TECHNISCHES GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Flächenelektrode für einen elektrochemischen
Reaktor, insbesondere zur Anionenaustauschmembran-(AEM-)Elektrolyse, sowie auf einen
elektrochemischen Reaktor, ebenfalls insbesondere zur Anionenaustauschmembran-(AEM-)
Elektrolyse, mit einer solchen Flächenelektrode. Genauer bezieht sich die Erfindung
auf eine Flächenelektrode mit den Merkmalen des Oberbegriffs des unabhängigen Patentanspruchs
1.
[0002] Die Leistungsfähigkeit chemischer Reaktoren hängt von den eingesetzten Flächenelektroden
ab. Dies gilt insbesondere bei der Anionenaustauschmembran-(AEM-)Elektrolyse. In einem
Reaktor zur AEM-Elektrolyse, die eine Kombination der alkalischen Elektrolyse (AEL)
mit der Protonenaustauschmembran-(PEM-)Elektrolyse darstellt, können zwar grundsätzlich
kostengünstige Materialien auch für die Flächenelektroden zum Einsatz kommen; die
Sauerstoff-Entwicklungs-Reaktion (Oxygen Evolution Reaction = OER) läuft jedoch nur
langsam ab, wenn keine Edelmetalle in den Flächenelektroden zum Einsatz kommen. Eine
effiziente Umsetzung der AEM-Elektrolyse ohne Verwendung von Edelmetallen ist jedoch
zum Beispiel für die großtechnische Produktion von sogenanntem grünem Wasserstoff
von großem Interesse.
STAND DER TECHNIK
[0003] Übliche Flächenelektroden für elektrochemische Reaktoren weisen einen zusammenhängenden
metallischen Körper auf, der in den Schichtaufbau beispielsweise eines AEM-Elektrolyseurs
mit einer zentralen Anionenaustauschmembran einfügbar ist.
[0004] Aus der
DE 102 54 379 A1 ist eine Vorrichtung zur Gewinnung von Sauerstoff aus Wasser mit einer Protonenaustauschmembran
und mit auf beiden Seiten der Protonenaustauschmembran angeordneten Flächenelektroden
bekannt. Die Flächenelektroden sind auf Basis von Titanstreckmetall, d. h. aus zunächst
gelochten und dann gestreckten Titanblechen, ausgebildet, die anschließend flachgepresst
werden und zusätzlich elektrolytisch platiniert sein können.
[0005] Aus der
DE 10 2020 203 833 A1 sind eine Brennstoffzellenvorrichtung, ein Verfahren zur Herstellung einer Brennstoffzellenvorrichtung
und ein Interkonnektor für eine Brennstoffzellenvorrichtung bekannt. Als Interkonnektor
wird hier das bezeichnet, was in der vorliegenden Beschreibung als Bipolarplatte bezeichnet
wird. Die Brennstoffzellenvorrichtung weist eine Elektrode auf, die direkt an dem
Interkonnektor angeordnet ist. Der Interkonnektor bildet Strömungskanäle mit einer
der Elektrode zugewandten Versorgungsöffnung zur Versorgung der Elektrode mit einem
Prozessgas aus. Die Versorgungsöffnung weist eine Querschnittserstreckung von höchstens
500 µm auf. Konkret kann der Interkonnektor dazu eine der Elektrode zugewandte poröse
Verteilungsschicht aufweisen. Der Interkonnektor wird in einem additiven pulvermetallurgischen
Herstellungsprozess hergestellt. Konkret kann es sich dabei um selektives Lasersintern,
selektives Laserschmelzen oder selektives Elektronenstrahlschmelzen handeln. Die Elektrode
wird in einem weiteren Verfahrensschritt mittels eines additiven Herstellungsprozesses
direkt auf den Interkonnektor aufgebracht. Die Herstellung eines derartigen Interkonnektors
mit direkt aufgebrachter Elektrode ist komplex.
[0006] Aus der
DE 10 2006 054 347 A1 ist eine Elektrode zur elektrochemischen Bearbeitung eines Werkstücks mit mindestens
einem Spülkanal zum Durchfluss und Austritt eines Elektrolyten zumindest in einem
Arbeitsbereich der Elektrode bekannt. Die Elektrode ist als kathodisch gepolte Werkzeugelektrode
ausgebildet und weist in dem Arbeitsbereich eine Geometrie auf, die der abzutragenden
Geometrie auf dem Werkstück entspricht. Die Elektrode ist schichtweise mittels Lasersintern,
Lasermikrosintern, Laserschmelzen oder Elektronenstrahlschmelzen hergestellt. Durch
diese Herstellung der Elektrode ist ein kleindimensionierter Elektrodenaufbau möglich.
