[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Schmelztauchbeschichten eines Stahlflachprodukts
sowie eine Schmelztauchbeschichtungsanlage.
[0002] Der Prozess zum Schmelztauchbeschichten von Stahlflachprodukten sowie entsprechende
Schmelztauchbeschichtungsanlagen zur Durchführung des Prozesses ist Stand der Technik,
vgl. beispielsweise
EP 2 762 599 A1,
EP 3 109 338 A1. Dabei haben sich in der Praxis direkt beheizte Wärmebehandlungsöfen (direct fired
furnace, auch DFF genannt) etabliert, welche zum Vorwärmen und Reinigen von warmgewalzten
und kaltgewalzten Stahlflachprodukten eingesetzt werden. Diese werden standardmäßig
mit fossilen Brennstoffen, wie zum Beispiel Erdgas, gespeist. Da die Verbrennung im
Wärmebehandlungsofen stattfindet, kann mit Hilfe der direkten Beheizung, je nach eingestellter
Luftzahl (Lambda-Wert des Brenngases), eine reduzierende oder oxidierende Ofenatmosphäre
eingestellt werden. Im Wärmebehandlungsofen befindet sich somit das Verbrennungsgas
der Brenner, welches einen hohen Anteil Wasser (H2O) und, je nach Luftzahl, Sauerstoff
(O
2) und Kohlenstoffdioxid (CO
2) oder Wasserstoff (H
2) und Kohlenstoffmonoxid/Kohlenstoffdioxid (CO/CO
2) enthält. Im Regelfall wird mit einem Lambda-Wert < 1 eine reduzierende Ofenatmosphäre
eingestellt, vgl. auch
EP 2 762 599 A1. Im Verbrennungsgas befindet sich dadurch Kohlenstoffmonoxid (CO-Gas), um das durchlaufende
Stahlflachprodukt vor Oxidation zu schützen. In Ausnahmefällen kann jedoch auch eine
leicht oxidierende Ofenatmosphäre über einen Lambda-Wert > 1 eingestellt werden. In
diesem Falle befindet sich auch Sauerstoff im Verbrennungsgas, welches eine gezielte
Oxidation des durchlaufenden Stahlflachprodukts bewirkt, jedoch nur in dem Rahmen,
dass diese Oxide im weiteren Ofenverlauf einer Schmelztauchbeschichtungsanlage wieder
reduziert werden können. Das Ziel der Atmosphäreneinstellung im direkt beheizten Wärmebehandlungsofen
einer Schmelztauchbeschichtungsanlage ist, eine zunderfreie Oberfläche bei Austritt
des Stahlflachprodukts aus dem Ofen und das Eintauchen in das nachgelagerte metallische
Schmelzenbad zu erhalten. Das Verbrennungsgas wird somit als "Schutzgas" vor unkontrollierter
Oxidation (= Verzunderung) genutzt.
[0003] Im Rahmen der weltweit geforderten Dekarbonisierung sollen mit fossilen Brennstoffen
betriebene Anlagen in Zukunft auf umweltfreundlichere Brennstoffe bzw. Energieträger,
wie zum Beispiel Wasserstoff, umgerüstet bzw. umgestellt werden, um somit den Einsatz
von fossiler Energie zu reduzieren oder letztendlich zu vermeiden.
[0004] Die Dekarbonisierung fordert eine Reduzierung des Einsatzes fossiler Einsatzstoffe
bzw. Energieträger und damit wiederrum verbunden eine Reduzierung des CO
2-Ausstoßes.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, das Verfahren zum Schmelztauchbeschichten
derart weiterzuentwickeln, welches den Einsatz fossiler Brennstoffe reduziert oder
gar vermeidet.
[0006] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und
durch eine Schmelztauchbeschichtungsanlage mit den Merkmalen des Anspruchs 13. Weiterführende
Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0007] Die erste Lehre betrifft ein Verfahren zum Schmelztauchbeschichten eines warmgewalzten
oder kaltgewalzten Stahlflachprodukts umfassend die Schritte:
- Vorwärmen des Stahlflachprodukts auf eine Temperatur zwischen 400 °C und 950 °C in
einem DFF-Ofen, wobei der DFF-Ofen über wenigstens einen Brenner verfügt, welcher
mit einem Brenngas und einem sauerstoffhaltigen Gas betrieben wird, welche zu einem
Verbrennungsgas verbrannt werden, wobei in Abhängigkeit von der Zusammensetzung des
Brenngases und der Zusammensetzung des sauerstoffhaltigen Gases das Verbrennungsgas
eine Zusammensetzung mit einem Wasserdampfpartialdruck aufweist;
- Erwärmen und/oder Halten des vorgewärmten Stahlflachprodukts bei einer Temperatur
zwischen 400 °C und 950 °C;
- Abkühlen des warmen Stahlflachprodukts auf eine mindestens 50 K unterhalb bis maximal
50 K oberhalb einer Schmelzenbadtemperatur betragende Temperatur;
- Eintauchen des abgekühlten Stahlflachprodukts in ein metallisches Schmelzenbad mit
einer Schmelzenbadtemperatur, um das Stahlflachprodukt mit einem metallischen Überzug
mittels Schmelztauchen zu beschichten.
[0008] Wesentlich für die Erfindung ist, dass für den DFF-Ofen Wasserstoff im Brenngas mit
einem Anteil von mindestens 10 Vol.-% verwendet wird, und dass dem DFF-Ofen zusätzlich
ein wasserdampfarmes/-freies und/oder wasserstoffarmes/-freies Gas hinzugefügt wird,
wobei sich dadurch das hinzugefügte Gas mit dem Verbrennungsgas mischt, derart, dass
ein Wasserdampfpartialdruck der Mischung in der Ofenatmosphäre des DFF-Ofens kleiner
als der Wasserdampfpartialdruck des Verbrennungsgases bewirkt wird.
