Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Erzeugen von Gussteilen mittels selbstaufzehrender
Elektroden aus Titan und Titan enthaltendem Metallschrott in einer Gießereianlage
sowie eine Gießereianlage, die dazu ausgebildet ist, das erfindungsgemäße Verfahren
durchzuführen.
Stand der Technik
[0002] Die Erzeugung von Gussteilen aus Titan enthaltendem Metallschrott und Titan enthaltenden,
selbstaufzehrenden Elektroden in einer Gießereianlage stellt spezielle Anforderungen
an die Verfahrensführung. Insbesondere ist es wünschenswert bzw. erstrebenswert, die
in der Elektrode und dem Titanschrott enthaltenden, niedrige Dichten aufweisenden
Einschlüsse wie z.B. Titannitride sowie auch Fremdpartikel, die eine relative hohe
Dichte aufweisen, beim Aufschmelzen des Metallschrotts von dem Titian zu trennen,
damit diese nicht oder nur in geringem Ausmaß in die Gussteile gelangen. Als möglicher
Ansatz bietet sich dabei an, den Metallschrott innerhalb eines eine gekühlte Innenwand
aufweisenden Schmelztiegels aufzuschmelzen. Dieser, unter Vakuum stattfindende Prozess
bewirkt, dass die angesprochenen, in den Gussteilen unerwünschten Bestandteile der
flüssigen Titanschmelze, die gegenüber den restlichen Bestandteilen eine höhere Dichte
aufweisen, in dem Schmelzbad absinken und im Bereich der Innenwand des Schmelztiegels
erstarren und somit beim Abgießen des restlichen, verflüssigten Metalls nicht in eine
Gussform o.ä. und somit auch nicht in die Gussteile gelangen. Die an der Innenwand
des Schmelztiegels erstarrte metallische Schale wird in der Fachwelt als "Skull" bezeichnet.
[0003] Ein derartiges Verfahren ist aus der
CN 113337728 A bekannt. Das bekannte, die Merkmale des Oberbegriffs des Anspruchs 1 aufweisende
Verfahren zeichnet sich darüber hinaus dadurch aus, dass der Metallschrott vor dem
Beginn des Produktionszyklus aus einem Vorratsbehälter einmalig zugeführt bzw. bereitgestellt
wird.
Offenbarung der Erfindung
[0004] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Erzeugen von Gussteilen aus Titan enthaltendem
Metallschrott und einer Titan enthaltenden Elektrode mit den Merkmalen des Anspruchs
1 hat den Vorteil, dass es bei einer chargenweisen Produktion der Gussteile in der
Gießereianlage eine besonders hohe Produktivität ermöglicht bzw. die Verarbeitung
von großen Mengen von Titan enthaltendem Metallschrott.
[0005] Der Erfindung liegt die Idee zugrunde, eine relativ große Menge von zum Aufschmelzen
bereitgestellten Metallschrott dadurch innerhalb einer für die Verarbeitung zur Erzielung
der hohen Qualität der Gussteile erforderlichen Vakuumatmosphäre zu bevorraten, dass
der Metallschrott in mehreren Vorratsbehältern bevorratet wird, sodass unter zwischenzeitlichem
Abgießen von aufgeschmolzenem Metallschrott aus dem Schmelztiegel solange Metallschrott
aus den Vorratsbehältern verarbeitet bzw. in den Schmelztiegel portionsweise nachgefüllt
werden kann, bis der gesamte bereitgestellte Metallschrott aufgebraucht ist. Dies
ermöglicht im Zusammenhang mit einer ein entsprechend großes Volumen bzw. eine große
Masse aufweisenden Elektrode chargenweise große Mengen an Metallschrott zu Gussteilen
zu verarbeiten.
[0006] Dadurch werden in der Praxis mittels einer entsprechenden Gießereianlage innerhalb
eines Produktionszyklus im Mehrfachguss Gussteile hergestellt, die insgesamt ein Gewicht
von bis zu 13t aufweisen können, während es bei dem aus dem Stand der Technik bekannten
Verfahren üblicherweise nur möglich ist, ein großes Gussteil mit einem wesentlich
geringeren Gewicht von maximal 6t herzustellen. Dabei setzt sich das Gewicht der erzeugten
Gussteile aus dem Gewicht der Elektrode und dem Gewicht des Metallschrotts, reduziert
um die Masse des in dem Schmelztiegel verbleibenden Skulls zusammen. Dieser Skull
kann ggf. zu einer Elektrode für einen nachfolgenden Schmelzvorgang aufbereitet bzw.
benutzt werden.
[0007] Vor dem Hintergrund der obigen Erläuterungen sieht es daher ein erfindungsgemäßes
Verfahren zum Erzeugen von Gussteilen aus Titan enthaltendem Metallschrott und Titan
enthaltenden Elektroden in einer Gießereianlage mit den Merkmalen des Anspruchs 1
vor, dass der Metallschrott in einem Vorratsraum der Gießereianlage in mehreren Vorratsbehältern
bevorratet wird, wobei in dem Vorratsraum und der Schmelzkammer die Vakuumatmosphäre
gemeinsam erzeugt und während des Produktionsprozesses aufrecht erhalten wird, und
dass der Metallschrott aus den Vorratsbehältern in Teilmengen bzw. portionsweise in
den aus einem inerten Material bestehenden Schmelztiegel eingebracht wird.
[0008] Vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Erzeugen von Gussteilen
aus Titan enthaltendem Metallschrott sind in den Unteransprüchen aufgeführt.
