[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Wasserkraftmaschine mit einem Wasserrad,
wobei das Wasserrad einen Kernkörper und eine Vielzahl an Schaufeln umfasst. Außerdem
umfasst die Wasserkraftmaschine wenigstens einen Abstandshalter, der einen Mindestabstand
zwischen dem Wasserrad und einem Grund eines Gewässers an einem Einsatzort der Wasserkraftmaschine
definiert, und einen Energiewandler zur Verarbeitung der Rotationsenergie des Wasserrads.
Außerdem betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Betreiben einer Wasserkraftmaschine,
die ein Wasserrad, wenigstens einen ersten Abstandshalter, einen ersten Auftriebskörper
und einen Energiewandler umfasst und eine Verwendung einer Wasserkraftmaschine.
[0002] Eine derartige Wasserkraftmaschine ist beispielsweise in der
DE 28 37 186 A1 offenbart. Die dort offenbarte Wasserkraftmaschine wird schwimmend betrieben. Schwimmende
Wasserkraftmaschinen sind beispielsweise unter dem Begriff "Schiffsmühlen" seit langem
bekannt. Sie bestehen in der Regel aus zwei Schwimmkörpern, auf denen ein Wasserrad
mit horizontaler Welle befestigt ist. Diese Schiffsmühlen dienten in der Vergangenheit,
wie der Name schon aussagt, als Antrieb von Mühlen, die entweder auf der Vorrichtung
selbst oder am Ufer befindlich waren. Neuere Entwicklungen, die meist unter der Bezeichnung
"schwimmende Wasserräder" oder "schwimmende Wasserkraftwerke" bekannt sind, basieren
auf dem Prinzip dieser Schiffsmühlen, sie werden jedoch meist zum Erzeugen von elektrischer
Energie unter Einsatz eines Stromgenerators eingesetzt.
[0003] Diese schwimmenden Wasserräder nutzen lediglich die kinetische Energie von Fließgewässern,
die das Wasserrad durch das im Schaufelbereich durchfließende Wasser in eine Drehbewegung
versetzt. Demzufolge hängt die Höhe der erzielbaren Energie in erster Linie von der
Fließgeschwindigkeit des durchströmenden Wassers ab. Aus wirtschaftlichen Gründen
beschränkt sich daher der Einsatzbereich dieser schwimmenden Wasserräder auf Flussabschnitte
mit hoher Fließgeschwindigkeit. Diese schwimmenden Wasserräder verfügen zumeist über
seitlich angebrachte Schwimmkörper, was eine besonders stabile Konstruktion der Vorrichtung
erforderlich macht und ein erheblich größeres Gewicht zur Folge hat.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die bekannten Wasserkraftmaschinen dieser
Art zu verbessern, insbesondere die aufgezählten Nachteile zu beheben.
[0005] Die Aufgabe wird gelöst durch eine Wasserkraftmaschine, ein Verfahren zum Betreiben
einer Wasserkraftmaschine und eine Verwendung einer Wasserkraftmaschine mit den Merkmalen
der unabhängigen Patentansprüche.
[0006] Die vorgeschlagene Wasserkraftmaschine umfasst ein Wasserrad, wobei das Wasserrad
einen Kernkörper und eine Vielzahl an Schaufeln aufweist, wenigstens einen Abstandshalter,
der einen Mindestabstand zwischen dem Wasserrad und einem Grund eines Gewässers an
einem Einsatzort der Wasserkraftmaschine definiert, und einen Energiewandler zur Verarbeitung
der Rotationsenergie des Wasserrads. Erfindungsgemäß zeichnet sich die Wasserkraftmaschine
dadurch aus, dass der Kernkörper des Wasserrads einen ersten Auftriebskörper umfasst,
wobei der erste Auftriebskörper und der Abstandshalter derart dimensioniert sind,
dass die Wasserkraftmaschine bei einem mittleren Wasserstand am Einsatzort, an dem
die Wasserkraftmaschine bei bestimmungsgemäßem Gebrauch angeordnet ist, auf dem Grund
des Gewässers aufliegt und bei einem Wasserstand oberhalb des mittleren Wasserstands
schwimmfähig ist.
[0007] Durch die Anordnung des ersten Schwimmkörpers im Kernkörper des Wasserrads kann auf
seitliche Schwimmkörper verzichtet werden. Hierdurch wird die Konstruktion leichter
und stabiler. Der prinzipielle Aufbau ist hierbei ähnlich der im Automobilbau derzeit
üblichen selbsttragenden Karosserie.
[0008] Im Gegensatz zu den zuvor beschriebenen bekannten schwimmenden Wasserkraftmaschinen
wird bei der erfindungsgemäßen Wasserkraftmaschine durch einen am Grund aufliegenden
Betrieb im Normalfall zusätzlich potenzielle Energie des Gewässers genutzt. Hierdurch
verbessert sich der Wirkungsgrad der Wasserkraftmaschine bei der Energieumwandlung.
[0009] Nur bei höherem Wasserstand, im schwimmenden Zustand, wird im Wesentlichen die kinetische
Energie des Gewässers genutzt. Hierdurch verbessert sich der Wirkungsgrad der Wasserkraftmaschine
bei der Energieumwandlung. Die Wasserkraftmaschine ist hierfür hinsichtlich des Eigengewichts
und der Auftriebskräfte so dimensioniert, dass sie ab einem bestimmten Wasserpegel
aufschwimmt. Das Gewässer kann grundsätzliches jedes Gewässer mit einer Strömung sein.
Besonders eignet sich die erfindungsgemäße Wasserkraftmaschine aber für einen Einsatz
in Flüssen.
[0010] Der mittlere Wasserstand (MW) von Gewässern wird in Deutschland beispielsweise von
der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) definiert. Dabei wird der Wasser-
bzw. Pegelstand über einen gewissen Zeitraum gemittelt. Dieser Zeitraum kann einige
Monate bis mehrere Jahre betragen. Ähnliche Definitionen existieren vermutlich für
einen Großteil der Länder der Welt. Allerdings ist es auch möglich unabhängig von
offiziellen Institutionen einen mittleren Wasserstand auf die oben angegebene Weise
zu bestimmen. Ein sinnvoller Zeitraum für die Mittelung ist hierbei mindestens 12
Monate, um jahreszeitlich bedingte Schwankungen zu berücksichtigen.
