Gebiet der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung geht aus von einem Walzenwechselwagen, - wobei der Walzenwechselwagen
eine Anzahl von Aufnahmen für Walzen eines Walzgerüsts zum Walzen eines flachen Walzguts
aus Metall aufweist.
Stand der Technik
[0002] Ein derartiger Walzenwechselwagen ist allgemein bekannt. Beispielhaft kann auf die
EP 0 911 089 A2 verwiesen werden.
Zusammenfassung der Erfindung
[0003] Beim Walzen von Metall (beispielsweise Stahl oder Aluminium) in Walzgerüsten tritt
an den Walzen des Walzgerüsts Verschleiß auf. Am stärksten ist der Verschleiß bei
den Arbeitswalzen des Walzgerüsts, also denjenigen Walzen, die direkt mit dem Walzgut
in Kontakt treten. Der Verschleiß hat einen negativen Einfluss auf die Oberflächenqualität
des Walzguts. Aus diesem Grund müssen die Walzen immer wieder aus dem Walzgerüst ausgebaut
und deren Oberflächeneigenschaften untersucht werden. Erfüllen die Walzen vorbestimmte
Qualitätsanforderungen, werden die Walzen wieder in das Walzgerüst eingebaut. Erfüllen
die Walzen die Qualitätsanforderungen nicht, so werden andere Walzen in das Walzgerüst
eingebaut. Die ausgebauten Walzen werden - gegebenenfalls nach einer Abkühlung - geschliffen
und dann erneut eingesetzt.
[0004] Die Inspektion der Oberfläche der Walzen erfolgt im Stand der Technik manuell. Eine
Bedienperson begibt sich zu dem Walzenwechselwagen - manchmal sogar in den Walzenwechselwagen
selbst -, inspiziert einen Streifen der Oberfläche einer Walze, der sich über die
Ballenlänge und einen Teilumfang die Walzenoberfläche erstreckt, dreht sodann manuell
die Walze, inspiziert die nächsten Streifen usw., bis die Walze vollständig inspiziert
ist. Danach inspiziert die Bedienperson auf die gleiche Art und Weise die anderen
in den Aufnahmen des Walzenwechselwagens befindlichen Walzen. Sofern das Walzwerk
mehrere Walzgerüste aufweist, muss die gleiche Vorgehensweise für jedes Walzgerüst
wiederholt werden.
[0005] Diese Vorgehensweise ist zunächst sehr mühsam, weil zum einen zum Drehen der Walze
viel Kraft erforderlich ist und zum anderen die räumlichen Verhältnisse im Walzenwechselwagen
sehr beengt sind. Diese Vorgehensweise ist weiterhin sehr langsam, da die Bedienperson
immer nur eine einzelne Walze und die jeweilige Walze nur streifenweise inspizieren
kann. Entweder das Walzgerüst, aus dem die Walzen ausgebaut wurden, wird während dieses
Zeitraums nicht genutzt, oder es müssen während dieses Zeitraums andere Walzen in
das Walzgerüst eingebaut werden. In beiden Fällen vergeht Zeit, während derer das
Walzgerüst nicht genutzt werden kann und damit unproduktiv ist. Dies ist insbesondere
deshalb von Nachteil, weil die Inspektionen der Walzen aufgrund gestiegener Qualitätsanforderungen
an das flache Walzgut häufiger als früher ausgeführt werden müssen. Diese Vorgehensweise
ist weiterhin sogar gefährlich, da aus der Walze scharfkantige Stücke herausbrechen
können, die wie Geschosse herumfliegen und Verletzungen hervorrufen können.
[0006] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, einen Walzenwechselwagen zu
schaffen, mittels dessen eine automatisierte, schnelle und gefahrfreie Inspektion
von Walzen eines Walzgerüsts zum Walzen eines flachen Walzguts aus Metall möglich
ist.
[0007] Die Aufgabe wird durch einen Walzenwechselwagen mit den Merkmalen des Anspruchs 1
gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen des Walzenwechselwagens sind Gegenstand der abhängigen
Ansprüche 2 bis 6.