[0009] Wie bereits oben erläutert, ist es von besonderem Vorteil, wenn verflüssigtes Metall
aus dem Schmelztiegel zumindest zwischen einigen Füllvorgängen mit dem Metallschrott
aus den Vorratsbehältern in die wenigstens eine Gussform abgegossen wird. Dies ermöglicht
es, einen Schmelztiegel mit einer relativ kleinen Masse bzw. einem relativ kleinen
Volumen einzusetzen, was dessen Handling in der Schmelzkammer, insbesondere die Anforderungen
an die benötigten Antriebe, zum Beispiel zum Kippen zur Abgabe des verflüssigten Metalls
in die Gussform, reduziert.
[0010] Weiterhin ist es ganz besonders bevorzugt vorgesehen, wenn der Metallschrott oder
auch ggf. Zuschläge zur Korrektur der Zusammensetzung der Bestandteile des Metalls
in den einen wannenartigen, eine längliche Form aufweisenden Schmelztiegel seitlich
neben der in den Querschnitt des Schmelztiegels eintauchenden Elektrode während des
Schmelzprozesses abgegeben wird. Dies hat den Vorteil, dass die Elektrode zum Nachfüllen
des Metallschrotts in den Schmelztiegel grundsätzlich nicht aus dem Schmelztiegel
angehoben bzw. entfernt werden muss, was das Handling vereinfacht und ein besonders
einfaches Nachfüllen von Metallschrott bzw. der Zuschläge ermöglicht. Insbesondere
muss dadurch auch der Schmelzprozess in dem Schmelztiegel während des Nachfüllens
des Metallschrotts nicht unterbrochen werden, was mit Blick auf den gewünschten Schmelzprozess
und die Ausscheidung der nicht erwünschten Bestandteile aus dem Metallschrott von
Vorteil ist und somit zu einer verbesserten Qualität der Gussteile führen kann.
[0011] Eine weitere bzw. zusätzliche Maßnahme zur Qualitätssteigerung sieht vor, dass das
in dem Schmelztiegel befindliche, aufgeschmolzene Metall durch eine elektromagnetische
Rühreinrichtung bewegt wird. Dadurch wird insbesondere eine Homogenisierung der Metallschmelze
und ein verbessertes Auflösen von an sich unerwünschten, eine niedrige Dichte aufweisenden
Bestandteilen des Titans in der Schmelze begünstigt.
[0012] Ebenso kann der Schmelzprozess verbessert bzw. optimiert werden, wenn zur Homogenisierung
des Energieeintrags über die Elektrode der Schmelztiegel während des Schmelzprozesses
unterhalb der selbstaufzehrenden Elektrode in horizontaler Richtung bewegt wird. Dies
führt insbesondere im Zusammenhang mit einem einen länglichen Querschnitt aufweisenden
Schmelztiegel dazu, dass die Elektrode nach und nach in Überdeckung mit dem gesamten
Querschnitt des Schmelztiegels und somit dem darin befindlichen Metallschrott gelangen
kann.
[0013] Eine weitere, ganz besonders bevorzugte Ausgestaltung des Verfahrens sieht vor, dass
die Vakuumatmosphäre in wenigstens zwei, voneinander durch eine Vakuumschleuse o.ä.
Einrichtung voneinander getrennte Teilbereichen erzeugt wird, wobei ein erster Teilbereich
der Aufnahme der Vorratsbehälter in dem Vorratsraum und der Ausbildung der Schmelzkammer
dient und ein zweiter Teilbereich der Aufnahme der wenigstens einen Gussform in einer
Gusskammer. Die ermöglicht es, die in der Gusskammer erzeugten Gussteile aus der Gusskammer
durch Verbindung mit der Außenatmosphäre abzuführen und neue Gussformen in die Gusskammer
einzuführen, ohne dass hierzu die Vakuumatmosphäre in der Schmelzkammer aufgehoben
werden muss.
[0014] Ein weiterer Aspkt der Erfindung betrifft die Anforderung insbesondere der Luft-
und Raumfahrtindustrie, nach der aus dem aufgeschmolzenen Metallschrott erzeugte Gussteile
zur Reduzierung unerwünschter Bestandteile aus mehrfach aufgeschmolzenem Metall gewonnen
werden können. Hierzu seiht es die Erfindung vor, dass die Gussteile mittels zweier
Elektroden erzeugt werden, einer ersten Elektrode, mittels der eine erste Portion
des Metallschrotts bei Prozessbeginn aufgeschmolzen wird, und einer zweiten Elektrode,
die aus einem durch die erste Elekrode und dem aufgeschmolzenen Metallschrott erzeugten
Gussteil in einem dazu ausgebildeten Schmelztiegel geformt wird, so dass das Material
der ersten Elektrode und des Metallschrotts anschließend durch die zweite Elektrode
nochmals vollständig aufgeschmolzen wird.
[0015] Weiterhin umfasst die Erfindung auch eine Gießereianlage, die zum Durchführen eines
soweit beschriebenen erfindungsgemäßen Verfahrens ausgebildet ist. Die erfindungsgemäße
Gießereianlage weist einen eine gekühlte Innenwand aufweisenden, aus inertem Material
bestehenden Schmelztiegel zur Aufnahme von Metallschrott in einer Schmelzkammer auf.