[0011] Die Wasserkraftmaschine wird so dimensioniert, dass sie beim mittleren Wasserstand
am Einsatzort beispielsweise mit dem wenigstens einen Abstandshalter auf der Gewässersohle
aufliegt und die Wasseroberfläche sich geringfügig unter einer Unterkante des ersten
Auftriebskörpers befindet. Somit lässt sich unerwünschtes Ausweichen der Wassermengen
unterhalb der Wasserkraftmaschine reduzieren. Bei Betrieb des Wasserrades entsteht
eine Stauwirkung, wodurch sich der Wasserstand am Einlauf erhöht. Dies muss bei der
Dimensionierung der Wasserkraftmaschine berücksichtigt werden, so dass ein Aufschwimmen
der Wasserkraftmaschine allein durch die Stauwirkung verhindert wird. Bei einer Erhöhung
des Wasserpegels, beispielsweise nach Regenfällen, hebt sich die Wasserkraftmaschine
von der Gewässersohle ab und schwimmt auf, entsprechend den Auftriebskräften des ersten
Auftriebskörpers.
[0012] Der Abstandhalter stellt sicher, dass die Wasserkraftmaschine auch bei Niedrigwasser
einen definierten Abstand zu dem Grund des Gewässers aufrechterhält. Vorzugsweise
weist die Wasserkraftmaschine zwei Abstandshalter auf, die seitlich des Wasserrads
angeordnet sind. Die Wasserkraftmaschine kann ebenfalls beispielsweise wenigstens
eine Auflagekante umfassen, die auf dem Grund des Gewässers aufliegt.
[0013] Die durch die Wasserkraftmaschine umgewandelte Energie wird durch den auf der Wasserkraftmaschine
angebrachten Energiewandler in den dafür vorgesehenen Zweck umgewandelt. Durch einen
Generator lässt sich beispielsweise elektrische Energie erzeugen, die insbesondere
über eine Verbindungsleitung an das Ufer des Gewässers weitergeleitet und dort genutzt
werden kann. Alternativ kann die mechanische Energie des Wasserrads direkt verwendet
werden, beispielsweise für Wasser- oder Luftpumpen. Der Energiewandler kann also insbesondere
als Generator, Wasser- oder Luftpumpe ausgebildet sein.
[0014] Für die Wasserkraftmaschine ist es vorteilhaft, wenn der Kernkörper einen polygonförmigen
Querschnitt, vorzugweise mit wenigstens 12 Mantelflächen, aufweist. Ein polygonaler
Kernkörper ist einerseits stabiler, insbesondere steifer als die zylinderförmigen
Kernkörper bekannter Wasserkraftmaschinen. Insgesamt ist ein größeres Längen-Durchmesser-Verhältnis
möglich. Außerdem ist es einfacher und kostengünstiger einen derartigen polygonalen
Kernkörper herzustellen. Der Querschnitt des Kernkörpers ist hierbei insbesondere
ein Vieleck, dass sich einer Kreisform annähert. 12 Mantelflächen haben sich hierbei
als guter Kompromiss zwischen Herstellungsaufwand und Stabilität erwiesen. Die Mantelflächen
können beispielsweise senkrecht zu einer Verbindungslinie mit einem gemeinsamen Mittelpunkt
ausgerichtet sein. Der Mittelpunkt liegt dabei insbesondere auf einer Rotationsachse
des Wasserrads.
[0015] Ein polygonaler Kernkörper des Wasserrads ist unabhängig von der Dimensionierung
des ersten Auftriebskörpers und des Abstandshalters der Wasserkraftmaschine vorteilhaft.
Auch bei grundsätzlich schwimmenden Wasserkraftmaschinen können durch einen polygonalen
Kernkörper beispielsweise Vorteile bei der Stabilität und den Herstellungskosten erzielt
werden. Bei einer grundsätzlich schwimmenden Wasserkraftmaschine ist ein Abstandshalter
eventuell nicht notwendig.
[0016] Auch ist es äußert vorteilhaft, wenn der Kernkörper durch Biegen, insbesondere Abkanten,
eines oder mehrerer Bleche hergestellt ist. Dies ist eine besonders effiziente Herstellungsmethode
für den Kernkörper, da insbesondere keine spanende Bearbeitung des Materials notwendig
ist. Bleche werden hierbei beispielsweise lasergeschnitten und zu einem Polygon gekantet.
Der Kernkörper kann beispielsweise der Länge nach geteilt sein und insbesondere aus
mindestens zwei Teilen bestehen. Bei größerem Querschnitt sind auch mehrere Teile
denkbar. Die Teile können formschlüssig beispielsweise durch Laschen und/oder kraftschlüssig
beispielsweise durch Schrauben oder Nieten miteinander verbunden sein. Der Kernkörper
ist vorzugsweise aus Aluminium hergestellt. Es sind aber auch andere Materialien wie
Stahl oder Kunststoff denkbar.
[0017] Vorteilhaft ist es zudem, wenn die Wasserkraftmaschine einen zweiten Auftriebskörper
umfasst, der vorzugsweise an einem Einlauf des Wasserrads angeordnet ist. Hierdurch
wird im schwimmenden Zustand der Wasserkraftmaschine ein Verdrehen und Untertauchen
der vor dem Wasserrad befindlichen Teile aufgrund von Drehmomenten verhindert. Falls
die Wasserkraftmaschine einen ersten und einen zweiten Auftriebskörper umfasst, müssen
der erste Auftriebskörper, der zweite Auftriebskörper und der Abstandshalter derart
dimensioniert sein, dass die Wasserkraftmaschine bei einem mittleren Wasserstand am
Einsatzort, an dem die Wasserkraftmaschine bei bestimmungsgemäßem Gebrauch angeordnet
ist, auf dem Grund des Gewässers aufliegt und bei einem Wasserstand oberhalb des mittleren
Wasserstands schwimmfähig ist. Der zweite Auftriebskörper wird insbesondere so positioniert
und dimensioniert, dass sich der Wasserstand im Normalbetrieb geringfügig unter der
Unterkante des zweiten Auftriebskörpers befindet.
[0018] Ebenso bringt es Vorteile mit sich, wenn die Schaufeln des Wasserrads trapezförmig
sind. Quer zur Fließrichtung ausgerichtete, gerade Schaufeln haben den Nachteil, dass
sie dicker ausgeführt werden müssen, um die im Betrieb auftretenden Flächenbelastungen
ohne bleibende Verformungen aufzunehmen. Des Weiteren treten durch das gleichzeitige
Eintauchen der gesamten Schaufelbreite ins Wasser ungünstige Schwankungen im erzeugten
Drehmoment sowie Stampfgeräusche auf. Die trapezförmige Schaufel ist beispielsweise
derart gebogen, dass sich drei Flächen ergeben, die in einer Draufsicht ein Trapez
ergeben. Dabei laufen zwei gleichgroße Flächen beispielsweise unter dem gleichen Winkel
auf eine kleinere mittig angeordnete Fläche zu. Die mittige Fläche verläuft beispielsweise
radial zum Kernkörper des Wasserrads. Bei der Drehung des Wasserrads durchstößt eine
Kante der mittleren Fläche beispielsweise zuerst die Wasseroberfläche.
