Hintergrund der Erfindung
[0001] Die Erfindung betrifft ein Schmiermittel, das mindestens eine Ester-Zusammensetzung,
Calciumcarbonat und mindestens ein überbasisches Alkylbenzolsulfonat umfasst.
Stand der Technik
[0002] Schmiermittel bzw. Schmierstoffe werden zur Verringerung von Reibung und Verschleiß,
zur Schwingungsdämpfung, zum Abdichten und als Korrosionsschutz für Werkzeuge, Maschinen,
Motoren sowie Kraftfahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und deren Teile eingesetzt. Man unterscheidet
dabei flüssige (Schmieröle), pastöse (Schmierfette) und feste (Festschmierstoffe wie
z. B. Graphit) Schmiermittel. Schmierfette bestehen üblicherweise aus einem Schmieröl,
einem Verdicker sowie Hilfs- und Zusatzstoffen (Additiven). In der Regel enthalten
Schmierfette ca. 80 % Schmieröl, 5-10 % Verdicker und 10-15 % Additive. Als Schmieröle
können dabei beispielsweise Mineralöle, natürliche oder synthetische Esteröle, Polyalphaolefine
oder Silikonöle verwendet werden. Synthetische Esteröle umfassen beispielsweise Monocarbonsäureester,
Dicarbonsäureester, Polyolester und Komplexester. Als Verdicker werden neben unterschiedlichen
Seifen oder anorganischen Substanzen (z. B. Bentonit) häufig Calciumsulfonate verwendet,
die zusätzlich zu ihrer verdickenden Wirkung in dem Fett aufgrund ihrer basischen
Eigenschaften auch korrosionshemmend wirken.
[0003] Derzeit auf dem Markt erhältliche Calciumsulfonatfette basieren ausschließlich auf
Mineralölen oder synthetischen Basisölen wie Polyalphaolefinen (PAO). Dabei machen
Mineralöle und PAO bis zu 80 % des Fettes aus. Die Kernkomponenten zur Herstellung
eines Calciumsulfonatfettes sind die sogenannten überbasischen Calciumsulfonate, die
durch Reaktion von Alkylbenzolsulfonsäuren mit Calciumhydroxid und Calciumoxid durch
Einleitung von Kohlendioxid in einem mineralischen Trägeröl dargestellt werden. Die
handelsüblichen überbasischen Calciumsulfonate enthalten in der Regel mehr als 50
% Mineralöl. Mit diesen Bestandteilen ist es nicht möglich, biologisch schnell abbaubare
Calciumsulfonatfette herzustellen. Da eine vollständige Dispergierung von Calciumsulfonaten
in der Regel in Mineralölen oder PAO nicht vollständig gelingt, müssen zudem Lösevermittler
wie Wasser, organische Lösemittel und Säuren zugesetzt werden, die dann nach der Herstellung
wieder entfernt werden müssen. Oft ist auch eine Filtration notwendig, um nicht dispergierte
feste Teilchen zu entfernen.
[0004] Unter "biologischer Abbaubarkeit" wird die Zersetzung eines Schmiermittels in anorganische
Substanzen wie Wasser, Salze, Kohlendioxid und Biomasse mit Hilfe von Mikroorganismen
verstanden. Nach dem derzeitigen Stand der Technik wird die vollständige biologische
Abbaubarkeit von Schmiermitteln ausschließlich durch die OECD-301-Testmethoden bestimmt,
die auf der Produktion von CO
2 basieren. Am Ende eines "10-Tage-Test-Fensters" und nach 28 Tagen Testdauer wird
die biologische Abbaubarkeit bestimmt. Hat das Schmiermittel sowohl am Ende des 10-Tage-Fensters
als auch nach 28 Tagen Inkubation den erforderlichen Abbaugrad von mindestens 60%
erreicht, wird es als "leicht biologisch abbaubar" eingestuft und kann beispielsweise
mit dem EU-Ecolabel (EEL) ausgezeichnet werden.