Zudem ist keine spanende Erzeugung der Spülkanäle erforderlich und es ergeben sich
Gestaltungsfreiheiten bei der Auslegung der Spülkanalgeometrie. Die Wandstärke der
Elektrode kann dabei 0,05 mm bis 5,0 mm betragen. Konkret ist eine Verwendung der
Elektrode zur Herstellung von Dichtschlitzen bei der Fertigung von Niederdruckturbinenschaufeln
und zur Herstellung von Triebwerksbauteilen aus Nickel- oder Titanbasislegierungen,
insbesondere zur Herstellung von Schaufelprofilen, vorgesehen.
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Flächenelektrode und einen elektrochemischen
Reaktor, insbesondere zur Anionenaustauschmembran-(AEM-)Elektrolyse aufzuzeigen, die
trotz Verwendung kostengünstiger Materialien eine hohe Leistungsfähigkeit auch in
Bezug auf die Sauerstoff-Entwicklungs-Reaktion bei der Anionenaustauschmembran-(AEM-)Elektrolyse
aufweisen.
LÖSUNG
[0008] Die Aufgabe der Erfindung wird durch eine Flächenelektrode mit den Merkmalen des
unabhängigen Patentanspruchs 1, einen elektrochemischen Reaktor mit einer solchen
Flächenelektrode und mit den weiteren Merkmalen des Patentanspruchs 11 gelöst. Die
abhängigen Patentansprüche 2 bis 10 betreffen bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen
Flächenelektrode; und die abhängigen Patentansprüche 12 bis 15 betreffen bevorzugte
Ausführungsformen des erfindungsgemä0en Reaktors.
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
[0009] Eine erfindungsgemäße Flächenelektrode für einen elektrochemischen Reaktor, insbesondere
einen elektrochemischen Reaktor, der zur Anionenaustauschmembran-(AEM-)Elektrolyse
ausgebildet ist, weist einen separat handhabbaren zusammenhängenden metallischen Körper
auf, der durch zwei parallele Hauptflächen begrenzt ist. Zwischen den Hauptflächen
laufen Gaspassagen durch den metallischen Körper hindurch. Die Gaspassagen sind von
Innenoberflächen des metallischen Körpers begrenzt, die durch an die Gaspassagen angrenzendes
räumlich selektives Aufschmelzen eines Metallpulvers ausgebildet sind. Regelmäßig
ist der gesamte metallische Körper durch das räumlich selektive Aufschmelzen des Metallpulvers
additiv hergestellt. Durch das räumlich selektive Aufschmelzen des Metallpulvers im
Vakuum oder unter einer Schutzgasatmosphäre können die Innenoberfläche mit einer großen
Oberfläche hoher Qualität ausgebildet werden, die beispielsweise auch ohne Verwendung
von Edelmetallen zu einer erhöhten Sauerstoff-Entwicklungs-Reaktion bei der AEM-Elektrolyse
führt.
[0010] Typischerweise weisen die die Gaspassagen begrenzenden Innenoberflächen des metallischen
Körpers gegenüber glatten, d. h. auf kürzestem Weg zwischen den Hauptflächen durchlaufenden
Vergleichsflächen eine um einen Faktor von mindestens 100 und insbesondere um einen
Faktor zwischen 200 und 500 vergrößerte Oberfläche auf. Diese sehr große Oberfläche
der Innenoberflächen lässt sich auf Basis eines Metallpulvers mit einer mittleren
Teilchengröße zwischen 20 µm und 100 µm erreichen, wenn dieses lokal, d. h. räumlich
selektiv an die Gaspassagen angrenzend, mit dem Ziel aufgeschmolzen wird, Innenoberflächen
der Gaspassagen mit besonders großer Oberfläche auszubilden. Die Teilchengrößen des
Metallpulvers können um dessen mittlere Teilchengröße herum konzentriert sein. Allgemein
können die Teilchengrößen des Metallpulvers im Bereich von 0 µm bis 200 µm liegen.