[0019] Vorteilhaft ist es, wenn die Schaufeln des Wasserrads wenigstens eine radiale Biegekante
aufweisen. Biegekanten erhöhen die Steifigkeit der Schaufeln und erlauben eine dünnere
Ausführung der Schaufeln, wodurch sich eine Material- und Gewichtsersparnis ergibt.
Radiale Biegekanten können sich zwischen den bereits beschriebenen Flächen der Schaufeln
befinden. Auch können sich weitere Biegekanten in einem Außenbereich der Schaufeln
befinden, wo die Schaufeln insbesondere Befestigungsbereiche für eine Befestigung
am Wasserrad aufweisen.
[0020] Vorteilhaft ist es zudem, wenn die Schaufeln des Wasserrads wenigstens eine axiale
Biegekante aufweisen. Auch axiale Biegekanten können die Steifigkeit der Schaufeln
verbessern. Eine axiale Biegekante kann sich beispielsweise an der bereits beschriebenen
mittleren Fläche der Schaufel befinden.
[0021] Besondere Vorteile bringt es mit sich, wenn die Schaufeln des Wasserrads eine oder
mehrere Laschen zur formschlüssigen Verbindung mit dem Kernkörper aufweisen. Hierdurch
können Schaufeln und Kernkörper in einfacher Weise miteinander verbunden werden. Die
Lasche kann sich an der bereits beschriebenen mittleren Fläche der Schaufel befinden
und mit dieser über eine axiale Biegekante verbunden sein. Der Kernkörper kann zur
Aufnahme der Laschen entsprechende Öffnungen aufweisen.
[0022] Vorteile bringt es zudem mit sich, wenn das Wasserrad eine erste Seitenscheibe, eine
zweite Seitenscheibe und wenigstens eine Zwischenscheibe aufweist, wobei eine Vielzahl
von Schaufeln sowohl zwischen der ersten Seitenscheibe und der Zwischenscheibe als
auch zwischen der zweiten Seitenscheibe und der Zwischenscheibe angeordnet ist. Die
Seitenscheiben können der Stabilisierung der Schaufeln dienen. Die Schaufeln können
mit den Seitenscheiben mittels Befestigungsbereichen verbunden sein. Die Seitenscheiben
können beispielsweise die Stirnseiten des Kernkörpers abdecken. Der Kernkörper, die
Schaufeln, die Seitenscheiben und die Zwischenscheibe können beispielsweise aus demselben
Material hergestellt sein.
[0023] Besonders vorteilhaft ist es, wenn der erste Auftriebskörper und/oder der zweite
Auftriebskörper mit einem Material gefüllt ist, das eine geringere Dichte als Wasser
aufweist, mit einem oder mehreren Hohlkörpern gefüllt ist und/oder luftdicht ausgebildet
ist. Hierdurch lässt sich der benötigte Auftrieb für die Schwimmfähigkeit des Wasserrads
erzielen. Die Auftriebskörper können beispielsweise mit einem wasserabweisenden Schaumstoff
gefüllt sein. Alternativ oder zusätzlich können die Auftriebskörper beispielsweise
mit Kunststoffhohlkörpern gefüllt sein.
[0024] Des Weiteren ist es vorteilhaft, wenn das Wasserrad und der Energiewandler über ein
mehrstufiges Zahnradgetriebe miteinander verbunden sind. Die naturgemäß sehr niedrige
Drehzahl des Rotors wird durch Nutzung eines Getriebes erhöht, um Energiewandler wie
Stromgeneratoren, Pumpen oder andere Vorrichtungen zur Nutzung der Energie vorteilhafter
dimensionieren zu können. Durch ein mehrstufiges Getriebe kann die Belastung jeder
einzelnen Stufe reduziert werden. Auch Energieverluste zwischen den Stufen können
hierdurch reduziert werden. Eine Stufe ist hierbei beispielsweise die Wechselwirkung
zwischen zwei Zahnrädern. Das Getriebe kann beispielsweise zweistufig sein, insbesondere
mit einem Zahnkranz am Wasserrad, einem Zwischenrad und einem Ritzel am Energiewandler.
[0025] Auch ist es von Vorteil, wenn das Zahnradgetriebe mehrere Zahnräder aufweist, die
aus Kunststoff hergestellt sind, insbesondere in einem 3D-Druck- oder Spritzgussverfahren.
Herkömmliche Getriebe besitzen Zahnräder aus Stahl, die vor Feuchtigkeit geschützt
werden müssen und deshalb üblicherweise in einem Gehäuse untergebracht sind. Diese
Getriebe müssen für den Betrieb mit einer Ölschmierung versehen werden. Um mögliche
Umweltschäden durch austretendes Öl zu vermeiden, werden die Getriebe daher üblicherweise
in einem Gehäuse mit Auffangbecken untergebracht. Die erfindungsgemäße Wasserkraftmaschine
kann durch den Einsatz von Zahnrädern aus Kunststoff sowohl auf Ölschmierung als auch
separate Unterbringung in einem Gehäuse verzichten. Das Getriebe kann direkt an der
Wasserkraftmaschine befestigt werden.
[0026] Zahnkränze und Zahnräder können - abhängig von der benötigten Stückzahl - sowohl
im 3D-Druckverfahren als auch im Spritzgussverfahren hergestellt werden. Bei einer
größeren Wasserkraftmaschine ist es vorteilhaft, zumindest den Zahnkranz mehrteilig
in Segmenten auszuführen. Falls ein Zahnkranz direkt auf dem Wasserrad angeordnet
ist, ist somit ein Wechsel von defekten Zahnkranzsegmenten ohne Ausbau des gesamten
Wasserrads möglich.
[0027] Für die Wasserkraftmaschine ist es außerdem vorteilhaft, wenn sie wenigstens zwei
nebeneinander angeordnete Wasserräder umfasst, die mit einem gemeinsamen Getriebe
verbunden sind. Diese Tandemausführung der Wasserkraftmaschine erlaubt eine breitere
Ausführung und damit eine größere Abdeckung der Gewässerbreite durch die Wasserkraftmaschine.
Die Nutzung eines gemeinsamen Getriebes spart die zusätzlichen Bauteile eines weiteren
Getriebes. Die Wasserkraftmaschine umfasst in diesem Fall beispielsweise zwei separat
gelagerte und nicht miteinander verbundene Kernkörper. Ein Zwischenrad des Getriebes
kann hierbei breiter als zuvor ausgebildet sein, um die Rotationsenergie beider Wasserräder
aufzunehmen. Über das gemeinsame Zwischenrad kann eine Kopplung der Drehmomentübertragung
der Kernkörper erfolgen. Zahnkränze des Getriebes können an den Seiten der Wasserräder
angeordnet sein, an denen sie benachbart sind, also mittig in Bezug auf die gesamte
Wasserkraftmaschine.