[0009] Eine Umstellung von einem fossilen Brennstoff (Erdgas) auf einen alternativen, wasserstoffhaltigen
Brennstoff in einem DFF-Ofen in einer Schmelztauchbeschichtungsanlage zum Vorwärmen
und insbesondere Reinigen von warmgewalzten oder kaltgewalzten Stahlflachprodukten
würde eine geänderte Ofenatmosphäre mit sehr einflussreichen Parametern bezüglich
der zu erzielenden Stoffeigenschaften und Oberfläche des durchlaufenden Stahlflachprodukts
ergeben. Beim Verbrennen von wasserstoffhaltigen Brennstoffen wird eine im Vergleich
zum Erdgas größere Menge an Wasserdampf erzeugt, was dafür sorgt, dass ein höherer
Wasserdampfpartialdruck in der Ofenatmosphäre vorliegen würde. Dies hat zur Folge,
dass eine höhere Tendenz zur Oxidation (= Zunderbildung) während des Vorwärmens durch
sauerstoffaffine Elemente im Stahlflachprodukt gegeben ist, welche insbesondere an
der Oberfläche des Stahlflachprodukts entsteht. Durch das Vorhandensein eines höheren
Wasserdampfpartialdrucks wird die Verbindung zwischen Zunder und Stahlflachproduktoberfläche,
vereinfacht gesagt die Haftung an der Stahlflachproduktoberfläche, beeinflusst. Auch
eine Zunderschicht (Oxidschicht) würde ebenfalls wachsen und/oder beeinflusst werden.
[0010] Insbesondere würde das Stahlflachprodukt sehr empfindlich auf eine Erhöhung des Wasserdampfpartialdrucks
in Ofenatmosphären beim Vorwärmen reagieren. Dies kann auch einen unerwünschten Wasserstoffeintrag
in das Stahlflachprodukt begünstigen, u. a. bei hochfesten Stahlflachprodukten zu
Problemen führen, was unter "delayed fracture" bekannt ist.
[0011] Bei einer Ofenatmosphäre mit hohem Wasserdampfanteil würde die oben beschriebene
schützende Wirkung verloren gehen und es käme zu einer großflächigen unkontrollierten
Oxidation (= Verzunderung), die im weiteren Verlauf der Schmelztauchbeschichtungsanlage,
insbesondere in der Haltezone und/oder Abkühlzone des Ofens, nicht mehr reduziert
werden könnte. Die Folge wäre eine unzureichende Haftung des metallischen Überzugs
nach dem Verlassen des Schmelzenbads und würde damit zu erheblichen Qualitätseinbußen
bis hin zu einem Totalausfall des eingesetzten Stahlflachprodukts führen.
[0012] Durch ein Vorwärmen eines Stahlflachprodukts in einer Wasserdampfatmosphäre können
die Kornlagen im Gefüge verändert werden, was zu einer unerwünschten, vorauseilenden
Korngrenzenoxidation führen kann, welche wiederrum Beschichtungs- und/oder Oberflächenfehler
hervorrufen kann. Aufgrund der verstärkt ablaufenden Oxidation respektive Zunderbildung
kann sich die Bildung der Korngrenzenoxidation ebenfalls schneller vollziehen und
darüber hinaus auch tiefer in das Substrat eindringen.
[0013] Ein Vorwärmen eines Stahlflachprodukts in einer Wasserdampfatmosphäre kann auch zu
einer höheren Entkohlungstiefe führen, was bedeutet, dass die Eigenschaften eines
schmelztauchbeschichteten Stahlflachprodukts ebenfalls, insbesondere nachteilig, beeinflusst
werden bzw. sind. Dies kann sich beispielsweise dadurch äußern, dass die mechanischen
Kennwerte außerhalb des Anforderungsbereichs liegen und darüber hinaus zu schlechteren
Oberflächeneigenschaften führen können.
[0014] Eine Dekarbonisierung im Anwendungsfall des Vorwärmens eines Stahlflachprodukts in
einem DFF-Ofen in einer Schmelztauchbeschichtungsanlage wäre somit nicht nur ein einfacher
Wechsel von fossilen zu nicht-fossilen Brennstoffen, sondern würde auch eine komplexe
Beeinflussung der Produktparameter beinhalten.
[0015] Einer Erhöhung des Wasserstoffs im Brenngas und somit respektive einer Erhöhung des
Wasserdampfpartialdrucks im daraus resultierenden Verbrennungsgas muss dahingehend
gegengesteuert werden, dass das Verbrennungsgas durch gezielte Mischung mit einem
wasserdampfarmen/-freien und/oder wasserstoffarmen/-freien Gas "verdünnt" wird, um
eine Ofenatmosphäre im DFF-Ofen einer Schmelztauchbeschichtungsanlage einzustellen,
welche einen geringeren Wasserdampfpartialdruck im Vergleich zum (reinen) Verbrennungsgas
aufweist, insbesondere eine Ofenatmosphäre eingestellt werden kann, welche weitestgehend
einer konventionellen mit Erdgas befeuerten Ofenatmosphäre entspricht, um die bisherige
Prozesskette nicht unnötig ändern zu müssen und den Standardprozess im Wesentlichen
beibehalten zu können.
[0016] Unter wasserdampfarm ist ein Wasser- bzw. Wasserdampf-Gehalt im hinzuzufügenden Gas
von maximal 15,0 Vol.-%, insbesondere maximal 10,0 Vol.%, vorzugsweise maximal 8,0
Vol.-%, bevorzugt maximal 5,0 Vol.-%, weiter bevorzugt maximal 3,0 Vol.-%, weiter
bevorzugt maximal 1,50 Vol.-% und insbesondere > 0,10 Vol.-% zu verstehen. Wasserdampffrei
bedeutet, dass entweder kein Wasser bzw. Wasserdampf enthalten ist oder im hinzuzufügenden
Gas Spuren bis zu maximal 0,10 Vol.-% enthalten sein können.
[0017] Unter wasserstoffarm ist ein Wasserstoff-Gehalt im hinzuzufügenden Gas von maximal
7,0 Vol.-%, insbesondere maximal 5,0 Vol.%, vorzugsweise maximal 4,0 Vol.-%, bevorzugt
maximal 2,50 Vol.-%, weiter bevorzugt maximal 1,0 Vol.-%, weiter bevorzugt maximal
0,50 Vol.-% und insbesondere > 0,10 Vol.-% zu verstehen. Wasserstofffrei bedeutet,
dass entweder kein Wasserstoff enthalten ist oder im hinzuzufügenden Gas Spuren bis
zu maximal 0,10 Vol.-% enthalten sein können.
