[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Durchführen eines Hülsenwechsels
durch eine Wechselvorrichtung an einer Spinnmaschine, eine Wechselvorrichtung sowie
ein Computerprogramm zu diesem Zweck.
Stand der Technik
[0002] Spinnmaschinen sind in der Textilindustrie weit verbreitet und werden zur Herstellung
von Garnen verwendet. So können beispielsweise Spinnmaschinen manuelle und automatisierte
Prozesse kombinieren, wobei Bediener das Spinnmaterial in die Maschine einlegen und
die Spinnvorgänge überwachen können, während die Maschine den eigentlichen Spinnprozess
durchführt. Spinnmaschinen können für verschiedene Arten von Fasern zur Herstellung
verschiedenster Garne, auch als Faden bezeichnet, eingesetzt werden und sind in verschiedenen
Konfigurationen erhältlich, je nach den spezifischen Anforderungen der Produktion.
Bei sogenannten semiautomatischen Spinnmaschinen sind verschiedene Arten von manuellen
Spulenwechseln bekannt, je nach Art oder Hersteller der Maschine. Beispielsweise kann
ein Faden von einem Bediener manuell durchtrennt und separat entsorgt werden, bis
ein neuer Faden nach dem Spulenwechsel bzw. dem Einlegen einer neuen Hülse durch den
Bediener wieder dem Spulprozess zugeführt werden kann. Nachteilig ist bei diesen Wechseln,
dass die Zykluszeit für den Wechsel der Spule durch den Bediener sehr viel Zeit benötigt
bzw. eine lange Zeitdauer umfassen kann, so dass während dieser Zeitspanne der von
der Spinnmaschine weiterhin produzierte Faden oft als Abfall entsorgt werden muss.
Offenbarung der Erfindung
[0003] Daher ist es eine Aufgabe der Erfindung, die Nachteile des Stands der Technik zu
beseitigen oder zumindest zu reduzieren. Insbesondere ist es eine Aufgabe an einer
Spinnmaschine, insbesondere einer Rotor- oder Luftspinnmaschine, im Besonderen einer
semiautomatischen Rotorspinnmaschine einen Spulenwechsel durchzuführen, bei dem der
Spinnprozess im Wesentlichen nicht unterbrochen oder die Unterbrechung so kurz wie
möglich gehalten wird.
[0004] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1, eine
Wechselvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 10 sowie ein Computerprogramm mit
den Merkmalen des Anspruchs 12. Weitere Merkmale und Details der Erfindung ergeben
sich aus den jeweiligen Unteransprüchen, der Beschreibung und den Zeichnungen. Dabei
gelten Merkmale und Details, die im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
beschrieben sind, selbstverständlich auch im Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen
Wechselvorrichtung sowie dem erfindungsgemäßen Computerprogramm, und jeweils umgekehrt,
so dass bezüglich der Offenbarung zu den einzelnen Erfindungsaspekten stets wechselseitig
Bezug genommen wird bzw. werden kann.
[0005] Gegenstand der Erfindung ist insbesondere ein Verfahren zur Durchführung eines Hülsenwechsels
durch eine Wechselvorrichtung an einer Spinnmaschine. Das Verfahren umfasst die folgenden
Schritte:
- Erfassen wenigstens zweier Zeitpunkte, zu welchem ein Fadenführer eine erste vorgegebene
Position erreicht, wobei der Fadenführer entlang einer Fadenführerführung changiert,
- Berechnen einer Zeitspanne auf Basis der wenigstens zwei erfassten Zeitpunkte, wobei
die Zeitspanne eine Zeit spezifiziert, welche der Fadenführer benötigt, um ausgehend
von der ersten vorgegebenen Position eine zweite vorgegebene Position entlang der
Fadenführerführung zu erreichen,
- Bestimmen eines Zeitpunkts auf Basis der berechneten Zeitspanne, welcher dafür spezifisch
ist, dass der Fadenführer die zweite vorgegebene Position ausgehend von der ersten
vorgegebenen Position entlang der Fadenführerführung erreicht,
- Initiieren einer Maßnahme zum Durchführen eines Hülsenwechsels auf Basis des bestimmten
Zeitpunkts.
[0006] Die Bestimmung des Zeitpunkts, welcher dafür spezifisch ist, dass der Fadenführer
die zweite vorgegebene Position entlang der Fadenführerführung erreicht, ermöglicht
es einerseits der Wechselvorrichtung zu dem bestimmten Zeitpunkt den Faden vom Fadenführer
zu trennen, sodass als initiierende Maßnahme ein Austausch der fertig bewickelten
Hülse, einer sogenannten vollen Spule, durch eine leere Hülse eingeleitet werden kann.
Andererseits kann die Bestimmung des vorgenannten Zeitpunkts ebenso dazu dienen, dass
im Falle des bereits getrennten und zur Speicherung abgesaugten Fadens die Wechselvorrichtung,
auch bezeichnet als Wechsler oder Serviceaggregat, zum bestimmten Zeitpunkt als initiierende
Maßnahme ein Ausrichten der Absaugeinrichtung auf den Bereich eines die leere Hülse
halternden Hülsentellers initiieren kann, um den Faden von dem Hülsenteller mitnehmen
zu lassen und somit den Spulprozess fortzusetzen. Solche Hülsenteller sind im Stand
der Technik hinlänglich bekannt. Der Hülsenteller ist ein Bestandteil einer Spulvorrichtung
der Spinnmaschine, welche vorgesehen ist, die zu bewickelnde Hülse mittels des Hülsentellers
rotierbar zu haltern. Beispielsweise kann der Hülsenteller zur Mitnahme des Fadens
umläufig verteilte Einkerbungen aufweisen, welche einen Fadenfanghaken ausformen,
um den im Bereich des Hülsentellers zur Mitnahme bereitgestellten Faden im Zuge der
Rotation des Hülsentellers zu fangen und mitzunehmen. Dies hat den Vorteil, dass die
zeitliche Unterbrechung des Spulprozesses signifikant reduziert werden kann. Die zeitliche
Synchronisation des Hülsenwechsels mit dem Trennen und dem Wiederauflegen des Fadens
im Changierbereich in Abhängigkeit von der vorgegebenen Position des Fadenführers
ermöglicht eine sehr geringe Unterbrechungszeit, insbesondere im einstelligen Sekundenbereich,
des Spulprozesses durch den Hülsenwechsel. Der Begriff "Changierbereich eines Fadens"
bezieht sich auf die Spinnmaschinentechnologie und bezeichnet den Bereich, in dem
das Garn (der "Faden") im Bereich einer Spulvorrichtung hin- und herwechselt, um eine
kontinuierliche Hülsenbewicklung und damit Produktion zu gewährleisten. Der Begriff
"Changierbereich" beschreibt also den Bereich, in dem das "Changieren" des Fadens
stattfindet. Mit anderen Worten kann als Changierbereich der Hubbereich des Fadenführers
verstanden werden, wobei der Hubbereich des Fadenführers insbesondere situations-
und/oder produktionsabhängig variabel einstellbar ist.