Die Innenwand umfasst dabei sowohl den Bereich eines Bodens als auch den einer Seitenwand
des Schmelztiegels. Weiterhin sind eine Einrichtung zur Positionierung einer selbstaufzehrenden
Elektrode zum Aufschmelzen des Metallschrotts sowie ein Vorratsraum zur Aufnahme mehrerer
Vorratsbehälter für den Metallschrott vorgesehen. Eine Gusskammer dient zur Anordnung
wenigstens einer Gussform, die zur Aufnahme von verflüssigtem Metall aus dem Schmelztiegel
verwendet wird. Weiterhin sind der Vorratsraum, die Schmelzkammer und die Gusskammer
mittels einer Vakuumeinrichtung evakuierbar, und der Metallschrott ist aus jeweils
einem der mehreren Vorratsbehältern mittels einer Zuführeinrichtung in den Schmelztiegel
überführbar.
[0016] Zum verbesserten Handling von Gussformen in der Gusskammer sind zumindest die Schmelzkammer
und die Gusskammer durch eine Vakuumschleuse o.ä. Einrichtung zur Erzeugung separater
Vakuumatmosphären voneinander getrennt bzw. unterteilbar.
[0017] Eine besonders homogene Qualität des aufgeschmolzenen Metalls und somit auch der
Gussteile wird erzielt, wenn der Schmelztiegel mit einer elektromagnetisch arbeitenden
Rühreinrichtung für das aufgeschmolzene Metall zusammenwirkt.
[0018] Der in den mehreren Vorratsbehältern bevorratete Metallschrott wird vorzugsweise
dadurch zur Abgabe in den Schmelztiegel bereitgestellt, dass die Vorratsbehälter auf
einer Einrichtung auf einem gemeinsamen Teilkreisdurchmesser um eine Achse drehbar
angeordnet sind. Dadurch kann durch Drehen der Einrichtung um die Achse der jeweilige,
zu entleerende Vorratsbehälter beispielsweise in Überdeckung bzw. in die Nähe des
Schmelztiegels bewegt werden, oder aber in Wirkverbindung mit der Überführeinrichtung,
die als Fallrohr, Schüttrinne o.ä. ausgebildet sein kann.
[0019] Um insbesondere mehrere bzw. unterschiedliche Gussteile aus dem Metallschrott herstellen
zu können, ist es darüber hinaus bevorzugt vorgesehen, wenn in einer Gusskammer mehrere,
mittels einer Plattform zur Schmelzkammer positionierbare Gussformen angeordnet sind.
Dies ermöglicht es, durch alleiniges Schwenken bzw. Kippen des Schmelztiegels um eine
Kippachse das aufgeschmolzene Metall in die jeweilige Gussform abzugeben.
[0020] Wie eingangs bereits erläutert, dient die gekühlte Innenwand des Schmelztiegels dazu,
dass die eine relativ hohe Dichte aufweisenden Bestandteile des Titan enthaltenden
Metallschrotts und der Elektrode, die möglichst nicht in den Gussteilen vorhanden
sein sollen, sich an der Innenwand ansammeln bzw. dort erstarren. Um zu vermeiden,
dass weiteres, zunächst verflüssigtes Metall, das für die Gussteile verwendet werden
soll, sich an der gekühlten Innenwand niederschlägt bzw. dort erstarrt ist es wesentlich,
zum Abgeben des verflüssigten Metalls aus dem Schmelztiegel das Abgießen in die Gussform
möglichst schnell durchzuführen, sodass möglichst viel verflüssigtes Metall aus dem
Schmelztiegel in die Gussform abgegeben wird. Hierzu ist es erforderlich, vor dem
Abkippen bzw. Schwenken des Schmelztiegels zunächst die selbstaufzehrende Elektrode
aus dem Bereich des Schmelztiegels anzuheben. Um dies möglichst rasch zu ermöglichen,
sieht eine bevorzugte Weiterbildung der Gießereianlage vor, dass die Elektrode zum
Anheben und/oder Eintauchen in den Schmelztiegel mittels zweier separater Antriebe
verstellbar angeordnet ist, einem ersten, elektromotorischen Antrieb zur Feinpositionierung
der Elektrode im Bereich des Schmelztiegels zum Aufschmelzen des Metallschrotts, und
einem zweiten, hydraulischen Antrieb mit gegenüber dem ersten Antrieb (deutlich) vergrößerter
Hubgeschwindigkeit.
[0021] Zuletzt weist eine bevorzugte konstruktive Ausgestaltung der Gießereianlage eine
Schmelzkammer auf, die ein Gehäuse mit einem oberen und einem unteren Gehäuseteil
hat, die in miteinander verbundenem Zustand eine diagonal verlaufende Trennebene ausbilden,
wobei das obere Gehäuseteil zusammen mit der Einrichtung zur Positionierung der selbstaufzehrenden
Elektrode in eine lateral zum unteren, ortsfest angeordneten Gehäuseteil verstellbar
angeordnet ist und in der seitlichen Stellung einen Zugang zum dem in dem unteren
Gehäuseteil angeordneten Schmelztiegel ermöglicht. Dies ermöglicht in der seitlichen
Stellung einen (einfachen) Zugang zu dem in dem unteren Gehäuseteil angeordneten Schmelztiegel.
[0022] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung bevorzugter Ausführungsformen der Erfindung sowie anhand der Zeichnungen.
[0023] Kurze Beschreibung der Zeichnungen
- Fig. 1
- zeigt eine Seitenansicht bzw. einen Längsschnitt einer Gießereianlage zum Erzeugen
von Gussteilen aus Titan enthaltendem Metallschrott unter Zuhilfenahme einer selbstaufzehrenden
Elektrode und
- Fig. 2 bis Fig. 6
- jeweils in schematischen Darstellungen unterschiedliche, zeitlich aufeinanderfolgende
Schritte zum Erzeugen von Gussteilen mittels der Gießereianlage gemäß Fig. 1.
Ausführungsformen der Erfindung
[0024] Gleiche Elemente bzw. Elemente mit gleicher Funktion sind in den Figuren mit den
gleichen Bezugsziffern versehen.