[0028] Der zweite Auftriebskörper kann bei dieser Ausführung durchgehend über die gesamte
Breite der Wasserkraftmaschine ausgebildet sein und eine größere Stabilität gegenüber
Durchbiegung aufweisen. Die Wasserkraftmaschine kann weitere Abstandshalter insbesondere
mit weiteren Auflagepunkten für den Grund des Gewässers aufweisen. Ein weiterer Auflagepunkt
kann beispielsweise mittig der Wasserkraftmaschine zwischen den Wasserrädern angeordnet
sein. Diese Ausführung eignet sich besonders für flache und breite Fließgewässer.
[0029] Eine Verankerung der Wasserkraftmaschine kann in allen Ausführungsformen durch biegeschlaffe
Teile, zum Beispiel Seile, oder auch durch starre Teile, erfolgen. Diese sind so ausgeführt,
dass die Wasserkraftmaschine sich an die verschiedenen Wasserstände anpassen kann
und bei höherem Wasserstand aufschwimmt, aber durch die Strömung nicht abtreibt. Verankerungspunkte
am Ufer sind so hoch anzubringen, dass sie auch bei Hochwasser über den Befestigungspunkten
der Teile an der Wasserkraftmaschine liegen. Hierdurch bleibt eine Anpassungsfähigkeit
an den Wasserstand in jedem Fall erhalten und die Wasserkraftmaschine wird durch die
Verankerung nicht unter die Wasseroberfläche gedrückt.
[0030] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Betreiben einer Wasserkraftmaschine, die
ein Wasserrad, wenigstens einen ersten Abstandshalter, einen ersten Auftriebskörper
und einen Energiewandler umfasst, wird zunächst ein Einsatzort der Wasserkraftmaschine
in einem Gewässer identifiziert. Anschließend wird ein mittlerer Wasserstand am Einsatzort
ermittelt und der erste Auftriebskörper und der Abstandshalter derart dimensioniert,
dass die Wasserkraftmaschine bei dem mittleren Wasserstand am Einsatzort auf dem Grund
des Gewässers aufliegt und bei einem Wasserstand oberhalb des mittleren Wasserstands
schwimmt.
[0031] Wie vorher bereits ausführlich beschrieben, kann hierdurch neben einer kinetischen
Energie eines Gewässers ebenfalls die potenzielle Energie genutzt werden. Bei einem
höheren Wasserstand wird die Wasserkraftmaschine nicht überflutet, sondern schwimmt
auf der Wasseroberfläche. Im schwimmenden Betrieb der Wasserkraftmaschine kann weiterhin
die kinetische Energie des Gewässers genutzt werden. Die Schwimmfähigkeit sorgt auch
dafür, dass insbesondere bei Hochwasser mögliche Sedimentablagerungen abgetragen werden
und Treibgut die Wasserkraftmaschine passieren kann. Auch für Fische stellt die Wasserkraftmaschine
kein wesentliches Hindernis dar, da sie die Wasserkraftmaschine in jedem Betriebszustand
auf mindestens einer Seite passieren können. Die Wasserkraftmaschine kann durch ein
gezieltes Blockieren des Wasserrads auch den Wasserstand im Zulauf der Wasserkraftmaschine
gezielt beeinflussen.
[0032] Der mittlere Wasserstand kann wie oben bereits beschrieben ermittelt werden. Insbesondere
kann der mittlere Wasserstand für Einsatzorte in Deutschland den Daten der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft
Wasser entnommen werden. Auch können durch einen Benutzer und/oder Hersteller der
Wasserkraftmaschine selbst Messungen des Wasserstands durchgeführt werden. Die Dimensionierung
des ersten Auftriebskörpers erfolgt beispielsweise durch eine Anpassung des Volumens.
Die Dimensionierung des Abstandshalters erfolgt beispielsweise über eine Anpassung
einer Höhe des Abstandshalters oder eine Anpassung eines Abstands zwischen einer Lagerung
des Wasserrads und einer Unterkante des Abstandshalters, die bei bestimmungsgemäßem
Gebrauch der Wasserkraftmaschine auf dem Grund des Gewässers aufliegt.
[0033] Um eine Energieumwandlung durch die Wasserkraftmaschine zu optimieren, können seitlich
der Wasserkraftmaschine im Gewässer Hindernisse vorgesehen werden, die die Strömung
vorzugsweise zum Wasserrad leiten, oder die den freien Durchfluss behindern und damit
mehr Wasser durch die Wasserkraftmaschine leiten.
[0034] Erfindungsgemäß ist ebenfalls eine Verwendung einer Wasserkraftmaschine, insbesondere
einer Wasserkraftmaschine nach der vorangegangenen Beschreibung, an einem Einsatzort
in einem Gewässer mit einem definierten mittleren Wasserstand vorgesehen, wobei ein
erster Auftriebskörper und ein Abstandshalter der Wasserkraftmaschine derart dimensioniert
werden, dass die Wasserkraftmaschine bei dem mittleren Wasserstand am Einsatzort auf
dem Grund des Gewässers aufliegt und bei einem Wasserstand oberhalb des mittleren
Wasserstands schwimmt. Die zuvor beschriebenen körperlichen Merkmale der Wasserkraftmaschine
können hierbei einzeln oder in beliebiger Kombination verwirklicht sein. Es ergeben
sich die bereits ausführlich diskutierten Vorteile gegenüber ausschließlich schwimmenden
Verwendungen von Wasserkraftmaschinen.
[0035] Die erfindungsgemäße Wasserkraftmaschine sowie das Verfahren und die Verwendung derselben
haben die zusätzlichen Vorteile einer möglichst ungehinderten Durchgängigkeit für
Fische und andere Wasserlebewesen, eine Vermeidung von Ablagerungen von Schwebstoffen,
wie sie Staudämme verursachen, die Möglichkeit der Verwendung von umweltfreundlichen
und einfach zu recycelnden Materialien. Die Wasserkraftmaschine kann beispielsweise
zu über 90% des Gewichtes nur aus Aluminium hergestellt werden und ist damit weitestgehend
sortenrein und fast ohne Sortiervorgänge recyclebar. Die Neuentwicklung von Recyclingverfahren,
wie sie beispielsweise zur Entsorgung der Rotorblätter von Windkraftanlagen erforderlich
ist, entfällt bei der hier vorgestellten Erfindung komplett.