[0007] Des Weiteren ist es denkbar, dass das Initiieren die weiteren folgenden Schritte
umfasst, wenn ein Austausch einer bewickelten Hülse bzw. einer Auflaufspule durch
eine leere Hülse erfolgen soll:
- Trennen des Fadens vom Fadenführer in einem Changierbereich des Fadens zu dem bestimmten
Zeitpunkt,
- Absaugen des getrennten Fadens durch eine Fadenabsaugeinrichtung,
- Austauschen der bewickelten Hülse gegen eine leere Hülse durch Austauschmittel.
[0008] Das Trennen des Fadens zu dem bestimmten Zeitpunkt ermöglicht es, dass der getrennte
Faden von der Fadenabsaugeinrichtung abgesaugt werden kann. Ferner hat dies den Vorteil,
dass der Faden an der zweiten vorgegebenen Position im Changierbereich des Fadens
zu dem bestimmten Zeitpunkt durchtrennt wird, damit das Austauschen der Auflaufspule
durch eine leere Hülse schneller eingeleitet werden kann. Ferner ermöglicht das Trennen
des Fadens, dass dieser für eine weitere Verwendung während des Hülsenwechsels bereitgestellt
werden kann.
[0009] Auch ist es optional denkbar, dass das Trennen des Fadens den weiteren folgenden
Schritt umfasst:
- Speichern des getrennten Fadens in einer Fadenspeichereinheit, insbesondere in einer
Speicherkammer.
[0010] Dies ermöglicht es, dass der Faden nicht als Abfall entsorgt werden muss und reduziert
ferner die Produktionskosten. Die Speicherung des Fadens hat den Vorteil, dass der
gespeicherte Faden nach einem erfolgten Hülsenwechsel für den Spulprozess weiterverwendet
werden kann.
[0011] Es kann optional möglich sein, dass das Initiieren die weiteren folgenden Schritte
umfasst, in Abhängigkeit davon, dass ein Austausch einer bewickelten Hülse bzw. einer
Auflaufspule durch eine leere Hülse erfolgt ist:
- Ausrichten der Absaugeinrichtung auf den Bereich eines die leere Hülse halternden
Hülsentellers mittels eines Führungsmittels in Abhängigkeit des bestimmten Zeitpunkts,
- Übernahme und Mitnahme des Fadens durch den rotierenden Hülsenteller in Abhängigkeit
des bestimmten Zeitpunkts,
- Aufnehmen des Fadens durch den Fadenführer in Abhängigkeit der Übernahme und Mitnahme.
[0012] Das Ausrichten der Absaugeinrichtung in Abhängigkeit des bestimmten Zeitpunkts ermöglicht
es, dass der Faden zum richtigen Zeitpunkt von dem rotierenden Hülsenteller übernommen
werden kann, so dass der Faden von dem rotierenden Hülsenteller mitgenommen wird.
Damit kann der Spulprozess vorteilhafterweise fortgesetzt werden.
[0013] Es kann im Rahmen der Erfindung vorgesehen sein, dass die zweite vorgegebene Position
des changierenden Fadenführers einer linken und/oder einer rechten Endstellung entlang
der Fadenführerführung entspricht. Diese Position des Fadens im Changierbereich des
Fadens bzw. im Hubbereich des Fadenführers ermöglicht es, dass ein effektives Trennen
und/oder Übernehmen sowie Mitnehmen des Fadens vor und/oder nach dem Hülsenwechsel
gewährleistet wird. Ferner ermöglicht es diese Position, dass sich der Faden im Wirkungsbereich
der Fadentrenneinheit befindet, um in Abhängigkeit des bestimmten Zeitpunkts durch
die Fadentrenneinheit vom Fadenführer getrennt zu werden. Nach einem erfolgten Hülsenwechsel
ermöglicht diese Position, dass die Fadenabsaugeinrichtung in Richtung des in der
Nähe befindlichen Hülsentellers ausgerichtet werden kann, so dass der Faden übernommen
und mitgenommen werden kann.
[0014] Im Rahmen der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die erste vorgegebene Position
des changierenden Fadenführers, zu welchem die wenigstens zwei Zeitpunkte erfasst
werden, einer Position zwischen der Mitte eines entlang der Fadenführerführung verlaufenden
Changierbereiches des Fadenführers und einer linken oder einer rechten Endstellung
entlang der Fadenführerführung entspricht. Diese Position ermöglicht eine zuverlässige
Erkennung der Bewegungsrichtung des Fadenführers, insbesondere in Richtung der zweiten
vorgegebenen Position, ausschließlich basierend auf den wenigstens zwei erfassten
Zeitpunkten, wodurch eine zuverlässige Bestimmung des Zeitpunktes ermöglicht wird
und zudem die Verwendung eines kostengünstigen Erfassungsmittels ausreicht.
[0015] Alternativ dazu kann im Rahmen der Erfindung vorgesehen sein, dass die erste vorgegebene
Position der Mitte eines entlang der Fadenführerführung verlaufenden Changierbereiches
des Fadenführers entspricht. Diese Position wirkt sich insbesondere begünstigend auf
eine bauraumreduzierte Ausgestaltung der Wechselvorrichtung durch entsprechende Anordnung
eines Erfassungsmittels zum Erfassen der wenigstens zwei Zeitpunkte aus. Daneben kann
mittels Vergleichs der berechneten Zeitspannen und/oder Zeitpunkte in einfacher Weise
ermittelt werden, ob der Fadenführer entlang der Fadenführerführung irgendwelchen
Einflüssen ausgesetzt wird, welche eine Überprüfung des Fadenführers und/oder der
Fadenführerführung bedingen.