[0025] Die in der Fig. 1 dargestellte Gießereianlage 100 dient der Herstellung von Gussteilen
1, wie Gussblöcken, aus Titan enthaltendem Metallschrott 2 unter Zuhilfenahme von
selbstaufzehrenden, ebenfalls Titan enthaltenden metallischen Elektroden 5. Der Metallschrott
2 ist vorzugsweise in Form von Chips o.ä. Teilen geschreddert bzw. zerkleinert vorbereitet,
um möglichst geringe Freiräume zwischen den einzelnen Teilen des Metallschrotts 2
zu erzielen. Die selbstaufzehrende Elektrode 5 enthält Titan in einem definierten
Verhältnis zum restlichen Metall und kann beispielsweise eine Masse von bis zu 8t
aufweisen. Jedoch sind je nach Anwendungsfall grundsätzlich auch andere Massen bzw.
Größen der Eletrode 5 denkbar.
[0026] Die Gießereianlage 100 weist im Wesentlichen vier Funktionsbereiche 10 bis 13 auf.
Der erste Funktionsbereich 10 bildet einen Vorratsraum 16 zur Aufnahme mehrerer, beispielsweise
von zehn Vorratsbehältern 18 für den Metallschrott 2 aus. Der zweite Funktionsbereich
11, der seitlich neben dem ersten Funktionsbereich 10 angeordnet ist, umfasst eine
säulenartige Einrichtung 19 zur Aufnahme bzw. Halterung und Positionierung der selbstaufzehrenden
Elektrode 5. Der dritte Funktionsbereich 12, der unterhalb des zweiten Funktionsbereichs
11 und seitlich unterhalb des ersten Funktionsbereichs 10 angeordnet ist, bildet eine
Schmelzkammer 20 aus, in der wenigstens ein Schmelztiegel 22a, 22b angeordnet ist.
Der wenigstens eine Schmelztiegel 22a, 22b besteht aus einem inerten Material, insbesondere
aus Kupfer. Der vierte Funktionsbereich 13, der unterhalb des dritten Funktionsbereichs
12 angeordnet ist, bildet eine Gusskammer 24 aus. In der Gusskammer 24 ist wenigstens
eine, vorzugsweise mehrere Gussformen 26 angeordnet, insbesondere in Form von Kokillen,
die zur Ausbildung der Gussteile 1 aus dem Metallschrott 2 und der selbstaufzehrenden
Elektrode 5 dienen.
[0027] Sowohl innerhalb des Vorratsraums 16, als auch innerhalb der Schmelzkammer 20 und
der Gusskammer 24 ist eine Vakuumatmosphäre erzeugbar. Hierzu sind die genannten Bereiche
mit einem in der Fig. 1 lediglich symbolisch dargestellten Vakuumsystem 28 mit den
dafür erforderlichen Elementen, wie Regelventilen, Leitungen usw. verbindbar. Zwischen
der Schmelzkammer 20 und der Gusskammer 24 ist darüber hinaus eine horizontal verstellbare
Vakuumverschlusstür 30 angeordnet, die in geöffnetem Zustand eine Durchgangsöffnung
zwischen der Schmelzkammer 20 und der Gusskammer 24 zur Abgabe von geschmolzenem Metall
aus dem Schmelztiegel 22a, 22b in eine Gussform 26 ausbildet. In geschlossenem Zustand
der Vakuumverschlusstür 30 kann hingegen die Gusskammer 24 zur Entnahme der Gussteile
1 bzw. der Gussformen 26 oder zum Einbringen neuer Gussformen 26 mittels einer seitlich
beweglichen Halteeinrichtung 31 für die Gussformen 26 geöffnet werden, wobei dann
in der Gusskammer 24 die Außenatmosphäre herrscht. Gleichzeitig kann jedoch in der
Schmelzkammer 20 sowie dem Vorratsraum 16 weiterhin die Vakuumatmosphäre herrschen.
[0028] Die Halteeinrichtung 31 bildet mit einer Seitenwand 32 einen Teil eines Gehäuses
34 der Gusskammer 24 aus, und kann entsprechend der Fig. 1 in Richtung des Pfeils
35 zum Öffnen der Gusskammer 24 seitlich bewegt werden. Innerhalb der Gusskammer 24
ist eine um eine vertikal angeordnete Achse 36 drehbeweglich angeordnete Standplattform
38 angeordnet, auf die die Gussformen 26 mittels eines Hubantriebs der Halteeinrichtung
31 absetzbar bzw. von der Standplattform 38 übernehmbar sind. Die Standplattform 38
dient der Ausrichtung einer mit dem flüssigen Metall befüllbaren Gussform 26 zur Vakuumverschlusstür
30 sowie dem Schmelztiegel 22a, 22b.
[0029] Ferner kann die Standplattform 38 auch optional der Anordnung von Zusatzelementen
für die Gussformen 26, zum Beispiel von Dreheinrichtungen, elektromagnetischer Rühreinrichtung
o.ä. dienen, wie diese aus dem Stand der Technik an sich bekannt sind.
[0030] Die Schmelzkammer 20 weist ein aus zwei Gehäuseteilen 41, 42 bestehendes, diagonal
geteiltes, kastenförmiges Gehäuse 40 auf. Die beiden Gehäuseteile 41, 42 bilden in
miteinander verbundenen Zustand eine die diagonal verlaufende Trennebene 44 aus. Das
untere Gehäuseteil 41 ist zusammen mit dem Gehäuse 34 der Gusskammer 24 ortsfest angeordnet.