[0011] Regelmäßig besteht die Flächenelektrode und entsprechend auch das Metallpulver zu
einem wesentlichen Teil aus Nickel und/oder Titan. So kann das Metallpulver zu mindestens
40 % aus Nickel und/oder zu mindestens 40 % aus Titan bestehen. Bevorzugt besteht
das Metallpulver zu mindestens 75 %, noch mehr bevorzugt zu mindestens 90 % und am
allermeisten bevorzugt zu mindestens 95 Gewichtsprozent aus Nickel und/oder Titan.
Ferritische Anteile an dem Metallpulver sollten niemals mehr als 5 Gewichtsprozent
ausmachen. Vorzugsweise machen sie nicht mehr als 1 Gewichtsprozent des Metallpulvers
aus. Noch mehr bevorzugt sind bis auf unvermeidbare Verunreinigungen keine ferritischen
Bestandteile in der Flächenelektrode und entsprechend auch dem Metallpulver enthalten.
[0012] Konkret können die die Gaspassagen begrenzenden Innenoberflächen des metallischen
Körpers durch an die Gaspassagen angrenzendes sogenanntes Lasersintern des Metallpulvers
in einem Pulverbett ausgebildet sein. Das Lasersintern kann ein sogenanntes Mikrolasersintern
sein. Trotz der Bezeichnung des Lasersinterns als Sintern führt es zu einem räumlich
selektiven Aufschmelzen des Metallpulvers. Statt Lasersintern kann auch ein Elektronenstrahlsintern
zur Ausbildung der Innenoberflächen verwendet worden sein. Das Laser- oder Elektronenstrahlsintern
in dem Pulverbett führt ohne großen Aufwand zu der gewünschten großen Oberfläche der
die Gaspassagen begrenzenden Innenoberflächen des metallischen Körpers. Diese große
Oberfläche entspricht einer vielfach unerwünschten Oberflächenrauigkeit beim additiven
Fertigen von Formkörpern durch Laser- oder Elektronenstrahlsintern im Pulverbett,
insbesondere beim Ausbilden feiner Strukturen, die aber bei der erfindungsgemäßen
Flächenelektrode ein Vorteil ist.
[0013] Mindestens eine der längs der Hauptflächen verlaufenden Außenoberflächen des metallischen
Körpers der Flächenelektrode kann mit Sägen oder Erodieren eines zusammenhängenden
Formkörpers ausgebildet sein, der durch in Richtung normal zu den Hauptflächen schichtweises
lokales selektives Aufschmelzen des Metallpulvers ausgebildet ist. Vorzugsweise wird
jede Flächenelektrode durch Funkenerosion aus diesem zusammenhängenden Formkörper
herausgetrennt. Dadurch entstehen sehr definierte Außenoberflächen des metallischen
Körpers. Grundsätzlich kann eine der längs der Hauptflächen verlaufenden Außenoberflächen
des metallischen Körpers aber auch durch an die jeweilige Hauptfläche angrenzendes
räumlich selektives Aufschmelzen des Metallpulvers ausgebildet sein.
[0014] Bei der erfindungsgemäßen Flächenelektrode macht ein freies Volumen der Gaspassagen
typischerweise zwischen 50 % und 80 % eines Zwischenraums zwischen den Hauptflächen
des metallischen Körpers aus. Anders gesagt, füllt der metallische Körper den Zwischenraum
zwischen seinen Hauptflächen nur zu maximal der Hälfte und manchmal auch nur zu einem
Fünftel aus.
[0015] Freie Querschnitte der Gaspassagen können gleiche quadratische Grundformen aufweisen.
Die Grundform des metallischen Körpers ist dann diejenige eines zweidimensionalen
Gitters, dessen Gitterstäbe in derselben Gitterhauptebene verlaufen. Wenn dann die
Gaspassagen längs der Hauptflächen in einem quadratischen Raster angeordnet sind,
ist die Grundform des metallischen Körpers diejenige eines quadratischen Gitters.
Freie Querschnitte der Gaspassagen können Durchmesser zwischen 0,2 mm und 4 mm aufweisen.
Vorzugsweise liegen diese Durchmesser zwischen 0,3 mm und 1 mm.
