[0001] Die Erfindung betrifft ein Spritzgießwerkzeug und eine Spritzgießmaschine mit diesem
Spritzgießwerkzeug.
[0002] Zum Entformen eines Spritzgießteils mit zumindest einem Hinterschnitt aus einem Spritzgießwerkzeug
ist es bekannt, zumindest eine bewegliche Formbacke, die die Kavität zumindest abschnittsweise
begrenzt, an einer Werkzeughälfte des Spritzgießwerkzeugs vorzusehen. Damit kann beim
Entformen des Spritzgießteils die Werkzeugwirkfläche an der Formbacke vom Spritzgießteil
entfernt und das Spritzgießteil freigegeben werden, wenn das Spritzgießwerkzeug in
seine Hauptentformungsrichtung geöffnet wird. Die Beweglichkeit der Formbacke wird
über eine Backenführung des Spritzgießwerkzeugs erreicht, die zwischen der Formbacke
und einem Stützelement des Spritzgießwerkzeugs vorgesehen ist. Dieses Stützelement
ist an einer Formplatte des Spritzgießwerkzeugs befestigt. Bei komplexen Hinterschnitten
bedarf es für die Formbacke einer erhöhten Beweglichkeit, was nicht nur den konstruktiven
Aufwand am Spritzgießwerkzeug erhöht, sondern auch zu einem höheren Verschleiß und
damit zu einer verminderten Standfestigkeit führen kann.
[0003] Zudem steigt auch die Beschädigungsgefahr, sei es am Spritzgießteil und/oder am Spritzgießwerkzeug,
bei weiten Verfahrenswegen des Hinterschnitts gegenüber dem Spritzgießteil, wenn dieses
entformt wird.
[0004] Die Erfindung hat sich daher ausgehend vom Eingangs geschilderten Stand der Technik
die Aufgabe gestellt, unabhängig von der Komplexität des Hinterschnitts am Spritzgießwerkzeug
konstruktive Einfachheit und Standfestigkeit zu gewährleisten.
[0005] Die Erfindung löst die gestellte Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 1.
[0006] Indem die Formbacke einen die Werkzeugwirkfläche aufweisenden, insbesondere ausbildenden,
Schieber und eine, insbesondere lineare, Schieberführung aufweist, an der der Schieber
an der Formbacke zur Bewegung der Werkzeugwirkfläche, insbesondere in einer Nebenentformungsrichtung,
des Spritzgießwerkzeugs beweglich gelagert ist, kann erfindungsgemäß der Grad an Bewegungsfähigkeit
der Formbacke gegenüber der Formplatte des Spritzgießwerkzeugs auch bei vergleichsweise
komplexen Hinterschnitten am Spritzgießteils gering gehalten bleiben. Über die Bewegung
des Schiebers, der die Werkzeugwirkfläche aufweist, können nämlich selbst komplexe
Hinterschnitten, wie diese beispielsweise bei Kisten mit vergleichsweise tiefen Doppelböden
der Fall sein kann, entformt werden, ohne damit den Formbacken weit verfahren zu müssen.
Aufwendige Backenführungen können sohin vermieden werden, was zudem der Standfestigkeit
des Spritzgießwerkzeugs zugutekommen kann.
[0007] Eine bewegliche Lagerung des Schiebers an der Formbacke ist zudem unkompliziert.
Dies unter anderem dadurch, dass das Spritzgießwerkzeug zumindest eine Kulissenführung
zwischen Stützelement und Schieber zu dessen Bewegung entlang der Schieberführung
und damit relativ zur Formbacke aufweist. Denn damit kann die Bewegung der Formbacke
entlang der Backenführung zur Steuerung der Bewegung des Schiebers relativ zur Formbacke
verwendet werden. Zudem ist eine Kulissenführung besonders standfest und kann auch
für eine präzise Entfernung der Werkzeugwirkfläche aus dem Hinterschnitt am Spritzgießteils
sorgen, was Beschädigungen beim Entformen -sei es am Spritzgießteil und/oder am Spritzgießwerkzeug-
verhindert und damit zu einer hohen Standfestigkeit des Spritzgießwerkzeugs führen
kann.