Demgegenüber ist das obere Gehäuseteil 42 zusammen mit dem an dem oberen Gehäuseteil
42 befestigten Vorratsraum 16 und der Einrichtung 19 für die Elektrode 5 zur Zugänglichmachung
des Innenraums 45 des Gehäuses 40 entsprechend des Pfeils 46 seitlich verfahrbar angeordnet.
[0031] Im Innenraum 45 des Gehäuses 40 ist der Schmelztiegel 22a, 22b auf einer horizontal
in Richtung des Doppelpfeils 48 der Fig. 1 beweglichen Plattform 50 angeordnet. Weiterhin
ist die Plattform 50 zum Ausgießen von flüssigem Metall aus dem Schmelztiegel 22a,
22b um eine senkrecht zur Zeichenebene der Fig. 1 verlaufende Achse in Richtung des
Drehpfeils 52 kippbar angeordnet. Dabei wird das Metall über einen mit der Vakuumverschlusstür
30 ausgerichteten Abgießtrichter 53 (bei geöffneter Vakuumverschlusstür 30) in eine
mit dem Abgießtrichter 53 ausgerichtete Gussform 26 abgegeben. Die horizontale Bewegbarkeit
der Plattform 50 dient insbesondere der Ausrichtung des Schmelztiegels 22a, 22b zur
Elektrode 5, insbesondere auch zur Optimierung des Schmelzprozesses.
[0032] Bei dem in der Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiel weist der Schmelztiegel 22a
einen runden Querschnitt auf, dessen Innendurchmesser typischerweise nur geringfügig
größer ist als der Außendurchmesser der in den Schmelztiegel 22a eintauchbaren Elektrode
5. Demgegenüber ist der Schmelztiegel 22b in den Fig. 2 bis 6 im Querschnitt wannenförmig
mit ovalem, länglichem bzw. rechteckförmigem Querschnitt ausgebildet, wobei dessen
größte Innenlänge beispielsweise der doppelten Innenbreite entsprechen kann. Dabei
entspricht die Innenbreite des Schmelztiegels 22b dem Innendurchmesser des Schmelztiegels
22a.
[0033] Insbesondere bei der Verarbeitung von Titan aufweisenden Metallschrott 5 ist der
Schmelztiegel 22a, 22b mit einer nicht dargestellten Kühleinrichtung in Form einer
Wasserkühlung ausgestattet, die eine Kühlung der Innenwand 55 des Schmelztiegels 22a,
22b, insbesondere des Bodens und einer Seitenwand der Innenwand 55 bzw. des Schmelztiegels
22a, 22b auf eine Temperatur unterhalb des Schmelzpunkts des Metallschrotts 5, ermöglicht.
Dadurch können während des Schmelzprozesses in den auszubildenden Gussteilen 1 nicht
erwünschte Bestandteile des Metallschrotts 2 und der Elektrode 5, die gegenüber dem
restlichen Metallschrott 2 eine erhöhte Dichte aufweisen, in Richtung der Innenwand
55 bzw. zum Boden hin absinken oder sich an der Seitenwand ansammeln und dort zu einer
schalenförmigen Metallschicht 7, Skull genannt, erstarren, sodass das Material der
Metallschicht 7 nicht in die Gussformen 26 abgegossen wird bzw. nicht in die Gussformen
26 gelangt.
[0034] Zusätzlich kann der Schmelztiegel 22a, 22b in Wirkverbindung mit einer ebenfalls
auf der Plattform 50 befindlichen elektromagnetischen Rühreinrichtung 56 angeordnet
sein, um insbesondere eine Qualitätssteigerung bzw. Homogenisierung der Metallschmelze
zu erzielen.
[0035] Die in dem Vorratsraum 16 angeordneten Vorratsbehälter 18 für den Metallschrott 2
sind vorzugsweise auf einer lediglich in den Fig. 2 bis 6 erkennbaren, karusselartigen
Einrichtung 58 angeordnet, die um eine vertikale Drehachse 59 drehbar ist. Dadurch
wird eine Ausrichtung eines zu entleerenden Vorratsbehälters 18 mit einer Übergabeeinrichtung
60 ermöglicht. Die Übergabeeinrichtung 60, die in der Fig. 1 vereinfacht dargestellt
ist, kann in Form eines schräg angeordneten Fallrohrs oder einer Schüttrinne o.ä.
ausgebildet sein, die den Metallschrott 2 durch Schwerkraftwirkung in Richtung des
Pfeils 62 in den Schmelztiegel 22a, 22b abzugeben.
[0036] Die Einrichtung 19 zur Aufnahme bzw. Halterung und Positionierung der selbstaufzehrenden
Elektrode 5 weist einen Elektrodenraum 64 zur Aufnahme der Elektrode 5 auf, der mit
der Schmelzkammer 20 verbunden ist, sodass mittels des Vakuumsystems 28 in dem Elektrodenraum
64 ebenfalls die Vakuumatmosphäre herrscht bzw. erzeugbar ist. Die zylindrisch ausgebildete
Elektrode 5 ist über eine Haltestange 66, die den Elektrodenraum 64 im Bereich einer
oberen Wand 67 abgedichtet durchsetzt, mit einer Hubeinrichtung 70 verbunden. Die
Hubeinrichtung 70 weist zwei, voneinander unabhängig steuerbare Antriebe 72, 74 auf,
die beide eine Hubverstellung der Haltestange 66 und dadurch der Elektrode 5 bewirken.