[0008] Erfindungsgemäß wird ein Walzenwechselwagen der eingangs genannten Art dadurch ausgestaltet,
- dass der Walzenwechselwagen eine Antriebseinrichtung aufweist, mittels derer die Walzen,
wenn sie in den Aufnahmen angeordnet sind, um ihre Walzenachsen drehbar sind,
- dass der Walzenwechselwagen für die Walzen jeweils eine Anzahl von Erfassungseinrichtungen
aufweist,
- dass die jeweilige Erfassungseinrichtung in der Lage ist, über einen Erfassungsbereich
der Oberfläche der jeweiligen Walze eine Anzahl von Oberflächeneigenschaften der jeweiligen
Walze zu erfassen,
- dass der jeweilige Erfassungsbereich sich über die Ballenlänge der jeweiligen Walze
gesehen über eine Teillänge und in Umfangsrichtung der jeweiligen Walze gesehen über
einen vorbestimmten Winkelbereich erstreckt und
- dass die Erfassungseinrichtungen zumindest in Richtung der jeweiligen Walzenachse
verfahrbar sind, so dass beim Verfahren der Erfassungseinrichtungen in Richtung der
jeweiligen Walzenachse mittels der Erfassungseinrichtungen die Oberflächeneigenschaften
über die gesamte Ballenlänge der jeweiligen Walze erfassbar sind.
[0009] Aufgrund der Möglichkeit zum automatisierten Drehen der Walzen um ihre Walzenachsen
ist es möglich, mittels einer jeweiligen Erfassungseinrichtung, während sie nicht
verfahren wird, die Oberflächeneigenschaften der jeweiligen Walze für einen ringförmigen
Bereich zu erfassen, der sich in Umfangsrichtung der jeweiligen Walze gesehen über
einen Vollkreis erstreckt und über die Ballenlänge gesehen über die Teillänge erstreckt.
Aufgrund der Verfahrbarkeit der Erfassungseinrichtungen in Richtung der jeweiligen
Walzenachse ist es möglich, mittels einer jeweiligen Erfassungseinrichtung, während
die zugehörige Walze nicht gedreht wird, die Oberflächeneigenschaften der jeweiligen
Walze für einen Streifen zu erfassen, der sich in Umfangsrichtung der jeweiligen Walze
gesehen über den Winkelbereich erstreckt und in Richtung der Ballenlänge gesehen über
die volle Ballenlänge erstreckt. Durch die Kombination der beiden Bewegungen kann
der ringförmige Bereich über die Ballenlänge gesehen an jedem Ort liegen oder kann
der Streifen in Umfangsrichtung gesehen an jeder beliebigen Stelle der Walze liegen.
Durch geeignete Abstimmung des Drehens der Walzen und des Verfahrens der Erfassungseinrichtungen
können somit die Oberflächeneigenschaften über den gesamten Walzenumfang und die gesamte
Ballenlänge erfasst werden.
[0010] Die Antriebseinrichtung kann nach Bedarf ausgebildet sein. Sie kann für alle Walzen
einen gemeinsamen Antrieb aufweisen. Sie kann alternativ pro Walze oder pro Gruppe
von Walzen jeweils einen eigenen Antrieb aufweisen. Im Falle der Gruppenbildung können
beispielsweise bei einem Sextogerüst die Arbeitswalzen eine Gruppe und die Zwischenwalzen
eine weitere Gruppe bilden. Alternativ können im Falle der Gruppenbildung beispielsweise
bei einem Sextogerüst die obere Arbeitswalze und die obere Zwischenwalze eine Gruppe
und die untere Arbeitswalze und die untere Zwischenwalze eine weitere Gruppe bilden.
Die Antriebseinrichtung kann elektrisch oder hydraulisch oder pneumatisch oder mit
einer Kombination dieser Antriebsarten arbeiten.