[0018] Durch die erfindungsgemäße Maßnahme ist eine Ofenatmosphäre im DFF-Ofen einer Schmelztauchbeschichtungsanlage
einstellbar, welche dem derzeit bekannten Niveau, mit Erdgas befeuerter Brenner, entsprechen
bzw. daran angepasst werden kann. Der zumindest anteilsmäßige im Brenngas zum Einsatz
kommende Wasserstoff kann beispielsweise in einer Wasserelektrolyse unter Verwendung
regenerativer Energien, wie Wind, Wasser und/oder Sonne, erzeugt und bereitgestellt
werden. Auch der eventuell benötigte Sauerstoff kann ebenfalls mittels Elektrolyse
durch erneuerbare Energien (Sonne, Wind, Wasser etc.) erzeugt und bereitgestellt werden.
[0019] Das wasserdampfarme/-freie und/oder wasserstoffarme/-freie Gas zur Mischung bzw.
zum Hinzufügen kann enthalten oder bestehen aus Stickstoff (N
2), Argon (Ar), Kohlenstoffdioxid (CO
2), Kohlenmonoxid (CO) oder einer Mischung daraus. Beispielweise kommen inerte Gase
zur Anwendung. Auch weitere Gase oder Mischungen aus Gasen, welche keinen oder verhältnismäßig
geringe Anteile an Wasser und/oder Wasserdampf und/oder Wasserstoff oder keine oder
verhältnismäßig geringe Anteile an Wasserstoffverbindungen enthalten und für ein Vorwärmen
im DFF-Ofen einer Schmelztauchbeschichtungsanlage geeignet sind, können entsprechend
verwendet werden.
[0020] Die Temperatur für das Vorwärmen des warmgewalzten oder kaltgewalzten Stahlflachprodukts
im DFF-Ofen einer Schmelztauchbeschichtungsanlage liegt im Wesentlichen zwischen 400
°C und 950 °C, insbesondere zwischen 500 °C und 900 °C, vorzugsweise zwischen 600
°C und 850 °C wobei sich diese Temperatur auf die Temperatur des Stahlflachprodukts,
auf die es vorgewärmt werden soll, bezieht. Die Ofenatmosphärentemperatur im DFF-Ofen
kann durchaus höher liegen.
[0021] Das Erwärmen und/oder Halten des vorgewärmten Stahlflachprodukts erfolgt bei einer
Temperatur zwischen 400 °C, insbesondere zwischen 500 °C, vorzugsweise zwischen 600
°C, bevorzugt zwischen 700 °C und 950 °C, insbesondere maximal 900 °C, wobei der nach
dem DFF-Ofen(teil) nachgelagerte Teil des Ofens zum weiteren Erwärmen und optionalen
Halten und damit Glühen des warmgewalzten oder kaltgewalzten Stahlflachprodukts mit
indirekter Befeuerung versehen ist, beispielsweise ein Strahlrohrofen (RTF) mit einer
einstellbaren Ofenatmosphäre, vorzugsweise mit einer reduzierenden Ofenatmosphäre.
[0022] Das Abkühlen des warmen bzw. geglühten Stahlflachprodukts erfolgt auf eine mindestens
50 K, insbesondere mindestens 40 K, vorzugsweise mindestens 30 K, bevorzugt mindestens
20 K unterhalb bis maximal 50 K, insbesondere maximal 40 K, vorzugsweise maximal 30
K, bevorzugt maximal 20 K oberhalb einer Schmelzenbadtemperatur betragende Temperatur,
wobei der Abkühlofen oder Teil des Wärmebehandlungsofens zum Abkühlen des warmgewalzten
oder kaltgewalzten Stahlflachprodukts mit indirekter Befeuerung versehen ist, quasi
ein Strahlrohrofen (RTF), mit einer einstellbaren Ofenatmosphäre, vorzugsweise einer
reduzierenden Ofenatmosphäre.
[0023] Gemessen wird beispielsweise die Temperatur an der Oberfläche auf einer Seite des
Stahlflachprodukts, insbesondere mit Pyrometer oder anderen geeigneten Messmitteln.
Somit kann die Temperatur des Stahlflachprodukts in jedem Bereich der Schmelztauchbeschichtungsanlage
mit dem Fachmann bekannten Mitteln erfasst werden.
[0024] Das Eintauchen des abgekühlten Stahlflachprodukts in ein metallisches Schmelzenbad
mit einer Schmelzenbadtemperatur, um das Stahlflachprodukt mit einem metallischen
Überzug mittels Schmelztauchen zu beschichten, erfolgt im Wesentlichen unter Schutzgasatmosphäre
in bekannter Weise.
[0025] Der Ofen in einer bevorzugt kontinuierlichen Schmelztauchbeschichtungsanlage ist
insbesondere in drei Stufen eingeteilt, wobei die erste Stufe als DFF-Ofen zum Vorwärmen
und optionalen Reinigen des warmgewalzten oder kaltgewalzten Stahlflachprodukt ausgeführt
ist.
[0026] Die Schmelztauchbeschichtungsanlage ist bevorzugt mit einem horizontal ausgeführten
Ofen ausgestattet, kann aber auch alternativ in vertikaler Ausführung ausgebildet
sein.
[0027] Der Prozess zum Schmelztauchbeschichten und somit auch der Aufbau einer Schmelztauchbeschichtungsanlage
ist Stand der Technik und dem Fachmann damit geläufig.
[0028] Das sauerstoffhaltige Gas für den Betrieb des Brenners kann Luft, beispielsweise
Umgebungsluft, Sauerstoff oder eine Kombination aus Luft und Sauerstoff sein. Das
sauerstoffhaltige Gas und/oder das Brenngas kann vor der Zuführung zur Verbrennung
vorgewärmt werden, um die Energieeffizienz zu steigern, beispielsweise auf mindestens
200 °C, insbesondere auf mindestens 300 °C, vorzugsweise auf mindestens 400 °C. Das
Vorwärmen kann beispielsweise auf maximal 500 °C begrenzt sein. Das Vorwärmen des
Brenngases und/oder des sauerstoffhaltigen Gases kann zu einer Erhöhung der adiabaten
Flammentemperatur führen.