[0036] Außerdem lässt sich die Wasserkraftmaschine auch bei niedrigen Fließgeschwindigkeiten
des Fließgewässers einsetzen und erfordert keine aufwändige und damit teure Umgestaltung
der Umgebung durch hohes Aufstauen des Gewässers. Sie erlaubt die Nutzung von Wasserkraft
an Orten, an denen aus geologischen Gründen (zum Beispiel Erdbebengebiet) keine Staudämme
möglich sind. Auch wird die Beeinflussung des Durchlassverhaltens des Fließgewässers
bei Niedrig- und Hochwasser ermöglicht (in begrenztem Maße).
[0037] Die Wasserkraftmaschine kann neben der reinen Stromerzeugung beispielsweise zur Teichbelüftung
eingesetzt werden. Hierzu wird sie im Ablauf eines Fischteiches angebracht. Durch
Einsatz eines Luftverdichters/Kompressors wird Druckluft erzeugt und an einer oder
mehreren Stellen in den Teich geblasen.
[0038] Weitere Vorteile der Erfindung sind in den nachfolgenden Ausführungsbeispielen beschrieben.
Es zeigen, jeweils schematisch:
- Figur 1
- Eine erfindungsgemäße Wasserkraftmaschine in einer isometrischen Ansicht,
- Figur 2
- ein Wasserrad der Wasserkraftmaschine in der Ansicht aus Figur 1,
- Figur 3
- eine Schaufel eines Wasserrads der Wasserkraftmaschine,
- Figur 4
- eine erste Ausführungsform eines Getriebes der Wasserkraftmaschine,
- Figur 5
- eine Tandemausführung der Wasserkraftmaschine in einer isometrischen Ansicht,
- Figur 6
- eine vergrößerte Darstellung des Getriebes aus Figur 5,
- Figur 7
- die Wasserkraftmaschine am Einsatzort bei mittlerem Wasserstand in einer Seitenansicht,
- Figur 8
- die Wasserkraftmaschine am Einsatzort bei Hochwasser,
- Figur 9
- eine Leistungskennlinie der Wasserkraftmaschine, und
- Figur 10
- die Wasserkraftmaschine am Einsatzort in einer schematischen Draufsicht.
[0039] Bei der nachfolgenden Beschreibung der Figuren werden für in den verschiedenen Figuren
jeweils identische und/oder zumindest vergleichbare Merkmale gleiche Bezugszeichen
verwendet. Die einzelnen Merkmale, deren Ausgestaltung und/oder Wirkweise werden meist
nur bei ihrer ersten Erwähnung ausführlich erläutert. Werden einzelne Merkmale nicht
nochmals detailliert erläutert, so entspricht deren Ausgestaltung und/oder Wirkweise
der Ausgestaltung und Wirkweise der bereits beschriebenen gleichwirkenden oder gleichnamigen
Merkmale.
[0040] Figur 1 zeigt eine erfindungsgemäße Wasserkraftmaschine 1 in einer isometrischen
Ansicht. Die Wasserkraftmaschine 1 umfasst ein Wasserrad 2, wobei das Wasserrad 2
einen Kernkörper 3 und eine Vielzahl an Schaufeln 4 umfasst. Außerdem weist die Wasserkraftmaschine
1 einen Abstandshalter 5 auf, der einen Mindestabstand zwischen dem Wasserrad 2 und
einem Grund 6 eines Gewässers 7 an einem Einsatzort 8 der Wasserkraftmaschine 1 (siehe
Fig. 7) definiert. Die Wasserkraftmaschine 1 umfasst ebenfalls einen Energiewandler
9 zur Verarbeitung der Rotationsenergie das Wasserrads 2. Der Energiewandler 9 ist
in diesem Beispiel als Generator ausgebildet.
[0041] Der Kernkörper 3 des Wasserrads 2 umfasst einen ersten Auftriebskörper 10. Wenn der
Kernkörper 3 des Wasserrads 2 beispielsweise luftdicht ausgebildet ist, kann der Kernkörper
3 selbst als erster Auftriebskörper 10 dienen. Der erste Auftriebskörper 10 und der
Abstandshalter 5 sind derart dimensioniert, dass die Wasserkraftmaschine 1 bei einem
mittleren Wasserstand MW (siehe Figur 7) am Einsatzort 8, an dem die Wasserkraftmaschine
1 bei bestimmungsgemäßem Gebrauch angeordnet ist, auf dem Grund 6 des Gewässers 7
aufliegt und bei einem Wasserstand oberhalb des mittleren Wasserstands MW schwimmfähig
ist. Im vorliegenden Beispiel verfügt die Wasserkraftmaschine 1 über zwei Abstandshalter
5, die seitlich des Wasserrads 2 angeordnet sind. Diese liegen bei dem mittleren Wasserstand
MW am Grund 6 des Gewässers 7 auf, wobei der bewegliche/rotierende Teil der Wasserkraftmaschine
1 einen Abstand zur Gewässersohle 6 aufweist, damit die Beweglichkeit des beweglichen
Teils auch bei Niedrigwasser gewährleistet ist. Wesentlich für diese Eigenschaften
ist der Abstand 11 zwischen einer Auflagekante 12 oder Auflagefläche der Abstandshalter
5 und einer Lagerung 13 des Wasserrads 2. Eine Distanz zwischen dem Wasserrad 2 und
der Gewässersohle 6 wird erfindungsgemäß möglichst klein gehalten, um Ausweichströmungen
unterhalb des Wasserrads 2 möglichst gering zu halten und damit die im Gewässer 7
verfügbare Energie besser auszunutzen.
[0042] Auf einer Einlaufseite 14 der Wasserkraftmaschine 1 ist ein zweiter Auftriebskörper
15 angeordnet. Bei erhöhtem Wasserstand nimmt dieser das erzeugte Drehmoment des Wasserrads
2 auf und soll eine Verdrehung der Wasserkraftmaschine 1 in Richtung der Gewässersohle
6 verhindern. Der zweite Auftriebskörper 15 am Einlauf 14 kann auch so gestaltet werden,
dass er den Einströmwinkel zu den Schaufeln 4 verbessert. Dies verbessert die Strömungsverhältnisse
und damit die Energieausbeute und reduziert zugleich die Zugkraftkomponente in einer
eventuellen Verankerung 16, die beispielsweise mit Seilen ausgeführt sein kann. Der
Energiewandler 9 ist beispielsweise auf dem zweiten Auftriebskörper 15 angeordnet.