[0016] Eine Dicke des metallischen Körpers, d. h. ein Abstand zwischen den Hauptflächen
des metallischen Körpers liegt typischerweise zwischen 0,2 mm und 4 mm und vorzugsweise
zwischen 0,4 mm und 0,7 mm. Die Dicke des metallischen Körpers ist daher zumindest
etwa genauso groß wie der Durchmesser der freien Querschnitte der Gaspassagen. Diese
Abmessungen des metallischen Körpers und die Ausbildung der Innenoberflächen seiner
Gaspassagen durch räumlich selektives Aufschmelzen führen besonders einfach zu der
gewünschten großen Oberfläche dieser Innenoberflächen, weil eine scharfe Abgrenzung
der aufgeschmolzenen Bereiche eines Metallpulvers bei derart feinen Strukturen - wenn
überhaupt - nur mit sehr großem Aufwand möglich ist. Bei der normalen additiven Fertigung
durch Laser- oder Elektronenstrahlsintern im Laserbett ist dies ein Nachteil. Bei
der Herstellung der erfindungsgemäßen Flächenelektrode ein Vorteil.
[0017] Längs der Hauptflächen kann der metallische Körper eine Nutzfläche von wenigen Quadratzentimetern
bis mehreren hundert Quadratzentimetern haben, also beispielsweise zwischen 3 cm
2 und 400 cm
2. Bevorzugt liegt die Nutzfläche zwischen 10 cm
2 und 200 cm
2. Außenabmessungen des metallischen Körpers und auch seiner Nutzfläche sind vorzugsweise
abgerundet, noch mehr bevorzugt kreisrund. Elektrochemische Reaktoren mit abgerundetem
Querschnitt weisen zum Beispiel Vorteile bei ihrer Abdichtung am Außenumfang auf.
[0018] Für eine solche Abdichtung kann an dem metallischen Körper eine längs der Hauptflächen
um eine zentrale Nutzfläche der Flächenelektrode herum umlaufende und einige der Gaspassagen
gasdicht verschließende Dichtung aus einem elastomeren Kunststoff angespritzt sein.
Vorzugsweise steht diese Dichtung um die zentrale Nutzfläche herum umlaufend und normal
zu den Hauptflächen über beide Hauptflächen über.
[0019] Ein erfindungsgemäßer elektrochemischer Reaktor, insbesondere zur AEM-Elektrolyse,
weist eine Anionenaustauschmembran, eine Bipolarplatte auf mindestens einer Seite
der Anionenaustauschmembran und eine erfindungsgemäße Flächenelektrode zwischen der
Anionenaustauschmembran und der Bipolarplatte auf.
[0020] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktors weist die Bipolarplatte
der Flächenelektrode zugewandte Noppen auf, die die Flächenelektrode an einer ihrer
Hauptflächen abstützen. Konkret können die Noppen einen Durchmesser zwischen 0,8 mm
und 5 mm und/oder eine Länge von 0,3 mm bis 4 mm aufweisen, wobei eine Streckung der
Noppen normal zu den Hauptflächen der Flächenelektroden zwischen 0,25:1 und 2:1 betragen
kann. Vorzugsweise ist ein Durchmesser der Noppen größer als Ihre Länge, so dass die
Streckung der Noppen kleiner als 1:1 ist und etwa 0,4:1 bis 0,8:1 beträgt. Wenn eine
Summe von Stirnflächen der der Flächenelektrode zugewandten Noppen der Bipolarplatte
zwischen 5 % und 40 % der Fläche der Flächenelektrode beträgt, sind die parallel zu
den Hauptflächen der Flächenelektrode verlaufenden Zwischenräume zwischen den Noppen
der Bipolarplatte so groß, dass hierüber eine gute Versorgung mit Arbeitsgas oder
-flüssigkeit und eine ausreichende Abfuhr von Reaktionsprodukten erfolgt, auch wenn
keine zwangsweise durchströmten Strömungskanäle ausgebildet werden.
[0021] Bei dem erfindungsgenäßen Reaktor kann ein Rand der Anionenaustauschmembran in eine
umlaufende Dichtung eingebettet sein, und die Anionenaustauschmembran kann mit der
umlaufenden Dichtung abdichtend in einem Isolierrahmen angeordnet sein. Die Flächenelektrode
kann in dem Isolierrahmen auf der Anionenaustauschmembran angeordnet sein. Alternativ
kann an dem metallischen Körper der Flächenelektrode eine umlaufende Dichtung angespritzt
sein, die zwischen dem Isolierrahmen und einem umlaufenden Dichtrand der Bipolarplatte
angeordnet ist. In dem Schichtaufbau des Reaktors kann eine zusätzliche Diffusionsschicht
zwischen der lonenaustauschmembran und der Flächenelektrode angeordnet sein.
[0022] Die lonenaustauschmembran des erfindungsgemäßen Reaktors kann eine Protonenaustauschmembran
(PEM) sein. Vorzugsweise handelt es sich um eine Anionenaustauschmembran (AEM).