[0005] Die
WO 2004/106474 A1 beschreibt Schmiermittel mit verbesserter biologischer Abbaubarkeit, die auf einem
biologisch abbaubaren Öl, wie beispielsweise einem Polyolester (C5-C8) oder einem
Polyalkylenglycol, einem auf Calciumsulfonat basierenden Verdicker und einem natürlich
vorkommenden Phospholipid basieren. Als Verdicker wird dabei allerdings ein Gemisch
aus überbasischen Magnesium- und Calcium-Sulfonaten eingesetzt, die auf Mineralöl
basieren. Aufgrund des nicht unerheblichen Mineralöl-Anteils ist eine vollständige
biologische Abbaubarkeit gemäß OECD-301 bei dem in der
WO 2004/106474 A1 beschriebenen Schmiermittel also nicht zu erreichen.
Beschreibung der Erfindung
[0006] Es ist Aufgabe der Erfindung ein Schmiermittel zu schaffen, das vollständig biologisch
abbaubar ist.
[0007] Die Aufgabe wird durch ein Schmiermittel gelöst, das mindestens eine Ester-Zusammensetzung,
die mindestens einen Ester umfasst, Calciumcarbonat und mindestens ein überbasisches
Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonat umfasst, wobei mindestens eine Alkylgruppe
des Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonat eine (C3-C30)-Alkylgruppe ist, und wobei
das erfindungsgemäße Schmiermittel mineralölfrei ist und als Ölkomponente ausschließlich
Ester enthält, so dass es gemäß den Anforderungen des OECD-301-Testverfahrens leicht
biologisch abbaubar ist. Da anstelle von Mineralöl ausschließlich Ester als Ölbestandteil
enthalten sind, ist das erfindungsgemäße Schmiermittel auch bei sehr niedrigen Temperaturen
(-10°C bis -20°C) noch fließfähig und hat ferner ein sehr hohes Druckaufnahmevermögen.
[0008] Bei der mindestens einen Alkylgruppe des Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonats
kann es sich um lineare, verzweigte und/oder zyklische Alkylgruppen handeln. In vorteilhafter
Ausgestaltung der Erfindung ist dabei vorgesehen, dass mindestens eine Alkylgruppe
des Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonats eine (C10-C18)-Alkylgruppe ist.
[0009] Die Ester-Zusammensetzung kann beispielsweise einen synthetischen Ester und/oder
einen nativen (organischen) Ester umfassen. Als Ester kommen beispielsweise Mono-
und Dicarbonsäureester, Polyolester und Komplexester, aber auch native Esteröle wie
z. B. Rapsöl in Frage. Die Ester-Zusammensetzung kann dabei aus einem Ester oder einem
Gemisch zweier oder mehrerer unterschiedlicher Ester bestehen. Vorzugsweise sollte
die Ester-Zusammensetzung eine Viskosität im Bereich von 2 mm
2/s bis 1.200 mm
2/s, vorzugsweise 10 mm
2/s bis 500 mm
2/s, aufweisen.
[0010] In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass das mineralölfreie
Schmiermittel 30 Gew.-% bis 80 Gew.-% der Ester-Zusammensetzung, 5 Gew.-% bis 20 Gew.-%
Calciumcarbonat und 5 Gew.-% bis 25 Gew.-% des überbasischen Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonats
umfasst.
[0011] In besonders vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass das mineralölfreie
Schmiermittel 50 Gew.-% bis 65 Gew.-% der Ester-Zusammensetzung, 10 Gew.-% bis 15
Gew.-% Calciumcarbonat und 12 Gew.-% bis 20 Gew.-% des überbasischen Mono-, Di- oder
Tri-Alkylbenzolsulfonats umfasst.
[0012] Das erfindungsgemäße Schmiermittel kann zusätzlich mindestens ein Additiv umfassen.
Als Additive können beispielsweise phenolische Antioxidantien (z. B. Irganox
® L 107, BASF), aminische Antioxidantien (z. B. Irganox
® L 57, BASF) und/oder Dimercaptothiadiazolderivate (ADDITIN
® RC 8213 (Lanxess)) enthalten sein.
[0013] Eine beispielhafte Zusammensetzung einer vorteilhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Schmiermittels ist in Tabelle 1 angegeben.