[0043] Figur 2 zeigt das Wasserrad 2 der Wasserkraftmaschine 1 in der isometrischen Darstellung
von Figur 1. Das Wasserrad 2 und insbesondere der Kernkörper 3 sind ähnlich der im
Automobilbau üblichen selbsttragenden Karosserie gestaltet. Der Kernkörper 3 besteht
in den vorliegenden Ausführungsbeispielen im Querschnitt aus einem Polygon mit mindestens
12 Mantelflächen 17 und ist vorzugsweise aus Blech gefertigt und besitzt damit ein
sehr großes Widerstandsmoment gegenüber Torsion und Biegung. Dadurch kann er dünn
und aus einem leichten Material wie zum Beispiel Aluminium ausgeführt werden. Im Innenraum
dieses Kernkörpers 3 befindet sich ein auftriebserzeugendes Material, beispielsweise
ein Hartschaumstoff. Wie bereits beschrieben, ist alternativ ist auch eine luftdichte
Ausführung des Kernkörpers 3 denkbar, deren Wasserverdrängung den Auftrieb erzeugt.
Als weitere Alternative ist es auch möglich, den Innenraum mit von der Form her angepassten,
luftdichten, leicht wasserdruckstabilen Hohlkörpern auszustatten (zum Beispiel Blasformteile
aus Kunststoff).
[0044] Da der größte Teil des erforderlichen Auftriebsvolumens in diese Konstruktion integriert
ist, werden keine zusätzlichen seitlichen Schwimmer benötigt. Auch die Lagerung 13
des Wasserrads 2 kann demzufolge kleiner und damit leichter ausgeführt werden. An
den Mantelflächen 17 des Polygons befinden sich die Schaufeln 4. Die Schaufeln 4 sind
sowohl an den Mantelflächen 17 des Kernkörpers 3 als auch an einer Zwischenscheibe
18 und einer ersten Seitenscheibe 19a sowie an einer zweiten Seitenscheibe 19b befestigt.
Die Befestigung der Schaufeln 4 am Polygon stützt diese im Hinblick auf die auftretende
Flächenbelastung während des Betriebes und verringert so die erforderliche Blechdicke
der Schaufeln 4. Die Befestigung am Kernkörper 3 kann beispielsweise über Laschen
20 an den Schaufeln 4 (siehe Fig. 3) und entsprechende Öffnungen 21 am Kernkörper
3 formschlüssig erfolgen. Alternativ kann eine Befestigung der Schaufeln 4 kraftschlüssig
mit Schrauben oder Nieten ausgeführt werden. An zumindest der ersten Seitenscheibe
19a ist ein Zahnkranz 22 für ein Zahnradgetriebe 23 vorgesehen.
[0045] Figur 3 zeigt eine einzelne Schaufel 4 der Wasserkraftmaschine 1. Die Schaufel 4
ist trapezförmig ausgebildet, wobei mehrere Flächen 24 durch radiale Biegekanten 25a
voneinander getrennt sind. Zwei äußere Flächen 24 laufen unter gleichem Winkel auf
eine mittig angeordnete Fläche 24 zu. Die mittlere Fläche 24 ist über eine axiale
Biegekante 25b mit einer Lasche 20 verbunden, die wie bereits beschrieben der Befestigung
am Kernkörper 3 dient. Über zwei weitere radiale Biegekanten 25a sind die äußeren
Flächen 24 mit Befestigungsbereichen 26 verbunden, die einer Befestigung der Schaufel
4 an den Seitenscheiben 19 a,b und der Zwischenscheibe 18 dienen. Durch den trapezförmigen
Aufbau der Schaufel 4 tauchen die Kanten der Schaufel 4 bei der Drehung des Wasserrads
2 nicht gleichzeitig in das Wasser. Die Biegekanten 25 sorgen für eine erhöhte Steifigkeit
der Schaufel 4.
[0046] Figur 4 zeigt ein Getriebe der Wasserkraftmaschine 1, das das Wasserrad 2 mit dem
Energiewandler 9 verbindet. Das Getriebe ist in diesem Beispiel als mehrstufiges Zahnradgetriebe
23 mit mehreren Zahnrädern 27 ausgebildet. Durch den bereits beschriebenen Zahnkranz
22 bildet die erste Seitenscheibe 19a des Wasserrads 2 ein Zahnrad 27 des Getriebes.
Über ein Zwischenrad ist das Wasserrad 2 mit einem Ritzel des Energiewandlers verbunden.
Die Zahnräder 27 und der Zahnkranz 22 können beispielsweise aus Kunststoff hergestellt
sein.
[0047] Figur 5 zeigt eine Tandemausführung der Wasserkraftmaschine 1, wobei zwei Wasserräder
2 nebeneinander angeordnet sind und mit einem gemeinsamen Zahnradgetriebe 23 verbunden
sind. Der zweite Auftriebskörper 15 ist beispielsweise durchgängig ausgebildet und
erstreckt sich über die gesamte Breite der Wasserkraftmaschine 1. Diese Ausführung
eignet sich besonders für breite und flache Gewässer 7. Durch das gemeinsame Getriebe
können hier zusätzliche Bauteile und damit verbundene Kosten eingespart werden.
[0048] Figur 6 zeigt einen vergrößerten Ausschnitt des Zahnradgetriebes 23 der Tandemvorrichtung
aus Figur 7. Hierbei ist jeweils eine Seitenscheibe 19 der Wasserräder 2 mit einem
Zahnkranz 22 versehen. Das Zwischenrad und das Ritzel des Energiewandlers 9 sind jeweils
breiter ausgeführt als zuvor, um das Drehmoment beider Wasserräder 2 aufzunehmen.
[0049] Figuren 7 und 8 zeigen die Wasserkraftmaschine 1 an ihrem Einsatzort 8 in einem Gewässer
7 in einer schematischen Seitenansicht. Das Gewässer 7 ist hier beispielsweise ein
Fluss, dessen Fließrichtung jeweils durch einen Pfeil gekennzeichnet ist. Im Beispiel
der Figur 7 liegt die Wasserkraftmaschine 1 am Grund 6 des Gewässers 7 auf. Der Wasserstand
entspricht dem mittleren Wasserstand MW an diesem Einsatzort 8. Dies entspricht beispielsweise
der Definition der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser.
[0050] Der Wasserstand vor dem Wasserrad 2 ergibt sich durch einen Staueffekt der Wasserkraftmaschine
1. Der dargestellte Wasserstand ergibt sich beispielsweise im Leistungsmaximum 28
der Wasserkraftmaschine 1 (siehe Fig. 9) bei eingeschaltetem Energiewandler 9 und
damit erhöhtem Durchflusswiderstand des Wasserrads 2. Aus der Differenz des Wasserstands
vor und nach der Wasserkraftmaschine 1 kann die nutzbare potenzielle Energie abgeleitet
werden.