[0023] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Patentansprüchen,
der Beschreibung und den Zeichnungen.
[0024] Die in der Beschreibung genannten Vorteile von Merkmalen und von Kombinationen mehrerer
Merkmale sind lediglich beispielhaft und können alternativ oder kumulativ zur Wirkung
kommen, ohne dass die Vorteile zwingend von erfindungsgemäßen Ausführungsformen erzielt
werden müssen.
[0025] Hinsichtlich des Offenbarungsgehalts - nicht des Schutzbereichs - der ursprünglichen
Anmeldungsunterlagen und des Patents gilt Folgendes: Weitere Merkmale sind den Zeichnungen
- insbesondere den dargestellten Geometrien und den relativen Abmessungen mehrerer
Bauteile zueinander sowie deren relativer Anordnung und Wirkverbindung - zu entnehmen.
Die Kombination von Merkmalen unterschiedlicher Ausführungsformen der Erfindung oder
von Merkmalen unterschiedlicher Patentansprüche ist ebenfalls abweichend von den gewählten
Rückbeziehungen der Patentansprüche möglich und wird hiermit angeregt. Dies betrifft
auch solche Merkmale, die in separaten Zeichnungen dargestellt sind oder bei deren
Beschreibung genannt werden. Diese Merkmale können auch mit Merkmalen unterschiedlicher
Patentansprüche kombiniert werden. Ebenso können in den Patentansprüchen aufgeführte
Merkmale für weitere Ausführungsformen der Erfindung entfallen, was aber nicht für
die unabhängigen Patentansprüche des erteilten Patents gilt.
[0026] Die in den Patentansprüchen und der Beschreibung genannten Merkmale sind bezüglich
ihrer Anzahl so zu verstehen, dass genau diese Anzahl oder eine größere Anzahl als
die genannte Anzahl vorhanden ist, ohne dass es einer expliziten Verwendung des Adverbs
"mindestens" bedarf. Wenn also beispielsweise von einem Metallpulver die Rede ist,
ist dies so zu verstehen, dass genau ein Metallpulver, zwei Metallpulver oder mehr
Metallpulver verwendet werden. Die in den Patentansprüchen angeführten Merkmale können
durch weitere Merkmale ergänzt werden oder die einzigen Merkmale sein, die der Gegenstand
des jeweiligen Patentanspruchs aufweist.
[0027] Die in den Patentansprüchen enthaltenen Bezugszeichen stellen keine Beschränkung
des Umfangs der durch die Patentansprüche geschützten Gegenstände dar. Sie dienen
lediglich dem Zweck, die Patentansprüche leichter verständlich zu machen.
KURZBESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0028] Im Folgenden wird die Erfindung anhand in den Figuren dargestellter bevorzugter Ausführungsbeispiele
weiter erläutert und beschrieben.
- Fig. 1
- ist eine Draufsicht auf eine erfindungsgemäße Flächenelektrode.
- Fig. 2
- ist eine vergrößerte mikroskopische Abbildung eines Bereichs der Flächen-elektrode
gemäß Fig. 1.
- Fig. 3
- zeigt einen durch Lasersintern hergestellten Formkörper, von dem die Flächen-elektrode
gemäß den Fig. 1 und 2 durch Erodieren herausgetrennt wird.
- Fig. 4
- zeigt ein Stapelelement zur Ausbildung eines Reaktors für eine AEM-Analyse mit einer
Anionenaustauschmembran und einer Elektrode gemäß den Fig. 1 bis 3.
- Fig. 5
- zeigt eine Bipolarplatte als weiteres Stapelelement zur Ausbildung des Reaktors in
einer Draufsicht.
- Fig. 6
- zeigt die Bipolarplatte in einem diagonalen Querschnitt.
- Fig. 7
- ist eine Explosionszeichnung des Reaktors und
- Fig. 8
- zeigt ein Detail des zusammengebauten Reaktors.
FIGURENBESCHREIBUNG
[0029] Die in
Fig. 1 in einer Draufsicht gezeigte Flächenelektrode 1 ist für einen elektrochemischen Reaktor,
insbesondere zur Anionenaustauschmembran-(AEM-)Elektrolyse, vorgesehen und weist einen
durch zwei parallele Hauptflächen 2 und 3, von denen hier nur die Hauptfläche 2 sichtbar
ist, begrenzten zusammenhängenden metallischen Körper 4 auf. Der metallische Körper
4 weist eine gitterförmige Grundform auf, die aus der mikroskopischen Aufnahme gemäß
Fig. 2 näher hervorgeht. Die gitterförmige Grundform wird durch in derselben Gitterhauptebene
rechtwinklig zueinander verlaufende Gitterstäbe 5 und 6 ausgebildet, in deren Kreuzungspunkten
7 der metallische Körper 4 zwischen seinen Hauptflächen 2 und 3 nicht aufgedickt ist.