[0008] Vorzugsweise weist die Kulissenführung einen schieberseitigen Kulissenstein und eine
stützelementseitige Kulisse mit einer Kulissenbahn auf, in der der Kulissenstein zur
Bewegung des Schiebers entlang der Schieberführung geführt ist. Dies kann eine genaue
und kontrollierte Führung des Kulissensteins und somit des Schiebers ermöglichen.
[0009] Ist die Kulissenbahn langgestreckt, kann dies beispielsweise größere Bewegungslängen
des Schiebers ermöglichen. Auch kann damit eine längere Kontaktfläche zwischen dem
Kulissenstein und der Kulissenbahn ermöglicht werden, womit eine gleichmäßigere Kraftübertragung
über die gesamte Länge der Bewegung erreicht werden kann. Somit können unter anderem
mechanische Belastungen auf die Kulisse, Schieber und/oder Schieberführung reduziert
werden, was die Standfestigkeit des Spritzgießwerkzeugs weiter erhöhen kann.
[0010] Definieren zwei gegenüberliegende Längsränder eine, insbesondere einseitig offene,
Kulissenbahn, kann dies den Kulissenstein vor Verschmutzung und damit erhöhten Abrieb
in der Kulissenführung verbessert schützen, was zu einer längeren Standfestigkeit
und auch Zuverlässigkeit des Spritzgießwerkzeugs beitragen kann.
[0011] Vorzugsweise weist die Kulissenbahn mehrere zueinander geneigt verlaufende Bahnabschnitte
auf, um damit entsprechend deren Neigung die Bewegung des Schiebers unterschiedlich
steuern zu können.
[0012] Beispielsweise verläuft von den Bahnabschnitten ein erster, insbesondere horizontal
gesehen unterster, Bahnabschnitt parallel zur Führungsrichtung der Backenführung und
ein horizontal gesehen darüberliegender zweiter, insbesondere direkt an den ersten
Bahnabschnitt anschließender, Bahnabschnitt zu dieser Führungsrichtung geneigt und
von der Formbacke weg gerichtet verläuft, um damit die Werkzeugwirkfläche, insbesondere
in der Nebenentformungsrichtung, zu bewegen. Damit kann beim Öffnen des Spritzgießwerkzeugs
in Hauptentformungsrichtung zunächst der Schieber in dessen Lage unverändert mit der
Formbacke mitbewegt werden. Dies stellt eine gleichmäßige Belastung auf das Spritzgießteil
am Anfang des Entformens sicher. Nach dieser Anfangsphase kann der Schieber mit erhöhter
Rückzugsgeschwindigkeit aus dem Hinterschnitt am Spritzgießteil entfernt werden. Damit
kann die Bewegung der Backen zum Entformen gering bleiben - Beschädigungen durch erhöhte
Entformungskräfte wirken dabei nicht auf das Spritzgießteil, was beschädigungsfreie
Spritzgießteile sicherstellen kann.
[0013] Die Konstruktion im Bereich der Kulissenführung kann beispielsweise vereinfacht werden,
indem die Bahnabschnitte gerade verlaufen.
[0014] Vorzugsweise weist die Schieberführung eine an der Formbacke vorgesehene Schieberführungsleiste
auf, an der der Schieber verschiebbar gelagert ist, um damit eine präzise und genaue
Bewegung des Schiebers beim Entformen des Spritzgießteils zu ermöglichen. Dies stellt
beschädigungsfreie Spritzgießteile sicher.
[0015] Die Backenführung kann beispielsweise konstruktiv einfach ausgebildet werden, wenn
diese Backenführung zumindest eine Gleitführung, insbesondere mehrere parallel verlaufende
Gleitführungen, aufweist. Diese Gleitführungen können beispielsweise parallel verlaufen
und/oder kann die Gleitführung als T-Führung ausgebildet sein.