[0014] Das erfindungsgemäße Schmiermittel kann durch ein Verfahren hergestellt werden, welches
die folgenden Schritte umfasst:
- a) Darstellung eines überbasischen Calciumsulfonats, die folgende Schritte umfasst:
- Lösen mindestens einer Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonsäure, wobei mindestens
eine Alkylgruppe eine (C3-C30)-Alkylgruppe ist, in mindestens einer Ester-Zusammensetzung,
wobei die Ester-Zusammensetzung mindestens einen Ester umfasst;
- Beimischen von Calciumhydroxid und Calciumoxid;
- Erwärmen der Mischung auf eine Temperatur im Bereich von 30°C bis 90°C und Einleiten
von Kohlendioxid in die Mischung, wobei die Mischung auf eine Basenzahl (TBN) von
maximal 550 mg KOH/g eingestellt wird;
- b) Umwandlung des überbasischen Calciumsulfonats von der Vaterit-Form in die Calcit-Form,
die folgende Schritte umfasst:
- Einstellen der Mischung auf einen Wassergehalt im Bereich von 2 Gew.-% bis Gew.-20%;
- Erhitzen der Mischung auf eine Temperatur im Bereich von 80°C bis 105°C, wobei die
Mischung auf eine Basenzahl von maximal 450 mg KOH/g eingestellt wird; und
- c) Herstellen eines Calciumsulfonatfettes durch Erhitzen der Mischung auf eine Temperatur
im Bereich von 90°C bis 200°C.
[0015] Das Verfahren zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sowohl das Calciumsulfonat
als auch dieses enthaltende Fett ausschließlich auf Ester-Basis hergestellt werden,
so dass das Endprodukt keinerlei Mineralöl enthält und somit leicht und vollständig
biologisch abbaubar ist. Das erfindungsgemäße Schmiermittel erreicht am Ende des sogenannten
10-Tage-Fensters als auch nach 28 Tagen den erforderlichen Abbaugrad von mindestens
60% und erfüllt somit die Anforderungen OECD-301-Testverfahrens. Darüber hinaus ermöglicht
das Ersetzen von Mineralöl durch organische oder synthetische Ester auf den Zusatz
von Lösungsvermittlern zu verzichten, so dass diese am Ende des Herstellungsprozesses
nicht mehr aufwändig entfernt werden müssen. Das Verfahren stellt ferner sicher, dass
die überbasischen Calciumsulfonate im Reaktionsgemisch vollständig dispergiert sind,
so dass am Ende des Prozesses auch auf eine Filtration verzichtet werden kann.
[0016] Die Bedingungen zur Herstellung des Schmiermittels werden derart gewählt, dass die
Ester-Zusammensetzung unter diesen Bedingungen nicht zersetzt wird. Zu diesem Zweck
wird während des Herstellungsprozesses die Basenzahl (TBN = "Total Base Number") bestimmt,
die ein Maß für die Basizität des Reaktionsgemisches ist, d. h. die Fähigkeit der
in der Mischung enthaltenen Stoffe Säure zu neutralisieren. Die Einheit [mg KOH/g]
bezieht sich dabei auf die Basizität von Kaliumhydroxid (KOH). Die Basizität der Mischung
in Schritt a) wird auf eine TBN von maximal 550 mg KOH/g und in Schritt b) auf eine
TBN von maximal 450 mg KOH/g begrenzt. Das Kontrollieren und Einstellen bzw. Begrenzen
der Basizität der Mischung führt in vorteilhafter Weise dazu, dass die Ester im Gemisch
nicht verseifen, insbesondere auch nicht unter Einfluss der hohen Temperaturen in
den Schritten b) und c). Dazu trägt auch die moderate Wasserzugabe bei. Das Einstellen
der Mischung auf einen Wassergehalt im Bereich von 2 Gew.-% bis Gew.-20% in Schritt
b) reduziert die die Möglichkeit einer Hydrolyse der Ester signifikant. Auch die Wahl
möglichst geringer Temperaturen, insbesondere in den Schritten a) und b), führt in
vorteilhafter Weise dazu, dass die Ester in der Mischung stabil bleiben. Auf diese
Weise kann in besonders vorteilhafter Weise ein mineralölfreies, biologisch abbaubares
Calciumsulfonatfett hergestellt werden.
[0017] Bei der mindestens einen Alkylgruppe der Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonsäure
kann es sich um lineare, verzweigte und/oder zyklische Alkylgruppen handeln. In vorteilhafter
Ausgestaltung der Erfindung ist dabei vorgesehen, dass mindestens eine Alkylgruppe
der Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonsäure eine (C10-C18)-Alkylgruppe ist.