[0011] Die Erfassungseinrichtungen können nach Bedarf ausgebildet sein. So können die Erfassungseinrichtungen
jeweils eine optische und/oder mit Infrarot arbeitende Kamera umfassen, mittels derer
als Oberflächeneigenschaft der jeweiligen Walze deren Bild erfassbar ist. Alternativ
oder zusätzlich können die Erfassungseinrichtungen jeweils einen Temperatursensor
umfassen, mittels dessen als Oberflächeneigenschaft der jeweiligen Walze deren Oberflächentemperatur
erfassbar ist. Alternativ oder zusätzlich können die Erfassungseinrichtungen jeweils
einen Rauheitssensor umfassen, mittels dessen als Oberflächeneigenschaft der jeweiligen
Walze deren Rauheit erfassbar ist. Optimal ist natürlich, wenn die Erfassungseinrichtungen
alle drei Sensoren aufweisen, also sowohl die optische und/oder mit Infrarot arbeitende
Kamera als auch den Temperatursensor als auch den Rauheitssensor. Weiterhin können
- alternativ oder zusätzlich zu den vorstehend genannten Möglichkeiten - auch andere
Eigenschaften der jeweiligen Walze erfasst werden, beispielsweise deren Abstand von
der jeweiligen Erfassungseinrichtung und damit durch entsprechende Auswertung im Ergebnis
deren Durchmesser.
[0012] In der Minimalkonfiguration ist pro Walze nur eine einzige Erfassungseinrichtung
vorhanden, welche in Richtung der jeweiligen Walzenachse über die gesamte Ballenlänge
verfahrbar ist. In diesem Fall ist es erforderlich, das Drehen der jeweiligen Walze
und das Verfahren der jeweiligen Erfassungseinrichtung derart aufeinander abzustimmen,
dass mittels dieser Erfassungseinrichtung - der einzigen Erfassungseinrichtung für
die jeweilige Walze - jeder Bereich der Oberfläche der jeweiligen Walze mindestens
einmal erfasst wird.
[0013] Es ist jedoch auch andere Ausgestaltungen möglich, bei denen pro Walze mehrere Erfassungseinrichtungen
vorhanden sind. Beispielsweise ist es möglich, dass die Erfassungseinrichtungen für
die Walzen jeweils eine vordere und eine hintere Erfassungseinrichtung umfassen und
dass die vordere und die hintere Erfassungseinrichtung derart angeordnet sind, dass
sie bezüglich einer die Walzenachse der jeweiligen Walze enthaltenden vertikalen Ebene
auf der einen und der anderen Seite der vertikalen Ebene angeordnet sind. Dadurch
können sich die beiden Erfassungseinrichtungen sozusagen die Erfassung der gesamten
Walzenoberfläche in Umfangsrichtung gesehen teilen. Die vordere und die hintere Erfassungseinrichtung
für die jeweilige Walze können in Umfangsrichtung um die jeweilige Walze gesehen insbesondere
zumindest in etwa diametral gegenüber angeordnet sein.
[0014] In seltenen Fällen kann es sogar möglich sein, auf jeder Seite der vertikalen Ebene
jeweils mehrere Erfassungseinrichtungen vorzusehen. Beispielsweise können im Falle
von jeweils zwei Erfassungseinrichtungen pro Seite insgesamt vier Erfassungseinrichtungen
in Umfangsrichtung verteilt angeordnet sein. Unabhängig von der konkreten Anzahl sind
die Erfassungseinrichtungen um die jeweilige Walze herum gesehen jedoch vorzugsweise
zumindest in etwa gleichmäßig verteilt angeordnet.
[0015] Alternativ oder zusätzlich zu einer Anordnung auf den beiden Seiten der vertikalen
Ebene ist es möglich, dass die Erfassungseinrichtungen für die Walzen jeweils eine
bedienseitige und eine antriebsseitige Erfassungseinrichtung umfassen und dass die
bedienseitige und die antriebsseitige Erfassungseinrichtung für die jeweilige Walze
in Richtung der Walzenachse der jeweiligen Walze gesehen nebeneinander angeordnet
sind. In diesem Fall muss die jeweilige Erfassungseinrichtung nicht über die gesamte
Ballenlänge verfahrbar sein, sondern nur über etwa die Hälfte der Ballenlänge.
