[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Druckgießanlage zur Herstellung eines
keramischen Druckgußbauteils. Darüber hinaus betrifft die Erfindung eine Gießform
sowie einen Formteilträger.
[0002] Ein Verfahren zur Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils ist der Schlickerguß.
Beim Schlickergießen wird der Scherben dadurch gebildet, daß einer wäßrigen Suspension
durch eine poröse, wassersaugende Form Wasser entzogen wird. Ein besonders effizientes
Schlickergießverfahren ist der Schlickerdruckguß mit porösen, mehrfach verwendbaren
Kunststoffformen. Dabei wird der Schlicker mit hohem Druck in die Form eingespritzt
und sogleich entwässert. Bevor der Schlicker eingespritzt wird, muß die Gießform zusammengesetzt
und mit Hilfe von Schließeinheiten durch Beaufschlagung mit einer Preßkraft zusammengepreßt
werden.
[0003] Die Gießform besteht üblicherweise aus zwei oder mehr komplementären Formteilen,
die einen Formteilverbund bilden. Diese Formteile sind meist auf Formteilträger montiert,
die auch als Formaufspannplatten, Spannplatten oder Preßplatten bezeichnet werden.
Zum Schließen der Gießform werden die beweglichen Formteile mittels der Schließeinheiten
in eine Schließstellung gefahren. Dabei müssen die einzelnen Formteile sehr genau
zueinander positioniert werden, anderenfalls es zu Verschiebungen der Formteile zueinander
kommen. Die Gießform wäre dann nicht dicht verschlossen und es könnte kein ordnungsgemäßer
Gießvorgang erfolgen.
[0004] Dieses sehr genaue Positionieren der Formteile zueinander erfordert einen vergleichsweise
hohen konstruktiven Aufwand.
[0005] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Herstellung eines keramischen
Druckgußbauteils zu vereinfachen.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die Gegenstände der unabhängigen Patentansprüche gelöst.
[0007] Die im Folgenden im Zusammenhang mit dem Verfahren erläuterten Vorteile und Ausgestaltungen
gelten sinngemäß auch für die erfindungsgemäße Druckgießanlage, die erfindungsgemäße
Gießform sowie den erfindungsgemäßen Formteilträger und umgekehrt.
[0008] Die Erfindung sieht gemäß ihrer Kernidee vor, daß wenigstens ein Formteil eines Formteilverbundes
einer Gießform an einem anderen Formteil dieses Formteilverbundes geführt wird, wobei
diese Führung über die diesen Formteilen zugeordneten Formteilträger erfolgt. Mit
anderen Worten sind wenigstens zwei Formteilträger miteinander verbunden derart, daß
einer der Formteilträger an bzw. in dem anderen Formteilträger geführt ist.
[0009] Durch die vorgesehene Führung ist ein geführter, beweglicher Formteilträger dauerhaft
exakt zu dem die Führung aufweisenden Formteilträger positioniert, so daß das Schließen
der Gießform keinen Positioniervorgang des geführten Formteilträgers und damit keine
freie Positionierung des diesem Formteilträger zugeordneten Formteils im Raum mehr
umfassen muß. Anders ausgedrückt wird jedes von einem geführten Formteilträger getragene
Formteil ohne weiteres relativ zu den übrigen Formteilen des Formteilverbundes richtig
positioniert. Je nach konstruktiver Ausgestaltung kann lediglich noch ein Anschlagselement
notwendig sein, welches die Endposition des geführten Formteilträgers definiert. Hierdurch
vereinfacht sich der für das Schließen der Gießform benötigte technische Aufwand deutlich.