[0051] Die Wasserkraftmaschine 1 wird so dimensioniert, dass sie bei MW mit den Abstandshaltern
5 auf der Gewässersohle 6 aufliegt und sich der Wasserstand vor dem Wasserrad 2 leicht
unter der Unterkante des zweiten Auftriebskörpers 15 am Einlauf 14 befindet. Somit
lässt sich unerwünschtes Ausweichen der Wassermengen unterhalb des Wasserrads 2 reduzieren.
Durch die Konstruktion sind Gewichts- und Auftriebskräfte an die örtlichen Einsatzbedingungen
so angepasst, dass die im Jahresverlauf schwankenden Wassermengen möglichst optimal
genutzt werden können. Der Wasserstand am Ausgang des Wasserrades verändert sich bei
eingeschaltetem Energiewandler 9 geringfügig, abhängig von der Gestaltung des Gewässerquerschnittes
in Fließrichtung nach dem Wasserrad 2.
[0052] Bei extremem Niedrigwasser besteht die Gefahr, dass der Pegel nicht mehr ausreichend
tief für Fische und gegebenenfalls andere Wasserlebewesen ist. Durch gezieltes Bremsen
oder Stoppen des Wasserrades 2 steigt aufgrund des verringerten Durchflusses der Wasserstand
vor dem Wasserrad 2 an und bildet einen etwas tieferen Wasserspeicher, der das Überleben
der Fische bis zum nächsten Niederschlag ermöglichen kann.
[0053] Figur 8 zeigt den Fall bei einer Erhöhung des Wasserstands, beispielsweise nach Regenfällen,
wobei sich die Wasserkraftmaschine 1 von der Gewässersohle 6 abhebt und aufschwimmt,
entsprechend den Auftriebskräften der ersten und zweiten Auftriebskörper 10, 15. Das
Wasser kann demzufolge auch unterhalb des Wasserrades 2 hindurchströmen, dies hat
einen geringeren Pegelunterschied zwischen Einlauf 14 und Auslauf zur Folge. Der mögliche
Energiegewinn aus potenzieller Energie ist somit geringer als bei aufliegendem Wasserrad
2. Je nach Gewässerquerschnitt vor, neben und nach dem Wasserrad 2 kann sich jedoch
die Fließgeschwindigkeit des Gewässers 7 erhöhen und damit die nutzbare kinetische
Energie anstelle der potenziellen Energie erhöhen. Das Verhältnis der Auftriebskräfte
zu den Gewichtskräften der Wasserkraftmaschine 1 bestimmt, bis zu welcher Stauhöhe
die Vorrichtung noch aufliegt und ab wann sie von den Auflagekanten 12 aufschwimmt.
[0054] Figur 9 zeigt eine schematische Leistungskennlinie der Wasserkraftmaschine 1. Auf
der Abszissenachse ist der Lastwiderstand durch den Energiewandler 9 aufgetragen.
Auf der Ordinatenachse ist die Leistung der Wasserkraftmaschine 1 aufgetragen. Im
Normalbetrieb wird das Wasserrad 2 möglichst nahe am Leistungsmaximum 28 (=Maximum
Power Point, MPP) betrieben. Dies ergibt sich aus einer optimalen Wasserstandsdifferenz
vor und nach der Wasserkraftmaschine 1 und damit einer optimalen Ausnutzung der potenziellen
Energie. Links des Leistungsmaximums 28 befindet sich die Wasserkraftmaschine 1 im
Durchlassbetrieb 29, rechts des Leistungsmaximums 28 im Aufstaubetrieb 30.
[0055] Der Aufstaubetrieb 30 zeichnet sich durch eine Erhöhung des Lastwiderstands über
das Leistungsmaximum 28 hinaus aus, wodurch sich der Strömungswiderstand erhöht und
der Wasserstand vor der Wasserkraftmaschine 1 ansteigt. Dies kann zur Regulierung
des Wasserstands genutzt werden.
[0056] Figur 10 zeigt in einer schematischen Draufsicht die Position der Wasserkraftmaschine
1 in einem Fließgewässer 7. Sie ist über die beiden Verankerungspunkte 16 am Ufer
befestigt. Der Abstand dieser beiden Punkte 16 ist größer als die Breite der Wasserkraftmaschine
1, auf diese Weise wird eine seitliche Bewegung ("Schwojen") verhindert.
[0057] Eine Nutzbreite 31 und eine Durchgangsbreite 32 sind für den jeweils vorgesehenen
Standort der Wasserkraftmaschine 1 einzeln zu definieren, deren Verhältnis zueinander
hängt im Wesentlichen von der Größe des Fließgewässers 7 und dessen Nutzung, zum Beispiel
durch Wasserfahrzeuge wie Boote oder Kanus, ab. Die Nutzbreite 31 definiert den nutzbaren
Volumenstrom 33 und die Durchgangsbreite 32 den frei durchfließenden Volumenstrom
34. Beides ist durch entsprechende Pfeile angedeutet. Bei kleineren Fließgewässern
7 ohne Nutzung durch Wasserfahrzeuge wird die Durchgangsbreite 32 ähnlich einer Fischtreppe
dimensioniert. Eine geeignete Gestaltung dieses Bereiches soll das Passieren von Fischen
auch bei Niedrigwasser ermöglichen, in der Abbildung durch den frei durchfließenden
Volumenstrom 34 angedeutet.
[0058] Bei größeren Fließgewässern 7 wird die Durchgangsbreite 32 an der Art und Größe der
Wasserfahrzeuge (Kanus, Boote, Schiffe) ausgerichtet und begrenzt die für das Wasserrad
2 zur Verfügung stehende Nutzbreite 31. Eine Gestaltung als Fischtreppe ist aufgrund
der wesentlich größeren Wassertiefe nicht erforderlich. Vom gesamten Volumenstrom
eines Fließgewässers 7 wird nur der nutzbare Volumenstrom 33 für die Gewinnung von
Energie genutzt. Das hier beschriebene Verfahren wird als "Teilstromnutzung von Fließgewässern"
bezeichnet.
[0059] Bei Niedrigwasser wird die Wasserkraftmaschine 1 im Aufstaubetrieb 30 (siehe Figur
9) betrieben; die erzeugte Leistung ist niedriger als bei Betrieb am MPP, der erhöhte
Fließwiderstand erhöht den Wasserspiegel. Dies ermöglicht Wasserlebewesen, vorrangig
Fischen, einen Überlebensraum während der Niedrigwasserphasen, in denen sie sonst
verenden würden. Bei Platzregen kann die Wasserkraftmaschine 1 zunächst in den Durchlassbetrieb
29 versetzt werden, um den Wasserpegel abzusenken. Bei Eintreffen des Wasserschwalles
wird die Anlage in den Aufstaubetrieb 30 versetzt, damit die Flutwelle erst nach Füllung
des Puffervolumens verzögert und gedämpft weitergeleitet wird.