[0016] Weiterhin alternativ kann im Rahmen der Erfindung vorgesehen sein, dass die erste
vorgegebene Position identisch mit der zweiten vorgegebenen Position ist. Die Übereinstimmung
der ersten und zweiten Position begünstigt in Verbindung mit der Entsprechung der
zweiten vorgegebenen Position mit der linken und/oder rechten Endstellung in vorteilhafter
Weise die Erfassung und/oder Ermittlung einer Verweildauer des Fadenführers an der
zweiten vorgegebenen Position, wodurch das Initiieren der Maßnahme in zuverlässigerer
Weise erfolgen kann.
[0017] Beispielsweise kann es vorgesehen sein, dass das Verfahren den weiteren nachfolgenden
Schritt umfasst:
- Empfangen der wenigstens zwei erfassten Zeitpunkte in Bezug auf die erste vorgegebene
Position des Fadenführers von einem Erfassungsmittel.
[0018] Dies ermöglicht es, dass die wenigstens zwei erfassten Zeitpunkte von dem Wechsler,
insbesondere von der Verarbeitungsvorrichtung des Wechslers, empfangen werden kann,
so dass die Bestimmungs- und Berechnungsmittel der Verarbeitungsvorvorrichtung den
Zeitpunkt bestimmen und berechnen können, zu dem der Fadenführer die zweite vorgegebene
Position entlang der Fadenführerführung erreicht. Dies hat den Vorteil, dass der geeignete
Zeitpunkt in Bezug auf die zweite vorgegebene Position des Fadenführers festgelegt
werden kann, um eine Maßnahme hinsichtlich der Durchführung des Spulenwechsels zu
initiieren. Das Erfassungsmittel kann optional als ein optischer Sensor ausgebildet
sein. Die Übertragung der wenigstens zwei erfassten Zeitpunkte an die Verarbeitungsvorrichtung
kann kabelgebunden und/oder kabellos erfolgen.
[0019] In einer weiteren Möglichkeit kann vorgesehen sein, dass das Durchführen des Hülsenwechsels
eine Zykluszeit von kleiner als 10 Sekunden, vorzugsweise zwischen 3 bis 5 Sekunden,
umfasst, wobei die Zykluszeit vom Zeitpunkt des Trennens des Fadens bis zum Zeitpunkt
des Aufnehmens des Fadens gemessen wird. Dies hat den Vorteil, dass die während des
Hülsenwechsels produzierte Menge des Fadens gering gehalten werden kann. Ferner ermöglicht
dies, dass das Volumen der Fadenspeichereinheit entsprechend der jeweiligen Zykluszeit
klein gehalten werden kann.
[0020] Nach einer weiteren Möglichkeit kann vorgesehen sein, dass die Spinnmaschine eine
semiautomatische Rotorspinnmaschine ist. Die Verwendung einer semiautomatischen Rotorspinnmaschine
ermöglicht es, dass die Produktionsgeschwindigkeit und Produktionseffizienz im Vergleich
zu manuellen Verfahren deutlich gesteigert werden können. Dies hat den Vorteil, dass
eine schnellere Produktion von Spinnmaterialen gewährleistet werden kann. Diese Maschinen
können vorteilhafterweise eine gleichmäßigere Drehung und Spannung des Spinnmaterials
sicherstellen, was eine höhere Qualität und Konsistenz der Endprodukte erreichen lässt.
Ferner können solche Maschinen oft vielseitig eingesetzt werden und an verschiedene
Spinnmaterialien und -anforderungen angepasst werden, was die Flexibilität in der
Produktion erhöht.
[0021] Ebenfalls Gegenstand der Erfindung ist eine Wechselvorrichtung zum Durchführen eines
Hülsenwechsels an einer Spinnmaschine, insbesondere nach einer bevorzugten Ausführungsform
des vorbeschriebenen erfindungsgemäßen Verfahrens. Die Wechselvorrichtung umfasst
die nachfolgenden Elemente:
- ein Erfassungsmittel zum Erfassen wenigstens zweier Zeitpunkte, zu welchem ein Fadenführer
eine erste vorgegebene Position erreicht, wobei der Fadenführer entlang einer Fadenführerführung
changiert,
- eine Verarbeitungsvorrichtung, aufweisend:
- ein Berechnungsmittel zum Berechnen einer Zeitspanne auf Basis der wenigstens zwei
erfassten Zeitpunkte, wobei die Zeitspanne eine Zeit spezifiziert, welche der Fadenführer
benötigt, um ausgehend von der ersten vorgegebenen Position eine zweite vorgegebene
Position entlang der Fadenführerführung zu erreichen,
- ein Bestimmungsmittel zum Bestimmen eines Zeitpunkts auf Basis der berechneten Zeitspanne,
welcher dafür spezifisch ist, dass der Fadenführer die zweite vorgegebene Position
ausgehend von der ersten vorgegebenen Position entlang der Fadenführerführung erreicht,
- ein Initiierungsmittel zum Initiieren einer Maßnahme zum Durchführen des Hülsenwechsels
auf Basis des bestimmten Zeitpunkts.
[0022] Damit bringt die erfindungsgemäße Wechselvorrichtung die gleichen Vorteile mit sich,
wie sie ausführlich mit Bezug auf ein erfindungsgemäßes Verfahren beschrieben worden
sind.
[0023] Optional kann es in bevorzugter Weise vorgesehen sein, dass die Wechselvorrichtung
weitere Komponenten umfasst:
- eine Fadentrenneinheit zum Trennen und/oder Durchtrennen eines auf die Hülse zu wickelnden
Fadens, wobei die Fadentrenneinheit weiter bevorzugt im Bereich der zweiten vorgegebenen
Position angeordnet ist,
- eine Fadenabsaugeinrichtung zum Absaugen des Fadens, welche positionierbar, insbesondere
schwenkbar, ausgeführt ist, und
- ein Austauschmittel zum Austauschen einer bewickelten Hülse bzw. einer Auflaufspule
durch eine leere Hülse.