Insbesondere muß weniger Aufwand beim Verfahren der beweglichen Formteilträger betrieben
werden. Hierbei kommt es lediglich noch darauf an, daß eine ausreichend große Kraft
auf den zu bewegenden Formteilträger ausgeübt wird. Die Wirkungsrichtung dieser Kraft
muß nicht mehr exakt auf das saubere Schließen der Gießform abzielen. Da der Formteilträger
zwangsgeführt wird, ist seine Bewegungsrichtung vorgegeben, so daß es ausreichend
ist, wenn die auf ihn einwirkende Kraft eine hinreichend große Komponente in seiner
gewünschten Bewegungsrichtung aufweist. Selbstverständlich wird in der Praxis eine
möglichst große Übereinstimmung der Kraftwirkungsrichtung mit der Bewegungsrichtung
angestrebt werden; eine richtungsgenaue Beaufschlagung des geführten Formteilträgers
ist jedoch nicht notwendig, geschweige denn eine freie Positionierung des Formteilträgers
im Raum. Auf diese Weise kann der konstruktive Aufwand für ein Positionieren der Formteile
zueinander deutlich verringert werden. Die Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils
wird damit stark vereinfacht.
[0010] Ein Aspekt der Erfindung betrifft einen Formteilträger. Ein Formteilträger, der zum
Tragen eines Formteils ausgebildet ist, welches Formteil zur Bildung eines Formteilverbundes
einer Gießform zur Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils dient, insbesondere
zur Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils mit Hilfe eines Schlickerdruckgußverfahrens,
bei dem die Formteile mehrfach verwendet werden und aus einem porösen Kunststoffmaterial
bestehen, ist erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, daß er wenigstens eine Führung
für einen weiteren Formteilträger aufweist.
[0011] Ein Aspekt der Erfindung betrifft eine Gießform. Eine Gießform zur Herstellung eines
keramischen Druckgußbauteils, insbesondere mit Hilfe eines Schlickerdruckgußverfahrens,
bei dem die Formteile mehrfach verwendet werden und aus einem porösen Kunststoffmaterial
bestehen, umfaßt mehrere, einen Formteilverbund bildende Formteile sowie mehrere,
einzelnen Formteilen zugeordnete Formteilträger, wobei wenigstens zwei dieser Formteile
an voneinander verschiedenen Formteilträgern befestigt sind, d.h. daß ein erstes Formteil
an einem ersten Formteilträger befestigt ist und daß ein zweites Formteil an einem
von dem ersten Formteilträger verschiedenen zweiten Formteilträger befestigt ist.
Diese Gießform ist erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, daß in einem dieser wenigstens
zwei Formteilträger wenigstens eine Führung für einen anderen dieser Formteilträger
vorgesehen ist, wobei einer dieser Formteilträger in der Führung geführt und entlang
einer durch diese Führung gebildeten Führungsbahn bewegbar ist, wodurch bei einer
Bewegung des geführten Formteilträgers in Schließrichtung das diesem geführten Formteilträger
zugeordnete Formteil des Formteilverbundes in seine Schließstellung bringbar ist.
Mit anderen Worten wird das von dem geführten Formteilträger getragene Formteil während
des Öffnens und Schließens der Gießform, d.h. während der Öffnungs- und Schließbewegung,
relativ zu demjenigen Formteil positioniert, das von dem die Führung aufweisenden
Formteilträger getragen wird.
[0012] Ein Aspekt der Erfindung betrifft eine Druckgießanlage. Eine Druckgießanlage zur
Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils, insbesondere mit Hilfe eines Schlickerdruckgußverfahrens,
bei dem die Formteile mehrfach verwendet werden und aus einem porösen Kunststoffmaterial
bestehen, umfaßt eine Gießform mit mehreren, einen Formteilverbund bildenden Formteilen
sowie mehreren, einzelnen Formteilen zugeordneten Formteilträgern, wobei wenigstens
zwei dieser Formteile an voneinander verschiedenen Formteilträgern befestigt sind,
und ist erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, daß in einem dieser Formteilträger
wenigstens eine Führung für einen anderen dieser Formteilträger vorgesehen ist.