[0016] Die verschiedenen Maßnahmen, also die Verteilung der Erfassung der Oberflächeneigenschaften
in Umfangsrichtung gesehen auf mehrere Erfassungseinrichtungen und die Verteilung
der Erfassung der Oberflächeneigenschaften in Richtung der Walzenachse gesehen auf
mehrere Erfassungseinrichtungen können auch nach Bedarf miteinander kombiniert werden.
[0017] Die Antriebseinrichtung muss von einer Steuereinrichtung angesteuert werden, so dass
die Antriebseinrichtung die Walzen in definierter Art und Weise dreht. In analoger
Weise müssen auch die Erfassungseinrichtungen in definierter Art und Weise verfahren
werden, so dass in Richtung der Walzenachse gesehen definiert ist, welcher Bereich
der Oberfläche der jeweiligen Walze mittels der jeweiligen Erfassungseinrichtung gerade
erfasst wird. Dies ist jedoch ohne weiteres realisierbar. Insbesondere sind Lageregelungen
allgemein bekannt. Der konkrete Betrieb der Steuereinrichtung als solcher ist nicht
Gegenstand der vorliegenden Erfindung.
[0018] Weiterhin müssen die Erfassungseinrichtungen mit einer Auswertungseinrichtung verbunden
sein, welche die mittels der Erfassungseinrichtungen messtechnisch erfassten Daten
entgegennimmt und auswertet. Die Verbindung mit der Auswertungseinrichtung als solche
ist problemlos möglich. Gleiches gilt für die Datenübertragung von den Erfassungseinrichtungen
zur Auswertungseinrichtung. Die Datenübertragung und die Auswertung der erfassten
Daten sind - ebenso wie die Auswertungseinrichtung nicht Gegenstand der vorliegenden
Erfindung.
[0019] Die vorliegende Erfindung ist prinzipiell bei beliebigen Walzgerüsten und sowohl
bei eingerüstigen Walzwerken als auch bei mehrgerüstigen Walzstraßen anwendbar. Ihre
vollen Vorteile zeigt die vorliegende Erfindung jedoch insbesondere bei mehrgerüstigen
Walzstraßen, bei denen die Walzgerüste als Quartogerüste oder als Sextogerüste ausgebildet
sind. Ein Quartogerüst ist ein Walzgerüst, das zusätzlich zu einer oberen und einer
unteren Arbeitswalze auch eine obere und eine untere Stützwalze aufweist. Ein Sextogerüst
ist ein Walzgerüst, das zusätzlich zu einer oberen und einer unteren Arbeitswalze
auch eine obere und eine untere Stützwalze sowie zwischen der oberen Stützwalze und
der oberen Arbeitswalze eine obere Zwischenwalze und ebenso auch zwischen der unteren
Stützwalze und der unteren Arbeitswalze eine untere Zwischenwalze aufweist.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0020] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels, das im
Zusammenhang mit den Zeichnungen näher erläutert wird. Dabei zeigen:
- FIG 1
- ein Walzwerk von der Seite,
- FIG 2
- ein einzelnes Walzgerüst von der Seite,
- FIG 3
- ein einzelnes Walzgerüst und einen Walzenwechselwagen von oben,
- FIG 4
- eine perspektivische Darstellung eines Walzenwechselwagens mit von dem Walzenwechselwagen
aufgenommenen Walzen,
- FIG 5
- eine Walzenoberfläche in abgerollter Darstellung und
- FIG 6
- eine Erfassungseinrichtung.
Beschreibung der Ausführungsformen
[0021] Gemäß FIG 1 wird in Walzgerüsten 1 eines Walzwerks ein flaches Walzgut 2 aus Metall
gewalzt. Das flache Walzgut 2 kann insbesondere ein Band sein. Das Metall kann beispielsweise
Stahl oder Aluminium sein. In FIG 1 sind mehrere Walzgerüste 1 dargestellt, die von
dem Walzgut 2 sequenziell nacheinander in einer einheitlichen Transportrichtung x
durchlaufen werden. Das Walzwerk könnte aber auch nur ein einziges Walzgerüst 1 aufweisen.
