[0001] Die Erfindung betrifft eine Rohrkokille zum Erzeugen eines Rohrstrangs aus Metall
in einer Stranggießanlage. Darüber hinaus betrifft die Erfindung Verfahren zum Gießen
des Rohrstrangs.
[0002] Figur 8 zeigt den Aufbau einer klassischen Rohrkokille 100, wie sie auch traditionell
schon zur Herstellung von Rohrsträngen verwendet wird. Sie besteht im Wesentlichen
aus einem Rohrkokillenhohlkörper 110 mit einem in diesen hineinragenden Dorn 120 zum
Gießen des Rohrstranges 50. Die Gießrichtung ist mit dem Bezugszeichen G bezeichnet.
Die Rohrkokille 100 wird zum Gießen des Rohrstranges mit flüssiger Metallschmelze
gefüllt, wobei die Metallschmelze zunächst in einer Pfanne 20 vorgehalten wird, von
der Pfanne in einen Zwischenbehälter 30 geleitet wird und schließlich von dem Zwischenbehälter
über ein Tauchrohr 40 seitlich des Dorns 120 in die Rohrkokille 100 geleitet wird.
[0003] Bekannte Rohrkokillen zum Gießen von Hohlkörpern sehen zum Teil eine Innenkühlung
in Form einer Spritzkühlung vor, wobei an den Dorn eine Spritzkühlung mit Düsen, durch
die Wasser auf die Innenseite des Rohrstranges gespritzt wird, angeflanscht sein kann.
Diese Art der Kühlung ist zwar effizient, bringt aber das Problem mit sich, dass der
dabei entstehende Dampf aufwändig abgeführt werden muss. Sicherheitstechnisch besteht
das Problem, dass im Fall eines Durchbruchs nach Innen im Innenraum des gegossenen
Rohrstrangs eine Knallgasexplosion stattfinden kann, die zu erheblichen Schäden an
der Stranggießanlage führen kann und eine starke Gefährdung für die Bedienmannschaften
darstellt.
[0004] Die deutsche Auslegeschrift 1136797 offenbart eine Rohrkokille gemäß dem Oberbegriff
des Patentanspruchs 1 zum Erzeugen eines Rohrstrangs aus Metall in einer Stranggießanlage.
Konkret weist die dort offenbarte Rohrkokille einen Rohrkokillenhohlkörper mit einem
oberen Eingießbereich für eine Metallschmelze und einem unteren Austrittsbereich für
den Rohrstrang auf. Der Eingießbereich der Rohrkokille ist gegenüber dem Innendurchmesser
des Rohrkokillenhohlkörpers, der dem Außendurchmesser des zu gießenden Rohrstranges
entspricht, verbreitert ausgebildet. In den Eingießbereich des Rohrkokillenhohlkörpers
ragt ein Dorn hinein, der eine Innenkühlung aufweist, und der eine exzentrische Bewegung
ausführen kann.
[0005] Ausgehend von diesem Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
eine bekannte Rohrkokille mit einem bereits erweiterten Eingießbereich dahingehend
weiterzubilden, dass das Eingießen einer Metallschmelze noch weiter erleichtert wird.
Außerdem ist es die Aufgabe der Erfindung, bekannte Verfahren zum Gießen eines Rohrstrangs
dahingehend weiterzubilden, dass die Herstellung des Rohrstrangs in der Kokille verbessert
wird.
[0006] Diese Aufgabe wird bezüglich der Rohrkokille durch den Gegenstand des Patentanspruchs
1 gelöst.
[0007] Durch die beanspruchte Ausbildung der Innenkontur des Rohrkokillenhohlkörpers im
Eingießbereich in Form einer Ellipse wird dort zunächst eine erste Erweiterung des
Ringspaltes zwischen dem Rohrkokillenhohlkörper und dem Dorn realisiert. Darüber hinaus
wird der Dorn im Eingießbereich mit einer im Querschnitt senkrecht zur Gießrichtung
elliptischen Außenkontur beansprucht, wobei die Hauptachsen der beiden Ellipsen um
den Winkel α >0° gegeneinander verdreht sind. Auf diese Weise wird erfindungsgemäß
im Eingießbereich eine zweite Erweiterung des Ringspaltes realisiert. Insofern ist
der Ringspalt bei der vorliegenden Erfindung doppelt erweitert. Anders ausgedrückt:
Die Leitidee der Erfindung ist nicht das Eingiessen von Metallschmelze in eine elliptische
Form, sondern das Eingiessen in einen erweiterten Ringspalt zwischen zwei Formen,
d.h. zwischen dem Rohrkokillenhohlkörper und dem Dorn in ihrer jeweils beanspruchten
Ausgestaltung. Diese doppelte Erweiterung wird durch das Verdrehen der beiden Ellipsen
gegeneinander geschaffen. Der Winkel α bemisst sich z.B. zwischen den beiden Hauptachsen
der beiden Ellipsen.
[0008] Der erfindungsgemäß erweiterte Eingießbereich für die Metallschmelze ermöglicht vorteilhafterweise
einen sicheren und erleichterten Einguss der Metallschmelze in die Rohrkokille. Es
können deshalb vorteilhafterweise Rohrstränge mit dünnerer Wandstärke stranggegossen
werden, als dies noch im Stand der Technik möglich war. Die beanspruchte vorzugsweise
doppelt-ellipsenförmige Ausgestaltung des Eingießbereiches ermöglicht vorteilhafterweise
das Eintauchen eines oder sogar zweier Tauchrohre, da die beanspruchte Ausbildung
einer einzigen Ellipse oder die beanspruchte Verdrehung der beiden Ellipsen zueinander
an zwei Stellen den Eingießbereich vergrößert. In den um den Winkel α verdrehten Richtungen
wird der Eingießbereich verjüngt bzw. verengt. Anders ausgedrückt: Der Abstand zwischen
dem innenliegenden Dorn und der äußeren Kokille wird erhöht, wodurch der lokal erweiterte
Eingießbereich gebildet wird. Dadurch entsteht zunächst im Eingießbereich ein Rohrstrang
mit in Umfangsrichtung unterschiedlichen Wandstärken; dies ist jedoch im Eingießbereich
für die gleichmäßige Erstarrung der Schmelze vernachlässigbar, da die sich zunächst
bildende Strangschale des zu gießenden Rohrstranges im Eingießbereich oder kurz dahinter
noch sehr dünn und weich, d.h. noch verformbar ist.