[0013] Ein Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren. Ein Verfahren zur Herstellung eines
keramischen Druckgußbauteils, wobei es sich bei dem Verfahren insbesondere um ein
Schlickerdruckgußverfahren handelt, bei dem die Formteile mehrfach verwendet werden
und aus einem porösen Kunststoffmaterial bestehen, wobei das Druckgußbauteil mittels
einer Gießform hergestellt wird, die mehrere Formteile und mehrere Formteilträger
umfaßt, wobei wenigstens zwei dieser Formteile an voneinander verschiedenen Formteilträgern
befestigt sind, ist erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, daß in einem dieser Formteilträger
wenigstens eine Führung für einen anderen dieser Formteilträger vorgesehen ist, wobei
einer dieser anderen Formteilträger in dieser Führung geführt und entlang einer durch
diese Führung gebildeten Führungsbahn bewegt wird, wodurch das diesem geführten Formteilträger
zugeordnete Formteil des Formteilverbundes aus einer Öffnungsstellung in eine Schließstellung
gebracht wird.
[0014] Vorteilhafte Ausführungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen angegeben bzw.
ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung und/oder den beigefügten Figuren.
[0015] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung handelt es sich bei den Formteilen um zueinander
komplementäre Druckguß-Gießformteile.
[0016] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung handelt es sich bei den Formteilträgern
um Formaufspannplatten, wobei in der Regel wenigstens ein Formteilträger als feststehende
Aufspannplatte in der Maschine fixiert ist.
[0017] Die Art und Ausführung der zum Einsatz kommenden Führung, die durch einen Formteilträger
bereitgestellt wird, kann variieren. Vorzugsweise handelt es sich um eine Linearführung,
die durch ein Gleitlager gebildet ist. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung weist
die Führung des Formteilträgers mehrere voneinander beabstandete Führungselemente
auf, beispielsweise Führungsbuchsen.
[0018] Zur Realisierung der geführten Bewegung des Formteilträgers dient eine Schließeinheit
der Druckgießanlage, wobei die Schließeinheit den Formteilträger auf geeignete Weise
beaufschlagt, um ihn und damit auch das ihm zugeordnete Formteil in seine Schließstellung
zu bringen. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung umfaßt die Druckgießanlage eine
Schließeinheit, die ausgebildet ist, einen in einer Führung eines Formteilträgers
der Gießform geführten Formteilträger lose zu beaufschlagen.
[0019] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung weist die Schließeinheit eine Anlagefläche
auf, beispielsweise die Anlagefläche eines Verfahrzylinders einer Verfahreinheit,
die im Verlauf der Schließbewegung den geführten Formteilträger lose beaufschlagt
und so mit diesem in einer lösbaren Wirkverbindung steht und ihn in die Schließstellung
bewegt. Das Bewegen des geführten Formteilträgers erfolgt dabei entsprechend der Ausgestaltung
der Führung bzw. entsprechend der durch die Führung gebildeten Führungsbahn, vorzugsweise
unter Ausführung einer geradlinigen Bewegung.
[0020] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung wird der geführte Formteilträger nach dem
Befüllen der Gießform entlang seiner Führungsbahn zurückbewegt, wodurch das dem Formteilträger
zugeordnete Formteil des Formteilverbundes aus einer Schließstellung in eine Öffnungsstellung
gebracht wird.
[0021] Wenn die beweglichen Formteilträger nur noch lose von den Schließmitteln beaufschlagbar,
dann sind zum Öffnen der Gießform, d.h. zum Aufdrücken des Werkzeugs, nach Abschluß
des Gießvorgangs geeignete Öffnungsmittel vorgesehen, die bewirken, daß der bewegliche
Formteilträger in seine Öffnungsstellung zurückbewegt wird. Als Öffnungsmittel können
beispielsweise Federelemente zum Einsatz kommen, welche beim Schließen der Form beaufschlagt
werden, so daß bei einem Wegfall der Schließkraft der bewegliche Formteilträger durch
die Rückstellkraft des Federelements in seine Ausgangsstellung zurückbewegt wird.
Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung umfaßt die Gießform ein Federelement, das
von einem geführten Formteilträger, wenn dieser in Schließrichtung bewegt wird, verformbar
ist, und das im verformten Zustand diesen Formteilträger in Öffnungsrichtung beaufschlagt.