[0016] Vorzugsweise ist seitlich neben der Backenführung jeweils eine Kulissenführung angeordnet,
um damit selbst bei vergleichsweise großen Vorsprüngen eine präzise und genaue Führung
beim Entformen zu ermöglichen. Zudem kann dies durch Kraftaufteilung auf zwei Kulissenführungen
die Standfestigkeit des Spritzgießwerkzeugs weiter erhöhen.
[0017] Die Bauverhältnisse am Spritzgießwerkzeug können weiter verringert werden, wenn die
Backenführung der Formplatte schräg zuläuft.
[0018] Diese unter anderem auch, wenn sich die Schieberführung normal zur Hauptentformungsrichtung
des Spritzgießwerkzeugs längserstreckt.
[0019] Vorzugsweise weist das Spritzgießwerkzeug vier Formbacken und vier Stützelemente
auf, die je eine Formbacke der Formbacken mit einer Backenführung beweglich lagern,
um beispielsweise die Konstruktion des Spritzgießwerkzeugs weiter zu vereinfachen.
Dies insbesondere, wenn die vier Formbacken um die Kavität geschlossen angeordnet
sind.
[0020] Das Spritzgießwerkzeug kann weiter konstruktiv vereinfacht werden, wenn die vier
Backenführungen beispielsweise einen gleichen Innenwinkel zur Formplatte aufweisen.
[0021] Der Schieber bzw. damit die Werkzeugwirkfläche kann bei geschlossenem Spritzgießwerkzeug
standfest in der Beweglichkeit eingeschränkt werden, wenn beispielsweise das Spritzgießwerkzeug
zumindest einen Anschlag aufweist, an den der Schieber bei geschlossenem Spritzgießwerkzeug
anschlägt.
[0022] Diese Einschränkung kann in zumindest einem Freiheitsgrad oder auch eine Arretierung
(in allen Freiheitsgraden) der Schieberführung sein. Dies, indem ein erster Anschlag
des zumindest einen Anschlags stützelementseitig und/oder ein zweiter Anschlag des
zumindest einen Anschlags formbackenseitig vorgesehen ist oder sind.
[0023] Zudem kann solch ein Anschlag auf für eine exakte Positionierung der Werkzeugwirkfläche
[0024] Vorzugsweise weist der erste Anschlag eine Anschlagfläche auf, die unter einem spitzen,
insbesondere 70 Grad aufweisenden, Innenwinkel β relativ zur Führungsachse der Schieberführung
verläuft und/oder weist der zweite Anschlag eine Anschlagfläche aufweist, die normal
relativ zur Führungsachse der Schieberführung verläuft. Eine standfeste Einschränkung
der Beweglichkeit des Schiebers bei geschlossenem Spritzgießwerkzeug kann so geschaffen
werden, die sich auch bei einem Öffnen des Spritzgießwerkzeug leichtgängig aufheben
lässt.
[0025] Vorzugsweise eignet sich das erfindungsgemäße Spritzgießwerkzeug für eine Spritzgießmaschine
besonders.
[0026] Die Erfindung hat sich zudem die Aufgabe gestellt, ein Verfahren zu schaffen, mit
dem zuverlässig formgenaue Spritzgießteile hergestellt werden können.
[0027] Die Erfindung löst die gestellte Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 15.
[0028] Indem beim Entformen des Spritzgießteils der Schieber an der Formbacke mithilfe einer
Kulissenführung zwischen Schieber und Stützelement bewegt wird, welches Stützelement
die Formbacke beweglich lagert, kann reproduzierbar und standfest ein formgenaues
Spritzgießteil hergestellt werden.
[0029] In den Figuren ist beispielsweise der Erfindungsgegenstand anhand eines Ausführungsbeispiels
näher dargestellt. Es zeigen
- Fig. 1
- eine Schnittansicht durch einen Teil eines geschlossenen Spritzgießwerkzeugs,
- Fig. 1a
- eine Detailansicht der Fig. 1,
- Fig. 1b
- eine Detailansicht der Fig. 1, jedoch in einem zur Fig. 1 parallelversetzten Schnitt,
- Fig. 2
- die Schnittansicht nach Fig. 1 beim offenen Spritzgießwerkzeugs und
- Fig. 3
- eine Draufsicht auf das nach Fig.1 dargestellte Spritzgießwerkzeug.