Der erste Antrieb 72 ist in Form eines elektromotorischen Antriebs ausgebildet und
dient der Feinjustierung bzw. Positionierung der Elektrode 5 zum Metallschrott 2 während
des Schmelzprozesses, insbesondere auch zur Erzeugung und Aufrechterhaltung des Lichtbogens
zum Aufschmelzen des Metallschrotts 2 beim Anlegen unterschiedlicher Spannungspotentiale
an der Elektrode 5 und dem Metallschrott 2, wie dies aus dem Stand der Technik an
sich bekannt, und daher nicht weiter erläutert wird. Der zweite Antrieb 74 ist als
hydraulischer Antrieb ausgebildet und ermöglicht eine bedeutend größere Hubgeschwindigkeit
der Elektrode 5 als der erste Antrieb 72, beispielsweise eine Hubgeschwindigkeit,
die mindestens zehn Mal so groß ist wie die des ersten Antriebs 72. Der zweite Antrieb
74 dient dazu, die Elektrode 5 vor dem Abgießen des verflüssigten Metalls aus dem
Schmelztiegel 22a, 22b möglichst schnell aus dem Kippbereich des Schmelztiegels 22a,
22b anzuheben, um eine Erstarrung von verflüssigtem Metall an der Innenwand 55 zu
vermeiden bzw. zu minimieren.
[0037] Die Funktionsweise der soweit beschriebenen Gießereianlage 100 wird nachfolgend anhand
der Figurenfolge der Fig. 2 bis 6 bei Verwendung eines wannenförmigen, gekühlten Schmelztiegels
22b wie folgt erläutert: Zur Vorbereitung des Produktionsprozesses entsprechend der
Fig. 2 werden die Vorratsbehälter 18 in dem Vorratsraum 16 mit dem Metallschrott 2
befüllt, indem beispielsweise in die zehn Vorratsbehälter 18 jeweils 500kg Metallschrott
2 gefüllt wird. Der Schmelztiegel 22b wird weiterhin mit einer Initialmenge an Metallschrott
2, beispielsweise 1.200kg, befüllt. Die Elektrode 5 wird mittels der Einrichtung 19
bereitgestellt. Sie weist eine Masse von beispielsweise ca. 8.000kg auf.
[0038] Die Masse der Elektrode 5 ist derart auf die Massen des Metallschrotts 2 in den Vorratsbehältern
18 sowie den Schmelztiegel 22b abgestimmt, dass die Elektrode 5 eine vollständige
Verarbeitung bzw. ein Aufschmelzen des gesamten Metallschrotts 2 während des Produktionsprozesses
ermöglicht. Auch werden in der Gusskammer 24 beispielsweise drei Gussformen 26 bereitgestellt,
zwei Gussformen 26 zur Erzeugung von Gussteilen 1 bzw. Gussblöcken mit jeweils 2.500kg
Gewicht, und eine Gussform 26 zur Erzeugung eines Gussteils 1 bzw. Gussblocks mit
8.000kg Gewicht.
[0039] Die letztgenannte Gussform 26 zur Erzeugung des Gussteils 1 mit 8.000kg Gewicht kann
insbesondere auch dazu dienen, daraus eine weitere Elektrode 5 herzustellen. Dadurch
wird bei einem nachfolgenden Produktionsprozess das Material dieser Elektrode 5 nochmals
aufgeschmolzen, was eine Verbesserung der Qualität bzw. Materialzusammensetzung von
Gussteilen 1, insbesodnere mit Blick auf die Anforderungen der Luft- und Raumfahrtindustrie,
ermöglicht.
[0040] Sobald die soweit beschriebenen Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird mittels des
Vakuumsystems 28 in dem Vorratsraum 16, der Schmelzkammer 20 und der Gusskammer 24
die Vakuumatmosphäre erzeugt.
[0041] Anschließend erfolgt entsprechend der Fig. 3 das Absenken der Elektrode 5 in den
Schmelztiegel 22b zur Erzeugung des Lichtbogens und das Aufschmelzen des Metallschrotts
2 mittels der Elektrode 5, wobei diese teilweise aufgezehrt wird und ihre Masse um
beispielsweise 1.800kg reduziert wird. Während des Aufschmelzens des Metallschrotts
2 wird zur Optimierung des Schmelzprozesses einerseits die Elektrode 5 mittels des
ersten Antriebs 72 bewegt, und andererseits der Schmelztiegel 22b mittels der Plattform
50 horizontal bewegt, um eine optimale Überdeckung zwischen der Elektrode 5 und dem
Metallschrott 2 zu erzielen. Ebenso kann die ggf. vorhandene elektromagnetische Rühreinrichtung
56 aktiviert sein. Während des Schmelzprozesses sinken einerseits eine relativ hohe
Dichte aufweisende, in den Gussteilen 1 unerwünschte Bestandteile des Titans in dem
Schmelztiegel 22b ab bzw. erstarren an der gekühlten Innenwand 55 des Schmelztiegels
22b. Andererseits werden relativ leichte, unerwünschte Bestandteile des Titans durch
den optimierten Schmelzprozess in der Metallschmelze aufgelöst.
[0042] Sobald die Initialmenge an Metallschrott 2 vollständig aufgeschmolzen ist, erfolgt
entsprechend der Fig. 4 ein schnelles Anheben der Elektrode 5 mittels des zweiten
Antriebs 74 aus dem Schmelztiegel 22b und ein Abgießen des verflüssigten Metalls in
eine der Gussformen 26 durch Kippen des Schmelztiegels 22b. In der Fig. 4 erkennt
man, dass im Schmelztiegel 22b eine erstarrte Metallschicht 7 (Skull), hauptsächlich
die unerwünschten Bestandteile des Titans enthaltend, verbleibt, die durch die gekühlte
Innenwand 55 erzeugt wurde.
