei dem Modell TERRA-JET DJ 60e ohne Batterie 52 eine
Anschlussleistung von 2x 200 kW / 2-Anschlüsse 3x400V AC 128A erforderlich und mit
Unterstützung einer Batterie 52mit beispielsweise 60 kWh, nur eine Anschlussleistung
von 100 kW /1 Anschluss 3x400V AC, 64 A. Der Anschluss an das öffentliche Energieversorgungsnetz
112 kann über einen Baustromverteiler erfolgen. In Arbeitspausen, beispielsweise beim
Hinzufügen oder entfernen von Gestängeabschnitten 15, kann die Batterie 52 dann immer
nachgeladen werden. Alternativ oder zusätzlich kann die Batterie 52 nach Arbeitsschluss
z.B. über Nacht, vollständig aufgeladen werden. Das Netzteil 140 stellt einem Hauptverteiler
142 Gleichspannung zur Versorgung der Elektromotore 116 bis 124 und zum Laden der
Batterie 52 über einen DC/DC-Wandler 144 sowie zur Versorgung weiterer Komponenten,
wie dem DC/DC-Wandler 146 zur Versorgung weiterer Komponenten der Horizontalbohrvorrichtung
12 und der Kühleinheit 56, zur Verfügung. Der DC/DC Wandler 144 umfasst eine Ladeschaltung
zum Laden der Batterie 52. Die Elektromotore 116 bis 124 sind über Inverter 126 bis
134 mit dem Hauptverteiler 142 verbunden, die von einer Steuereinheit 148 des elektrischen
Antriebssystems 110 entsprechend angesteuert werden, um die Elektromotore 116 bis
134 zu aktivieren und zu steuern.
[0034] Die Steuereinheit 148 ist weiterhin mit der zentralen Steuereinheit 50 der Horizontalbohrvorrichtung
12 zum Steuern des Bohrvorgangs und zum Verfahren der Horizontalbohrvorrichtung 12
mithilfe des Fahrgestells 54 verbunden. Ferner steuert die Steuereinheit 148 den DC/DC-Wandler
146 den Hauptschalter 136 und das Netzteil 140 sowie die zentrale Verteilung 142.
[0035] Die Kühleinheit 56 umfasst ein Kühlaggregat mit einer Wärmepumpe, die derart ausgebildet
ist, dass ein Verdampfer des Wärmepumpenkreislaufs die Kühlflüssigkeit eines Kühlflüssigkeitskreislaufs
zum Kühlen von elektrischen Komponenten des elektrischen Antriebssystems 110 kühlt.
Der Kühlflüssigkeitskreislauf ist in Figur 2 mithilfe von Strichlinien dargestellt.
Der Kühlflüssigkeitskreislauf umfasst einen Vorlauf 150 und einen Rücklauf 152, wobei
Kühlflüssigkeitsdurchfluss vorzugsweise temperaturabhängig für jede zu kühlende elektrische
Komponente gesteuert oder geregelt wird. Der Durchfluss kann insbesondere über entsprechende
Ventile eingestellt werden.
[0036] Bei der vorliegenden Ausführungsform werden die Batterie 52, das Netzteil 140, die
Inverter 126 bis 134, der DC/DV Wandler 144 und der DC/DC-Wandler 146 aktiv mithilfe
der Kühlflüssigkeit gekühlt. Bei anderen Ausführungsformen kann zusätzlich mindestens
ein Elektromotor 116 bis 124 gekühlt werden. Bei anderen Ausführungsformen können
auch weniger elektrische Komponenten aktiv mit Hilfe der Kühlflüssigkeit gekühlt werden.
[0037] Die Kühleinheit 56 kann in einer ersten Betriebsart zum Kühlen von elektrischen Komponenten
betrieben werden und in einer zweiten Betriebsart zum Wärmen der elektrischen Komponenten.
So kann insbesondere die Batterie 52 bei kalten Außentemperaturen erwärmt werden,
um die Ladeeffizienz zu erhöhen und/oder um die Leistungsabgabe und die Kapazität
der Batterie 52 zu verbessern.
[0038] Bei anderen Ausführungsformen kann an Stelle des oder zusätzlich zum öffentlichen
Energieversorgungsnetz 112 eine Batterie, vorzugsweise ein Batteriecontainer mit wiederaufladbaren
Batterien, eingesetzt werden. Vorzugsweise sind die Batterien in einem sogenannten
20-Fuß Lager- und Versandcontainer angeordnet, wodurch ein einfacher Transport von
und zu einer Baustelle erfolgen kann. Die Batteriekapazität der im Batteriecontainer
angeordneten Batterien ist vorzugsweise so bemessen, dass diese zur Versorgung der
Bohrvorrichtung für mindestens einen Arbeitstag ausreichen.