[0030] Nach Fig. 1 ist ein Teil eines geschlossenen Spritzgießwerkzeugs 1 einer nicht näher
darstellen Spritzgießmaschine in einem Querschnitt dargestellt. Das Spritzgießwerkzeug
1 dient zur Herstellung eines Spritzgießteils 2, das einen Hinterschnitt 2a aufweist.
Hierzu weist das Spritzgießwerkzeug 1 eine Kavität 4 auf, in dem sich das Spritzgießteils
2 bei geschlossenem Spritzgießwerkzeug 1 ausbilden kann. Die Kavität 4 wird von verschiedenen
Teilen des Spritzgießwerkzeugs 1 ausgebildet. So weist hierzu das Spritzgießwerkzeug
1, das sich aus zwei öffnen- und schließbaren Formhälften 1a, 1b zusammensetzt, an
einer Formhälfte 1a eine Formplatte 7a und vier Formbacken 5 und an der anderen Formhälfte
1b einen Kern 6 und eine weitere Formplatte 7b auf.
[0031] Der Einfachheit halber ist anstelle der anderen Formbacken 5 nur eine Formbacke 5
in den Figuren 1 bis 3 dargestellt. In Fig. 3 sind alle vier Formbacken 5 samt deren
Schieber 11 mit beispielsweise vorspringenden Werkzeugwirkflächen 8 zu erkennen, wobei
drei davon strichliert dargestellt sind. Nicht dargestellt, aber vorstellbar ist zudem,
dass die Kavität 4 allein von den vier Formbacken 5 ausgebildet wird und es sich dann
um ein Backenwerkzeug als Spritzgießwerkzeugs 1 handelt.
[0032] Die Formbacken 5 weisen je eine vorspringende Werkzeugwirkfläche 8 auf, die am Boden
des als Kasten ausgebildeten Spritzgießteils 2 den Hinterschnitt 2a ausbilden.
[0033] Die Formbacken 5 sind über je ein Stützelement 9 des Spritzgießwerkzeugs 1 an der
ersten Formhälfte 1a beweglich gelagert. Hierzu weist das Spritzgießwerkzeug 1 lineare
Backenführungen 10 auf, die jeweils zwischen dem Stützelement 9 und der Formbacke
5 vorgesehen sind.
[0034] Um die Bewegung der Formbacken 5 beim Entformen zu verringern und damit die Standfestigkeit
des Spritzgießwerkzeugs 1 zu verbessern, weisen die Formbacken 5 jeweils einen mehrteiligen
Schieber 11 auf, der die Werkzeugwirkfläche 8 -wie beispielsweise dargestellt- auswechselbar
aufweist. Der Schieber 11 ist zudem gegenüber der jeweiligen Formbacke 5 linear beweglich
und damit gegenüber dieser Formbacke 5 relativ gelagert. Hierzu weist die Formbacke
5 eine Schieberführung 12 mit einer Führungsachse 12a auf, wie in Fig. 1a im Schnitt
dargestellt. Damit ist der Schieber 11 in eine zu einer Hauptentformungsrichtung 13a
normalen Nebenentformungsrichtung 13b nach Fig. 1 bewegbar. Dies erleichtert das Entformen
des Spritzgießteils 2 vom Spritzgießwerkzeug 1 erheblich und stellt auch sicher, dass
bei diesem Entformen Beschädigungsfreiheit besteht, wie dies nach Fig. 2 erkannt werden
kann.
[0035] Hier ist das Spritzgießwerkzeugs 1 in seiner offenen Lage dargestellt. Zu erkennen
ist, dass die Werkzeugwirkfläche 8 deutlich gegenüber seiner Lage am nach Fig. 1 geschlossenen
Spritzgießwerkzeug 1 zurückgezogen ist.