Weiterhin sind von den Walzen 3 bis 5 der Walzgerüste 1 nur deren Arbeitswalzen 3
dargestellt. Der mittels des Walzwerks realisierte Walzvorgang kann alternativ ein
Warmwalzen oder ein Kaltwalzen des Walzguts 2 sein.
[0022] FIG 2 zeigt den Aufbau eines Walzgerüsts 1, bei dem die Anwendung der vorliegenden
Erfindung besonders vorteilhaft ist. Gemäß FIG 2 weist das Walzgerüst 1 - wie jedes
Walzgerüsts - Arbeitswalzen 3 auf. Weiterhin weist das Walzgerüst 1 zusätzlich zu
den Arbeitswalzen 3 Zwischenwalzen 4 und Stützwalzen 5 auf. Das Walzgerüst 1 ist somit
als Sextogerüst ausgebildet.
[0023] Gemäß FIG 3 ist den Walzgerüsten 1 jeweils ein Walzenwechselwagen 6 zugeordnet. Der
Walzenwechselwagen 6 kann, wie in FIG 3 durch einen Doppelpfeil 7 angedeutet, an der
Bedienseite des Walzgerüsts 1 an das Walzgerüst 1 herangefahren werden und auch wieder
von dem Walzgerüst 1 weggefahren werden. Im herangefahrenen Zustand können, wie in
FIG 3 durch einen weiteren Doppelpfeil 8 angedeutet, Walzen 3 bis 5 des Walzgerüsts
1 vom Walzgerüst 1 in den Walzenwechselwagen 6 und umgekehrt transferiert werden.
Der Walzenwechselwagen 6 weist daher eine Anzahl von Aufnahmen 9 für die Walzen 3
bis 5 auf. Üblicherweise werden nur die Arbeitswalzen 3 und eventuell auch die Zwischenwalzen
4 ausgebaut. Die Stützwalzen 5 werden nur selten ausgebaut. FIG 4 zeigt schematisch
den Walzenwechselwagen 6 mit darin befindlichen Arbeitswalzen 3 und Stützwalzen 4.
[0024] Der Walzenwechselwagen 6 weist für die Walzen 3, 4 jeweils eine Anzahl von Erfassungseinrichtungen
10 auf. Die jeweilige Erfassungseinrichtung 10 ist in der Lage, eine Anzahl von Oberflächeneigenschaften
B, T, R der jeweiligen Walze 3, 4 zu erfassen. Die Oberflächeneigenschaften B, T,
R werden von der jeweiligen Erfassungseinrichtung 10 gemäß FIG 5 über einen Erfassungsbereich
11 der Oberfläche 12 der jeweiligen Walze 3, 4 erfasst. Der jeweilige Erfassungsbereich
11 erstreckt sich über die Ballenlänge L der jeweiligen Walze 3, 4 gesehen über eine
Teillänge I und in Umfangsrichtung φ der jeweiligen Walze 3, gesehen über einen vorbestimmten
Winkelbereich α.
[0025] Um die Oberflächeneigenschaften B, T, R der jeweiligen Walze 3, 4 für die gesamte
Oberfläche 12 der jeweiligen Walze 3, 4 erfassen zu können, sind die Erfassungseinrichtungen
10, wie in FIG 4 durch Pfeile 13 angedeutet, zumindest in Richtung der jeweiligen
Walzenachse verfahrbar. Das Ausmaß der Verfahrbarkeit ist derart bestimmt, dass beim
Verfahren der Erfassungseinrichtungen 10 in Richtung der jeweiligen Walzenachse mittels
der Erfassungseinrichtungen 10 die Oberflächeneigenschaften B, T, R über die gesamte
Ballenlänge L der jeweiligen Walze 3, 4 erfassbar sind.