[0018] Die Ester-Zusammensetzung kann beispielsweise einen synthetischen Ester und/oder
einen nativen (organischen) Ester umfassen. Als Ester kommen beispielsweise Mono-
und Dicarbonsäureester, Polyolester und Komplexester, aber auch native Esteröle wie
z. B. Rapsöl in Frage. Die Ester-Zusammensetzung kann dabei aus einem Ester oder einem
Gemisch zweier oder mehrerer unterschiedlicher Ester bestehen. Vorzugsweise sollte
die Ester-Zusammensetzung eine Viskosität im Bereich von 2 mm
2/s bis 1.200 mm
2/s, vorzugsweise 10 mm
2/s bis 500 mm
2/s, aufweisen.
[0019] Die Mischung kann in Schritt a) auf eine Basenzahl (TBN) im Bereich von 150 bis 550
mg KOH/g, vorzugsweise 210 bis 450 mg KOH/g oder 320 bis 420 mg KOH/g, insbesondere
211 bis 399 mg KOH/g, eingestellt werden. Alternativ kann die Basenzahl der Mischung
in Schritt a) auch auf eine TBN im Bereich von 200 bis 500 mg KOH/g oder 300 bis 500
mg KOH/g oder 400 bis 500 mg KOH/g oder 150 bis 450 mg KOH/g oder 250 bis 450 mg KOH/g
oder 350 bis 450 mg KOH/g oder 200 bis 400 mg KOH/g oder 300 bis 400 mg KOH/g eingestellt
werden.
[0020] Die Mischung kann in Schritt b) auch auf eine Basenzahl (TBN) im Bereich von 50 bis
450 mg KOH/g, vorzugsweise 70 bis 350 mg KOH/g oder 100 bis 250 mg KOH/g, insbesondere
80 bis 220 mg KOH/g, eingestellt werden. Alternativ kann die Basenzahl der Mischung
in Schritt b) auch auf eine TBN im Bereich von 100 bis 450 mg KOH/g oder 200 bis 450
mg KOH/g oder 300 bis 450 mg KOH/g oder 350 bis 450 mg KOH/g oder 50 bis 300 mg KOH/g
oder 100 bis 300 mg KOH/g oder 200 bis 300 mg KOH/g oder 150 bis 250 mg KOH/g eingestellt
werden.
[0021] Die Mischung kann in Schritt a) ferner auf eine Temperatur im Bereich von 35°C bis
85°C oder 45°C bis 60°C, insbesondere 40°C bis 82°C, erwärmt werden. Alternativ kann
die Mischung in Schritt a) auch auf eine Temperatur im Bereich von 45°C bis 85°C oder
55°C bis 85°C oder 65°C bis 85°C oder 75°C bis 85°C oder 40°C bis 70°C oder 50°C bis
70 °C oder 60°C bis 70 °C oder 50°C bis 80°C oder 55°C bis 75°C erwärmt werden.
[0022] Die Mischung kann in Schritt b) auf eine Temperatur im Bereich von 87°C bis 102°C
oder 85°C bis 100°C, insbesondere 88°C bis 99°C, erhitzt werden. Alternativ kann die
Mischung in Schritt b) auch auf eine Temperatur im Bereich von 90°C bis 102°C oder
95°C bis 102°C oder 87°C bis 100°C oder 90°C bis 100°C erhitzt werden.
[0023] Die Mischung kann in Schritt c) auf eine Temperatur im Bereich von 100°C bis 180°C
oder 110°C bis 170°C, insbesondere 125°C bis 160°C, erhitzt werden. Alternativ kann
die Mischung in Schritt c) auch auf eine Temperatur im Bereich von 120°C bis 180°C
oder 130°C bis 180°C oder 140°C bis 180°C oder 150°C bis 180°C oder 160°C bis 180°C
oder 150°C bis 170°C oder 100°C bis 160°C oder 110°C bis 160°C oder 120°C bis 160°C
oder 130°C bis 160°C oder 140°C bis 160°C oder 170°C bis 180°C erhitzt werden.
[0024] Der Wassergehalt der Mischung kann in Schritt b) auf einen Anteil im Bereich von
5 Gew.-% bis 18 Gew.-%, insbesondere 7 Gew.-% bis 15 Gew.-%, eingestellt werden. Alternativ
kann der Wassergehalt der Mischung in Schritt b) auch auf einen Anteil im Bereich
von 5 bis 15 Gew.-% oder 10 bis 15 Gew.-% oder 7 bis 18 Gew.-% oder 10 bis 18 Gew.-%
oder 9 bis 13 Gew.-% eingestellt werden.