[0043] Danach erfolgt entsprechend der Fig. 5 die Abgabe von Metallschrott 2 aus einem der
Vorratsbehälter 18 in den Schmelztiegel 22b, beispielhaft bei angehobener Elektrode
5. Anschließend wiederholen sich die Schritte entsprechend der Fig. 3 bis 5 solange,
bis alle Vorratsbehälter 18 entleert bzw. die Gussteile 1 erzeugt worden sind.
[0044] In der Fig. 6 ist das Abgießen des letzten verflüssigten Metallschrotts 2 in die
letzte Gussform 26 dargestellt. Weiterhin erkennt man auch, dass die Elektrode 5,
bis auf einen letzten nicht verwertbaren Stumpf, aufgezehrt wurde.
[0045] Ergänzend wird erwähnt, dass das Befüllen des Schmelztiegels 22b aus einem Vorratsbehälter
18 nach dem Abgießen von verflüssigtem Metallschrott 2 beschrieben bzw. in den Figuren
dargestellt ist. Es liegt jedoch im Rahmen der Erfindung bzw. es hat sich sogar als
vorteilhaft erwiesen, das Nachfüllen von Metallschrott 2 aus den Vorratsbehältern
18 zumindest teilweise während des Schmelzprozesses des Metallschrotts 2 selbst durchzuführen.
Hierzu kann, insbesondere bei Verwendung des Schmelztiegels 22b, die Elektrode 5 mittels
der Plattform 50 an den Bereich einer Seitenwand des Schmelztiegels 22b bewegt werden,
sodass seitlich genügend Platz bzw. Freiraum zur Abgabe von Metallschrott 2 aus einem
Vorratsbehälter 18 in den Schmelztiegel 22b geschaffen wird. Dadurch muss der Schmelzprozess
nicht unterbrochen werden, sondern das Nachfüllen kann während des Schmelzprozesses
selbst erfolgen.
[0046] Die soweit beschriebene Gießereianlage 100 bzw. die Verfahren zur Erzeugung der Gussteile
1 aus dem Titan enthaltenden Metallschrott 2 sowie Titan enthaltenden Elektroden 5
können in vielfältiger Art und Weise abgewandelt bzw. modifiziert werden, ohne vom
Erfindungsgedanken abzuweichen. So ist die Verwendung der Gießereianlage 100 nicht
auf die Verarbeitung von Titan enthaltenden Metallschrott 2 und Elektroden 5 begrenzt.
Vielmehr können auch grundsätzlich andere Metalle bzw. anderer Metallschrott 2 verarbeitet
werden.
Bezugszeichen
[0047]
- 1
- Gussteil
- 2
- Metallschrott
- 5
- Elektrode
- 7
- Metallschicht
- 10-13
- Funktionsbereich
- 16
- Vorratsraum
- 18
- Vorratsbehälter
- 19
- Einrichtung
- 20
- Schmelzkammer
- 22a, 22b
- Schmelztiegel
- 24
- Gusskammer
- 26
- Gussform
- 28
- Vakuumsystem
- 30
- Vakuumverschlusstür
- 31
- Halteeinrichtung
- 32
- Seitenwand
- 34
- Gehäuse
- 35
- Pfeil
- 36
- Achse
- 38
- Standplattform
- 40
- Gehäuse
- 41, 42
- Gehäuseteil
- 44
- Trennebene
- 45
- Innenraum
- 46
- Pfeil
- 48
- Doppelpfeil
- 50
- Plattform
- 52
- Drehpfeil
- 53
- Abgießtrichter
- 55
- Innenwand
- 56
- Rühreinrichtung
- 58
- Einrichtung
- 59
- Drehachse
- 60
- Übergabeeinrichtung
- 62
- Pfeil
- 64
- Elektrodenraum
- 66
- Haltestange
- 67
- Wand
- 70
- Hubeinrichtung
- 72, 74
- Antrieb
- 100
- Gießereianlage
1. Verfahren zum Erzeugen von Gussteilen (1) aus Titan enthaltendem Metallschrott (2)
und einer Titan enthaltenden, selbstaufzehrenden Elektrode (5) in einem Schmelztiegel
(22a; 22b) innerhalb einer Gießereianlage (100), bei dem die Elektrode (5) und der
Metallschrott (2) in einer Vakuumatmosphäre in einer Schmelzkammer (20) in dem Schmelztiegel
(22a; 22b) aufgeschmolzen werden, wobei der Metallschrott (2) aus wenigstens einem
Vorratsbehälter (18) in den Schmelztiegel (22a; 22b) eingebracht wird, wobei ein Schmelztiegel
(22a; 22b) mit einer gekühlten Innenwand (55) verwendet wird, an der Bestandteile
des aufgeschmolzenen Metalls teilweise erstarren und eine Metallschicht (7) bilden,
und wobei das verflüssigte Metall aus dem Schmelztiegel (22a; 22b) in wenigstens eine
Gussform (26) zur Erzeugung der Gussteile (1) abgegossen wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Metallschrott (2) in einem Vorratsraum (16) der Gießereianlage (100) in mehreren
Vorratsbehältern (18) bevorratet wird, wobei in dem Vorratsraum (16) und der Schmelzkammer
(20) die Vakuumatmosphäre gemeinsam erzeugt und aufrecht erhalten wird, und dass der
Metallschrott (2) aus den Vorratsbehältern (18) portionsweise in den aus einem inerten
Material bestehenden Schmelztiegel (22a; 22b) eingebracht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass verflüssigtes Metall aus dem Schmelztiegel (22a; 22b) zumindest zwischen einigen
Füllvorgängen des Metallschrotts (2) aus den Vorratsbehältern (18) in die wenigstens
eine Gussform (26) abgegossen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Metallschrott (2) in den einen wannenartigen, eine ovale längliche Form aufweisenden
Schmelztiegel (22b) seitlich neben der in den Querschnitt des Schmelztiegels (22b)
eintauchenden Elektrode (5) während des Schmelzprozesses oder zwischen dem Abgießen
in die wenigstens eine Gussform (26) abgegeben wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass das in dem Schmelztiegel (22a; 22b) befindliche, aufgeschmolzene Metall durch eine
elektromagnetische Rühreinrichtung (56) bewegt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Schmelztiegel (22a; 22b) während des Schmelzprozesses unterhalb der selbstaufzehrenden
Elektrode (5) in horizontaler Richtung bewegt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Vakuumatmosphäre in wenigstens zwei, voneinander durch eine Vakuumschleuse (30)
o.ä. Einrichtung voneinander getrennte Teilbereichen erzeugt wird, wobei ein erster
Teilbereich der Aufnahme der Vorratsbehälter (18) in dem Vorratsraum (16) und der
Ausbildung der Schmelzkammer (20) dient und ein zweiter Teilbereich der Aufnahme der
wenigstens einen Gussform (26) in einer Gusskammer (24).