[0022] Die Erfindungsidee kann in unterschiedlichen Gießformen auf verschiedene Weise realisiert
werden. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung umfaßt die Gießform zwei Formteilträger,
d.h. an einem ersten Formteilträger ist eine Führung für einen zweiten Formteilträger
vorgesehen. Gemäß einer anderen Ausführungsform der Erfindung umfaßt die Gießform
drei Formteilträger. In einer ersten Variante einer solchen dreiteiligen Ausführung
sind an dem ersten Formteilträger zwei Führungen vorgesehen, nämlich sowohl für den
zweiten Formteilträger als auch für den dritten Formteilträger. Gemäß einer zweiten
Variante dieser Ausgestaltung ist an dem ersten Formteilträger eine Führung für den
zweiten Formteilträger vorgesehen und an dem zweiten Formteilträger ist eine Führung
für den dritten Formteilträger vorgesehen. Welches in dieser Ausgestaltung der zweite
und welcher der dritte Formteilträger ist, bestimmt sich nach der Reihenfolge, in
der die Formteile bei dem Schließen der Form bewegt werden.
[0023] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ist wenigstens einer der Formteilträger
feststehend, d.h. ortsunveränderlich, und wenigstens ein anderer Formteilträger beweglich.
Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ist der die Führung aufweisende Formteilträger
feststehend. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ist ausschließlich der die
Führung aufweisende Formteilträger feststehend, d.h. alle anderen Formteilträger sind
beweglich. Die Gießform kann gemäß einer anderen Ausführungsform der Erfindung auch
ausschließlich aus beweglichen Formteilträgern gebildet sein.
[0024] Es ergibt sich von selbst, daß alle in einer Führung geführten Formteilträger beweglich
sind. Es muß jedoch nicht zwingend einen feststehenden Formteilträger geben. Der die
Führung aufweisende Formteilträger kann entweder feststehend oder beweglich sein.
Der die Führung aufweisende Formteilträger ist insbesondere dann beweglich, wenn es
sich dabei um einen Formteilträger handelt, der seinerseits an einem anderen Formteilträger
beweglich geführt ist.
[0025] Ist der die Führung aufweisende Formteilträger feststehend ausgebildet, bildet der
geführte Formteilträger zusammen mit dem die Führung bereitstellenden Formteilträger
während des Schließvorgangs der Gießform keine Bewegungseinheit. Weist ein bei dem
Schließvorgang beweglicher Formteilträger eine Führung für einen weiteren beweglichen
Formteilträger auf, bilden die miteinander über die Führung verbundenen beweglichen
Formteilträger eine Bewegungseinheit während des Schließvorgangs, wobei sich die Bewegungsrichtungen
der einzelnen Formteilträger während der jeweils ihnen zugeordneten Teilbewegungen
des Schließvorgangs voneinander unterscheiden.
[0026] Hervorzuheben ist, daß das Bewegen der beweglichen Formteilträger vorzugsweise nur
mehr durch lose Beaufschlagung mit geeigneten Schließmitteln erfolgt. Beispielsweise
wird der in einem ersten Formteilträger geführte zweite bewegliche Formteilträger
von einem Schließzylinder beaufschlagt. Da diese Beaufschlagung lediglich noch eine
Bewegung des zweiten Formteilträgers entlang der durch die Führung vorgegebenen Schließrichtung
bewirken muß, ist eine über diese Beaufschlagung hinausgehende Positionierung durch
die Schließeinheit nicht mehr erforderlich. Da das Schließen der Gießform keinen Positioniervorgang
mehr mit umfaßt, kann die Schließvorrichtung (Formschließeinheit) deutlich einfacher
ausgeführt sein als bei bisherigen Lösungen, bei denen während der Schließbewegung
auch eine Positionierung des Formteilträgers relativ zu einer Anzahl weiterer Formteilträger
erfolgen mußte.