Bezugszeichenliste
[0039]
- 10
- Bohranlage
- 12
- Horizontalbohrvorrichtung
- 13
- Gestängeabschnitt
- 14
- Gestänge
- 15
- Bohrkanal
- 16
- Startpunkt
- 18
- Erdreich
- 20
- Bohrkopf
- 22
- Zielpunkt
- 24
- Aufweitkopf
- 26
- HDPE-Rohr
- 40
- Spülflüssigkeitsbehälter
- 42
- Pumpe
- 46
- Spülflüssigkeit
- 48
- Schlauch
- 50
- Steuereinheit
- 52
- Batterie
- 54
- Fahrgestell
- 56
- Kühleinheit
- 100
- Steuerkomponenten für Elektroantriebe
- 110
- elektrisches Antriebssystem
- 112
- öffentliches Energieversorgungsnetz
- 116
- Elektrodrehantrieb Gestänge
- 118
- Elektroantrieb Hydraulik
- 120 bis 124
- Elektrovorschubantrieb Gestänge
- 126 bis 134
- Inverter Elektroantrieb
- 136
- Hauptschalter
- 138
- Drossel
- 140
- Netzteil
- 142
- Hauptverteiler
- 144
- DC/DC Wandler mit Ladeschaltung
- 146
- DC/DC Wandler sonstige Verbraucher
- 148
- Steuereinheit elektrisches Antriebssystem
- 150
- Vorlauf
- 152
- Rücklauf
- P0
- Richtungspfeil
1. Vorrichtung zum Erzeugen oder Aufweiten einer Erdbohrung im Erdreich,
insbesondere zum richtungsgeführten Horizontalbohren,
mit mindestens einer elektrisch betriebenen Antriebseinheit (116 bis 124),
mit mindestens einer Leistungselektronikeinheit (126 bis 134), die ausgebildet ist,
die Antriebseinheit (116 bis 124) mit elektrischer Energie zu versorgen,
mit einer wiederaufladbaren Batterie (52) zum Bereitstellen zumindest eines Teils
der zum Versorgen der Antriebseinheit (116 bis 124) erforderlichen elektrischen Energie,
wobei die Antriebseinheit (116 bis 124), die Leistungselektronikeinheit (126 bis 134)
und/oder die Batterie (52) elektrische Komponenten der Bohrvorrichtung (12) sind,
mit mindestens einer Kühleinheit (56), die ausgebildet ist, mindestens eine elektrische
Komponente (116 bis 134, 52) der Bohrvorrichtung (12) aktiv zu kühlen,
wobei die Kühleinheit (56) mindestens ein Kühlaggregat mit einer Wärmepumpe umfasst.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühleinheit (56) einen Kühlkreislauf mit einer Kühlflüssigkeit zum aktiven Kühlen
der elektrischen Komponente (116 bis 134, 52) umfasst.
3. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühleinheit (56) die Batterie (52) aktiv kühlt.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühleinheit (56) den Elektromotor (116 bis 124) aktiv kühlt.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Leistungselektronikeinheit mindestens einen Inverter (126 bis 134) umfasst, und
dass die Kühleinheit (56) den Inverter (126 bis 134) kühlt.
6. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühleinheit (56) weitere elektrische Komponenten der Bohrvorrichtung (12) kühlt,
insbesondere einen DC-DC Wandler (144, 146), eine Ladeelektronik (144) zum Laden der
Batterie (52), ein Netzteil (140) zum Wandeln der Netzspannung eines öffentlichen
Energieversorgungsnetzes (112) in Gleichspannung zum Versorgen mindestens einer elektrischen
Komponente (116 bis 134, 52, 56) der Bohrvorrichtung (12).
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühleinheit (56) eine Maschinenführerkabine kühlt.
8. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühlvorrichtung (56) zum Abführen von Wärme einen Flüssigkeits-/ Luftwärmetauscher
und oder einen Flüssigkeits-/Flüssigkeitswärmetauscher umfasst, wobei der Flüssigkeits-/Flüssigkeitswärmetauscher
vorzugsweise derart ausgebildet ist, dass er Wärme an eine beim Erzeugen der Bohrung
verwendeten Spülflüssigkeit (46) abgibt.
9. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kühlvorrichtung (56) in einer ersten Betriebsart zum Kühlen der elektrischen
Komponente (116 bis 134, 52) betreibbar ist, und dass die Kühlvorrichtung (56) in
einer zweiten Betriebsart zum Wärmen der elektrischen Komponente (116 bis 134, 52)
betreibbar ist.
10. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit einen ersten Elektromotor (116) für einen Drehantrieb eines Bohrgestänges
(14) der Bohrvorrichtung (12) und mindestens einen zweiten Elektromotor (120 bis 126)
für einen Vorschubantrieb zum Vorschub des Bohrgestänges (14) hat.
11. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit mindestens zwei, vorzugsweise drei, Elektromotore (120 bis 126)
für den Vorschubantrieb des Bohrgestänges (14) hat.
12. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Antriebseinheit mindestens einen elektrischen Antrieb (118) eines Fahrgestells
(54) der Bohrvorrichtung (12) umfasst, wobei der elektrische Antrieb (118) vorzugsweise
eine Hydraulikpumpe zur Versorgung von Hydraulikantrieben des Fahrgestells (54) umfasst.
13. Verfahren zum Betreiben einer Vorrichtung zum Erzeugen oder Aufweiten einer Erdbohrung
im Erdreich, insbesondere zum richtungsgeführten Horizontalbohren,
bei dem mindestens eine elektrisch betriebene Antriebseinheit (116 bis 124) mithilfe
mindestens einer Leistungselektronikeinheit (126 bis 134) mit elektrischer Energie
versorgt wird,
bei dem zumindest ein Teil der zum Versorgen der Antriebseinheit (116 bis 124) erforderlichen
elektrischen Energie durch eine wiederaufladbare Batterie (52) bereitgestellt wird,
wobei die Antriebseinheit (116 bis 124), die Leistungselektronikeinheit (126 bis 134)
und/oder die Batterie (52) elektrische Komponenten der Bohrvorrichtung (12) sind,
bei dem mindestens eine elektrische Komponente der Bohrvorrichtung (116 bis 134, 52)
mithilfe einer mindestens ein Kühlaggregat mit einer Wärmepumpe umfassenden Kühleinheit
(56) aktiv gekühlt wird.