Zwischen den Gitterstäben 5 und 6 verbleiben Gaspassagen 8 mit rautenförmigen freien
Querschnitten, die in einem quadratischen Raster angeordnet sind. Die Kantenlängen
der Rauten sind hier ≥ 0,2 mm. Die Gaspassagen 8 begrenzende Innenoberflächen 9 des
metallischen Körpers 4 weisen sehr große geometrische Oberflächen 10 auf, die um einen
Faktor ≥ 200 gegenüber auf kürzestem Weg zwischen den Hauptflächen 2 und 3 durchlaufenden
virtuellen Vergleichsflächen vergrößert sind. Die Innenoberflächen 9 sind erkennbar
durch an die Gaspassagen 8 angrenzendes räumlich selektives Aufschmelzen eines Metallpulvers
ausgebildet. Fig. 1 zeigt, dass die Flächenelektrode 1 kreisrunde Außenabmessungen
aufweist und dass an dem metallischen Körper 4 eine längs der Hauptflächen 2 und 3
um eine zentrale Nutzfläche 11 der Flächenelektrode 1 herum umlaufende und einige
der Gaspassagen 8 gemäß Fig. 2 verschließende Dichtung 12 aus einem elastomeren Kunststoff
13 angespritzt ist. Aus Fig. 1 ist nicht sichtbar, dass die Dichtung 12 um die zentrale
Nutzfläche 11 herum umlaufend über beide Hauptflächen 2 und 3 normal zu den Hauptflächen
2 und 3 übersteht.
[0030] Fig. 3 zeigt einen zusammenhängenden Formkörper 14 auf einer Sockelplatte 15. Der Formkörper
14 ist durch schichtweises lokales, d. h. räumlich selektives Aufschmelzen von Metallpulver
in einem Pulverbett ausgebildet. Aus dem Formkörper 14 werden mehrere Flächenelektroden
1 durch Erodieren, insbesondere mittels Funkenerosion, längs der Hauptflächen 2 und
3 herausgetrennt. Der Abstand der parallelen Hauptflächen 2 und 3 beträgt dabei typischerweise
zwischen 0,4 mm und 0,7 mm. Das Pulverbett, in dem der Formkörper durch Lasersintern
ausgebildet wurde, weist eine Zusammensetzung weit überwiegend aus Nickel und/oder
Titan auf und Teilchengrößen unterhalb 200 µm, die ein Herauslösen der nicht aufgeschmolzenen
Anteile des Pulvers des Pulverbetts aus dem Formkörper 14 zumindest dann ermöglichen,
nachdem dieser durch Erodieren in die einzelnen Flächenelektroden 1 aufgeteilt wurde.
[0031] Fig. 4 ist eine Draufsicht auf ein Stapelelement 16 zur Ausbildung eines stapelförmigen
Reaktors für eine Anionenaustauschmembran-(AEM-)Elektrolyse und weist entsprechend
eine AEM 17 auf. Die AEM 17 ist innerhalb eines Isolierrahmens 18 angeordnet und schließt
gasdicht an den Isolierrahmen 18 an. In dem Isolierrahmen 18 sind Versorgungskanäle
19 und 20 ausgebildet. Auf beiden Seiten der AEM 17 ist jeweils eine Flächenelektrode
1 angeordnet. Die Flächenelektroden 1 weisen hier keine Dichtung 12 auf. Sie sind
innerhalb des Abdichtrahmens 18 angeordnet.
[0032] Die
Fig. 5 und 6 zeigen eine Bipolarplatte 21, die zur rückwärtigen Abstützung der Flächenelektroden
1 vorgesehen ist, um sie an die AEM 17 gemäß Fig. 4 anzudrücken. Die Bipolarplatten
21 bestehen aus einem elektrisch leitfähigen Kunststoff 22. Die Bipolarplatten 21
stützen die benachbarten Flächenelektroden 1 über Noppen 23 ab, zwischen denen Freiräume
24 verbleiben, die mit den Kanälen 19 bzw. 20 kommunizieren, um die an den Flächenelektroden
1 entwickelten Gase abzuführen bzw. zu elektrolysierendes Wasser zuzuführen.