[0024] Dies ermöglicht es, dass das erfindungsgemäße Verfahren schnell und effizient ausgeführt
werden kann. Die jeweilige Komponente des Wechslers kann den Wechsler bei der Durchführung
des Hülsenwechsels unterstützen. Die Fadentrenneinheit kann beispielsweise als Schneidvorrichtung
oder Schere ausgeführt sein, so dass ein Trennen des Fadens durch ein Schneiden, insbesondere
an der zweiten vorgegebenen Position, durchgeführt werden kann. Die Absaugeinrichtung
zum Absaugen eines Fadens kann eine Vorrichtung sein, die dazu dienen kann, einen
Faden effizient und präzise von einer bestimmten Stelle zu entfernen.
[0025] Sie kann einen Saugmechanismus aufweisen, welcher einen Unterdruck erzeugt, um den
Faden anzusaugen und ihn dann beispielsweise in eine Auffangvorrichtung oder eine
Speichereinheit für den Faden zu befördern. Ferner kann die Fadenabsaugeinrichtung
eine Positioniereinrichtung, insbesondere eine Schwenkeinrichtung, aufweisen, um die
Fadenabsaugeinrichtung mit einer den Faden einsaugenden Einsaugöffnung zur Fadenerfassung
und -positionierung definiert zu positionieren. Positioniereinrichtungen zum definierten
Positionieren eines Elementes sind hinlänglich aus dem Stand der Technik bekannt.
Das Austauschmittel kann beispielsweise ein Greif- und Transportmechanismus sein,
welcher dazu dienen kann, eine bewickelte Hülse bzw. Auflaufspule aus der Spulvorrichtung
herauszunehmen und gegen oder durch eine leere Hülse zu ersetzen.
[0026] Ebenfalls Gegenstand der Erfindung ist eine Vorrichtung zur Datenverarbeitung, insbesondere
eine Verarbeitungsvorrichtung, umfassend Mittel zur Ausführung der Schritte des erfindungsgemäßen
Verfahrens. Damit bringt die erfindungsgemäße Vorrichtung die gleichen Vorteile mit
sich, wie sie ausführlich mit Bezug auf ein erfindungsgemäßes Verfahren beschrieben
worden sind.
[0027] Ebenfalls Gegenstand der Erfindung ist ein Computerprogramm, insbesondere Computerprogrammprodukt,
umfassend Befehle, die bei der Ausführung des Computerprogrammes durch einen Computer
diesen veranlassen, das erfindungsgemäße Verfahren auszuführen. Damit bringt das erfindungsgemäße
Computerprogramm die gleichen Vorteile mit sich, wie sie ausführlich mit Bezug auf
ein erfindungsgemäßes Verfahren beschrieben worden sind.
[0028] Als der Computer kann eine Datenverarbeitungsvorrichtung, bspw. die erfindungsgemäße
Vorrichtung, vorgesehen sein, welche das Computerprogramm ausführt. Der Computer kann
wenigstens einen Prozessor zur Ausführung des Computerprogramms aufweisen. Auch kann
ein nicht-flüchtiger Datenspeicher vorgesehen sein, in welchem das Computerprogramm
hinterlegt und von welchem das Computerprogramm durch den Prozessor zur Ausführung
ausgelesen werden kann.
[0029] Ebenfalls ist es denkbar, dass der Computer zumindest einen integrierten Schaltkreis
wie einen Mikroprozessor oder eine anwendungsspezifische integrierte Schaltung (ASIC)
oder ein anwendungsspezifisches Standardprodukt (ASSP) oder einen digitalen Signalprozessor
(DSP) oder einen Field Programmable Gate Array (FPGA) oder dergleichen umfasst. Der
Computer kann ferner wenigstens eine Schnittstelle zum Datenaustausch, z. B. eine
Ethernet-Schnittstelle oder eine Schnittstelle für LAN (Local Area Network) oder WLAN
(Wireless Local Area Network) oder System-on-a-Chip (SoC) oder eine andere Funkschnittstelle
wie Bluetooth oder Nahfeldkommunikation (NFC) aufweisen. Ferner kann der Computer
als ein oder mehrere Steuergeräte, d. h. auch als ein System aus Steuergeräten, ausgeführt
sein. Der Computer kann bspw. auch in einer Cloud und/oder als ein Server vorgesehen
sein, um über die Schnittstelle die Datenverarbeitung für eine lokale Anwendung zur
Verfügung zu stellen. Auch ist es möglich, dass der Computer als ein mobiles Gerät,
wie ein Smartphone, ausgeführt ist.
[0030] Ebenfalls Gegenstand der Erfindung kann ein computerlesbares Speichermedium sein,
welches das erfindungsgemäße Computerprogramm umfasst. Das Speichermedium ist bspw.
als ein Datenspeicher wie eine Festplatte und/oder ein nicht-flüchtiger Speicher und/oder
eine Speicherkarte ausgebildet. Das Speichermedium kann z. B. in den Computer integriert
sein. Darüber hinaus kann das erfindungsgemäße Verfahren auch als ein computerimplementiertes
Verfahren ausgeführt sein.
[0031] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung, in der unter Bezugnahme auf die Zeichnungen Ausführungsbeispiele der
Erfindung im Einzelnen beschrieben sind. Dabei können die in den Ansprüchen und in
der Beschreibung erwähnten Merkmale jeweils einzeln für sich oder in beliebiger Kombination
erfindungswesentlich sein. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Visualisierung eines Verfahrens gemäß Ausführungsbeispielen der
Erfindung.
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung der Erfindung gemäß Ausführungsbeispielen der Erfindung,
- Fig. 3
- eine schematische Übersicht der Erfindung gemäß Ausführungsbeispielen der Erfindung.
[0032] In den nachfolgenden Figuren werden für die gleichen technischen Merkmale auch von
unterschiedlichen Ausführungsbeispielen die identischen Bezugszeichen verwendet.