[0027] Die oben beschriebene Erfindung eignet sich besonders für die Herstellung von keramischen
Druckgußbauteilen. Die Erfindung eignet sich besonders für Schlickerdruckgußverfahren,
bei denen flüssige Porzellanmasse (Schlicker) in die durch die Formteile gebildete
Form gegossen wird. Die Erfindung eignet sich besonders für Schlickerdruckgußverfahren,
bei denen die Formteile mehrfach verwendet werden und aus einem porösen Kunststoffmaterial
bestehen, da es bei dieser Art von Formteilen nicht möglich ist, ein Formteil in einem
anderen Formteil zu führen. Die Erfindung eignet sich besonders für die Herstellung
von mehrteiligen Gegenständen aus Porzellan, wie beispielsweise zweiteiligen Henkeln.
[0028] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnungen näher
erläutert. Hierbei zeigen:
- Fig. 1
- eine Gießform nach dem Stand der Technik, geöffnet (Querschnitt),
- Fig. 2
- Formteile der Gießform in einer perspektivischen Ansicht,
- Fig. 3
- eine erfindungsgemäße Gießform, geöffnet(Querschnitt),
- Fig. 4
- eine erfindungsgemäße Gießform, geöffnet (Längsschnitt),
- Fig. 5
- eine erfindungsgemäße Gießform, geschlossen (Querschnitt).
[0029] Sämtliche Figuren zeigen die Erfindung nicht maßstabsgerecht, dabei lediglich schematisch
und nur mit ihren wesentlichen Bestandteilen. Gleiche Bezugszeichen entsprechen dabei
Elementen gleicher oder vergleichbarer Funktion.
[0030] Beschrieben wird eine Druckgießanlage 20 für ein Schlickerdruckgußverfahren. Es wird
eine dreiteilige Henkelgießform 1 mit vier Kavitäten 2 verwendet. Die Anzahl der Kavitäten
ist dabei lediglich beispielhaft. Die Anzahl der Kavitäten kann variieren. So kann
die Henkelgießform 1 beispielsweise auch drei oder fünf Kavitäten aufweisen.
[0031] Die Gießform 1 umfaßt drei, einen Formteilverbund 10 bildende, zusammenwirkende Formteile,
nämlich ein Oberteil 3, ein Seitenteil 4 und ein Unterteil 5. Die Formteile 3, 4,
5 werden mehrfach verwendet und bestehen aus einem porösen Kunststoffmaterial.
[0032] Jedem Formteil 3, 4, 5 ist ein Formteilträger 6, 7, 8 zugeordnet. Als Formteilträger
6, 7, 8 dienen Spannplatten. Das Oberteil 3 ist an einer feststehenden ersten Spannplatte
6 befestigt. Das Seitenteil 4 ist an einer horizontal verschiebbaren zweiten Spannplatte
7 befestigt. Das Unterteil 5 ist an einer vertikal verschiebbaren dritten Spannplatte
8 befestigt.
[0033] Im Inneren der ersten Spannplatte 6 sind zwei horizontal verlaufende Linearführungen
11 vorgesehen, siehe Fig. 3 und 4. Jede Linearführung weist zwei Führungsbuchsen 12
auf, wie in Fig. 3 abgebildet. Diese Führungen 11 dienen zur Aufnahme und Führung
von jeweils einer mit der zweiten Spannplatte 7 fest verbundenen Führungsstange 9.
Wie in Fig. 4 in einer geschnittenen Draufsicht auf die Gießform 1 abgebildet, ist
die zweite Spannplatte 6 mit Hilfe von zwei in Formlängsrichtung 21 voneinander beabstandeten
Führungsstangen 9 in der ersten Spannplatte 6 geführt. Die beiden Führungsstangen
9, die auch einteilig oder einstückig mit der zweiten Spannplatte 7 ausgeführt sein
können, werden dabei als integrale Bestandteile der zweiten Spannplatte 7 angesehen.