[0036] Zur Betätigung des Schiebers 11 entlang der Schieberführung 12 weist das Spritzgießwerkzeug
1 zumindest eine Kulissenführung 14 auf. Die Kulissenführung 14 ist zwischen dem betreffenden
Stützelement 9 und Schieber 11 vorgesehen. Wird nun beim Öffnen des Spritzgießwerkzeugs
1 die Formbacke 5 entlang der Backenführung 10 bewegt, steuert die Kulissenführung
14 die Bewegung des Schieber 11 relativ zur Formbacke 5.
[0037] Hierfür weist die Kulissenführung 14 einen schieberseitigen Kulissenstein 15 und
eine stützelementseitige Kulisse 16 mit einer Kulissenbahn 17 auf. Werden beim Öffnen
des Spritzgießwerkzeugs 1 die Backen in Hauptentformungsrichtung 13a bewegt, dann
gleitet der Kulissenstein 15 entlang der Kulissenbahn 17 und bewegt damit den Schieber
11 in die Nebenentformungsrichtung 13b.
[0038] Der Einfachheit halber in der Konstruktion ist die Kulissenbahn 17 langgestreckt
und weist zwei gegenüberliegende Längsränder 17a, 17b auf, die eine einseitig offene
Kulissenbahn 17 definieren. Durch diese einseitig offene Kulissenbahn 17 sind Wartungsarbeiten
einfach vorzunehmen.
[0039] Wie zudem der Fig. 2 im Detail zu entnehmen, weist die Kulissenbahn 17 mehrere zueinander
geneigt verlaufende Bahnabschnitte 18a, 18b auf. Hiervon ist der erste Bahnabschnitt
18a horizontal gesehen der Unterste der Bahnabschnitte 18a, 18b. Dieser erste Bahnabschnitt
18a verläuft parallel zur Führungsrichtung 10a der Backenführung 10. Damit bewegt
sich der Schieber 11 am Anfang des Entformens nicht gegenüber der Formbacke 5, was
das Entformen des Spritzgießteils 2 erleichtert. Der zweite an diesem ersten Bahnabschnitt
18a anschließende zweite Bahnabschnitt 18b, der damit horizontal gesehen über dem
ersten Bahnabschnitt 18a liegt, verläuft zu dieser Führungsrichtung 10a geneigt und
von der Formbacke weg gerichtet. Damit wird der Schieber 11 und sohin seine Werkzeugwirkfläche
8 in der Nebenentformungsrichtung 13b bewegt, was das standfeste und sichere Entformen
selbst bei kurzen Bewegungen der Formbacken 5 ermöglicht.
[0040] Zu erkennen ist zudem in den Figuren 1 bis 3, dass diese Bahnabschnitte 18a, 18b
gerade verlaufen.
[0041] Zudem weist die Schieberführung 12 eine an der Formbacke 5 vorgesehene Schieberführungsleiste
12b auf, an der der Schieber 11 verschiebbar gelagert ist, was eine präzise Führung
der Werkzeugwirkfläche 8 schafft.
[0042] Die Backenführung 10 wird zudem von zwei parallel verlaufende Gleitführungen 10a,
10b ausgebildet, die je eine T-Führung darstellen. Die Backenführung 10 läuft der
Formplatte 7a mit einem Innenwinkel α schräg zu.
[0043] Seitlich neben den der Backenführung 10, also damit auch neben den beiden Gleitführungen
10a, 10b ist jeweils eine Kulissenführung 14 angeordnet, was die Führung des Schiebers
11 verbessert.
[0044] Das Spritzgießwerkzeug 1 weist vier Formbacken 5 und vier Stützelemente 9 auf, die
je mit einer Backenführung 10 eine Formbacke 5 der Formbacken 5 beweglich lagern,
wobei die vier Backenführungen 10 einen gleichen Innenwinkel α zur Formplatte 7a aufweisen,
was nicht näher dargestellt worden ist.