[0033] In Fig. 1 ist ein Verfahren 100 gemäß Ausführungsbeispielen der Erfindung schematisch
dargestellt. Fig. 1 veranschaulicht gemäß Ausführungsbeispielen der Erfindung ein
Verfahren zur Durchführung eines Hülsenwechsels an einer semiautomatischen Spinnmaschine
durch eine Wechselvorrichtung 10. Das Verfahren 100 umfasst die folgenden Schritte:
In Schritt 101 werden wenigstens zwei Zeitpunkte erfasst, zu welchem ein Fadenführer
5 eine erste vorgegebene Position 6A erreicht, beispielsweise eine Position zwischen
einer Mitte eines Changierbereiches eines Fadenführers 5 entlang einer Fadenführerstange
4, welche als Fadenführerführung ausgebildet ist, und einer rechten Endstellung entlang
der Fadenführerstange 4, wobei der Fadenführer 5 entlang der Fadenführerstange 4 zwischen
einer linken und der rechten Endstellung changiert. Die Kombination aus Fadenführer
5 und Fadenführerstange 4 ist aus dem Stand der Technik hinlänglich bekannt. Alternativ
kann der Fadenführer 5 anstelle auf einer Fadenführerstange 4 in vorbekannter Weise
an einem Fadenführerriemen als Fadenführerführung angeordnet sein. Der Abstand zwischen
der linken und rechten Endstellung entlang der Fadenführerführung definiert eine Changierbreite
bzw. eine Hubbreite des Fadenführers 5. Die Hubbreite des Fadenführers 5 kann programmgesteuert
und/oder rechnergestützt variabel eingestellt sein. In Schritt 102 wird eine Zeitspanne
auf Basis der wenigstens zwei erfassten Zeitpunkte berechnet, wobei die Zeitspanne
eine Zeit spezifiziert, welche der Fadenführer 5 benötigt, um ausgehend von der ersten
vorgegebenen Position 6A eine zweite vorgegebene Position 6B entlang der Fadenführerstange
4 zu erreichen.
[0034] In Schritt 103 wird ein Zeitpunkt auf Basis der berechneten Zeitspanne bestimmt,
welcher dafür spezifisch ist, dass der Fadenführer 5 die zweite vorgegebene Position
6B ausgehend von der ersten vorgegebenen Position 6A entlang der Fadenführerstange
4 erreicht. In Schritt 104 wird eine Maßnahme zum Durchführen eines Hülsenwechsels
auf Basis des bestimmten Zeitpunkts initiiert.
[0035] Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung der Erfindung gemäß Ausführungsbeispielen
der Erfindung. In Fig. 2 ist eine Wechselvorrichtung 10 gemäß Ausführungsbeispielen
der Erfindung dargestellt. Die Wechselvorrichtung 10 oder auch der Wechsler 10 gemäß
Fig. 2 umfasst beispielsweise Erfassungsmittel 11, eine Fadentrenneinheit 12, eine
Fadenabsaugeinrichtung 13, eine Fadenspeichereinheit 14, eine Verarbeitungsvorrichtung
15, ein Führungsmittel 19, ein Computerprogramm 20 und ein Austauschmittel 30.
[0036] Die Verarbeitungsvorrichtung 15 kann in diesem in Fig. 2 abgebildeten Ausführungsbeispiel
folgende Elemente umfassen:
- ein Berechnungsmittel 16 zum Berechnen 102 einer Zeitspanne auf Basis der wenigstens
zwei erfassten Zeitpunkte, wobei die Zeitspanne eine Zeit spezifiziert, welche der
Fadenführer 5 benötigt, um ausgehend von der ersten vorgegebenen Position 6A eine
zweite vorgegebene Position 6B entlang der Fadenführerstange 4 zu erreichen,
- ein Bestimmungsmittel 17 zum Bestimmen 103 eines Zeitpunkts auf Basis der berechneten
Zeitspanne, welcher dafür spezifisch ist, dass der Fadenführer 5 die zweite vorgegebene
Position 6B ausgehend von der ersten vorgegebenen Position 6A entlang der Fadenführerstange
4 erreicht,
- ein Initiierungsmittel 18 zum Initiieren 104 einer Maßnahme zum Durchführen des Hülsenwechsels
auf Basis des bestimmten Zeitpunkts.
[0037] Die Verarbeitungsvorrichtung 15 kann als eine Vorrichtung zur Datenverarbeitung ausgeführt
sein, welche mit den Mitteln 16, 17, 18 das erfindungsgemäße Verfahren durchführen
kann.
[0038] Das Erfassungsmittel 11 dient zum Erfassen 101 wenigstens zweier Zeitpunkte, zu welchem
ein Fadenführer 5 eine erste vorgegebene Position 6A erreicht, wobei der Fadenführer
5 entlang der Fadenführerstange 4 changiert. Ein Erfassungsmittel 11 kann beispielsweise
ein optischer Sensor sein. Ein optischer Sensor 11 ist ein elektronisches Gerät, das
dazu dient, Licht oder andere elektromagnetische Strahlung zu erfassen und in elektrische
Signale umzuwandeln. Diese Sensoren spielen in verschiedenen Anwendungen eine wichtige
Rolle, einschließlich der Messtechnik und der Automatisierungstechnik. Der optische
Sensor 11 in Fig. 2 kann eine Bewegung und/oder Position von Objekten wie beispielsweise
die eines changierenden Fadenführers 4 erfassen.
[0039] Die Fadentrenneinheit 12 dient zum Durchtrennen oder zum Trennen eines Fadens 3.
Sie kann beispielsweise als eine Schneidevorrichtung oder Schere ausgeführt sein.
Sie kann bewirken, dass ein Faden 3, der von der Fadentrenneinheit 12 durchtrennt
wird, nicht mehr für einen Spinnprozess oder Spulprozess verwendet werden kann, da
die Fadenzufuhr zur zu bewickelnden Hülse bzw. zur Auflaufspule unterbrochen ist.