[0026] Der Walzenwechselwagen 6 weist weiterhin eine Antriebseinrichtung auf. Mittels der
Antriebseinrichtung sind die Walzen 3, 4, die in den Aufnahmen 9 angeordnet sind,
um ihre jeweilige Walzenachse drehbar. Das Drehen der Walzen 3, 4 ist in FIG 4 durch
weitere Pfeile 14 angedeutet. Die Drehrichtung der Walzen 3, 4 kann für jede Walze
3, 4 individuell und nach Bedarf bestimmt werden. Denn im Gegensatz zum normalen Walzbetrieb,
bei dem die Walzen 3 bis 5 aneinander abrollen und demzufolge aneinander abrollende
Walzen 3 bis 5 gegenläufige Drehrichtungen aufweisen müssen, sind die Walzen 3, 4
in den Aufnahmen 9 des Walzenwechselwagens 6 derart angeordnet, dass sie voneinander
beabstandet sind.
[0027] Die Ausgestaltung der Erfassungseinrichtungen 10 und damit auch die erfassten Oberflächeneigenschaften
B, T, R können nach Bedarf bestimmt sein. Beispielsweise können die Erfassungseinrichtungen
10 gemäß FIG 6 jeweils eine optische und/oder mit Infrarot arbeitende Kamera 15 umfassen,
mittels derer als Oberflächeneigenschaft B, T, R der jeweiligen Walze 3, 4 deren Bild
B erfassbar ist. Alternativ oder zusätzlich können die Erfassungseinrichtungen 10
jeweils einen Temperatursensor 16 umfassen, mittels dessen als Oberflächeneigenschaft
B, T, R der jeweiligen Walze 3, 4 deren Oberflächentemperatur T erfassbar ist. Alternativ
oder zusätzlich können die Erfassungseinrichtungen 10 jeweils einen Rauheitssensor
17 umfassen, mittels dessen als Oberflächeneigenschaft B, T, R der jeweiligen Walze
3, 4 deren Rauheit R erfassbar ist. Die Erfassung der jeweiligen Oberflächeneigenschaft
B, T, R erfolgt zu einem jeweiligen Zeitpunkt natürlich nur in dem jeweiligen Erfassungsbereich
11.
[0028] Die Verfahrbewegung der Erfassungseinrichtungen 10 und die Drehbewegung der Walzen
3, 4 können nach Bedarf bestimmt sein, sofern im Ergebnis die Oberflächeneigenschaften
B, T, R über die gesamte Oberfläche 12 der jeweiligen Walze 3, 4 erfasst werden.
[0029] Beispielsweise können, wie in FIG 5 durch eine Linie 18 angedeutet ist, die Oberflächeneigenschaften
B, T, R jeweils entlang eines Streifens erfasst werden, der sich über die gesamte
Ballenlänge L erstreckt und in der Umfangsrichtung φ über den Winkelbereich α erstreckt.
Nach der Erfassung der Oberflächeneigenschaften B, T, R, über einen derartigen Streifen
wird dann die jeweilige Walze 3, 4 um einen Winkel gedreht, der maximal so groß wie
und vorzugsweise geringfügig kleiner als der Winkelbereich α ist. Dann werden die
Oberflächeneigenschaften B, T, R über den nächsten Streifen erfasst usw.
[0030] Alternativ kann die Position der jeweiligen Erfassungseinrichtung 10 konstant gehalten
werden und die jeweilige Walze 3, 4 (mindestens) einmal um ihre Achse gedreht werden.
Dadurch werden die Oberflächeneigenschaften B, T, R über einen ringförmigen Bereich
19 erfasst, der sich in Richtung der jeweiligen Walzenachse gesehen über die Teillänge
I erstreckt. Dann wird die Erfassungseinrichtung 10 um die Teillänge I (oder etwas
weniger) verfahren, und die Oberflächeneigenschaften B, T, R für den nächsten ringförmigen
Bereich 19 werden erfasst. Diese Vorgehensweise wird dann nach Bedarf wiederholt.