[0029] Die Bestimmung respektive Erfassung eines Wasserdampfpartialdrucks in einer Ofenatmosphäre
ist dem Fachmann geläufig. Dies kann beispielsweise durch Messung des Taupunktes mit
geeigneten Messeinrichtungen erfolgen.
[0030] Unter "Stahlflachprodukt" werden dabei hergestellte Bleche oder vergleichbar beschaffene
Bänder als Walzerzeugnisse aus einem Stahlwerkstoff verstanden, welches entweder warmgewalzt,
quasi einem Warmband, oder kaltgewalzt, quasi ein Kaltband, entsprechen kann.
[0031] Insbesondere kann Wasserstoff im Brenngas mit einem Anteil von mindestens 20 Vol.-%
enthalten sein. Vorzugsweise kann Wasserstoff im Brenngas mit einem Anteil von mindestens
40 Vol.-% enthalten sein. Bevorzugt kann Wasserstoff im Brenngas mit einem Anteil
von mindestens 60 Vol.-% enthalten sein. Besonders bevorzugt kann Wasserstoff im Brenngas
mit einem Anteil von mindestens 80 Vol.-% enthalten sein. Weiter bevorzugt kann Wasserstoff
im Brenngas mit einem Anteil von mindestens 98 Vol.-% enthalten sein. Diese Ausgestaltung
umfasst beispielsweise einen 100%-igen Einsatz von Wasserstoff, mit anderen Worten,
das Brenngas besteht aus Wasserstoff, wobei Verunreinigungen im Brenngas bis zu 0,5
Vol.-%, insbesondere bis zu 0,2 Vol.-%, vorzugsweise weniger als 0,1 Vol.-% zugelassen
werden, wobei Verunreinigungen technisch nicht oder nur mit hohem apparativem Aufwand
vermieden werden können.
[0032] Wenn das Brenngas nicht vollständig aus Wasserstoff besteht, können neben Wasserstoff
weitere Anteile an Methan (CH
4) und/oder Kohlenmonoxid (CO) enthalten sein, um 100 Vol.-% nebst Verunreinigungen,
welche bis zu 0,5 Vol.-%, insbesondere bis zu 0,2 Vol.-%, vorzugsweise weniger als
0,1 Vol.-% zugelassen werden, zu ergeben.
[0033] Beispielsweise bei der Verwendung von Erdgas können die Anteile des Hauptbestandteils
Methan variieren und damit auch weitere Bestandteile, wie zum Beispiel Ethan, Propan,
Ethen und Butan einzeln oder kombiniert umfassen.
[0034] Um die Energie des Verbrennungsgases nicht negativ zu beeinflussen und/oder die Energieeffizienz
sogar zu erhöhen, kann es von Vorteil sein, wenn gemäß einer Ausgestaltung das wasserdampfarme/-freie
und/oder wasserstoffarme/-freie Gas vor dem Hinzufügen in den DFF-Ofen erwärmt wird.
Um das Energieniveau des Verbrennungsgases im Wesentlichen beizubehalten, erfolgt
das Erwärmen des wasserdampfarmen/-freien und/oder wasserstoffarmen/-freien Gases
auf eine Temperatur, welche vorzugsweise der Temperatur des Verbrennungsgases zwischen
+/- 300 °C entspricht. Die Temperatur kann somit einem Temperaturfenster zwischen
minus und plus 300 °C bezogen auf die Temperatur des Verbrennungsgases entsprechen.
Die Temperatur des Verbrennungsgases kann dabei mit dem Fachmann bekannten Mitteln
erfasst werden.
[0035] Um das aus dem DFF-Ofen einer Schmelztauchbeschichtungsanlage abgeführte Abgas, einem
Mischgas aus Verbrennungsgas und hinzugefügtem wasserdampfarmen/-freien und/ oder
wasserstoffarmen/-freien Gas, wirtschaftlich nutzen zu können, kann es von Vorteil
sein, einen Teil des Abgases oder vollständig zum Erwärmen des wasserstoffarmen/-freien
und/ oder wasserdampfarmen/-freien Gases vor dem Hinzufügen zu verwenden. Auch in
diesem Fall sind die Mittel zur Abgasnutzung respektive Wärmeübertragung dem Fachmann
bekannt. Alternativ oder zusätzlich kann auch das sauerstoffhaltige Gas und/oder das
Brenngas entsprechend erwärmt/vorgewärmt werden.
[0036] Alternativ oder zusätzlich zur Abgasnutzung kann das (zusätzliche) Erwärmen bzw.
Vorwärmen auch mit anderen Mitteln, beispielsweise elektrisch, durchgeführt werden,
wenn insbesondere ein im Vergleich zur Abgastemperatur höheres Temperaturniveau benötigt
wird.
[0037] Des Weiteren hat auch die Temperatur der Flamme des Brenners Einfluss auf die Temperatur
der Ofenatmosphäre. Die Verbrennungstemperatur mit Umgebungsluft und Erdgas liegt
bei ca. 1970 °C und mit Umgebungsluft und Wasserstoff bei ca. 2130 °C, bei Verbrennung
mit Sauerstoff und Erdgas bei ca. 2860 °C und mit Sauerstoff und Wasserstoff bei ca.
3080 °C.
[0038] Der Brenner kann mit einer Luftzahl zwischen 0,75 und 1,25 betrieben werden. Die
Luftzahl kann insbesondere zwischen 0,75 bis 0,99, um die Anwesenheit von Sauerstoff(-Verbindungen)
im Verbrennungsgas zu vermeiden, oder alternativ zwischen 1 und 1,25, um die Sauerstoffmenge
im Verbrennungsgas zur gezielten Verzunderung, beispielsweise bei bestimmten Produkten,
zu steuern, betragen.