[0040] Die Fadenabsaugeinrichtung 13 dient zum Absaugen eines Fadens. Die Absaugeinrichtung
13 umfasst ein Absaugrohr, mit welchem ein Faden 3, insbesondere ein durchtrennter
Faden 3, mittels Unterdrucks abgesaugt werden kann. Der abgesaugte Faden 3 kann dann
beispielsweise in der Fadenspeichereinheit 14 für eine spätere Weiterverwendung in
einem Spinnprozess gespeichert werden. Die Fadenspeichereinheit 14 kann z.B. als Speicherkammer
des Wechslers 10 zum Speichern des Fadens 3 ausgeführt sein.
[0041] Ferner kann der Wechsler 10 eine Positioniereinrichtung 19 aufwiesen, die dazu dient,
dass die Fadenabsaugeinrichtung 12 so positioniert und ausgerichtet werden kann, dass
bei der Übernahme des Fadens 3 dieser von dem rotierenden Hülsenteller 2 mitgenommen
wird. Durch die Rotation des Hülsentellers 2, welcher hakenförmige Fangvorrichtungen
aufweist, wird der zu übernehmende Faden 3 von den Fangvorrichtungen des Hülsentellers
2 eingefangen und mitgenommen. Die Positioniereinrichtung 19 des Wechslers 10 bewirkt
somit, dass der zu übernehmende Faden 3 von der Fadenabsaugeinrichtung 13 in Richtung
und in den Bereich des Hülsentellers 2 geführt werden kann, um dort mitgenommen zu
werden. Die Positioniereinrichtung 19 kann beispielsweise als Leitblech oder ein Leitkanal
umfassen, entlang welcher die Fadenabsaugeinrichtung 13 geleitet bzw. geführt werden
kann.
[0042] Der Wechsler 10 in Fig. 2 umfasst ferner Austauschmittel 30, die dazu dienen, dass
eine bewickelte Hülse bzw. die Auflaufspule durch eine leere Hülse 1 ausgetauscht
werden kann. Das Austauschmittel 30 kann als eine mechanische Vorrichtung ausgebildet
sein, welche beispielsweise bewegliche Greifeinrichtungen aufweist, die dazu dienen,
die Auflaufspule gegen die leere Hülse 1 auszutauschen.
[0043] Ferner zeigt Fig. 2 ein Computerprogramm 20. Der Wechsler 10, insbesondere die Verarbeitungsvorrichtung
15, kann mittels dieses Programms 20 das erfindungsgemäße Verfahren ausführen.
[0044] Fig. 3 zeigt eine schematische Übersicht der Erfindung gemäß Ausführungsbeispielen
der Erfindung. In Fig. 3 wird ein Hülsenteller 2 und eine Hülse 1 oder Spule 1 einer
semiautomatischen Spinnmaschine dargestellt. Der Hülsenteller 2 kann an seinem Außenumfang
hakenförmige Fangvorrichtungen aufweisen, die dazu dienen können, einen Faden 3 "einzufangen"
oder mitzunehmen, um den Spul- und Spinnprozess weiterzuführen.
[0045] Eine Spinnmaschine kann eine Vielzahl von Spinnstellen und mit den jeweiligen Spinnstellen
zugeordnete Spulstellen aufweisen. Die Spinnmaschine kann beispielsweise eine semiautomatische
Rotorspinnmaschine sein. Einer Spinnstelle kann eine erfindungsgemäße Wechselvorrichtung
10 oder ein Wechsler 10 zugeordnet sein, welche die Spinnstelle während eines Hülsenwechsels
in die Lage versetzt, die Fadenzufuhr zur Auflaufspule zu unterbrechen.
[0046] Ferner zeigt Fig. 3 eine Fadenführerstange 4, auf und entlang welcher ein Fadenführer
5 changiert (Pfeil B). In Bezug auf den Fadenführer 5 bezieht sich "changieren" in
der Regel auf die Bewegung oder das Hin- und Herbewegen des Fadenführers 5 auf und
entlang der Fadenführerstange 4 und entlang der Hülse 1. Diese Bewegung dient dazu,
den Faden 3 gleichmäßig zu führen und sicherzustellen, dass er ordnungsgemäß auf die
zu bewickelnde Hülse 1 gewickelt wird. Das Changieren kann auch dazu verwendet werden,
den Faden 3 in bestimmten Mustern oder für spezielle Spinnanforderungen zu führen.
Der Fadenführer 5 der Spinnmaschine bewegt sich auf und entlang der Fadenführerstange
4, um sicherzustellen, dass der Faden 3 gleichmäßig auf die Auflaufspule oder Hülse
1 gewickelt wird. Diese Hin- und Her-Bewegung des Fadenführers 5 dient dazu, den Faden
3 zu führen und sicherzustellen, dass er gleichmäßig aufgewickelt wird, ohne zu verheddern
oder ungleichmäßig auf die zu bewickelnde Hülse 1 aufgespult zu sein.
[0047] In Fig. 3 sind ferner Erfassungsmittel 11 dargestellt, welche zum Erfassen 101 wenigstens
zweier Zeitpunkte dienen, zu welchem der Fadenführer 5 eine erste vorgegebene Position
6A erreicht, wobei der Fadenführer 5 auf und entlang der Fadenführerstange 4 changiert
(Pfeil B). Die erste vorgegebene Position 6A kann beispielsweise zwischen einer Mitte
eines Changierbereiches des Fadenführers 5 entlang der Fadenführerstange 4, welche
als Fadenführerführung ausgebildet ist, und einer rechten Endstellung, oder auch rechte
Umkehrstellung, des Fadenführers 5 entlang der Fadenführerstange 4 vorgesehen sein.