[0009] Der Begriff "Metall" meint insbesondere Stahl, schließt aber auch Nichteisenmetalle
wie Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zinn und Zink etc. sowie Legierungen dieser Metalle
alternativ mit ein.
[0010] Der Begriff "Rohrstrang" meint einen Gießstrang in Form eines Rohres.
[0011] Der Begriff "elliptisch" steht repräsentativ für beliebige 2-dimensionale geometrische
Formen, die in einer Längsrichtung länger ausgebildet sind als quer dazu. Beispiele
sind Rechtecke, eiförmige Umrisse. Der Begriff ist nicht auf seine strenge mathematische
Definition beschränkt.
[0012] Der Begriff "kontinuierlich" bedeutet ein Gießen von einem theoretisch endlos langen
Strang, bzw. dass die Stranggießanlage entsprechend ausgebildet ist; insbesondere
ist die Länge des Strangs nicht durch die Konfiguration der Stranggießanlage begrenzt.
Demgegenüber meint "halbkontinuierlich", das Gießen eines in seiner Länge durch die
Konfiguration der Stranggießanlage begrenzten Strangs.
[0013] Die beanspruchte Rohrkokille ermöglicht vorteilhafterweise die Herstellung von Rohrsträngen
in einem kontinuierlichen Stranggießbetrieb mittels der besagten Stranggießanlage.
Die beanspruchte Rohrkokille ist betriebswirtschaftlich und im Hinblick auf die Qualität
der gegossenen Rohrstrange vorteilhaft gegenüber dem Stand der Technik.
[0014] Die Innenkontur des Rohrkokillenhohlkörpers in dessen Austrittsbereich bildet die
Außenkontur des gegossenen Rohrstranges. Die Außenkontur des Dorns an der Stelle seines
größten Umfangs prägt die Innenkontur und insbesondere den Innendurchmesser des gegossenen
Rohrstranges.
[0015] Gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung gewährleistet eine konzentrische Ausprägung
der Innenkontur des Rohrkokillenhohlkörpers in dessen Austrittsbereich und der Außenkontur
des Dorns an dessen dem Austrittsbereich des Rohrkokillenhohlkörpers zugewandten Ende
vorteilhafterweise, dass die Wandstärke des Rohrstrangs in Umfangsrichtung gleichmäßig
ausgebildet ist. Dies gilt, obwohl die Wandstärke des Rohrstrangs im Eingießbereich
des Rohrkokillenhohlkörpers aufgrund der beanspruchten Ausgestaltung mit den unterschiedlichen
Ellipsen bei der Außenseite des Dorns und der Innenseite Rohrkokillenhohlkörper nicht
konstant ist. Die gleichmäßige Wandstärke gilt für beliebige ringförmige Querschnitte
des Ringspaltes bzw. Rohrstrangs im Austrittsbereich der Rohrkokille. Die gleichmäßige
Verteilung der Wandstärke in Umfangsrichtung kann insbesondere realisiert werden für
eine Kreis-konzentrische Ausgestaltungen der besagten Innenkontur und der besagten
Außenkontur relativ zueinander im Austrittsbereich wie auch für ellipsen-konzentrische
Ausgestaltungen der besagten Innenkontur und der besagten Außenkontur relativ zueinander.
Im Falle der konzentrischen Ausgestaltung des Austrittsquerschnitts der Kokille mit
Dorn findet über die Kokillenlänge die Verformung des Rohrstranges von einem durch
die beiden gegeneinander verdrehten Ellipsen zu einem z.B. durch zwei konzentrische
Kreise gebildeten Querschnitte statt, wobei diese Verformung dem Schrumpf infolge
Abkühlung der beiden (inneren und äußeren) Strangschalen folgt.
[0016] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel der Erfindung ist ein erster Kühlkreislauf
vorgesehen zum Kühlen des Dorns in seinem Innern. Der so gekühlte Dorn absorbiert
Wärme von dem ihn umgebenden Rohrstrang. Der Temperaturunterschied zwischen der inneren
Oberfläche/Strangschale des gegossenen Rohrstranges und der äußeren Oberfläche des
gekühlten Dorns ermöglicht eine hinreichend effektive Wärmeabfuhr von der inneren
(Strang-) Oberfläche des gegossenen Rohrstranges mittels Wärmeleitung und Strahlung
auf den gekühlten Dorn.
[0017] Erfindungsgemäß ist ein zweiter Kühlkreislauf vorgesehen zur Kühlung des optional
vorhandenen mindestens einen Kühlkörpers. Auch die gekühlte Oberfläche des Kühlkörpers
trägt zur gewünschten Kühlung und Erstarrung des gegossenen Rohrstrangs an dessen
inneren Oberfläche/Strangschale bei. In Kombination mit dem gekühlten Dorn, wird dessen
Kühlwirkung verstärkt. Der erste und der zweite Kühlkreislauf können - müssen aber
nicht - gleichzeitig betrieben werden. Bei dem ersten und dem zweiten Kühlkreislauf
kann es sich um ein und denselben Kühlkreislauf handeln, in dem ein einziges Kühlmedium
fließt. Die Kühlkanäle in dem Dorn und ggf. in dem mindestens einen Kühlkörper sind
dann fluidleitend miteinander verbunden.
[0018] Der mindestens eine Kühlkörper wird vorzugsweise fest oder beweglich an das untere
Ende des Dorns angehangen und stellt insofern eine optionale Dornverlängerung dar.