[0034] Die zweite Spannplatte 7 ist entlang einer durch diese Führungen 11 gebildeten linearen
Führungsbahn 24 von einer Öffnungsstellung, wie in Fig. 3 und 4 dargestellt, in eine
Schließstellung bewegbar, wie in Fig. 5 dargestellt. Die zweite Spannplatte 7 wird
hierzu mittig, d.h. zwischen den beiden Führungsstangen 11, von einem Schließzylinder
13 einer Formschließeinheit 14 beaufschlagt. Dabei liegt eine Anlagefläche 15 des
Schließzylinders 13 auf der Rückseite 16 der zweiten Spannplatte 7 an.
[0035] Durch die Bewegung der Spannplatte 7 wird das Seitenteil 4 bewegt, bis es an dem
Oberteil 3 anschlägt. Beim diesem Verschieben der zweiten Spannplatte 7 in Schließrichtung
22 werden zwei Federelemente 17 komprimiert. Bei den Federelementen 17 handelt es
sich um auf den Führungsstangen 9 geführte Schraubendruckfedern, die mit ihren einen
Federenden an der ersten Spannplatte 6 und mit ihren zweiten Federenden an der zweite
Spannplatte 7 angreifen.
[0036] Nachdem die zweite Spannplatte 7, die in der von der ersten Spannplatte 6 bereitgestellten
Führung 11 geführt ist, ihre Schließstellung erreicht hat, ist das Seitenteil 4 an
dem Oberteil 3 positioniert. Es muß dann nur noch das Unterteil 5 zu dem Oberteil
3 und dem Seitenteil 4 positioniert werden. Hat das Unterteil 5 seine Schließstellung
erreicht, liegt auch das Seitenteil 4 an dem Unterteil 5 an und die Gießform 1 ist
geschlossen.
[0037] Das Unterteil 5 wird in dem hier illustrierten Beispiel mit Hilfe eines an der dritten
Spannplatte 8 angreifenden, herkömmlichen zweiten Schließzylinders in seine Schließstellung
verschoben. Dieser zweite Schließzylinder sowie die erforderlichen Mittel zum vertikalen
Verschieben der dritten Spannplatte 8 sind in den Figuren nicht dargestellt. Weitere
Konstruktionselemente der Druckgießanlage 20, wie beispielsweise Tragrahmen, Führungsholme
und dergleichen, sind in den Figuren aus Gründen der Übersichtlichkeit ebenfalls nicht
dargestellt.
[0038] Sobald sich alle drei Spannplatten 6, 7, 8 und damit auch die daran befestigten Formteile
3, 4, 5 in ihren Schließstellungen befinden, bilden die zusammenwirkenden Formteile
3, 4, 5 den geschlossenen Gießraum 18 der Gießform 1 und der Schlicker kann unter
Druck in den Gießraum 18 gepumpt werden, siehe Fig. 5. Auch die hierfür erforderlichen
Komponenten der Druckgießanlage 20, wie beispielsweise Schlickerbehälter, Pumpe sowie
Schlicker- und Entlüftungsleitungen und dergleichen, sind in den Figuren nicht dargestellt.
[0039] Während der Befüllens des Gießraumes 18 tritt durch die porösen Formteile 4, 5, 6
hindurch Wasser aus der Gießform 1 aus. Dem Schlicker wird auf diese Weise Wasser
entzogen, so daß sich in dem Gießraum 18 ein Scherben bildet. Die Gießform 1 wird
währenddessen mit einer bestimmten Preßkraft zusammengepreßt. Hierzu dient der auf
die zweite Spannplatte 7 wirkende Schließzylinder 13 sowie der auf die dritte Spannplatte
8 wirkende zweite, in den Figuren nicht dargestellte, Schließzylinder. Auf diese Weise
wird das Vorhandensein eines ausreichenden Gegendruckes zu dem Gießdruck innerhalb
des Gießraums 18 gewährleistet.