[0048] Auf Basis der ersten vorgegebenen Position 6A des Fadenführers 5 und der damit erfassten
wenigstens zwei Zeitpunkte kann der Wechsler 10 die Position bzw. den richtigen Zeitpunkt
des Fadens 3 bzw. des Fadenführers 5 bestimmen bzw. berechnen, um den Faden 3 zu dem
bestimmten Zeitpunkt zu durchtrennen bzw. durchzuschneiden. Zu diesem bestimmten Zeitpunkt
befindet sich der Faden 3 gemäß der Berechnung durch den Wechsler 10 an einer zweiten
vorgegebenen Position 6B im Changierbereich, in welchem auch ein Wirkungsbereich der
Fadentrenneinheit 12 des Wechslers 10 vorgesehen ist, so dass der Faden 3 durchtrennt
werden kann. Sobald dies geschehen ist, wird der Faden 3 von der dazu geeignet positionierten
Fadenabsaugeinrichtung 13 abgesaugt. Der so abgesaugte Faden 3 kann dann beispielsweise
in einer Fadenspeichereinheit 14 gespeichert werden, bis der Hülsenwechsel durch Austauschmittel
30 erfolgt ist. Mit anderen Worten: der Faden 3 wird zu dem bestimmten Zeitpunkt getrennt
und in der Speichereinheit 14 entsorgt, d.h. gespeichert, bis der Faden 3 nach dem
erfolgten Hülsenwechsel und dem Einlegen einer leeren Hülse durch die Austauschmittel
30 wieder dem Spulprozess zugeführt wird. Wenn der Austausch gegen eine leere Hülse
1 erfolgt ist, wird die Fadenabsaugeinrichtung 13 in den Bereich des Hülsentellers
2 verbracht. Dabei unterstützt eine Positioniereinrichtung 19 aufweisend z.B. ein
Leitblech, dass die Fadenabsaugeinrichtung 13 in Richtung und in den Bereich des rotierenden
Hülsentellers 2 führt, um eine Mitnahme des Fadens 3 durch den rotierenden Hülsenteller
2 zu erreichen. Zu diesem Zweck kann der Hülsenteller 2 hakenförmige Fangvorrichtungen
aufweisen, die die Mitnahme des Fadens 3 gewährleisten.
[0049] Kern der Erfindung ist die Bestimmung eines Zeitpunkts auf Basis wenigstens zweier
erfassten Zeitpunkte, welcher dafür spezifisch ist, dass der Fadenführer 5 mit dem
Faden 3 die zweite vorgegebene Position 6B entlang der Fadenführerstange 4 erreicht.
In Fig. 3 ist die zweite vorgegebene Position 6B beispielhaft als die rechte Endstellung
oder rechte Umkehrstellung des Fadenführers 5 dargestellt. Mit dem Erfassen wenigstens
zweier Zeitpunkte in Bezug auf eine erste vorgegebene Position 6A kann (voraus)berechnet
werden, wann der changierende Fadenführer 5 die zweite vorgegebene Position 6B erreichen
wird, so dass dann eine Maßnahme bezüglich eines Hülsenwechsels an der Maschine initiiert
werden kann. Hierzu weist der Wechsler 10 Bestimmungs- und Berechnungsmittel 16,17
auf, die dazu dienen, das erfindungsgemäße Verfahren durchzuführen. Die Bestimmungs-
und Berechnungsmittel 16, 17 können zum Beispiel durch eine Verarbeitungsvorrichtung
15, wie beispielsweise einem Computer umfassend Prozessor und Speicher, bereitgestellt
werden. Ferner kann die Verarbeitungsvorrichtung 15 Initiierungsmittel 18, wie beispielsweise
Steuerbefehle in Form von elektrischen Signalen an die jeweiligen betroffenen Komponenten,
umfassen, um das Durchführen des Hülsenwechsels zu initiieren.
[0050] Insbesondere kann gemäß Fig. 3 beispielsweise der Faden 3 durchtrennt werden, um
den Hülsenwechsel durchführen zu können. Nach dem Durchtrennen des Fadens 3 wird dieser
durch die Fadenabsaugeinrichtung 13 abgesaugt, so dass der Faden 3 nach erfolgtem
Spulenwechsel weiterverwendet werden kann. Während und/oder nach dem erfolgten Spulenwechsel
erfolgt die Erfassung der Position des Fadenführers 5 zusammen mit den zugehörigen
Zeitpunkten, so dass erneut der geeignete Zeitpunkt bestimmt werden kann, zu dem der
Faden 3 mittels der Fadenabsaugeinrichtung 13 an den Hülsenteller 2 durch Übernahme
und Mitnahme übergeben werden kann. Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann so erreicht
werden, dass die Unterbrechung des Spulprozesses oder die Zykluszeit für den Hülsenwechsel
nur wenige Sekunden betragen kann.
[0051] Die voranstehende Erläuterung der Ausführungsformen beschreibt die vorliegende Erfindung
ausschließlich im Rahmen von Beispielen. Selbstverständlich können einzelne Merkmale
der Ausführungsformen, sofern technisch sinnvoll, frei miteinander kombiniert werden,
ohne den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0052]
- 1
- Hülse, Spule
- 2
- Hülsenteller
- 3
- Faden
- 4
- Fadenführerführung, Fadenführerstange
- 5
- Fadenführer
- 6A
- erste vorgegebene Position
- 6B
- zweite vorgegebene Position, Endstellung
- 10
- Wechselvorrichtung, Wechsler
- 11
- Erfassungsmittel
- 12
- Fadentrenneinheit
- 13
- Fadenabsaugeinrichtung
- 14
- Fadenspeichereinheit
- 15
- Verarbeitungsvorrichtung
- 16
- Berechnungsmittel
- 17
- Bestimmungsmittel
- 18
- Initiierungsmittel
- 19
- Positioniereinrichtung, Führungsmittel
- 20
- Computerprogramm
- 30
- Austauschmittel
- 100
- Verfahren
- 101
- Erfassen wenigstens zweier Zeitpunkte
- 102
- Berechnen einer Zeitspanne
- 103
- Bestimmen eines Zeitpunkts
- 104
- Initiieren einer Maßnahme
1. Verfahren (100) zum Durchführen eines Hülsenwechsels durch eine Wechselvorrichtung
an einer Spinnmaschine, umfassend die folgenden Schritte:
- Erfassen (101) wenigstens zweier Zeitpunkte, zu welchem ein Fadenführer (5) eine
erste vorgegebene Position (6A) erreicht, wobei der Fadenführer (5) entlang einer
Fadenführerführung (4) changiert,
- Berechnen (102) einer Zeitspanne auf Basis der wenigstens zwei erfassten Zeitpunkte,
wobei die Zeitspanne eine Zeit spezifiziert, welche der Fadenführer (5) benötigt,
um ausgehend von der ersten vorgegebenen Position (6A) eine zweite vorgegebene Position
(6B) entlang der Fadenführerführung (4) zu erreichen,
- Bestimmen (103) eines Zeitpunkts auf Basis der berechneten Zeitspanne, welcher dafür
spezifisch ist, dass der Fadenführer (5) die zweite vorgegebene Position (6B) ausgehend
von der ersten vorgegebenen Position (6A) entlang der Fadenführerführung (4) erreicht,
- Initiieren (104) einer Maßnahme zum Durchführen eines Hülsenwechsels auf Basis des
bestimmten Zeitpunkts.