Der maximale Außendurchmesser des Kühlkörpers ist kleiner oder gleich dem Außendurchmesser
des Dorns an seinem dem Austritt der Rohrkokille zugewandten Ende, d.h. vorzugsweise
kleiner als der Innendurchmesser des zu gießenden Rohrstranges. Aufgrund der besagten
Relation der Außendurchmesser wird insbesondere eine weitgehend kontaktlose Kühlung
des gegossenen Rohrstranges in seinem Innern durch den Kühlkörper ermöglicht. Um die
Reibung zwischen der inneren Oberfläche des gegossenen Rohrstranges und der Außenseite
bzw. Oberfläche des Dorns und/oder des Kühlkörpers nicht zu stark werden zu lassen,
ist der Dorn und/oder der an den Dorn angehangene Kühlkörper vorzugsweise konisch
mit einem verjüngten Ende ausgebildet. Der konische Kühlkörper ist derart an das untere
Ende des Dorns angehangen, dass das breitere Ende des konischen Kühlkörpers in Richtung
des Austrittsbereichs der Rohrkokille zeigt, weil der Kühlkörper hier beispielhaft
in Gießrichtung über den Austrittsbereich der Kokille hinausragt. Mehrere Kühlkörper
können in Form einer Kette hintereinander gehangen werden. Die Kette kann dann an
das untere, d.h. dem Austrittsbereich des Rohrkokillenhohlkörpers zugewandte Ende
des Dorns angehangen werden / sein.
[0019] Durch die besagte konische Ausbildung des Dorns und/oder des angehangenen Kühlkörpers
ergibt sich vorteilhafterweise ein Spalt zwischen der Strangschale an der inneren
Oberfläche des gegossenen Rohrstranges und dem Kühlkörper bzw. dem Dorn. Dieser Spalt
kann vorteilhafterweise mit einem Schutzgas, z.B. Stickstoff oder einem Edelgas wie
Argon oder Helium geflutet werden, wodurch vorteilhafterweise eine nur reduzierte
Oxidation eintritt. Zum Eintrag des Schutzgases in den besagten Spalt ist in dem Dorn
und vorzugsweise auch in dem Kühlkörper eine durchgängige Leitung für das Schutzgas
ausgebildet, welche an eine Schutzgasquelle anschließbar ist. In dem Dorn und/oder
in dem Kühlkörper ist mindestens eine Austrittsöffnung für das Schutzgas zum Austreten
in den besagten ausgebildeten Spalt, insbesondere Ringspalt, ausgebildet.
[0020] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel ist der Dorn und/oder der mindestens eine
Kühlkörper an seiner Außenseite mit Grafit beschichtet, um bei einem Kontakt mit der
inneren Strangschale des gegossenen Rohrstranges eine Art Notlaufeigenschaft bzw.
Schmierung sicher zu stellen. Durch eine solche Beschichtung kann der Spalt zwischen
innerer Strangschale und dem Kühlkörper minimiert werden und gegebenenfalls entfallen.
[0021] Des Weiteren wird vorgeschlagen, eine Dorn-Oszillationseinrichtung und/oder eine
Hohlkörper-Oszillationseinrichtung vorzusehen. Erstgenannte dient zum Oszillieren
des Dorns und des gegebenenfalls angehangenen mindestens einen Kühlkörpers in Gießrichtung.
Letztgenannte dient zum Oszillieren des Rohrkokillenhohlkörpers in Gießrichtung. Erfindungsgemäß
arbeiten die beiden Oszillationseinrichtungen vorzugsweise unabhängig voneinander.
Dies ist deshalb vorteilhaft, weil die Schmierbedingungen zwischen der Außenseite
des zu gießenden Rohrstranges und der Innenseite des Rohrkokillenhohlkörpers (erste
Kontaktfläche) einerseits sowie zwischen der Innenseite des zu gießenden Rohrstranges
und der äußeren Oberfläche des Dorns (zweite Kontaktfläche) andererseits sehr unterschiedlich
sein können. Die Schmierbedingungen an beiden Kontaktflächen werden zwar wesentlich
durch eingetragenes Gießpulver oder Gieß-Öl bestimmt; allerdings können aufgrund unterschiedlicher
Strömungsbedingungen der Metallschmelze an beiden Kontaktflächen die dortigen Schmierbedingen
- wie gesagt - sehr unterschiedlich sein.
[0022] Die erfindungsgemäß vorzugsweise unabhängigen Oszillationen des Dorns und des Rohrkokillenhohlkörpers
ermöglichen es, Parameter der Oszillationen an die Schmierbedingungen an bzw. in den
jeweiligen Kontaktflächen individuell anzupassen und so insgesamt optimierte Bedingungen
für die Strangschmierung zu realisieren.
[0023] Bei den Oszillationsparametern für den Rohrkokillenhohlkörper und den Dorn kann es
sich beispielsweise um den Hub, d.h. die Amplitude, die Frequenz oder die Schwingungsform
handeln. Diese Oszillationsparameter können erfindungsgemäß für den Dorn und die Kokille
unabhängig voneinander zur Optimierung der Schmierbedingungen in den jeweiligen Kontaktflächen
eingestellt werden. Auch eine Phasenverschiebung zwischen der Hohlkörperoszillation
und der Dornoszillation ist denkbar. Ebenso kann die Oszillation des Dorns zum Beispiel
angehalten und die Kokillenoszillation fortgesetzt werden und umgekehrt. Dies ermöglicht
einen weiteren Freiheitsgrad für verschiedene Gießprozesssituationen, wie z. B. beim
Angießen bzw. beim Gießbeginn, beim sogenannten Verbundguss oder beim kontrollierten
Gießende sowie in Störungsfällen. Zu diesem Zweck ist die Dornoszillation bezüglich
der Antriebstechnik, der Steuerung bzw. Regelung und der mechanischen Führung vorzugsweise
völlig unabhängig von der Hohlkörperoszillation aufgebaut.
[0024] Gemäß einem Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung hat der Kokillenhohlkörper
der Rohrkokille in seinem Austrittsbereich einen Innendurchmesser von mindestens 350mm.
Das ermöglicht das Gießen eines Rohrstrangs mit einem Außendurchmesser von mindestens
350mm.
[0025] Außendurchmesser ab dieser Größe haben für das erfindungsgemäße Gießen mit der Rohrkokille
den Vorteil, dass ab diesen Außendurchmessern auch bei relativ geringen Wandstärken
eine für eine industrielle Produktion ausreichende Produktivität sichergestellt werden
kann. Der relativ große Außendurchmesser stellt in Verbindung mit einer relativ geringen
Wandstärke von z.B. 50mm sicher, dass der gegossene Rohrstrang auch bei hohen Gießgeschwindigkeiten
nur eine relative geringe metallurgische Länge aufweist. Durch diese relative geringe
metallurgische Länge und die dadurch nur begrenzte notwendige Länge des Dorns wird
die Anlagenkomplexität reduziert wird und ein sicheres Hohlgießen ermöglicht.