[0031] Auch andere Vorgehensweisen sind möglich, bei denen die Drehbewegung der Walzen 3,
4 und die Verfahrbewegung der Erfassungseinrichtungen 10 kontinuierlich erfolgen,
jedoch in geeigneter Weise aufeinander abgestimmt sind. Beispielsweise kann die Verfahrbewegung
der Erfassungseinrichtungen 10 derart auf das Drehen der Walzen 3, 4 abgestimmt sein,
dass die Erfassungseinrichtungen 10 bei jeder vollständigen Umdrehung der jeweiligen
Walze 3, 4 um maximal die Teillänge I verfahren worden sind. Ebenso ist auch die umgekehrte
Abstimmung möglich, dass nach dem vollständigen Verfahren der Erfassungseinrichtungen
10 über die volle Ballenlänge L die Walzen 3, 4 um maximal die Hälfte des Winkelbereichs
α gedreht worden sind.
[0032] Die Möglichkeiten zur Erfassung der Oberflächeneigenschaften B, T, R über die gesamte
Oberfläche 12 der jeweiligen Walze 3, 4 sind vorstehend für den Fall erläutert, dass
für die jeweilige Walze 3, 4 nur eine einzige Erfassungseinrichtung 10 vorhanden ist.
Es können für die jeweilige Walze 3, 4 aber auch mehrere Erfassungseinrichtungen 10
vorhanden sein. In diesem Fall können die vorstehend erläuterten Möglichkeiten zur
Erfassung der Oberflächeneigenschaften B, T, R entsprechend angepasst werden.
[0033] Beispielsweise können die Erfassungseinrichtungen 10 für die Walzen 3, 4 gemäß FIG
3 jeweils eine vordere Erfassungseinrichtungen 10' und eine hintere Erfassungseinrichtung
10" umfassen. In diesem Fall sind die vordere und die hintere Erfassungseinrichtung
10', 10" derart angeordnet, dass sie bezüglich einer die Walzenachse der jeweiligen
Walze 3, 4 enthaltenden vertikalen Ebene 20 auf der einen und der anderen Seite der
vertikalen Ebene 20 angeordnet sind.
[0034] Alternativ können die Erfassungseinrichtungen 10 für die Walzen 3, 4 jeweils eine
bedienseitige Erfassungseinrichtung und eine antriebsseitige Erfassungseinrichtung
umfassen. In diesem Fall sind die bedienseitige und die antriebsseitige Erfassungseinrichtung
für die jeweilige Walze 3, 4 in Richtung der Walzenachse der jeweiligen Walze 3, 4
gesehen nebeneinander angeordnet. Dies ist in FIG 5 daran erkennbar, dass dort ein
bedienseitiger Erfassungsbereich 11' und ein antriebsseitiger Erfassungsbereich 11"
eingezeichnet sind, die in der Umfangsrichtung φ übereinstimmen, in Richtung der Walzenachse
gesehen jedoch deutlich voneinander beabstandet sind.
[0035] Weiterhin können die beiden vorstehend erläuterten Ausgestaltungen auch miteinander
kombiniert werden. Auch andere Ausgestaltungen mit mehr als einer Erfassungseinrichtung
10 pro Walze 3, 4 sind möglich.
[0036] Die vorliegende Erfindung weist viele Vorteile auf. Insbesondere wird eine automatische,
sichere, schnelle und effiziente Inspektion der Walzen 3, 4 ermöglicht. Beispielsweise
müssen bei einer Walzstraße mit fünf Walzgerüsten 1, die jeweils als Sextogerüst ausgebildet
sind, jeweils 20 Walzen 3, 4 inspiziert werden. Diese Inspektion kann jetzt für alle
Walzen 20 gleichzeitig erfolgen, während die Walzen 3, 4 im Stand der Technik einzeln
und sequenziell nacheinander inspiziert wurden.