[0033] Fig. 7 zeigt die in einem Reaktor 25 für AEM-Elektrolyse gestapelten Stapelelemente in Form
der Stapelelemente 16 gemäß Fig. 4 und der Bipolarplatten 21 gemäß den Fig. 5 und
6 sowie modifizierter Bipolarplatten 26 mit Stromanschlüssen 27 sowie Stapelendplatten
28. Die Stapelelemente 16, 21, 26 und 28 des Reaktors 25 werden durch hier nicht dargestellte
und durch Löcher 29 verlaufende Spannschrauben so gegeneinander verspannt, dass der
Reaktor in radialer Richtung gasdicht abgedichtet ist.
[0034] Das Detail gemäß
Fig. 8 zeigt die abgedichtet aneinander liegenden Stapelelemente bei dem zusammengebrauten
Reaktor 25.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0035]
- 1
- Flächenelektrode
- 2
- Hauptfläche
- 3
- Hauptfläche
- 4
- metallischer Körper
- 5
- Gitterstab
- 6
- Gitterstab
- 7
- Kreuzungspunkt
- 8
- Gaspassage
- 9
- Innenoberfläche
- 10
- Oberfläche
- 11
- Nutzfläche
- 12
- Dichtung
- 13
- elastomerer Kunststoff
- 14
- Formkörper
- 15
- Sockelplatte
- 16
- Stapelelement
- 17
- Anionenaustauschmembran (AEM)
- 18
- Isolierrahmen
- 19
- Versorgungskanal
- 20
- Versorgungskanal
- 21
- Bipolarplatte
- 22
- elektrisch leitfähiger Kunststoff
- 23
- Noppen
- 24
- Freiraum
- 25
- Reaktor
- 26
- Bipolarplatte mit Stromanschluss
- 27
- Stromanschluss
- 28
- Stapelendplatte
- 29
- Loch
1. Flächenelektrode (1) für einen elektrochemischen Reaktor (25), insbesondere zur Anionenaustauschmembran-(AEM-)Elektrolyse,
mit einem durch zwei parallele Hauptflächen (2, 3) begrenzten zusammenhängenden metallischen
Körper (4), wobei zwischen den Hauptflächen (2, 3) durchlaufende Gaspassagen (8) durch
den metallischen Körper (4) von Innenoberflächen (9) des metallischen Körpers (4)
begrenzt sind, dadurch gekennzeichnet, dass die die Gaspassagen (8) begrenzenden Innenoberflächen (9) des metallischen Körpers
(4) durch an die Gaspassagen (8) angrenzendes räumlich selektives Aufschmelzen eines
Metallpulvers ausgebildet sind.
2. Flächenelektrode (1) nach Anspruch 1, wobei die die Gaspassagen (8) begrenzenden Innenoberflächen (9) des metallischen Körpers
(4) gegenüber auf kürzestem Weg zwischen den Hauptflächen (2, 3) durchlaufenden Vergleichsflächen
eine um einen Faktor von mindestens 100 und insbesondere um einen Faktor zwischen
200 und 500 vergrößerte Oberfläche (10) aufweisen.
3. Flächenelektrode (1) nach Anspruch 1 oder 2,
wobei das Metallpulver
- eine mittlere Teilchengröße zwischen 20 µm und 100 µm und/oder
- Teilchengrößen von 0 µm bis 200 µm und/oder
- zu mindestens 40 Gewichtsprozent und vorzugsweise zu mindestens 75 Gewichtsprozent
Nickel und/oder
- zu mindestens 40 Gewichtsprozent und vorzugsweise zu mindestens 75 Gewichtsprozent
Titan und/oder
- zu nicht mehr als 5 Gewichtsprozent und vorzugsweise zu nicht mehr als 1 Gewichtsprozent
ferritische Bestandteile
aufweist.
4. Flächenelektrode (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die die Gaspassagen (8) begrenzenden Innenoberflächen (9) des metallischen Körpers
(4) durch an die Gaspassagen (8) angrenzendes Lasersintern des Metallpulvers in einem
Pulverbett ausgebildet sind.
5. Flächenelektrode (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei mindestens eine der längs der Hauptflächen (2, 3) verlaufenden Außenoberflächen des
metallischen Körpers (4) mit Sägen oder Erodieren eines zusammenhängenden Formkörpers
(14) ausgebildet ist, der durch in Richtung normal zu den Hauptflächen (2, 3) schichtweises
lokales räumlich selektives Aufschmelzen des Metallpulvers ausgebildet ist.