[0026] Gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel liegt das Verhältnis des Innendurchmessers
des Kokillenhohlkörpers, d.h. des Außendurchmessers des gegossenen Rohrstrangs, zu
dem radialen Abstand zwischen der Innenseite des Kokillenhohlkörpers und der Außenseite
des Dorns, d.h. zu der Wandstärke des gegossenen Rohrstrangs, im Austrittsbereich
der Rohrkokille in einem Bereich zwischen 1:4 bis 1:25, vorzugsweise zwischen 1:8
bis 1:12. Das ermöglicht das Gießen eines Rohrstrangs mit einem Verhältnis von Außendurchmesser
zu Wanddicke zwischen 1:4 bis 1:25, vorzugsweise 1:8 bis 1:12. Das hat den Vorteil,
dass für eine etwaige Umformung in einem nachfolgenden Walzprozess, noch eine ausreichende
Wanddicke aus dem Gießprozess zur Verfügung steht.
[0027] Bei der Stranggießanlage mit der erfindungsgemäßen Rohrkokille zum Gießen eines Rohrstranges
kann es sich entweder um eine reine Vertikalanlage, bei der der Rohrstrang bis zu
seiner Durcherstarrung in der Vertikalen geführt wird, oder um eine bogenförmige Stranggießanlage
handeln.
[0028] Die oben genannte Aufgabe wird weiterhin durch Verfahren zum Gießen eines Rohrstrangs
gemäß den Ansprüchen 17 und 21 gelöst. Die Vorteile dieser Lösungen entsprechen zum
einen den zuvor mit Bezug auf die Rohrkokille genannten Vorteilen. Zum anderen verbessert
aber die beanspruchte vorzugsweise unabhängige Oszillation von dem Rohrkokillenhohlkörper
und von dem Dorn die Schmierung des frisch gegossenen Rohrstrangs in der Rohrkokille
und erleichtert so dessen Herstellung. Auch die alternativ oder zusätzlich beanspruchte
interne Kühlung des Dorns und der an diesen optional angehangenen Kühlkörper begünstigt
die Kühlung des Rohrstrangs in der Rohrkokille und damit die Herstellung des Rohrstrangs.
[0029] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung der abhängigen Ansprüche.
[0030] Der Erfindung sind 8 Figuren beigefügt, wobei
- Figur 1
- ein erstes Ausführungsbeispiel für eine Stranggießanlage mit der erfindungsgemäßen
Rohrkokille;
- Figur 2
- einen Querschnitt durch den Eingießbereich der erfindungsgemäßen Rohrkokille;
- Figur 3
- einen Längsschnitt durch den Austrittsbereich der erfindungsgemäßen Rohrkokille;
- Figur 4
- ein zweites Ausführungsbeispiel für die erfindungsgemäße Rohrkokille;
- Figur 5
- ein drittes Ausführungsbeispiel für die erfindungsgemäße Rohrkokille;
- Figur 6
- einen horizontalen Querschnitt durch den gegossenen Rohrstrang im Austrittsbereich
der Rohrkokille;
- Figur 7
- eine Kokillen- bzw. Hohlkörperoszillation im Vergleich zu einer Dornoszillation; und
- Figur 8
- eine Stranggießanlage für eine Rohrkokille gemäß dem Stand der Technik
zeigt.
[0031] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die genannten Figuren 1 - 7 in
Form von Ausführungsbeispielen detailliert beschrieben. In allen Figuren sind gleiche
technische Elemente mit gleichen Bezugszeichen bezeichnet. Die nachfolgend genannten
Ausführungsbeispiele können nicht nur einzeln, sondern auch in Kombination miteinander
betrieben werden.
[0032] Die Figur 1 zeigt eine Rohrkokille 100 gemäß der vorliegenden Erfindung zum Erzeugen
eines Rohrstrangs 50 aus Metall in einer Stranggießanlage, wie sie einleitend unter
Bezugnahme auf Figur 7 beschrieben wurde.
[0033] Die Rohrkokille 100 besteht aus einem Rohrkokillenhohlkörper 110 mit einem ringförmigen
Querschnitt über seiner gesamten Höhe. Er verfügt über einen oberen Eingießbereich
112 zum Eingießen einer Schmelze eines Metalls und über einen unteren Austrittsbereich
114 für den frisch gegossenen und noch nicht durcherstarrten Rohrstrang 50. Neben
dem Rohrkokillenhohlkörper 110 weist die Rohrkokille 100 zumindest einen in den Eingießbereich
112 hineinragenden Dorn 120 auf. Zwischen der Innenseite des Rohrkokillenhohlkörpers
110 und der äußeren Oberfläche des Dorns 120 ist ein Ringspalt ausgebildet, in dem
sich bei Befüllung mit flüssiger Metallschmelze der zu gießende Rohrstrang ausbildet.
Der Ringspalt und der Rohrstrang werden der Einfachheit halber gleichermaßen mit dem
Bezugszeichen 50 bezeichnet.
[0034] Figur 2 zeigt einen Querschnitt durch den Eingießbereich 112 des Rohrkokillenhohlkörpers
110 quer zur Gießrichtung G. Dabei ist die Innenkontur des ringförmigen Querschnitts
des Rohrkokillenhohlkörpers 110 - und damit die äußere Begrenzung des Ringspaltes
50 - in Form einer ersten Ellipse ausgestaltet und mit dem Bezugszeichen a bezeichnet.
Die Außenkontur des Dorns 120 ist an dessen Stelle mit dem größten Durchmesser in
dem Eingießbereich 112 erfindungsgemäß in Form einer zweiten Ellipse ausgebildet und
mit dem Bezugszeichen b bezeichnet. Zwischen den Konturen a, b befindet sich der Ringspalt
50 zum Eingießen der Metallschmelze. Die Innenkontur des Rohrkokillenhohlkörpers 110
bildet die äußere Begrenzung des Ringspaltes bzw. des Eingießbereiches 112. Die Außenkontur
des Querschnitts durch den Dorn 120 an dessen Stelle mit dem größten Durchmesser bildet
die innere Begrenzung des Ringspaltes. In dem Ringspalt 112 erstarrt die eingegossene
Metallschmelze in Gießrichtung G zunehmend und so bildet sich der gewünschte Rohrstrang
mit den Strangschalen an seiner Außenseite und an seiner Innenseite aus.