2. Verfahren (100) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass das Initiieren (104) die weiteren folgenden Schritte umfasst, wenn ein Austausch
einer bewickelten Hülse durch eine leere Hülse (1) erfolgen soll:
- Trennen des Fadens (3) vom Fadenführer (5) in einem Changierbereich des Fadens (3)
zu dem bestimmten Zeitpunkt,
- Absaugen des getrennten Fadens (3) durch eine Fadenabsaugeinrichtung (13),
- Austauschen der bewickelten Hülse gegen die leere Hülse (1) durch Austauschmittel
(30).
3. Verfahren (100) nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das Trennen des Fadens (3) den weiteren folgenden Schritt umfasst:
- Speichern des getrennten Fadens (3) in einer Fadenspeichereinheit (14), insbesondere
in einer Speicherkammer.
4. Verfahren (100) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass das Initiieren die weiteren folgenden Schritte umfasst, in Abhängigkeit davon, dass
ein Austausch einer bewickelten Hülse durch eine leere Hülse (1) erfolgt ist:
- Ausrichten der Absaugeinrichtung (13) auf den Bereich eines die leere Hülse (1)
halternden Hülsentellers (2) mittels eines Führungsmittels (19) in Abhängigkeit des
bestimmten Zeitpunkts,
- Übernahme und Mitnahme des Fadens (3) durch den rotierenden Hülsenteller (2) in
Abhängigkeit des bestimmten Zeitpunkts,
- Aufnehmen des Fadens (3) durch den changierenden Fadenführer (5) in Abhängigkeit
der Übernahme und Mitnahme.
5. Verfahren (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die zweite vorgegebene Position (6B) des changierenden Fadenführers (5) einer linken
und/oder einer rechten Endstellung entlang der Fadenführerführung (4) entspricht.
6. Verfahren (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die erste vorgegebene Position (6A) des changierenden Fadenführers (5), zu welchem
die wenigstens zwei Zeitpunkte erfasst werden, einer Position zwischen der Mitte eines
entlang der Fadenführerführung (4) verlaufenden Changierbereiches des Fadenführers
(5) und einer linken oder einer rechten Endstellung entlang der Fadenführerführung
(4) entspricht.
7. Verfahren (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren (100) den weiteren nachfolgenden Schritt umfasst:
- Empfangen der wenigstens zwei erfassten Zeitpunkte in Bezug auf die erste vorgegebene
Position (6A) des Fadenführers (5) von einem Erfassungsmittel (11).
8. Verfahren (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Durchführen des Hülsenwechsels eine Zykluszeit von kleiner als 10 Sekunden, vorzugsweise
zwischen 3 bis 5 Sekunden, umfasst, wobei die Zykluszeit vom Zeitpunkt des Trennens
des Fadens (3) bis zum Zeitpunkt des Aufnehmens des Fadens (3) gemessen wird.
9. Verfahren (100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Spinnmaschine eine Rotorspinnmaschine, insbesondere eine semiautomatische Rotorspinnmaschine,
oder eine Luftspinnmaschine ist.
10. Wechselvorrichtung (10) zum Durchführen eines Hülsenwechsels an einer Spinnmaschine,
insbesondere nach einem Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Wechselvorrichtung (10) die nachfolgenden Elemente umfasst:
- ein Erfassungsmittel (11) zum Erfassen (101) wenigstens zweier Zeitpunkte, zu welchem
ein Fadenführer (5) eine erste vorgegebene Position (6A) erreicht, wobei der Fadenführer
(5) entlang einer Fadenführerführung (4) changiert,
- eine Verarbeitungsvorrichtung (15), aufweisend:
- ein Berechnungsmittel (16) zum Berechnen (102) einer Zeitspanne auf Basis der wenigstens
zwei erfassten Zeitpunkte, wobei die Zeitspanne eine Zeit spezifiziert, welche der
Fadenführer (5) benötigt, um ausgehend von der ersten vorgegebenen Position (6A) eine
zweite vorgegebene Position (6B) entlang der Fadenführerführung (4) zu erreichen,
- ein Bestimmungsmittel (17) zum Bestimmen (103) eines Zeitpunkts auf Basis der berechneten
Zeitspanne, welcher dafür spezifisch ist, dass der Fadenführer (5) die zweite vorgegebene
Position (6B) ausgehend von der ersten vorgegebenen Position (6A) entlang der Fadenführerführung
(4) erreicht,
- ein Initiierungsmittel (18) zum Initiieren (104) einer Maßnahme zum Durchführen
des Hülsenwechsels auf Basis des bestimmten Zeitpunkts.
11. Wechselvorrichtung (10) nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet, dass die Wechselvorrichtung (10) weiter umfasst:
- eine Fadentrenneinheit (12) zum Trennen eines auf die Hülse zu wickelnden Fadens
(3), wobei die Fadentrenneinheit (12) im Bereich der zweiten vorgegebenen Position
(6B) angeordnet ist,
- eine Fadenabsaugeinrichtung (13) zum Absaugen des Fadens (3), welche positionierbar,
insbesondere schwenkbar, ausgeführt ist, und
- ein Austauschmittel (30) zum Austauschen einer bewickelten Hülse durch eine leere
Hülse (1).
12. Computerprogramm (20), umfassend Befehle, die bei der Ausführung des Computerprogramms
(20) durch eine Wechselvorrichtung (10) diese veranlassen, das Verfahren (100) nach
einem der Ansprüche 1 bis 8 auszuführen.