[0025] Um die Basizität des Reaktionsgemisches in Schritt b) auf eine gewünschte TBN einzustellen,
kann der Mischung Calciumhydroxid und/oder mindestens eine Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonsäure,
wobei mindestens eine Alkylgruppe eine (C3-C30)-Alkylgruppe ist, und/oder mindestens
eine Ester-Zusammensetzung, wobei die Ester-Zusammensetzung mindestens einen Ester
umfasst, beigemischt werden. Darüber hinaus kann durch die Zugabe eines oder mehrerer
der genannten Substanzen die Umwandlung von der Vaterit-Form zur Calcit-Form bezüglich
der Vollständigkeit der Umwandlung positiv beeinflusst werden.
[0026] Zur weiteren Verbesserung der Eigenschaften des erfindungsgemäßen Schmiermittels
können dem Reaktionsgemisch zusätzlich Hilfsstoffe und/oder Additive beigemischt werden.
Beispielsweise kann, vorzugsweise in Schritt b), Essigsäure zugegeben werden, um ggf.
die gewünschte Basizität einzustellen und durch das entstehende Calciumacetat eine
Erhöhung des Tropfpunktes zu erreichen. Ferner kann, vorzugsweise nach der Umwandlung
in die Calcit-Form, 12-Hydroxystearinsäure beigemischt werden, um das Schmiermittel
hinsichtlich seiner hydrophoben Eigenschaften zu optimieren, d. h. dessen Widerstandfähigkeit
gegenüber Wasser zu erhöhen. Um den Korrosionsschutz des Schmiermittels weiter zu
verbessern können ferner beispielsweise phenolische Antioxidantien (z. B. Irganox
® L 107, BASF), aminische Antioxidantien (z. B. Irganox
® L 57, BASF) und/oder Dimercaptothiadiazolderivate (ADDITIN
® RC 8213 (Lanxess)) zugegeben werden. Grundsätzlich können alle gängigen Additive,
die die Konsistenz und Eigenschaften des erfindungsgemäßen Schmiermittels verbessern,
zugegeben werden.
[0027] Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Abbildungen und
den nachfolgenden Beispielen, die beispielhafte und bevorzugte Ausführungsformen der
Erfindung zeigen.
Kurze Beschreibung der Abbildungen
[0028]
Figur 1 zeigt die Entstehung von überbasischem Calciumsulfonat, wobei zunächst Calciumcarbonat-Mizellen
aus Calciumhydroxid, Calciumoxid und CO2 entstehen, an die sich dann Alkylbenzolsulfonate mit ihren polaren Gruppen anlagern.
Die unpolaren (lipophilen) Alkylreste sind dabei nach außen gerichtet und umgeben
somit die CaCO3-Mizellen, so dass diese vollständig in einem Basisöl (Ester-Zusammensetzung) dispergiert
werden können.
Figur 2 zeigt die Struktur von überbasischem Calciumsulfonat nach Zugabe von Ca(OH)2.
Figur 3 zeigt die Struktur einer Mischung aus überbasischem Calciumsulfonat, Ca(OH)2, Benzoesulfonsäure (di- oder mono-Alkyl, C10 - C18) und Essigsäure.
Beschreibung beispielhafter und bevorzugter Ausführungsformen der Erfindung
[0029] Die folgenden Beispiele repräsentieren beispielhafte Ausführungsformen des Verfahrens
zur Herstellung des erfindungsgemäßen Schmiermittels, wobei hier beschriebene oder
gezeigte Merkmale einzeln oder in beliebiger Kombination miteinander einen Gegenstand
der Erfindung darstellen können, sofern sich aus dem Kontext der obigen Beschreibung
nichts eindeutig Gegenteiliges ergibt.