[0035] Zur Verdeutlichung der Ellipsenformen sind die Haupt- und Nebenachsen der Ellipsen
in Fig. 2 jeweils mit Bezugszeichen bezeichnet. Die Hauptachse der ersten Ellipse
a ist mit dem Bezugszeichen a.1 und deren Nebenachse mit dem Bezugszeichen a.2 bezeichnet;
es gilt: a.1 > a.2. Analog ist die Hauptachse der kleineren zweiten Ellipse b mit
dem Bezugszeichen b.1 und deren Nebenachse mit b.2 bezeichnet; es gilt: b.1 > b.2.
Die Hauptachse b.1 der zweiten Ellipse b ist zu der Hauptachse a.1 der ersten Ellipse
a um einen Winkel α, hier beispielsweise α= 90°, gedreht. Beliebige andere Winkel
α mit 0° < α ≤ 90°, beispielsweise 40° ≤ α ≤ 90°, vorzugsweise 80° ≤ α ≤ 90°sind denkbar.
Insofern sind auch die beiden Ellipsen a und b um den Winkel α zueinander verdreht.
Gleichzeitig ist die Nebenachse a.2 der größeren ersten Ellipse a größer als die Hauptachse
b.1 der zweiten Ellipse b. Bezüglich der Vorteile dieser erfindungsgemäßen Ausgestaltung
des Eingießbereiches wird auf die obigen Ausführungen im allgemeinen Teil der Beschreibung
verwiesen.
[0036] Bei seinem Durchgang durch die Rohrkokille 100 unterliegt der frischgegossene Rohrstrang
50 mit seiner erst langsam erstarrenden inneren und äußeren Strangschale einem Schrumpf
von ca. 1% in seiner Umfangslänge. Dem trägt die Geometrie der Rohrkokille 100 Rechnung,
indem sich ihre Innenseite - dem Schrumpf des zunehmend erstarrenden Metalls folgend
- in Gießrichtung G von dem Eingießbereich 112 zum Austrittsbereich 114 der Rohrkokille
hin verjüngt; siehe den Längsschnitt durch die Rohrkokille 100 gemäß Figur 3. Der
genaue Schrumpf und die örtliche Verteilung des Schrumpfes über die Kokillenlänge
ist von den Gießbedingungen und der Stahlgüte abhängig.
[0037] Für den lichten radialen Abstand D zwischen dem Außendurchmesser des Dorns (120)
und der Innenseite des Rohrkokillenhohlkörpers (110) im Eingießbereich, insbesondere
auf Höhe des Badspiegels, gilt: 50mm < D < 90 mm.
[0038] Die Innenkontur 111 des Rohrkokillenhohlkörpers 110 verändert sich in Gießrichtung
G nicht nur zwecks Anpassung an das schrumpfende Metall, sondern auch zwecks Erreichung
einer in Umfangsrichtung vorzugsweise konstanten Verteilung der Wandstärke d des Rohrstrangs
50 bei einer gewünschten geometrischen Querschnittsform des Rohrstrangs 50 im Austrittsbereich
114 des Rohrkokillenhohlkörpers 110.
[0039] Erfindungsgemäß geht die Innenkontur 111 des Rohrkokillenhohlkörpers 110 von ihrer
elliptischen Ausprägung im Eingießbereich 112 in Gießrichtung G kontinuierlich in
eine elliptische Ausprägung mit kleinerer Hauptachse im Vergleich zu dem Eingangsbereich
112 oder in eine kreisförmige Ausprägung im Austrittsbereich 114 über. Zusätzlich
geht erfindungsgemäß auch die Außenkontur 121 des Dorns 120 von ihrer elliptischen
Ausprägung an dem dem Eingießbereich 112 der Rohrkokille 100 zugewandten Ende des
Dorns 120 in Gießrichtung G kontinuierlich in eine elliptische Ausprägung mit kleinerer
Hauptachse im Vergleich zu dem Eingangsbereich oder in eine kreisförmige Ausprägung
an dem dem Austrittsbereich 114 der Rohrkokille 100 zugewandten Ende des Dorns 120
oder des Kühlkörpers über; siehe Fig. 6.
[0040] In Figur 1 ist weiterhin zu erkennen, dass an das dem Austrittsbereich 114 zugewandte
Ende des Dorns 120 beispielhaft drei Kühlkörper 140-1, 140-2 und 140-3 in Form einer
Kette angehangen sind. Der Dorn 120 selber sowie vorzugsweise auch zumindest einzelne
der Kühlkörper sind von einem durchgängigen Kühlkanal 132 durchzogen, der an einen
Kühlkreislauf 130 angeschlossen ist. In dem Kühlkreislauf und den Kühlkanälen fließt
ein Kühlmedium, mit dem der Dorn und vorzugsweise auch die Kühlkörper 140-1, 140-2,
140-3 von innen gekühlt werden. Das Kühlmedium tritt nicht nach außerhalb des Dorns
oder der Kühlkörper aus. Mit dem Kühlmedium werden der Dorn und die Kühlkörper von
innen gekühlt. Der auf diese Weise abgekühlte Dorn und die abgekühlten Kühlkörper
sind geeignet, Umgebungswärme, die von der Innenwand des umgebenden frischgegossenen
Rohrstrangs abstrahlt, zu absorbieren und auf diese Weise den umgebenden Rohrstrang
50 von innen her zu kühlen.
[0041] Der maximale Außendurchmesser DK des Kühlkörpers ist vorzugsweise kleiner oder gleich
dem Außendurchmesser DD des Dorns an seinem dem Austritt 114 der Rohrkokille zugewandten
Ende, d.h. insbesondere dem Innendurchmesser des zu gießenden Rohrstranges. Bezüglich
der damit verbundenen Vorteile wird auf den allgemeinen Teil der Beschreibung weiter
oben verwiesen.