[0040] Nach dem Befüllen des Gießraumes 18 wird ein Gegendruck nicht mehr benötigt. Sobald
keine Preßkraft mehr anliegt, wird die Gießform 1 geöffnet. Hierzu wird der lediglich
lose an der zweiten Spannplatte 7 anliegende Schließzylinder 13 in der Horizontalen
zurückgefahren. Aufgrund der entgegengesetzt zu der Schließrichtung 22 in Öffnungsrichtung
23 wirkenden Beaufschlagung durch die beiden Federelemente 17 bewegt sich die zweite
Spannplatte 7 mit dem Seitenteil 4 selbständig in Öffnungsrichtung 23 in die Öffnungsstellung
zurück. Anschließend wird das Unterteil 5 durch ein Verschieben der dritten Spannplatte
8 nach unten aus seiner Schließstellung entfernt und die vier Henkel können aus dem
Oberteil 3 entnommen werden.
[0041] Bei dem aus dem Stand der Technik bekannten Aufbau, wie in Fig. 1 illustriert, ist
hingegen die zweite Spannplatte 27 nicht mit der ersten Spannplatte 26 verbunden.
Das Seitenteil 4 wird von einem Schließzylinder 25 frei im Raum positioniert. Die
zweite Spannplatte 6 ist zu diesem Zweck mit ihrer Rückseite 24 fest mit dem Schließzylinder
25 verbunden.
[0042] Alle in der Beschreibung, den nachfolgenden Ansprüchen und der Zeichnung dargestellten
Merkmale können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination miteinander erfindungswesentlich
sein. Diese Merkmale bzw. Merkmalskombinationen können jeweils eine selbständige Erfindung
begründen, deren Inanspruchnahme ausdrücklich vorbehalten ist.
[0043] Bei der Angabe einer eine Erfindung definierenden Merkmalskombination müssen einzelne
Merkmale aus der Beschreibung eines Ausführungsbeispiels nicht zwingend mit einem
oder mehreren oder allen anderen in der Beschreibung dieses Ausführungsbeispiels angegebenen
Merkmalen kombiniert werden; diesbezüglich ist jede Unterkombination von Merkmalen
eines oder mehrerer Ausführungsbeispiele ausdrücklich mitoffenbart.
[0044] Außerdem können gegenständliche Merkmale der Vorrichtung umformuliert als Verfahrensmerkmale
Verwendung finden und Verfahrensmerkmale können umformuliert als gegenständliche Merkmale
der Vorrichtung Verwendung finden. Auf diese Weise umformulierte Merkmale sind implizit
mitoffenbart.
Bezugszeichenliste
[0045]
- 1
- Gießform
- 2
- Kavität
- 3
- Formteil, Oberteil
- 4
- Formteil, Seitenteil
- 5
- Formteil, Unterteil
- 6
- Formteilträger, erste Spannplatte
- 7
- Formteilträger, zweite Spannplatte
- 8
- Formteilträger, dritte Spannplatte
- 9
- Führungsstange
- 10
- Formteilverbund
- 11
- Führung
- 12
- Führungsbuchse
- 13
- Schließzylinder
- 14
- Formschließeinheit
- 15
- Anlagefläche des Schließzylinders
- 16
- Rückseite der zweiten Spannplatte
- 17
- Federelement
- 18
- Gießraum
- 19
- (frei)
- 20
- Druckgießanlage
- 21
- Formlängsrichtung
- 22
- Schließrichtung
- 23
- Öffnungsrichtung
- 24
- Führungsbahn
- 25
- Schließzylinder (Stand der Technik)
- 26
- erste Spannplatte (Stand der Technik)
- 27
- zweite Spannplatte (Stand der Technik)
- 28
- Rückseite der zweiten Spannplatte (Stand der Technik)
1. Formteilträger (6) für ein Formteil (3) zur Bildung eines Formteilverbundes (10) einer
Gießform (1) zur Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils, insbesondere mit
Hilfe eines Schlickerdruckgußverfahrens, bei dem die Formteile (3, 4, 5) mehrfach
verwendet werden und aus einem porösen Kunststoffmaterial bestehen, dadurch gekennzeichnet, daß der Formteilträger (6) wenigsten eine Führung (11) für einen weiteren Formteilträger
(7) aufweist.