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Gussteile (1) mittels zweier Elektroden (5) erzeugt werden, einer ersten Elektrode
(5), mittels der eine erste Portion des Metallschrotts (2) bei Prozessbeginn aufgeschmolzen
wird, und einer zweiten Elektrode (5), die aus einem durch die erste Elekrode (5)
und dem aufgeschmolzenen Metallschrott (2) erzeugten Gussteil (1) in einem dazu ausgebildeten
Schmelztiegel geformt wird, so dass das Material der ersten Elektrode (5) und des
Metallschrotts (2) anschließend durch die zweite Elektrode (5) nochmals vollständig
aufgeschmolzen wird.
8. Gießereianlage (100), ausgebildet zum Durchführen eines Verfahrens nach einem der
Ansprüche 1 bis 7, aufweisend einen eine gekühlte Innenwand (55) aufweisenden aus
inertem Material bestehenden Schmelztiegel (22a; 22b) zur Aufnahme von Metallschrott
(2) in einer Schmelzkammer (20), eine Einrichtung (19) zur Positionierung einer selbstaufzehrenden
Elektrode (5) zum Aufschmelzen des Metallschrotts (2), einen Vorratsraum (16) zur
Aufnahme mehrerer Vorratsbehälter (18) für den Metallschrott (2), eine Gusskammer
(24) zur Anordnung wenigstens einer Gussform (26) zur Aufnahme von verflüssigtem Metall
aus dem Schmelztiegel (22a; 22b), wobei der Vorratsraum (16), die Schmelzkammer (20)
und die Gusskammer (24) mittels einer Vakuumeinrichtung (28) evakuierbar sind, und
wobei der Metallschrott (2) aus jeweils einem der mehreren Vorratsbehältern (18) mittels
einer Zuführeinrichtung (58, 60) in den Schmelztiegel (22a; 22b) überführbar ist.
9. Gießereianlage nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass zumindest die Schmelzkammer (20) und die Gusskammer (24) durch eine Vakuumschleuse
(30) o.ä. Einrichtung zur Erzeugung separater Vakuumatmosphären voneinander getrennt
bzw. unterteilbar sind.
10. Gießereianlage nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Schmelztiegel (22b) in der Schmelzkammer (20) horizontal verstellbar angeordnet
ist.
11. Gießereianlage nach einem der Ansprüche 8 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Schmelztiegel (22a; 22b) mit einer elektromagnetischen Rühreinrichtung (56) zusammenwirkt.
12. Gießereianlage nach einem der Ansprüche 8 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Vorratsbehälter (18) auf einer Einrichtung (58) auf einem gemeinsamen Teilkreisdurchmesser
um eine Achse (59) drehbar angeordnet sind.
13. Gießereianlage nach einem der Ansprüche 8 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass in einer Gusskammer (24) mehrere, mittels einer Plattform (38) zur Schmelzkammer
(20) positionierbare Gussformen (26) angeordnet sind.
14. Gießereianlage nach einem der Ansprüche 8 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass die selbstaufzehrende Elektrode (5) in oder aus Richtung des Schmelztiegels (22a;
22b) mittels zweier separater Antriebe (72, 74) verstellbar angeordnet ist, einem
ersten, elektromotorischen Antrieb (72) zur Feinpositionierung der Elektrode (5) im
Bereich des Schmelztiegels (22a; 22b) während des Schmelzprozesses und einem zweiten,
hydraulischen Antrieb (74) mit gegenüber dem ersten Antrieb (72) vergrößerter Hubgeschwindigkeit.
15. Gießereianlage nach einem der Ansprüche 8 bis 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schmelzkammer (20) ein Gehäuse (40) mit einem oberen und einem unteren Gehäuseteil
(41, 42) aufweist, die in miteinander verbundenem Zustand eine diagonal verlaufende
Trennebene (44) ausbilden, und dass das obere Gehäuseteil (42) zusammen mit der Einrichtung
(19) zur Positionierung der selbstaufzehrenden Elektrode (5) in eine lateral zum unteren,
ortsfest angeordneten Gehäuseteil (41) verstellbar angeordnet ist und in der seitlichen
Stellung einen Zugang zum dem in dem unteren Gehäuseteil (41) angeordneten Schmelztiegel
(22a; 22b) ermöglicht.