[0039] Gemäß einer Ausgestaltung kann das Stahlflachprodukt mit einem zinkbasierten Überzug
beschichtet werden. Dabei kann das metallische Schmelzenbad neben Zink und unvermeidbaren
Verunreinigungen zusätzliche Elemente, wie Aluminium mit einem Gehalt bis zu 15 Gew.-%,
insbesondere bis zu 10 Gew.-%, vorzugsweise bis zu 8 Gew.-%, bevorzugt bis zu 5 Gew.-%
und/oder Magnesium mit einem Gehalt bis zu 15 Gew.-%, insbesondere bis zu 10 Gew.-%,
vorzugsweise bis zu 8 Gew.-%, bevorzugt bis zu 5 Gew.-% in dem Überzug enthalten oder
daraus bestehen. Ist ein verbesserter Korrosionsschutz gefordert, kann das metallische
Schmelzenbad enthalten oder bestehen aus Magnesium mit einem Gehalt von mindestens
0,3 Gew.-%, insbesondere von mindestens 0,6 Gew.-%, vorzugsweise von mindestens 0,9
Gew.-%. Zusätzlich oder alternativ kann Aluminium zusätzlich zu Magnesium mit einem
Gehalt von mindestens 0,1 Gew.-%, insbesondere von mindestens 0,3 Gew.-% vorhanden
sein, um beispielsweise eine Anbindung des metallischen Überzugs an das Stahlflachprodukt
zu verbessern und insbesondere eine Diffusion von Eisen aus dem Substrat in den Überzug
bei einer Wärmebehandlung des beschichteten Stahlflachprodukts im Wesentlichen zu
vermeiden, damit beispielsweise eine gute Klebeignung gewährleistet werden kann. Dabei
kann eine Dicke des metallischen Überzugs je Seite zwischen 1,5 und 60 µm, insbesondere
zwischen 2 und 50 µm, vorzugsweise zwischen 3 und 30 µm über bekannte und oberhalb
des Schmelzenbads angeordneten Abstreifdüsen eingestellt werden.
[0040] Enthält oder besteht das metallische Schmelzenbad aus Magnesium in den vorgenannten
Grenzen, Aluminium in den vorgenannten Grenzen und Rest Zink nebst unvermeidbaren
Verunreinigungen, ist der sich daraus ergebende metallische Überzug auf dem Stahlflachprodukt
in der Fachwelt als Zink-Magnesium (ZM) oder Zn-Al-Mg bekannt.
[0041] Bei einer bevorzugten Variante beträgt der Aluminiumgehalt im metallischen Schmelzenbad
1,1 bis 8 Gew.-%, insbesondere 1,2 bis 5 Gew.-%.
[0042] Bei einer bevorzugten Variante beträgt der Magnesiumgehalt im metallischen Schmelzenbad
1,1 bis 8 Gew.-%, insbesondere 1,2 bis 5 Gew.-%.
[0043] Der Überzug kann auch nur Zink mit geringen Aluminiumbestandteilen neben unvermeidbaren
Verunreinigungen enthalten, auch mit der Bezeichnung "Z" in Fachkreisen bekannt.
[0044] Als unvermeidbare Verunreinigungen können beispielsweise Elemente aus der Gruppe
Silizium, Antimon, Blei, Titan, Kalzium, Mangan, Zinn, Lanthan, Cer und Chrom einzeln
oder in Kombination mit in Summe bis zu 0,5 Gew.-%, insbesondere bis zu 0,3 Gew.-%
im metallischen Schmelzenbad enthalten sein.
[0045] Gemäß einer weiteren alternativen Ausgestaltung kann das Stahlflachprodukt mit einem
aluminiumbasierten Überzug beschichtet werden. Dabei kann das metallische Schmelzenbad
enthalten oder bestehen aus neben Aluminium und unvermeidbaren Verunreinigungen optional
bis zu 15 Gew.-% Silizium, optional bis zu 4 Gew.-% Eisen, optional bis zu 1,0 Gew.-%
Alkali- oder Erdalkalimetalle.
[0046] Bei einer bevorzugten Variante beträgt der Siliziumgehalt im metallischen Schmelzenbad
entweder 0,2 bis 4,5 Gew.-% oder 7 bis 13 Gew.-%, insbesondere 8 bis 11 Gew.-%.
[0047] Bei einer bevorzugten Variante umfasst der optionale Gehalt an Eisen 0,2 bis 4,5
Gew.-%, insbesondere 1 bis 4 Gew.-%, vorzugsweise 1,5 bis 3,5 Gew.-%.
[0048] Bei einer bevorzugten Variante umfasst der optionale Gehalt an Alkali- oder Erdalkalimetallen
0,01 bis 1,0 Gew.-% Magnesium, insbesondere 0,1 bis 0,7 Gew.-% Magnesium, bevorzugt
0,1 bis 0,5 Gew.-% Magnesium. Weiterhin kann der optionale Gehalt an Alkali- oder
Erdalkalimetallen insbesondere mindestens 0,0015 Gew.-% Kalzium umfassen.
[0049] Bei einer weiteren alternativen Ausgestaltung kann das Stahlflachprodukt mit einem
aluminiumbasierten Überzug beschichtet werden. Dabei kann das metallische Schmelzenbad
enthalten oder bestehen aus neben Aluminium und unvermeidbaren Verunreinigungen 2
bis 24 Gew.-% Zink, 1 bis 7 Gew.-% Silizium, optional 1 bis 8 Gew.-% Magnesium im
Falle, dass der Gehalt von Silizium zwischen 1 und 4 Gew.-% liegen sollte, optional
bis zu 0,3 Gew.-% in Summe Blei, Nickel, Zirkon oder Hafnium, umfassen.
[0050] Dabei kann eine Dicke des metallischen Überzugs je Seite zwischen 1 und 60 µm, insbesondere
zwischen 2 und 50 µm, vorzugsweise zwischen 3 und 50 µm eingestellt werden.
[0051] Als unvermeidbare Verunreinigungen können beispielsweise Elemente aus der Gruppe
Antimon, Blei, Titan, Mangan, Zinn, Lanthan, Cer und Chrom einzeln oder in Kombination
mit in Summe bis zu 0,5 Gew.-%, insbesondere bis zu 0,3 Gew.-% im metallischen Schmelzenbad
enthalten sein.