Beispiel 1:
[0030] 284 g Benzoesulfonsäure C10-18-alkyl-Derivat werden in 500 g Bis(2-ethylhexyl)sebacat
(V40: 10 mm2/s) gelöst. Anschließend werden 10 g Calciumhydroxid zugefügt und für
30 min bei 50 °C gerührt. Dann werden 133 g Calciumoxid und 115 g Ca(OH)
2 zugesetzt und die Mischung durch weiteres Rühren homogenisiert. Nachfolgend wird
die Temperatur auf 60 °C gesteigert. Dann werden 110 ml Wasser zugegeben und Kohlendioxid
durch die Mischung geleitet. Das Gemisch besitzt nun eine TBN von 367 mg KOH/g. Danach
werden 300 g Bis(2-ethylhexyl)sebacat, 200 g Benzoesulfonsäure C10-18-alkyl-Derivat
und 120 g Wasser zum Ansatz gegeben. Der Ansatz wird auf 99 °C aufgeheizt. Nach erfolgter
Umwandlung des Calciumcarbonats von der Vaterit- in die Calcite-Form wird der Ansatz
bei 110 °C entwässert. Die TBN liegt nun bei 162 mg KOH/g. Anschließend wird der Ansatz
auf 160 °C aufgeheizt und bei dieser Temperatur eine Stunde gehalten. Nach dem Erkalten
besitzt das Fett eine Konsistenz (gemäß ASTM D217) von 331 mm/10 nach 60 Doppelhüben.
Weitere technische Daten sind der Tabelle 2 zu entnehmen.
Beispiel 2:
[0031] 280 g Benzoesulfonsäure C10-14-alkyl-Derivat werden in 700 g eines Komplexesters
(Fettsäuren, C18-ungesättigt, dimerisiert, Polymer mit 2-Ethylhexanol und Neopentylglykol)
(V40: 110,5 mm2/s) gelöst. Anschließend werden 11 g Calciumhydroxid zugefügt und für
45 Minuten bei 50 °C gerührt. Dann werden 151 g Calciumoxid und 151 g Ca(OH)
2 zugesetzt und die Mischung durch weiteres Rühren homogenisiert. Nachfolgend wird
die Temperatur auf 82 °C gesteigert. Dann werden 130 g Wasser zugegeben und Kohlendioxid
durch die Mischung geleitet. Das Gemisch besitzt nun eine TBN von 399 mg KOH/g. Danach
werden 300 g Komplexester (Fettsäuren, C18-ungesättigt, dimerisiert, Polymer mit 2-Ethylhexanol
und Neopentylglykol), 220 g Benzoesulfonsäure C10-14-alkyl, 21 g Essigsäure, 72 g
Ca(OH)
2 und 180 g Wasser zum Ansatz gegeben. Der Ansatz wird auf 92 °C aufgeheizt. Nach erfolgter
Umwandlung des Calciumcarbonats von der Vaterit- in die Calcite-Form wird der Ansatz
bei 110 °C entwässert. Die TBN liegt nun bei 220 mg KOH/g. Anschließend wird der Ansatz
auf 160 °C aufgeheizt und bei dieser Temperatur eine Stunde gehalten. Nach dem Erkalten
besitzt das Fett eine Konsistenz (gemäß ASTM D217) von 292 mm/10 nach 60 Doppelhüben.
Weitere technische Daten sind der Tabelle 2 zu entnehmen.
Beispiel 3:
[0032] 280 g Benzoesulfonsäure C10-14-alkyl-Derivat werden in 500 g Neopentylglykoldiisostearat
(gesättigter Ester) (V40: 48 mm
2/s) gelöst. Anschließend werden 11 g Calciumhydroxid zugefügt und für 45 Minuten bei
50 °C gerührt. Dann werden 151 g Calciumoxid und 131 g Ca(OH)
2 zugesetzt und die Mischung durch weiteres Rühren homogenisiert. Nachfolgend wird
die Temperatur auf 62 °C gesteigert. Dann werden 130 ml Wasser zugegeben und Kohlendioxid
durch die Mischung geleitet. Das Gemisch besitzt nun eine TBN von 369 mg KOH/g. Danach
werden 300 g Neopentylglykoldiisostearat (gesättigter Ester, 243 g Benzoesulfonsäure
C10-14-alkyl, 21 g Essigsäure, 72 g Ca(OH)
2 und 65 g Wasser zum Ansatz gegeben. Der Ansatz wird auf 92 °C aufgeheizt. Nach erfolgter
Umwandlung des Calciumcarbonats von der Vaterit- in die Calcite-Form wird der Ansatz
bei 110 °C entwässert. Die TBN liegt nun bei 188 mg KOH/g. Anschließend wird der Ansatz
auf 160 °C aufgeheizt und bei dieser Temperatur eine Stunde gehalten. Nach dem Erkalten
besitzt das Fett eine Konsistenz (gemäß ASTM D217) von 272 mm/10 nach 60 Doppelhüben.