[0042] Figur 4 zeigt ein zweites Ausführungsbeispiel für die erfindungsgemäße Rohrkokille.
Es unterscheidet sich von dem ersten Ausführungsbeispiel, wie es in der Figur 1 dargestellt
ist, lediglich dadurch, dass hier eine Schutzgasquelle 150 vorgesehen ist zum Bereitstellen
von Schutzgas, welches über eine Leitung 152 in den Dorn 120 und optional auch in
die daran angehangenen Kühlkörper 140 eingeleitet werden kann. Insbesondere an seinem
unteren, dem Austrittsbereich 114 der Rohrkokille 100 zugewandten Ende sind Austrittsöffnungen
154 vorgesehen für das Schutzgas zum Austreten aus dem Dorn 120. Alternativ oder zusätzlich
zu dem Dorn 120 können auch in den Kühlkörpern 140 Leitungen 152 und Austrittsöffnungen
für das Schutzgas vorgesehen sein (in Fig. 4 nicht gezeigt). Das aus den Austrittsöffnungen
154 austretende Schutzgas breitet sich in dem dort befindlichen Ringspalt zwischen
dem verjüngten Dorn und der Innenwandung des frisch gegossenen Rohrstrangs 50, die
im unteren Bereich des Dorns 120 keinen Kontakt haben, sowie generell in dem weiter
unten befindlichen inneren Hohlraum des gegossenen Rohrstrangs aus und bewirkt dort
eine reduzierte Oxidation.
[0043] Figur 5 zeigt schließlich ein drittes Ausführungsbeispiel für die vorliegende Erfindung,
welches darin besteht, dass neben der Hohlkörper-Oszillationseinrichtung 170, wie
sie bereits aus den vorangegangenen Figuren bekannt ist, hier auch eine Dorn-Oszillationseinrichtung
160 vorgesehen ist. Wie der Name schon sagt, dient die Hohlkörper-Oszillationseinrichtung
170 dazu, den Rohrkokillenhohlkörper 110 während des Eingießens der Metallschmelze
in die Rohrkokille 100 und während einer ersten Abkühlung des sich in der Rohrkokille
bildenden Rohrstrangs 50 in Gießrichtung G zu oszillieren. Demgegenüber ist die Dorn-Oszillationseinrichtung
160 dazu ausgebildet, den Dorn 120 sowie optional auch die daran anhängenden Kühlkörper
140 während des Eingießens der Metallschmelze in die Rohrkokille 100 und einer ersten
Abkühlung des sich in der Rohrkokille bildenden Rohrstrangs 50 in Gießrichtung G zu
oszillieren. Für die vorliegende Erfindung ist es wichtig, dass, wie im allgemeinen
Teil der Beschreibung oben beschrieben und begründet, die Dorn-Oszillationseinrichtung
160 sowie die Hohlkörper-Oszillationseinrichtung 170 völlig unabhängig voneinander
betrieben werden können. Alternativ können die beiden Oszillationseinrichtungen aber
auch synchron betrieben werden oder einheitlich ausgebildet sein.
[0044] Das zeigt sich auch in Fig. 7, in der beispielhaft die Dorn-Oszillation links oben
und die Hohlkörper- bzw. Kokillen-Oszillation rechts oben veranschaulicht sind. Die
jeweiligen Oszillationsparameter werden vorzugsweise individuell und unabhängig voneinander
eingestellt, wie einleitend beschrieben. Die Einstellung erfolgt vorzugsweise in Abhängigkeit
der jeweiligen Schmierbedingungen zwischen der Innenwand des Rohrkokillenhohlkörpers
110 und der Schmelze einerseits und der Außenwand des Dorns und der Schmelze andererseits.
In Fig. 7 ist zu erkennen, dass der Dorn 120 beispielsweise mit einer deutlich höheren
Frequenz oszilliert als der Rohrkokillenhohlkörper 110. Die Abhängigkeit der unterschiedlichen
Frequenzen für den Dorn f
D und den Kokillenhohlkörper f
K von der Gießgeschwindigkeit V
g ist in der mittleren Abbildung von Fig. 7 gezeigt. Beide Frequenzen steigen mit zunehmender
Gießgeschwindigkeit. Allerdings steigt die Frequenz der Dorn-Oszillation deutlich
stärker als die Frequenz der Hohlkörper-Oszillation.
[0045] In den einzelnen Figuren sind jeweils konkrete Ausführungsbeispiele teilweise auch
nur separat dargestellt. Ungeachtet dessen gilt jedoch, dass alle beschriebenen Ausführungsbeispiele,
wie die Hohlkörper-Oszillation, die Dorn-Oszillation, die Kühlung und/oder das Einleiten
des Schutzgases auch in Kombination miteinander realisiert werden können.