[0052] Die zweite Lehre betrifft eine Schmelztauschbeschichtungsanlage, umfassend einen
Ofen und einen Pott zur Aufnahme eines flüssigen metallischen Schmelzenbads, wobei
der Ofen einen Abschnitt zum Vorwärmen, einen Abschnitt zum Erwärmen und/oder Halten
und einen Abschnitt zum Abkühlen eines kontinuierlich durchlaufenden Stahlflachprodukts
enthält oder aus diesen Abschnitten besteht, wobei der Abschnitt zum Vorwärmen als
DFF-Ofen ausgeführt ist, wobei der DFF-Ofen über wenigstens einen Brenner verfügt,
welcher mit einem Brenngas und einem sauerstoffhaltigen Gas beaufschlagbar ist, wobei
das aus dem Brenngas und sauerstoffhaltigen Gas im Brenner zu einem Verbrennungsgas
verbrennbar ist, mit welchem eine Ofenatmosphäre im DFF-Ofen erzeugbar ist, wobei
Wasserstoff zumindest anteilsmäßig als Brenngas bereitstellbar ist, und dass zusätzlich
mindestens ein Mittel zum Hinzufügen des DFF-Ofens mit einem wasserdampfarmen/-freien
und/oder wasserstoffarmen/ -freien Gas vorgesehen ist.
[0053] Gemäß einer Ausgestaltung umfasst das Mittel mindestens eine Einströmdüse, welche
in Raumrichtung individuell ausrichtbar und/oder einstellbar ist. Dadurch kann in
vorteilhafter Weise die Einströmrichtung des hinzugefügten Gases in dem DFF-Ofen beeinflusst
werden, um durch das Ausströmen und/oder den Impuls eine Zwangsströmung innerhalb
des DFF-Ofens und damit eine Mischung mit dem Verbrennungsgas erzwungen wird.
[0054] Zusätzlich oder alternativ kann auch das Einströmen des Verbrennungsgases über einen
oder mehrere Brenner mit gesonderter geometrischer Anordnung erfolgen, um insbesondere
eine (schnellere) Vermischung mit dem zusätzlichen hinzugefügten Gas zu erzielen.
[0055] Näher erläutert wird die Erfindung anhand der folgenden Ausführungsbeispiele in Verbindung
mit der Zeichnung:
Die Zeichnung zeigt die Erfindung am Beispiel einer schematisch dargestellten Illustration.
[0056] Figur 1 zeigt eine Schmelztauchbeschichtungsanlage (100), umfassend einen Ofen (10) und einen
Pott (20) zur Aufnahme eines flüssigen metallischen Schmelzenbads (S). Der Ofen (10)
enthält einen Abschnitt zum Vorwärmen (11), einen Abschnitt zum (Weiter-)Erwärmen
und zum Halten (12) und einen Abschnitt zum Abkühlen (13) eines kontinuierlich durchlaufenden
Stahlflachprodukts (1). Vorgewärmt und (weiter)erwärmt wird das Stahlflachprodukt
(1) auf eine Temperatur zwischen 400 °C und 950 °C. Gehalten wird das erwärmte Stahlflachprodukt
(1) bei einer Temperatur zwischen vorzugsweise 600 °C und 950 °C. Abgekühlt wird das
warme Stahlflachprodukt (1) auf eine mindestens 50 K unterhalb bis maximal 50 K oberhalb
einer Schmelzenbadtemperatur betragende Temperatur. Eintauchen des abgekühlten Stahlflachprodukts
(1) in ein metallisches Schmelzenbad (S) mit einer Schmelzenbadtemperatur, um das
Stahlflachprodukt (1) mit einem metallischen Überzug mittels Schmelztauchen zu beschichten,
wobei ein Rüssel (14) zwischen dem Abschnitt zum Abkühlen (13) und dem Pott (20) vorgesehen
ist, welcher sicherstellt, dass das Stahlflachprodukt (1) vor dem Eintauchen in das
metallische Schmelzenbad (S) nicht mit Sauerstoff bzw. Umgebungsatmosphäre in Kontakt
gelangt.
[0057] Der Abschnitt zum Vorwärmen (11) ist als DFF-Ofen ausgeführt und im Detail in Figur
2 skizziert. Dabei verfügt der DFF-Ofen (11) über wenigstens einen Brenner (11.2),
welcher mit einem Brenngas (11.3) und einem sauerstoffhaltigen Gas (11.4) beaufschlagbar
ist, wobei das aus dem Brenngas (11.3) und sauerstoffhaltigen Gas (11.4) im Brenner
(11.2) zu einem Verbrennungsgas (11.9) verbrennbar ist, mit welchem eine Ofenatmosphäre
(11.11) im DFF-Ofen (11) erzeugbar ist, vgl. Figur 2, welche eine schematische Schnittansicht
in Richtung II ist, s. Figur 1.
[0058] Wasserstoff ist anteilsmäßig oder auch vollständig als Brenngas (11.3) bereitstellbar.
Zusätzlich ist mindestens ein Mittel (11.1) zum Hinzufügen der Ofenatmosphäre (11.11)
des DFF-Ofens (11) mit einem wasserdampffreien und/oder wasserstofffreien Gas (11.5)
vorgesehen. Der zumindest anteilsmäßige im Brenngas zum Einsatz kommende Wasserstoff
kann beispielsweise in einer Wasserelektrolyse unter Verwendung regenerativer Energien,
wie Wind, Wasser und/oder Sonne, erzeugt und bereitgestellt werden, hier nicht dargestellt.
[0059] Somit wird für den DFF-Ofen (11) Wasserstoff im Brenngas (11.3) mit einem Anteil
von mindestens 10 Vol.-% verwendet, und dem DFF-Ofen (11) wird zusätzlich mit einem
wasserdampfarmen/-freien und/oder wasserstoffarmen/-freien Gas (11.5) hinzugefügt,
wobei sich dadurch das wasserdampfarme/-freie und/oder wasserstoffarme/-freie Gas
(11.5) mit dem Verbrennungsgas (11.9) mischt, derart, dass ein Wasserdampfpartialdruck
der Mischung in der Ofenatmosphäre (11.11) des DFF-Ofens (11) kleiner als der definierte
Wasserdampfpartialdruck des Verbrennungsgases (11.9) bewirkt wird.
[0060] Das Mittel umfasst mindestens eine Einströmdüse (11.1), welche beispielsweise in
Raumrichtung individuell ausrichtbar und/oder einstellbar ist. Dadurch kann beispielsweise
gezielt die Einströmrichtung (11.10) des hinzugefügten Gases so beeinflusst werden,
dass durch den Impuls eine Zwangsströmung innerhalb des DFF-Ofens (11) und damit eine
Mischung mit dem Verbrennungsgas (11.9) erzwungen wird.