[0037] Obwohl die Erfindung im Detail durch die bevorzugten Ausführungsbeispiele näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0038]
- 1
- Walzgerüste
- 2
- Walzgut
- 3
- Arbeitswalzen
- 4
- Zwischenwalzen
- 5
- Stützwalzen
- 6
- Walzenwechselwagen
- 7,8
- Doppelpfeile
- 9
- Aufnahmen
- 10, 10', 10"
- Erfassungseinrichtungen
- 11, 11', 11"
- Erfassungsbereiche
- 12
- Oberfläche
- 13, 14
- Pfeile
- 15
- Kamera
- 16
- Temperatursensor
- 17
- Rauheitsensor
- 18
- Linie
- 19
- ringförmiger Bereich
- 20
- vertikale Ebene
- B, T, R
- Oberflächeneigenschaften
- I
- Teillänge
- L
- Ballenlänge
- x
- Transportrichtung
- α
- Winkelbereich
- φ
- Umfangsrichtung
1. Walzenwechselwagen,
- wobei der Walzenwechselwagen eine Anzahl von Aufnahmen (9) für Walzen (3, 4) eines
Walzgerüsts (1) zum Walzen eines flachen Walzguts (2) aus Metall aufweist,
- wobei der Walzenwechselwagen eine Antriebseinrichtung aufweist, mittels derer die
Walzen (3, 4), wenn sie in den Aufnahmen (9) angeordnet sind, um ihre Walzenachsen
drehbar sind,
- wobei der Walzenwechselwagen für die Walzen (3, 4) jeweils eine Anzahl von Erfassungseinrichtungen
(10) aufweist,
- wobei die jeweilige Erfassungseinrichtung (10) in der Lage ist, über einen Erfassungsbereich
(11) der Oberfläche (12) der jeweiligen Walze (3, 4) eine Anzahl von Oberflächeneigenschaften
(B, T, R) der jeweiligen Walze (3, 4) zu erfassen,
- wobei der jeweilige Erfassungsbereich (11) sich über die Ballenlänge (L) der jeweiligen
Walze (3, 4) gesehen über eine Teillänge (I) und in Umfangsrichtung (φ) der jeweiligen
Walze (3, 4) gesehen über einen vorbestimmten Winkelbereich (α) erstreckt und
- wobei die Erfassungseinrichtungen (10) zumindest in Richtung der jeweiligen Walzenachse
verfahrbar sind, so dass beim Verfahren der Erfassungseinrichtungen (10) in Richtung
der jeweiligen Walzenachse mittels der Erfassungseinrichtungen (10) die Oberflächeneigenschaften
(B, T, R) über die gesamte Ballenlänge (L) der jeweiligen Walze (3, 4) erfassbar sind.
2. Walzenwechselwagen nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erfassungseinrichtungen (10) jeweils eine optische und/oder mit Infrarot arbeitende
Kamera (15) umfassen, mittels derer als Oberflächeneigenschaft (B, T, R) der jeweiligen
Walze (3, 4) deren Bild (B) erfassbar ist.
3. Walzenwechselwagen nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erfassungseinrichtungen (10) jeweils einen Temperatursensor (16) umfassen, mittels
dessen als Oberflächeneigenschaft (B, T, R) der jeweiligen Walze (3, 4) deren Oberflächentemperatur
(T) erfassbar ist.
4. Walzenwechselwagen nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erfassungseinrichtungen (10) jeweils einen Rauheitssensor (17) umfassen, mittels
dessen als Oberflächeneigenschaft (B, T, R) der jeweiligen Walze (3, 4) deren Rauheit
(R) erfassbar ist.
5. Walzenwechselwagen nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erfassungseinrichtungen (10) für die Walzen (3, 4) jeweils eine vordere und eine
hintere Erfassungseinrichtung (10', 10") umfassen und dass die vordere und die hintere
Erfassungseinrichtung (10', 10") derart angeordnet sind, dass sie bezüglich einer
die Walzenachse der jeweiligen Walze (3, 4) enthaltenden vertikalen Ebene (20) auf
der einen und der anderen Seite der vertikalen Ebene (20) angeordnet sind.
6. Walzenwechselwagen nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erfassungseinrichtungen (10) für die Walzen (3, 4) jeweils eine bedienseitige
und eine antriebsseitige Erfassungseinrichtung umfassen und dass die bedienseitige
und die antriebsseitige Erfassungseinrichtung für die jeweilige Walze (3, 4) in Richtung
der Walzenachse der jeweiligen Walze (3, 4) gesehen nebeneinander angeordnet sind.