Bezugszeichenliste
[0060]
- 1
- Wasserkraftmaschine
- 2
- Wasserrad
- 3
- Kernkörper
- 4
- Schaufeln
- 5
- Abstandshalter
- 6
- Grund/Gewässersohle
- 7
- Gewässer
- 8
- Einsatzort
- 9
- Energiewandler
- 10
- erster Auftriebskörper
- 11
- Abstand
- 12
- Auflagekante
- 13
- Lagerung
- 14
- Einlaufseite/Einlauf
- 15
- zweiter Auftriebskörper
- 16
- Verankerungspunkt/Verankerung
- 17
- Mantelfläche
- 18
- Zwischenscheibe
- 19
-
- a) erste Seitenscheibe
- b) zweite Seitenscheibe
- 20
- Lasche
- 21
- Öffnung
- 22
- Zahnkranz
- 23
- Zahnradgetriebe
- 24
- Fläche
- 25
-
- a) radiale Biegekante
- b) axiale Biegekante
- 26
- Befestigungsbereich
- 27
- Zahnrad
- 28
- Leistungsmaximum
- 29
- Durchlassbetrieb
- 30
- Aufstaubetrieb
- 31
- Nutzbreite
- 32
- Durchgangsbreite
- 33
- nutzbarer Volumenstrom
- 34
- frei durchfließender Volumenstrom
- MW
- mittlerer Wasserstand
1. Wasserkraftmaschine (1) mit
- einem Wasserrad (2), wobei das Wasserrad (2) einen Kernkörper (3) und eine Vielzahl
an Schaufeln (4) umfasst,
- wenigstens einem Abstandshalter (5), der einen Mindestabstand zwischen dem Wasserrad
(2) und einem Grund (6) eines Gewässers (7) an einem Einsatzort (8) der Wasserkraftmaschine
(1) definiert, und
- einem Energiewandler (9) zur Verarbeitung der Rotationsenergie des Wasserrads (2)
dadurch gekennzeichnet,
dass der Kernkörper (3) des Wasserrads (2) einen ersten Auftriebskörper (10) umfasst,
wobei der erste Auftriebskörper (10) und der Abstandshalter (5) derart dimensioniert
sind, dass die Wasserkraftmaschine (1) bei einem mittleren Wasserstand (MW) am Einsatzort
(8), an dem die Wasserkraftmaschine (1) bei bestimmungsgemäßem Gebrauch angeordnet
ist, auf dem Grund (6) des Gewässers (7) aufliegt und bei einem Wasserstand oberhalb
des mittleren Wasserstands (MW) schwimmfähig ist.
2. Wasserkraftmaschine (1) gemäß dem vorangegangenen Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der Kernkörper (3) einen polygonförmigen Querschnitt, vorzugsweise mit wenigstens
12 Mantelflächen (17), aufweist.
3. Wasserkraftmaschine (1) gemäß dem vorangegangenen Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der Kernkörper (3) durch Biegen, insbesondere Abkanten, eines oder mehrerer Bleche
hergestellt ist.
4. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, gekennzeichnet durch einen zweiten Auftriebskörper (15), der vorzugsweise an einem Einlauf (14) des Wasserrads
(2) angeordnet ist.
5. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaufeln (4) des Wasserrads (2) trapezförmig sind.
6. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaufeln (4) des Wasserrads (2) wenigstens eine radiale Biegekante (25a) aufweisen.
7. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaufeln (4) des Wasserrads (2) wenigstens eine axiale Biegekante (25b) aufweisen.
8. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schaufeln (4) des Wasserrads (2) wenigstens eine Lasche (20) zur formschlüssigen
Verbindung mit dem Kernkörper (3) aufweisen.
9. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Wasserrad (2) eine erste Seitenscheibe (19a), eine zweite Seitenscheibe (19b)
und wenigstens eine Zwischenscheibe (18) aufweist, wobei eine Vielzahl von Schaufeln
(4) sowohl zwischen der ersten Seitenscheibe (19) und der Zwischenscheibe (18) als
auch zwischen der zweiten Seitenscheibe (19) und der Zwischenscheibe (18) angeordnet
ist.
10. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Auftriebskörper (10) und/oder der zweite Auftriebskörper (15) mit einem
Material gefüllt ist, das eine geringere Dichte als Wasser aufweist, mit einem oder
mehreren Hohlkörpern gefüllt ist und/oder luftdicht ausgebildet ist.
11. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Wasserrad (2) und der Energiewandler (9) über ein mehrstufiges Zahnradgetriebe
(23) miteinander verbunden sind.
12. Wasserkraftmaschine (1) gemäß dem vorangegangenen Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass das Zahnradgetriebe (23) mehrere Zahnräder (27) aufweist, die aus Kunststoff hergestellt
sind, insbesondere in einem 3D-Druck- oder Spritzgussverfahren.
13. Wasserkraftmaschine (1) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche, gekennzeichnet durch wenigstens zwei nebeneinander angeordnete Wasserräder (2), die mit einem gemeinsamen
Getriebe (23, 28) verbunden sind.
14. Verfahren zum Betreiben einer Wasserkraftmaschine (1), die ein Wasserrad (2), wenigstens
einen ersten Abstandshalter (5), einen ersten Auftriebskörper (10) und einen Energiewandler
(9) umfasst, wobei
- ein Einsatzort (8) der Wasserkraftmaschine (1) in einem Gewässer (7) identifiziert
wird,
- ein mittlerer Wasserstand (MW) am Einsatzort (8) ermittelt wird, und
- der erste Auftriebskörper (10) und der Abstandshalter (5) derart dimensioniert werden,
dass die Wasserkraftmaschine (1) bei dem mittleren Wasserstand (MW) am Einsatzort
(8) auf dem Grund (6) des Gewässers (7) aufliegt und bei einem Wasserstand oberhalb
des mittleren Wasserstands (MW) schwimmt.
15. Verwendung einer Wasserkraftmaschine (1), insbesondere einer Wasserkraftmaschine (1)
nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, an einem Einsatzort (8) in einem
Gewässer (7) mit einem definierten mittleren Wasserstand (MW), wobei ein erster Auftriebskörper
(10) und ein Abstandshalter (5) der Wasserkraftmaschine (1) derart dimensioniert werden,
dass die Wasserkraftmaschine (1) bei dem mittleren Wasserstand (MW) am Einsatzort
(8) auf dem Grund (6) des Gewässers (7) aufliegt und bei einem Wasserstand oberhalb
des mittleren Wasserstands (MW) schwimmt.