[0061] Um sich an einer konventionell bekannten Ofenatmosphäre im DFF-Ofen (11) zu orientieren
und diese trotz des Einsatzes von Wasserstoff im Brenngas einzustellen, kann das Volumen
des Brenngases und das hinzuzufügende Gas, insbesondere in Abhängigkeit von dem Volumen
des DFF-Ofens (11), fachüblich ermittelt werden. Das Volumen des Brenngases ist dabei
abhängig von der Wärmeleistung, die zum Vorwärmen des durchlaufenden Stahlflachprodukts
(1) erforderlich ist und basiert auf einer Regelung der für den Vorwärmprozess benötigten
Materialtemperaturen. Das Volumen des zu hinzuzufügenden Gases wird ermittelt aus
dem Volumen des Brenngases und somit aus den sich einstellenden chemischen Elementen
aus der Verbrennung und dem Volumen des DFF-Ofens (11), korrigiert über entsprechende
Analysenmessungen der Ofenatmosphäre (11.11).
[0062] Vor dem Hinzufügen (11.10) in den DFF-Ofen (11) kann das wasserdampfarme/-freie und/
oder wasserstoffarme/-freie Gas (11.5) erwärmt werden. Auch das sauerstoffhaltige
Gas (11.4), nicht dargestellt, kann vor der Verbrennung vorgewärmt werden. Dabei kann
ein Abgas (11.7) aus dem DFF-Ofen (11) abgeführt werden, welches zum Teil oder vollständig
zum Erwärmen des wasserdampfarmen/-freien und/oder wasserstoffarmen/-freien Gases
(11.5) mittels eines geeigneten Wärmeübertragers (11.6) genutzt werden kann. Alternativ
oder zusätzlich kann das wasserdampfarme/-freie und/oder wasserstoffarme/-freie Gas
(11.5), insbesondere zusätzlich, erwärmt werden, beispielsweise durch eine elektrische
Heizeinrichtung (11.8), strichliniert dargestellt, mit welcher auch eine Temperaturerhöhung
des wasserdampfarmen/-freien und/oder wasserstoffarmen/-freien Gases (11.5) oberhalb
der Temperatur des Abgases (11.7) möglich wäre.
[0063] Mit der erfindungsgemäß eingestellten Ofenatmosphäre (11.11) ist ein Vorwärmen des
warmgewalzten oder kaltgewalzten Stahlflachprodukts (1) ohne Nachteile einer veränderten
respektive andersartigen Oxidation/Zunderbildung auf der Oberfläche des Stahlflachprodukts
(1) trotz des Einsatzes nicht-fossiler Brennstoffe, wenn Wasserstoff mit Anteilen
zwischen 10 und 100 Vol.-% im Brenngas (11.3) eingesetzt wird, möglich.
[0064] Figuren 3 und
4 zeigen jeweils ein Diagramm, wenn als Brennstoff Erdgas, wobei von ca. 99 Vol.-%
Methan ausgegangen wird, mit einem Anteil zwischen 0 und 100 Vol.-% Wasserstoff eingesetzt
wird (Abszisse). Links bedeutet, kein Wasserstoff und 100 Vol.-% Erdgas, rechts hingegen,
kein Erdgas und 100 Vol.-% Wasserstoff im Brenngas. Als sauerstoffhaltiges Gas für
den Brenner wurde zum einen Umgebungsluft (Figur 3) und zum anderen Sauerstoff (Figur
4) vorgesehen, wobei für die Berechnung eine Luftzahl von 1,1 berücksichtigt worden
ist.
[0065] In Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Brenngases sind auch die Bestandteile
des Verbrennungsgases (linke Ordinate) im Diagramm dargestellt. Auf der rechten Ordinate
kann in Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Brenngases das erzeugte Verbrennungsgasvolumen
in m
3 pro m
3 eingesetztem Brenngas bestimmt werden.
[0066] Die in Figur 3 und 4 gezeigten Ergebnisse sind numerisch ermittelt worden und zeigen
die Einflussnahme von nicht-fossilen Brennstoffen, wie Wasserstoff im Brenngas, auf
die Zusammensetzung des Verbrennungsgases.
[0067] Überraschend ist, bei einer Verwendung von Umgebungsluft als sauerstoffhaltigem Gas
für die Verbrennung, dass erst mit einem Wasserstoffanteil von mindestens 35 Vol.%
im Brenngas eine Absenkung des CO
2-Gehalts im Verbrennungsgas möglich ist, s. Figur 3. Des Weiteren zeigt Figur 3 deutlich,
dass ein Brenngas bestehend aus 100 Vol.-% Wasserstoff ein Verbrennungsgasvolumen
von 2,5 m
3 pro eingesetztem m
3 Brenngas (= Wasserstoff) nicht unterschreiten kann.
[0068] Hingegen zeigt Figur 4, bei einer Verwendung von Sauerstoff als sauerstoffhaltiges
Gas für die Verbrennung bei 100 % Wasserstoff als Brenngas, dass das Volumen des Verbrennungsgases
dem eingesetzten Volumen des Brenngases im Wesentlichen 1 zu 1 entspricht. Auch ist
eine Reduktion des CO
2-Gehalts im Verbrennungsgas bereits bei geringeren Wasserstoffanteilen (kleiner 35
Vol.-%) im Brenngas zu erkennen.
[0069] Ab einem Wasserstoffanteil von 60 % im Brenngas beginnt der Wasserdampfpartialdruck
im Verbrennungsgas signifikant zu steigen. In Figur 3 ist bei einer Verbrennung von
Wasserstoff mit Sauerstoff das Verhältnis extremer. Mit zunehmendem Volumenanteil
von Wasserstoff im Brenngas nimmt der Wasserdampfpartialdruck in letzter Konsequenz
bei einer Verwendung von 100 Vol.-% Wasserstoff im Brenngas maximal zu. Wenn ohne
"Verdünnung" der Ofenatmosphäre 100 Vol.-% Wasserstoff verbrannt wird, so wirkt sich
das negativ auf die Produkteigenschaften des Stahlflachprodukts aus, sodass der Wasserdampfanteil
der Ofenatmosphäre im DFF-Ofen durch Hinzugabe von beispielsweise Luft entsprechend
abgesenkt werden kann, beispielsweise 20 Vol.-%. Dies würde zu einer Verbesserung
der Weiterverarbeitungseigenschaften führen. Ein "Verdünnen" beispielsweise mit nicht
vorgewärmter Luft hätte einen Temperaturfall zur Folge, womit dem DFF-Ofen und damit
verbunden dem Stahlflachprodukt womöglich notwendige Vorwärmenergie entzogen werden
würde.