Weitere technische Daten sind der Tabelle 2 zu entnehmen.
Beispiel 4:
[0033] 260 g Benzoesulfonsäure C10-18-alkyl werden in 1000 g Komplexester (Pentaerythritol-sebacinsäure-Isostearinsäure
Copolymer) (V40: 1200 mm
2/s) gelöst. Anschließend werden 9 g Calciumhydroxid zugefügt und für 30 min bei 50
°C gerührt. Dann werden 101 g Calciumoxid und 104 g Ca(OH)
2 zugesetzt und die Mischung durch weiteres Rühren homogenisiert. Nachfolgend wird
die Temperatur auf 60 °C gesteigert. Dann werden 130 ml Wasser zugegeben und Kohlendioxid
durch die Mischung geleitet. Das Gemisch besitzt eine TBN von 335 mg KOH/g eingestellt.
Danach werden 400 g Bis(2-ethylhexyl)sebacat (V40: 12,5 mm2/s), 270 g Benzoesulfonsäure
C10-14-alkyl, 75 g Ca(OH)
2 und 195 g Wasser zum Ansatz gegeben. Der Ansatz wird auf 92 °C aufgeheizt. Nach erfolgter
Umwandlung des Calciumcarbonats von der Vaterit- in die Calcite-Form wird 150 g 12-Hydroxystearinsäure
zugesetzt und der Ansatz bei 110 °C entwässert. Die TBN liegt nun bei 159 mg KOH/g.
Anschließend wird der Ansatz auf 160 °C aufgeheizt und bei dieser Temperatur eine
Stunde gehalten. Nach dem Erkalten besitzt das Fett eine Konsistenz (gemäß ASTM D217)
von 261 mm/10 nach 60 Doppelhüben. Weitere technische Daten sind der Tabelle 2 zu
entnehmen.
Beispiel 5:
[0034] 300 g Benzoesulfonsäure C10-18-alkyl werden in 550 g Trimethylolpropantrioleat (V40:
46 mm
2/s) gelöst. Dann werden 120 g Calciumoxid und 100 g Ca(OH)
2 zugesetzt und die Mischung durch weiteres Rühren homogenisiert. Nachfolgend wird
die Temperatur auf 60 °C gesteigert. Dann werden 80 ml Wasser zugegeben und Kohlendioxid
durch die Mischung geleitet. Das Gemisch besitzt nun eine TBN von 297 mg KOH/g. Danach
werden 280 g Trimethylolpropantrioleat, 280 g Benzoesulfonsäure C10-14-alkyl, 72 g
Ca(OH)
2 und 75 g Wasser zum Ansatz gegeben. Der Ansatz wird auf 92 °C aufgeheizt. Nach erfolgter
Umwandlung des Calciumcarbonats von der Vaterit- in die Calcite-Form wird der Ansatz
bei 110 °C entwässert. Die TBN liegt nun bei 180 mg KOH/g. Anschließend wird der Ansatz
auf 150 °C aufgeheizt und bei dieser Temperatur eine halbe Stunde gehalten. Nach dem
Erkalten besitzt das Fett eine Konsistenz (gemäß ASTM D217) von 299 mm/10 nach 60
Doppelhüben. Weitere technische Daten sind der Tabelle 2 zu entnehmen.
Beispiel 6:
[0035] 310 g Benzoesulfonsäure C8-C22-alkyl werden in 550 g Trimethylolpropantrioleat (V40:
46 mm
2/s) gelöst. Dann werden 120 g Calciumoxid und 100 g Ca(OH)
2 zugesetzt und die Mischung durch weiteres Rühren homogenisiert. Nachfolgend wird
die Temperatur auf 60 °C gesteigert. Dann werden 80 ml Wasser zugegeben und Kohlendioxid
durch die Mischung geleitet. Das Gemisch besitzt nun eine TBN von 297 mg KOH/g. Danach
werden 280 g Trimethylolpropantrioleat, 254 g Benzoesulfonsäure C8-C22-alkyl, 75 g
Ca(OH)
2, 25 g Essigsäure und 70 g Wasser zum Ansatz gegeben. Der Ansatz wird auf 92 °C aufgeheizt.