Bezugszeichenliste
[0046]
- 20
- Pfanne für Metallschmelze
- 30
- Zwischenbehälter
- 40
- Tauchrohr
- 50
- Rohrstrang; Ringspalt
- 100
- Rohrkokille
- 110
- Rohrkokillenhohlkörper
- 111
- Innenkontur
- 112
- Eingießbereich
- 114
- Austrittsbereich
- 120
- Dorn
- 121
- Außenkontur
- 130
- Kühlkreislauf
- 132
- Kühlkanal
- 140
- Kühlkörper allgemein
- 140-1
- Kühlkörper
- 140-2
- Kühlkörper
- 140-3
- Kühlkörper
- 150
- Schutzgasquelle
- 152
- Leitung für Schutzgas
- 154
- Austrittsöffnung für Schutzgas aus dem Dorn
- 160
- Dorn-Oszillationseinrichtung
- 170
- Hohlkörper-Oszillationseinrichtung
- 210
- Strangführung
- a
- erste Ellipse
- b
- zweite Ellipse
- d
- Wandstärke
- D
- Wandstärke
- DD
- Außendurchmesser des Dorns am austrittsseitigen Ende
- DK
- maximaler Außendurchmesser des Kühlkörpers
- G
- Gießrichtung
- TnD (%) = TnD/TD , TD = 1/fD TnD
- Negativ Strip Zeit Dorn
- TD
- gesamte Periodenzeit Dorn
- VD
- Oszillationsgeschwindigkeit Dorn
- t
- Oszillationszeit
- Vg
- Gießgeschwindigkeit
- fD
- Oszillationsfrequenz Dorn
- TnK (%) = TnK/T , TK = 1/fK TnK
- Negativ Strip Zeit Kokille
- TK
- gesamte Periodenzeit Kokille
- VK
- Oszillationsgeschwindigkeit Kokille
- t
- Oszillationszeit
- Vg
- Gießgeschwindigkeit
- fK
- Oszillationsfrequenz Kokille
1. Rohrkokille (100) zum Erzeugen eines kontinuierlich oder halb-kontinuierlich gegossenen
Rohrstrangs (50) aus Metall in einer Stranggießanlage (200), aufweisend:
einen Rohrkokillenhohlkörper (110) mit einem ringförmigen Querschnitt und mit einem
oberen Eingießbereich (112) für eine Schmelze des Metalls und einem unteren Austrittsbereich
(114) für den Rohrstrang (50), wobei die Innenkontur des RohrkokillenhoOhlkörpers
(110) im Eingießbereich gegenüber der Innenkontur des Rohrkokillenhohlkörpers (110)
im Austrittsbereich erweitert ist; und
einen in den Eingießbereich des Rohrkokillenhohlkörpers hineinragenden Dorn (120);
dadurch gekennzeichnet,
dass die Innenkontur des ringförmigen Querschnitts des Rohrkokillenhohlkörpers (110) in
dem Eingießbereich (112) in Form einer ersten Ellipse (a) und/oder die Außenkontur
des Querschnitts des Dorns (120) in dem Eingießbereich in Form einer zweiten Ellipse
(b) ausgebildet ist.
2. Rohrkokille (100) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Hauptachse der zweiten Ellipse (b) zu der Hauptachse ersten Ellipse (a) um einen
Winkel α>0° gedreht ist; und
dass die Nebenachse der ersten Ellipse größer ist als die Hauptachse zweiten Ellipse.
3. Rohrkokille (100) nach einem der vorherigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Innenkontur (111) des Rohrkokillenhohlkörpers (110) von ihrer elliptischen Ausprägung
im Eingießbereich (112) in Gießrichtung (G) kontinuierlich in eine elliptische Ausprägung
mit kleinerer Hauptachse im Vergleich zu dem Eingießbereich oder in eine kreisförmige
Ausprägung im Austrittsbereich (114) übergeht.
4. Rohrkokille (100) nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass sich die Innenkontur (111) des Rohrkokillenhohlkörpers (110) von dem Eingießbereich
(112) zum Austrittsbereich (114) - dem Schrumpf des zunehmend erstarrenden Metalls
folgend - in Gießrichtung (G) zunehmend verengt.
5. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Außenkontur (121) des Dorns (120) von ihrer elliptischen Ausprägung an dem dem
Eingießbereich (112) der Rohrkokille (100) zugewandten Ende des Dorns (120) oder an
dessen Stelle mit dem größten Durchmesser in Gießrichtung (G) kontinuierlich in eine
elliptische Ausprägung mit kleinerer Hauptachse im Vergleich zu dem Eingießbereich
oder in eine kreisförmige Ausprägung an dem dem Austrittsbereich (114) der Rohrkokille
(100) zugewandten Ende des Dorns (120) übergeht.
6. Rohrkokille (100) nach einem der Ansprüche 3 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die elliptische oder kreisförmige Ausprägung der Innenkontur (111) im Austrittsbereich
des Rohrkokillenhohlkörpers (110) konzentrisch ausgebildet ist zu der elliptischen
oder kreisförmigen Ausprägung der Außenkontur (121) des Dorns (120) an dessen dem
Austrittsbereich des Rohrkokillenhohlkörpers (110) zugewandten Ende.
7. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein erster Kühlkreislauf vorgesehen ist; und
dass der Dorn (120) in seinem Innern Kühlkanäle aufweist, die an den ersten Kühlkreislauf
angeschlossen sind zum Durchleiten von einem ersten Kühlmittel zum Kühlen des Dorns
(120).
8. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens ein Kühlkörper (140-1) vorgesehen ist, der an das dem Austrittsbereich
(114) der Kokille (100) zugewandte Ende des Dorns (120) beweglich anhängbar ist oder
dort fest angeordnet ist;
dass ein zweiter Kühlkreislauf vorgesehen ist;
dass der Kühlkörper (140-1) in seinem Innern Kühlkanäle aufweist, die an den zweiten Kühlkreislauf
angeschlossen sind zum Durchleiten von einem zweiten Kühlmittel zum Kühlen des Kühlkörpers
(140-1).
9. Rohrkokille (100) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass der erste und der zweite Kühlkreislauf identisch bzw. dieselben sind;
dass die Kühlkanäle in dem Dorn (120) und in dem Kühlkörper (140-2) fluidleitend miteinander
verbunden sind; und
dass das erste und das zweite Kühlmittel identisch bzw. dieselben sind.
10. Rohrkokille (100) nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass der maximale Außendurchmesser des Kühlkörpers kleiner oder gleich dem Außendurchmesser
des Dorns (120) an seinem dem Austrittsbereich (114) der Rohrkokille (100) zugewandten
Ende ist.
11. Rohrkokille (100) nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kühlkörper konisch ausgebildet ist und derart an das dem Austrittsbereich (114)
zugewandte Ende des Dorns (120) angehangen oder dort befestigt ist, dass sich der
Kühlköper in Gießrichtung G verjüngt.
12. Rohrkokille (100) nach einem der Ansprüche 8 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass in dem Dorn (120) und vorzugsweise auch in dem Kühlkörper eine durchgängige Leitung
für ein Schutzgas ausgebildet ist zum Anschluss an eine Schutzgasquelle; und
dass in dem Dorn (120) und/oder in dem Kühlkörper mindestens eine Austrittsöffnung (114)
für das Schutzgas ausgebildet ist.
13. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche;
dadurch gekennzeichnet,
dass der Dorn (120) in seiner Länge derart ausgebildet und in der Rohrkokille (100) derart
angeordnet ist, dass das dem Austrittsbereich (114) der Rohrkokille (100) zugewandte
Ende des Dorns (120) in Gießrichtung G vor dem unteren Ende der Rohrkokille, auf Höhe
des unteren Endes der Rohrkokille (100) oder in Gießrichtung G hinter dem unteren
Ende der Rohrkokille (100) liegt.
14. Rohrkokille (100) nach einem der Ansprüche 8 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass der mindestens eine Kühlkörper an seiner Außenseite mit Graphit beschichtet ist.
15. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Dorn-Oszillationseinrichtung (160) vorgesehen ist zum Oszillieren des Dorns
(120) und des ggf. angehangenen mindestens einen Kühlkörpers in Gießrichtung G.
16. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Hohlkörper-Oszillationseinrichtung (170) vorgesehen ist zum Oszillieren des
Rohrkokillenhohlkörpers (110) in Gießrichtung (G).
17. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass für den lichten radialen Abstand D zwischen dem Außendurchmesser des Dorns (120)
und der Innenseite des Rohrkokillenhohlkörpers (110) im Eingießbereich, insbesondere
auf Höhe des Badspiegels, gilt: 50mm < D < 90 mm.
18. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der lichte Innendurchmesser des Kokillenhohlkörpers im Austrittsbereich mindestens
350mm beträgt.
19. Rohrkokille (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Verhältnis des Innendurchmessers des Kokillenhohlkörpers zu dem radialen Abstand
zwischen der Innenseite des Kokillenhohlkörpers und der Außenseite des Dorns im Austrittsbereich
der Rohrkokille in einem Bereich zwischen 1:4 bis 1:25, vorzugsweise zwischen 1:8
bis 1:12 liegt.
20. Verfahren zum Gießen eines Rohrstranges (50) aus Metall mit Hilfe der Rohrkokille
(100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, aufweisend folgende Schritte:
- Eingießen einer flüssigen Schmelze des Metalls in die Rohrkokille (100), insbesondere
in deren Ringspalt zwischen dem Rohrkokillenhohlkörper (110) und dem Dorn (120);
- Kühlen von zumindest dem Rohrkokillenhohlkörper (110) zum zumindest teilweisen Erstarren
der Schmelze zu dem Rohrstrang innerhalb der Rohrkokille; und
- Extrahieren des zumindest teilerstarrten Rohrstranges aus der Rohrkokille (100)
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rohrkokillenhohlkörper (110) und/oder der Dorn (120) während des Eingießens,
des Kühlens und/oder des Extrahierens in Gießrichtung (G) oszillieren.
21. Verfahren nach Anspruch 20;
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rohrkokillenhohlkörper (110) und der Dorn (120) gleichzeitig oszillieren;
dass aber die Oszillationsparameter, wie Oszillationsfrequenz, Oszillationsgeschwindigkeit,
Oszillationshub und/oder negative Strip Zeit für die Hohlkörper-Oszillation und die
Dorn-Oszillation unabhängig voneinander und individuell, insbesondere in Abhängigkeit
der Schmierbedingungen zwischen der Innenwand des Rohrkokillenhohlkörpers (110) und
der Schmelze einerseits und der Außenwand des Dorns und der Schmelze andererseits,
eingestellt werden.
22. Verfahren nach Anspruch 20 oder 21,
dadurch gekennzeichnet,
dass auch die Phasenverschiebung zwischen der Hohlkörper-Oszillation und der Dorn-Oszillation
eingestellt wird.
23. Verfahren nach einem der Ansprüche 20 bis 22,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Dorn (120) und vorzugsweise auch die an den Dorn angehangenen Kühlkörper (140)
von einem Kühlkanal (132) durchzogen sind und innen von einem Kühlmittel durchströmt
werden.
24. Verfahren zum Gießen eines Rohrstranges (50) aus Metall mit Hilfe der Rohrkokille
(100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche 1-19 , aufweisend folgende Schritte:
- Eingießen einer flüssigen Schmelze des Metalls in die Rohrkokille (100), insbesondere
in deren Ringspalt zwischen den Rohrkokillenhohlkörper (110) und den Dorn (120);
- Kühlen von zumindest dem Rohrkokillenhohlkörper (110) zum zumindest teilweisen Erstarren
der Schmelze zu dem Rohrstrang innerhalb der Rohrkokille; und
- Extrahieren des zumindest teilerstarrten Rohrstranges (50) aus der Rohrkokille (100)
dadurch gekennzeichnet,
dass zusätzlich zu dem Rohrkokillenhohlkörper (110) auch der Dorn (120) sowie vorzugsweise
auch die an den Dorn angehangenen Kühlkörper (140) von innen gekühlt werden.
25. Verfahren nach Anspruch 24,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rohrkokillenhohlkörper (110) und/oder der Dorn (120), optional mit angehangenen
Kühlkörpern (140) während des Eingießens, des Kühlens und/oder des Extrahierens in
Gießrichtung (G) oszillieren.
26. Verfahren nach Anspruch 25;
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rohrkokillenhohlkörper (110) und der Dorn (120) gleichzeitig oszillieren;
dass aber die Oszillationsparameter, wie Oszillationsfrequenz, Schwingungsform, Oszillationsgeschwindigkeit
und/oder negative Strip Zeit für die Hohlkörper-Oszillation und die Dorn-Oszillation
unabhängig voneinander und individuell, insbesondere in Abhängigkeit der Schmierbedingungen
zwischen der Innenwand des Rohrkokillenhohlkörpers (110) und der Schmelze einerseits
und der Außenwand des Dorns und der Schmelze andererseits, eingestellt werden.
27. Verfahren nach einem der Ansprüche 20 bis 26,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rohrstrang mit einem Außendurchmesser von mindestens 350mm gegossen wird.
28. Verfahren nach einem der Ansprüche 20 bis 27
dadurch gekennzeichnet,
dass der Rohrstrang mit einem Verhältnis von Außendurchmesser zu Wanddicke zwischen 1:4
bis 1:25, vorzugsweise 1:8 bis 1:12 gegossen wird.
29. erfahren nach einem der Ansprüche 20 bis 28,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Strang kontinuierlich oder halb-kontinuierlich gegossen wird.