1. Verfahren zum Schmelztauchbeschichten eines warmgewalzten oder kaltgewalzten Stahlflachprodukts
(1), umfassend die Schritte:
- Vorwärmen des Stahlflachprodukts (1) auf eine Temperatur zwischen 400 °C und 950
°C in einem DFF-Ofen (11), wobei der DFF-Ofen (11) über wenigstens einen Brenner (11.2)
verfügt, welcher mit einem Brenngas (11.3) und einem sauerstoffhaltigen Gas (11.4)
betrieben wird, welche zu einem Verbrennungsgas (11.9) verbrannt werden, wobei in
Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Brenngases (11.3) und der Zusammensetzung
des sauerstoffhaltigen Gases (11.4) das Verbrennungsgas (11.9) eine Zusammensetzung
mit einem Wasserdampfpartialdruck aufweist;
- Erwärmen und/oder Halten des vorgewärmten Stahlflachprodukts (1) bei einer Temperatur
zwischen 400 °C und 950°C;
- Abkühlen des warmen Stahlflachprodukts (1) auf eine mindestens 50 K unterhalb bis
maximal 50 K oberhalb einer Schmelzenbadtemperatur betragende Temperatur;
- Eintauchen des abgekühlten Stahlflachprodukts (1) in ein metallisches Schmelzenbad
(S) mit einer Schmelzenbadtemperatur, um das Stahlflachprodukt (1) mit einem metallischen
Überzug mittels Schmelztauchen zu beschichten;
dadurch gekennzeichnet, dass für den DFF-Ofen (11) Wasserstoff im Brenngas (11.3) mit einem Anteil von mindestens
10 Vol.-% verwendet wird, und dass dem DFF-Ofen (11) zusätzlich ein wasserdampfarmes/-freies
und/oder wasserstoffarmes/-freies Gas (11.5) hinzugefügt wird, wobei sich dadurch
das hinzugefügte Gas (11.10) mit dem Verbrennungsgas (11.9) mischt, derart, dass ein
Wasserdampfpartialdruck der Mischung in der Ofenatmosphäre (11.11) des DFF-Ofens (11)
kleiner als der Wasserdampfpartialdruck des Verbrennungsgases (11.9) bewirkt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei Wasserstoff im Brenngas (11.3) mit einem Anteil von
mindestens 20 Vol.-% enthalten ist.
3. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei Wasserstoff im Brenngas (11.3)
mit einem Anteil von mindestens 40 Vol.-% enthalten ist.
4. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei Wasserstoff im Brenngas (11.3)
mit einem Anteil von mindestens 60 Vol.-% enthalten ist.
5. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei Wasserstoff im Brenngas (11.3)
mit einem Anteil von mindestens 80 Vol.-% enthalten ist.
6. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei Wasserstoff im Brenngas (11.3)
mit einem Anteil von mindestens 98 Vol.-% enthalten ist.
7. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei das wasserdampfarme/- freie
und/oder wasserstoffarme/-freie Gas (11.5) vor dem Hinzufügen des DFF-Ofens (11) erwärmt
wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, wobei das Erwärmen auf eine Temperatur erfolgt, welche
der Temperatur des Verbrennungsgases (11.9) zwischen +/- 300 °C entspricht.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 7 oder 8, wobei ein Abgas (11.7) aus dem DFF-Ofen
(11) abgeführt wird, welches zum Teil oder vollständig zum Erwärmen des wasserstoffarmen/-freien
und/oder wasserdampfarmen/-freien Gases (11.5) verwendet wird.
10. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei der Brenner (11.2) mit einer
Luftzahl zwischen 0,75 und 1,25 betrieben wird.
11. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche, wobei das Stahlflachprodukt (1) mit
einem zinkbasierten Überzug beschichtet wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, wobei das Stahlflachprodukt (1) mit einem
aluminiumbasierten Überzug beschichtet wird.
13. Schmelztauschbeschichtungsanlage (100), umfassend einen Ofen (10) und einen Pott (20)
zur Aufnahme eines flüssigen metallischen Schmelzenbads (S), wobei der Ofen (10) einen
Abschnitt zum Vorwärmen (11), einen Abschnitt zum Erwärmen und/oder Halten (12) und
einen Abschnitt zum Abkühlen (13) eines kontinuierlich durchlaufenden Stahlflachprodukts
(1) enthält oder aus diesen Abschnitten (11, 12, 13) besteht, wobei der Abschnitt
zum Vorwärmen (11) als DFF-Ofen ausgeführt ist, wobei der DFF-Ofen (11) über wenigstens
einen Brenner (11.2) verfügt, welcher mit einem Brenngas (11.3) und einem sauerstoffhaltigen
Gas (11.4) beaufschlagbar ist, wobei das aus dem Brenngas (11.3) und sauerstoffhaltigen
Gas (11.4) im Brenner (11.2) zu einem Verbrennungsgas (11.9) verbrennbar ist, mit
welchem eine Ofenatmosphäre (11.11) im DFF-Ofen (11) erzeugbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass Wasserstoff zumindest anteilsmäßig als Brenngas (11.3) bereitstellbar ist, und dass
zusätzlich mindestens ein Mittel (11.1) zum Hinzufügen des DFF-Ofens (11) mit einem
wasserdampffreien und/oder wasserstofffreien Gas (11.5) vorgesehen ist.
14. Schmelztauschbeschichtungsanlage nach Anspruch 13, wobei das Mittel mindestens eine
Einströmdüse (11.1) umfasst, welche in Raumrichtung individuell ausrichtbar und/oder
einstellbar ist.