Nach erfolgter Umwandlung des Calciumcarbonats von der Vaterit- in die Calcite-Form
wird der Ansatz bei 110 °C entwässert und 100 g Capronsäure zugesetzt. Die TBN liegt
nun bei 161 mg KOH/g. Anschließend wird der Ansatz auf 150 °C aufgeheizt und bei dieser
Temperatur eine halbe Stunde gehalten. Nach dem Erkalten besitzt das Fett eine Konsistenz
(gemäß ASTM D217) von 287 mm/10 nach 60 Doppelhüben. Weitere technische Daten sind
der Tabelle 2 zu entnehmen.
Beispiel 7:
[0036] 322 g Benzoesulfonsäure C10-18-alkyl werden in 600 g Rapsöl (V40: 35 mm
2/s) gelöst. Dann werden 140 g Calciumoxid und 80 g Ca(OH)
2 zugesetzt und die Mischung durch weiteres Rühren homogenisiert. Nachfolgend wird
die Temperatur auf 40 °C gesteigert. Dann werden 62 ml Wasser zugegeben und Kohlendioxid
durch die Mischung geleitet. Das Gemisch besitzt nun eine TBN von 211 mg KOH/g. Danach
werden 240 g Rapsöl (V40: 35 mm2/s), 288 g Benzoesulfonsäure C10-14-alkyl, 24 g Essigsäure,
70 g Ca(OH)
2 und 49 g Wasser zum Ansatz gegeben. Der Ansatz wird auf 88 °C aufgeheizt. Nach erfolgter
Umwandlung des Calciumcarbonats von der Vaterit- in die Calcite-Form wird 167 g 12-Hydroxystearinsäure
zugesetzt und der Ansatz bei 110 °C entwässert. Die TBN liegt nun bei 80 mg KOH/g.
Anschließend wird der Ansatz auf 125 °C aufgeheizt und bei dieser Temperatur 15 Minuten
gehalten. Nach dem Erkalten besitzt das Fett eine Konsistenz (gemäß ASTM D217) von
299 mm/10 nach 60 Doppelhüben. Weitere technische Daten sind der Tabelle 2 zu entnehmen.
Tabelle 2:
| |
Eindringtiefe (ASTM D217) [mm/10] |
Tropfpunkt (IP 396) [°C] |
Resistenz gegen Sprühwasser (ASTM D 4049) [%] |
| Beispiel 1 |
331 |
222 |
97 |
| Beispiel 2 |
292 |
299 |
81 |
| Beispiel 3 |
272 |
280 |
87 |
| Beispiel 4 |
261 |
244 |
52 |
| Beispiel 5 |
299 |
224 |
93 |
| Beispiel 6 |
287 |
287 |
81 |
| Beispiel 7 |
299 |
288 |
78 |
1. Schmiermittel, das mindestens eine Ester-Zusammensetzung, die mindestens einen Ester
umfasst, Calciumcarbonat und mindestens ein überbasisches Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonat
umfasst, wobei mindestens eine Alkylgruppe des Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonat
eine (C3-C30)-Alkylgruppe ist, und das mineralölfrei ist und als Ölkomponente ausschließlich
Ester enthält.
2. Schmiermittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es 30 Gew.-% bis 80 Gew.-% der Ester-Zusammensetzung, 5 Gew.-% bis 20 Gew.-% Calciumcarbonat
und 5 Gew.-% bis 25 Gew.-% des überbasischen Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonats
umfasst.
3. Schmiermittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass 50 Gew.-% bis 65 Gew.-% der Ester-Zusammensetzung, 10 Gew.-% bis 15 Gew.-% Calciumcarbonat
und 12 Gew.-% bis 20 Gew.-% des überbasischen Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonats
umfasst.
4. Schmiermittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Alkylgruppe des Mono-, Di- oder Tri-Alkylbenzolsulfonats eine (C10-C18)-Alkylgruppe
ist.
5. Schmiermittel nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass es gemäß den Anforderungen des OECD-301-Testverfahrens leicht biologisch abbaubar
ist.