2. Gießform (1) zur Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils, insbesondere mit
Hilfe eines Schlickerdruckgußverfahrens, bei dem die Formteile (3, 4, 5) mehrfach
verwendet werden und aus einem porösen Kunststoffmaterial bestehen,
umfassend mehrere, einen Formteilverbund (10) bildende Formteile (3, 4, 5) sowie mehrere,
einzelnen Formteilen (3, 4, 5) zugeordnete Formteilträger (6, 7, 8), wobei wenigstens
zwei dieser Formteile (3, 4, 5) an voneinander verschiedenen Formteilträgern (6, 7,
8) befestigt sind,
dadurch gekennzeichnet, daß in einem dieser Formteilträger (6) wenigstens eine Führung (11) für einen anderen
dieser Formteilträger (7) vorgesehen ist, wobei einer dieser Formteilträger (7) in
der Führung (11) geführt und entlang einer durch diese Führung (11) gebildeten Führungsbahn
(24) bewegbar ist, wodurch das diesem geführten Formteilträger (7) zugeordnete Formteil
(4) des Formteilverbundes (10) in seine Schließstellung bringbar ist.
3. Gießform (1) nach Anspruch 2, gekennzeichnet durch ein Federelement (17), das von einem geführten Formteilträger (7), wenn dieser in
Schließrichtung (22) bewegt wird, verformbar ist und das im verformten Zustand diesen
Formteilträger (7) in Öffnungsrichtung (23) beaufschlagt.
4. Druckgießanlage (20) zur Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils, insbesondere
mit Hilfe eines Schlickerdruckgußverfahrens, bei dem die Formteile (3, 4, 5) mehrfach
verwendet werden und aus einem porösen Kunststoffmaterial bestehen,
mit einer Gießform (1) mit mehreren, einen Formteilverbund (10) bildenden Formteilen
(3, 4, 5) sowie mehreren, einzelnen Formteilen (3, 4, 5) zugeordneten Formteilträgern
(6, 7, 8), wobei wenigstens zwei dieser Formteile (3, 4, 5) an voneinander verschiedenen
Formteilträgern (6, 7, 8) befestigt sind,
dadurch gekennzeichnet, daß in einem dieser Formteilträger (6) wenigstens eine Führung (11) für einen anderen
dieser Formteilträger (7) vorgesehen ist.
5. Druckgießanlage (20) nach Anspruch 4, mit einer Schließeinheit (14), die ausgebildet
ist, einen in einer Führung (11) eines Formteilträgers (6) der Gießform (1) geführten
Formteilträger (7) lose zu beaufschlagen.
6. Verfahren zur Herstellung eines keramischen Druckgußbauteils, wobei es sich bei dem
Verfahren insbesondere um ein Schlickerdruckgußverfahren handelt, bei dem die Formteile
(3, 4, 5) mehrfach verwendet werden und aus einem porösen Kunststoffmaterial bestehen,
wobei das Druckgußbauteil mittels einer Gießform (1) hergestellt wird, die mehrere
Formteile (3, 4, 5) und mehrere Formteilträger (6, 7, 8) umfaßt, wobei wenigstens
zwei dieser Formteile (3, 4, 5) an voneinander verschiedenen Formteilträgern (6, 7,
8) befestigt sind,
dadurch gekennzeichnet, daß in einem dieser Formteilträger (6) wenigstens eine Führung (11) für einen anderen
dieser Formteilträger (7) vorgesehen ist, wobei einer dieser anderen Formteilträger
(7) in dieser Führung (11) geführt und entlang einer durch diese Führung (11) gebildeten
Führungsbahn (24) bewegt wird, wodurch das diesem geführten Formteilträger (7) zugeordnete
Formteil (4) des Formteilverbundes (10) aus einer Öffnungsstellung in eine Schließstellung
gebracht wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, wobei der geführte Formteilträger (7) entlang dieser Führungsbahn
(24) zurückbewegt wird, wodurch das dem Formteilträger (7) zugeordnete Formteil (4)
des Formteilverbundes (10) aus einer Schließstellung in eine Öffnungsstellung gebracht
wird.