[0045] Die Werkzeugwirkfläche 20 kann mithilfe von zwei Anschlägen 19, 20 genau positioniert
werden, da der Schieber 11 bei geschlossenem Spritzgießwerkzeug 1 an dies anschlägt,
wie dies in Fig. 1b zu erkennen ist, wobei im Vergleich zum nach Fig. 1a dargestellten
Schnitt, in Fig. 1b ein Schnitt mitten durch den Schieber 11 zeigt.
[0046] Die beiden Anschlägen 19, 20 arretieren den Schieber 11 an der Schieberführung 12,
was formgenaue Spritzgießteile 2 sichergestellt. Zudem entlastet der erste Anschlag
19 die Kulissenführung mechanisch, was die Standfestigkeit des Spritzgießwerkzeugs
1 erhöht.
[0047] Von den beiden Anschlägen 19, 20 sind der erste Anschlag 19 stützelementseitig und
der zweite Anschlag 20 formbackenseitig vorgesehen. Der erste Anschlag 19 wird von
einem Keil 21 ausgebildet, der zwischen Stilelement 9 und Formplatte 7a und unterhalb
der Kulissenführung 16 angeordnet ist. Der zweite Anschlag 20 wird von der Formbacke
5 ausgebildet.
[0048] Die Anschlagflächen 19a, 20a der beiden Anschläge 19, 20 sind verschieden geneigt
verlaufend. So weist der erste Anschlag 19 eine Anschlagfläche 19a auf, die unter
einem spitzen, insbesondere 70 Grad aufweisenden, Innenwinkel β relativ zur Führungsachse
der Schieberführung 12 verläuft. Vorzugsweise beträgt diese Innenwinkel β im Wesentlichen
70 Grad. Dies erleichtert ein Vorbeibewegen des Schiebers 11 beim Öffnen des Spritzgießwerkzeugs
1.
[0049] Die Anschlagfläche 20a des zweiten Anschlags 20 verläuft normal (90 Grad) relativ
zur Führungsachse 12a der Schieberführung 12, was die Konstruktion vereinfacht.
[0050] Zudem liegt diese Führungsachse 12a in Nebenentformungsrichtung 13b.
[0051] Im Allgemeinen wird festgehalten, dass "insbesondere" als "more particularly" ins
Englische übersetzt werden kann. Ein Merkmal, dem "insbesondere" vorangestellt ist,
ist als fakultatives Merkmal zu betrachten, das weggelassen werden kann, und stellt
damit keine Einschränkung, beispielsweise der Ansprüche, dar. Das Gleiche gilt für
"vorzugsweise", ins Englische übersetzt als "preferably".
1. Spritzgießwerkzeug (1) zur Herstellung eines zumindest einen Hinterschnitt (2a) aufweisenden
Spritzgießteils (2), mit mindestens einer Kavität (4) zur Ausbildung des Spritzgießteils
(2), mit mindestens einer Formbacke (5), die die Kavität (4) zumindest abschnittsweise
begrenzt und dort eine Werkzeugwirkfläche (8) für den Hinterschnitt (2a) am Spritzgießteil
(2) aufweist, mit einer Formplatte (7a), mit einem mit der Formplatte (7a), insbesondere
fest, verbunden Stützelement (9), und mit mindestens einer, insbesondere linearen,
Backenführung (10), die zwischen dem Stützelement (9) und der Formbacke (5) vorgesehen
ist und die Formbacke (5) gegenüber der Formplatte (7a) beweglich lagert, dadurch gekennzeichnet, dass die Formbacke (5) einen die Werkzeugwirkfläche (8) aufweisenden, insbesondere ausbildenden,
Schieber (11) und eine, insbesondere lineare, Schieberführung (12) aufweist, an der
der Schieber (11) an der Formbacke (5) zur Bewegung der Werkzeugwirkfläche (8), insbesondere
in einer Nebenentformungsrichtung (13b) des Spritzgießwerkzeugs (1), beweglich gelagert
ist, und dass das Spritzgießwerkzeug (1) zumindest eine Kulissenführung (14) zwischen
Stützelement (9) und Schieber (11) zu dessen Bewegung entlang der Schieberführung
(12) aufweist.
2. Spritzgießwerkzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kulissenführung (14) einen schieberseitigen Kulissenstein (15) und eine stützelementseitige
Kulisse (16) mit einer Kulissenbahn (17) aufweist, in der der Kulissenstein (15) zur
Bewegung des Schiebers (11) entlang der Schieberführung (12) geführt ist.
3. Spritzgießwerkzeug nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Kulissenbahn (17) langgestreckt ist und/oder dass zwei gegenüberliegende Längsränder
die Kulissenbahn (17) definieren.
4. Spritzgießwerkzeug nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kulissenbahn (17) mehrere zueinander geneigt verlaufende Bahnabschnitte (18a,
18b) aufweist.
5. Spritzgießwerkzeug nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass von den Bahnabschnitten (18a, 18b) ein erster, insbesondere horizontal gesehen unterster,
Bahnabschnitt (18a) parallel zur Führungsrichtung (10a) der Backenführung (10) und
ein horizontal gesehen darüberliegender zweiter, insbesondere direkt an den ersten
Bahnabschnitt (18a) anschließender, Bahnabschnitt (18b) zu dieser Führungsrichtung
(10a) geneigt und von der Formbacke (5) weg gerichtet verläuft, um damit die Werkzeugwirkfläche
(8), insbesondere in der Nebenentformungsrichtung (13b), zu bewegen.
6. Spritzgießwerkzeug nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Bahnabschnitte (18a, 18b) gerade verlaufen.
7. Spritzgießwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Schieberführung (12) eine an der Formbacke (5) vorgesehene Schieberführungsleiste
(12b) aufweist, an der der Schieber (11) verschiebbar gelagert ist.
8. Spritzgießwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Backenführung (10) zumindest eine Gleitführung, insbesondere mehrere parallel
verlaufende Gleitführungen (10a, 10b), insbesondere T-Führungen, aufweist.
9. Spritzgießwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass seitlich neben der Backenführung (10) jeweils eine Kulissenführung (14) angeordnet
ist.
10. Spritzgießwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Backenführung (10) der Formplatte (7a) schräg zuläuft und/oder dass sich die
Schieberführung (12) normal zur Hauptentformungsrichtung (13a) des Spritzgießwerkzeug
(1) längserstreckt.
11. Spritzgießwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Spritzgießwerkzeug (1) vier Formbacken (5) und vier Stützelemente (9) aufweist,
die je eine Formbacke (5) der Formbacken (5) mit einer Backenführung (10) beweglich
lagern, wobei die vier Backenführungen (10), insbesondere einen gleichen, Innenwinkel
(α) zur Formplatte (7a) aufweisen.
12. Spritzgießwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Spritzgießwerkzeug (1) zumindest einen Anschlag (19, 20) aufweist, an den der
Schieber (11) bei geschlossenem Spritzgießwerkzeug (1) anschlägt, wobei ein erster
Anschlag (19) des zumindest einen Anschlags (19, 20) stützelementseitig und/oder ein
zweiter Anschlag (20) des zumindest einen Anschlags (19, 20) formbackenseitig vorgesehen
ist oder sind.
13. Spritzgießwerkzeug nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Anschlag (19) eine Anschlagfläche (19a) aufweist, die unter einem spitzen,
insbesondere 70 Grad aufweisenden, Innenwinkel (β) relativ zur Führungsachse der Schieberführung
(12) verläuft und/oder dass der zweite Anschlag (20) eine Anschlagfläche (20a) aufweist,
die normal relativ zur Führungsachse (12a) der Schieberführung (12) verläuft.
14. Spritzgießmaschine mit einem Spritzgießwerkzeug (1) nach einem der Ansprüche 1 bis
13.
15. Verfahren zur Herstellung eines Spritzgießteils (2) mit einem Spritzgießwerkzeug (1)
nach einem der Ansprüche 1 bis 13 oder mit einer Spritzgießmaschine nach Anspruch
14, bei dem beim Entformen des Spritzgießteils (2) der Schieber (11) an der Formbacke
(5) über eine Kulissenführung (14) relativ zur Formbacke (5) bewegt wird.