6. Flächenelektrode (1) nach Anspruch 5, wobei die andere der längs der Hauptflächen (2, 3) verlaufenden Außenoberflächen des metallischen
Körpers (4) durch an die jeweilige Hauptfläche angrenzendes räumlich selektives Aufschmelzen
des Metallpulvers ausgebildet ist.
7. Flächenelektrode (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei
- ein freies Volumen der Gaspassagen (8) zwischen 50 Prozent und 80 Prozent eines
Zwischenraums zwischen den Hauptflächen (2, 3) ausmacht und/oder
- freie Querschnitte der Gaspassagen (8) gleiche quadratische Grundformen aufweisen
und/oder
- die Gaspassagen (8) längs der Hauptflächen (2, 3) in einem quadratischen Raster
angeordnet sind und/oder
- freie Querschnitte der Gaspassagen (8) Durchmesser zwischen 0,2 mm und 4 mm und
vorzugsweise zwischen 0,3 mm und 1 mm aufweisen.
8. Flächenelektrode (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei ein Abstand zwischen den Hauptflächen (2, 3) zwischen 0,2 mm und 4 mm und vorzugsweise
zwischen 0,4 mm und 0,7 mm beträgt.
9. Flächenelektrode (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der metallische Körper (4) längs der Hauptflächen (2, 3)
- eine Nutzfläche (11) zwischen 3 cm2 und 400 cm2 und vorzugsweise zwischen 10 cm2 und 200 cm2 und/oder
- abgerundete und vorzugsweise kreisförmige Außenabmessungen
aufweist.
10. Flächenelektrode (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei an den metallischen Körper (4) eine längs der Hauptflächen (2, 3) um eine zentrale
Nutzfläche (11) der Flächenelektrode (1) herum umlaufende und einige der Gaspassagen
(8) gasdicht verschließende Dichtung (12) aus einem elastomeren Kunststoff (13) angespritzt
ist, die vorzugsweise um die zentrale Nutzfläche (11) herum umlaufend über beide Hauptflächen
(2, 3) übersteht.
11. Elektrochemischer Reaktor (25), insbesondere zur Anionenaustauschmembran-(AEM-) Elektrolyse,
mit
- einer Anionenaustauschmembran (EAM) (17),
- einer Bipolarplatte (21) auf mindestens einer Seite der Anionenaustauschmembran
(EAM) (17) und
- mit einer Flächenelektrode (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche zwischen
der Anionenaustauschmembran (EAM) (17) und der Bipolarplatte (21) .
12. Reaktor (25) nach Anspruch 11, wobei die Bipolarplatte (21) der Flächenelektrode (1) zugewandte Noppen (23) aufweist.
13. Reaktor (25) nach Anspruch 12,
wobei die Noppen (23)
- einen Durchmesser zwischen 0,8 mm und 5 mm und/oder eine Länge von 0,3 mm bis 4
mm und/oder
- eine Streckung normal zu den Hauptflächen (2, 3) der Flächenelektrode (1) zwischen
0,25: 1 und 2 : 1 aufweisen.
14. Reaktor (25) nach Anspruch 12 oder 13, wobei eine Summe von Stirnflächen der der Flächenelektrode (1) zugewandten Noppen (23)
der Bipolarplatte zwischen 5 und 40 Prozent der Fläche der Flächenelektrode (1) beträgt.
15. Reaktor (25) nach einem der Ansprüche 11 bis 14,
wobei
- ein Rand der Anionenaustauschmembran (EAM) (17) in eine umlaufende Dichtung eingebettet
ist und die Anionenaustauschmembran (EAM) (17) mit der umlaufenden Dichtung abdichtend
in einem Isolierrahmen (18) angeordnet ist,
- an den metallischen Körper (4) der Flächenelektrode (1) eine umlaufende Dichtung
(12) angespritzt ist, die zwischen dem Isolierrahmen (18) und einem umlaufenden Dichtrand
der Bipolarplatte angeordnet ist, oder wobei die Flächenelektrode (1) ebenfalls in
dem Isolierrahmen (18) angeordnet ist, und
- wobei, optional, eine Diffusionsschicht zwischen der Anionenaustauschmembran (EAM)
(17) und der Flächenelektrode (1) angeordnet ist.